Maitreya sprach: Während die Leute solcherart [Lobpreisungen] darbrachten – dem Pṛthu, dem von gewaltiger Tapferkeit –, kamen dort vier Weise heran, strahlend wie die Sonne.
Der König aber, begleitet von seinem Gefolge, erblickte sie, die Herren der Vollkommenen, wie sie durch ihren Glanz die Welten sündlos machend vom Himmel herabstiegen, als sie sichtbar wurden.
Wort für Wort
tān
sie (Akk. Pl.)
tu
aber
siddha-īśvarān
die Herren der Vollkommenen/Siddhas (Akk. Pl.)
rājā
der König (Nom. Sg.)
vyomnaḥ
vom Himmel (Abl. Sg.)
avatarataḥ
herabsteigend (Akk. Pl. Part. Präs.)
arciṣā
durch [ihren] Glanz (Instr. Sg.)
lokān
die Welten (Akk. Pl.)
apāpān
sündlos (Akk. Pl., prädikativ)
kurvāṇān
machend (Akk. Pl. Part. Med.)
sa-anugaḥ
mit [seinem] Gefolge (Nom. Sg.)
acaṣṭa
er erblickte (3. Sg. Impf.)
lakṣitān
die sichtbar Gewordenen (Akk. Pl. Part. Perf. Pass.)
Pṛthu, der Sohn Venas, erhob sich, zusammen mit den Ratsmitgliedern und Gefolgsleuten, wie einer, der bei ihrem Anblick den [ihm] entwichenen Lebensatem zurückgewinnen wollte – gleich dem Herrn der Sinne, der sich den Erscheinungsweisen der Natur zuwendet.
Wort für Wort
tat-darśana-udgatān
durch deren Anblick entwichene (Akk. Pl.)
prāṇān
die Lebenskräfte/den Lebensatem (Akk. Pl.)
pratyāditsuḥ
einer, der zurückzugeben wünschte (Nom. Sg., Desiderativ-Nomen)
Von [ihrer] Erhabenheit überwältigt, verehrte der wohlerzogene [König], den Nacken in Bescheidenheit gebeugt, sie vorschriftsgemäß, nachdem sie die dargebrachten Ehrengaben und Sitze angenommen hatten.
Wort für Wort
gauravāt
aus Ehrfurcht/wegen [ihrer] Erhabenheit (Abl. Sg.)
yantritaḥ
gebunden/überwältigt (Nom. Sg.)
sabhyaḥ
der Wohlerzogene/Höfliche (Nom. Sg.)
praśraya-ānata-kandharaḥ
mit vor Demut geneigtem Nacken (Nom. Sg.)
vidhi-vat
vorschriftsgemäß (Adv.)
pūjayām cakre
er verehrte (periphr. Perf.)
gṛhīta-adhyarhaṇa-āsanān
nachdem sie Ehrengaben und Sitze angenommen hatten (Akk. Pl.)
Zu ihnen, die auf einem goldenen Sitz saßen wie Feuer auf ihren eigenen Altären, sprach er, erfüllt von Glauben und Zurückhaltung, erfreut, zu den älteren Brüdern Bhavas [Śivas].
Wort für Wort
hāṭaka-āsane
auf einem goldenen Sitz (Lok. Sg.)
āsīnān
die Sitzenden (Akk. Pl.)
sva-dhiṣṇyeṣu
auf ihren eigenen Altären (Lok. Pl.)
iva
wie
pāvakān
Feuer (Akk. Pl.)
śraddhā-saṁyama-saṁyuktaḥ
ausgestattet mit Glauben und Zurückhaltung (Nom. Sg.)
pṛthur uvāca aho ācaritaṁ kiṁ me maṅgalaṁ maṅgalāyanāḥ yasya vo darśanaṁ hy āsīd durdarśānāṁ ca yogibhiḥ
Pṛthu sprach: Oh, welch Glückbringendes habe ich vollbracht, ihr Urquellen des Segens, wodurch mir fürwahr der Anblick von euch zuteilwurde – euch, die selbst für Yogis schwer zu erschauen seid!
kiṁ tasya durlabhataram iha loke paratra ca yasya viprāḥ prasīdanti śivo viṣṇuś ca sānugaḥ
Was ist für den schwerer zu erlangen, hier in dieser Welt oder jenseits, mit dessen [Wohlergehen] die Brahmanen zufrieden sind, sowie Śiva und Viṣṇu mit ihrem Gefolge?
naiva lakṣayate loko lokān paryaṭato 'pi yān yathā sarva-dṛśaṁ sarva ātmānaṁ ye 'sya hetavaḥ
Die Menschen erkennen nicht jene, die, obgleich sie die Welten durchwandern, [durch sie] ziehen – so wie sie auch nicht den Allsehenden erkennen, das Selbst in allem, euch, die ihr die Ursachen dieses Universums seid.
adhanā api te dhanyāḥ sādhavo gṛha-medhinaḥ yad-gṛhā hy arha-varyāmbu-tṛṇa-bhūmīśvarāvarāḥ
Selbst ohne Reichtum sind jene glücklich zu nennen, die tugendhaften Haushälter, in deren Häusern fürwahr, vom Herrn bis zum Diener, den Verehrungswürdigsten Wasser, Gras und Grund dargeboten werden.
vyālālaya-drumā vai teṣv ariktākhila-sampadaḥ yad-gṛhās tīrtha-pādīya-pādatīrtha-vivarjitāḥ
Fürwahr, sogar Bäume – Behausungen giftiger Schlangen – sind reicher an allem Reichtum als jene Häuser, denen das Fußwaschwasser derer fehlt, deren Füße selbst Pilgerstätten sind.
svāgataṁ vo dvija-śreṣṭhā yad-vratāni mumukṣavaḥ caranti śraddhayā dhīrā bālā eva bṛhanti ca
Willkommen seid ihr, o Beste der Zweimalgeborenen, deren Gelübde die nach Befreiung Strebenden, die Standhaften, mit Glauben befolgen – obgleich [nur] Knaben, seid ihr darin doch groß geworden.
Ist es wohl gut bestellt um uns, o Herren – um uns, die im Sinnesgegenstand ihr einziges Ziel erkennen, die wir durch unsere eigenen Taten in dieses Unheil gefallen sind?
Wort für Wort
kaccit
ob wohl (Frage-Partikel)
naḥ
um uns (Gen./Dat. Pl.)
kuśalam
Wohlergehen (Nom. Sg.)
nāthāḥ
o Herren (Vok. Pl.)
indriya-artha-artha-vedinām
derer, die den Sinnesgegenstand als [einziges] Ziel erkennen (Gen. Pl.)
bhavatsu kuśala-praśna ātmārāmeṣu neṣyate kuśalākuśalā yatra na santi mati-vṛttayaḥ
An euch, die ihr euch im eigenen Selbst erfreut, ist die Frage nach dem Wohlergehen nicht angebracht, denn bei euch gibt es keine guten oder schlechten Gedankenregungen mehr.
tad ahaṁ kṛta-viśrambhaḥ suhṛdo vas tapasvinām sampṛcche bhava etasmin kṣemaḥ kenāñjasā bhavet
Deshalb frage ich, der ich Vertrauen in euch, die wohlgesinnten Asketen, gefasst habe: Wodurch mag in dieser weltlichen Existenz mühelos das höchste Heil erreicht werden?
Offenkundig ist der Erhabene, das Ziel der Selbstverwirklichten, der die Seelen zur Selbsterkenntnis erweckt, der Ungeborene, der zur Gnade der Seinigen in dieser Welt in vollendeter Gestalt umherwandelt.
maitreya uvāca pṛthos tat sūktam ākarṇya sāraṁ suṣṭhu mitaṁ madhu smayamāna iva prītyā kumāraḥ pratyuvāca ha
Maitreya sprach: Nachdem er jene Rede Pṛthus vernommen hatte – gehaltvoll, trefflich, knapp und honigsüß – erwiderte der Kumāra, wie lächelnd vor Freude.
Sanat-kumāra sprach: Trefflich gefragt, o Großkönig, von dir, dessen Sinn auf das Wohl aller Wesen gerichtet ist, und der du zugleich gelehrt bist – so beschaffen ist der Sinn der Tugendhaften.
Wort für Wort
sanat-kumāraḥ uvāca
Sanat-kumāra (Nom.) sprach
sādhu
trefflich (Adv.)
pṛṣṭam
gefragt (Nom./Akk. Sg. Part.)
mahārāja
o Großkönig (Vok. Sg.)
sarva-bhūta-hita-ātmanā
von dem, dessen Sinn auf das Wohl aller Wesen gerichtet ist (Instr. Sg.)
saṅgamaḥ khalu sādhūnām ubhayeṣāṁ ca sammataḥ yat-sambhāṣaṇa-sampraśnaḥ sarveṣāṁ vitanoti śam
Fürwahr, die Begegnung der Tugendhaften ist für beide Seiten geschätzt, deren Gespräch und gegenseitige Befragung allen [Beteiligten] Glück verschafft.
asty eva rājan bhavato madhudviṣaḥ pādāravindasya guṇānuvādane ratir durāpā vidhunoti naiṣṭhikī kāmaṁ kaṣāyaṁ malam antar-ātmanaḥ
Fürwahr, o König, in dir ist bereits jene schwer erlangbare, unerschütterliche Zuneigung zur Besingung der Eigenschaften der Lotosfüße des Feindes Madhus vorhanden, welche den lüsternen, befleckenden Schmutz aus dem Innersten des Selbst hinwegspült.
śāstreṣv iyān eva suniścito nṛṇāṁ kṣemasya sadhryag-vimṛśeṣu hetuḥ asaṅga ātma-vyatirikta ātmani dṛḍhā ratir brahmaṇi nirguṇe ca yā
In den Schriften gilt allein dies als die sicher festgestellte Ursache des höchsten Wohls der Menschen, bei denen, die es gründlich erwogen haben: Loslösung von dem, was vom [wahren] Selbst verschieden ist – dem Körper, der fälschlich als Selbst gilt –, und feste Hingezogenheit an das eigenschaftslose Brahman.
Wort für Wort
śāstreṣu
in den Schriften (Lok. Pl.)
iyān eva
gerade nur dies (Nom. Sg. n.)
suniścitaḥ
sicher festgestellt (Nom. Sg.)
nṛṇām
der Menschen (Gen. Pl.)
kṣemasya
des höchsten Wohls (Gen. Sg.)
sadhryak-vimṛśeṣu
bei denen, die gründlich erwogen haben (Lok. Pl.)
hetuḥ
die Ursache (Nom. Sg.)
asaṅgaḥ
die Loslösung (Nom. Sg.)
ātma-vyatirikte
von dem, was vom Selbst verschieden ist (Lok. Sg.)
sā śraddhayā bhagavad-dharma-caryayā jijñāsayādhyātmika-yoga-niṣṭhayā yogeśvaropāsanayā ca nityaṁ puṇya-śravaḥ-kathayā puṇyayā ca
Diese [feste Hingezogenheit entsteht] durch Glauben, durch das Ausüben des Dienstes am Erhabenen, durch Wissbegierde, durch Beständigkeit im geistigen Yoga, durch die stete Verehrung des Herrn des Yoga, sowie durch fromme, heilsame Rede.
Wort für Wort
sā
diese [Hingezogenheit] (Nom. Sg. f.)
śraddhayā
durch Glauben (Instr. Sg.)
bhagavat-dharma-caryayā
durch die Ausübung des Dienstes am Erhabenen (Instr. Sg.)
jijñāsayā
durch Wissbegierde (Instr. Sg.)
adhyātmika-yoga-niṣṭhayā
durch Beständigkeit im geistigen Yoga (Instr. Sg.)
yoga-īśvara-upāsanayā
durch die Verehrung des Herrn des Yoga (Instr. Sg.)
arthendriyārāma-sagoṣṭhy-atṛṣṇayā tat-sammatānām aparigraheṇa ca vivikta-rucyā paritoṣa ātmani vinā harer guṇa-pīyūṣa-pānāt
Durch Gleichgültigkeit gegenüber Reichtum, Sinnesgenuss und der Gesellschaft ihrer Liebhaber, durch Nichtannahme dessen, was von ihnen gebilligt wird, durch Geschmack an der Zurückgezogenheit – doch Zufriedenheit im Selbst ist nicht zu erlangen ohne den Nektartrunk der Eigenschaften Haris.
Wort für Wort
artha-indriya-ārāma-sa-goṣṭhī-atṛṣṇayā
durch Durstlosigkeit gegenüber Reichtum, Sinnesfreude und deren Gesellschaft (Instr. Sg.)
Durch Gewaltlosigkeit, durch die Lebensweise der Paramahaṁsas, durch beständiges Gedenken – wie den erlesensten Nektar der Taten Mukundas –, durch die Zügelungen und Regeln, frei von Verlangen, ebenso durch Unterlassen des Tadelns, durch Wunschlosigkeit und durch das Ertragen der Gegensatzpaare.
Wort für Wort
ahiṁsayā
durch Gewaltlosigkeit (Instr. Sg.)
pāramahaṁsya-caryayā
durch die Lebensweise der Paramahaṁsas (Instr. Sg.)
smṛtyā
durch [beständiges] Gedenken (Instr. Sg.)
mukunda-ācarita-agrya-sīdhunā
durch den erlesensten Nektar der Taten Mukundas (Instr. Sg.)
yamaiḥ akāmaiḥ
durch die Zügelungen, frei von Verlangen (Instr. Pl.)
niyamaiḥ
durch die [inneren] Regeln (Instr. Pl.)
ca api
und auch
anindayā
durch Unterlassen des Tadelns (Instr. Sg.)
nirīhayā
durch Wunschlosigkeit (Instr. Sg.)
dvandva-titikṣayā
durch das Ertragen der Gegensatzpaare (Instr. Sg.)
Durch die Hingabe, die beständig anwächst durch das Besprechen der Eigenschaften Haris – wie der Ohrenschmuck derer, die ihm ergeben sind –, entsteht fürwahr Loslösung von dem [scheinbar] Realen und Irrealen, das nicht das wahre Selbst ist, und mühelos entsteht Hingezogenheit an das eigenschaftslose Brahman.
Wort für Wort
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)
muhuḥ
beständig
tat-para-karṇa-pūra
wie der Ohrenschmuck derer, die ihm ergeben sind
guṇa-abhidhānena
durch das Besprechen der Eigenschaften (Instr. Sg.)
Wenn die unerschütterliche Hingezogenheit an Brahman im Menschen entsteht, verbrennt der Mensch, der einen Lehrer besitzt, durch die Kraft von Wissen und Entsagung die kraftlos gewordene Hülle des Herzens, den aus den fünf Elementen bestehenden Mutterschoß des Daseins – wie ein entfachtes Feuer das Brennholz.
Wort für Wort
yadā
wenn
ratiḥ brahmaṇi naiṣṭhikī
die unerschütterliche Hingezogenheit an Brahman (Nom. Sg.)
pumān
der Mensch (Nom. Sg.)
ācāryavān
einen Lehrer besitzend (Nom. Sg.)
jñāna-virāga-raṁhasā
durch die Kraft von Wissen und Entsagung (Instr. Sg.)
Wer, dessen Herzensneigungen verbrannt sind, von all jenen materiellen Eigenschaften befreit ist, erblickt fürwahr weder außerhalb noch innerhalb des Selbst mehr jene zuvor bestehende Trennung zwischen dem höchsten Selbst und dem individuellen Selbst – so wie ein Mensch beim Vergehen des Traumes diesen nicht mehr wahrnimmt.
Wort für Wort
dagdha-āśayaḥ
dessen [Herzens-]Neigungen verbrannt sind (Nom. Sg.)
mukta-samasta-tat-guṇaḥ
der von all jenen [materiellen] Eigenschaften befreit ist (Nom. Sg.)
na eva
gar nicht
ātmanaḥ
des Selbst (Gen. Sg.)
bahiḥ antaḥ
außen und innen
vicaṣṭe
erblickt (3. Sg. Med.)
para-ātmanoḥ
zwischen dem höchsten und dem individuellen Selbst (Gen./Lok. Dual)
ātmānam indriyārthaṁ ca paraṁ yad ubhayor api saty āśaya upādhau vai pumān paśyati nānyadā
Das individuelle Selbst, den Sinnesgegenstand und das, was jenseits von beiden ist, sieht der Mensch nur, solange die falsche Vorstellung als trennende Kennzeichnung besteht – sonst nicht.
Wort für Wort
ātmānam
das [individuelle] Selbst (Akk. Sg.)
indriya-artham
den Sinnesgegenstand (Akk. Sg.)
ca param
und das Höchste/Jenseitige (Akk. Sg.)
yat ubhayoḥ api
das, was auch von beiden [verschieden ist]
sati āśaye
solange die [falsche] Vorstellung besteht (Lok. absolut)
nimitte sati sarvatra jalādāv api pūruṣaḥ ātmanaś ca parasyāpi bhidāṁ paśyati nānyadā
Solange überall eine äußere Ursache besteht – wie etwa das Wasser als Spiegel –, sieht der Mensch einen Unterschied zwischen sich selbst und dem anderen; sonst nicht.
Der von den durch die Sinnesobjekte angezogenen Sinnen fortgerissene Geist derer, die beständig an jene denken, raubt die Klarheit des Verstandes – wie ein Grashalm das Wasser aus dem Teich ableitet.
Wort für Wort
indriyaiḥ
durch die Sinne (Instr. Pl.)
viṣaya-ākṛṣṭaiḥ
die von den Sinnesobjekten angezogen werden (Instr. Pl.)
Wenn die stetige Erinnerung schwindet, verfällt das Bewusstsein; beim Schwund der Erinnerung entsteht der Verlust des Wissens; jene Verhinderung [des Wissens] nennen die Weisen die Verleugnung des Selbst durch das eigene Selbst.
Es gibt für den Menschen in dieser Welt keine größere Übertretung seines eigenen wahren Interesses als diese: dass durch die Vernachlässigung seines wahren Selbst ihm das Andere lieber wird als dieses eigentliche Selbst.
Das beständige Sinnen nach Reichtum und Sinnesobjekten ist für die Menschen die Verleugnung aller [wahren] Ziele, wodurch der Mensch, seines Wissens und seiner Erkenntnis beraubt, in den [untersten] Rang des unbeweglichen Daseins [?] eingeht.
Wort für Wort
artha-indriya-artha-abhidhyānam
das ständige Sinnen nach Reichtum und Sinnesobjekten (Nom. Sg.)
sarva-artha-apahnavaḥ
die Verleugnung aller [wahren] Ziele (Nom. Sg.)
nṛṇām
der Menschen (Gen. Pl.)
bhraṁśitaḥ
beraubt (Nom. Sg.)
jñāna-vijñānāt
von Wissen und Erkenntnis (Abl. Sg.)
yena
wodurch
āviśati
geht ein (3. Sg. Präs.)
mukhyatām
in den [untersten] Rang des Unbeweglichen [?] (Akk. Sg.)
[Anm.: 'mukhyatām' wörtlich 'Erst-/Hauptstellung'; hier laut Kontext technisch für die niedrigste, unbewegliche Daseinsform gebraucht [?]]
na kuryāt karhicit saṅgaṁ tamas tīvraṁ titīriṣuḥ dharmārtha-kāma-mokṣāṇāṁ yad atyanta-vighātakam
Wer die heftige Finsternis der Unwissenheit zu überqueren wünscht, sollte niemals jene Anhaftung eingehen, welche das äußerste Hindernis für Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa ist.
Auch unter jenen [vier Zielen] gilt allein die Befreiung als das endgültige Ziel, denn das dreifache Ziel [Dharma, Artha, Kāma] ist stets von der Furcht vor dem Ende [dem Tod] begleitet.
pare 'vare ca ye bhāvā guṇa-vyatikarād anu na teṣāṁ vidyate kṣemam īśa-vidhvaṁsitāśiṣām
Und welche höheren und niederen Daseinszustände auch immer aus dem Wechselspiel der [materiellen] Erscheinungsweisen entstehen – für sie, deren Segnungen der Herr [der Zeit] zunichtemacht, gibt es kein beständiges Heil.
Wort für Wort
pare avare ca
höhere und niedere (Nom. Pl.)
ye bhāvāḥ
welche Zustände (Nom. Pl., Rel.)
guṇa-vyatikarāt anu
infolge des Wechselspiels der [materiellen] Erscheinungsweisen (Abl.)
na teṣām vidyate
für sie gibt es nicht (Gen. Pl.)
kṣemam
beständiges Heil (Nom. Sg.)
īśa-vidhvaṁsita-āśiṣām
deren Segnungen vom Herrn zunichtegemacht werden (Gen. Pl.)
tat tvaṁ narendra jagatām atha tasthūṣāṁ ca dehendriyāsu-dhiṣaṇātmabhir āvṛtānām yaḥ kṣetravit-tapatayā hṛdi viśvag āviḥ pratyak cakāsti bhagavāṁs tam avehi so 'smi
Jenes Prinzip bist du, o Herrscher der Menschen – das innerste Selbst der beweglichen und unbeweglichen Wesen, die durch Körper, Sinne, Lebenshauch, Verstand und Ich-Bewusstsein verhüllt sind: der Erhabene, der als Kenner des Feldes glühend, im Herzen allgegenwärtig offenbar, im Innersten strahlt. Erkenne ihn: 'Der bin ich.'
Wort für Wort
tat tvam
jenes bist du
narendra
o Herrscher der Menschen (Vok. Sg.)
jagatām
der beweglichen [Wesen] (Gen. Pl.)
atha tasthūṣām ca
und der unbeweglichen [Wesen] (Gen. Pl.)
deha-indriya-asu-dhiṣaṇā-ātmabhiḥ
durch Körper, Sinne, Lebenshauch, Verstand und Ichgefühl (Instr. Pl.)
āvṛtānām
die verhüllt sind (Gen. Pl.)
yaḥ
der, welcher (Nom. Sg., Rel.)
kṣetra-vit-tapatayā
durch das Glühen als Kenner des Feldes (Instr. Sg.)
Ich nehme Zuflucht zu jenem, in welchem dieses Universum, gleich der Vorstellung [einer Schlange] auf einem Strick bei mangelnder Unterscheidungskraft, durch Māyā als Sein und Nichtsein erscheint – zu ihm, der ewig befreiten, restlos reinen, wahrhaft reinen Wesenheit, dessen scheinbare Verbindung mit der Natur durch die Verstrickungen des Karmas überwunden ist.
Wort für Wort
yasmin
in welchem (Lok. Sg., Rel.)
idam
dieses [Universum] (Nom. Sg.)
sat-asat-ātmatayā
in Form von Sein und Nichtsein (Instr. Sg.)
vibhāti
erscheint (3. Sg. Präs.)
māyā
durch Täuschung (Nom./Instr. Sg.)
viveka-vidhuti
durch Mangel an Unterscheidungsvermögen (Lok. Sg.)
sraji
an einem Strick/einer Girlande (Lok. Sg.)
vāhi-buddhiḥ
die [Fehl-]Vorstellung, die [darauf] entsteht (Nom. Sg.)
tam
ihn (Akk. Sg.)
nitya-mukta-pariśuddha-viśuddha-tattvam
die ewig befreite, gänzlich reine Wesenheit (Akk. Sg.)
pratyūḍha-karma-kalila-prakṛtim
dessen [Verbindung mit der] Natur die Verstrickung des Karmas überwunden hat (Akk. Sg.)
prapadye
ich nehme Zuflucht (1. Sg. Med.)
[Anm.: Bildvergleich (Strick/Girlande mit fälschlich wahrgenommener Schlange) syntaktisch verdichtet; Lesart mit den wenigsten Zusatzannahmen gewählt [?]]
yat-pāda-paṅkaja-palāśa-vilāsa-bhaktyā karmāśayaṁ grathitam udgrathayanti santaḥ tadvan na rikta-matayo yatayo 'pi ruddha-sroto-gaṇās tam araṇaṁ bhaja vāsudevam
Durch Hingabe an das liebliche Spiel der Lotosblätter/-füße dessen lösen die Heiligen den fest verknoteten Hang zu fruchtbringendem Handeln auf; nicht ebenso gelingt dies den an Hingabe leeren Asketen, selbst wenn sie die Ströme ihrer Sinne zurückgehalten haben. Verehre daher jenen würdigen Zufluchtsort, Vāsudeva!
Wort für Wort
yat-pāda-paṅkaja-palāśa-vilāsa-bhaktyā
durch Hingabe an das Spiel der Lotosfuß-Blätter dessen (Instr. Sg.)
karma-āśayam
die Neigung zu fruchtbringendem Handeln (Akk. Sg.)
grathitam
verknotet (Akk. Sg.)
udgrathayanti
lösen auf (3. Pl. Präs.)
santaḥ
die Heiligen (Nom. Pl.)
tadvat
ebenso
na
nicht
rikta-matayaḥ
die [an Hingabe] leeren Gesinnten (Nom. Pl.)
yatayaḥ
die Asketen (Nom. Pl.)
api
selbst wenn
ruddha-srotaḥ-gaṇāḥ
die die Sinnesströme zurückgehalten haben (Nom. Pl.)
Groß ist hier die Mühsal, mit der jene ohne das Boot der Zuflucht beim Herrn den Ozean des weltlichen Daseins – mit dem Krokodil der sechs Feinde – nur unter großem Elend zu überqueren trachten. Darum mache du die verehrungswürdigen Füße Haris, des Erhabenen, zum Boot und überquere den gefahrvollen, schwer zu durchquerenden Ozean!
Wort für Wort
kṛcchraḥ mahān
große Mühsal (Nom. Sg.)
iha
hier
bhava-arṇavam
den Ozean des Daseins (Akk. Sg.)
aplava-īśām
für die ohne das Boot [des Herrn] (Gen. Pl.)
ṣaṭ-varga-nakram
mit dem Krokodil der sechs [Feinde] (Akk. Sg.)
asukhena
mit Elend/Unglück (Instr. Sg.)
titīrṣanti
trachten zu überqueren (3. Pl. Präs., Desiderativ)
Maitreya sprach: Nachdem ihm auf diese Weise vom Sohn Brahmās, dem an geistiger Weisheit reichen Kumāra, der Weg des Selbst vollständig aufgezeigt worden war, pries ihn der König und sprach zu ihm.
Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya (Nom.) sprach
saḥ
er, der König (Nom. Sg.)
evam
so
brahma-putreṇa
vom Sohn Brahmās (Instr. Sg.)
kumāreṇa
vom Kumāra (Instr. Sg.)
ātma-medhasā
von geistiger Weisheit (Instr. Sg.)
darśita-ātma-gatiḥ
dem der Weg des Selbst gezeigt worden war (Nom. Sg.)
rājovāca kṛto me 'nugrahaḥ pūrvaṁ hariṇārtānukampinā tam āpādayituṁ brahman bhagavan yūyam āgatāḥ
Der König sprach: Zuvor wurde mir von Hari, dem Mitfühlenden mit den Notleidenden, Gnade erwiesen; um jene [Gnade] zu vollenden, seid ihr, o Brahmane, o Erhabener, gekommen.
niṣpāditaś ca kārtsnyena bhagavadbhir ghṛṇālubhiḥ sādhūcchiṣṭaṁ hi me sarvam ātmanā saha kiṁ dade
Und vollständig vollbracht wurde diese Gnade von euch Erhabenen, den Mitleidvollen; die Speisereste der Heiligen sind fürwahr mein Ein und Alles – was könnte ich euch also noch geben, zusammen mit meinem eigenen Selbst?
sainā-patyaṁ ca rājyaṁ ca daṇḍa-netṛtvam eva ca sarva lokādhipatyaṁ ca veda-śāstra-vid arhati
Die Stellung des Heerführers, die Königsherrschaft, ebenso die Ausübung der Strafgewalt und die Oberherrschaft über alle Welten – all dies verdient allein, wer die Veden und heiligen Schriften kennt.
svam eva brāhmaṇo bhuṅkte svaṁ vaste svaṁ dadāti ca tasyaivānugraheṇānnaṁ bhuñjate kṣatriyādayaḥ
Nur sein Eigenes genießt der Brahmane, nur sein Eigenes trägt er, nur sein Eigenes verschenkt er; allein durch dessen Gnade genießen die Kṣatriyas und die übrigen Stände ihre Nahrung.
yair īdṛśī bhagavato gatir ātma-vāda ekāntato nigamibhiḥ pratipāditā naḥ tuṣyantv adabhra-karuṇāḥ sva-kṛtena nityaṁ ko nāma tat pratikaroti vinodapātram
Mögen jene von unermesslichem Mitgefühl, durch die uns solcherart der Weg des Erhabenen in der Lehre vom Selbst eindeutig, gemäß den vedischen Kennern, dargelegt wurde, stets durch ihr eigenes [gnädiges] Wirken zufrieden sein – wer könnte dies je vergelten, außer durch eine bloße Handvoll Wasser?
Wort für Wort
yaiḥ
durch die (Instr. Pl., Rel.)
īdṛśī gatiḥ
solcherart Weg/Erkenntnis (Nom. Sg.)
bhagavataḥ
des Erhabenen (Gen. Sg.)
ātma-vāde
in der Lehre vom Selbst (Lok. Sg.)
ekāntataḥ
eindeutig/ausschließlich
nigamibhiḥ
gemäß den vedischen Kennern (Instr. Pl.)
pratipāditā
dargelegt (Nom. Sg. f.)
naḥ
uns (Dat. Pl.)
tuṣyantu
mögen zufrieden sein (Imp. 3. Pl.)
adabhra-karuṇāḥ
von unermesslichem Mitgefühl (Nom. Pl.)
sva-kṛtena
durch ihr eigenes Wirken (Instr. Sg.)
nityam
stets
kaḥ nāma
wer denn
tat pratikaroti
vergilt dies (3. Sg. Präs.)
vinā udapātram
ohne eine Handvoll Wasser [?] (Akk. Sg.)
[Anm.: Wortsegmentierung von 'vinodapātram' unsicher; hier alternativ als 'vinā udapātram' ('ohne eine Handvoll Wasser') gelesen, da die vedabase-Wortglosse diese Stelle uneinheitlich trennt [?]]
Maitreya sprach: Sie, die Herren des Selbst-Yoga, vom Urkönig verehrt, erhoben sich, dessen Wesen rühmend, in den Himmel, während die Menschen es mitansahen.
vainyas tu dhuryo mahatāṁ saṁsthityādhyātma-śikṣayā āpta-kāmam ivātmānaṁ mena ātmany avasthitaḥ
Der Sohn Venas aber, der Erste unter den Großen, in Festigkeit durch die Unterweisung über das Selbst gegründet, betrachtete sich selbst, im eigenen Selbst ruhend, wie einen, dessen Wünsche bereits erfüllt sind.
Wort für Wort
vainyaḥ
der Sohn Venas (Nom. Sg.)
tu
aber
dhuryaḥ mahatām
der Erste unter den Großen (Nom. Sg.)
saṁsthityā
durch Festigkeit (Instr. Sg.)
ādhyātma-śikṣayā
durch die Unterweisung über das Selbst (Instr. Sg.)
āpta-kāmam iva ātmānam
sich selbst wie einen, dessen Wünsche erfüllt sind (Akk. Sg.)
karmāṇi ca yathā-kālaṁ yathā-deśaṁ yathā-balam yathocitaṁ yathā-vittam akarod brahma-sāt-kṛtam
Und seine Handlungen vollzog er entsprechend der Zeit, dem Ort, seiner Kraft, dem Geziemenden und seinem Vermögen – er verrichtete sie, ganz dem Absoluten dargebracht.
Die Frucht seiner Taten dem Brahman überlassend, frei von Anhaftung, gesammelt, betrachtete er das Selbst als den Aufseher der Handlungen, wissend, dass es jenseits der materiellen Natur steht.
gṛheṣu vartamāno 'pi sa sāmrājya-śriyānvitaḥ nāsajjatendriyārtheṣu niraham-matir arkavat
Obwohl er im Haushalt lebte und mit der Pracht des Weltreichs ausgestattet war, haftete er, frei von dem Gedanken 'Ich bin der Handelnde', nicht an den Sinnesobjekten – wie die Sonne, die von allem unberührt bleibt.
Wort für Wort
gṛheṣu vartamānaḥ api
obwohl im Haushalt lebend (Nom. Sg.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
sāmrājya-śriyā anvitaḥ
mit der Pracht des Weltreichs ausgestattet (Nom. Sg.)
na asajjata
haftete nicht an (3. Sg. Impf. Med.)
indriya-artheṣu
an den Sinnesobjekten (Lok. Pl.)
niḥ-aham-matiḥ
frei von der Vorstellung 'Ich [handle]' (Nom. Sg.)
gopīthāya jagat-sṛṣṭeḥ kāle sve sve 'cyutātmakaḥ mano-vāg-vṛttibhiḥ saumyair guṇaiḥ saṁrañjayan prajāḥ
Zum Schutz der Weltenschöpfung, zu ihrer jeweils rechten Zeit, ganz auf den Unfehlbaren ausgerichtet, erfreute er durch die sanften Eigenschaften seines Denkens, Redens und Handelns die Untertanen.
Wort für Wort
gopīthāya
zum Schutz (Dat. Sg.)
jagat-sṛṣṭeḥ
der Weltenschöpfung (Gen. Sg.)
kāle sve sve
zu ihrer jeweils rechten Zeit (Lok. Sg.)
acyuta-ātmakaḥ
dessen Wesen auf den Unfehlbaren gerichtet ist (Nom. Sg.)
manaḥ-vāk-vṛttibhiḥ
durch die Betätigungen von Denken und Rede (Instr. Pl.)
Den Namen 'König' [Rāja] trug er dergestalt, wie ein zweiter Mondkönig; gleich der Sonne verteilte, nahm und ließ er, alles durchglühend, den Reichtum der Erde erstrahlen.
Unangreifbar durch seinen Glanz wie Feuer, unbezwingbar wie der große Indra, durch seine Duldsamkeit wie die Erde, wie der Himmel den Menschen ihre Wünsche erfüllend.
varṣati sma yathā-kāmaṁ parjanya iva tarpayan samudra iva durbodhaḥ sattvenācala-rāḍ iva
Er ließ Gaben regnen, wie es beliebte, die Menschen erfreuend wie eine Regenwolke; unergründlich wie der Ozean, in seiner Wesensfestigkeit wie der König der Berge.
In der Unterweisung wie der König des Dharma, im Erstaunlichen wie der Himalaya, reich an Schätzen wie Kubera, in seinen Absichten verborgen wie Varuṇa.
Wie der Windgott Mātariśvan allgegenwärtig durch seine Kraft, durch Macht und Stärke; durch seine Unwiderstehlichkeit glich er dem göttlichen, erhabenen König der Wesen.
An Schönheit wie der Liebesgott Kandarpa, geistesstark wie der König der Tiere, in seiner väterlichen Zuneigung zu den Menschen wie Manu, in seiner Herrschermacht wie der erhabene Ungeborene.
In der Erörterung des Brahman wie Bṛhaspati, in Selbstbeherrschung wie Hari selbst; durch Hingabe an Kühe, Lehrer, Brahmanen sowie die Anhänger Viṣvaksenas; durch Scham und Bescheidenheit ihm gleichend; im Bemühen um das Wohl anderer sich selbst gleich.
kīrtyordhva-gītayā pumbhis trailokye tatra tatra ha praviṣṭaḥ karṇa-randhreṣu strīṇāṁ rāmaḥ satām iva
Durch seinen Ruhm, der von den Menschen überall in den drei Welten laut besungen wurde, drang er in die Ohren der Frauen ein – so wie der Ruhm Rāmas in die Herzen der Tugendhaften eindringt.