Kapitel 185
Die Söhne Sagaras begegnen Herrn Kapiladeva
Das Kapitel schildert die Nachkommenschaft Rohitas bis zu König Sagara, dessen Aśvamedha-Opfer, den Diebstahl des Opferpferdes durch Indra, das ziellose Graben der 60.000 Söhne Sagaras, ihre Begegnung mit dem Weisen Kapila und ihren Tod, sowie schließlich die Reise von Sagaras Enkel Aṁśumān, der das Pferd wiederfindet, Kapila lobpreist und erfährt, dass allein das Wasser der Gaṅgā die Asche seiner Vorväter erlösen kann.
Śrī Śuka sprach: Harita war der Sohn Rohitas; von ihm stammte Campa, der die Stadt Campāpurī erbaute. Von Campa stammte Sudeva, und dessen Sohn war Vijaya.
Dessen Sohn war Bharuka; von ihm stammte Vṛka, und dessen Sohn war Bāhuka. Diesem König wurde von Feinden sein Land geraubt, und so zog er mit seiner Gattin in den Wald.
Wort für Wort
bharukaḥ tat-sutaḥ
Bharuka, dessen (Vijayas) Sohn
tasmāt vṛkaḥ
von ihm (Bharuka, stammte) Vṛka
tasya api bāhukaḥ
dessen (Vṛkas Sohn war) Bāhuka
saḥ aribhiḥ hṛta-bhūḥ rājā
dieser König, dem von Feinden das Land geraubt wurde
Als er, nun alt, den Tod erreicht hatte, wollte die Königin ihm im Tod folgen; doch Aurva, der wusste, dass sie ein Kind in sich trug, hielt sie davon ab.
ājñāyāsyai sapatnībhir
garo datto 'ndhasā saha
saha tenaiva sañjātaḥ
sagarākhyo mahā-yaśāḥ
sagaraś cakravarty āsīt
sāgaro yat-sutaiḥ kṛtaḥ
Da die Nebenfrauen dies wussten, gaben sie ihr Gift zusammen mit der Speise; doch zusammen mit eben diesem Gift wurde ein Sohn von großem Ruhm geboren, der deshalb Sagara genannt wurde. Sagara wurde später Weltherrscher, und von seinen Söhnen wurde der Ort Sāgara ausgehoben.
Wort für Wort
ājñāya
da sie (dies) wussten
asyai sapatnībhiḥ
ihr, der schwangeren Königin, von den Nebenfrauen
garaḥ dattaḥ andhasā saha
wurde Gift zusammen mit der Speise gegeben
saha tena eva sañjātaḥ
zusammen mit eben diesem (Gift) wurde geboren
sagara-ākhyaḥ mahā-yaśāḥ
der ruhmreiche, genannt Sagara
sagaraḥ cakravartī āsīt
Sagara wurde Weltherrscher
sāgaraḥ yat-sutaiḥ kṛtaḥ
(der Ort) Sāgara wurde von dessen Söhnen ausgehoben
Er, Sagara, tötete auf Geheiß seines Lehrers die Tālajaṅghas, Yavanas, Śakas, Haihayas und Barbaras nicht, sondern gab ihnen ein entstelltes Aussehen: manche schor er kahl, ließ ihnen aber den Bart stehen; manche ließ er mit offenem Haar halb geschoren; manche ohne Unterkleidung, und andere wieder ohne Oberkleidung.
Wort für Wort
yaḥ tālajaṅghān yavanān śakān haihaya-barbarān
er (Sagara) die Tālajaṅghas, Yavanas, Śakas, Haihayas und Barbaras
na avadhīt guru-vākyena
tötete nicht, auf das Wort seines Lehrers hin
cakre vikṛta-veṣiṇaḥ
machte (sie) von entstelltem Äußeren
muṇḍān śmaśru-dharān kāṁścit
manche kahlgeschoren, doch bärtig
mukta-keśa-ardha-muṇḍitān
(manche) mit offenem Haar, halb geschoren
anantar-vāsasaḥ kāṁścit
manche ohne Unterkleid
abahir-vāsasaḥ aparān
andere ohne Oberkleid
[Anm.: vedabase.io war zweimal (HTTP 429) nicht erreichbar; Text und Wort-für-Wort-Gliederung stammen aus prabhupadabooks.com, das nur undiakritisiertes Romanisiert liefert. Die IAST-Diakritika wurden anhand des bekannten Sanskrit-Wortlauts (tālajaṅghān, yavanān, śakān, muṇḍān, śmaśru, keśārdha, muṇḍitān, vāsasaḥ) eigenständig rekonstruiert.]
Er verehrte, nach der von Aurva gelehrten Methode, mit Aśvamedha-Opfern Hari, die Überseele und den höchsten Herrscher, der die Wesenheit allen vedischen Wissens und aller Götter ist. Doch das für das Opfer freigelassene Tier, das Pferd, raubte Purandara.
Wort für Wort
saḥ aśvamedhaiḥ ayajata
er verehrte mit Aśvamedha-Opfern
sarva-veda-sura-ātmakam
der die Wesenheit allen vedischen Wissens und aller Götter ist
In nordöstlicher Richtung erblickten sie das Pferd, nahe bei Kapila. 'Dies ist der Pferderäuber, der Dieb, der mit geschlossenen Augen dasitzt! Er werde erschlagen, erschlagen, der Sünder!' - so rufend stürmten die Sechzigtausend mit erhobenen Waffen heran; da öffnete der Weise die Augen.
Wort für Wort
prāk-udīcyām diśi hayam dadṛśuḥ
in nordöstlicher Richtung sahen sie das Pferd
kapila-antike
nahe bei Kapila
eṣaḥ vāji-haraḥ cauraḥ
'dies ist der Pferderäuber, der Dieb'
āste mīlita-locanaḥ
er sitzt mit geschlossenen Augen
hanyatām hanyatām pāpaḥ iti
'er werde erschlagen, erschlagen, der Sünder!' so (rufend)
Sogleich, durch das Feuer aus ihrem eigenen Leib, wurden sie - deren Verstand von Mahendra geraubt worden war und die durch ihre Übertretung gegen einen Großen zerstört wurden - im Augenblick zu Asche.
Wort für Wort
sva-śarīra-agninā tāvat
sogleich durch das Feuer aus ihrem eigenen Leib
mahendra-hṛta-cetasaḥ
die, deren Bewusstsein von Mahendra geraubt war
mahat-vyatikrama-hatāḥ
vernichtet durch die Übertretung gegen einen Großen
na sādhu-vādo muni-kopa-
bharjitā nṛpendra-putrā
iti sattva-dhāmani
kathaṁ tamo roṣamayaṁ vibhāvyate
jagat-pavitrātmani khe rajo bhuvaḥ
Nicht zutreffend ist die Aussage 'die Söhne des Königs wurden vom Zorn des Weisen verbrannt' - denn wie sollte in ihm, der der Sitz der Güte ist, Dunkelheit in Gestalt von Zorn entstehen? Ebenso wenig wie im Luftraum, der die Welt reinigt, der Staub der Erde entstehen kann.
Von wem in dieser Welt das feste Boot des Sāṅkhya-Wissens verkündet wurde, mit dem der nach Befreiung Strebende den schwer zu überquerenden Ozean des weltlichen Daseins, den Pfad des Todes, überquert - wie könnte in diesem Weisen, der zum höchsten Selbst geworden ist, eine trennende Gesinnung bestehen?
Wort für Wort
yasya īritā
von dem verkündet wurde
sāṅkhya-mayī dṛḍhā iha nauḥ
das feste Boot des Sāṅkhya-Wissens in dieser Welt
yayā mumukṣuḥ tarate
mit dem der nach Befreiung Strebende überquert
duratyayam bhava-arṇavam
den schwer zu überquerenden Ozean des (weltlichen) Daseins
mṛtyu-patham
den Pfad des Todes
vipaścitaḥ para-ātma-bhūtasya
in ihm, dem Weisen, der zum höchsten Selbst geworden ist
Asamañjasa, der sich selbst als 'unpassend' erwies, war einst, sich an sein früheres Leben erinnernd, ein Yogī gewesen, der durch schlechte Gesellschaft vom Pfad des Yoga abgebracht worden war. Er verhielt sich in der Öffentlichkeit verwerflich und tat den Verwandten Unliebsames: Knaben, die im Sarayū spielten, warf er ins Wasser und versetzte die Leute in Schrecken.
Wort für Wort
asamañjasaḥ ātmānam darśayan asamañjasam
Asamañjasa, sich selbst als unpassend zeigend
jāti-smaraḥ purā
einst, sich seiner früheren Geburt erinnernd
saṅgāt yogī yogāt vicālitaḥ
durch (schlechte) Gesellschaft, obwohl ein Yogī, vom Yoga abgebracht
evaṁ vṛttaḥ parityaktaḥ
pitrā sneham apohya vai
yogaiśvaryeṇa bālāṁs tān
darśayitvā tato yayau
So sich verhaltend, wurde er vom Vater verstoßen, der seine Zuneigung aufgegeben hatte; nachdem er jedoch durch yogische Macht jene Knaben wieder gezeigt hatte, zog er danach fort.
Aṁśumān, vom König beauftragt, zog aus, um das Pferd zu suchen; dem Pfad folgend, den seine Onkel gegraben hatten, sah er das Pferd nahe dem Aschehaufen.
Als er dort den sitzenden Weisen, genannt Kapila, den den Sinnen Unzugänglichen, erblickte, pries ihn der Erhabene mit gesammeltem Geist, mit gefalteten Händen und sich verneigend.
Wort für Wort
tatra āsīnam munim vīkṣya
als er den dort sitzenden Weisen sah
kapila-ākhyam adhokṣajam
genannt Kapila, den den Sinnen Unzugänglichen
astaut samāhita-manāḥ
pries (ihn) mit gesammeltem Geist
prāñjaliḥ praṇataḥ mahān
der Erhabene, mit gefalteten Händen sich verneigend
aṁśumān uvāca
na paśyati tvāṁ param ātmano 'jano
na budhyate 'dyāpi samādhi-yuktibhiḥ
kuto 'pare tasya manaḥ-śarīra-dhī-
visarga-sṛṣṭā vayam aprakāśāḥ
Aṁśumān sprach: Selbst der Ungeborene, der Ursprung unseres Selbst, sieht Dich, den Höchsten, nicht; er erkennt Dich bis heute nicht, weder durch Meditation noch durch Erwägung. Wie erst könnten wir anderen, aus seiner Schöpfung von Geist, Körper und Verstand hervorgegangenen, ohne inneres Licht Seienden, Dich erkennen?
Wort für Wort
aṁśumān uvāca
Aṁśumān sprach
na paśyati tvām param
(selbst) sieht Dich, den Höchsten, nicht
ātmanaḥ ajanaḥ
der Ungeborene, (der Ursprung) unseres Selbst (Brahmā)
na budhyate adya api
erkennt (Dich) bis heute nicht
samādhi-yuktibhiḥ
durch Meditation oder Erwägung
kutaḥ apare
wie erst (könnten) andere
tasya manaḥ-śarīra-dhī-visarga-sṛṣṭāḥ
von ihm in der Schöpfung von Geist, Körper (und) Verstand hervorgebracht
ye deha-bhājas tri-guṇa-pradhānā
guṇān vipaśyanty uta vā tamaś ca
yan-māyayā mohita-cetasas
tvāṁ viduḥ sva-saṁsthaṁ na bahiḥ-prakāśāḥ
Jene verkörperten Wesen, beherrscht von den drei Erscheinungsweisen, sehen nur die Erscheinungsweisen oder auch nur die Dunkelheit; deren Herz durch Deine Māyā verwirrt ist, erkennen Dich nicht, der Du in ihnen selbst weilst - denn sie sind nur nach außen hin erleuchtet.
Wort für Wort
ye deha-bhājaḥ
jene verkörperten Wesen, die
tri-guṇa-pradhānāḥ
von den drei Erscheinungsweisen beherrscht
guṇān vipaśyanti uta vā tamaḥ ca
nur die Erscheinungsweisen sehen, oder auch nur die Dunkelheit
yan-māyayā mohita-cetasaḥ
deren Herz durch Deine Māyā verwirrt ist
tvām viduḥ sva-saṃstham na
erkennen Dich, der (Du) in ihnen selbst weilst, nicht
Wie sollte ich, der Verblendete, Dich, das geballte Wissen, erfassen können, den nur die Weisen wie Sanandana u.a. erfassen können, die von Natur aus die durch die Erscheinungsweisen der Māyā bewirkte Verblendung der Unterscheidung zerstört haben?
Wort für Wort
tam tvām aham jñāna-ghanam
Dich, geballtes Wissen (seiend)
svabhāva-pradhvasta-māyā-guṇa-bheda-mohaiḥ
die von Natur aus die durch die Erscheinungsweisen der Māyā (bewirkte) Verblendung der Unterscheidung zerstört haben
sanandana-ādyaiḥ munibhiḥ
von den Weisen, angeführt von Sanandana
vibhāvyam
erfassbar
katham vimūḍhaḥ paribhāvayāmi
wie (könnte) ich, der Verblendete, (Dich) erfassen
Wir verneigen uns vor Dir, dem uranfänglichen Purusha, dem gänzlich Friedvollen, dessen Merkmal aus den Erscheinungsweisen und Wirkungen der Māyā besteht, der ohne weltlichen Namen und Gestalt und frei vom Manifesten wie Unmanifesten ist, und der nur zur Unterweisung im Wissen einen Leib angenommen hat.
Wort für Wort
praśānta
der gänzlich Friedvolle
māyā-guṇa-karma-liṅgam
dessen (äußeres) Merkmal aus den Erscheinungsweisen und Wirkungen der Māyā (besteht)
anāma-rūpam
ohne (weltlichen) Namen und Gestalt
sad-asad-vimuktam
frei vom Manifesten und Unmanifesten
jñāna-upadeśāya
zur Unterweisung im Wissen
gṛhīta-deham
(der) einen Leib angenommen hat
namāmahe tvām puruṣam purāṇam
wir verneigen uns vor Dir, dem uranfänglichen Purusha
In der von Deiner Māyā geschaffenen Welt wandern jene, deren Herz durch Begierde, Gier, Neid und Verblendung verwirrt ist, in der Auffassung umher, Heim und dergleichen seien real.
Wort für Wort
tvat-māyā-racite loke
in der von Deiner Māyā geschaffenen Welt
vastu-buddhyā gṛha-ādiṣu
in der Auffassung, Heim und dergleichen seien real
bhramanti
wandern (umher)
kāma-lobha-īrṣyā-moha-vibhrānta-cetasaḥ
deren Herz durch Begierde, Gier, Neid und Verblendung verwirrt ist
Heute, o Überseele aller Wesen, o Herr, ist durch das bloße Erblicken Deiner der feste Knoten der Verblendung zerschnitten, dessen Sitz Begierde, Wirken und die Sinne sind.
Śrī Śuka sprach: Nachdem so seine Herrlichkeit besungen worden war, sprach der Erhabene, der Weise Kapila, gnädig, mit erleuchtendem Wissen, zu Aṁśumān Folgendes, o König.
śrī-bhagavān uvāca
aśvo 'yaṁ nīyatāṁ vatsa
pitāmaha-paśus tava
ime ca pitaro dagdhā
gaṅgāmbho 'rhanti netarat
Der Erhabene sprach: Dieses Pferd, das Opfertier deines Großvaters, nimm mit, mein Kind. Diese deine Vorväter aber, die verbrannt sind, verdienen allein das Wasser der Gaṅgā, nichts anderes.
Nachdem er ihn umschritten und mit gesenktem Haupt dessen Gnade erwirkt hatte, brachte er das Pferd zurück; und mit diesem Opfertier vollendete Sagara den Rest des Opfers.
Nachdem er das Königreich dem Aṁśumān übergeben hatte, erlangte er, frei von Verlangen und von aller Bindung erlöst, auf dem von Aurva gelehrten Pfad das höchste Ziel.
Wort für Wort
rājyam aṁśumate nyasya
nachdem er das Königreich dem Aṁśumān übergeben hatte