Kapitel 51: kardama-devahūti-vivāhaḥ
Die Hochzeit von Kardama Muni und Devahūti
Skandha 3, Adhyāya 22. Quelle: vedabase.io. title_sa als eigene knappe IAST-Kurzbezeichnung des Inhalts gebildet, da vedabase.io keinen Sanskrit-IAST-Kapiteltitel angibt (englischer Titel: "The Marriage of Kardama Muni and Devahuti"). Verse 26-27 und 29-30 auf der Quellseite als zusammengehoerige Einheiten gefuehrt.
Maitreya sagte: Nachdem so die Fülle seiner Eigenschaften und Taten offenbart war, sprach der Kaiser, gleichsam verlegen, zu jenem Weisen, der verstummt war.
Wort für Wort
maitreya uvāca
Maitreya sagte
evam
so, auf diese Weise
āviṣkṛta-aśeṣa-guṇa-karma-udayaḥ
[er,] dessen Fülle an Eigenschaften und Taten offenbart war
munim
zu dem Weisen (Kardama)
savrīḍa iva
wie verlegen, beschämt
tam
jenem
samrāṭ
der Kaiser (Manu)
upāratam
der verstummt war
uvāca ha
sprach
[Anm.] Das Kompositum "āviṣkṛtāśeṣaguṇakarmodayaḥ" (Nom. Sg.) wird hier auf den Kaiser (samrāḍ) bezogen, der soeben in seiner Hymne (Kap. 21) die Fülle von Kardamas Eigenschaften und Taten dargelegt hat; eine alternative Lesart könnte es auf Kardama selbst beziehen.
Manu sagte: Brahmā, der die Verkörperung der vedischen Hymnen ist, erschuf euch aus seinem eigenen Mund, um sein eigenes [Wesen] zu bewahren - euch, die ihr mit Askese, Wissen und Yoga ausgestattet und frei von Zügellosigkeit seid.
Und zu deren Schutz erschuf der Tausendfüßige (der kosmische Puruṣa) uns aus [seinen] tausend Armen; denn man sagt, das Brahman (die Priesterschaft) sei sein Herz, und das Kṣatra (die Kriegerschaft) sein Körperglied.
Wort für Wort
tat-trāṇāya
zu deren Schutz
asṛjat
erschuf
ca
und
asmān
uns
doḥ-sahasrāt
aus [seinen] tausend Armen
sahasra-pāt
der Tausendfüßige
hṛdayam
das Herz
tasya
sein
hi
denn, gewiss
brahma
das Brahman (die Priesterschaft)
kṣatram
das Kṣatra (die Kriegerschaft)
aṅgam
das Körperglied
pracakṣate
man nennt
[Anm.] Anspielung auf das Puruṣa-Sūkta: Brahmanen aus dem Mund/Haupt, Kṣatriyas aus den Armen des kosmischen Urwesens.
ato hy anyonyam ātmānaṁ brahma kṣatraṁ ca rakṣataḥ rakṣati smāvyayo devaḥ sa yaḥ sad-asad-ātmakaḥ
Deshalb schützen Brahman und Kṣatra einander wie ihr eigenes Selbst; und jener unvergängliche Gott, der das Wesen von Ursache und Wirkung ist, beschützte [sie beide].
tava sandarśanād eva cchinnā me sarva-saṁśayāḥ yat svayaṁ bhagavān prītyā dharmam āha rirakṣiṣoḥ
Allein durch das Anschauen deiner [Gestalt] sind alle meine Zweifel zerschnitten worden, da der Erhabene selbst aus Zuneigung mir, der ich [meine Untertanen] schützen möchte, das Dharma verkündet hat.
Wort für Wort
tava sandarśanāt
durch das Erblicken deiner [Gestalt]
eva
allein, gerade
chinnāḥ
zerschnitten
me sarva-saṁśayāḥ
meine alle Zweifel
yat
weil, dass
svayam bhagavān
der Erhabene selbst
prītyā
aus Zuneigung
dharmam āha
das Dharma verkündete
rirakṣiṣoḥ
für mich, der zu schützen wünscht
[Anm.] "rirakṣiṣoḥ" (Desiderativ, Gen./Dat.) bezieht sich wohl auf Manu selbst ("mir, der zu schützen wünscht"); unklar bleibt, ob Manu meint, der Herr habe unmittelbar zu ihm gesprochen, oder mittelbar durch Kardamas Vision (Kap. 21).
diṣṭyā me bhagavān dṛṣṭo durdarśo yo 'kṛtātmanām | diṣṭyā pāda-rajaḥ spṛṣṭaṁ śīrṣṇā me bhavataḥ śivam
Durch glückliche Fügung habe ich [dich, den Erhabenen], schwer zu erblicken für die nicht Selbstbeherrschten, gesehen; durch Fügung ist der heilbringende Staub deiner Füße von meinem Haupt berührt worden.
Wort für Wort
diṣṭyā
durch glückliche Fügung
me bhagavān dṛṣṭaḥ
von mir wurde der Erhabene gesehen
durdarśaḥ
schwer zu sehen
yaḥ akṛtātmanām
der für die nicht Selbstbeherrschten
diṣṭyā
durch Fügung
pāda-rajaḥ spṛṣṭam
der Fußstaub berührt
śīrṣṇā me
mit meinem Haupt
bhavataḥ
dein
śivam
heilbringend
[Anm.] "bhagavān" bezeichnet hier vermutlich Kardama selbst, den Manu ehrfurchtsvoll als gottgleich anredet (vgl. die Hymne in Kap. 21), nicht notwendig Viṣṇu unmittelbar.
Durch Fügung bin ich von dir unterwiesen worden, und mir wurde große Gnade erwiesen; durch Fügung wurden [deine] reinen Worte mit geöffneten Ohren aufgenommen.
priyavratottānapadoḥ svaseyaṁ duhitā mama anvicchati patiṁ yuktaṁ vayaḥ-śīla-guṇādibhiḥ
Diese hier ist die Schwester von Priyavrata und Uttānapāda, meine Tochter; sie sucht einen Gatten, der ihr in Alter, Charakter, Eigenschaften und Anderem angemessen ist.
yadā tu bhavataḥ śīla-śruta-rūpa-vayo-guṇān aśṛṇon nāradād eṣā tvayy āsīt kṛta-niścayā
Als sie aber von Nārada von deinem Charakter, deiner Gelehrsamkeit, deiner Gestalt, deinem Alter und deinen Eigenschaften hörte, da fasste sie den festen Entschluss, zu dir [zu gehören].
Wort für Wort
yadā tu
als aber
bhavataḥ śīla-śruta-rūpa-vayaḥ-guṇān
deinen Charakter, Gelehrsamkeit, Gestalt, Alter und Eigenschaften
tat pratīccha dvijāgryemāṁ śraddhayopahṛtāṁ mayā sarvātmanānurūpāṁ te gṛhamedhiṣu karmasu
Nimm sie daher an, o Bester der Zweifachgeborenen, die ich mit Vertrauen dargebracht habe - sie, die dir in jeder Hinsicht für die Pflichten des Hausherrenlebens angemessen ist.
udyatasya hi kāmasya prativādo na śasyate api nirmukta-saṅgasya kāma-raktasya kiṁ punaḥ
Denn eine Zurückweisung eines dargebotenen Wunsches wird nicht gepriesen, selbst bei jemandem, der von aller Anhaftung befreit ist - wie viel mehr [wäre sie zu tadeln] bei jemandem, der an Begierde hängt?
Wer ein dargebotenes [Geschenk] missachtet und stattdessen einen Geizigen anfleht, dessen üppiger Ruhm schwindet, und sein Stolz wird durch [diese] Verachtung zerstört.
ahaṁ tvāśṛṇavaṁ vidvan vivāhārthaṁ samudyatam / atas tvam upakurvāṇaḥ prattāṁ pratigṛhāṇa me //
Ich habe gehört, o Wissender, dass du zur Heirat bereit bist; nimm daher, [deine Studienzeit für die Ehe] abschließend, die von mir Dargebotene an.
Wort für Wort
aham tvā aśṛṇavam
ich habe von dir gehört
vidvan
o Wissender
vivāha-artham samudyatam
zur Heirat bereit
ataḥ tvam upakurvāṇaḥ
daher du, [dein Studium für die Ehe] abschließend
prattām pratigṛhāṇa me
nimm die von mir Dargebotene an
[Anm.] "upakurvāṇaḥ" ist ein dharmaśāstrischer Fachbegriff für einen Brahmacārī, der sein Studium mit dem Ziel der Heirat (statt lebenslanger Askese) abschließt.
Der Weise sagte: Gewiss, ich wünsche zu heiraten, und deine Tochter ist noch nicht vergeben; für uns beide ist diese erste Form der Eheschließung angemessen.
Wort für Wort
ṛṣiḥ uvāca
der Weise sagte
bāḍham
gewiss, ja
udvoḍhu-kāmaḥ aham
ich, heiratswillig
aprattā ca tava ātmajā
und deine Tochter ist nicht vergeben
āvayoḥ anurūpaḥ asau
für uns beide angemessen ist diese
ādyaḥ vaivāhikaḥ vidhiḥ
die erste Eheform
[Anm.] Bezieht sich auf die erste der acht traditionellen Ehe-Formen (brāhma-vivāha), bei der die Tochter dem Bräutigam ohne Gegenleistung geschenkt wird.
kāmaḥ sa bhūyān naradeva te 'syāḥ putryāḥ samāmnāya-vidhau pratītaḥ ka eva te tanayāṁ nādriyeta svayaiva kāntyā kṣipatīm iva śriyam
Möge sich dieser dein Wunsch, o Herrscher der Menschen, bezüglich dieser Tochter, wie er in der heiligen Überlieferung anerkannt ist, reichlich erfüllen - wer würde deine Tochter, die durch ihre eigene Schönheit gleichsam die Glücksgöttin übertrifft, nicht schätzen?
Als Viśvāvasu sie, die auf dem Dach des Palastes mit klingelndem Fußschmuck prächtig spielte, deren Augen vom Ballspiel ganz hingerissen waren, erblickte, fiel er, dessen Sinn von Bezauberung überwältigt war, von seinem eigenen Flugwagen herab.
Wort für Wort
yām
die [Devahūti]
harmya-pṛṣṭhe kvaṇad-aṅghri-śobhām
deren auf dem Palastdach [mit] klingelndem Fußschmuck [geschmückte Füße] prächtig waren
Wer, der weise ist, würde ihr, dem Schmuckstück unter den Frauen, nicht zustimmen, wenn sie [nun aus eigenem Willen] herangetreten ist und [selbst] umworben wird - ihr, die von denen, die die Füße der Glücksgöttin nicht verehrt haben, nicht erblickt werden kann, der geliebten Tochter Manus, der Schwester des Hochthronigen [Uttānapāda]?
Wort für Wort
tām prārthayantīm
sie, die umworben wird
lalanā-lalāmam
das Schmuckstück unter den Frauen
asevita-śrī-caraṇaiḥ adṛṣṭām
von denen, die Śrīs Füße nicht verehrt haben, nicht gesehen
vatsām manoḥ
die geliebte Tochter Manus
ucca-padaḥ svasāram
die Schwester des Hochthronigen (Uttānapāda)
kaḥ na anumanyeta budhaḥ
welcher Weise würde nicht zustimmen
abhiyātām
die herangetreten ist
[Anm.] "uccapadaḥ" wird hier als beschreibender Beiname Uttānapādas ("der Hochthronige") gedeutet, dessen Schwester Devahūti ist; "manoḥ" bezieht sich auf "vatsām" (Manus geliebte Tochter), nicht auf "svasāram", da Devahūti Manus Tochter, nicht Schwester ist.
ato bhajiṣye samayena sādhvīṁ yāvat tejo bibhṛyād ātmano me ato dharmān pāramahaṁsya-mukhyān śukla-proktān bahu manye 'vihiṁsrān
Deshalb werde ich die Tugendhafte unter einer Bedingung [zur Frau] nehmen, solange sie meine [Zeugungs-]Kraft bewahrt; deshalb schätze ich die von Śukla verkündeten, führenden, gewaltlosen Pfade der Paramahaṁsas hoch.
Wort für Wort
ataḥ bhajiṣye samayena sādhvīm
deshalb werde ich die Tugendhafte unter einer Bedingung nehmen
yāvat tejaḥ bibhṛyāt ātmanaḥ me
solange sie meine [Zeugungs-]Kraft bewahrt
ataḥ dharmān pāramahaṁsya-mukhyān
deshalb die führenden Pfade der Paramahaṁsas
śukla-proktān
von Śukla verkündet
bahu manye avihiṁsrān
ich schätze hoch, die gewaltlosen
[?] "śukla-proktān" bleibt unklar - möglicherweise ein Beiname des Herrn ("der Reine/Strahlende", vgl. Bhāg. 11.5.21 zu Viṣṇu als "Śukla" im Satya-Yuga) oder vorausdeutend auf den künftigen Sohn Kapila bezogen. "samayena ... yāvat tejo bibhṛyāt" deutet auf Kardamas Bedingung hin, die Ehe nur bis zur Erlangung von Nachkommen fortzuführen, um danach der Entsagung nachzugehen.
Der Erhabene, der Unendliche, der Herr der Prajāpatis, aus dem dieses bunte Universum entstanden ist, in dem es [einst] enden wird und in dem es gegenwärtig verweilt - er ist für mich der höchste Maßstab.
Wort für Wort
yataḥ abhavat viśvam idam vicitram
aus dem dieses bunte Universum entstand
saṁsthāsyate
wird enden/vergehen
yatra ca vāvatiṣṭhate
und worin es gegenwärtig verweilt
prajāpatīnām patiḥ
der Herr der Prajāpatis
eṣaḥ mahyam param pramāṇam
dieser ist für mich der höchste Maßstab
bhagavān anantaḥ
der Erhabene, der Unendliche
[?] "saṁsthāsyate" ist doppeldeutig zwischen "wird fortbestehen" und "wird enden/vergehen"; hier im Sinne der traditionellen Trias Entstehung-Erhaltung-Auflösung als "enden" gedeutet.
maitreya uvāca
sa ugra-dhanvann iyad evābabhāṣe
āsīc ca tūṣṇīm aravinda-nābham
dhiyopagṛhṇan smita-śobhitena
mukhena ceto lulubhe devahūtyāḥ
Maitreya sagte: O [Vidura,] Schrecklicher-Bogen-Träger, so viel nur sprach er (Kardama) und wurde dann still, den Lotos-Nabelten in Gedanken erfassend; und mit seinem von Lächeln geschmückten Antlitz raubte er das Herz Devahūtis.
Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sagte
saḥ ugra-dhanvan
er, o Schrecklicher-Bogen-Träger [Anrede an Vidura]
so 'nu jñātvā vyavasitaṁ mahiṣyā duhituḥ sphuṭam tasmai guṇa-gaṇāḍhyāya dadau tulyāṁ praharṣitaḥ
Nachdem er den deutlichen Entschluss der Königin und der Tochter erkannt hatte, gab er sie, hocherfreut, jenem an Tugenden reichen [Kardama], die [ihm] Ebenbürtige.
Wort für Wort
saḥ anu jñātvā
er, nachdem er erkannt hatte
vyavasitam mahiṣyā duhituḥ sphuṭam
den deutlichen Entschluss der Königin [und] der Tochter
prattāṁ duhitaraṁ samrāṭ sadṛkṣāya gata-vyathaḥ upaguhya ca bāhubhyām autkaṇṭhyonmathitāśayaḥ
Der Kaiser, [nachdem sein] Kummer gewichen war, umarmte die dem Ebenbürtigen dargebotene Tochter mit [beiden] Armen, sein Herz von Sehnsucht aufgewühlt.
Unfähig, die Trennung von ihr zu ertragen, immer wieder Tränen vergießend, benetzte er, »Mutter, Kind!« [rufend], mit den Wassern seiner Augen die Haarlocken der Tochter.
Wort für Wort
aśaknuvan tat-viraham
unfähig, jene Trennung [zu ertragen]
muñcan bāṣpa-kalām muhuḥ
immer wieder Tränen vergießend
āsiñcat
er benetzte
amba vatsa iti
»Mutter, Kind!« [rufend]
netra-udaiḥ duhituḥ śikhāḥ
mit den Augenwassern die Haarlocken der Tochter
[Anm.] Die Anrede "amba" (Mutter) an die eigene Tochter ist eine im Sanskrit belegte zärtliche Anredeform, keine wörtliche Verwandtschaftsbezeichnung.
Nachdem er jenen besten der Weisen verabschiedet hatte, machte sich der König, von ihm entlassen, begleitet von seinem Gefolge, mit seiner Gattin den Wagen besteigend auf zu seiner eigenen Stadt - während er den Reichtum der Einsiedeleien der befriedeten Weisen an beiden schönen Ufern der zum Weisengeschlecht gehörigen Sarasvatī betrachtete.
Wort für Wort
āmantrya tam muni-varam
jenen besten der Weisen verabschiedend
anujñātaḥ saha-anugaḥ
von ihm entlassen, mit [seinem] Gefolge
pratasthe ratham āruhya
machte sich auf den Weg, den Wagen besteigend
sa-bhāryaḥ sva-puram nṛpaḥ
der König mit [seiner] Gattin zu seiner eigenen Stadt
ubhayoḥ ṛṣi-kulyāyāḥ sarasvatyāḥ su-rodhasoḥ
an beiden schönen Ufern der zum Weisengeschlecht gehörigen Sarasvatī
tam āyāntam abhipretya brahmāvartāt prajāpatim gīta-saṁstuti-vāditraiḥ pratyudīyuḥ praharṣitāḥ
Als sie erkannten, dass jener Herr der Geschöpfe von Brahmāvarta her ankam, zogen ihm die hocherfreuten [Untertanen] mit Gesang, Lobpreis und Musikinstrumenten entgegen.
[Die Stadt hieß] Barhiṣmatī, mit allem Reichtum ausgestattet, wo die Haare [des Ebers] fielen, als er, die Opferverkörperung, seinen Leib schüttelte; eben diese wurden zu Kuśa- und Kāśa-Gräsern von beständig grünem Glanz - mit denen die Weisen, nachdem sie die Opferzerstörer überwältigt hatten, das Opfer darbrachten.
Wort für Wort
barhiṣmatī nāma purī
die Stadt mit Namen Barhiṣmatī
sarva-sampat-samanvitā
mit allem Reichtum ausgestattet
nyapatan yatra romāṇi
wo die Haare fielen
yajñasya aṅgam vidhunvataḥ
des die Opferverkörperung Schüttelnden
kuśāḥ kāśāḥ te eva āsan
eben diese wurden zu Kuśa- und Kāśa-Gräsern
śaśvat-harita-varcasaḥ
von beständig grünem Glanz
ṛṣayaḥ yaiḥ parābhāvya
die Weisen, mit denen sie [die Dämonen] überwältigend
yajña-ghnān yajñam ījire
die Opferzerstörer, brachten das Opfer dar
[Anm.] Knüpft an die soeben abgeschlossene Varāha-Erzählung (Kap. 13-19) an: die Ursprungssage der Stadt Barhiṣmatī aus den beim Schütteln abgeworfenen Haaren des Eberavatars.
Nachdem er eine Opferstreu aus Kuśa und Kāśa ausgebreitet hatte, verehrte der erhabene Manu die Opferperson [des Herrn], wodurch er [seinen] Wohnsitz und die Erde erlangte.
Mit seiner Gattin und seinen Kindern genoss er die [rechtmäßigen] Sinnesfreuden, ohne [das Dharma] zu verletzen; sein guter Ruhm wurde von den göttlichen Sängern samt ihren Frauen besungen, während er in den Morgenstunden mit hingegebenem Herzen den Erzählungen von Hari lauschte.
Wort für Wort
sa-bhāryaḥ sa-prajaḥ
mit Gattin und Nachkommen
kāmān bubhuje anya-avirodhataḥ
genoss die Sinnesfreuden, ohne [das Dharma] zu verletzen
niṣṇātaṁ yoga-māyāsu muniṁ svāyambhuvaṁ manum | yad ābhraṁśayituṁ bhogā na śekur bhagavat-param
Manu, der Weise, der Sohn des Selbstentstandenen, war so vertraut mit den [Täuschungen der] Yogamāyā, dass die Sinnesgenüsse ihn, der ganz dem Erhabenen hingegeben war, nicht [von seinem Pfad] abbringen konnten.
Für ihn, der [beständig] hörte, meditierte, [Riten] vollzog und über Viṣṇu sprach, verrannen die Stunden seines [Herrschafts-]Zeitalters, ohne fruchtlos zu verstreichen.
Wort für Wort
ayāta-yāmāḥ tasya āsan yāmāḥ
nicht fruchtlos vergangen waren für ihn die Zeitabschnitte
sa evaṁ svāntaraṁ ninye yugānām eka-saptatim vāsudeva-prasaṅgena paribhūta-gati-trayaḥ
So verbrachte er einundsiebzig [Groß-]Yugas seines [Herrschafts-]Zeitraums, indem er durch die Verbindung mit Vāsudeva die drei [gewöhnlichen Daseins-]Zustände überwand.
Wort für Wort
saḥ evam sva-antaram ninye
so verbrachte er sein Manvantara
yugānām eka-saptatim
einundsiebzig der [Groß-]Yugas
vāsudeva-prasaṅgena
durch die Verbindung mit Vāsudeva
paribhūta-gati-trayaḥ
der die drei Daseinswege überwunden hatte
[Anm.] "gati-trayaḥ" (die drei Zustände/Wege) bleibt mehrdeutig - möglich sind etwa Wachen/Traum/Tiefschlaf oder drei Arten der Wiedergeburt.
śārīrā mānasā divyā vaiyāse ye ca mānuṣāḥ bhautikāś ca kathaṁ kleśā bādhante hari-saṁśrayam
Wie sollten körperliche, geistige, göttliche, [?] menschliche und elementare Leiden jemanden bedrängen, der Zuflucht bei Hari genommen hat?
Wort für Wort
śārīrāḥ mānasāḥ divyāḥ
körperliche, geistige, göttliche
vaiyāse
[?] unklarer Begriff
ye ca mānuṣāḥ bhautikāḥ ca
und welche menschlichen und elementaren
katham kleśāḥ bādhante
wie sollten die Leiden bedrängen
hari-saṁśrayam
den bei Hari Zuflucht Genommenen
[?] Das Wort "vaiyāse" innerhalb der Aufzählung der Leidensarten ist unklar und konnte unabhängig nicht sicher gedeutet werden; die übliche dreifache Einteilung (ādhyātmika/ādhibhautika/ādhidaivika) erscheint hier auf mehrere Glieder erweitert, ohne dass sich "vaiyāse" eindeutig einordnen ließe. Hier bewusst wörtlich und mit Fragezeichen wiedergegeben statt spekulativ emendiert.
Er, der, von den Weisen befragt, die vielfältigen heilvollen Pflichten der Menschen entsprechend ihren Kasten und Lebensstufen verkündete, war stets zum Wohl aller Wesen [gesinnt].
etat ta ādi-rājasya manoś caritam adbhutam varṇitaṁ varṇanīyasya tad-apatyodayaṁ śṛṇu
Dies war dir die wunderbare Lebensgeschichte des Urkönigs Manu, der wohl preiswürdig ist, geschildert; höre nun das Erscheinen seiner Nachkommenschaft.