Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 185 Die Söhne Sagaras begegnen Herrn Kapiladeva

Das Kapitel schildert die Nachkommenschaft Rohitas bis zu König Sagara, dessen Aśvamedha-Opfer, den Diebstahl des Opferpferdes durch Indra, das ziellose Graben der 60.000 Söhne Sagaras, ihre Begegnung mit dem Weisen Kapila und ihren Tod, sowie schließlich die Reise von Sagaras Enkel Aṁśumān, der das Pferd wiederfindet, Kapila lobpreist und erfährt, dass allein das Wasser der Gaṅgā die Asche seiner Vorväter erlösen kann.

śrī-śuka uvāca harito rohita-sutaś campas tasmād vinirmitā campāpurī sudevo 'to vijayo yasya cātmajaḥ

Śrī Śuka sprach: Harita war der Sohn Rohitas; von ihm stammte Campa, der die Stadt Campāpurī erbaute. Von Campa stammte Sudeva, und dessen Sohn war Vijaya.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śukadeva sprach
haritaḥ
Harita
rohita-sutaḥ
der Sohn Rohitas
campaḥ tasmāt vinirmitā
von ihm (stammte) Campa, (der) erbaute
campāpurī
die Stadt Campāpurī
sudevaḥ ataḥ
Sudeva, von ihm (Campa)
vijayaḥ yasya ca ātma-jaḥ
und Vijaya, dessen Sohn (er war)

bharukas tat-sutas tasmād vṛkas tasyāpi bāhukaḥ so 'ribhir hṛta-bhū rājā sabhāryo vanam āviśat

Dessen Sohn war Bharuka; von ihm stammte Vṛka, und dessen Sohn war Bāhuka. Diesem König wurde von Feinden sein Land geraubt, und so zog er mit seiner Gattin in den Wald.

Wort für Wort
bharukaḥ tat-sutaḥ
Bharuka, dessen (Vijayas) Sohn
tasmāt vṛkaḥ
von ihm (Bharuka, stammte) Vṛka
tasya api bāhukaḥ
dessen (Vṛkas Sohn war) Bāhuka
saḥ aribhiḥ hṛta-bhūḥ rājā
dieser König, dem von Feinden das Land geraubt wurde
sa-bhāryaḥ vanam āviśat
zog mit seiner Gattin in den Wald

vṛddhaṁ taṁ pañcatāṁ prāptaṁ mahiṣy anumariṣyatī aurveṇa jānatātmānaṁ prajāvantaṁ nivāritā

Als er, nun alt, den Tod erreicht hatte, wollte die Königin ihm im Tod folgen; doch Aurva, der wusste, dass sie ein Kind in sich trug, hielt sie davon ab.

Wort für Wort
vṛddham tam pañcatām prāptam
ihn, den gealterten, der den Tod erreicht hatte
mahiṣī anumariṣyatī
die Königin, die (ihm) im Tod folgen wollte
aurveṇa
von Aurva
jānatā ātmānam prajā-vantam
der wusste, dass ihr Leib ein Kind trug
nivāritā
wurde (davon) abgehalten

ājñāyāsyai sapatnībhir garo datto 'ndhasā saha saha tenaiva sañjātaḥ sagarākhyo mahā-yaśāḥ sagaraś cakravarty āsīt sāgaro yat-sutaiḥ kṛtaḥ

Da die Nebenfrauen dies wussten, gaben sie ihr Gift zusammen mit der Speise; doch zusammen mit eben diesem Gift wurde ein Sohn von großem Ruhm geboren, der deshalb Sagara genannt wurde. Sagara wurde später Weltherrscher, und von seinen Söhnen wurde der Ort Sāgara ausgehoben.

Wort für Wort
ājñāya
da sie (dies) wussten
asyai sapatnībhiḥ
ihr, der schwangeren Königin, von den Nebenfrauen
garaḥ dattaḥ andhasā saha
wurde Gift zusammen mit der Speise gegeben
saha tena eva sañjātaḥ
zusammen mit eben diesem (Gift) wurde geboren
sagara-ākhyaḥ mahā-yaśāḥ
der ruhmreiche, genannt Sagara
sagaraḥ cakravartī āsīt
Sagara wurde Weltherrscher
sāgaraḥ yat-sutaiḥ kṛtaḥ
(der Ort) Sāgara wurde von dessen Söhnen ausgehoben

yas tālajaṅghān yavanāñ chakān haihaya-barbarān nāvadhīd guru-vākyena cakre vikṛta-veṣiṇaḥ muṇḍān śmaśru-dharān kāṁścin mukta-keśārdha-muṇḍitān anantar-vāsasaḥ kāṁścid abahir-vāsaso 'parān

Er, Sagara, tötete auf Geheiß seines Lehrers die Tālajaṅghas, Yavanas, Śakas, Haihayas und Barbaras nicht, sondern gab ihnen ein entstelltes Aussehen: manche schor er kahl, ließ ihnen aber den Bart stehen; manche ließ er mit offenem Haar halb geschoren; manche ohne Unterkleidung, und andere wieder ohne Oberkleidung.

Wort für Wort
yaḥ tālajaṅghān yavanān śakān haihaya-barbarān
er (Sagara) die Tālajaṅghas, Yavanas, Śakas, Haihayas und Barbaras
na avadhīt guru-vākyena
tötete nicht, auf das Wort seines Lehrers hin
cakre vikṛta-veṣiṇaḥ
machte (sie) von entstelltem Äußeren
muṇḍān śmaśru-dharān kāṁścit
manche kahlgeschoren, doch bärtig
mukta-keśa-ardha-muṇḍitān
(manche) mit offenem Haar, halb geschoren
anantar-vāsasaḥ kāṁścit
manche ohne Unterkleid
abahir-vāsasaḥ aparān
andere ohne Oberkleid

[Anm.: vedabase.io war zweimal (HTTP 429) nicht erreichbar; Text und Wort-für-Wort-Gliederung stammen aus prabhupadabooks.com, das nur undiakritisiertes Romanisiert liefert. Die IAST-Diakritika wurden anhand des bekannten Sanskrit-Wortlauts (tālajaṅghān, yavanān, śakān, muṇḍān, śmaśru, keśārdha, muṇḍitān, vāsasaḥ) eigenständig rekonstruiert.]

so 'śvamedhair ayajata sarva-veda-surātmakam aurvopadiṣṭa-yogena harim ātmānam īśvaram tasyotsṛṣṭaṁ paśuṁ yajñe jahārāśvaṁ purandaraḥ

Er verehrte, nach der von Aurva gelehrten Methode, mit Aśvamedha-Opfern Hari, die Überseele und den höchsten Herrscher, der die Wesenheit allen vedischen Wissens und aller Götter ist. Doch das für das Opfer freigelassene Tier, das Pferd, raubte Purandara.

Wort für Wort
saḥ aśvamedhaiḥ ayajata
er verehrte mit Aśvamedha-Opfern
sarva-veda-sura-ātmakam
der die Wesenheit allen vedischen Wissens und aller Götter ist
aurva-upadiṣṭa-yogena
nach der von Aurva gelehrten Methode
harim ātmānam īśvaram
Hari, die Überseele, den höchsten Herrscher
tasya utsṛṣṭam paśum yajñe
das für das Opfer freigelassene Opfertier
jahāra aśvam purandaraḥ
raubte das Pferd, Purandara (Indra)

sumatyās tanayā dṛptāḥ pitur ādeśa-kāriṇaḥ hayam anveṣamāṇās te samantān nyakhanan mahīm

Die stolzen Söhne der Sumatī, dem Befehl ihres Vaters folgend, gruben, während sie auf der Suche nach dem Pferd waren, überall die Erde auf.

Wort für Wort
sumatyāḥ tanayāḥ dṛptāḥ
die stolzen Söhne der Sumatī
pituḥ ādeśa-kāriṇaḥ
dem Befehl des Vaters folgend
hayam anveṣamāṇāḥ te
sie, auf der Suche nach dem Pferd
samantāt nyakhanan mahīm
gruben überall die Erde auf

prāg-udīcyāṁ diśi hayaṁ dadṛśuḥ kapilāntike eṣa vāji-haraś caura āste mīlita-locanaḥ hanyatāṁ hanyatāṁ pāpa iti ṣaṣṭi-sahasriṇaḥ udāyudhā abhiyayur unmimeṣa tadā muniḥ

In nordöstlicher Richtung erblickten sie das Pferd, nahe bei Kapila. 'Dies ist der Pferderäuber, der Dieb, der mit geschlossenen Augen dasitzt! Er werde erschlagen, erschlagen, der Sünder!' - so rufend stürmten die Sechzigtausend mit erhobenen Waffen heran; da öffnete der Weise die Augen.

Wort für Wort
prāk-udīcyām diśi hayam dadṛśuḥ
in nordöstlicher Richtung sahen sie das Pferd
kapila-antike
nahe bei Kapila
eṣaḥ vāji-haraḥ cauraḥ
'dies ist der Pferderäuber, der Dieb'
āste mīlita-locanaḥ
er sitzt mit geschlossenen Augen
hanyatām hanyatām pāpaḥ iti
'er werde erschlagen, erschlagen, der Sünder!' so (rufend)
ṣaṣṭi-sahasriṇaḥ
die Sechzigtausend
udāyudhāḥ abhiyayuḥ
stürmten mit erhobenen Waffen heran
unmimeṣa tadā muniḥ
da öffnete der Weise die Augen

sva-śarīrāgninā tāvan mahendra-hṛta-cetasaḥ mahad-vyatikrama-hatā bhasmasād abhavan kṣaṇāt

Sogleich, durch das Feuer aus ihrem eigenen Leib, wurden sie - deren Verstand von Mahendra geraubt worden war und die durch ihre Übertretung gegen einen Großen zerstört wurden - im Augenblick zu Asche.

Wort für Wort
sva-śarīra-agninā tāvat
sogleich durch das Feuer aus ihrem eigenen Leib
mahendra-hṛta-cetasaḥ
die, deren Bewusstsein von Mahendra geraubt war
mahat-vyatikrama-hatāḥ
vernichtet durch die Übertretung gegen einen Großen
bhasmasāt abhavan kṣaṇāt
wurden im Augenblick zu Asche

na sādhu-vādo muni-kopa- bharjitā nṛpendra-putrā iti sattva-dhāmani kathaṁ tamo roṣamayaṁ vibhāvyate jagat-pavitrātmani khe rajo bhuvaḥ

Nicht zutreffend ist die Aussage 'die Söhne des Königs wurden vom Zorn des Weisen verbrannt' - denn wie sollte in ihm, der der Sitz der Güte ist, Dunkelheit in Gestalt von Zorn entstehen? Ebenso wenig wie im Luftraum, der die Welt reinigt, der Staub der Erde entstehen kann.

Wort für Wort
na sādhu-vādaḥ
keine zutreffende Aussage
muni-kopa-bharjitāḥ
'vom Zorn des Weisen verbrannt'
nṛpendra-putrāḥ iti
'die Söhne des Königs' - so (heißt es)
sattva-dhāmani
in ihm, dem Sitz der Güte
katham tamaḥ roṣa-mayam vibhāvyate
wie sollte Dunkelheit in Form von Zorn entstehen
jagat-pavitra-ātmani khe
im Luftraum, dessen Wesen die Welt reinigt
rajaḥ bhuvaḥ
der Staub der Erde

yasyeritā sāṅkhyamayī dṛḍheha naur yayā mumukṣus tarate duratyayam bhavārṇavaṁ mṛtyu-pathaṁ vipaścitaḥ parātma-bhūtasya kathaṁ pṛthaṅ-matiḥ

Von wem in dieser Welt das feste Boot des Sāṅkhya-Wissens verkündet wurde, mit dem der nach Befreiung Strebende den schwer zu überquerenden Ozean des weltlichen Daseins, den Pfad des Todes, überquert - wie könnte in diesem Weisen, der zum höchsten Selbst geworden ist, eine trennende Gesinnung bestehen?

Wort für Wort
yasya īritā
von dem verkündet wurde
sāṅkhya-mayī dṛḍhā iha nauḥ
das feste Boot des Sāṅkhya-Wissens in dieser Welt
yayā mumukṣuḥ tarate
mit dem der nach Befreiung Strebende überquert
duratyayam bhava-arṇavam
den schwer zu überquerenden Ozean des (weltlichen) Daseins
mṛtyu-patham
den Pfad des Todes
vipaścitaḥ para-ātma-bhūtasya
in ihm, dem Weisen, der zum höchsten Selbst geworden ist
katham pṛthak-matiḥ
wie (könnte da) eine trennende Gesinnung (sein)

yo 'samañjasa ity uktaḥ sa keśinyā nṛpātmajaḥ tasya putro 'ṁśumān nāma pitāmaha-hite rataḥ

Er, der 'Asamañjasa' genannt wurde, war der Sohn des Königs von Keśinī. Dessen Sohn, mit Namen Aṁśumān, war stets dem Wohl seines Großvaters zugetan.

Wort für Wort
yaḥ asamañjasaḥ iti uktaḥ
er, der Asamañjasa genannt wurde
saḥ keśinyāḥ nṛpa-ātmajaḥ
er, der Sohn des Königs von (seiner Gattin) Keśinī
tasya putraḥ aṁśumān nāma
dessen Sohn, mit Namen Aṁśumān
pitāmaha-hite rataḥ
dem Wohl des Großvaters zugetan

asamañjasa ātmānaṁ darśayann asamañjasam jāti-smaraḥ purā saṅgād yogī yogād vicālitaḥ ācaran garhitaṁ loke jñātīnāṁ karma vipriyam sarayvāṁ krīḍato bālān prāsyad udvejayañ janam

Asamañjasa, der sich selbst als 'unpassend' erwies, war einst, sich an sein früheres Leben erinnernd, ein Yogī gewesen, der durch schlechte Gesellschaft vom Pfad des Yoga abgebracht worden war. Er verhielt sich in der Öffentlichkeit verwerflich und tat den Verwandten Unliebsames: Knaben, die im Sarayū spielten, warf er ins Wasser und versetzte die Leute in Schrecken.

Wort für Wort
asamañjasaḥ ātmānam darśayan asamañjasam
Asamañjasa, sich selbst als unpassend zeigend
jāti-smaraḥ purā
einst, sich seiner früheren Geburt erinnernd
saṅgāt yogī yogāt vicālitaḥ
durch (schlechte) Gesellschaft, obwohl ein Yogī, vom Yoga abgebracht
ācaran garhitam loke
sich in der Öffentlichkeit verwerflich verhaltend
jñātīnām karma vipriyam
den Verwandten unliebsame Taten (tuend)
sarayvām krīḍataḥ bālān
die im Sarayū spielenden Knaben
prāsyat udvejayan janam
warf (er ins Wasser), die Leute erschreckend

evaṁ vṛttaḥ parityaktaḥ pitrā sneham apohya vai yogaiśvaryeṇa bālāṁs tān darśayitvā tato yayau

So sich verhaltend, wurde er vom Vater verstoßen, der seine Zuneigung aufgegeben hatte; nachdem er jedoch durch yogische Macht jene Knaben wieder gezeigt hatte, zog er danach fort.

Wort für Wort
evam vṛttaḥ
so sich verhaltend
parityaktaḥ pitrā
vom Vater verstoßen
sneham apohya vai
nachdem (dieser) die Zuneigung aufgegeben hatte
yoga-aiśvaryeṇa
durch yogische Macht
bālān tān darśayitvā
nachdem er jene Knaben gezeigt hatte
tataḥ yayau
zog er danach fort

ayodhyā-vāsinaḥ sarve bālakān punar āgatān dṛṣṭvā visismire rājan rājā cāpy anvatapyata

Als alle Bewohner Ayodhyās sahen, dass die Knaben zurückgekehrt waren, gerieten sie in Erstaunen, o König; und auch der König grämte sich sehr.

Wort für Wort
ayodhyā-vāsinaḥ sarve
alle Bewohner Ayodhyās
bālakān punaḥ āgatān dṛṣṭvā
als sie die zurückgekehrten Knaben sahen
visismire rājan
gerieten in Erstaunen, o König
rājā ca api anvatapyata
und auch der König grämte sich

aṁśumāṁś codito rājñā turagānveṣaṇe yayau pitṛvya-khātānupathaṁ bhasmānti dadṛśe hayam

Aṁśumān, vom König beauftragt, zog aus, um das Pferd zu suchen; dem Pfad folgend, den seine Onkel gegraben hatten, sah er das Pferd nahe dem Aschehaufen.

Wort für Wort
aṁśumān coditaḥ rājñā
Aṁśumān, vom König beauftragt
turaga-anveṣaṇe yayau
zog aus, um das Pferd zu suchen
pitṛvya-khāta-anupatham
dem von den Onkeln gegrabenen Pfad folgend
bhasma-anti dadṛśe hayam
nahe der Asche sah er das Pferd

tatrāsīnaṁ muniṁ vīkṣya kapilākhyam adhokṣajam astaut samāhita-manāḥ prāñjaliḥ praṇato mahān

Als er dort den sitzenden Weisen, genannt Kapila, den den Sinnen Unzugänglichen, erblickte, pries ihn der Erhabene mit gesammeltem Geist, mit gefalteten Händen und sich verneigend.

Wort für Wort
tatra āsīnam munim vīkṣya
als er den dort sitzenden Weisen sah
kapila-ākhyam adhokṣajam
genannt Kapila, den den Sinnen Unzugänglichen
astaut samāhita-manāḥ
pries (ihn) mit gesammeltem Geist
prāñjaliḥ praṇataḥ mahān
der Erhabene, mit gefalteten Händen sich verneigend

aṁśumān uvāca na paśyati tvāṁ param ātmano 'jano na budhyate 'dyāpi samādhi-yuktibhiḥ kuto 'pare tasya manaḥ-śarīra-dhī- visarga-sṛṣṭā vayam aprakāśāḥ

Aṁśumān sprach: Selbst der Ungeborene, der Ursprung unseres Selbst, sieht Dich, den Höchsten, nicht; er erkennt Dich bis heute nicht, weder durch Meditation noch durch Erwägung. Wie erst könnten wir anderen, aus seiner Schöpfung von Geist, Körper und Verstand hervorgegangenen, ohne inneres Licht Seienden, Dich erkennen?

Wort für Wort
aṁśumān uvāca
Aṁśumān sprach
na paśyati tvām param
(selbst) sieht Dich, den Höchsten, nicht
ātmanaḥ ajanaḥ
der Ungeborene, (der Ursprung) unseres Selbst (Brahmā)
na budhyate adya api
erkennt (Dich) bis heute nicht
samādhi-yuktibhiḥ
durch Meditation oder Erwägung
kutaḥ apare
wie erst (könnten) andere
tasya manaḥ-śarīra-dhī-visarga-sṛṣṭāḥ
von ihm in der Schöpfung von Geist, Körper (und) Verstand hervorgebracht
vayam aprakāśāḥ
wir, die (wir) ohne (inneres) Licht (sind)

ye deha-bhājas tri-guṇa-pradhānā guṇān vipaśyanty uta vā tamaś ca yan-māyayā mohita-cetasas tvāṁ viduḥ sva-saṁsthaṁ na bahiḥ-prakāśāḥ

Jene verkörperten Wesen, beherrscht von den drei Erscheinungsweisen, sehen nur die Erscheinungsweisen oder auch nur die Dunkelheit; deren Herz durch Deine Māyā verwirrt ist, erkennen Dich nicht, der Du in ihnen selbst weilst - denn sie sind nur nach außen hin erleuchtet.

Wort für Wort
ye deha-bhājaḥ
jene verkörperten Wesen, die
tri-guṇa-pradhānāḥ
von den drei Erscheinungsweisen beherrscht
guṇān vipaśyanti uta vā tamaḥ ca
nur die Erscheinungsweisen sehen, oder auch nur die Dunkelheit
yan-māyayā mohita-cetasaḥ
deren Herz durch Deine Māyā verwirrt ist
tvām viduḥ sva-saṃstham na
erkennen Dich, der (Du) in ihnen selbst weilst, nicht
bahiḥ-prakāśāḥ
(sie sind) nur nach außen hin erleuchtet

taṁ tvāṁ ahaṁ jñāna-ghanaṁ svabhāva-pradhvasta-māyā-guṇa-bheda-mohaiḥ sanandanādyair munibhir vibhāvyaṁ kathaṁ vimūḍhaḥ paribhāvayāmi

Wie sollte ich, der Verblendete, Dich, das geballte Wissen, erfassen können, den nur die Weisen wie Sanandana u.a. erfassen können, die von Natur aus die durch die Erscheinungsweisen der Māyā bewirkte Verblendung der Unterscheidung zerstört haben?

Wort für Wort
tam tvām aham jñāna-ghanam
Dich, geballtes Wissen (seiend)
svabhāva-pradhvasta-māyā-guṇa-bheda-mohaiḥ
die von Natur aus die durch die Erscheinungsweisen der Māyā (bewirkte) Verblendung der Unterscheidung zerstört haben
sanandana-ādyaiḥ munibhiḥ
von den Weisen, angeführt von Sanandana
vibhāvyam
erfassbar
katham vimūḍhaḥ paribhāvayāmi
wie (könnte) ich, der Verblendete, (Dich) erfassen

praśānta māyā-guṇa-karma-liṅgam anāma-rūpaṁ sad-asad-vimuktam jñānopadeśāya gṛhīta-dehaṁ namāmahe tvāṁ puruṣaṁ purāṇam

Wir verneigen uns vor Dir, dem uranfänglichen Purusha, dem gänzlich Friedvollen, dessen Merkmal aus den Erscheinungsweisen und Wirkungen der Māyā besteht, der ohne weltlichen Namen und Gestalt und frei vom Manifesten wie Unmanifesten ist, und der nur zur Unterweisung im Wissen einen Leib angenommen hat.

Wort für Wort
praśānta
der gänzlich Friedvolle
māyā-guṇa-karma-liṅgam
dessen (äußeres) Merkmal aus den Erscheinungsweisen und Wirkungen der Māyā (besteht)
anāma-rūpam
ohne (weltlichen) Namen und Gestalt
sad-asad-vimuktam
frei vom Manifesten und Unmanifesten
jñāna-upadeśāya
zur Unterweisung im Wissen
gṛhīta-deham
(der) einen Leib angenommen hat
namāmahe tvām puruṣam purāṇam
wir verneigen uns vor Dir, dem uranfänglichen Purusha

tvan-māyā-racite loke vastu-buddhyā gṛhādiṣu bhramanti kāma-lobherṣyā- moha-vibhrānta-cetasaḥ

In der von Deiner Māyā geschaffenen Welt wandern jene, deren Herz durch Begierde, Gier, Neid und Verblendung verwirrt ist, in der Auffassung umher, Heim und dergleichen seien real.

Wort für Wort
tvat-māyā-racite loke
in der von Deiner Māyā geschaffenen Welt
vastu-buddhyā gṛha-ādiṣu
in der Auffassung, Heim und dergleichen seien real
bhramanti
wandern (umher)
kāma-lobha-īrṣyā-moha-vibhrānta-cetasaḥ
deren Herz durch Begierde, Gier, Neid und Verblendung verwirrt ist

adya naḥ sarva-bhūtātman kāma-karmendriyāśayaḥ moha-pāśo dṛḍhaś chinno bhagavaṁs tava darśanāt

Heute, o Überseele aller Wesen, o Herr, ist durch das bloße Erblicken Deiner der feste Knoten der Verblendung zerschnitten, dessen Sitz Begierde, Wirken und die Sinne sind.

Wort für Wort
adya naḥ
heute (ist) unser
sarva-bhūta-ātman
o Überseele aller Wesen
kāma-karma-indriya-āśayaḥ
dessen Sitz Begierde, Wirken und die Sinne (sind)
moha-pāśaḥ dṛḍhaḥ
der feste Knoten der Verblendung
chinnaḥ
(ist) zerschnitten
bhagavan tava darśanāt
o Herr, durch das Erblicken Deiner

śrī-śuka uvāca ittham gītānubhāvas taṁ bhagavān kapilo muniḥ aṁśumantam uvācedam anugrāhya dhiyā nṛpa

Śrī Śuka sprach: Nachdem so seine Herrlichkeit besungen worden war, sprach der Erhabene, der Weise Kapila, gnädig, mit erleuchtendem Wissen, zu Aṁśumān Folgendes, o König.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
ittham gīta-anubhāvaḥ
so, dessen Herrlichkeit besungen worden war
tam bhagavān kapilaḥ muniḥ
zu ihm (sprach) der Erhabene, der Weise Kapila
aṁśumantam uvāca idam
sprach zu Aṁśumān dies
anugrāhya dhiyā
gnädig, mit erleuchtendem Wissen
nṛpa
o König (Parīkṣit)

śrī-bhagavān uvāca aśvo 'yaṁ nīyatāṁ vatsa pitāmaha-paśus tava ime ca pitaro dagdhā gaṅgāmbho 'rhanti netarat

Der Erhabene sprach: Dieses Pferd, das Opfertier deines Großvaters, nimm mit, mein Kind. Diese deine Vorväter aber, die verbrannt sind, verdienen allein das Wasser der Gaṅgā, nichts anderes.

Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der Erhabene sprach
aśvaḥ ayam nīyatām vatsa
dieses Pferd nimm mit, mein Kind
pitāmaha-paśuḥ tava
das Opfertier deines Großvaters
ime ca pitaraḥ dagdhāḥ
diese deine verbrannten Vorväter
gaṅgā-ambhaḥ arhanti na itarat
verdienen das Wasser der Gaṅgā, nichts anderes

taṁ parikramya śirasā prasādya hayam ānayat sagaras tena paśunā yajña-śeṣaṁ samāpayat

Nachdem er ihn umschritten und mit gesenktem Haupt dessen Gnade erwirkt hatte, brachte er das Pferd zurück; und mit diesem Opfertier vollendete Sagara den Rest des Opfers.

Wort für Wort
tam parikramya
nachdem er ihn (Kapila) umschritten hatte
śirasā prasādya
mit (gesenktem) Haupt dessen Gnade erwirkend
hayam ānayat
brachte das Pferd zurück
sagaraḥ tena paśunā
Sagara mit diesem Opfertier
yajña-śeṣam samāpayat
vollendete den Rest des Opfers

rājyam aṁśumate nyasya niḥspṛho mukta-bandhanaḥ aurvopadiṣṭa-mārgeṇa lebhe gatim anuttamām

Nachdem er das Königreich dem Aṁśumān übergeben hatte, erlangte er, frei von Verlangen und von aller Bindung erlöst, auf dem von Aurva gelehrten Pfad das höchste Ziel.

Wort für Wort
rājyam aṁśumate nyasya
nachdem er das Königreich dem Aṁśumān übergeben hatte
niḥspṛhaḥ mukta-bandhanaḥ
frei von Verlangen, von (aller) Bindung erlöst
aurva-upadiṣṭa-mārgeṇa
auf dem von Aurva gelehrten Pfad
lebhe gatim anuttamām
erlangte das höchste Ziel

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