Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 53: kardama-nirveda-vanagamanam Kardamas Entsagung und Kapilas Geburt

Skandha 3, Adhyāya 24. Quelle: vedabase.io. title_sa als eigene knappe IAST-Kurzbezeichnung des Inhalts gebildet, da vedabase.io keinen Sanskrit-IAST-Kapiteltitel angibt (englischer Titel: "The Renunciation of Kardama Muni"). Verse 22-23 auf der Quellseite als zusammengehoerige Einheit gefuehrt. Kapilas Geburt (V.6) und Kardamas Aufbruch in den Wald (V.41 ff.) markieren den Abschluss der Kardama-Devahuti-Erzaehlung.

maitreya uvāca nirveda-vādinīm evaṁ manor duhitaraṁ muniḥ dayāluḥ śālinīm āha śuklābhivyāhṛtaṁ smaran

Maitreya sagte: Zu der so von Weltentsagung sprechenden Tochter Manus sprach der mitleidige Weise, zur Anmutigen, sich an das von Śukla Gesprochene erinnernd.

Wort für Wort
maitreya uvāca
Maitreya sagte
nirveda-vādinīm evam
zu der so von Weltentsagung Sprechenden
manoḥ duhitaram
zur Tochter Manus
muniḥ dayāluḥ āha
der mitleidige Weise sprach
śālinīm
zur Anmutigen
śukla-abhivyāhṛtam smaran
sich an das von Śukla Gesprochene erinnernd

ṛṣir uvāca mā khido rāja-putrīttham ātmānaṁ praty anindite bhagavāṁs te 'kṣaro garbham adūrāt samprapatsyate

Der Weise sagte: Grolle nicht so gegen dich selbst, o Königstochter, du Untadelige; der unvergängliche Erhabene wird bald in [deinen] Schoß eingehen.

Wort für Wort
ṛṣiḥ uvāca
der Weise sagte
mā khidaḥ rāja-putrī ittham
grolle nicht so, o Königstochter
ātmānam prati anindite
gegen dich selbst, o Untadelige
bhagavān te akṣaraḥ garbham
der unvergängliche Erhabene [wird] in [deinen] Schoß
adūrāt samprapatsyate
bald eingehen

dhṛta-vratāsi bhadraṁ te damena niyamena ca tapo-draviṇa-dānaiś ca śraddhayā ceśvaraṁ bhaja

Du hältst [deine] Gelübde - Segen sei mit dir! - verehre den Herrscher mit Selbstbeherrschung, mit Regeln, mit Askese, Freigebigkeit und Gaben, und mit Vertrauen.

Wort für Wort
dhṛta-vratā asi
du hältst [deine] Gelübde
bhadram te
Segen [sei] mit dir
damena niyamena ca
mit Selbstbeherrschung und mit Regeln
tapaḥ-draviṇa-dānaiḥ ca
und mit Askese, Freigebigkeit und Gaben
śraddhayā ca īśvaram bhaja
und mit Vertrauen verehre den Herrscher

sa tvayārādhitaḥ śuklo vitanvan māmakaṁ yaśaḥ chettā te hṛdaya-granthim audaryo brahma-bhāvanaḥ

Jener von dir verehrte Śukla, meinen Ruhm ausbreitend, wird, aus [deinem] Leib [geboren], den Knoten deines Herzens durchtrennen und [dich zum] Brahman führen.

Wort für Wort
saḥ tvayā ārādhitaḥ śuklaḥ
jener von dir verehrte Śukla
vitanvan māmakam yaśaḥ
meinen Ruhm ausbreitend
chettā te hṛdaya-granthim
wird deinen Herzensknoten durchtrennen
audaryaḥ brahma-bhāvanaḥ
aus [deinem] Leib [geboren], der zum Brahman hinführt

maitreya uvāca devahūty api sandeśaṁ gauraveṇa prajāpateḥ samyak śraddhāya puruṣaṁ kūṭa-stham abhajad gurum

Maitreya sagte: Auch Devahūti, die Botschaft des Herrn der Geschöpfe mit Ehrerbietung und rechtem Vertrauen aufnehmend, verehrte den unveränderlichen Urmenschen als [ihren] Lehrer.

Wort für Wort
maitreya uvāca
Maitreya sagte
devahūtī api sandeśam
auch Devahūti [nahm] die Botschaft
gauraveṇa prajāpateḥ
mit Ehrerbietung [gegenüber] dem Herrn der Geschöpfe
samyak śraddhāya
recht Vertrauen fassend
puruṣam kūṭa-stham
den unveränderlichen Urmenschen
abhajat gurum
verehrte sie als Lehrer

tasyāṁ bahu-tithe kāle bhagavān madhusūdanaḥ kārdamaṁ vīryam āpanno jajñe 'gnir iva dāruṇi

In ihr, nach längerer Zeit, in Kardamas Samen eingegangen, wurde der Erhabene, der Töter Madhus, geboren, wie Feuer im Holz entsteht.

Wort für Wort
tasyām bahu-tithe kāle
in ihr, nach längerer Zeit
bhagavān madhusūdanaḥ
der Erhabene, der Töter Madhus
kārdamam vīryam āpannaḥ
in Kardamas Samen eingegangen
jajñe agniḥ iva dāruṇi
wurde geboren, wie Feuer im Holz entsteht

avādayaṁs tadā vyomni vāditrāṇi ghanāghanāḥ gāyanti taṁ sma gandharvā nṛtyanty apsaraso mudā

Da erklangen am Himmel Musikinstrumente von den Regenwolken; die Gandharven sangen ihn preisend, die Apsaras tanzten vor Freude.

Wort für Wort
avādayan tadā vyomni
da erklangen am Himmel
vāditrāṇi ghana-āghanāḥ
Musikinstrumente von den [Regen-]Wolken
gāyanti tam sma gandharvāḥ
die Gandharven sangen ihn
nṛtyanti apsarasaḥ mudā
die Apsaras tanzten vor Freude

petuḥ sumanaso divyāḥ khe-carair apavarjitāḥ praseduś ca diśaḥ sarvā ambhāṁsi ca manāṁsi ca

Göttliche Blüten fielen herab, von den Himmelswandlern gestreut; alle Himmelsrichtungen wurden heiter, ebenso die Gewässer und die Gemüter.

Wort für Wort
petuḥ sumanasaḥ divyāḥ
göttliche Blüten fielen herab
khe-caraiḥ apavarjitāḥ
von den Himmelswandlern gestreut
praseduḥ ca diśaḥ sarvāḥ
und alle Himmelsrichtungen wurden heiter
ambhāṁsi ca manāṁsi ca
und die Gewässer und die Gemüter

tat kardamāśrama-padaṁ sarasvatyā pariśritam svayambhūḥ sākam ṛṣibhir marīcy-ādibhir abhyayāt

Jene Einsiedelei Kardamas, von der Sarasvatī umgeben, suchte der Selbstentstandene (Brahmā) zusammen mit den Weisen, angeführt von Marīci, auf.

Wort für Wort
tat kardama-āśrama-padam
jene Stätte, die Einsiedelei Kardamas
sarasvatyā pariśritam
von der Sarasvatī umgeben
svayambhūḥ sākam ṛṣibhiḥ
der Selbstentstandene zusammen mit den Weisen
marīci-ādibhiḥ abhyayāt
angeführt von Marīci, suchte auf

bhagavantaṁ paraṁ brahma sattvenāṁśena śatru-han tattva-saṅkhyāna-vijñaptyai jātaṁ vidvān ajaḥ svarāṭ

Der Wissende, der Ungeborene, der Selbstherrscher (Brahmā) [erkannte], o Feindbezwinger, den Erhabenen, das höchste Brahman, der durch [seinen] Sattva-Anteil zur Verkündigung der Aufzählung der Wahrheiten geboren war.

Wort für Wort
bhagavantam param brahma
den Erhabenen, das höchste Brahman
sattvena aṁśena
durch [seinen] Sattva-Anteil
śatru-han
o Feindbezwinger [Anrede an Vidura]
tattva-saṅkhyāna-vijñaptyai
zur Verkündigung der Aufzählung der Wahrheiten
jātam
geboren
vidvān ajaḥ svarāṭ
der Wissende, der Ungeborene, der Selbstherrscher (Brahmā)

sabhājayan viśuddhena cetasā tac-cikīrṣitam prahṛṣyamāṇair asubhiḥ kardamaṁ cedam abhyadhāt

Brahmā, mit reinem Herzen dessen Absicht ehrend, mit sich freuenden Lebenskräften, sprach dies zu Kardama.

Wort für Wort
sabhājayan viśuddhena cetasā
mit reinem Herzen ehrend
tat-cikīrṣitam
dessen Absicht
prahṛṣyamāṇaiḥ asubhiḥ
mit sich freuenden Lebenskräften
kardamam ca idam abhyadhāt
und sprach dies zu Kardama

brahmovāca tvayā me 'pacitis tāta kalpitā nirvyalīkataḥ yan me sañjagṛhe vākyaṁ bhavān mānada mānayan

Brahmā sagte: Von dir, mein Sohn, wurde mir ohne Heuchelei Verehrung erwiesen, da du, o Ehrenspender, mein Wort ehrend angenommen hast.

Wort für Wort
brahmā uvāca
Brahmā sagte
tvayā me apacitiḥ tāta
von dir, mein Sohn, [wurde mir] Verehrung
kalpitā nirvyalīkataḥ
erwiesen, ohne Heuchelei
yat me sañjagṛhe vākyam
da du mein Wort angenommen hast
bhavān mānada mānayan
du, o Ehrenspender, [es] ehrend

etāvaty eva śuśrūṣā kāryā pitari putrakaiḥ bāḍham ity anumanyeta gauraveṇa guror vacaḥ

Genau so viel Dienst ist von den Söhnen dem Vater zu erweisen: 'Ja, gewiss' - so möge man dem Wort des Lehrers mit Ehrerbietung zustimmen.

Wort für Wort
etāvatī eva śuśrūṣā
genau so viel Dienst
kāryā pitari putrakaiḥ
ist vom Sohn dem Vater zu erweisen
bāḍham iti anumanyeta
'Ja, gewiss' - so möge man zustimmen
gauraveṇa guroḥ vacaḥ
dem Wort des Lehrers mit Ehrerbietung

imā duhitaraḥ satyas tava vatsa sumadhyamāḥ | sargam etaṁ prabhāvaiḥ svair bṛṁhayiṣyanty anekadhā ||

Diese deine wahrhaften, schlankhüftigen Töchter, o Kind, werden durch ihre eigenen Kräfte diese Schöpfung auf vielfache Weise vermehren.

Wort für Wort
imāḥ duhitaraḥ satyaḥ
diese wahrhaften Töchter
tava vatsa su-madhyamāḥ
deine, o Kind, schlankhüftigen
sargam etam prabhāvaiḥ svaiḥ
diese Schöpfung durch ihre eigenen Kräfte
bṛṁhayiṣyanti anekadhā
werden sie auf vielfache Weise vermehren

atas tvam ṛṣi-mukhyebhyo yathā-śīlaṁ yathā-ruci ātmajāḥ paridehy adya vistṛṇīhi yaśo bhuvi

Daher übergib heute [deine] Töchter den führenden Weisen, gemäß [ihrem jeweiligen] Charakter und [ihrer jeweiligen] Neigung, und verbreite [deinen] Ruhm auf Erden.

Wort für Wort
ataḥ tvam ṛṣi-mukhyebhyaḥ
daher du, den führenden Weisen
yathā-śīlam yathā-ruci
gemäß [ihrem] Charakter, gemäß [ihrer] Neigung
ātmajāḥ paridehi adya
übergib heute [deine] Töchter
vistṛṇīhi yaśaḥ bhuvi
verbreite [deinen] Ruhm auf Erden

vedāham ādyaṁ puruṣam avatīrṇaṁ sva-māyayā bhūtānāṁ śevadhiṁ dehaṁ bibhrāṇaṁ kapilaṁ mune

Ich weiß, dass der Urmensch, o Weiser, durch seine eigene Māyā herabgestiegen ist und, den Körper Kapilas tragend, [nun] der Schatz [aller] Wesen ist.

Wort für Wort
veda aham ādyam puruṣam
ich weiß, den Urmenschen
avatīrṇam sva-māyayā
durch seine eigene Māyā herabgestiegen
bhūtānām śevadhim
den Schatz der Wesen
deham bibhrāṇam kapilam mune
den Körper Kapilas tragend, o Weiser

jñāna-vijñāna-yogena karmaṇām uddharan jaṭāḥ hiraṇya-keśaḥ padmākṣaḥ padma-mudrā-padāmbujaḥ

Durch Wissen, [praktische] Erkenntnis und Yoga die Wurzelgeflechte der [verstrickenden] Taten ausrottend, mit goldenem Haar, lotosäugig, mit dem Lotoszeichen an [seinen] Lotosfüßen.

Wort für Wort
jñāna-vijñāna-yogena
durch Wissen, [praktische] Erkenntnis und Yoga
karmaṇām uddharan jaṭāḥ
die Wurzelgeflechte der Taten ausrottend
hiraṇya-keśaḥ padma-akṣaḥ
mit goldenem Haar, lotosäugig
padma-mudrā-pada-ambujaḥ
mit dem Lotoszeichen an [seinen] Lotosfüßen

eṣa mānavi te garbhaṁ praviṣṭaḥ kaiṭabhārdanaḥ avidyā-saṁśaya-granthiṁ chittvā gāṁ vicariṣyati

Dieser, o Manu-Tochter, der in deinen Schoß eingegangene Bedränger Kaiṭabhas, wird, nachdem er den Knoten von Unwissenheit und Zweifel durchtrennt hat, über die Erde wandeln.

Wort für Wort
eṣaḥ mānavi te garbham
dieser, o Manu-Tochter, in deinen Schoß
praviṣṭaḥ kaiṭabha-ardanaḥ
eingegangene Bedränger Kaiṭabhas
avidyā-saṁśaya-granthim chittvā
nachdem er den Knoten von Unwissenheit und Zweifel durchtrennt hat
gām vicariṣyati
wird er über die Erde wandeln

ayaṁ siddha-gaṇādhīśaḥ sāṅkhyācāryaiḥ susammataḥ loke kapila ity ākhyāṁ gantā te kīrti-vardhanaḥ

Dieser, der Herr der Siddha-Scharen, von den Sāṅkhya-Lehrern hochgeschätzt, wird in der Welt unter dem Namen Kapila bekannt sein, [dein] Ruhm-Mehrer.

Wort für Wort
ayam siddha-gaṇa-adhīśaḥ
dieser, der Herr der Siddha-Scharen
sāṅkhya-ācāryaiḥ susammataḥ
von den Sāṅkhya-Lehrern hochgeschätzt
loke kapila iti ākhyām gantā
wird in der Welt unter dem Namen Kapila bekannt sein
te kīrti-vardhanaḥ
dein Ruhm-Mehrer

maitreya uvāca tāv āśvāsya jagat-sraṣṭā kumāraiḥ saha-nāradaḥ haṁso haṁsena yānena tri-dhāma-paramaṁ yayau

Maitreya sagte: Nachdem der Schöpfer der Welt jene beiden getröstet hatte, begab sich Brahmā, der Schwan, zusammen mit den Kumāras und Nārada, auf seinem Schwan-Fahrzeug, zum höchsten der drei Bereiche.

Wort für Wort
maitreya uvāca
Maitreya sagte
tau āśvāsya
jene beiden tröstend
jagat-sraṣṭā
der Schöpfer der Welt (Brahmā)
kumāraiḥ saha-nāradaḥ
zusammen mit den Kumāras und Nārada
haṁsaḥ haṁsena yānena
der Schwan [Brahmā] mit dem Schwan-Fahrzeug
tri-dhāma-paramam yayau
begab sich zum höchsten der drei Bereiche

gate śata-dhṛtau kṣattaḥ kardamas tena coditaḥ yathoditaṁ sva-duhitṝḥ prādād viśva-sṛjāṁ tataḥ

Nachdem der Hundertopferer (Brahmā) gegangen war, o Kṣattā, übergab Kardama, von ihm dazu angehalten, wie [von ihm] gesagt, daraufhin seine eigenen Töchter den Weltenschöpfern.

Wort für Wort
gate śata-dhṛtau
nachdem der Hundertopferer (Brahmā) gegangen war
kṣattaḥ
o Kṣattā (Vidura)
kardamaḥ tena coditaḥ
Kardama, von ihm dazu angehalten
yathā-uditam
wie [von ihm] gesagt
sva-duhitṝḥ prādāt viśva-sṛjām tataḥ
übergab daraufhin seine eigenen Töchter den Weltenschöpfern

marīcaye kalāṁ prādād anasūyām athātraye śraddhām aṅgirase 'yacchat pulastyāya havirbhuvam pulahāya gatiṁ yuktāṁ kratave ca kriyāṁ satīm khyātiṁ ca bhṛgave 'yacchad vasiṣṭhāyāpy arundhatīm

Marīci gab er [seine Tochter] Kalā, dann Atri Anasūyā, dem Aṅgiras gab er Śraddhā, dem Pulastya Havirbhū; dem Pulaha die geeignete Gati, dem Kratu die tugendhafte Kriyā, dem Bhṛgu gab er Khyāti, und ebenso dem Vasiṣṭha Arundhatī.

Wort für Wort
marīcaye kalām prādāt
Marīci gab er Kalā
atha atraye anasūyām
dann Atri Anasūyā
śraddhām aṅgirase ayacchat
dem Aṅgiras gab er Śraddhā
pulastyāya havirbhuvam
dem Pulastya Havirbhū
pulahāya gatim yuktām
dem Pulaha die geeignete Gati
kratave ca kriyām satīm
und dem Kratu die tugendhafte Kriyā
khyātim ca bhṛgave ayacchat
und dem Bhṛgu gab er Khyāti
vasiṣṭhāya api arundhatīm
und auch dem Vasiṣṭha Arundhatī

atharvaṇe 'dadāc chāntiṁ yayā yajño vitanyate viprarṣabhān kṛtodvāhān sadārān samalālayat

Dem Atharvan gab er Śānti, durch die das Opfer ausgebreitet wird; die Stiere unter den Weisen, [nun] verheiratet, mit [ihren] Gattinnen versah er reichlich.

Wort für Wort
atharvaṇe adadāt śāntim
dem Atharvan gab er Śānti
yayā yajñaḥ vitanyate
durch die das Opfer ausgebreitet wird
vipra-ṛṣabhān kṛta-udvāhān
die Stiere unter den Weisen, [nun] verheiratet
sa-dārān samalālayat
mit [ihren] Gattinnen versah er reichlich

tatas ta ṛṣayaḥ kṣattaḥ kṛta-dārā nimantrya tam prātiṣṭhan nandim āpannāḥ svaṁ svam āśrama-maṇḍalam

Daraufhin, o Kṣattā, machten sich jene Weisen, [nun] verheiratet, nachdem sie ihn eingeladen hatten, voller Freude auf zu ihren jeweils eigenen Einsiedeleien.

Wort für Wort
tataḥ te ṛṣayaḥ kṣattaḥ
daraufhin jene Weisen, o Kṣattā
kṛta-dārāḥ nimantrya tam
[nun] verheiratet, ihn einladend
prātiṣṭhan nandim āpannāḥ
machten sich auf, Freude erlangend
svam svam āśrama-maṇḍalam
zu ihren jeweils eigenen Einsiedeleien

sa cāvatīrṇaṁ tri-yugam ājñāya vibudharṣabham vivikta upasaṅgamya praṇamya samabhāṣata

Und Kardama, erkennend, dass der Stier unter den Göttern als 'Tri-yuga' herabgestiegen war, näherte sich ihm an einem einsamen Ort, verneigte sich und sprach.

Wort für Wort
saḥ ca avatīrṇam tri-yugam
und er, den als Tri-yuga Herabgestiegenen
ājñāya vibudha-ṛṣabham
erkennend, den Stier unter den Göttern
vivikte upasaṅgamya
an einem einsamen Ort sich nähernd
praṇamya samabhāṣata
sich verneigend, sprach er

aho pāpacyamānānāṁ niraye svair amaṅgalaiḥ kālena bhūyasā nūnaṁ prasīdantīha devatāḥ

Ach, gewiss werden [uns], die wir in der Hölle durch unsere eigenen Missetaten leiden, nach sehr langer Zeit hier die Gottheiten gnädig.

Wort für Wort
aho pāpacyamānānām niraye
ach, [uns], die wir in der Hölle leiden
svaiḥ amaṅgalaiḥ
durch unsere eigenen Missetaten
kālena bhūyasā nūnam
gewiss nach sehr langer Zeit
prasīdanti iha devatāḥ
werden hier die Gottheiten gnädig

bahu-janma-vipakvena samyag-yoga-samādhinā draṣṭuṁ yatante yatayaḥ śūnyāgāreṣu yat-padam

Jenen Zustand, den die Asketen durch über viele Geburten gereiften rechten Yoga und Versenkung in leeren Behausungen zu erblicken trachten -

Wort für Wort
bahu-janma-vipakvena
durch über viele Geburten gereiften
samyak-yoga-samādhinā
durch rechten Yoga [und] Versenkung
draṣṭum yatante yatayaḥ
[den] die Asketen zu erblicken trachten
śūnya-agāreṣu yat-padam
jenen Zustand in leeren Behausungen

sa eva bhagavān adya helanaṁ na gaṇayya naḥ gṛheṣu jāto grāmyāṇāṁ yaḥ svānāṁ pakṣa-poṣaṇaḥ

- eben dieser Erhabene ist heute, ohne unsere Nachlässigkeit zu beachten, in den Häusern dörflicher Menschen geboren worden, er, der Erhalter derer, die zu ihm gehören.

Wort für Wort
saḥ eva bhagavān adya
eben dieser Erhabene [ist] heute
helanam na gaṇayya naḥ
ohne unsere Nachlässigkeit zu beachten
gṛheṣu jātaḥ grāmyāṇām
in den Häusern dörflicher [Menschen] geboren
yaḥ svānām pakṣa-poṣaṇaḥ
er, der Erhalter derer, die zu ihm gehören

svīyaṁ vākyam ṛtaṁ kartum avatīrṇo 'si me gṛhe / cikīrṣur bhagavān jñānaṁ bhaktānāṁ māna-vardhanaḥ

Um dein eigenes Wort wahr zu machen, bist du, der Erhabene, in mein Haus herabgestiegen, [mir] Wissen zu geben wünschend, du, der Mehrer der Ehre [deiner] Hingebungsvollen.

Wort für Wort
svīyam vākyam ṛtam kartum
um dein eigenes Wort wahr zu machen
avatīrṇaḥ asi me gṛhe
bist du in mein Haus herabgestiegen
cikīrṣuḥ bhagavān jñānam
der Erhabene, [mir] Wissen zu geben wünschend
bhaktānām māna-vardhanaḥ
der Mehrer der Ehre [deiner] Hingebungsvollen

tāny eva te 'bhirūpāṇi rūpāṇi bhagavaṁs tava yāni yāni ca rocante sva-janānām arūpiṇaḥ

Eben jene Gestalten sind für dich, o Erhabener, [wahrhaft] angemessen, welche auch immer deinen [dir] Zugehörigen gefallen, obwohl du [an sich] gestaltlos bist.

Wort für Wort
tāni eva te abhirūpāṇi rūpāṇi
eben jene angemessenen Gestalten
bhagavan tava
für dich, o Erhabener
yāni yāni ca rocante
welche auch immer gefallen
sva-janānām arūpiṇaḥ
deinen Zugehörigen, [obwohl du] gestaltlos [bist]

tvāṁ sūribhis tattva-bubhutsayāddhā sadābhivādārhaṇa-pāda-pīṭham aiśvarya-vairāgya-yaśo-'vabodha- vīrya-śriyā pūrtam ahaṁ prapadye

Ich nehme Zuflucht zu dir, dessen Fußschemel von den Weisen aus wahrhaftigem Wunsch, die Wahrheit zu erkennen, stets verehrt wird, zu dir, der erfüllt ist mit Herrschermacht, Entsagung, Ruhm, Erkenntnis, Kraft und Herrlichkeit.

Wort für Wort
tvām sūribhiḥ tattva-bubhutsayā addhā
zu dir, von den Weisen aus wahrhaftigem Wunsch, die Wahrheit zu erkennen
sadā abhivāda-arhaṇa-pāda-pīṭham
dessen Fußschemel stets der Verehrung würdig ist
aiśvarya-vairāgya-yaśaḥ-avabodha-vīrya-śriyā pūrtam
erfüllt mit Herrschermacht, Entsagung, Ruhm, Erkenntnis, Kraft und Herrlichkeit
aham prapadye
ich nehme Zuflucht

paraṁ pradhānaṁ puruṣaṁ mahāntaṁ kālaṁ kaviṁ tri-vṛtaṁ loka-pālam ātmānubhūtyānugata-prapañcaṁ svacchanda-śaktiṁ kapilaṁ prapadye

Ich nehme Zuflucht zu Kapila, dem höchsten Pradhāna, dem Puruṣa, dem Großen, der Zeit, dem Seher, dem Dreifach-Gebundenen, dem Welterhalter, dessen Erscheinungsvielfalt aus der Erfahrung des eigenen Selbst folgt, dem [Herrn] mit frei-waltender Macht.

Wort für Wort
param pradhānam puruṣam mahāntam
zum höchsten Pradhāna, dem Puruṣa, dem Großen
kālam kavim tri-vṛtam loka-pālam
der Zeit, dem Seher, dem Dreifach-Gebundenen, dem Welterhalter
ātma-anubhūtyā anugata-prapañcam
dessen Erscheinungsvielfalt aus der Erfahrung des eigenen Selbst folgt
svacchanda-śaktim kapilam prapadye
zu Kapila, mit frei-waltender Macht, nehme ich Zuflucht

ā smābhipṛcche 'dya patiṁ prajānāṁ tvayāvatīrṇarṇa uta āpta-kāmaḥ parivrajat-padavīm āsthito 'haṁ cariṣye tvāṁ hṛdi yuñjan viśokaḥ

Nun bitte ich [dich] heute um Erlaubnis, dich, den Herrn der Geschöpfe; durch dich von [meiner] Schuld befreit und meine Wünsche erfüllt, werde ich, den Pfad der Wanderschaft einschlagend, umherziehen, dich im Herzen bergend, frei von Kummer.

Wort für Wort
ā sma abhipṛcche adya patim prajānām
nun bitte ich heute um Erlaubnis [dich], den Herrn der Geschöpfe
tvayā avatīrṇa-ṛṇaḥ uta āpta-kāmaḥ
durch dich von [meiner] Schuld befreit und meine Wünsche erfüllt
parivrajat-padavīm āsthitaḥ aham
den Pfad der Wanderschaft einschlagend, ich
cariṣye tvām hṛdi yuñjan viśokaḥ
werde umherziehen, dich im Herzen bergend, frei von Kummer

śrī-bhagavān uvāca mayā proktaṁ hi lokasya pramāṇaṁ satya-laukike athājani mayā tubhyaṁ yad avocam ṛtaṁ mune

Der ehrwürdige Erhabene sagte: Was von mir gesagt wurde, ist gewiss für die Welt Maßstab in weltlichen Wahrheitsangelegenheiten; nun bin ich dir geboren worden, o Weiser, um wahr zu machen, was ich [dir] gesagt hatte.

Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der ehrwürdige Erhabene sagte
mayā proktam hi
was von mir gesagt wurde, [ist] gewiss
lokasya pramāṇam satya-laukike
für die Welt Maßstab in weltlichen Wahrheitsangelegenheiten
atha ajani mayā tubhyam
nun bin ich dir geboren worden
yat avocam ṛtam mune
um wahr zu machen, was ich gesagt hatte, o Weiser

etan me janma loke 'smin mumukṣūṇāṁ durāśayāt prasaṅkhyānāya tattvānāṁ sammatāyātma-darśane

Diese meine Geburt in dieser Welt [dient] denen, die nach Befreiung streben, deren Sinn schwer zu läutern ist, zur Aufzählung der Wahrheiten, die für die Selbsterkenntnis geschätzt wird.

Wort für Wort
etat me janma loke asmin
diese meine Geburt in dieser Welt
mumukṣūṇām durāśayāt
für die nach Befreiung Strebenden, [deren Sinn] schwer zu läutern [ist]
prasaṅkhyānāya tattvānām
zur Aufzählung der Wahrheiten
sammatāya ātma-darśane
die für die Selbsterkenntnis geschätzt wird

[?] "durāśayāt" bleibt unabhängig nicht restlos sicher zu klären - hier auf den schwer zu läuternden Sinn der nach Befreiung Strebenden bezogen; andere Lesarten sind denkbar.

eṣa ātma-patho 'vyakto naṣṭaḥ kālena bhūyasā taṁ pravartayituṁ deham imaṁ viddhi mayā bhṛtam

Dieser Pfad zum Selbst ist unmanifest [geworden] und durch die lange Zeit verloren gegangen; wisse, dass dieser Körper von mir angenommen wurde, um ihn wieder in Gang zu setzen.

Wort für Wort
eṣaḥ ātma-pathaḥ avyaktaḥ
dieser Pfad zum Selbst ist unmanifest
naṣṭaḥ kālena bhūyasā
verloren gegangen durch die lange Zeit
tam pravartayitum
um ihn [wieder] in Gang zu setzen
deham imam viddhi mayā bhṛtam
wisse, dass dieser Körper von mir angenommen wurde

gaccha kāmaṁ mayāpṛṣṭo mayi sannyasta-karmaṇā jitvā sudurjayaṁ mṛtyum amṛtatvāya māṁ bhaja

Geh nach Belieben, von mir dazu ermächtigt; du, der du [deine] Taten mir übergeben hast, verehre mich, nachdem du den überaus schwer zu besiegenden Tod besiegt hast, zur Unsterblichkeit.

Wort für Wort
gaccha kāmam
geh nach Belieben
mayā āpṛṣṭaḥ
von mir [dazu] befragt/ermächtigt
mayi sannyasta-karmaṇā
du, der du [deine] Taten mir übergeben hast
jitvā sudurjayam mṛtyum
nachdem du den überaus schwer zu besiegenden Tod besiegt hast
amṛtatvāya mām bhaja
verehre mich zur Unsterblichkeit

mām ātmānaṁ svayaṁ-jyotiḥ sarva-bhūta-guhāśayam ātmany evātmanā vīkṣya viśoko 'bhayam ṛcchasi

Indem du mich, das Selbst, das selbstleuchtende, in der Höhle [des Herzens] aller Wesen Wohnende, im [eigenen] Selbst durch das [eigene] Selbst erblickst, wirst du, frei von Kummer, zur Furchtlosigkeit gelangen.

Wort für Wort
mām ātmānam svayam-jyotiḥ
mich, das Selbst, das selbstleuchtende
sarva-bhūta-guhā-āśayam
das in der Höhle [des Herzens] aller Wesen wohnt
ātmani eva ātmanā vīkṣya
im [eigenen] Selbst durch das [eigene] Selbst erblickend
viśokaḥ abhayam ṛcchasi
wirst du, frei von Kummer, zur Furchtlosigkeit gelangen

mātra ādhyātmikīṁ vidyāṁ śamanīṁ sarva-karmaṇām vitariṣye yayā cāsau bhayaṁ cātitariṣyati

Deiner Mutter werde ich das die Wirkung aller [bindenden] Taten stillende, auf das Selbst bezogene Wissen gewähren, durch das auch sie die Furcht überwinden wird.

Wort für Wort
mātre ādhyātmikīm vidyām
der Mutter das auf das Selbst bezogene Wissen
śamanīm sarva-karmaṇām
das die Wirkung aller Taten stillt
vitariṣye
ich werde gewähren
yayā ca asau bhayam ca atitariṣyati
durch das auch sie die Furcht überwinden wird

maitreya uvāca evaṁ samuditas tena kapilena prajāpatiḥ dakṣiṇī-kṛtya taṁ prīto vanam eva jagāma ha

Maitreya sagte: So von Kapila angesprochen, umschritt der Herr der Geschöpfe ihn ehrerbietig von rechts und begab sich, erfreut, geradewegs in den Wald.

Wort für Wort
maitreya uvāca
Maitreya sagte
evam samuditaḥ tena kapilena
so von jenem Kapila angesprochen
prajāpatiḥ
der Herr der Geschöpfe (Kardama)
dakṣiṇī-kṛtya tam prītaḥ
ihn ehrerbietig von rechts umschreitend, erfreut
vanam eva jagāma ha
begab sich geradewegs in den Wald

vrataṁ sa āsthito maunam ātmaika-śaraṇo muniḥ niḥsaṅgo vyacarat kṣoṇīm anagnir aniketanaḥ

Er, das Schweigegelübde einhaltend, allein im Selbst Zuflucht suchend, der Weise, wanderte ungebunden über die Erde, ohne [heiliges] Feuer und ohne feste Wohnstatt.

Wort für Wort
vratam saḥ āsthitaḥ maunam
er, das Schweigegelübde einhaltend
ātma-eka-śaraṇaḥ muniḥ
allein im Selbst Zuflucht suchend, der Weise
niḥsaṅgaḥ vyacarat kṣoṇīm
ungebunden wanderte er über die Erde
anagniḥ aniketanaḥ
ohne [heiliges] Feuer und ohne feste Wohnstatt

mano brahmaṇi yuñjāno yat tat sad-asataḥ param guṇāvabhāse viguṇa eka-bhaktyānubhāvite

Er, den Geist auf das Brahman richtend, jenes, das jenseits von Ursache und Wirkung ist, das in der Erscheinung der Guṇas gegenwärtig, selbst aber guṇa-los ist, und durch einzige Hingabe erfahren wird.

Wort für Wort
manaḥ brahmaṇi yuñjānaḥ
den Geist auf das Brahman richtend
yat tat sat-asataḥ param
jenes, das jenseits von Ursache und Wirkung ist
guṇa-avabhāse viguṇaḥ
in der Erscheinung der Guṇas [gegenwärtig, selbst aber] guṇa-los
eka-bhaktyā anubhāvite
durch einzige Hingabe erfahren

nirahaṅkṛtir nirmamaś ca nirdvandvaḥ sama-dṛk sva-dṛk pratyak-praśānta-dhīr dhīraḥ praśāntormir ivodadhiḥ

Ohne Ichbewusstsein und ohne Mein-Gefühl, jenseits der Gegensatzpaare, mit gleichmütigem Blick, sich selbst schauend, mit nach innen gerichtetem, befriedetem Verstand, standhaft, wie ein Ozean mit besänftigten Wellen.

Wort für Wort
nirahaṅkṛtiḥ nirmamaḥ ca
ohne Ichbewusstsein und ohne Mein-Gefühl
nirdvandvaḥ sama-dṛk sva-dṛk
jenseits der Gegensatzpaare, mit gleichmütigem Blick, sich selbst schauend
pratyak-praśānta-dhīḥ dhīraḥ
mit nach innen gerichtetem, befriedetem Verstand, standhaft
praśānta-ūrmiḥ iva udadhiḥ
wie ein Ozean mit besänftigten Wellen

vāsudeve bhagavati sarva-jñe pratyag-ātmani pareṇa bhakti-bhāvena labdhātmā mukta-bandhanaḥ

Durch höchste Hingabe-Gesinnung zu Vāsudeva, dem Erhabenen, dem Allwissenden, dem inneren Selbst, wurde er, der sein Selbst erlangt hat, aus [aller] Bindung befreit.

Wort für Wort
vāsudeve bhagavati sarva-jñe pratyak-ātmani
zu Vāsudeva, dem Erhabenen, dem Allwissenden, dem inneren Selbst
pareṇa bhakti-bhāvena
durch höchste Hingabe-Gesinnung
labdha-ātmā mukta-bandhanaḥ
der [sein] Selbst erlangt hat, aus [aller] Bindung befreit

ātmānaṁ sarva-bhūteṣu bhagavantam avasthitam apaśyat sarva-bhūtāni bhagavaty api cātmani

Er erblickte das Selbst, den Erhabenen, in allen Wesen gegenwärtig, und ebenso alle Wesen im Erhabenen und auch im [eigenen] Selbst.

Wort für Wort
ātmānam sarva-bhūteṣu bhagavantam avasthitam
das Selbst, den Erhabenen, in allen Wesen gegenwärtig
apaśyat sarva-bhūtāni
er erblickte alle Wesen
bhagavati api ca ātmani
auch im Erhabenen und im [eigenen] Selbst

icchā-dveṣa-vihīnena sarvatra sama-cetasā bhagavad-bhakti-yuktena prāptā bhāgavatī gatiḥ

Frei von Verlangen und Abneigung, überall gleichmütigen Sinnes, mit Hingabe zum Erhabenen ausgestattet, erlangte er den Zustand des Erhabenen selbst.

Wort für Wort
icchā-dveṣa-vihīnena
frei von Verlangen und Abneigung
sarvatra sama-cetasā
überall gleichmütigen Sinnes
bhagavat-bhakti-yuktena
mit Hingabe zum Erhabenen ausgestattet
prāptā bhāgavatī gatiḥ
erlangte er den Zustand des Erhabenen

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