Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 52: devahūty-anutāpaḥ Devahūtis Klage

Skandha 3, Adhyāya 23. Quelle: vedabase.io. title_sa als eigene knappe IAST-Kurzbezeichnung des Inhalts gebildet, da vedabase.io keinen Sanskrit-IAST-Kapiteltitel angibt (englischer Titel: "Devahuti's Lamentation"). Verse 4-5, 14-15 und 36-37 auf der Quellseite als zusammengehoerige Einheiten gefuehrt.

maitreya uvāca pitṛbhyāṁ prasthite sādhvī patim iṅgita-kovidā nityaṁ paryacarat prītyā bhavānīva bhavaṁ prabhum

Maitreya sagte: Als [ihre] Eltern fortgegangen waren, diente die tugendhafte Devahūti, kundig der Gesten [ihres] Gatten, ihrem Gatten und Herrn stets mit Liebe, wie Bhavānī [ihrem] Herrn Bhava.

Wort für Wort
maitreya uvāca
Maitreya sagte
pitṛbhyām prasthite
als die Eltern fortgegangen waren
sādhvī
die Tugendhafte
patim iṅgita-kovidā
kundig der Gesten [ihres] Gatten
nityam paryacarat prītyā
sie diente stets mit Liebe
bhavānī iva bhavam prabhum
wie Bhavānī [ihrem] Herrn Bhava (Śiva)

viśrambheṇātma-śaucena gauraveṇa damena ca śuśrūṣayā sauhṛdena vācā madhurayā ca bhoḥ

Mit Vertrauen, mit Reinheit des Selbst, mit Ehrerbietung und Selbstbeherrschung, mit Dienstbereitschaft, mit Freundlichkeit und mit süßer Rede, o [Vidura] -

Wort für Wort
viśrambheṇa
mit Vertrauen
ātma-śaucena
mit Reinheit des Selbst
gauraveṇa
mit Ehrerbietung
damena ca
und mit Selbstbeherrschung
śuśrūṣayā
mit Dienstbereitschaft
sauhṛdena
mit Freundlichkeit
vācā madhurayā ca
und mit süßer Rede
bhoḥ
o [Anrede]

visṛjya kāmaṁ dambhaṁ ca dveṣaṁ lobham aghaṁ madam apramattodyatā nityaṁ tejīyāṁsam atoṣayat

- Begierde, Heuchelei, Hass, Gier, Sünde und Stolz aufgebend, stets unermüdlich und bemüht, erfreute sie [ihren] überaus mächtigen Gatten.

Wort für Wort
visṛjya
aufgebend
kāmam dambham ca
Begierde und Heuchelei
dveṣam lobham agham madam
Hass, Gier, Sünde, Stolz
apramattā udyatā nityam
stets unermüdlich und bemüht
tejīyāṁsam atoṣayat
sie erfreute den überaus mächtigen [Gatten]

sa vai devarṣi-varyas tāṁ mānavīṁ samanuvratām daivād garīyasaḥ patyur āśāsānāṁ mahāśiṣaḥ kālena bhūyasā kṣāmāṁ karśitāṁ vrata-caryayā prema-gadgadayā vācā pīḍitaḥ kṛpayābravīt

Jener beste der Götterweisen, [als er] die Manu-Tochter, die [ihm] treu ergeben war und durch Verdienst große Segnungen von [ihrem] erhabenen Gatten erhoffte, durch die lange Zeit abgemagert und durch die Gelübdeübung erschöpft sah, sprach er, von Mitleid ergriffen, mit von Liebe erstickter Stimme.

Wort für Wort
saḥ vai devarṣi-varyaḥ
jener beste der Götterweisen (Kardama)
tām mānavīm samanuvratām
jene Manu-Tochter, [ihm] treu ergebene
daivāt garīyasaḥ patyuḥ
durch Verdienst/Schicksal von [ihrem] erhabeneren Gatten
āśāsānām mahā-āśiṣaḥ
die große Segnungen erhoffte
kālena bhūyasā kṣāmām
durch die längere Zeit abgemagert
karśitām vrata-caryayā
erschöpft durch die Gelübdeübung
prema-gadgadayā vācā
mit von Liebe erstickter Stimme
pīḍitaḥ kṛpayā abravīt
von Mitleid ergriffen, sprach er

kardama uvāca tuṣṭo 'ham adya tava mānavi mānadāyāḥ śuśrūṣayā paramayā parayā ca bhaktyā yo dehinām ayam atīva suhṛt sa deho nāvekṣitaḥ samucitaḥ kṣapituṁ mad-arthe

Kardama sagte: Ich bin heute zufrieden, o Tochter Manus, du Ehrenwerte, durch [deinen] höchsten Dienst und höchste Hingabe - [obwohl] dieser Körper, der für verkörperte Wesen der größte Freund ist, von dir nicht geachtet wurde, sondern bereit war, für mich aufgezehrt zu werden.

Wort für Wort
kardama uvāca
Kardama sagte
tuṣṭaḥ aham adya
ich bin heute zufrieden
tava mānavi mānadāyāḥ
durch dich, o Manu-Tochter, du Ehrenwerte
śuśrūṣayā paramayā
durch höchsten Dienst
parayā ca bhaktyā
und durch höchste Hingabe
yaḥ dehinām ayam atīva suhṛt
dieser, der für verkörperte Wesen der größte Freund ist
saḥ dehaḥ
dieser Körper
na avekṣitaḥ
wurde nicht geachtet
samucitaḥ kṣapitum mad-arthe
bereit, für mich aufgezehrt zu werden

ye me sva-dharma-niratasya tapaḥ-samādhi-vidyātma-yoga-vijitā bhagavat-prasādāḥ tān eva te mad-anusevanayāvaruddhān dṛṣṭiṁ prapaśya vitarāmy abhayān aśokān

Jene Gnadengaben des Erhabenen, die ich, meiner eigenen Pflicht ergeben, durch Askese, Versenkung, Wissen und Selbst-Yoga errungen habe - eben diese, durch deinen Dienst an mir zurückgehaltenen, sieh nun mit eigenen Augen: ich gewähre sie dir, die [du nun] furchtlos und leidfrei [bist].

Wort für Wort
ye me sva-dharma-niratasya
die für mich, meiner eigenen Pflicht ergeben
tapaḥ-samādhi-vidyā-ātma-yoga-vijitāḥ
durch Askese, Versenkung, Wissen und Selbst-Yoga errungenen
bhagavat-prasādāḥ
Gnadengaben des Erhabenen
tān eva
eben diese
te mad-anusevanayā avaruddhān
durch deinen Dienst an mir zurückgehaltenen
dṛṣṭim prapaśya
sieh [nun mit eigenen] Augen
vitarāmi
ich gewähre
abhayān aśokān
furchtlos und leidfrei [gewordene, dir]

[?] Dichter, knapper Vers: "avaruddhān" (zurückgehalten) legt nahe, dass Kardama seine durch Askese errungenen Kräfte/Gnadengaben bislang wegen ihres hingebungsvollen Hausfrauendienstes nicht offenbart hatte und sie ihr nun zeigt/übergibt; die genaue Konstruktion von "dṛṣṭiṁ prapaśya" bleibt unabhängig nicht restlos sicher zu klären.

anye punar bhagavato bhruva udvijṛmbha-vibhraṁśitārtha-racanāḥ kim urukramasya siddhāsi bhuṅkṣva vibhavān nija-dharma-dohān divyān narair duradhigān nṛpa-vikriyābhiḥ

Andere [Weltengüter] wiederum, die schon durch das bloße Zusammenziehen der Brauen des Erhabenen zerstreut werden - was [gilt] erst vom Weitschreitenden selbst? Du bist [nun] vollendet - genieße die göttlichen, aus deiner eigenen Pflicht hervorgehenden Reichtümer, die für Menschen durch königliche Verfehlungen schwer zu erlangen sind.

Wort für Wort
anye punaḥ
andere wiederum
bhagavataḥ bhruvaḥ udvijṛmbha-vibhraṁśita-artha-racanāḥ
die durch das Emporziehen der Brauen des Erhabenen zerstreuten [Welt-]Güter
kim urukramasya
was [gilt] erst vom Weitschreitenden
siddhā asi
du bist vollendet
bhuṅkṣva vibhavān
genieße die Reichtümer
nija-dharma-dohān
die aus der eigenen Pflicht hervorgehenden
divyān
göttliche
naraiḥ duradhigān
für Menschen schwer erreichbare
nṛpa-vikriyābhiḥ
durch königliche Verfehlungen

[?] Dichte, rhetorisch zugespitzte Aussage: gemeint ist wohl, dass selbst die größten weltlichen Güter für den Erhabenen (Viṣṇu/Urukrama) bedeutungslos sind und ihre Gewährung ihm ein Leichtes ist; "nija-dharma-dohān" wörtlich "aus der eigenen Pflicht gemolkenen [Reichtümer]".

evaṁ bruvāṇam abalākhila-yoga-māyā-vidyā-vicakṣaṇam avekṣya gatādhir āsīt sampraśraya-praṇaya-vihvalayā gireṣad-vrīḍāvaloka-vilasad-dhasitānanāha

Als sie, die Frau, ihn, der so sprach und in der gesamten Wissenschaft der Yogamāyā bewandert war, betrachtete, wurde sie frei von Sorge; mit einer von Ehrerbietung und Zuneigung überwältigten Stimme, ihr Antlitz von einem leicht verschämten Blick und aufblühendem Lächeln erhellt, sprach sie.

Wort für Wort
evam bruvāṇam
ihn, [der] so sprach
abalā
die Frau (Devahūti)
akhila-yoga-māyā-vidyā-vicakṣaṇam
den in der gesamten Wissenschaft der Yogamāyā Bewanderten
avekṣya
betrachtend
gata-ādhiḥ āsīt
sie wurde frei von Sorge
sampraśraya-praṇaya-vihvalayā girā
mit einer von Ehrerbietung und Zuneigung überwältigten Stimme
īṣat-vrīḍā-avaloka-vilasat-hasita-ānanā
deren Antlitz von einem leicht verschämten Blick und aufblühendem Lächeln erhellt war
āha
sie sprach

devahūtir uvāca rāddhaṁ bata dvija-vṛṣaitad amogha-yoga- māyādhipe tvayi vibho tad avaimi bhartaḥ yas te 'bhyadhāyi samayaḥ sakṛd aṅga-saṅgo bhūyād garīyasi guṇaḥ prasavaḥ satīnām

Devahūti sagte: Wahrlich, o Bester der Zweifachgeborenen, dies ist vollbracht, da du, Herr, der Gebieter der untrüglichen Yogamāyā bist; das erkenne ich, o Gatte - die von dir genannte Abmachung, dass eine einzige leibliche Vereinigung [genüge]: möge dennoch bei einem so Erhabenen die Nachkommenschaft für tugendhafte Frauen selbst als Vorzug gelten.

Wort für Wort
devahūtiḥ uvāca
Devahūti sagte
rāddham bata
wahrlich vollbracht
dvija-vṛṣa
o Bester der Zweifachgeborenen
etat
dies
amogha-yoga-māyā-adhipe tvayi vibho
da du, Herr, Gebieter der untrüglichen Yogamāyā bist
tat avaimi bhartaḥ
das erkenne ich, o Gatte
yaḥ te abhyadhāyi samayaḥ
die von dir genannte Abmachung
sakṛt aṅga-saṅgaḥ
eine einzige körperliche Vereinigung
bhūyāt garīyasi guṇaḥ
möge bei einem Erhabeneren zum Vorzug werden
prasavaḥ satīnām
die Nachkommenschaft für tugendhafte Frauen

[?] Devahūti scheint anzudeuten, dass, obwohl die ursprüngliche Abmachung nur eine einzige Vereinigung vorsah, Nachkommenschaft von einem so erhabenen Gatten für sich genommen bereits ein besonderer Vorzug wäre - eine mögliche höfliche Andeutung ihres Wunsches nach mehr als einem Kind.

tatreti-kṛtyam upaśikṣa yathopadeśaṁ yenaiṣa me karśito 'tiriraṁsayātmā siddhyeta te kṛta-manobhava-dharṣitāyā dīnas tad īśa bhavanaṁ sadṛśaṁ vicakṣva

Belehre mich daher gemäß [deiner] Unterweisung, was zu tun ist, wodurch dieser mein von übermäßigem Verlangen erschöpfter Sinn - mir, die von [dir] hervorgerufenem Liebesverlangen bedrängt ist - zur Erfüllung gelangen möge; und, o Herr, erwäge für die Elende eine angemessene Wohnstatt.

Wort für Wort
tatra iti-kṛtyam
daher, was zu tun ist
upaśikṣa yathā-upadeśam
belehre gemäß [deiner] Unterweisung
yena eṣa me
wodurch dieser mein
karśitaḥ atiriraṁsayā ātmā
durch übermäßiges Verlangen erschöpfter Sinn
siddhyeta
zur Erfüllung gelangen möge
te kṛta-manobhava-dharṣitāyāḥ
mir, die von [dir] hervorgerufenem Liebesverlangen bedrängt ist
dīnaḥ tat īśa
[ich bin] elend, daher, o Herr
bhavanam sadṛśam vicakṣva
erwäge eine angemessene Wohnstatt

[?] Dichte, mehrdeutige Konstruktion; Sinn insgesamt aber klar: Devahūti bittet um Erfüllung ihres Verlangens und um eine angemessene Behausung.

maitreya uvāca priyāyāḥ priyam anvicchan kardamo yogam āsthitaḥ vimānaṁ kāma-gaṁ kṣattas tarhy evāviracīkarat

Maitreya sagte: Den Wunsch der Geliebten erfüllen wollend, wandte sich Kardama dem Yoga zu und erschuf sogleich, o Kṣattā, einen nach Belieben fahrenden Flugwagen.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sagte
priyāyāḥ priyam anvicchan
den Wunsch der Geliebten erfüllen wollend
kardamaḥ yogam āsthitaḥ
Kardama wandte sich dem Yoga zu
vimānam kāma-gam
einen nach Belieben fahrenden Flugwagen
kṣattaḥ
o Kṣattā (Vidura)
tarhi eva aviracīkarat
sogleich erschuf er

sarva-kāma-dughaṁ divyaṁ sarva-ratna-samanvitam sarvarddhy-upacayodarkaṁ maṇi-stambhair upaskṛtam

[Einen Flugwagen,] der alle Wünsche erfüllte, göttlich, mit allen Edelsteinen ausgestattet, dessen Zunahme alles Gedeihens verhieß, geschmückt mit Säulen aus Juwelen.

Wort für Wort
sarva-kāma-dugham
der alle Wünsche erfüllte
divyam
göttlich
sarva-ratna-samanvitam
mit allen Edelsteinen ausgestattet
sarva-ṛddhi-upacaya-udarkam
dessen Zunahme alles Gedeihens verhieß
maṇi-stambhaiḥ upaskṛtam
mit Juwelensäulen geschmückt

divyopakaraṇopetaṁ sarva-kāla-sukhāvaham paṭṭikābhiḥ patākābhir vicitrābhir alaṅkṛtam sragbhir vicitra-mālyābhir mañju-śiñjat-ṣaḍ-aṅghribhiḥ dukūla-kṣauma-kauśeyair nānā-vastrair virājitam

Ausgestattet mit göttlichen Gerätschaften, zu jeder Zeit Wohlbehagen bringend, geschmückt mit bunten Bändern und Bannern, mit Kränzen aus bunten Blumengirlanden, an denen Bienen lieblich summten, und erstrahlend durch verschiedenartige Gewänder aus feinem Leinen, Flachsseide und Kauśeya-Seide.

Wort für Wort
divya-upakaraṇa-upetam
mit göttlichen Gerätschaften ausgestattet
sarva-kāla-sukha-āvaham
zu jeder Zeit Wohlbehagen bringend
paṭṭikābhiḥ patākābhiḥ vicitrābhiḥ alaṅkṛtam
mit bunten Bändern und Bannern geschmückt
sragbhiḥ vicitra-mālyābhiḥ
mit Kränzen aus bunten Blumengirlanden
mañju-śiñjat-ṣaḍ-aṅghribhiḥ
an denen Sechsfüßler (Bienen) lieblich summten
dukūla-kṣauma-kauśeyaiḥ nānā-vastraiḥ virājitam
erstrahlend durch verschiedenartige Gewänder aus feinem Leinen, Flachsseide und Kauśeya-Seide

upary upari vinyasta-nilayeṣu pṛthak pṛthak kṣiptaiḥ kaśipubhiḥ kāntaṁ paryaṅka-vyajanāsanaiḥ

[Der Wagen war] lieblich durch Ruhebetten, Fächer und Sitze, in getrennten, übereinander errichteten Wohnräumen, ausgestattet mit ausgebreiteten Polstern.

Wort für Wort
upari upari vinyasta-nilayeṣu
in übereinander angeordneten Wohnräumen
pṛthak pṛthak
jeweils getrennt
kṣiptaiḥ kaśipubhiḥ
mit ausgebreiteten Polstern
kāntam
lieblich
paryaṅka-vyajana-āsanaiḥ
mit Ruhebetten, Fächern und Sitzen

tatra tatra vinikṣipta-nānā-śilpopaśobhitam mahā-marakata-sthalyā juṣṭaṁ vidruma-vedibhiḥ

Hier und dort geschmückt mit verschiedenartig aufgestellten Kunstwerken, geschmückt mit einem Boden aus großen Smaragden und mit Korallenaltären ausgestattet.

Wort für Wort
tatra tatra vinikṣipta-nānā-śilpa-upaśobhitam
hier und dort geschmückt mit verschiedenartig aufgestellten Kunstwerken
mahā-marakata-sthalyā
mit einem Boden aus großen Smaragden
juṣṭam vidruma-vedibhiḥ
ausgestattet mit Korallenaltären

dvāḥsu vidruma-dehalyā bhātaṁ vajra-kapāṭavat śikhareṣv indranīleṣu hema-kumbhair adhiśritam

An den Türen mit Korallen-Türschwellen erstrahlend wie mit Diamant-Türflügeln, an den Giebeln mit Saphiren [geschmückt] und von goldenen Kalaśa-Kuppeln gekrönt.

Wort für Wort
dvāḥsu vidruma-dehalyā
an den Türen mit Korallen-Türschwellen
bhātam vajra-kapāṭavat
erstrahlend wie mit Diamant-Türflügeln
śikhareṣu indranīleṣu
an den Giebeln mit Saphiren
hema-kumbhaiḥ adhiśritam
von goldenen Kalaśa-Kuppeln gekrönt

cakṣuṣmat padmarāgāgryair vajra-bhittiṣu nirmitaiḥ juṣṭaṁ vicitra-vaitānair mahārhair hema-toraṇaiḥ

Ausgestattet mit [Fenstern,] die gleichsam Augen [gaben], aus feinsten Padmarāga-Rubinen in die Diamantwände eingelassen, geschmückt mit bunten Baldachinen und kostbaren goldenen Torbögen.

Wort für Wort
cakṣuṣmat
[Fenster,] gleichsam Augen habend
padmarāga-agryaiḥ
aus feinsten Padmarāga-Rubinen
vajra-bhittiṣu nirmitaiḥ
in die Diamantwände eingelassen
juṣṭam vicitra-vaitānaiḥ
geschmückt mit bunten Baldachinen
mahārhaiḥ hema-toraṇaiḥ
mit kostbaren goldenen Torbögen

haṁsa-pārāvata-vrātais tatra tatra nikūjitam kṛtrimān manyamānaiḥ svān adhiruhyādhiruhya ca

Hier und dort erfüllt vom Girren der Scharen von Schwänen und Tauben, die die künstlichen [Vögel] immer wieder für ihre eigenen [Artgenossen] hielten und bestiegen.

Wort für Wort
haṁsa-pārāvata-vrātaiḥ
von Scharen von Schwänen und Tauben
tatra tatra nikūjitam
hier und dort erfüllt vom Girren
kṛtrimān manyamānaiḥ
die [sie] für künstlich/ihresgleichen hielten
svān
ihre eigenen [Artgenossen]
adhiruhya adhiruhya ca
immer wieder besteigend

[Anm.] Grammatisch knapp konstruiert; gemeint sind wohl echte Vögel, die die kunstvoll nachgebildeten Wagenverzierungen für ihresgleichen halten und wiederholt auf ihnen landen.

vihāra-sthāna-viśrāma-saṁveśa-prāṅgaṇājiraiḥ yathopajoṣaṁ racitair vismāpanam ivātmanaḥ

Mit Plätzen zum Spielen, zum Ausruhen, zum Schlafen, mit Vorhöfen und Höfen, die nach Belieben gestaltet waren - gleichsam ein Erstaunen über sich selbst [hervorrufend].

Wort für Wort
vihāra-sthāna-viśrāma-saṁveśa-prāṅgaṇa-ajiraiḥ
mit Spielplätzen, Ruheplätzen, Schlafstätten, Vorhöfen und Höfen
yathā-upajoṣam racitaiḥ
nach Belieben gestaltet
vismāpanam iva ātmanaḥ
gleichsam ein [eigenes] Erstaunen [hervorrufend]

īdṛg gṛhaṁ tat paśyantīṁ nātiprītena cetasā sarva-bhūtāśayābhijñaḥ prāvocat kardamaḥ svayam

Als sie ein solches Haus betrachtete, aber mit nicht sehr erfreutem Herzen, sprach Kardama selbst, kundig der Herzensneigungen aller Wesen, [zu ihr].

Wort für Wort
īdṛk gṛham tat paśyantīm
sie, die ein solches Haus betrachtete
na atiprītena cetasā
mit nicht sehr erfreutem Herzen
sarva-bhūta-āśaya-abhijñaḥ
kundig der Herzensneigungen aller Wesen
prāvocat kardamaḥ svayam
Kardama selbst sprach

nimajjyāsmin hrade bhīru vimānam idam āruha idaṁ śukla-kṛtaṁ tīrtham āśiṣāṁ yāpakaṁ nṛṇām

Tauche unter, o Furchtsame, in diesem See, dann besteige diesen Flugwagen; dies ist eine von Śukla geschaffene heilige Furt, die den Menschen [ihre] Segenswünsche erfüllt.

Wort für Wort
nimajjya asmin hrade
in diesem See untertauchend
bhīru
o Furchtsame
vimānam idam āruha
besteige diesen Flugwagen
idam śukla-kṛtam tīrtham
dies ist eine von Śukla geschaffene heilige Furt
āśiṣām yāpakam nṛṇām
die den Menschen [ihre] Segenswünsche erfüllt

[Anm.] "śukla" (der Reine/Strahlende) als Beiname des Herrn erscheint auch in 3.21.19; hier auf die Weihung der heiligen Furt bezogen.

sā tad bhartuḥ samādāya vacaḥ kuvalayekṣaṇā sarajaṁ bibhratī vāso veṇī-bhūtāṁś ca mūrdhajān

Sie, die Lotosäugige, nahm die Worte [ihres] Gatten auf, während sie noch ein staubbedecktes Gewand und zu einem Zopf geflochtenes Haar trug.

Wort für Wort
sā tat bhartuḥ samādāya vacaḥ
sie, jene Worte des Gatten aufnehmend
kuvalaya-īkṣaṇā
die Lotosäugige
sarajam bibhratī vāsaḥ
ein staubbedecktes Gewand tragend
veṇī-bhūtān ca mūrdhajān
und zu einem Zopf geflochtenes Haar

aṅgaṁ ca mala-paṅkena sañchannaṁ śabala-stanam āviveśa sarasvatyāḥ saraḥ śiva-jalāśayam

Und [ihren] Körper, mit dem Schmutz von Unreinheit bedeckt, [ihre] gefleckten Brüste, [so] betrat sie den See der Sarasvatī, jenes heilbringende Wasserreservoir.

Wort für Wort
aṅgam ca mala-paṅkena sañchannam
und den mit dem Schmutz von Unreinheit bedeckten Körper
śabala-stanam
mit gefleckten Brüsten
āviveśa sarasvatyāḥ saraḥ
sie betrat den See der Sarasvatī
śiva-jala-āśayam
das heilbringende Wasserreservoir

sāntaḥ sarasi veśma-sthāḥ śatāni daśa kanyakāḥ sarvāḥ kiśora-vayaso dadarśotpala-gandhayaḥ

Sie erblickte im Inneren des Sees, in einem Gebäude weilend, tausend Mädchen, alle im jugendlichen Alter und nach Lotosblüten duftend.

Wort für Wort
sā antaḥ sarasi veśma-sthāḥ
sie [erblickte] im Inneren des Sees, in einem Gebäude weilend
śatāni daśa kanyakāḥ
tausend Mädchen (zehn Hundert)
sarvāḥ kiśora-vayasaḥ
alle im jugendlichen Alter
dadarśa utpala-gandhayaḥ
sie erblickte, nach Lotos duftend

tāṁ dṛṣṭvā sahasotthāya procuḥ prāñjalayaḥ striyaḥ vayaṁ karma-karīs tubhyaṁ śādhi naḥ karavāma kim

Als sie Devahūti erblickten, standen die Frauen sogleich auf und sprachen mit gefalteten Händen: Wir sind dir dienstbare Mägde - weise uns an, was wir tun sollen.

Wort für Wort
tām dṛṣṭvā sahasā utthāya
sie erblickend, sogleich aufstehend
procuḥ prāñjalayaḥ striyaḥ
sprachen die Frauen mit gefalteten Händen
vayam karma-karīḥ tubhyam
wir [sind] dienstbare Mägde für dich
śādhi naḥ karavāma kim
weise uns an, was wir tun sollen

snānena tāṁ mahārheṇa snāpayitvā manasvinīm dukūle nirmale nūtne dadur asyai ca mānadāḥ

Nachdem sie die Hochgesinnte mit einem kostbaren Bad gebadet hatten, gaben ihr die Ehrerbietigen [auch] ein reines, neues feines Leinengewand.

Wort für Wort
snānena tām mahārheṇa snāpayitvā
sie mit einem kostbaren Bad badend
manasvinīm
die Hochgesinnte
dukūle nirmale nūtne
[in] ein reines, neues feines Leinen[gewand]
daduḥ asyai ca mānadāḥ
gaben ihr, die Ehrerbietigen

bhūṣaṇāni parārdhyāni varīyāṁsi dyumanti ca annaṁ sarva-guṇopetaṁ pānaṁ caivāmṛtāsavam

[Sie gaben ihr] überaus kostbaren, prächtigen und leuchtenden Schmuck, Speise, die mit allen [guten] Eigenschaften ausgestattet war, und einen nektargleichen Trank.

Wort für Wort
bhūṣaṇāni parārdhyāni
überaus kostbaren Schmuck
varīyāṁsi dyumanti ca
prächtigen und leuchtenden
annam sarva-guṇa-upetam
Speise, mit allen [guten] Eigenschaften ausgestattet
pānam ca eva amṛta-āsavam
und einen nektargleichen Trank

athādarśe svam ātmānaṁ sragviṇaṁ virajāmbaram virajaṁ kṛta-svastyayanaṁ kanyābhir bahu-mānitam

Dann sah sie im Spiegel ihr eigenes Selbst, bekränzt, in staubfreien Gewändern, rein, mit vollzogenen Segensriten und von den Mädchen hoch geehrt.

Wort für Wort
atha ādarśe
dann im Spiegel
svam ātmānam sragviṇam
ihr eigenes bekränztes Selbst
viraja-ambaram
in staubfreien Gewändern
virajam kṛta-svastyayanam
rein, mit vollzogenen Segensriten
kanyābhiḥ bahu-mānitam
von den Mädchen hoch geehrt

snātaṁ kṛta-śiraḥ-snānaṁ sarvābharaṇa-bhūṣitam niṣka-grīvaṁ valayinaṁ kūjat-kāñcana-nūpuram

[Sie sah sich] gebadet, mit vollzogenem Kopfbad, mit allem Schmuck geschmückt, mit einem Medaillon am Hals, mit Armreifen und mit klingelnden goldenen Fußringen.

Wort für Wort
snātam kṛta-śiraḥ-snānam
gebadet, mit vollzogenem Kopfbad
sarva-ābharaṇa-bhūṣitam
mit allem Schmuck geschmückt
niṣka-grīvam
mit einem Medaillon am Hals
valayinam
mit Armreifen
kūjat-kāñcana-nūpuram
mit klingelnden goldenen Fußringen

śroṇyor adhyastayā kāñcyā kāñcanyā bahu-ratnayā hāreṇa ca mahārheṇa rucakena ca bhūṣitam

Geschmückt mit einem an den Hüften angelegten goldenen, mit vielen Edelsteinen [besetzten] Gürtel, und mit einer kostbaren Halskette und einem Rucaka-Schmuckstück.

Wort für Wort
śroṇyoḥ adhyastayā kāñcyā
mit dem an den Hüften angelegten Gürtel
kāñcanyā bahu-ratnayā
dem goldenen, mit vielen Edelsteinen [versehenen]
hāreṇa ca mahārheṇa
und mit einer kostbaren Halskette
rucakena ca bhūṣitam
und mit einem Rucaka-Schmuckstück geschmückt

sudatā subhruvā ślakṣṇa-snigdhāpāṅgena cakṣuṣā padma-kośa-spṛdhā nīlair alakaiś ca lasan-mukham

[Ihr] Antlitz erstrahlte durch [ihre] schönen Zähne, schöne Brauen, durch [ihr] glattes, zärtliches Augenspiel aus dem Augenwinkel, das mit dem Lotoskelch wetteiferte, und durch [ihre] dunklen Locken.

Wort für Wort
su-datā su-bhruvā
mit schönen Zähnen, schönen Brauen
ślakṣṇa-snigdha-apāṅgena cakṣuṣā
mit glattem, zärtlichem Blick aus dem Augenwinkel
padma-kośa-spṛdhā
das mit dem Lotoskelch wetteiferte
nīlaiḥ alakaiḥ ca
und mit dunklen Locken
lasat-mukham
[ihr] erstrahlendes Antlitz

yadā sasmāra ṛṣabham ṛṣīṇāṁ dayitaṁ patim tatra cāste saha strībhir yatrāste sa prajāpatiḥ

Als sie sich an den Stier unter den Weisen, [ihren] geliebten Gatten, erinnerte, befand sie sich sogleich dort mit den Frauen, wo jener Herr der Geschöpfe weilte.

Wort für Wort
yadā sasmāra
als sie sich erinnerte
ṛṣabham ṛṣīṇām dayitam patim
an den Stier unter den Weisen, den geliebten Gatten
tatra ca āste saha strībhiḥ
dort befand sie sich mit den Frauen
yatra āste saḥ prajāpatiḥ
wo jener Herr der Geschöpfe weilte

bhartuḥ purastād ātmānaṁ strī-sahasra-vṛtaṁ tadā niśāmya tad-yoga-gatiṁ saṁśayaṁ pratyapadyata

Als sie sich damals vor [ihrem] Gatten, umgeben von tausend Frauen, erblickte, geriet sie, jene Yoga-Kraft wahrnehmend, in Verwunderung.

Wort für Wort
bhartuḥ purastāt ātmānam
sich [selbst] vor dem Gatten
strī-sahasra-vṛtam tadā
damals von tausend Frauen umgeben
niśāmya tat-yoga-gatim
jene Yoga-Kraft wahrnehmend
saṁśayam pratyapadyata
sie geriet in Zweifel/Verwunderung

sa tāṁ kṛta-mala-snānāṁ vibhrājantīm apūrvavat ātmano bibhratīṁ rūpaṁ saṁvīta-rucira-stanīm vidyādharī-sahasreṇa sevyamānāṁ suvāsasam jāta-bhāvo vimānaṁ tad ārohayad amitra-han

Er, [Kardama, als er] sie, die von der Reinigung vom Schmutz nun erstrahlte wie nie zuvor, [ihre] eigene [neue] Gestalt tragend, mit verhüllten, reizvollen Brüsten - bedient von tausend Vidyādharī-Frauen, wohlgekleidet - [erblickte], von Zuneigung ergriffen, ließ er sie, o Feindbezwinger, jenen Flugwagen besteigen.

Wort für Wort
saḥ tām kṛta-mala-snānām
er, sie, die vom Schmutz gereinigt war
vibhrājantīm apūrvavat
die erstrahlte wie nie zuvor
ātmanaḥ bibhratīm rūpam
ihre eigene [neue] Gestalt tragend
saṁvīta-rucira-stanīm
mit verhüllten, reizvollen Brüsten
vidyādharī-sahasreṇa sevyamānām
von tausend Vidyādharī-Frauen bedient
su-vāsasam
wohlgekleidet
jāta-bhāvaḥ
von Zuneigung ergriffen
vimānam tat ārohayat
ließ sie jenen Flugwagen besteigen
amitra-han
o Feindbezwinger [Anrede an Vidura]

tasminn alupta-mahimā priyayānurakto vidyādharībhir upacīrṇa-vapur vimāne babhrāja utkaca-kumud-gaṇavān apīcyas tārābhir āvṛta ivoḍu-patir nabhaḥ-sthaḥ

Auf jenem [Flugwagen], seine Herrlichkeit nicht mindernd, der Geliebten zugetan, [seinen] Körper von den Vidyādharī-Frauen umsorgt, erstrahlte er, der Schöne, wie umgeben von aufgeblühten weißen Lotosblüten, wie der am Himmel stehende Mondherr, von Sternen umgeben.

Wort für Wort
tasmin alupta-mahimā
auf jenem, [seine] Herrlichkeit nicht mindernd
priyayā anuraktaḥ
der Geliebten zugetan
vidyādharībhiḥ upacīrṇa-vapuḥ
dessen Körper von den Vidyādharī-Frauen umsorgt wurde
vimāne babhrāja
auf dem Flugwagen erstrahlte er
utkaca-kumud-gaṇavān
mit aufgeblühten weißen Lotosblüten [wie umgeben]
apīcyaḥ
der Schöne
tārābhiḥ āvṛtaḥ iva
wie von Sternen umgeben
uḍu-patiḥ nabhaḥ-sthaḥ
der am Himmel stehende Mondherr

[?] "utkaca-kumud-gaṇavān" (wörtlich: mit einer Schar aufgeblühter Kumuda-[Nacht-]Lotosblüten [versehen]) bleibt in seiner genauen bildlichen Anwendung auf Kardama etwas unklar.

tenāṣṭa-lokapa-vihāra-kulācalendra-droṇīṣv anaṅga-sakha-māruta-saubhagāsu siddhair nuto dyudhuni-pāta-śiva-svanāsu reme ciraṁ dhanadaval-lalanā-varūthī

Mit ihm, dem Flugwagen, genoss er lange, von den Siddhas gepriesen, umgeben von seiner Frauenschar wie [der Gott] Dhanada, in den Tälern der Hauptberge, den Lustorten der acht Weltenhüter, die durch den mit Liebe verbündeten Wind begünstigt waren und in denen der heilvolle Klang des Sturzes des Himmelsflusses erklang.

Wort für Wort
tena
mit ihm (dem Flugwagen)
aṣṭa-lokapa-vihāra-kula-acala-indra-droṇīṣu
in den Tälern der Hauptberge, den Lustorten der acht Weltenhüter
anaṅga-sakha-māruta-saubhagāsu
begünstigt durch den mit Liebe (Kāma) verbündeten Wind
siddhaiḥ nutaḥ
von den Siddhas gepriesen
dyudhuni-pāta-śiva-svanāsu
in denen der heilvolle Klang des Sturzes des Himmelsflusses [erklang]
reme ciram
er genoss lange
dhanada-vat lalanā-varūthī
umgeben von seiner Frauenschar wie [der Gott] Dhanada (Kubera)

[?] Vielgliedriges Kompositum, in seiner Aufteilung nicht in jedem Detail unabhängig sicher zu verifizieren; Gesamtsinn (Aufenthalt in paradiesischen Bergtälern) ist jedoch klar.

vaiśrambhake surasane nandane puṣpabhadrake mānase caitrarathye ca sa reme rāmayā rataḥ

In Vaiśrambhaka, Surasana, Nandana, Puṣpabhadraka, am See Mānasa und in Caitraratha genoss er, der Freude an der Geliebten fand.

Wort für Wort
vaiśrambhake surasane nandane puṣpabhadrake
in Vaiśrambhaka, Surasana, Nandana, Puṣpabhadraka
mānase caitrarathye ca
am [See] Mānasa und in Caitraratha
saḥ reme rāmayā rataḥ
er genoss, an der Geliebten Freude findend

bhrājiṣṇunā vimānena kāma-gena mahīyasā vaimānikān atyaśeta caral lokān yathānilaḥ

Mit dem strahlenden, nach Belieben fahrenden, überaus großen Flugwagen übertraf er die anderen Wagenfahrer, durch die Welten wandernd wie der Wind.

Wort für Wort
bhrājiṣṇunā vimānena
mit dem strahlenden Flugwagen
kāma-gena mahīyasā
dem nach Belieben fahrenden, überaus großen
vaimānikān atyaśeta
er übertraf die [anderen] Wagenfahrer
caran lokān
durch die Welten wandernd
yathā anilaḥ
wie der Wind

kiṁ durāpādanaṁ teṣāṁ puṁsām uddāma-cetasām yair āśritas tīrtha-padaś caraṇo vyasanātyayaḥ

Was ist für jene Menschen mit erhabenem Geist schwer zu erlangen, von denen der Fuß dessen, der die heiligen Furten [heiligt] und das Unheil beseitigt, als Zuflucht genommen wurde?

Wort für Wort
kim durāpādanam teṣām puṁsām
was ist für jene Menschen schwer zu erlangen
uddāma-cetasām
mit erhabenem Geist
yaiḥ āśritaḥ
von denen als Zuflucht genommen wurde
tīrtha-padaḥ caraṇaḥ
der Fuß dessen, der die heiligen Furten [heiligt]
vyasana-atyayaḥ
der das Unheil beseitigt

prekṣayitvā bhuvo golaṁ patnyai yāvān sva-saṁsthayā bahv-āścaryaṁ mahā-yogī svāśramāya nyavartata

Nachdem der große Yogi [seiner] Gattin die Kugel der Erde gezeigt hatte, so groß wie sie durch ihre eigene Beschaffenheit ist und voller Wunder, kehrte er zu seiner eigenen Einsiedelei zurück.

Wort für Wort
prekṣayitvā bhuvaḥ golam
nachdem er die Erdkugel gezeigt hatte
patnyai
der Gattin
yāvān sva-saṁsthayā
so groß wie sie durch ihre eigene Beschaffenheit ist
bahu-āścaryam
voller Wunder
mahā-yogī sva-āśramāya nyavartata
der große Yogi kehrte zu seiner eigenen Einsiedelei zurück

vibhajya navadhātmānaṁ mānavīṁ suratotsukām rāmāṁ niramayan reme varṣa-pūgān muhūrtavat

Nachdem er sich selbst neunfach geteilt hatte, erfreute er die nach Liebesvereinigung verlangende Manu-Tochter, die Geliebte, zufriedenstellend, und genoss so Jahrzehnte hindurch, [die ihm] wie ein Augenblick [vergingen].

Wort für Wort
vibhajya navadhā ātmānam
sich selbst neunfach teilend
mānavīm surata-utsukām rāmām
die nach Liebesvereinigung verlangende Manu-Tochter, die Geliebte
niramayan reme
zufriedenstellend genoss er
varṣa-pūgān muhūrtavat
Jahrzehnte [wie] einen Augenblick

tasmin vimāna utkṛṣṭāṁ śayyāṁ rati-karīṁ śritā na cābudhyata taṁ kālaṁ patyāpīcyena saṅgatā

Sie, [die] auf jenem Flugwagen ein herrliches, Liebeslust bringendes Lager aufgesucht hatte, bemerkte, mit [ihrem] schönen Gatten vereint, jene [verstrichene] Zeit nicht.

Wort für Wort
tasmin vimāne utkṛṣṭām śayyām
auf jenem Flugwagen ein herrliches Lager
rati-karīm śritā
das Liebeslust bringende, aufgesucht habend
na ca abudhyata tam kālam
und sie bemerkte jene Zeit nicht
patyā apīcyena saṅgatā
mit [ihrem] schönen Gatten vereint

evaṁ yogānubhāvena dam-patyo ramamāṇayoḥ śataṁ vyatīyuḥ śaradaḥ kāma-lālasayor manāk

So vergingen, durch die Kraft des Yoga, dem sich vergnügenden Ehepaar, das nach Liebe verlangte, hundert Herbste [Jahre], gleichsam im Nu.

Wort für Wort
evam yoga-anubhāvena
so durch die Kraft des Yoga
dam-patyoḥ ramamāṇayoḥ
dem sich vergnügenden Ehepaar
śatam vyatīyuḥ śaradaḥ
hundert Herbste vergingen
kāma-lālasayoḥ manāk
die nach Liebe verlangten, gleichsam im Nu

tasyām ādhatta retas tāṁ bhāvayann ātmanātma-vit nodhā vidhāya rūpaṁ svaṁ sarva-saṅkalpa-vid vibhuḥ

Der Selbstkundige, Allmächtige, der alle Wünsche kennt, [der] seine eigene Gestalt [in bestimmter Weise] gestaltet hatte, legte, sie mit [seinem eigenen] Selbst beseelend, in sie [seinen] Samen.

Wort für Wort
tasyām ādhatta retaḥ
in sie legte er [seinen] Samen
tām bhāvayan ātmanā ātma-vit
sie mit [seinem eigenen] Selbst beseelend, der Selbstkundige
nodhā vidhāya rūpam svam
[?] nachdem er seine eigene Gestalt [in bestimmter Weise] gestaltet hatte
sarva-saṅkalpa-vit vibhuḥ
der Allmächtige, der alle Wünsche/Gedanken kennt

[?] "nodhā" ist unabhängig nicht sicher zu klären - möglicherweise eine Kontraktion/Variante von "navadhā" (neunfach, vgl. Vers 44) oder ein anderer Ausdruck; wörtlich und mit Fragezeichen wiedergegeben statt spekulativ emendiert.

ataḥ sā suṣuve sadyo devahūtiḥ striyaḥ prajāḥ sarvās tāś cāru-sarvāṅgyo lohitotpala-gandhayaḥ

Daraufhin gebar Devahūti sogleich weibliche Nachkommen - allesamt schön an allen Gliedern und nach roten Lotosblüten duftend.

Wort für Wort
ataḥ sā suṣuve sadyaḥ
daraufhin gebar sie sogleich
devahūtiḥ striyaḥ prajāḥ
Devahūti weibliche Nachkommen
sarvāḥ tāḥ cāru-sarva-aṅgyaḥ
alle diese, schön an allen Gliedern
lohita-utpala-gandhayaḥ
nach roten Lotosblüten duftend

patiṁ sā pravrajiṣyantaṁ tadālakṣyośatī bahiḥ smayamānā viklavena hṛdayena vidūyatā

Als sie damals bemerkte, dass [ihr] Gatte im Begriff war, in die Wanderschaft zu ziehen, [erschien sie] äußerlich lächelnd, die Schöne, doch mit einem von Verwirrung gepeinigten Herzen innerlich brennend.

Wort für Wort
patim sā pravrajiṣyantam
sie [bemerkte], dass [ihr] Gatte im Begriff war, in die Wanderschaft zu ziehen
tadā ālakṣya uśatī bahiḥ
damals bemerkend, die Schöne, äußerlich
smayamānā
lächelnd
viklavena hṛdayena vidūyatā
mit einem von Verwirrung gepeinigten, [innerlich] brennenden Herzen

likhanty adho-mukhī bhūmiṁ padā nakha-maṇi-śriyā uvāca lalitāṁ vācaṁ nirudhyāśru-kalāṁ śanaiḥ

Mit gesenktem Antlitz, die Erde mit dem Fuß, dessen Zehennägel wie Juwelen glänzten, [gleichsam] zeichnend, sprach sie, langsam die Tränen zurückhaltend, mit anmutiger Stimme.

Wort für Wort
likhantī adhaḥ-mukhī bhūmim
mit gesenktem Antlitz die Erde [gleichsam] zeichnend
padā nakha-maṇi-śriyā
mit dem Fuß, dessen Nägel wie Juwelen glänzten
uvāca lalitām vācam
sie sprach mit anmutiger Stimme
nirudhya aśru-kalām śanaiḥ
langsam die Tränen zurückhaltend

devahūtir uvāca sarvaṁ tad bhagavān mahyam upovāha pratiśrutam athāpi me prapannāyā abhayaṁ dātum arhasi

Devahūti sagte: Alles, was du, o Herr, mir versprochen hattest, hast du erfüllt; dennoch mögest du mir, die ich [dir] ergeben bin, [auch jetzt noch] Furchtlosigkeit gewähren.

Wort für Wort
devahūtiḥ uvāca
Devahūti sagte
sarvam tat bhagavān mahyam
alles das, o Herr, mir
upovāha pratiśrutam
hast du erfüllt, das Versprochene
atha api
dennoch, darüber hinaus
me prapannāyā
mir, die ergeben ist
abhayam dātum arhasi
mögest du Furchtlosigkeit gewähren

brahman duhitṛbhis tubhyaṁ vimṛgyāḥ patayaḥ samāḥ kaścit syān me viśokāya tvayi pravrajite vanam

O Brahmane, von [unseren] Töchtern sind dir ebenbürtige Gatten zu suchen; möge mir jemand zu meinem Kummer-Ende [dienen], wenn du in den Wald zur Wanderschaft aufgebrochen bist.

Wort für Wort
brahman
o Brahmane
duhitṛbhiḥ tubhyam vimṛgyāḥ patayaḥ samāḥ
von [unseren] Töchtern sind dir ebenbürtige Gatten zu suchen
kaścit syāt me viśokāya
möge mir etwas/jemand zum Kummer-Ende [dienen]
tvayi pravrajite vanam
wenn du in den Wald zur Wanderschaft aufgebrochen bist

[?] "kaścit syān me viśokāya" bleibt offen, ob eine Person (etwa ein Sohn oder Trost) oder allgemein ein Mittel zur Linderung ihres Kummers gemeint ist.

etāvatālaṁ kālena vyatikrāntena me prabho indriyārtha-prasaṅgena parityakta-parātmanaḥ

Genug ist es mit dieser verstrichenen Zeit, o Herr, [die ich] durch die Beschäftigung mit den Sinnesobjekten unter Vernachlässigung des höchsten Selbst [verbracht habe].

Wort für Wort
etāvatā alam kālena vyatikrāntena
genug mit dieser verstrichenen Zeit
me prabho
für mich, o Herr
indriya-artha-prasaṅgena
durch die Beschäftigung mit den Sinnesobjekten
parityakta-para-ātmanaḥ
unter Vernachlässigung des höchsten Selbst

indriyārtheṣu sajjantyā prasaṅgas tvayi me kṛtaḥ ajānantyā paraṁ bhāvaṁ tathāpy astv abhayāya me

Von mir, die an den Sinnesobjekten hing, wurde dennoch auch die Verbindung mit dir hergestellt, obwohl ich deine höchste Natur nicht kannte; dennoch möge dies mir zur Furchtlosigkeit gereichen.

Wort für Wort
indriya-artheṣu sajjantyā
von mir, die an den Sinnesobjekten hing
prasaṅgaḥ tvayi me kṛtaḥ
wurde von mir die Verbindung mit dir hergestellt
ajānantyā param bhāvam
[obwohl ich] deine höchste Natur nicht kennend
tathā api astu abhayāya me
dennoch möge es mir zur Furchtlosigkeit gereichen

saṅgo yaḥ saṁsṛter hetur asatsu vihito 'dhiyā sa eva sādhuṣu kṛto niḥsaṅgatvāya kalpate

Die Verbindung, die - aus Unverstand mit den Nichtwirklichen eingegangen - die Ursache des Daseinskreislaufs ist, eben diese, mit den Tugendhaften hergestellt, dient dazu, Ungebundenheit zu erlangen.

Wort für Wort
saṅgaḥ yaḥ saṁsṛteḥ hetuḥ
die Verbindung, die die Ursache des Daseinskreislaufs ist
asatsu vihitaḥ adhiyā
mit den Nichtwirklichen aus Unverstand eingegangen
saḥ eva sādhuṣu kṛtaḥ
eben diese, mit den Tugendhaften hergestellt
niḥsaṅgatvāya kalpate
dient zur Ungebundenheit

neha yat karma dharmāya na virāgāya kalpate na tīrtha-pada-sevāyai jīvann api mṛto hi saḥ

Wer [Werke] tut, die weder dem Dharma noch der Leidenschaftslosigkeit noch dem Dienst an [den Füßen] dessen, der die heiligen Furten [heiligt], dienen - er ist, obwohl lebend, wahrlich tot.

Wort für Wort
na iha yat karma
welches Handeln hier nicht
dharmāya na virāgāya kalpate
dem Dharma noch der Leidenschaftslosigkeit dient
na tīrtha-pada-sevāyai
noch dem Dienst an den [Füßen dessen, der] die heiligen Furten [heiligt]
jīvan api mṛtaḥ hi saḥ
obwohl lebend, ist er wahrlich tot

sāhaṁ bhagavato nūnaṁ vañcitā māyayā dṛḍham yat tvāṁ vimuktidaṁ prāpya na mumukṣeya bandhanāt

Ich bin gewiss fest durch die Māyā des Erhabenen getäuscht worden, da ich, dich, den Befreiung Gewährenden, erlangt habend, dennoch nicht aus der Bindung befreit zu werden wünschte.

Wort für Wort
sā aham bhagavataḥ nūnam vañcitā māyayā dṛḍham
ich bin gewiss fest durch die Māyā des Erhabenen getäuscht worden
yat tvām vimukti-dam prāpya
da ich dich, den Befreiung Gewährenden, erlangend
na mumukṣeya bandhanāt
nicht [danach] verlangte, aus der Bindung befreit zu werden

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