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Śrī Nārada sprach: So von den Söhnen der Daityas befragt, sprach der große Gottgeweihte unter den Dämonen [Prahlāda] lächelnd zu ihnen, indem er sich an das erinnerte, was ich [Nārada] ihm einst mitgeteilt hatte.
Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
der glorreiche Nārada (Nom. Sg.) sprach (Perf. 3. Sg.)
Śrī Prahlāda sprach: Als unser Vater zur Askese zum Berg Mandara aufgebrochen war, unternahmen die Götter eine gewaltige Kriegsanstrengung gegen die Dānavas.
pipīlikair ahir iva diṣṭyā lokopatāpanaḥ
pāpena pāpo 'bhakṣīti vadanto vāsavādayaḥ
„Wie eine Schlange von Ameisen, so wurde glücklicherweise der Bedränger der Welt, der Sündige, durch [seine eigene] Sünde verzehrt“ - so sprachen Vāsava [Indra] und die anderen [Götter].
Wort für Wort
pipīlikaiḥ
von Ameisen (Instr. Pl.)
ahiḥ iva
wie eine Schlange (Nom. Sg. + Vergleichspartikel)
diṣṭyā
glücklicherweise, durch Fügung (Instr. als Adv.)
loka-upatāpanaḥ
der Bedränger der Welt (Nom. Sg.)
pāpena
durch Sünde/den Sündigen (Instr. Sg.)
pāpaḥ
der Sündige (Nom. Sg.)
abhakṣi
wurde verzehrt (Aor. Passiv 3. Sg.)
iti
so (Zitatpartikel)
vadantaḥ
sagend (Nom. Pl., Part. Präs.)
vāsava-ādayaḥ
Vāsava [Indra] und die anderen (Nom. Pl.)
pāpena pāpo 'bhakṣīt: wörtlich „der Sündige wurde vom Sündigen/durch Sünde verzehrt“ - gemeint ist Hiraṇyakaśipus Untergang durch seine eigene Sündhaftigkeit.
Als die Anführer der Dämonenscharen von der überaus gewaltigen Kraftanstrengung jener [Götter] vernommen hatten, flohen sie, von den Göttern niedergemetzelt und von Furcht ergriffen, in alle Richtungen.
Ohne einen Blick zurück auf ihre Häuser mit Gattinnen, Söhnen, Reichtum und Verwandten, mit Vieh und Hausrat, eilten sie alle hastig davon, nur ihr Leben retten wollend.
Wort für Wort
kalatra-putra-vitta-āptān
mit Gattinnen, Söhnen, Reichtum und Verwandten [versehen] (Akk. Pl.)
gṛhān
die Häuser (Akk. Pl.)
paśu-paricchadān
mit Vieh und Hausrat [versehen] (Akk. Pl.)
na avekṣyamāṇāḥ
nicht zurückblickend (Nom. Pl., Neg. + Part.)
tvaritāḥ
eilend, hastig (Nom. Pl.)
sarve
alle (Nom. Pl.)
prāṇa-parīpsavaḥ
ihr Leben retten wollend (Nom. Pl., Desiderativ-Adj.)
nīyamānāṃ bhayodvignāṃ rudatīṃ kurarīm iva
yadṛcchayāgatas tatra devarṣir dadṛśe pathi
Sie wurde fortgeführt, von Furcht bestürzt, weinend wie ein Kurarī-Vogel[weibchen] - da sah der zufällig des Weges kommende Götterweise [Nārada] sie dort.
Wort für Wort
nīyamānām
fortgeführt werdend (Akk. Sg. f., Passiv-Part.)
bhaya-udvignām
von Furcht erregt/bestürzt (Akk. Sg. f.)
rudatīm
weinend (Akk. Sg. f., Part. Präs.)
kurarīm iva
wie ein Kurarī-Vogel[weibchen] (Akk. Sg. + Vergleich)
Er sprach: „O Herr der Götter, du solltest sie, die Schuldlose, nicht wegführen! Lass los, lass los, o Erhabener, die keusche Frau, die einem anderen gehört [d. h. eines anderen Gattin ist]!“
Śrī Indra sprach: „In ihrem Leib weilt der unüberwindliche Same des Götterfeindes [Hiraṇyakaśipus]. Sie soll bleiben bis zur Geburt - ich werde sie freilassen, sobald ich mein Ziel erreicht habe.“
Śrī Nārada sprach: „Dieser [im Schoß] ist wahrhaftig sündenfrei, ein großer, erhabener Gottgeweihter; er, ein Gefolgsmann des Unendlichen [Viṣṇu] und Kraftvoller, wird durch dich keinen Untergang erleiden.“
Wort für Wort
śrī-nāradaḥ uvāca
der glorreiche Nārada sprach
ayam
dieser (Nom. Sg.)
niṣkilbiṣaḥ
sündenfrei (Nom. Sg.)
sākṣāt
unmittelbar, wahrhaftig (Adv.)
mahābhāgavataḥ
der große Gottgeweihte (Nom. Sg.)
mahān
groß, erhaben (Nom. Sg.)
tvayā
durch dich (Instr. Sg.)
na prāpsyate
wird nicht erlangen/erleiden (Fut. Passiv 3. Sg.)
saṃsthām
Untergang, Tod (Akk. Sg.)
ananta-anucaraḥ
ein Gefolgsmann des Unendlichen [Viṣṇu] (Nom. Sg.)
So angesprochen, ließ Indra sie los, die Worte des Götterweisen ehrend; und weil ihre Hingabe Ananta [Viṣṇu] lieb war, umschritt er sie [ehrfurchtsvoll] und ging zum Himmel.
Wort für Wort
iti uktaḥ
so angesprochen (Nom. Sg., PPP)
tām
sie (Akk. Sg.)
vihāya
loslassend (Absolutiv)
indraḥ
Indra (Nom. Sg.)
devarṣeḥ
des Götterweisen (Gen. Sg.)
mānayan vacaḥ
die Worte ehrend (Nom. Sg. Part. + Akk.)
ananta-priya-bhaktyā
wegen [ihrer] Hingabe, die Ananta lieb ist (Instr. Sg.)
tato me mātaram ṛṣiḥ samānīya nijāśrame
āśvāsyehoṣyatāṃ vatse yāvat te bhartur āgamaḥ
Darauf führte der Weise [Nārada] meine Mutter in seine eigene Einsiedelei, tröstete sie und [sprach]: „Bleibe hier, mein Kind, bis dein Gatte zurückkehrt.“
Wort für Wort
tataḥ
dann, darauf
me mātaram
meine Mutter (Akk. Sg.)
ṛṣiḥ
der Weise [Nārada] (Nom. Sg.)
samānīya
hergeführt habend (Absolutiv)
nija-āśrame
in seine eigene Einsiedelei (Lok. Sg.)
āśvāsya
tröstend, beruhigt habend (Absolutiv, Kausativ)
iha
hier
uṣyatām
es soll gewohnt werden = bleibe (Impv. unpers. 3. Sg.)
„So sei es“, [sagte sie] und wohnte furchtlos in der Nähe des Götterweisen, solange der Herr der Daityas [Hiraṇyakaśipu] nicht von seiner schrecklichen Askese zurückkehrte.
ṛṣiṃ paryacarat tatra bhaktyā paramayā satī
antarvatnī sva-garbhasya kṣemāyecchā-prasūtaye
Die tugendhafte, schwangere [Frau] diente dort dem Weisen mit höchster Hingabe, zum Wohlergehen ihrer Leibesfrucht und zu einer glücklichen Geburt, wie sie es wünschte.
tat tu kālasya dīrghatvāt strītvān mātus tirodadhe
ṛṣiṇānugṛhītaṃ māṃ nādhunāpy ajahāt smṛtiḥ
Das aber [Wissen] entschwand der Mutter wegen der Länge der Zeit und ihrer weiblichen Natur; mich jedoch, der ich vom Weisen begnadet worden war, hat die Erinnerung [daran] auch jetzt noch nicht verlassen.
bhavatāmapi bhūyān me yadi śraddadhate vacaḥ
vaiśāradī dhīḥ śraddhātaḥ strī-bālānāṃ ca me yathā
Auch euch, wenn ihr meinen Worten vertraut, möge reichlich meisterhafte Weisheit zuteilwerden - durch Glauben [entstehend], wie sie [auch] Frauen und Kindern [zuteilwird], und wie [sie] mir [zuteilwurde].
Wort für Wort
bhavatām api
auch euch (Gen. Pl.)
bhūyān
reichlich, mehr werdend (Nom. Sg., unklare Kongruenz) [?]
me vacaḥ
meine Worte (Nom./Akk. Sg. n.)
yadi śraddadhate
wenn (ihr) vertraut (Präs. 2. Pl. Med.)
vaiśāradī
meisterhafte, kompetente (Nom. Sg. f.)
dhīḥ
Einsicht, Weisheit (Nom. Sg. f.)
śraddhātaḥ
aus Glauben (Abl.-Adv.)
strī-bālānām
der Frauen und Kinder (Gen. Pl.)
ca me
und mir (Gen. Sg.)
yathā
wie, gleichwie
Die Kongruenz von 'bhūyān' (Nom. Sg. m.) mit dem sächlichen 'vacaḥ' ist grammatisch uneinheitlich; hier als lose-adverbielle Verstärkung ('reichlich, in wachsendem Maße') gedeutet. [?]
Diese sechs mit der Geburt beginnenden Zustände werden am Körper beobachtet, nicht am Selbst - wie [die Zustände] der Früchte eines Baumes, [bewirkt] durch die Zeit, die die Verkörperung des Herrschers [Gottes] ist.
Wort für Wort
janma-ādyāḥ
mit der Geburt beginnend (Nom. Pl.)
ṣaṭ ime
diese sechs (Nom. Pl.)
bhāvāḥ
Zustände, Wandlungen (Nom. Pl.)
dṛṣṭāḥ
gesehen, beobachtet (Nom. Pl., PPP)
dehasya
des Körpers (Gen. Sg.)
na ātmanaḥ
nicht des Selbst (Gen. Sg.)
phalānām iva vṛkṣasya
wie [bei] den Früchten eines Baumes (Gen. + Vergleich)
kālena
durch die Zeit (Instr. Sg.)
īśvara-mūrtinā
die die Verkörperung des Herrschers ist (Instr. Sg.)
Die sechs Wandlungen (ṣaḍ-bhāva-vikāra): Geburt, Bestehen, Wachstum, Reifung, Abnahme, Vergehen.
Das Selbst ist ewig, unvergänglich, rein, eins, der Kenner des Feldes [Körpers], die Grundlage, unveränderlich, aus sich selbst sehend, die Ursache, alldurchdringend, unberührt und unverhüllt.
Durch diese zwölf höchsten Kennzeichen des Selbst soll der Wissende die aus Verblendung entstandene, unwirkliche Vorstellung von „Ich“ und „Mein“ in Bezug auf den Körper und dergleichen aufgeben.
Wort für Wort
etaiḥ dvādaśabhiḥ
durch diese zwölf (Instr. Pl.)
vidvān
der Wissende (Nom. Sg.)
ātmanaḥ lakṣaṇaiḥ paraiḥ
durch die höchsten Kennzeichen des Selbst (Instr. Pl.)
Wie ein darin kundiger Goldschmied das Gold aus den Steinen in den [Erz-]Feldern durch [geeignete] Methoden gewinnt, so würde der Kenner der höheren Selbsterkenntnis durch Methoden der Selbsterkenntnis das Erreichen des Brahman in den Feldern, [d. h.] den Körpern, erlangen.
Wort für Wort
svarṇam
Gold (Akk. Sg.)
yathā
wie, gleichwie
grāvasu
in den Steinen/Erzen (Lok. Pl.)
hema-kāraḥ
der Goldschmied (Nom. Sg.)
kṣetreṣu
in den [Erz-]Feldern (Lok. Pl.)
yogaiḥ
durch Methoden (Instr. Pl.)
tad-abhijñaḥ
darin kundig (Nom. Sg.)
āpnuyāt
er würde erlangen (Optativ 3. Sg.)
kṣetreṣu deheṣu
in den Feldern, [d. h.] den Körpern (Lok. Pl., Apposition)
tathā
ebenso
ātma-yogaiḥ
durch Methoden der Selbsterkenntnis (Instr. Pl.)
adhyātma-vit
der Kenner der höheren Selbsterkenntnis (Nom. Sg.)
aṣṭau prakṛtayaḥ proktās traya eva hi tadguṇāḥ
vikārāḥ ṣoḍaśācāryaiḥ pumān ekaḥ samanvayāt
Acht Urstoffe werden [von den Lehrmeistern] genannt, genau drei sind deren Erscheinungsweisen, sechzehn sind die Umwandlungen - so von den Lehrmeistern gelehrt -, und der Puruṣa ist einer, einzig, wegen seiner alldurchdringenden Verbindung [mit allem].
Wort für Wort
aṣṭau prakṛtayaḥ
acht Urstoffe (Nom. Pl.)
proktāḥ
genannt (Nom. Pl., PPP)
trayaḥ eva hi
genau drei nur (Nom. Pl.)
tad-guṇāḥ
deren Erscheinungsweisen (Nom. Pl.)
vikārāḥ
Umwandlungen (Nom. Pl.)
ṣoḍaśa
sechzehn (Nom. Pl.)
ācāryaiḥ
von den Lehrmeistern (Instr. Pl.)
pumān
der Puruṣa, das Geistwesen (Nom. Sg.)
ekaḥ
einer, einzig (Nom. Sg.)
samanvayāt
wegen der [alldurchdringenden] Verbindung (Abl.)
8 prakṛtis, 3 guṇas, 16 vikāras nach der klassischen Sāṅkhya-Aufzählung.
Der Körper aber ist die Gesamtheit von allem - die Welt [wird] „beweglich und unbeweglich“ [genannt], so zweifach. Eben hierin ist der Puruṣa [das wahre Selbst] zu suchen, indem man mit „nicht so, nicht so“ das verwirft, was nicht [das Selbst] ist.
Wort für Wort
dehaḥ tu
der Körper aber (Nom. Sg.)
sarva-saṅghātaḥ
die Gesamtheit von allem (Nom. Sg.)
jagat tasthuḥ iti dvidhā
„beweglich und unbeweglich“, so zweifach (Nom.)
atra eva
eben hierin (Adv.)
mṛgyaḥ
zu suchen (Gerundiv, Nom. Sg.)
puruṣaḥ
der Puruṣa (Nom. Sg.)
na iti na iti
„nicht so, nicht so“ (Zitat)
iti a-tat tyajan
so das Nicht-Dieses verwerfend (Part.)
Die Neti-neti-Methode; Fortsetzung der Konstruktion in Vers 24.
[Dies soll geschehen] durch [die Methode des] Mitvorhandenseins und -Fehlens, durch reine Unterscheidungskraft, mit geläutertem Sinn, gestützt auf die überlieferten Schriften über die [verschiedenen] Daseinsbereiche - von denen, die dies besonnen und ohne Hast erwägen.
Wort für Wort
anvaya-vyatirekeṇa
durch [die Methode von] Mitvorhandensein und -Fehlen (Instr. Sg.)
vivekena
durch Unterscheidungskraft (Instr. Sg.)
uśatā
reiner, leuchtender (Instr. Sg.)
ātmanā
mit dem [geläuterten] Sinn (Instr. Sg.)
svarga-sthāna-samāmnāyaiḥ
durch die überlieferten Schriften über [höhere und niedere] Daseinsbereiche (Instr. Pl.)
vimṛśadbhiḥ
von denen, die erwägen (Instr. Pl., Part.)
asatvaraiḥ
von den nicht-hastigen (Instr. Pl.)
Grammatische Fortsetzung von Vers 23 (Instrumental-Kette ohne eigenes finites Verb).
buddher jāgaraṇaṃ svapnaḥ suṣuptir iti vṛttayaḥ
tā yenaivānubhūyante so 'dhyakṣaḥ puruṣaḥ paraḥ
Wachen, Träumen und Tiefschlaf sind Zustände des Verstandes. Der, durch den allein diese erfahren werden, ist der [wahre] Zeuge, der höchste/transzendente Puruṣa.
Wenn man diese dreifachen, aus Tätigkeit entstehenden Unterscheidungen der Intelligenz überwunden hat, soll man das wahre Wesen des Selbst erkennen - mittelbar, wie man den Wind durch die Düfte [erkennt].
etad-dvāro hi saṃsāro guṇa-karma-nibandhanaḥ
ajñāna-mūlo 'pārtho 'pi puṃsaḥ svapna ivārpyate
Denn durch dieses [Tor der Intelligenzzustände tritt] der weltliche Daseinskreislauf [ein], der durch die Erscheinungsweisen [der Natur] und [ihre] Handlungen gebunden ist; in Unwissenheit wurzelnd und, obwohl grundlos, wird er dem Menschen auferlegt wie ein Traum.
Wort für Wort
etat-dvāraḥ
dieses als Tor habend (Nom. Sg.)
hi
denn, wahrlich
saṃsāraḥ
der weltliche Daseinskreislauf (Nom. Sg.)
guṇa-karma-nibandhanaḥ
durch Erscheinungsweisen und Handlungen gebunden (Nom. Sg.)
Deshalb sollt ihr das tun: die Entfernung des Samens der Handlungen, die aus den drei Erscheinungsweisen bestehen - das ist Yoga -, [nämlich] das Zum-Stillstand-Bringen des Stromes des Denkens.
Wort für Wort
tasmāt
deshalb
bhavadbhiḥ
von euch (Instr. Pl.)
kartavyam
zu tun (Gerundiv)
karmaṇām
der Handlungen (Gen. Pl.)
tri-guṇa-ātmanām
die aus den drei Erscheinungsweisen bestehen (Gen. Pl.)
Von den tausend Mitteln [dazu] ist dieses [eine] vom Herrn [selbst] als [das beste] verkündet worden: dasjenige, wie und wodurch man mühelos Zuneigung zum Herrn, dem Höchsten, [erlangt].
guru-śuśrūṣayā bhaktyā sarva-labdhārpaṇena ca
saṅgena sādhu-bhaktānām īśvarārādhanena ca
durch Dienst am geistigen Lehrer, durch Hingabe, durch das Darbringen von allem Erworbenen, durch die Gemeinschaft mit heiligen Gottgeweihten und durch Verehrung des Herrn,
Wort für Wort
guru-śuśrūṣayā
durch Dienst am geistigen Lehrer (Instr. Sg.)
bhaktyā
durch Hingabe (Instr. Sg.)
sarva-labdha-arpaṇena
durch das Darbringen von allem Erworbenen (Instr. Sg.)
ca
und
saṅgena
durch die Gemeinschaft (Instr. Sg.)
sādhu-bhaktānām
der heiligen Gottgeweihten (Gen. Pl.)
īśvara-ārādhanena
durch Verehrung des Herrn (Instr. Sg.)
ca
und
Aufzählung, die sich über Vers 30-31 fortsetzt (Fortsetzung von Vers 29).
śraddhayā tat-kathāyāṃ ca kīrtanair guṇa-karmaṇām
tat-pādāmburuha-dhyānāt tal-liṅgekṣārhaṇādibhiḥ
durch Glauben an die Erzählungen über Ihn und durch das Besingen Seiner Eigenschaften und Taten, durch Meditation über Seine Lotosfüße, durch das Betrachten Seiner Bildgestalt, durch Verehrung und dergleichen [mehr].
Wort für Wort
śraddhayā
durch Glauben (Instr. Sg.)
tat-kathāyām
in den Erzählungen über Ihn (Lok. Sg.)
ca
und
kīrtanaiḥ
durch das Besingen (Instr. Pl.)
guṇa-karmaṇām
Seiner Eigenschaften und Taten (Gen. Pl.)
tat-pāda-amburuha-dhyānāt
durch Meditation über Seine Lotosfüße (Abl. Sg.)
tat-liṅga-īkṣā
durch das Betrachten Seiner Bildgestalt (Instr.-Teil)
[In dem Bewusstsein] „Hari, der Erhabene, der Herrscher, weilt in allen Wesen“ soll man die Wesen im Geiste und mit dem, [was ihnen entspricht,] gebührend achten.
So wird von denen, die die sechs [Sinne/Leidenschaften] bezwungen haben, Hingabe zum Herrn, zu Vāsudeva, dem Erhabenen, geleistet - durch die [Hingabe] Liebe [zu Ihm] erlangt wird.
Wort für Wort
evam
so
nirjita-ṣaḍ-vargaiḥ
von denen, die die sechs [Sinne] bezwungen haben (Instr. Pl.)
Wenn [der Gottgeweihte] von den Taten, den unvergleichlichen Eigenschaften und den Heldentaten vernimmt, die durch [Seine] Spiel-Gestalten vollbracht wurden, [dann] singt er, sehnsuchtsvoll, mit vor übergroßer Freude sich sträubenden Haaren, Tränen und stockender Stimme, laut, ruft er und tanzt er.
Wort für Wort
niśamya
vernehmend (Absolutiv)
karmāṇi
die Taten (Akk. Pl.)
guṇān atulyān
die unvergleichlichen Eigenschaften (Akk. Pl.)
vīryāṇi
die Heldentaten (Akk. Pl.)
līlā-tanubhiḥ
durch [Seine] Spiel-Gestalten (Instr. Pl.)
kṛtāni
vollbracht (Akk. Pl., PPP)
yadā
wenn
ati-harṣa-utpulaka-aśru-gadgadam
mit vor Freude sich sträubenden Haaren, Tränen und stockender Stimme (Adv.)
Wenn er, wie von einem Dämon besessen, bisweilen lacht, laut aufschreit, meditiert, die Menschen ehrfurchtsvoll grüßt, immer wieder schwer atmend spricht: „O Hari, o Herr des Universums, o Nārāyaṇa!“ - [dann ist] sein Geist [ganz auf Ihn gerichtet] und alle [falsche] Scham von ihm gewichen.
Wort für Wort
yadā
wenn
graha-grastaḥ iva
wie von einem Dämon besessen (Nom. Sg. + Vergleich)
kvacit
manchmal
hasati
er lacht (Präs. 3. Sg.)
ākrandate
er schreit laut auf (Präs. 3. Sg. Med.)
dhyāyati
er meditiert (Präs. 3. Sg.)
vandate janam
er grüßt/verehrt die Menschen (Präs. 3. Sg. Med. + Akk.)
Dann erreicht der Mensch, von allen Fesseln befreit, dessen innere Haltung und äußere Gestalt Seinem [Gottes] Wesen nachgeformt sind, dessen Samen [der Handlungen] und deren Nachwirkungen verbrannt sind, durch die überaus mächtige Ausübung der Hingabe den Transzendenten [Gott].
Wort für Wort
tadā
dann
pumān
der Mensch (Nom. Sg.)
mukta-samasta-bandhanaḥ
von allen Fesseln befreit (Nom. Sg.)
tad-bhāva-bhāva-anukṛta-āśaya-ākṛtiḥ
dessen inneres Wesen und Gestalt Seinem Wesenszustand nachgeformt sind (Nom. Sg.)
nirdagdha-bīja-anuśayaḥ
dessen [Handlungs-]Samen und Nachwirkungen verbrannt sind (Nom. Sg.)
mahīyasā
durch die überaus mächtige (Instr. Sg., Komparativ)
adhokṣajālambham ihāśubhātmanaḥ śarīriṇaḥ saṃsṛti-cakra-śātanam
tad brahma-nirvāṇa-sukhaṃ vidur budhās tato bhajadhvaṃ hṛdaye hṛdīśvaram
Das Erlangen des Transzendenten hier [in diesem Leben] ist das Zerschneiden des Rades des weltlichen Daseins für den Verkörperten, dessen [natürliches] Wesen unheilvoll ist; dies erkennen die Weisen als die Glückseligkeit der Erlöschung im Brahman. Verehrt also im Herzen den Herrn des Herzens!
Wort für Wort
adhokṣaja-ālambham
das Ergreifen/Erlangen des Transzendenten (Nom./Akk. Sg.)
iha
hier
aśubha-ātmanaḥ
dessen Wesen unheilvoll ist (Gen. Sg.)
śarīriṇaḥ
des Verkörperten (Gen. Sg.)
saṃsṛti-cakra-śātanam
das Zerschneiden des Rades des weltlichen Daseins (Nom. Sg.)
tat
das, dieses
brahma-nirvāṇa-sukham
die Glückseligkeit der Erlöschung im Brahman (Akk. Sg.)
ko 'tiprayāso 'sura-bālakā harer upāsane sve hṛdi chidravat sataḥ
svasyātmanaḥ sakhyur aśeṣa-dehināṃ sāmānyataḥ kiṃ viṣayopapādanaiḥ
Welche übermäßige Mühe [bedarf es], o Dämonenkinder, zur Verehrung Haris, der im eigenen Herzen wie im [Herzens-]Hohlraum weilt, [Er,] der Freund des eigenen Selbst aller verkörperten Wesen, für alle gleichermaßen? Wozu [also] das Herbeischaffen von Sinnesobjekten?
Wort für Wort
kaḥ ati-prayāsaḥ
welche übermäßige Mühe (Nom. Sg.)
asura-bālakāḥ
o Dämonenkinder (Vok. Pl.)
hareḥ upāsane
in der Verehrung Haris (Gen. + Lok. Sg.)
sve hṛdi
im eigenen Herzen (Lok. Sg.)
chidravat
wie im Hohlraum (Adv.)
sataḥ
dessen, der [dort] weilt (Gen. Sg.)
svasya ātmanaḥ
des eigenen Selbst (Gen. Sg.)
sakhyuḥ
des Freundes (Gen. Sg.)
aśeṣa-dehinām
aller verkörperten Wesen (Gen. Pl.)
sāmānyataḥ
gemeinsam, gleichermaßen (Adv.)
kim
was, wozu
viṣaya-upapādanaiḥ
mit dem Herbeischaffen von Sinnesobjekten (Instr. Pl.)
Reichtümer, Gattin, Vieh, Söhne und dergleichen, Häuser, Land, Elefanten, Schatzkammern und Wohlstand - all diese unbeständigen [Dinge], die [nur] Wünschen nach Besitz [dienen] und deren Dauer in einem Augenblick zerbricht - wie viel Liebes können sie dem Sterblichen wirklich erweisen?
Wort für Wort
rāyaḥ
Reichtümer (Nom. Pl.)
kalatram
Gattin (Nom. Sg.)
paśavaḥ
Vieh (Nom. Pl.)
suta-ādayaḥ
Söhne und dergleichen (Nom. Pl.)
gṛhāḥ
Häuser (Nom. Pl.)
mahī
Land (Nom. Sg.)
kuñjara-kośa-bhūtayaḥ
Elefanten, Schatzkammern, Wohlstand (Nom. Pl.)
sarve
alle (Nom. Pl.)
artha-kāmāḥ
[Dinge, die nur] Besitzwünschen [dienen] (Nom. Pl.)
evaṃ hi lokāḥ kratubhiḥ kṛtā amī kṣayiṣṇavaḥ sātiśayā na nirmalāḥ
tasmād adṛṣṭa-śruta-dūṣaṇaṃ paraṃ bhaktyoktayeśaṃ bhajatātma-labdhaye
So sind wahrlich jene [höheren] Welten, die durch [rituelle] Opfer erlangt werden, vergänglich, von Rangunterschieden [geprägt] und nicht makellos. Verehrt daher, zur Erlangung des [wahren] Selbst, den Höchsten Herrn, dessen [Vollkommenheit] weder ein Makel gesehen noch gehört wurde, den Herrn, von dem gelehrt wird, dass Er durch Hingabe [zu erreichen ist].
Wort für Wort
evam hi
so wahrlich
lokāḥ
die [höheren] Welten (Nom. Pl.)
kratubhiḥ
durch [rituelle] Opfer (Instr. Pl.)
kṛtāḥ
erlangt (Nom. Pl., PPP)
amī
jene (Nom. Pl.)
kṣayiṣṇavaḥ
vergänglich (Nom. Pl.)
sa-atiśayāḥ
mit Rangunterschieden [behaftet] (Nom. Pl.)
na nirmalāḥ
nicht makellos (Nom. Pl.)
tasmāt
deshalb
adṛṣṭa-śruta-dūṣaṇam
dessen Makel weder gesehen noch gehört wurde (Akk. Sg.)
Der Mensch, der - von den Gelehrten geachtet - um eines [bestimmten] Zweckes willen hier [im Leben] rasch Handlungen vollbringt, erlangt dadurch unweigerlich das Gegenteil [dessen, was er wollte,] als Frucht.
Wort für Wort
yad-arthaḥ
dessentwegen, mit dem und dem Zweck (Nom. Sg.)
iha
hier
karmāṇi
Handlungen (Akk. Pl.)
vidvat-mānyaḥ
von den Gelehrten geachtet (Nom. Sg.) [?]
sakṛt
rasch, sogleich (Adv.) [?]
naraḥ
der Mensch (Nom. Sg.)
karoti
er tut (Präs. 3. Sg.)
ataḥ
dadurch
viparyāsam
das Gegenteil (Akk. Sg.)
amogham
unfehlbar (Akk. Sg.)
vindate phalam
er erlangt als Frucht (Präs. 3. Sg. Med. + Akk.)
Die genaue syntaktische Zusammensetzung von 'vidvan-mānya-sakṛt' ist uneindeutig; hier als 'von den Gelehrten geachtet, rasch/sogleich [handelnd]' gedeutet. [?]
Die Absicht des [fruchtiv] Handelnden hier [im Leben] ist [stets] auf Glück und Befreiung von Leid gerichtet; [doch] durch [sein eigenes] Streben erlangt er stets [nur] Leid, denn er bleibt dem Glück des Nicht-Strebens gegenüber verhüllt.
Wort für Wort
sukhāya
zum Glück (Dat. Sg.)
duḥkha-mokṣāya
zur Befreiung von Leid (Dat. Sg.)
saṅkalpaḥ
der Entschluss (Nom. Sg.)
iha
hier
karmiṇaḥ
des Handelnden (Gen. Sg.)
sadā
stets
āpnoti
er erlangt (Präs. 3. Sg.)
īhayā
durch [sein] Streben (Instr. Sg.)
duḥkham
Leid (Akk. Sg.)
anīhāyāḥ sukham
dem Glück des Nicht-Strebens (Gen. + Akk. Sg.)
āvṛtaḥ
verhüllt, abgeschieden (Nom. Sg.)
'sukhāvṛtaḥ' (Nom. Sg. m.) wird hier auf den impliziten Handelnden bezogen, nicht auf 'sukham' (n.); Lesart mit Bezugsakkusativ 'verhüllt hinsichtlich des Glücks'. [?]
kāmān kāmayate kāmyair yad-artham iha pūruṣaḥ
sa vai dehas tu pārakyo bhaṅguro yāty upaiti ca
Wonach der Mensch hier [im Leben] durch begehrenswerte [Mittel] verlangt und Wünsche begehrt - jener Körper [selbst, für den er das tut,] gehört [in Wahrheit] einem anderen, ist zerbrechlich und kommt und geht [im Kreislauf der Wiedergeburten].
Wie viel mehr [gilt dies dann für die] noch entfernteren [Besitztümer wie] Kinder, Gattin, Haus, Reichtum und dergleichen, Königreich, Schatzkammer, Elefanten, Minister, Diener [und] Verwandte - [alles nur] Gegenstände des [falschen] Besitzdenkens „mein“!
Wort für Wort
kim u
wie viel mehr, geschweige denn
vyavahita
entfernter, mittelbarer (Adj.)
apatya-dāra-agāra-dhana-ādayaḥ
Kinder, Gattin, Haus, Reichtum und dergleichen (Nom. Pl.)
kimetair ātmanas tucchaiḥ saha dehena naśvaraiḥ
anarthair artha-saṅkāśair nityānanda-rasodadheḥ
Was [nützen] für das Selbst, [das doch] ein Ozean der Essenz ewiger Glückseligkeit [ist], diese nichtigen, vergänglichen Übel, die [nur] wie Wertvolles erscheinen, zusammen mit dem [ebenso vergänglichen] Körper?
Wort für Wort
kim etaiḥ
was [nützen] mit diesen (Instr. Pl.)
ātmanaḥ
für das Selbst (Gen. Sg.)
tucchaiḥ
nichtigen (Instr. Pl.)
saha dehena
zusammen mit dem Körper (Instr. Sg.)
naśvaraiḥ
vergänglichen (Instr. Pl.)
anarthaiḥ
Übeln (Instr. Pl.)
artha-saṅkāśaiḥ
die wie Wertvolles erscheinen (Instr. Pl.)
nitya-ānanda-rasa-udadheḥ
für [das,] das ein Ozean der Essenz ewiger Glückseligkeit [ist] (Gen. Sg.)
Es soll geprüft werden, o Dämonenkinder, wie groß hier [wirklich] der eigene Nutzen des verkörperten Wesens ist, das durch [die Folgen seiner früheren] Handlungen in den Zuständen von der Empfängnis an gequält wird.
karmāṇy ārabhate dehī dehenātmānuvartinā
karmabhis tanute deham ubhayaṃ tv avivekataḥ
Der Verkörperte unternimmt Handlungen mit dem Körper, der [scheinbar] dem Selbst folgt, und durch Handlungen formt er [wiederum neue] Körper - beides [geschieht] aber aus Mangel an Unterscheidungsvermögen.
tasmād arthāś ca kāmāś ca dharmāś ca yad-apāśrayāḥ
bhajatānīhayātmānam anīhaṃ harim īśvaram
Verehrt daher ohne [eigenes] Streben das Selbst, den nicht-strebenden Hari, den Herrn, auf dem Besitz, Sinnengenuss und religiöse Pflicht [letztlich alle] beruhen.
Hari, der Herr des Selbst, ist der Liebste aller Wesen, die aus den von Ihm selbst geschaffenen groben Elementen gebildet sind und deren jeweiliges individuelles Selbst als Jīva [Einzelseele] bezeichnet wird.
Wort für Wort
sarveṣām api bhūtānām
aller Wesen (Gen. Pl.)
hariḥ
Hari (Nom. Sg.)
ātma-īśvaraḥ
der Herr des Selbst (Nom. Sg.)
priyaḥ
der Liebste (Nom. Sg.)
bhūtaiḥ mahadbhiḥ
durch die großen [groben] Elemente (Instr. Pl.)
sva-kṛtaiḥ
von [Ihm] selbst geschaffen (Instr. Pl.)
kṛtānām
der [daraus] gemachten [Wesen] (Gen. Pl.)
jīva-saṃjñitaḥ
der als Jīva bezeichnet wird (Nom. Sg.)
Feinheit der Aussage: Hari als das innerste Selbst aller Geschöpfe ist ihnen der Liebste, obwohl Er - verkörpert in den von Ihm selbst geschaffenen Elementen - als individuelle Seele (jīva) erscheint. [?]
Ob Gott, Dämon oder Mensch, ob Yakṣa oder auch Gandharva - wer die Füße Mukundas [des Befreiers] verehrt, möge gesegnet werden, so wie [auch] wir [es werden].
nālaṃ dvijatvaṃ devatvam ṛṣitvaṃ vāsurātmajāḥ
prīṇanāya mukundasya na vṛttaṃ na bahu-jñatā
Weder Brahmanenstatus, noch Gottesstatus, noch Weisenstatus, o Söhne der Asuras, [reichen] aus, um Mukunda zu erfreuen, noch [gutes] Betragen, noch vielfältiges Wissen.
na dānaṃ na tapo nejyā na śaucaṃ na vratāni ca
prīyate 'malayā bhaktyā harir anyad viḍambanam
Weder durch Wohltätigkeit, noch Askese, noch Opfer, noch [rituelle] Reinheit, noch Gelübde [wird Hari erfreut] - durch makellose Hingabe [allein] wird Hari erfreut; alles andere ist [bloße] Vortäuschung.
tato harau bhagavati bhaktiṃ kuruta dānavāḥ
ātmaupamyena sarvatra sarva-bhūtātmanīśvare
Übt daher, o Dānavas, Hingabe zu Hari, dem Erhabenen, indem ihr überall [alle Wesen] mit euch selbst gleichsetzt - zum Herrn, der die Seele aller Wesen ist.
Daityas, Yakṣas und Rākṣasas, Frauen, Śūdras, Waldbewohner, Vögel, Tiere [und selbst] Wesen mit sündigem Leben sind wahrlich zum [Zustand des] Unfehlbaren [Gottes] gelangt [wenn sie sich Ihm hingaben].
Nur dies allein gilt in dieser Welt als der höchste eigene Nutzen des Menschen: ausschließliche Hingabe zu Govinda, die darin [besteht], Ihn überall zu erblicken.