Kapitel 143
Prahlāda Mahārāja, der fromme Sohn Hiraṇyakaśipus
Ab Vers 10 (teilweise) und durchgehend ab Vers 20 war vedabase.io trotz mehrfacher Wartezyklen (429/403) nicht erreichbar. Fuer diese Verse wurde der Sanskrit-Text der lokalen GRETIL-Quelldatei (.../3_purana/bhagp/bhp_07u.htm, BhP_07.05.xxx) entnommen, mit den zuvor erfolgreich von vedabase.io abgerufenen Versen (1-9, 11-19) kreuzgeprueft (identischer Wortlaut), und Uebersetzung sowie Wort-fuer-Wort-Analyse vollstaendig eigenstaendig erarbeitet. Einzelne unsichere Sandhi-Aufloesungen bzw. Lesarten sind mit [?] markiert (Verse 28, 36, 46).
Śrī Nārada sprach: Der erhabene Kāvya [Śukrācārya] wurde von den Asuras fürwahr zum Priesteramt erwählt; seine beiden Söhne Ṣaṇḍa und Amarka [weilten] in der Nähe des Palastes des Daitya-Königs.
Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
Śrī Nārada sprach (3.Sg.Perf.)
paurohityāya
für das Priesteramt (Dat.Sg.)
bhagavān
der Erhabene (Nom.Sg.)
vṛtaḥ
erwählt (Nom.Sg.Part.Perf.Pass.)
kāvyaḥ
Kāvya [Śukrācārya] (Nom.Sg.)
kila
fürwahr, wie es heißt (Partikel)
asuraiḥ
von den Asuras (Instr.Pl.)
ṣaṇḍa-amarkau
Ṣaṇḍa und Amarka (Nom.Du.)
sutau
die beiden Söhne (Nom.Du.)
tasya
von ihm (Gen.Sg.)
daitya-rāja-gṛha-antike
in der Nähe des Hauses des Daitya-Königs (Lok.Sg.Adv.)
Jene beiden unterrichteten den vom König geschickten Knaben Prahlāda, der [bereits] in rechter Lebensführung bewandert war, in den vorgeschriebenen Lehrtexten, ebenso wie die anderen Dämonenknaben.
yat tatra guruṇā proktaṁ śuśruve 'nupapāṭha ca
na sādhu manasā mene sva-parāsad-grahāśrayam
Was der Lehrer dort lehrend sprach, das hörte er zwar und rezitierte es auch nach, doch im Geiste hielt er es nicht für gut, [beruhte es doch] auf der falschen Vorstellung von 'Eigenem' und 'Fremdem'.
śrī-prahlāda uvāca
tat sādhu manye 'sura-varya dehināṁ sadā samudvigna-dhiyām asad-grahāt
hitvātma-pātaṁ gṛham andha-kūpaṁ vanaṁ gato yad dharim āśrayeta
Śrī Prahlāda sprach: O Bester der Asuras, ich halte das für gut, dass ein verkörpertes Wesen - dessen Geist wegen der falschen Auffassung [vom Körper als Selbst] stets beunruhigt ist - das Haus, [welches] den Fall des Selbst [bedeutet und] ein blinder Brunnen [ist], verlässt, in den Wald geht und bei Hari Zuflucht sucht.
Śrī Nārada sprach: Als der Daitya [Hiraṇyakaśipu] die Worte seines Sohnes gehört hatte, die der Gegenseite zugetan waren, lachte er: 'Die Einsicht von Kindern wird durch die Einsicht anderer verändert.'
Der Knabe soll im Haus des Lehrers gut behütet werden, damit sein Verstand nicht durch verkleidete Zweifachgeborene [Brahmanen], die der Partei Viṣṇus angehören, verändert werde.
Die Priester der Daityas ließen Prahlāda ins Haus bringen, riefen ihn herbei, lobten ihn mit sanfter Stimme und befragten ihn mit besänftigenden Worten.
vatsa prahrāda bhadraṁ te satyaṁ kathaya mā mṛṣā
bālān ati kutas tubhyam eṣa buddhi-viparyayaḥ
Mein Kind Prahlāda, Segen sei mit dir! Sprich die Wahrheit, nicht Falsches: Woher [kommt] dir, [der du doch] die anderen Knaben übertriffst, diese Verkehrung des Verstandes?
Wort für Wort
vatsa
mein Kind (Vok.Sg.)
prahrāda
Prahlāda (Vok.Sg.)
bhadraṁ te
Segen sei dir (Nom.Sg.+Dat.Sg.)
satyam
die Wahrheit (Akk.Sg.)
kathaya
sprich (2.Sg.Imp.)
mā mṛṣā
nicht Falsches (Prohibitiv+Adv.)
bālān ati
die [anderen] Knaben übertreffend (Akk.Pl.+Postposition)
buddhi-bhedaḥ para-kṛta utāho te svato 'bhavat
bhaṇyatāṁ śrotu-kāmānāṁ gurūṇāṁ kula-nandana
Ist diese Verkehrung des Verstandes von einem anderen bewirkt, oder entstand sie bei dir von selbst? Es werde den Lehrern, die es zu hören wünschen, gesagt, o Freude des Geschlechts.
Wort für Wort
buddhi-bhedaḥ
die Verkehrung des Verstandes (Nom.Sg.)
para-kṛtaḥ
von einem anderen bewirkt (Nom.Sg.)
utāho
oder (Partikel)
te
dir, bei dir (Gen./Dat.Sg.)
svataḥ
von selbst (Adv.)
abhavat
entstand (3.Sg.Impf.)
bhaṇyatām
es werde gesagt (3.Sg.Imp.Pass.)
śrotu-kāmānām
die zu hören wünschen (Gen.Pl.)
gurūṇām
den Lehrern (Gen.Pl.)
kula-nandana
o Freude des Geschlechts (Vok.Sg.)
Für diesen Vers war vedabase.io dauerhaft blockiert (429/403 trotz mehrfacher Wartezyklen); Sanskrittext nach der lokalen GRETIL-Quelle (bhp_07u.htm), Übersetzung und wfw-Analyse eigenständig erarbeitet.
Śrī Prahlāda sprach: Die falsche Auffassung der Menschen, [derzufolge sie meinen] 'dies ist ein anderer, dies das Eigene', welche durch Seine Māyā bewirkt ist, wird bei denen beobachtet, deren Verstand [dadurch] verblendet ist - Verehrung Ihm, dem Erhabenen!
Wenn Er [wohlwollend] geneigt ist, wird die tierhafte Auffassung der Menschen zerstört - jene falsche, auf Unterscheidung beruhende [Vorstellung]: 'Dieser ist ein anderer, und ebenso bin ich ein anderer.'
sa eṣa ātmā sva-parety abuddhibhir duratyayānukramaṇo nirūpyate
muhyanti yad-vartmani veda-vādino brahmādayo hy eṣa bhinatti me matim
Eben dieser Ātmā [die Überseele] wird von denen ohne rechte Einsicht, [die zwischen] 'eigen' und 'fremd' [unterscheiden], als einer mit schwer zu ergründendem Wirken angesehen. Auf dessen Pfad geraten sogar die Kenner der Veden, angefangen mit Brahmā, in Verwirrung - wahrlich, er ist es, der meinen Verstand verändert.
So wie Eisen, o Brahmane, in der Nähe eines Magneten von selbst sich [zu ihm hin] bewegt, so wird mein Geist durch den bloßen Willen des Diskusträgers [Viṣṇu] verwandelt.
Śrī Nārada sprach: Nachdem der Hochgesinnte [Prahlāda] dies zu dem Brahmanen gesagt hatte, verstummte er. Der Diener des Königs [der Lehrer], erzürnt und tief bekümmert, schalt ihn heftig.
ānīyatām are vetram asmākam ayaśaskaraḥ
kulāṅgārasya durbuddheś caturtho 'syodito damaḥ
He, man bringe den Stock! Für diesen, der uns Schande bringt, den Feuerbrand des Geschlechts, den Übelgesinnten, ist die vierte [Maßregel] verkündet: die Strafe.
Wort für Wort
ānīyatām
er werde gebracht (3.Sg.Imp.Pass.)
are
he! (Interjektion)
vetram
den Stock (Akk.Sg.)
asmākam
unser (Gen.Pl.)
ayaśaskaraḥ
Schande bringend (Nom.Sg.)
kula-aṅgārasya
des Feuerbrands des Geschlechts (Gen.Sg.)
durbuddheḥ
des Übelgesinnten (Gen.Sg.)
caturthaḥ
der vierte (Nom.Sg.)
asya
für ihn (Gen.Sg.)
uditaḥ
verkündet (Nom.Sg.Part.)
damaḥ
die Strafe (Nom.Sg.)
caturthaḥ damaḥ bezieht sich auf die vierte der vier politischen Maßregeln (sāma, dāna, bheda, daṇḍa) - hier: die Strafe/Züchtigung.
Im Sandelwald der Daityas ist dieser Dornbaum entstanden - dieses Kind [Prahlāda], das zum Stiel für die Axt Viṣṇus geworden ist, welche [ihn] mitsamt der Wurzel ausreißt.
So ließ er, indem er ihn auf mancherlei Weise durch Drohungen und dergleichen einschüchterte, Prahlāda die Darlegung der drei [Lebensziele Dharma, Artha und Kāma] annehmen.
Daraufhin, als der Lehrer erkannt hatte, dass dieser [Prahlāda] die vier zu wissenden [Grundsätze] erlernt hatte, führte er ihn, [von seiner] Mutter gewaschen und geschmückt, dem König der Daityas vor.
Wort für Wort
tataḥ
daraufhin (Adv.)
enam
ihn (Akk.Sg.)
guruḥ
der Lehrer (Nom.Sg.)
jñātvā
erkannt habend (Absolutiv)
jñāta-jñeya-catuṣṭayam
der die vier zu wissenden Dinge erkannt hatte (Akk.Sg.)
Der Asura [Hiraṇyakaśipu] begrüßte den Knaben, der sich ihm zu Füßen geworfen hatte, mit einem Segenswunsch, umarmte ihn lange mit beiden Armen und erlangte höchste Freude.
Wort für Wort
pādayoḥ
zu [seinen] Füßen (Lok.Du.)
patitam
gefallen (Akk.Sg.Part.)
bālam
den Knaben (Akk.Sg.)
pratinandya
begrüßt habend (Absolutiv)
āśiṣā
mit einem Segenswunsch (Instr.Sg.)
asuraḥ
der Asura (Nom.Sg.)
pariṣvajya
umarmt habend (Absolutiv)
ciram
lange (Adv.)
dorbhyām
mit den beiden Armen (Instr.Du.)
paramām
höchste (Akk.Sg.)
āpa
er erlangte (3.Sg.Perf.)
nirvṛtim
Freude, Zufriedenheit (Akk.Sg.)
Ab Vers 20 war vedabase.io dauerhaft blockiert (429/403 trotz mehrfacher Wartezyklen); Sanskrittext nach der lokalen GRETIL-Quelle (bhp_07u.htm), sandhi-getrennt und übersetzt eigenständig; kreuzgeprüft mit dem Wortlaut der zuvor erfolgreich von vedabase.io abgerufenen Verse.
āropyāṅkam avaghrāya mūrdhany aśru-kalāmbubhiḥ
āsiñcan vikasad-vaktram idam āha yudhiṣṭhira
O Yudhiṣṭhira, er setzte ihn auf seinen Schoß, roch an seinem Haupt [zum Zeichen der Liebe], benetzte ihn mit Tränentropfen und sprach, sein Gesicht sich erhellend, Folgendes:
Wort für Wort
āropya
gesetzt habend (Absolutiv)
aṅkam
auf den Schoß (Akk.Sg.)
avaghrāya
gerochen habend [zum Zeichen der Zuneigung] (Absolutiv)
Hiraṇyakaśipu sprach: Prahlāda, mein Kind, trage doch etwas Vortreffliches vor, das du selbst studiert hast - [etwas], das du, Langlebiger, in dieser [verstrichenen] Zeit von [deinem] Lehrer gelernt hast.
Wenn diese so [beschriebene], aus neun Merkmalen bestehende Hingabe von einem Menschen dem Viṣṇu dargebracht, unmittelbar für den Erhabenen ausgeübt würde, so halte ich das für das vortrefflichste zu Erlernende.
brahma-bandho kim etat te vipakṣaṁ śrayatāsatā
asāraṁ grāhito bālo mām anādṛtya durmate
He, Unwürdiger unter den Brahmanen! Was soll das, dass du, der Übelgesinnte, der du dich der Gegenseite zugewandt hast, mich missachtend, dem Knaben Nichtiges beigebracht hast?
Fürwahr, es gibt in der Welt Übeltäter, falsche Freunde, die sich verkleiden; deren Übel kommt zur rechten Zeit zum Vorschein, wie bei Sündern die Krankheit.
śrī-guru-putra uvāca
na mat-praṇītaṁ na para-praṇītaṁ suto vadaty eṣa tavendra-śatro
naisargikīyaṁ matir asya rājan niyaccha manyuṁ kad adāḥ sma mā naḥ
Der Sohn des Lehrers sprach: Weder von mir noch von einem anderen unterwiesen spricht dieser dein Sohn, o Feind Indras; dies ist seine angeborene Gesinnung, o König. Halte [deinen] Zorn zurück, tu uns nicht Böses.
Wort für Wort
śrī-guru-putraḥ uvāca
der Sohn des Lehrers sprach
na mat-praṇītam
nicht von mir gelehrt (Akk.Sg.)
na para-praṇītam
nicht von einem anderen gelehrt (Akk.Sg.)
sutaḥ
der Sohn (Nom.Sg.)
vadati
er spricht (3.Sg.Präs.)
eṣaḥ
dieser (Nom.Sg.)
tava
dein (Gen.Sg.)
indra-śatro
o Feind Indras (Vok.Sg.)
naisargikī iyam
dies ist angeboren (Nom.Sg.Fem.)
matiḥ
die Gesinnung (Nom.Sg.)
asya
seine (Gen.Sg.)
rājan
o König (Vok.Sg.)
niyaccha
halte zurück, zügle (2.Sg.Imp.)
manyum
den Zorn (Akk.Sg.)
kat [?]
übel, schlecht (Adv.)
adāḥ sma
du tatest (2.Sg.Aor.mit sma)
mā
nicht (Prohibitiv)
naḥ
uns (Akk.Pl.)
Pāda 2b ('kad adāḥ sma mā naḥ') ist in der GRETIL-Quelle ohne Worttrennung überliefert; die Auflösung (etwa 'mā kad adāḥ sma naḥ' - 'tu uns nicht Böses') ist eine eigene, unsichere Rekonstruktion [?], da für diesen Vers keine vedabase-Gloss verfügbar war.
śrī-nārada uvāca
guruṇaivaṁ pratiprokto bhūya āhāsuraḥ sutam
na ced guru-mukhīyaṁ te kuto 'bhadrāsatī matiḥ
Śrī Nārada sprach: So vom Lehrer erwidert, sprach der Asura [Hiraṇyakaśipu] abermals zu [seinem] Sohn: 'Wenn diese [Lehre] bei dir nicht aus dem Mund des Lehrers stammt, woher [kommt] dann diese unheilvolle, falsche Gesinnung?'
Śrī Prahlāda sprach: Bei denen, deren Gelübde das Hausleben ist, entsteht keine Hinwendung zu Kṛṣṇa - weder durch einen anderen, noch von selbst, noch untereinander -, bei denen, die mit unbezähmten Sinnen immer wieder in die Finsternis eingehen, die immer wieder das schon Gekaute kauen.
Wort für Wort
śrī-prahrādaḥ uvāca
Śrī Prahlāda sprach
matiḥ
die Gesinnung (Nom.Sg.)
na
nicht (Negation)
kṛṣṇe
zu Kṛṣṇa (Lok.Sg.)
parataḥ
von einem anderen (Adv./Abl.)
svataḥ
von selbst (Adv.)
vā
oder (Konj.)
mithaḥ
gegenseitig (Adv.)
abhipadyeta
sie entstünde (3.Sg.Opt.Med.)
gṛha-vratānām
derer, deren Gelübde das Hausleben ist (Gen.Pl.)
adānta-gobhiḥ
durch unbezähmte Sinne (Instr.Pl.)
viśatām
die eingehen (Gen.Pl.Part.)
tamisram
in die Finsternis (Akk.Sg.)
punaḥ punaḥ
immer wieder (Adv.)
carvita-carvaṇānām
derer, die das schon Gekaute [wieder] kauen (Gen.Pl.)
na te viduḥ svārtha-gatiṁ hi viṣṇuṁ durāśayā ye bahir-artha-māninaḥ
andhā yathāndhair upanīyamānās te 'pīśa-tantryām uru-dāmni baddhāḥ
Sie kennen wahrlich nicht Viṣṇu, das Ziel ihres eigenen wahren Nutzens, [diese] von böser Hoffnung [Erfüllten], die äußere Dinge für [wesentlich] halten; wie Blinde, von Blinden geführt, sind auch sie an das große, vom Herrn gelenkte Band gefesselt.
Solange man nicht die Besprengung mit dem Fußstaub der Großen, der Besitzlosen, wählt, solange berührt der Geist dieser [Menschen] nicht die Füße dessen, der weite Schritte macht [Viṣṇu], dessen [Berühren] den Zweck hat, das Unheilvolle zu beseitigen.
Wort für Wort
na eṣām matiḥ
der Geist dieser [Menschen] nicht (Nom.Sg.+Gen.Pl.)
tāvat
so lange (Adv.)
urukrama-aṅghrim
die Füße dessen, der weite Schritte macht [Viṣṇu] (Akk.Sg.)
Von Empörung und Zorn ergriffen, die Augen rötlich-braun geworden, sprach er: 'Er werde sogleich getötet! Dieser ist zu töten! Schafft ihn fort, ihr Rākṣasas!'
ayaṁ me bhrātṛ-hā so 'yaṁ hitvā svān suhṛdo 'dhamaḥ
pitṛvya-hantuḥ pādau yo viṣṇor dāsavad arcati
Dieser [Viṣṇu] ist der Mörder meines Bruders; eben dieser Niedrigste [mein Sohn], der die Seinen, die Wohlgesinnten, verlassen hat, verehrt wie ein Sklave die Füße des Mörders seines Onkels, [nämlich] Viṣṇus.
Was Gutes wird dieser widersinnige [Knabe] wohl für Viṣṇu tun? Obwohl er erst fünf Jahre [alt ist], hat er heute schon die schwer aufzugebende Zuneigung zu [seinen] Eltern aufgegeben.
Wort für Wort
viṣṇoḥ
für Viṣṇu (Gen.Sg.)
vā
etwa (Partikel)
sādhu
Gutes (Akk./Adv.)
asau
dieser (Nom.Sg.)
kim nu
was denn (Interr.)
kariṣyati
er wird tun (3.Sg.Fut.)
asamañjasaḥ
der Widersinnige (Nom.Sg.)
sauhṛdam
die Zuneigung (Akk.Sg.)
dustyajam
schwer aufzugeben (Akk.Sg.)
pitroḥ
der Eltern (Gen.Du.)
aha [?]
er gab auf (3.Sg.Aor.)
adya
heute (Adv.)
yaḥ
der (Nom.Sg.)
pañca-hāyanaḥ
fünfjährig (Nom.Sg.)
Die sandhi-verschmolzene Form 'ahādyaḥ' (Pāda 2, aus ahāt + adya + yaḥ) wurde eigenständig aufgelöst [?]; für diesen Vers war vedabase.io nicht erreichbar.
paro 'py apatyaṁ hita-kṛd yathauṣadhaṁ sva-deha-jo 'py āmayavat suto 'hitaḥ
chindyāt tad aṅgaṁ yad utātmano 'hitaṁ śeṣaṁ sukhaṁ jīvati yad-vivarjanāt
Selbst ein Fremder kann wie eine Arznei nützlich sein, während selbst ein aus dem eigenen Leib geborener Sohn, wenn er wie eine Krankheit ist, schädlich ist. Man schneide jenes Körperglied ab, welches dem eigenen [Körper] schädlich ist - der Rest lebt glücklich weiter, weil man es abgetrennt hat.
Mit allen Mitteln ist er zu töten - auch durch [den Vorwand von] gemeinsamem Essen, Schlafen und Sitzen -, ein Feind, der das Aussehen eines Freundes trägt, wie [man] ein verdorbenes Sinnesorgan eines Weisen [entfernt].
Wort für Wort
sarvaiḥ upāyaiḥ
mit allen Mitteln (Instr.Pl.)
hantavyaḥ
zu töten (Nom.Sg.Ger.)
sambhoja-śayana-āsanaiḥ
durch gemeinsames Essen, Liegen, Sitzen (Instr.Pl.)
suhṛt-liṅga-dharaḥ
der das Kennzeichen eines Freundes trägt (Nom.Sg.)
nairṛtās te samādiṣṭā bhartrā vai śūla-pāṇayaḥ
tigma-daṁṣṭra-karālāsyās tāmra-śmaśru-śiroruhāḥ
Jene Rākṣasas, von ihrem Herrn befehligt, mit Dreizacken in den Händen, mit furchterregenden Gesichtern und scharfen Fangzähnen, mit kupferfarbenem Bart und Haupthaar -
Wort für Wort
nairṛtāḥ
die Rākṣasas (Nom.Pl.)
te
jene (Nom.Pl.)
samādiṣṭāḥ
befohlen (Nom.Pl.Part.)
bhartrā
vom Herrn (Instr.Sg.)
vai
fürwahr (Partikel)
śūla-pāṇayaḥ
mit Dreizacken in der Hand (Nom.Pl.)
tigma-daṁṣṭra-karāla-āsyāḥ
mit furchtbaren Gesichtern und scharfen Zähnen (Nom.Pl.)
Ein furchterregendes Gebrüll ausstoßend, 'Zerschneide! Durchbohre!' rufend, schlugen sie den [ruhig] sitzenden Prahlāda mit [ihren] Dreizacken an allen empfindlichen Stellen [seines Körpers].
pare brahmaṇy anirdeśye bhagavaty akhilātmani
yuktātmany aphalā āsann apuṇyasyeva sat-kriyāḥ
Gegenüber dem höchsten, unbestimmbaren Brahman, dem Erhabenen, der Seele von allem - bei ihm [Prahlāda], dessen Geist [auf Ihn] gerichtet war - blieben [die Schläge] wirkungslos, wie fromme Werke bei einem Unverdienstvollen [ohne Frucht bleiben].
dig-gajair danda-śūkendrair abhicārāvapātanaiḥ
māyābhiḥ sannirodhaiś ca garadānair abhojanaiḥ
Mit [Angriffen durch] Elefanten der Himmelsrichtungen, mit mächtigen Giftschlangen, mit schwarzer Magie und Hinabstürzen [von Höhen], mit Blendwerken, mit Einkerkerungen, mit Giftgaben, mit Nahrungsentzug -
hima-vāyv-agni-salilaiḥ parvatākramaṇair api
na śaśāka yadā hantum apāpam asuraḥ sutam
cintāṁ dīrghatamāṁ prāptas tat-kartuṁ nābhyapadyata
Durch Kälte, Wind, Feuer, Wasser und auch durch das Über-ihn-Rollen-Lassen von Bergen - als der Asura [seinen] sündlosen Sohn [dadurch] nicht zu töten vermochte, verfiel er in tiefste Sorge und vermochte es nicht zu vollbringen.
eṣa me bahv asādhūkto vadhopāyāś ca nirmitāḥ
tais tair drohair asad-dharmair muktaḥ svenaiva tejasā
[Er dachte:] 'Vielfach wurde er von mir übel behandelt, und Mittel zu [seiner] Tötung wurden ersonnen; durch alle diese Untaten, diese unrechten Handlungen, wurde er [dennoch unversehrt] allein durch seine eigene Kraft befreit.'
vartamāno 'vidūre vai bālo 'py ajaḍa-dhīr ayam
na vismarati me 'nāryaṁ śunaḥ śepa iva prabhuḥ
Dieser [ist], obwohl [nur] ein Kind, gegenwärtig ganz in der Nähe, doch von scharfem Verstand; er, der Mächtige, vergisst meine Unwürdigkeit nicht - wie [der stets zur Krümmung neigende] Schwanz eines Hundes [in seine alte Form zurückkehrt] [?].
Wort für Wort
vartamānaḥ
gegenwärtig seiend (Nom.Sg.)
avidūre
in der Nähe (Adv.)
vai
fürwahr (Partikel)
bālaḥ
ein Kind (Nom.Sg.)
api
obwohl (Partikel)
ajaḍa-dhīḥ
von scharfem Verstand (Nom.Sg.)
ayam
dieser (Nom.Sg.)
na vismarati
er vergisst nicht (3.Sg.Präs.)
me
meine (Gen.Sg.)
anāryam
Unwürdige [Tat] (Akk.Sg.)
śunaḥ
eines Hundes (Gen.Sg.)
śepaḥ
der Schwanz (Nom.Sg.)
iva
wie (Partikel)
prabhuḥ
der Mächtige (Nom.Sg.)
Der Vergleich 'śunaḥ śepa iva' (wie der Schwanz eines Hundes) ist ein sprichwörtliches Bild für etwas, das trotz Bemühens in seine ursprüngliche, gekrümmte Form zurückkehrt; die genaue Anwendung im Kontext bleibt unsicher [?].
aprameyānubhāvo 'yam akutaścid-bhayo 'maraḥ
nūnam etad virodhena mṛtyur me bhavitā na vā
Dieser [Knabe] ist von unermesslicher Macht, furchtlos von jeglicher Seite, [gleichsam] unsterblich. Gewiss wird mir durch diese Feindschaft der Tod [beschieden sein] - oder auch nicht.
So sprachen, [als sie ihn] wegen jener Sorge etwas glanzlos und mit gesenktem Gesicht [sahen], Ṣaṇḍa und Amarka, die [Söhne] des Uśanas [Śukra], im Verborgenen Folgendes:
jitaṁ tvayaikena jagat-trayaṁ bhruvor vijṛmbhaṇa-trasta-samasta-dhiṣṇya-pam
na tasya cintyaṁ tava nātha cakṣvahe na vai śiśūnāṁ guṇa-doṣayoḥ padam
Von dir allein wurde die dreifache Welt besiegt, deren sämtliche Beherrscher der Himmelsregionen [schon] durch das bloße Zusammenziehen deiner Augenbrauen erschreckt werden. Um ihn brauchst du, o Herr, dir keine Sorgen zu machen - wir sagen [dir]: Bei Kindern gibt es ohnehin keinen festen Grund für [ihre] guten oder schlechten Eigenschaften.
Wort für Wort
jitam
besiegt (Nom.Sg.Part.)
tvayā ekena
von dir allein (Instr.Sg.)
jagat-trayam
die dreifache Welt (Nom.Sg.)
bhruvoḥ
der beiden Augenbrauen (Gen.Du.)
vijṛmbhaṇa-trasta-samasta-dhiṣṇya-pam
deren sämtliche Herrscher der Himmelssitze durch das Erheben [der Brauen] erschreckt wurden (Nom.Sg.)
imaṁ tu pāśair varuṇasya baddhvā nidhehi bhīto na palāyate yathā
buddhiś ca puṁso vayasārya-sevayā yāvad guru bhārgava āgamiṣyati
Diesen aber binde mit den Fesseln Varuṇas und halte ihn fest, damit er nicht aus Furcht entflieht - und [lass ihn reifen, denn] die Einsicht eines Menschen [wächst] mit dem Alter und durch Dienst an den Edlen - bis der Lehrer, der Nachkomme Bhṛgus, zurückkehrt.
tatheti guru-putroktam anujñāyedam abravīt
dharmo hy asyopadeṣṭavyo rājñāṁ yo gṛha-medhinām
'So sei es', sprach er, dem Vorschlag des Lehrersohnes zustimmend, und fügte hinzu: 'Ihm soll fürwahr jene Pflicht gelehrt werden, die für haushälterische Könige [gilt].'
dharmam arthaṁ ca kāmaṁ ca nitarāṁ cānupūrvaśaḥ
prahrādāyocatū rājan praśritāvanatāya ca
Dharma, Artha und Kāma, ausführlich und der Reihe nach, verkündeten die beiden dem Prahlāda, o König, der [ihnen gegenüber] ehrerbietig und demütig war.
So wie [ihm] von den Lehrern die drei [Lebensziele] für sich selbst gelehrt worden waren, hielt er jene Unterweisung, die als Ergötzen an den Gegensatzpaaren [des weltlichen Lebens] geschildert wurde, nicht für gut.
yadācāryaḥ parāvṛtto gṛha-medhīya-karmasu
vayasyair bālakais tatra sopahūtaḥ kṛta-kṣaṇaiḥ
Als der Lehrer mit haushälterischen Angelegenheiten beschäftigt war, wurde er [Prahlāda] dort von [seinen] Altersgefährten, den Knaben, die eine [günstige] Gelegenheit gefunden hatten, herbeigerufen.
Da rief der Hochgelehrte sie mit sanfter Stimme herbei und sprach, [ihre] Versunkenheit [in das Spiel] kennend, gleichsam mitleidig lächelnd, [zu ihnen]:
te tu tad-gauravāt sarve tyakta-krīḍā-paricchadāḥ
bālā adūṣita-dhiyo dvandvārāmeritehitaiḥ
Sie aber, alle Knaben von unverdorbenem Verstand, ließen aus Ehrerbietung ihm gegenüber [ihr] Spielzeug fahren, [obwohl sie sonst] durch die aus der Freude an den Gegensatzpaaren [des weltlichen Lebens] hervorgehenden Regungen [angetrieben wurden].
Wort für Wort
te
sie (Nom.Pl.)
tu
aber (Partikel)
tat-gauravāt
aus Ehrfurcht vor ihm (Abl.Sg.)
sarve
alle (Nom.Pl.)
tyakta-krīḍā-paricchadāḥ
die ihr Spielzeug aufgegeben hatten (Nom.Pl.)
bālāḥ
die Knaben (Nom.Pl.)
adūṣita-dhiyaḥ
von unverdorbenem Verstand (Nom.Pl.)
dvandva-ārāma
Ergötzen an Gegensatzpaaren (Kompositum)
īrita-īhitaiḥ
durch [davon] angeregte Regungen (Instr.Pl.)
Der Satz wird sinngemäß in Vers 57 fortgeführt (paryupāsata).
Sie saßen um ihn versammelt, o Herrscher der Könige, Herz und Augen auf ihn gerichtet. Zu ihnen sprach der mitfühlende, freundliche [Prahlāda], der große Gottgeweihte unter den Asuras.
Wort für Wort
paryupāsata
sie saßen um [ihn] versammelt (3.Pl.Impf.Med.)
rājendra
o Herrscher der Könige (Vok.Sg.)
tat-nyasta-hṛdaya-īkṣaṇāḥ
deren Herz und Blick auf ihn gerichtet war (Nom.Pl.)