Maitreya sprach: Nachdem sie Pṛthu, dessen Lippen vor Zorn bebten, derart gepriesen hatte, sprach die erschrockene Erde erneut, nachdem sie ihr Selbst durch das Selbst gefasst/beruhigt hatte.
Wort für Wort
maitreyaḥ
Maitreya (Nom.)
uvāca
sprach (3.sg. Perf.)
ittham
so, derart (Adv.)
pṛthum
Pṛthu (Akk.)
abhiṣṭūya
nachdem sie gepriesen/besänftigt hatte (Ger.)
ruṣā
durch Zorn (Instr.)
prasphurita-adharam
dessen Lippe bebte (Akk., attr. zu pṛthum)
punar
wieder (Adv.)
āha
sie sprach (3.sg. Perf.)
avaniḥ
die Erde (Nom.)
bhītā
erschrocken (Nom. f.)
saṁstabhya
nachdem sie gefasst/gefestigt hatte (Ger.)
ātmānam
das Selbst/den Geist (Akk.)
ātmanā
durch sich selbst/den Verstand (Instr.)
abhiṣṭūya (abhi+stu, Gerundium) trägt sowohl "preisen" als auch "beschwichtigen/schmeicheln" mit; hier im Kontext von Pṛthus Zorn eher Letzteres. ātmānam ātmanā: reflexiver Ausdruck "sich selbst durch sich selbst", d.h. aus eigener Kraft/Willen.
sanniyacchābhibho manyuṁ
nibodha śrāvitaṁ ca me
sarvataḥ sāram ādatte
yathā madhu-karo budhaḥ
Bezähme, o Gebieter, deinen Zorn und vernimm, was ich dir zu sagen habe: Wie die kluge Biene von überall [nur] die Essenz nimmt, [so nimm auch du das Wesentliche].
In diesem Leben oder auch im jenseitigen wurden von den Weisen, die die Wahrheit geschaut haben, Mittel/Methoden erkannt und angewandt, um das Wohl der Menschen zu erlangen.
Wer diesen zuvor gezeigten Mitteln vollständig folgt, erlangt, selbst wenn er unerfahren ist, doch mit Glauben ausgestattet, mühelos die [entsprechenden] Ziele.
Fürwahr, o Herr der Untertanen, die Pflanzen, die einst von Brahmā erschaffen wurden, sah ich von Unwürdigen genossen, die keinerlei Gelübde einhalten.
Wort für Wort
purā
einst, früher
sṛṣṭāḥ
erschaffen (Nom. pl.)
hi
fürwahr
oṣadhayaḥ
die Pflanzen/Kräuter (Nom. pl.)
brahmaṇā
von Brahmā (Instr.)
yāḥ
welche (Nom. pl.)
viśām-pate
o Herr der Untertanen (Vok.)
bhujyamānāḥ
genossen werdend (Nom. pl., Pass.-Part.)
mayā
von mir (Instr.)
dṛṣṭāḥ
gesehen (Nom. pl.)
asadbhiḥ
von den Unwürdigen (Instr. pl.)
adhṛta-vrataiḥ
von denen ohne [eingehaltenes] Gelübde (Instr. pl.)
Da ich von euch, den Hütern der Welt, unbehütet und missachtet blieb, und da die Welt so zur Beute der Diebe wurde, verbarg/verschlang ich die Pflanzen zum Zwecke des Opfers.
Wort für Wort
apālitā
unbehütet (Nom. sg. f.)
anādṛtā
missachtet (Nom. sg. f.)
ca
und
bhavadbhiḥ
von euch (Instr. pl.)
loka-pālakaiḥ
von den Hütern der Welt (Instr. pl.)
corī-bhūte
da [die Welt] zur Diebesbeute wurde (Lok. abs.)
atha
da, sodann
loke
in der Welt (Lok.)
aham
ich (Nom.)
yajña-arthe
zum Zweck des Opfers (Lok.)
agrasam
verschlang, verbarg (1.sg. Impf.)
oṣadhīḥ
die Pflanzen (Akk. pl.)
apālitā/anādṛtā (Nom. sg. fem.) beziehen sich auf das im Folgenden genannte aham (die sprechende Erde), nicht auf oṣadhīḥ.
nūnaṁ tā vīrudhaḥ kṣīṇā
mayi kālena bhūyasā
tatra yogena dṛṣṭena
bhavān ādātum arhati
Gewiss sind jene Pflanzen in mir durch die lange Zeit erschöpft; darum solltest du, o Herr, sie durch ein geeignetes, erkanntes Mittel [wieder] entnehmen.
vatsaṁ kalpaya me vīra
yenāhaṁ vatsalā tava
dhokṣye kṣīramayān kāmān
anurūpaṁ ca dohanam
dogdhāraṁ ca mahā-bāho
bhūtānāṁ bhūta-bhāvana
annam īpsitam ūrjasvad
bhagavān vāñchate yadi
Bereite mir ein Kalb, o Held, wodurch ich dir zärtlich zugetan werde; ich werde [dann] milchgleiche Wünsche und ein passendes Melkgefäß hergeben, sowie auch einen Melker, o Starkarmiger, Erhalter der Lebewesen - falls du, Erhabener, die gewünschte, kraftspendende Nahrung wünschst.
samāṁ ca kuru māṁ rājan
deva-vṛṣṭaṁ yathā payaḥ
apartāv api bhadraṁ te
upāvarteta me vibho
Und mache mich eben, o König, so dass das von den Göttern geregnete Wasser auch außerhalb der Regenzeit auf mir verbleiben möge - Segen sei dir, o Gebieter.
Nachdem er so die angenehme und wohltuende Rede der Erde vernommen hatte, molk der Herr der Erde, indem er Manu zum Kalb machte, mit eigener Hand alle Pflanzen.
Die Weisen molken sodann, o Bester, die Göttin [Erde], indem sie Bṛhaspati zum Kalb machten, in die Sinnesorgane [als Gefäß] die reine, aus vedischen Hymnen bestehende Milch.
Die Scharen der Götter molken, indem sie Indra zum Kalb machten, mit einem goldenen Gefäß den Somasaft als Milch - Tatkraft, Sinneskraft und Körperkraft.
Die Daiteyas und Dānavas molken, indem sie Prahlāda, den Besten der Dämonen, zum Kalb machten, in ein eisernes Gefäß die Milch [in Gestalt] berauschenden Tranks.
Die hochgesegneten Pitṛs, die Gottheiten des Ahnenopfers, molken mit Aryamā als Kalb in ein ungebranntes [Ton-]Gefäß mit Hingabe die Milch [in Gestalt] der Ahnenopfergabe.
prakalpya vatsaṁ kapilaṁ
siddhāḥ saṅkalpanāmayīm
siddhiṁ nabhasi vidyāṁ ca
ye ca vidyādharādayaḥ
Die Siddhas molken, indem sie Kapila zum Kalb machten, die aus reinem Willen bestehende Vollkommenheit; und diejenigen, die Vidyādharas und andere sind, [molken] die Fähigkeit im Luftraum [zu schweben], das Wissen.
Wort für Wort
prakalpya
einsetzend, bestimmend (Ger.)
vatsam
als Kalb (Akk.)
kapilam
Kapila (Akk.)
siddhāḥ
die Siddhas (Nom. pl.)
saṅkalpanā-mayīm
aus [reinem] Willen bestehende (Akk. f.)
siddhim
Vollkommenheit (Akk.)
nabhasi
im Luftraum (Lok.)
vidyām
Wissen, Kunstfertigkeit (Akk.)
ca
und
ye
welche (Nom. pl.)
ca
und
vidyādhara-ādayaḥ
die Vidyādharas und andere (Nom. pl.)
Das Verbum duduhuḥ ("molken") aus den umgebenden Versen ist hier elliptisch zu ergänzen.
anye ca māyino māyām
antardhānādbhutātmanām
mayaṁ prakalpya vatsaṁ te
duduhur dhāraṇāmayīm
Und andere, die Zauberkundigen, deren Wesen im wunderbaren Verschwinden [besteht], molken, indem sie Maya zum Kalb machten, die aus [mystischer] Beherrschung bestehende Zauberkraft.
Wort für Wort
anye
andere (Nom. pl.)
ca
und
māyinaḥ
die Zauberkundigen (Nom. pl.)
māyām
die Zauberkraft (Akk.)
antardhāna-adbhuta-ātmanām
deren Wesen im wunderbaren Verschwinden besteht (Gen. pl., attr.)
mayam
Maya [den Dämon] (Akk.)
prakalpya
einsetzend (Ger.)
vatsam
als Kalb (Akk.)
te
sie (Nom. pl.)
duduhuḥ
molken (3.pl.)
dhāraṇā-mayīm
aus [mystischer] Beherrschung bestehende (Akk. f.)
Die Yakṣas und Rākṣasas, die Geister, die Piśācas, die Fleischesser, molken, mit Bhūteśa als Kalb, in einen Schädel den aus Blut [bestehenden] berauschenden Trank.
Ebenso molken die Schlangen, die Giftschlangen, die Nattern und die Nāgas, indem sie Takṣaka zum Kalb machten, in ein Gefäß aus Erdlöchern das Gift als Milch.
paśavo yavasaṁ kṣīraṁ
vatsaṁ kṛtvā ca go-vṛṣam
araṇya-pātre cādhukṣan
mṛgendreṇa ca daṁṣṭriṇaḥ
kravyādāḥ prāṇinaḥ kravyaṁ
duduhuḥ sve kalevare
suparṇa-vatsā vihagāś
caraṁ cācaram eva ca
Das Vieh molk, indem es den Stier zum Kalb machte, in ein Gefäß aus Weideland das Weidegras als Milch; und die hauerbewehrten [Raubtiere molken] mit dem Löwen [als Kalb ihre Milch]. Die fleischfressenden Lebewesen molken das Fleisch im eigenen Körper[-Gefäß]; die Vögel, mit Suparṇa als Kalb, [molken] fürwahr das Bewegliche und das Unbewegliche.
Wort für Wort
paśavaḥ
das Vieh (Nom. pl.)
yavasam
Weidegras (Akk.)
kṣīram
Milch (Akk., Apposition)
vatsam
als Kalb (Akk.)
kṛtvā
machend (Ger.)
ca
und
go-vṛṣam
den Stier (Akk.)
araṇya-pātre
in ein Gefäß aus Weideland (Lok.)
ca
und
adhukṣan
molken (3.pl.)
mṛgendreṇa
mit dem Löwen (Instr.)
ca
und
daṁṣṭriṇaḥ
die hauerbewehrten [Raubtiere] (Nom. pl.)
kravya-adāḥ
die fleischfressenden (Nom. pl.)
prāṇinaḥ
Lebewesen (Nom. pl.)
kravyam
Fleisch (Akk.)
duduhuḥ
molken (3.pl.)
sve
im eigenen (Lok.)
kalevare
Körper[-Gefäß] (Lok.)
suparṇa-vatsāḥ
mit Suparṇa als Kalb (Nom. pl.)
vihagāḥ
die Vögel (Nom. pl.)
caram
das Bewegliche (Akk.)
ca
und
acaram
das Unbewegliche (Akk.)
eva
fürwahr
ca
und
In der zweiten Vershälfte des ersten Verses (mṛgendreṇa ca daṁṣṭriṇaḥ) ist das Verbum adhukṣan aus der ersten Vershälfte zu ergänzen.
Die Bäume [molken], mit dem Banyanbaum als Kalb, je verschieden die aus Saft bestehende Milch; die Berge, mit dem Himālaya als Kalb, [molken] verschiedene Mineralien auf ihren eigenen Gipfeln.
Wort für Wort
vaṭa-vatsāḥ
mit dem Banyanbaum als Kalb (Nom. pl.)
vanaḥ-patayaḥ
die [großen] Bäume (Nom. pl.)
pṛthak
je verschieden (Adv.)
rasa-mayam
aus Saft bestehende (Akk.)
payaḥ
Milch (Akk.)
girayaḥ
die Berge (Nom. pl.)
himavat-vatsāḥ
mit dem Himālaya als Kalb (Nom. pl.)
nānā
verschiedene
dhātūn
Mineralien, Erze (Akk. pl.)
sva-sānuṣu
auf ihren eigenen Gipfeln (Lok. pl.)
Das Verbum (duduhuḥ/adhukṣan) ist elliptisch aus dem Kontext zu ergänzen.
sarve sva-mukhya-vatsena
sve sve pātre pṛthak payaḥ
sarva-kāma-dughāṁ pṛthvīṁ
duduhuḥ pṛthu-bhāvitām
So molken alle, mit ihrem jeweiligen Anführer als Kalb, in ihrem jeweils eigenen Gefäß je verschiedene Milch - die alle Wünsche gewährende, von Pṛthu bereitete Erde.
So [erhielten], o Bester der Kurus, Pṛthu und die anderen, die Nahrung verzehrenden [Lebewesen], von der Erde für sich selbst je ihre eigene Nahrung - entsprechend der Verschiedenheit von Melker, Kalb und Gefäß die Verschiedenheit der Milch.
Wort für Wort
evam
so, derart
pṛthu-ādayaḥ
Pṛthu und andere (Nom. pl.)
pṛthvīm
die Erde (Akk.)
anna-adāḥ
die Nahrung Verzehrenden (Nom. pl.)
su-annam
die eigene, wohlgeeignete Nahrung (Akk.)
ātmanaḥ
für sich selbst (Gen.)
doha-vatsa-ādi-bhedena
durch die Verschiedenheit von Melker, Kalb usw. (Instr.)
tato mahīpatiḥ prītaḥ
sarva-kāma-dughāṁ pṛthuḥ
duhitṛtve cakāremāṁ
premṇā duhitṛ-vatsalaḥ
Danach machte der zufriedene Herr der Erde, Pṛthu, aus Liebe die alle Wünsche gewährende [Erde] zu seiner Tochter, da er [seinen] Töchtern zärtlich zugetan war.
Indem er mit der Spitze seines eigenen Bogens die Berggipfel zermalmte, machte der mächtige Herrscherkönig, der Sohn Venas, dieses Erdenrund fast [ganz] eben.
athāsmin bhagavān vainyaḥ
prajānāṁ vṛttidaḥ pitā
nivāsān kalpayāṁ cakre
tatra tatra yathārhataḥ
Sodann richtete der Erhabene, der Sohn Venas, der den Untertanen den Lebensunterhalt gewährende Vater, auf diesem [Erdenrund] hier und dort Wohnstätten ein, wie es jeweils angemessen war.
prāk pṛthor iha naivaiṣā
pura-grāmādi-kalpanā
yathā-sukhaṁ vasanti sma
tatra tatrākutobhayāḥ
Vor Pṛthu gab es hier überhaupt nicht diese Einrichtung von Städten, Dörfern usw.; [die Menschen] wohnten nach Belieben hier und dort, ohne Furcht von irgendwoher.