Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 124 Nārada Muni wird von Prajāpati Dakṣa verflucht

Quellanomalie: vedabase.io war nach Vers 3 durch eine anhaltende Sperre/Ratenbegrenzung des Zugangsproxys nicht mehr erreichbar (wiederholte 429- bzw. 404-Fehler trotz mehrfacher, weit auseinanderliegender Versuche). Fuer die Verse 1-3 wurde IAST-Text und Wort-fuer-Wort-Gloss-Tabelle direkt von vedabase.io abgerufen und mit dem unten genannten lokalen Referenztext abgeglichen (identisch). Fuer die Verse 4-44 wurde der IAST-Grundtext stattdessen der lokal verfuegbaren wissenschaftlichen GRETIL-Ausgabe des Bhagavata-Purana (Datei bhagp/bhp_06u.htm, Skandha 6, Kapitel 5, Verse 1-44) entnommen, die mit den drei erfolgreich abgerufenen vedabase-Versen identisch ist. Die deutsche Wort-fuer-Wort-Gloss-Tabelle sowie die Uebersetzung wurden fuer alle 44 Verse eigenstaendig aus dem Sanskrit erarbeitet (wie von der Methodik ohnehin gefordert), ohne Ruecksicht auf eine vorbestehende englische oder deutsche Uebersetzung.

śrī-śuka uvāca tasyāṃ sa pāñcajanyāṃ vai viṣṇu-māyopabṛṃhitaḥ haryaśva-saṃjñān ayutaṃ putrān ajanayad vibhuḥ

Śrī Śuka sprach: In ihr, [seiner Gattin] Pāñcajanī, zeugte er, der Mächtige [Dakṣa], gestärkt durch Viṣṇus Māyā, zehntausend Söhne mit Namen Haryaśva.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka (Nom.) sprach (3.Sg.Perf.)
tasyām
in ihr (Lok.Sg.f.)
saḥ
er (Nom.Sg., =Dakṣa)
pāñcajanyām
[in] Pāñcajanī (Lok.Sg., Name der Gattin)
vai
wahrlich (Partikel)
viṣṇu-māyā-upabṛṃhitaḥ
durch Viṣṇus Māyā gestärkt/befähigt (Nom.Sg., PPP)
haryaśva-saṃjñān
mit Namen Haryaśva (Akk.Pl.)
ayutam
zehntausend (Akk.Sg., Zahlwort)
putrān
Söhne (Akk.Pl.)
ajanayat
er zeugte (3.Sg.Impf., Kaus. von √jan)
vibhuḥ
der Mächtige (Nom.Sg., Beiname Dakṣas)

apṛthag-dharma-śīlās te sarve dākṣāyaṇā nṛpa pitrā proktāḥ prajā-sarge pratīcīṃ prayayur diśam

Sie alle, die Söhne Dakṣas, o König, von ungetrennter [d.h. gleicher] Wesensart und Tugend, vom Vater zur Erzeugung von Nachkommenschaft angewiesen, zogen in die westliche Richtung.

Wort für Wort
apṛthak-dharma-śīlāḥ
deren Rechtschaffenheit und Wesensart nicht getrennt/verschieden [voneinander] sind (Nom.Pl., Bahuvrihi)
te
sie (Nom.Pl.)
sarve
alle (Nom.Pl.)
dākṣāyaṇāḥ
die Söhne Dakṣas (Nom.Pl.)
nṛpa
o König (Vok.Sg., Anrede an Parīkṣit)
pitrā
vom Vater (Instr.Sg.)
proktāḥ
angewiesen, aufgefordert (Nom.Pl., PPP)
prajā-sarge
zur Erzeugung von Nachkommenschaft (Lok.Sg.)
pratīcīm
nach Westen (Akk.Sg.f., Richtung)
prayayuḥ
sie zogen fort (3.Pl.Perf. von pra-√yā)
diśam
die Richtung (Akk.Sg.)

tatra nārāyaṇa-saras tīrthaṃ sindhu-samudrayoḥ saṅgamo yatra sumahan muni-siddha-niṣevitam

Dort [befindet sich] die heilige Stätte namens Nārāyaṇa-saras, wo der Zusammenfluss von [dem Fluss] Sindhu und dem Meer ist - ein sehr bedeutender [Ort], der von Weisen und vollendeten Seelen aufgesucht wird.

Wort für Wort
tatra
dort (Adv.)
nārāyaṇa-saraḥ
[der See] Nārāyaṇa-saras (Nom.Sg., Name)
tīrtham
heilige Stätte, Pilgerort (Nom.Sg.)
sindhu-samudrayoḥ
von [Fluss] Sindhu und Meer (Gen.Du.)
saṅgamaḥ
der Zusammenfluss (Nom.Sg.)
yatra
wo (Adv.)
su-mahat
sehr groß, sehr bedeutend (Nom.Sg.n.)
muni-siddha-niṣevitam
von Weisen und vollendeten Wesen aufgesucht (Nom.Sg.n., PPP)

tad-upasparśanād eva vinirdhūta-malāśayāḥ dharme pāramahaṃsye ca protpanna-matayo 'py uta

Allein durch die Berührung mit jenem [Wasser] war der Schmutz ihres Herzens gänzlich fortgewaschen, und in der Lehre der Paramahaṃsas [den höchsten Vollkommenen] erwachte sogleich ihr Verständnis.

Wort für Wort
tad-upasparśanāt
durch die Berührung davon [des heiligen Wassers] (Abl.Sg.)
eva
allein, gerade (Partikel)
vinirdhūta-mala-āśayāḥ
deren Herzensschmutz gänzlich fortgewaschen war (Nom.Pl., Bahuvrihi)
dharme pāramahaṃsye
in der Lehre der Paramahaṃsas (Lok.Sg.)
ca
und (Konj.)
protpanna-matayaḥ
deren Verständnis/Einsicht erwacht war (Nom.Pl., Bahuvrihi)
api uta
sogar auch, sogleich (Partikeln)

tepire tapa evograṃ pitrādeśena yantritāḥ prajā-vivṛddhaye yattān devarṣis tān dadarśa ha

Durch die Anweisung des Vaters gebunden, übten sie strenge Askese zur Vermehrung der Nachkommenschaft; und der Götterweise [Nārada] erblickte sie, wie sie sich fürwahr [darum] bemühten.

Wort für Wort
tepire
sie übten [Askese] (3.Pl.Perf.Med. von √tap)
tapaḥ
Askese (Akk.Sg.)
eva
gerade, sehr (Partikel)
ugram
heftig, streng (Akk.Sg.n.)
pitrā-ādeśena
durch die Anweisung des Vaters (Instr.Sg.)
yantritāḥ
gebunden, verpflichtet (Nom.Pl., PPP)
prajā-vivṛddhaye
zur Vermehrung der Nachkommenschaft (Dat.Sg.)
yattān
die sich bemühten (Akk.Pl., PPP von √yat)
deva-ṛṣiḥ
der Götterweise (Nom.Sg., =Nārada)
tān
sie (Akk.Pl.)
dadarśa
er erblickte (3.Sg.Perf. von √dṛś)
ha
wahrlich, fürwahr (Partikel)

uvāca cātha haryaśvāḥ kathaṃ srakṣyatha vai prajāḥ adṛṣṭvāntaṃ bhuvo yūyaṃ bāliśā bata pālakāḥ

Und dann sprach er: 'Wie, o Haryaśvas, wollt ihr Nachkommen erschaffen, ohne das Ende der Erde gesehen zu haben? Ach, ihr seid töricht, o Hüter [dieser Aufgabe]!'

Wort für Wort
uvāca
er sprach (3.Sg.Perf.)
ca atha
und dann (Konj. + Adv.)
haryaśvāḥ
o Haryaśvas (Vok.Pl.)
katham
wie? (Adv.)
srakṣyatha
ihr werdet erschaffen (2.Pl.Fut. von √sṛj)
vai
wahrlich, denn (Partikel)
prajāḥ
Nachkommen (Akk.Pl.)
adṛṣṭvā
ohne gesehen zu haben (Absol.)
antam
das Ende (Akk.Sg.)
bhuvaḥ
der Erde (Gen.Sg.)
yūyam
ihr (Nom.Pl.)
bāliśāḥ
töricht, kindisch (Nom.Pl.)
bata
ach! (Ausrufspartikel)
pālakāḥ
o Hüter, Beschützer (Vok.Pl.)

tathaika-puruṣaṃ rāṣṭraṃ bilaṃ cādṛṣṭa-nirgamam bahu-rūpāṃ striyaṃ cāpi pumāṃsaṃ puṃścalī-patim

[Habt ihr] ebenso [gesehen]: das Reich, das nur von einem einzigen Mann [bewohnt wird], die Höhle, deren Ausgang ungesehen bleibt, die vielgestaltige Frau, sowie den Mann, der der Gatte einer umherschweifenden Frau ist?

Wort für Wort
tathā
ebenso (Adv.)
eka-puruṣam
das nur von einem Mann [bewohnte] (Akk.Sg.n., Adj.)
rāṣṭram
Reich, Land (Akk.Sg.)
bilam
die Höhle (Akk.Sg.)
ca
und (Konj.)
adṛṣṭa-nirgamam
dessen Ausgang ungesehen ist (Akk.Sg.n., Bahuvrihi)
bahu-rūpām
vielgestaltige (Akk.Sg.f.)
striyam
Frau (Akk.Sg.)
ca api
und auch (Konj.)
pumāṃsam
den Mann (Akk.Sg.)
puṃścalī-patim
den Gatten einer umherschweifenden/unzüchtigen Frau (Akk.Sg.)

Rätselhafte Bildrede Nāradas ([?]: die genaue allegorische Deutung der einzelnen Bilder bleibt in der Wort-für-Wort-Ebene offen).

nadīm ubhayato vāhāṃ pañca-pañcādbhutaṃ gṛham kvaciddhaṃsaṃ citrakathaṃ kṣaurapavyaṃ svayaṃ bhrami

[Habt ihr gesehen] den Fluss, der nach beiden Seiten strömt, das Haus mit den fünfundzwanzig wunderbaren [Bestandteilen], bisweilen den Schwan von wundersamer Rede, und [das Rad] mit Rasiermesser-Speichen, das sich von selbst dreht?

Wort für Wort
nadīm
den Fluss (Akk.Sg.f.)
ubhayataḥ vāhām
der nach beiden Seiten fließt (Akk.Sg.f., Bahuvrihi)
pañca-pañca-adbhutam
mit fünfmal fünf [25] wunderbaren [Bestandteilen] (Akk.Sg.n.)
gṛham
das Haus (Akk.Sg.)
kvacit
bisweilen, irgendwo (Adv.)
haṃsam
den Schwan (Akk.Sg.)
citra-katham
von wunderbarer/vielfältiger Rede (Akk.Sg., Adj.)
kṣaura-pavyam
mit Rasiermesser-Speichen/-Radkranz (Akk.Sg., Adj.)
svayam bhrami
sich von selbst drehend (Akk.Sg.n., Adj.)

[?]: allegorisches Rätselbild wie in Vers 7.

kathaṃ svapiturādeśamavidvāṃso vipaścitaḥ anurūpamavijñāya aho sargaṃ kariṣyatha

Wie wollt ihr, unkundig der Anweisung des eigenen Vaters - ach, ihr 'Weisen'! -, ohne das Angemessene erkannt zu haben, die Schöpfung vollbringen?

Wort für Wort
katham
wie? (Adv.)
sva-pituḥ
des eigenen Vaters (Gen.Sg.)
ādeśam
die Anweisung (Akk.Sg.)
avidvāṃsaḥ
unkundig, nicht wissend (Nom.Pl., Perf.Part.)
vipaścitaḥ
o Weise, Gelehrte (Vok.Pl., hier ironisch)
anurūpam
das Angemessene, Passende (Akk.Sg.)
avijñāya
ohne erkannt zu haben (verneinter Absol.)
aho
ach! (Ausrufspartikel)
sargam
die Schöpfung (Akk.Sg.)
kariṣyatha
ihr werdet vollbringen (2.Pl.Fut.)

'vipaścitaḥ' ('Weise') ist hier ironisch gemeint, im Kontrast zu 'bāliśāḥ' (töricht) in Vers 6.

śrī-śuka uvāca tan niśamyātha haryaśvā autpattika-manīṣayā vācaḥ kūṭaṃ tu devarṣeḥ svayaṃ vimamṛśur dhiyā

Śrī Śuka sprach: Als sie das gehört hatten, erwogen die Haryaśvas daraufhin mit angeborener Einsicht selbst den verborgenen Sinn der Rede des Götterweisen, mit [eigenem] Verstand.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka (Nom.) sprach (3.Sg.Perf.)
tat
das (Akk.Sg.)
niśamya
gehört habend (Absol.)
atha
daraufhin (Adv.)
haryaśvāḥ
die Haryaśvas (Nom.Pl.)
autpattika-manīṣayā
mit angeborener/natürlicher Einsicht (Instr.Sg.)
vācaḥ
der Rede (Gen.Sg.)
kūṭam
den verborgenen Sinn, das Rätsel (Akk.Sg.)
tu
aber, nun (Partikel)
devarṣeḥ
des Götterweisen (Gen.Sg.)
svayam
selbst (Adv.)
vimamṛśuḥ
sie erwogen, bedachten (3.Pl.Perf. von vi-√mṛś)
dhiyā
mit [ihrem] Verstand (Instr.Sg.)

bhūḥ kṣetraṃ jīva-saṃjñaṃ yadanādi nijabandhanam adṛṣṭvā tasya nirvāṇaṃ kimasatkarmabhirbhavet

Die Erde ist das 'Feld', 'Lebewesen' genannt, das anfanglos die eigene Fessel [in sich trägt] - ohne dessen Erlöschen [d.h. die Befreiung davon] erkannt zu haben, was könnte durch vergängliche Taten [erreicht werden]?

Wort für Wort
bhūḥ
die Erde (Nom.Sg.)
kṣetram
das Feld (Nom.Sg.)
jīva-saṃjñam
mit Namen 'Jīva'/Lebewesen bezeichnet (Nom.Sg.n., Adj.)
yat
welches (Nom.Sg., Rel.)
anādi
anfanglos (Nom.Sg.n., Adj.)
nija-bandhanam
die eigene Fessel/Bindung (Nom.Sg.n.)
adṛṣṭvā
ohne gesehen/erkannt zu haben (Absol.)
tasya
dessen (Gen.Sg.)
nirvāṇam
das Erlöschen, die Befreiung (Akk.Sg.)
kim
was? (Interrog.)
asat-karmabhiḥ
durch unwirkliche, vergängliche [weltliche] Taten (Instr.Pl.)
bhavet
könnte werden, geschehen (3.Sg.Opt.)

[?]: dichte philosophische Bildrede; wörtliche Wiedergabe.

eka eveśvarasturyo bhagavān svāśrayaḥ paraḥ tamadṛṣṭvābhavaṃ puṃsaḥ kimasatkarmabhirbhavet

Der eine, einzige Gebieter, der Vierte, der Erhabene, der in sich selbst ruht, der Höchste - ohne ihn, den Ungewordenen, erkannt zu haben, was könnte für die Seele durch vergängliche Taten [erreicht werden]?

Wort für Wort
ekaḥ eva
der eine, einzige (Nom.Sg.)
īśvaraḥ
der Gebieter, Herrscher (Nom.Sg.)
turyaḥ
der Vierte [jenseits der drei Erscheinungsweisen] (Nom.Sg.)
bhagavān
der Erhabene (Nom.Sg.)
sva-āśrayaḥ
der in sich selbst ruht, dessen Zuflucht er selbst ist (Nom.Sg.)
paraḥ
der Höchste (Nom.Sg.)
tam
ihn (Akk.Sg.)
adṛṣṭvā
ohne gesehen zu haben (Absol.)
abhavam
den Ungewordenen, Unentstandenen (Akk.Sg., Adj.)
puṃsaḥ
für die Seele, den Menschen (Gen.Sg.)
kim asat-karmabhir bhavet
was könnte durch vergängliche Taten geschehen? (s.o.)

pumān naivaiti yadgatvā bilasvargaṃ gato yathā pratyagdhāmāvida iha kimasatkarmabhirbhavet

Wie einer, der zur Höhlen-Himmelswelt gegangen ist, von dort nicht zurückkehrt - [ebenso gibt es keine Rückkehr] für die Seele; für den, der hier die nach innen gewandte Wohnstatt [des wahren Selbst] nicht kennt, was könnte durch vergängliche Taten [erreicht werden]?

Wort für Wort
pumān
die Seele, der Mensch (Nom.Sg.)
na eva eti
er kehrt ganz und gar nicht zurück (3.Sg.Präs. von √i, verneint)
yat gatvā
wohin gegangen (Rel. + Absol.)
bila-svargam
zur Höhlen-Himmelswelt [Pātāla] (Akk.Sg.)
gataḥ yathā
so wie einer, der gegangen ist (Vergleich)
pratyak-dhāma-avidaḥ
für den, der die nach innen gewandte Wohnstatt [des Selbst] nicht kennt (Gen.Sg.)
iha
hier (Adv.)
kim asat-karmabhir bhavet
was könnte durch vergängliche Taten geschehen?

[?]: Bezug von 'pratyag-dhāma' unsicher; wörtlich 'die nach innen/zurück gewandte Wohnstatt'.

nānārūpātmano buddhiḥ svairiṇīva guṇānvitā tanniṣṭhāmagatasyeha kimasatkarmabhirbhavet

Der Verstand dessen, der [sich] vielgestaltig [wähnt], ist, mit den Erscheinungsweisen [der Natur] behaftet, wie eine zügellose Frau - für den, der hier nicht zur Verankerung darin [im wahren Selbst] gelangt ist, was könnte durch vergängliche Taten [erreicht werden]?

Wort für Wort
nānā-rūpa-ātmanaḥ
dessen Wesen vielgestaltig [erscheint] (Gen.Sg., Bahuvrihi)
buddhiḥ
der Verstand, Intellekt (Nom.Sg.)
svairiṇī iva
wie eine zügellose, eigenwillige [Frau] (Nom.Sg.f., Vergleich)
guṇa-anvitā
mit den [drei] Erscheinungsweisen [der Natur] behaftet (Nom.Sg.f.)
tat-niṣṭhām
die Verankerung, Festigkeit darin [im wahren Selbst] (Akk.Sg.)
agatasya
für den, der nicht gelangt ist (Gen.Sg.)
iha
hier (Adv.)
kim asat-karmabhir bhavet
was könnte durch vergängliche Taten geschehen?

tatsaṅgabhraṃśitaiśvaryaṃ saṃsarantaṃ kubhāryavat tadgatīrabudhasyeha kimasatkarmabhirbhavet

Für den, der - wie [ein Mann] mit einer schlechten Ehefrau - durch die Verbindung mit jenem [zügellosen Verstand] um seine Erhabenheit gebracht [in der Weltordnung] umherwandelt, für den Unwissenden, der hier dessen [wechselnde] Zustände [nicht kennt], was könnte durch vergängliche Taten [erreicht werden]?

Wort für Wort
tat-saṅga-bhraṃśita-aiśvaryam
dessen Erhabenheit durch die Verbindung damit [mit jenem Verstand] zum Sturz gebracht wurde (Akk.Sg.n., Bahuvrihi)
saṃsarantam
den [in der Welt] Umherwandelnden (Akk.Sg., Präs.Part.)
kubhāryavat
wie [ein Mann] mit einer schlechten Ehefrau (Adv., Vergleich)
tat-gatīḥ
dessen [wechselnde] Zustände, Schicksale (Akk.Pl.)
abudhasya
für den Unwissenden (Gen.Sg.)
iha
hier (Adv.)
kim asat-karmabhir bhavet
was könnte durch vergängliche Taten geschehen?

sṛṣṭyapyayakarīṃ māyāṃ velākūlāntavegitām mattasya tāmavijñasya kimasatkarmabhirbhavet

Die Māyā, die Schöpfung und Auflösung bewirkt und die wie eine Flut bis an die Grenze des Ufers rast - für den Berauschten, den Unwissenden, der sie [nicht] erkennt, was könnte durch vergängliche Taten [erreicht werden]?

Wort für Wort
sṛṣṭi-apyaya-karīm
die Schöpfung und Auflösung bewirkende (Akk.Sg.f.)
māyām
die Māyā, Illusionskraft (Akk.Sg.)
velā-kūla-anta-vegitām
die mit der Geschwindigkeit einer Flut bis an die Grenze des Ufers (Akk.Sg.f., Bahuvrihi)
mattasya
für den Berauschten, Verblendeten (Gen.Sg.)
tām
sie [Māyā] (Akk.Sg.)
avijñasya
für den Unwissenden, Unverständigen (Gen.Sg.)
kim asat-karmabhir bhavet
was könnte durch vergängliche Taten geschehen?

pañcaviṃśatitattvānāṃ puruṣo 'dbhutadarpaṇaḥ adhyātmamabudhasyeha kimasatkarmabhirbhavet

Der Puruṣa ist der wunderbare Spiegel der fünfundzwanzig [kosmischen] Prinzipien - für den, der hier unwissend bleibt über das, was das [wahre] Selbst betrifft, was könnte durch vergängliche Taten [erreicht werden]?

Wort für Wort
pañca-viṃśati-tattvānām
der fünfundzwanzig [kosmischen] Prinzipien (Gen.Pl.)
puruṣaḥ
der Puruṣa, das Urwesen (Nom.Sg.)
adbhuta-darpaṇaḥ
ein wunderbarer Spiegel (Nom.Sg.)
adhyātmam
das, was das [wahre] Selbst betrifft (Akk.Sg., Adv.)
abudhasya
für den Unwissenden (Gen.Sg.)
iha
hier (Adv.)
kim asat-karmabhir bhavet
was könnte durch vergängliche Taten geschehen?

aiśvaraṃ śāstramutsṛjya bandhamokṣānudarśanam viviktapadamajñāya kimasatkarmabhirbhavet

Die göttliche Lehrschrift beiseite gelassen, welche Bindung und Befreiung aufzeigt, und den abgesonderten [reinen] Zustand [des Selbst] nicht erkennend - was könnte durch vergängliche Taten [erreicht werden]?

Wort für Wort
aiśvaram
das die höchste Herrschaft/das Göttliche betreffende (Akk.Sg.n., Adj.)
śāstram
die Lehrschrift (Akk.Sg.)
utsṛjya
beiseite gelassen, aufgegeben habend (Absol.)
bandha-mokṣa-anudarśanam
die Bindung und Befreiung aufzeigende [Lehrschrift] (Akk.Sg.n., Adj.)
vivikta-padam
den abgesonderten, reinen Zustand/Ort [des Selbst] (Akk.Sg.)
ajñāya
nicht erkennend (verneinter Absol.)
kim asat-karmabhir bhavet
was könnte durch vergängliche Taten geschehen?

kālacakraṃ bhrami tīkṣṇaṃ sarvaṃ niṣkarṣayajjagat svatantramabudhasyeha kimasatkarmabhirbhavet

Das scharfe, sich drehende Rad der Zeit, das eigenmächtig die ganze Welt mit sich fortreißt - für den Unwissenden hier, was könnte durch vergängliche Taten [erreicht werden]?

Wort für Wort
kāla-cakram
das Rad der Zeit (Nom.Sg.)
bhrami
sich drehend (Nom.Sg.n., Adj.)
tīkṣṇam
scharf (Nom.Sg.n.)
sarvam
alles, die ganze (Akk.Sg.)
niṣkarṣayat
fortreißend, heranziehend (Präs.Part. Nom.Sg.n., Kaus. von niṣ-√kṛṣ)
jagat
die Welt (Akk.Sg.)
svatantram
eigenmächtig, unabhängig (Akk.Sg.n., Adv.)
abudhasya
für den Unwissenden (Gen.Sg.)
iha
hier (Adv.)
kim asat-karmabhir bhavet
was könnte durch vergängliche Taten geschehen?

śāstrasya piturādeśaṃ yo na veda nivartakam kathaṃ tadanurūpāya guṇavisrambhy upakramet

Wer die Anweisung des Vaters [in Gestalt] der Lehrschrift nicht als das [von weltlicher Bindung] Abwendende kennt - wie sollte der, welcher den Erscheinungsweisen [der Natur] vertraut, ein diesem Entsprechendes unternehmen?

Wort für Wort
śāstrasya
der Lehrschrift (Gen.Sg.)
pituḥ ādeśam
die Anweisung des Vaters (Akk.Sg.)
yaḥ
wer (Nom.Sg., Rel.)
na veda
nicht kennt (3.Sg.Perf. von √vid)
nivartakam
das Abwendende, Zurückführende (Akk.Sg.n., Adj.)
katham
wie? (Adv.)
tat-anurūpāya
für das diesem Entsprechende (Dat.Sg.)
guṇa-visrambhī
einer, der den Erscheinungsweisen [der Natur] vertraut (Nom.Sg., Adj.)
upakramet
sollte er unternehmen, beginnen (3.Sg.Opt.)

[?]: Beziehung von 'śāstrasya' und 'pitur ādeśam' (Genitiv-Konstruktion) nicht eindeutig; wörtlich übersetzt.

iti vyavasitā rājan haryaśvā ekacetasaḥ prayayustaṃ parikramya panthānamanivartanam

So entschlossen, o König, zogen die Haryaśvas, eines Sinnes, fort, nachdem sie ihn [Nārada] ehrfurchtsvoll umschritten hatten, auf dem Pfad ohne Wiederkehr.

Wort für Wort
iti
so (Partikel)
vyavasitāḥ
entschlossen, fest entschieden (Nom.Pl., PPP)
rājan
o König (Vok.Sg.)
haryaśvāḥ
die Haryaśvas (Nom.Pl.)
eka-cetasaḥ
von einem [gleichgerichteten] Sinn (Nom.Pl., Bahuvrihi)
prayayuḥ
sie zogen fort (3.Pl.Perf.)
tam
ihn (Akk.Sg., =Nārada)
parikramya
umschritten habend (Absol.)
panthānam
den Pfad, Weg (Akk.Sg.)
anivartanam
ohne Wiederkehr (Akk.Sg.n., Adj.)

svarabrahmaṇi nirbhāte hṛṣīkeśapadāmbuje akhaṇḍaṃ cittamāveśya lokān anucaran muniḥ

Als im Klang-Brahman der Lotosfuß Hṛṣīkeśas erschienen war, versenkte der Weise sein ungeteiltes Bewusstsein [darin] und durchwanderte die Welten.

Wort für Wort
svara-brahmaṇi
im [transzendenten] Klang-Brahman (Lok.Sg.)
nirbhāte
erschienen, erstrahlt (Lok.Sg., Lok.absol., PPP)
hṛṣīkeśa-pada-ambuje
im Lotosfuß Hṛṣīkeśas [des Herrn der Sinne] (Lok.Sg.)
akhaṇḍam
ungeteilt (Akk.Sg.n.)
cittam
das Bewusstsein, Denken (Akk.Sg.)
āveśya
versenkt, eingetaucht habend (Absol., Kaus.)
lokān
die Welten (Akk.Pl.)
anucaran
durchwandernd (Präs.Part. Nom.Sg.)
muniḥ
der Weise (Nom.Sg.)

[?]: Referent von 'muniḥ' (der Weise) nicht zweifelsfrei - vermutlich Nārada, der nach dem Fortgang der Haryaśvas seine eigene Wanderung fortsetzt; ggf. auch auf die Haryaśvas selbst bezogen.

nāśaṃ niśamya putrāṇāṃ nāradāc chīlaśālinām anvatapyata kaḥ śocan suprajastvaṃ śucāṃ padam

Als er vom Verlust seiner Söhne, die von gutem Charakter erfüllt waren, durch Nārada[s Wirken] vernahm, wurde er - wer [wäre es nicht]? - von Kummer ergriffen, darüber trauernd, dass das Haben guter Nachkommenschaft [ihm] zum Sitz der Kümmernisse geworden war.

Wort für Wort
nāśam
den Verlust, die Vernichtung (Akk.Sg.)
niśamya
vernommen habend (Absol.)
putrāṇām
der Söhne (Gen.Pl.)
nāradāt
durch/von Nārada [verursacht] (Abl.Sg.)
śīla-śālinām
die von [gutem] Charakter erfüllt waren (Gen.Pl., Adj.)
anvatapyata
er wurde von Reue/Kummer ergriffen (3.Sg.Impf.Med. von anu-√tap)
kaḥ
wer? (Interrog., hier rhetorisch)
śocan
trauernd (Präs.Part. Nom.Sg.)
su-prajastvam
das Haben guter Nachkommenschaft (Akk.Sg.)
śucām
der Kümmernisse, Leiden (Gen.Pl.)
padam
der Sitz, Ort (Akk.Sg.)

[?]: 'kaḥ' als rhetorische Zwischenfrage ('wer wäre es nicht') gedeutet.

sa bhūyaḥ pāñcajanyāyāmajena parisāntvitaḥ putrān ajanayaddakṣaḥ savalāśvān sahasriṇaḥ

Er [Dakṣa], von dem Ungeborenen [Brahmā] besänftigt, zeugte wiederum in Pāñcajanī tausend Söhne, die Śabalāśvas.

Wort für Wort
saḥ
er (Nom.Sg., =Dakṣa)
bhūyaḥ
wiederum (Adv.)
pāñcajanyāyām
in Pāñcajanī (Lok.Sg.)
ajena
durch den Ungeborenen (Instr.Sg., =Brahmā)
parisāntvitaḥ
besänftigt, getröstet (Nom.Sg., PPP)
putrān
Söhne (Akk.Pl.)
ajanayat
er zeugte (3.Sg.Impf.)
dakṣaḥ
Dakṣa (Nom.Sg.)
savalāśvān
die Śabalāśvas [mit Namen] (Akk.Pl.)
sahasriṇaḥ
zu Tausenden, tausendzahlig (Akk.Pl., Adj.)

[Anm.: Quellanomalie - die lokale GRETIL-Textgrundlage liest 'savalāśvān'; der überlieferte Eigenname lautet gewöhnlich 'śabalāśvān' (mit 'ś' und 'b'). Hier als [?] markierte mögliche Schreib-/Lesevariante belassen und beibehalten.]

te ca pitrā samādiṣṭāḥ prajāsarge dhṛtavratāḥ nārāyaṇasaro jagmuryatra siddhāḥ svapūrvajāḥ

Und sie, vom Vater zur Erzeugung von Nachkommenschaft angewiesen, ihr Gelübde ergriffen habend, gingen zum [See] Nārāyaṇa-saras, wo ihre eigenen älteren Brüder vollendet [geworden] waren.

Wort für Wort
te
sie (Nom.Pl.)
ca
und (Konj.)
pitrā
vom Vater (Instr.Sg.)
samādiṣṭāḥ
angewiesen (Nom.Pl., PPP)
prajā-sarge
zur Erzeugung von Nachkommenschaft (Lok.Sg.)
dhṛta-vratāḥ
die [ihr] Gelübde ergriffen hatten (Nom.Pl., Bahuvrihi)
nārāyaṇa-saraḥ
zum [See] Nārāyaṇa-saras (Akk.Sg., Richtungsziel)
jagmuḥ
sie gingen (3.Pl.Perf. von √gam)
yatra
wo (Adv.)
siddhāḥ
vollendet (Nom.Pl.)
sva-pūrvajāḥ
ihre eigenen älteren Brüder, wörtl. 'zuvor Geborenen' (Nom.Pl.)

tadupasparśanādeva vinirdhūtamalāśayāḥ japanto brahma paramaṃ tepustatra mahat tapaḥ

Allein durch die Berührung damit [mit dem heiligen Wasser] war ihr Herzensschmutz gänzlich fortgewaschen; das höchste Brahman murmelnd, übten sie dort große Askese.

Wort für Wort
tad-upasparśanāt eva
allein durch die Berührung davon (Abl.Sg.)
vinirdhūta-mala-āśayāḥ
deren Herzensschmutz gänzlich fortgewaschen war (Nom.Pl., Bahuvrihi)
japantaḥ
murmelnd, [im Stillen] rezitierend (Präs.Part. Nom.Pl.)
brahma paramam
das höchste Brahman (Akk.Sg.)
tepuḥ
sie übten (3.Pl.Perf. von √tap)
tatra
dort (Adv.)
mahat tapaḥ
große Askese (Akk.Sg.)

abbhakṣāḥ katicin māsān katicidvāyubhojanāḥ ārādhayan mantramimamabhyasyanta iḍaspatim

Einige Monate lebten sie nur von Wasser, einige [nur] von Luft; diesen Mantra wiederholend, verehrten sie den Herrn der Opfergabe.

Wort für Wort
ab-bhakṣāḥ
die [nur] von Wasser lebten (Nom.Pl., Bahuvrihi)
katicit māsān
einige Monate (Akk.Pl., Zeitangabe)
katicit vāyu-bhojanāḥ
einige, die sich [nur] von Luft ernährten (Nom.Pl.)
ārādhayan
sie verehrten, priesen (3.Pl.Impf. von ā-√rādh)
mantram imam
diesen Mantra (Akk.Sg.)
abhyasyantaḥ
wiederholend, übend (Präs.Part. Nom.Pl.)
iḍaḥ-patim
den Herrn der Opfergabe/Rede (Akk.Sg.)

oṃ namo nārāyaṇāya puruṣāya mahātmane viśuddhasattvadhiṣṇyāya mahāhaṃsāya dhīmahi

Oṃ, Verehrung Nārāyaṇa, dem Urwesen, der großen Seele, dessen Sitz die reine Wesensgüte ist, dem großen Schwan - wir meditieren [auf ihn].

Wort für Wort
oṃ namaḥ nārāyaṇāya
Oṃ, Verehrung Nārāyaṇa (Dat.Sg.)
puruṣāya
dem Urwesen (Dat.Sg.)
mahā-ātmane
der großen Seele, dem Erhabenen (Dat.Sg.)
viśuddha-sattva-dhiṣṇyāya
dem, dessen Sitz die reine Wesensgüte ist (Dat.Sg., Bahuvrihi)
mahā-haṃsāya
dem großen Schwan [der höchsten Seele] (Dat.Sg.)
dhīmahi
wir meditieren [auf ihn] (1.Pl.Präs.Med., vedische Form)

iti tān api rājendra prajāsargadhiyo muniḥ upetya nāradaḥ prāha vācaḥ kūṭāni pūrvavat

So sprach, o König der Könige, der Weise Nārada, an sie herangetreten - deren Sinn ebenfalls auf die Erzeugung von Nachkommenschaft gerichtet war -, rätselhafte Worte wie zuvor.

Wort für Wort
iti
so (Partikel)
tān api
auch sie (Akk.Pl.)
rājendra
o König der Könige (Vok.Sg.)
prajā-sarga-dhiyaḥ
deren Sinn auf die Erzeugung von Nachkommenschaft gerichtet war (Akk.Pl., Bahuvrihi)
muniḥ
der Weise (Nom.Sg.)
upetya
herangetreten (Absol.)
nāradaḥ
Nārada (Nom.Sg.)
prāha
er sprach (3.Sg.Perf. von pra-√ah)
vācaḥ kūṭāni
rätselhafte Worte (Akk.Pl.)
pūrva-vat
wie zuvor (Adv.)

dākṣāyaṇāḥ saṃśṛṇuta gadato nigamaṃ mama anvicchatānupadavīṃ bhrātṝṇāṃ bhrātṛvatsalāḥ

O Söhne Dakṣas, vernehmt die Lehre von mir, dem Sprechenden; folgt der Spur eurer Brüder, ihr, die ihr euren Brüdern zugetan seid.

Wort für Wort
dākṣāyaṇāḥ
o Söhne Dakṣas (Vok.Pl.)
saṃśṛṇuta
hört wohl, vernehmt! (2.Pl.Imp. von saṃ-√śru)
gadataḥ
des Sprechenden [von mir] (Gen.Sg., Präs.Part.)
nigamam
die [heilige] Lehre, Kunde (Akk.Sg.)
mama
meine, von mir (Gen.Sg.)
anvicchata
sucht, verfolgt! (2.Pl.Imp. von anu-√iṣ)
anupadavīm
die Spur, den Weg (Akk.Sg.)
bhrātṝṇām
der Brüder (Gen.Pl.)
bhrātṛ-vatsalāḥ
die den Brüdern zugetan sind (Vok.Pl.)

bhrātṝṇāṃ prāyaṇaṃ bhrātā yo 'nutiṣṭhati dharmavit sa puṇyabandhuḥ puruṣo marudbhiḥ saha modate

Der Bruder, der, den Dharma kennend, dem Hinscheiden der Brüder nachfolgt, jener Mann, ein heiliger Verwandter, freut sich zusammen mit den Maruts.

Wort für Wort
bhrātṝṇām
der Brüder (Gen.Pl.)
prāyaṇam
dem Hinscheiden, der letzten Reise (Akk.Sg.)
bhrātā
der Bruder (Nom.Sg.)
yaḥ
wer (Nom.Sg., Rel.)
anutiṣṭhati
er befolgt, folgt nach (3.Sg.Präs. von anu-√sthā)
dharma-vit
der den Dharma kennt (Nom.Sg.)
saḥ
der (Nom.Sg.)
puṇya-bandhuḥ
der heilige, tugendhafte Verwandte (Nom.Sg.)
puruṣaḥ
der Mann (Nom.Sg.)
marudbhiḥ saha
zusammen mit den Maruts [Windgöttern] (Instr.Pl.)
modate
er freut sich (3.Sg.Präs.Med.)

etāvaduktvā prayayau nārado 'moghadarśanaḥ te 'pi cānvagaman mārgaṃ bhrātṝṇāmeva māriṣa

Dies gesagt habend, zog Nārada fort, dessen Erscheinen niemals vergeblich ist; und auch sie, o Verehrter, folgten genau dem Pfad ihrer Brüder.

Wort für Wort
etāvat uktvā
dies gesagt habend (Absol.)
prayayau
er zog fort (3.Sg.Perf.)
nāradaḥ
Nārada (Nom.Sg.)
amogha-darśanaḥ
dessen Erscheinen nicht vergeblich ist (Nom.Sg., Bahuvrihi)
te api
auch sie (Nom.Pl.)
ca
und (Konj.)
anvagaman
sie folgten (3.Pl.Impf. von anu-√gam)
mārgam
dem Pfad (Akk.Sg.)
bhrātṝṇām
der Brüder (Gen.Pl.)
eva
gerade, genau (Partikel)
māriṣa
o Verehrter (Vok.Sg., Anrede Śukas an Parīkṣit)

sadhrīcīnaṃ pratīcīnaṃ parasyānupathaṃ gatāḥ nādyāpi te nivartante paścimā yāminīriva

Sie gingen den geraden, nach Westen [führenden] Pfad entlang, dem Höchsten folgend; auch heute noch kehren sie nicht zurück, wie vergangene Nächte [nicht wiederkehren].

Wort für Wort
sadhrīcīnam
den geraden, rechten (Akk.Sg.)
pratīcīnam
den westlichen, rückwärts gewandten (Akk.Sg.)
parasya
des Höchsten (Gen.Sg.)
anupatham
den [ihm] folgenden Pfad (Akk.Sg.)
gatāḥ
sie gingen (Nom.Pl., PPP)
na adya api
auch heute noch nicht (Adv.)
te
sie (Nom.Pl.)
nivartante
sie kehren zurück (3.Pl.Präs.)
paścimāḥ yāminīḥ iva
wie vergangene Nächte (Nom.Pl.f., Vergleich)

etasmin kāla utpātān bahūn paśyan prajāpatiḥ pūrvavan nāradakṛtaṃ putranāśamupāśṛṇot

Zu dieser Zeit, als er viele üble Vorzeichen sah, vernahm der Herr der Geschöpfe [Dakṣa], wie zuvor, den von Nārada verursachten Verlust seiner Söhne.

Wort für Wort
etasmin kāle
zu dieser Zeit (Lok.Sg.)
utpātān bahūn
viele üble Vorzeichen (Akk.Pl.)
paśyan
sehend (Präs.Part. Nom.Sg.)
prajāpatiḥ
der Herr der Geschöpfe (Nom.Sg., =Dakṣa)
pūrva-vat
wie zuvor (Adv.)
nārada-kṛtam
von Nārada verursacht, bewirkt (Akk.Sg.)
putra-nāśam
den Verlust der Söhne (Akk.Sg.)
upāśṛṇot
er vernahm, hörte (3.Sg.Impf. von upa-√śru)

cukrodha nāradāyāsau putraśokavimūrcchitaḥ devarṣimupalabhyāha roṣādvisphuritādharaḥ

Er, überwältigt vom Kummer um die Söhne, wurde zornig auf Nārada; als er den Götterweisen antraf, sprach er, vor Zorn mit zuckender Lippe.

Wort für Wort
cukrodha
er wurde zornig (3.Sg.Perf. von √krudh)
nāradāya
auf Nārada (Dat.Sg.)
asau
jener (Nom.Sg., =Dakṣa)
putra-śoka-vimūrcchitaḥ
betäubt/überwältigt vom Kummer um die Söhne (Nom.Sg., PPP)
devarṣim
den Götterweisen (Akk.Sg.)
upalabhya
angetroffen, erlangt habend (Absol.)
āha
er sprach (3.Sg.Perf.)
roṣāt
vor Zorn (Abl.Sg.)
visphurita-adharaḥ
dessen [Unter-]Lippe zuckte (Nom.Sg., Bahuvrihi)

śrī-dakṣa uvāca aho asādho sādhūnāṃ sādhuliṅgena nastvayā asādhvakāryarbhakāṇāṃ bhikṣormārgaḥ pradarśitaḥ

Śrī Dakṣa sprach: Ach, du Unheiliger unter den Heiligen! Mit dem äußeren Zeichen eines Heiligen [getarnt] hast du an uns Schändliches getan; den Kindern wurde der Weg eines Bettelmönchs gezeigt.

Wort für Wort
śrī-dakṣaḥ uvāca
Śrī Dakṣa (Nom.) sprach (3.Sg.Perf.)
aho
ach! (Ausrufspartikel)
asādho
o Unheiliger (Vok.Sg., ironisch)
sādhūnām
der Heiligen, Tugendhaften (Gen.Pl.)
sādhu-liṅgena
mit dem äußeren Zeichen eines Heiligen (Instr.Sg.)
naḥ
uns (Dat./Akk.Pl.)
tvayā
von dir (Instr.Sg.)
asādhu akāri
Schändliches wurde getan (Akk.Sg. + 3.Sg.Aor.Pass. von √kṛ)
arbhakāṇām
der Kinder (Gen.Pl.)
bhikṣoḥ mārgaḥ
der Weg eines Bettelmönchs (Nom.Sg.)
pradarśitaḥ
wurde gezeigt (Nom.Sg., PPP)

ṛṇaistribhiramuktānāmamīmāṃsitakarmaṇām vighātaḥ śreyasaḥ pāpa lokayorubhayoḥ kṛtaḥ

An denen, die von den drei Schulden noch nicht befreit und deren [religiöse] Pflichten noch nicht [gehörig] erwogen waren, hast du, o Sünder, die Vereitelung ihres Heils in beiden Welten bewirkt.

Wort für Wort
ṛṇaiḥ tribhiḥ
durch die drei Schulden (Instr.Pl., gegenüber Göttern, Weisen und Ahnen)
amuktānām
derer, die [davon] nicht befreit waren (Gen.Pl.)
amīmāṃsita-karmaṇām
deren [religiöse] Pflichten nicht [gehörig] erwogen waren (Gen.Pl., Bahuvrihi)
vighātaḥ
die Zerstörung, Vereitelung (Nom.Sg.)
śreyasaḥ
des Heils, Wohlergehens (Gen.Sg.)
pāpa
o Sünder (Vok.Sg.)
lokayoḥ ubhayoḥ
in beiden Welten (Gen.Du.)
kṛtaḥ
wurde bewirkt, getan (Nom.Sg., PPP)

evaṃ tvaṃ niranukrośo bālānāṃ matibhiddhareḥ pārṣadamadhye carasi yaśohā nirapatrapaḥ

So wandelst du, mitleidlos, als Zerstörer der Einsicht der Kinder, inmitten der Gefährten Haris, schamlos, deinen eigenen Ruhm vernichtend.

Wort für Wort
evam
so (Adv.)
tvam
du (Nom.Sg.)
niranukrośaḥ
mitleidlos (Nom.Sg.)
bālānām
der Kinder (Gen.Pl.)
mati-bhit
der [ihre] Einsicht zerstört, spaltet (Nom.Sg.)
hareḥ pārṣada-madhye
inmitten der Gefährten Haris (Lok.Sg.)
carasi
du wandelst (2.Sg.Präs.)
yaśo-hā
der [seinen eigenen] Ruhm vernichtet (Nom.Sg.)
nirapatrapaḥ
schamlos (Nom.Sg.)

nanu bhāgavatā nityaṃ bhūtānugrahakātarāḥ ṛte tvāṃ sauhṛdaghnaṃ vai vairaṅkaramavairiṇām

Sind nicht die Verehrer [des Herrn] stets eifrig um das Wohl der Geschöpfe besorgt - außer dir, der du die Freundschaft zerstörst und Feindschaft erzeugst gegenüber denen, die nicht feindselig sind?

Wort für Wort
nanu
ist es nicht so? (Frage-/Bekräftigungspartikel)
bhāgavatāḥ
die Verehrer des Erhabenen (Nom.Pl.)
nityam
stets, immer (Adv.)
bhūta-anugraha-kātarāḥ
eifrig um das Wohlergehen der Geschöpfe besorgt (Nom.Pl., Bahuvrihi)
ṛte tvām
außer dir (Akk. + Postposition)
sauhṛda-ghnam
den Freundschaft-Zerstörenden (Akk.Sg.)
vai
wahrlich (Partikel)
vairam-karam
Feindschaft-Erzeugenden (Akk.Sg.)
avairiṇām
gegenüber denen, die nicht feindselig sind (Gen.Pl.)

netthaṃ puṃsāṃ virāgaḥ syāt tvayā kevalinā mṛṣā manyase yadyupaśamaṃ snehapāśanikṛntanam

Nicht auf diese Weise sollte durch dich, den Einzelgänger, die Entsagung der Menschen [bewirkt werden] - fälschlich meinst du, [es sei] Seelenruhe, [wenn du] die Fesseln der Zuneigung durchtrennst.

Wort für Wort
na ittham
nicht so, nicht auf diese Weise (Adv.)
puṃsām
der Menschen (Gen.Pl.)
virāgaḥ
die Entsagung, Loslösung (Nom.Sg.)
syāt
sollte sein (3.Sg.Opt.)
tvayā kevalinā
durch dich, den Einzelgänger/Isolierten (Instr.Sg.)
mṛṣā
fälschlich, trügerisch (Adv.)
manyase
du meinst, glaubst (2.Sg.Präs.Med.)
yadi
wenn (Konj.)
upaśamam
die [innere] Ruhe, Besänftigung (Akk.Sg.)
sneha-pāśa-nikṛntanam
das Durchtrennen der Fesseln der Zuneigung (Akk.Sg.)

nānubhūya na jānāti pumān viṣayatīkṣṇatām nirvidyate svayaṃ tasmānna tathā bhinnadhīḥ paraiḥ

Ohne es erfahren zu haben, kennt der Mensch die Schärfe der Sinnesobjekte nicht; danach wird er von selbst überdrüssig - nicht ebenso [wirksam ist dies] bei dem, dessen Verstand durch andere [von außen] gespalten wurde.

Wort für Wort
na anubhūya
ohne erfahren, erlebt zu haben (verneinter Absol.)
na jānāti
er kennt nicht (3.Sg.Präs.)
pumān
der Mensch (Nom.Sg.)
viṣaya-tīkṣṇatām
die Schärfe, Bitterkeit der Sinnesobjekte (Akk.Sg.)
nirvidyate
er wird abgestoßen, überdrüssig (3.Sg.Präs.Med.)
svayam
von selbst (Adv.)
tasmāt
deswegen, danach (Abl.Sg.)
na tathā
nicht ebenso [stark] (Adv.)
bhinna-dhīḥ
einer, dessen Verstand [von außen] gespalten wurde (Nom.Sg.)
paraiḥ
durch andere (Instr.Pl.)

yannastvaṃ karmasandhānāṃ sādhūnāṃ gṛhamedhinām kṛtavānasi durmarṣaṃ vipriyaṃ tava marṣitam

Weil du uns, den Tugendhaften, den Haushältern, die [ihre] Pflichten ausführen, Unerträgliches getan hast, wurde [dennoch] deine Unbill [bisher] ertragen.

Wort für Wort
yat
weil (Konj.)
naḥ
uns (Dat./Akk.Pl.)
tvam
du (Nom.Sg.)
karma-sandhānām
derer, die [ihre religiösen] Pflichten miteinander verknüpfen/ausführen (Gen.Pl.)
sādhūnām
der Tugendhaften (Gen.Pl.)
gṛha-medhinām
der Haushälter (Gen.Pl.)
kṛtavān asi
du hast getan (2.Sg.Perf.)
durmarṣam
das Unerträgliche (Akk.Sg.)
vipriyam
das Unliebsame, die Unbill (Akk.Sg.)
tava
dein (Gen.Sg.)
marṣitam
wurde ertragen, verziehen (Nom.Sg., PPP)

tantukṛntana yannastvamabhadramacaraḥ punaḥ tasmāllokeṣu te mūḍha na bhavedbhramataḥ padam

O Zerschneider des [Ahnen-]Fadens, weil du uns abermals Unheilvolles angetan hast, möge es deshalb für dich, o Tor, in den Welten keinen festen Platz mehr geben - [sondern nur das Los] eines ewig Umherwandernden.

Wort für Wort
tantu-kṛntana
o Zerschneider des [Nachkommens-]Fadens (Vok.Sg.)
yat
weil (Konj.)
naḥ
uns (Dat./Akk.Pl.)
tvam
du (Nom.Sg.)
abhadram
Unheilvolles (Akk.Sg.)
acaraḥ
du hast getan, verübt (2.Sg.Aor. von √car)
punaḥ
wieder, abermals (Adv.)
tasmāt
deshalb (Abl.Sg.)
lokeṣu
in den Welten (Lok.Pl.)
te
für dich, dein (Gen./Dat.Sg.)
mūḍha
o Tor (Vok.Sg.)
na bhavet
möge nicht sein (3.Sg.Opt.)
bhramataḥ
des Umherwandernden (Gen.Sg., Präs.Part.)
padam
ein fester Platz, Standort (Nom.Sg.)

śrī-śuka uvāca pratijagrāha tadbāḍhaṃ nāradaḥ sādhusammataḥ etāvān sādhuvādo hi titikṣeteśvaraḥ svayam

Śrī Śuka sprach: Nārada, der von den Tugendhaften Anerkannte, nahm dies bereitwillig an; denn dies allein ist das [wahre] Lob des Guten: dass ein Meister [seiner selbst] es selbst zu ertragen weiß.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka (Nom.) sprach (3.Sg.Perf.)
pratijagrāha
er nahm an (3.Sg.Perf. von prati-√grah)
tat
das (Akk.Sg.)
bāḍham
bereitwillig, 'so sei es' (Adv.)
nāradaḥ
Nārada (Nom.Sg.)
sādhu-sammataḥ
der von den Tugendhaften Geschätzte, Anerkannte (Nom.Sg.)
etāvān
so viel, dies ganze (Nom.Sg.)
sādhu-vādaḥ
das Lob, die [wahre] Rede der Guten (Nom.Sg.)
hi
denn, wahrlich (Partikel)
titikṣeta
er sollte ertragen, erdulden (3.Sg.Opt.)
īśvaraḥ
der Fähige, Meister [seiner selbst] (Nom.Sg.)
svayam
selbst (Adv.)

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