Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 143 Prahlāda Mahārāja, der fromme Sohn Hiraṇyakaśipus

Ab Vers 10 (teilweise) und durchgehend ab Vers 20 war vedabase.io trotz mehrfacher Wartezyklen (429/403) nicht erreichbar. Fuer diese Verse wurde der Sanskrit-Text der lokalen GRETIL-Quelldatei (.../3_purana/bhagp/bhp_07u.htm, BhP_07.05.xxx) entnommen, mit den zuvor erfolgreich von vedabase.io abgerufenen Versen (1-9, 11-19) kreuzgeprueft (identischer Wortlaut), und Uebersetzung sowie Wort-fuer-Wort-Analyse vollstaendig eigenstaendig erarbeitet. Einzelne unsichere Sandhi-Aufloesungen bzw. Lesarten sind mit [?] markiert (Verse 28, 36, 46).

śrī-nārada uvāca paurohityāya bhagavān vṛtaḥ kāvyaḥ kilāsuraiḥ ṣaṇḍāmarkau sutau tasya daitya-rāja-gṛhāntike

Śrī Nārada sprach: Der erhabene Kāvya [Śukrācārya] wurde von den Asuras fürwahr zum Priesteramt erwählt; seine beiden Söhne Ṣaṇḍa und Amarka [weilten] in der Nähe des Palastes des Daitya-Königs.

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
Śrī Nārada sprach (3.Sg.Perf.)
paurohityāya
für das Priesteramt (Dat.Sg.)
bhagavān
der Erhabene (Nom.Sg.)
vṛtaḥ
erwählt (Nom.Sg.Part.Perf.Pass.)
kāvyaḥ
Kāvya [Śukrācārya] (Nom.Sg.)
kila
fürwahr, wie es heißt (Partikel)
asuraiḥ
von den Asuras (Instr.Pl.)
ṣaṇḍa-amarkau
Ṣaṇḍa und Amarka (Nom.Du.)
sutau
die beiden Söhne (Nom.Du.)
tasya
von ihm (Gen.Sg.)
daitya-rāja-gṛha-antike
in der Nähe des Hauses des Daitya-Königs (Lok.Sg.Adv.)

tau rājñā prāpitaṁ bālaṁ prahlādaṁ naya-kovidam pāṭhayām āsatuḥ pāṭhyān anyāṁś cāsura-bālakān

Jene beiden unterrichteten den vom König geschickten Knaben Prahlāda, der [bereits] in rechter Lebensführung bewandert war, in den vorgeschriebenen Lehrtexten, ebenso wie die anderen Dämonenknaben.

Wort für Wort
tau
jene beiden (Nom.Du.)
rājñā
vom König (Instr.Sg.)
prāpitam
geschickten, gebrachten (Akk.Sg.Kaus.-Part.)
bālam
den Knaben (Akk.Sg.)
prahlādam
Prahlāda (Akk.Sg.)
naya-kovidam
kundig in rechter Lebensführung (Akk.Sg.)
pāṭhayām āsatuḥ
sie lehrten (3.Du.periphr.Perf.Kaus.)
pāṭhyān
die zu lernenden [Texte] (Akk.Pl.)
anyān ca
und die anderen (Akk.Pl.)
asura-bālakān
die Dämonenknaben (Akk.Pl.)

yat tatra guruṇā proktaṁ śuśruve 'nupapāṭha ca na sādhu manasā mene sva-parāsad-grahāśrayam

Was der Lehrer dort lehrend sprach, das hörte er zwar und rezitierte es auch nach, doch im Geiste hielt er es nicht für gut, [beruhte es doch] auf der falschen Vorstellung von 'Eigenem' und 'Fremdem'.

Wort für Wort
yat
was (Akk.Sg.Rel.-Pron.)
tatra
dort (Adv.)
guruṇā
vom Lehrer (Instr.Sg.)
proktam
gesprochen, gelehrt (Akk.Sg.Part.)
śuśruve
er hörte (3.Sg.Perf.Med.)
anupapāṭha
er rezitierte nach (3.Sg.Perf.)
ca
und (Partikel)
na sādhu
nicht gut (Adv.)
manasā
mit dem Geist (Instr.Sg.)
mene
er hielt für (3.Sg.Perf.Med.)
sva-para
des Eigenen und des Anderen (Kompositum)
asad-graha
falsche Auffassung (Kompositum)
āśrayam
darauf beruhend (Akk.Sg.)

ekadāsura-rāṭ putram aṅkam āropya pāṇḍava papraccha kathyatāṁ vatsa manyate sādhu yad bhavān

Einst, o Pāṇḍava, setzte sich der König der Asuras seinen Sohn auf den Schoß und fragte: 'Mein Kind, sage, was du für gut hältst.'

Wort für Wort
ekadā
einst (Adv.)
asura-rāṭ
der König der Asuras (Nom.Sg.)
putram
den Sohn (Akk.Sg.)
aṅkam
auf den Schoß (Akk.Sg.)
āropya
gesetzt habend (Absolutiv)
pāṇḍava
o Pāṇḍava [Yudhiṣṭhira] (Vok.Sg.)
papraccha
er fragte (3.Sg.Perf.)
kathyatām
es sei gesagt (3.Sg.Imp.Pass.)
vatsa
mein Kind (Vok.Sg.)
manyate
er hält für (3.Sg.Präs.Med.)
sādhu
gut, das Beste (Akk./Adv.)
yat
was (Akk.Sg.Rel.)
bhavān
du, Euer Ehren (Nom.Sg.Höflichkeitsform)

śrī-prahlāda uvāca tat sādhu manye 'sura-varya dehināṁ sadā samudvigna-dhiyām asad-grahāt hitvātma-pātaṁ gṛham andha-kūpaṁ vanaṁ gato yad dharim āśrayeta

Śrī Prahlāda sprach: O Bester der Asuras, ich halte das für gut, dass ein verkörpertes Wesen - dessen Geist wegen der falschen Auffassung [vom Körper als Selbst] stets beunruhigt ist - das Haus, [welches] den Fall des Selbst [bedeutet und] ein blinder Brunnen [ist], verlässt, in den Wald geht und bei Hari Zuflucht sucht.

Wort für Wort
śrī-prahlādaḥ uvāca
Śrī Prahlāda sprach
tat
das (Akk.Sg.)
sādhu
gut (Akk./Adv.)
manye
ich halte für (1.Sg.Präs.Med.)
asura-varya
o Bester der Asuras (Vok.Sg.)
dehinām
der verkörperten Wesen (Gen.Pl.)
sadā
stets (Adv.)
samudvigna-dhiyām
deren Geist beunruhigt ist (Gen.Pl.)
asad-grahāt
wegen der falschen Auffassung (Abl.Sg.)
hitvā
verlassen habend (Absolutiv)
ātma-pātam
den Fall des Selbst [bedeutend] (Akk.Sg.)
gṛham
das Haus (Akk.Sg.)
andha-kūpam
einen blinden Brunnen (Akk.Sg.)
vanam
in den Wald (Akk.Sg.)
gataḥ
gegangen (Nom.Sg.Part.)
yat
dass, welches (Rel.-Partikel)
harim
Hari (Akk.Sg.)
āśrayeta
er möge Zuflucht suchen (3.Sg.Opt.)

śrī-nārada uvāca śrutvā putra-giro daityaḥ para-pakṣa-samāhitāḥ jahāsa buddhir bālānāṁ bhidyate para-buddhibhiḥ

Śrī Nārada sprach: Als der Daitya [Hiraṇyakaśipu] die Worte seines Sohnes gehört hatte, die der Gegenseite zugetan waren, lachte er: 'Die Einsicht von Kindern wird durch die Einsicht anderer verändert.'

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
Śrī Nārada sprach
śrutvā
gehört habend (Absolutiv)
putra-giraḥ
die Worte des Sohnes (Akk.Pl.)
daityaḥ
der Daitya [Hiraṇyakaśipu] (Nom.Sg.)
para-pakṣa
der gegnerischen Seite (Kompositum)
samāhitāḥ
zugetan, ergeben (Akk.Pl.)
jahāsa
er lachte (3.Sg.Perf.)
buddhiḥ
die Einsicht (Nom.Sg.)
bālānām
der Kinder (Gen.Pl.)
bhidyate
wird verändert, gespalten (3.Sg.Präs.Pass.)
para-buddhibhiḥ
durch die Einsicht anderer (Instr.Pl.)

samyag vidhāryatāṁ bālo guru-gehe dvi-jātibhiḥ viṣṇu-pakṣaiḥ praticchannair na bhidyetāsya dhīr yathā

Der Knabe soll im Haus des Lehrers gut behütet werden, damit sein Verstand nicht durch verkleidete Zweifachgeborene [Brahmanen], die der Partei Viṣṇus angehören, verändert werde.

Wort für Wort
samyak
vollständig, gut (Adv.)
vidhāryatām
er werde behütet (3.Sg.Imp.Pass.)
bālaḥ
der Knabe (Nom.Sg.)
guru-gehe
im Haus des Lehrers (Lok.Sg.)
dvi-jātibhiḥ
durch Zweifachgeborene [Brahmanen] (Instr.Pl.)
viṣṇu-pakṣaiḥ
die zur Partei Viṣṇus gehören (Instr.Pl.)
praticchannaiḥ
verkleidete, verborgene (Instr.Pl.)
na bhidyeta
er werde nicht verändert (3.Sg.Opt.Pass.)
asya
dessen, sein (Gen.Sg.)
dhīḥ
der Verstand (Nom.Sg.)
yathā
auf dass (Konj.-Partikel)

gṛham ānītam āhūya prahrādaṁ daitya-yājakāḥ praśasya ślakṣṇayā vācā samapṛcchanta sāmabhiḥ

Die Priester der Daityas ließen Prahlāda ins Haus bringen, riefen ihn herbei, lobten ihn mit sanfter Stimme und befragten ihn mit besänftigenden Worten.

Wort für Wort
gṛham
ins Haus (Akk.Sg.)
ānītam
gebracht (Akk.Sg.Part.)
āhūya
gerufen habend (Absolutiv)
prahrādam
Prahlāda (Akk.Sg.)
daitya-yājakāḥ
die Priester der Daityas (Nom.Pl.)
praśasya
gelobt habend (Absolutiv)
ślakṣṇayā vācā
mit sanfter Stimme (Instr.Sg.)
samapṛcchanta
sie befragten (3.Pl.Impf.Med.)
sāmabhiḥ
mit besänftigenden Worten (Instr.Pl.)

vatsa prahrāda bhadraṁ te satyaṁ kathaya mā mṛṣā bālān ati kutas tubhyam eṣa buddhi-viparyayaḥ

Mein Kind Prahlāda, Segen sei mit dir! Sprich die Wahrheit, nicht Falsches: Woher [kommt] dir, [der du doch] die anderen Knaben übertriffst, diese Verkehrung des Verstandes?

Wort für Wort
vatsa
mein Kind (Vok.Sg.)
prahrāda
Prahlāda (Vok.Sg.)
bhadraṁ te
Segen sei dir (Nom.Sg.+Dat.Sg.)
satyam
die Wahrheit (Akk.Sg.)
kathaya
sprich (2.Sg.Imp.)
mā mṛṣā
nicht Falsches (Prohibitiv+Adv.)
bālān ati
die [anderen] Knaben übertreffend (Akk.Pl.+Postposition)
kutaḥ
woher (Adv.)
tubhyam
dir (Dat.Sg.)
eṣaḥ
diese (Nom.Sg.)
buddhi-viparyayaḥ
Verkehrung des Verstandes (Nom.Sg.)

buddhi-bhedaḥ para-kṛta utāho te svato 'bhavat bhaṇyatāṁ śrotu-kāmānāṁ gurūṇāṁ kula-nandana

Ist diese Verkehrung des Verstandes von einem anderen bewirkt, oder entstand sie bei dir von selbst? Es werde den Lehrern, die es zu hören wünschen, gesagt, o Freude des Geschlechts.

Wort für Wort
buddhi-bhedaḥ
die Verkehrung des Verstandes (Nom.Sg.)
para-kṛtaḥ
von einem anderen bewirkt (Nom.Sg.)
utāho
oder (Partikel)
te
dir, bei dir (Gen./Dat.Sg.)
svataḥ
von selbst (Adv.)
abhavat
entstand (3.Sg.Impf.)
bhaṇyatām
es werde gesagt (3.Sg.Imp.Pass.)
śrotu-kāmānām
die zu hören wünschen (Gen.Pl.)
gurūṇām
den Lehrern (Gen.Pl.)
kula-nandana
o Freude des Geschlechts (Vok.Sg.)

Für diesen Vers war vedabase.io dauerhaft blockiert (429/403 trotz mehrfacher Wartezyklen); Sanskrittext nach der lokalen GRETIL-Quelle (bhp_07u.htm), Übersetzung und wfw-Analyse eigenständig erarbeitet.

śrī-prahrāda uvāca paraḥ svaś cety asad-grāhaḥ puṁsāṁ yan-māyayā kṛtaḥ vimohita-dhiyāṁ dṛṣṭas tasmai bhagavate namaḥ

Śrī Prahlāda sprach: Die falsche Auffassung der Menschen, [derzufolge sie meinen] 'dies ist ein anderer, dies das Eigene', welche durch Seine Māyā bewirkt ist, wird bei denen beobachtet, deren Verstand [dadurch] verblendet ist - Verehrung Ihm, dem Erhabenen!

Wort für Wort
śrī-prahrādaḥ uvāca
Śrī Prahlāda sprach
paraḥ
ein anderer (Nom.Sg.)
svaḥ
eigen, der Eigene (Nom.Sg.)
ca
und (Partikel)
iti
so, 'dies' (Zitatpartikel)
asad-grāhaḥ
die falsche Auffassung (Nom.Sg.)
puṁsām
der Menschen (Gen.Pl.)
yat-māyayā
durch dessen Māyā (Instr.Sg.)
kṛtaḥ
bewirkt (Nom.Sg.Part.)
vimohita-dhiyām
deren Verstand verblendet ist (Gen.Pl.)
dṛṣṭaḥ
beobachtet, gesehen (Nom.Sg.Part.)
tasmai
ihm (Dat.Sg.)
bhagavate
dem Erhabenen (Dat.Sg.)
namaḥ
Verehrung (Nom.Sg.)

sa yadānuvrataḥ puṁsāṁ paśu-buddhir vibhidyate anya eṣa tathānyo 'ham iti bheda-gatāsatī

Wenn Er [wohlwollend] geneigt ist, wird die tierhafte Auffassung der Menschen zerstört - jene falsche, auf Unterscheidung beruhende [Vorstellung]: 'Dieser ist ein anderer, und ebenso bin ich ein anderer.'

Wort für Wort
saḥ
Er (Nom.Sg.)
yadā
wenn (Konj.)
anuvrataḥ
geneigt, wohlgesonnen (Nom.Sg.)
puṁsām
der Menschen (Gen.Pl.)
paśu-buddhiḥ
die tierhafte Auffassung (Nom.Sg.)
vibhidyate
wird zerstört (3.Sg.Präs.Pass.)
anyaḥ
ein anderer (Nom.Sg.)
eṣaḥ
dieser (Nom.Sg.)
tathā
ebenso (Adv.)
anyaḥ
ein anderer (Nom.Sg.)
aham
ich (Nom.Sg.)
iti
so [denkend] (Partikel)
bheda-gatā
auf Unterscheidung beruhend (Nom.Sg.Fem.)
asatī
unwirklich, falsch (Nom.Sg.Fem.)

sa eṣa ātmā sva-parety abuddhibhir duratyayānukramaṇo nirūpyate muhyanti yad-vartmani veda-vādino brahmādayo hy eṣa bhinatti me matim

Eben dieser Ātmā [die Überseele] wird von denen ohne rechte Einsicht, [die zwischen] 'eigen' und 'fremd' [unterscheiden], als einer mit schwer zu ergründendem Wirken angesehen. Auf dessen Pfad geraten sogar die Kenner der Veden, angefangen mit Brahmā, in Verwirrung - wahrlich, er ist es, der meinen Verstand verändert.

Wort für Wort
sa eṣaḥ
eben dieser (Nom.Sg.)
ātmā
die Überseele, das Selbst (Nom.Sg.)
sva-para
eigen [und] fremd (Kompositum)
iti
so [denkend] (Partikel)
abuddhibhiḥ
von den Unverständigen (Instr.Pl.)
duratyaya
schwer zu überwinden (Adj.)
anukramaṇaḥ
dessen Wirken (Nom.Sg.)
nirūpyate
wird angesehen (3.Sg.Präs.Pass.)
muhyanti
sie geraten in Verwirrung (3.Pl.Präs.)
yat-vartmani
auf dessen Pfad (Lok.Sg.)
veda-vādinaḥ
die Kenner der Veden (Nom.Pl.)
brahma-ādayaḥ
angefangen mit Brahmā (Nom.Pl.)
hi
wahrlich (Partikel)
eṣaḥ
dieser (Nom.Sg.)
bhinatti
er verändert (3.Sg.Präs.)
me
meinen (Gen.Sg.)
matim
Verstand (Akk.Sg.)

yathā bhrāmyaty ayo brahman svayam ākarṣa-sannidhau tathā me bhidyate cetaś cakra-pāṇer yadṛcchayā

So wie Eisen, o Brahmane, in der Nähe eines Magneten von selbst sich [zu ihm hin] bewegt, so wird mein Geist durch den bloßen Willen des Diskusträgers [Viṣṇu] verwandelt.

Wort für Wort
yathā
so wie (Adv.)
bhrāmyati
es bewegt sich (3.Sg.Präs.)
ayaḥ
das Eisen (Nom.Sg.)
brahman
o Brahmane (Vok.Sg.)
svayam
von selbst (Adv.)
ākarṣa-sannidhau
in der Nähe eines Magneten (Lok.Sg.)
tathā
so, ebenso (Adv.)
me
mein (Gen.Sg.)
bhidyate
wird verwandelt (3.Sg.Präs.Pass.)
cetaḥ
der Geist (Nom.Sg.)
cakra-pāṇeḥ
des Diskusträgers [Viṣṇu] (Gen.Sg.)
yadṛcchayā
durch [dessen eigenen] Willen (Instr.Sg.)

śrī-nārada uvāca etāvad brāhmaṇāyoktvā virarāma mahā-matiḥ taṁ sannibhartsya kupitaḥ sudīno rāja-sevakaḥ

Śrī Nārada sprach: Nachdem der Hochgesinnte [Prahlāda] dies zu dem Brahmanen gesagt hatte, verstummte er. Der Diener des Königs [der Lehrer], erzürnt und tief bekümmert, schalt ihn heftig.

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
Śrī Nārada sprach
etāvat
so viel, dies (Akk.Sg.)
brāhmaṇāya
zum Brahmanen (Dat.Sg.)
uktvā
gesagt habend (Absolutiv)
virarāma
er verstummte (3.Sg.Perf.)
mahā-matiḥ
der Hochgesinnte (Nom.Sg.)
tam
ihn (Akk.Sg.)
sannibhartsya
heftig gescholten habend (Absolutiv)
kupitaḥ
erzürnt (Nom.Sg.)
su-dīnaḥ
sehr bekümmert (Nom.Sg.)
rāja-sevakaḥ
der Diener des Königs (Nom.Sg.)

ānīyatām are vetram asmākam ayaśaskaraḥ kulāṅgārasya durbuddheś caturtho 'syodito damaḥ

He, man bringe den Stock! Für diesen, der uns Schande bringt, den Feuerbrand des Geschlechts, den Übelgesinnten, ist die vierte [Maßregel] verkündet: die Strafe.

Wort für Wort
ānīyatām
er werde gebracht (3.Sg.Imp.Pass.)
are
he! (Interjektion)
vetram
den Stock (Akk.Sg.)
asmākam
unser (Gen.Pl.)
ayaśaskaraḥ
Schande bringend (Nom.Sg.)
kula-aṅgārasya
des Feuerbrands des Geschlechts (Gen.Sg.)
durbuddheḥ
des Übelgesinnten (Gen.Sg.)
caturthaḥ
der vierte (Nom.Sg.)
asya
für ihn (Gen.Sg.)
uditaḥ
verkündet (Nom.Sg.Part.)
damaḥ
die Strafe (Nom.Sg.)

caturthaḥ damaḥ bezieht sich auf die vierte der vier politischen Maßregeln (sāma, dāna, bheda, daṇḍa) - hier: die Strafe/Züchtigung.

daiteya-candana-vane jāto 'yaṁ kaṇṭaka-drumaḥ yan-mūlonmūla-paraśor viṣṇor nālāyito 'rbhakaḥ

Im Sandelwald der Daityas ist dieser Dornbaum entstanden - dieses Kind [Prahlāda], das zum Stiel für die Axt Viṣṇus geworden ist, welche [ihn] mitsamt der Wurzel ausreißt.

Wort für Wort
daiteya-candana-vane
im Sandelwald der Daityas (Lok.Sg.)
jātaḥ
entstanden (Nom.Sg.Part.)
ayam
dieser (Nom.Sg.)
kaṇṭaka-drumaḥ
der Dornbaum (Nom.Sg.)
yat-mūla-unmūla-paraśoḥ
dessen Axt die Wurzel ausreißt (Gen.Sg.)
viṣṇoḥ
Viṣṇus (Gen.Sg.)
nāla-āyitaḥ
zum Stiel geworden (Nom.Sg.)
arbhakaḥ
das Kind (Nom.Sg.)

iti taṁ vividhopāyair bhīṣayaṁs tarjanādibhiḥ prahrādaṁ grāhayām āsa tri-vargasyopapādanam

So ließ er, indem er ihn auf mancherlei Weise durch Drohungen und dergleichen einschüchterte, Prahlāda die Darlegung der drei [Lebensziele Dharma, Artha und Kāma] annehmen.

Wort für Wort
iti
so (Partikel)
tam
ihn (Akk.Sg.)
vividha-upāyaiḥ
durch mancherlei Mittel (Instr.Pl.)
bhīṣayan
einschüchternd (Nom.Sg.Part.Präs.)
tarjana-ādibhiḥ
durch Drohungen u.a. (Instr.Pl.)
prahrādam
Prahlāda (Akk.Sg.)
grāhayām āsa
er ließ annehmen, lehrte (3.Sg.Kaus.Perf.)
tri-vargasya
der drei Lebensziele (Gen.Sg.)
upapādanam
die Darlegung (Akk.Sg.)

tata enaṁ gurur jñātvā jñāta-jñeya-catuṣṭayam daityendraṁ darśayām āsa mātṛ-mṛṣṭam alaṅkṛtam

Daraufhin, als der Lehrer erkannt hatte, dass dieser [Prahlāda] die vier zu wissenden [Grundsätze] erlernt hatte, führte er ihn, [von seiner] Mutter gewaschen und geschmückt, dem König der Daityas vor.

Wort für Wort
tataḥ
daraufhin (Adv.)
enam
ihn (Akk.Sg.)
guruḥ
der Lehrer (Nom.Sg.)
jñātvā
erkannt habend (Absolutiv)
jñāta-jñeya-catuṣṭayam
der die vier zu wissenden Dinge erkannt hatte (Akk.Sg.)
daitya-indram
dem König der Daityas (Akk.Sg.)
darśayām āsa
er führte vor (3.Sg.Kaus.Perf.)
mātṛ-mṛṣṭam
von der Mutter gewaschen (Akk.Sg.)
alaṅkṛtam
geschmückt (Akk.Sg.)

pādayoḥ patitaṁ bālaṁ pratinandyāśiṣāsuraḥ pariṣvajya ciraṁ dorbhyāṁ paramām āpa nirvṛtim

Der Asura [Hiraṇyakaśipu] begrüßte den Knaben, der sich ihm zu Füßen geworfen hatte, mit einem Segenswunsch, umarmte ihn lange mit beiden Armen und erlangte höchste Freude.

Wort für Wort
pādayoḥ
zu [seinen] Füßen (Lok.Du.)
patitam
gefallen (Akk.Sg.Part.)
bālam
den Knaben (Akk.Sg.)
pratinandya
begrüßt habend (Absolutiv)
āśiṣā
mit einem Segenswunsch (Instr.Sg.)
asuraḥ
der Asura (Nom.Sg.)
pariṣvajya
umarmt habend (Absolutiv)
ciram
lange (Adv.)
dorbhyām
mit den beiden Armen (Instr.Du.)
paramām
höchste (Akk.Sg.)
āpa
er erlangte (3.Sg.Perf.)
nirvṛtim
Freude, Zufriedenheit (Akk.Sg.)

Ab Vers 20 war vedabase.io dauerhaft blockiert (429/403 trotz mehrfacher Wartezyklen); Sanskrittext nach der lokalen GRETIL-Quelle (bhp_07u.htm), sandhi-getrennt und übersetzt eigenständig; kreuzgeprüft mit dem Wortlaut der zuvor erfolgreich von vedabase.io abgerufenen Verse.

āropyāṅkam avaghrāya mūrdhany aśru-kalāmbubhiḥ āsiñcan vikasad-vaktram idam āha yudhiṣṭhira

O Yudhiṣṭhira, er setzte ihn auf seinen Schoß, roch an seinem Haupt [zum Zeichen der Liebe], benetzte ihn mit Tränentropfen und sprach, sein Gesicht sich erhellend, Folgendes:

Wort für Wort
āropya
gesetzt habend (Absolutiv)
aṅkam
auf den Schoß (Akk.Sg.)
avaghrāya
gerochen habend [zum Zeichen der Zuneigung] (Absolutiv)
mūrdhani
am Haupt (Lok.Sg.)
aśru-kala-ambubhiḥ
mit sanft rinnenden Tränentropfen (Instr.Pl.)
āsiñcan
benetzend (Nom.Sg.Part.Präs.)
vikasat-vaktram
dessen Gesicht sich aufhellte (Nom.Sg.)
idam
dies (Akk.Sg.)
āha
er sprach (3.Sg.Perf.)
yudhiṣṭhira
o Yudhiṣṭhira (Vok.Sg.)

hiraṇyakaśipur uvāca prahrādānūcyatāṁ tāta sva-dhītaṁ kiñcid uttamam kālenaitāvatāyuṣman yad aśikṣad guror bhavān

Hiraṇyakaśipu sprach: Prahlāda, mein Kind, trage doch etwas Vortreffliches vor, das du selbst studiert hast - [etwas], das du, Langlebiger, in dieser [verstrichenen] Zeit von [deinem] Lehrer gelernt hast.

Wort für Wort
hiraṇyakaśipuḥ uvāca
Hiraṇyakaśipu sprach
prahrāda
Prahlāda (Vok.Sg.)
anūcyatām
es werde vorgetragen (3.Sg.Imp.Pass.)
tāta
lieber Sohn (Vok.Sg.)
sva-dhītam
von dir selbst Erlerntes (Akk.Sg.)
kiñcit
etwas (Akk.Sg.)
uttamam
Vortreffliches (Akk.Sg.)
kālena etāvatā
in dieser [verstrichenen] Zeit (Instr.Sg.)
āyuṣman
o Langlebiger (Vok.Sg.)
yat
was (Akk.Sg.)
aśikṣat
du hast gelernt (2.Sg.Impf.)
guroḥ
vom Lehrer (Abl.Sg.)
bhavān
du, Euer Ehren (Nom.Sg.)

śrī-prahrāda uvāca śravaṇaṁ kīrtanaṁ viṣṇoḥ smaraṇaṁ pāda-sevanam arcanaṁ vandanaṁ dāsyaṁ sakhyam ātma-nivedanam

Śrī Prahlāda sprach: Hören und Preisen [der Taten] Viṣṇus, Erinnern [an Ihn], Dienst an [Seinen] Füßen, Verehrung, Lobpreisung, Dienstbarkeit, Freundschaft, [gänzliche] Hingabe des Selbst -

Wort für Wort
śrī-prahrādaḥ uvāca
Śrī Prahlāda sprach
śravaṇam
das Hören (Nom.Sg.)
kīrtanam
das Preisen (Nom.Sg.)
viṣṇoḥ
Viṣṇus (Gen.Sg.)
smaraṇam
das Gedenken (Nom.Sg.)
pāda-sevanam
der Dienst an den Füßen (Nom.Sg.)
arcanam
die [rituelle] Verehrung (Nom.Sg.)
vandanam
die Lobpreisung (Nom.Sg.)
dāsyam
die Dienstbarkeit (Nom.Sg.)
sakhyam
die Freundschaft (Nom.Sg.)
ātma-nivedanam
die Hingabe des Selbst (Nom.Sg.)

Die berühmte Aufzählung der neun Formen der bhakti (navadhā bhakti); wird in Vers 24 fortgeführt.

iti puṁsārpitā viṣṇau bhaktiś cen nava-lakṣaṇā kriyeta bhagavaty addhā tan manye 'dhītam uttamam

Wenn diese so [beschriebene], aus neun Merkmalen bestehende Hingabe von einem Menschen dem Viṣṇu dargebracht, unmittelbar für den Erhabenen ausgeübt würde, so halte ich das für das vortrefflichste zu Erlernende.

Wort für Wort
iti
so, dies (Partikel)
puṁsā
von einem Menschen (Instr.Sg.)
arpitā
dargebracht (Nom.Sg.Fem.Part.)
viṣṇau
an Viṣṇu (Lok.Sg.)
bhaktiḥ
die Hingabe (Nom.Sg.)
cet
wenn (Konj.)
nava-lakṣaṇā
von neunfacher Beschaffenheit (Nom.Sg.)
kriyeta
sie würde ausgeübt (3.Sg.Opt.Pass.)
bhagavati
für den Erhabenen (Lok.Sg.)
addhā
unmittelbar (Adv.)
tat
das (Akk.Sg.)
manye
ich halte für (1.Sg.Präs.Med.)
adhītam
Erlerntes (Akk.Sg.)
uttamam
das Beste (Akk.Sg.)

niśamyaitat suta-vaco hiraṇyakaśipus tadā guru-putram uvācedaṁ ruṣā prasphuritādharaḥ

Als Hiraṇyakaśipu diese Worte seines Sohnes vernommen hatte, sprach er, die Lippe vor Zorn bebend, zu dem Sohn des Lehrers Folgendes:

Wort für Wort
niśamya
gehört habend (Absolutiv)
etat
dies (Akk.Sg.)
suta-vacaḥ
die Rede des Sohnes (Akk.Sg.)
hiraṇyakaśipuḥ
Hiraṇyakaśipu (Nom.Sg.)
tadā
da, dann (Adv.)
guru-putram
zum Sohn des Lehrers (Akk.Sg.)
uvāca
er sprach (3.Sg.Perf.)
idam
dies (Akk.Sg.)
ruṣā
vor Zorn (Instr.Sg.)
prasphurita-adharaḥ
dessen Lippe bebte (Nom.Sg.)

brahma-bandho kim etat te vipakṣaṁ śrayatāsatā asāraṁ grāhito bālo mām anādṛtya durmate

He, Unwürdiger unter den Brahmanen! Was soll das, dass du, der Übelgesinnte, der du dich der Gegenseite zugewandt hast, mich missachtend, dem Knaben Nichtiges beigebracht hast?

Wort für Wort
brahma-bandho
o unwürdiger Brahmane (Vok.Sg.)
kim
was (Interr.-Pron.)
etat
dies (Nom.Sg.)
te
dein, von dir (Gen.Sg.)
vipakṣam
der Gegenseite (Akk.Sg.)
śrayatā
der zuneigt (Instr.Sg.Part.)
asatā
unredlich (Instr.Sg.)
asāram
Wertloses (Akk.Sg.)
grāhitaḥ
zum Annehmen gebracht (Nom.Sg.Part.)
bālaḥ
der Knabe (Nom.Sg.)
mām
mich (Akk.Sg.)
anādṛtya
missachtend (Absolutiv)
durmate
o Übelgesinnter (Vok.Sg.)

santi hy asādhavo loke durmaitrāś chadma-veṣiṇaḥ teṣām udety agham kāle rogaḥ pātakinām iva

Fürwahr, es gibt in der Welt Übeltäter, falsche Freunde, die sich verkleiden; deren Übel kommt zur rechten Zeit zum Vorschein, wie bei Sündern die Krankheit.

Wort für Wort
santi
es gibt (3.Pl.Präs.)
hi
fürwahr (Partikel)
asādhavaḥ
Übeltäter (Nom.Pl.)
loke
in der Welt (Lok.Sg.)
durmaitrāḥ
falsche Freunde (Nom.Pl.)
chadma-veṣiṇaḥ
die sich verkleiden (Nom.Pl.)
teṣām
deren (Gen.Pl.)
udeti
kommt hervor (3.Sg.Präs.)
agham
das Übel (Nom.Sg.)
kāle
zur rechten Zeit (Lok.Sg.)
rogaḥ
die Krankheit (Nom.Sg.)
pātakinām
bei den Sündern (Gen.Pl.)
iva
wie (Partikel)

śrī-guru-putra uvāca na mat-praṇītaṁ na para-praṇītaṁ suto vadaty eṣa tavendra-śatro naisargikīyaṁ matir asya rājan niyaccha manyuṁ kad adāḥ sma mā naḥ

Der Sohn des Lehrers sprach: Weder von mir noch von einem anderen unterwiesen spricht dieser dein Sohn, o Feind Indras; dies ist seine angeborene Gesinnung, o König. Halte [deinen] Zorn zurück, tu uns nicht Böses.

Wort für Wort
śrī-guru-putraḥ uvāca
der Sohn des Lehrers sprach
na mat-praṇītam
nicht von mir gelehrt (Akk.Sg.)
na para-praṇītam
nicht von einem anderen gelehrt (Akk.Sg.)
sutaḥ
der Sohn (Nom.Sg.)
vadati
er spricht (3.Sg.Präs.)
eṣaḥ
dieser (Nom.Sg.)
tava
dein (Gen.Sg.)
indra-śatro
o Feind Indras (Vok.Sg.)
naisargikī iyam
dies ist angeboren (Nom.Sg.Fem.)
matiḥ
die Gesinnung (Nom.Sg.)
asya
seine (Gen.Sg.)
rājan
o König (Vok.Sg.)
niyaccha
halte zurück, zügle (2.Sg.Imp.)
manyum
den Zorn (Akk.Sg.)
kat [?]
übel, schlecht (Adv.)
adāḥ sma
du tatest (2.Sg.Aor.mit sma)
mā
nicht (Prohibitiv)
naḥ
uns (Akk.Pl.)

Pāda 2b ('kad adāḥ sma mā naḥ') ist in der GRETIL-Quelle ohne Worttrennung überliefert; die Auflösung (etwa 'mā kad adāḥ sma naḥ' - 'tu uns nicht Böses') ist eine eigene, unsichere Rekonstruktion [?], da für diesen Vers keine vedabase-Gloss verfügbar war.

śrī-nārada uvāca guruṇaivaṁ pratiprokto bhūya āhāsuraḥ sutam na ced guru-mukhīyaṁ te kuto 'bhadrāsatī matiḥ

Śrī Nārada sprach: So vom Lehrer erwidert, sprach der Asura [Hiraṇyakaśipu] abermals zu [seinem] Sohn: 'Wenn diese [Lehre] bei dir nicht aus dem Mund des Lehrers stammt, woher [kommt] dann diese unheilvolle, falsche Gesinnung?'

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
Śrī Nārada sprach
guruṇā
vom Lehrer (Instr.Sg.)
evam
so (Adv.)
pratiproktaḥ
erwidert (Nom.Sg.Part.)
bhūyaḥ
wiederum (Adv.)
āha
er sprach (3.Sg.Perf.)
asuraḥ
der Asura (Nom.Sg.)
sutam
zum Sohn (Akk.Sg.)
na cet
wenn nicht (Konj.+Neg.)
guru-mukhī
aus dem Mund des Lehrers stammend (Nom.Sg.Fem.)
iyam
diese (Nom.Sg.)
te
dein, bei dir (Gen.Sg.)
kutaḥ
woher (Adv.)
abhadrā
unheilvoll (Nom.Sg.Fem.)
asatī
falsch, unwirklich (Nom.Sg.Fem.)
matiḥ
Gesinnung (Nom.Sg.)

śrī-prahrāda uvāca matir na kṛṣṇe parataḥ svato vā mitho 'bhipadyeta gṛha-vratānām adānta-gobhir viśatāṁ tamisraṁ punaḥ punaś carvita-carvaṇānām

Śrī Prahlāda sprach: Bei denen, deren Gelübde das Hausleben ist, entsteht keine Hinwendung zu Kṛṣṇa - weder durch einen anderen, noch von selbst, noch untereinander -, bei denen, die mit unbezähmten Sinnen immer wieder in die Finsternis eingehen, die immer wieder das schon Gekaute kauen.

Wort für Wort
śrī-prahrādaḥ uvāca
Śrī Prahlāda sprach
matiḥ
die Gesinnung (Nom.Sg.)
na
nicht (Negation)
kṛṣṇe
zu Kṛṣṇa (Lok.Sg.)
parataḥ
von einem anderen (Adv./Abl.)
svataḥ
von selbst (Adv.)
vā
oder (Konj.)
mithaḥ
gegenseitig (Adv.)
abhipadyeta
sie entstünde (3.Sg.Opt.Med.)
gṛha-vratānām
derer, deren Gelübde das Hausleben ist (Gen.Pl.)
adānta-gobhiḥ
durch unbezähmte Sinne (Instr.Pl.)
viśatām
die eingehen (Gen.Pl.Part.)
tamisram
in die Finsternis (Akk.Sg.)
punaḥ punaḥ
immer wieder (Adv.)
carvita-carvaṇānām
derer, die das schon Gekaute [wieder] kauen (Gen.Pl.)

na te viduḥ svārtha-gatiṁ hi viṣṇuṁ durāśayā ye bahir-artha-māninaḥ andhā yathāndhair upanīyamānās te 'pīśa-tantryām uru-dāmni baddhāḥ

Sie kennen wahrlich nicht Viṣṇu, das Ziel ihres eigenen wahren Nutzens, [diese] von böser Hoffnung [Erfüllten], die äußere Dinge für [wesentlich] halten; wie Blinde, von Blinden geführt, sind auch sie an das große, vom Herrn gelenkte Band gefesselt.

Wort für Wort
na te viduḥ
sie wissen nicht (3.Pl.Perf.)
sva-artha-gatim
das Ziel des eigenen Nutzens (Akk.Sg.)
hi
wahrlich (Partikel)
viṣṇum
Viṣṇu (Akk.Sg.)
durāśayāḥ
von böser Hoffnung (Nom.Pl.)
ye
die (Nom.Pl.Rel.)
bahiḥ-artha-māninaḥ
die äußere Dinge für wesentlich halten (Nom.Pl.)
andhāḥ
Blinde (Nom.Pl.)
yathā
wie (Adv.)
andhaiḥ
von Blinden (Instr.Pl.)
upanīyamānāḥ
geführt werdend (Nom.Pl.Part.Präs.Pass.)
te
sie (Nom.Pl.)
api
auch (Partikel)
īśa-tantryām
an das vom Herrn [gelenkte] Band (Lok.Sg.)
uru-dāmni
an das große Band (Lok.Sg.)
baddhāḥ
gefesselt (Nom.Pl.Part.)

naiṣāṁ matis tāvad urukramāṅghriṁ spṛśaty anarthāpagamo yad-arthaḥ mahīyasāṁ pāda-rajo-'bhiṣekaṁ niṣkiñcanānāṁ na vṛṇīta yāvat

Solange man nicht die Besprengung mit dem Fußstaub der Großen, der Besitzlosen, wählt, solange berührt der Geist dieser [Menschen] nicht die Füße dessen, der weite Schritte macht [Viṣṇu], dessen [Berühren] den Zweck hat, das Unheilvolle zu beseitigen.

Wort für Wort
na eṣām matiḥ
der Geist dieser [Menschen] nicht (Nom.Sg.+Gen.Pl.)
tāvat
so lange (Adv.)
urukrama-aṅghrim
die Füße dessen, der weite Schritte macht [Viṣṇu] (Akk.Sg.)
spṛśati
er berührt (3.Sg.Präs.)
anartha-apagamaḥ
die Beseitigung des Unheils (Nom.Sg.)
yat-arthaḥ
dessen Zweck (Nom.Sg.)
mahīyasām
der Großen (Gen.Pl.)
pāda-rajaḥ-abhiṣekam
die Besprengung mit dem Fußstaub (Akk.Sg.)
niṣkiñcanānām
der Besitzlosen (Gen.Pl.)
na vṛṇīta
er wählt nicht (3.Sg.Opt.)
yāvat
solange (Adv.)

ity uktvoparataṁ putraṁ hiraṇyakaśipū ruṣā andhīkṛtātmā svotsaṅgān nirasyata mahī-tale

Nachdem [Prahlāda] dies gesagt hatte und verstummt war, warf Hiraṇyakaśipu, vor Zorn wie geblendet, ihn von seinem eigenen Schoß zu Boden.

Wort für Wort
iti uktvā
so gesagt habend (Absolutiv)
uparatam
verstummten (Akk.Sg.Part.)
putram
den Sohn (Akk.Sg.)
hiraṇyakaśipuḥ
Hiraṇyakaśipu (Nom.Sg.)
ruṣā
vor Zorn (Instr.Sg.)
andhīkṛta-ātmā
dessen Geist geblendet war (Nom.Sg.)
sva-utsaṅgāt
vom eigenen Schoß (Abl.Sg.)
nirasyata
er warf hinab (3.Sg.Impf.Med.)
mahī-tale
auf die Erdoberfläche (Lok.Sg.)

āhāmarṣa-ruṣāviṣṭaḥ kaṣāyī-bhūta-locanaḥ vadhyatām āśv ayaṁ vadhyo niḥsārayata nairṛtāḥ

Von Empörung und Zorn ergriffen, die Augen rötlich-braun geworden, sprach er: 'Er werde sogleich getötet! Dieser ist zu töten! Schafft ihn fort, ihr Rākṣasas!'

Wort für Wort
āha
er sprach (3.Sg.Perf.)
amarṣa-ruṣā-āviṣṭaḥ
von Empörung und Zorn ergriffen (Nom.Sg.)
kaṣāyī-bhūta-locanaḥ
dessen Augen rötlich-braun wurden (Nom.Sg.)
vadhyatām
er werde getötet (3.Sg.Imp.Pass.)
āśu
sogleich (Adv.)
ayam
dieser (Nom.Sg.)
vadhyaḥ
zu töten (Nom.Sg.Ger.)
niḥsārayata
schafft hinaus (2.Pl.Imp.)
nairṛtāḥ
o Rākṣasas (Vok.Pl.)

ayaṁ me bhrātṛ-hā so 'yaṁ hitvā svān suhṛdo 'dhamaḥ pitṛvya-hantuḥ pādau yo viṣṇor dāsavad arcati

Dieser [Viṣṇu] ist der Mörder meines Bruders; eben dieser Niedrigste [mein Sohn], der die Seinen, die Wohlgesinnten, verlassen hat, verehrt wie ein Sklave die Füße des Mörders seines Onkels, [nämlich] Viṣṇus.

Wort für Wort
ayam
dieser (Nom.Sg.)
me
mein (Gen.Sg.)
bhrātṛ-hā
der Mörder des Bruders (Nom.Sg.)
saḥ ayam
eben dieser (Nom.Sg.)
hitvā
verlassen habend (Absolutiv)
svān
die Eigenen (Akk.Pl.)
suhṛdaḥ
Wohlgesinnte (Akk.Pl.)
adhamaḥ
der Niedrigste (Nom.Sg.)
pitṛvya-hantuḥ
des Mörders des Onkels (Gen.Sg.)
pādau
die beiden Füße (Akk.Du.)
yaḥ
der (Nom.Sg.Rel.)
viṣṇoḥ
Viṣṇus (Gen.Sg.)
dāsa-vat
wie ein Diener (Adv.)
arcati
er verehrt (3.Sg.Präs.)

viṣṇor vā sādhv asau kiṁ nu kariṣyaty asamañjasaḥ sauhṛdaṁ dustyajaṁ pitror ahādyaḥ pañca-hāyanaḥ

Was Gutes wird dieser widersinnige [Knabe] wohl für Viṣṇu tun? Obwohl er erst fünf Jahre [alt ist], hat er heute schon die schwer aufzugebende Zuneigung zu [seinen] Eltern aufgegeben.

Wort für Wort
viṣṇoḥ
für Viṣṇu (Gen.Sg.)
vā
etwa (Partikel)
sādhu
Gutes (Akk./Adv.)
asau
dieser (Nom.Sg.)
kim nu
was denn (Interr.)
kariṣyati
er wird tun (3.Sg.Fut.)
asamañjasaḥ
der Widersinnige (Nom.Sg.)
sauhṛdam
die Zuneigung (Akk.Sg.)
dustyajam
schwer aufzugeben (Akk.Sg.)
pitroḥ
der Eltern (Gen.Du.)
aha [?]
er gab auf (3.Sg.Aor.)
adya
heute (Adv.)
yaḥ
der (Nom.Sg.)
pañca-hāyanaḥ
fünfjährig (Nom.Sg.)

Die sandhi-verschmolzene Form 'ahādyaḥ' (Pāda 2, aus ahāt + adya + yaḥ) wurde eigenständig aufgelöst [?]; für diesen Vers war vedabase.io nicht erreichbar.

paro 'py apatyaṁ hita-kṛd yathauṣadhaṁ sva-deha-jo 'py āmayavat suto 'hitaḥ chindyāt tad aṅgaṁ yad utātmano 'hitaṁ śeṣaṁ sukhaṁ jīvati yad-vivarjanāt

Selbst ein Fremder kann wie eine Arznei nützlich sein, während selbst ein aus dem eigenen Leib geborener Sohn, wenn er wie eine Krankheit ist, schädlich ist. Man schneide jenes Körperglied ab, welches dem eigenen [Körper] schädlich ist - der Rest lebt glücklich weiter, weil man es abgetrennt hat.

Wort für Wort
paraḥ
ein Fremder (Nom.Sg.)
api
selbst (Partikel)
apatyam
ein Kind (Nom.Sg., prädikativ)
hita-kṛt
Nützliches wirkend (Nom.Sg.)
yathā
wie (Adv.)
auṣadham
eine Arznei (Nom.Sg.)
sva-deha-jaḥ
aus dem eigenen Leib geboren (Nom.Sg.)
api
selbst (Partikel)
āmayavat
wie eine Krankheit (Adv.)
sutaḥ
der Sohn (Nom.Sg.)
ahitaḥ
schädlich (Nom.Sg.)
chindyāt
man schneide ab (3.Sg.Opt.)
tat
jenes (Akk.Sg.)
aṅgam
Körperglied (Akk.Sg.)
yat
welches (Nom./Akk.Sg.)
uta
fürwahr (Partikel)
ātmanaḥ
dem Selbst (Gen.Sg.)
ahitam
schädlich (Nom.Sg.)
śeṣam
der Rest (Nom.Sg.)
sukham
glücklich (Adv.)
jīvati
er lebt (3.Sg.Präs.)
yat-vivarjanāt
wegen dessen Trennung (Abl.Sg.)

sarvair upāyair hantavyaḥ sambhoja-śayanāsanaiḥ suhṛl-liṅga-dharaḥ śatrur muner duṣṭam ivendriyam

Mit allen Mitteln ist er zu töten - auch durch [den Vorwand von] gemeinsamem Essen, Schlafen und Sitzen -, ein Feind, der das Aussehen eines Freundes trägt, wie [man] ein verdorbenes Sinnesorgan eines Weisen [entfernt].

Wort für Wort
sarvaiḥ upāyaiḥ
mit allen Mitteln (Instr.Pl.)
hantavyaḥ
zu töten (Nom.Sg.Ger.)
sambhoja-śayana-āsanaiḥ
durch gemeinsames Essen, Liegen, Sitzen (Instr.Pl.)
suhṛt-liṅga-dharaḥ
der das Kennzeichen eines Freundes trägt (Nom.Sg.)
śatruḥ
der Feind (Nom.Sg.)
muneḥ
eines Weisen (Gen.Sg.)
duṣṭam
verdorben (Akk.Sg.)
iva
wie (Partikel)
indriyam
das Sinnesorgan (Akk.Sg.)

nairṛtās te samādiṣṭā bhartrā vai śūla-pāṇayaḥ tigma-daṁṣṭra-karālāsyās tāmra-śmaśru-śiroruhāḥ

Jene Rākṣasas, von ihrem Herrn befehligt, mit Dreizacken in den Händen, mit furchterregenden Gesichtern und scharfen Fangzähnen, mit kupferfarbenem Bart und Haupthaar -

Wort für Wort
nairṛtāḥ
die Rākṣasas (Nom.Pl.)
te
jene (Nom.Pl.)
samādiṣṭāḥ
befohlen (Nom.Pl.Part.)
bhartrā
vom Herrn (Instr.Sg.)
vai
fürwahr (Partikel)
śūla-pāṇayaḥ
mit Dreizacken in der Hand (Nom.Pl.)
tigma-daṁṣṭra-karāla-āsyāḥ
mit furchtbaren Gesichtern und scharfen Zähnen (Nom.Pl.)
tāmra-śmaśru-śiroruhāḥ
mit kupferfarbenem Bart und Kopfhaar (Nom.Pl.)

nadanto bhairavaṁ nādaṁ chindhi bhindhīti vādinaḥ āsīnaṁ cāhanan śūlaiḥ prahrādaṁ sarva-marmasu

Ein furchterregendes Gebrüll ausstoßend, 'Zerschneide! Durchbohre!' rufend, schlugen sie den [ruhig] sitzenden Prahlāda mit [ihren] Dreizacken an allen empfindlichen Stellen [seines Körpers].

Wort für Wort
nadantaḥ
brüllend (Nom.Pl.Part.)
bhairavam nādam
ein furchterregendes Gebrüll (Akk.Sg.)
chindhi
zerschneide! (2.Sg.Imp.)
bhindhi
durchbohre! (2.Sg.Imp.)
iti vādinaḥ
so rufend (Nom.Pl.Part.)
āsīnam
den sitzenden (Akk.Sg.Part.)
ca ahanan
und sie schlugen (3.Pl.Impf.)
śūlaiḥ
mit Dreizacken (Instr.Pl.)
prahrādam
Prahlāda (Akk.Sg.)
sarva-marmasu
an allen empfindlichen Stellen (Lok.Pl.)

pare brahmaṇy anirdeśye bhagavaty akhilātmani yuktātmany aphalā āsann apuṇyasyeva sat-kriyāḥ

Gegenüber dem höchsten, unbestimmbaren Brahman, dem Erhabenen, der Seele von allem - bei ihm [Prahlāda], dessen Geist [auf Ihn] gerichtet war - blieben [die Schläge] wirkungslos, wie fromme Werke bei einem Unverdienstvollen [ohne Frucht bleiben].

Wort für Wort
pare brahmaṇi
im höchsten Brahman (Lok.Sg.)
anirdeśye
im unbestimmbaren (Lok.Sg.)
bhagavati
im Erhabenen (Lok.Sg.)
akhila-ātmani
der die Seele von allem ist (Lok.Sg.)
yukta-ātmani
dessen Geist darauf gerichtet war (Lok.Sg.)
aphalāḥ
fruchtlos (Nom.Pl.)
āsan
sie waren (3.Pl.Impf.)
apuṇyasya
eines Unverdienstvollen (Gen.Sg.)
iva
wie (Partikel)
sat-kriyāḥ
fromme Werke (Nom.Pl.)

prayāse 'pahate tasmin daityendraḥ pariśaṅkitaḥ cakāra tad-vadhopāyān nirbandhena yudhiṣṭhira

Als jener Versuch vereitelt worden war, o Yudhiṣṭhira, ersann der König der Daityas, von Argwohn erfüllt, mit Beharrlichkeit Mittel, ihn zu töten.

Wort für Wort
prayāse apahate
als jener Versuch vereitelt war (Lok.Sg.Absol.)
tasmin
in jenem (Lok.Sg.)
daityendraḥ
der König der Daityas (Nom.Sg.)
pariśaṅkitaḥ
argwöhnisch geworden (Nom.Sg.)
cakāra
er machte (3.Sg.Perf.)
tat-vadha-upāyān
Mittel zu dessen Tötung (Akk.Pl.)
nirbandhena
mit Beharrlichkeit (Instr.Sg.)
yudhiṣṭhira
o Yudhiṣṭhira (Vok.Sg.)

dig-gajair danda-śūkendrair abhicārāvapātanaiḥ māyābhiḥ sannirodhaiś ca garadānair abhojanaiḥ

Mit [Angriffen durch] Elefanten der Himmelsrichtungen, mit mächtigen Giftschlangen, mit schwarzer Magie und Hinabstürzen [von Höhen], mit Blendwerken, mit Einkerkerungen, mit Giftgaben, mit Nahrungsentzug -

Wort für Wort
dik-gajaiḥ
durch Elefanten der Himmelsrichtungen (Instr.Pl.)
daṇḍa-śūka-indraiḥ
durch mächtige Giftschlangen (Instr.Pl.)
abhicāra-avapātanaiḥ
durch schwarze Magie und Hinabstürzen (Instr.Pl.)
māyābhiḥ
durch Blendwerk (Instr.Pl.)
sannirodhaiḥ
durch Einkerkerungen (Instr.Pl.)
ca
und (Partikel)
garadānaiḥ
durch Giftverabreichung (Instr.Pl.)
abhojanaiḥ
durch Nahrungsentzug (Instr.Pl.)

hima-vāyv-agni-salilaiḥ parvatākramaṇair api na śaśāka yadā hantum apāpam asuraḥ sutam cintāṁ dīrghatamāṁ prāptas tat-kartuṁ nābhyapadyata

Durch Kälte, Wind, Feuer, Wasser und auch durch das Über-ihn-Rollen-Lassen von Bergen - als der Asura [seinen] sündlosen Sohn [dadurch] nicht zu töten vermochte, verfiel er in tiefste Sorge und vermochte es nicht zu vollbringen.

Wort für Wort
hima-vāyu-agni-salilaiḥ
durch Kälte, Wind, Feuer, Wasser (Instr.Pl.)
parvata-ākramaṇaiḥ
durch Überrollen mit Bergen (Instr.Pl.)
api
auch (Partikel)
na śaśāka
er vermochte nicht (3.Sg.Perf.)
yadā
als (Konj.)
hantum
zu töten (Inf.)
apāpam
den Sündlosen (Akk.Sg.)
asuraḥ
der Asura (Nom.Sg.)
sutam
den Sohn (Akk.Sg.)
cintām dīrghatamām
tiefste Sorge (Akk.Sg.)
prāptaḥ
geraten (Nom.Sg.Part.)
tat-kartum
dies zu tun (Inf.)
na abhyapadyata
er vermochte nicht (3.Sg.Impf.Med.)

eṣa me bahv asādhūkto vadhopāyāś ca nirmitāḥ tais tair drohair asad-dharmair muktaḥ svenaiva tejasā

[Er dachte:] 'Vielfach wurde er von mir übel behandelt, und Mittel zu [seiner] Tötung wurden ersonnen; durch alle diese Untaten, diese unrechten Handlungen, wurde er [dennoch unversehrt] allein durch seine eigene Kraft befreit.'

Wort für Wort
eṣaḥ
dieser (Nom.Sg.)
me
von mir (Instr.Sg.)
bahu
vielfach (Adv.)
asādhu
Übles (Akk./Adv.)
uktaḥ
genannt, behandelt (Nom.Sg.Part.)
vadha-upāyāḥ
Mittel der Tötung (Nom.Pl.)
ca
und (Partikel)
nirmitāḥ
ersonnen (Nom.Pl.Part.)
tais taiḥ
durch diese und jene (Instr.Pl.)
drohaiḥ
durch Untaten (Instr.Pl.)
asat-dharmaiḥ
durch unrechte Handlungen (Instr.Pl.)
muktaḥ
befreit (Nom.Sg.Part.)
svena eva tejasā
durch seine eigene Kraft allein (Instr.Sg.)

vartamāno 'vidūre vai bālo 'py ajaḍa-dhīr ayam na vismarati me 'nāryaṁ śunaḥ śepa iva prabhuḥ

Dieser [ist], obwohl [nur] ein Kind, gegenwärtig ganz in der Nähe, doch von scharfem Verstand; er, der Mächtige, vergisst meine Unwürdigkeit nicht - wie [der stets zur Krümmung neigende] Schwanz eines Hundes [in seine alte Form zurückkehrt] [?].

Wort für Wort
vartamānaḥ
gegenwärtig seiend (Nom.Sg.)
avidūre
in der Nähe (Adv.)
vai
fürwahr (Partikel)
bālaḥ
ein Kind (Nom.Sg.)
api
obwohl (Partikel)
ajaḍa-dhīḥ
von scharfem Verstand (Nom.Sg.)
ayam
dieser (Nom.Sg.)
na vismarati
er vergisst nicht (3.Sg.Präs.)
me
meine (Gen.Sg.)
anāryam
Unwürdige [Tat] (Akk.Sg.)
śunaḥ
eines Hundes (Gen.Sg.)
śepaḥ
der Schwanz (Nom.Sg.)
iva
wie (Partikel)
prabhuḥ
der Mächtige (Nom.Sg.)

Der Vergleich 'śunaḥ śepa iva' (wie der Schwanz eines Hundes) ist ein sprichwörtliches Bild für etwas, das trotz Bemühens in seine ursprüngliche, gekrümmte Form zurückkehrt; die genaue Anwendung im Kontext bleibt unsicher [?].

aprameyānubhāvo 'yam akutaścid-bhayo 'maraḥ nūnam etad virodhena mṛtyur me bhavitā na vā

Dieser [Knabe] ist von unermesslicher Macht, furchtlos von jeglicher Seite, [gleichsam] unsterblich. Gewiss wird mir durch diese Feindschaft der Tod [beschieden sein] - oder auch nicht.

Wort für Wort
aprameya-anubhāvaḥ
von unermesslicher Macht (Nom.Sg.)
ayam
dieser (Nom.Sg.)
akutaścid-bhayaḥ
von nirgendwoher Furcht habend (Nom.Sg.)
amaraḥ
unsterblich (Nom.Sg.)
nūnam
gewiss (Adv.)
etat
dies (Akk.Sg.)
virodhena
durch diese Feindschaft (Instr.Sg.)
mṛtyuḥ
der Tod (Nom.Sg.)
me
mir (Gen.Sg.)
bhavitā
wird sein (3.Sg.periphr.Fut.)
na vā
oder nicht (Partikel)

iti tac-cintayā kiñcin mlāna-śriyam adho-mukham śaṇḍāmarkāv auśanasau vivikta iti hocatuḥ

So sprachen, [als sie ihn] wegen jener Sorge etwas glanzlos und mit gesenktem Gesicht [sahen], Ṣaṇḍa und Amarka, die [Söhne] des Uśanas [Śukra], im Verborgenen Folgendes:

Wort für Wort
iti
so (Partikel)
tat-cintayā
wegen jener Sorge (Instr.Sg.)
kiñcit
ein wenig (Adv.)
mlāna-śriyam
dessen Glanz verblasst war (Akk.Sg.)
adhaḥ-mukham
mit gesenktem Gesicht (Akk.Sg.)
śaṇḍa-amarkau
Ṣaṇḍa und Amarka (Nom.Du.)
auśanasau
die beiden Söhne des Uśanas (Nom.Du.)
vivikte
im Verborgenen (Lok.Sg.)
iti ha ūcatuḥ
so sprachen sie beide fürwahr (3.Du.Perf.)

jitaṁ tvayaikena jagat-trayaṁ bhruvor vijṛmbhaṇa-trasta-samasta-dhiṣṇya-pam na tasya cintyaṁ tava nātha cakṣvahe na vai śiśūnāṁ guṇa-doṣayoḥ padam

Von dir allein wurde die dreifache Welt besiegt, deren sämtliche Beherrscher der Himmelsregionen [schon] durch das bloße Zusammenziehen deiner Augenbrauen erschreckt werden. Um ihn brauchst du, o Herr, dir keine Sorgen zu machen - wir sagen [dir]: Bei Kindern gibt es ohnehin keinen festen Grund für [ihre] guten oder schlechten Eigenschaften.

Wort für Wort
jitam
besiegt (Nom.Sg.Part.)
tvayā ekena
von dir allein (Instr.Sg.)
jagat-trayam
die dreifache Welt (Nom.Sg.)
bhruvoḥ
der beiden Augenbrauen (Gen.Du.)
vijṛmbhaṇa-trasta-samasta-dhiṣṇya-pam
deren sämtliche Herrscher der Himmelssitze durch das Erheben [der Brauen] erschreckt wurden (Nom.Sg.)
na tasya cintyam
dessentwegen ist nichts zu bedenken (Nom.Sg.Ger.)
tava
dir (Gen.Sg.)
nātha
o Herr (Vok.Sg.)
cakṣvahe
wir sagen (1.Pl.Präs.Med.)
na vai
fürwahr nicht (Partikel)
śiśūnām
der Kinder (Gen.Pl.)
guṇa-doṣayoḥ
von Tugend und Fehler (Gen.Du.)
padam
der feste Grund (Nom.Sg.)

imaṁ tu pāśair varuṇasya baddhvā nidhehi bhīto na palāyate yathā buddhiś ca puṁso vayasārya-sevayā yāvad guru bhārgava āgamiṣyati

Diesen aber binde mit den Fesseln Varuṇas und halte ihn fest, damit er nicht aus Furcht entflieht - und [lass ihn reifen, denn] die Einsicht eines Menschen [wächst] mit dem Alter und durch Dienst an den Edlen - bis der Lehrer, der Nachkomme Bhṛgus, zurückkehrt.

Wort für Wort
imam
diesen (Akk.Sg.)
tu
aber (Partikel)
pāśaiḥ varuṇasya
mit den Fesseln Varuṇas (Instr.Pl.)
baddhvā
gebunden habend (Absolutiv)
nidhehi
halte fest (2.Sg.Imp.)
bhītaḥ
erschrocken (Nom.Sg.)
na palāyate
er flieht nicht (3.Sg.Präs.)
yathā
damit (Konj.)
buddhiḥ
die Einsicht (Nom.Sg.)
ca
und (Partikel)
puṁsaḥ
eines Menschen (Gen.Sg.)
vayasā
mit dem Alter (Instr.Sg.)
ārya-sevayā
durch den Dienst an den Edlen (Instr.Sg.)
yāvat
solange bis (Konj.)
guruḥ
der Lehrer (Nom.Sg.)
bhārgava
der Nachkomme Bhṛgus (Nom.Sg.)
āgamiṣyati
er wird zurückkehren (3.Sg.Fut.)

tatheti guru-putroktam anujñāyedam abravīt dharmo hy asyopadeṣṭavyo rājñāṁ yo gṛha-medhinām

'So sei es', sprach er, dem Vorschlag des Lehrersohnes zustimmend, und fügte hinzu: 'Ihm soll fürwahr jene Pflicht gelehrt werden, die für haushälterische Könige [gilt].'

Wort für Wort
tathā iti
'so sei es' (Ausdruck der Zustimmung)
guru-putra-uktam
das vom Sohn des Lehrers Gesagte (Akk.Sg.)
anujñāya
zugestimmt habend (Absolutiv)
idam
dies (Akk.Sg.)
abravīt
er sagte (3.Sg.Impf.)
dharmaḥ
die Pflicht (Nom.Sg.)
hi
fürwahr (Partikel)
asya
ihm (Dat.Sg.)
upadeṣṭavyaḥ
zu lehren (Nom.Sg.Ger.)
rājñām
der Könige (Gen.Pl.)
yaḥ
welche (Nom.Sg.)
gṛha-medhinām
der Haushälter (Gen.Pl.)

dharmam arthaṁ ca kāmaṁ ca nitarāṁ cānupūrvaśaḥ prahrādāyocatū rājan praśritāvanatāya ca

Dharma, Artha und Kāma, ausführlich und der Reihe nach, verkündeten die beiden dem Prahlāda, o König, der [ihnen gegenüber] ehrerbietig und demütig war.

Wort für Wort
dharmam
Dharma (Akk.Sg.)
artham
Artha (Akk.Sg.)
ca
und (Partikel)
kāmam
Kāma (Akk.Sg.)
ca
und (Partikel)
nitarām
ganz, ausführlich (Adv.)
ca
und (Partikel)
anupūrvaśaḥ
der Reihe nach (Adv.)
prahrādāya
dem Prahlāda (Dat.Sg.)
ūcatuḥ
sie beide sprachen (3.Du.Perf.)
rājan
o König (Vok.Sg.)
praśrita-avanatāya
dem ehrerbietig Gebeugten (Dat.Sg.)
ca
und (Partikel)

yathā tri-vargaṁ gurubhir ātmana upaśikṣitam na sādhu mene tac chikṣāṁ dvandvārāmopavarṇitām

So wie [ihm] von den Lehrern die drei [Lebensziele] für sich selbst gelehrt worden waren, hielt er jene Unterweisung, die als Ergötzen an den Gegensatzpaaren [des weltlichen Lebens] geschildert wurde, nicht für gut.

Wort für Wort
yathā
so wie (Adv.)
tri-vargam
das Dreiergefüge [Dharma, Artha, Kāma] (Akk.Sg.)
gurubhiḥ
von den Lehrern (Instr.Pl.)
ātmanaḥ
für sich selbst (Gen.Sg.)
upaśikṣitam
gelehrt (Nom./Akk.Sg.Part.)
na sādhu mene
er hielt es nicht für gut (3.Sg.Perf.Med.)
tat śikṣām
jene Unterweisung (Akk.Sg.)
dvandva-ārāma
Ergötzen an den Gegensatzpaaren (Kompositum)
upavarṇitām
beschrieben (Akk.Sg.)

yadācāryaḥ parāvṛtto gṛha-medhīya-karmasu vayasyair bālakais tatra sopahūtaḥ kṛta-kṣaṇaiḥ

Als der Lehrer mit haushälterischen Angelegenheiten beschäftigt war, wurde er [Prahlāda] dort von [seinen] Altersgefährten, den Knaben, die eine [günstige] Gelegenheit gefunden hatten, herbeigerufen.

Wort für Wort
yadā
als (Konj.)
ācāryaḥ
der Lehrer (Nom.Sg.)
parāvṛttaḥ
abgewandt, beschäftigt (Nom.Sg.Part.)
gṛha-medhīya-karmasu
in haushälterischen Angelegenheiten (Lok.Pl.)
vayasyaiḥ
von den Altersgefährten (Instr.Pl.)
bālakaiḥ
von den Knaben (Instr.Pl.)
tatra
dort (Adv.)
saḥ upahūtaḥ
er wurde herbeigerufen (Nom.Sg.Part.)
kṛta-kṣaṇaiḥ
die eine Gelegenheit gefunden hatten (Instr.Pl.)

atha tān ślakṣṇayā vācā pratyāhūya mahā-budhaḥ uvāca vidvāṁs tan-niṣṭhāṁ kṛpayā prahasann iva

Da rief der Hochgelehrte sie mit sanfter Stimme herbei und sprach, [ihre] Versunkenheit [in das Spiel] kennend, gleichsam mitleidig lächelnd, [zu ihnen]:

Wort für Wort
atha
da (Adv.)
tān
sie (Akk.Pl.)
ślakṣṇayā vācā
mit sanfter Stimme (Instr.Sg.)
pratyāhūya
herbeigerufen habend (Absolutiv)
mahā-budhaḥ
der Hochgelehrte (Nom.Sg.)
uvāca
er sprach (3.Sg.Perf.)
vidvān
der Wissende (Nom.Sg.)
tat-niṣṭhām
deren Versunkenheit (Akk.Sg.)
kṛpayā
aus Mitleid (Instr.Sg.)
prahasan iva
gleichsam lächelnd (Nom.Sg.Part.)

te tu tad-gauravāt sarve tyakta-krīḍā-paricchadāḥ bālā adūṣita-dhiyo dvandvārāmeritehitaiḥ

Sie aber, alle Knaben von unverdorbenem Verstand, ließen aus Ehrerbietung ihm gegenüber [ihr] Spielzeug fahren, [obwohl sie sonst] durch die aus der Freude an den Gegensatzpaaren [des weltlichen Lebens] hervorgehenden Regungen [angetrieben wurden].

Wort für Wort
te
sie (Nom.Pl.)
tu
aber (Partikel)
tat-gauravāt
aus Ehrfurcht vor ihm (Abl.Sg.)
sarve
alle (Nom.Pl.)
tyakta-krīḍā-paricchadāḥ
die ihr Spielzeug aufgegeben hatten (Nom.Pl.)
bālāḥ
die Knaben (Nom.Pl.)
adūṣita-dhiyaḥ
von unverdorbenem Verstand (Nom.Pl.)
dvandva-ārāma
Ergötzen an Gegensatzpaaren (Kompositum)
īrita-īhitaiḥ
durch [davon] angeregte Regungen (Instr.Pl.)

Der Satz wird sinngemäß in Vers 57 fortgeführt (paryupāsata).

paryupāsata rājendra tan-nyasta-hṛdayekṣaṇāḥ tān āha karuṇo maitro mahā-bhāgavato 'suraḥ

Sie saßen um ihn versammelt, o Herrscher der Könige, Herz und Augen auf ihn gerichtet. Zu ihnen sprach der mitfühlende, freundliche [Prahlāda], der große Gottgeweihte unter den Asuras.

Wort für Wort
paryupāsata
sie saßen um [ihn] versammelt (3.Pl.Impf.Med.)
rājendra
o Herrscher der Könige (Vok.Sg.)
tat-nyasta-hṛdaya-īkṣaṇāḥ
deren Herz und Blick auf ihn gerichtet war (Nom.Pl.)
tān
zu ihnen (Akk.Pl.)
āha
er sprach (3.Sg.Perf.)
karuṇaḥ
der Mitfühlende (Nom.Sg.)
maitraḥ
der Freundliche (Nom.Sg.)
mahā-bhāgavataḥ
der große Gottgeweihte (Nom.Sg.)
asuraḥ
der Asura (Nom.Sg.)

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