Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 49: brahmaṇaḥ sarga-vistāraḥ Gespräch zwischen Maitreya und Vidura (Brahmās weitere Schöpfung)

Skandha 3, Adhyāya 20. Quelle: vedabase.io. title_sa als eigene knappe IAST-Kurzbezeichnung des Inhalts gebildet, da vedabase.io keinen Sanskrit-IAST-Kapiteltitel angibt (nur Englisch 'Conversation Between Maitreya and Vidura'). Kapitel beginnt mit kurzem Ruecksprung in den aeusseren Rahmen Sūta-Śaunaka (V.1-8), bevor der innere Dialog Vidura-Maitreya fortgesetzt wird.

śaunaka uvāca mahīṁ pratiṣṭhām adhyasya saute svāyambhuvo manuḥ kāny anvatiṣṭhad dvārāṇi mārgāyāvara-janmanām

Śaunaka sprach: Nachdem Svāyambhuva Manu die Erde als [seine] Grundlage errichtet hatte, o Sūta, welchen Toren folgte er für den Pfad der nachfolgenden Geburten?

Wort für Wort
śaunakaḥ uvāca
Śaunaka sprach
mahīm pratiṣṭhām adhyasya
nachdem er die Erde als [seine] Grundlage errichtet hatte
saute svāyambhuvaḥ manuḥ
o Sūta, Svāyambhuva Manu
kāni anvatiṣṭhat dvārāṇi
welchen Toren folgte er
mārgāya avara-janmanām
für den Pfad der nachfolgenden Geburten

kṣattā mahā-bhāgavataḥ kṛṣṇasyaikāntikaḥ suhṛt yas tatyājāgrajaṁ kṛṣṇe sāpatyam aghavān iti

Kṣattā (Vidura), der große Gottgeweihte, Kṛṣṇas ausschließlicher Freund, der seinen älteren Bruder samt dessen Söhnen verließ, weil dieser gegen Kṛṣṇa gesündigt hatte -

Wort für Wort
kṣattā mahā-bhāgavataḥ
Kṣattā, der große Gottgeweihte
kṛṣṇasya aikāntikaḥ suhṛt
Kṛṣṇas ausschließlicher Freund
yaḥ tatyāja agrajam
der seinen älteren Bruder verließ
kṛṣṇe sa-apatyam aghavān iti
weil dieser, samt seinen Söhnen, gegen Kṛṣṇa gesündigt hatte

dvaipāyanād anavaro mahitve tasya dehajaḥ / sarvātmanā śritaḥ kṛṣṇaṁ tat-parāṁś cāpy anuvrataḥ

An Größe Dvaipāyana (Vyāsa) nicht nachstehend, dessen leiblicher Sohn er war, ganz und gar Kṛṣṇa ergeben und auch den ihm Ergebenen folgend -

Wort für Wort
dvaipāyanāt anavaraḥ mahitve
an Größe Dvaipāyana nicht nachstehend
tasya deha-jaḥ
dessen leiblicher Sohn
sarva-ātmanā śritaḥ kṛṣṇam
ganz und gar Kṛṣṇa ergeben
tat-parān ca api anuvrataḥ
und auch den ihm Ergebenen folgend

kim anvapṛcchan maitreyaṁ virajās tīrtha-sevayā upagamya kuśāvarta āsīnaṁ tattva-vittamam

- was fragte der von Leidenschaft Freie (Vidura) Maitreya, nachdem er sich durch Pilgerdienst ihm genähert hatte, der in Kuśāvarta saß, den größten Kenner der Wahrheit?

Wort für Wort
kim anvapṛcchat maitreyam
was fragte er Maitreya
virajāḥ tīrtha-sevayā
der von Leidenschaft Freie, durch Pilgerdienst
upagamya kuśāvarte āsīnam
sich nähernd, der in Kuśāvarta saß
tattva-vittamam
den größten Kenner der Wahrheit

tayoḥ saṁvadatoḥ sūta pravṛttā hy amalāḥ kathāḥ āpo gāṅgā ivāgha-ghnīr hareḥ pādāmbujāśrayāḥ

O Sūta, während jene beiden sich unterhielten, entströmten makellose Erzählungen, wie die sündentilgenden Wasser der Gaṅgā, in den Lotosfüßen Haris begründet.

Wort für Wort
tayoḥ saṁvadatoḥ sūta
während jene beiden sich unterhielten, o Sūta
pravṛttāḥ hi amalāḥ kathāḥ
entströmten wahrlich makellose Erzählungen
āpaḥ gāṅgāḥ iva agha-ghnīḥ
wie die sündentilgenden Wasser der Gaṅgā
hareḥ pāda-ambuja-āśrayāḥ
in den Lotosfüßen Haris begründet

tā naḥ kīrtaya bhadraṁ te kīrtanyodāra-karmaṇaḥ rasajñaḥ ko nu tṛpyeta hari-līlāmṛtaṁ piban

Erzähle sie uns, Heil sei dir, [die Erzählungen] von dem, dessen erhabene Taten es wert sind, gepriesen zu werden; wer, der den Geschmack kennt, könnte sich je satt trinken am Nektar von Haris Spiel?

Wort für Wort
tāḥ naḥ kīrtaya bhadram te
erzähle sie uns, Heil sei dir
kīrtanya-udāra-karmaṇaḥ
von dem, dessen erhabene Taten es wert sind, gepriesen zu werden
rasajñaḥ kaḥ nu tṛpyeta
wer, der den Geschmack kennt, könnte sich je satt fühlen
hari-līlā-amṛtam piban
am Nektar von Haris Spiel trinkend

evam ugraśravāḥ pṛṣṭa ṛṣibhir naimiṣāyanaiḥ bhagavaty arpitādhyātmas tān āha śrūyatām iti

So von den Weisen des Naimiṣa-[Waldes] befragt, sprach Ugraśravā (Sūta), seinen Geist auf den Erhabenen gerichtet, zu ihnen: 'Höret!'

Wort für Wort
evam ugraśravāḥ pṛṣṭaḥ
so befragt, Ugraśravā (Sūta)
ṛṣibhiḥ naimiṣa-āyanaiḥ
von den Weisen des Naimiṣa-[Waldes]
bhagavati arpita-adhyātmaḥ
seinen Geist auf den Erhabenen gerichtet
tān āha śrūyatām iti
sprach zu ihnen: 'Höret!'

sūta uvāca harer dhṛta-kroḍa-tanoḥ sva-māyayā niśamya gor uddharaṇaṁ rasātalāt līlāṁ hiraṇyākṣam avajñayā hataṁ sañjāta-harṣo munim āha bhārataḥ

Sūta sprach: Nachdem er vernommen hatte, wie Hari, der durch seine eigene Māyā die Ebergestalt angenommen hatte, die Erde aus Rasātala emporhob, [und] das Spiel, wie Hiraṇyākṣa mit bloßer Geringschätzung erschlagen wurde, sprach der Nachkomme Bharatas (Vidura), von Freude erfüllt, zu dem Weisen.

Wort für Wort
sūtaḥ uvāca
Sūta sprach
hareḥ dhṛta-kroḍa-tanoḥ sva-māyayā
wie Hari, der durch seine eigene Māyā die Ebergestalt angenommen hatte
niśamya gaḥ uddharaṇam rasātalāt
nachdem er das Emporheben der Erde aus Rasātala vernommen hatte
līlām hiraṇyākṣam avajñayā hatam
das Spiel, wie Hiraṇyākṣa mit bloßer Geringschätzung erschlagen wurde
sañjāta-harṣaḥ munim āha bhārataḥ
sprach der Nachkomme Bharatas, von Freude erfüllt, zu dem Weisen

vidura uvāca prajāpati-patiḥ sṛṣṭvā prajā-sarge prajāpatīn kim ārabhata me brahman prabrūhy avyakta-mārga-vit

Vidura sprach: Nachdem der Herr der Herren der Geschöpfe (Brahmā) für die Erzeugung der Geschöpfe die Prajāpatis geschaffen hatte, was unternahm er dann, o Brahmane? Sage es mir, du Kenner des Pfades des Unmanifestierten.

Wort für Wort
viduraḥ uvāca
Vidura sprach
prajāpati-patiḥ sṛṣṭvā
nachdem der Herr der Herren der Geschöpfe geschaffen hatte
prajā-sarge prajāpatīn
für die Erzeugung der Geschöpfe die Prajāpatis
kim ārabhata me brahman
was unternahm er dann, sage mir, o Brahmane
prabrūhi avyakta-mārga-vit
sage es, du Kenner des Pfades des Unmanifestierten

ye marīcy-ādayo viprā yas tu svāyambhuvo manuḥ te vai brahmaṇa ādeśāt katham etad abhāvayan

Jene Brahmanen, angefangen mit Marīci, und auch Svāyambhuva Manu - wie brachten sie, auf Brahmās Geheiß, dies zustande?

Wort für Wort
ye marīci-ādayaḥ viprāḥ
jene Brahmanen, angefangen mit Marīci
yaḥ tu svāyambhuvaḥ manuḥ
und auch Svāyambhuva Manu
te vai brahmaṇaḥ ādeśāt
sie, auf Brahmās Geheiß
katham etat abhāvayan
wie brachten sie dies zustande

sa-dvitīyāḥ kim asṛjan svatantrā uta karmasu / āho svit saṁhatāḥ sarva idaṁ sma samakalpayan

Erschufen sie mit einer Gefährtin, unabhängig in ihren Aufgaben, oder haben sie alle zusammen dies gemeinsam ersonnen?

Wort für Wort
sa-dvitīyāḥ kim asṛjan
erschufen sie mit einer Gefährtin
svatantrāḥ uta karmasu
unabhängig in ihren Aufgaben, oder
āho svit saṁhatāḥ sarve
oder haben sie alle zusammen
idam sma samakalpayan
dies gemeinsam ersonnen

maitreya uvāca daivena durvitarkyeṇa pareṇānimiṣeṇa ca jāta-kṣobhād bhagavato mahān āsīd guṇa-trayāt

Maitreya sprach: Durch das kaum zu ergründende, höchste, unaufhörliche Schicksal, aus der Erregung, die von den drei Erscheinungsweisen des Erhabenen entstand, kam das Mahat-Prinzip in [sein] Dasein.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
daivena durvitarkyeṇa
durch das kaum zu ergründende Schicksal
pareṇa animiṣeṇa ca
das höchste, unaufhörliche
jāta-kṣobhāt bhagavataḥ mahān guṇa-trayāt
aus der Erregung des Erhabenen, [entstanden] aus den drei Erscheinungsweisen, [entstand] das Mahat-Prinzip
āsīt
kam ins Dasein

rajaḥ-pradhānān mahatas tri-liṅgo daiva-coditāt jātaḥ sasarja bhūtādir viyad-ādīni pañcaśaḥ

Aus dem von Rajas beherrschten, dreifach-gekennzeichneten Mahat, vom Schicksal angetrieben, geboren, erschuf der Bhūtādi (Ahaṅkāra) den Äther und die übrigen [Elemente], zu fünft.

Wort für Wort
rajaḥ-pradhānāt mahataḥ tri-liṅgaḥ
aus dem von Rajas beherrschten, dreifach-gekennzeichneten Mahat
daiva-coditāt jātaḥ
vom Schicksal angetrieben, geboren
sasarja bhūta-ādiḥ
erschuf der Bhūtādi (Ahaṅkāra)
viyat-ādīni pañcaśaḥ
den Äther und die übrigen [Elemente], zu fünft

tāni caikaikaśaḥ sraṣṭum asamarthāni bhautikam saṁhatya daiva-yogena haimam aṇḍam avāsṛjan

Diese aber, einzeln unfähig, Materielles zu erschaffen, vereinigten sich durch göttliche Fügung und brachten das goldene Ei hervor.

Wort für Wort
tāni ca eka-ekaśaḥ
diese aber, einzeln
sraṣṭum asamarthāni bhautikam
unfähig, Materielles zu erschaffen
saṁhatya daiva-yogena
sich vereinigend durch göttliche Fügung
haimam aṇḍam avāsṛjan
brachten sie das goldene Ei hervor

so 'śayiṣṭābdhi-salile āṇḍakośo nirātmakaḥ sāgraṁ vai varṣa-sāhasram anvavātsīt tam īśvaraḥ

Jene Eischale, ohne [inneres] Selbst, lag im Ozeanwasser; und der Herr wohnte darin, wahrlich mehr als tausend Jahre lang.

Wort für Wort
saḥ aśayiṣṭa abdhi-salile
sie lag im Ozeanwasser
āṇḍa-kośaḥ nirātmakaḥ
die Eischale, ohne [inneres] Selbst
sa-agram vai varṣa-sāhasram
wahrlich mehr als tausend Jahre lang
anvavātsīt tam īśvaraḥ
wohnte darin der Herr

tasya nābher abhūt padmaṁ sahasrārkoru-dīdhiti sarva-jīvanikāyauko yatra svayam abhūt svarāṭ

Aus seinem Nabel entstand ein Lotos von der gewaltigen Leuchtkraft tausend Sonnen, in dem er selbst, der Selbstherrscher, die Wohnstatt der ganzen Schar der Lebewesen, ins Dasein trat.

Wort für Wort
tasya nābheḥ abhūt padmam
aus seinem Nabel entstand ein Lotos
sahasra-arka-uru-dīdhiti
von der gewaltigen Leuchtkraft tausend Sonnen
sarva-jīva-nikāya-okaḥ
die Wohnstatt der ganzen Schar der Lebewesen
yatra svayam abhūt svarāṭ
in dem er selbst, der Selbstherrscher, ins Dasein trat

so 'nuviṣṭo bhagavatā yaḥ śete salilāśaye loka-saṁsthāṁ yathā pūrvaṁ nirmame saṁsthayā svayā

Er, betreten vom Erhabenen, der auf dem Wasserlager ruht, gestaltete die Anordnung der Welten wie zuvor, durch seine eigene Ordnung.

Wort für Wort
saḥ anuviṣṭaḥ bhagavatā
er, betreten vom Erhabenen
yaḥ śete salila-āśaye
der auf dem Wasserlager ruht
loka-saṁsthām yathā pūrvam
die Anordnung der Welten wie zuvor
nirmame saṁsthayā svayā
gestaltete er durch seine eigene Ordnung

[?] Bezug: 'er' (Brahmā) als vom Erhabenen (Viṣṇu, der auf dem Urwasser ruht) durchdrungen/erfüllt; genaue Beziehung der beiden Subjekte im Vers knapp und andeutend.

sasarja cchāyayāvidyāṁ pañca-parvāṇam agrataḥ tāmisram andha-tāmisraṁ tamo moho mahā-tamaḥ

Zuerst erschuf er aus seinem Schatten die fünfgliedrige Unwissenheit: Tāmisra, Andha-Tāmisra, Tamas, Moha, Mahā-Tamas.

Wort für Wort
sasarja chāyayā avidyām
er erschuf aus seinem Schatten die Unwissenheit
pañca-parvāṇam agrataḥ
fünfgliedrig, zuerst
tāmisram andha-tāmisram
Tāmisra, Andha-Tāmisra
tamaḥ mohaḥ mahā-tamaḥ
Tamas, Moha, Mahā-Tamas

visasarjātmanaḥ kāyaṁ nābhinandaṁs tamomayam jagṛhur yakṣa-rakṣāṁsi rātriṁ kṣut-tṛṭ-samudbhavām

Sich nicht darüber freuend, ließ er seinen eigenen, aus Finsternis bestehenden Leib fahren; die Yakṣas und Rākṣasas ergriffen ihn - die Nacht, entstanden aus Hunger und Durst.

Wort für Wort
na abhinandan visasarja ātmanaḥ kāyam
sich nicht darüber freuend, ließ er seinen eigenen Leib fahren
tamaḥ-mayam
aus Finsternis bestehend
jagṛhuḥ yakṣa-rakṣāṁsi
die Yakṣas und Rākṣasas ergriffen [ihn]
rātrim kṣut-tṛṭ-samudbhavām
die Nacht, entstanden aus Hunger und Durst

kṣut-tṛḍbhyām upasṛṣṭās te taṁ jagdhum abhidudruvuḥ / mā rakṣatainaṁ jakṣadhvam ity ūcuḥ kṣut-tṛḍ-arditāḥ

Von Hunger und Durst überwältigt, liefen sie herbei, um ihn zu verschlingen; 'schont ihn nicht, verzehrt ihn!' riefen sie, von Hunger und Durst gequält.

Wort für Wort
kṣut-tṛḍbhyām upasṛṣṭāḥ te
von Hunger und Durst überwältigt, sie
tam jagdhum abhidudruvuḥ
liefen herbei, um ihn zu verschlingen
mā rakṣata enam jakṣadhvam
'schont ihn nicht, verzehrt ihn'
iti ūcuḥ kṣut-tṛṭ-arditāḥ
so riefen sie, von Hunger und Durst gequält

[Anm.] Anspielung auf die volkstümliche Namensdeutung: die 'Rakṣata' ('schützt') rufenden wurden zu Rākṣasas, die 'Jakṣadhvam' ('esst') rufenden zu Yakṣas (s. folgender Vers).

devas tān āha saṁvigno mā māṁ jakṣata rakṣata aho me yakṣa-rakṣāṁsi prajā yūyaṁ babhūvitha

Der Gott (Brahmā), beunruhigt, sprach zu ihnen: 'Verzehrt mich nicht, schützt [mich]!' - Ach, ihr seid meine Nachkommenschaft geworden, als Yakṣas und Rākṣasas.

Wort für Wort
devaḥ tān āha saṁvignaḥ
der Gott, beunruhigt, sprach zu ihnen
mā mām jakṣata rakṣata
'verzehrt mich nicht, schützt [mich]'
aho me yakṣa-rakṣāṁsi
ach, meine Yakṣas und Rākṣasas
prajāḥ yūyam babhūvitha
ihr seid [meine] Nachkommenschaft geworden

devatāḥ prabhayā yā yā dīvyan pramukhato 'sṛjat te ahārṣur devayanto visṛṣṭāṁ tāṁ prabhām ahaḥ

Welchen Glanz auch immer er, spielend, aus seinem Antlitz heraus erschuf, [daraus wurden] die Götter; sie, gottwärts strebend, nahmen jenen entlassenen Glanz als den Tag an sich.

Wort für Wort
devatāḥ prabhayā yā yā
die Götter, aus welchem Glanz auch immer
dīvyan pramukhataḥ asṛjat
spielend aus seinem Antlitz heraus erschuf
te ahārṣuḥ devayantaḥ
sie, gottwärts strebend, nahmen an sich
visṛṣṭām tām prabhām ahaḥ
jenen entlassenen Glanz als den Tag

devo 'devāñ jaghanataḥ sṛjati smātilolupān ta enaṁ lolupatayā maithunāyābhipedire

Der Gott erschuf aus seinem Hinterteil die Widergötter (Asuras), von übermäßiger Begierde [erfüllt]; sie näherten sich ihm aus Begierde zur ehelichen Vereinigung.

Wort für Wort
devaḥ adevān jaghanataḥ sṛjati sma
der Gott erschuf aus seinem Hinterteil die Widergötter
atilolupān
von übermäßiger Begierde [erfüllt]
te enam lolupatayā
sie näherten sich ihm aus Begierde
maithunāya abhipedire
zur ehelichen Vereinigung

tato hasan sa bhagavān asurair nirapatrapaiḥ anvīyamānas tarasā kruddho bhītaḥ parāpatat

Da floh der Erhabene lachend, von den schamlosen Asuras rasch verfolgt, zornig und [zugleich] verängstigt, davon.

Wort für Wort
tataḥ hasan saḥ bhagavān
da [floh] der Erhabene lachend
asuraiḥ nirapatrapaiḥ anvīyamānaḥ tarasā
von den schamlosen Asuras rasch verfolgt
kruddhaḥ bhītaḥ parāpatat
zornig und verängstigt, floh er davon

sa upavrajya varadaṁ prapannārti-haraṁ harim anugrahāya bhaktānām anurūpātma-darśanam

Er näherte sich Hari, dem Gewähre-Gebenden, dem Vernichter der Not derer, die zu ihm Zuflucht suchen - dem [Hari], der zur Gunst seiner Geweihten eine [jeweils] angemessene Gestalt zur Schau stellt.

Wort für Wort
saḥ upavrajya varadam
er näherte sich dem Gewähre-Gebenden
prapanna-ārti-haram harim
Hari, dem Vernichter der Not derer, die Zuflucht suchen
anugrahāya bhaktānām
zur Gunst seiner Geweihten
anurūpa-ātma-darśanam
der eine [jeweils] angemessene Gestalt zur Schau stellt

pāhi māṁ paramātmaṁs te preṣaṇenāsṛjaṁ prajāḥ tā imā yabhituṁ pāpā upākrāmanti māṁ prabho

'Beschütze mich, o höchste Seele; auf dein Geheiß erschuf ich Geschöpfe; diese sündigen [Geschöpfe] versuchen nun, mich zu vergewaltigen, o Herr.'

Wort für Wort
pāhi mām paramātman
beschütze mich, o höchste Seele
te preṣaṇena asṛjam prajāḥ
auf dein Geheiß erschuf ich Geschöpfe
tāḥ imāḥ yabhitum pāpāḥ
diese sündigen [Geschöpfe], um [mich] zu vergewaltigen
upākrāmanti mām prabho
nähern sich mir, o Herr

tvam ekaḥ kila lokānāṁ kliṣṭānāṁ kleśa-nāśanaḥ tvam ekaḥ kleśadas teṣām anāsanna-padāṁ tava

'Du allein bist wahrlich der Vernichter des Leids der leidenden Welten; du allein bist der Verursacher des Leids für jene, die deinen Füßen nicht nahegekommen sind.'

Wort für Wort
tvam ekaḥ kila lokānām
du allein bist wahrlich der [Retter] der Welten
kliṣṭānām kleśa-nāśanaḥ
der Vernichter des Leids der Leidenden
tvam ekaḥ kleśadaḥ teṣām
du allein bist der Verursacher des Leids für jene
anāsanna-padām tava
die deinen Füßen nicht nahegekommen sind

[?] Theologischer Doppelaspekt (der Erhabene als sowohl Leid-Vernichter als auch Leid-Verursacher für die von ihm Entfernten) im Wortlaut belassen, nicht geglättet.

so 'vadhāryāsya kārpaṇyaṁ viviktādhyātma-darśanaḥ vimuñcātma-tanuṁ ghorām ity ukto vimumoca ha

Er (Hari), dessen Selbsterkenntnis geklärt ist, erkannte dessen (Brahmās) Jämmerlichkeit und sprach: 'Gib deinen furchtbaren [Schatten-]Leib auf'; so angesprochen, ließ er (Brahmā) ihn fahren.

Wort für Wort
saḥ avadhārya asya kārpaṇyam
er, dessen Jämmerlichkeit erkennend
vivikta-adhyātma-darśanaḥ
dessen Selbsterkenntnis geklärt ist
vimuñca ātma-tanum ghorām
'gib deinen furchtbaren [Schatten-]Leib auf'
iti uktaḥ vimumoca ha
so angesprochen, ließ er ihn fahren

tāṁ kvaṇac-caraṇāmbhojāṁ mada-vihvala-locanām kāñcī-kalāpa-vilasad- dukūla-cchanna-rodhasam

Jenen [Leib, nun als Frau], mit klingenden Lotosfüßen, mit von Rausch trunkenen Augen, deren Hüften von einem mit einer Gürtelkette glänzenden feinen Gewand bedeckt waren -

Wort für Wort
tām kvaṇat-caraṇa-ambhojām
jene, mit klingenden Lotosfüßen
mada-vihvala-locanām
mit von Rausch trunkenen Augen
kāñcī-kalāpa-vilasat
mit einer glänzenden Gürtelkette
dukūla-channa-rodhasam
deren Hüften von feinem Gewand bedeckt waren

anyonya-śleṣayottuṅga-nirantara-payodharām sunāsāṁ sudvijāṁ snigdha-hāsa-līlāvalokanām

- mit hohen, dicht aneinandergeschmiegten Brüsten, mit feiner Nase, feinen Zähnen, mit liebevollem Lächeln und spielerischen Blicken -

Wort für Wort
anyonya-śleṣayā uttuṅga-nirantara-payodharām
mit hohen, durch gegenseitige Umschlingung dicht aneinandergeschmiegten Brüsten
su-nāsām su-dvijām
mit feiner Nase, feinen Zähnen
snigdha-hāsa-līlā-avalokanām
mit liebevollem Lächeln und spielerischen Blicken

gūhantīṁ vrīḍayātmānaṁ nīlālaka-varūthinīm upalabhyāsurā dharma sarve sammumuhuḥ striyam

- sich selbst aus Scham verbergend, mit einer Fülle dunkler Locken - als die Asuras diese Frau erblickten, o Dharma [Vidura], wurden sie alle völlig betört.

Wort für Wort
gūhantīm vrīḍayā ātmānam
sich selbst aus Scham verbergend
nīla-alaka-varūthinīm
mit einer Fülle dunkler Locken
upalabhya asurāḥ dharma
als die Asuras erblickten, o Dharma
sarve sammumuhuḥ striyam
wurden sie alle betört durch die Frau

aho rūpam aho dhairyam aho asyā navaṁ vayaḥ / madhye kāmayamānānām akāmeva visarpati

'Ach, [welche] Schönheit! Ach, [welche] Gelassenheit! Ach, ihre frische Jugend! Inmitten derer, die sie begehren, bewegt sie sich, als wäre sie selbst ohne Begehren.'

Wort für Wort
aho rūpam aho dhairyam
ach, [welche] Schönheit! Ach, [welche] Gelassenheit!
aho asyāḥ navam vayaḥ
ach, ihre frische Jugend!
madhye kāmayamānānām
inmitten derer, die [sie] begehren
akāmā iva visarpati
bewegt sie sich, als wäre sie ohne Begehren

vitarkayanto bahudhā tāṁ sandhyāṁ pramadākṛtim abhisambhāvya viśrambhāt paryapṛcchan kumedhasaḥ

Auf mancherlei Weise über sie - die [personifizierte] Abenddämmerung in Frauengestalt - nachsinnend, sprachen die Törichten sie vertrauensvoll an und befragten sie.

Wort für Wort
vitarkayantaḥ bahudhā
auf mancherlei Weise nachsinnend
tām sandhyām pramadā-ākṛtim
über sie, die Abenddämmerung in Frauengestalt
abhisambhāvya viśrambhāt
vertrauensvoll sich nähernd
paryapṛcchan kumedhasaḥ
befragten sie die Törichten

kāsi kasyāsi rambhoru ko vārthas te 'tra bhāmini / rūpa-draviṇa-paṇyena durbhagān no vibādhase

'Wer bist du, wessen bist du, o Bananenstamm-Hüftige? Welchen Zweck verfolgst du hier, o Leidenschaftliche? Mit dem Handelsgut deiner Schönheit quälst du uns Unglückliche.'

Wort für Wort
kā asi kasya asi rambha-uru
wer bist du, wessen bist du, o Bananenstamm-Hüftige
kaḥ vā arthaḥ te atra bhāmini
welchen Zweck verfolgst du hier, o Leidenschaftliche
rūpa-draviṇa-paṇyena
mit dem Handelsgut deiner Schönheit
durbhagān naḥ vibādhase
quälst du uns Unglückliche

yā vā kācit tvam abale diṣṭyā sandarśanaṁ tava utsunoṣīkṣamāṇānāṁ kanduka-krīḍayā manaḥ

'Wer auch immer du bist, o Zarte - glücklicherweise erregt dein Anblick, während du mit dem Ball spielst, die Gemüter derer, die dich betrachten.'

Wort für Wort
yā vā kā cit tvam abale
wer auch immer du bist, o Zarte
diṣṭyā sandarśanam tava
glücklicherweise dein Anblick
utsunoṣi īkṣamāṇānām manaḥ
erregst du das Gemüt derer, die dich betrachten
kanduka-krīḍayā
durch dein Ballspiel

naikatra te jayati śālini pāda-padmaṁ ghnantyā muhuḥ kara-talena patat-pataṅgam madhyaṁ viṣīdati bṛhat-stana-bhāra-bhītaṁ śānteva dṛṣṭir amalā suśikhā-samūhaḥ

'Nirgends bleibt dein Lotosfuß, o Anmutige, an einem Ort, wenn du wiederholt mit der Handfläche den fallenden Ball schlägst; deine Taille scheint zu ermatten, wie aus Furcht vor der Last deiner großen Brüste; dein makelloser Blick ist wie ruhig, und deine Locken bilden eine schöne Fülle.'

Wort für Wort
na ekatra te jayati śālini pāda-padmam
nirgends bleibt dein Lotosfuß, o Anmutige, an einem Ort
ghnantyāḥ muhuḥ kara-talena patat-pataṅgam
wenn du wiederholt mit der Handfläche den fallenden Ball schlägst
madhyam viṣīdati bṛhat-stana-bhāra-bhītam
deine Taille scheint zu ermatten, wie aus Furcht vor der Last der großen Brüste
śāntā iva dṛṣṭiḥ amalā
dein makelloser Blick ist wie ruhig
su-śikhā-samūhaḥ
eine schöne Fülle von Locken

iti sāyantanīṁ sandhyām asurāḥ pramadāyatīm pralobhayantīṁ jagṛhur matvā mūḍha-dhiyaḥ striyam

So ergriffen die Asuras, im Geiste betört, die abendliche Dämmerung, die sich wie eine leidenschaftliche, verlockende Frau verhielt, sie für eine [wirkliche] Frau haltend.

Wort für Wort
iti sāyantanīm sandhyām
so die abendliche Dämmerung
asurāḥ pramadā-āyatīm
die sich wie eine leidenschaftliche Frau verhielt
pralobhayantīm jagṛhuḥ
verlockend, ergriffen sie [Asuras]
matvā mūḍha-dhiyaḥ striyam
im Geiste betört, sie für eine Frau haltend

prahasya bhāva-gambhīraṁ jighrantyātmānam ātmanā kāntyā sasarja bhagavān gandharvāpsarasāṁ gaṇān

Der Erhabene, lachend, von innerlich gefestigter Haltung, gleichsam sich selbst an sich selbst erfreuend (riechend), erschuf durch seinen eigenen Glanz die Scharen der Gandharvas und Apsaras.

Wort für Wort
prahasya bhāva-gambhīram
lachend, von innerlich gefestigter Haltung
jighrantyā ātmānam ātmanā
sich selbst an sich selbst gleichsam erfreuend
kāntyā sasarja bhagavān
erschuf der Erhabene durch [seinen] Glanz
gandharva-apsarasām gaṇān
die Scharen der Gandharvas und Apsaras

[?] Bild 'jighrantyā ātmānam ātmanā' (sich selbst an sich selbst riechend/erfreuend) sinnbildlich, genaue grammatische Zuordnung unsicher.

visasarja tanuṁ tāṁ vai jyotsnāṁ kāntimatīṁ priyām / ta eva cādaduḥ prītyā viśvāvasu-purogamāḥ

Er ließ jenen Leib fahren, das strahlende, liebliche Mondlicht (Jyotsnā); und sie, angeführt von Viśvāvasu, nahmen es voller Freude an sich.

Wort für Wort
visasarja tanum tām vai
er ließ jenen Leib fahren, wahrlich
jyotsnām kāntimatīm priyām
das strahlende, liebliche Mondlicht
te eva ca adaduḥ prītyā
und sie nahmen es voller Freude an sich
viśvāvasu-purogamāḥ
angeführt von Viśvāvasu

sṛṣṭvā bhūta-piśācāṁś ca bhagavān ātma-tandriṇā dig-vāsaso mukta-keśān vīkṣya cāmīlayad dṛśau

Nachdem der Erhabene aus seiner eigenen Trägheit die Bhūtas und Piśācas erschaffen hatte, betrachtete er sie, mit den Himmelsrichtungen als Gewand, mit gelöstem Haar, und schloss seine Augen.

Wort für Wort
sṛṣṭvā bhūta-piśācān ca
nachdem er die Bhūtas und Piśācas erschaffen hatte
bhagavān ātma-tandriṇā
der Erhabene, aus seiner eigenen Trägheit
dik-vāsasaḥ mukta-keśān
mit den Himmelsrichtungen als Gewand, mit gelöstem Haar
vīkṣya ca amīlayat dṛśau
sie betrachtend, schloss er beide Augen

jagṛhus tad-visṛṣṭāṁ tāṁ jṛmbhaṇākhyāṁ tanuṁ prabhoḥ / nidrām indriya-vikledo yayā bhūteṣu dṛśyate / yenocchiṣṭān dharṣayanti tam unmādaṁ pracakṣate

Sie ergriffen jenen von ihm entlassenen Leib, genannt 'Gähnen', den Schlaf, das Erschlaffen der Sinne, das man bei den Geschöpfen sieht; womit sie die Erschöpften überwältigen, das nennt man Wahnsinn.

Wort für Wort
jagṛhuḥ tat-visṛṣṭām tām
sie ergriffen jenen von ihm entlassenen
jṛmbhaṇa-ākhyām tanum prabhoḥ
Leib des Herrn, genannt 'Gähnen'
nidrām indriya-vikledaḥ
den Schlaf, das Erschlaffen der Sinne
yayā bhūteṣu dṛśyate
das man bei den Geschöpfen sieht
yena ucchiṣṭān dharṣayanti
womit sie die Erschöpften überwältigen
tam unmādam pracakṣate
das nennt man Wahnsinn

ūrjasvantaṁ manyamāna ātmānaṁ bhagavān ajaḥ sādhyān gaṇān pitṛ-gaṇān parokṣeṇāsṛjat prabhuḥ

Der Erhabene, der Ungeborene, sich selbst als machtvoll betrachtend, erschuf durch [seine] unsichtbare [Kraft] die Scharen der Sādhyas und die Scharen der Pitṛs.

Wort für Wort
ūrjasvantam manyamānaḥ ātmānam
sich selbst als machtvoll betrachtend
bhagavān ajaḥ prabhuḥ
der Erhabene, der Ungeborene, der Herr
sādhyān gaṇān pitṛ-gaṇān
die Scharen der Sādhyas, die Scharen der Pitṛs
parokṣeṇa asṛjat
erschuf durch [seine] unsichtbare [Kraft]

ta ātma-sargaṁ taṁ kāyaṁ pitaraḥ pratipedire sādhyebhyaś ca pitṛbhyaś ca kavayo yad vitanvate

Jene Pitṛs nahmen jenen selbstgeschaffenen Leib als ihren [eigenen] Ursprung an, den die Weisen den Sādhyas und Pitṛs [in Opferriten fortwährend] darbringen.

Wort für Wort
te ātma-sargam tam kāyam
jene, den selbstgeschaffenen Leib
pitaraḥ pratipedire
die Pitṛs nahmen als [ihren] Ursprung an
sādhyebhyaḥ ca pitṛbhyaḥ ca
den Sādhyas und den Pitṛs
kavayaḥ yat vitanvate
den die Weisen [fortwährend] darbringen

siddhān vidyādharāṁś caiva tirodhānena so 'sṛjat tebhyo 'dadāt tam ātmānam antardhānākhyam adbhutam

Die Siddhas und Vidyādharas erschuf er durch [den Leib des] Verschwindens; ihnen gab er jenes wundersame Selbst, genannt Antardhāna (Unsichtbarkeit).

Wort für Wort
siddhān vidyādharān ca eva
die Siddhas und Vidyādharas
tirodhānena saḥ asṛjat
erschuf er durch [den Leib des] Verschwindens
tebhyaḥ adadāt tam ātmānam
ihnen gab er jenes Selbst
antardhāna-ākhyam adbhutam
genannt Antardhāna, das wundersame

sa kinnarān kimpuruṣān pratyātmyenāsṛjat prabhuḥ mānayann ātmanātmānam ātmābhāsaṁ vilokayan

Der Herr erschuf die Kinnaras und Kimpuruṣas durch Selbstähnlichkeit, sich selbst durch sich selbst ehrend, ein Abbild seiner selbst betrachtend.

Wort für Wort
saḥ kinnarān kimpuruṣān
die Kinnaras und Kimpuruṣas
pratyātmyena asṛjat prabhuḥ
erschuf der Herr durch Selbstähnlichkeit
mānayan ātmanā ātmānam
sich selbst durch sich selbst ehrend
ātma-ābhāsam vilokayan
ein Abbild seiner selbst betrachtend

te tu taj jagṛhū rūpaṁ tyaktaṁ yat parameṣṭhinā mithunī-bhūya gāyantas tam evoṣasi karmabhiḥ

Sie aber ergriffen jene Gestalt, die vom Höchsten Herrn aufgegeben worden war, und sangen, sich paarend, im Morgengrauen durch [rituelle] Handlungen von eben ihm.

Wort für Wort
te tu tat jagṛhuḥ rūpam
sie aber ergriffen jene Gestalt
tyaktam yat parameṣṭhinā
die vom Höchsten Herrn aufgegeben worden war
mithunī-bhūya gāyantaḥ
sich paarend, singend
tam eva uṣasi karmabhiḥ
von eben ihm, im Morgengrauen, durch [rituelle] Handlungen

dehena vai bhogavatā śayāno bahu-cintayā sarge 'nupacite krodhād utsasarja ha tad vapuḥ

Mit einem schlangenhaften, geringelten Leib daliegend, von vielfältiger Sorge [erfüllt], warf er, aus Zorn über die noch unvollendete Schöpfung, jenen Leib von sich.

Wort für Wort
dehena vai bhogavatā
mit einem schlangenhaften, geringelten Leib
śayānaḥ bahu-cintayā
daliegend, von vielfältiger Sorge [erfüllt]
sarge anupacite krodhāt
aus Zorn über die noch unvollendete Schöpfung
utsasarja ha tat vapuḥ
warf er jenen Leib von sich

ye 'hīyantāmutaḥ keśā ahayas te 'ṅga jajñire sarpāḥ prasarpataḥ krūrā nāgā bhogoru-kandharāḥ

Die Haare, die von jenem [Leib] daraufhin ausfielen, o Lieber, wurden zu Schlangen: kriechende, grausame Schlangen und Nāgas mit breiten, geringelten Nacken.

Wort für Wort
ye ahīyanta amutaḥ keśāḥ
die Haare, die von jenem [Leib] ausfielen
ahayaḥ te aṅga jajñire
wurden zu Schlangen, o Lieber
sarpāḥ prasarpataḥ krūrāḥ
kriechende, grausame Schlangen
nāgāḥ bhoga-uru-kandharāḥ
und Nāgas mit breiten, geringelten Nacken

sa ātmānaṁ manyamānaḥ kṛta-kṛtyam ivātmabhūḥ tadā manūn sasarjānte manasā loka-bhāvanān

Der Selbstgeborene, sich selbst als hätte er sein Ziel erreicht betrachtend, erschuf da schließlich durch [seinen] Geist die Manus, die Erhalter der Welten.

Wort für Wort
saḥ ātmānam manyamānaḥ
er, sich selbst betrachtend
kṛta-kṛtyam iva ātma-bhūḥ
als hätte er sein Ziel erreicht, der Selbstgeborene
tadā manūn sasarja ante manasā
erschuf da schließlich durch [seinen] Geist die Manus
loka-bhāvanān
die Erhalter der Welten

tebhyaḥ so 'sṛjat svīyaṁ puraṁ puruṣam ātmavān tān dṛṣṭvā ye purā sṛṣṭāḥ praśaśaṁsuḥ prajāpatim

Für sie erschuf er, seiner selbst mächtig, seine eigene Person/Gestalt als Wohnstatt [für sie]; als jene, die zuvor erschaffen worden waren, sie sahen, priesen sie den Herrn der Geschöpfe.

Wort für Wort
tebhyaḥ saḥ asṛjat
für sie erschuf er
svīyam puram puruṣam ātmavān
seiner selbst mächtig, seine eigene Wohnstatt-Gestalt
tān dṛṣṭvā ye purā sṛṣṭāḥ
als jene, die zuvor erschaffen worden waren, sie sahen
praśaśaṁsuḥ prajāpatim
priesen sie den Herrn der Geschöpfe

[?] 'svīyaṁ puraṁ puruṣam' (seine eigene Stadt/Wohnstatt, die Person) knapp und mehrdeutig; sinngemäß als Verleihung leiblicher Gestalt/Wohnstatt an die Manus gedeutet.

aho etaj jagat-sraṣṭaḥ sukṛtaṁ bata te kṛtam pratiṣṭhitāḥ kriyā yasmin sākam annam adāma he

'Ach, o Schöpfer der Welt, wahrlich wohlgetan ist dies, was du getan hast, worin die [rituellen] Handlungen begründet sind und in dem wir gemeinsam Speise zu uns nehmen können!'

Wort für Wort
aho etat jagat-sraṣṭaḥ
ach, o Schöpfer der Welt
sukṛtam bata te kṛtam
wahrlich wohlgetan ist dies, was du getan hast
pratiṣṭhitāḥ kriyāḥ yasmin
worin die [rituellen] Handlungen begründet sind
sākam annam adāma he
und in dem wir gemeinsam Speise zu uns nehmen

tapasā vidyayā yukto yogena susamādhinā ṛṣīn ṛṣir hṛṣīkeśaḥ sasarjābhimatāḥ prajāḥ

Ausgestattet mit Askese, Wissen und Yoga durch tiefe Versenkung, erschuf der Seher, der Herr der Sinne, die Weisen als [seine] gewünschten Nachkommen.

Wort für Wort
tapasā vidyayā yuktaḥ
ausgestattet mit Askese und Wissen
yogena su-samādhinā
durch Yoga, durch tiefe Versenkung
ṛṣīn ṛṣiḥ hṛṣīkeśaḥ
die Weisen, der Seher, der Herr der Sinne
sasarja abhimatāḥ prajāḥ
erschuf als [seine] gewünschten Nachkommen

[?] Epitheton 'hṛṣīkeśaḥ' hier auf Brahmā (nicht Viṣṇu, dem der Titel gewöhnlich zukommt) angewendet - Bezug im Wortlaut belassen.

tebhyaś caikaikaśaḥ svasya dehasyāṁśam adād ajaḥ yat tat samādhi-yogarddhi-tapo-vidyā-viraktimat

Und jedem von ihnen einzeln gab der Ungeborene einen Anteil seines eigenen Leibes, der aus Versenkung, Yoga-Vollkommenheit, Askese, Wissen und Entsagung bestand.

Wort für Wort
tebhyaḥ ca eka-ekaśaḥ
und jedem von ihnen einzeln
svasya dehasya aṁśam adāt ajaḥ
gab der Ungeborene einen Anteil seines eigenen Leibes
yat tat samādhi-yoga-ṛddhi-tapaḥ-vidyā-viraktimat
der aus Versenkung, Yoga-Vollkommenheit, Askese, Wissen und Entsagung bestand

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