Kapitel 45: jaya-vijayayoḥ dvārapālayoḥ śāpaḥ
Die zwei Torhüter von Vaikuṇṭha, Jaya und Vijaya, von den Weisen verflucht
Skandha 3, Adhyāya 16. Quelle: vedabase.io. title_sa als eigene knappe IAST-Kurzbezeichnung des Inhalts gebildet, da vedabase.io keinen Sanskrit-IAST-Kapiteltitel angibt (nur Englisch 'The Two Doorkeepers of Vaikuntha, Jaya and Vijaya, Cursed by the Sages').
Brahmā sprach: Während jene Weisen, die im Yoga-Dharma verankert waren, solches sprachen, erwiderte ihnen freundlich der Allmächtige, dessen Wohnstatt Vaikuṇṭha ist, indem er also sprach:
Wort für Wort
brahmā uvāca
Brahmā sprach
iti tat gṛṇatām teṣām
während jene solches sprachen
munīnām yoga-dharmiṇām
der im Yoga-Dharma verankerten Weisen
pratinandya
sie freundlich begrüßend/erwidernd
jagāda idam
sprach er dies
vikuṇṭha-nilayaḥ vibhuḥ
der Allmächtige, dessen Wohnstatt Vikuṇṭha (Vaikuṇṭha) ist
śrī-bhagavān uvāca
etau tau pārṣadau mahyaṁ
jayo vijaya eva ca
kadarthī-kṛtya māṁ yad vo
bahv akrātām atikramam
Der Erhabene sprach: Diese beiden, Jaya und Vijaya, meine eigenen Gefolgsleute, haben, indem sie mich geringschätzten, euch gegenüber eine große Verfehlung begangen.
Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
Der Erhabene sprach
etau tau pārṣadau mahyam
diese beiden, meine Gefolgsleute
jayaḥ vijayaḥ eva ca
nämlich Jaya und Vijaya
kadarthī-kṛtya mām
indem sie mich geringschätzten
yat vaḥ bahu akrātām atikramam
haben sie euch gegenüber eine große Verfehlung begangen
yas tv etayor dhṛto daṇḍo bhavadbhir mām anuvrataiḥ sa evānumato 'smābhir munayo deva-helanāt
Welche Strafe auch immer ihr, die ihr mir treu ergeben seid, über diese beiden verhängt habt, o Weise, die billige auch ich, da es eine Verachtung der Götter (Brahmanen) war.
Wort für Wort
yaḥ tu etayoḥ dhṛtaḥ daṇḍaḥ
welche Strafe auch über diese beiden verhängt wurde
bhavadbhiḥ mām anuvrataiḥ
von euch, die ihr mir treu ergeben seid
saḥ eva anumataḥ asmābhiḥ
die billige auch ich
munayaḥ deva-helanāt
o Weise, wegen der Verachtung der Götter/Brahmanen
tad vaḥ prasādayāmy adya brahma daivaṁ paraṁ hi me tad dhīty ātma-kṛtaṁ manye yat sva-pumbhir asat-kṛtāḥ
Darum will ich euch heute versöhnen; das Brahman ist mir die höchste Gottheit; ich betrachte es als meine eigene Schuld, dass meine eigenen Diener von euch schlecht behandelt wurden.
Wort für Wort
tat vaḥ prasādayāmi adya
darum will ich euch heute versöhnen/besänftigen
brahma daivam param hi me
das Brahman ist mir wahrlich die höchste Gottheit
tat dhī iti ātma-kṛtam manye
dies betrachte ich, so denkend, als von mir selbst verursacht
yat sva-pumbhiḥ asat-kṛtāḥ
dass [sie] von meinen eigenen Männern (Dienern) schlecht behandelt wurden
yan-nāmāni ca gṛhṇāti
loko bhṛtye kṛtāgasi
so 'sādhu-vādas tat-kīrtiṁ
hanti tvacam ivāmayaḥ
Wessen Namen die Leute aussprechen, wenn ein Diener eine Verfehlung begangen hat, jener üble Nachruf zerstört dessen Ruhm, wie eine Krankheit die Haut zerstört.
yasyāmṛtāmala-yaśaḥ-śravaṇāvagāhaḥ sadyaḥ punāti jagad āśvapacād vikuṇṭhaḥ so 'haṁ bhavadbhya upalabdha-sutīrtha-kīrtiś chindyāṁ sva-bāhum api vaḥ pratikūla-vṛttim
Ich, Vikuṇṭha, dessen unsterblichem, makellosem Ruhm zu lauschen und in ihn einzutauchen die Welt sogleich reinigt, selbst den Hundefleischesser - ich, der ich durch euch den Ruhm eines wahrhaft heiligen Ortes erlangt habe, würde mir selbst den Arm abschneiden, wenn er sich euch feindlich verhielte.
Wort für Wort
yasya amṛta-amala-yaśaḥ-śravaṇa-avagāhaḥ
dessen unsterblichem, makellosem Ruhm Lauschen und Eintauchen
sadyaḥ punāti jagat āśvapacāt
sogleich die Welt reinigt, bis hin zum Hundefleischesser
vikuṇṭhaḥ saḥ aham
Vikuṇṭha, das bin ich
bhavadbhyaḥ upalabdha-sutīrtha-kīrtiḥ
der durch euch den Ruhm eines wahren Pilgerortes erlangt hat
yat-sevayā caraṇa-padma-pavitra-reṇuṁ sadyaḥ kṣatākhila-malaṁ pratilabdha-śīlam na śrīr viraktam api māṁ vijahāti yasyāḥ prekṣā-lavārtha itare niyamān vahanti
Durch wessen Dienst der reinigende Staub der Lotosfüße sogleich alle Unreinheit vernichtet und guten Charakter verleiht - selbst mich, den Losgelösten, verlässt Śrī nicht, um deren flüchtigen Blick zu erlangen andere strenge Gelübde auf sich nehmen.
Wort für Wort
yat-sevayā caraṇa-padma-pavitra-reṇum
durch wessen Dienst der reinigende Staub der Lotosfüße
sadyaḥ kṣata-akhila-malam pratilabdha-śīlam
sogleich alle Unreinheit vernichtet, guten Charakter verleihend
Nicht so sehr genieße ich das im Opfer dargebrachte, von tropfendem Ghee durchtränkte Opfergut, das durch den Mund des Opferfeuers verzehrt wird, wie das, was ein zufriedener Brahmane, mit auf mich gerichteter Aufmerksamkeit, Bissen für Bissen isst, gereift durch seine eigenen Taten.
Wort für Wort
na aham tathā admi
nicht so sehr genieße ich
yajamāna-haviḥ vitāne
das im Opfer dargebrachte Opfergut
ścyotat-ghṛta-plutam adan
das tropfende, von Ghee durchtränkte, das verzehrt wird
huta-bhuk-mukhena
durch den Mund des Opferfeuers (Agni)
yat brāhmaṇasya mukhataḥ carataḥ anughāsam
wie das, was aus dem Mund eines Brahmanen Bissen für Bissen geht
tuṣṭasya mayi avahitaiḥ nija-karma-pākaiḥ
eines Zufriedenen, mit auf mich gerichteter [Aufmerksamkeit], gereift durch eigene Taten
yeṣāṁ bibharmy aham akhaṇḍa-vikuṇṭha-yoga-māyā-vibhūtir amalāṅghri-rajaḥ kirīṭaiḥ viprāṁs tu ko na viṣaheta yad-arhaṇāmbhaḥ sadyaḥ punāti saha-candra-lalāma-lokān
Deren makellosen Fußstaub ich, dessen Herrlichkeit ungebrochene, unerschöpfliche Yogamāyā ist, auf meiner Krone trage - welcher Brahmane könnte das nicht ertragen, dessen Verehrungswasser sogleich die Welten samt dem Mondgezeichneten (Śiva) reinigt?
Wort für Wort
yeṣām bibharmi aham
deren [Staub] ich trage
akhaṇḍa-vikuṇṭha-yoga-māyā-vibhūtiḥ
dessen Herrlichkeit die ungebrochene, unerschöpfliche Yogamāyā ist
ye me tanūr dvija-varān duhatīr madīyā
bhūtāny alabdha-śaraṇāni ca bheda-buddhyā
drakṣyanty agha-kṣata-dṛśo hy ahi-manyavas tān
gṛdhrā ruṣā mama kuṣanty adhidaṇḍa-netuḥ
Jene, deren Blick von Sünde verletzt ist und deren Zorn dem einer Schlange gleicht, die meine Gestalten - die den besten Zweifachgeborenen dienenden [Kühe/Erden] - und schutzlose Wesen mit trennendem Denken (Vorurteil) betrachten, jene zerreißen die Geier voll Grimm im Auftrag des Herrn der Bestrafung (Yama).
Wort für Wort
ye me tanūḥ dvija-varān duhatīḥ madīyāḥ
jene, [die] meine Gestalten, welche den besten Zweifachgeborenen dienen/nützen
bhūtāni alabdha-śaraṇāni ca bheda-buddhyā
und schutzlose Wesen mit trennendem Denken [betrachten]
drakṣyanti agha-kṣata-dṛśaḥ hi ahi-manyavaḥ
betrachten, deren Blick von Sünde verletzt ist, wahrlich von schlangengleichem Zorn
tān gṛdhrāḥ ruṣā mama kuṣanti
jene zerreißen die Geier in meinem Auftrag voll Grimm
adhidaṇḍa-netuḥ
im Auftrag des Herrn der Bestrafung (Yama)
[?] Vers syntaktisch und bildlich dicht; 'tanūr dvija-varān duhatīr' (meine Gestalten, die den besten Brahmanen Milch/Nutzen gebend) unsicher übersetzt, evtl. Bezug auf Kühe oder Erde als Manifestationen des Herrn.
Jene, die Brahmanen verehren, selbst wenn diese in Gedanken an mich zürnen, deren Herzen sich freuen, deren lotosgleiche Gesichter vom Nektar des Lächelns benetzt sind, die mit liebevoller Rede wie zu ihrem eigenen Sohn sprechen - sie erwecken mich gleichsam mich selbst, von ihnen herbeigebracht.
Wort für Wort
ye brāhmaṇān mayi dhiyā kṣipataḥ arcayantaḥ
jene, die Brahmanen verehren, [selbst wenn diese] in Gedanken an mich zürnen
tuṣyat-hṛdaḥ smita-sudhā-ukṣita-padma-vaktrāḥ
deren Herzen sich freuen, deren lotosgleiche Gesichter vom Nektar des Lächelns benetzt sind
vāṇyā anurāga-kalayā ātmaja-vat gṛṇantaḥ
die mit Rede voll liebevoller Zuneigung wie zu ihrem eigenen Sohn sprechen
sambodhayanti aham iva aham upāhṛtaḥ taiḥ
sie erwecken mich, als wäre ich selbst von ihnen herbeigebracht
[?] Bezug von 'kṣipataḥ' (zürnend/tadelnd gegenüber mir in Gedanken) unsicher: evtl. Brahmanen, die trotz eigenen Zorns verehrt werden, oder Verehrer, die Brahmanen trotz derer gelegentlichen Tadels verehren.
tan me sva-bhartur avasāyam alakṣamāṇau yuṣmad-vyatikrama-gatiṁ pratipadya sadyaḥ bhūyo mamāntikam itāṁ tad anugraho me yat kalpatām acirato bhṛtayor vivāsaḥ
Da diese beiden, meinen eigenen Herrn Willen nicht erkennend, die Folge der Übertretung gegen euch auf sich genommen haben, mögen sie sogleich wieder in meine Nähe gelangen - das sei meine Gnade -, dass die Verbannung der beiden Diener bald ein Ende finde.
Wort für Wort
tat me sva-bhartuḥ avasāyam alakṣamāṇau
da diese beiden, meines eigenen Herrn Willen nicht erkennend
yuṣmat-vyatikrama-gatim pratipadya sadyaḥ
die Folge der Übertretung gegen euch sogleich auf sich genommen haben
Brahmā sprach: Da sie jedoch, von Zorn gebissen, die schöne Göttin Sarasvatī, den Strom der Weisengeschlechter, nicht (recht) gekostet hatten, fand auch ihr eigenes Innerstes keine Befriedigung.
Wort für Wort
brahmā uvāca
Brahmā sprach
atha tasya uśatīm devīm
da [sie] jedoch jene schöne Göttin
ṛṣi-kulyām sarasvatīm
den Strom der Weisengeschlechter, Sarasvatī
na āsvādya manyu-daṣṭānām
nicht gekostet habend, von Zorn Gebissener
teṣām ātmā api atṛpyata
fand auch ihr eigenes Innerstes keine Befriedigung
[?] Sarasvatī hier bildlich als 'Strom/Fluss der Weisen(-rede)' verstanden, d.h. die vom Erhabenen gesprochenen Worte; Bezug unsicher, da Vers auf der Quellseite mit ungewöhnlicher Formatierung erschien.
satīṁ vyādāya śṛṇvanto
laghvīṁ gurv-artha-gahvarām
vigāhyāgādha-gambhīrāṁ
na vidus tac-cikīrṣitam
Obwohl sie diese wahrhaftige Rede, leicht [im Klang], doch von tiefer, schwer zu ergründender Bedeutung, aufnahmen und hörten, und in ihre unergründliche Tiefe eintauchten, verstanden sie nicht, was sie (der Herr) beabsichtigte.
Wort für Wort
satīm vyādāya śṛṇvantaḥ
die wahrhaftige [Rede] aufnehmend und hörend
laghvīm guru-artha-gahvarām
leicht [im Klang], doch von tiefer, dichter Bedeutung
te yoga-māyayārabdha-
pārameṣṭhya-mahodayam
procuḥ prāñjalayo viprāḥ
prahṛṣṭāḥ kṣubhita-tvacaḥ
Sie, die Brahmanen, mit gefalteten Händen, hoch erfreut, mit vor Rührung schaudernder Haut, sprachen zu ihm, dessen große, durch Yogamāyā entfaltete höchste Herrlichkeit [sie erkannten]:
Wort für Wort
te yoga-māyayā ārabdha-pārameṣṭhya-mahodayam
sie [sprachen] zu dem durch Yogamāyā entfalteten großen Glanz der höchsten Stellung
ṛṣaya ūcuḥ
na vayaṁ bhagavan vidmas
tava deva cikīrṣitam
kṛto me 'nugrahaś ceti
yad adhyakṣaḥ prabhāṣase
Die Weisen sprachen: O Erhabener, wir kennen nicht deine Absicht, o Gott; [wir wissen nur], dass du sagst, mir sei eine Gnade erwiesen worden, da du, der Alles-Überschauende, so sprichst.
brahmaṇyasya paraṁ daivaṁ
brāhmaṇāḥ kila te prabho
viprāṇāṁ deva-devānāṁ
bhagavān ātma-daivatam
Für den, der die Brahmanen ehrt, sind die Brahmanen die höchste Gottheit, o Herr; für die Brahmanen, die Götter der Götter, bist du, der Erhabene, die Gottheit ihres eigenen Selbst.
Wort für Wort
brahmaṇyasya param daivam
für den, der die Brahmanen ehrt, [sind sie] die höchste Gottheit
brāhmaṇāḥ kila te prabho
die Brahmanen sind es wahrlich, o Herr
viprāṇām deva-devānām
der Brahmanen, [welche] Götter der Götter [sind]
bhagavān ātma-daivatam
bist du, der Erhabene, die Gottheit des eigenen Selbst
Von dir wird der ewige Dharma durch deine [verschiedenen] Verkörperungen beschützt; das höchste Geheimnis des Dharma bist du, der Unveränderliche, gehalten [zu sein].
Wort für Wort
tvattaḥ sanātanaḥ dharmaḥ rakṣyate
von dir wird der ewige Dharma beschützt
tanubhiḥ tava
durch deine Körper/Verkörperungen
dharmasya paramaḥ guhyaḥ nirvikāraḥ
das höchste Geheimnis des Dharma, der Unveränderliche
taranti hy añjasā mṛtyuṁ
nivṛttā yad-anugrahāt
yoginaḥ sa bhavān kiṁ svid
anugṛhyeta yat paraiḥ
Durch wessen Gnade abgewandt [vom Weltlichen], überqueren die Yogis wahrlich mühelos den Tod - du, der du solcher bist, wie könntest du wohl von anderen begnadet werden müssen?
Wort für Wort
taranti hi añjasā mṛtyum
überqueren wahrlich mühelos den Tod
nivṛttāḥ yat-anugrahāt yoginaḥ
die Yogis, abgewandt [vom Weltlichen], durch wessen Gnade
[Deinen] Fußstaub tragen die nach Reichtum Verlangenden auf ihrem eigenen Haupt; [zu dir], dessen Wohnstatt mit der von Gesegneten dargebrachten frischen Tulasī-Girlande an deinen Füßen [geschmückt ist], eilt die Welt begierig wie [Bienen] zum Herrn der Honigsammler [der Blüte].
Wort für Wort
artha-arthibhiḥ sva-śirasā dhṛta-pāda-reṇuḥ
von den nach Reichtum Verlangenden wird [dein] Fußstaub auf eigenem Haupt getragen
dhanya-arpita-aṅghri-tulasī-nava-dāma-dhāmnaḥ
dessen Wohnstatt mit der von Gesegneten dargebrachten frischen Tulasī-Girlande [an den Füßen geschmückt ist]
lokam madhuvrata-pateḥ iva kāma-yānāḥ
die Welt, begierig eilend, wie [Bienen] zum Herrn der Honigsammler
[Anm.] Vers auf Quellseite nur mit drei Zeilen/Pādas angezeigt (statt der üblichen vier), wiederholt geprüft - offenbar so überliefert; Satzbezug daher teils erschlossen.
yas tāṁ vivikta-caritair anuvartamānāṁ
nātyādriyat parama-bhāgavata-prasaṅgaḥ
sa tvaṁ dvijānupatha-puṇya-rajaḥ-punītaḥ
śrīvatsa-lakṣma kim agā bhaga-bhājanas tvam
Du, der du der Gesellschaft der höchsten Gottgeweihten [mehr] achtetest als sie, die dir in reinem Wandel folgte [Lakṣmī] - du, geheiligt durch den heiligen Staub des von den Zweifachgeborenen begangenen Pfades, mit dem Śrīvatsa-Zeichen - wie bist du [nun] zum Gefäß des Schicksals (der Verehrung) geworden?
Wort für Wort
yaḥ tām vivikta-caritaiḥ anuvartamānām
der du sie, die in reinem/abgeschiedenem Wandel folgte
na atyādriyat parama-bhāgavata-prasaṅgaḥ
nicht mehr achtetest als die Gesellschaft der höchsten Gottgeweihten
saḥ tvam dvija-anupatha-puṇya-rajaḥ-punītaḥ
du, geheiligt durch den heiligen Staub des von den Zweifachgeborenen begangenen Pfades
śrīvatsa-lakṣma kim agāḥ bhaga-bhājanaḥ tvam
mit dem Śrīvatsa-Zeichen, wie bist du zum Gefäß der Verehrung geworden
[?] Rhetorische Frage, Sinn: wie kannst gerade du, der Erhabene selbst, nun Empfänger unserer Verehrung/Gnade sein - Übersetzung des Kompositums 'bhaga-bhājanaḥ' unsicher.
dharmasya te bhagavatas tri-yuga tribhiḥ svaiḥ padbhiś carācaram idaṁ dvija-devatārtham nūnaṁ bhṛtaṁ tad-abhighāti rajas tamaś ca sattvena no varadayā tanuvā nirasya
O du, Dreizeitalter-Erhabener (Tri-yuga), gewiss wird dein Dharma mit deinen drei Schritten für das bewegliche und unbewegliche All, um der Zweifachgeborenen und Götter willen, getragen, indem du durch dein gnadenspendendes, aus Güte (Sattva) bestehendes Wesen die es schädigenden [Kräfte] Leidenschaft (Rajas) und Dunkelheit (Tamas) vertreibst.
Wort für Wort
dharmasya te bhagavataḥ tri-yuga
dein Dharma, o Erhabener, Dreizeitalter[-Herr]
tribhiḥ svaiḥ padbhiḥ carācaram idam
mit deinen drei eigenen Schritten [wird] dieses Bewegliche und Unbewegliche
dvija-devata-artham nūnam bhṛtam
um der Zweifachgeborenen und Götter willen gewiss getragen
tat-abhighāti rajaḥ tamaḥ ca
die es schädigenden [Kräfte], Leidenschaft und Dunkelheit
sattvena naḥ vara-dayā tanuvā nirasya
durch dein aus Güte [bestehendes], uns gnadenspendendes Wesen vertreibend
[?] Epitheton 'tri-yuga' (in drei der vier Zeitalter offenbart) sowie Bezug der 'drei Schritte' (Anspielung auf Vāmanas drei Schritte) unsicher/andeutend übersetzt.
na tvaṁ dvijottama-kulaṁ yadi hātma-gopaṁ goptā vṛṣaḥ svarhaṇena sa-sūnṛtena tarhy eva naṅkṣyati śivas tava deva panthā loko 'grahīṣyad ṛṣabhasya hi tat pramāṇam
Wärst du, der Stier [unter den Beschützern], nicht der Beschützer des Geschlechts der besten Zweifachgeborenen, das dein eigenes Anvertrautes ist, durch würdige Verehrung und freundliche Worte, dann wahrlich würde es zugrunde gehen; heilvoll ist dein Pfad, o Gott, den die Welt als Maßstab des Erhabenen (Ṛṣabha) annehmen würde.
Wort für Wort
na tvam dvija-uttama-kulam yadi
wärest du nicht [Beschützer] des Geschlechts der besten Zweifachgeborenen
hi ātma-gopam goptā vṛṣaḥ
das dein eigenes Anvertrautes ist, [du] der Beschützer, der Stier
sva-arhaṇena sa-sūnṛtena
durch würdige Verehrung mit freundlichen Worten
tarhi eva naṅkṣyati
dann wahrlich würde es zugrunde gehen
śivaḥ tava deva panthāḥ
heilvoll ist dein Pfad, o Gott
lokaḥ agrahīṣyat ṛṣabhasya hi tat pramāṇam
die Welt würde dies wahrlich als Maßstab des Erhabenen annehmen
[?] Satzgefüge (Bedingungssatz mit 'yadi ... tarhi') und Bezug von 'ṛṣabhasya ... pramāṇam' im letzten Teilvers unsicher.
tat te 'nabhīṣṭam iva sattva-nidher vidhitsoḥ
kṣemaṁ janāya nija-śaktibhir uddhṛtāreḥ
naitāvatā try-adhipater bata viśva-bhartuḥ
tejaḥ kṣataṁ tv avanatasya sa te vinodaḥ
Dies scheint dir, dem Schatz der Güte, der du durch deine eigenen Kräfte den Feind besiegt hast und den Menschen Wohl bereiten willst, unerwünscht [zu sein, unser Dank]; doch dadurch wird die Herrlichkeit des Herrn der drei [Welten], des Erhalters des Universums, keineswegs gemindert, [selbst wenn du] dich verneigst - das ist dein [göttliches] Spiel.
Wort für Wort
tat te anabhīṣṭam iva
dies scheint dir unerwünscht
sattva-nidheḥ vidhitsoḥ
dem Schatz der Güte, der [Wohl] bereiten will
kṣemam janāya nija-śaktibhiḥ uddhṛta-areḥ
der den Menschen Wohl [bereiten will], der durch eigene Kräfte den Feind besiegt hat
na etāvatā tri-adhipateḥ bata viśva-bhartuḥ
dadurch wird keineswegs, ach, [die Herrlichkeit] des Herrn der drei [Welten], des Welterhalters
tejaḥ kṣatam tu avanatasya
[seine] Herrlichkeit gemindert, wenn er sich verneigt
saḥ te vinodaḥ
das ist dein [göttliches] Spiel
[?] Satzstruktur und genaue Bezugsrichtung von 'avanatasya' (des sich Verneigenden - bezogen auf den Erhabenen selbst oder auf die Bittenden) unsicher.
yaṁ vānayor damam adhīśa bhavān vidhatte
vṛttiṁ nu vā tad anumanmahi nirvyalīkam
asmāsu vā ya ucito dhriyatāṁ sa daṇḍo
ye 'nāgasau vayam ayuṅkṣmahi kilbiṣeṇa
Welche Strafe oder welches Los du, o Gebieter, für diese beiden bestimmst, das billigen wir ohne Falschheit; oder welche Strafe uns gebührt, die möge auf uns gelegt werden, da wir, obwohl sie schuldlos waren, sie mit Übeltat belegt haben.
Wort für Wort
yam vā anayoḥ damam adhīśa bhavān vidhatte
welche Strafe du, o Gebieter, für diese beiden bestimmst
vṛttim nu vā tat anumanmahi nirvyalīkam
oder welches Los, das billigen wir ohne Falschheit
asmāsu vā yaḥ ucitaḥ dhriyatām saḥ daṇḍaḥ
oder welche Strafe uns gebührt, die möge auferlegt werden
śrī-bhagavān uvāca
etau suretara-gatiṁ pratipadya sadyaḥ
saṁrambha-sambhṛta-samādhy-anubaddha-yogau
bhūyaḥ sakāśam upayāsyata āśu yo vaḥ
śāpo mayaiva nimitas tad aveta viprāḥ
Der Erhabene sprach: Diese beiden werden, nachdem sie sogleich die Geburt als Widergötter (Asuras) angenommen haben, durch die im Zorn gefestigte Versenkung mit [mir] im Yoga verbunden bleiben und rasch wieder zu mir zurückkehren; wisset, o Brahmanen, dass dieser Fluch von mir selbst veranlasst wurde.
Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der Erhabene sprach
etau suretara-gatim pratipadya sadyaḥ
diese beiden, sogleich die Geburt als Widergötter (Asuras) annehmend
saṁrambha-sambhṛta-samādhi-anubaddha-yogau
durch im Zorn gefestigte Versenkung im Yoga verbunden
bhūyaḥ sakāśam upayāsyataḥ āśu
werden rasch wieder in [meine] Nähe gelangen
yaḥ vaḥ śāpaḥ mayā eva nimitaḥ
welcher Fluch von euch [ausgesprochen wurde], ist von mir selbst veranlasst
tat aveta viprāḥ
das wisset, o Brahmanen
[?] 'saṁrambha-sambhṛta-samādhi-anubaddha-yogau' (durch im Zorn gefestigte Versenkung im Yoga verbunden) - Übersetzung des dichten Kompositums sinngemäß erschlossen.
brahmovāca
atha te munayo dṛṣṭvā
nayanānanda-bhājanam
vaikuṇṭhaṁ tad-adhiṣṭhānaṁ
vikuṇṭhaṁ ca svayaṁ-prabham
Brahmā sprach: Da nun jene Weisen Vaikuṇṭha, das Gefäß der Augenfreude, dessen [des Herrn] Wohnstatt, und den selbstleuchtenden Vikuṇṭha [selbst] gesehen hatten...
bhagavān anugāv āha yātaṁ mā bhaiṣṭam astu śam brahma-tejaḥ samartho 'pi hantuṁ necche mataṁ tu me
Der Erhabene sprach zu den beiden Gefolgsleuten: Geht, fürchtet euch nicht, es sei euch wohl; obwohl fähig, die brahmanische Kraft [des Fluches] aufzuheben, wünsche ich es nicht - so ist meine Ansicht.
Dies wurde bereits einst von der zornigen Ramā (Lakṣmī) vorausgesagt, als sie einst am Tor zurückgewiesen wurde, während sie [zu mir] eintreten wollte, als ich [zurückgezogen] verweilte.
Wort für Wort
etat purā eva nirdiṣṭam
dies wurde bereits einst vorausgesagt
ramayā kruddhayā
von der zornigen Ramā (Lakṣmī)
yadā purā apavāritā dvāri viśantī
als sie einst am Tor zurückgewiesen wurde, während sie eintreten wollte
mayi upārate
als ich zurückgezogen/verborgen weilte
[?] 'mayi upārate' (als ich zurückgezogen/verborgen war) unsicher; evtl. Bezug auf eine frühere, hier nicht ausgeführte Episode.
mayi saṁrambha-yogena nistīrya brahma-helanam pratyeṣyataṁ nikāśaṁ me kālenālpīyasā punaḥ
Indem ihr durch angestrengte Hingabe (Saṁrambha-Yoga) an mich die Verachtung des Brahman überwindet, werdet ihr nach kurzer Zeit wieder in meine Nähe zurückkehren.
Nachdem der Erhabene die beiden Torhüter so unterwiesen hatte, betrat er seine eigene, mit Reihen himmlischer Wagen geschmückte Wohnstatt, die von der alles überragenden Lakṣmī bedient wird.
Wort für Wort
dvāḥsthau ādiśya bhagavān
der Erhabene, die beiden Torhüter unterwiesen habend
vimāna-śreṇi-bhūṣaṇam
die mit Reihen himmlischer Wagen geschmückte [Wohnstatt]
tau tu gīrvāṇa-ṛṣabhau dustarād dhari-lokataḥ hata-śriyau brahma-śāpād abhūtāṁ vigata-smayau
Jene beiden aber, die Besten der Götter, wurden, aus der unüberwindlichen Welt Haris [gefallen], ihrer Herrlichkeit beraubt durch den Fluch des Brahmanen(-standes), und ihres Stolzes entledigt.
Wort für Wort
tau tu gīrvāṇa-ṛṣabhau
jene beiden aber, die Besten der Götter
dustarāt hari-lokataḥ
aus der unüberwindlichen Welt Haris
hata-śriyau brahma-śāpāt
ihrer Herrlichkeit beraubt durch den Fluch der Brahmanen
tāv eva hy adhunā prāptau pārṣada-pravarau hareḥ diter jaṭhara-nirviṣṭaṁ kāśyapaṁ teja ulbaṇam
Eben diese beiden vortrefflichen Gefolgsleute Haris sind es nun, die als die gewaltige, in Ditis Schoß eingedrungene Kraft des Kaśyapa Gestalt angenommen haben.
Wort für Wort
tau eva hi adhunā prāptau
eben diese beiden sind es nun, die erlangt haben [diesen Zustand]
tayor asurayor adya tejasā yamayor hi vaḥ ākṣiptaṁ teja etarhi bhagavāṁs tad vidhitsati
Von der Kraft dieser beiden Asuras, die nun [im Mutterleib] zusammengehalten werden, wurde eure [brahmanische] Kraft heute überwältigt; dem will der Erhabene nun begegnen.
Wort für Wort
tayoḥ asurayoḥ adya tejasā
durch die Kraft dieser beiden Dämonen heute
yamayoḥ hi vaḥ ākṣiptam tejaḥ
wurde wahrlich eure [zusammengehaltene] Kraft überwältigt
etarhi bhagavān tat vidhitsati
dem will der Erhabene nun begegnen/das will der Erhabene nun ins Werk setzen
[?] 'yamayoḥ' (der beiden Zusammengehaltenen/Zwillingsartigen) unsicher übersetzt.
viśvasya yaḥ sthiti-layodbhava-hetur ādyo yogeśvarair api duratyaya-yogamāyaḥ kṣemaṁ vidhāsyati sa no bhagavāṁs tryadhīśas tatrāsmadīya-vimṛśena kiyān ihārthaḥ
Er, der ursprüngliche Grund für Bestand, Auflösung und Entstehung des Universums, dessen Yogamāyā selbst für die Herren des Yoga unüberwindlich ist - er, der Erhabene, der Herr der drei [Welten], wird für unser Wohl sorgen; was nützt darin unser eigenes Nachsinnen?
Wort für Wort
viśvasya yaḥ sthiti-laya-udbhava-hetuḥ ādyaḥ
er, der ursprüngliche Grund für Bestand, Auflösung und Entstehung des Universums
yoga-īśvaraiḥ api duratyaya-yogamāyaḥ
dessen Yogamāyā selbst für die Herren des Yoga unüberwindlich ist
kṣemam vidhāsyati saḥ naḥ bhagavān tri-adhīśaḥ
er, der Erhabene, der Herr der drei [Welten], wird für unser Wohl sorgen