śrī-śuka uvāca — atha kasyacid dvija-varasyāṅgiraḥ-pravarasya śama-dama-tapaḥ-svādhyāyādhyayana-tyāga-santoṣa-titikṣā-praśraya-vidyānasūyātma-jñānānanda-yuktasyātma-sadṛśa-śruta-śīlācāra-rūpaudārya-guṇā nava sodaryā aṅgajā babhūvur mithunaṁ ca yavīyasyāṁ bhāryāyām. yas tu tatra pumāṁs taṁ parama-bhāgavataṁ rājarṣi-pravaraṁ bharatam utsṛṣṭa-mṛga-śarīraṁ carama-śarīreṇa vipratvaṁ gatam āhuḥ.
Śrī Śuka sprach: Darauf wurden einem gewissen Besten der Zweifachgeborenen, dem Vorzüglichsten aus der Linie des Aṅgiras — der ausgestattet war mit Geistes- und Sinnesbeherrschung, Askese, Vedastudium und -rezitation, Entsagung, Zufriedenheit, Duldsamkeit, Sanftmut, Wissen, Neidlosigkeit und der Wonne der Selbsterkenntnis — von seiner jüngsten Gattin neun leibliche Söhne geboren, deren Gelehrsamkeit, Charakter, Verhalten, Gestalt und Großmut ihm selbst glichen, sowie [zusätzlich] ein Zwillingspaar. Wer aber unter diesen [Zwillingen] das männliche [Kind] war, jenen nennt man Bharata, den höchsten Gottgeweihten, den Vorzüglichsten der königlichen Weisen, der den Hirschkörper aufgegeben hatte und durch seinen letzten Körper den Stand eines Brahmanen erlangte.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach (Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
atha
darauf (Adv.)
kasyacit dvija-varasya
einem gewissen Besten der Zweifachgeborenen (Gen.Sg.)
aṅgiraḥ-pravarasya
dem Vorzüglichsten [aus der Linie] des Aṅgiras (Gen.Sg.)
der ausgestattet war mit Geistes-/Sinnesbeherrschung, Askese, Vedastudium/-rezitation, Entsagung, Zufriedenheit, Duldsamkeit, Sanftmut, Wissen, Neidlosigkeit, der Wonne der Selbsterkenntnis (Gen.Sg., Bahuvrihi)
ātma-sadṛśa-śruta-śīla-ācāra-rūpa-audārya-guṇāḥ
deren Eigenschaften an Gelehrsamkeit, Charakter, Verhalten, Gestalt, Großmut ihm selbst glichen (Nom.Pl., attrib. zu aṅgajāḥ)
nava sodaryāḥ aṅgajāḥ
neun leibliche Söhne (Nom.Pl.)
babhūvuḥ
wurden geboren (3.Pl.Perf.)
mithunam ca
und ein Zwillingspaar (Nom.Sg.Neut.)
yavīyasyām bhāryāyām
von/bei der jüngsten Gattin (Lok.Sg.)
yaḥ tu tatra pumān
wer aber unter diesen das männliche [Kind] war (Nom.Sg.)
tam
jenen (Akk.Sg.)
parama-bhāgavatam
den höchsten Gottgeweihten (Akk.Sg.)
rājarṣi-pravaram
den Vorzüglichsten der königlichen Weisen (Akk.Sg.)
bharatam
Bharata (Akk.Sg., Eigenname)
utsṛṣṭa-mṛga-śarīram
der den Hirschkörper aufgegeben hatte (Akk.Sg., Bahuvrihi)
carama-śarīreṇa
durch den letzten Körper (Instr.Sg.)
vipratvam gatam
den Stand eines Brahmanen erlangt habend (Akk.Sg.Part.Perf.Pass.)
Auch dort, heftig vor dem Umgang mit den eigenen Verwandten zurückschreckend, hielt er im Geiste das Lotosfußpaar des Erhabenen fest — jenes Paar, das durch Hören und Erinnern das Band der [fruchtbringenden] Handlung zerstört und dessen Eigenschaften [darin] entfaltet werden. Und da er, aus Furcht vor einer Störung seiner selbst [in dieser Versenkung], sich durch die Gnade des Erhabenen an die Reihe seiner früheren Geburten erinnerte, zeigte er sich den Leuten in Gestalt eines Verrückten, Stumpfsinnigen, Blinden und Tauben.
Wort für Wort
tatra api
auch dort (Adv.)
sva-jana-saṅgāt ca
und vor dem Umgang mit den eigenen Verwandten (Abl.Sg.)
tasyāpi ha vā ātmajasya vipraḥ putra-snehānubaddha-manā āsamāvartanāt saṁskārān yathopadeśaṁ vidadhāna upanītasya ca punaḥ śaucācamanādīn karma-niyamān anabhipretān api samaśikṣayad anuśiṣṭena hi bhāvyaṁ pituḥ putreṇeti.
Von diesem seinem leiblichen Sohn nun war der Brahmane, dessen Geist durch die Liebe zum Sohn gebunden war, [ganz eingenommen]: Bis zum Abschluss von dessen Studienzeit vollzog er die Reinigungsriten gemäß der [schriftlichen] Unterweisung, und auch nach dessen Einführung mit der heiligen Schnur lehrte er ihn ferner gründlich die Regeln der [rituellen] Handlung wie Reinlichkeit, rituelles Wasserschlürfen und dergleichen, obwohl sie [dem Sohn] nicht genehm waren — denn [er dachte]: ‚Fürwahr, was der Vater unterweist, das soll der Sohn befolgen.'
Wort für Wort
tasya api ha vai
von diesem fürwahr (Gen.Sg. + Partikeln)
ātmajasya
des eigenen (leiblichen) Sohnes (Gen.Sg.)
vipraḥ
der Brahmane [Vater] (Nom.Sg.)
putra-sneha-anubaddha-manāḥ
dessen Geist durch Liebe zum Sohn gebunden war (Nom.Sg., Bahuvrihi)
ā-sama-āvartanāt
bis zum Abschluss [der Studienzeit] (Abl., temporal)
saṁskārān
die Reinigungsriten (Akk.Pl.)
yathā-upadeśam
gemäß der [schriftlichen] Unterweisung (Adv.)
vidadhānaḥ
vollziehend (Nom.Sg.Part.Präs.Med.)
upanītasya ca punaḥ
und ferner nach dessen Einführung [mit der heiligen Schnur] (Gen.Sg.)
śauca-ācamana-ādīn karma-niyamān
die Regeln der Handlung wie Reinlichkeit, Wasserschlürfen usw. (Akk.Pl.)
anabhipretān api
obwohl [sie ihm] nicht genehm waren (Akk.Pl., konzessiv)
samaśikṣayat
er lehrte gründlich (3.Sg.Impf.)
anuśiṣṭena hi
denn von dem Unterwiesenen (Instr.Sg.)
bhāvyam
es solle befolgt werden (unpers. Verbaladj.)
pituḥ
vom Vater (Abl.Sg.)
putreṇa iti
durch den Sohn, so [denkend] (Instr.Sg. + Zitatpartikel)
sa cāpi tad u ha pitṛ-sannidhāv evāsadhrīcīnam iva sma karoti chandāṁsy adhyāpayiṣyan saha vyāhṛtibhiḥ sapraṇava-śiras tripadīṁ sāvitrīṁ graiṣma-vāsantikān māsān adhīyānam apy asamaveta-rūpaṁ grāhayām āsa.
Er selbst aber pflegte, gerade in Gegenwart des Vaters, [den Vortrag] gleichsam verkehrt auszuführen: Als [der Vater] ihn in den Sommer- und Frühlingsmonaten die vedischen Hymnen zusammen mit den Vyāhṛtis sowie die vom Praṇava [oṃ] gekrönte, dreifüßige Sāvitrī [den Gāyatrī-Vers] lehren wollte, ließ er [den Vater es] ihn, obwohl [dieser] lernte, nur in unvollständiger Gestalt erfassen.
Wort für Wort
saḥ ca api
er aber auch (Nom.Sg.)
tat u ha
eben das (Betonungspartikeln)
pitṛ-sannidhau eva
gerade in Gegenwart des Vaters (Lok.Sg.)
asadhrīcīnam iva sma karoti
pflegte gleichsam verkehrt zu tun (Adv./Akk. + habituelles Präs.)
chandāṁsi
die vedischen Hymnen/Versmaße (Akk.Pl.)
adhyāpayiṣyan
[der Vater,] im Begriff zu lehren (Nom.Sg.Part.Fut.Akt.)
saha vyāhṛtibhiḥ
zusammen mit den Vyāhṛtis (Instr.Pl.)
sa-praṇava-śiraḥ
vom Praṇava [oṃ] gekrönt (Akk.Sg.Adj.)
tripadīm sāvitrīm
die dreifüßige Sāvitrī [Gāyatrī] (Akk.Sg.)
graiṣma-vāsantikān māsān
die Sommer- und Frühlingsmonate (Akk.Pl., temporal)
adhīyānam api
obwohl [er] lernte (Nom.Sg.Part.Präs., konzessiv)
asamaveta-rūpam
in unvollständiger/unverbundener Gestalt (Akk.Sg.)
grāhayām āsa
er ließ erfassen/lernen (3.Sg.Perf.periphr., Kausativ)
Die Subjektzuordnung von 'grāhayām āsa' (Kausativ) ist im Sanskrit nicht eindeutig; sie könnte auf den Vater (der nur unvollständigen Erfolg erzielte) oder auf Bharata (der absichtlich nur Unvollständiges wiedergab) bezogen werden [?].
So, sein Herz von Zuneigung zu seinem eigenen Sohn, den er als sein eigenes Selbst [ansah], durchdrungen, [und] von der [festen, aber] unangemessenen Überzeugung, dass die Pflichten des Brahmacārin-Standes — Reinlichkeit, Studium, Gelübde, Regeln, Dienst am Lehrer und am [heiligen] Feuer und dergleichen — von dem, der [gründlich] unterwiesen worden ist, befolgt werden müssten, auch wenn sie [ihm] nicht zusagten, unterwies er den Sohn; er selbst aber, seinen Herzenswunsch dennoch nicht erreichend, wurde, selbst zu Hause vernarrt [an weltliche Dinge], von der nie unachtsamen Zeit hinweggerafft.
Wort für Wort
evam
so (Adv.)
sva-tanuje ātmani
in Bezug auf seinen eigenen Sohn, den er als sein Selbst [ansah] (Lok.Sg.)
anurāga-āveśita-cittaḥ
dessen Herz von Zuneigung durchdrungen war (Nom.Sg.)
Darauf, nachdem die jüngere, tugendhafte Brahmanengattin das aus ihrem eigenen Schoß geborene Zwillingspaar der Mitfrau anvertraut hatte, ging sie selbst, indem sie [ihrem Gatten im Tod] nachfolgte, zur Welt des Gatten.
Wort für Wort
atha
darauf (Adv.)
yavīyasī dvija-satī
die jüngere, tugendhafte Brahmanengattin (Nom.Sg.)
sva-garbha-jātam mithunam
das aus ihrem eigenen Schoß geborene Zwillingspaar (Akk.Sg.)
sapatnyai
der Mitfrau (Dat.Sg.)
upanyasya
nachdem sie anvertraut hatte (Absolutiv)
svayam
selbst (Adv.)
anusaṁsthayā
durch das [dem Gatten im Tod] Nachfolgen (Instr.Sg.)
pitary uparate bhrātara enam atat-prabhāva-vidas trayyāṁ vidyāyām eva paryavasita-matayo na para-vidyāyāṁ jaḍa-matir iti bhrātur anuśāsana-nirbandhān nyavṛtsanta.
Als der Vater verschieden war, ließen die [Stief-]Brüder, die dessen [Bharatas] wahre Macht nicht kannten und deren Verstand allein im dreifachen [vedischen] Wissen aufging, nicht aber im höheren [transzendenten] Wissen, in dem Gedanken ‚er ist von stumpfem Verstand', von dem beharrlichen Bemühen ab, den Bruder zu unterweisen.
Wort für Wort
pitari uparate
als der Vater verschieden war (Lok.Abs.)
bhrātaraḥ
die [Stief-]Brüder (Nom.Pl.)
enam
diesen [Bharata] (Akk.Sg.)
a-tat-prabhāva-vidaḥ
die dessen [wahre] Macht nicht kannten (Nom.Pl.)
trayyām vidyāyām eva paryavasita-matayaḥ
deren Verstand allein im dreifachen [vedischen] Wissen aufging (Nom.Pl.)
na para-vidyāyām
nicht im höheren [transzendenten] Wissen (Lok.Sg.)
jaḍa-matiḥ iti
‚[er ist] von stumpfem Verstand', so [denkend] (Nom.Sg. + Zitatpartikel)
bhrātuḥ anuśāsana-nirbandhāt
von dem beharrlichen Bemühen, den Bruder zu unterweisen (Abl.Sg.)
Er nun, von gewöhnlichen Leuten, zweifüßigen Tieren, als ‚verrückt, stumpfsinnig, taub, stumm' angeredet, sprach, wenn [es nötig war], dem entsprechende Worte; und wenn er zu Arbeiten angehalten wurde, tat er sie nach dem Willen anderer — sei es durch Zwang, gegen Lohn, durch Betteln oder durch Zufall dargeboten; wenig oder viel, Schmackhaftes oder verdorbene Speise aß er, jedoch nicht um der Sinnenfreude willen. [Denn] seine Beweggründe [zu fruchtbringendem Handeln] waren für immer erloschen; er hatte die naturgegebene Wonne reiner Erfahrung und die Verwirklichung des eigenen Selbst erlangt und hegte angesichts von Glück und Leid, den Ursachen der Gegensatzpaare, keine Ich-Bezogenheit auf den Körper mehr. Bei Kälte, Hitze, Wind und Regen, wie ein Stier mit unbedecktem Körper, kräftig und von festem Gliederbau, vom Staub bedeckt, [da er] auf dem bloßen Boden lag, sich weder massieren noch baden [ließ], glich er einem großen Edelstein, dessen brahmanischer Glanz [dadurch] nicht offenbar wurde; mit einem schäbigen Tuch um die Hüften und einer stark verschmutzten heiligen Schnur wanderte er, von Leuten, die [ihn] nicht [wirklich] kannten, mit den Bezeichnungen ‚ein Zweifachgeborener' oder ‚[nur noch] ein Verwandter eines Brahmanen' verachtet, umher.
Wort für Wort
saḥ ca
er nun (Nom.Sg.)
prākṛtaiḥ dvi-pada-paśubhiḥ
von gewöhnlichen, zweifüßigen Tieren [Menschen] (Instr.Pl.)
unmatta-jaḍa-badhira-mūkā iti abhibhāṣyamāṇaḥ
als ‚verrückt, stumpfsinnig, taub, stumm' angeredet (Nom.Sg.Part.Präs.Pass.)
yadā tad-anurūpāṇi prabhāṣate
wenn er dem entsprechende [Worte] sprach (3.Sg.Präs.)
karmāṇi ca kāryamāṇaḥ
und zu Arbeiten angehalten (Nom.Sg.Part.Präs.Pass.)
para-icchayā karoti
tat er nach dem Willen anderer (Instr.Sg. + 3.Sg.Präs.)
viṣṭitaḥ vetanataḥ vā
durch Zwang oder gegen Lohn (Nom.Sg./Adv.)
yācñayā yadṛcchayā vā upasāditam
durch Betteln oder durch Zufall Dargebotenes (Instr.Sg. + Akk.Sg.)
alpam bahu mṛṣṭam kat-annam vā abhyavaharati
wenig, viel, Schmackhaftes oder verdorbene Speise aß er (Akk. + 3.Sg.Präs.)
param na indriya-prīti-nimittam
jedoch nicht um der Sinnenfreude willen (Adv.)
nitya-nivṛtta-nimitta-
dessen [karmische] Beweggründe für immer aufgehört hatten (Adj.)
yadā tu parata āhāraṁ karma-vetanata īhamānaḥ sva-bhrātṛbhir api kedāra-karmaṇi nirūpitas tad api karoti kintu na samaṁ viṣamaṁ nyūnam adhikam iti veda kaṇa-piṇyāka-phalī-karaṇa-kulmāṣa-sthālīpurīṣādīny apy amṛtavad abhyavaharati.
Wenn er aber, Nahrung als Lohn für Arbeit von anderen begehrend, selbst von seinen eigenen [Stief-]Brüdern zur Feldarbeit eingesetzt wurde, tat er auch dies; doch unterschied er nicht zwischen Ebenem und Unebenem, Zuwenig und Zuviel; Bruchreis, Ölkuchen, Reisspelzen, madige Körner, am Topf angebrannte Reisreste und dergleichen aß er, gleich wie Nektar.
Wort für Wort
yadā tu
wenn aber (Adv.)
parataḥ āhāram karma-vetanataḥ īhamānaḥ
von anderen Nahrung als Lohn für Arbeit begehrend (Nom.Sg.Part.Präs.)
sva-bhrātṛbhiḥ api
selbst von seinen eigenen [Stief-]Brüdern (Instr.Pl.)
kedāra-karmaṇi nirūpitaḥ
zur Feldarbeit eingesetzt (Nom.Sg.)
tat api karoti
tat er auch dies (Akk. + 3.Sg.Präs.)
kintu na samam viṣamam nyūnam adhikam iti veda
doch unterschied er nicht Ebenes, Unebenes, Zuwenig, Zuviel (Akk.Sg.Neut. + 3.Sg.Perf.)
Einst nun wollte ein gewisser Anführer der Śūdras [Räuber], der sich einen Nachkommen wünschte, der Bhadrakālī einen Menschen als Opfertier darbringen.
Als dessen Gefolgsleute fürwahr die Spur des durch Fügung entkommenen Opfertieres in der Nacht, zur Zeit der Mitternacht, die von Dunkelheit bedeckt war, umherlaufend suchten, aber das Opfertier nicht fanden, erblickten sie durch eine zufällige Fügung den Sohn des Vorzüglichsten aus der Linie des Aṅgiras, wie er, auf erhöhtem Sitz wachend, die Felder vor Hirschen, Wildschweinen und dergleichen beschützte.
Wort für Wort
tasya ha
von diesem [Räuberhäuptling] fürwahr (Gen.Sg.)
daiva-muktasya paśoḥ padavīm
die Spur des durch Fügung entkommenen Opfertieres (Akk.Sg.)
tad-anucarāḥ
dessen Gefolgsleute (Nom.Pl.)
paridhāvantaḥ
umherlaufend/suchend (Nom.Pl.Part.Präs.)
niśi niśītha-samaye
in der Nacht, zur Zeit der Mitternacht (Lok.Sg.)
tamasā āvṛtāyām
die von Dunkelheit bedeckt war (Lok.Sg.Abs.)
anadhigata-paśavaḥ
die das Opfertier nicht fanden (Nom.Pl.)
ākasmikena vidhinā
durch eine zufällige Fügung (Instr.Sg.)
kedārān
die Felder (Akk.Pl.)
vīra-āsanena
durch [sein] Sitzen auf erhöhtem [Wach-]Platz (Instr.Sg.)
mṛga-varāha-ādibhyaḥ saṁrakṣamāṇam
vor Hirschen, Wildschweinen u.dgl. beschützend (Akk.Sg.Part.)
aṅgiraḥ-pravara-sutam
den Sohn des Vorzüglichsten aus der Linie des Aṅgiras (Akk.Sg.)
atha ta enam anavadya-lakṣaṇam avamṛśya bhartṛ-karma-niṣpattiṁ manyamānā baddhvā raśanayā caṇḍikā-gṛham upaninyur mudā vikasita-vadanāḥ.
Darauf, nachdem sie diesen, der die makellosen Merkmale [eines Opfertiers] hatte, betrachtet hatten, und in der Meinung, den Auftrag ihres Herrn erfüllt zu haben, brachten sie ihn, mit einem Strick gebunden, mit Freude und strahlenden Gesichtern zum Tempel der Caṇḍikā.
Wort für Wort
atha te
darauf sie (Nom.Pl.)
enam anavadya-lakṣaṇam
diesen, der die makellosen Merkmale hatte (Akk.Sg.)
avamṛśya
nachdem sie betrachtet hatten (Absolutiv)
bhartṛ-karma-niṣpattim manyamānāḥ
in der Meinung, den Auftrag des Herrn erfüllt zu haben (Nom.Pl.Part.)
baddhvā raśanayā
nachdem sie mit einem Strick gebunden hatten (Absolutiv + Instr.Sg.)
caṇḍikā-gṛham
zum Tempel der Caṇḍikā (Akk.Sg.)
upaninyuḥ
sie brachten hin (3.Pl.Aor.)
mudā vikasita-vadanāḥ
mit Freude, mit strahlenden Gesichtern (Instr.Sg. + Nom.Pl.)
Darauf, nachdem die Räuber ihn nach ihrem eigenen Ritus gebadet, mit einem neuen Gewand bekleidet, mit Schmuck, Salbe, Girlande, Stirnmarkierung und dergleichen geschmückt und gespeist hatten, ließen sie den Menschen als Opfertier — [nachdem alles] mit der Opferausstattung, versehen mit Darbringungen von Räucherwerk, Lampen, Girlanden, geröstetem Korn, jungen Trieben, Sprossen und Früchten, sowie unter lautem Schall von Gesang, Lobgesängen, Trommeln und Pauken — vor der Bhadrakālī sich niedersetzen.
Wort für Wort
atha paṇayaḥ
darauf die Räuber/Gefolgsleute (Nom.Pl.)
tam sva-vidhinā abhiṣicya
nachdem sie ihn nach ihrem eigenen Ritus gebadet hatten (Akk.Sg. + Instr.Sg. + Absolutiv)
āhatena vāsasā ācchādya
nachdem sie mit neuem Gewand bekleidet hatten (Instr.Sg. + Absolutiv)
bhūṣaṇa-ālepa-srak-tilaka-ādibhiḥ upaskṛtam
mit Schmuck, Salbe, Girlande, Stirnmarkierung u.a. geschmückt (Instr.Pl. + Akk.Sg.)
Darauf ergriff der Priester des Räuberhäuptlings, im Begriff, die Göttin Bhadrakālī mit dem Blut [des Menschen] als [Opfer-]Trank zu verehren, das damit geweihte, äußerst furchterregend scharfe Schwert.
Wort für Wort
atha
darauf (Adv.)
vṛṣala-rāja-paṇiḥ
der Priester des Räuberhäuptlings (Nom.Sg.)
puruṣa-paśoḥ asṛk-āsavena
mit dem Blut des Menschen-Opfertiers als [Opfer-]Trank (Instr.Sg.)
devīm bhadra-kālīm yakṣyamāṇaḥ
im Begriff, die Göttin Bhadrakālī zu verehren (Akk.Sg. + Nom.Sg.Part.Fut.)
So war die Tat dieser Śūdras, deren Natur aus Leidenschaft und Dunkelheit bestand, deren Geist vom Rausch des Reichtumsstolzes aufgebläht war, die die Sippe der Helden [Brahmanen], welche eine Teilexpansion des Erhabenen sind, missachtet hatten und, auf abwegigem Pfad nach Belieben umherziehend, ihr Vergnügen in Gewalttaten fanden, überaus furchtbar: [nämlich] dass das Schlachten des selbstverwirklichten, unmittelbar [als solcher erkennbaren] Sohnes eines brahmanischen Weisen, der frei von Feindschaft und ein Freund aller Wesen war, selbst beim [gewöhnlichen] Tieropfer nicht gebilligt gewesen wäre. Als sie das wahrnahm, barst eben jene Göttin Bhadrakālī plötzlich, mit einem vor unerträglichem brahmanischen Glanz glühenden Körper, [aus dem Bildnis] hervor.
Wort für Wort
iti
so (einleitend, Adv.)
teṣām vṛṣalānām
dieser Śūdras/Räuber (Gen.Pl.)
rajaḥ-tamaḥ-prakṛtīnām
deren Natur aus Leidenschaft und Dunkelheit bestand (Gen.Pl.)
dhana-mada-raja-utsikta-manasām
deren Geist vom Rausch/Stolz auf Reichtum aufgebläht war (Gen.Pl.)
bhagavat-kalā-vīra-kulam
die Sippe der Helden, [welche] eine Teilexpansion des Erhabenen [sind] (Akk.Sg.)
kat-arthī-kṛtya
nachdem sie missachtet hatten (Absolutiv)
utpathena svairam viharatām
die auf abwegigem Pfad nach Belieben umherzogen (Instr.Sg. + Adv. + Gen.Pl.Part.)
hiṁsā-vihārāṇām
deren Vergnügen [in] Gewalttat [bestand] (Gen.Pl.)
karma ati-dāruṇam
die Tat [war] überaus furchtbar (Nom.Sg. + Adj.)
yat
[nämlich] dass (Rel.Pron.)
brahma-bhūtasya sākṣāt
des unmittelbar zum Brahman gewordenen [selbstverwirklichten] (Gen.Sg. + Adv.)
brahma-ṛṣi-sutasya
des Sohnes eines brahmanischen Weisen (Gen.Sg.)
nirvairasya sarva-bhūta-suhṛdaḥ
der frei von Feindschaft, ein Freund aller Wesen war (Gen.Sg.)
sūnāyām api ananumatam
beim [Tier-]Schlachten selbst nicht gebilligt (Lok.Sg. + Nom.Sg.)
ālambhanam
das Töten/Schlachten (Nom.Sg.)
tat upalabhya
nachdem sie das wahrgenommen hatte (Akk.Sg. + Absolutiv)
brahma-tejasā ati-durviṣaheṇa
durch den äußerst unerträglichen brahmanischen Glanz (Instr.Sg.)
bhṛśam amarṣa-roṣāveśa-rabhasa-vilasita-bhru-kuṭi-viṭapa-kuṭila-daṁṣṭrāruṇekṣaṇāṭopāti-bhayānaka-vadanā hantu-kāmevedaṁ mahāṭṭa-hāsam ati-saṁrambheṇa vimuñcantī tata utpatya pāpīyasāṁ duṣṭānāṁ tenaivāsinā vivṛkṇa-śīrṣṇāṁ galāt sravantam asṛg-āsavam atyuṣṇaṁ saha gaṇena nipīyāti-pāna-mada-vihvaloccaistarāṁ sva-pārṣadaiḥ saha jagau nanarta ca vijahāra ca śiraḥ-kanduka-līlayā.
Mit einem überaus furchterregenden Gesicht — entfaltet durch die Wucht der von Unduldsamkeit und Zorn erfüllten Erregung, mit den Bögen ihrer gerunzelten Augenbrauen, gekrümmten Fangzähnen und vor Aufwallung rötlichen Augen — stieß sie, wie um diese [Welt] zu töten begierig, mit äußerster Heftigkeit ein gewaltiges, schallendes Gelächter aus, sprang von dort [vom Altar] hervor und trank, zusammen mit ihrer Schar, mit eben jenem Schwert den überaus heißen, aus dem Hals der abgetrennten Köpfe der überaus sündigen Frevler fließenden Bluttrank; vom Rausch des übermäßigen Trinkens überwältigt, sang, tanzte und vergnügte sie sich sodann sehr laut zusammen mit ihren Gefolgsleuten im Spiel mit den Köpfen als Bälle.
Wort für Wort
bhṛśam
heftig (Adv.)
amarṣa-roṣa-āveśa-rabhasa-vilasita-
entfaltet durch die Wucht der von Unduldsamkeit/Zorn erfüllten Erregung (Adj.)
bhru-kuṭi-viṭapa-
mit den Bögen der gerunzelten Augenbrauen (Adj.)
kuṭila-daṁṣṭra-aruṇa-īkṣaṇa-āṭopa-
mit gekrümmten Fangzähnen und der Aufwallung rötlicher Augen (Adj.)
ati-bhayānaka-vadanā
mit überaus furchterregendem Gesicht (Nom.Sg.f.)
hantu-kāmā iva idam
wie um dieses [die Welt] zu töten begierig (Nom.Sg.f. + Akk.Sg.Neut.)
mahā-aṭṭa-hāsam
ein gewaltiges, schallendes Gelächter (Akk.Sg.)
ati-saṁrambheṇa vimuñcantī
mit äußerster Heftigkeit ausstoßend (Instr.Sg. + Nom.Sg.f.Part.)
tataḥ utpatya
von dort hervorgesprungen (Adv. + Absolutiv)
pāpīyasām duṣṭānām
der überaus sündigen Frevler (Gen.Pl.)
tena eva asinā vivṛkṇa-śīrṣṇām
deren Köpfe eben mit jenem Schwert abgetrennt waren (Instr.Sg. + Gen.Pl.)
galāt sravantam asṛk-āsavam ati-uṣṇam
den aus dem Hals fließenden, überaus heißen Bluttrank (Abl.Sg. + Akk.Sg.)
saha gaṇena nipīya
zusammen mit ihrer Schar getrunken habend (Instr.Sg. + Absolutiv)
ati-pāna-mada-vihvalā uccaiḥ-tarām
vom Rausch des übermäßigen Trinkens überwältigt, sehr laut (Nom.Sg.f. + Adv.)
sva-pārṣadaiḥ saha
zusammen mit ihren eigenen Gefolgsleuten (Instr.Pl.)
jagau nanarta ca vijahāra ca
sie sang, tanzte und vergnügte sich (3.Sg.Perf. x3)
evam eva khalu mahad-abhicārāti-kramaḥ kārtsnyenātmane phalati.
So, fürwahr, wirkt sich die Übertretung, [die darin besteht,] eine feindliche [Opfer-]Handlung gegen große [Seelen] zu verüben, ganz und gar auf den [Täter] selbst aus.
Wort für Wort
evam eva khalu
so, fürwahr, gewiss (Adv.)
mahat-abhicāra-ati-kramaḥ
die Übertretung [in Form von] feindlicher [Opfer-]Handlung gegen große [Seelen] (Nom.Sg.)
na vā etad viṣṇudatta mahad-adbhutaṁ yad asambhramaḥ sva-śiraś-chedana āpatite 'pi vimukta-dehādy-ātma-bhāva-sudṛḍha-hṛdaya-granthīnāṁ sarva-sattva-suhṛd-ātmanāṁ nirvairāṇāṁ sākṣād bhagavatānimiṣāri-varāyudhenāpramattena tais tair bhāvaiḥ parirakṣyamāṇānāṁ tat-pāda-mūlam akutaścid-bhayam upasṛtānāṁ bhāgavata-paramahaṁsānām.
Nicht wahrlich, o Viṣṇudatta [Parīkṣit], ist dies eine große Wunderbarkeit, dass selbst beim Bevorstehen der Abtrennung ihres eigenen Hauptes keinerlei Verwirrung [entsteht] bei jenen höchsten Gottgeweihten — deren Herzensknoten, [gebunden an] die Vorstellung des Körpers usw. als Selbst, fest gelöst sind, deren [innerstes] Selbst allen Wesen wohlgesinnt ist, die frei von Feindschaft sind, die vom Erhabenen selbst, der die unwinkende [Zeit] und die beste Waffe [den Sudarśana-Diskus] als Waffen führt und niemals unachtsam ist, durch jene Seine jeweiligen [gnädigen] Gemütszustände beständig beschützt werden, und die, furchtlos von irgendwoher, zur Wurzel Seiner Füße Zuflucht genommen haben.
Wort für Wort
na vā etat
nicht wahrlich dies (Neg. + Nom.Sg.Neut.)
viṣṇu-datta
o von Viṣṇu Beschützter [Parīkṣit] (Vok.Sg.)
mahat adbhutam
eine große Wunderbarkeit (Nom.Sg.)
yat asambhramaḥ
dass die Nicht-Verwirrung/Gelassenheit (Konj. + Nom.Sg.)
sva-śiraḥ-chedane āpatite api
obwohl das Abschlagen des eigenen Hauptes bevorstand (Lok.Abs.)