Kapitel 27: Suśarmaṇo Bhagadattasya ca Yuddha
Der zehnte Tag: Arjunas Kampf gegen Suśarman und der Zusammenstoß mit Bhagadatta
Kṛṣṇa lenkt Arjunas Wagen auf dessen Wunsch hin in Richtung von Droṇas Heer, um Bhagadatta zu stellen; doch Suśarman, der Herrscher der Trigartas, verfolgt Arjuna erneut mit seinen Brüdern und fordert ihn heraus. Auf Arjunas Bitte hin wendet Kṛṣṇa den Wagen; Arjuna tötet Suśarmans Bruder, verwundet Suśarman selbst und zieht dann, seine Feinde niedermähend, weiter Richtung Prāgjyotiṣa — begleitet von Saṃjayas Reflexion über Arjunas Bogen Gāṇḍīva, der einst den Bharatas Sicherheit brachte und nun durch Duryodhanas Schuld zur Vernichtung der Kṣatriyas dient. Schließlich treffen Bhagadatta auf seinem Elefanten Supratīka und Arjuna in einem gewaltigen Duell aufeinander; Kṛṣṇa weicht dem anstürmenden Elefanten aus, und Arjuna verschont zunächst aus Pflichtgefühl Elefant und Reiter — bis das Tier in der Nähe stehende Krieger und Rosse zertrampelt und Arjunas Zorn entfacht.
Saṃjaya sprach: Da nun [Arjuna] aufbrechen wollte, lenkte Kṛṣṇa des Pārtha gedankenschnelle, goldverkleidete, weiße Rosse in Richtung von Droṇas Heer.
Wort für Wort
yiyāsatas tataḥ kṛṣṇaḥ
da er [Arjuna] aufbrechen wollte, da Kṛṣṇa (Gen.Sg.Desid.Part. + Adv. + Nom.Sg.)
pārthasyāśvān manojavān
des Pārtha gedankenschnelle Rosse (Gen.Sg. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
apraiṣīd dhemasaṃchannān
lenkte er, goldverkleidet (3.Sg.Aor. + Akk.Pl.)
droṇānīkāya pāṇḍurān
in Richtung Droṇas Heer, weiße [Rosse] (Dat.Sg. + Akk.Pl.)
[Anm.: V.1 bildet eine Einheit; Arjuna hatte am Ende des vorigen Kapitels Kṛṣṇa aufgefordert, zu Bhagadatta zu fahren, der bei Droṇas Truppen operiert.]
Ihm, dem besten der Kurus [Arjuna], der so dahinfuhr, um seine eigenen, von Droṇa bedrängten [Truppen] zu retten, folgte Suśarman, zusammen mit seinen Brüdern, kampfbegierig, von hinten nach.
Wort für Wort
taṃ prayāntaṃ kuruśreṣṭhaṃ
ihm, dem besten der Kurus, der dahinfuhr (Akk.Sg. + Akk.Sg.Part. + Akk.Sg.)
svāṃs trātuṃ droṇatāpitān
um seine von Droṇa bedrängten [Truppen] zu retten (Akk.Pl. + Inf. + Akk.Pl.)
suśarmā bhrātṛbhiḥ sārdhaṃ
Suśarman, zusammen mit seinen Brüdern (Nom.Sg. + Instr.Pl. + Postp.)
yuddhārthī pṛṣṭhato 'nvayāt
kampfbegierig folgte er von hinten (Nom.Sg. + Adv. + 3.Sg.Impf.)
[Anm.: V.2 bildet eine Einheit; Suśarman, Herrscher der Trigartas und Anführer der Saṃśaptakas, hatte die Vernichtung seiner Truppen in Kap.26 überlebt.]
Da sprach der mit den weißen Rossen [Arjuna], der Unbesiegte, Jaya, zu Kṛṣṇa: „Dieser Suśarman fordert mich, zusammen mit seinen Brüdern, heraus, o Acyuta [Kṛṣṇa].
Wort für Wort
tataḥ śvetahayaḥ kṛṣṇam
da der mit den weißen Rossen zu Kṛṣṇa (Adv. + Nom.Sg. + Akk.Sg.)
abravīd ajitaṃ jayaḥ
sprach der Unbesiegte, Jaya (3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
eṣa māṃ bhrātṛbhiḥ sārdhaṃ
dieser fordert mich, zusammen mit seinen Brüdern (Nom.Sg. + Akk.Sg. + Instr.Pl. + Postp.)
suśarmāhvayate 'cyuta
Suśarman heraus, o Acyuta (Nom.Sg. + 3.Sg.Präs.Med. + Vok.Sg.)
[Anm.: V.3 bildet eine Einheit; hier beginnt Arjunas direkte Rede an Kṛṣṇa, die sich über V.4-5 fortsetzt.]
kiṃ nu saṃśaptakān hanmi svān rakṣāmy ahitārditān iti me tvaṃ mataṃ vettha tatra kiṃ sukṛtaṃ bhavet
Soll ich nun die Saṃśaptakas erschlagen, oder die Meinen schützen, die vom Feind bedrängt sind? Du kennst meine Gesinnung hierzu — was wäre hierbei wohlgetan?“
Wort für Wort
kiṃ nu saṃśaptakān hanmi
soll ich nun die Saṃśaptakas erschlagen (Partikel + Partikel + Akk.Pl. + 1.Sg.Präs.)
svān rakṣāmy ahitārditān
oder die Meinen schützen, vom Feind bedrängt (Akk.Pl. + 1.Sg.Präs. + Akk.Pl.)
Arjuna zerschnitt den Speer mit drei Pfeilen, die Lanze mit drei [weiteren], und, nachdem er Suśarman mit einer Pfeilmasse betäubt hatte, wandte er sich [von ihm] ab.
Wort für Wort
śaktiṃ tribhiḥ śaraiś chittvā
den Speer mit drei Pfeilen zerschneidend (Akk.Sg. + Num.Instr. + Instr.Pl. + Ger.)
tomaraṃ tribhir arjunaḥ
die Lanze mit drei [Pfeilen], Arjuna (Akk.Sg. + Num.Instr. + Nom.Sg.)
suśarmāṇaṃ śaravrātair
Suśarman mit einer Pfeilmasse (Akk.Sg. + Instr.Pl.)
tasya vegam asahyaṃ tu kuntīputrasya dhīmataḥ nāśaknuvaṃs te saṃsoḍhuṃ sparśam agner iva prajāḥ
Seinen unerträglichen Ansturm, [des Arjuna,] des weisen Sohnes der Kuntī, vermochten sie nicht zu ertragen, wie Geschöpfe nicht die Berührung des Feuers [ertragen].
Wort für Wort
tasya vegam asahyaṃ tu
seinen unerträglichen Ansturm aber (Gen.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Konj.)
kuntīputrasya dhīmataḥ
des weisen Sohnes der Kuntī (Gen.Sg. + Gen.Sg.)
nāśaknuvaṃs te saṃsoḍhuṃ
sie vermochten nicht zu ertragen (Neg. + 3.Pl.Impf. + Nom.Pl. + Inf.)
sparśam agner iva prajāḥ
die Berührung des Feuers, wie Geschöpfe (Akk.Sg. + Gen.Sg. + Partikel + Nom.Pl.)
[Anm.: V.13 bildet eine Einheit; Bezugspersonen sind die Kaurava-Krieger.]
Jenen Bogen, den Jiṣṇu [Arjuna] damals spannte — [einen Bogen,] der den vom Untergang bedrohten Bharatas im Kampf Sicherheit brachte und der Feinde Tränen mehrte —
Wort für Wort
yat tadānāmayaj jiṣṇur
jenen [Bogen], den damals spannte Jiṣṇu (Akk.Sg. + Adv. + 3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
bharatānām apāyinām
der vom Untergang bedrohten Bharatas (Gen.Pl. + Gen.Pl.)
dhanuḥ kṣemakaraṃ saṃkhye
den Bogen, Sicherheit bringend im Kampf (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Lok.Sg.)
dviṣatām aśruvardhanam
der Feinde Tränen mehrend (Gen.Pl. + Akk.Sg.)
[Anm.: V.15-16 bilden eine syntaktische Einheit; hier reflektiert Saṃjaya über den einstigen edlen Zweck von Arjunas Bogen Gāṇḍīva im Gegensatz zu seinem gegenwärtigen Einsatz (V.16). „bharatānām apāyinām“ ist als 'der [sonst] dem Untergang geweihten Bharatas' gedeutet [?].]
Helden, auf Sieg oder Niederlage [gefasst] (Nom.Pl. + Lok.Sg.)
[Anm.: V.18 bildet eine Einheit; „nyavartanta“ ist hier als 'sich [zum Kampf] wenden' und nicht als 'zurückweichen' verstanden, da V.19 unmittelbar Arjunas schwere Bedrängnis durch sie schildert.]
Mit aus dem Herzen gewichener Furcht, sein Wagen jenseits der Notrecht-Grenzen, nahm Pārtha, der jede Last erträgt, im Kampf die schwere Last [dieser zehntausend] auf sich.
Wort für Wort
vyapetahṛdayatrāsa
mit aus dem Herzen gewichener Furcht (Nom.Sg.Kompositum)
āpaddharmātigo rathaḥ
sein Wagen jenseits der Notrecht-Grenzen (Nom.Sg.Kompositum + Nom.Sg.)
ārchat pārtho guruṃ bhāraṃ
nahm Pārtha die schwere Last auf sich (3.Sg.Impf. + Nom.Sg. + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
sarvabhārasaho yudhi
der jede Last erträgt, im Kampf (Nom.Sg.Kompositum + Lok.Sg.)
[Anm.: V.19 bildet eine Einheit; „āpaddharmātigaḥ“ ('jenseits des Notrechts befindlich') deutet auf eine extreme, über gewöhnliche Kampfregeln hinausgehende Gefahrenlage [?].]
sa cāpi śaravarṣaṃ tac charavarṣeṇa vāsaviḥ aprāptam eva ciccheda bhagadattasya vīryavān
Und auch er, der kraftvolle Sohn des Vāsava [Indra, Arjuna], zerschnitt jenen Pfeilregen des Bhagadatta mit seinem eigenen Pfeilregen, noch ehe er ihn erreichte.
Wort für Wort
sa cāpi śaravarṣaṃ tac
und auch er jenen Pfeilregen (Nom.Sg. + Konj.+Partikel + Akk.Sg. + Akk.Sg.)
charavarṣeṇa vāsaviḥ
mit seinem Pfeilregen, der Sohn des Vāsava (Instr.Sg. + Nom.Sg.)
aprāptam eva ciccheda
noch ehe er ihn erreichte, zerschnitt er (Akk.Sg. + Partikel + 3.Sg.Perf.)
bhagadattasya vīryavān
des Bhagadatta, der kraftvolle (Gen.Sg. + Nom.Sg.)
[Anm.: V.25 bildet eine Einheit. Im Anschluss zwei einzeilige Apparatseinschübe (*0208_01, *0209_01): „Rasch, wegen seiner Gewandtheit, wehrte der Sohn des Pākaśāsana [Indra, Arjuna] jenen [Pfeilregen] ab; und wiederum ließ Dhanaṃjaya einen Pfeilregen niedergehen.“ — nicht übersetzt, elaborieren nur V.25.]
tataḥ prāgjyotiṣo rājā śaravarṣaṃ nivārya tat śarair jaghne mahābāhuṃ pārthaṃ kṛṣṇaṃ ca bhārata
Dann, nachdem der König von Prāgjyotiṣa [Bhagadatta] jenen Pfeilregen abgewehrt hatte, traf er mit Pfeilen den starkarmigen Pārtha und Kṛṣṇa, o Bhārata [Dhṛtarāṣṭra].
Wort für Wort
tataḥ prāgjyotiṣo rājā
dann der König von Prāgjyotiṣa (Adv. + Nom.Sg. + Nom.Sg.)
Obwohl der große, gewendete Elefant nahe herangekommen war, wollte Dhanaṃjaya [Arjuna] ihn samt seinem Reiter nicht dem Tode weihen, eingedenk seiner Pflicht.
Wort für Wort
saṃprāptam api neyeṣa
obwohl herangekommen, wollte er nicht (Akk.Sg.Part. + Partikel + Neg.+3.Sg.Impf.)
parāvṛttaṃ mahādvipam
den gewendeten großen Elefanten (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
sārohaṃ mṛtyusāt kartuṃ
samt Reiter dem Tode weihen (Akk.Sg. + Adv. + Inf.)
smaran dharmaṃ dhanaṃjayaḥ
eingedenk seiner Pflicht, Dhanaṃjaya (Nom.Sg.Part. + Akk.Sg. + Nom.Sg.)
[Anm.: V.29 bildet eine Einheit; Arjunas Zurückhaltung gegenüber dem Elefanten und dessen Lenker aus Pflichtbewusstsein.]