Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 107: saṁsārāṭavī-varṇanam [?] Die materielle Welt als der große Wald des Genusses

sa ha uvāca sa eṣa dehātma-mānināṁ sattvādi-guṇa-viśeṣa-vikalpita-kuśalāku-śala-samavahāra-vinirmita-vividha-dehāvalibhir viyoga-saṁyogādy-anādi-saṁsārānubhavasya dvāra-bhūtena ṣaḍ-indriya-vargeṇa tasmin durgādhvavad asugame 'dhvany āpatita īśvarasya bhagavato viṣṇor vaśa-vartinyā māyayā jīva-loko 'yaṁ yathā vaṇik-sārtho 'rtha-paraḥ sva-deha-niṣpādita-karmānubhavaḥ śmaśānavad aśivatamāyāṁ saṁsārāṭavyāṁ gato nādyāpi viphala-bahu-pratiyogehas tat-tāpopaśamanīṁ hari-guru-caraṇāravinda-madhukarānupadavīm avarundhe.

Er sprach wahrlich: Eben diese Welt der verkörperten Lebewesen, die -- weil sie den Körper für das Selbst halten -- durch die vielfältigen, je nach den Erscheinungsweisen (guṇas) wie sattva unterschiedenen, aus günstigen und ungünstigen Verbindungen hervorgebrachten Reihen von Körpern und vermittels der zum Tor gewordenen Gruppe der sechs Sinne das anfanglose Erleben des aus Trennung und Vereinigung bestehenden weltlichen Daseins (durchläuft), ist -- auf jenen unwegsamen, festungsgleich schwer zu durchquerenden Pfad geraten durch die der Macht des Herrn, des Erhabenen Viṣṇu, unterworfene Täuschungskraft (māyā) -- wie eine auf Gewinn bedachte Kaufmannskarawane, welche die durch den eigenen Körper vollbrachten Taten erntet: in den überaus unheilvollen Wald des weltlichen Daseins geraten wie auf einen Leichenverbrennungsplatz, erlangt sie, deren viele Gegenanstrengungen bis heute fruchtlos bleiben, noch nicht die jenes Brennen stillende Spur der (wie) Bienen (umschwärmten) Lotosfüße Haris und des geistigen Lehrers.

Wort für Wort
saḥ
er (Nom. Sg.)
ha
wahrlich (Partikel)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
sa eṣa
eben dieser (Nom. Sg. m., doppeltes Demonstrativ)
deha-ātma-māninām
derjenigen, die den Körper für das Selbst halten (Gen. Pl.)
sattva-ādi-guṇa-viśeṣa-vikalpita
unterschieden durch die besonderen (Ausprägungen der) Erscheinungsweisen, beginnend mit sattva (Kompositumsglied)
kuśala-akuśala-samavahāra-vinirmita
hervorgebracht durch günstiges und ungünstiges Zusammenwirken (Kompositumsglied)
vividha-deha-āvalibhiḥ
durch die vielfältigen Reihen von Körpern (Instr. Pl.)
viyoga-saṁyoga-ādi-anādi-saṁsāra-anubhavasya
des anfanglosen, aus Trennung und Vereinigung usw. bestehenden Erlebens des weltlichen Daseins (Gen. Sg.)
dvāra-bhūtena
der zum Tor gewordenen (Instr. Sg.)
ṣaṭ-indriya-vargeṇa
durch die Gruppe der sechs Sinne (Instr. Sg.)
durga-adhva-vat asugame adhvani
auf jenem unwegsamen, festungsgleich schwer zu durchquerenden Pfad (Lok. Sg.)
āpatitaḥ
hineingeraten (Nom. Sg., PPP)
īśvarasya bhagavataḥ viṣṇoḥ
des Herrn, des Erhabenen Viṣṇu (Gen. Sg.)
vaśa-vartinyā māyayā
durch die (seiner) Macht unterworfene Täuschungskraft (Instr. Sg. f.)
jīva-lokaḥ ayam
diese Welt der verkörperten Lebewesen (Nom. Sg.)
yathā vaṇik-sārthaḥ
wie eine Kaufmannskarawane (Nom. Sg.)
artha-paraḥ
auf Gewinn bedacht (Nom. Sg., Adj.)
sva-deha-niṣpādita-karma-anubhavaḥ
der die durch den eigenen Körper vollbrachten Taten erntet (Nom. Sg.)
śmaśāna-vat
wie ein Leichenverbrennungsplatz
aśiva-tamāyām saṁsāra-aṭavyām
im überaus unheilvollen Wald des weltlichen Daseins (Lok. Sg.)
gataḥ
geraten (Nom. Sg., PPP)
na adya api
noch nicht einmal bis heute
viphala-bahu-pratiyoga-īhaḥ
dessen viele Gegenanstrengungen fruchtlos sind (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
tat-tāpa-upaśamanīm
die jenes Brennen (Leid) stillende (Akk. Sg. f.)
hari-guru-caraṇa-aravinda-madhukara-anupadavīm
die Spur der (wie) Bienen (umschwärmten) Lotosfüße Haris und des geistigen Lehrers (Akk. Sg. f.)
avarundhe
erlangt, erreicht (3. Sg. Med. Präs.)

Eröffnungssatz des Kapitels; ein einziges, sehr langes Kompositum-Satzgefüge. 'sa' (Sprecher) bezieht sich auf den vorangehenden Erzähler (Śukadeva) im Kontext.

yasyām u ha vā ete ṣaḍ-indriya-nāmānaḥ karmaṇā dasyava eva te; tad yathā puruṣasya dhanaṁ yat kiñcid dharmaupayikaṁ bahu-kṛcchrādhigataṁ sākṣāt parama-puruṣārādhana-lakṣaṇo yo 'sau dharmas taṁ tu sāmparāya udāharanti; tad-dharmyaṁ dhanaṁ darśana-sparśana-śravaṇāsvādanāvaghrāṇa-saṅkalpa-vyavasāya-gṛha-grāmyopabhogena kunāthasyājitātmano yathā sārthasya vilumpanti.

In diesem (Wald) sind eben jene, die den Namen "die sechs Sinne" tragen, ihrem Wirken nach wahrhaftig nichts als Räuber. Wie nämlich der Reichtum eines Mannes -- was auch immer als Mittel zum dharma mit vieler Mühsal erworben wurde, dessen Kennzeichen unmittelbar die Verehrung des Höchsten Purusa ist, eben jener dharma -- von den Weisen als für das Leben nach dem Tod (bestimmt) erklärt wird, ebenso plündern sie jenen dem dharma gemäßen Reichtum durch Sehen, Berühren, Hören, Schmecken, Riechen, bloßes Vorhaben, Entschließen sowie häusliche, weltliche Genüsse -- wie (Räuber) den Besitz einer Karawane -- bei dem schlecht geleiteten, sich selbst nicht beherrschenden Menschen.

Wort für Wort
yasyām
in welcher (f. Lok.)
u ha vā
wahrlich, nun (Partikeln)
ete ṣaḍ-indriya-nāmānaḥ
diese, die den Namen "sechs Sinne" tragen (Nom. Pl.)
karmaṇā
durch ihr Wirken (Instr.)
dasyavaḥ eva te
sie sind eben Räuber (Nom. Pl.)
puruṣasya dhanam
der Reichtum eines Mannes (Gen./Nom.)
yat kiñcit dharma-aupayikam
was auch immer dem dharma dienlich ist (Nom./Akk. n.)
bahu-kṛcchra-adhigatam
mit vieler Mühsal erlangt (Nom./Akk. n.)
parama-puruṣa-ārādhana-lakṣaṇaḥ
dessen Merkmal die Verehrung des Höchsten Purusa ist (Nom. m.)
yaḥ asau dharmaḥ
welcher dharma (Nom.)
sāmparāye udāharanti
sie erklären für das Jenseits/Leben nach dem Tod (Lok. / 3.Pl.Präs.)
tat-dharmyam dhanam
jenen dem dharma entsprechenden Reichtum (Akk.)
darśana-sparśana-śravaṇa-āsvādana-avaghrāṇa-saṅkalpa-vyavasāya-gṛha-grāmya-upabhogena
durch Sehen, Berühren, Hören, Schmecken, Riechen, Planen, Entschließen, häuslichen und weltlichen Genuss (Instr.)
kunāthasya ajita-ātmanaḥ
des schlecht geleiteten, sich selbst nicht beherrschenden (Menschen) (Gen.)
yathā sārthasya
wie (den Besitz) einer Karawane (Gen.)
vilumpanti
sie plündern (3. Pl. Präs.)

atha ca yatra kauṭumbikā dārāpatyādayo nāmnā karmaṇā vṛka-sṛgālā evānicchato 'pi kadaryasya kuṭumbina uraṇakavat saṁrakṣyamāṇaṁ miṣato 'pi haranti.

Und ferner: Dort, wo die Familienangehörigen -- Gattin, Kinder und dergleichen -- dem Namen nach (Familie), ihrem Tun nach aber wahrhaftig Wölfe und Schakale sind, entreißen sie dem geizigen Familienoberhaupt, obwohl es nicht will, das wie ein Lamm behütete (Vermögen) -- sogar vor seinen Augen.

Wort für Wort
atha ca
und ferner
yatra
wo (Lok.)
kauṭumbikāḥ dāra-apatya-ādayaḥ
die Familienangehörigen, angefangen mit Gattin und Kindern (Nom. Pl.)
nāmnā
dem Namen nach (Instr.)
karmaṇā
dem Wirken nach (Instr.)
vṛka-sṛgālāḥ eva
wahrlich Wölfe und Schakale (Nom. Pl.)
anicchataḥ api
obwohl (er) nicht will (Gen. Abs.)
kadaryasya kuṭumbinaḥ
des geizigen Familienvaters (Gen.)
uraṇaka-vat saṁrakṣyamāṇam
das wie ein Lamm behütet wird (Akk. n., Ptz. Pass.)
miṣataḥ api
obwohl er (es) sieht (Gen. Abs.)
haranti
sie rauben (3. Pl.)

yathā hy anuvatsaraṁ kṛṣyamāṇam apy adagdha-bījaṁ kṣetraṁ punar evāvapana-kāle gulma-tṛṇa-vīrudbhir gahvaram iva bhavaty evam eva gṛhāśramaḥ karma-kṣetraṁ yasmin na hi karmāṇy utsīdanti yad ayaṁ kāma-karaṇḍa eṣa āvasathaḥ.

Denn wie ein Feld, das Jahr für Jahr gepflügt wird, dessen (Unkraut-)Samen aber nicht mitverbrannt wurde, zur Zeit der (neuen) Aussaat wieder gleichsam zu einem von Gestrüpp, Gras und Schlingpflanzen überwucherten Dickicht wird, ebenso ist das Haushälterleben ein Feld der (fruchtbringenden) Taten, auf dem die Taten nicht von selbst verschwinden; deshalb ist diese Wohnstätte gleichsam ein Korb voller Begierden.

Wort für Wort
yathā hi
denn wie
anuvatsaram
Jahr für Jahr
kṛṣyamāṇam api
obwohl gepflügt (Akk. n. Ptz.)
adagdha-bījam kṣetram
das Feld, dessen Samen nicht verbrannt ist (Nom./Akk. n., Bahuvrīhi)
punaḥ eva āvapana-kāle
wieder zur Zeit der Aussaat (Lok.)
gulma-tṛṇa-vīrudbhiḥ
durch Gestrüpp, Gras und Schlingpflanzen (Instr.)
gahvaram iva bhavati
wird gleichsam zu einem Dickicht (3. Sg.)
evam eva gṛha-āśramaḥ
ebenso (ist) der Haushälter-Lebensstand (Nom.)
karma-kṣetram
das Feld der Taten (Nom.)
yasmin na hi karmāṇi utsīdanti
in welchem die Taten nicht verschwinden (Lok. / 3. Pl.)
yat
deshalb
ayam kāma-karaṇḍaḥ eṣaḥ āvasathaḥ
diese Wohnstätte (ist) dieser Korb der Begierden (Nom.)

tatra gato daṁśa-maśaka-samāpasadair manujaiḥ śalabha-śakunta-taskara-mūṣakādibhir uparudhyamāna-bahiḥ-prāṇaḥ kvacit parivartamāno 'sminn adhvany avidyā-kāma-karmabhir uparakta-manasānupapannārthaṁ nara-lokaṁ gandharva-nagaram upapannam iti mithyā-dṛṣṭir anupaśyati.

Dorthin gegangen, sein äußeres Lebensgut (seine Lebensgrundlage) bedrängt von Menschen, die niedrigen Bremsen und Mücken gleichen, sowie von Heuschrecken, Raubvögeln, Dieben, Ratten und dergleichen, auf diesem Pfad bald hierhin, bald dorthin umherziehend, betrachtet er -- dessen Geist von Unwissenheit, Begierde und Taten getrübt ist -- mit trügerischem Blick die Menschenwelt, in der kein Ziel je erreicht wird, als sei sie eine wirklich bestehende Gandharva-Stadt (Luftschloss).

Wort für Wort
tatra gataḥ
dorthin gegangen (Nom.)
daṁśa-maśaka-sama-apasadaiḥ manujaiḥ
von Menschen, die niederen Bremsen und Mücken gleichen (Instr. Pl.)
śalabha-śakunta-taskara-mūṣaka-ādibhiḥ
durch Heuschrecken, Raubvögel, Diebe, Ratten u.a. (Instr. Pl.)
uparudhyamāna-bahiḥ-prāṇaḥ
dessen äußerer Lebensatem (Besitz) bedrängt wird (Nom., Bahuvrīhi)
kvacit parivartamānaḥ
bisweilen umherziehend (Nom. Ptz.)
asmin adhvani
auf diesem Pfad (Lok.)
avidyā-kāma-karmabhiḥ uparakta-manasā
dessen Geist durch Unwissenheit, Begierde und Taten getrübt ist (Instr., Bahuvrīhi)
anupapanna-artham nara-lokam
die Menschenwelt, deren Ziel nicht erreicht wird (Akk., Bahuvrīhi)
gandharva-nagaram upapannam
als eine wirklich bestehende Gandharva-Stadt (Akk. Ptz.)
iti mithyā-dṛṣṭiḥ
so mit trügerischer Sicht (denkend) (Nom., Bahuvrīhi)
anupaśyati
betrachtet, sieht (3. Sg.)

tatra ca kvacid ātapodaka-nibhān viṣayān upadhāvati pāna-bhojana-vyavāyādi-vyasana-lolupaḥ

Und dort läuft er bisweilen den Sinnesobjekten nach, die einer Luftspiegelung (Wasser in der Hitze) gleichen, gierig nach den Lastern des Trinkens, Essens, Geschlechtsverkehrs und dergleichen.

Wort für Wort
tatra ca kvacit
und dort bisweilen
ātapa-udaka-nibhān viṣayān
den Sinnesobjekten, die einer Luftspiegelung gleichen (Akk. Pl.)
upadhāvati
läuft nach, eilt hinterher (3. Sg.)
pāna-bhojana-vyavāya-ādi-vyasana-lolupaḥ
gierig nach dem Laster von Trinken, Essen, Beischlaf usw. (Nom., Bahuvrīhi)

kvacic cāśeṣa-doṣa-niṣadanaṁ purīṣa-viśeṣaṁ tad-varṇa-guṇa-nirmita-matiḥ suvarṇam upāditsaty agni-kāma-kātara ivolmuka-piśācam.

Und bisweilen begehrt er, dessen Verstand durch dessen (glänzende) Farbe und Beschaffenheit geprägt ist, eine bestimmte Art Kot -- den Sitz sämtlicher Fehler -- als sei es Gold zu erlangen, gleich einem nach Feuer Verlangenden, der, geängstigt, das Irrlicht (für wirkliches Feuer hält).

Wort für Wort
kvacit ca
und bisweilen
aśeṣa-doṣa-niṣadanam purīṣa-viśeṣam
eine besondere Art Kot, den Sitz sämtlicher Fehler (Akk.)
tat-varṇa-guṇa-nirmita-matiḥ
dessen Verstand durch dessen Farbe und Beschaffenheit geprägt ist (Nom., Bahuvrīhi)
suvarṇam upāditsati
er wünscht, Gold zu erlangen (Akk. / 3. Sg. Desid.)
agni-kāma-kātaraḥ
der, nach Feuer verlangend, geängstigt ist (Nom.)
iva ulmuka-piśācam
wie das Irrlicht-Gespenst (Akk.)

atha kadācin nivāsa-pānīya-draviṇādy-anekātmopajīvanābhiniveśa etasyāṁ saṁsārāṭavyām itas tataḥ paridhāvati

Und dann läuft er bisweilen, ganz vertieft in die Sorge um Behausung, Trinkwasser, Reichtum und die vielen anderen zum Broterwerb nötig scheinenden Dinge, in diesem Wald des weltlichen Daseins hierhin und dorthin.

Wort für Wort
atha kadācit
und dann bisweilen
nivāsa-pānīya-draviṇa-ādi-aneka-ātma-upajīvana-abhiniveśaḥ
der ganz vertieft ist in Behausung, Wasser, Reichtum und viele andere Mittel zum Broterwerb (Nom., Bahuvrīhi)
etasyām saṁsāra-aṭavyām
in diesem Wald des weltlichen Daseins (Lok.)
itaḥ tataḥ
hierhin, dorthin
paridhāvati
läuft umher (3. Sg.)

kvacic ca vātyaupamyayā pramadayāroham āropitas tat-kāla-rajasā rajanī-bhūta ivāsādhu-maryādo rajas-valākṣo 'pi dig-devatā atirajas-vala-matir na vijānāti.

Und bisweilen, von einer schönen Frau, die einem Wirbelsturm gleicht, auf ihren Schoß gehoben, wie zur Nacht geworden durch den Staub (die Leidenschaft) jenes Augenblicks, ohne rechtes Maß, obwohl seine Augen von Leidenschaft überwältigt sind, erkennt er, dessen Verstand von übergroßer Leidenschaft überwältigt ist, die (als Zeugen anwesenden) Gottheiten der Himmelsrichtungen nicht.

Wort für Wort
kvacit ca
und bisweilen
vātyā-aupamyayā pramadayā
von einer Frau, die einem Wirbelsturm vergleichbar ist (Instr.)
āroham āropitaḥ
auf den Schoß gehoben (Nom.)
tat-kāla-rajasā
durch den Staub/die Leidenschaft jenes Augenblicks (Instr.)
rajanī-bhūtaḥ iva
gleichsam zur Nacht geworden (Nom.)
asādhu-maryādaḥ
ohne rechtes Maß, ohne Sittlichkeit (Nom., Bahuvrīhi)
rajaḥ-vala-akṣaḥ api
obwohl seine Augen von Leidenschaft überwältigt sind (Nom.)
dik-devatāḥ
die Gottheiten der Himmelsrichtungen (Akk. Pl.)
atirajaḥ-vala-matiḥ
dessen Verstand von übergroßer Leidenschaft überwältigt ist (Nom.)
na vijānāti
erkennt nicht (3. Sg.)

kvacit sakṛd avagata-viṣaya-vaitathyaḥ svayaṁ parābhidhyānena vibhraṁśita-smṛtis tayaiva marīci-toya-prāyāṁs tān evābhidhāvati.

Bisweilen, obwohl er einmal die Nichtigkeit der Sinnesobjekte erkannt hat, läuft er -- dessen Erinnerung eben durch jenes Nachsinnen über das Fremde (den Körper) wieder zunichtegemacht wurde -- von selbst doch wieder eben jenen Dingen nach, die in Wahrheit bloßem Wasser einer Luftspiegelung gleichen.

Wort für Wort
kvacit sakṛt
bisweilen einmal
avagata-viṣaya-vaitathyaḥ
der die Nichtigkeit der Sinnesobjekte erkannt hat (Nom., Bahuvrīhi)
svayam
von selbst
para-abhidhyānena
durch das Nachdenken über das Fremde (Instr.)
vibhraṁśita-smṛtiḥ
dessen Erinnerung zunichtegemacht wurde (Nom., Bahuvrīhi)
tayā eva
durch eben dieses (Instr.)
marīci-toya-prāyān tān eva
eben jene, die dem Wasser einer Luftspiegelung gleichen (Akk. Pl.)
abhidhāvati
läuft (ihnen) nach (3. Sg.)

kvacid ulūka-jhillī-svanavad ati-paruṣa-rabhasāṭopaṁ pratyakṣaṁ parokṣaṁ vā ripu-rāja-kula-nirbhartsitenāti-vyathita-karṇa-mūla-hṛdayaḥ

Bisweilen, sein Ohrengrund und Herz überaus gequält durch das unmittelbare oder mittelbare Schmähen von Feinden und Amtsleuten, das gleich dem Ruf der Eule und der Grille überaus rau, heftig und aufbrausend ist...

Wort für Wort
kvacit
bisweilen
ulūka-jhillī-svana-vat
dem Ruf von Eule und Grille gleich (Adv./Adj.)
ati-paruṣa-rabhasa-āṭopam
überaus rau, heftig, aufbrausend (Akk., Adj.)
pratyakṣam parokṣam vā
unmittelbar oder mittelbar
ripu-rāja-kula-nirbhartsitena
durch das Schmähen von Feinden und Königsleuten (Instr.)
ati-vyathita-karṇa-mūla-hṛdayaḥ
dessen Ohrwurzel und Herz überaus schmerzhaft getroffen sind (Nom., Bahuvrīhi)

[Anm.: Der Satz besitzt in dieser Verseinheit kein finites Verb; er ist syntaktisch ein Partizipial-/Bahuvrihi-Fragment, das den Zustand des Betroffenen beschreibt und im Kontext weitergeführt wird.]

sa yadā dugdha-pūrva-sukṛtas tadā kāraskara-kākatuṇḍādy-apuṇya-druma-latā-viṣoda-pānavad ubhayārtha-śūnya-draviṇān jīvan-mṛtān svayaṁ jīvan-mriyamāṇa upadhāvati

Wenn seine früher angesammelten frommen Verdienste aufgebraucht sind, dann sucht er -- selbst lebend sterbend -- die für beide Welten nutzlosen Reichtümer auf, verkörpert in Menschen, die, obwohl lebend, in Wahrheit tot sind -- gleich dem Trinken von Giftwasser unter unheilvollen Bäumen und Schlingpflanzen wie kāraskara und kākatuṇḍa.

Wort für Wort
saḥ yadā
wenn er (Nom.)
dugdha-pūrva-sukṛtaḥ
dessen frühere fromme Verdienste aufgebraucht sind (Nom., Bahuvrīhi)
tadā
dann
kāraskara-kākatuṇḍa-ādi-apuṇya-druma-latā-viṣa-uda-pāna-vat
wie das Trinken von Giftwasser bei unheilvollen Bäumen und Ranken wie kāraskara, kākatuṇḍa u.a. (Adv.)
ubhaya-artha-śūnya-draviṇān
Reichtümer, die für beide Ziele nutzlos sind (Akk. Pl.)
jīvat-mṛtān
die, obwohl lebend, tot sind (Akk. Pl.)
svayam jīvat-mriyamāṇaḥ
selbst lebend sterbend (Nom., Ptz.)
upadhāvati
läuft nach, sucht auf (3. Sg.)

ekadāsat-prasaṅgān nikṛta-matir vyudaka-srotaḥ-skhalanavad ubhayato 'pi duḥkhadaṁ pākhaṇḍam abhiyāti

Einst, durch den Umgang mit Unaufrichtigen im Denken verdorben, wendet er sich dem auf beiden Seiten leidbringenden Irrweg (der Häresie) zu -- gleich dem Straucheln in ein wasserloses Flussbett.

Wort für Wort
ekadā
einst
asat-prasaṅgāt
durch den Umgang mit den Unaufrichtigen (Abl.)
nikṛta-matiḥ
dessen Verstand verdorben ist (Nom., Bahuvrīhi)
vyudaka-srotaḥ-skhalana-vat
wie ein Straucheln in ein wasserloses Flussbett (Adv.)
ubhayataḥ api duḥkha-dam
von beiden Seiten Leid bringend (Akk.)
pākhaṇḍam
dem Irrweg, der Häresie (Akk.)
abhiyāti
geht hin zu, wendet sich zu (3. Sg.)

yadā tu para-bādhayāndha ātmane nopanamati tadā hi pitṛ-putra-barhiṣmataḥ pitṛ-putrān vā sa khalu bhakṣayati.

Wenn ihm aber, blind (geworden), trotz der Bedrängung anderer nichts für ihn selbst zufällt, dann verzehrt (schädigt) er wahrlich sogar Vater und Söhne, die ihm so geringfügig (wertvoll) sind wie Opfergras.

Wort für Wort
yadā tu
wenn aber
para-bādhayā
durch das Bedrängen anderer (Instr.)
andhaḥ
blind (Nom.)
ātmane na upanamati
kommt ihm selbst nicht zugute (3. Sg.)
tadā hi
dann wahrlich
pitṛ-putra-barhiṣmataḥ pitṛ-putrān vā
Vater und Söhne, die (ihm) so wertlos sind wie Opfergras (Akk. Pl., Bahuvrīhi)
saḥ khalu bhakṣayati
er verzehrt/vernichtet wahrlich (3. Sg.)

kvacid āsādya gṛhaṁ dāvavat priyārtha-vidhuram asukhodarkaṁ śokāgninā dahyamāno bhṛśaṁ nirvedam upagacchati.

Bisweilen, nachdem er das Haus(-leben), das -- wie ein Waldbrand -- nun ohne das geliebte Ziel und nur noch von schmerzvollen Folgen ist, erreicht hat, vom Feuer der Trauer verbrannt, gelangt er zu tiefer Verzweiflung.

Wort für Wort
kvacit āsādya
bisweilen, erreicht habend (Absolutiv)
gṛham dāva-vat
das Haus(leben), wie ein Waldbrand (Akk.)
priya-artha-vidhuram
beraubt des geliebten Zieles (Akk., Bahuvrīhi)
asukha-udarkam
dessen Folge nur Unglück ist (Akk., Bahuvrīhi)
śoka-agninā dahyamānaḥ
vom Feuer der Trauer verbrannt werdend (Instr./Nom. Ptz.)
bhṛśam nirvedam
tiefe Verzweiflung (Akk.)
upagacchati
gelangt zu (3. Sg.)

kvacit kāla-viṣa-mita-rāja-kula-rakṣasāpahṛta-priyatama-dhanāsuḥ pramṛtaka iva vigata-jīva-lakṣaṇa āste.

Bisweilen bleibt er, dessen liebster Reichtum -- sein eigentlicher Lebensatem -- von den durch die Zeit heimtückisch gewordenen, dämonengleichen Königsleuten geraubt wurde, wie ein Toter zurück, aller Lebenszeichen beraubt.

Wort für Wort
kvacit
bisweilen
kāla-viṣa-mita-rāja-kula-rakṣasā
durch die von der Zeit heimtückisch gewordenen, dämonengleichen Königsleute (Instr.)
apahṛta-priya-tama-dhana-asuḥ
dessen liebster Reichtum, der (wie) sein Lebensatem ist, geraubt wurde (Nom., Bahuvrīhi)
pramṛtakaḥ iva
wie ein Toter
vigata-jīva-lakṣaṇaḥ
dem die Lebenszeichen abhandengekommen sind (Nom., Bahuvrīhi)
āste
bleibt, verharrt (3. Sg.)

kadācin manorathopagata-pitṛ-pitāmahādy asat sad iti svapna-nirvṛti-lakṣaṇam anubhavati

Bisweilen erfährt er ein Glück von der Art eines Traumes, indem er verstorbene (nicht mehr seiende) Väter, Großväter und dergleichen, die durch bloßes Wunschdenken wieder herangekommen scheinen, für seiend hält.

Wort für Wort
kadācit
bisweilen
manoratha-upagata
durch Wunschdenken herangekommen (Nom.)
pitṛ-pitāmaha-ādi
Vater, Großvater und dergleichen (Nom.)
asat sat iti
als nicht-seiend (für) seiend haltend (Nom.)
svapna-nirvṛti-lakṣaṇam
von der Art des Traumglücks (Akk.)
anubhavati
erfährt (3. Sg.)

kvacid gṛhāśrama-karma-codanāti-bhara-girim ārurukṣamāṇo loka-vyasana-karṣita-manāḥ kaṇṭaka-śarkarā-kṣetraṁ praviśann iva sīdati

Bisweilen, den durch die Vorschriften der Haushälter-Pflichten (gebildeten) überaus schweren Berg zu erklimmen wünschend, sein Sinn von weltlichen Lastern hingezogen, sinkt er dahin, als beträte er ein mit Dornen und Kies bedecktes Feld.

Wort für Wort
kvacit
bisweilen
gṛha-āśrama-karma-codana-ati-bhara-girim
den überaus schweren Berg der Vorschriften der Haushälter-Pflichten (Akk.)
ārurukṣamāṇaḥ
zu erklimmen wünschend (Nom., Desiderativ-Ptz.)
loka-vyasana-karṣita-manāḥ
dessen Sinn von weltlichen Lastern angezogen ist (Nom., Bahuvrīhi)
kaṇṭaka-śarkarā-kṣetram
ein mit Dornen und Kies bedecktes Feld (Akk.)
praviśan iva
wie eintretend (Nom., Ptz.)
sīdati
sinkt hin, ermattet (3. Sg.)

kvacic ca duḥsahena kāyābhyantara-vahninā gṛhīta-sāraḥ sva-kuṭumbāya krudhyati

Und bisweilen, seiner Kraft beraubt durch das unerträgliche Feuer im Innern des Körpers (Hunger und Durst), zürnt er der eigenen Familie.

Wort für Wort
kvacit ca
und bisweilen
duḥsahena kāya-abhyantara-vahninā
durch das unerträgliche Feuer im Innern des Körpers (Instr.)
gṛhīta-sāraḥ
dessen Kraft genommen ist (Nom., Bahuvrīhi)
sva-kuṭumbāya
der eigenen Familie (Dat.)
krudhyati
zürnt (3. Sg.)

sa eva punar nidrājagara-gṛhīto 'ndhe tamasi magnaḥ śūnyāraṇya iva śete nānyat-kiñcana veda śava ivāpaviddhaḥ

Eben er wird wiederum von der (Riesen-)Schlange des Schlafes ergriffen; in blinder Finsternis versunken, liegt er wie in einem öden Wald, weiß von nichts anderem mehr, fortgeworfen wie ein Leichnam.

Wort für Wort
saḥ eva punaḥ
eben er wieder
nidrā-ajagara-gṛhītaḥ
von der Riesenschlange des Schlafs ergriffen (Nom., Bahuvrīhi)
andhe tamasi magnaḥ
in blinder Finsternis versunken (Lok./Nom.)
śūnya-araṇye iva
wie in einem öden Wald (Lok.)
śete
liegt (3. Sg.)
na anyat kiñcana veda
weiß nichts anderes mehr (3. Sg.)
śavaḥ iva apaviddhaḥ
wie ein hingeworfener Leichnam (Nom.)

kadācid bhagna-māna-daṁṣṭro durjana-danda-śūkair alabdha-nidrā-kṣaṇo vyathita-hṛdayenānukṣīyamāṇa-vijñāno 'ndha-kūpe 'ndhavat patati

Bisweilen, die Zähne seines Stolzes gebrochen, keinen Augenblick Schlaf findend wegen der bösen Menschen, die giftigen Insekten gleichen, sein Erkenntnisvermögen durch das gepeinigte Herz allmählich schwindend, fällt er wie ein Blinder in einen verdeckten Brunnen.

Wort für Wort
kadācit
bisweilen
bhagna-māna-daṁṣṭraḥ
dessen Stolzeszähne gebrochen sind (Nom., Bahuvrīhi)
durjana-danda-śūkaiḥ
durch böse Menschen, die stacheligen Insekten gleichen (Instr.)
alabdha-nidrā-kṣaṇaḥ
der keinen Augenblick Schlaf erlangt (Nom., Bahuvrīhi)
vyathita-hṛdayena
durch das gequälte Herz (Instr.)
anukṣīyamāṇa-vijñānaḥ
dessen Erkenntnis allmählich schwindet (Nom., Bahuvrīhi)
andha-kūpe andha-vat
wie ein Blinder in einen verdeckten Brunnen (Lok./Adv.)
patati
fällt (3. Sg.)

karhi sma cit kāma-madhu-lavān vicinvan yadā para-dāra-para-drav-yāṇy avarundhāno rājñā svāmibhir vā nihataḥ pataty apāre niraye

Manchmal, während er auf der Suche nach den kleinen Honigtropfen der Sinnenlust die Gattin oder den Besitz eines anderen an sich reißt, wird er, von einem König oder von den rechtmäßigen Eignern erschlagen, in die grenzenlose Hölle gestürzt.

Wort für Wort
karhi sma cit
manchmal
kāma-madhu-lavān vicinvan
die kleinen Honigtropfen der Begierde suchend (Akk. Pl./Nom. Ptz.)
yadā
während
para-dāra-para-dravyāṇi avarundhānaḥ
die Gattin oder den Besitz eines anderen an sich reißend (Akk./Nom. Ptz.)
rājñā svāmibhiḥ vā nihataḥ
vom König oder von den Eignern erschlagen (Instr./Nom.)
patati apāre niraye
fällt in die grenzenlose Hölle (3. Sg./Lok.)

atha ca tasmād ubhayathāpi hi karmāsminn ātmanaḥ saṁsārāvapanam udāharanti.

Und ferner: Deshalb erklären die Weisen, dass das (fruchtbringende) Handeln auf diesem (Pfad) für den Verkörperten in beiderlei Hinsicht das Saatfeld des weltlichen Kreislaufs ist.

Wort für Wort
atha ca tasmāt
und ferner deshalb
ubhayathā api hi
auf beiderlei Weise wahrlich
karma asmin
das Handeln auf diesem (Pfad) (Nom./Lok.)
ātmanaḥ
für den Verkörperten (Gen.)
saṁsāra-āvapanam
das Saatfeld des weltlichen Kreislaufs (Akk.)
udāharanti
sie erklären (3. Pl.)

muktas tato yadi bandhād devadatta upācchinatti tasmād api viṣṇumitra ity anavasthitiḥ

Wird er von jener Fessel befreit, so nimmt ihm ein gewisser Devadatta (das Geld) weg, und diesem wiederum ein Viṣṇumitra -- so besteht keine Beständigkeit.

Wort für Wort
muktaḥ tataḥ yadi bandhāt
wenn er von jener Fessel befreit ist (Nom./Abl.)
devadattaḥ upācchinatti
(ein Mann namens) Devadatta reißt (es) weg (Nom./3. Sg.)
tasmāt api viṣṇumitraḥ
von diesem wiederum (ein Mann namens) Viṣṇumitra (Abl./Nom.)
iti anavasthitiḥ
so (herrscht) Unbeständigkeit (Nom.)

kvacic ca śīta-vātādy-anekādhidaivika-bhautikātmīyānāṁ daśānāṁ pratinivāraṇe 'kalpo duranta-cintayā viṣaṇṇa āste

Und bisweilen bleibt er, unfähig zur Abwehr der vielen, durch Kälte, Wind und dergleichen verursachten, göttlichen, von anderen Wesen herrührenden und in ihm selbst entstehenden Notlagen, von endloser Sorge niedergedrückt zurück.

Wort für Wort
kvacit ca
und bisweilen
śīta-vāta-ādi-aneka-ādhidaivika-bhautika-ātmīyānām daśānām
der vielen, durch Kälte, Wind u.a. verursachten göttlichen, fremdweltlichen und eigenen Notlagen (Gen. Pl.)
pratinivāraṇe akalpaḥ
unfähig zur Abwehr (Lok./Nom.)
duranta-cintayā viṣaṇṇaḥ
von endloser Sorge niedergedrückt (Instr./Nom.)
āste
bleibt, verharrt (3. Sg.)

kvacin mitho vyavaharan yat kiñcid dhanam anyebhyo vā kākiṇikā-mātram apy apaharan yat kiñcid vā vidveṣam eti vitta-śāṭhyāt

Bisweilen, mit anderen Handel treibend um irgendeinen Reichtum, oder auch nur eine kleine Münze von anderen wegnehmend, gerät er wegen der Unredlichkeit im Geldgeschäft in Feindschaft.

Wort für Wort
kvacit mithaḥ vyavaharan
bisweilen untereinander Handel treibend (Nom. Ptz.)
yat kiñcit dhanam anyebhyaḥ vā
irgendeinen Reichtum von anderen (Akk./Abl.)
kākiṇikā-mātram api apaharan
auch nur eine kleine Münze wegnehmend (Akk./Nom. Ptz.)
yat kiñcit vā vidveṣam eti
gerät wegen irgendetwas in Feindschaft (Akk./3. Sg.)
vitta-śāṭhyāt
wegen Unredlichkeit im Geldgeschäft (Abl.)

adhvany amuṣminn ima upasargās tathā sukha-duḥkha-rāga-dveṣa-bhayābhimāna-pramādonmāda-śoka-moha-lobha-mātsaryerṣyāva-māna-kṣut-pipāsādhi-vyādhi-janma-jarā-maraṇādayaḥ

Auf jenem Pfad gibt es diese Heimsuchungen: nämlich Glück und Leid, Anhaftung und Abneigung, Furcht, falscher Stolz, Unachtsamkeit, Wahnsinn, Trauer, Verblendung, Habgier, Neid, Eifersucht, Kränkung, Hunger, Durst, seelische Qual, Krankheit, Geburt, Alter, Tod und dergleichen.

Wort für Wort
adhvani amuṣmin
auf jenem Pfad (Lok.)
ime upasargāḥ
diese Heimsuchungen (Nom. Pl.)
sukha
Glück
duḥkha
Leid
rāga
Anhaftung
dveṣa
Abneigung
bhaya
Furcht
abhimāna
falscher Stolz
pramāda
Unachtsamkeit
unmāda
Wahnsinn
śoka
Trauer
moha
Verblendung
lobha
Habgier
mātsarya
Neid
īrṣyā
Eifersucht
avamāna
Kränkung, Missachtung
kṣut
Hunger
pipāsā
Durst
ādhi
seelische Qual
vyādhi
Krankheit
janma
Geburt
jarā
Alter
maraṇa ādayaḥ
Tod und dergleichen (Nom. Pl.)

kvāpi deva-māyayā striyā bhuja-latopagūḍhaḥ praskanna-viveka-vijñāno yad-vihāra-gṛhārambhākula-hṛdayas tad-āśrayāvasakta-suta-duhitṛ-kalatra-bhāṣitāvaloka-viceṣṭitāpahṛta-hṛdaya ātmānam ajitātmāpāre 'ndhe tamasi prahiṇoti

Irgendwo, durch die Täuschungskraft der Götter von einer Frau mit (zarten, den) Schlingpflanzen (gleichenden) Armen umschlungen, seine Unterscheidungskraft und Erkenntnis verloren, sein Herz beunruhigt durch den Bau eines Hauses für deren Vergnügen, sein Herz geraubt durch die Reden, Blicke und Gebärden der an jenem Heim hängenden Söhne, Töchter und der Gattin, stürzt er, dessen Selbst unbezwungen ist, sich selbst in die grenzenlose, blinde Finsternis.

Wort für Wort
kva api
irgendwo
deva-māyayā
durch die Täuschungskraft der Götter (Instr.)
striyā bhuja-latā-upagūḍhaḥ
von einer Frau mit rankenähnlichen Armen umschlungen (Instr./Nom.)
praskanna-viveka-vijñānaḥ
dessen Unterscheidungskraft und Erkenntnis verloren ist (Nom., Bahuvrīhi)
yat-vihāra-gṛha-ārambha-ākula-hṛdayaḥ
dessen Herz beunruhigt ist durch den Bau eines Hauses für deren Vergnügen (Nom., Bahuvrīhi)
tat-āśraya-avasakta-suta-duhitṛ-kalatra-bhāṣita-avaloka-viceṣṭita-apahṛta-hṛdayaḥ
dessen Herz durch Reden, Blicke und Gebärden der an jenem Heim hängenden Söhne, Töchter und Gattin geraubt ist (Nom., Bahuvrīhi)
ātmānam
sich selbst (Akk.)
ajita-ātmā
dessen Selbst unbezwungen ist (Nom.)
apāre andhe tamasi
in die grenzenlose blinde Finsternis (Lok.)
prahiṇoti
stürzt, schleudert (3. Sg.)

kadācid īśvarasya bhagavato viṣṇoś cakrāt paramāṇv-ādi-dvi-parārdhāpavarga-kālopalakṣaṇāt parivartitena vayasā raṁhasā harata ābrahma-tṛṇa-stambādīnāṁ bhūtānām animiṣato miṣatāṁ vitrasta-hṛdayas tam eveśvaraṁ kāla-cakra-nijāyudhaṁ sākṣād bhagavantaṁ yajña-puruṣam anādṛtya pākhaṇḍa-devatāḥ kaṅka-gṛdhra-baka-vaṭa-prāyā ārya-samaya-parihṛtāḥ sāṅketyenābhidhatte.

Bisweilen, sein Herz erschreckt durch die Scheibe des Herrn, des Erhabenen Viṣṇu -- die, gekennzeichnet durch die Zeitspanne vom Atom an bis zum Ende der doppelten Lebenszeit Brahmās, in stets wechselndem Weltalter mit rasender Geschwindigkeit alle Wesen, von Brahmā bis herab zu den Grashalmen, ohne mit der Wimper zu zucken, vor den Augen aller hinwegrafft --, missachtet er eben diesen Herrn selbst, dessen eigene Waffe das Rad der Zeit ist, den unmittelbaren Erhabenen, den Herrn der Opfer, und verehrt stattdessen, aus bloßer Übereinkunft, ketzerische Gottheiten -- Wesen gleich Falken, Geiern, Reihern und Krähen, die von der Ordnung der Rechtschaffenen verworfen sind.

Wort für Wort
kadācit
bisweilen
īśvarasya bhagavataḥ viṣṇoḥ cakrāt
vor der Scheibe des Herrn, des Erhabenen Viṣṇu (Abl.)
paramāṇu-ādi-dvi-parārdha-apavarga-kāla-upalakṣaṇāt
gekennzeichnet durch die Zeitspanne vom Atom bis zum Ende der doppelten (Lebenszeit Brahmās) (Abl.)
parivartitena vayasā raṁhasā
mit wechselndem Weltalter, rasend schnell (Instr.)
harataḥ
die hinwegrafft (Gen. Ptz.)
ā-brahma-tṛṇa-stamba-ādīnām bhūtānām
aller Wesen, von Brahmā bis zu den Grashalmen (Gen. Pl.)
animiṣataḥ miṣatām
ohne zu zwinkern, vor den Augen (der Wesen) (Gen. Ptz.)
vitrasta-hṛdayaḥ
dessen Herz erschreckt ist (Nom., Bahuvrīhi)
tam eva īśvaram
eben diesen Herrn (Akk.)
kāla-cakra-nija-āyudham
dessen eigene Waffe das Rad der Zeit ist (Akk., Bahuvrīhi)
sākṣāt bhagavantam yajña-puruṣam
den unmittelbaren Erhabenen, den Herrn der Opfer (Akk.)
anādṛtya
missachtend (Absolutiv)
pākhaṇḍa-devatāḥ
ketzerische Gottheiten (Akk. Pl.)
kaṅka-gṛdhra-baka-vaṭa-prāyāḥ
Falken, Geiern, Reihern, Krähen gleich (Akk. Pl.)
ārya-samaya-parihṛtāḥ
von der Ordnung der Ārya verworfen (Akk. Pl.)
sāṅketyena abhidhatte
aus bloßer Übereinkunft verehrt er (Instr./3. Sg.)

yadā pākhaṇḍibhir ātma-vañcitais tair uru vañcito brahma-kulaṁ samāvasaṁs teṣāṁ śīlam upanayanādi-śrauta-smārta-karmānuṣṭhānena bhagavato yajña-puruṣasyārādhanam eva tad arocayan śūdra-kulaṁ bhajate nigamācāre 'śuddhito yasya mithunī-bhāvaḥ kuṭumba-bharaṇaṁ yathā vānara-jāteḥ

Wenn er, von jenen sich selbst betrügenden Ketzern gründlich betrogen, obwohl er in einer Brahmanenfamilie wohnt -- deren Sitte, nämlich durch die auf Śruti und Smṛti gegründeten Handlungen, angefangen mit der heiligen Fadenweihe, eben die Verehrung des Erhabenen, des Herrn der Opfer, zu vollziehen --, ihm nicht mehr gefällt, sich stattdessen einer Śūdra-Familie zuwendet, da er, was die vedischen Bräuche betrifft, ungereinigt ist, dessen Paarung und Unterhalt der Familie so ist wie bei der Art der Affen.

Wort für Wort
yadā
wenn
pākhaṇḍibhiḥ ātma-vañcitaiḥ taiḥ
von jenen sich selbst betrügenden Ketzern (Instr. Pl.)
uru vañcitaḥ
gründlich betrogen (Nom.)
brahma-kulam samāvasan
in einer Brahmanenfamilie wohnend (Akk./Nom. Ptz.)
teṣām śīlam
deren Sitte (Gen./Akk.)
upanayana-ādi-śrauta-smārta-karma-anuṣṭhānena
durch die Ausübung der auf Śruti und Smṛti gegründeten Handlungen, beginnend mit der Fadenweihe (Instr.)
bhagavataḥ yajña-puruṣasya ārādhanam eva
eben die Verehrung des Erhabenen, des Herrn der Opfer (Akk.)
tat arocayan
das nicht (mehr) gefallend (Nom. Ptz.)
śūdra-kulam bhajate
wendet sich einer Śūdra-Familie zu (Akk./3. Sg.)
nigama-ācāre aśuddhitaḥ
in Bezug auf die vedischen Bräuche ungereinigt (Nom.)
yasya mithunī-bhāvaḥ kuṭumba-bharaṇam
dessen Paarung und Familienunterhalt (Nom.)
yathā vānara-jāteḥ
wie bei der Art der Affen (Gen.)

tatrāpi niravarodhaḥ svaireṇa viharann ati-kṛpaṇa-buddhir anyonya-mukha-nirīkṣaṇādinā grāmya-karmaṇaiva vismṛta-kālāvadhiḥ

Auch dort, ohne jede Zügelung, nach eigenem Belieben sich vergnügend, sein Verstand überaus armselig, vergisst er, einzig durch niedere Betätigungen wie das gegenseitige Anschauen der Gesichter, die Grenze seiner Lebenszeit.

Wort für Wort
tatra api
auch dort
niravarodhaḥ
ohne Zügelung (Nom.)
svaireṇa viharan
nach eigenem Belieben sich vergnügend (Instr./Nom. Ptz.)
ati-kṛpaṇa-buddhiḥ
dessen Verstand überaus armselig ist (Nom., Bahuvrīhi)
anyonya-mukha-nirīkṣaṇa-ādinā
durch gegenseitiges Anschauen der Gesichter u.a. (Instr.)
grāmya-karmaṇā eva
einzig durch niedere (dörfliche/sinnliche) Betätigung (Instr.)
vismṛta-kāla-avadhiḥ
der die Grenze seiner Zeit vergisst (Nom., Bahuvrīhi)

kvacid drumavad aihikārtheṣu gṛheṣu raṁsyan yathā vānaraḥ suta-dāra-vatsalo vyavāya-kṣaṇaḥ

Bisweilen, sich wie ein Baum an den nur diesseitigen Zwecken dienenden Häusern (Körpern) erfreuend, wie ein Affe seinen Kindern und seiner Gattin zärtlich zugetan, dessen Muße dem Geschlechtsverkehr gilt...

Wort für Wort
kvacit
bisweilen
druma-vat
wie ein Baum
aihika-artheṣu gṛheṣu
an den diesseitigen Zwecken dienenden Häusern/Körpern (Lok.)
raṁsyan
sich erfreuend (Nom. Ptz. Fut./Desid.)
yathā vānaraḥ
wie ein Affe
suta-dāra-vatsalaḥ
seinen Kindern und seiner Gattin zärtlich zugetan (Nom., Bahuvrīhi)
vyavāya-kṣaṇaḥ
dessen Muße dem Beischlaf gilt (Nom., Bahuvrīhi)

[Anm.: Der Satz setzt sich grammatisch in Vers 33 fort (gemeinsames Prädikat 'avarundhānaḥ ... sīdati/patati' fehlt hier); beide Verse bilden ein durchgehendes Satzgefüge.]

evam adhvany avarundhāno mṛtyu-gaja-bhayāt tamasi giri-kandara-prāye

...so verharrt er, aus Furcht vor dem Elefanten des Todes, auf dem Pfad, in der einer Bergeshöhle gleichenden Finsternis.

Wort für Wort
evam
so
adhvani avarundhānaḥ
auf dem Pfad verharrend (Lok./Nom. Ptz.)
mṛtyu-gaja-bhayāt
aus Furcht vor dem Elefanten des Todes (Abl.)
tamasi
in der Finsternis (Lok.)
giri-kandara-prāye
die einer Bergeshöhle gleicht (Lok.)

[Anm.: Fortsetzung des in Vers 32 begonnenen Satzes; kein eigenes finites Hauptverb, 'avarundhānaḥ' (verharrend/sich aufhaltend) trägt die Aussage.]

kvacic chīta-vātādy-aneka-daivika-bhautikātmīyānāṁ duḥkhānāṁ pratinivāraṇe 'kalpo duranta-viṣaya-viṣaṇṇa āste

Bisweilen bleibt er, unfähig zur Abwehr der vielen, durch Kälte, Wind und dergleichen verursachten göttlichen, fremdweltlichen und eigenen Leiden, durch endlose Sinnesobjekte niedergedrückt zurück.

Wort für Wort
kvacit
bisweilen
śīta-vāta-ādi-aneka-daivika-bhautika-ātmīyānām duḥkhānām
der vielen göttlichen, fremdweltlichen und eigenen Leiden wie Kälte, Wind u.a. (Gen. Pl.)
pratinivāraṇe akalpaḥ
unfähig zur Abwehr (Lok./Nom.)
duranta-viṣaya-viṣaṇṇaḥ
durch endlose Sinnesobjekte niedergedrückt (Nom., Bahuvrīhi)
āste
bleibt, verharrt (3. Sg.)

kvacin mitho vyavaharan yat kiñcid dhanam upayāti vitta-śāṭhyena

Bisweilen, mit anderen Handel treibend, erlangt er irgendeinen Reichtum durch Unredlichkeit im Geldgeschäft.

Wort für Wort
kvacit mithaḥ vyavaharan
bisweilen untereinander Handel treibend (Nom. Ptz.)
yat kiñcit dhanam
irgendeinen Reichtum (Akk.)
upayāti
erlangt (3. Sg.)
vitta-śāṭhyena
durch Unredlichkeit im Geldgeschäft (Instr.)

kvacit kṣīṇa-dhanaḥ śayyāsanāśanādy-upabhoga-vihīno yāvad apratilabdha-manorathopagatādāne 'vasita-matis tatas tato 'vamānādīni janād abhilabhate

Bisweilen, seines Reichtums beraubt, des Genusses von Lager, Sitz, Speise und dergleichen bar, solange er, entschlossen, das bisher von seinem Wunsch nicht Erreichte durch unrechtmäßige Mittel zu ergreifen, erntet er von den Leuten von hier und dort Beschimpfung und dergleichen.

Wort für Wort
kvacit kṣīṇa-dhanaḥ
bisweilen, seines Reichtums beraubt (Nom.)
śayyā-āsana-aśana-ādi-upabhoga-vihīnaḥ
des Genusses von Lager, Sitz, Speise u.a. bar (Nom., Bahuvrīhi)
yāvat
solange
apratilabdha-manoratha-upagata-ādāne
beim Ergreifen des durch (seinen) Wunsch bisher nicht Erreichten (Lok.)
avasita-matiḥ
dessen Entschluss gefasst ist (Nom., Bahuvrīhi)
tataḥ tataḥ
von da und dort
avamāna-ādīni janāt
Kränkung u.a. von den Leuten (Akk./Abl.)
abhilabhate
erntet, erhält (3. Sg.)

evaṁ vitta-vyatiṣaṅga-vivṛddha-vairānubandho 'pi pūrva-vāsanayā mitha udvahaty athāpavahati.

So verbindet er sich, obwohl durch geldliche Verflechtung wachsende Feindschaftsbande bestehen, aufgrund früherer karmischer Prägungen dennoch untereinander in Heirat, und löst die Verbindung wieder auf.

Wort für Wort
evam
so
vitta-vyatiṣaṅga-vivṛddha-vaira-anubandhaḥ api
obwohl durch geldliche Verflechtung wachsende Feindschaftsbande bestehen (Nom., Bahuvrīhi)
pūrva-vāsanayā
aufgrund früherer (karmischer) Prägung (Instr.)
mithaḥ udvahati
verbindet sich untereinander (durch Heirat) (3. Sg.)
atha apavahati
und löst (die Verbindung) wieder auf (3. Sg.)

etasmin saṁsārādhvani nānā-kleśopasarga-bādhita āpanna-vipanno yatra yas tam u ha vāvetaras tatra visṛjya jātaṁ jātam upādāya śocan muhyan bibhyad-vivadan krandan saṁhṛṣyan gāyan nahyamānaḥ sādhu-varjito naivāvartate 'dyāpi yata ārabdha eṣa nara-loka-sārtho yam adhvanaḥ pāram upadiśanti.

Auf diesem Pfad des weltlichen Daseins, geplagt von mancherlei Leiden und Heimsuchungen, bald erlangend, bald verlierend -- wo immer einer (etwas erlangt), dort verliert es wahrlich ein anderer --, dort das eine fahren lassend, ein je neu Geborenes ergreifend, klagend, sich täuschend, sich fürchtend, streitend, weinend, sich freuend, singend, immer wieder gebunden, der Gesellschaft der Heiligen beraubt, kehrt er bis heute noch nicht um, seit jener Zeit an, da diese auf den eigenen Nutzen bedachte Karawane der Menschenwelt in Gang gesetzt wurde -- die Karawane, deren jenseitiges Ufer (allein die Weisen) zu weisen vermögen.

Wort für Wort
etasmin saṁsāra-adhvani
auf diesem Pfad des weltlichen Daseins (Lok.)
nānā-kleśa-upasarga-bādhitaḥ
geplagt von mancherlei Leiden und Heimsuchungen (Nom., Bahuvrīhi)
āpanna-vipannaḥ
bald erlangend, bald verlierend (Nom.)
yatra yaḥ tam u ha vā itaraḥ
wo (einer erlangt), dort (verliert es) wahrlich ein anderer
tatra visṛjya
dort fahren lassend (Absolutiv)
jātam jātam upādāya
ein je neu Geborenes ergreifend (Akk./Absolutiv)
śocan muhyan bibhyat-vivadan krandan saṁhṛṣyan gāyan
klagend, sich täuschend, sich fürchtend, streitend, weinend, sich freuend, singend (Nom. Ptz.)
nahyamānaḥ
immer wieder gebunden werdend (Nom. Ptz.)
sādhu-varjitaḥ
der Gesellschaft der Heiligen beraubt (Nom., Bahuvrīhi)
na eva āvartate adya api
kehrt bis heute noch nicht um (3. Sg.)
yataḥ ārabdhaḥ
seit welcher (Zeit) begonnen (Nom.)
eṣaḥ nara-loka-sārthaḥ
diese Karawane der Menschenwelt (Nom.)
yam adhvanaḥ pāram upadiśanti
deren (des Pfades) jenseitiges Ufer sie (die Weisen) weisen (Akk./3. Pl.)

yad idaṁ yogānuśāsanaṁ na vā etad avarundhate yan nyasta-daṇḍā munaya upaśama-śīlā uparatātmānaḥ samavagacchanti

Diese Unterweisung, die als Anleitung zum yoga gilt, erlangen sie freilich nicht; das, was allein die Weisen, die den Stab (der Gewalt) abgelegt haben, von friedvoller Wesensart, deren Selbst zur Ruhe gekommen ist, wirklich begreifen.

Wort für Wort
yat idam yoga-anuśāsanam
diese Unterweisung, die Anleitung zum yoga (Nom./Akk.)
na vā etat avarundhate
das erlangen sie (die gewöhnlichen Menschen) freilich nicht (3. Pl.)
yat
das, was
nyasta-daṇḍāḥ munayaḥ
die Weisen, die den Stab abgelegt haben (Nom. Pl., Bahuvrīhi)
upaśama-śīlāḥ
von friedvoller Wesensart (Nom. Pl., Bahuvrīhi)
uparata-ātmānaḥ
deren Selbst zur Ruhe gekommen ist (Nom. Pl., Bahuvrīhi)
samavagacchanti
begreifen wirklich (3. Pl.)

yad api dig-ibha-jayino yajvino ye vai rājarṣayaḥ kiṁ tu paraṁ mṛdhe śayīrann asyām eva mameyam iti kṛta-vairānubandhāyāṁ visṛjya svayam upasaṁhṛtāḥ

Obgleich es (unter ihnen) königliche Seher gab, welche die Elefanten der Himmelsrichtungen besiegten und große Opfer vollzogen, so sanken sie doch letztlich, nachdem sie ihr eigenes Leben hingegeben hatten, im Kampf um eben diese Erde, in Feindschaft verstrickt mit dem Gedanken 'mein, dies ist mein', dahin, von Feinden niedergestreckt.

Wort für Wort
yat api
obgleich
dik-ibha-jayinaḥ
die die Elefanten der Himmelsrichtungen besiegten (Nom. Pl.)
yajvinaḥ
die Opfer vollzogen (Nom. Pl.)
ye vai rāja-ṛṣayaḥ
welche königlichen Seher (Nom. Pl.)
kim tu param
aber letztlich
mṛdhe śayīran
im Kampf fielen sie (Lok./3. Pl. Opt.)
asyām eva mama iyam iti
mit dem Gedanken 'eben diese ist mein' (Lok./iti)
kṛta-vaira-anubandhāyām
in der (Erde), mit der Feindschaftsbande geknüpft wurden (Lok., Bahuvrīhi)
visṛjya svayam
das eigene (Leben) hingebend (Absolutiv)
upasaṁhṛtāḥ
niedergestreckt, dahingerafft (Nom. Pl.)

karma-vallīm avalambya tata āpadaḥ kathañcin narakād vimuktaḥ punar apy evaṁ saṁsārādhvani vartamāno nara-loka-sārtham upayāti evam upari gato 'pi.

Sich an die Schlingpflanze des Handelns klammernd, dadurch aus jener Notlage, der Hölle, irgendwie befreit, betritt er, auf dem Pfad des weltlichen Daseins wieder ebenso verweilend, wiederum die auf eigenen Nutzen bedachte Karawane der Menschenwelt -- ebenso, selbst wenn er zuvor in höhere Welten emporgestiegen war.

Wort für Wort
karma-vallīm avalambya
sich an die Schlingpflanze des Handelns klammernd (Akk./Absolutiv)
tataḥ āpadaḥ
aus jener Notlage (Abl.)
kathañcit narakāt vimuktaḥ
irgendwie aus der Hölle befreit (Abl./Nom.)
punaḥ api evam saṁsāra-adhvani vartamānaḥ
wieder ebenso auf dem Pfad des weltlichen Daseins verweilend (Nom. Ptz.)
nara-loka-sārtham upayāti
betritt die Karawane der Menschenwelt (Akk./3. Sg.)
evam upari gataḥ api
ebenso, selbst wenn er nach oben gelangt war (Nom.)

ārṣabhasyeha rājarṣer manasāpi mahātmanaḥ nānuvartmārhati nṛpo makṣikeva garutmataḥ

Selbst mit dem Geiste vermag hier kein (gewöhnlicher) König dem Pfad des großherzigen königlichen Sehers, des Sohnes Ṛṣabhas, zu folgen -- wie eine Fliege nicht dem Flug Garuḍas (folgen kann).

Wort für Wort
ārṣabhasya rāja-ṛṣeḥ
des königlichen Sehers, des Sohnes Ṛṣabhas (Gen.)
iha
hier
manasā api
selbst mit dem Geist (Instr.)
mahā-ātmanaḥ
des großherzigen (Gen.)
na anu-vartma arhati
vermag nicht, dem Pfad zu folgen (3. Sg.)
nṛpaḥ
ein (gewöhnlicher) König (Nom.)
makṣikā iva garutmataḥ
wie eine Fliege (dem Flug) Garuḍas (Nom./Gen.)

yo dustyajān dāra-sutān suhṛd rājyaṁ hṛdi-spṛśaḥ jahau yuvaiva malavad uttamaśloka-lālasaḥ

Er, der die nur schwer aufzugebende Gattin, die Söhne, die Freunde und das bis ins Herz rührende Königreich schon als junger Mann wie Kot von sich warf, ganz begierig nach dem in erhabenen Versen Gepriesenen.

Wort für Wort
yaḥ
er, der (Nom.)
dustyajān dāra-sutān suhṛt rājyam
die schwer aufzugebende Gattin, Söhne, Freunde, das Königreich (Akk./Nom.)
hṛdi-spṛśaḥ
das bis ins Herz rührende (Akk., Bahuvrīhi)
jahau
gab auf, warf von sich (3. Sg. Perf.)
yuvā eva
schon als junger Mann (Nom.)
mala-vat
wie Kot
uttamaśloka-lālasaḥ
begierig nach dem in erhabenen Versen Gepriesenen (Nom., Bahuvrīhi)

yo dustyajān kṣiti-suta-svajanārtha-dārān prārthyāṁ śriyaṁ sura-varaiḥ sadayāvalokām naicchan nṛpas tad-ucitaṁ mahatāṁ madhudviṭ-sevānurakta-manasām abhavo 'pi phalguḥ

Er, der König, der die schwer aufzugebende Erde, Söhne, Verwandte, Güter und Gattin ebenso wenig begehrte wie die von den besten Göttern erflehte, gnädig blickende Glücksgöttin -- dies ziemt sich recht für die Großen, deren Sinn an den liebevollen Dienst am Feind des Madhu gebunden ist, denen selbst die Stellung der Befreiung nur geringfügig erscheint.

Wort für Wort
yaḥ nṛpaḥ
er, der König (Nom.)
dustyajān kṣiti-suta-svajana-artha-dārān
die schwer aufzugebende Erde, Söhne, Verwandte, Güter, Gattin (Akk. Pl.)
prārthyām śriyam
die begehrenswerte Glücksgöttin (Akk.)
sura-varaiḥ
von den besten Göttern (Instr.)
sa-daya-avalokām
deren Blick gnädig ist (Akk., Bahuvrīhi)
na aicchat
begehrte nicht (3. Sg. Impf.)
tat-ucitam mahatām
dies ziemt sich für die Großen (Nom./Gen. Pl.)
madhu-dviṭ-sevā-anurakta-manasām
deren Sinn an den Dienst am Feind des Madhu gebunden ist (Gen. Pl., Bahuvrīhi)
abhavaḥ api phalguḥ
selbst die Befreiung erscheint (ihnen) geringfügig (Nom.)

yajñāya dharma-pataye vidhi-naipuṇāya yogāya sāṅkhya-śirase prakṛtīśvarāya nārāyaṇāya haraye nama ity udāraṁ hāsyan mṛgatvam api yaḥ samudājahāra

"Verehrung dem Herrn der Opfer, dem Herrn des dharma, dem Meister der rechten Ordnung, dem Herrn des yoga, dem Haupt der Sāṅkhya-Lehre, dem Herrscher der Materie, Nārāyaṇa, Hari!" -- so rief er, der selbst im Zustand des Rehes noch weilend, diesen erhabenen (Spruch) laut aus, lächelnd.

Wort für Wort
yajñāya dharma-pataye
dem Herrn der Opfer, dem Herrn des dharma (Dat.)
vidhi-naipuṇāya
dem Meister der rechten Ordnung (Dat.)
yogāya
dem Herrn des yoga (Dat.)
sāṅkhya-śirase
dem Haupt der Sāṅkhya-Lehre (Dat.)
prakṛti-īśvarāya
dem Herrscher der Materie (Dat.)
nārāyaṇāya haraye namaḥ
Verehrung Nārāyaṇa, Hari (Dat./Nom.)
iti udāram
so, dies Erhabene (Akk.)
hāsyan
lächelnd (Nom. Ptz.)
mṛgatvam api
selbst im Zustand des Rehes (Akk.)
yaḥ samudājahāra
er, der laut aussprach (Nom./3. Sg. Perf.)

ya idaṁ bhāgavata-sabhājitāvadāta-guṇa-karmaṇo rājarṣer bharatasyānucaritaṁ svasty-ayanam āyuṣyaṁ dhanyaṁ yaśasyaṁ svargyāpavargyaṁ vānuśṛṇoty ākhyāsyaty abhinandati ca sarvā evāśiṣa ātmana āśāste na kāñcana parata iti

Wer diese von den Gottgeweihten hochgepriesene, lautere Erzählung von den Tugenden und Taten des königlichen Sehers Bharata -- die Heil verleiht, das Leben verlängert, Glück und Ruhm schenkt, zum Himmel oder zur Erlösung führt -- hört oder erzählt und sie dabei freudig begrüßt, der erlangt wahrlich für sich selbst alle Segnungen, so dass er nichts mehr von einem anderen zu erbitten braucht.

Wort für Wort
yaḥ
wer (Nom.)
idam bhāgavata-sabhājita-avadāta-guṇa-karmaṇaḥ
diese von den Gottgeweihten hochgepriesene, von lauteren Tugenden und Taten (handelnde) (Akk./Gen.)
rāja-ṛṣeḥ bharatasya anucaritam
die Erzählung vom königlichen Seher Bharata (Gen./Akk.)
svasti-ayanam āyuṣyam dhanyam yaśasyam svargyam apavargyam vā
die Heil bringt, das Leben verlängert, Glück, Ruhm, den Himmel oder die Erlösung (schenkt) (Akk.)
anuśṛṇoti ākhyāsyati abhinandati ca
hört, erzählt und freudig begrüßt (3. Sg.)
sarvāḥ eva āśiṣaḥ
alle Segnungen wahrlich (Akk. Pl.)
ātmanaḥ āśāste
erlangt für sich selbst (Gen./3. Sg. Med.)
na kāñcana parataḥ iti
nichts von einem anderen (mehr, zu erbitten braucht), so (Akk./Abl.)

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