Kapitel 53: kardama-nirveda-vanagamanam
Kardamas Entsagung und Kapilas Geburt
Skandha 3, Adhyāya 24. Quelle: vedabase.io. title_sa als eigene knappe IAST-Kurzbezeichnung des Inhalts gebildet, da vedabase.io keinen Sanskrit-IAST-Kapiteltitel angibt (englischer Titel: "The Renunciation of Kardama Muni"). Verse 22-23 auf der Quellseite als zusammengehoerige Einheit gefuehrt. Kapilas Geburt (V.6) und Kardamas Aufbruch in den Wald (V.41 ff.) markieren den Abschluss der Kardama-Devahuti-Erzaehlung.
Maitreya sagte: Zu der so von Weltentsagung sprechenden Tochter Manus sprach der mitleidige Weise, zur Anmutigen, sich an das von Śukla Gesprochene erinnernd.
dhṛta-vratāsi bhadraṁ te damena niyamena ca tapo-draviṇa-dānaiś ca śraddhayā ceśvaraṁ bhaja
Du hältst [deine] Gelübde - Segen sei mit dir! - verehre den Herrscher mit Selbstbeherrschung, mit Regeln, mit Askese, Freigebigkeit und Gaben, und mit Vertrauen.
sa tvayārādhitaḥ śuklo vitanvan māmakaṁ yaśaḥ chettā te hṛdaya-granthim audaryo brahma-bhāvanaḥ
Jener von dir verehrte Śukla, meinen Ruhm ausbreitend, wird, aus [deinem] Leib [geboren], den Knoten deines Herzens durchtrennen und [dich zum] Brahman führen.
Wort für Wort
saḥ tvayā ārādhitaḥ śuklaḥ
jener von dir verehrte Śukla
vitanvan māmakam yaśaḥ
meinen Ruhm ausbreitend
chettā te hṛdaya-granthim
wird deinen Herzensknoten durchtrennen
audaryaḥ brahma-bhāvanaḥ
aus [deinem] Leib [geboren], der zum Brahman hinführt
Maitreya sagte: Auch Devahūti, die Botschaft des Herrn der Geschöpfe mit Ehrerbietung und rechtem Vertrauen aufnehmend, verehrte den unveränderlichen Urmenschen als [ihren] Lehrer.
Wort für Wort
maitreya uvāca
Maitreya sagte
devahūtī api sandeśam
auch Devahūti [nahm] die Botschaft
gauraveṇa prajāpateḥ
mit Ehrerbietung [gegenüber] dem Herrn der Geschöpfe
Der Wissende, der Ungeborene, der Selbstherrscher (Brahmā) [erkannte], o Feindbezwinger, den Erhabenen, das höchste Brahman, der durch [seinen] Sattva-Anteil zur Verkündigung der Aufzählung der Wahrheiten geboren war.
Wort für Wort
bhagavantam param brahma
den Erhabenen, das höchste Brahman
sattvena aṁśena
durch [seinen] Sattva-Anteil
śatru-han
o Feindbezwinger [Anrede an Vidura]
tattva-saṅkhyāna-vijñaptyai
zur Verkündigung der Aufzählung der Wahrheiten
jātam
geboren
vidvān ajaḥ svarāṭ
der Wissende, der Ungeborene, der Selbstherrscher (Brahmā)
Daher übergib heute [deine] Töchter den führenden Weisen, gemäß [ihrem jeweiligen] Charakter und [ihrer jeweiligen] Neigung, und verbreite [deinen] Ruhm auf Erden.
Durch Wissen, [praktische] Erkenntnis und Yoga die Wurzelgeflechte der [verstrickenden] Taten ausrottend, mit goldenem Haar, lotosäugig, mit dem Lotoszeichen an [seinen] Lotosfüßen.
eṣa mānavi te garbhaṁ praviṣṭaḥ kaiṭabhārdanaḥ avidyā-saṁśaya-granthiṁ chittvā gāṁ vicariṣyati
Dieser, o Manu-Tochter, der in deinen Schoß eingegangene Bedränger Kaiṭabhas, wird, nachdem er den Knoten von Unwissenheit und Zweifel durchtrennt hat, über die Erde wandeln.
Wort für Wort
eṣaḥ mānavi te garbham
dieser, o Manu-Tochter, in deinen Schoß
praviṣṭaḥ kaiṭabha-ardanaḥ
eingegangene Bedränger Kaiṭabhas
avidyā-saṁśaya-granthim chittvā
nachdem er den Knoten von Unwissenheit und Zweifel durchtrennt hat
Maitreya sagte: Nachdem der Schöpfer der Welt jene beiden getröstet hatte, begab sich Brahmā, der Schwan, zusammen mit den Kumāras und Nārada, auf seinem Schwan-Fahrzeug, zum höchsten der drei Bereiche.
Nachdem der Hundertopferer (Brahmā) gegangen war, o Kṣattā, übergab Kardama, von ihm dazu angehalten, wie [von ihm] gesagt, daraufhin seine eigenen Töchter den Weltenschöpfern.
Wort für Wort
gate śata-dhṛtau
nachdem der Hundertopferer (Brahmā) gegangen war
kṣattaḥ
o Kṣattā (Vidura)
kardamaḥ tena coditaḥ
Kardama, von ihm dazu angehalten
yathā-uditam
wie [von ihm] gesagt
sva-duhitṝḥ prādāt viśva-sṛjām tataḥ
übergab daraufhin seine eigenen Töchter den Weltenschöpfern
Marīci gab er [seine Tochter] Kalā, dann Atri Anasūyā, dem Aṅgiras gab er Śraddhā, dem Pulastya Havirbhū; dem Pulaha die geeignete Gati, dem Kratu die tugendhafte Kriyā, dem Bhṛgu gab er Khyāti, und ebenso dem Vasiṣṭha Arundhatī.
Dem Atharvan gab er Śānti, durch die das Opfer ausgebreitet wird; die Stiere unter den Weisen, [nun] verheiratet, mit [ihren] Gattinnen versah er reichlich.
tatas ta ṛṣayaḥ kṣattaḥ kṛta-dārā nimantrya tam prātiṣṭhan nandim āpannāḥ svaṁ svam āśrama-maṇḍalam
Daraufhin, o Kṣattā, machten sich jene Weisen, [nun] verheiratet, nachdem sie ihn eingeladen hatten, voller Freude auf zu ihren jeweils eigenen Einsiedeleien.
sa cāvatīrṇaṁ tri-yugam ājñāya vibudharṣabham vivikta upasaṅgamya praṇamya samabhāṣata
Und Kardama, erkennend, dass der Stier unter den Göttern als 'Tri-yuga' herabgestiegen war, näherte sich ihm an einem einsamen Ort, verneigte sich und sprach.
sa eva bhagavān adya helanaṁ na gaṇayya naḥ gṛheṣu jāto grāmyāṇāṁ yaḥ svānāṁ pakṣa-poṣaṇaḥ
- eben dieser Erhabene ist heute, ohne unsere Nachlässigkeit zu beachten, in den Häusern dörflicher Menschen geboren worden, er, der Erhalter derer, die zu ihm gehören.
Um dein eigenes Wort wahr zu machen, bist du, der Erhabene, in mein Haus herabgestiegen, [mir] Wissen zu geben wünschend, du, der Mehrer der Ehre [deiner] Hingebungsvollen.
tāny eva te 'bhirūpāṇi rūpāṇi bhagavaṁs tava yāni yāni ca rocante sva-janānām arūpiṇaḥ
Eben jene Gestalten sind für dich, o Erhabener, [wahrhaft] angemessen, welche auch immer deinen [dir] Zugehörigen gefallen, obwohl du [an sich] gestaltlos bist.
Ich nehme Zuflucht zu dir, dessen Fußschemel von den Weisen aus wahrhaftigem Wunsch, die Wahrheit zu erkennen, stets verehrt wird, zu dir, der erfüllt ist mit Herrschermacht, Entsagung, Ruhm, Erkenntnis, Kraft und Herrlichkeit.
Wort für Wort
tvām sūribhiḥ tattva-bubhutsayā addhā
zu dir, von den Weisen aus wahrhaftigem Wunsch, die Wahrheit zu erkennen
Ich nehme Zuflucht zu Kapila, dem höchsten Pradhāna, dem Puruṣa, dem Großen, der Zeit, dem Seher, dem Dreifach-Gebundenen, dem Welterhalter, dessen Erscheinungsvielfalt aus der Erfahrung des eigenen Selbst folgt, dem [Herrn] mit frei-waltender Macht.
Wort für Wort
param pradhānam puruṣam mahāntam
zum höchsten Pradhāna, dem Puruṣa, dem Großen
kālam kavim tri-vṛtam loka-pālam
der Zeit, dem Seher, dem Dreifach-Gebundenen, dem Welterhalter
ātma-anubhūtyā anugata-prapañcam
dessen Erscheinungsvielfalt aus der Erfahrung des eigenen Selbst folgt
svacchanda-śaktim kapilam prapadye
zu Kapila, mit frei-waltender Macht, nehme ich Zuflucht
Nun bitte ich [dich] heute um Erlaubnis, dich, den Herrn der Geschöpfe; durch dich von [meiner] Schuld befreit und meine Wünsche erfüllt, werde ich, den Pfad der Wanderschaft einschlagend, umherziehen, dich im Herzen bergend, frei von Kummer.
Wort für Wort
ā sma abhipṛcche adya patim prajānām
nun bitte ich heute um Erlaubnis [dich], den Herrn der Geschöpfe
tvayā avatīrṇa-ṛṇaḥ uta āpta-kāmaḥ
durch dich von [meiner] Schuld befreit und meine Wünsche erfüllt
parivrajat-padavīm āsthitaḥ aham
den Pfad der Wanderschaft einschlagend, ich
cariṣye tvām hṛdi yuñjan viśokaḥ
werde umherziehen, dich im Herzen bergend, frei von Kummer
śrī-bhagavān uvāca
mayā proktaṁ hi lokasya
pramāṇaṁ satya-laukike
athājani mayā tubhyaṁ
yad avocam ṛtaṁ mune
Der ehrwürdige Erhabene sagte: Was von mir gesagt wurde, ist gewiss für die Welt Maßstab in weltlichen Wahrheitsangelegenheiten; nun bin ich dir geboren worden, o Weiser, um wahr zu machen, was ich [dir] gesagt hatte.
Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der ehrwürdige Erhabene sagte
mayā proktam hi
was von mir gesagt wurde, [ist] gewiss
lokasya pramāṇam satya-laukike
für die Welt Maßstab in weltlichen Wahrheitsangelegenheiten
etan me janma loke 'smin mumukṣūṇāṁ durāśayāt prasaṅkhyānāya tattvānāṁ sammatāyātma-darśane
Diese meine Geburt in dieser Welt [dient] denen, die nach Befreiung streben, deren Sinn schwer zu läutern ist, zur Aufzählung der Wahrheiten, die für die Selbsterkenntnis geschätzt wird.
Wort für Wort
etat me janma loke asmin
diese meine Geburt in dieser Welt
mumukṣūṇām durāśayāt
für die nach Befreiung Strebenden, [deren Sinn] schwer zu läutern [ist]
prasaṅkhyānāya tattvānām
zur Aufzählung der Wahrheiten
sammatāya ātma-darśane
die für die Selbsterkenntnis geschätzt wird
[?] "durāśayāt" bleibt unabhängig nicht restlos sicher zu klären - hier auf den schwer zu läuternden Sinn der nach Befreiung Strebenden bezogen; andere Lesarten sind denkbar.
Dieser Pfad zum Selbst ist unmanifest [geworden] und durch die lange Zeit verloren gegangen; wisse, dass dieser Körper von mir angenommen wurde, um ihn wieder in Gang zu setzen.
Wort für Wort
eṣaḥ ātma-pathaḥ avyaktaḥ
dieser Pfad zum Selbst ist unmanifest
naṣṭaḥ kālena bhūyasā
verloren gegangen durch die lange Zeit
tam pravartayitum
um ihn [wieder] in Gang zu setzen
deham imam viddhi mayā bhṛtam
wisse, dass dieser Körper von mir angenommen wurde
Geh nach Belieben, von mir dazu ermächtigt; du, der du [deine] Taten mir übergeben hast, verehre mich, nachdem du den überaus schwer zu besiegenden Tod besiegt hast, zur Unsterblichkeit.
Wort für Wort
gaccha kāmam
geh nach Belieben
mayā āpṛṣṭaḥ
von mir [dazu] befragt/ermächtigt
mayi sannyasta-karmaṇā
du, der du [deine] Taten mir übergeben hast
jitvā sudurjayam mṛtyum
nachdem du den überaus schwer zu besiegenden Tod besiegt hast
Indem du mich, das Selbst, das selbstleuchtende, in der Höhle [des Herzens] aller Wesen Wohnende, im [eigenen] Selbst durch das [eigene] Selbst erblickst, wirst du, frei von Kummer, zur Furchtlosigkeit gelangen.
Wort für Wort
mām ātmānam svayam-jyotiḥ
mich, das Selbst, das selbstleuchtende
sarva-bhūta-guhā-āśayam
das in der Höhle [des Herzens] aller Wesen wohnt
ātmani eva ātmanā vīkṣya
im [eigenen] Selbst durch das [eigene] Selbst erblickend
viśokaḥ abhayam ṛcchasi
wirst du, frei von Kummer, zur Furchtlosigkeit gelangen
Deiner Mutter werde ich das die Wirkung aller [bindenden] Taten stillende, auf das Selbst bezogene Wissen gewähren, durch das auch sie die Furcht überwinden wird.
maitreya uvāca
evaṁ samuditas tena
kapilena prajāpatiḥ
dakṣiṇī-kṛtya taṁ prīto
vanam eva jagāma ha
Maitreya sagte: So von Kapila angesprochen, umschritt der Herr der Geschöpfe ihn ehrerbietig von rechts und begab sich, erfreut, geradewegs in den Wald.
Er, das Schweigegelübde einhaltend, allein im Selbst Zuflucht suchend, der Weise, wanderte ungebunden über die Erde, ohne [heiliges] Feuer und ohne feste Wohnstatt.
mano brahmaṇi yuñjāno yat tat sad-asataḥ param guṇāvabhāse viguṇa eka-bhaktyānubhāvite
Er, den Geist auf das Brahman richtend, jenes, das jenseits von Ursache und Wirkung ist, das in der Erscheinung der Guṇas gegenwärtig, selbst aber guṇa-los ist, und durch einzige Hingabe erfahren wird.
Wort für Wort
manaḥ brahmaṇi yuñjānaḥ
den Geist auf das Brahman richtend
yat tat sat-asataḥ param
jenes, das jenseits von Ursache und Wirkung ist
guṇa-avabhāse viguṇaḥ
in der Erscheinung der Guṇas [gegenwärtig, selbst aber] guṇa-los
nirahaṅkṛtir nirmamaś ca nirdvandvaḥ sama-dṛk sva-dṛk pratyak-praśānta-dhīr dhīraḥ praśāntormir ivodadhiḥ
Ohne Ichbewusstsein und ohne Mein-Gefühl, jenseits der Gegensatzpaare, mit gleichmütigem Blick, sich selbst schauend, mit nach innen gerichtetem, befriedetem Verstand, standhaft, wie ein Ozean mit besänftigten Wellen.
Wort für Wort
nirahaṅkṛtiḥ nirmamaḥ ca
ohne Ichbewusstsein und ohne Mein-Gefühl
nirdvandvaḥ sama-dṛk sva-dṛk
jenseits der Gegensatzpaare, mit gleichmütigem Blick, sich selbst schauend
pratyak-praśānta-dhīḥ dhīraḥ
mit nach innen gerichtetem, befriedetem Verstand, standhaft
Durch höchste Hingabe-Gesinnung zu Vāsudeva, dem Erhabenen, dem Allwissenden, dem inneren Selbst, wurde er, der sein Selbst erlangt hat, aus [aller] Bindung befreit.
Wort für Wort
vāsudeve bhagavati sarva-jñe pratyak-ātmani
zu Vāsudeva, dem Erhabenen, dem Allwissenden, dem inneren Selbst
pareṇa bhakti-bhāvena
durch höchste Hingabe-Gesinnung
labdha-ātmā mukta-bandhanaḥ
der [sein] Selbst erlangt hat, aus [aller] Bindung befreit