Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 11: kṛṣṇasya dvārakāpraveśaḥ Kṛṣṇas Einzug in Dvārakā

Kṛṣṇa nähert sich seiner Heimat Ānarta/Dvārakā und kündigt seine Ankunft mit der Muschel Pañcajanya an (V.1-2); die Untertanen eilen ihm entgegen und tragen ihm eine ausführliche Huldigungshymne vor (V.3-10), die seine Transzendenz jenseits der Zeit ebenso preist wie seine Rolle als Vater, Lehrer und höchste Gottheit. Es folgt eine lange, kunstvolle Beschreibung der festlich geschmückten Stadt Dvārakā (V.11-15) und des Empfangs durch die versammelten Verwandten, Brahmanen, Kurtisanen und Sänger (V.16-23). Kṛṣṇa zieht durch die Hauptstraße (V.24-27), tritt in das Haus seiner Eltern ein und wird von seinen Müttern, angeführt von Devakī, freudig-tränenreich begrüßt (V.28-29), bevor er sein eigenes, mit sechzehntausend Gattinnen bewohntes Anwesen betritt (V.30-33). Das Kapitel schließt mit zwei kurzen philosophischen Reflexionen: einer Deutung von Kṛṣṇas Wirken als Stifter der gegenseitigen Vernichtung der 'Erdenlast' der Könige (V.34) und einer Betrachtung seiner unberührten Transzendenz inmitten weltlichen Genusses mit seinen Gattinnen, die ihn trotz aller Nähe nicht wirklich zu erfassen vermögen (V.35-39).

sūta uvāca | ānartān sa upavrajya svṛddhāñ jana-padān svakān | dadhmau daravaraṁ teṣāṁ viṣādaṁ śamayann iva

Sūta sprach: Als er sich Ānarta näherte, seinen eigenen wohlhabenden Ländern, blies er die beste der Muscheln, gleichsam um deren Kummer zu besänftigen.

Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach
ānartān sa upavrajya
als er sich Ānarta näherte
svṛddhāñ jana-padān svakān
seinen eigenen wohlhabenden Ländern
dadhmau daravaraṁ teṣāṁ
blies er die beste Muschel für sie
viṣādaṁ śamayann iva
gleichsam um [deren] Kummer zu besänftigen

sa uccakāśe dhavalodaro daro 'py urukramasyādharaśoṇa-śoṇimā | dādhmāyamānaḥ kara-kañja-sampuṭe yathābja-khaṇḍe kala-haṁsa utsvanaḥ

Sie [die Muschel] erstrahlte mit weißem Leib, gerötet vom Rot der Unterlippe des Weitschreitenden [Kṛṣṇa], während sie in der Höhlung seiner lotusgleichen Hände geblasen wurde, tönend wie ein lieblicher, laut rufender Schwan in einer Lotusgruppe.

Wort für Wort
sa uccakāśe dhavalodaro daraḥ
sie, die weißleibige Muschel, erstrahlte
api urukramasya adharaśoṇa-śoṇimā
gerötet vom Rot der Unterlippe des Weitschreitenden
dādhmāyamānaḥ kara-kañja-sampuṭe
geblasen in der Höhlung der lotusgleichen Hände
yathā abja-khaṇḍe kala-haṁsa utsvanaḥ
wie ein laut tönender, lieblicher Schwan in einer Lotusgruppe

tam upaśrutya ninadaṁ jagad-bhaya-bhayāvaham | pratyudyayuḥ prajāḥ sarvā bhartṛ-darśana-lālasāḥ

Als sie diesen Klang gehört hatten, der selbst der Furcht der Welt Furcht einflößt, gingen alle Untertanen entgegen, begierig nach dem Anblick ihres Herrn.

Wort für Wort
tam upaśrutya ninadaṁ
als sie diesen Klang gehört hatten
jagad-bhaya-bhayāvaham
der selbst der Furcht der Welt Furcht bringt
pratyudyayuḥ prajāḥ sarvāḥ
alle Untertanen gingen entgegen
bhartṛ-darśana-lālasāḥ
begierig nach dem Anblick ihres Herrn

tatropanīta-balayo raver dīpam ivādṛtāḥ | ātmārāmaṁ pūrṇa-kāmaṁ nija-lābhena nityadā

Dort brachten sie [ihm], der in sich selbst Erfreute ist und dessen Wünsche durch sein eigenes [Wesen] stets erfüllt sind, Gaben dar und verehrten [ihn] - gleichsam wie man einer Sonne eine Lampe darbringt.

Wort für Wort
tatra upanīta-balayaḥ
dort, [ihm] Gaben darbringend
raver dīpam iva ādṛtāḥ
[ihn] verehrend, gleichsam wie man der Sonne eine Lampe darbringt
ātmārāmaṁ pūrṇa-kāmaṁ
den in sich selbst Erfreuten, dessen Wünsche erfüllt sind
nija-lābhena nityadā
durch sein eigenes [Wesen] stets [erfüllt]

[Anm.: V.4-5 bilden einen zusammenhängenden Satz; die Untertanen (aus V.3) sind das grammatische Subjekt.]

prīty-utphulla-mukhāḥ procur harṣa-gadgadayā girā | pitaraṁ sarva-suhṛdam avitāram ivārbhakāḥ

Mit vor Liebe aufblühenden Gesichtern sprachen sie mit vor Freude stockender Stimme zu [ihm], dem Vater, dem Freund aller, wie Kinder zu ihrem Beschützer.

Wort für Wort
prīty-utphulla-mukhāḥ
mit vor Liebe aufblühenden Gesichtern
procur harṣa-gadgadayā girā
sprachen sie mit vor Freude stockender Stimme
pitaraṁ sarva-suhṛdam
zum Vater, dem Freund aller
avitāram iva arbhakāḥ
wie Kinder zu [ihrem] Beschützer

natāḥ sma te nātha sadāṅghri-paṅkajaṁ viriñca-vairiñcya-surendra-vanditam | parāyaṇaṁ kṣemam ihecchatāṁ paraṁ na yatra kālaḥ prabhavet paraḥ prabhuḥ

Wir verneigen uns, o Herr, vor deinen stets [gegenwärtigen] Lotosfüßen, die von Viriñca [Brahmā], den Vairiñcas und dem Herrn der Götter verehrt werden - der letzten Zuflucht und dem höchsten Heil derer, die hier das Höchste begehren, [einem Ort], wo die Zeit als höherer Herrscher keine Macht hat.

Wort für Wort
natāḥ sma te nātha
wir verneigen uns, o Herr, vor deinen
sadāṅghri-paṅkajaṁ
stets [gegenwärtigen] Lotosfüßen
viriñca-vairiñcya-surendra-vanditam
verehrt von Brahmā, den Vairiñcas und dem Götterherrn
parāyaṇaṁ kṣemam iha icchatāṁ paraṁ
der letzten Zuflucht und dem höchsten Heil derer, die hier das Höchste begehren
na yatra kālaḥ prabhavet paraḥ prabhuḥ
wo die Zeit als höherer Herr keine Macht hat

bhavāya nas tvaṁ bhava viśva-bhāvana tvam eva mātātha suhṛt-patiḥ pitā | tvaṁ sad-gurur naḥ paramaṁ ca daivataṁ yasyānuvṛttyā kṛtino babhūvima

Zu unserem Heil sei du [uns gegenwärtig], o Urheber des Universums! Du allein bist Mutter, und auch Gemahl-Freund und Vater; du bist der wahre Lehrer und die höchste Gottheit für uns, durch dessen Gefolgschaft wir zu Vollendeten geworden sind.

Wort für Wort
bhavāya naḥ tvaṁ bhava viśva-bhāvana
zu unserem Heil sei du, o Urheber des Universums
tvam eva mātā atha suhṛt-patiḥ pitā
du allein bist Mutter, und auch Gemahl-Freund und Vater
tvaṁ sad-gurur naḥ paramaṁ ca daivataṁ
du bist der wahre Lehrer und die höchste Gottheit für uns
yasya anuvṛttyā kṛtino babhūvima
durch dessen Gefolgschaft wir zu Vollendeten geworden sind

aho sanāthā bhavatā sma yad vayaṁ traiviṣṭapānām api dūra-darśanam | prema-smita-snigdha-nirīkṣaṇānanaṁ paśyema rūpaṁ tava sarva-saubhagam

Ach, wie sehr sind wir durch dich behütet, dass wir deine Gestalt - die selbst von den Bewohnern des Himmels nur aus der Ferne erblickt wird, mit einem Antlitz von liebevoll-lächelndem, zärtlichem Blick, voll aller Anmut - [von Angesicht zu Angesicht] sehen dürfen.

Wort für Wort
aho sanāthā bhavatā sma yad vayaṁ
ach, wie sehr sind wir durch dich behütet
traiviṣṭapānām api dūra-darśanam
das selbst von den Himmelsbewohnern nur aus der Ferne Erblickte
prema-smita-snigdha-nirīkṣaṇānanaṁ
mit einem Antlitz von liebevoll-lächelndem, zärtlichem Blick
paśyema rūpaṁ tava sarva-saubhagam
dürfen wir deine an aller Anmut volle Gestalt sehen

yarhy ambujākṣāpasasāra bho bhavān kurūn madhūn vātha suhṛd-didṛkṣayā | tatrābda-koṭi-pratimaḥ kṣaṇo bhaved raviṁ vinākṣṇor iva nas tavācyuta

Wann immer du, o Lotusäugiger, fortgingst - zu den Kurus oder den Madhus - aus Verlangen, [deine] Freunde zu sehen, dann wurde für uns, o Unfehlbarer, [selbst] ein Augenblick ohne dich einer Zehn-Millionen-Jahren gleich, wie [den Augen ohne] die Sonne.

Wort für Wort
yarhi ambujākṣa apasasāra bho bhavān
wann immer du, o Lotusäugiger, fortgingst
kurūn madhūn vā atha suhṛd-didṛkṣayā
zu den Kurus oder den Madhus, aus Verlangen, Freunde zu sehen
tatra abda-koṭi-pratimaḥ kṣaṇo bhaved
dann würde [dort] ein Augenblick einer Zehn-Millionen-Jahren gleichen
raviṁ vinā akṣṇor iva naḥ tava acyuta
wie [den Augen] ohne die Sonne, [so] ohne dich für uns, o Unfehlbarer

kathaṁ vayaṁ nātha ciroṣite tvayi prasanna-dṛṣṭyākhila-tāpa-śoṣaṇam | jīvema te sundara-hāsa-śobhitam apaśyamānā vadanaṁ manoharam | iti codīritā vācaḥ prajānāṁ bhakta-vatsalaḥ | śṛṇvāno 'nugrahaṁ dṛṣṭyā vitanvan prāviśat puram

'Wie sollten wir leben, o Herr, wenn du lange fern weiltest, ohne dein durch den gnädigen Blick alles Leid vertrocknendes, mit schönem Lächeln geschmücktes, herzentzückendes Antlitz zu sehen?' - so lauteten die Worte der Untertanen; und er, der den Hingebungsvollen Zugetane, sie anhörend und durch seinen Blick Gnade ausbreitend, betrat die Stadt.

Wort für Wort
kathaṁ vayaṁ nātha ciroṣite tvayi
wie sollten wir, o Herr, wenn du lange fern weiltest
prasanna-dṛṣṭyākhila-tāpa-śoṣaṇam
[dein] durch den gnädigen Blick alles Leid vertrocknendes [Antlitz]
jīvema te ... apaśyamānā vadanaṁ manoharam
leben, ohne dein herzentzückendes Antlitz zu sehen
iti codīritā vācaḥ prajānāṁ
so lauteten die geäußerten Worte der Untertanen
bhakta-vatsalaḥ śṛṇvāno 'nugrahaṁ dṛṣṭyā vitanvan
er, den Hingebungsvollen Zugetane, zuhörend und durch den Blick Gnade ausbreitend
prāviśat puram
betrat die Stadt

[Anm.: Dieser Vers steht in einem anderen, längeren Versmaß und schließt die Rede der Untertanen (V.6-10) ab, bevor die Erzählung fortfährt.]

madhu-bhoja-daśārhārha-kukurāndhaka-vṛṣṇibhiḥ | ātma-tulya-balair guptāṁ nāgair bhogavatīm iva

[Er betrat eine Stadt (Dvārakā),] beschützt durch die Madhus, Bhojas, Daśārhas, Arhas, Kukuras, Andhakas und Vṛṣṇis, die [ihm] an Kraft gleichkamen, wie [die Schlangenstadt] Bhogavatī durch die Nāgas.

Wort für Wort
madhu-bhoja-daśārhārha-kukurāndhaka-vṛṣṇibhiḥ
durch die Madhus, Bhojas, Daśārhas, Arhas, Kukuras, Andhakas und Vṛṣṇis
ātma-tulya-balair guptāṁ
beschützt durch [Männer], die [ihm] an Kraft gleichkamen
nāgair bhogavatīm iva
wie [die Stadt] Bhogavatī durch die Nāgas

[Anm.: V.11-30 bilden syntaktisch eine lange, an 'puram' (V.10) angeschlossene Kette beschreibender Beiwörter für Dvārakā.]

sarvartu-sarva-vibhava-puṇya-vṛkṣa-latāśramaiḥ | udyānopavanārāmair vṛta-padmākara-śriyam

[Eine Stadt,] umgeben von Gärten, Hainen und Parks mit heiligen Zufluchtsorten voller Bäume und Ranken in der Pracht aller Jahreszeiten, mit der Schönheit von Lotosteichen.

Wort für Wort
sarvartu-sarva-vibhava-puṇya-vṛkṣa-latāśramaiḥ
mit heiligen Zufluchtsorten voller Bäume und Ranken in der Pracht aller Jahreszeiten
udyānopavanārāmair
durch Gärten, Haine und Parks
vṛta-padmākara-śriyam
umgeben, mit der Schönheit von Lotosteichen

gopura-dvāra-mārgeṣu kṛta-kautuka-toraṇām | citra-dhvaja-patākāgrair antaḥ pratihatātapām

[Eine Stadt,] an deren Stadttor-Wegen Festbögen errichtet waren, in deren Innerem durch die Spitzen bunter Fahnen und Banner die Sonnenglut abgehalten wurde.

Wort für Wort
gopura-dvāra-mārgeṣu kṛta-kautuka-toraṇām
an deren Stadttor-Wegen Festbögen errichtet waren
citra-dhvaja-patākāgrair
durch die Spitzen bunter Fahnen und Banner
antaḥ pratihatātapām
in deren Innerem die Sonnenglut abgehalten wurde

sammārjita-mahā-mārga-rathyāpaṇaka-catvarām | siktāṁ gandha-jalair uptāṁ phala-puṣpākṣatāṅkuraiḥ

[Eine Stadt,] deren Hauptstraßen, Fahrwege, Marktstraßen und Plätze gefegt, mit duftendem Wasser besprengt und mit Früchten, Blüten, ungeschältem Reis und frischen Sprossen bestreut waren.

Wort für Wort
sammārjita-mahā-mārga-rathyāpaṇaka-catvarām
deren Hauptstraßen, Fahrwege, Marktstraßen und Plätze gefegt waren
siktāṁ gandha-jalair
besprengt mit duftendem Wasser
uptāṁ phala-puṣpākṣatāṅkuraiḥ
bestreut mit Früchten, Blüten, ungeschältem Reis und frischen Sprossen

dvāri dvāri gṛhāṇāṁ ca dadhy-akṣata-phalekṣubhiḥ | alaṅkṛtāṁ pūrṇa-kumbhair balibhir dhūpa-dīpakaiḥ

[Eine Stadt,] an deren jeder einzelnen Haustür mit Joghurt, ungeschältem Reis, Früchten und Zuckerrohr, mit gefüllten Krügen, Opfergaben, Räucherwerk und Lämpchen geschmückt war.

Wort für Wort
dvāri dvāri gṛhāṇāṁ ca
und an jeder einzelnen Tür der Häuser
dadhy-akṣata-phalekṣubhiḥ
mit Joghurt, ungeschältem Reis, Früchten und Zuckerrohr
alaṅkṛtāṁ pūrṇa-kumbhair balibhir dhūpa-dīpakaiḥ
geschmückt mit gefüllten Krügen, Opfergaben, Räucherwerk und Lämpchen

niśamya preṣṭham āyāntaṁ vasudevo mahā-manāḥ | akrūraś cograsenaś ca rāmaś cādbhuta-vikramaḥ

Als sie hörten, dass der Liebste ankomme, [erhoben sich] der edelmütige Vasudeva, Akrūra, Ugrasena [und] der von wunderbarer Kraft [erfüllte] Rāma [Balarāma]

Wort für Wort
niśamya preṣṭham āyāntaṁ
als sie hörten, dass der Liebste ankomme
vasudevo mahā-manāḥ
der edelmütige Vasudeva
akrūraś ca ugrasenaś ca
und Akrūra und Ugrasena
rāmaś ca adbhuta-vikramaḥ
und Rāma [Balarāma] von wunderbarer Kraft

[Anm.: V.16-17 zählen die Verwandten auf, die dem ankommenden Kṛṣṇa entgegengehen (Hauptverb 'pratyujjagmuḥ' folgt in V.18).]

pradyumnaś cārudeṣṇaś ca sāmbo jāmbavatī-sutaḥ | praharṣa-vegocchaśita-śayanāsana-bhojanāḥ

Pradyumna, Cārudeṣṇa [und] Sāmba, der Sohn der Jāmbavatī - sie [alle], die vor Freudenandrang Liegen, Sitzen und Essen aufgegeben hatten.

Wort für Wort
pradyumnaś cārudeṣṇaś ca
Pradyumna und Cārudeṣṇa
sāmbo jāmbavatī-sutaḥ
und Sāmba, der Sohn der Jāmbavatī
praharṣa-vegocchaśita-śayanāsana-bhojanāḥ
die vor Freudenandrang Liegen, Sitzen und Essen aufgegeben hatten

vāraṇendraṁ puraskṛtya brāhmaṇaiḥ sasumaṅgalaiḥ | śaṅkha-tūrya-ninādena brahma-ghoṣeṇa cādṛtāḥ | pratyujjagmū rathair hṛṣṭāḥ praṇayāgata-sādhvasāḥ

Den besten der Elefanten vorausschickend, begleitet von Brahmanen mit günstigen Segensworten, geehrt durch den Klang von Muschelhörnern und Trompeten sowie vedisches Rezitationsgetöse, gingen sie ihm freudig erregt mit Wagen entgegen, von zärtlicher Ehrfurcht erfüllt.

Wort für Wort
vāraṇendraṁ puraskṛtya
den besten der Elefanten vorausschickend
brāhmaṇaiḥ sasumaṅgalaiḥ
begleitet von Brahmanen mit günstigen Segensworten
śaṅkha-tūrya-ninādena brahma-ghoṣeṇa ca ādṛtāḥ
geehrt durch Muschelhorn- und Trompetenklang sowie vedisches Rezitationsgetöse
pratyujjagmū rathair hṛṣṭāḥ
gingen sie freudig erregt mit Wagen entgegen
praṇayāgata-sādhvasāḥ
von zärtlicher Ehrfurcht erfüllt

vāramukhyāś ca śataśo yānais tad-darśanotsukāḥ | lasat-kuṇḍala-nirbhāta-kapola-vadana-śriyaḥ

Und zu Hunderten [kamen] die vornehmsten Kurtisanen mit Fahrzeugen, begierig nach diesem Anblick, deren Wangen- und Gesichtsschönheit durch glänzende Ohrringe erstrahlte.

Wort für Wort
vāramukhyāś ca śataśo yānais
und zu Hunderten die vornehmsten Kurtisanen mit Fahrzeugen
tad-darśanotsukāḥ
begierig nach diesem Anblick
lasat-kuṇḍala-nirbhāta-kapola-vadana-śriyaḥ
deren Wangen- und Gesichtsschönheit durch glänzende Ohrringe erstrahlte

naṭa-nartaka-gandharvāḥ sūta-māgadha-vandinaḥ | gāyanti cottamaśloka-caritāny adbhutāni ca

Schauspieler, Tänzer und Gandharvas, Barden, Hofsänger und Preissänger besangen die wunderbaren Taten des Hochgepriesenen.

Wort für Wort
naṭa-nartaka-gandharvāḥ
Schauspieler, Tänzer und Gandharvas
sūta-māgadha-vandinaḥ
Barden, Hofsänger und Preissänger
gāyanti ca uttamaśloka-caritāny adbhutāni ca
besangen die wunderbaren Taten des Hochgepriesenen

bhagavāṁs tatra bandhūnāṁ paurāṇām anuvartinām | yathā-vidhy upasaṅgamya sarveṣāṁ mānam ādadhe

Der Erhabene trat dort, wie es sich gebührt, an die Verwandten, Stadtbewohner und [ihm] Ergebenen heran und erwies ihnen allen Ehrerbietung.

Wort für Wort
bhagavāṁs tatra
der Erhabene dort
bandhūnāṁ paurāṇām anuvartinām
an die Verwandten, Stadtbewohner und [ihm] Ergebenen
yathā-vidhy upasaṅgamya
wie es sich gebührt herantretend
sarveṣāṁ mānam ādadhe
erwies er ihnen allen Ehrerbietung

prahvābhivādanāśleṣakarasparśasmitekṣaṇaiḥ | āśvāsya cāśvapākebhyo varaiś cābhimatair vibhuḥ

Der Allmächtige tröstete sie - bis hinab zu den Niedrigsten [der Kasten] - durch demütigen Gruß, Umarmung, Handberührung, Lächeln und Blicke sowie durch willkommene Gaben.

Wort für Wort
prahvābhivādanāśleṣakarasparśasmitekṣaṇaiḥ
durch demütigen Gruß, Umarmung, Handberührung, Lächeln und Blicke
āśvāsya ca āśvapākebhyo
und tröstend, bis hinab zu den Niedrigsten [der Kasten]
varaiś ca abhimatair vibhuḥ
und mit willkommenen Gaben, der Allmächtige

svayaṁ ca gurubhir vipraiḥ sadāraiḥ sthavirair api | āśīrbhir yujyamāno 'nyair vandibhiś cāviśat puram

Und er selbst, begleitet von den Segenssprüchen der Lehrer, Brahmanen samt ihren Ehefrauen, der Ältesten und auch anderer sowie der Lobsänger, betrat die Stadt.

Wort für Wort
svayaṁ ca gurubhir vipraiḥ sadāraiḥ sthavirair api
und er selbst, [begleitet] von Lehrern, Brahmanen samt Ehefrauen, auch Ältesten
āśīrbhir yujyamāno 'nyair vandibhiś ca
versehen mit Segenssprüchen, auch von anderen und von Lobsängern
āviśat puram
betrat er die Stadt

rāja-mārgaṁ gate kṛṣṇe dvārakāyāḥ kula-striyaḥ | harmyāṇy āruruhur vipra tad-īkṣaṇa-mahotsavāḥ

Als Kṛṣṇa auf die Hauptstraße gegangen war, o Brahmane, erstiegen die Frauen guter Familie Dvārakās die Dächer der Paläste, für die es ein großes Fest war, ihn zu erblicken.

Wort für Wort
rāja-mārgaṁ gate kṛṣṇe
als Kṛṣṇa auf die Hauptstraße gegangen war
dvārakāyāḥ kula-striyaḥ
die Frauen guter Familie Dvārakās
harmyāṇy āruruhur vipra
erstiegen die Paläste, o Brahmane
tad-īkṣaṇa-mahotsavāḥ
für die es ein großes Fest war, ihn zu erblicken

nityaṁ nirīkṣamāṇānāṁ yad api dvārakaukasām | na vitṛpyanti hi dṛśaḥ śriyo dhāmāṅgam acyutam

Obgleich die Bewohner Dvārakās [ihn] täglich betrachteten, wurden ihre Augen doch nicht satt am unfehlbaren [Kṛṣṇa], dessen Körper die Wohnstätte aller Schönheit ist.

Wort für Wort
nityaṁ nirīkṣamāṇānāṁ
obgleich sie [ihn] täglich betrachteten
yad api dvārakaukasām
die Bewohner Dvārakās
na vitṛpyanti hi dṛśaḥ
wurden [ihre] Augen doch nicht satt
śriyo dhāmāṅgam acyutam
am unfehlbaren [Kṛṣṇa], dessen Körper die Wohnstätte der Schönheit ist

śriyo nivāso yasyoraḥ pāna-pātraṁ mukhaṁ dṛśām | bāhavo loka-pālānāṁ sāraṅgāṇāṁ padāmbujam

Dessen Brust die Wohnstatt der Glücksgöttin ist, dessen Antlitz das Trinkgefäß der Augen [ist], dessen Arme die [Stützen] der Welthüter [sind], dessen Lotosfuß [das Ziel] für die [wie Bienen daran naschenden Verehrer] ist.

Wort für Wort
śriyo nivāso yasya uraḥ
dessen Brust die Wohnstatt der Glücksgöttin ist
pāna-pātraṁ mukhaṁ dṛśām
dessen Antlitz das Trinkgefäß der Augen ist
bāhavo loka-pālānāṁ
dessen Arme [die Stütze] der Welthüter sind
sāraṅgāṇāṁ padāmbujam
dessen Lotosfuß [das Ziel] für die Bienen [Verehrer] ist

[?: 'sāraṅgāṇām' ist mehrdeutig zwischen 'Bienen' und 'Rehen/Antilopen'; im Bild vom Lotosfuß als Nektarquelle wird hier die Deutung 'Bienen' [=Verehrer] bevorzugt.]

sitātapatra-vyajanair upaskṛtaḥ prasūna-varṣair abhivarṣitaḥ pathi | piśaṅga-vāsā vana-mālayā babhau ghano yathārkoḍupa-cāpa-vaidyutaiḥ

Versehen mit weißem Sonnenschirm und Fächern, auf dem Weg mit Blütenregen überschüttet, in gelbes Gewand gekleidet und mit der Waldblumengirlande, erstrahlte er wie eine Wolke mit Sonne, Mond, Regenbogen und Blitz.

Wort für Wort
sitātapatra-vyajanair upaskṛtaḥ
versehen mit weißem Sonnenschirm und Fächern
prasūna-varṣair abhivarṣitaḥ pathi
auf dem Weg mit Blütenregen überschüttet
piśaṅga-vāsā vana-mālayā babhau
in gelbes Gewand gekleidet, mit der Waldblumengirlande erstrahlte er
ghano yathā arkoḍupa-cāpa-vaidyutaiḥ
wie eine Wolke mit Sonne, Mond, Regenbogen und Blitz

praviṣṭas tu gṛhaṁ pitroḥ pariṣvaktaḥ sva-mātṛbhiḥ | vavande śirasā sapta devakī-pramukhā mudā

In das Haus seiner Eltern eingetreten und von seinen [vielen] Müttern umarmt, verehrte er mit gebeugtem Haupt und Freude die sieben, angeführt von Devakī.

Wort für Wort
praviṣṭas tu gṛhaṁ pitroḥ
in das Haus der Eltern eingetreten
pariṣvaktaḥ sva-mātṛbhiḥ
und von seinen [eigenen] Müttern umarmt
vavande śirasā sapta devakī-pramukhā mudā
verehrte er mit gebeugtem Haupt und Freude die sieben, angeführt von Devakī

[Anm.: 'die sieben, angeführt von Devakī' bezieht sich auf Vasudevas mehrere Ehefrauen/Kṛṣṇas Mütter.]

tāḥ putram aṅkam āropya sneha-snuta-payodharāḥ | harṣa-vihvalitātmānaḥ siṣicur netrajair jalaiḥ

Sie [die Mütter] hoben den Sohn auf ihren Schoß, ihre Brüste überflossen vor Zuneigung, ihr Gemüt war von Freude überwältigt, und sie benetzten [ihn] mit den Wassern ihrer Augen [Tränen].

Wort für Wort
tāḥ putram aṅkam āropya
sie hoben den Sohn auf [ihren] Schoß
sneha-snuta-payodharāḥ
deren Brüste vor Zuneigung überflossen
harṣa-vihvalitātmānaḥ
deren Gemüt von Freude überwältigt war
siṣicur netrajair jalaiḥ
sie benetzten [ihn] mit den Wassern ihrer Augen

athāviśat sva-bhavanaṁ sarva-kāmam anuttamam | prāsādā yatra patnīnāṁ sahasrāṇi ca ṣoḍaśa

Dann betrat er sein eigenes, alle Wünsche [erfüllendes], unübertreffliches Anwesen, wo sich die Paläste der sechzehntausend Gattinnen befanden.

Wort für Wort
atha āviśat sva-bhavanaṁ
dann betrat er sein eigenes Anwesen
sarva-kāmam anuttamam
alle Wünsche [erfüllend], unübertrefflich
prāsādā yatra patnīnāṁ sahasrāṇi ca ṣoḍaśa
wo die Paläste der sechzehntausend Gattinnen waren

patnyaḥ patiṁ proṣya gṛhānupāgataṁ vilokya sañjāta-mano-mahotsavāḥ | uttasthur ārāt sahasāsanāśayāt sākaṁ vratair vrīḍita-locanānanāḥ

Die Gattinnen, ihren [lange] abwesend gewesenen, nun heimgekehrten Gatten erblickend, in deren Herzen ein großes Freudenfest entstand, erhoben sich eilig von ihren Sitzen und Lagern, zusammen mit ihren Gefährtinnen [im Gelübde], mit vor Scham [gesenkten] Augen und Antlitz.

Wort für Wort
patnyaḥ patiṁ proṣya gṛhānupāgataṁ vilokya
die Gattinnen, den [lange] fernen, nun heimgekehrten Gatten erblickend
sañjāta-mano-mahotsavāḥ
in deren Herzen ein großes Freudenfest entstand
uttasthur ārāt sahasāsanāśayāt
erhoben sich eilig von [ihren] Sitzen und Lagern
sākaṁ vratair vrīḍita-locanānanāḥ
zusammen mit [ihren] Gefährtinnen, mit vor Scham [gesenkten] Augen und Antlitz

[?: Die genaue grammatische Bindung von 'proṣya' (Absolutiv) an das Subjekt 'patnyaḥ' bzw. an 'patim' ist im Sanskrit ungewöhnlich; sinngemäß auf die Abwesenheit des Gatten bezogen wiedergegeben. 'vrataiḥ' ("mit [ihren] Gelübden") wörtlich unklar, hier als Bezeichnung für Begleiterinnen/Mitobservantinnen gedeutet.]

tam ātmajair dṛṣṭibhir antarātmanā duranta-bhāvāḥ parirebhire patim | niruddham apy āsravad ambu netrayor vilajjatīnāṁ bhṛgu-varya vaiklavāt

Sie, deren Zuneigung unermesslich war, umarmten ihn, den Gatten, mit ihren Kindern, mit Blicken und mit dem inneren Herzen; und obwohl sie es zurückzuhalten suchten, floss doch, o Bester der Bhṛgus, aus den Augen der sich Schämenden vor Erregung das Wasser [der Tränen].

Wort für Wort
tam ātmajair dṛṣṭibhir antarātmanā
ihn mit [ihren] Kindern, mit Blicken und mit dem inneren Herzen
duranta-bhāvāḥ parirebhire patim
sie, deren Zuneigung unermesslich war, umarmten den Gatten
niruddham apy āsravad ambu netrayor
obwohl zurückgehalten, floss doch das Wasser aus den Augen
vilajjatīnāṁ bhṛgu-varya vaiklavāt
der sich Schämenden, o Bester der Bhṛgus, vor Erregung

yadyapy asau pārśva-gato raho-gatas tathāpi tasyāṅghri-yugaṁ navaṁ navam | pade pade kā virameta tat-padāc calāpi yac chrīr na jahāti karhicit

Auch wenn er [stets] an ihrer Seite und [zugleich] im Verborgenen weilte, so war doch sein Fußpaar bei jedem Schritt [wie] neu - welche [Frau] würde von diesen Füßen ablassen wollen, die selbst die wankelmütige Glücksgöttin niemals verlässt?

Wort für Wort
yadyapy asau pārśva-gato raho-gatas
auch wenn er an [ihrer] Seite und im Verborgenen weilte
tathāpi tasya aṅghri-yugaṁ navaṁ navam
dennoch war sein Fußpaar bei jedem [Schritt] neu
pade pade kā virameta tat-padāt
wer würde bei jedem Schritt von diesen Füßen ablassen
calā api yac chrīr na jahāti karhicit
die selbst die wankelmütige Glücksgöttin niemals verlässt

evaṁ nṛpāṇāṁ kṣiti-bhāra-janmanām akṣauhiṇībhiḥ parivṛtta-tejasām | vidhāya vairaṁ śvasano yathānalaṁ mitho vadhenoparato nirāyudhaḥ

So [war er es, der], selbst waffenlos, unter den Königen - die als Last der Erde geboren waren und deren [einst gewaltige] Kraft durch [den Einsatz] ihrer Heere [nun] erschöpft war - Feindschaft stiftete, gleichwie der Wind [das Feuer entfacht], und [sie] durch gegenseitige Tötung zur Ruhe brachte.

Wort für Wort
evaṁ nṛpāṇāṁ kṣiti-bhāra-janmanām
so, unter den Königen, die als Last der Erde geboren waren
akṣauhiṇībhiḥ parivṛtta-tejasām
deren Kraft durch [ihre] Heere [nun] erschöpft war
vidhāya vairaṁ śvasano yathānalaṁ
Feindschaft stiftend, gleichwie der Wind [das Feuer entfacht]
mitho vadhena uparato nirāyudhaḥ
brachte er sie, selbst waffenlos, durch gegenseitige Tötung zur Ruhe

[Anm.: Ein einordnender Kommentarvers über Kṛṣṇas verborgenen Zweck - die Könige, 'Lasten der Erde', durch gegenseitige Feindschaft und Vernichtung zu beseitigen.]

sa eṣa nara-loke 'sminn avatīrṇaḥ sva-māyayā | reme strī-ratna-kūṭastho bhagavān prākṛto yathā

Eben er, der Erhabene, der durch seine eigene Māyā in diese Menschenwelt herabgestiegen war, genoss inmitten der Juwelen unter den Frauen [seine Zeit], gleichsam wie ein gewöhnlicher [Mensch].

Wort für Wort
sa eṣa nara-loke 'sminn avatīrṇaḥ sva-māyayā
eben er, der durch seine eigene Māyā in diese Menschenwelt herabgestiegen war
reme strī-ratna-kūṭastho
genoss inmitten der Juwelen unter den Frauen
bhagavān prākṛto yathā
der Erhabene, gleichsam wie ein gewöhnlicher [Mensch]

uddāma-bhāva-piśunāmala-valgu-hāsa-vrīḍāvaloka-nihato madano 'pi yāsām sammuhya cāpam ajahāt pramadottamās tā yasyendriyaṁ vimathituṁ kuhakair na śekuḥ

Selbst der Liebesgott [Kāma], besiegt durch [ihr] von uneingeschränkter Zuneigung kündendes, reines, liebliches Lachen und ihren schamvollen Blick, ließ verwirrt seinen Bogen fallen - [doch] jene vortrefflichsten Frauen vermochten es mit ihren Verführungskünsten nicht, dessen [Kṛṣṇas] Sinne zu erschüttern.

Wort für Wort
uddāma-bhāva-piśunāmala-valgu-hāsa-vrīḍāvaloka-nihato madano 'pi yāsām
selbst der Liebesgott, besiegt durch deren von uneingeschränkter Zuneigung kündendes, reines, liebliches Lachen und schamvollen Blick
sammuhya cāpam ajahāt
ließ verwirrt [seinen] Bogen fallen
pramadottamās tā
jene vortrefflichsten Frauen
yasyendriyaṁ vimathituṁ kuhakair na śekuḥ
vermochten es nicht, mit [ihren] Verführungskünsten dessen [Kṛṣṇas] Sinne zu erschüttern

tam ayaṁ manyate loko hy asaṅgam api saṅginam | ātmaupamyena manujaṁ vyāpṛṇvānaṁ yato 'budhaḥ

Denn diese unwissende Welt hält ihn, obwohl er [in Wahrheit] ungebunden ist, für gebunden - [sie hält ihn] durch Vergleich mit sich selbst für einen [gewöhnlichen], [in weltlichen Dingen] tätigen Menschen.

Wort für Wort
tam ayaṁ manyate loko hy
denn diese Welt hält ihn
asaṅgam api saṅginam
obwohl [er] ungebunden [ist], für gebunden
ātmaupamyena manujaṁ vyāpṛṇvānaṁ
durch Vergleich mit sich selbst für einen [in weltlichen Dingen] tätigen Menschen
yato 'budhaḥ
weil [sie, die Welt] unwissend ist

etad īśanam īśasya prakṛti-stho 'pi tad-guṇaiḥ | na yujyate sadātmasthair yathā buddhis tad-āśrayā

Dies ist die [besondere] Herrschermacht des Herrn: Obwohl er in der [materiellen] Natur weilt, wird er nicht durch deren stets in [ihm selbst] gegenwärtige Erscheinungsweisen [Guṇas] gebunden - so wie [auch] der Intellekt, der sich auf sie [die Sinnesobjekte] stützt, [von diesen letztlich unberührt bleibt].

Wort für Wort
etad īśanam īśasya
dies ist die Herrschermacht des Herrn
prakṛti-stho 'pi tad-guṇaiḥ na yujyate
obwohl er in der Natur weilt, wird er nicht durch deren Erscheinungsweisen gebunden
sadātmasthair
die stets in [ihm selbst] gegenwärtig sind
yathā buddhis tad-āśrayā
so wie der Intellekt, der sich darauf stützt

[?: Der knappe Vergleich mit dem 'buddhi, das sich darauf stützt' ('yathā buddhis tad-āśrayā') ist stark kommentarbedürftig und wird hier nur sinngemäß wiedergegeben.]

taṁ menire 'balā mūḍhāḥ straiṇaṁ cānuvrataṁ rahaḥ | apramāṇa-vido bhartur īśvaraṁ matayo yathā

Die törichten Frauen hielten ihn im Verborgenen für [ihnen] ergeben und gehorsam, denn sie kannten die wahre Autorität ihres Gatten nicht - so wie [gewöhnliche] Gedanken den [wahren] Herrscher verkennen.

Wort für Wort
taṁ menire 'balā mūḍhāḥ
die törichten Frauen hielten ihn
straiṇaṁ cānuvrataṁ rahaḥ
im Verborgenen für [ihnen] ergeben und gehorsam
apramāṇa-vido bhartur īśvaraṁ
da sie die wahre Autorität [ihres] Gatten und Herrschers nicht kannten
matayo yathā
so wie [bloße] Gedanken [den wahren Herrscher verkennen]

[?: Die knappe Vergleichsformel 'matayo yathā' ("wie [bloße] Meinungen/Gedanken") lässt mehrere Deutungen zu; hier sinngemäß auf das Verkennen des wahren Herrschers durch begrenzte Ansichten bezogen.]

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