Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 12: parīkṣij-janma Die Geburt Parīkṣits und die Aśvamedha-Opfer Yudhiṣṭhiras

Śaunaka bittet Sūta um den Bericht über den im Mutterleib der Uttarā durch das Brahmaśiras-Geschoss getöteten und von Kṛṣṇa wiederbelebten Knaben (V.1-6). Es folgt die berühmte Schilderung, wie der Fötus im zehnten Monat eine daumengroße, göttliche Gestalt erblickt, die mit ihrer Keule die Glut des Geschosses vertreibt, bevor sie verschwindet (V.7-11) - der Ursprung des Namens 'Viṣṇurāta' (V.16-17) und, aus dem späteren kindlichen Verhalten des Prüfens/Suchens nach dieser Gestalt, des Namens 'Parīkṣit' (V.30). Nach der Geburt und den Segensriten (V.12-15) folgt eine lange, kunstvolle Prophezeiung der Brahmanen über Parīkṣits künftiges Leben (V.18-28), die in einer bemerkenswerten Vorausschau das gesamte Rahmengeschehen des Bhāgavata-Purāṇa vorwegnimmt: seine Herrschaft, seinen Tod durch die Schlange Takṣaka infolge eines Brahmanenfluchs, und seine Befreiung durch die Belehrung Śukas an der Gaṅgā. Das Kapitel schließt mit Parīkṣits rascher Kindheit (V.31) und Yudhiṣṭhiras drei Aśvamedha-Opfern zur Sühne der Kriegsschuld, wozu die Brüder - von Kṛṣṇa ermutigt - herrenlosen Reichtum aus dem Norden herbeischaffen (V.32-35), bevor Kṛṣṇa nach einigem Verweilen nach Dvārakā zurückkehrt (V.36).

śaunaka uvāca | aśvatthāmnopasṛṣṭena brahma-śīrṣṇoru-tejasā | uttarāyā hato garbha īśenājīvitaḥ punaḥ

Śaunaka sprach: Der durch das von Aśvatthāman entsandte Brahmaśiras-Geschoss mit seiner gewaltigen Glut getötete Embryo der Uttarā wurde durch den Herrn wieder zum Leben erweckt.

Wort für Wort
śaunaka uvāca
Śaunaka sprach
aśvatthāmnā upasṛṣṭena brahma-śīrṣṇā uru-tejasā
durch das von Aśvatthāman entsandte Brahmaśiras-Geschoss mit gewaltiger Glut
uttarāyā hato garbhaḥ
der Embryo der Uttarā, [der] getötet [wurde]
īśena ajīvitaḥ punaḥ
durch den Herrn wieder zum Leben erweckt

tasya janma mahā-buddheḥ karmāṇi ca mahātmanaḥ | nidhanaṁ ca yathaivāsīt sa pretya gatavān yathā

Seine, des von großer Weisheit und Großmut Erfüllten, Geburt, seine Taten sowie sein Ende, wie es geschah, und wohin er nach dem Tod gegangen ist -

Wort für Wort
tasya janma mahā-buddheḥ
seine, des von großer Weisheit [Erfüllten], Geburt
karmāṇi ca mahātmanaḥ
und die Taten des Großgesinnten
nidhanaṁ ca yathā eva āsīt
und sein Ende, wie es geschah
sa pretya gatavān yathā
und wohin er nach dem Tod gegangen ist

tad idaṁ śrotum icchāmo gadituṁ yadi manyase | brūhi naḥ śraddadhānānāṁ yasya jñānam adāc chukaḥ

Dies wünschen wir zu hören, wenn du es für richtig hältst, es zu erzählen; erzähle es uns, den Gläubigen, [von] ihm, dem Śuka [später] das Wissen gab.

Wort für Wort
tad idaṁ śrotum icchāmo
dies wünschen wir zu hören
gadituṁ yadi manyase
wenn du es für richtig hältst, es zu erzählen
brūhi naḥ śraddadhānānāṁ
erzähle es uns, den Gläubigen
yasya jñānam adāc chukaḥ
dem Śuka das Wissen gab

sūta uvāca | apīpalad dharma-rājaḥ pitṛvad rañjayan prajāḥ | niḥspṛhaḥ sarva-kāmebhyaḥ kṛṣṇa-pādānusevayā

Sūta sprach: Der Dharma-König [Yudhiṣṭhira] regierte, die Untertanen wie ein Vater erfreuend, [selbst dabei] frei von jeder Begierde nach [weltlichen] Wünschen durch den Dienst an Kṛṣṇas Füßen.

Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach
apīpalad dharma-rājaḥ
es regierte der Dharma-König
pitṛvad rañjayan prajāḥ
die Untertanen wie ein Vater erfreuend
niḥspṛhaḥ sarva-kāmebhyaḥ
frei von Begierde nach allen [weltlichen] Wünschen
kṛṣṇa-pādānusevayā
durch den Dienst an Kṛṣṇas Füßen

sampadaḥ kratavo lokā mahiṣī bhrātaro mahī | jambudvīpādhipatyaṁ ca yaśaś ca tri-divaṁ gatam

Reichtümer, Opferriten, [Aufstieg in] himmlische Welten, eine [Haupt-]Gemahlin, Brüder, die Erde, die Oberherrschaft über Jambudvīpa und ein bis zum Himmel reichender Ruhm -

Wort für Wort
sampadaḥ kratavo lokā
Reichtümer, Opferriten, [himmlische] Welten
mahiṣī bhrātaro mahī
eine [Haupt-]Gemahlin, Brüder, die Erde
jambudvīpādhipatyaṁ ca
und die Oberherrschaft über Jambudvīpa
yaśaś ca tri-divaṁ gatam
und ein bis zum Himmel reichender Ruhm

[Anm.: Die Aufzählung in V.5 bildet das grammatische Subjekt der rhetorischen Frage in V.6.]

kiṁ te kāmāḥ sura-spārhā mukunda-manaso dvijāḥ | adhijahrur mudaṁ rājñaḥ kṣudhitasya yathetare

Was, o Brahmanen, bedeuteten diese von den Göttern selbst begehrten Wünsche einem König, dessen Sinn auf Mukunda gerichtet war? Sie verschafften ihm Freude nur so, wie [Nahrung] einem Hungrigen [Genüge tut] - nicht wie anderen [die daran hängen].

Wort für Wort
kiṁ te kāmāḥ sura-spārhā
was [bedeuteten] diese von den Göttern begehrten Wünsche
mukunda-manaso dvijāḥ
einem, dessen Sinn auf Mukunda [gerichtet war], o Brahmanen
adhijahrur mudaṁ rājñaḥ
verschafften sie dem König Freude
kṣudhitasya yathā itare
so wie [Nahrung] einem Hungrigen, [nicht] wie anderen

mātur garbha-gato vīraḥ sa tadā bhṛgu-nandana | dadarśa puruṣaṁ kañcid dahyamāno 'stra-tejasā

Er, der Held [Parīkṣit], damals noch im Mutterleib, sah, o Sohn der Bhṛgus, obwohl er von der Glut des Geschosses versengt wurde, eine gewisse [göttliche] Gestalt.

Wort für Wort
mātur garbha-gato vīraḥ
der Held, im Mutterleib befindlich
sa tadā bhṛgu-nandana
er, damals, o Sohn der Bhṛgus
dadarśa puruṣaṁ kañcid
sah eine gewisse [göttliche] Gestalt
dahyamāno 'stra-tejasā
obwohl von der Glut des Geschosses versengt

aṅguṣṭha-mātram amalaṁ sphurat-puraṭa-maulinam | apīvya-darśanaṁ śyāmaṁ taḍid vāsasam acyutam

[eine Gestalt,] daumengroß, makellos, mit schimmernder Goldkrone, von lieblichem Anblick, dunkel [von Farbe], mit einem Gewand blitzgleich [leuchtend] - den Unfehlbaren.

Wort für Wort
aṅguṣṭha-mātram amalaṁ
daumengroß, makellos
sphurat-puraṭa-maulinam
mit schimmernder Goldkrone
apīvya-darśanaṁ śyāmaṁ
von lieblichem Anblick, dunkel
taḍid vāsasam acyutam
mit blitzgleichem Gewand, den Unfehlbaren

śrīmad-dīrgha-catur-bāhuṁ tapta-kāñcana-kuṇḍalam | kṣatajākṣaṁ gadā-pāṇim ātmanaḥ sarvato diśam | paribhramantam ulkābhāṁ bhrāmayantaṁ gadāṁ muhuḥ

[eine Gestalt] mit vier prächtigen, langen Armen, mit Ohrringen aus geschmolzenem Gold, mit blutroten Augen, eine Keule in der Hand, die um sich selbst nach allen Richtungen umherwandelte und wiederholt die feuerbrandgleiche Keule schwang.

Wort für Wort
śrīmad-dīrgha-catur-bāhuṁ
mit vier prächtigen, langen Armen
tapta-kāñcana-kuṇḍalam
mit Ohrringen aus geschmolzenem Gold
kṣatajākṣaṁ gadā-pāṇim
mit blutroten Augen, eine Keule in der Hand
ātmanaḥ sarvato diśam paribhramantam
um sich selbst nach allen Richtungen umherwandelnd
ulkābhāṁ bhrāmayantaṁ gadāṁ muhuḥ
die feuerbrandgleiche Keule wiederholt schwingend

astra-tejaḥ sva-gadayā nīhāram iva gopatiḥ | vidhamantaṁ sannikarṣe paryaikṣata ka ity asau

[Der Fötus] betrachtete aus der Nähe, [wie die Gestalt] mit ihrer eigenen Keule die Glut des Geschosses vertrieb, gleichwie die Sonne den Nebel [vertreibt] - [und dachte:] 'Wer ist das?'

Wort für Wort
astra-tejaḥ sva-gadayā
die Glut des Geschosses mit der eigenen Keule
nīhāram iva gopatiḥ
wie die Sonne den Nebel [vertreibt]
vidhamantaṁ sannikarṣe paryaikṣata
vertreibend, betrachtete er aus der Nähe
ka ity asau
[und dachte:] wer ist das?

vidhūya tad ameyātmā bhagavān dharma-gub vibhuḥ | miṣato daśamāsasya tatraivāntardadhe hariḥ

Nachdem er dies [das Geschoss] vertrieben hatte, verschwand Hari, der Erhabene von unermesslichem Wesen, der Beschützer des Dharma, der Allmächtige, eben dort, während der [im zehnten Monat befindliche] Fötus zusah.

Wort für Wort
vidhūya tad ameyātmā
nachdem er dies vertrieben hatte, der von unermesslichem Wesen
bhagavān dharma-gub vibhuḥ
der Erhabene, der Beschützer des Dharma, der Allmächtige
miṣato daśamāsasya
während der Zehnmonatige [Fötus] zusah
tatraivāntardadhe hariḥ
verschwand Hari eben dort

tataḥ sarva-guṇodarke sānukūla-grahodaye | jajñe vaṁśa-dharaḥ pāṇḍor bhūyaḥ pāṇḍur ivaujasā

Darauf, zu einer alle guten Eigenschaften verheißenden [Stunde], bei günstigem Aufgang der Planeten, wurde der Fortführer der Linie Pāṇḍus geboren, an Kraft [gleichsam] wie ein wiedergekehrter Pāṇḍu.

Wort für Wort
tataḥ sarva-guṇodarke
darauf, zu einer alle guten Eigenschaften verheißenden [Stunde]
sānukūla-grahodaye
bei günstigem Aufgang der Planeten
jajñe vaṁśa-dharaḥ pāṇḍor
wurde der Fortführer der Linie Pāṇḍus geboren
bhūyaḥ pāṇḍur ivaujasā
an Kraft wie ein wiedergekehrter Pāṇḍu

tasya prīta-manā rājā viprair dhaumya-kṛpādibhiḥ | jātakaṁ kārayām āsa vācayitvā ca maṅgalam

Erfreuten Sinnes ließ der König für ihn durch die Brahmanen, angeführt von Dhaumya und Kṛpa, die Geburtszeremonie vollziehen und Segenssprüche rezitieren.

Wort für Wort
tasya prīta-manā rājā
für ihn, erfreuten Sinnes, der König
viprair dhaumya-kṛpādibhiḥ
durch die Brahmanen, angeführt von Dhaumya und Kṛpa
jātakaṁ kārayām āsa
ließ er die Geburtszeremonie vollziehen
vācayitvā ca maṅgalam
und Segenssprüche rezitieren lassend

hiraṇyaṁ gāṁ mahīṁ grāmān hasty-aśvān nṛpatir varān | prādāt svannaṁ ca viprebhyaḥ prajā-tīrthe sa tīrthavit

Gold, Kühe, Land, Dörfer, auserlesene Elefanten und Pferde sowie reichliches Essen schenkte der König den Brahmanen bei diesem [der Geburt geweihten] heiligen Anlass, er, der die rechten Anlässe kennt.

Wort für Wort
hiraṇyaṁ gāṁ mahīṁ grāmān
Gold, Kühe, Land, Dörfer
hasty-aśvān nṛpatir varān
auserlesene Elefanten und Pferde, der König
prādāt svannaṁ ca viprebhyaḥ
schenkte, sowie reichliches Essen, den Brahmanen
prajā-tīrthe sa tīrthavit
bei diesem heiligen Anlass, er, der die rechten Anlässe kennt

tam ūcur brāhmaṇās tuṣṭā rājānaṁ praśrayānvitam | eṣa hy asmin prajā-tantau purūṇāṁ pauravarṣabha

Zu ihm, dem von Demut erfüllten König, sprachen die zufriedenen Brahmanen: 'Dieser [Knabe] ist fürwahr in dieser Nachkommenschaftslinie der Pūrus [geboren], o Bester der Pauravas -

Wort für Wort
tam ūcur brāhmaṇās tuṣṭā
zu ihm sprachen die zufriedenen Brahmanen
rājānaṁ praśrayānvitam
zum König, der von Demut erfüllt war
eṣa hy asmin prajā-tantau
dieser [ist] fürwahr in dieser Nachkommenschaftslinie
purūṇāṁ pauravarṣabha
der Pūrus, o Bester der Pauravas

daivenāpratighātena śukle saṁsthām upeyuṣi | rāto vo 'nugrahārthāya viṣṇunā prabhaviṣṇunā

Als [der Embryo] durch ein unabwendbares göttliches [Geschoss] dem Erlöschen nahegebracht worden war, wurde er euch von Viṣṇu, dem Machtvollen, aus Gnade geschenkt.

Wort für Wort
daivenāpratighātena
durch ein unabwendbares göttliches [Geschoss]
śukle saṁsthām upeyuṣi
als [er] dem Erlöschen nahegebracht worden war
rāto vo 'nugrahārthāya
wurde er euch aus Gnade geschenkt
viṣṇunā prabhaviṣṇunā
von Viṣṇu, dem Machtvollen

[?: 'śukle' (wörtl. 'im Weißen/Hellen') ist in dieser Wendung unklar - möglicherweise ein Hinweis auf einen Zeitpunkt oder Zustand des Embryos; sinngemäß im Zusammenhang mit 'saṁsthām upeyuṣi' ('dem Erlöschen nahegekommen') wiedergegeben.]

tasmān nāmnā viṣṇu-rāta iti loke bhaviṣyati | na sandeho mahā-bhāga mahā-bhāgavato mahān

Deshalb wird er in der Welt dem Namen nach 'Viṣṇurāta' [von Viṣṇu Gegebener] sein - kein Zweifel, o Hochbeglückter -, ein großer, großer Verehrer [Kṛṣṇas].

Wort für Wort
tasmān nāmnā viṣṇu-rāta iti
deshalb wird er dem Namen nach 'Viṣṇurāta' [sein]
loke bhaviṣyati
in der Welt sein
na sandeho mahā-bhāga
kein Zweifel, o Hochbeglückter
mahā-bhāgavato mahān
ein großer, großer Verehrer

śrī-rājā uvāca | apy eṣa vaṁśyān rājarṣīn puṇya-ślokān mahātmanaḥ | anuvartitā svid yaśasā sādhu-vādena sattamāḥ

Der glorreiche König sprach: 'Wird dieser [Knabe] wohl den königlichen Weisen unserer Dynastie, den tugendhaft-berühmten Großgesinnten, an Ruhm und gutem Ansehen nacheifern, o ihr Vortrefflichsten?'

Wort für Wort
śrī-rājā uvāca
der glorreiche König sprach
apy eṣa vaṁśyān rājarṣīn
wird dieser [Knabe] den königlichen Weisen der Dynastie
puṇya-ślokān mahātmanaḥ
den tugendhaft-berühmten Großgesinnten
anuvartitā svid yaśasā sādhu-vādena sattamāḥ
wohl an Ruhm und gutem Ansehen nacheifern, o Vortrefflichste

brāhmaṇā ūcuḥ | pārtha prajāvitā sākṣād ikṣvākur iva mānavaḥ | brahmaṇyaḥ satya-sandhaś ca rāmo dāśarathir yathā

Die Brahmanen sprachen: 'O Sohn der Pṛthā, [er wird] ein Beschützer der Untertanen sein, geradezu wie Ikṣvāku, der Sohn des Manu, den Brahmanen zugetan und wahrhaftig wie Rāma, der Sohn des Daśaratha.'

Wort für Wort
brāhmaṇā ūcuḥ
die Brahmanen sprachen
pārtha prajāvitā sākṣād
o Sohn der Pṛthā, ein Beschützer der Untertanen, geradezu
ikṣvākur iva mānavaḥ
wie Ikṣvāku, der Sohn des Manu
brahmaṇyaḥ satya-sandhaś ca rāmo dāśarathir yathā
den Brahmanen zugetan und wahrhaftig wie Rāma, der Sohn des Daśaratha

eṣa dātā śaraṇyaś ca yathā hy auśīnaraḥ śibiḥ | yaśo vitanitā svānāṁ dauṣyantir iva yajvanām

Dieser wird ein Freigebiger und [würdiger] Zufluchtsort sein wie fürwahr Śibi, der Sohn des Uśīnara, und ein Mehrer des Ruhmes der Seinen unter den Opfernden, wie [Bharata,] der Sohn des Duṣyanta.

Wort für Wort
eṣa dātā śaraṇyaś ca
dieser [wird] ein Freigebiger und [würdiger] Zufluchtsort [sein]
yathā hy auśīnaraḥ śibiḥ
wie fürwahr Śibi, der Sohn des Uśīnara
yaśo vitanitā svānāṁ
ein Mehrer des Ruhmes der Seinen
dauṣyantir iva yajvanām
wie [Bharata,] der Sohn des Duṣyanta, unter den Opfernden

dhanvinām agraṇīr eṣa tulyaś cārjunayor dvayoḥ | hutāśa iva durdharṣaḥ samudra iva dustaraḥ

Dieser wird der Erste unter den Bogenschützen sein, den beiden Arjunas gleich, unbezwingbar wie das Feuer, unüberwindlich wie das Meer.

Wort für Wort
dhanvinām agraṇīr eṣa
der Erste unter den Bogenschützen, dieser
tulyaś cārjunayor dvayoḥ
und den beiden Arjunas gleich
hutāśa iva durdharṣaḥ
unbezwingbar wie das Feuer
samudra iva dustaraḥ
unüberwindlich wie das Meer

[Anm.: 'die beiden Arjunas' meint Arjuna, den Pāṇḍava, und Kārtavīryārjuna.]

mṛgendra iva vikrānto niṣevyo himavān iva | titikṣur vasudhevāsau sahiṣṇuḥ pitarāv iva

Kraftvoll wie der Löwe, aufsuchenswert wie der Himalaya wird dieser sein, duldsam wie die Erde, ertragend wie [beide] Eltern.

Wort für Wort
mṛgendra iva vikrānto
kraftvoll wie der Löwe
niṣevyo himavān iva
aufsuchenswert wie der Himalaya
titikṣur vasudhā iva asau
duldsam wie die Erde, dieser
sahiṣṇuḥ pitarāv iva
ertragend wie [beide] Eltern

pitāmaha-samaḥ sāmye prasāde giriśopamaḥ | āśrayaḥ sarva-bhūtānāṁ yathā devo ramāśrayaḥ

Dem Großvater [Brahmā] gleich an Gleichmut, dem Berg-Herrn [Śiva] vergleichbar an Gnade, wird er eine Zuflucht für alle Wesen sein, wie der Gott [Viṣṇu], die Zuflucht der [Göttin] Ramā.

Wort für Wort
pitāmaha-samaḥ sāmye
dem Großvater gleich an Gleichmut
prasāde giriśopamaḥ
an Gnade dem Berg-Herrn [Śiva] vergleichbar
āśrayaḥ sarva-bhūtānāṁ
eine Zuflucht für alle Wesen
yathā devo ramāśrayaḥ
wie der Gott, die Zuflucht der [Göttin] Ramā

sarva-sad-guṇa-māhātmye eṣa kṛṣṇam anuvrataḥ | rantideva ivodāro yayātir iva dhārmikaḥ

In der Erhabenheit aller guten Eigenschaften Kṛṣṇa ergeben, wird er großzügig sein wie Rantideva und rechtschaffen wie Yayāti.

Wort für Wort
sarva-sad-guṇa-māhātmye
in der Erhabenheit aller guten Eigenschaften
eṣa kṛṣṇam anuvrataḥ
dieser, Kṛṣṇa ergeben
rantideva ivodāro
großzügig wie Rantideva
yayātir iva dhārmikaḥ
rechtschaffen wie Yayāti

dhṛtyā bali-samaḥ kṛṣṇe prahrāda iva sad-grahaḥ | āhartaiṣo 'śvamedhānāṁ vṛddhānāṁ paryupāsakaḥ

An Standhaftigkeit Bali gleich, von rechter Glaubensfestigkeit gegenüber Kṛṣṇa wie Prahlāda, wird dieser ein Vollzieher von Pferdeopfern und ein ergebener Diener der Älteren sein.

Wort für Wort
dhṛtyā bali-samaḥ
an Standhaftigkeit Bali gleich
kṛṣṇe prahrāda iva sad-grahaḥ
gegenüber Kṛṣṇa von rechter Glaubensfestigkeit wie Prahlāda
āhartaiṣo 'śvamedhānāṁ
ein Vollzieher von Pferdeopfern, dieser
vṛddhānāṁ paryupāsakaḥ
ein ergebener Diener der Älteren

rājarṣīṇāṁ janayitā śāstā cotpatha-gāminām | nigrahītā kaler eṣa bhuvo dharmasya kāraṇāt

Ein Erzeuger [weiterer] königlicher Weiser und ein Zurechtweiser derer, die vom rechten Weg abweichen, wird dieser sein, ein Bezwinger des Kali um des Dharma und der Erde willen.

Wort für Wort
rājarṣīṇāṁ janayitā
ein Erzeuger königlicher Weiser
śāstā cotpatha-gāminām
und ein Zurechtweiser derer, die vom Weg abweichen
nigrahītā kaler eṣa
ein Bezwinger des Kali, dieser
bhuvo dharmasya kāraṇāt
um des Dharma und der Erde willen

takṣakād ātmano mṛtyuṁ dvija-putropasarjitāt | prapatsyata upaśrutya mukta-saṅgaḥ padaṁ hareḥ

Nachdem er [zuvor die Lehre] gehört hat, wird er seinen eigenen, durch den Fluch eines Brahmanensohnes gesandten Tod durch Takṣaka [den Schlangenkönig] hinnehmen und, von aller Bindung befreit, die Stätte Haris erlangen.

Wort für Wort
takṣakād ātmano mṛtyuṁ
seinen eigenen Tod durch Takṣaka
dvija-putropasarjitāt
der durch den Fluch eines Brahmanensohnes gesandt wird
prapatsyata upaśrutya
wird er hinnehmen, nachdem er [die Lehre] gehört hat
mukta-saṅgaḥ padaṁ hareḥ
von aller Bindung befreit, die Stätte Haris [erlangen]

jijñāsitātma-yāthārthyo muner vyāsa-sutād asau | hitvedaṁ nṛpa gaṅgāyāṁ yāsyaty addhākutobhayam

Dieser wird, nachdem er durch den Weisen, den Sohn des Vyāsa [Śuka], die wahre Natur des Selbst erforscht hat, o König, diesen [Körper] an der Gaṅgā aufgeben und geradewegs zu [einem Zustand] gänzlicher Furchtlosigkeit gelangen.

Wort für Wort
jijñāsitātma-yāthārthyo
der die wahre Natur des Selbst erforscht hat
muner vyāsa-sutād asau
durch den Weisen, den Sohn des Vyāsa, dieser
hitvedaṁ nṛpa gaṅgāyāṁ
nachdem er dies [den Körper], o König, an der Gaṅgā aufgegeben hat
yāsyaty addhākutobhayam
wird er geradewegs zu gänzlicher Furchtlosigkeit gelangen

iti rājña upādiśya viprā jātaka-kovidāḥ | labdhāpacitayaḥ sarve pratijagmuḥ svakān gṛhān

So hatten die in der Geburtsastrologie kundigen Brahmanen dem König [dies] verkündet, und alle, nachdem sie Ehrengaben erhalten hatten, kehrten zu ihren eigenen Häusern zurück.

Wort für Wort
iti rājña upādiśya
so, dem König verkündet habend
viprā jātaka-kovidāḥ
die in der Geburtsastrologie kundigen Brahmanen
labdhāpacitayaḥ sarve
alle, nachdem sie Ehrengaben erhalten hatten
pratijagmuḥ svakān gṛhān
kehrten zu ihren eigenen Häusern zurück

sa eṣa loke vikhyātaḥ parīkṣid iti yat prabhuḥ | pūrvaṁ dṛṣṭam anudhyāyan parīkṣeta nareṣv iha

Eben dieser wird in der Welt als 'Parīkṣit' bekannt sein, weil dieser Herr, sich an das zuvor [im Mutterleib] Gesehene erinnernd, [fortan] die Menschen hier [prüfend] untersuchen würde.

Wort für Wort
sa eṣa loke vikhyātaḥ
eben dieser wird in der Welt bekannt sein
parīkṣid iti yat prabhuḥ
als 'Parīkṣit', weil dieser Herr
pūrvaṁ dṛṣṭam anudhyāyan
sich an das zuvor Gesehene erinnernd
parīkṣeta nareṣv iha
die Menschen hier [prüfend] untersuchen würde

[Anm.: Volksetymologische Deutung des Namens Parīkṣit von der Wurzel 'parīkṣ' - 'prüfen/untersuchen'.]

sa rāja-putro vavṛdhe āśu śukla ivoḍupaḥ | āpūryamāṇaḥ pitṛbhiḥ kāṣṭhābhir iva so 'nvaham

Dieser Königssohn wuchs rasch, wie der [zunehmende] Mond in der hellen Monatshälfte, Tag für Tag durch [die Fürsorge] der Väter angefüllt werdend, wie [der Mond] durch [seine] Phasen.

Wort für Wort
sa rāja-putro vavṛdhe āśu
dieser Königssohn wuchs rasch
śukla ivoḍupaḥ
wie der Mond in der hellen [Monatshälfte]
āpūryamāṇaḥ pitṛbhiḥ
durch die Väter angefüllt werdend
kāṣṭhābhir iva so 'nvaham
wie [der Mond] durch [seine] Phasen, er, Tag für Tag

[Anm.: 'pitṛbhiḥ' kann sich allgemein auf väterliche/ältere Verwandte beziehen, die den Knaben umsorgten.]

yakṣyamāṇo 'śvamedhena jñāti-droha-jihāsayā | rājā labdha-dhano dadhyau nānyatra kara-daṇḍayoḥ

Der König, im Begriff, mit einem Pferdeopfer zu opfern, um die Sünde der Verwandtentötung abzulegen, [aber] ohne [ausreichenden] erlangten Reichtum, überlegte, [wie er dies bewerkstelligen könnte,] ohne dabei zu Steuer oder Zwang [gegenüber den Untertanen] zu greifen.

Wort für Wort
yakṣyamāṇo 'śvamedhena
im Begriff, mit einem Pferdeopfer zu opfern
jñāti-droha-jihāsayā
um die Sünde der Verwandtentötung abzulegen
rājā labdha-dhano dadhyau
überlegte der König, [noch ohne ausreichenden] Reichtum
nānyatra kara-daṇḍayoḥ
ohne [dabei] zu Steuer oder Zwang zu greifen

[?: 'labdha-dhanaḥ' ('[der] Reichtum erlangt hat') ist hier im Zusammenhang mit V.33 (die Brüder holen erst danach Reichtum herbei) sinngemäß im Sinne von noch fehlendem Reichtum gedeutet.]

tad abhipretam ālakṣya bhrātaro 'cyuta-coditāḥ | dhanaṁ prahīṇam ājahrur udīcyāṁ diśi bhūriśaḥ

Als sie diese [seine] Absicht erkannten, holten die Brüder, von Kṛṣṇa dazu angeregt, in reichem Maße zurückgelassenen Reichtum aus der nördlichen Richtung herbei.

Wort für Wort
tad abhipretam ālakṣya
als sie diese Absicht erkannten
bhrātaro 'cyuta-coditāḥ
die Brüder, von Kṛṣṇa angeregt
dhanaṁ prahīṇam ājahrur
holten zurückgelassenen Reichtum herbei
udīcyāṁ diśi bhūriśaḥ
aus der nördlichen Richtung, in reichem Maße

[Anm.: Gemeint ist herrenloser, von besiegten Königen im Norden zurückgelassener Reichtum.]

tena sambhṛta-sambhāro dharma-putro yudhiṣṭhiraḥ | vājimedhais tribhir bhīto yajñaiḥ samayajad dharim

Damit hatte Dharma-putra Yudhiṣṭhira die [nötigen] Mittel beschafft und verehrte, [noch immer] von Furcht [vor seiner Sünde] erfüllt, Hari mit drei Pferdeopfern.

Wort für Wort
tena sambhṛta-sambhāro
damit, die [nötigen] Mittel beschafft habend
dharma-putro yudhiṣṭhiraḥ
Dharma-putra Yudhiṣṭhira
vājimedhais tribhir bhīto
mit drei Pferdeopfern, von Furcht erfüllt
yajñaiḥ samayajad dharim
verehrte er mit [diesen] Opfern Hari

āhūto bhagavān rājñā yājayitvā dvijair nṛpam | uvāsa katicin māsān suhṛdāṁ priya-kāmyayā

Vom König eingeladen, ließ der Erhabene den König durch die Brahmanen opfern und weilte [danach noch] einige Monate, um den Freunden eine Freude zu machen.

Wort für Wort
āhūto bhagavān rājñā
vom König eingeladen, der Erhabene
yājayitvā dvijair nṛpam
ließ er den König durch die Brahmanen opfern
uvāsa katicin māsān
und weilte einige Monate
suhṛdāṁ priya-kāmyayā
um den Freunden eine Freude zu machen

tato rājñābhyanujñātaḥ kṛṣṇayā saha-bandhubhiḥ | yayau dvāravatīṁ brahman sārjuno yadubhir vṛtaḥ

Dann, vom König verabschiedet, zog er [Kṛṣṇa] zusammen mit Kṛṣṇā [Draupadī] und den Verwandten nach Dvāravatī, o Brahmane, begleitet von Arjuna, umgeben von den Yadus.

Wort für Wort
tato rājñābhyanujñātaḥ
dann, vom König verabschiedet
kṛṣṇayā saha-bandhubhiḥ
zusammen mit Kṛṣṇā [Draupadī] und den Verwandten
yayau dvāravatīṁ brahman
zog er nach Dvāravatī, o Brahmane
sārjuno yadubhir vṛtaḥ
begleitet von Arjuna, umgeben von den Yadus

[?: Die Erwähnung 'Kṛṣṇā' (Beiname Draupadīs) als Mitreisende nach Dvārakā ist inhaltlich auffällig; wörtlich wiedergegeben, ohne Auflösung durch Vergleich mit anderen Editionen.]

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