Kapitel 124
Nārada Muni wird von Prajāpati Dakṣa verflucht
Quellanomalie: vedabase.io war nach Vers 3 durch eine anhaltende Sperre/Ratenbegrenzung des Zugangsproxys nicht mehr erreichbar (wiederholte 429- bzw. 404-Fehler trotz mehrfacher, weit auseinanderliegender Versuche). Fuer die Verse 1-3 wurde IAST-Text und Wort-fuer-Wort-Gloss-Tabelle direkt von vedabase.io abgerufen und mit dem unten genannten lokalen Referenztext abgeglichen (identisch). Fuer die Verse 4-44 wurde der IAST-Grundtext stattdessen der lokal verfuegbaren wissenschaftlichen GRETIL-Ausgabe des Bhagavata-Purana (Datei bhagp/bhp_06u.htm, Skandha 6, Kapitel 5, Verse 1-44) entnommen, die mit den drei erfolgreich abgerufenen vedabase-Versen identisch ist. Die deutsche Wort-fuer-Wort-Gloss-Tabelle sowie die Uebersetzung wurden fuer alle 44 Verse eigenstaendig aus dem Sanskrit erarbeitet (wie von der Methodik ohnehin gefordert), ohne Ruecksicht auf eine vorbestehende englische oder deutsche Uebersetzung.
Sie alle, die Söhne Dakṣas, o König, von ungetrennter [d.h. gleicher] Wesensart und Tugend, vom Vater zur Erzeugung von Nachkommenschaft angewiesen, zogen in die westliche Richtung.
Wort für Wort
apṛthak-dharma-śīlāḥ
deren Rechtschaffenheit und Wesensart nicht getrennt/verschieden [voneinander] sind (Nom.Pl., Bahuvrihi)
tatra nārāyaṇa-saras tīrthaṃ sindhu-samudrayoḥ
saṅgamo yatra sumahan muni-siddha-niṣevitam
Dort [befindet sich] die heilige Stätte namens Nārāyaṇa-saras, wo der Zusammenfluss von [dem Fluss] Sindhu und dem Meer ist - ein sehr bedeutender [Ort], der von Weisen und vollendeten Seelen aufgesucht wird.
Wort für Wort
tatra
dort (Adv.)
nārāyaṇa-saraḥ
[der See] Nārāyaṇa-saras (Nom.Sg., Name)
tīrtham
heilige Stätte, Pilgerort (Nom.Sg.)
sindhu-samudrayoḥ
von [Fluss] Sindhu und Meer (Gen.Du.)
saṅgamaḥ
der Zusammenfluss (Nom.Sg.)
yatra
wo (Adv.)
su-mahat
sehr groß, sehr bedeutend (Nom.Sg.n.)
muni-siddha-niṣevitam
von Weisen und vollendeten Wesen aufgesucht (Nom.Sg.n., PPP)
tad-upasparśanād eva vinirdhūta-malāśayāḥ
dharme pāramahaṃsye ca protpanna-matayo 'py uta
Allein durch die Berührung mit jenem [Wasser] war der Schmutz ihres Herzens gänzlich fortgewaschen, und in der Lehre der Paramahaṃsas [den höchsten Vollkommenen] erwachte sogleich ihr Verständnis.
Wort für Wort
tad-upasparśanāt
durch die Berührung davon [des heiligen Wassers] (Abl.Sg.)
eva
allein, gerade (Partikel)
vinirdhūta-mala-āśayāḥ
deren Herzensschmutz gänzlich fortgewaschen war (Nom.Pl., Bahuvrihi)
dharme pāramahaṃsye
in der Lehre der Paramahaṃsas (Lok.Sg.)
ca
und (Konj.)
protpanna-matayaḥ
deren Verständnis/Einsicht erwacht war (Nom.Pl., Bahuvrihi)
tepire tapa evograṃ pitrādeśena yantritāḥ
prajā-vivṛddhaye yattān devarṣis tān dadarśa ha
Durch die Anweisung des Vaters gebunden, übten sie strenge Askese zur Vermehrung der Nachkommenschaft; und der Götterweise [Nārada] erblickte sie, wie sie sich fürwahr [darum] bemühten.
uvāca cātha haryaśvāḥ kathaṃ srakṣyatha vai prajāḥ
adṛṣṭvāntaṃ bhuvo yūyaṃ bāliśā bata pālakāḥ
Und dann sprach er: 'Wie, o Haryaśvas, wollt ihr Nachkommen erschaffen, ohne das Ende der Erde gesehen zu haben? Ach, ihr seid töricht, o Hüter [dieser Aufgabe]!'
[Habt ihr] ebenso [gesehen]: das Reich, das nur von einem einzigen Mann [bewohnt wird], die Höhle, deren Ausgang ungesehen bleibt, die vielgestaltige Frau, sowie den Mann, der der Gatte einer umherschweifenden Frau ist?
Wort für Wort
tathā
ebenso (Adv.)
eka-puruṣam
das nur von einem Mann [bewohnte] (Akk.Sg.n., Adj.)
rāṣṭram
Reich, Land (Akk.Sg.)
bilam
die Höhle (Akk.Sg.)
ca
und (Konj.)
adṛṣṭa-nirgamam
dessen Ausgang ungesehen ist (Akk.Sg.n., Bahuvrihi)
bahu-rūpām
vielgestaltige (Akk.Sg.f.)
striyam
Frau (Akk.Sg.)
ca api
und auch (Konj.)
pumāṃsam
den Mann (Akk.Sg.)
puṃścalī-patim
den Gatten einer umherschweifenden/unzüchtigen Frau (Akk.Sg.)
Rätselhafte Bildrede Nāradas ([?]: die genaue allegorische Deutung der einzelnen Bilder bleibt in der Wort-für-Wort-Ebene offen).
[Habt ihr gesehen] den Fluss, der nach beiden Seiten strömt, das Haus mit den fünfundzwanzig wunderbaren [Bestandteilen], bisweilen den Schwan von wundersamer Rede, und [das Rad] mit Rasiermesser-Speichen, das sich von selbst dreht?
Wort für Wort
nadīm
den Fluss (Akk.Sg.f.)
ubhayataḥ vāhām
der nach beiden Seiten fließt (Akk.Sg.f., Bahuvrihi)
pañca-pañca-adbhutam
mit fünfmal fünf [25] wunderbaren [Bestandteilen] (Akk.Sg.n.)
gṛham
das Haus (Akk.Sg.)
kvacit
bisweilen, irgendwo (Adv.)
haṃsam
den Schwan (Akk.Sg.)
citra-katham
von wunderbarer/vielfältiger Rede (Akk.Sg., Adj.)
kṣaura-pavyam
mit Rasiermesser-Speichen/-Radkranz (Akk.Sg., Adj.)
śrī-śuka uvāca
tan niśamyātha haryaśvā autpattika-manīṣayā
vācaḥ kūṭaṃ tu devarṣeḥ svayaṃ vimamṛśur dhiyā
Śrī Śuka sprach: Als sie das gehört hatten, erwogen die Haryaśvas daraufhin mit angeborener Einsicht selbst den verborgenen Sinn der Rede des Götterweisen, mit [eigenem] Verstand.
Die Erde ist das 'Feld', 'Lebewesen' genannt, das anfanglos die eigene Fessel [in sich trägt] - ohne dessen Erlöschen [d.h. die Befreiung davon] erkannt zu haben, was könnte durch vergängliche Taten [erreicht werden]?
Wort für Wort
bhūḥ
die Erde (Nom.Sg.)
kṣetram
das Feld (Nom.Sg.)
jīva-saṃjñam
mit Namen 'Jīva'/Lebewesen bezeichnet (Nom.Sg.n., Adj.)
yat
welches (Nom.Sg., Rel.)
anādi
anfanglos (Nom.Sg.n., Adj.)
nija-bandhanam
die eigene Fessel/Bindung (Nom.Sg.n.)
adṛṣṭvā
ohne gesehen/erkannt zu haben (Absol.)
tasya
dessen (Gen.Sg.)
nirvāṇam
das Erlöschen, die Befreiung (Akk.Sg.)
kim
was? (Interrog.)
asat-karmabhiḥ
durch unwirkliche, vergängliche [weltliche] Taten (Instr.Pl.)
Der eine, einzige Gebieter, der Vierte, der Erhabene, der in sich selbst ruht, der Höchste - ohne ihn, den Ungewordenen, erkannt zu haben, was könnte für die Seele durch vergängliche Taten [erreicht werden]?
Wort für Wort
ekaḥ eva
der eine, einzige (Nom.Sg.)
īśvaraḥ
der Gebieter, Herrscher (Nom.Sg.)
turyaḥ
der Vierte [jenseits der drei Erscheinungsweisen] (Nom.Sg.)
bhagavān
der Erhabene (Nom.Sg.)
sva-āśrayaḥ
der in sich selbst ruht, dessen Zuflucht er selbst ist (Nom.Sg.)
paraḥ
der Höchste (Nom.Sg.)
tam
ihn (Akk.Sg.)
adṛṣṭvā
ohne gesehen zu haben (Absol.)
abhavam
den Ungewordenen, Unentstandenen (Akk.Sg., Adj.)
puṃsaḥ
für die Seele, den Menschen (Gen.Sg.)
kim asat-karmabhir bhavet
was könnte durch vergängliche Taten geschehen? (s.o.)
Wie einer, der zur Höhlen-Himmelswelt gegangen ist, von dort nicht zurückkehrt - [ebenso gibt es keine Rückkehr] für die Seele; für den, der hier die nach innen gewandte Wohnstatt [des wahren Selbst] nicht kennt, was könnte durch vergängliche Taten [erreicht werden]?
Wort für Wort
pumān
die Seele, der Mensch (Nom.Sg.)
na eva eti
er kehrt ganz und gar nicht zurück (3.Sg.Präs. von √i, verneint)
yat gatvā
wohin gegangen (Rel. + Absol.)
bila-svargam
zur Höhlen-Himmelswelt [Pātāla] (Akk.Sg.)
gataḥ yathā
so wie einer, der gegangen ist (Vergleich)
pratyak-dhāma-avidaḥ
für den, der die nach innen gewandte Wohnstatt [des Selbst] nicht kennt (Gen.Sg.)
iha
hier (Adv.)
kim asat-karmabhir bhavet
was könnte durch vergängliche Taten geschehen?
[?]: Bezug von 'pratyag-dhāma' unsicher; wörtlich 'die nach innen/zurück gewandte Wohnstatt'.
Der Verstand dessen, der [sich] vielgestaltig [wähnt], ist, mit den Erscheinungsweisen [der Natur] behaftet, wie eine zügellose Frau - für den, der hier nicht zur Verankerung darin [im wahren Selbst] gelangt ist, was könnte durch vergängliche Taten [erreicht werden]?
Wort für Wort
nānā-rūpa-ātmanaḥ
dessen Wesen vielgestaltig [erscheint] (Gen.Sg., Bahuvrihi)
buddhiḥ
der Verstand, Intellekt (Nom.Sg.)
svairiṇī iva
wie eine zügellose, eigenwillige [Frau] (Nom.Sg.f., Vergleich)
guṇa-anvitā
mit den [drei] Erscheinungsweisen [der Natur] behaftet (Nom.Sg.f.)
tat-niṣṭhām
die Verankerung, Festigkeit darin [im wahren Selbst] (Akk.Sg.)
Für den, der - wie [ein Mann] mit einer schlechten Ehefrau - durch die Verbindung mit jenem [zügellosen Verstand] um seine Erhabenheit gebracht [in der Weltordnung] umherwandelt, für den Unwissenden, der hier dessen [wechselnde] Zustände [nicht kennt], was könnte durch vergängliche Taten [erreicht werden]?
Wort für Wort
tat-saṅga-bhraṃśita-aiśvaryam
dessen Erhabenheit durch die Verbindung damit [mit jenem Verstand] zum Sturz gebracht wurde (Akk.Sg.n., Bahuvrihi)
saṃsarantam
den [in der Welt] Umherwandelnden (Akk.Sg., Präs.Part.)
kubhāryavat
wie [ein Mann] mit einer schlechten Ehefrau (Adv., Vergleich)
tat-gatīḥ
dessen [wechselnde] Zustände, Schicksale (Akk.Pl.)
Die Māyā, die Schöpfung und Auflösung bewirkt und die wie eine Flut bis an die Grenze des Ufers rast - für den Berauschten, den Unwissenden, der sie [nicht] erkennt, was könnte durch vergängliche Taten [erreicht werden]?
Wort für Wort
sṛṣṭi-apyaya-karīm
die Schöpfung und Auflösung bewirkende (Akk.Sg.f.)
māyām
die Māyā, Illusionskraft (Akk.Sg.)
velā-kūla-anta-vegitām
die mit der Geschwindigkeit einer Flut bis an die Grenze des Ufers (Akk.Sg.f., Bahuvrihi)
Der Puruṣa ist der wunderbare Spiegel der fünfundzwanzig [kosmischen] Prinzipien - für den, der hier unwissend bleibt über das, was das [wahre] Selbst betrifft, was könnte durch vergängliche Taten [erreicht werden]?
Wort für Wort
pañca-viṃśati-tattvānām
der fünfundzwanzig [kosmischen] Prinzipien (Gen.Pl.)
puruṣaḥ
der Puruṣa, das Urwesen (Nom.Sg.)
adbhuta-darpaṇaḥ
ein wunderbarer Spiegel (Nom.Sg.)
adhyātmam
das, was das [wahre] Selbst betrifft (Akk.Sg., Adv.)
Die göttliche Lehrschrift beiseite gelassen, welche Bindung und Befreiung aufzeigt, und den abgesonderten [reinen] Zustand [des Selbst] nicht erkennend - was könnte durch vergängliche Taten [erreicht werden]?
Wort für Wort
aiśvaram
das die höchste Herrschaft/das Göttliche betreffende (Akk.Sg.n., Adj.)
śāstram
die Lehrschrift (Akk.Sg.)
utsṛjya
beiseite gelassen, aufgegeben habend (Absol.)
bandha-mokṣa-anudarśanam
die Bindung und Befreiung aufzeigende [Lehrschrift] (Akk.Sg.n., Adj.)
vivikta-padam
den abgesonderten, reinen Zustand/Ort [des Selbst] (Akk.Sg.)
Das scharfe, sich drehende Rad der Zeit, das eigenmächtig die ganze Welt mit sich fortreißt - für den Unwissenden hier, was könnte durch vergängliche Taten [erreicht werden]?
Wort für Wort
kāla-cakram
das Rad der Zeit (Nom.Sg.)
bhrami
sich drehend (Nom.Sg.n., Adj.)
tīkṣṇam
scharf (Nom.Sg.n.)
sarvam
alles, die ganze (Akk.Sg.)
niṣkarṣayat
fortreißend, heranziehend (Präs.Part. Nom.Sg.n., Kaus. von niṣ-√kṛṣ)
śāstrasya piturādeśaṃ yo na veda nivartakam
kathaṃ tadanurūpāya guṇavisrambhy upakramet
Wer die Anweisung des Vaters [in Gestalt] der Lehrschrift nicht als das [von weltlicher Bindung] Abwendende kennt - wie sollte der, welcher den Erscheinungsweisen [der Natur] vertraut, ein diesem Entsprechendes unternehmen?
Wort für Wort
śāstrasya
der Lehrschrift (Gen.Sg.)
pituḥ ādeśam
die Anweisung des Vaters (Akk.Sg.)
yaḥ
wer (Nom.Sg., Rel.)
na veda
nicht kennt (3.Sg.Perf. von √vid)
nivartakam
das Abwendende, Zurückführende (Akk.Sg.n., Adj.)
katham
wie? (Adv.)
tat-anurūpāya
für das diesem Entsprechende (Dat.Sg.)
guṇa-visrambhī
einer, der den Erscheinungsweisen [der Natur] vertraut (Nom.Sg., Adj.)
upakramet
sollte er unternehmen, beginnen (3.Sg.Opt.)
[?]: Beziehung von 'śāstrasya' und 'pitur ādeśam' (Genitiv-Konstruktion) nicht eindeutig; wörtlich übersetzt.
So entschlossen, o König, zogen die Haryaśvas, eines Sinnes, fort, nachdem sie ihn [Nārada] ehrfurchtsvoll umschritten hatten, auf dem Pfad ohne Wiederkehr.
Wort für Wort
iti
so (Partikel)
vyavasitāḥ
entschlossen, fest entschieden (Nom.Pl., PPP)
rājan
o König (Vok.Sg.)
haryaśvāḥ
die Haryaśvas (Nom.Pl.)
eka-cetasaḥ
von einem [gleichgerichteten] Sinn (Nom.Pl., Bahuvrihi)
Als im Klang-Brahman der Lotosfuß Hṛṣīkeśas erschienen war, versenkte der Weise sein ungeteiltes Bewusstsein [darin] und durchwanderte die Welten.
Wort für Wort
svara-brahmaṇi
im [transzendenten] Klang-Brahman (Lok.Sg.)
nirbhāte
erschienen, erstrahlt (Lok.Sg., Lok.absol., PPP)
hṛṣīkeśa-pada-ambuje
im Lotosfuß Hṛṣīkeśas [des Herrn der Sinne] (Lok.Sg.)
akhaṇḍam
ungeteilt (Akk.Sg.n.)
cittam
das Bewusstsein, Denken (Akk.Sg.)
āveśya
versenkt, eingetaucht habend (Absol., Kaus.)
lokān
die Welten (Akk.Pl.)
anucaran
durchwandernd (Präs.Part. Nom.Sg.)
muniḥ
der Weise (Nom.Sg.)
[?]: Referent von 'muniḥ' (der Weise) nicht zweifelsfrei - vermutlich Nārada, der nach dem Fortgang der Haryaśvas seine eigene Wanderung fortsetzt; ggf. auch auf die Haryaśvas selbst bezogen.
Als er vom Verlust seiner Söhne, die von gutem Charakter erfüllt waren, durch Nārada[s Wirken] vernahm, wurde er - wer [wäre es nicht]? - von Kummer ergriffen, darüber trauernd, dass das Haben guter Nachkommenschaft [ihm] zum Sitz der Kümmernisse geworden war.
Wort für Wort
nāśam
den Verlust, die Vernichtung (Akk.Sg.)
niśamya
vernommen habend (Absol.)
putrāṇām
der Söhne (Gen.Pl.)
nāradāt
durch/von Nārada [verursacht] (Abl.Sg.)
śīla-śālinām
die von [gutem] Charakter erfüllt waren (Gen.Pl., Adj.)
anvatapyata
er wurde von Reue/Kummer ergriffen (3.Sg.Impf.Med. von anu-√tap)
kaḥ
wer? (Interrog., hier rhetorisch)
śocan
trauernd (Präs.Part. Nom.Sg.)
su-prajastvam
das Haben guter Nachkommenschaft (Akk.Sg.)
śucām
der Kümmernisse, Leiden (Gen.Pl.)
padam
der Sitz, Ort (Akk.Sg.)
[?]: 'kaḥ' als rhetorische Zwischenfrage ('wer wäre es nicht') gedeutet.
sa bhūyaḥ pāñcajanyāyāmajena parisāntvitaḥ
putrān ajanayaddakṣaḥ savalāśvān sahasriṇaḥ
Er [Dakṣa], von dem Ungeborenen [Brahmā] besänftigt, zeugte wiederum in Pāñcajanī tausend Söhne, die Śabalāśvas.
Wort für Wort
saḥ
er (Nom.Sg., =Dakṣa)
bhūyaḥ
wiederum (Adv.)
pāñcajanyāyām
in Pāñcajanī (Lok.Sg.)
ajena
durch den Ungeborenen (Instr.Sg., =Brahmā)
parisāntvitaḥ
besänftigt, getröstet (Nom.Sg., PPP)
putrān
Söhne (Akk.Pl.)
ajanayat
er zeugte (3.Sg.Impf.)
dakṣaḥ
Dakṣa (Nom.Sg.)
savalāśvān
die Śabalāśvas [mit Namen] (Akk.Pl.)
sahasriṇaḥ
zu Tausenden, tausendzahlig (Akk.Pl., Adj.)
[Anm.: Quellanomalie - die lokale GRETIL-Textgrundlage liest 'savalāśvān'; der überlieferte Eigenname lautet gewöhnlich 'śabalāśvān' (mit 'ś' und 'b'). Hier als [?] markierte mögliche Schreib-/Lesevariante belassen und beibehalten.]
te ca pitrā samādiṣṭāḥ prajāsarge dhṛtavratāḥ
nārāyaṇasaro jagmuryatra siddhāḥ svapūrvajāḥ
Und sie, vom Vater zur Erzeugung von Nachkommenschaft angewiesen, ihr Gelübde ergriffen habend, gingen zum [See] Nārāyaṇa-saras, wo ihre eigenen älteren Brüder vollendet [geworden] waren.
Wort für Wort
te
sie (Nom.Pl.)
ca
und (Konj.)
pitrā
vom Vater (Instr.Sg.)
samādiṣṭāḥ
angewiesen (Nom.Pl., PPP)
prajā-sarge
zur Erzeugung von Nachkommenschaft (Lok.Sg.)
dhṛta-vratāḥ
die [ihr] Gelübde ergriffen hatten (Nom.Pl., Bahuvrihi)
nārāyaṇa-saraḥ
zum [See] Nārāyaṇa-saras (Akk.Sg., Richtungsziel)
jagmuḥ
sie gingen (3.Pl.Perf. von √gam)
yatra
wo (Adv.)
siddhāḥ
vollendet (Nom.Pl.)
sva-pūrvajāḥ
ihre eigenen älteren Brüder, wörtl. 'zuvor Geborenen' (Nom.Pl.)
Allein durch die Berührung damit [mit dem heiligen Wasser] war ihr Herzensschmutz gänzlich fortgewaschen; das höchste Brahman murmelnd, übten sie dort große Askese.
Wort für Wort
tad-upasparśanāt eva
allein durch die Berührung davon (Abl.Sg.)
vinirdhūta-mala-āśayāḥ
deren Herzensschmutz gänzlich fortgewaschen war (Nom.Pl., Bahuvrihi)
So sprach, o König der Könige, der Weise Nārada, an sie herangetreten - deren Sinn ebenfalls auf die Erzeugung von Nachkommenschaft gerichtet war -, rätselhafte Worte wie zuvor.
Wort für Wort
iti
so (Partikel)
tān api
auch sie (Akk.Pl.)
rājendra
o König der Könige (Vok.Sg.)
prajā-sarga-dhiyaḥ
deren Sinn auf die Erzeugung von Nachkommenschaft gerichtet war (Akk.Pl., Bahuvrihi)
sadhrīcīnaṃ pratīcīnaṃ parasyānupathaṃ gatāḥ
nādyāpi te nivartante paścimā yāminīriva
Sie gingen den geraden, nach Westen [führenden] Pfad entlang, dem Höchsten folgend; auch heute noch kehren sie nicht zurück, wie vergangene Nächte [nicht wiederkehren].
Śrī Dakṣa sprach: Ach, du Unheiliger unter den Heiligen! Mit dem äußeren Zeichen eines Heiligen [getarnt] hast du an uns Schändliches getan; den Kindern wurde der Weg eines Bettelmönchs gezeigt.
Wort für Wort
śrī-dakṣaḥ uvāca
Śrī Dakṣa (Nom.) sprach (3.Sg.Perf.)
aho
ach! (Ausrufspartikel)
asādho
o Unheiliger (Vok.Sg., ironisch)
sādhūnām
der Heiligen, Tugendhaften (Gen.Pl.)
sādhu-liṅgena
mit dem äußeren Zeichen eines Heiligen (Instr.Sg.)
naḥ
uns (Dat./Akk.Pl.)
tvayā
von dir (Instr.Sg.)
asādhu akāri
Schändliches wurde getan (Akk.Sg. + 3.Sg.Aor.Pass. von √kṛ)
An denen, die von den drei Schulden noch nicht befreit und deren [religiöse] Pflichten noch nicht [gehörig] erwogen waren, hast du, o Sünder, die Vereitelung ihres Heils in beiden Welten bewirkt.
Wort für Wort
ṛṇaiḥ tribhiḥ
durch die drei Schulden (Instr.Pl., gegenüber Göttern, Weisen und Ahnen)
amuktānām
derer, die [davon] nicht befreit waren (Gen.Pl.)
amīmāṃsita-karmaṇām
deren [religiöse] Pflichten nicht [gehörig] erwogen waren (Gen.Pl., Bahuvrihi)
nanu bhāgavatā nityaṃ bhūtānugrahakātarāḥ
ṛte tvāṃ sauhṛdaghnaṃ vai vairaṅkaramavairiṇām
Sind nicht die Verehrer [des Herrn] stets eifrig um das Wohl der Geschöpfe besorgt - außer dir, der du die Freundschaft zerstörst und Feindschaft erzeugst gegenüber denen, die nicht feindselig sind?
Wort für Wort
nanu
ist es nicht so? (Frage-/Bekräftigungspartikel)
bhāgavatāḥ
die Verehrer des Erhabenen (Nom.Pl.)
nityam
stets, immer (Adv.)
bhūta-anugraha-kātarāḥ
eifrig um das Wohlergehen der Geschöpfe besorgt (Nom.Pl., Bahuvrihi)
ṛte tvām
außer dir (Akk. + Postposition)
sauhṛda-ghnam
den Freundschaft-Zerstörenden (Akk.Sg.)
vai
wahrlich (Partikel)
vairam-karam
Feindschaft-Erzeugenden (Akk.Sg.)
avairiṇām
gegenüber denen, die nicht feindselig sind (Gen.Pl.)
Nicht auf diese Weise sollte durch dich, den Einzelgänger, die Entsagung der Menschen [bewirkt werden] - fälschlich meinst du, [es sei] Seelenruhe, [wenn du] die Fesseln der Zuneigung durchtrennst.
Wort für Wort
na ittham
nicht so, nicht auf diese Weise (Adv.)
puṃsām
der Menschen (Gen.Pl.)
virāgaḥ
die Entsagung, Loslösung (Nom.Sg.)
syāt
sollte sein (3.Sg.Opt.)
tvayā kevalinā
durch dich, den Einzelgänger/Isolierten (Instr.Sg.)
mṛṣā
fälschlich, trügerisch (Adv.)
manyase
du meinst, glaubst (2.Sg.Präs.Med.)
yadi
wenn (Konj.)
upaśamam
die [innere] Ruhe, Besänftigung (Akk.Sg.)
sneha-pāśa-nikṛntanam
das Durchtrennen der Fesseln der Zuneigung (Akk.Sg.)
Ohne es erfahren zu haben, kennt der Mensch die Schärfe der Sinnesobjekte nicht; danach wird er von selbst überdrüssig - nicht ebenso [wirksam ist dies] bei dem, dessen Verstand durch andere [von außen] gespalten wurde.
Wort für Wort
na anubhūya
ohne erfahren, erlebt zu haben (verneinter Absol.)
na jānāti
er kennt nicht (3.Sg.Präs.)
pumān
der Mensch (Nom.Sg.)
viṣaya-tīkṣṇatām
die Schärfe, Bitterkeit der Sinnesobjekte (Akk.Sg.)
nirvidyate
er wird abgestoßen, überdrüssig (3.Sg.Präs.Med.)
svayam
von selbst (Adv.)
tasmāt
deswegen, danach (Abl.Sg.)
na tathā
nicht ebenso [stark] (Adv.)
bhinna-dhīḥ
einer, dessen Verstand [von außen] gespalten wurde (Nom.Sg.)
Weil du uns, den Tugendhaften, den Haushältern, die [ihre] Pflichten ausführen, Unerträgliches getan hast, wurde [dennoch] deine Unbill [bisher] ertragen.
Wort für Wort
yat
weil (Konj.)
naḥ
uns (Dat./Akk.Pl.)
tvam
du (Nom.Sg.)
karma-sandhānām
derer, die [ihre religiösen] Pflichten miteinander verknüpfen/ausführen (Gen.Pl.)
tantukṛntana yannastvamabhadramacaraḥ punaḥ
tasmāllokeṣu te mūḍha na bhavedbhramataḥ padam
O Zerschneider des [Ahnen-]Fadens, weil du uns abermals Unheilvolles angetan hast, möge es deshalb für dich, o Tor, in den Welten keinen festen Platz mehr geben - [sondern nur das Los] eines ewig Umherwandernden.
Śrī Śuka sprach: Nārada, der von den Tugendhaften Anerkannte, nahm dies bereitwillig an; denn dies allein ist das [wahre] Lob des Guten: dass ein Meister [seiner selbst] es selbst zu ertragen weiß.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka (Nom.) sprach (3.Sg.Perf.)
pratijagrāha
er nahm an (3.Sg.Perf. von prati-√grah)
tat
das (Akk.Sg.)
bāḍham
bereitwillig, 'so sei es' (Adv.)
nāradaḥ
Nārada (Nom.Sg.)
sādhu-sammataḥ
der von den Tugendhaften Geschätzte, Anerkannte (Nom.Sg.)