Skandha 3, Adhyāya 23. Quelle: vedabase.io. title_sa als eigene knappe IAST-Kurzbezeichnung des Inhalts gebildet, da vedabase.io keinen Sanskrit-IAST-Kapiteltitel angibt (englischer Titel: "Devahuti's Lamentation"). Verse 4-5, 14-15 und 36-37 auf der Quellseite als zusammengehoerige Einheiten gefuehrt.
Maitreya sagte: Als [ihre] Eltern fortgegangen waren, diente die tugendhafte Devahūti, kundig der Gesten [ihres] Gatten, ihrem Gatten und Herrn stets mit Liebe, wie Bhavānī [ihrem] Herrn Bhava.
viśrambheṇātma-śaucena gauraveṇa damena ca śuśrūṣayā sauhṛdena vācā madhurayā ca bhoḥ
Mit Vertrauen, mit Reinheit des Selbst, mit Ehrerbietung und Selbstbeherrschung, mit Dienstbereitschaft, mit Freundlichkeit und mit süßer Rede, o [Vidura] -
sa vai devarṣi-varyas tāṁ mānavīṁ samanuvratām daivād garīyasaḥ patyur āśāsānāṁ mahāśiṣaḥ
kālena bhūyasā kṣāmāṁ karśitāṁ vrata-caryayā prema-gadgadayā vācā pīḍitaḥ kṛpayābravīt
Jener beste der Götterweisen, [als er] die Manu-Tochter, die [ihm] treu ergeben war und durch Verdienst große Segnungen von [ihrem] erhabenen Gatten erhoffte, durch die lange Zeit abgemagert und durch die Gelübdeübung erschöpft sah, sprach er, von Mitleid ergriffen, mit von Liebe erstickter Stimme.
Wort für Wort
saḥ vai devarṣi-varyaḥ
jener beste der Götterweisen (Kardama)
tām mānavīm samanuvratām
jene Manu-Tochter, [ihm] treu ergebene
daivāt garīyasaḥ patyuḥ
durch Verdienst/Schicksal von [ihrem] erhabeneren Gatten
kardama uvāca
tuṣṭo 'ham adya tava mānavi mānadāyāḥ
śuśrūṣayā paramayā parayā ca bhaktyā
yo dehinām ayam atīva suhṛt sa deho
nāvekṣitaḥ samucitaḥ kṣapituṁ mad-arthe
Kardama sagte: Ich bin heute zufrieden, o Tochter Manus, du Ehrenwerte, durch [deinen] höchsten Dienst und höchste Hingabe - [obwohl] dieser Körper, der für verkörperte Wesen der größte Freund ist, von dir nicht geachtet wurde, sondern bereit war, für mich aufgezehrt zu werden.
Wort für Wort
kardama uvāca
Kardama sagte
tuṣṭaḥ aham adya
ich bin heute zufrieden
tava mānavi mānadāyāḥ
durch dich, o Manu-Tochter, du Ehrenwerte
śuśrūṣayā paramayā
durch höchsten Dienst
parayā ca bhaktyā
und durch höchste Hingabe
yaḥ dehinām ayam atīva suhṛt
dieser, der für verkörperte Wesen der größte Freund ist
ye me sva-dharma-niratasya tapaḥ-samādhi-vidyātma-yoga-vijitā bhagavat-prasādāḥ tān eva te mad-anusevanayāvaruddhān dṛṣṭiṁ prapaśya vitarāmy abhayān aśokān
Jene Gnadengaben des Erhabenen, die ich, meiner eigenen Pflicht ergeben, durch Askese, Versenkung, Wissen und Selbst-Yoga errungen habe - eben diese, durch deinen Dienst an mir zurückgehaltenen, sieh nun mit eigenen Augen: ich gewähre sie dir, die [du nun] furchtlos und leidfrei [bist].
Wort für Wort
ye me sva-dharma-niratasya
die für mich, meiner eigenen Pflicht ergeben
tapaḥ-samādhi-vidyā-ātma-yoga-vijitāḥ
durch Askese, Versenkung, Wissen und Selbst-Yoga errungenen
bhagavat-prasādāḥ
Gnadengaben des Erhabenen
tān eva
eben diese
te mad-anusevanayā avaruddhān
durch deinen Dienst an mir zurückgehaltenen
dṛṣṭim prapaśya
sieh [nun mit eigenen] Augen
vitarāmi
ich gewähre
abhayān aśokān
furchtlos und leidfrei [gewordene, dir]
[?] Dichter, knapper Vers: "avaruddhān" (zurückgehalten) legt nahe, dass Kardama seine durch Askese errungenen Kräfte/Gnadengaben bislang wegen ihres hingebungsvollen Hausfrauendienstes nicht offenbart hatte und sie ihr nun zeigt/übergibt; die genaue Konstruktion von "dṛṣṭiṁ prapaśya" bleibt unabhängig nicht restlos sicher zu klären.
Andere [Weltengüter] wiederum, die schon durch das bloße Zusammenziehen der Brauen des Erhabenen zerstreut werden - was [gilt] erst vom Weitschreitenden selbst? Du bist [nun] vollendet - genieße die göttlichen, aus deiner eigenen Pflicht hervorgehenden Reichtümer, die für Menschen durch königliche Verfehlungen schwer zu erlangen sind.
die durch das Emporziehen der Brauen des Erhabenen zerstreuten [Welt-]Güter
kim urukramasya
was [gilt] erst vom Weitschreitenden
siddhā asi
du bist vollendet
bhuṅkṣva vibhavān
genieße die Reichtümer
nija-dharma-dohān
die aus der eigenen Pflicht hervorgehenden
divyān
göttliche
naraiḥ duradhigān
für Menschen schwer erreichbare
nṛpa-vikriyābhiḥ
durch königliche Verfehlungen
[?] Dichte, rhetorisch zugespitzte Aussage: gemeint ist wohl, dass selbst die größten weltlichen Güter für den Erhabenen (Viṣṇu/Urukrama) bedeutungslos sind und ihre Gewährung ihm ein Leichtes ist; "nija-dharma-dohān" wörtlich "aus der eigenen Pflicht gemolkenen [Reichtümer]".
Als sie, die Frau, ihn, der so sprach und in der gesamten Wissenschaft der Yogamāyā bewandert war, betrachtete, wurde sie frei von Sorge; mit einer von Ehrerbietung und Zuneigung überwältigten Stimme, ihr Antlitz von einem leicht verschämten Blick und aufblühendem Lächeln erhellt, sprach sie.
Wort für Wort
evam bruvāṇam
ihn, [der] so sprach
abalā
die Frau (Devahūti)
akhila-yoga-māyā-vidyā-vicakṣaṇam
den in der gesamten Wissenschaft der Yogamāyā Bewanderten
avekṣya
betrachtend
gata-ādhiḥ āsīt
sie wurde frei von Sorge
sampraśraya-praṇaya-vihvalayā girā
mit einer von Ehrerbietung und Zuneigung überwältigten Stimme
īṣat-vrīḍā-avaloka-vilasat-hasita-ānanā
deren Antlitz von einem leicht verschämten Blick und aufblühendem Lächeln erhellt war
devahūtir uvāca
rāddhaṁ bata dvija-vṛṣaitad amogha-yoga-
māyādhipe tvayi vibho tad avaimi bhartaḥ
yas te 'bhyadhāyi samayaḥ sakṛd aṅga-saṅgo
bhūyād garīyasi guṇaḥ prasavaḥ satīnām
Devahūti sagte: Wahrlich, o Bester der Zweifachgeborenen, dies ist vollbracht, da du, Herr, der Gebieter der untrüglichen Yogamāyā bist; das erkenne ich, o Gatte - die von dir genannte Abmachung, dass eine einzige leibliche Vereinigung [genüge]: möge dennoch bei einem so Erhabenen die Nachkommenschaft für tugendhafte Frauen selbst als Vorzug gelten.
Wort für Wort
devahūtiḥ uvāca
Devahūti sagte
rāddham bata
wahrlich vollbracht
dvija-vṛṣa
o Bester der Zweifachgeborenen
etat
dies
amogha-yoga-māyā-adhipe tvayi vibho
da du, Herr, Gebieter der untrüglichen Yogamāyā bist
tat avaimi bhartaḥ
das erkenne ich, o Gatte
yaḥ te abhyadhāyi samayaḥ
die von dir genannte Abmachung
sakṛt aṅga-saṅgaḥ
eine einzige körperliche Vereinigung
bhūyāt garīyasi guṇaḥ
möge bei einem Erhabeneren zum Vorzug werden
prasavaḥ satīnām
die Nachkommenschaft für tugendhafte Frauen
[?] Devahūti scheint anzudeuten, dass, obwohl die ursprüngliche Abmachung nur eine einzige Vereinigung vorsah, Nachkommenschaft von einem so erhabenen Gatten für sich genommen bereits ein besonderer Vorzug wäre - eine mögliche höfliche Andeutung ihres Wunsches nach mehr als einem Kind.
tatreti-kṛtyam upaśikṣa yathopadeśaṁ yenaiṣa me karśito 'tiriraṁsayātmā siddhyeta te kṛta-manobhava-dharṣitāyā dīnas tad īśa bhavanaṁ sadṛśaṁ vicakṣva
Belehre mich daher gemäß [deiner] Unterweisung, was zu tun ist, wodurch dieser mein von übermäßigem Verlangen erschöpfter Sinn - mir, die von [dir] hervorgerufenem Liebesverlangen bedrängt ist - zur Erfüllung gelangen möge; und, o Herr, erwäge für die Elende eine angemessene Wohnstatt.
Wort für Wort
tatra iti-kṛtyam
daher, was zu tun ist
upaśikṣa yathā-upadeśam
belehre gemäß [deiner] Unterweisung
yena eṣa me
wodurch dieser mein
karśitaḥ atiriraṁsayā ātmā
durch übermäßiges Verlangen erschöpfter Sinn
siddhyeta
zur Erfüllung gelangen möge
te kṛta-manobhava-dharṣitāyāḥ
mir, die von [dir] hervorgerufenem Liebesverlangen bedrängt ist
dīnaḥ tat īśa
[ich bin] elend, daher, o Herr
bhavanam sadṛśam vicakṣva
erwäge eine angemessene Wohnstatt
[?] Dichte, mehrdeutige Konstruktion; Sinn insgesamt aber klar: Devahūti bittet um Erfüllung ihres Verlangens und um eine angemessene Behausung.
Maitreya sagte: Den Wunsch der Geliebten erfüllen wollend, wandte sich Kardama dem Yoga zu und erschuf sogleich, o Kṣattā, einen nach Belieben fahrenden Flugwagen.
[Einen Flugwagen,] der alle Wünsche erfüllte, göttlich, mit allen Edelsteinen ausgestattet, dessen Zunahme alles Gedeihens verhieß, geschmückt mit Säulen aus Juwelen.
Ausgestattet mit göttlichen Gerätschaften, zu jeder Zeit Wohlbehagen bringend, geschmückt mit bunten Bändern und Bannern, mit Kränzen aus bunten Blumengirlanden, an denen Bienen lieblich summten, und erstrahlend durch verschiedenartige Gewänder aus feinem Leinen, Flachsseide und Kauśeya-Seide.
Wort für Wort
divya-upakaraṇa-upetam
mit göttlichen Gerätschaften ausgestattet
sarva-kāla-sukha-āvaham
zu jeder Zeit Wohlbehagen bringend
paṭṭikābhiḥ patākābhiḥ vicitrābhiḥ alaṅkṛtam
mit bunten Bändern und Bannern geschmückt
sragbhiḥ vicitra-mālyābhiḥ
mit Kränzen aus bunten Blumengirlanden
mañju-śiñjat-ṣaḍ-aṅghribhiḥ
an denen Sechsfüßler (Bienen) lieblich summten
dukūla-kṣauma-kauśeyaiḥ nānā-vastraiḥ virājitam
erstrahlend durch verschiedenartige Gewänder aus feinem Leinen, Flachsseide und Kauśeya-Seide
[Der Wagen war] lieblich durch Ruhebetten, Fächer und Sitze, in getrennten, übereinander errichteten Wohnräumen, ausgestattet mit ausgebreiteten Polstern.
tatra tatra vinikṣipta-nānā-śilpopaśobhitam mahā-marakata-sthalyā juṣṭaṁ vidruma-vedibhiḥ
Hier und dort geschmückt mit verschiedenartig aufgestellten Kunstwerken, geschmückt mit einem Boden aus großen Smaragden und mit Korallenaltären ausgestattet.
Wort für Wort
tatra tatra vinikṣipta-nānā-śilpa-upaśobhitam
hier und dort geschmückt mit verschiedenartig aufgestellten Kunstwerken
An den Türen mit Korallen-Türschwellen erstrahlend wie mit Diamant-Türflügeln, an den Giebeln mit Saphiren [geschmückt] und von goldenen Kalaśa-Kuppeln gekrönt.
Ausgestattet mit [Fenstern,] die gleichsam Augen [gaben], aus feinsten Padmarāga-Rubinen in die Diamantwände eingelassen, geschmückt mit bunten Baldachinen und kostbaren goldenen Torbögen.
haṁsa-pārāvata-vrātais tatra tatra nikūjitam kṛtrimān manyamānaiḥ svān adhiruhyādhiruhya ca
Hier und dort erfüllt vom Girren der Scharen von Schwänen und Tauben, die die künstlichen [Vögel] immer wieder für ihre eigenen [Artgenossen] hielten und bestiegen.
Wort für Wort
haṁsa-pārāvata-vrātaiḥ
von Scharen von Schwänen und Tauben
tatra tatra nikūjitam
hier und dort erfüllt vom Girren
kṛtrimān manyamānaiḥ
die [sie] für künstlich/ihresgleichen hielten
svān
ihre eigenen [Artgenossen]
adhiruhya adhiruhya ca
immer wieder besteigend
[Anm.] Grammatisch knapp konstruiert; gemeint sind wohl echte Vögel, die die kunstvoll nachgebildeten Wagenverzierungen für ihresgleichen halten und wiederholt auf ihnen landen.
Mit Plätzen zum Spielen, zum Ausruhen, zum Schlafen, mit Vorhöfen und Höfen, die nach Belieben gestaltet waren - gleichsam ein Erstaunen über sich selbst [hervorrufend].
Wort für Wort
vihāra-sthāna-viśrāma-saṁveśa-prāṅgaṇa-ajiraiḥ
mit Spielplätzen, Ruheplätzen, Schlafstätten, Vorhöfen und Höfen
nimajjyāsmin hrade bhīru vimānam idam āruha idaṁ śukla-kṛtaṁ tīrtham āśiṣāṁ yāpakaṁ nṛṇām
Tauche unter, o Furchtsame, in diesem See, dann besteige diesen Flugwagen; dies ist eine von Śukla geschaffene heilige Furt, die den Menschen [ihre] Segenswünsche erfüllt.
Wort für Wort
nimajjya asmin hrade
in diesem See untertauchend
bhīru
o Furchtsame
vimānam idam āruha
besteige diesen Flugwagen
idam śukla-kṛtam tīrtham
dies ist eine von Śukla geschaffene heilige Furt
āśiṣām yāpakam nṛṇām
die den Menschen [ihre] Segenswünsche erfüllt
[Anm.] "śukla" (der Reine/Strahlende) als Beiname des Herrn erscheint auch in 3.21.19; hier auf die Weihung der heiligen Furt bezogen.
aṅgaṁ ca mala-paṅkena sañchannaṁ śabala-stanam āviveśa sarasvatyāḥ saraḥ śiva-jalāśayam
Und [ihren] Körper, mit dem Schmutz von Unreinheit bedeckt, [ihre] gefleckten Brüste, [so] betrat sie den See der Sarasvatī, jenes heilbringende Wasserreservoir.
Wort für Wort
aṅgam ca mala-paṅkena sañchannam
und den mit dem Schmutz von Unreinheit bedeckten Körper
Als sie Devahūti erblickten, standen die Frauen sogleich auf und sprachen mit gefalteten Händen: Wir sind dir dienstbare Mägde - weise uns an, was wir tun sollen.
bhūṣaṇāni parārdhyāni varīyāṁsi dyumanti ca annaṁ sarva-guṇopetaṁ pānaṁ caivāmṛtāsavam
[Sie gaben ihr] überaus kostbaren, prächtigen und leuchtenden Schmuck, Speise, die mit allen [guten] Eigenschaften ausgestattet war, und einen nektargleichen Trank.
Wort für Wort
bhūṣaṇāni parārdhyāni
überaus kostbaren Schmuck
varīyāṁsi dyumanti ca
prächtigen und leuchtenden
annam sarva-guṇa-upetam
Speise, mit allen [guten] Eigenschaften ausgestattet
[Sie sah sich] gebadet, mit vollzogenem Kopfbad, mit allem Schmuck geschmückt, mit einem Medaillon am Hals, mit Armreifen und mit klingelnden goldenen Fußringen.
śroṇyor adhyastayā kāñcyā kāñcanyā bahu-ratnayā hāreṇa ca mahārheṇa rucakena ca bhūṣitam
Geschmückt mit einem an den Hüften angelegten goldenen, mit vielen Edelsteinen [besetzten] Gürtel, und mit einer kostbaren Halskette und einem Rucaka-Schmuckstück.
sudatā subhruvā ślakṣṇa-snigdhāpāṅgena cakṣuṣā padma-kośa-spṛdhā nīlair alakaiś ca lasan-mukham
[Ihr] Antlitz erstrahlte durch [ihre] schönen Zähne, schöne Brauen, durch [ihr] glattes, zärtliches Augenspiel aus dem Augenwinkel, das mit dem Lotoskelch wetteiferte, und durch [ihre] dunklen Locken.
yadā sasmāra ṛṣabham ṛṣīṇāṁ dayitaṁ patim tatra cāste saha strībhir yatrāste sa prajāpatiḥ
Als sie sich an den Stier unter den Weisen, [ihren] geliebten Gatten, erinnerte, befand sie sich sogleich dort mit den Frauen, wo jener Herr der Geschöpfe weilte.
Wort für Wort
yadā sasmāra
als sie sich erinnerte
ṛṣabham ṛṣīṇām dayitam patim
an den Stier unter den Weisen, den geliebten Gatten
sa tāṁ kṛta-mala-snānāṁ vibhrājantīm apūrvavat ātmano bibhratīṁ rūpaṁ saṁvīta-rucira-stanīm
vidyādharī-sahasreṇa sevyamānāṁ suvāsasam jāta-bhāvo vimānaṁ tad ārohayad amitra-han
Er, [Kardama, als er] sie, die von der Reinigung vom Schmutz nun erstrahlte wie nie zuvor, [ihre] eigene [neue] Gestalt tragend, mit verhüllten, reizvollen Brüsten - bedient von tausend Vidyādharī-Frauen, wohlgekleidet - [erblickte], von Zuneigung ergriffen, ließ er sie, o Feindbezwinger, jenen Flugwagen besteigen.
Auf jenem [Flugwagen], seine Herrlichkeit nicht mindernd, der Geliebten zugetan, [seinen] Körper von den Vidyādharī-Frauen umsorgt, erstrahlte er, der Schöne, wie umgeben von aufgeblühten weißen Lotosblüten, wie der am Himmel stehende Mondherr, von Sternen umgeben.
Wort für Wort
tasmin alupta-mahimā
auf jenem, [seine] Herrlichkeit nicht mindernd
priyayā anuraktaḥ
der Geliebten zugetan
vidyādharībhiḥ upacīrṇa-vapuḥ
dessen Körper von den Vidyādharī-Frauen umsorgt wurde
vimāne babhrāja
auf dem Flugwagen erstrahlte er
utkaca-kumud-gaṇavān
mit aufgeblühten weißen Lotosblüten [wie umgeben]
apīcyaḥ
der Schöne
tārābhiḥ āvṛtaḥ iva
wie von Sternen umgeben
uḍu-patiḥ nabhaḥ-sthaḥ
der am Himmel stehende Mondherr
[?] "utkaca-kumud-gaṇavān" (wörtlich: mit einer Schar aufgeblühter Kumuda-[Nacht-]Lotosblüten [versehen]) bleibt in seiner genauen bildlichen Anwendung auf Kardama etwas unklar.
Mit ihm, dem Flugwagen, genoss er lange, von den Siddhas gepriesen, umgeben von seiner Frauenschar wie [der Gott] Dhanada, in den Tälern der Hauptberge, den Lustorten der acht Weltenhüter, die durch den mit Liebe verbündeten Wind begünstigt waren und in denen der heilvolle Klang des Sturzes des Himmelsflusses erklang.
Wort für Wort
tena
mit ihm (dem Flugwagen)
aṣṭa-lokapa-vihāra-kula-acala-indra-droṇīṣu
in den Tälern der Hauptberge, den Lustorten der acht Weltenhüter
anaṅga-sakha-māruta-saubhagāsu
begünstigt durch den mit Liebe (Kāma) verbündeten Wind
siddhaiḥ nutaḥ
von den Siddhas gepriesen
dyudhuni-pāta-śiva-svanāsu
in denen der heilvolle Klang des Sturzes des Himmelsflusses [erklang]
reme ciram
er genoss lange
dhanada-vat lalanā-varūthī
umgeben von seiner Frauenschar wie [der Gott] Dhanada (Kubera)
[?] Vielgliedriges Kompositum, in seiner Aufteilung nicht in jedem Detail unabhängig sicher zu verifizieren; Gesamtsinn (Aufenthalt in paradiesischen Bergtälern) ist jedoch klar.
Was ist für jene Menschen mit erhabenem Geist schwer zu erlangen, von denen der Fuß dessen, der die heiligen Furten [heiligt] und das Unheil beseitigt, als Zuflucht genommen wurde?
Nachdem der große Yogi [seiner] Gattin die Kugel der Erde gezeigt hatte, so groß wie sie durch ihre eigene Beschaffenheit ist und voller Wunder, kehrte er zu seiner eigenen Einsiedelei zurück.
Wort für Wort
prekṣayitvā bhuvaḥ golam
nachdem er die Erdkugel gezeigt hatte
patnyai
der Gattin
yāvān sva-saṁsthayā
so groß wie sie durch ihre eigene Beschaffenheit ist
bahu-āścaryam
voller Wunder
mahā-yogī sva-āśramāya nyavartata
der große Yogi kehrte zu seiner eigenen Einsiedelei zurück
Nachdem er sich selbst neunfach geteilt hatte, erfreute er die nach Liebesvereinigung verlangende Manu-Tochter, die Geliebte, zufriedenstellend, und genoss so Jahrzehnte hindurch, [die ihm] wie ein Augenblick [vergingen].
Wort für Wort
vibhajya navadhā ātmānam
sich selbst neunfach teilend
mānavīm surata-utsukām rāmām
die nach Liebesvereinigung verlangende Manu-Tochter, die Geliebte
Sie, [die] auf jenem Flugwagen ein herrliches, Liebeslust bringendes Lager aufgesucht hatte, bemerkte, mit [ihrem] schönen Gatten vereint, jene [verstrichene] Zeit nicht.
Der Selbstkundige, Allmächtige, der alle Wünsche kennt, [der] seine eigene Gestalt [in bestimmter Weise] gestaltet hatte, legte, sie mit [seinem eigenen] Selbst beseelend, in sie [seinen] Samen.
Wort für Wort
tasyām ādhatta retaḥ
in sie legte er [seinen] Samen
tām bhāvayan ātmanā ātma-vit
sie mit [seinem eigenen] Selbst beseelend, der Selbstkundige
nodhā vidhāya rūpam svam
[?] nachdem er seine eigene Gestalt [in bestimmter Weise] gestaltet hatte
sarva-saṅkalpa-vit vibhuḥ
der Allmächtige, der alle Wünsche/Gedanken kennt
[?] "nodhā" ist unabhängig nicht sicher zu klären - möglicherweise eine Kontraktion/Variante von "navadhā" (neunfach, vgl. Vers 44) oder ein anderer Ausdruck; wörtlich und mit Fragezeichen wiedergegeben statt spekulativ emendiert.
Als sie damals bemerkte, dass [ihr] Gatte im Begriff war, in die Wanderschaft zu ziehen, [erschien sie] äußerlich lächelnd, die Schöne, doch mit einem von Verwirrung gepeinigten Herzen innerlich brennend.
Wort für Wort
patim sā pravrajiṣyantam
sie [bemerkte], dass [ihr] Gatte im Begriff war, in die Wanderschaft zu ziehen
tadā ālakṣya uśatī bahiḥ
damals bemerkend, die Schöne, äußerlich
smayamānā
lächelnd
viklavena hṛdayena vidūyatā
mit einem von Verwirrung gepeinigten, [innerlich] brennenden Herzen
Mit gesenktem Antlitz, die Erde mit dem Fuß, dessen Zehennägel wie Juwelen glänzten, [gleichsam] zeichnend, sprach sie, langsam die Tränen zurückhaltend, mit anmutiger Stimme.
Wort für Wort
likhantī adhaḥ-mukhī bhūmim
mit gesenktem Antlitz die Erde [gleichsam] zeichnend
devahūtir uvāca
sarvaṁ tad bhagavān mahyam
upovāha pratiśrutam
athāpi me prapannāyā
abhayaṁ dātum arhasi
Devahūti sagte: Alles, was du, o Herr, mir versprochen hattest, hast du erfüllt; dennoch mögest du mir, die ich [dir] ergeben bin, [auch jetzt noch] Furchtlosigkeit gewähren.
O Brahmane, von [unseren] Töchtern sind dir ebenbürtige Gatten zu suchen; möge mir jemand zu meinem Kummer-Ende [dienen], wenn du in den Wald zur Wanderschaft aufgebrochen bist.
Wort für Wort
brahman
o Brahmane
duhitṛbhiḥ tubhyam vimṛgyāḥ patayaḥ samāḥ
von [unseren] Töchtern sind dir ebenbürtige Gatten zu suchen
kaścit syāt me viśokāya
möge mir etwas/jemand zum Kummer-Ende [dienen]
tvayi pravrajite vanam
wenn du in den Wald zur Wanderschaft aufgebrochen bist
[?] "kaścit syān me viśokāya" bleibt offen, ob eine Person (etwa ein Sohn oder Trost) oder allgemein ein Mittel zur Linderung ihres Kummers gemeint ist.
etāvatālaṁ kālena vyatikrāntena me prabho indriyārtha-prasaṅgena parityakta-parātmanaḥ
Genug ist es mit dieser verstrichenen Zeit, o Herr, [die ich] durch die Beschäftigung mit den Sinnesobjekten unter Vernachlässigung des höchsten Selbst [verbracht habe].
indriyārtheṣu sajjantyā prasaṅgas tvayi me kṛtaḥ ajānantyā paraṁ bhāvaṁ tathāpy astv abhayāya me
Von mir, die an den Sinnesobjekten hing, wurde dennoch auch die Verbindung mit dir hergestellt, obwohl ich deine höchste Natur nicht kannte; dennoch möge dies mir zur Furchtlosigkeit gereichen.
saṅgo yaḥ saṁsṛter hetur asatsu vihito 'dhiyā sa eva sādhuṣu kṛto niḥsaṅgatvāya kalpate
Die Verbindung, die - aus Unverstand mit den Nichtwirklichen eingegangen - die Ursache des Daseinskreislaufs ist, eben diese, mit den Tugendhaften hergestellt, dient dazu, Ungebundenheit zu erlangen.
Wort für Wort
saṅgaḥ yaḥ saṁsṛteḥ hetuḥ
die Verbindung, die die Ursache des Daseinskreislaufs ist
asatsu vihitaḥ adhiyā
mit den Nichtwirklichen aus Unverstand eingegangen
neha yat karma dharmāya na virāgāya kalpate na tīrtha-pada-sevāyai jīvann api mṛto hi saḥ
Wer [Werke] tut, die weder dem Dharma noch der Leidenschaftslosigkeit noch dem Dienst an [den Füßen] dessen, der die heiligen Furten [heiligt], dienen - er ist, obwohl lebend, wahrlich tot.
Wort für Wort
na iha yat karma
welches Handeln hier nicht
dharmāya na virāgāya kalpate
dem Dharma noch der Leidenschaftslosigkeit dient
na tīrtha-pada-sevāyai
noch dem Dienst an den [Füßen dessen, der] die heiligen Furten [heiligt]
Ich bin gewiss fest durch die Māyā des Erhabenen getäuscht worden, da ich, dich, den Befreiung Gewährenden, erlangt habend, dennoch nicht aus der Bindung befreit zu werden wünschte.
Wort für Wort
sā aham bhagavataḥ nūnam vañcitā māyayā dṛḍham
ich bin gewiss fest durch die Māyā des Erhabenen getäuscht worden
yat tvām vimukti-dam prāpya
da ich dich, den Befreiung Gewährenden, erlangend
na mumukṣeya bandhanāt
nicht [danach] verlangte, aus der Bindung befreit zu werden