Śrī Śuka sprach: So vom Herrn angewiesen, näherte sich Durvāsā, vom Feuerrad gepeinigt, Ambarīṣa und ergriff, von Schmerz überwältigt, dessen beide Füße.
Ambarīṣa sprach: Du bist das Feuer, der erhabene Sonnengott, du bist der Mond, der Herr der Gestirne; du bist das Wasser, du bist die Erde, der Äther, die Luft, die Sinnesobjekte und die Sinnesorgane.
O Sudarśana, dir sei Verehrung dargebracht, o du mit tausend Speichen, dem Unfehlbaren lieb, o Vernichter aller Waffen! Diesem Brahmanen möge Heil zuteilwerden, o Herr der Erde [?].
Wort für Wort
sudarśana
o Sudarśana
namaḥ
Verehrung, Ehrerbietung
tubhyam
dir
sahasra-ara
o du mit tausend Speichen
acyuta-priya
dem Unfehlbaren (Acyuta) lieb
sarva-astra-ghātin
o Vernichter aller Waffen
viprāya
diesem Brahmanen
svasti
Heil, Wohlergehen
bhūyāḥ
werde zuteil
iḍaspate
o Herr der Erde/des Opfers [?]
[Anm.: 'iḍaspate' ist mehrdeutig (iḍā = Erde, Rede, Opfergabe); hier vorsichtig als 'Herr der Erde/des Opfers' wiedergegeben.]
Du bist die Rechtschaffenheit, du bist die Wahrhaftigkeit und die Wahrheit, du bist das Opfer, der Genießer aller Opfer; du bist der Beschützer der Welten, die Allseele, du bist die höchste Kraft der Gottesperson.
namaḥ sunābhākhila-dharma-setave hy adharma-śīlāsura-dhūma-ketave trailokya-gopāya viśuddha-varcase mano-javāyādbhuta-karmaṇe gṛṇe
Verehrung dir, o Rad mit der schönen Nabe, Wahrer aller Rechtschaffenheit, der du ja der Unheilskomet für die Dämonen unrechtschaffener Natur bist; dem Beschützer der drei Welten, von reinem Glanz, so schnell wie der Geist, von wunderbarem Wirken - dich preise ich.
tvat-tejasā dharma-mayena saṁhṛtaṁ tamaḥ prakāśaś ca dṛśo mahātmanām duratyayas te mahimā girāṁ pate tvad-rūpam etat sad-asat parāvaram
Durch deinen von Rechtschaffenheit erfüllten Glanz wird die Finsternis vertrieben, und Licht entsteht für die Sicht der großen Seelen; unüberwindlich ist deine Herrlichkeit, o Herr der Worte; dies, das Manifestierte und Unmanifestierte, das Höhere und das Niedere, ist deine Gestalt.
Wenn du, vom Makellosen entsandt, o Unbesiegbarer, in die Heerscharen der Daityas und Dānavas eindringst, dann erstrahlst du auf dem Schlachtfeld, unaufhörlich Arme, Bäuche, Schenkel, Füße und Hälse abtrennend.
sa tvaṁ jagat-trāṇa khala-prahāṇaye nirūpitaḥ sarva-sahaḥ gadā-bhṛtā viprasya cāsmat-kula-daiva-hetave vidhehi bhadraṁ tad anugraho hi naḥ
Du, o Beschützer des Universums, bist vom Keulenträger eingesetzt, um die Bösen zu vernichten, allmächtig; erweise diesem Brahmanen Gutes, auch zum Segen unserer Familiengottheit - denn das wäre wahrlich deine Gnade uns gegenüber.
Wort für Wort
saḥ
der, jener
tvam
du
jagat-trāṇa
o Beschützer des Universums
khala-prahāṇaye
zur Vernichtung der Bösen
nirūpitaḥ
eingesetzt, bestimmt
sarva-sahaḥ
allmächtig, allesertragend
gadā-bhṛtā
vom Keulenträger (Viṣṇu)
viprasya
für diesen Brahmanen
ca
und, auch
asmat-kula-daiva-hetave
zum Wohl unserer Familiengottheit, unserer Dynastie
yady asti dattam iṣṭaṁ vā sva-dharmo vā svanuṣṭhitaḥ kulaṁ no vipra-daivaṁ ced dvijo bhavatu vijvaraḥ
Wenn es Wohltätigkeit gibt, Verehrung der Gottheit oder gut ausgeführte eigene Pflichterfüllung, wenn unsere Dynastie den Brahmanen wohlgesinnt ist, dann möge dieser Zweifachgeborene frei vom Brennen sein.
yadi no bhagavān prīta ekaḥ sarva-guṇāśrayaḥ sarva-bhūtātma-bhāvena dvijo bhavatu vijvaraḥ
Wenn der Herr, der Eine, der Hort aller guten Eigenschaften, mit uns zufrieden ist, dann möge - durch seine Gesinnung als die Seele aller Wesen - der Zweifachgeborene frei vom Brennen sein.
Śrī Śuka sprach: Während der König so pries, wurde das Sudarśana-Rad Viṣṇus, das den Brahmanen von allen Seiten verbrannte, durch die Bitte des Königs vollständig besänftigt.
sa mukto 'strāgni-tāpena durvāsāḥ svastimāṁs tataḥ praśaśaṁsa tam urvīśaṁ yuñjānaḥ paramāśiṣaḥ
Er, Durvāsā, von der Glut des Waffenfeuers befreit, nun wohlbehalten, pries daraufhin jenen König und erteilte ihm höchste Segnungen.
Wort für Wort
saḥ
er
muktaḥ
befreit
astra-agni-tāpena
von der Hitze des Waffenfeuers
durvāsāḥ
Durvāsā
svastimān
wohlbehalten, heil
tataḥ
daraufhin
praśaśaṁsa
er pries
tam
jenen
urvīśam
den König (Herrn der Erde)
yuñjānaḥ
erteilend, gewährend
parama-āśiṣaḥ
höchste Segnungen
[Anm.: Vers auf vedabase.io wiederholt nicht abrufbar (HTTP 429); Sanskrit-Text und Wort-für-Wort-Angaben stammen von prabhupadabooks.com, dessen Transliteration ohne diakritische Zeichen vorlag - Diakritika wurden hier anhand des Sanskrit-Wortschatzes rekonstruiert.]
durvāsā uvāca aho ananta-dāsānāṁ mahattvaṁ dṛṣṭam adya me kṛtāgaso 'pi yad rājan maṅgalāni samīhase
Durvāsā sprach: Ach, die Größe der Diener des Unendlichen habe ich heute gesehen, da du, o König, obwohl ich dir Unrecht getan habe, dennoch mein Wohlergehen erstrebst.
duṣkaraḥ ko nu sādhūnāṁ dustyajo vā mahātmanām yaiḥ saṅgṛhīto bhagavān sātvatām ṛṣabho hariḥ
Was ist für die Heiligen wahrhaft schwer zu tun, oder was für die großen Seelen unmöglich aufzugeben, durch die der Herr Hari, der Erste der reinen Gottgeweihten, gewonnen wurde?
rājann anugṛhīto 'haṁ tvayātikaruṇātmanā mad-aghaṁ pṛṣṭhataḥ kṛtvā prāṇā yan me 'bhirakṣitāḥ
O König, ich bin von dir, der du von überaus mitleidsvoller Natur bist, begnadet worden, da du meine Verfehlung hintangestellt und so mein Leben gerettet hast.
Wort für Wort
rājan
o König
anugṛhītaḥ
begnadet, begünstigt
aham
ich
tvayā
von dir
ati-karuṇa-ātmanā
von überaus mitleidsvoller Natur
mat-agham
meine Verfehlung
pṛṣṭhataḥ kṛtvā
hintanstellend, beiseite lassend
prāṇāḥ
das Leben
yat
dass, weil
me
mein
abhirakṣitāḥ
gerettet, beschützt
[Anm.: Vers auf vedabase.io wiederholt nicht abrufbar (HTTP 429); Sanskrit-Text und Wort-für-Wort-Angaben stammen von prabhupadabooks.com, dessen Transliteration ohne diakritische Zeichen vorlag - Diakritika wurden hier anhand des Sanskrit-Wortschatzes rekonstruiert.]
rājā tam akṛtāhāraḥ pratyāgamana-kāṅkṣayā caraṇāv upasaṅgṛhya prasādya samabhojayat
Der König, der keine Nahrung zu sich genommen hatte in der Hoffnung auf seine Rückkehr, ergriff nun dessen Füße, stimmte ihn wohlwollend und speiste ihn reichlich.
Nachdem er die mit Ehrerbietung dargebrachte Gastspeise, die alle Wünsche erfüllte, gegessen hatte, sprach er, nun selbst zufrieden, mit Achtung zum König: 'Iss auch du.'
prīto 'smy anugṛhīto 'smi tava bhāgavatasya vai darśana-sparśanālāpair ātithyenātma-medhasā
Ich bin erfreut, ich bin begnadet worden durch dich, den wahrhaften Geweihten, durch dein Sehen, Berühren, Gespräch, deine Gastfreundschaft und deine eigene Weisheit.
Śrī Śuka sprach: Nachdem er so den König gepriesen hatte, zog Durvāsā, nun vollkommen zufriedengestellt, sich verabschiedend, auf dem Luftweg zum Brahmaloka, wo es keine [weltliche] Bedingtheit gibt.
Ein volles Jahr verging, solange der fortgegangene Weise nicht zurückgekehrt war; der König, der sich danach sehnte, ihn wiederzusehen, lebte währenddessen nur von Wasser.
gate 'tha durvāsasi so 'mbarīṣo dvijopayogātipavitram āharat ṛṣer vimokṣaṁ vyasanaṁ ca vīkṣya mene sva-vīryaṁ ca parānubhāvam
Da Durvāsā weiterhin abwesend blieb, nahm Ambarīṣa die für einen Brahmanen höchst reine Speise zu sich; und im Rückblick auf die Befreiung des Weisen aus jener Gefahr erkannte er darin sowohl seine eigene [gottgeweihte] Kraft als auch die überlegene Macht des Höchsten.
Wort für Wort
gate
(als) fortgegangen (war)
atha
dann, da
durvāsasi
Durvāsā
saḥ ambarīṣaḥ
er, Ambarīṣa
dvija-upayoga-ati-pavitram
die für einen Brahmanen höchst reine (Speise)
āharat
er nahm zu sich, er aß
ṛṣeḥ
des Weisen
vimokṣam
die Befreiung
vyasanam
aus der Gefahr
ca
und
vīkṣya
betrachtend, bedenkend
mene
er erachtete, er hielt für
sva-vīryam
seine eigene Kraft
ca
und
para-anubhāvam
die überlegene Macht (des Höchsten)
[Anm.: 'gate ... durvāsasi' (locative absolutus) wörtlich 'als Durvāsā fortgegangen/abwesend war'; im Sinnzusammenhang mit Vers 23 (ein Jahr ohne Rückkehr) als 'da er weiterhin abwesend blieb' wiedergegeben, entsprechend der überlieferten Erzählung, wonach der König sein Fasten nach Ablauf der Wartefrist brach.]
So, mit vielfältigen guten Eigenschaften ausgestattet, übte jener König durch die Gesamtheit seiner Handlungen Hingabe zum höchsten Selbst, dem Brahman, Vāsudeva - eine Hingabe, durch die er die Welten, angefangen bei jener Brahmās, bloßen Höllen gleichsetzte.
Wort für Wort
evam
so
vidhā-aneka-guṇaḥ
mit vielfältigen (Arten von) guten Eigenschaften (ausgestattet)
Śrī Śuka sprach: Danach übergab der besonnene Ambarīṣa das Königreich seinen gleichgesinnten Söhnen, zog sich in den Wald zurück, richtete den Geist auf das Selbst, Vāsudeva, und so wurde die Flut der materiellen Erscheinungsweisen in ihm zunichtegemacht.