Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 84: pṛthu-caritre kumāra-saṅgamo nāma dvāviṁśo 'dhyāyaḥ [?] Pṛthu Mahārājas Begegnung mit den vier Kumāras

maitreya uvāca janeṣu pragṛṇatsv evaṁ pṛthuṁ pṛthula-vikramam tatropajagmur munayaś catvāraḥ sūrya-varcasaḥ

Maitreya sprach: Während die Leute solcherart [Lobpreisungen] darbrachten – dem Pṛthu, dem von gewaltiger Tapferkeit –, kamen dort vier Weise heran, strahlend wie die Sonne.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya (Nom.) sprach
janeṣu
unter den Leuten (Lok. Pl.)
pragṛṇatsu
während sie priesen (Lok. Pl. Part. Präs.)
evam
so
pṛthum
Pṛthu (Akk. Sg.)
pṛthula-vikramam
von gewaltiger Tapferkeit (Akk. Sg.)
tatra
dort
upajagmuḥ
sie näherten sich (3. Pl. Perf.)
munayaḥ
Weise (Nom. Pl.)
catvāraḥ
vier (Nom. Pl.)
sūrya-varcasaḥ
von sonnengleichem Glanz (Nom. Pl.)

tāṁs tu siddheśvarān rājā vyomno 'vatarato 'rciṣā lokān apāpān kurvāṇān sānugo 'caṣṭa lakṣitān

Der König aber, begleitet von seinem Gefolge, erblickte sie, die Herren der Vollkommenen, wie sie durch ihren Glanz die Welten sündlos machend vom Himmel herabstiegen, als sie sichtbar wurden.

Wort für Wort
tān
sie (Akk. Pl.)
tu
aber
siddha-īśvarān
die Herren der Vollkommenen/Siddhas (Akk. Pl.)
rājā
der König (Nom. Sg.)
vyomnaḥ
vom Himmel (Abl. Sg.)
avatarataḥ
herabsteigend (Akk. Pl. Part. Präs.)
arciṣā
durch [ihren] Glanz (Instr. Sg.)
lokān
die Welten (Akk. Pl.)
apāpān
sündlos (Akk. Pl., prädikativ)
kurvāṇān
machend (Akk. Pl. Part. Med.)
sa-anugaḥ
mit [seinem] Gefolge (Nom. Sg.)
acaṣṭa
er erblickte (3. Sg. Impf.)
lakṣitān
die sichtbar Gewordenen (Akk. Pl. Part. Perf. Pass.)

tad-darśanodgatān prāṇān pratyāditsur ivotthitaḥ sa-sadasyānugo vainya indriyeśo guṇān iva

Pṛthu, der Sohn Venas, erhob sich, zusammen mit den Ratsmitgliedern und Gefolgsleuten, wie einer, der bei ihrem Anblick den [ihm] entwichenen Lebensatem zurückgewinnen wollte – gleich dem Herrn der Sinne, der sich den Erscheinungsweisen der Natur zuwendet.

Wort für Wort
tat-darśana-udgatān
durch deren Anblick entwichene (Akk. Pl.)
prāṇān
die Lebenskräfte/den Lebensatem (Akk. Pl.)
pratyāditsuḥ
einer, der zurückzugeben wünschte (Nom. Sg., Desiderativ-Nomen)
iva
wie
utthitaḥ
er erhob sich (Nom. Sg. Part. Perf.)
sa-sadasya-anugaḥ
mit Ratsmitgliedern und Gefolgsleuten (Nom. Sg.)
vainyaḥ
der Sohn Venas (Nom. Sg.)
indriya-īśaḥ
der Herr der Sinne (Nom. Sg.)
guṇān
zu den Erscheinungsweisen (Akk. Pl.)
iva
wie

gauravād yantritaḥ sabhyaḥ praśrayānata-kandharaḥ vidhivat pūjayāṁ cakre gṛhītādhyarhaṇāsanān

Von [ihrer] Erhabenheit überwältigt, verehrte der wohlerzogene [König], den Nacken in Bescheidenheit gebeugt, sie vorschriftsgemäß, nachdem sie die dargebrachten Ehrengaben und Sitze angenommen hatten.

Wort für Wort
gauravāt
aus Ehrfurcht/wegen [ihrer] Erhabenheit (Abl. Sg.)
yantritaḥ
gebunden/überwältigt (Nom. Sg.)
sabhyaḥ
der Wohlerzogene/Höfliche (Nom. Sg.)
praśraya-ānata-kandharaḥ
mit vor Demut geneigtem Nacken (Nom. Sg.)
vidhi-vat
vorschriftsgemäß (Adv.)
pūjayām cakre
er verehrte (periphr. Perf.)
gṛhīta-adhyarhaṇa-āsanān
nachdem sie Ehrengaben und Sitze angenommen hatten (Akk. Pl.)

tat-pāda-śauca-salilair mārjitālaka-bandhanaḥ tatra śīlavatāṁ vṛttam ācaran mānayann iva

Mit dem Wasser, das die Füße jener gewaschen hatte, seine Haarlocken benetzend, übte er dort das Verhalten der Tugendhaften, gleichsam es ehrend.

Wort für Wort
tat-pāda-śauca-salilaiḥ
mit dem Wasser der Fußwaschung von jenen (Instr. Pl.)
mārjita-alaka-bandhanaḥ
mit benetztem Haarschopf (Nom. Sg.)
tatra
dort
śīlavatām
der Tugendhaften (Gen. Pl.)
vṛttam
das Verhalten (Akk. Sg.)
ācaran
ausübend (Nom. Sg. Part.)
mānayan
ehrend (Nom. Sg. Part.)
iva
gleichsam

hāṭakāsana āsīnān sva-dhiṣṇyeṣv iva pāvakān śraddhā-saṁyama-saṁyuktaḥ prītaḥ prāha bhavāgrajān

Zu ihnen, die auf einem goldenen Sitz saßen wie Feuer auf ihren eigenen Altären, sprach er, erfüllt von Glauben und Zurückhaltung, erfreut, zu den älteren Brüdern Bhavas [Śivas].

Wort für Wort
hāṭaka-āsane
auf einem goldenen Sitz (Lok. Sg.)
āsīnān
die Sitzenden (Akk. Pl.)
sva-dhiṣṇyeṣu
auf ihren eigenen Altären (Lok. Pl.)
iva
wie
pāvakān
Feuer (Akk. Pl.)
śraddhā-saṁyama-saṁyuktaḥ
ausgestattet mit Glauben und Zurückhaltung (Nom. Sg.)
prītaḥ
erfreut (Nom. Sg.)
prāha
er sprach (3. Sg. Perf.)
bhava-agrajān
zu den älteren Brüdern Bhavas/Śivas (Akk. Pl.)

pṛthur uvāca aho ācaritaṁ kiṁ me maṅgalaṁ maṅgalāyanāḥ yasya vo darśanaṁ hy āsīd durdarśānāṁ ca yogibhiḥ

Pṛthu sprach: Oh, welch Glückbringendes habe ich vollbracht, ihr Urquellen des Segens, wodurch mir fürwahr der Anblick von euch zuteilwurde – euch, die selbst für Yogis schwer zu erschauen seid!

Wort für Wort
pṛthuḥ uvāca
Pṛthu (Nom.) sprach
aho
oh (Ausruf)
ācaritam
vollbracht (Nom./Akk. Sg. Part. Perf. Pass.)
kim
was/welches
me
von mir (Instr./Gen.)
maṅgalam
Glückbringendes (Nom. Sg.)
maṅgala-āyanāḥ
o Urquellen des Segens (Vok. Pl.)
yasya
durch welches (Rel., Gen. Sg.)
vaḥ
euer (Gen. Pl.)
darśanam
der Anblick (Nom. Sg.)
hi
fürwahr
āsīt
wurde/war (3. Sg. Impf.)
durdarśānām
der schwer zu Erblickenden (Gen. Pl.)
ca
und/auch
yogibhiḥ
von den Yogis (Instr. Pl.)

kiṁ tasya durlabhataram iha loke paratra ca yasya viprāḥ prasīdanti śivo viṣṇuś ca sānugaḥ

Was ist für den schwerer zu erlangen, hier in dieser Welt oder jenseits, mit dessen [Wohlergehen] die Brahmanen zufrieden sind, sowie Śiva und Viṣṇu mit ihrem Gefolge?

Wort für Wort
kim
was
tasya
für jenen (Gen. Sg.)
durlabha-taram
schwerer erlangbar (Nom./Akk. Sg. Komp.)
iha loke
hier in dieser Welt (Lok. Sg.)
paratra
im Jenseits
ca
und
yasya
dessen (Gen. Sg., Rel.)
viprāḥ
die Brahmanen (Nom. Pl.)
prasīdanti
sind zufrieden (3. Pl. Präs.)
śivaḥ
Śiva (Nom. Sg.)
viṣṇuḥ
Viṣṇu (Nom. Sg.)
ca
und
sa-anugaḥ
mit [seinem] Gefolge (Nom. Sg.)

naiva lakṣayate loko lokān paryaṭato 'pi yān yathā sarva-dṛśaṁ sarva ātmānaṁ ye 'sya hetavaḥ

Die Menschen erkennen nicht jene, die, obgleich sie die Welten durchwandern, [durch sie] ziehen – so wie sie auch nicht den Allsehenden erkennen, das Selbst in allem, euch, die ihr die Ursachen dieses Universums seid.

Wort für Wort
na eva
gar nicht
lakṣayate
erkennt (3. Sg. Med.)
lokaḥ
die Menschen/die Welt (Nom. Sg.)
lokān
die Welten (Akk. Pl.)
paryaṭataḥ
wandernd (Akk. Pl. Part.)
api
obwohl
yān
die (Akk. Pl., Rel.)
yathā
wie/so wie
sarva-dṛśam
den Allsehenden (Akk. Sg.)
sarva-ātmānam
das Selbst in allem (Akk. Sg.)
ye
die (Nom. Pl., Rel.)
asya
von diesem [Kosmos] (Gen. Sg.)
hetavaḥ
die Ursachen (Nom. Pl.)

adhanā api te dhanyāḥ sādhavo gṛha-medhinaḥ yad-gṛhā hy arha-varyāmbu-tṛṇa-bhūmīśvarāvarāḥ

Selbst ohne Reichtum sind jene glücklich zu nennen, die tugendhaften Haushälter, in deren Häusern fürwahr, vom Herrn bis zum Diener, den Verehrungswürdigsten Wasser, Gras und Grund dargeboten werden.

Wort für Wort
adhanāḥ
ohne Reichtum (Nom. Pl.)
api
obwohl
te
jene (Nom. Pl.)
dhanyāḥ
glücklich zu nennen (Nom. Pl.)
sādhavaḥ
die Tugendhaften (Nom. Pl.)
gṛha-medhinaḥ
Haushälter (Nom. Pl.)
yat-gṛhāḥ
deren Häuser (Nom. Pl.)
hi
fürwahr
arha-varya
den Verehrungswürdigsten
ambu
Wasser
tṛṇa
Gras
bhūmi
Grund/Land
īśvara-avarāḥ
vom Herrn bis zum Diener (Nom. Pl.)

vyālālaya-drumā vai teṣv ariktākhila-sampadaḥ yad-gṛhās tīrtha-pādīya-pādatīrtha-vivarjitāḥ

Fürwahr, sogar Bäume – Behausungen giftiger Schlangen – sind reicher an allem Reichtum als jene Häuser, denen das Fußwaschwasser derer fehlt, deren Füße selbst Pilgerstätten sind.

Wort für Wort
vyāla-ālaya-drumāḥ
Bäume, Behausungen giftiger Schlangen (Nom. Pl.)
vai
fürwahr
teṣu
im Vergleich zu jenen [Häusern] (Lok. Pl.)
arikta-akhila-sampadaḥ
voll allen Reichtums/nicht entleert (Nom. Pl.)
yat-gṛhāḥ
deren Häuser (Nom. Pl.)
tīrtha-pādīya
derjenigen, deren Füße Pilgerstätten sind
pāda-tīrtha
das Fußwaschwasser
vivarjitāḥ
entbehrend (Nom. Pl.)

svāgataṁ vo dvija-śreṣṭhā yad-vratāni mumukṣavaḥ caranti śraddhayā dhīrā bālā eva bṛhanti ca

Willkommen seid ihr, o Beste der Zweimalgeborenen, deren Gelübde die nach Befreiung Strebenden, die Standhaften, mit Glauben befolgen – obgleich [nur] Knaben, seid ihr darin doch groß geworden.

Wort für Wort
su-āgatam
willkommen (Nom./Akk. Sg.)
vaḥ
euch (Gen./Dat. Pl.)
dvija-śreṣṭhāḥ
o Beste der Zweimalgeborenen (Vok. Pl.)
yat-vratāni
deren Gelübde (Akk. Pl., Rel.)
mumukṣavaḥ
die nach Befreiung Verlangenden (Nom. Pl.)
caranti
üben aus (3. Pl. Präs.)
śraddhayā
mit Glauben (Instr. Sg.)
dhīrāḥ
die Standhaften (Nom. Pl.)
bālāḥ
Knaben (Nom. Pl.)
eva
gerade/sogar
bṛhanti
sind groß geworden/wachsen (3. Pl. Präs.)
ca
und

kaccin naḥ kuśalaṁ nāthā indriyārthārtha-vedinām vyasanāvāpa etasmin patitānāṁ sva-karmabhiḥ

Ist es wohl gut bestellt um uns, o Herren – um uns, die im Sinnesgegenstand ihr einziges Ziel erkennen, die wir durch unsere eigenen Taten in dieses Unheil gefallen sind?

Wort für Wort
kaccit
ob wohl (Frage-Partikel)
naḥ
um uns (Gen./Dat. Pl.)
kuśalam
Wohlergehen (Nom. Sg.)
nāthāḥ
o Herren (Vok. Pl.)
indriya-artha-artha-vedinām
derer, die den Sinnesgegenstand als [einziges] Ziel erkennen (Gen. Pl.)
vyasana-āvāpe
im Sturz ins Unheil (Lok. Sg.)
etasmin
in diesem (Lok. Sg.)
patitānām
der Gefallenen (Gen. Pl.)
sva-karmabhiḥ
durch eigene Taten (Instr. Pl.)

bhavatsu kuśala-praśna ātmārāmeṣu neṣyate kuśalākuśalā yatra na santi mati-vṛttayaḥ

An euch, die ihr euch im eigenen Selbst erfreut, ist die Frage nach dem Wohlergehen nicht angebracht, denn bei euch gibt es keine guten oder schlechten Gedankenregungen mehr.

Wort für Wort
bhavatsu
bei euch (Lok. Pl.)
kuśala-praśnaḥ
die Frage nach dem Wohlergehen (Nom. Sg.)
ātma-ārāmeṣu
bei denen, die sich im Selbst erfreuen (Lok. Pl.)
na iṣyate
ist nicht angebracht (3. Sg. Pass.)
kuśala-akuśalāḥ
gute und schlechte (Nom. Pl.)
yatra
wo
na santi
es gibt nicht (3. Pl.)
mati-vṛttayaḥ
Gedankenregungen (Nom. Pl.)

tad ahaṁ kṛta-viśrambhaḥ suhṛdo vas tapasvinām sampṛcche bhava etasmin kṣemaḥ kenāñjasā bhavet

Deshalb frage ich, der ich Vertrauen in euch, die wohlgesinnten Asketen, gefasst habe: Wodurch mag in dieser weltlichen Existenz mühelos das höchste Heil erreicht werden?

Wort für Wort
tat
deshalb
aham
ich (Nom. Sg.)
kṛta-viśrambhaḥ
der Vertrauen gefasst hat (Nom. Sg.)
su-hṛdaḥ
der Wohlgesinnten/Freunde (Gen. Pl.)
vaḥ
von euch (Gen. Pl.)
tapasvinām
der Asketen (Gen. Pl.)
sampṛcche
ich frage (1. Sg. Med.)
bhave etasmin
in dieser weltlichen Existenz (Lok. Sg.)
kṣemaḥ
das höchste Heil (Nom. Sg.)
kena
wodurch (Instr. Sg.)
añjasā
mühelos (Instr./Adv.)
bhavet
mag entstehen (Opt. 3. Sg.)

vyaktam ātmavatām ātmā bhagavān ātma-bhāvanaḥ svānām anugrahāyemāṁ siddha-rūpī caraty ajaḥ

Offenkundig ist der Erhabene, das Ziel der Selbstverwirklichten, der die Seelen zur Selbsterkenntnis erweckt, der Ungeborene, der zur Gnade der Seinigen in dieser Welt in vollendeter Gestalt umherwandelt.

Wort für Wort
vyaktam
offenkundig (Adv./Nom. Sg.)
ātma-vatām
der Selbstverwirklichten (Gen. Pl.)
ātmā
das Selbst/Ziel (Nom. Sg.)
bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg.)
ātma-bhāvanaḥ
der zur Selbsterkenntnis erweckt (Nom. Sg.)
svānām
der Seinigen (Gen. Pl.)
anugrahāya
zur Gnade (Dat. Sg.)
imām
diese [Welt] (Akk. Sg.)
siddha-rūpī
in vollendeter Gestalt (Nom. Sg.)
carati
wandelt (3. Sg. Präs.)
ajaḥ
der Ungeborene (Nom. Sg.)

maitreya uvāca pṛthos tat sūktam ākarṇya sāraṁ suṣṭhu mitaṁ madhu smayamāna iva prītyā kumāraḥ pratyuvāca ha

Maitreya sprach: Nachdem er jene Rede Pṛthus vernommen hatte – gehaltvoll, trefflich, knapp und honigsüß – erwiderte der Kumāra, wie lächelnd vor Freude.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya (Nom.) sprach
pṛthoḥ
Pṛthus (Gen. Sg.)
tat sūktam
jene [wohlgesprochene] Rede (Akk. Sg.)
ākarṇya
nachdem er gehört hatte (Absolutiv)
sāram
gehaltvoll (Akk. Sg.)
suṣṭhu
trefflich
mitam
knapp/maßvoll (Akk. Sg.)
madhu
honigsüß (Akk. Sg.)
smayamānaḥ
lächelnd (Nom. Sg. Part.)
iva
gleichsam
prītyā
aus Freude (Instr. Sg.)
kumāraḥ
der Kumāra (Nom. Sg.)
pratyuvāca
erwiderte (3. Sg. Perf.)
ha
fürwahr (Partikel)

sanat-kumāra uvāca sādhu pṛṣṭaṁ mahārāja sarva-bhūta-hitātmanā bhavatā viduṣā cāpi sādhūnāṁ matir īdṛśī

Sanat-kumāra sprach: Trefflich gefragt, o Großkönig, von dir, dessen Sinn auf das Wohl aller Wesen gerichtet ist, und der du zugleich gelehrt bist – so beschaffen ist der Sinn der Tugendhaften.

Wort für Wort
sanat-kumāraḥ uvāca
Sanat-kumāra (Nom.) sprach
sādhu
trefflich (Adv.)
pṛṣṭam
gefragt (Nom./Akk. Sg. Part.)
mahārāja
o Großkönig (Vok. Sg.)
sarva-bhūta-hita-ātmanā
von dem, dessen Sinn auf das Wohl aller Wesen gerichtet ist (Instr. Sg.)
bhavatā
von dir (Instr. Sg.)
viduṣā
dem Gelehrten (Instr. Sg.)
ca api
und auch
sādhūnām
der Tugendhaften (Gen. Pl.)
matiḥ
der Sinn (Nom. Sg.)
īdṛśī
solcherart (Nom. Sg. f.)

saṅgamaḥ khalu sādhūnām ubhayeṣāṁ ca sammataḥ yat-sambhāṣaṇa-sampraśnaḥ sarveṣāṁ vitanoti śam

Fürwahr, die Begegnung der Tugendhaften ist für beide Seiten geschätzt, deren Gespräch und gegenseitige Befragung allen [Beteiligten] Glück verschafft.

Wort für Wort
saṅgamaḥ
die Begegnung (Nom. Sg.)
khalu
fürwahr
sādhūnām
der Tugendhaften (Gen. Pl.)
ubhayeṣām
für beide Seiten (Gen. Pl.)
ca
und
sammataḥ
geschätzt (Nom. Sg.)
yat-sambhāṣaṇa-sampraśnaḥ
deren Gespräch und Befragung (Nom. Sg.)
sarveṣām
für alle (Gen. Pl.)
vitanoti
verschafft/verbreitet (3. Sg. Präs.)
śam
Glück (Akk. Sg.)

asty eva rājan bhavato madhudviṣaḥ pādāravindasya guṇānuvādane ratir durāpā vidhunoti naiṣṭhikī kāmaṁ kaṣāyaṁ malam antar-ātmanaḥ

Fürwahr, o König, in dir ist bereits jene schwer erlangbare, unerschütterliche Zuneigung zur Besingung der Eigenschaften der Lotosfüße des Feindes Madhus vorhanden, welche den lüsternen, befleckenden Schmutz aus dem Innersten des Selbst hinwegspült.

Wort für Wort
asti
es ist (3. Sg. Präs.)
eva
fürwahr
rājan
o König (Vok. Sg.)
bhavataḥ
in dir (Gen./Lok. Sg.)
madhu-dviṣaḥ
des Feindes Madhus [Viṣṇus] (Gen. Sg.)
pāda-aravindasya
der Lotosfüße (Gen. Sg.)
guṇa-anuvādane
im Besingen der Eigenschaften (Lok. Sg.)
ratiḥ
die Zuneigung (Nom. Sg.)
durāpā
schwer erlangbar (Nom. Sg.)
vidhunoti
spült hinweg (3. Sg. Präs.)
naiṣṭhikī
unerschütterlich (Nom. Sg.)
kāmam
lüstern (Akk. Sg. Adj.)
kaṣāyam
befleckend (Akk. Sg. Adj.)
malam
Schmutz (Akk. Sg.)
antaḥ-ātmanaḥ
des inneren Selbst (Gen. Sg.)

śāstreṣv iyān eva suniścito nṛṇāṁ kṣemasya sadhryag-vimṛśeṣu hetuḥ asaṅga ātma-vyatirikta ātmani dṛḍhā ratir brahmaṇi nirguṇe ca yā

In den Schriften gilt allein dies als die sicher festgestellte Ursache des höchsten Wohls der Menschen, bei denen, die es gründlich erwogen haben: Loslösung von dem, was vom [wahren] Selbst verschieden ist – dem Körper, der fälschlich als Selbst gilt –, und feste Hingezogenheit an das eigenschaftslose Brahman.

Wort für Wort
śāstreṣu
in den Schriften (Lok. Pl.)
iyān eva
gerade nur dies (Nom. Sg. n.)
suniścitaḥ
sicher festgestellt (Nom. Sg.)
nṛṇām
der Menschen (Gen. Pl.)
kṣemasya
des höchsten Wohls (Gen. Sg.)
sadhryak-vimṛśeṣu
bei denen, die gründlich erwogen haben (Lok. Pl.)
hetuḥ
die Ursache (Nom. Sg.)
asaṅgaḥ
die Loslösung (Nom. Sg.)
ātma-vyatirikte
von dem, was vom Selbst verschieden ist (Lok. Sg.)
ātmani
im [vermeintlichen] Selbst (Lok. Sg.)
dṛḍhā
fest (Nom. Sg. f.)
ratiḥ
die Zuneigung (Nom. Sg.)
brahmaṇi
im Brahman (Lok. Sg.)
nirguṇe
im eigenschaftslosen (Lok. Sg.)
ca yā
und die, welche (Nom. Sg. f., Rel.)

sā śraddhayā bhagavad-dharma-caryayā jijñāsayādhyātmika-yoga-niṣṭhayā yogeśvaropāsanayā ca nityaṁ puṇya-śravaḥ-kathayā puṇyayā ca

Diese [feste Hingezogenheit entsteht] durch Glauben, durch das Ausüben des Dienstes am Erhabenen, durch Wissbegierde, durch Beständigkeit im geistigen Yoga, durch die stete Verehrung des Herrn des Yoga, sowie durch fromme, heilsame Rede.

Wort für Wort
sā
diese [Hingezogenheit] (Nom. Sg. f.)
śraddhayā
durch Glauben (Instr. Sg.)
bhagavat-dharma-caryayā
durch die Ausübung des Dienstes am Erhabenen (Instr. Sg.)
jijñāsayā
durch Wissbegierde (Instr. Sg.)
adhyātmika-yoga-niṣṭhayā
durch Beständigkeit im geistigen Yoga (Instr. Sg.)
yoga-īśvara-upāsanayā
durch die Verehrung des Herrn des Yoga (Instr. Sg.)
ca nityam
und ständig
puṇya-śravaḥ-kathayā
durch fromme, heilsame Rede (Instr. Sg.)
puṇyayā ca
und die fromme [Rede] (Instr. Sg.)

arthendriyārāma-sagoṣṭhy-atṛṣṇayā tat-sammatānām aparigraheṇa ca vivikta-rucyā paritoṣa ātmani vinā harer guṇa-pīyūṣa-pānāt

Durch Gleichgültigkeit gegenüber Reichtum, Sinnesgenuss und der Gesellschaft ihrer Liebhaber, durch Nichtannahme dessen, was von ihnen gebilligt wird, durch Geschmack an der Zurückgezogenheit – doch Zufriedenheit im Selbst ist nicht zu erlangen ohne den Nektartrunk der Eigenschaften Haris.

Wort für Wort
artha-indriya-ārāma-sa-goṣṭhī-atṛṣṇayā
durch Durstlosigkeit gegenüber Reichtum, Sinnesfreude und deren Gesellschaft (Instr. Sg.)
tat-sammatānām
dessen, was von ihnen gebilligt wird (Gen. Pl.)
aparigraheṇa
durch Nichtannahme (Instr. Sg.)
ca
und
vivikta-rucyā
durch Geschmack an Abgeschiedenheit (Instr. Sg.)
paritoṣe
an Zufriedenheit (Lok. Sg.)
ātmani
im Selbst (Lok. Sg.)
vinā
ohne
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)
guṇa-pīyūṣa-pānāt
ohne den Nektartrunk der Eigenschaften (Abl. Sg.)

ahiṁsayā pāramahaṁsya-caryayā smṛtyā mukundācaritāgrya-sīdhunā yamair akāmair niyamaiś cāpy anindayā nirīhayā dvandva-titikṣayā ca

Durch Gewaltlosigkeit, durch die Lebensweise der Paramahaṁsas, durch beständiges Gedenken – wie den erlesensten Nektar der Taten Mukundas –, durch die Zügelungen und Regeln, frei von Verlangen, ebenso durch Unterlassen des Tadelns, durch Wunschlosigkeit und durch das Ertragen der Gegensatzpaare.

Wort für Wort
ahiṁsayā
durch Gewaltlosigkeit (Instr. Sg.)
pāramahaṁsya-caryayā
durch die Lebensweise der Paramahaṁsas (Instr. Sg.)
smṛtyā
durch [beständiges] Gedenken (Instr. Sg.)
mukunda-ācarita-agrya-sīdhunā
durch den erlesensten Nektar der Taten Mukundas (Instr. Sg.)
yamaiḥ akāmaiḥ
durch die Zügelungen, frei von Verlangen (Instr. Pl.)
niyamaiḥ
durch die [inneren] Regeln (Instr. Pl.)
ca api
und auch
anindayā
durch Unterlassen des Tadelns (Instr. Sg.)
nirīhayā
durch Wunschlosigkeit (Instr. Sg.)
dvandva-titikṣayā
durch das Ertragen der Gegensatzpaare (Instr. Sg.)
ca
und

harer muhus tatpara-karṇa-pūra-guṇābhidhānena vijṛmbhamāṇayā bhaktyā hy asaṅgaḥ sad-asaty anātmani syān nirguṇe brahmaṇi cāñjasā ratiḥ

Durch die Hingabe, die beständig anwächst durch das Besprechen der Eigenschaften Haris – wie der Ohrenschmuck derer, die ihm ergeben sind –, entsteht fürwahr Loslösung von dem [scheinbar] Realen und Irrealen, das nicht das wahre Selbst ist, und mühelos entsteht Hingezogenheit an das eigenschaftslose Brahman.

Wort für Wort
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)
muhuḥ
beständig
tat-para-karṇa-pūra
wie der Ohrenschmuck derer, die ihm ergeben sind
guṇa-abhidhānena
durch das Besprechen der Eigenschaften (Instr. Sg.)
vijṛmbhamāṇayā
die anwächst (Instr. Sg. f. Part.)
bhaktyā
durch Hingabe (Instr. Sg.)
hi
fürwahr
asaṅgaḥ
Loslösung (Nom. Sg.)
sat-asati
am [scheinbar] Realen und Irrealen (Lok. Sg.)
anātmani
am Nicht-Selbst (Lok. Sg.)
syāt
mag entstehen (Opt. 3. Sg.)
nirguṇe brahmaṇi
am eigenschaftslosen Brahman (Lok. Sg.)
ca añjasā
und mühelos
ratiḥ
Zuneigung (Nom. Sg.)

yadā ratir brahmaṇi naiṣṭhikī pumān ācāryavān jñāna-virāga-raṁhasā dahaty avīryaṁ hṛdayaṁ jīva-kośaṁ pañcātmakaṁ yonim ivotthito 'gniḥ

Wenn die unerschütterliche Hingezogenheit an Brahman im Menschen entsteht, verbrennt der Mensch, der einen Lehrer besitzt, durch die Kraft von Wissen und Entsagung die kraftlos gewordene Hülle des Herzens, den aus den fünf Elementen bestehenden Mutterschoß des Daseins – wie ein entfachtes Feuer das Brennholz.

Wort für Wort
yadā
wenn
ratiḥ brahmaṇi naiṣṭhikī
die unerschütterliche Hingezogenheit an Brahman (Nom. Sg.)
pumān
der Mensch (Nom. Sg.)
ācāryavān
einen Lehrer besitzend (Nom. Sg.)
jñāna-virāga-raṁhasā
durch die Kraft von Wissen und Entsagung (Instr. Sg.)
dahati
verbrennt (3. Sg. Präs.)
avīryam
kraftlos geworden (Akk. Sg.)
hṛdayam
das Herz (Akk. Sg.)
jīva-kośam
die Hülle der Lebenskraft (Akk. Sg.)
pañca-ātmakam
aus den fünf Elementen bestehend (Akk. Sg.)
yonim
den Mutterschoß [des Daseins] (Akk. Sg.)
iva
wie
utthitaḥ agniḥ
ein entfachtes Feuer (Nom. Sg.)

dagdhāśayo mukta-samasta-tad-guṇo naivātmano bahir antar vicaṣṭe parātmanor yad-vyavadhānaṁ purastāt svapne yathā puruṣas tad-vināśe

Wer, dessen Herzensneigungen verbrannt sind, von all jenen materiellen Eigenschaften befreit ist, erblickt fürwahr weder außerhalb noch innerhalb des Selbst mehr jene zuvor bestehende Trennung zwischen dem höchsten Selbst und dem individuellen Selbst – so wie ein Mensch beim Vergehen des Traumes diesen nicht mehr wahrnimmt.

Wort für Wort
dagdha-āśayaḥ
dessen [Herzens-]Neigungen verbrannt sind (Nom. Sg.)
mukta-samasta-tat-guṇaḥ
der von all jenen [materiellen] Eigenschaften befreit ist (Nom. Sg.)
na eva
gar nicht
ātmanaḥ
des Selbst (Gen. Sg.)
bahiḥ antaḥ
außen und innen
vicaṣṭe
erblickt (3. Sg. Med.)
para-ātmanoḥ
zwischen dem höchsten und dem individuellen Selbst (Gen./Lok. Dual)
yat-vyavadhānam
jene Trennung, die (Nom./Akk. Sg.)
purastāt
zuvor
svapne
im Traum (Lok. Sg.)
yathā
wie
puruṣaḥ
der Mensch (Nom. Sg.)
tat-vināśe
bei dessen Vergehen (Lok. Sg.)

ātmānam indriyārthaṁ ca paraṁ yad ubhayor api saty āśaya upādhau vai pumān paśyati nānyadā

Das individuelle Selbst, den Sinnesgegenstand und das, was jenseits von beiden ist, sieht der Mensch nur, solange die falsche Vorstellung als trennende Kennzeichnung besteht – sonst nicht.

Wort für Wort
ātmānam
das [individuelle] Selbst (Akk. Sg.)
indriya-artham
den Sinnesgegenstand (Akk. Sg.)
ca param
und das Höchste/Jenseitige (Akk. Sg.)
yat ubhayoḥ api
das, was auch von beiden [verschieden ist]
sati āśaye
solange die [falsche] Vorstellung besteht (Lok. absolut)
upādhau
als Kennzeichnung (Lok. Sg.)
vai
fürwahr
pumān
der Mensch (Nom. Sg.)
paśyati
sieht (3. Sg. Präs.)
na anyadā
sonst nicht

nimitte sati sarvatra jalādāv api pūruṣaḥ ātmanaś ca parasyāpi bhidāṁ paśyati nānyadā

Solange überall eine äußere Ursache besteht – wie etwa das Wasser als Spiegel –, sieht der Mensch einen Unterschied zwischen sich selbst und dem anderen; sonst nicht.

Wort für Wort
nimitte sati
solange die Ursache besteht (Lok. absolut)
sarvatra
überall
jala-ādau api
auch im Wasser und anderswo (Lok. Sg.)
pūruṣaḥ
der Mensch (Nom. Sg.)
ātmanaḥ ca parasya api
zwischen sich selbst und dem anderen (Gen. Sg.)
bhidām
die Verschiedenheit (Akk. Sg.)
paśyati
sieht (3. Sg. Präs.)
na anyadā
sonst nicht

indriyair viṣayākṛṣṭair ākṣiptaṁ dhyāyatāṁ manaḥ cetanāṁ harate buddheḥ stambas toyam iva hradāt

Der von den durch die Sinnesobjekte angezogenen Sinnen fortgerissene Geist derer, die beständig an jene denken, raubt die Klarheit des Verstandes – wie ein Grashalm das Wasser aus dem Teich ableitet.

Wort für Wort
indriyaiḥ
durch die Sinne (Instr. Pl.)
viṣaya-ākṛṣṭaiḥ
die von den Sinnesobjekten angezogen werden (Instr. Pl.)
ākṣiptam
fortgerissen (Nom. Sg.)
dhyāyatām
derer, die [ständig] denken (Gen. Pl.)
manaḥ
der Geist (Nom. Sg.)
cetanām
die Klarheit/das Bewusstsein (Akk. Sg.)
harate
raubt (3. Sg. Med.)
buddheḥ
des Verstandes (Gen. Sg.)
stambaḥ
ein Grashalm/Damm (Nom. Sg.)
toyam
das Wasser (Akk. Sg.)
iva
wie
hradāt
aus dem Teich (Abl. Sg.)

bhraśyaty anusmṛtiś cittaṁ jñāna-bhraṁśaḥ smṛti-kṣaye tad-rodhaṁ kavayaḥ prāhur ātmāpahnavam ātmanaḥ

Wenn die stetige Erinnerung schwindet, verfällt das Bewusstsein; beim Schwund der Erinnerung entsteht der Verlust des Wissens; jene Verhinderung [des Wissens] nennen die Weisen die Verleugnung des Selbst durch das eigene Selbst.

Wort für Wort
bhraśyati
fällt/schwindet (3. Sg. Präs.)
anusmṛtiḥ
die [stetige] Erinnerung (Nom. Sg.)
cittam
das Bewusstsein (Nom. Sg.)
jñāna-bhraṁśaḥ
der Verlust des Wissens (Nom. Sg.)
smṛti-kṣaye
beim Schwund der Erinnerung (Lok. Sg.)
tat-rodham
jene Hemmung (Akk. Sg.)
kavayaḥ
die Weisen (Nom. Pl.)
prāhuḥ
nennen (3. Pl. Perf.)
ātma-apahnavam
die Verleugnung des Selbst (Akk. Sg.)
ātmanaḥ
durch das Selbst (Gen. Sg.)

nātaḥ parataro loke puṁsaḥ svārtha-vyatikramaḥ yad-adhy anyasya preyastvam ātmanaḥ sva-vyatikramāt

Es gibt für den Menschen in dieser Welt keine größere Übertretung seines eigenen wahren Interesses als diese: dass durch die Vernachlässigung seines wahren Selbst ihm das Andere lieber wird als dieses eigentliche Selbst.

Wort für Wort
na ataḥ parataraḥ
nichts ist größer als dies
loke
in der Welt (Lok. Sg.)
puṁsaḥ
des Menschen (Gen. Sg.)
svārtha-vyatikramaḥ
die Übertretung des eigenen Interesses (Nom. Sg.)
yat-adhi
wodurch
anyasya
des anderen (Gen. Sg.)
preyastvam
das Liebersein (Nom. Sg.)
ātmanaḥ
als [zum eigentlichen] Selbst (Abl./Gen. Sg.)
sva-vyatikramāt
durch [eigene] Vernachlässigung (Abl. Sg.)

arthendriyārthābhidhyānaṁ sarvārthāpahnavo nṛṇām bhraṁśito jñānavijñānād yenāviśati mukhyatām

Das beständige Sinnen nach Reichtum und Sinnesobjekten ist für die Menschen die Verleugnung aller [wahren] Ziele, wodurch der Mensch, seines Wissens und seiner Erkenntnis beraubt, in den [untersten] Rang des unbeweglichen Daseins [?] eingeht.

Wort für Wort
artha-indriya-artha-abhidhyānam
das ständige Sinnen nach Reichtum und Sinnesobjekten (Nom. Sg.)
sarva-artha-apahnavaḥ
die Verleugnung aller [wahren] Ziele (Nom. Sg.)
nṛṇām
der Menschen (Gen. Pl.)
bhraṁśitaḥ
beraubt (Nom. Sg.)
jñāna-vijñānāt
von Wissen und Erkenntnis (Abl. Sg.)
yena
wodurch
āviśati
geht ein (3. Sg. Präs.)
mukhyatām
in den [untersten] Rang des Unbeweglichen [?] (Akk. Sg.)

[Anm.: 'mukhyatām' wörtlich 'Erst-/Hauptstellung'; hier laut Kontext technisch für die niedrigste, unbewegliche Daseinsform gebraucht [?]]

na kuryāt karhicit saṅgaṁ tamas tīvraṁ titīriṣuḥ dharmārtha-kāma-mokṣāṇāṁ yad atyanta-vighātakam

Wer die heftige Finsternis der Unwissenheit zu überqueren wünscht, sollte niemals jene Anhaftung eingehen, welche das äußerste Hindernis für Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa ist.

Wort für Wort
na kuryāt
sollte nicht eingehen (Opt. 3. Sg.)
karhicit
jemals
saṅgam
Anhaftung (Akk. Sg.)
tamaḥ
die Finsternis (Akk. Sg.)
tīvram
heftig (Akk. Sg. Adj.)
titīriṣuḥ
wer zu überqueren wünscht (Nom. Sg., Desiderativ)
dharma-artha-kāma-mokṣāṇām
von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa (Gen. Pl.)
yat
welche (Rel.)
atyanta-vighātakam
das äußerste Hindernis (Nom. Sg.)

tatrāpi mokṣa evārtha ātyantikatayeṣyate traivargyo 'rtho yato nityaṁ kṛtānta-bhaya-saṁyutaḥ

Auch unter jenen [vier Zielen] gilt allein die Befreiung als das endgültige Ziel, denn das dreifache Ziel [Dharma, Artha, Kāma] ist stets von der Furcht vor dem Ende [dem Tod] begleitet.

Wort für Wort
tatra api
auch unter jenen
mokṣaḥ eva
allein die Befreiung
arthaḥ
das Ziel (Nom. Sg.)
ātyantikatayā
als das endgültige (Instr. Sg.)
iṣyate
gilt (3. Sg. Pass.)
trai-vargyaḥ arthaḥ
das dreifache Ziel (Nom. Sg.)
yataḥ
denn/weil
nityam
stets
kṛta-anta-bhaya-saṁyutaḥ
von der Furcht vor dem Ende begleitet (Nom. Sg.)

pare 'vare ca ye bhāvā guṇa-vyatikarād anu na teṣāṁ vidyate kṣemam īśa-vidhvaṁsitāśiṣām

Und welche höheren und niederen Daseinszustände auch immer aus dem Wechselspiel der [materiellen] Erscheinungsweisen entstehen – für sie, deren Segnungen der Herr [der Zeit] zunichtemacht, gibt es kein beständiges Heil.

Wort für Wort
pare avare ca
höhere und niedere (Nom. Pl.)
ye bhāvāḥ
welche Zustände (Nom. Pl., Rel.)
guṇa-vyatikarāt anu
infolge des Wechselspiels der [materiellen] Erscheinungsweisen (Abl.)
na teṣām vidyate
für sie gibt es nicht (Gen. Pl.)
kṣemam
beständiges Heil (Nom. Sg.)
īśa-vidhvaṁsita-āśiṣām
deren Segnungen vom Herrn zunichtegemacht werden (Gen. Pl.)

tat tvaṁ narendra jagatām atha tasthūṣāṁ ca dehendriyāsu-dhiṣaṇātmabhir āvṛtānām yaḥ kṣetravit-tapatayā hṛdi viśvag āviḥ pratyak cakāsti bhagavāṁs tam avehi so 'smi

Jenes Prinzip bist du, o Herrscher der Menschen – das innerste Selbst der beweglichen und unbeweglichen Wesen, die durch Körper, Sinne, Lebenshauch, Verstand und Ich-Bewusstsein verhüllt sind: der Erhabene, der als Kenner des Feldes glühend, im Herzen allgegenwärtig offenbar, im Innersten strahlt. Erkenne ihn: 'Der bin ich.'

Wort für Wort
tat tvam
jenes bist du
narendra
o Herrscher der Menschen (Vok. Sg.)
jagatām
der beweglichen [Wesen] (Gen. Pl.)
atha tasthūṣām ca
und der unbeweglichen [Wesen] (Gen. Pl.)
deha-indriya-asu-dhiṣaṇā-ātmabhiḥ
durch Körper, Sinne, Lebenshauch, Verstand und Ichgefühl (Instr. Pl.)
āvṛtānām
die verhüllt sind (Gen. Pl.)
yaḥ
der, welcher (Nom. Sg., Rel.)
kṣetra-vit-tapatayā
durch das Glühen als Kenner des Feldes (Instr. Sg.)
hṛdi
im Herzen (Lok. Sg.)
viśvak
allgegenwärtig
āviḥ
offenbar
pratyak
im Innersten
cakāsti
strahlt (3. Sg. Präs.)
bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg.)
tam avehi
erkenne ihn! (Imp. 2. Sg.)
saḥ asmi
der bin ich

yasminn idaṁ sad-asad-ātmatayā vibhāti māyā viveka-vidhuti sraji vāhi-buddhiḥ taṁ nitya-mukta-pariśuddha-viśuddha-tattvaṁ pratyūḍha-karma-kalila-prakṛtiṁ prapadye

Ich nehme Zuflucht zu jenem, in welchem dieses Universum, gleich der Vorstellung [einer Schlange] auf einem Strick bei mangelnder Unterscheidungskraft, durch Māyā als Sein und Nichtsein erscheint – zu ihm, der ewig befreiten, restlos reinen, wahrhaft reinen Wesenheit, dessen scheinbare Verbindung mit der Natur durch die Verstrickungen des Karmas überwunden ist.

Wort für Wort
yasmin
in welchem (Lok. Sg., Rel.)
idam
dieses [Universum] (Nom. Sg.)
sat-asat-ātmatayā
in Form von Sein und Nichtsein (Instr. Sg.)
vibhāti
erscheint (3. Sg. Präs.)
māyā
durch Täuschung (Nom./Instr. Sg.)
viveka-vidhuti
durch Mangel an Unterscheidungsvermögen (Lok. Sg.)
sraji
an einem Strick/einer Girlande (Lok. Sg.)
vāhi-buddhiḥ
die [Fehl-]Vorstellung, die [darauf] entsteht (Nom. Sg.)
tam
ihn (Akk. Sg.)
nitya-mukta-pariśuddha-viśuddha-tattvam
die ewig befreite, gänzlich reine Wesenheit (Akk. Sg.)
pratyūḍha-karma-kalila-prakṛtim
dessen [Verbindung mit der] Natur die Verstrickung des Karmas überwunden hat (Akk. Sg.)
prapadye
ich nehme Zuflucht (1. Sg. Med.)

[Anm.: Bildvergleich (Strick/Girlande mit fälschlich wahrgenommener Schlange) syntaktisch verdichtet; Lesart mit den wenigsten Zusatzannahmen gewählt [?]]

yat-pāda-paṅkaja-palāśa-vilāsa-bhaktyā karmāśayaṁ grathitam udgrathayanti santaḥ tadvan na rikta-matayo yatayo 'pi ruddha-sroto-gaṇās tam araṇaṁ bhaja vāsudevam

Durch Hingabe an das liebliche Spiel der Lotosblätter/-füße dessen lösen die Heiligen den fest verknoteten Hang zu fruchtbringendem Handeln auf; nicht ebenso gelingt dies den an Hingabe leeren Asketen, selbst wenn sie die Ströme ihrer Sinne zurückgehalten haben. Verehre daher jenen würdigen Zufluchtsort, Vāsudeva!

Wort für Wort
yat-pāda-paṅkaja-palāśa-vilāsa-bhaktyā
durch Hingabe an das Spiel der Lotosfuß-Blätter dessen (Instr. Sg.)
karma-āśayam
die Neigung zu fruchtbringendem Handeln (Akk. Sg.)
grathitam
verknotet (Akk. Sg.)
udgrathayanti
lösen auf (3. Pl. Präs.)
santaḥ
die Heiligen (Nom. Pl.)
tadvat
ebenso
na
nicht
rikta-matayaḥ
die [an Hingabe] leeren Gesinnten (Nom. Pl.)
yatayaḥ
die Asketen (Nom. Pl.)
api
selbst wenn
ruddha-srotaḥ-gaṇāḥ
die die Sinnesströme zurückgehalten haben (Nom. Pl.)
tam araṇam
jenen würdigen Zufluchtsort (Akk. Sg.)
bhaja
verehre! (Imp. 2. Sg.)
vāsudevam
Vāsudeva (Akk. Sg.)

kṛcchro mahān iha bhavārṇavam aplaveśāṁ ṣaḍ-varga-nakram asukhena titīrṣanti tat tvaṁ harer bhagavato bhajanīyam aṅghriṁ kṛtvoḍupaṁ vyasanam uttara dustarārṇam

Groß ist hier die Mühsal, mit der jene ohne das Boot der Zuflucht beim Herrn den Ozean des weltlichen Daseins – mit dem Krokodil der sechs Feinde – nur unter großem Elend zu überqueren trachten. Darum mache du die verehrungswürdigen Füße Haris, des Erhabenen, zum Boot und überquere den gefahrvollen, schwer zu durchquerenden Ozean!

Wort für Wort
kṛcchraḥ mahān
große Mühsal (Nom. Sg.)
iha
hier
bhava-arṇavam
den Ozean des Daseins (Akk. Sg.)
aplava-īśām
für die ohne das Boot [des Herrn] (Gen. Pl.)
ṣaṭ-varga-nakram
mit dem Krokodil der sechs [Feinde] (Akk. Sg.)
asukhena
mit Elend/Unglück (Instr. Sg.)
titīrṣanti
trachten zu überqueren (3. Pl. Präs., Desiderativ)
tat
deshalb
tvam
du (Nom. Sg.)
hareḥ bhagavataḥ
des Erhabenen Hari (Gen. Sg.)
bhajanīyam aṅghrim
die verehrungswürdigen Füße (Akk. Sg.)
kṛtvā
machend (Absolutiv)
uḍupam
zum Boot (Akk. Sg.)
vyasanam
die Gefahrenzone (Akk. Sg.)
uttara
überquere! (Imp. 2. Sg.)
dustara-arṇam
den schwer zu durchquerenden Ozean (Akk. Sg.)

maitreya uvāca sa evaṁ brahma-putreṇa kumāreṇātma-medhasā darśitātma-gatiḥ samyak praśasyovāca taṁ nṛpaḥ

Maitreya sprach: Nachdem ihm auf diese Weise vom Sohn Brahmās, dem an geistiger Weisheit reichen Kumāra, der Weg des Selbst vollständig aufgezeigt worden war, pries ihn der König und sprach zu ihm.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya (Nom.) sprach
saḥ
er, der König (Nom. Sg.)
evam
so
brahma-putreṇa
vom Sohn Brahmās (Instr. Sg.)
kumāreṇa
vom Kumāra (Instr. Sg.)
ātma-medhasā
von geistiger Weisheit (Instr. Sg.)
darśita-ātma-gatiḥ
dem der Weg des Selbst gezeigt worden war (Nom. Sg.)
samyak
vollständig
praśasya
preisend (Absolutiv)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
tam
zu ihm (Akk. Sg.)
nṛpaḥ
der König (Nom. Sg.)

rājovāca kṛto me 'nugrahaḥ pūrvaṁ hariṇārtānukampinā tam āpādayituṁ brahman bhagavan yūyam āgatāḥ

Der König sprach: Zuvor wurde mir von Hari, dem Mitfühlenden mit den Notleidenden, Gnade erwiesen; um jene [Gnade] zu vollenden, seid ihr, o Brahmane, o Erhabener, gekommen.

Wort für Wort
rājā uvāca
der König (Nom.) sprach
kṛtaḥ
erwiesen (Nom. Sg.)
me
mir (Dat./Gen. Sg.)
anugrahaḥ
Gnade (Nom. Sg.)
pūrvam
zuvor
hariṇā
von Hari (Instr. Sg.)
ārta-anukampinā
dem Mitfühlenden mit den Leidenden (Instr. Sg.)
tam
jene (Akk. Sg.)
āpādayitum
um zu vollenden (Inf.)
brahman
o Brahmane (Vok. Sg.)
bhagavan
o Erhabener (Vok. Sg.)
yūyam āgatāḥ
ihr seid gekommen (Nom. Pl.)

niṣpāditaś ca kārtsnyena bhagavadbhir ghṛṇālubhiḥ sādhūcchiṣṭaṁ hi me sarvam ātmanā saha kiṁ dade

Und vollständig vollbracht wurde diese Gnade von euch Erhabenen, den Mitleidvollen; die Speisereste der Heiligen sind fürwahr mein Ein und Alles – was könnte ich euch also noch geben, zusammen mit meinem eigenen Selbst?

Wort für Wort
niṣpāditaḥ
vollbracht (Nom. Sg.)
ca kārtsnyena
und vollständig
bhagavadbhiḥ
von euch Erhabenen (Instr. Pl.)
ghṛṇālubhiḥ
den Mitleidvollen (Instr. Pl.)
sādhu-ucchiṣṭam
die Speisereste der Heiligen (Nom. Sg.)
hi
fürwahr
me sarvam
mein Alles (Nom. Sg.)
ātmanā saha
zusammen mit [meinem] Selbst (Instr. Sg.)
kim dade
was könnte ich [noch] geben? (1. Sg. Präs. Med.)

prāṇā dārāḥ sutā brahman gṛhāś ca sa-paricchadāḥ rājyaṁ balaṁ mahī kośa iti sarvaṁ niveditam

Lebensatem, Gattin, Söhne, o Brahmane, Häuser samt Hausrat, Königreich, Streitmacht, Land und Schatzkammer – all dies ist euch hiermit dargebracht.

Wort für Wort
prāṇāḥ
Lebenskräfte (Nom. Pl.)
dārāḥ
Gattin (Nom. Pl.)
sutāḥ
Söhne (Nom. Pl.)
brahman
o Brahmane (Vok. Sg.)
gṛhāḥ
Häuser (Nom. Pl.)
ca sa-paricchadāḥ
samt Hausrat (Nom. Pl.)
rājyam
Königreich (Nom. Sg.)
balam
Streitmacht (Nom. Sg.)
mahī
Land (Nom. Sg.)
kośaḥ
Schatzkammer (Nom. Sg.)
iti sarvam
so alles (Nom. Sg.)
niveditam
dargebracht (Nom. Sg.)

sainā-patyaṁ ca rājyaṁ ca daṇḍa-netṛtvam eva ca sarva lokādhipatyaṁ ca veda-śāstra-vid arhati

Die Stellung des Heerführers, die Königsherrschaft, ebenso die Ausübung der Strafgewalt und die Oberherrschaft über alle Welten – all dies verdient allein, wer die Veden und heiligen Schriften kennt.

Wort für Wort
sainā-patyam
das Amt des Heerführers (Nom. Sg.)
ca rājyam
und die Königsherrschaft (Nom. Sg.)
ca daṇḍa-netṛtvam
und die Führung der Strafgewalt (Nom. Sg.)
eva ca
ebenso
sarva loka-ādhipatyam
die Oberherrschaft über alle Welten (Nom. Sg.)
ca
und
veda-śāstra-vit
wer die Veden und Schriften kennt (Nom. Sg.)
arhati
verdient (3. Sg. Präs.)

svam eva brāhmaṇo bhuṅkte svaṁ vaste svaṁ dadāti ca tasyaivānugraheṇānnaṁ bhuñjate kṣatriyādayaḥ

Nur sein Eigenes genießt der Brahmane, nur sein Eigenes trägt er, nur sein Eigenes verschenkt er; allein durch dessen Gnade genießen die Kṣatriyas und die übrigen Stände ihre Nahrung.

Wort für Wort
svam eva
nur das Eigene (Akk. Sg.)
brāhmaṇaḥ
der Brahmane (Nom. Sg.)
bhuṅkte
genießt (3. Sg. Med.)
svam vaste
sein Eigenes trägt er (3. Sg. Med.)
svam dadāti
sein Eigenes gibt er (3. Sg. Präs.)
ca
und
tasya eva anugraheṇa
allein durch dessen Gnade (Instr. Sg.)
annam
Nahrung (Akk. Sg.)
bhuñjate
genießen (3. Pl. Med.)
kṣatriya-ādayaḥ
die Kṣatriyas und die anderen (Nom. Pl.)

yair īdṛśī bhagavato gatir ātma-vāda ekāntato nigamibhiḥ pratipāditā naḥ tuṣyantv adabhra-karuṇāḥ sva-kṛtena nityaṁ ko nāma tat pratikaroti vinodapātram

Mögen jene von unermesslichem Mitgefühl, durch die uns solcherart der Weg des Erhabenen in der Lehre vom Selbst eindeutig, gemäß den vedischen Kennern, dargelegt wurde, stets durch ihr eigenes [gnädiges] Wirken zufrieden sein – wer könnte dies je vergelten, außer durch eine bloße Handvoll Wasser?

Wort für Wort
yaiḥ
durch die (Instr. Pl., Rel.)
īdṛśī gatiḥ
solcherart Weg/Erkenntnis (Nom. Sg.)
bhagavataḥ
des Erhabenen (Gen. Sg.)
ātma-vāde
in der Lehre vom Selbst (Lok. Sg.)
ekāntataḥ
eindeutig/ausschließlich
nigamibhiḥ
gemäß den vedischen Kennern (Instr. Pl.)
pratipāditā
dargelegt (Nom. Sg. f.)
naḥ
uns (Dat. Pl.)
tuṣyantu
mögen zufrieden sein (Imp. 3. Pl.)
adabhra-karuṇāḥ
von unermesslichem Mitgefühl (Nom. Pl.)
sva-kṛtena
durch ihr eigenes Wirken (Instr. Sg.)
nityam
stets
kaḥ nāma
wer denn
tat pratikaroti
vergilt dies (3. Sg. Präs.)
vinā udapātram
ohne eine Handvoll Wasser [?] (Akk. Sg.)

[Anm.: Wortsegmentierung von 'vinodapātram' unsicher; hier alternativ als 'vinā udapātram' ('ohne eine Handvoll Wasser') gelesen, da die vedabase-Wortglosse diese Stelle uneinheitlich trennt [?]]

maitreya uvāca ta ātma-yoga-pataya ādi-rājena pūjitāḥ śīlaṁ tadīyaṁ śaṁsantaḥ khe 'bhavan miṣatāṁ nṛṇām

Maitreya sprach: Sie, die Herren des Selbst-Yoga, vom Urkönig verehrt, erhoben sich, dessen Wesen rühmend, in den Himmel, während die Menschen es mitansahen.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya (Nom.) sprach
te
sie (Nom. Pl.)
ātma-yoga-patayaḥ
die Herren des Selbst-Yoga (Nom. Pl.)
ādi-rājena
vom Urkönig (Instr. Sg.)
pūjitāḥ
verehrt (Nom. Pl.)
śīlam tadīyam
dessen Wesen (Akk. Sg.)
śaṁsantaḥ
rühmend (Nom. Pl. Part.)
khe
im Himmel (Lok. Sg.)
abhavan
erhoben sich/wurden (3. Pl. Impf.)
miṣatām nṛṇām
während die Menschen zusahen (Gen. Pl. absolut)

vainyas tu dhuryo mahatāṁ saṁsthityādhyātma-śikṣayā āpta-kāmam ivātmānaṁ mena ātmany avasthitaḥ

Der Sohn Venas aber, der Erste unter den Großen, in Festigkeit durch die Unterweisung über das Selbst gegründet, betrachtete sich selbst, im eigenen Selbst ruhend, wie einen, dessen Wünsche bereits erfüllt sind.

Wort für Wort
vainyaḥ
der Sohn Venas (Nom. Sg.)
tu
aber
dhuryaḥ mahatām
der Erste unter den Großen (Nom. Sg.)
saṁsthityā
durch Festigkeit (Instr. Sg.)
ādhyātma-śikṣayā
durch die Unterweisung über das Selbst (Instr. Sg.)
āpta-kāmam iva ātmānam
sich selbst wie einen, dessen Wünsche erfüllt sind (Akk. Sg.)
mene
betrachtete (3. Sg. Perf. Med.)
ātmani avasthitaḥ
im Selbst ruhend (Nom. Sg.)

karmāṇi ca yathā-kālaṁ yathā-deśaṁ yathā-balam yathocitaṁ yathā-vittam akarod brahma-sāt-kṛtam

Und seine Handlungen vollzog er entsprechend der Zeit, dem Ort, seiner Kraft, dem Geziemenden und seinem Vermögen – er verrichtete sie, ganz dem Absoluten dargebracht.

Wort für Wort
karmāṇi
die Handlungen (Akk. Pl.)
ca yathā-kālam
entsprechend der Zeit
yathā-deśam
entsprechend dem Ort
yathā-balam
entsprechend der Kraft
yathā-ucitam
entsprechend dem Geziemenden
yathā-vittam
entsprechend dem Vermögen
akarot
er vollzog (3. Sg. Impf.)
brahma-sāt-kṛtam
dem Absoluten dargebracht (Akk. Sg.)

phalaṁ brahmaṇi sannyasya nirviṣaṅgaḥ samāhitaḥ karmādhyakṣaṁ ca manvāna ātmānaṁ prakṛteḥ param

Die Frucht seiner Taten dem Brahman überlassend, frei von Anhaftung, gesammelt, betrachtete er das Selbst als den Aufseher der Handlungen, wissend, dass es jenseits der materiellen Natur steht.

Wort für Wort
phalam
die Frucht (Akk. Sg.)
brahmaṇi sannyasya
dem Brahman überlassend (Absolutiv)
nirviṣaṅgaḥ
frei von Anhaftung (Nom. Sg.)
samāhitaḥ
gesammelt (Nom. Sg.)
karma-adhyakṣam
als Aufseher der Handlungen (Akk. Sg.)
ca manvānaḥ
und betrachtend (Nom. Sg. Part.)
ātmānam
das Selbst (Akk. Sg.)
prakṛteḥ param
jenseits der [materiellen] Natur (Akk. Sg.)

gṛheṣu vartamāno 'pi sa sāmrājya-śriyānvitaḥ nāsajjatendriyārtheṣu niraham-matir arkavat

Obwohl er im Haushalt lebte und mit der Pracht des Weltreichs ausgestattet war, haftete er, frei von dem Gedanken 'Ich bin der Handelnde', nicht an den Sinnesobjekten – wie die Sonne, die von allem unberührt bleibt.

Wort für Wort
gṛheṣu vartamānaḥ api
obwohl im Haushalt lebend (Nom. Sg.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
sāmrājya-śriyā anvitaḥ
mit der Pracht des Weltreichs ausgestattet (Nom. Sg.)
na asajjata
haftete nicht an (3. Sg. Impf. Med.)
indriya-artheṣu
an den Sinnesobjekten (Lok. Pl.)
niḥ-aham-matiḥ
frei von der Vorstellung 'Ich [handle]' (Nom. Sg.)
arka-vat
wie die Sonne (Adv.)

evam adhyātma-yogena karmāṇy anusamācaran putrān utpādayām āsa pañcārciṣy ātma-sammatān

So, die Handlungen im Geiste spirituellen Yoga ausübend, zeugte er mit Arci fünf Söhne, die ganz seinem Wunsch entsprachen.

Wort für Wort
evam
so
adhyātma-yogena
durch spirituellen Yoga (Instr. Sg.)
karmāṇi anusamācaran
die Handlungen fortwährend ausübend (Nom. Sg. Part.)
putrān utpādayām āsa
er zeugte Söhne (periphr. Perf.)
pañca
fünf
arciṣi
mit Arci (Lok. Sg.)
ātma-sammatān
seinem Wunsch entsprechend (Akk. Pl.)

vijitāśvaṁ dhūmrakeśaṁ haryakṣaṁ draviṇaṁ vṛkam sarveṣāṁ loka-pālānāṁ dadhāraikaḥ pṛthur guṇān

Vijitāśva, Dhūmrakeśa, Haryakṣa, Draviṇa und Vṛka – durch diese fünf Söhne verkörperte Pṛthu ganz allein die Eigenschaften aller Weltenhüter.

Wort für Wort
vijitāśvam
Vijitāśva (Akk. Sg.)
dhūmrakeśam
Dhūmrakeśa (Akk. Sg.)
haryakṣam
Haryakṣa (Akk. Sg.)
draviṇam
Draviṇa (Akk. Sg.)
vṛkam
Vṛka (Akk. Sg.)
sarveṣām loka-pālānām
aller Weltenhüter (Gen. Pl.)
dadhāra
trug/hielt (3. Sg. Perf.)
ekaḥ
allein (Nom. Sg.)
pṛthuḥ
Pṛthu (Nom. Sg.)
guṇān
die Eigenschaften (Akk. Pl.)

gopīthāya jagat-sṛṣṭeḥ kāle sve sve 'cyutātmakaḥ mano-vāg-vṛttibhiḥ saumyair guṇaiḥ saṁrañjayan prajāḥ

Zum Schutz der Weltenschöpfung, zu ihrer jeweils rechten Zeit, ganz auf den Unfehlbaren ausgerichtet, erfreute er durch die sanften Eigenschaften seines Denkens, Redens und Handelns die Untertanen.

Wort für Wort
gopīthāya
zum Schutz (Dat. Sg.)
jagat-sṛṣṭeḥ
der Weltenschöpfung (Gen. Sg.)
kāle sve sve
zu ihrer jeweils rechten Zeit (Lok. Sg.)
acyuta-ātmakaḥ
dessen Wesen auf den Unfehlbaren gerichtet ist (Nom. Sg.)
manaḥ-vāk-vṛttibhiḥ
durch die Betätigungen von Denken und Rede (Instr. Pl.)
saumyaiḥ guṇaiḥ
durch sanfte Eigenschaften (Instr. Pl.)
saṁrañjayan
erfreuend (Nom. Sg. Part.)
prajāḥ
die Untertanen (Akk. Pl.)

rājety adhān nāmadheyaṁ soma-rāja ivāparaḥ sūryavad visṛjan gṛhṇan pratapaṁś ca bhuvo vasu

Den Namen 'König' [Rāja] trug er dergestalt, wie ein zweiter Mondkönig; gleich der Sonne verteilte, nahm und ließ er, alles durchglühend, den Reichtum der Erde erstrahlen.

Wort für Wort
rājā iti
'König' [genannt]
adhāt
erhielt/trug (3. Sg. Aor.)
nāmadheyam
den Namen (Akk. Sg.)
soma-rājaḥ iva aparaḥ
wie ein anderer Mondkönig (Nom. Sg.)
sūrya-vat
wie die Sonne
visṛjan
verteilend (Nom. Sg. Part.)
gṛhṇan
einnehmend (Nom. Sg. Part.)
pratapan
durchglühend (Nom. Sg. Part.)
ca
und
bhuvaḥ vasu
den Reichtum der Erde (Akk. Sg.)

durdharṣas tejasevāgnir mahendra iva durjayaḥ titikṣayā dharitrīva dyaur ivābhīṣṭa-do nṛṇām

Unangreifbar durch seinen Glanz wie Feuer, unbezwingbar wie der große Indra, durch seine Duldsamkeit wie die Erde, wie der Himmel den Menschen ihre Wünsche erfüllend.

Wort für Wort
durdharṣaḥ
unangreifbar (Nom. Sg.)
tejasā
durch Glanz (Instr. Sg.)
iva agniḥ
wie Feuer
mahā-indraḥ iva
wie der große Indra
durjayaḥ
unbezwingbar (Nom. Sg.)
titikṣayā
durch Duldsamkeit (Instr. Sg.)
dharitrī iva
wie die Erde
dyauḥ iva
wie der Himmel
abhīṣṭa-daḥ
die Wünsche erfüllend (Nom. Sg.)
nṛṇām
der Menschen (Gen. Pl.)

varṣati sma yathā-kāmaṁ parjanya iva tarpayan samudra iva durbodhaḥ sattvenācala-rāḍ iva

Er ließ Gaben regnen, wie es beliebte, die Menschen erfreuend wie eine Regenwolke; unergründlich wie der Ozean, in seiner Wesensfestigkeit wie der König der Berge.

Wort für Wort
varṣati sma
er ließ regnen (Periphr., 3. Sg.)
yathā-kāmam
nach Belieben
parjanyaḥ iva tarpayan
wie eine Regenwolke erfreuend (Nom. Sg. Part.)
samudraḥ iva durbodhaḥ
unergründlich wie der Ozean (Nom. Sg.)
sattvena
durch [seine] Wesensfestigkeit (Instr. Sg.)
acala-rāṭ iva
wie der König der Berge

dharma-rāḍ iva śikṣāyām āścarye himavān iva kuvera iva kośāḍhyo guptārtho varuṇo yathā

In der Unterweisung wie der König des Dharma, im Erstaunlichen wie der Himalaya, reich an Schätzen wie Kubera, in seinen Absichten verborgen wie Varuṇa.

Wort für Wort
dharma-rāṭ iva
wie der König des Dharma
śikṣāyām
in [Fragen der] Unterweisung (Lok. Sg.)
āścarye
im Erstaunlichen (Lok. Sg.)
himavān iva
wie der Himalaya
kuveraḥ iva
wie Kubera
kośa-āḍhyaḥ
reich an Schätzen (Nom. Sg.)
gupta-arthaḥ
dessen Absichten verborgen sind (Nom. Sg.)
varuṇaḥ yathā
wie Varuṇa

mātariśveva sarvātmā balena mahasaujasā aviṣahyatayā devo bhagavān bhūta-rāḍ iva

Wie der Windgott Mātariśvan allgegenwärtig durch seine Kraft, durch Macht und Stärke; durch seine Unwiderstehlichkeit glich er dem göttlichen, erhabenen König der Wesen.

Wort für Wort
mātariśvā iva
wie [der Windgott] Mātariśvan
sarva-ātmā
allgegenwärtig (Nom. Sg.)
balena mahasā ojasā
durch Kraft, Macht und Stärke (Instr.)
aviṣahyatayā
durch Unwiderstehlichkeit (Instr. Sg.)
devaḥ bhagavān
der göttliche Erhabene (Nom. Sg.)
bhūta-rāṭ iva
wie der König der Wesen

kandarpa iva saundarye manasvī mṛga-rāḍ iva vātsalye manuvan nṛṇāṁ prabhutve bhagavān ajaḥ

An Schönheit wie der Liebesgott Kandarpa, geistesstark wie der König der Tiere, in seiner väterlichen Zuneigung zu den Menschen wie Manu, in seiner Herrschermacht wie der erhabene Ungeborene.

Wort für Wort
kandarpaḥ iva
wie [der Liebesgott] Kandarpa
saundarye
an Schönheit (Lok. Sg.)
manasvī
geistesstark (Nom. Sg.)
mṛga-rāṭ iva
wie der König der Tiere
vātsalye
in [väterlicher] Zuneigung (Lok. Sg.)
manu-vat nṛṇām
wie Manu zu den Menschen
prabhutve
in Herrschermacht (Lok. Sg.)
bhagavān ajaḥ
der erhabene Ungeborene (Nom. Sg.)

bṛhaspatir brahma-vāde ātmavattve svayaṁ hariḥ bhaktyā go-guru-vipreṣu viṣvaksenānuvartiṣu hriyā praśraya-śīlābhyām ātma-tulyaḥ parodyame

In der Erörterung des Brahman wie Bṛhaspati, in Selbstbeherrschung wie Hari selbst; durch Hingabe an Kühe, Lehrer, Brahmanen sowie die Anhänger Viṣvaksenas; durch Scham und Bescheidenheit ihm gleichend; im Bemühen um das Wohl anderer sich selbst gleich.

Wort für Wort
bṛhaspatiḥ
wie Bṛhaspati (Nom. Sg.)
brahma-vāde
in der Erörterung des Brahman (Lok. Sg.)
ātma-vattve
in Selbstbeherrschung (Lok. Sg.)
svayam hariḥ
wie Hari selbst (Nom. Sg.)
bhaktyā
durch Hingabe (Instr. Sg.)
go-guru-vipreṣu
zu Kühen, Lehrer und Brahmanen (Lok. Pl.)
viṣvaksena-anuvartiṣu
zu den Anhängern Viṣvaksenas (Lok. Pl.)
hriyā
durch Scham (Instr. Sg.)
praśraya-śīlābhyām
und durch [sein] bescheidenes Wesen (Instr. Dual)
ātma-tulyaḥ
sich selbst gleichend (Nom. Sg.)
para-udyame
im Bemühen um andere (Lok. Sg.)

kīrtyordhva-gītayā pumbhis trailokye tatra tatra ha praviṣṭaḥ karṇa-randhreṣu strīṇāṁ rāmaḥ satām iva

Durch seinen Ruhm, der von den Menschen überall in den drei Welten laut besungen wurde, drang er in die Ohren der Frauen ein – so wie der Ruhm Rāmas in die Herzen der Tugendhaften eindringt.

Wort für Wort
kīrtyā
durch Ruhm (Instr. Sg.)
ūrdhva-gītayā
laut besungen (Instr. Sg.)
pumbhiḥ
von den Menschen (Instr. Pl.)
trai-lokye
in den drei Welten (Lok. Sg.)
tatra tatra
überall
ha
fürwahr
praviṣṭaḥ
eingedrungen (Nom. Sg.)
karṇa-randhreṣu
in die Ohren (Lok. Pl.)
strīṇām
der Frauen (Gen. Pl.)
rāmaḥ
[wie] Rāma (Nom. Sg.)
satām iva
wie der Tugendhaften (Gen. Pl.)

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