Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 145 Was Prahlāda im Mutterleib lernte

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śrī-nārada uvāca evaṃ daitya-sutaiḥ pṛṣṭo mahā-bhāgavato 'suraḥ uvāca tān smayamānaḥ smaran mad-anubhāṣitam

Śrī Nārada sprach: So von den Söhnen der Daityas befragt, sprach der große Gottgeweihte unter den Dämonen [Prahlāda] lächelnd zu ihnen, indem er sich an das erinnerte, was ich [Nārada] ihm einst mitgeteilt hatte.

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
der glorreiche Nārada (Nom. Sg.) sprach (Perf. 3. Sg.)
evam
so, auf diese Weise (Adv.)
daitya-sutaiḥ
von den Söhnen der Daityas (Instr. Pl.)
pṛṣṭaḥ
gefragt (Nom. Sg. m., PPP)
mahā-bhāgavataḥ
der große Gottgeweihte (Nom. Sg.)
asuraḥ
der Dämon(ensohn) (Nom. Sg.)
uvāca
er sprach (Perf. 3. Sg.)
tān
zu ihnen (Akk. Pl. m.)
smayamānaḥ
lächelnd (Nom. Sg., Part. Präs. Med.)
smaran
sich erinnernd (Nom. Sg., Part. Präs.)
mad-anubhāṣitam
das von mir Gesprochene (Akk. Sg. n.)

śrī-prahrāda uvāca pitari prasthite 'smākaṃ tapase mandarācalam yuddhodyamaṃ paraṃ cakrur vibudhā dānavān prati

Śrī Prahlāda sprach: Als unser Vater zur Askese zum Berg Mandara aufgebrochen war, unternahmen die Götter eine gewaltige Kriegsanstrengung gegen die Dānavas.

Wort für Wort
śrī-prahrādaḥ uvāca
der glorreiche Prahlāda (Nom. Sg.) sprach
pitari
als der Vater (Lok. Sg., Lok. absolutus)
prasthite
fortgegangen war (Lok. Sg., PPP, Lok. absolutus)
asmākam
unser (Gen. Pl.)
tapase
zur Askese (Dat. Sg.)
mandara-acalam
zum Berg Mandara (Akk. Sg., Richtung)
yuddha-udyamam
Kriegsanstrengung (Akk. Sg.)
param
höchste, äußerste (Akk. Sg.)
cakruḥ
sie unternahmen (Perf. 3. Pl.)
vibudhāḥ
die Götter (Nom. Pl.)
dānavān prati
gegen die Dānavas (Akk. Pl. + Postposition)

pipīlikair ahir iva diṣṭyā lokopatāpanaḥ pāpena pāpo 'bhakṣīti vadanto vāsavādayaḥ

„Wie eine Schlange von Ameisen, so wurde glücklicherweise der Bedränger der Welt, der Sündige, durch [seine eigene] Sünde verzehrt“ - so sprachen Vāsava [Indra] und die anderen [Götter].

Wort für Wort
pipīlikaiḥ
von Ameisen (Instr. Pl.)
ahiḥ iva
wie eine Schlange (Nom. Sg. + Vergleichspartikel)
diṣṭyā
glücklicherweise, durch Fügung (Instr. als Adv.)
loka-upatāpanaḥ
der Bedränger der Welt (Nom. Sg.)
pāpena
durch Sünde/den Sündigen (Instr. Sg.)
pāpaḥ
der Sündige (Nom. Sg.)
abhakṣi
wurde verzehrt (Aor. Passiv 3. Sg.)
iti
so (Zitatpartikel)
vadantaḥ
sagend (Nom. Pl., Part. Präs.)
vāsava-ādayaḥ
Vāsava [Indra] und die anderen (Nom. Pl.)

pāpena pāpo 'bhakṣīt: wörtlich „der Sündige wurde vom Sündigen/durch Sünde verzehrt“ - gemeint ist Hiraṇyakaśipus Untergang durch seine eigene Sündhaftigkeit.

teṣām atibalodyogaṃ niśamyāsura-yūthapāḥ vadhyamānāḥ surair bhītā dudruvuḥ sarvato diśam

Als die Anführer der Dämonenscharen von der überaus gewaltigen Kraftanstrengung jener [Götter] vernommen hatten, flohen sie, von den Göttern niedergemetzelt und von Furcht ergriffen, in alle Richtungen.

Wort für Wort
teṣām
deren, ihre (Gen. Pl.)
atibala-udyogam
die überaus gewaltige Kraftanstrengung (Akk. Sg.)
niśamya
vernehmend (Absolutiv)
asura-yūthapāḥ
die Anführer der Dämonenscharen (Nom. Pl.)
vadhyamānāḥ
getötet werdend (Nom. Pl., Passiv-Part. Präs.)
suraiḥ
von den Göttern (Instr. Pl.)
bhītāḥ
erschrocken (Nom. Pl., PPP)
dudruvuḥ
sie liefen davon (Perf. 3. Pl.)
sarvataḥ diśam
in alle Richtungen (Adv.)

kalatra-putra-vittāptān gṛhān paśu-paricchadān nāvekṣyamāṇās tvaritāḥ sarve prāṇa-parīpsavaḥ

Ohne einen Blick zurück auf ihre Häuser mit Gattinnen, Söhnen, Reichtum und Verwandten, mit Vieh und Hausrat, eilten sie alle hastig davon, nur ihr Leben retten wollend.

Wort für Wort
kalatra-putra-vitta-āptān
mit Gattinnen, Söhnen, Reichtum und Verwandten [versehen] (Akk. Pl.)
gṛhān
die Häuser (Akk. Pl.)
paśu-paricchadān
mit Vieh und Hausrat [versehen] (Akk. Pl.)
na avekṣyamāṇāḥ
nicht zurückblickend (Nom. Pl., Neg. + Part.)
tvaritāḥ
eilend, hastig (Nom. Pl.)
sarve
alle (Nom. Pl.)
prāṇa-parīpsavaḥ
ihr Leben retten wollend (Nom. Pl., Desiderativ-Adj.)

vyalumpan rāja-śibiram amarā jaya-kāṅkṣiṇaḥ indras tu rāja-mahiṣīṃ mātaraṃ mama cāgrahīt

Die nach Sieg verlangenden Unsterblichen plünderten das königliche Lager; Indra aber ergriff die Königin, meine Mutter.

Wort für Wort
vyalumpan
sie plünderten (Imperf. 3. Pl.)
rāja-śibiram
das königliche Lager (Akk. Sg.)
amarāḥ
die Unsterblichen [Götter] (Nom. Pl.)
jaya-kāṅkṣiṇaḥ
nach Sieg verlangend (Nom. Pl.)
indraḥ tu
Indra aber (Nom. Sg.)
rāja-mahiṣīm
die Königin (Akk. Sg.)
mātaram
Mutter (Akk. Sg.)
mama
meine (Gen. Sg.)
ca agrahīt
und er ergriff (Aor. 3. Sg.)

nīyamānāṃ bhayodvignāṃ rudatīṃ kurarīm iva yadṛcchayāgatas tatra devarṣir dadṛśe pathi

Sie wurde fortgeführt, von Furcht bestürzt, weinend wie ein Kurarī-Vogel[weibchen] - da sah der zufällig des Weges kommende Götterweise [Nārada] sie dort.

Wort für Wort
nīyamānām
fortgeführt werdend (Akk. Sg. f., Passiv-Part.)
bhaya-udvignām
von Furcht erregt/bestürzt (Akk. Sg. f.)
rudatīm
weinend (Akk. Sg. f., Part. Präs.)
kurarīm iva
wie ein Kurarī-Vogel[weibchen] (Akk. Sg. + Vergleich)
yadṛcchayā
durch Zufall (Instr. als Adv.)
āgataḥ
gekommen (Nom. Sg., PPP)
tatra
dort
devarṣiḥ
der Götterweise [Nārada] (Nom. Sg.)
dadṛśe
er sah (Perf. Med. 3. Sg.)
pathi
auf dem Weg (Lok. Sg.)

prāha naināṃ surapate netum arhasy anāgasam muñca muñca mahābhāga satīṃ para-parigraham

Er sprach: „O Herr der Götter, du solltest sie, die Schuldlose, nicht wegführen! Lass los, lass los, o Erhabener, die keusche Frau, die einem anderen gehört [d. h. eines anderen Gattin ist]!“

Wort für Wort
prāha
er sprach (Perf. 3. Sg.)
na enām
nicht sie (Akk. Sg.)
sura-pate
o Herr der Götter (Vok. Sg.)
netum
zu führen (Infinitiv)
arhasi
du sollst, darfst (Präs. 2. Sg.)
anāgasam
die Schuldlose (Akk. Sg.)
muñca muñca
lass los, lass los (Imperativ 2. Sg., wiederholt)
mahā-bhāga
o Erhabener (Vok. Sg.)
satīm
die Tugendhafte (Akk. Sg.)
para-parigraham
die einem anderen Gehörende (Akk. Sg.)

śrī-indra uvāca āste 'syā jaṭhare vīryam aviṣahyaṃ suradviṣaḥ āsyatāṃ yāvat prasavaṃ mokṣye 'rthapadavīṃ gataḥ

Śrī Indra sprach: „In ihrem Leib weilt der unüberwindliche Same des Götterfeindes [Hiraṇyakaśipus]. Sie soll bleiben bis zur Geburt - ich werde sie freilassen, sobald ich mein Ziel erreicht habe.“

Wort für Wort
śrī-indraḥ uvāca
der glorreiche Indra sprach
āste
es befindet sich, weilt (Präs. 3. Sg.)
asyāḥ
ihrem (Gen. Sg. f.)
jaṭhare
im Leib (Lok. Sg.)
vīryam
der Same, die Kraft (Nom. Sg.)
aviṣahyam
unüberwindlich (Nom. Sg.)
sura-dviṣaḥ
des Götterfeindes (Gen. Sg.)
āsyatām
sie soll verweilen (Impv. Passiv 3. Sg.)
yāvat prasavam
bis zur Geburt (Akk., temporal)
mokṣye
ich werde freilassen (Fut. Med. 1. Sg.)
artha-padavīm
das Ziel, den rechten Weg (Akk. Sg.)
gataḥ
erreicht habend (Nom. Sg., PPP)

śrī-nārada uvāca ayaṃ niṣkilbiṣaḥ sākṣān mahābhāgavato mahān tvayā na prāpsyate saṃsthām anantānucaro balī

Śrī Nārada sprach: „Dieser [im Schoß] ist wahrhaftig sündenfrei, ein großer, erhabener Gottgeweihter; er, ein Gefolgsmann des Unendlichen [Viṣṇu] und Kraftvoller, wird durch dich keinen Untergang erleiden.“

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
der glorreiche Nārada sprach
ayam
dieser (Nom. Sg.)
niṣkilbiṣaḥ
sündenfrei (Nom. Sg.)
sākṣāt
unmittelbar, wahrhaftig (Adv.)
mahābhāgavataḥ
der große Gottgeweihte (Nom. Sg.)
mahān
groß, erhaben (Nom. Sg.)
tvayā
durch dich (Instr. Sg.)
na prāpsyate
wird nicht erlangen/erleiden (Fut. Passiv 3. Sg.)
saṃsthām
Untergang, Tod (Akk. Sg.)
ananta-anucaraḥ
ein Gefolgsmann des Unendlichen [Viṣṇu] (Nom. Sg.)
balī
der Kraftvolle (Nom. Sg.)

ity uktas tāṃ vihāyendro devarṣer mānayan vacaḥ ananta-priya-bhaktyainaṃ parikramya divaṃ yayau

So angesprochen, ließ Indra sie los, die Worte des Götterweisen ehrend; und weil ihre Hingabe Ananta [Viṣṇu] lieb war, umschritt er sie [ehrfurchtsvoll] und ging zum Himmel.

Wort für Wort
iti uktaḥ
so angesprochen (Nom. Sg., PPP)
tām
sie (Akk. Sg.)
vihāya
loslassend (Absolutiv)
indraḥ
Indra (Nom. Sg.)
devarṣeḥ
des Götterweisen (Gen. Sg.)
mānayan vacaḥ
die Worte ehrend (Nom. Sg. Part. + Akk.)
ananta-priya-bhaktyā
wegen [ihrer] Hingabe, die Ananta lieb ist (Instr. Sg.)
enām
sie (Akk. Sg.)
parikramya
umschreitend (Absolutiv)
divam
zum Himmel (Akk. Sg.)
yayau
er ging (Perf. 3. Sg.)

tato me mātaram ṛṣiḥ samānīya nijāśrame āśvāsyehoṣyatāṃ vatse yāvat te bhartur āgamaḥ

Darauf führte der Weise [Nārada] meine Mutter in seine eigene Einsiedelei, tröstete sie und [sprach]: „Bleibe hier, mein Kind, bis dein Gatte zurückkehrt.“

Wort für Wort
tataḥ
dann, darauf
me mātaram
meine Mutter (Akk. Sg.)
ṛṣiḥ
der Weise [Nārada] (Nom. Sg.)
samānīya
hergeführt habend (Absolutiv)
nija-āśrame
in seine eigene Einsiedelei (Lok. Sg.)
āśvāsya
tröstend, beruhigt habend (Absolutiv, Kausativ)
iha
hier
uṣyatām
es soll gewohnt werden = bleibe (Impv. unpers. 3. Sg.)
vatse
o Kind (Vok. Sg.)
yāvat
solange bis
te bhartuḥ
deines Gatten (Gen. Sg.)
āgamaḥ
Rückkehr, Ankunft (Nom. Sg.)

tathety avātsīd devarṣer antike sākutobhayā yāvad daityapatir ghorāt tapaso na nyavartata

„So sei es“, [sagte sie] und wohnte furchtlos in der Nähe des Götterweisen, solange der Herr der Daityas [Hiraṇyakaśipu] nicht von seiner schrecklichen Askese zurückkehrte.

Wort für Wort
tathā iti
„so sei es“ (Zustimmungsformel)
avātsīt
sie wohnte (Aor. 3. Sg.)
devarṣeḥ antike
in der Nähe des Götterweisen (Gen. + Lok.-Adv.)
sa-akutobhayā
furchtlos (Nom. Sg. f.)
yāvat
solange als
daitya-patiḥ
der Herr der Daityas (Nom. Sg.)
ghorāt tapasaḥ
von der schrecklichen Askese (Abl. Sg.)
na nyavartata
kehrte nicht zurück (Imperf. Med. 3. Sg.)

ṛṣiṃ paryacarat tatra bhaktyā paramayā satī antarvatnī sva-garbhasya kṣemāyecchā-prasūtaye

Die tugendhafte, schwangere [Frau] diente dort dem Weisen mit höchster Hingabe, zum Wohlergehen ihrer Leibesfrucht und zu einer glücklichen Geburt, wie sie es wünschte.

Wort für Wort
ṛṣim
den Weisen (Akk. Sg.)
paryacarat
sie diente (Imperf. 3. Sg.)
tatra
dort
bhaktyā paramayā
mit höchster Hingabe (Instr. Sg.)
satī
die Tugendhafte (Nom. Sg.)
antarvatnī
schwanger (Nom. Sg.)
sva-garbhasya
ihrer eigenen Leibesfrucht (Gen. Sg.)
kṣemāya
zum Wohlergehen (Dat. Sg.)
icchā-prasūtaye
zur gewünschten Geburt (Dat. Sg.)

ṛṣiḥ kāruṇikas tasyāḥ prādād ubhayam īśvaraḥ dharmasya tattvaṃ jñānaṃ ca māmapy uddiśya nirmalam

Der mitleidsvolle, [dazu] befähigte Weise gab ihr beides: die Wahrheit der Religion und - auch mich betreffend - reines Wissen.

Wort für Wort
ṛṣiḥ
der Weise (Nom. Sg.)
kāruṇikaḥ
mitleidsvoll (Nom. Sg.)
tasyāḥ
ihr (Dat. Sg.)
prādāt
er gab (Aor. 3. Sg.)
ubhayam
beides (Akk. Sg. n.)
īśvaraḥ
der [dazu] Fähige (Nom. Sg.)
dharmasya tattvam
die Wahrheit der Religion (Akk. Sg.)
jñānam ca
und Wissen (Akk. Sg.)
mām api uddiśya
auch mich betreffend (Absolutiv-Konstr.)
nirmalam
makellos, rein (Akk. Sg. n.)

tat tu kālasya dīrghatvāt strītvān mātus tirodadhe ṛṣiṇānugṛhītaṃ māṃ nādhunāpy ajahāt smṛtiḥ

Das aber [Wissen] entschwand der Mutter wegen der Länge der Zeit und ihrer weiblichen Natur; mich jedoch, der ich vom Weisen begnadet worden war, hat die Erinnerung [daran] auch jetzt noch nicht verlassen.

Wort für Wort
tat tu
das aber (Nom./Akk. Sg. n.)
kālasya dīrghatvāt
wegen der Länge der Zeit (Abl.)
strītvāt
wegen [ihrer] Frauennatur (Abl.)
mātuḥ
der Mutter (Gen. Sg.)
tirodadhe
es verschwand (Perf. Med. 3. Sg.)
ṛṣiṇā anugṛhītam
vom Weisen begnadet (Instr. + Akk. Sg. m.)
mām
mich (Akk. Sg.)
na ajahāt
verließ nicht (Imperf. 3. Sg.)
adhunā api
selbst jetzt
smṛtiḥ
die Erinnerung (Nom. Sg.)

bhavatāmapi bhūyān me yadi śraddadhate vacaḥ vaiśāradī dhīḥ śraddhātaḥ strī-bālānāṃ ca me yathā

Auch euch, wenn ihr meinen Worten vertraut, möge reichlich meisterhafte Weisheit zuteilwerden - durch Glauben [entstehend], wie sie [auch] Frauen und Kindern [zuteilwird], und wie [sie] mir [zuteilwurde].

Wort für Wort
bhavatām api
auch euch (Gen. Pl.)
bhūyān
reichlich, mehr werdend (Nom. Sg., unklare Kongruenz) [?]
me vacaḥ
meine Worte (Nom./Akk. Sg. n.)
yadi śraddadhate
wenn (ihr) vertraut (Präs. 2. Pl. Med.)
vaiśāradī
meisterhafte, kompetente (Nom. Sg. f.)
dhīḥ
Einsicht, Weisheit (Nom. Sg. f.)
śraddhātaḥ
aus Glauben (Abl.-Adv.)
strī-bālānām
der Frauen und Kinder (Gen. Pl.)
ca me
und mir (Gen. Sg.)
yathā
wie, gleichwie

Die Kongruenz von 'bhūyān' (Nom. Sg. m.) mit dem sächlichen 'vacaḥ' ist grammatisch uneinheitlich; hier als lose-adverbielle Verstärkung ('reichlich, in wachsendem Maße') gedeutet. [?]

janmādyāḥ ṣaḍ ime bhāvā dṛṣṭā dehasya nātmanaḥ phalānām iva vṛkṣasya kāleneśvara-mūrtinā

Diese sechs mit der Geburt beginnenden Zustände werden am Körper beobachtet, nicht am Selbst - wie [die Zustände] der Früchte eines Baumes, [bewirkt] durch die Zeit, die die Verkörperung des Herrschers [Gottes] ist.

Wort für Wort
janma-ādyāḥ
mit der Geburt beginnend (Nom. Pl.)
ṣaṭ ime
diese sechs (Nom. Pl.)
bhāvāḥ
Zustände, Wandlungen (Nom. Pl.)
dṛṣṭāḥ
gesehen, beobachtet (Nom. Pl., PPP)
dehasya
des Körpers (Gen. Sg.)
na ātmanaḥ
nicht des Selbst (Gen. Sg.)
phalānām iva vṛkṣasya
wie [bei] den Früchten eines Baumes (Gen. + Vergleich)
kālena
durch die Zeit (Instr. Sg.)
īśvara-mūrtinā
die die Verkörperung des Herrschers ist (Instr. Sg.)

Die sechs Wandlungen (ṣaḍ-bhāva-vikāra): Geburt, Bestehen, Wachstum, Reifung, Abnahme, Vergehen.

ātmā nityo 'vyayaḥ śuddha eka kṣetrajña āśrayaḥ avikriyaḥ svadṛg hetur vyāpako 'saṅgy anāvṛtaḥ

Das Selbst ist ewig, unvergänglich, rein, eins, der Kenner des Feldes [Körpers], die Grundlage, unveränderlich, aus sich selbst sehend, die Ursache, alldurchdringend, unberührt und unverhüllt.

Wort für Wort
ātmā
das Selbst (Nom. Sg.)
nityaḥ
ewig (Nom. Sg.)
avyayaḥ
unvergänglich (Nom. Sg.)
śuddhaḥ
rein (Nom. Sg.)
ekaḥ
eins, einzig (Nom. Sg.)
kṣetra-jñaḥ
der Kenner des Feldes [Körpers] (Nom. Sg.)
āśrayaḥ
die Grundlage, der Träger (Nom. Sg.)
avikriyaḥ
unveränderlich (Nom. Sg.)
sva-dṛk
aus sich selbst sehend (Nom. Sg.)
hetuḥ
die Ursache (Nom. Sg.)
vyāpakaḥ
alldurchdringend (Nom. Sg.)
asaṅgī
unberührt, unangehaftet (Nom. Sg.)
anāvṛtaḥ
unverhüllt (Nom. Sg.)

etair dvādaśabhir vidvān ātmano lakṣaṇaiḥ paraiḥ ahaṃ mametyasadbhāvaṃ dehādau mohajaṃ tyajet

Durch diese zwölf höchsten Kennzeichen des Selbst soll der Wissende die aus Verblendung entstandene, unwirkliche Vorstellung von „Ich“ und „Mein“ in Bezug auf den Körper und dergleichen aufgeben.

Wort für Wort
etaiḥ dvādaśabhiḥ
durch diese zwölf (Instr. Pl.)
vidvān
der Wissende (Nom. Sg.)
ātmanaḥ lakṣaṇaiḥ paraiḥ
durch die höchsten Kennzeichen des Selbst (Instr. Pl.)
aham mama iti
„ich“ und „mein“ (Zitat)
asad-bhāvam
die unwirkliche Vorstellung (Akk. Sg.)
deha-ādau
am Körper und dergleichen (Lok.)
moha-jam
aus Verblendung entstanden (Akk. Sg.)
tyajet
er soll aufgeben (Optativ 3. Sg.)

svarṇaṃ yathā grāvasu hemakāraḥ kṣetreṣu yogaistad-abhijña āpnuyāt kṣetreṣu deheṣu tathātma-yogair adhyātmavid brahma-gatiṃ labheta

Wie ein darin kundiger Goldschmied das Gold aus den Steinen in den [Erz-]Feldern durch [geeignete] Methoden gewinnt, so würde der Kenner der höheren Selbsterkenntnis durch Methoden der Selbsterkenntnis das Erreichen des Brahman in den Feldern, [d. h.] den Körpern, erlangen.

Wort für Wort
svarṇam
Gold (Akk. Sg.)
yathā
wie, gleichwie
grāvasu
in den Steinen/Erzen (Lok. Pl.)
hema-kāraḥ
der Goldschmied (Nom. Sg.)
kṣetreṣu
in den [Erz-]Feldern (Lok. Pl.)
yogaiḥ
durch Methoden (Instr. Pl.)
tad-abhijñaḥ
darin kundig (Nom. Sg.)
āpnuyāt
er würde erlangen (Optativ 3. Sg.)
kṣetreṣu deheṣu
in den Feldern, [d. h.] den Körpern (Lok. Pl., Apposition)
tathā
ebenso
ātma-yogaiḥ
durch Methoden der Selbsterkenntnis (Instr. Pl.)
adhyātma-vit
der Kenner der höheren Selbsterkenntnis (Nom. Sg.)
brahma-gatim
das Erreichen des Brahman (Akk. Sg.)
labheta
er würde erlangen (Optativ 3. Sg.)

aṣṭau prakṛtayaḥ proktās traya eva hi tadguṇāḥ vikārāḥ ṣoḍaśācāryaiḥ pumān ekaḥ samanvayāt

Acht Urstoffe werden [von den Lehrmeistern] genannt, genau drei sind deren Erscheinungsweisen, sechzehn sind die Umwandlungen - so von den Lehrmeistern gelehrt -, und der Puruṣa ist einer, einzig, wegen seiner alldurchdringenden Verbindung [mit allem].

Wort für Wort
aṣṭau prakṛtayaḥ
acht Urstoffe (Nom. Pl.)
proktāḥ
genannt (Nom. Pl., PPP)
trayaḥ eva hi
genau drei nur (Nom. Pl.)
tad-guṇāḥ
deren Erscheinungsweisen (Nom. Pl.)
vikārāḥ
Umwandlungen (Nom. Pl.)
ṣoḍaśa
sechzehn (Nom. Pl.)
ācāryaiḥ
von den Lehrmeistern (Instr. Pl.)
pumān
der Puruṣa, das Geistwesen (Nom. Sg.)
ekaḥ
einer, einzig (Nom. Sg.)
samanvayāt
wegen der [alldurchdringenden] Verbindung (Abl.)

8 prakṛtis, 3 guṇas, 16 vikāras nach der klassischen Sāṅkhya-Aufzählung.

dehas tu sarva-saṅghāto jagat tasthur iti dvidhā atraiva mṛgyaḥ puruṣo neti netītyataṃ tyajan

Der Körper aber ist die Gesamtheit von allem - die Welt [wird] „beweglich und unbeweglich“ [genannt], so zweifach. Eben hierin ist der Puruṣa [das wahre Selbst] zu suchen, indem man mit „nicht so, nicht so“ das verwirft, was nicht [das Selbst] ist.

Wort für Wort
dehaḥ tu
der Körper aber (Nom. Sg.)
sarva-saṅghātaḥ
die Gesamtheit von allem (Nom. Sg.)
jagat tasthuḥ iti dvidhā
„beweglich und unbeweglich“, so zweifach (Nom.)
atra eva
eben hierin (Adv.)
mṛgyaḥ
zu suchen (Gerundiv, Nom. Sg.)
puruṣaḥ
der Puruṣa (Nom. Sg.)
na iti na iti
„nicht so, nicht so“ (Zitat)
iti a-tat tyajan
so das Nicht-Dieses verwerfend (Part.)

Die Neti-neti-Methode; Fortsetzung der Konstruktion in Vers 24.

anvaya-vyatirekeṇa vivekenośatātmanā svarga-sthāna-samāmnāyair vimṛśadbhir asatvaraiḥ

[Dies soll geschehen] durch [die Methode des] Mitvorhandenseins und -Fehlens, durch reine Unterscheidungskraft, mit geläutertem Sinn, gestützt auf die überlieferten Schriften über die [verschiedenen] Daseinsbereiche - von denen, die dies besonnen und ohne Hast erwägen.

Wort für Wort
anvaya-vyatirekeṇa
durch [die Methode von] Mitvorhandensein und -Fehlen (Instr. Sg.)
vivekena
durch Unterscheidungskraft (Instr. Sg.)
uśatā
reiner, leuchtender (Instr. Sg.)
ātmanā
mit dem [geläuterten] Sinn (Instr. Sg.)
svarga-sthāna-samāmnāyaiḥ
durch die überlieferten Schriften über [höhere und niedere] Daseinsbereiche (Instr. Pl.)
vimṛśadbhiḥ
von denen, die erwägen (Instr. Pl., Part.)
asatvaraiḥ
von den nicht-hastigen (Instr. Pl.)

Grammatische Fortsetzung von Vers 23 (Instrumental-Kette ohne eigenes finites Verb).

buddher jāgaraṇaṃ svapnaḥ suṣuptir iti vṛttayaḥ tā yenaivānubhūyante so 'dhyakṣaḥ puruṣaḥ paraḥ

Wachen, Träumen und Tiefschlaf sind Zustände des Verstandes. Der, durch den allein diese erfahren werden, ist der [wahre] Zeuge, der höchste/transzendente Puruṣa.

Wort für Wort
buddheḥ
des Verstandes (Gen. Sg.)
jāgaraṇam
Wachzustand (Nom. Sg.)
svapnaḥ
Traumzustand (Nom. Sg.)
suṣuptiḥ
Tiefschlafzustand (Nom. Sg.)
iti vṛttayaḥ
[das sind] die Zustände (Nom. Pl.)
tāḥ
diese (Akk. Pl. f.)
yena eva
durch wen allein (Instr. Sg.)
anubhūyante
sie werden erfahren (Präs. Passiv 3. Pl.)
saḥ adhyakṣaḥ
der [ist] der Zeuge (Nom. Sg.)
puruṣaḥ paraḥ
der höchste Puruṣa (Nom. Sg.)

ebhis trivarṇaiḥ paryastair buddhi-bhedaiḥ kriyodbhavaiḥ svarūpam ātmano budhyed gandhair vāyum ivānvayāt

Wenn man diese dreifachen, aus Tätigkeit entstehenden Unterscheidungen der Intelligenz überwunden hat, soll man das wahre Wesen des Selbst erkennen - mittelbar, wie man den Wind durch die Düfte [erkennt].

Wort für Wort
ebhiḥ tri-varṇaiḥ
durch diese dreifachen (Instr. Pl.)
paryastaiḥ
überwundenen (Instr. Pl., PPP)
buddhi-bhedaiḥ
den Unterscheidungen der Intelligenz (Instr. Pl.)
kriyā-udbhavaiḥ
die aus Tätigkeit entstehen (Instr. Pl.)
svarūpam ātmanaḥ
das wahre Wesen des Selbst (Akk. Sg.)
budhyet
man soll erkennen (Optativ 3. Sg.)
gandhaiḥ
durch die Düfte (Instr. Pl.)
vāyum iva
wie den Wind (Akk. Sg. + Vergleich)
anvayāt
mittelbar, durch Verknüpfung (Abl.-Adv.)

etad-dvāro hi saṃsāro guṇa-karma-nibandhanaḥ ajñāna-mūlo 'pārtho 'pi puṃsaḥ svapna ivārpyate

Denn durch dieses [Tor der Intelligenzzustände tritt] der weltliche Daseinskreislauf [ein], der durch die Erscheinungsweisen [der Natur] und [ihre] Handlungen gebunden ist; in Unwissenheit wurzelnd und, obwohl grundlos, wird er dem Menschen auferlegt wie ein Traum.

Wort für Wort
etat-dvāraḥ
dieses als Tor habend (Nom. Sg.)
hi
denn, wahrlich
saṃsāraḥ
der weltliche Daseinskreislauf (Nom. Sg.)
guṇa-karma-nibandhanaḥ
durch Erscheinungsweisen und Handlungen gebunden (Nom. Sg.)
ajñāna-mūlaḥ
in Unwissenheit wurzelnd (Nom. Sg.)
apārthaḥ api
obwohl grundlos (Nom. Sg.)
puṃsaḥ
dem Menschen (Dat./Gen. Sg.)
svapnaḥ iva
wie ein Traum (Nom. Sg. + Vergleich)
arpyate
wird auferlegt (Präs. Passiv 3. Sg.)

tasmād bhavadbhiḥ kartavyaṃ karmaṇāṃ triguṇātmanām bīja-nirharaṇaṃ yogaḥ pravāhoparamo dhiyaḥ

Deshalb sollt ihr das tun: die Entfernung des Samens der Handlungen, die aus den drei Erscheinungsweisen bestehen - das ist Yoga -, [nämlich] das Zum-Stillstand-Bringen des Stromes des Denkens.

Wort für Wort
tasmāt
deshalb
bhavadbhiḥ
von euch (Instr. Pl.)
kartavyam
zu tun (Gerundiv)
karmaṇām
der Handlungen (Gen. Pl.)
tri-guṇa-ātmanām
die aus den drei Erscheinungsweisen bestehen (Gen. Pl.)
bīja-nirharaṇam
die Entfernung des Samens (Nom. Sg.)
yogaḥ
[das ist] Yoga (Nom. Sg.)
pravāha-uparamaḥ
das Zum-Stillstand-Bringen des Stromes (Nom. Sg.)
dhiyaḥ
des Denkens (Gen. Sg.)

tatropāya-sahasrāṇām ayaṃ bhagavatoditaḥ yadīśvare bhagavati yathā yairañjasā ratiḥ

Von den tausend Mitteln [dazu] ist dieses [eine] vom Herrn [selbst] als [das beste] verkündet worden: dasjenige, wie und wodurch man mühelos Zuneigung zum Herrn, dem Höchsten, [erlangt].

Wort für Wort
tatra
dabei, darin
upāya-sahasrāṇām
von den tausend Mitteln (Gen. Pl.)
ayam
dieses (Nom. Sg.)
bhagavatā
vom Herrn (Instr. Sg.)
uditaḥ
verkündet (Nom. Sg., PPP)
yat
welches [Mittel]
īśvare bhagavati
für den Herrn, den Höchsten (Lok. Sg.)
yathā
wie, auf welche Weise
yaiḥ
durch welche (Instr. Pl.)
añjasā
mühelos, unmittelbar (Instr.-Adv.)
ratiḥ
Zuneigung, Liebe (Nom. Sg.)

guru-śuśrūṣayā bhaktyā sarva-labdhārpaṇena ca saṅgena sādhu-bhaktānām īśvarārādhanena ca

durch Dienst am geistigen Lehrer, durch Hingabe, durch das Darbringen von allem Erworbenen, durch die Gemeinschaft mit heiligen Gottgeweihten und durch Verehrung des Herrn,

Wort für Wort
guru-śuśrūṣayā
durch Dienst am geistigen Lehrer (Instr. Sg.)
bhaktyā
durch Hingabe (Instr. Sg.)
sarva-labdha-arpaṇena
durch das Darbringen von allem Erworbenen (Instr. Sg.)
ca
und
saṅgena
durch die Gemeinschaft (Instr. Sg.)
sādhu-bhaktānām
der heiligen Gottgeweihten (Gen. Pl.)
īśvara-ārādhanena
durch Verehrung des Herrn (Instr. Sg.)
ca
und

Aufzählung, die sich über Vers 30-31 fortsetzt (Fortsetzung von Vers 29).

śraddhayā tat-kathāyāṃ ca kīrtanair guṇa-karmaṇām tat-pādāmburuha-dhyānāt tal-liṅgekṣārhaṇādibhiḥ

durch Glauben an die Erzählungen über Ihn und durch das Besingen Seiner Eigenschaften und Taten, durch Meditation über Seine Lotosfüße, durch das Betrachten Seiner Bildgestalt, durch Verehrung und dergleichen [mehr].

Wort für Wort
śraddhayā
durch Glauben (Instr. Sg.)
tat-kathāyām
in den Erzählungen über Ihn (Lok. Sg.)
ca
und
kīrtanaiḥ
durch das Besingen (Instr. Pl.)
guṇa-karmaṇām
Seiner Eigenschaften und Taten (Gen. Pl.)
tat-pāda-amburuha-dhyānāt
durch Meditation über Seine Lotosfüße (Abl. Sg.)
tat-liṅga-īkṣā
durch das Betrachten Seiner Bildgestalt (Instr.-Teil)
arhaṇa-ādibhiḥ
und durch Verehrung usw. (Instr. Pl.)

hariḥ sarveṣu bhūteṣu bhagavān āsta īśvaraḥ iti bhūtāni manasā kāmais taiḥ sādhu mānayet

[In dem Bewusstsein] „Hari, der Erhabene, der Herrscher, weilt in allen Wesen“ soll man die Wesen im Geiste und mit dem, [was ihnen entspricht,] gebührend achten.

Wort für Wort
hariḥ
Hari (Nom. Sg.)
sarveṣu bhūteṣu
in allen Wesen (Lok. Pl.)
bhagavān
der Erhabene (Nom. Sg.)
āste
weilt (Präs. 3. Sg.)
īśvaraḥ
als der Herrscher (Nom. Sg.)
iti
[im Bewusstsein] „so“
bhūtāni
die Wesen (Akk. Pl.)
manasā
mit dem Geist (Instr. Sg.)
kāmaiḥ taiḥ
mit diesem [ihnen Entsprechenden] (Instr. Pl.)
sādhu
gebührend (Adv.)
mānayet
man soll achten (Optativ 3. Sg., Kausativ)

evaṃ nirjita-ṣaḍ-vargaiḥ kriyate bhaktir īśvare vāsudeve bhagavati yayā saṃlabhyate ratiḥ

So wird von denen, die die sechs [Sinne/Leidenschaften] bezwungen haben, Hingabe zum Herrn, zu Vāsudeva, dem Erhabenen, geleistet - durch die [Hingabe] Liebe [zu Ihm] erlangt wird.

Wort für Wort
evam
so
nirjita-ṣaḍ-vargaiḥ
von denen, die die sechs [Sinne] bezwungen haben (Instr. Pl.)
kriyate
wird geleistet (Präs. Passiv 3. Sg.)
bhaktiḥ
Hingabe (Nom. Sg.)
īśvare
zum Herrn (Lok. Sg.)
vāsudeve bhagavati
zu Vāsudeva, dem Erhabenen (Lok. Sg.)
yayā
durch die (Instr. Sg. f.)
saṃlabhyate
wird erlangt (Präs. Passiv 3. Sg.)
ratiḥ
Liebe, Zuneigung (Nom. Sg.)

niśamya karmāṇi guṇān atulyān vīryāṇi līlā-tanubhiḥ kṛtāni yadātiharṣotpulakāśru-gadgadaṃ protkaṇṭha udgāyati rauti nṛtyati

Wenn [der Gottgeweihte] von den Taten, den unvergleichlichen Eigenschaften und den Heldentaten vernimmt, die durch [Seine] Spiel-Gestalten vollbracht wurden, [dann] singt er, sehnsuchtsvoll, mit vor übergroßer Freude sich sträubenden Haaren, Tränen und stockender Stimme, laut, ruft er und tanzt er.

Wort für Wort
niśamya
vernehmend (Absolutiv)
karmāṇi
die Taten (Akk. Pl.)
guṇān atulyān
die unvergleichlichen Eigenschaften (Akk. Pl.)
vīryāṇi
die Heldentaten (Akk. Pl.)
līlā-tanubhiḥ
durch [Seine] Spiel-Gestalten (Instr. Pl.)
kṛtāni
vollbracht (Akk. Pl., PPP)
yadā
wenn
ati-harṣa-utpulaka-aśru-gadgadam
mit vor Freude sich sträubenden Haaren, Tränen und stockender Stimme (Adv.)
protkaṇṭhaḥ
sehnsuchtsvoll (Nom. Sg.)
udgāyati
er singt laut (Präs. 3. Sg.)
rauti
er ruft (Präs. 3. Sg.)
nṛtyati
er tanzt (Präs. 3. Sg.)

yadā graha-grasta iva kvacid dhasaty ākrandate dhyāyati vandate janam muhuḥ śvasan vakti hare jagat-pate nārāyaṇety ātma-matir gata-trapaḥ

Wenn er, wie von einem Dämon besessen, bisweilen lacht, laut aufschreit, meditiert, die Menschen ehrfurchtsvoll grüßt, immer wieder schwer atmend spricht: „O Hari, o Herr des Universums, o Nārāyaṇa!“ - [dann ist] sein Geist [ganz auf Ihn gerichtet] und alle [falsche] Scham von ihm gewichen.

Wort für Wort
yadā
wenn
graha-grastaḥ iva
wie von einem Dämon besessen (Nom. Sg. + Vergleich)
kvacit
manchmal
hasati
er lacht (Präs. 3. Sg.)
ākrandate
er schreit laut auf (Präs. 3. Sg. Med.)
dhyāyati
er meditiert (Präs. 3. Sg.)
vandate janam
er grüßt/verehrt die Menschen (Präs. 3. Sg. Med. + Akk.)
muhuḥ
wiederholt, immer wieder
śvasan
schwer atmend (Part. Präs.)
vakti
er spricht (Präs. 3. Sg.)
hare jagat-pate
o Hari, o Herr des Universums (Vok.)
nārāyaṇa iti
„Nārāyaṇa“ [sagend] (Vok. + Zitatpartikel)
ātma-matiḥ
dessen Geist [auf Ihn gerichtet] (Nom. Sg.)
gata-trapaḥ
dessen Scham gewichen ist (Nom. Sg.)

tadā pumān mukta-samasta-bandhanas tad-bhāva-bhāvānukṛtāśayākṛtiḥ nirdagdha-bījānuśayo mahīyasā bhakti-prayogeṇa sametyadhokṣajam

Dann erreicht der Mensch, von allen Fesseln befreit, dessen innere Haltung und äußere Gestalt Seinem [Gottes] Wesen nachgeformt sind, dessen Samen [der Handlungen] und deren Nachwirkungen verbrannt sind, durch die überaus mächtige Ausübung der Hingabe den Transzendenten [Gott].

Wort für Wort
tadā
dann
pumān
der Mensch (Nom. Sg.)
mukta-samasta-bandhanaḥ
von allen Fesseln befreit (Nom. Sg.)
tad-bhāva-bhāva-anukṛta-āśaya-ākṛtiḥ
dessen inneres Wesen und Gestalt Seinem Wesenszustand nachgeformt sind (Nom. Sg.)
nirdagdha-bīja-anuśayaḥ
dessen [Handlungs-]Samen und Nachwirkungen verbrannt sind (Nom. Sg.)
mahīyasā
durch die überaus mächtige (Instr. Sg., Komparativ)
bhakti-prayogeṇa
durch die Ausübung der Hingabe (Instr. Sg.)
sameti
er erreicht, vereinigt sich mit (Präs. 3. Sg.)
adhokṣajam
den Transzendenten (Akk. Sg.)

adhokṣajālambham ihāśubhātmanaḥ śarīriṇaḥ saṃsṛti-cakra-śātanam tad brahma-nirvāṇa-sukhaṃ vidur budhās tato bhajadhvaṃ hṛdaye hṛdīśvaram

Das Erlangen des Transzendenten hier [in diesem Leben] ist das Zerschneiden des Rades des weltlichen Daseins für den Verkörperten, dessen [natürliches] Wesen unheilvoll ist; dies erkennen die Weisen als die Glückseligkeit der Erlöschung im Brahman. Verehrt also im Herzen den Herrn des Herzens!

Wort für Wort
adhokṣaja-ālambham
das Ergreifen/Erlangen des Transzendenten (Nom./Akk. Sg.)
iha
hier
aśubha-ātmanaḥ
dessen Wesen unheilvoll ist (Gen. Sg.)
śarīriṇaḥ
des Verkörperten (Gen. Sg.)
saṃsṛti-cakra-śātanam
das Zerschneiden des Rades des weltlichen Daseins (Nom. Sg.)
tat
das, dieses
brahma-nirvāṇa-sukham
die Glückseligkeit der Erlöschung im Brahman (Akk. Sg.)
viduḥ
sie wissen (Perf. 3. Pl.)
budhāḥ
die Weisen (Nom. Pl.)
tataḥ
deshalb
bhajadhvam
verehrt! (Impv. 2. Pl. Med.)
hṛdaye
im Herzen (Lok. Sg.)
hṛdi-īśvaram
den Herrn des Herzens (Akk. Sg.)

ko 'tiprayāso 'sura-bālakā harer upāsane sve hṛdi chidravat sataḥ svasyātmanaḥ sakhyur aśeṣa-dehināṃ sāmānyataḥ kiṃ viṣayopapādanaiḥ

Welche übermäßige Mühe [bedarf es], o Dämonenkinder, zur Verehrung Haris, der im eigenen Herzen wie im [Herzens-]Hohlraum weilt, [Er,] der Freund des eigenen Selbst aller verkörperten Wesen, für alle gleichermaßen? Wozu [also] das Herbeischaffen von Sinnesobjekten?

Wort für Wort
kaḥ ati-prayāsaḥ
welche übermäßige Mühe (Nom. Sg.)
asura-bālakāḥ
o Dämonenkinder (Vok. Pl.)
hareḥ upāsane
in der Verehrung Haris (Gen. + Lok. Sg.)
sve hṛdi
im eigenen Herzen (Lok. Sg.)
chidravat
wie im Hohlraum (Adv.)
sataḥ
dessen, der [dort] weilt (Gen. Sg.)
svasya ātmanaḥ
des eigenen Selbst (Gen. Sg.)
sakhyuḥ
des Freundes (Gen. Sg.)
aśeṣa-dehinām
aller verkörperten Wesen (Gen. Pl.)
sāmānyataḥ
gemeinsam, gleichermaßen (Adv.)
kim
was, wozu
viṣaya-upapādanaiḥ
mit dem Herbeischaffen von Sinnesobjekten (Instr. Pl.)

rāyaḥ kalatraṃ paśavaḥ sutādayo gṛhā mahī kuñjara-kośa-bhūtayaḥ sarve 'rtha-kāmāḥ kṣaṇa-bhaṅgurāyuṣaḥ kurvanti martyasya kiyat priyaṃ calāḥ

Reichtümer, Gattin, Vieh, Söhne und dergleichen, Häuser, Land, Elefanten, Schatzkammern und Wohlstand - all diese unbeständigen [Dinge], die [nur] Wünschen nach Besitz [dienen] und deren Dauer in einem Augenblick zerbricht - wie viel Liebes können sie dem Sterblichen wirklich erweisen?

Wort für Wort
rāyaḥ
Reichtümer (Nom. Pl.)
kalatram
Gattin (Nom. Sg.)
paśavaḥ
Vieh (Nom. Pl.)
suta-ādayaḥ
Söhne und dergleichen (Nom. Pl.)
gṛhāḥ
Häuser (Nom. Pl.)
mahī
Land (Nom. Sg.)
kuñjara-kośa-bhūtayaḥ
Elefanten, Schatzkammern, Wohlstand (Nom. Pl.)
sarve
alle (Nom. Pl.)
artha-kāmāḥ
[Dinge, die nur] Besitzwünschen [dienen] (Nom. Pl.)
kṣaṇa-bhaṅgura-āyuṣaḥ
deren Dauer im Augenblick zerbricht (Nom. Pl.)
kurvanti
sie bewirken (Präs. 3. Pl.)
martyasya
dem Sterblichen (Gen. Sg.)
kiyat priyam
wie viel Liebes (Akk. Sg.)
calāḥ
die Unbeständigen (Nom. Pl.)

evaṃ hi lokāḥ kratubhiḥ kṛtā amī kṣayiṣṇavaḥ sātiśayā na nirmalāḥ tasmād adṛṣṭa-śruta-dūṣaṇaṃ paraṃ bhaktyoktayeśaṃ bhajatātma-labdhaye

So sind wahrlich jene [höheren] Welten, die durch [rituelle] Opfer erlangt werden, vergänglich, von Rangunterschieden [geprägt] und nicht makellos. Verehrt daher, zur Erlangung des [wahren] Selbst, den Höchsten Herrn, dessen [Vollkommenheit] weder ein Makel gesehen noch gehört wurde, den Herrn, von dem gelehrt wird, dass Er durch Hingabe [zu erreichen ist].

Wort für Wort
evam hi
so wahrlich
lokāḥ
die [höheren] Welten (Nom. Pl.)
kratubhiḥ
durch [rituelle] Opfer (Instr. Pl.)
kṛtāḥ
erlangt (Nom. Pl., PPP)
amī
jene (Nom. Pl.)
kṣayiṣṇavaḥ
vergänglich (Nom. Pl.)
sa-atiśayāḥ
mit Rangunterschieden [behaftet] (Nom. Pl.)
na nirmalāḥ
nicht makellos (Nom. Pl.)
tasmāt
deshalb
adṛṣṭa-śruta-dūṣaṇam
dessen Makel weder gesehen noch gehört wurde (Akk. Sg.)
param
den Höchsten (Akk. Sg.)
bhaktyā uktaḥ
durch Hingabe [erreichbar] gelehrt (Nom. Sg.)
īśam
den Herrn (Akk. Sg.)
bhajata
verehrt! (Impv. 2. Pl.)
ātma-labdhaye
zur Erlangung des Selbst (Dat. Sg.)

yad-artha iha karmāṇi vidvan-mānya-sakṛn naraḥ karoty ato viparyāsam amoghaṃ vindate phalam

Der Mensch, der - von den Gelehrten geachtet - um eines [bestimmten] Zweckes willen hier [im Leben] rasch Handlungen vollbringt, erlangt dadurch unweigerlich das Gegenteil [dessen, was er wollte,] als Frucht.

Wort für Wort
yad-arthaḥ
dessentwegen, mit dem und dem Zweck (Nom. Sg.)
iha
hier
karmāṇi
Handlungen (Akk. Pl.)
vidvat-mānyaḥ
von den Gelehrten geachtet (Nom. Sg.) [?]
sakṛt
rasch, sogleich (Adv.) [?]
naraḥ
der Mensch (Nom. Sg.)
karoti
er tut (Präs. 3. Sg.)
ataḥ
dadurch
viparyāsam
das Gegenteil (Akk. Sg.)
amogham
unfehlbar (Akk. Sg.)
vindate phalam
er erlangt als Frucht (Präs. 3. Sg. Med. + Akk.)

Die genaue syntaktische Zusammensetzung von 'vidvan-mānya-sakṛt' ist uneindeutig; hier als 'von den Gelehrten geachtet, rasch/sogleich [handelnd]' gedeutet. [?]

sukhāya duḥkha-mokṣāya saṅkalpa iha karmiṇaḥ sadāpnotīhayā duḥkham anīhāyāḥ sukhāvṛtaḥ

Die Absicht des [fruchtiv] Handelnden hier [im Leben] ist [stets] auf Glück und Befreiung von Leid gerichtet; [doch] durch [sein eigenes] Streben erlangt er stets [nur] Leid, denn er bleibt dem Glück des Nicht-Strebens gegenüber verhüllt.

Wort für Wort
sukhāya
zum Glück (Dat. Sg.)
duḥkha-mokṣāya
zur Befreiung von Leid (Dat. Sg.)
saṅkalpaḥ
der Entschluss (Nom. Sg.)
iha
hier
karmiṇaḥ
des Handelnden (Gen. Sg.)
sadā
stets
āpnoti
er erlangt (Präs. 3. Sg.)
īhayā
durch [sein] Streben (Instr. Sg.)
duḥkham
Leid (Akk. Sg.)
anīhāyāḥ sukham
dem Glück des Nicht-Strebens (Gen. + Akk. Sg.)
āvṛtaḥ
verhüllt, abgeschieden (Nom. Sg.)

'sukhāvṛtaḥ' (Nom. Sg. m.) wird hier auf den impliziten Handelnden bezogen, nicht auf 'sukham' (n.); Lesart mit Bezugsakkusativ 'verhüllt hinsichtlich des Glücks'. [?]

kāmān kāmayate kāmyair yad-artham iha pūruṣaḥ sa vai dehas tu pārakyo bhaṅguro yāty upaiti ca

Wonach der Mensch hier [im Leben] durch begehrenswerte [Mittel] verlangt und Wünsche begehrt - jener Körper [selbst, für den er das tut,] gehört [in Wahrheit] einem anderen, ist zerbrechlich und kommt und geht [im Kreislauf der Wiedergeburten].

Wort für Wort
kāmān
Wünsche (Akk. Pl.)
kāmayate
er begehrt (Präs. 3. Sg. Med.)
kāmyaiḥ
durch begehrenswerte [Mittel] (Instr. Pl.)
yad-artham
wofür (Akk.-Adv.)
iha
hier
pūruṣaḥ
der Mensch (Nom. Sg.)
saḥ vai dehaḥ tu
jener Körper aber wahrlich (Nom. Sg.)
pārakyaḥ
einem anderen gehörig (Nom. Sg.)
bhaṅguraḥ
zerbrechlich (Nom. Sg.)
yāti upaiti ca
er kommt und geht (Präs. 3. Sg.)

kimu vyavahitāpatya-dārāgāra-dhanādayo rājya-kośa-gajāmātya-bhṛtyāptā mamatāspadāḥ

Wie viel mehr [gilt dies dann für die] noch entfernteren [Besitztümer wie] Kinder, Gattin, Haus, Reichtum und dergleichen, Königreich, Schatzkammer, Elefanten, Minister, Diener [und] Verwandte - [alles nur] Gegenstände des [falschen] Besitzdenkens „mein“!

Wort für Wort
kim u
wie viel mehr, geschweige denn
vyavahita
entfernter, mittelbarer (Adj.)
apatya-dāra-agāra-dhana-ādayaḥ
Kinder, Gattin, Haus, Reichtum und dergleichen (Nom. Pl.)
rājya-kośa-gaja-amātya-bhṛtya-āptāḥ
Königreich, Schatzkammer, Elefanten, Minister, Diener, Verwandte (Nom. Pl.)
mamatā-āspadāḥ
Gegenstände des Besitzdenkens 'mein' (Nom. Pl.)

kimetair ātmanas tucchaiḥ saha dehena naśvaraiḥ anarthair artha-saṅkāśair nityānanda-rasodadheḥ

Was [nützen] für das Selbst, [das doch] ein Ozean der Essenz ewiger Glückseligkeit [ist], diese nichtigen, vergänglichen Übel, die [nur] wie Wertvolles erscheinen, zusammen mit dem [ebenso vergänglichen] Körper?

Wort für Wort
kim etaiḥ
was [nützen] mit diesen (Instr. Pl.)
ātmanaḥ
für das Selbst (Gen. Sg.)
tucchaiḥ
nichtigen (Instr. Pl.)
saha dehena
zusammen mit dem Körper (Instr. Sg.)
naśvaraiḥ
vergänglichen (Instr. Pl.)
anarthaiḥ
Übeln (Instr. Pl.)
artha-saṅkāśaiḥ
die wie Wertvolles erscheinen (Instr. Pl.)
nitya-ānanda-rasa-udadheḥ
für [das,] das ein Ozean der Essenz ewiger Glückseligkeit [ist] (Gen. Sg.)

nirūpyatām iha svārthaḥ kiyān deha-bhṛto 'surāḥ niṣekādiṣv avasthāsu kliśyamānasya karmabhiḥ

Es soll geprüft werden, o Dämonenkinder, wie groß hier [wirklich] der eigene Nutzen des verkörperten Wesens ist, das durch [die Folgen seiner früheren] Handlungen in den Zuständen von der Empfängnis an gequält wird.

Wort für Wort
nirūpyatām
es soll geprüft werden (Impv. Passiv 3. Sg.)
iha
hier
sva-arthaḥ
der eigene Nutzen (Nom. Sg.)
kiyān
wie groß (Nom. Sg.)
deha-bhṛtaḥ
des verkörperten Wesens (Gen. Sg.)
asurāḥ
o Dämonenkinder (Vok. Pl.)
niṣeka-ādiṣu avasthāsu
in den Zuständen von der Empfängnis an (Lok. Pl.)
kliśyamānasya
dessen, der gequält wird (Gen. Sg.)
karmabhiḥ
durch [frühere] Handlungen (Instr. Pl.)

karmāṇy ārabhate dehī dehenātmānuvartinā karmabhis tanute deham ubhayaṃ tv avivekataḥ

Der Verkörperte unternimmt Handlungen mit dem Körper, der [scheinbar] dem Selbst folgt, und durch Handlungen formt er [wiederum neue] Körper - beides [geschieht] aber aus Mangel an Unterscheidungsvermögen.

Wort für Wort
karmāṇi
Handlungen (Akk. Pl.)
ārabhate
er beginnt/unternimmt (Präs. 3. Sg. Med.)
dehī
der Verkörperte (Nom. Sg.)
dehena
mit dem Körper (Instr. Sg.)
ātma-anuvartinā
der dem Selbst [scheinbar] folgt (Instr. Sg.)
karmabhiḥ
durch Handlungen (Instr. Pl.)
tanute deham
er formt den Körper (Präs. 3. Sg. Med. + Akk.)
ubhayam tu
beides aber (Nom./Akk. Sg. n.)
avivekataḥ
aus Mangel an Unterscheidungsvermögen (Abl.-Adv.)

tasmād arthāś ca kāmāś ca dharmāś ca yad-apāśrayāḥ bhajatānīhayātmānam anīhaṃ harim īśvaram

Verehrt daher ohne [eigenes] Streben das Selbst, den nicht-strebenden Hari, den Herrn, auf dem Besitz, Sinnengenuss und religiöse Pflicht [letztlich alle] beruhen.

Wort für Wort
tasmāt
deshalb
arthāḥ ca
Besitz und (Nom. Pl.)
kāmāḥ ca
Sinnengenuss und (Nom. Pl.)
dharmāḥ ca
religiöse Pflicht und (Nom. Pl.)
yad-apāśrayāḥ
die auf wem beruhen (Nom. Pl.)
bhajata
verehrt! (Impv. 2. Pl.)
anīhayā
ohne [eigenes] Streben (Instr.-Adv.)
ātmānam
das Selbst (Akk. Sg.)
anīham
das nicht-strebende (Akk. Sg.)
harim īśvaram
Hari, den Herrn (Akk. Sg.)

sarveṣāmapi bhūtānāṃ harir ātmeśvaraḥ priyaḥ bhūtair mahadbhiḥ sva-kṛtaiḥ kṛtānāṃ jīva-saṃjñitaḥ

Hari, der Herr des Selbst, ist der Liebste aller Wesen, die aus den von Ihm selbst geschaffenen groben Elementen gebildet sind und deren jeweiliges individuelles Selbst als Jīva [Einzelseele] bezeichnet wird.

Wort für Wort
sarveṣām api bhūtānām
aller Wesen (Gen. Pl.)
hariḥ
Hari (Nom. Sg.)
ātma-īśvaraḥ
der Herr des Selbst (Nom. Sg.)
priyaḥ
der Liebste (Nom. Sg.)
bhūtaiḥ mahadbhiḥ
durch die großen [groben] Elemente (Instr. Pl.)
sva-kṛtaiḥ
von [Ihm] selbst geschaffen (Instr. Pl.)
kṛtānām
der [daraus] gemachten [Wesen] (Gen. Pl.)
jīva-saṃjñitaḥ
der als Jīva bezeichnet wird (Nom. Sg.)

Feinheit der Aussage: Hari als das innerste Selbst aller Geschöpfe ist ihnen der Liebste, obwohl Er - verkörpert in den von Ihm selbst geschaffenen Elementen - als individuelle Seele (jīva) erscheint. [?]

devo 'suro manuṣyo vā yakṣo gandharva eva vā bhajan mukunda-caraṇaṃ svasti-mān syād yathā vayam

Ob Gott, Dämon oder Mensch, ob Yakṣa oder auch Gandharva - wer die Füße Mukundas [des Befreiers] verehrt, möge gesegnet werden, so wie [auch] wir [es werden].

Wort für Wort
devaḥ
ein Gott (Nom. Sg.)
asuraḥ
ein Dämon (Nom. Sg.)
manuṣyaḥ vā
oder ein Mensch (Nom. Sg.)
yakṣaḥ
ein Yakṣa (Nom. Sg.)
gandharvaḥ eva vā
oder auch ein Gandharva (Nom. Sg.)
bhajan
verehrend (Nom. Sg., Part.)
mukunda-caraṇam
die Füße Mukundas (Akk. Sg.)
svasti-mān
gesegnet, wohlergehend (Nom. Sg.)
syāt
er möge werden (Optativ 3. Sg.)
yathā vayam
wie [auch] wir

nālaṃ dvijatvaṃ devatvam ṛṣitvaṃ vāsurātmajāḥ prīṇanāya mukundasya na vṛttaṃ na bahu-jñatā

Weder Brahmanenstatus, noch Gottesstatus, noch Weisenstatus, o Söhne der Asuras, [reichen] aus, um Mukunda zu erfreuen, noch [gutes] Betragen, noch vielfältiges Wissen.

Wort für Wort
na alam
nicht ausreichend
dvijatvam
Brahmanenstatus (Nom. Sg.)
devatvam
Gottesstatus (Nom. Sg.)
ṛṣitvam vā
oder Weisenstatus (Nom. Sg.)
asura-ātmajāḥ
o Söhne der Asuras (Vok. Pl.)
prīṇanāya
zur Erfreuung (Dat. Sg.)
mukundasya
Mukundas (Gen. Sg.)
na vṛttam
nicht [gutes] Betragen (Nom. Sg.)
na bahu-jñatā
nicht vielfältiges Wissen (Nom. Sg.)

na dānaṃ na tapo nejyā na śaucaṃ na vratāni ca prīyate 'malayā bhaktyā harir anyad viḍambanam

Weder durch Wohltätigkeit, noch Askese, noch Opfer, noch [rituelle] Reinheit, noch Gelübde [wird Hari erfreut] - durch makellose Hingabe [allein] wird Hari erfreut; alles andere ist [bloße] Vortäuschung.

Wort für Wort
na dānam
nicht Wohltätigkeit (Nom. Sg.)
na tapaḥ
nicht Askese (Nom. Sg.)
na ijyā
nicht Opferdarbringung (Nom. Sg.)
na śaucam
nicht [rituelle] Reinheit (Nom. Sg.)
na vratāni ca
und nicht Gelübde (Nom. Pl.)
prīyate
er wird erfreut (Präs. Passiv 3. Sg.)
amalayā bhaktyā
durch makellose Hingabe (Instr. Sg.)
hariḥ
Hari (Nom. Sg.)
anyat viḍambanam
alles andere [ist] Vortäuschung (Nom. Sg.)

tato harau bhagavati bhaktiṃ kuruta dānavāḥ ātmaupamyena sarvatra sarva-bhūtātmanīśvare

Übt daher, o Dānavas, Hingabe zu Hari, dem Erhabenen, indem ihr überall [alle Wesen] mit euch selbst gleichsetzt - zum Herrn, der die Seele aller Wesen ist.

Wort für Wort
tataḥ
deshalb
harau bhagavati
zu Hari, dem Erhabenen (Lok. Sg.)
bhaktim
Hingabe (Akk. Sg.)
kuruta
übt! (Impv. 2. Pl.)
dānavāḥ
o Dānavas (Vok. Pl.)
ātma-aupamyena
durch Gleichsetzung mit sich selbst (Instr. Sg.)
sarvatra
überall
sarva-bhūta-ātmani
der die Seele aller Wesen ist (Lok. Sg.)
īśvare
im Herrn (Lok. Sg.)

daiteyā yakṣa-rakṣāṃsi striyaḥ śūdrā vrajaukasaḥ khagā mṛgāḥ pāpa-jīvāḥ santi hy acyutatāṃ gatāḥ

Daityas, Yakṣas und Rākṣasas, Frauen, Śūdras, Waldbewohner, Vögel, Tiere [und selbst] Wesen mit sündigem Leben sind wahrlich zum [Zustand des] Unfehlbaren [Gottes] gelangt [wenn sie sich Ihm hingaben].

Wort für Wort
daiteyāḥ
die Daityas (Nom. Pl.)
yakṣa-rakṣāṃsi
Yakṣas und Rākṣasas (Nom. Pl.)
striyaḥ
Frauen (Nom. Pl.)
śūdrāḥ
Śūdras (Nom. Pl.)
vraja-okasaḥ
Waldbewohner (Nom. Pl.)
khagāḥ
Vögel (Nom. Pl.)
mṛgāḥ
Tiere (Nom. Pl.)
pāpa-jīvāḥ
Wesen mit sündigem Leben (Nom. Pl.)
santi hi
sie sind wahrlich (Präs. 3. Pl.)
acyutatām
den Zustand des Unfehlbaren (Akk. Sg.)
gatāḥ
gelangt (Nom. Pl., PPP)

etāvān eva loke 'smin puṃsaḥ svārthaḥ paraḥ smṛtaḥ ekānta-bhaktir govinde yat sarvatra tad-īkṣaṇam

Nur dies allein gilt in dieser Welt als der höchste eigene Nutzen des Menschen: ausschließliche Hingabe zu Govinda, die darin [besteht], Ihn überall zu erblicken.

Wort für Wort
etāvān eva
genau so viel, nur dies allein (Nom. Sg.)
loke asmin
in dieser Welt (Lok. Sg.)
puṃsaḥ
des Menschen (Gen. Sg.)
sva-arthaḥ paraḥ
der höchste eigene Nutzen (Nom. Sg.)
smṛtaḥ
wird gelehrt, gilt (Nom. Sg., PPP)
ekānta-bhaktiḥ
ausschließliche Hingabe (Nom. Sg.)
govinde
zu Govinda (Lok. Sg.)
yat
welche, die darin [besteht]
sarvatra
überall
tad-īkṣaṇam
das Erblicken desselben (Nom. Sg.)

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