Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 105: śrī-rahūgaṇa-jaḍabharata-saṁvādaḥ [?] Das Gespräch zwischen Mahārāja Rahūgaṇa und Jaḍa Bharata

rahūgaṇa uvāca namo namaḥ kāraṇa-vigrahāya svarūpa-tucchīkṛta-vigrahāya namo 'vadhūta dvija-bandhu-liṅga- nigūḍha-nityānubhavāya tubhyam

Rahūgaṇa sprach: Verehrung, Verehrung dir, dessen [äußere] Gestalt die Ursache [aller Ursachen] ist, dessen Gestalt durch [die Erkenntnis] des wahren Selbst zur Nichtigkeit gemacht wurde; Verehrung dir, o Avadhūta, dessen ewige [Selbst-]Erfahrung durch das äußere Erscheinungsbild eines [bloß dem Namen nach] Brahmanenabkömmlings verborgen ist.

Wort für Wort
rahūgaṇaḥ
Rahūgaṇa (Subj., Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
namaḥ
Verehrung (Nom./Interj.)
namaḥ
Verehrung (wiederholt, Betonung)
kāraṇa-vigrahāya
dem, dessen Gestalt die Ursache [aller Ursachen] ist (Dat. Sg.)
svarūpa-tucchīkṛta-vigrahāya
dem, der [seine äußere] Gestalt durch [die Erkenntnis] des wahren Selbst zur Nichtigkeit gemacht hat (Dat. Sg.)
namaḥ
Verehrung
avadhūta
o Avadhūta [der alles Weltliche Abgeschüttelte] (Vok.)
dvija-bandhu-liṅga
durch das äußere Merkmal eines [unwürdigen] Brahmanenabkömmlings (Kompositumsglied)
nigūḍha-nitya-anubhavāya
dem, dessen ewige [Selbst-]Erfahrung verborgen ist (Dat. Sg.)
tubhyam
dir (Dat. Sg.)

kāraṇa-vigrahāya ist doppeldeutig lesbar als 'dessen Körper aus der Ursache [Gottes] besteht' oder 'dessen Gestalt selbst die Ursache ist'; hier im ersten Sinn (instrumental-genitivische Deutung des Kompositums) übersetzt.

jvarāmayārtasya yathāgadaṁ sat nidāgha-dagdhasya yathā himāmbhaḥ kudeha-mānāhi-vidaṣṭa-dṛṣṭeḥ brahman vacas te 'mṛtam auṣadhaṁ me

Wie eine wirksame Arznei für den von Fieberkrankheit Geplagten, wie kühles Wasser für den von [Sonnen-]Glut Versengten – so sind, o Brahmane, deine Worte Nektar und Arznei für mich, dessen Einsicht in diesem üblen [stofflichen] Körper von der Schlange des Stolzes gebissen ist.

Wort für Wort
jvara-āmaya-ārtasya
des von Fieberkrankheit Geplagten (Gen. Sg.)
yathā
wie
agadam
die Arznei (Nom. Sg.)
sat
wirksam, echt (Adj.)
nidāgha-dagdhasya
des von [Sonnen-]Glut Versengten (Gen. Sg.)
yathā
wie
hima-ambhaḥ
kaltes Wasser (Nom. Sg. Neutr.)
ku-deha
in [diesem] üblen Körper (Kompositumsglied, lokativisch)
māna-ahi-vidaṣṭa-dṛṣṭeḥ
dessen Einsicht von der Schlange des Stolzes gebissen ist (Gen. Sg.)
brahman
o Brahmane (Vok.)
vacaḥ
die Worte (Nom. Pl. Neutr.)
te
dein (Gen. Sg.)
amṛtam
Nektar (Nom. Sg.)
auṣadham
Arznei (Nom. Sg.)
me
für mich (Dat./Gen. Sg.)

tasmād bhavantaṁ mama saṁśayārthaṁ prakṣyāmi paścād adhunā subodham adhyātma-yoga-grathitaṁ tavoktam ākhyāhi kautūhala-cetaso me

Deshalb werde ich dich später über das, was mir Zweifel bereitet, befragen; jetzt aber erkläre mir, dessen Geist neugierig ist, noch einmal dein im Yoga der Selbsterkenntnis verknüpftes Wort, damit es leicht verständlich werde.

Wort für Wort
tasmāt
deshalb
bhavantam
dich (Akk., höfliche Anrede)
mama
meine (Gen. Sg.)
saṁśaya-artham
die zweifelhafte/unklare Sache (Akk. Sg.)
prakṣyāmi
ich werde fragen (Fut. 1. Sg.)
paścāt
später, danach
adhunā
jetzt
su-bodham
leicht verständlich (Akk. Adj.)
adhyātma-yoga-grathitam
im Yoga der Selbsterkenntnis verknüpft (Akk. Adj.)
tava
dein (Gen. Sg.)
uktam
das Gesagte (Akk. Sg.)
ākhyāhi
erkläre! (Imp. 2. Sg.)
kautūhala-cetasaḥ
dessen Geist neugierig ist (Gen. Sg.)
me
mir, meiner (Gen. Sg.)

yad āha yogeśvara dṛśyamānaṁ kriyā-phalaṁ sad-vyavahāra-mūlam na hy añjasā tattva-vimarśanāya bhavān amuṣmin bhramate mano me

Was du, o Herr des Yoga, gesagt hast – dass das Wahrgenommene die Frucht der Handlung sei, deren Grundlage bloß [weltliche] Gepflogenheit ist – das führt fürwahr nicht unmittelbar zur Erkenntnis des Wahren; in Bezug auf jenes [von dir Gesagte], Euer Ehren, ist mein Geist verwirrt.

Wort für Wort
yat
was (Akk., Relativpron.)
āha
[du] sagtest (Perf. 3. Sg., für 2. Pers. Anrede gebraucht)
yoga-īśvara
o Herr des Yoga (Vok.)
dṛśyamānam
das Wahrgenommene (Akk. Ptz. Med.)
kriyā-phalam
die Frucht der Handlung (Akk. Sg.)
sat-vyavahāra-mūlam
dessen Grundlage [bloß] Gepflogenheit ist (Akk. Adj.)
na
nicht
hi
fürwahr
añjasā
unmittelbar, wahrhaftig (Instr. Adv.)
tattva-vimarśanāya
zur Erkenntnis des Wahren (Dat.)
bhavān
Euer Ehren, du (Nom., höfl.)
amuṣmin
in jenem [Gesagten] (Lok.)
bhramate
verwirrt sich, irrt umher (3. Sg. Med.)
manaḥ
der Geist (Nom. Sg.)
me
mein (Gen. Sg.)

Die Syntax von 'bhavān ... bhramate manaḥ me' ist elliptisch: zwei Nominative (bhavān, manaḥ) stehen nebeneinander; bhavān ist hier wohl als thematischer/adverbialer Bezug ('was dich betrifft') zu verstehen [?].

ayaṁ jano nāma calan pṛthivyāṁ yaḥ pārthivaḥ pārthiva kasya hetoḥ tasyāpi cāṅghryor adhi gulpha-jaṅghā- jānūru-madhyora-śirodharāṁsāḥ aṁse 'dhi dārvī śibikā ca yasyāṁ sauvīra-rājety apadeśa āste yasmin bhavān rūḍha-nijābhimāno rājāsmi sindhuṣv iti durmadāndhaḥ

Der Brahmane sprach: Dieser [dein Körper], der sich, „Mensch“ genannt, auf der Erde bewegt und der [selbst nur] ein irdisches [Gebilde] ist – o irdischer [Herrscher], aus welchem Grund [rühmst du dich seiner]? Auch von ihm gibt es oberhalb der Füße nur Knöchel, Waden, Knie, Schenkel, Taille, Hals und Schultern; und auf der Schulter [der Träger] ist eine hölzerne Sänfte, auf welcher der Ruf „König von Sauvīra“ besteht – in welcher du, fest verwurzelt in falscher Selbsteinschätzung, verblendet von falschem Stolz, [meinst]: „Ich bin der König im Land der Sindhus.“

Wort für Wort
brāhmaṇaḥ uvāca
der Brahmane sprach
ayam
dieser (Nom. Sg.)
janaḥ
Mensch, Person (Nom. Sg.)
nāma
mit Namen, genannt
calan
sich bewegend (Ptz. Präs.)
pṛthivyām
auf der Erde (Lok. Sg.)
yaḥ
der [da] (Nom. Sg.)
pārthivaḥ
ein irdisches [Gebilde], eine Umwandlung der Erde (Nom. Sg.)
pārthiva
o irdischer [Herrscher] (Vok., Wortspiel)
kasya hetoḥ
aus welchem Grund
tasya api
auch von diesem
aṅghryoḥ adhi
oberhalb der Füße (Gen. Du. + Präp.)
gulpha-jaṅghā-jānu-uru-madhyora-śirodhara-aṁsāḥ
Knöchel, Waden, Knie, Schenkel, Taille, Hals, Schultern (Nom. Pl., Aufzählung)
aṁse adhi
auf der Schulter (Lok. Sg. + Präp.)
dārvī śibikā
eine hölzerne Sänfte (Nom. Sg.)
yasyām
auf welcher (Lok. Sg.)
sauvīra-rājā iti apadeśaḥ
die Bezeichnung „König von Sauvīra“ (Nom. Sg.)
āste
besteht, ist vorhanden (3. Sg.)
yasmin
in welcher [Sänfte] (Lok. Sg.)
bhavān
du, Euer Ehren (Nom. Sg.)
rūḍha-nija-abhimānaḥ
der in falscher Selbsteinschätzung fest verwurzelt ist (Nom. Sg.)
rājā asmi sindhuṣu iti
„ich bin König im Land der Sindhus“ (wörtl. Rede)
durmada-andhaḥ
verblendet von falschem Stolz (Nom. Sg.)

Vers 5 und 6 bilden im Original einen fortlaufenden Satz (Aufzählung der Körperteile, dann der Sänfte); daher als Einheit übersetzt.

śocyān imāṁs tvam adhikaṣṭa-dīnān viṣṭyā nigṛhṇan niranugraho 'si janasya goptāsmi vikatthamāno na śobhase vṛddha-sabhāsu dhṛṣṭaḥ

Du, der diese bedauernswerten, durch übermäßige Not elenden [Leute] mittels Fronarbeit unterdrückst, bist ohne Erbarmen; indem du prahlst, „ich bin der Beschützer des Volkes“, glänzt du nicht in den Versammlungen der Weisen – [du bist dort nur] unverschämt.

Wort für Wort
śocyān
die zu bedauernden (Akk. Pl.)
imān
diese (Akk. Pl.)
tvam
du (Nom. Sg.)
adhi-kaṣṭa-dīnān
die durch übermäßige Not Elenden (Akk. Pl.)
viṣṭyā
durch Fronarbeit, Zwangsdienst (Instr. Sg.)
nigṛhṇan
unterdrückend, festhaltend (Ptz. Präs. Nom.)
niranugrahaḥ asi
du bist ohne Erbarmen
janasya
des Volkes (Gen. Sg.)
goptā asmi
„ich bin der Beschützer“ (wörtl. Rede)
vikatthamānaḥ
prahlend (Ptz. Med.)
na śobhase
du glänzt nicht, scheinst nicht (2. Sg. Med.)
vṛddha-sabhāsu
in den Versammlungen der Alten/Weisen (Lok. Pl.)
dhṛṣṭaḥ
unverschämt, frech (Nom. Sg.)

yadā kṣitāv eva carācarasya vidāma niṣṭhāṁ prabhavaṁ ca nityam tan nāmato 'nyad vyavahāra-mūlaṁ nirūpyatāṁ sat-kriyayānumeyam

Da wir wissen, dass Entstehen und Vergehen des Beweglichen und Unbeweglichen beständig eben in der Erde [gegründet] sind, werde festgestellt, ob es außer dem [bloßen] Namen noch etwas anderes gibt, das die Grundlage [dieser weltlichen] Verwendung ist – es ist durch tatsächliches Handeln zu erschließen.

Wort für Wort
yadā
da, wenn
kṣitau
in der Erde (Lok. Sg.)
eva
eben, gerade
cara-acarasya
des Beweglichen und Unbeweglichen (Gen. Sg.)
vidāma
wir wissen (1. Pl.)
niṣṭhām
das Vergehen, die Auflösung (Akk. Sg.)
prabhavam
das Entstehen (Akk. Sg.)
ca
und
nityam
beständig, regelmäßig (Adv.)
tat
das (Nom./Akk. Sg.)
nāmataḥ
außer dem [bloßen] Namen (Abl.)
anyat
ein anderes (Nom. Sg.)
vyavahāra-mūlam
die Grundlage der [weltlichen] Verwendung (Nom. Sg.)
nirūpyatām
es werde festgestellt (Imp. Pass. 3. Sg.)
sat-kriyayā
durch tatsächliches Handeln (Instr. Sg.)
anumeyam
zu erschließen, zu folgern (Ger.)

evaṁ niruktaṁ kṣiti-śabda-vṛttam asan nidhānāt paramāṇavo ye avidyayā manasā kalpitās te yeṣāṁ samūhena kṛto viśeṣaḥ

So ist das, was mit dem Wort „Erde“ bezeichnet wird, erklärt als unwirklich, da es sich [letztlich] auflöst; die Atome dagegen, welche durch Unwissenheit vom Geist [nur] konstruiert werden – durch deren Ansammlung wird die [scheinbare] Verschiedenheit [der Dinge] bewirkt.

Wort für Wort
evam
so
niruktam
erklärt, hergeleitet (Ptz. Nom. Sg.)
kṣiti-śabda-vṛttam
das Vorkommen/die Bedeutung des Wortes „Erde“ (Nom. Sg.)
asat
unwirklich, nicht-seiend (Adj.)
nidhānāt
aufgrund der [letztendlichen] Auflösung (Abl. Sg.)
parama-aṇavaḥ
die kleinsten Teilchen, Atome (Nom. Pl.)
ye
welche (Nom. Pl.)
avidyayā
durch Unwissenheit (Instr. Sg.)
manasā
durch den Geist, das Denken (Instr. Sg.)
kalpitāḥ
vorgestellt, konstruiert (Ptz. Nom. Pl.)
te
sie (Nom. Pl.)
yeṣām
von welchen (Gen. Pl.)
samūhena
durch die Ansammlung (Instr. Sg.)
kṛtaḥ
gemacht, bewirkt (Ptz. Nom. Sg.)
viśeṣaḥ
die Besonderheit, Unterscheidung (Nom. Sg.)

evaṁ kṛśaṁ sthūlam aṇur bṛhad yad asac ca saj jīvam ajīvam anyat dravya-svabhāvāśaya-kāla-karma- nāmnājayāvehi kṛtaṁ dvitīyam

So erkenne: mager, dick, winzig, groß, was vergänglich und was beständig ist, lebendig und unbelebt, und anderes [mehr] – [dies alles ist] durch die [Ur-]Materie allein, [nur] mit dem Namen „Substanz, Eigenart, [seelische] Disposition, Zeit, Handlung“ [belegt], bewirkte Zweiheit.

Wort für Wort
evam
so
kṛśam
mager, dünn (Adj.)
sthūlam
dick, grob (Adj.)
aṇuḥ
winzig (Adj.)
bṛhat
groß (Adj.)
yat
was
asat
vergänglich, nicht-seiend (Adj.)
ca
und
sat
beständig, seiend (Adj.)
jīvam
lebendig, Lebewesen (Adj./Subst.)
ajīvam
unbelebt (Adj.)
anyat
anderes
dravya-svabhāva-āśaya-kāla-karma-nāmnā
durch den [bloßen] Namen „Substanz, Eigenart, Disposition, Zeit, Handlung“ (Instr. Sg.)
ajayā
durch die [Ur-]Materie, die unerschaffene Natur (Instr. Sg.)
avehi
erkenne! (Imp. 2. Sg.)
kṛtam
bewirkt, gemacht (Akk. Sg.)
dvitīyam
die Zweiheit, Dualität (Akk. Sg.)

jñānaṁ viśuddhaṁ paramārtham ekam anantaraṁ tv abahir brahma satyam pratyak praśāntaṁ bhagavac-chabda-saṁjñaṁ yad vāsudevaṁ kavayo vadanti

Das reine Wissen, das den höchsten Sinn hat, das Eine, das ohne Inneres und ohne Äußeres [ist], das Brahman, die Wahrheit, das nach innen [gewandte], vollkommen befriedete [Prinzip], das mit dem Wort „Bhagavān“ bezeichnet wird – dieses [Prinzip] nennen die Weisen „Vāsudeva“.

Wort für Wort
jñānam
das Wissen, Bewusstsein (Nom. Sg.)
viśuddham
rein, makellos (Adj.)
parama-artham
das höchste Ziel/den höchsten Sinn habend (Adj.)
ekam
eins, einzig (Adj.)
anantaram
ohne Inneres, lückenlos (Adj.)
tu
aber, auch
abahiḥ
ohne Äußeres (Adj.)
brahma
das Brahman (Nom. Sg.)
satyam
die Wahrheit, das Wirkliche (Nom. Sg.)
pratyak
nach innen [gewandt] (Adj./Adv.)
praśāntam
vollkommen befriedet, still (Adj.)
bhagavat-śabda-saṁjñam
mit dem Wort „Bhagavān“ benannt (Adj.)
yat
welches (Nom. Sg.)
vāsudevam
Vāsudeva (Akk. Sg.)
kavayaḥ
die Weisen, Seher (Nom. Pl.)
vadanti
nennen, sagen (3. Pl.)

rahūgaṇaitat tapasā na yāti na cejyayā nirvapaṇād gṛhād vā na cchandasā naiva jalāgni-sūryair vinā mahat-pāda-rajo-'bhiṣekam

O Rahūgaṇa, dieses [Wissen] gelangt [zur Offenbarung] nicht durch Askese, auch nicht durch [rituelles] Opfer, durch Entsagung oder durch Haushälterleben, auch nicht durch [vedisches] Studium, auch keineswegs durch [die Bußübungen mit] Wasser, Feuer [und] Sonne – nicht ohne die Besprengung mit dem Staub der Füße der Großen [Heiligen].

Wort für Wort
rahūgaṇa
o Rahūgaṇa (Vok.)
etat
dies [Wissen] (Nom. Sg.)
tapasā
durch Askese (Instr. Sg.)
na yāti
gelangt nicht, kommt nicht (3. Sg.)
na ca
und auch nicht
ijyayā
durch [rituelles] Opfer, Verehrung (Instr. Sg.)
nirvapaṇāt
durch Entsagung [aller weltlichen Pflichten, sannyāsa] (Abl. Sg.)
gṛhāt
durch das Haushälterleben (Abl. Sg.)
vā
oder
chandasā
durch [vedisches] Studium, Metrum (Instr. Sg.)
na eva
auch gar nicht
jala-agni-sūryaiḥ
durch [Bußübungen mit] Wasser, Feuer, Sonne (Instr. Pl.)
vinā
ohne
mahat-pāda-rajaḥ-abhiṣekam
die Besprengung mit dem Staub der Füße der Großen [Heiligen] (Akk. Sg.)

yatrottamaśloka-guṇānuvādaḥ prastūyate grāmya-kathā-vighātaḥ niṣevyamāṇo 'nudinaṁ mumukṣor matiṁ satīṁ yacchati vāsudeve

Wo die Besprechung der Eigenschaften dessen, der „mit den besten Versen [gepriesen wird]“ [Viṣṇu], vorgetragen wird – was die Zerstörung dörflicher [weltlicher] Rede [bewirkt] –, dort lenkt sie, Tag für Tag eifrig gehört, den reinen Sinn dessen, der nach Befreiung verlangt, auf Vāsudeva.

Wort für Wort
yatra
wo
uttamaśloka-guṇa-anuvādaḥ
die Besprechung der Eigenschaften des „mit besten Versen Gepriesenen“ (Nom. Sg.)
prastūyate
wird vorgetragen, dargeboten (Pass. 3. Sg.)
grāmya-kathā-vighātaḥ
die Zerstörung dörflicher/weltlicher Rede (Nom. Sg., appositiv)
niṣevyamāṇaḥ
eifrig gehört, verehrt (Ptz. Pass. Nom. Sg.)
anudinam
Tag für Tag (Adv.)
mumukṣoḥ
dessen, der nach Befreiung verlangt (Gen. Sg.)
matim
das Denken, den Sinn (Akk. Sg.)
satīm
rein, wahrhaftig (Akk. Adj.)
yacchati
lenkt, richtet (3. Sg.)
vāsudeve
auf Vāsudeva (Lok. Sg.)

ahaṁ purā bharato nāma rājā vimukta-dṛṣṭa-śruta-saṅga-bandhaḥ ārādhanaṁ bhagavata īhamāno mṛgo 'bhavaṁ mṛga-saṅgād dhatārthaḥ

Ich war einst ein König namens Bharata, befreit von der Bindung [an das,] was gesehen und gehört wird, und die Verehrung des Herrn ausübend; doch durch die Anhaftung an ein Reh wurde ich, mein [eigentliches] Ziel zunichtegemacht, [selbst] ein Reh.

Wort für Wort
aham
ich (Nom. Sg.)
purā
einst, früher
bharataḥ nāma rājā
ein König namens Bharata (Nom. Sg.)
vimukta-dṛṣṭa-śruta-saṅga-bandhaḥ
befreit von der Bindung durch [das,] was gesehen und gehört wird (Nom. Sg.)
ārādhanam
die Verehrung (Akk. Sg.)
bhagavataḥ
des Herrn (Gen. Sg.)
īhamānaḥ
ausübend, betreibend (Ptz. Med. Nom. Sg.)
mṛgaḥ abhavam
ich wurde ein Reh (1. Sg. Aor.)
mṛga-saṅgāt
durch die Anhaftung an ein Reh (Abl. Sg.)
hata-arthaḥ
dessen [eigentliches] Ziel zunichtegemacht ist (Nom. Sg.)

sā māṁ smṛtir mṛga-dehe 'pi vīra kṛṣṇārcana-prabhavā no jahāti atho ahaṁ jana-saṅgād asaṅgo viśaṅkamāno 'vivṛtaś carāmi

Jene Erinnerung, o Held, die aus der Verehrung Kṛṣṇas entstanden war, verließ mich nicht, selbst im Körper eines Rehs; daher wandere ich, losgelöst von der Gemeinschaft der Menschen, [stets] argwöhnend und unerkannt umher.

Wort für Wort
sā
jene (Nom. Sg.)
mām
mich (Akk. Sg.)
smṛtiḥ
die Erinnerung (Nom. Sg.)
mṛga-dehe
im Körper eines Rehs (Lok. Sg.)
api
sogar, obwohl
vīra
o Held (Vok.)
kṛṣṇa-arcana-prabhavā
die aus der Verehrung Kṛṣṇas entstandene (Adj., Nom. Sg.)
no jahāti
verließ nicht (3. Sg.)
atho
daher, so
aham
ich (Nom. Sg.)
jana-saṅgāt
von der Gemeinschaft der [gewöhnlichen] Menschen (Abl. Sg.)
asaṅgaḥ
losgelöst, unverbunden (Nom. Sg.)
viśaṅkamānaḥ
argwöhnend, befürchtend (Ptz. Med. Nom. Sg.)
avivṛtaḥ
unenthüllt, verborgen bleibend (Nom. Sg.)
carāmi
ich wandere umher (1. Sg.)

tasmān naro 'saṅga-susaṅga-jāta- jñānāsinehaiva vivṛkṇa-mohaḥ hariṁ tad-īhā-kathana-śrutābhyāṁ labdha-smṛtir yāty atipāram adhvanaḥ

Deshalb erreicht ein Mensch, dessen Verblendung schon hier [in dieser Welt] durch das Schwert des aus Loslösung und guter Gemeinschaft [mit Heiligen] entstandenen Wissens durchtrennt ist, und der durch das Erzählen und Hören von Haris [Taten] [seine wahre] Erinnerung wiedergewonnen hat, das jenseitige Ende des Weges [zurück zu Hari].

Wort für Wort
tasmāt
deshalb
naraḥ
ein Mensch (Nom. Sg.)
asaṅga-su-saṅga-jāta-jñāna-asinā
durch das Schwert des aus Loslösung und guter Gemeinschaft entstandenen Wissens (Instr. Sg.)
iha eva
schon hier [in dieser Welt]
vivṛkṇa-mohaḥ
dessen Verblendung durchtrennt ist (Nom. Sg.)
harim
Hari, den Herrn (Akk. Sg.)
tad-īhā-kathana-śrutābhyām
durch das Erzählen und Hören von dessen [Haris] Taten (Instr. Du.)
labdha-smṛtiḥ
der [seine wahre] Erinnerung wiedergewonnen hat (Nom. Sg.)
yāti
erreicht, geht (3. Sg.)
atipāram
das jenseitige Ende, die äußerste Grenze (Akk. Sg.)
adhvanaḥ
des Weges (Gen. Sg.)

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