Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 73: svāyambhuva-manunā dhruvasyānunayaḥ [?] Svāyambhuva Manu ermahnt Dhruva Mahārāja, den Kampf einzustellen

maitreya uvāca niśamya gadatām evam ṛṣīṇāṁ dhanuṣi dhruvaḥ sandadhe 'stram upaspṛśya yan nārāyaṇa-nirmitam

Maitreya sprach: Nachdem Dhruva das so gesprochene [Wort] der Weisen gehört hatte, legte er, nachdem er [rituell Wasser] berührt hatte, den Pfeil, der von Nārāyaṇa gefertigt war, auf seinen Bogen.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach (Nom. + 3. Sg. Perf.)
niśamya
nachdem er gehört hatte (Absolutiv)
gadatām
der Sprechenden (Gen. Pl. Part. Präs.)
evam
so, auf diese Weise (Adv.)
ṛṣīṇām
der Weisen (Gen. Pl.)
dhanuṣi
auf den Bogen (Lok. Sg.)
dhruvaḥ
Dhruva (Nom. Sg.)
sandadhe
legte auf, spannte (3. Sg. Perf. Ātm.)
astram
den Pfeil (Akk. Sg.)
upaspṛśya
nachdem er [Wasser] berührt hatte (Absolutiv)
yat
welches (Akk. Sg. n., Relativpron.)
nārāyaṇa-nirmitam
von Nārāyaṇa gemacht (Akk. Sg. n., Kompositum)

sandhīyamāna etasmin māyā guhyaka-nirmitāḥ kṣipraṁ vineśur vidura kleśā jñānodaye yathā

Während dieser [Pfeil] aufgelegt wurde, o Vidura, vergingen die von den Guhyakas geschaffenen Blendwerke rasch, so wie [seelische] Leiden beim Aufgehen der Erkenntnis [vergehen].

Wort für Wort
sandhīyamāne
während [er] aufgelegt wurde (Lok. Sg. Präs. Pass. Part.)
etasmin
an diesem (Lok. Sg.)
māyāḥ
die Blendwerke/Illusionen (Nom. Pl.)
guhyaka-nirmitāḥ
von den Guhyakas geschaffen (Nom. Pl., Kompositum)
kṣipram
rasch (Adv.)
vineśuḥ
vergingen, wurden vernichtet (3. Pl. Perf. von vi-naś)
vidura
o Vidura (Vok. Sg.)
kleśāḥ
Leiden, Trübungen (Nom. Pl.)
jñāna-udaye
beim Aufgehen der Erkenntnis (Lok. Sg.)
yathā
so wie (Adv.)

tasyārṣāstraṁ dhanuṣi prayuñjataḥ suvarṇa-puṅkhāḥ kalahaṁsa-vāsasaḥ viniḥsṛtā āviviśur dviṣad-balaṁ yathā vanaṁ bhīma-ravāḥ śikhaṇḍinaḥ

Während er [Dhruva] die vom Ṛṣi [Nārāyaṇa] gegebene Waffe auf seinem Bogen anlegte, drangen die mit goldenen Schäften [versehenen], mit Gefiedern wie [den Schwingen] des Kalahaṁsa-Schwans [bekleideten Pfeile], herausgeschnellt, in die feindliche Streitmacht ein, wie furchterregend rufende Pfauen in einen Wald [eindringen].

Wort für Wort
tasya
während er, dessen (Gen. Sg.)
ārṣa-astram
die vom Ṛṣi [stammende] Waffe (Akk. Sg.)
dhanuṣi
auf dem Bogen (Lok. Sg.)
prayuñjataḥ
anlegend, anwendend (Gen. Sg. Part. Präs.)
suvarṇa-puṅkhāḥ
mit goldenen Schäften (Nom. Pl.)
kalahaṁsa-vāsasaḥ
mit Gefieder wie der Kalahaṁsa-Schwan (Nom. Pl.)
viniḥsṛtāḥ
herausgeschnellt (Nom. Pl. Part. Perf. Pass.)
āviviśuḥ
drangen ein (3. Pl. Perf.)
dviṣat-balam
in die Streitmacht der Feinde (Akk. Sg.)
yathā
wie (Adv.)
vanam
in den Wald (Akk. Sg.)
bhīma-ravāḥ
furchterregend rufend (Nom. Pl.)
śikhaṇḍinaḥ
Pfauen (Nom. Pl.)

tais tigma-dhāraiḥ pradhane śilī-mukhair itas tataḥ puṇya-janā upadrutāḥ tam abhyadhāvan kupitā udāyudhāḥ suparṇam unnaddha-phaṇā ivāhayaḥ

Von diesen scharfspitzigen Pfeilen im Kampf hierhin und dorthin bedrängt, stürmten die erzürnten Yakṣas mit erhobenen Waffen auf ihn [Dhruva] los, wie Schlangen mit aufgerichteten Hauben auf Garuḍa [losstürzen].

Wort für Wort
taiḥ
durch diese (Instr. Pl.)
tigma-dhāraiḥ
scharfspitzig (Instr. Pl.)
pradhane
im Kampf (Lok. Sg.)
śilī-mukhaiḥ
durch Pfeile (Instr. Pl.)
itaḥ tataḥ
hierhin und dorthin (Adv.)
puṇya-janāḥ
die Yakṣas (Nom. Pl.)
upadrutāḥ
bedrängt (Nom. Pl. Part. Perf. Pass.)
tam
ihn (Akk. Sg.)
abhyadhāvan
stürmten an (3. Pl. Impf.)
kupitāḥ
erzürnt (Nom. Pl.)
udāyudhāḥ
mit erhobenen Waffen (Nom. Pl.)
suparṇam
Garuḍa (Akk. Sg.)
unnaddha-phaṇāḥ
mit aufgerichteten Hauben (Nom. Pl.)
iva
wie (Adv.)
ahayaḥ
Schlangen (Nom. Pl.)

sa tān pṛṣatkair abhidhāvato mṛdhe nikṛtta-bāhūru-śirodharodarān nināya lokaṁ param arka-maṇḍalaṁ vrajanti nirbhidya yam ūrdhva-retasaḥ

Er brachte jene, die im Kampf mit Pfeilen [gegen ihn] anstürmenden, an Armen, Schenkeln, Hälsen und Bäuchen zerschnittenen [Yakṣas] zur höchsten Welt, der Sonnenscheibe, wohin diejenigen gehen, deren [Same] nach oben [gerichtet ist] [d.h. die vollkommen Enthaltsamen], indem sie [diese Welt] durchbrechen.

Wort für Wort
saḥ
er (Nom. Sg.)
tān
jene (Akk. Pl.)
pṛṣatkaiḥ
mit Pfeilen (Instr. Pl.)
abhidhāvataḥ
die anstürmenden (Akk. Pl. Part. Präs.)
mṛdhe
im Kampf (Lok. Sg.)
nikṛtta-bāhu-ūru-śiraḥdhara-udarān
an Armen, Schenkeln, Hälsen und Bäuchen zerschnitten (Akk. Pl., Kompositum)
nināya
brachte, führte (3. Sg. Perf.)
lokam param
zur höchsten Welt (Akk. Sg.)
arka-maṇḍalam
die Sonnenscheibe (Akk. Sg., Apposition)
vrajanti
gehen (3. Pl. Präs.)
nirbhidya
durchbrechend (Absolutiv)
yam
wohin, zu welcher (Akk. Sg., Relativpron.)
ūrdhva-retasaḥ
deren Same nach oben [gerichtet ist], die vollkommen Enthaltsamen (Nom. Pl.)

tān hanyamānān abhivīkṣya guhyakān anāgasaś citra-rathena bhūriśaḥ auttānapādiṁ kṛpayā pitāmaho manur jagādopagataḥ saharṣibhiḥ

Als er sah, wie jene schuldlosen Guhyakas in großer Zahl von dem [Dhruva] mit dem prächtigen Wagen getötet wurden, sprach der Großvater Manu, der zusammen mit den Weisen herangekommen war, aus Mitleid zu dem Sohn Uttānapādas.

Wort für Wort
tān
jene (Akk. Pl.)
hanyamānān
getötet werdende (Akk. Pl. Part. Präs. Pass.)
abhivīkṣya
erblickend (Absolutiv)
guhyakān
die Guhyakas (Akk. Pl.)
anāgasaḥ
schuldlose (Akk. Pl.)
citra-rathena
durch den mit dem prächtigen Wagen [Dhruva] (Instr. Sg.)
bhūriśaḥ
in großer Zahl, reichlich (Adv.)
auttānapādim
den Sohn Uttānapādas (Akk. Sg.)
kṛpayā
aus Mitleid (Instr. Sg.)
pitāmahaḥ
der Großvater (Nom. Sg.)
manuḥ
Manu (Nom. Sg.)
jagāda
sprach (3. Sg. Perf.)
upagataḥ
herangekommen (Nom. Sg. Part. Perf.)
saha-ṛṣibhiḥ
zusammen mit den Weisen (Instr. Pl.)

manur uvāca alaṁ vatsātiroṣeṇa tamo-dvāreṇa pāpmanā yena puṇya-janān etān avadhīs tvam anāgasaḥ

Manu sprach: Genug, mein Kind, mit übermäßigem Zorn, der ein Tor zur Finsternis und sündig ist, durch den du diese schuldlosen Yakṣas getötet hast.

Wort für Wort
manuḥ uvāca
Manu sprach (Nom. + 3. Sg. Perf.)
alam
genug (mit) (Adv.)
vatsa
o Kind (Vok. Sg.)
atiroṣeṇa
mit übermäßigem Zorn (Instr. Sg.)
tamaḥ-dvāreṇa
der ein Tor zur Finsternis [ist] (Instr. Sg.)
pāpmanā
sündig (Instr. Sg.)
yena
durch welchen (Instr. Sg., Relativpron.)
puṇya-janān
die Yakṣas (Akk. Pl.)
etān
diese (Akk. Pl.)
avadhīḥ
du hast getötet (2. Sg. Aor.)
tvam
du (Nom. Sg.)
anāgasaḥ
schuldlose (Akk. Pl.)

nāsmat-kulocitaṁ tāta karmaitat sad-vigarhitam vadho yad upadevānām ārabdhas te 'kṛtainasām

Diese Tat, o Sohn, ziemt sich nicht für unsere Familie; sie wird von den Rechtschaffenen getadelt, [nämlich] das Töten der Halbgötter [Yakṣas], das von dir begonnen wurde, obwohl sie schuldlos waren.

Wort für Wort
na
nicht (Neg.)
asmat-kula-ucitam
unserer Familie geziemend (Nom. Sg. n.)
tāta
o Sohn (Vok. Sg.)
karma
Tat (Nom. Sg.)
etat
diese (Nom. Sg.)
sat-vigarhitam
von den Rechtschaffenen getadelt (Nom. Sg.)
vadhaḥ
das Töten (Nom. Sg.)
yat
welches, dass (Relativpron.)
upadevānām
der Halbgötter [Yakṣas] (Gen. Pl.)
ārabdhaḥ
begonnen, unternommen (Nom. Sg. Part. Perf. Pass.)
te
von dir (Instr./Gen. Sg.)
akṛta-enasām
derer, die keine Schuld begingen (Gen. Pl.)

nanv ekasyāparādhena prasaṅgād bahavo hatāḥ bhrātur vadhābhitaptena tvayāṅga bhrātṛ-vatsala

Fürwahr, wegen des Vergehens eines Einzigen wurden viele [Yakṣas] getötet von dir, o mein [Sohn], der du, vom Tod deines Bruders gequält, [ihm doch] zugetan bist.

Wort für Wort
nanu
fürwahr, nicht wahr (Partikel)
ekasya
eines Einzigen (Gen. Sg.)
aparādhena
durch das Vergehen (Instr. Sg.)
prasaṅgāt
wegen der Zugehörigkeit/Verbindung (Abl. Sg.)
bahavaḥ
viele (Nom. Pl.)
hatāḥ
wurden getötet (Nom. Pl.)
bhrātuḥ
des Bruders (Gen. Sg.)
vadha-abhitaptena
durch den vom Tod [des Bruders] Gequälten (Instr. Sg.)
tvayā
von dir (Instr. Sg.)
aṅga
o [mein Sohn] (Vok.)
bhrātṛ-vatsala
o dem Bruder Zugetaner (Vok. Sg.)

nāyaṁ mārgo hi sādhūnāṁ hṛṣīkeśānuvartinām yad ātmānaṁ parāg gṛhya paśuvad bhūta-vaiśasam

Dies ist wahrlich nicht der Weg der Rechtschaffenen, die Hṛṣīkeśa nachfolgen, [nämlich] wobei man, den [eigenen] Körper [fälschlich] für das Selbst haltend, wie ein Tier Lebewesen tötet.

Wort für Wort
na
nicht (Neg.)
ayam mārgaḥ
dieser Weg (Nom. Sg.)
hi
fürwahr (Partikel)
sādhūnām
der Rechtschaffenen (Gen. Pl.)
hṛṣīkeśa-anuvartinām
die dem Herrn der Sinne folgen (Gen. Pl.)
yat
wobei, dass (Relativpron.)
ātmānam
das Selbst / den [eigenen] Körper (Akk. Sg.)
parāk
als äußerlich, [vom Selbst] verschieden (Adv.)
gṛhya
auffassend, haltend für (Absolutiv)
paśu-vat
wie ein Tier (Adv.)
bhūta-vaiśasam
das Töten von Lebewesen (Nom./Akk. Sg.)

sarva-bhūtātma-bhāvena bhūtāvāsaṁ hariṁ bhavān ārādhyāpa durārādhyaṁ viṣṇos tat paramaṁ padam

Indem du Hari, der die Behausung aller Wesen ist, mit der Gesinnung verehrt hast, dass [er] das Selbst aller Wesen ist, hast du jenen höchsten, schwer zu erreichenden Zustand Viṣṇus erlangt.

Wort für Wort
sarva-bhūta-ātma-bhāvena
durch die Gesinnung, [er sei] das Selbst aller Wesen (Instr. Sg.)
bhūta-āvāsam
den, der die Behausung aller Wesen ist (Akk. Sg.)
harim
Hari (Akk. Sg.)
bhavān
du (ehrerbietig) (Nom. Sg.)
ārādhya
verehrend (Absolutiv)
āpa
hast erlangt (2./3. Sg. Perf.)
durārādhyam
schwer zu verehren (Akk. Sg.)
viṣṇoḥ
Viṣṇus (Gen. Sg.)
tat
jenen (Akk. Sg.)
paramam padam
höchsten Zustand (Akk. Sg.)

sa tvaṁ harer anudhyātas tat-puṁsām api sammataḥ kathaṁ tv avadyaṁ kṛtavān anuśikṣan satāṁ vratam

Eben du, der von Hari stets [im Gedenken] gehalten wird und auch bei dessen Verehrern geachtet ist – warum hast du [dann] Tadelnswertes getan, während du [doch eigentlich] das Gelübde der Rechtschaffenen lehren solltest?

Wort für Wort
saḥ tvam
eben du (Nom. Sg.)
hareḥ
von Hari (Instr./Gen. Sg.)
anudhyātaḥ
stets bedacht, im Gedenken gehalten (Nom. Sg. Part. Perf. Pass.)
tat-puṁsām
seiner [Hingegebenen] Männer (Gen. Pl.)
api
auch (Partikel)
sammataḥ
geachtet, geschätzt (Nom. Sg.)
katham
warum, wie (Adv.)
tu
aber, denn (Partikel)
avadyam
Tadelnswertes (Akk. Sg.)
kṛtavān
hast getan (Nom. Sg. Part. Perf. Akt.)
anuśikṣan
lehrend, als Vorbild gebend (Nom. Sg. Part. Präs.)
satām
der Rechtschaffenen (Gen. Pl.)
vratam
das Gelübde (Akk. Sg.)

titikṣayā karuṇayā maitryā cākhila-jantuṣu samatvena ca sarvātmā bhagavān samprasīdati

Durch Duldsamkeit, Mitgefühl und Freundschaft gegenüber allen Lebewesen sowie durch Gleichmut wird der Erhabene, die Überseele von allem, zufrieden.

Wort für Wort
titikṣayā
durch Duldsamkeit (Instr. Sg.)
karuṇayā
durch Mitgefühl (Instr. Sg.)
maitryā
durch Freundschaft (Instr. Sg.)
ca
und (Konj.)
akhila-jantuṣu
gegenüber allen Lebewesen (Lok. Pl.)
samatvena
durch Gleichmut (Instr. Sg.)
ca
und (Konj.)
sarva-ātmā
die Überseele von allem (Nom. Sg.)
bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg.)
samprasīdati
wird zufrieden (3. Sg. Präs.)

samprasanne bhagavati puruṣaḥ prākṛtair guṇaiḥ vimukto jīva-nirmukto brahma nirvāṇam ṛcchati

Wenn der Erhabene zufrieden ist, erreicht der Mensch, befreit von den materiellen Erscheinungsweisen [der Natur] und [auch] vom [feinstofflichen] Lebenskörper befreit, das Erlöschen im Brahman.

Wort für Wort
samprasanne
wenn zufrieden ist (Lok. Sg. absolut)
bhagavati
der Erhabene (Lok. Sg.)
puruṣaḥ
der Mensch (Nom. Sg.)
prākṛtaiḥ guṇaiḥ
von den materiellen Erscheinungsweisen (Instr. Pl.)
vimuktaḥ
befreit (Nom. Sg.)
jīva-nirmuktaḥ
auch vom [feinstofflichen] Lebenskörper befreit (Nom. Sg.)
brahma nirvāṇam
das Erlöschen im Brahman (Akk. Sg.)
ṛcchati
erreicht (3. Sg. Präs.)

bhūtaiḥ pañcabhir ārabdhair yoṣit puruṣa eva hi tayor vyavāyāt sambhūtir yoṣit-puruṣayor iha

Durch die fünf [Grob]elemente hervorgebracht sind fürwahr Frau und Mann; durch die Vereinigung der beiden entsteht hier [in dieser Welt] die [weitere] Erzeugung von Frauen und Männern.

Wort für Wort
bhūtaiḥ pañcabhiḥ
durch die fünf [Grob]elemente (Instr. Pl.)
ārabdhaiḥ
hervorgebracht, gebildet (Instr. Pl.)
yoṣit
die Frau (Nom. Sg.)
puruṣaḥ
der Mann (Nom. Sg.)
eva hi
eben, fürwahr (Partikel)
tayoḥ
von diesen beiden (Gen. Du.)
vyavāyāt
durch die Vereinigung (Abl. Sg.)
sambhūtiḥ
die [weitere] Entstehung (Nom. Sg.)
yoṣit-puruṣayoḥ
von Frauen und Männern (Gen. Du.)
iha
hier [in dieser Welt] (Adv.)

evaṁ pravartate sargaḥ sthitiḥ saṁyama eva ca guṇa-vyatikarād rājan māyayā paramātmanaḥ

So geschehen, o König, Schöpfung, Erhaltung und Auflösung durch die Wechselwirkung der Erscheinungsweisen [der Natur], [bewirkt] durch die Māyā des Höchsten Selbst.

Wort für Wort
evam
so (Adv.)
pravartate
kommt in Gang, geschieht (3. Sg. Präs.)
sargaḥ
die Schöpfung (Nom. Sg.)
sthitiḥ
die Erhaltung (Nom. Sg.)
saṁyamaḥ
die Auflösung (Nom. Sg.)
eva ca
und auch (Partikel)
guṇa-vyatikarāt
aus der Wechselwirkung der Erscheinungsweisen (Abl. Sg.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
māyayā
durch die Māyā (Instr. Sg.)
parama-ātmanaḥ
des Höchsten Selbst (Gen. Sg.)

nimitta-mātraṁ tatrāsīn nirguṇaḥ puruṣarṣabhaḥ vyaktāvyaktam idaṁ viśvaṁ yatra bhramati lohavat

Dabei war der eigenschaftslose höchste Puruṣa nur die [Anlaß-]Ursache, worin sich dieses aus Manifestem und Unmanifestem [bestehende] Universum dreht wie Eisen [im Magnetfeld].

Wort für Wort
nimitta-mātram
nur die [Werk-]Ursache, bloße Veranlassung (Nom. Sg.)
tatra
dabei, darin (Adv.)
āsīt
war (3. Sg. Impf.)
nirguṇaḥ
eigenschaftslos, jenseits der Erscheinungsweisen (Nom. Sg.)
puruṣa-ṛṣabhaḥ
der höchste Puruṣa (wörtl. „Stier unter den Wesen“) (Nom. Sg.)
vyakta-avyaktam
das Manifeste und Unmanifeste (Nom. Sg.)
idam viśvam
dieses Universum (Nom. Sg.)
yatra
worin (Adv.)
bhramati
dreht sich, bewegt sich umher (3. Sg. Präs.)
loha-vat
wie Eisen (Adv.)

sa khalv idaṁ bhagavān kāla-śaktyā guṇa-pravāheṇa vibhakta-vīryaḥ karoty akartaiva nihanty ahantā ceṣṭā vibhūmnaḥ khalu durvibhāvyā

Er, der Erhabene, dessen Kraft durch die Zeitkraft [und] den Strom der Erscheinungsweisen aufgeteilt ist, handelt, obwohl [er] Nicht-Handelnder [ist], [und] tötet, obwohl [er] Nicht-Töter [ist]; die Betätigung des Allmächtigen ist fürwahr schwer zu begreifen.

Wort für Wort
saḥ khalu
er fürwahr (Nom. Sg.)
idam
dies [Universum] (Akk. Sg.)
bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg.)
kāla-śaktyā
durch die Kraft der Zeit (Instr. Sg.)
guṇa-pravāheṇa
durch den Strom der Erscheinungsweisen (Instr. Sg.)
vibhakta-vīryaḥ
dessen Kraft aufgeteilt ist (Nom. Sg.)
karoti
handelt (3. Sg. Präs.)
akartā
Nicht-Handelnder (Nom. Sg.)
eva
obwohl, doch (Partikel)
nihanti
tötet (3. Sg. Präs.)
ahantā
Nicht-Töter (Nom. Sg.)
ceṣṭā
die Betätigung (Nom. Sg.)
vibhūmnaḥ
des Allmächtigen (Gen. Sg.)
khalu
fürwahr (Partikel)
durvibhāvyā
schwer zu begreifen (Nom. Sg. f.)

so 'nanto 'nta-karaḥ kālo 'nādir ādi-kṛd avyayaḥ janaṁ janena janayan mārayan mṛtyunāntakam

Er, die unendliche, alles beendende Zeit, ohne Anfang, [doch] Urheber des Anfangs, unvergänglich, erzeugt ein Lebewesen durch ein [anderes] Lebewesen und tötet [selbst] den Vernichter durch den Tod.

Wort für Wort
saḥ
er (Nom. Sg.)
anantaḥ
unendlich (Nom. Sg.)
anta-karaḥ
der Vernichter, alles beendend (Nom. Sg.)
kālaḥ
die Zeit (Nom. Sg.)
anādiḥ
ohne Anfang (Nom. Sg.)
ādi-kṛt
Urheber des Anfangs (Nom. Sg.)
avyayaḥ
unvergänglich (Nom. Sg.)
janam
das Lebewesen (Akk. Sg.)
janena
durch ein [anderes] Lebewesen (Instr. Sg.)
janayan
erzeugend (Nom. Sg. Part. Präs.)
mārayan
tötend (Nom. Sg. Part. Präs.)
mṛtyunā
durch den Tod (Instr. Sg.)
antakam
den Vernichter (Akk. Sg.)

na vai sva-pakṣo 'sya vipakṣa eva vā parasya mṛtyor viśataḥ samaṁ prajāḥ taṁ dhāvamānam anudhāvanty anīśā yathā rajāṁsy anilaṁ bhūta-saṅghāḥ

Es gibt für ihn, den Höchsten, der als Tod [in die Wesen] eindringt, wahrlich weder eigene Partei noch Gegenpartei – gleich [behandelt er] die Geschöpfe; die Machtlosen laufen dem Eilenden hinterher, so wie die Staubteilchen [und] die Ansammlungen der [übrigen] Elemente dem Wind [hinterherlaufen].

Wort für Wort
na vai
nicht fürwahr (Adv./Partikel)
sva-pakṣaḥ
eigene Partei, Verbündeter (Nom. Sg.)
asya
dessen [des Höchsten] (Gen. Sg.)
vipakṣaḥ
Gegenpartei, Feind (Nom. Sg.)
eva vā
oder auch (Partikel)
parasya
des Höchsten (Gen. Sg.)
mṛtyoḥ
des Todes (Gen. Sg.)
viśataḥ
der eindringt (Gen. Sg. Part. Präs.)
samam
gleich (Adv.)
prajāḥ
die Geschöpfe (Akk. Pl.)
tam
ihn (Akk. Sg.)
dhāvamānam
den Eilenden (Akk. Sg. Part. Präs.)
anudhāvanti
laufen hinterher (3. Pl. Präs.)
anīśāḥ
die Machtlosen (Nom. Pl.)
yathā
wie (Adv.)
rajāṁsi
die Staubteilchen (Nom. Pl.)
anilam
dem Wind (Akk. Sg.)
bhūta-saṅghāḥ
die Ansammlungen der [übrigen] Elemente (Nom. Pl.)

āyuṣo 'pacayaṁ jantos tathaivopacayaṁ vibhuḥ ubhābhyāṁ rahitaḥ svastho duḥsthasya vidadhāty asau

Der Allmächtige, selbst von beidem [Zu- und Abnahme] frei und in sich selbst ruhend, verfügt für das dem Übel [des Karma] unterworfene Lebewesen die Abnahme sowie ebenso die Zunahme der Lebensdauer.

Wort für Wort
āyuṣaḥ
der Lebensdauer (Gen. Sg.)
apacayam
Abnahme (Akk. Sg.)
jantoḥ
des Lebewesens (Gen. Sg.)
tathā eva
ebenso auch (Adv.)
upacayam
Zunahme (Akk. Sg.)
vibhuḥ
der Allmächtige (Nom. Sg.)
ubhābhyām
von beiden (Instr./Abl. Du.)
rahitaḥ
frei, losgelöst (Nom. Sg.)
sva-sthaḥ
in sich selbst ruhend (Nom. Sg.)
duḥsthasya
des dem Übel unterworfenen [Lebewesens] (Gen. Sg.)
vidadhāti
verfügt, bewirkt (3. Sg. Präs.)
asau
jener (Nom. Sg.)

kecit karma vadanty enaṁ svabhāvam apare nṛpa eke kālaṁ pare daivaṁ puṁsaḥ kāmam utāpare

Manche, o König, erklären das [Wirken des Herrn] als Tat(-Wirkung), andere als Eigennatur, manche als Zeit, andere als Schicksal, und wieder andere als das Verlangen des Lebewesens.

Wort für Wort
kecit
manche (Nom. Pl.)
karma
Tat, Handlung (Akk. Sg.)
vadanti
erklären, nennen (3. Pl. Präs.)
enam
dies[e Ursache] (Akk. Sg.)
svabhāvam
Eigennatur (Akk. Sg.)
apare
andere (Nom. Pl.)
nṛpa
o König (Vok. Sg.)
eke
manche, einige (Nom. Pl.)
kālam
die Zeit (Akk. Sg.)
pare
andere (Nom. Pl.)
daivam
das Schicksal (Akk. Sg.)
puṁsaḥ
des Lebewesens (Gen. Sg.)
kāmam
das Verlangen (Akk. Sg.)
uta
oder auch (Partikel)
apare
andere (Nom. Pl.)

avyaktasyāprameyasya nānā-śakty-udayasya ca na vai cikīrṣitaṁ tāta ko vedātha sva-sambhavam

Wer, o Sohn, kennt fürwahr das Vorhaben des Unmanifesten, Unermesslichen, aus dem die mannigfachen Kräfte entstehen, oder gar dessen eigenen Ursprung?

Wort für Wort
avyaktasya
des Unmanifesten (Gen. Sg.)
aprameyasya
des Unermesslichen (Gen. Sg.)
nānā-śakti-udayasya
dessen, aus dem mannigfache Kräfte entstehen (Gen. Sg.)
ca
und (Konj.)
na vai
nicht fürwahr (Adv./Partikel)
cikīrṣitam
das Vorhaben, die Absicht (Nom./Akk. Sg.)
tāta
o Sohn (Vok. Sg.)
kaḥ
wer (Nom. Sg.)
veda
weiß, kennt (3. Sg. Perf.)
atha
ferner, zudem (Adv.)
sva-sambhavam
den eigenen Ursprung (Akk. Sg.)

na caite putraka bhrātur hantāro dhanadānugāḥ visargādānayos tāta puṁso daivaṁ hi kāraṇam

Und diese Gefolgsleute Kuveras, mein Söhnchen, sind nicht die Töter deines Bruders; fürwahr, das Schicksal ist, o Sohn, die Ursache für Geburt und Hinwegnahme [des Lebens] eines jeden Lebewesens.

Wort für Wort
na ca
und nicht (Neg. + Konj.)
ete
diese (Nom. Pl.)
putraka
mein Söhnchen (Vok. Sg.)
bhrātuḥ
des Bruders (Gen. Sg.)
hantāraḥ
Töter (Nom. Pl.)
dhanada-anugāḥ
die Gefolgsleute Kuveras (Nom. Pl.)
visarga-ādānayoḥ
von Hervorbringung und Wegnahme [des Lebens] (Gen. Du.)
tāta
o Sohn (Vok. Sg.)
puṁsaḥ
des Lebewesens (Gen. Sg.)
daivam
das Schicksal (Nom. Sg.)
hi
fürwahr (Partikel)
kāraṇam
die Ursache (Nom. Sg.)

sa eva viśvaṁ sṛjati sa evāvati hanti ca athāpi hy anahaṅkārān nājyate guṇa-karmabhiḥ

Eben er erschafft das Universum, eben er erhält [es] und vernichtet [es]; und dennoch wird er, da er ohne [falsches] Ich-Bewusstsein ist, fürwahr nicht befleckt durch die Handlungen der Erscheinungsweisen [der Natur].

Wort für Wort
saḥ eva
eben er (Nom. Sg.)
viśvam
das Universum (Akk. Sg.)
sṛjati
erschafft (3. Sg. Präs.)
saḥ eva
eben er (Nom. Sg.)
avati
erhält, beschützt (3. Sg. Präs.)
hanti
vernichtet (3. Sg. Präs.)
ca
und (Konj.)
atha api hi
und dennoch, fürwahr (Partikel)
anahaṅkārāt
da [er] ohne [falsches] Ich-Bewusstsein [ist] (Abl. Sg.)
na ajyate
wird nicht befleckt (3. Sg. Präs. Pass.)
guṇa-karmabhiḥ
durch die Handlungen der Erscheinungsweisen (Instr. Pl.)

[Anm.: Verszeile 25 fasst vedabase drei Metren auf einer Seite zusammen; hier ohne Zeilenbruch nach Fußnote wiedergegeben.]

eṣa bhūtāni bhūtātmā bhūteśo bhūta-bhāvanaḥ svaśaktyā māyayā yuktaḥ sṛjaty atti ca pāti ca

Dieser, die Seele der Wesen, der Herr der Wesen, der Erzeuger der Wesen, erschafft, verzehrt und erhält, ausgestattet mit seiner eigenen Kraft, der Māyā, die Wesen.

Wort für Wort
eṣaḥ
dieser (Nom. Sg.)
bhūtāni
die Wesen (Akk. Pl.)
bhūta-ātmā
die Seele der Wesen (Nom. Sg.)
bhūta-īśaḥ
der Herr der Wesen (Nom. Sg.)
bhūta-bhāvanaḥ
der Erzeuger der Wesen (Nom. Sg.)
sva-śaktyā
durch seine eigene Kraft (Instr. Sg.)
māyayā
durch [seine] Māyā (Instr. Sg.)
yuktaḥ
ausgestattet, verbunden mit (Nom. Sg.)
sṛjati
erschafft (3. Sg. Präs.)
atti
verzehrt (3. Sg. Präs.)
ca
und (Konj.)
pāti
erhält (3. Sg. Präs.)
ca
und (Konj.)

tam eva mṛtyum amṛtaṁ tāta daivaṁ sarvātmanopehi jagat-parāyaṇam yasmai baliṁ viśva-sṛjo haranti gāvo yathā vai nasi dāmayantritāḥ

Ergib dich, o Sohn, gänzlich eben diesem [Höchsten], der Tod und Unsterblichkeit [zugleich ist], dem Göttlichen, dem letzten Ziel der Welt, dem die Weltschöpfer Opfergaben darbringen, so wie fürwahr Ochsen, an der Nase durch einen Strick gezügelt, [ihrem Führer folgen].

Wort für Wort
tam eva
eben ihn (Akk. Sg.)
mṛtyum
den Tod (Akk. Sg.)
amṛtam
die Unsterblichkeit (Akk. Sg.)
tāta
o Sohn (Vok. Sg.)
daivam
das Göttliche (Akk. Sg.)
sarva-ātmanā
gänzlich, mit dem ganzen Selbst (Instr. Sg.)
upehi
nahe dich, ergib dich (2. Sg. Imperativ)
jagat-parāyaṇam
das letzte Ziel der Welt (Akk. Sg.)
yasmai
dem (Dat. Sg.)
balim
Opfergabe (Akk. Sg.)
viśva-sṛjaḥ
die Weltschöpfer (Nom. Pl.)
haranti
bringen dar (3. Pl. Präs.)
gāvaḥ
Ochsen, Rinder (Nom. Pl.)
yathā vai
so wie fürwahr (Adv.)
nasi
an der Nase (Lok. Sg.)
dāma-yantritāḥ
durch einen Strick gezügelt (Nom. Pl.)

yaḥ pañca-varṣo jananīṁ tvaṁ vihāya mātuḥ sapatnyā vacasā bhinna-marmā vanaṁ gatas tapasā pratyag-akṣam ārādhya lebhe mūrdhni padaṁ tri-lokyāḥ

Du, der [du] als Fünfjähriger, [durch] die Worte der Nebenfrau deiner Mutter im Herzen verletzt, die Mutter verließest und in den Wald gingst, [und] durch Askese den im Innern [erfahrbaren] Herrn verehrend, [hast] die Stellung an der Spitze der drei Welten erlangt.

Wort für Wort
yaḥ
der [du] (Nom. Sg.)
pañca-varṣaḥ
fünf Jahre alt (Nom. Sg.)
jananīm
die Mutter (Akk. Sg.)
tvam
du (Nom. Sg.)
vihāya
verlassend (Absolutiv)
mātuḥ
der Mutter (Gen. Sg.)
sapatnyāḥ
der Nebenfrau (Gen. Sg.)
vacasā
durch die Worte (Instr. Sg.)
bhinna-marmā
im Herzen verletzt (Nom. Sg.)
vanam
in den Wald (Akk. Sg.)
gataḥ
gegangen (Nom. Sg.)
tapasā
durch Askese (Instr. Sg.)
pratyak-akṣam
den innewohnenden Herrn (Akk. Sg.)
ārādhya
verehrend (Absolutiv)
lebhe
erlangtest (2./3. Sg. Perf. Med.)
mūrdhni
auf dem Gipfel (Lok. Sg.)
padam
die Stellung (Akk. Sg.)
tri-lokyāḥ
der drei Welten (Gen. Sg.)

tam enam aṅgātmani mukta-vigrahe vyapāśritaṁ nirguṇam ekam akṣaram ātmānam anviccha vimuktam ātma-dṛg yasminn idaṁ bhedam asat pratīyate

Suche, o [Dhruva], indem du das Selbst schaust, eben jenen im Geiste weilenden, von Feindschaft freien, jenseits der Erscheinungsweisen [stehenden], einen, unvergänglichen, gänzlich befreiten [Höchsten] Selbst, in welchem diese [scheinbare] Verschiedenheit als unwirklich erscheint.

Wort für Wort
tam enam
eben diesen (Akk. Sg.)
aṅga
o [Dhruva] (Vok.)
ātmani
im Selbst, im Geist (Lok. Sg.)
mukta-vigrahe
der frei von Feindschaft [ist] (Lok. Sg.)
vyapāśritam
verweilend, Zuflucht genommen habend (Akk. Sg.)
nirguṇam
jenseits der Erscheinungsweisen (Akk. Sg.)
ekam
den einen (Akk. Sg.)
akṣaram
den Unvergänglichen (Akk. Sg.)
ātmānam
das [Höchste] Selbst (Akk. Sg.)
anviccha
suche (2. Sg. Imperativ)
vimuktam
den gänzlich Befreiten (Akk. Sg.)
ātma-dṛk
du, der das Selbst schaut (Nom. Sg.)
yasmin
in welchem (Lok. Sg.)
idam bhedam
diese Verschiedenheit (Nom./Akk. Sg.)
asat
unwirklich (Nom. Sg.)
pratīyate
erscheint (3. Sg. Präs. Pass.)

tvaṁ pratyagātmani tadā bhagavaty ananta ānanda-mātra upapanna- samasta-śaktau bhaktiṁ vidhāya paramāṁ śanakair avidyā-granthiṁ vibhetsyasi mamāham iti prarūḍham

Wenn du dann dem innewohnenden Selbst, dem Erhabenen, dem Unendlichen, der reinen Wonne, dem alle Kräfte zu eigen sind, höchste Hingabe erwiesen hast, wirst du allmählich den fest eingewurzelten Knoten der Unwissenheit zerspalten, der [aus den Gedanken] 'mein' und 'ich' [besteht].

Wort für Wort
tvam
du (Nom. Sg.)
pratyak-ātmani
dem innewohnenden Selbst (Lok. Sg.)
tadā
dann (Adv.)
bhagavati
dem Erhabenen (Lok. Sg.)
anante
dem Unendlichen (Lok. Sg.)
ānanda-mātre
der reinen Wonne (Lok. Sg.)
upapanna-samasta-śaktau
dem, dem alle Kräfte zu eigen sind (Lok. Sg.)
bhaktim
Hingabe (Akk. Sg.)
vidhāya
darbringend (Absolutiv)
paramām
höchste (Akk. Sg.)
śanakaiḥ
allmählich (Instr. Pl., adverbial)
avidyā-granthim
den Knoten der Unwissenheit (Akk. Sg.)
vibhetsyasi
wirst du zerspalten (2. Sg. Fut.)
mama aham iti
„mein“ [und] „ich“ – so [lautend] (Zitatpartikel)
prarūḍham
fest eingewurzelt (Akk. Sg.)

saṁyaccha roṣaṁ bhadraṁ te pratīpaṁ śreyasāṁ param śrutena bhūyasā rājann agadena yathāmayam

Zügle den Zorn, Heil sei dir, [ihn], der der größte Widersacher alles Heils ist, o König, durch reichliches [heiliges] Hören, so wie [man] eine Krankheit durch Medizin [heilt].

Wort für Wort
saṁyaccha
zügle (2. Sg. Imperativ)
roṣam
den Zorn (Akk. Sg.)
bhadram te
Heil [sei] dir (Nom. Sg. + Dat.)
pratīpam
den Widersacher (Akk. Sg.)
śreyasām
des Heils, der Wohltaten (Gen. Pl.)
param
den größten (Akk. Sg.)
śrutena
durch [heiliges] Hören (Instr. Sg.)
bhūyasā
reichlich (Instr. Sg., adverbial)
rājan
o König (Vok. Sg.)
agadena
durch Heilmittel (Instr. Sg.)
yathā
wie (Adv.)
āmayam
die Krankheit (Akk. Sg.)

yenopasṛṣṭāt puruṣāl loka udvijate bhṛśam na budhas tad-vaśaṁ gacched icchann abhayam ātmanaḥ

Von dem Menschen, der von diesem [Zorn] ergriffen ist, weichen die Leute heftig erschrocken zurück; der Weise sollte, wenn er Furchtlosigkeit für sich wünscht, nicht in dessen [des Zorns] Gewalt geraten.

Wort für Wort
yena
durch welchen [Zorn] (Instr. Sg.)
upasṛṣṭāt
ergriffenen, befallenen (Abl. Sg.)
puruṣāt
von dem Menschen (Abl. Sg.)
lokaḥ
die Leute (Nom. Sg.)
udvijate
erschrickt, weicht zurück (3. Sg. Präs.)
bhṛśam
heftig (Adv.)
na
nicht (Neg.)
budhaḥ
der Weise (Nom. Sg.)
tat-vaśam
in dessen Gewalt (Akk. Sg.)
gacchet
sollte geraten (3. Sg. Optativ)
icchan
wünschend (Nom. Sg. Part. Präs.)
abhayam
Furchtlosigkeit (Akk. Sg.)
ātmanaḥ
für sich (Gen. Sg.)

helanaṁ giriśa-bhrātur dhanadasya tvayā kṛtam yaj jaghnivān puṇya-janān bhrātṛ-ghnān ity amarṣitaḥ

Eine Kränkung Kuveras, des Bruders Śivas, wurde von dir begangen, indem du, erzürnt [in dem Gedanken] 'sie sind die Mörder meines Bruders', die Yakṣas getötet hast.

Wort für Wort
helanam
Kränkung, Missachtung (Nom. Sg.)
giriśa-bhrātuḥ
des Bruders Śivas (Gen. Sg.)
dhanadasya
Kuveras (Gen. Sg.)
tvayā
von dir (Instr. Sg.)
kṛtam
wurde begangen (Nom. Sg.)
yat
indem, dass (Konj.)
jaghnivān
getötet habend (Nom. Sg. Part. Perf. Akt.)
puṇya-janān
die Yakṣas (Akk. Pl.)
bhrātṛ-ghnān
die Mörder des Bruders (Akk. Pl.)
iti
so [denkend] (Zitatpartikel)
amarṣitaḥ
erzürnt, unduldsam (Nom. Sg.)

taṁ prasādaya vatsāśu sannatyā praśrayoktibhiḥ na yāvan mahatāṁ tejaḥ kulaṁ no 'bhibhaviṣyati

Besänftige ihn, mein Kind, sogleich durch Verneigung und demütige Worte, solange der Zorn der Großen [Kuveras] nicht unsere Familie überwältigt.

Wort für Wort
tam
ihn (Akk. Sg.)
prasādaya
besänftige (2. Sg. Imperativ Kausativ)
vatsa
mein Kind (Vok. Sg.)
āśu
sogleich (Adv.)
sannatyā
durch Verneigung (Instr. Sg.)
praśraya-uktibhiḥ
durch demütige Worte (Instr. Pl.)
na yāvat
solange nicht, bevor (Konj.)
mahatām
der Großen (Gen. Pl.)
tejaḥ
die Glut, der Zorn (Nom. Sg.)
kulam
die Familie (Akk. Sg.)
naḥ
unsere (Gen. Pl.)
abhibhaviṣyati
wird überwältigen (3. Sg. Fut.)

evaṁ svāyambhuvaḥ pautram anuśāsya manur dhruvam tenābhivanditaḥ sākam ṛṣibhiḥ svapuraṁ yayau

So unterwies Svāyambhuva Manu seinen Enkel Dhruva, und, von ihm verehrt, zog er zusammen mit den Weisen zu seiner eigenen Stadt.

Wort für Wort
evam
so (Adv.)
svāyambhuvaḥ
der Svāyambhuva[-Manu] (Nom. Sg.)
pautram
den Enkel (Akk. Sg.)
anuśāsya
unterwiesen habend (Absolutiv)
manuḥ
Manu (Nom. Sg.)
dhruvam
Dhruva (Akk. Sg.)
tena
von ihm (Instr. Sg.)
abhivanditaḥ
verehrt, gegrüßt (Nom. Sg.)
sākam
zusammen (Adv.)
ṛṣibhiḥ
mit den Weisen (Instr. Pl.)
sva-puram
zu seiner eigenen Stadt (Akk. Sg.)
yayau
ging, zog (3. Sg. Perf.)

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