Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 67: Dakṣa-yajña-bhaṅgaḥ [?] Die Vereitelung von Dakṣas Opfer

maitreya uvāca bhavo bhavānyā nidhanaṁ prajāpater asat-kṛtāyā avagamya nāradāt sva-pārṣada-sainyaṁ ca tad-adhvararbhubhir vidrāvitaṁ krodham apāram ādadhe

Maitreya sprach: Als Bhava [Śiva], nachdem er von Nārada vom Tod der Bhavānī [Satī] erfahren hatte, die vom Prajāpati [Dakṣa] missachtet worden war, und [davon], dass das Heer seiner eigenen Gefolgsleute von den Ṛbhus jenes Opfers in die Flucht geschlagen worden war - da fasste er grenzenlosen Zorn.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya (Nom.) sprach
bhavaḥ
Bhava/Śiva (Nom.)
bhavānyāḥ nidhanam
den Tod (Akk.) der Bhavānī (Gen.)
prajāpateḥ asat-kṛtāyāḥ
die vom Prajāpati (Instr./Agens) missachtete (Gen.)
avagamya nāradāt
nachdem er erfahren hatte (Absolutiv) von Nārada (Abl.)
sva-pārṣada-sainyam ca
und das Heer (Akk.) der eigenen Gefolgsleute
tad-adhvara-ṛbhubhiḥ vidrāvitam
durch die Ṛbhus (Instr.) jenes Opfers in die Flucht geschlagene (Akk., PPP)
krodham apāram ādadhe
er fasste (3.Sg.Perf.) grenzenlosen (Akk.) Zorn (Akk.)

'tad-adhvararbhubhiḥ' = tad-adhvara-ṛbhubhiḥ, 'durch die Ṛbhus jenes Opfers' [?], Anspielung auf eine frühere Episode (vgl. SB 4.2), in der Śivas Gefolgsleute von den am Opfer beteiligten Göttern vertrieben wurden.

kruddhaḥ sudaṣṭauṣṭha-puṭaḥ sa dhūr-jaṭir jaṭāṁ taḍid-vahni-saṭogra-rociṣam utkṛtya rudraḥ sahasotthito hasan gambhīra-nādo visasarja tāṁ bhuvi

Der zornige Rudra, der Träger der Haarflechte, mit fest zusammengebissenen Lippen, erhob sich plötzlich, riss lachend, mit dröhnender Stimme, eine Haarlocke aus, deren Glanz schrecklich war wie Blitz und Feuermähne, und schleuderte sie zu Boden.

Wort für Wort
kruddhaḥ
zornig (Nom.)
sudaṣṭa-oṣṭha-puṭaḥ
mit fest zusammengebissenen Lippen (Nom.)
saḥ dhūḥ-jaṭiḥ
er, der Träger der Haarflechte (Nom.)
jaṭām
eine Haarlocke (Akk.)
taḍit-vahni-saṭā-ugra-rociṣam
deren Glanz schrecklich ist wie Blitz und Feuermähne (Akk.)
utkṛtya
ausreißend (Absolutiv)
rudraḥ sahasā-utthitaḥ
Rudra (Nom.), der sich plötzlich erhoben hatte (Nom.)
hasan gambhīra-nādaḥ
lachend (Ppr.), mit dröhnender Stimme (Nom.)
visasarja tām bhuvi
er schleuderte (3.Sg.Perf.) sie (Akk.) zu Boden (Lok.)

tato 'tikāyas tanuvā spṛśan divaṁ sahasra-bāhur ghana-ruk tri-sūrya-dṛk karāla-daṁṣṭro jvalad-agni-mūrdhajaḥ kapāla-mālī vividhodyatāyudhaḥ

Daraus entstand [Vīrabhadra], von riesenhafter Gestalt, mit seinem Körper den Himmel berührend, mit tausend Armen, dunkel wie eine Regenwolke, anzusehen wie drei Sonnen, mit furchterregenden Hauern, mit Kopfhaar wie loderndes Feuer, mit einer Girlande aus Schädeln geschmückt, mancherlei Waffen erhoben haltend.

Wort für Wort
tataḥ atikāyaḥ
daraus [entstand] der von riesenhafter Gestalt (Nom.)
tanuvā spṛśan divam
mit dem Körper (Instr.) den Himmel (Akk.) berührend (Ppr.)
sahasra-bāhuḥ
mit tausend Armen (Nom.)
ghana-ruk
dunkel wie eine Wolke (Nom.)
tri-sūrya-dṛk
anzusehen wie drei Sonnen (Nom.)
karāla-daṁṣṭraḥ
mit furchterregenden Hauern (Nom.)
jvalat-agni-mūrdhajaḥ
mit Kopfhaar wie loderndes Feuer (Nom.)
kapāla-mālī
mit einer Schädelgirlande (Nom.)
vividha-udyata-āyudhaḥ
mit mancherlei erhobenen Waffen (Nom.)

Das Subjekt (Vīrabhadra) wird erst implizit eingeführt; sein Name erscheint im Kontext ab Vers 4-5.

taṁ kiṁ karomīti gṛṇantam āha baddhāñjaliṁ bhagavān bhūta-nāthaḥ dakṣaṁ sa-yajñaṁ jahi mad-bhaṭānāṁ tvam agraṇī rudra bhaṭāṁśako me

Zu ihm, der mit gefalteten Händen fragte: 'Was soll ich tun?', sprach der Erhabene, der Herr der Geisterscharen: 'Töte Dakṣa samt seinem Opfer! Du bist der Anführer meiner Krieger, o Rudra, mein aus mir selbst entstandener Krieger.'

Wort für Wort
tam kim karomi iti gṛṇantam
zu ihm (Akk.), der 'was tue ich?' (Akk., Ppr.) fragend
āha baddha-añjalim
er sprach (3.Sg.Perf.) zu dem mit gefalteten Händen (Akk.)
bhagavān bhūta-nāthaḥ
der Erhabene (Nom.), der Herr der Geisterwesen (Nom.)
dakṣam sa-yajñam jahi
töte (Imp.) Dakṣa (Akk.) samt seinem Opfer (Akk.)
mat-bhaṭānām tvam agraṇīḥ
du (Nom.) bist der Anführer (Nom.) meiner Krieger (Gen.)
rudra bhaṭa-aṁśakaḥ me
o Rudra (Vok.), mein (Gen.) aus [meinem Wesen] entstandener Krieger (Nom.)

ājñapta evaṁ kupitena manyunā sa deva-devaṁ paricakrame vibhum mene tadātmānam asaṅga-raṁhasā mahīyasāṁ tāta sahaḥ sahiṣṇum

So von dem zornigen Manyu [Śiva, personifizierter Zorn] beauftragt, umschritt er [Vīrabhadra] ehrfurchtsvoll den Gott der Götter, den Allmächtigen. Da erachtete er sich selbst, o Lieber [Vidura], als der Kraft der Größten, deren Macht ungehindert ist, gewachsen.

Wort für Wort
ājñaptaḥ evam kupitena manyunā
so (Nom.) beauftragt (PPP) vom zornigen (Instr.) Manyu [Zorn/Śiva] (Instr.)
saḥ deva-devam paricakrame vibhum
er umschritt (3.Sg.Perf.) den allmächtigen (Akk.) Gott der Götter (Akk.)
mene tadā ātmānam
er erachtete (3.Sg.Perf.) dann sich selbst (Akk.)
asaṅga-raṁhasām mahīyasām
der Größten (Gen.Pl.), deren Kraft ungehindert ist (Gen.Pl.)
tāta sahaḥ sahiṣṇum
o Lieber (Vok.), der Stärke (Akk.) gewachsen (Akk.)

anvīyamānaḥ sa tu rudra-pārṣadair bhṛśaṁ nadadbhir vyanadat subhairavam udyamya śūlaṁ jagad-antakāntakaṁ samprādravad ghoṣaṇa-bhūṣaṇāṅghriḥ

Er nun, begleitet von Rudras Gefolgsleuten, die heftig brüllten, ließ [selbst] ein überaus furchterregendes Gebrüll ertönen; den Dreizack emporhebend, der den Bezwinger der Welt [den Tod] bezwingt, stürmte er vorwärts, während an seinen Füßen die Schmuckstücke klirrten.

Wort für Wort
anvīyamānaḥ saḥ tu
er aber, begleitet werdend (Nom., Pass.-Ppr.)
rudra-pārṣadaiḥ bhṛśam nadadbhiḥ
von Rudras Gefolgsleuten (Instr.), die heftig brüllten (Instr.Ppr.)
vyanadat subhairavam
er ließ überaus furchterregend ertönen (3.Sg.Impf.)
udyamya śūlam
emporhebend (Absolutiv) den Dreizack (Akk.)
jagat-antaka-antakam
der den Bezwinger der Welt [den Tod] bezwingt (Akk.)
samprādravat
er stürmte vorwärts (3.Sg.Impf.)
ghoṣaṇa-bhūṣaṇa-aṅghriḥ
dessen Füße mit klingendem Schmuck [versehen waren] (Nom.)

atha ṛtvijo yajamānaḥ sadasyāḥ kakubhy udīcyāṁ prasamīkṣya reṇum tamaḥ kim etat kuta etad rajo 'bhūd iti dvijā dvija-patnyaś ca dadhyuḥ

Da erblickten die Opferpriester, der Opferherr [Dakṣa] und die Versammlungsmitglieder in der nördlichen Richtung einen Staubsturm, und die Brahmanen und die Brahmanenfrauen überlegten: 'Was ist diese Finsternis? Woher ist dieser Staub entstanden?'

Wort für Wort
atha ṛtvijaḥ yajamānaḥ sadasyāḥ
da die Opferpriester (Nom.Pl.), der Opferherr (Nom.) [und] die Versammlungsmitglieder (Nom.Pl.)
kakubhi udīcyām prasamīkṣya reṇum
in nördlicher Richtung (Lok.) erblickend (Absolutiv) den Staubsturm (Akk.)
tamaḥ kim etat
was ist diese Finsternis?
kutaḥ etat rajaḥ abhūt
woher ist dieser Staub entstanden?
iti dvijāḥ dvija-patnyaḥ ca dadhyuḥ
so dachten (3.Pl.Perf.) die Brahmanen (Nom.Pl.) und die Brahmanenfrauen (Nom.Pl.)

vātā na vānti na hi santi dasyavaḥ prācīna-barhir jīvati hogra-daṇḍaḥ gāvo na kālyanta idaṁ kuto rajo loko 'dhunā kiṁ pralayāya kalpate

'Die Winde wehen nicht, und Räuber gibt es ja auch keine; [König] Prācīnabarhi, dessen Strafgewalt streng ist, lebt ja noch; die Kühe werden nicht [zur Weide] getrieben - woher [kommt] dann dieser Staub? Steht die Welt jetzt etwa vor ihrer Auflösung?'

Wort für Wort
vātāḥ na vānti
die Winde (Nom.Pl.) wehen nicht
na hi santi dasyavaḥ
es gibt ja auch keine (Nom.Pl.) Räuber
prācīna-barhiḥ jīvati ha
Prācīnabarhi (Nom.) lebt ja noch
ugra-daṇḍaḥ
dessen Strafgewalt streng ist (Nom.)
gāvaḥ na kālyante
die Kühe (Nom.Pl.) werden nicht getrieben
idam kutaḥ rajaḥ
woher [kommt] dieser Staub?
lokaḥ adhunā kim pralayāya kalpate
steht die Welt (Nom.) jetzt etwa (Interrogativpartikel) zur Auflösung (Dat.) bereit?

prasūti-miśrāḥ striya udvigna-cittā ūcur vipāko vṛjinasyaiva tasya yat paśyantīnāṁ duhitṝṇāṁ prajeśaḥ sutāṁ satīm avadadhyāv anāgām

Die von Prasūti angeführten Frauen, deren Herzen beunruhigt waren, sprachen: 'Dies ist gewiss die [reife] Frucht seiner [Dakṣas] Verfehlung, dass der Herr der Geschöpfe, während [ihre] Schwestern zusahen, die schuldlose Tochter Satī missachtete.'

Wort für Wort
prasūti-miśrāḥ striyaḥ
die von Prasūti angeführten (Nom.Pl.) Frauen (Nom.Pl.)
udvigna-cittāḥ ūcuḥ
deren Herzen beunruhigt waren (Nom.Pl.), sprachen (3.Pl.Perf.)
vipākaḥ vṛjinasya eva tasya
dies ist die Frucht (Nom.) der Verfehlung (Gen.) eben seiner (Gen.)
yat paśyantīnām duhitṝṇām
weil, während die Töchter/Schwestern zusahen (Gen.Pl.abs.)
prajeśaḥ sutām satīm
der Herr der Geschöpfe (Nom.) die Tochter (Akk.) Satī (Akk.)
avadadhyau anāgām
missachtete (3.Sg.Perf.) die schuldlose (Akk.)

yas tv anta-kāle vyupta-jaṭā-kalāpaḥ sva-śūla-sūcy-arpita-dig-gajendraḥ vitatya nṛtyaty uditāstra-dor-dhvajān uccāṭṭa-hāsa-stanayitnu-bhinna-dik

Er [Rudra] aber, der zur Zeit der Weltauflösung, den Haarschopf aufgelöst, die herrschenden Elefanten der Himmelsrichtungen auf die Spitzen seines Dreizacks gespießt hat, tanzt, seine erhobenen, waffentragenden Arme wie Fahnen ausbreitend, während sein lautes, dröhnendes Gelächter gleich Donner die Himmelsrichtungen durchdringt.

Wort für Wort
yaḥ tu anta-kāle
er aber (Nom.), zur Zeit der Weltauflösung (Lok.)
vyupta-jaṭā-kalāpaḥ
dessen Haarschopf aufgelöst ist (Nom.)
sva-śūla-sūci-arpita-dik-gajendraḥ
der die Herrscher-Elefanten der Richtungen auf die Spitze seines Dreizacks gespießt hat (Nom.)
vitatya nṛtyati
ausbreitend (Absolutiv) tanzt er (3.Sg.Präs.)
udita-astra-doḥ-dhvajān
seine erhobenen, waffentragenden Arme wie Fahnen (Akk.Pl.)
ucca-aṭṭa-hāsa-stanayitnu-bhinna-dik
dessen lautes, donnerndes Gelächter die Himmelsrichtungen durchdringt (Nom.)

[?] Vergleichsvers, der Rudras kosmische Zerstörergestalt beschreibt, nicht unmittelbar die Handlung am Opferplatz.

amarṣayitvā tam asahya-tejasaṁ manyu-plutaṁ durnirīkṣyaṁ bhru-kuṭyā karāla-daṁṣṭrābhir udasta-bhāgaṇaṁ syāt svasti kiṁ kopayato vidhātuḥ

Wie sollte es Wohlergehen geben für den Schöpfer [Dakṣa], der ihn - dessen Glanz unerträglich ist, der von Zorn überflutet, durch das Runzeln seiner Brauen nicht anzusehen ist, der mit seinen furchterregenden Hauern die Gestirne fortgeschleudert hat - erzürnt hat?

Wort für Wort
amarṣayitvā tam
nachdem er ihn erzürnt hat (Absolutiv Kaus., Akk.)
asahya-tejasam manyu-plutam
dessen Glanz unerträglich ist (Akk.), von Zorn überflutet (Akk.)
durnirīkṣyam bhru-kuṭyā
der nicht anzusehen ist (Akk.) durch das Runzeln der Brauen (Instr.)
karāla-daṁṣṭrābhiḥ udasta-bhāgaṇam
durch furchterregende Hauer (Instr.) die Gestirne fortgeschleudert habend (Akk.)
syāt svasti kim
wie sollte es Wohlergehen geben?
kopayataḥ vidhātuḥ
für den Schöpfer (Gen.), der [ihn] erzürnt hat (Gen.Ppr.Kaus.)

bahv evam udvigna-dṛśocyamāne janena dakṣasya muhur mahātmanaḥ utpetur utpātatamāḥ sahasraśo bhayāvahā divi bhūmau ca paryak

Während dies vielfach so von den mit beunruhigten Blicken [dastehenden] Leuten wiederholt über den großmütigen Dakṣa gesagt wurde, erschienen zu Tausenden furchterregende Unglückszeichen, ringsum am Himmel und auf der Erde.

Wort für Wort
bahu evam udvigna-dṛśā ucyamāne
während vielfach so von den mit beunruhigtem Blick (Instr.) [Leuten] gesagt wurde (Lok.abs.)
janena dakṣasya muhuḥ mahā-ātmanaḥ
von den Leuten (Instr.), wiederholt, über den großmütigen (Gen.) Dakṣa (Gen.)
utpetuḥ utpāta-tamāḥ sahasraśaḥ
es erschienen (3.Pl.Perf.) überaus [heftige] Unglückszeichen (Nom.Pl.) zu Tausenden
bhaya-āvahāḥ divi bhūmau ca paryak
Furcht bringend (Nom.Pl.), am Himmel (Lok.) und auf der Erde (Lok.), ringsum

tāvat sa rudrānucarair mahā-makho nānāyudhair vāmanakair udāyudhaiḥ piṅgaiḥ piśaṅgair makarodarānanaiḥ paryādravadbhir vidurānvarudhyata

In diesem Augenblick, o Vidura, wurde jener große Opferplatz von Rudras Gefolgsleuten umringt - zwergenhaften Wesen mit mancherlei erhobenen Waffen, gelblich-braun und rötlich-gelb, mit Bäuchen und Gesichtern wie Krokodile, die ringsum umherliefen.

Wort für Wort
tāvat saḥ mahā-makhaḥ
in diesem Augenblick jener große Opferplatz (Nom.)
rudra-anucaraiḥ nānā-āyudhaiḥ
von Rudras Gefolgsleuten (Instr.), mit mancherlei Waffen (Instr.)
vāmanakaiḥ udāyudhaiḥ
zwergenhaften (Instr.), mit erhobenen Waffen (Instr.)
piṅgaiḥ piśaṅgaiḥ
gelblich-braunen (Instr.), rötlich-gelben (Instr.)
makara-udara-ānanaiḥ paryādravadbhiḥ
mit Krokodilbäuchen und -gesichtern (Instr.), die ringsum liefen (Instr.Ppr.)
vidura anvarudhyata
o Vidura (Vok.), wurde umringt (3.Sg.Pass.Impf.)

kecid babhañjuḥ prāg-vaṁśaṁ patnī-śālāṁ tathāpare sada āgnīdhra-śālāṁ ca tad-vihāraṁ mahānasam

Manche rissen den Vorbau [des Opferschuppens] nieder, [manche] die Frauenhalle; andere wiederum die Versammlungshalle, die Halle des Āgnīdhra-Priesters, [Dakṣas] Wohngemach und die Küche.

Wort für Wort
kecit babhañjuḥ prāk-vaṁśam
manche (Nom.Pl.) zerbrachen (3.Pl.Perf.) den Vorbau (Akk.)
patnī-śālām tathā apare
die Frauenhalle (Akk.), ebenso andere (Nom.Pl.)
sadaḥ āgnīdhra-śālām ca
die Versammlungshalle (Akk.) und die Halle des Āgnīdhra-Priesters (Akk.)
tad-vihāram mahānasam
dessen Wohngemach (Akk.) [und] die Küche (Akk.)

rurujur yajña-pātrāṇi tathaike 'gnīn anāśayan kuṇḍeṣv amūtrayan kecid bibhidur vedi-mekhalāḥ

Sie zerbrachen die Opfergefäße, ebenso ließen manche die [heiligen] Feuer erlöschen; manche urinierten in die Feuergruben, manche zerstörten die Umfriedungen des Altars.

Wort für Wort
rurujuḥ yajña-pātrāṇi
sie zerbrachen (3.Pl.Perf.) die Opfergefäße (Akk.Pl.)
tathā eke agnīn anāśayan
ebenso ließen manche (Nom.Pl.) die Feuer (Akk.Pl.) erlöschen (3.Pl.Impf.Kaus.)
kuṇḍeṣu amūtrayan kecit
in die Feuergruben (Lok.Pl.) urinierten (3.Pl.Impf.) manche (Nom.Pl.)
bibhiduḥ vedi-mekhalāḥ
sie zerstörten (3.Pl.Perf.) die Altarumfriedungen (Akk.Pl.)

abādhanta munīn anye eke patnīr atarjayan apare jagṛhur devān pratyāsannān palāyitān

Andere bedrängten die Weisen, manche bedrohten die Frauen, wieder andere ergriffen die Götter, die sich in der Nähe [befanden] und zu fliehen versuchten.

Wort für Wort
abādhanta munīn anye
andere (Nom.Pl.) bedrängten (3.Pl.Impf.) die Weisen (Akk.Pl.)
eke patnīḥ atarjayan
manche (Nom.Pl.) bedrohten (3.Pl.Impf.) die Frauen (Akk.Pl.)
apare jagṛhuḥ devān
andere (Nom.Pl.) ergriffen (3.Pl.Perf.) die Götter (Akk.Pl.)
pratyāsannān palāyitān
die in der Nähe befindlichen (Akk.Pl.), die zu fliehen versuchten (Akk.Pl.)

bhṛguṁ babandha maṇimān vīrabhadraḥ prajāpatim caṇḍeśaḥ pūṣaṇaṁ devaṁ bhagaṁ nandīśvaro 'grahīt

Maṇimān fesselte Bhṛgu, Vīrabhadra [fesselte] den Prajāpati [Dakṣa], Caṇḍeśa [ergriff] den Gott Pūṣan, und Nandīśvara ergriff Bhaga.

Wort für Wort
bhṛgum babandha maṇimān
Bhṛgu (Akk.) fesselte (3.Sg.Perf.) Maṇimān (Nom.)
vīrabhadraḥ prajāpatim
Vīrabhadra (Nom.) [fesselte] den Prajāpati (Akk.)
caṇḍeśaḥ pūṣaṇam devam
Caṇḍeśa (Nom.) [ergriff] den Gott Pūṣan (Akk.)
bhagam nandīśvaraḥ agrahīt
Bhaga (Akk.) ergriff (3.Sg.Impf./Aor.) Nandīśvara (Nom.)

sarva evartvijo dṛṣṭvā sadasyāḥ sa-divaukasaḥ tair ardyamānāḥ subhṛśaṁ grāvabhir naikadhā 'dravan

Als alle Opferpriester und Versammlungsmitglieder samt den Götterwesen [dies] sahen, und von jenen [Gefolgsleuten] mit Steinen überaus heftig bedrängt wurden, flohen sie nach allen Seiten.

Wort für Wort
sarve eva ṛtvijaḥ dṛṣṭvā
alle Opferpriester (Nom.Pl.) sahend (Absolutiv)
sadasyāḥ sa-divaukasaḥ
die Versammlungsmitglieder (Nom.Pl.) samt den Himmelsbewohnern (Nom.Pl.)
taiḥ ardyamānāḥ subhṛśam
von jenen (Instr.Pl.) bedrängt werdend (Nom.Pl.), überaus heftig
grāvabhiḥ na ekadhā adravan
durch Steine (Instr.Pl.) nicht auf eine Art [d.h. nach allen Seiten] liefen sie (3.Pl.Impf.)

juhvataḥ sruva-hastasya śmaśrūṇi bhagavān bhavaḥ bhṛgor luluñce sadasi yo 'hasac chmaśru darśayan

Dem Bhṛgu, der [gerade das Opfer] darbrachte, den Opferlöffel in der Hand, riss der Erhabene [Vīrabhadra] mitten in der Versammlung den Bart aus - jenem Bhṛgu, der [zuvor], seinen Bart zeigend, gelacht hatte.

Wort für Wort
juhvataḥ sruva-hastasya
während er darbrachte (Gen.Ppr.), mit dem Opferlöffel in der Hand (Gen.)
śmaśrūṇi bhagavān bhavaḥ
den Bart (Akk.Pl.) [riss] der Erhabene (Nom.) [Vīrabhadra]
bhṛgoḥ luluñce sadasi
Bhṛgus (Gen.) riss er aus (3.Sg.Perf.), in der Versammlung (Lok.)
yaḥ ahasat
der [Bhṛgu], welcher gelacht hatte (3.Sg.Impf.)
śmaśru darśayan
dabei seinen Bart zeigend (Ppr.)

bhagasya netre bhagavān pātitasya ruṣā bhuvi ujjahāra sada-stho 'kṣṇā yaḥ śapantam asūsucat

Dem Bhaga, der [von ihm] zornig zu Boden geworfen worden war, riss der Erhabene [Vīrabhadra], in der Versammlung stehend, beide Augen aus - jenem Bhaga, der mit den Augenbrauen den fluchenden [Dakṣa] gebilligt hatte.

Wort für Wort
bhagasya netre
Bhagas (Gen.) beide Augen (Akk.Dual)
bhagavān pātitasya ruṣā bhuvi
der Erhabene (Nom.) [riss aus dem] mit Zorn (Instr.) zu Boden (Lok.) geworfenen (Gen.)
ujjahāra sada-sthaḥ akṣṇā
er riss aus (3.Sg.Perf.), in der Versammlung stehend (Nom.), mit dem Auge(nbraue) (Instr.)
yaḥ śapantam asūsucat
der [Bhaga], welcher den Fluchenden (Akk.) gebilligt/ermuntert hatte (3.Sg.Impf.Kaus.)

[?] 'śapantam' bezieht sich vermutlich auf den fluchenden Dakṣa (vgl. die Vorgeschichte der Verfluchung Śivas durch Dakṣa, SB 4.2).

pūṣṇo hy apātayad dantān kāliṅgasya yathā balaḥ śapyamāne garimaṇi yo 'hasad darśayan dataḥ

[Vīrabhadra] schlug fürwahr Pūṣans Zähne aus, so wie [einst] Balarāma [die Zähne] des Kaliṅga[-Königs ausgeschlagen hatte] - jenem Pūṣan, der, während der Ehrwürdige [Śiva] verflucht wurde, gelacht und dabei seine Zähne gezeigt hatte.

Wort für Wort
pūṣṇaḥ hi apātayat dantān
Pūṣans (Gen.) fürwahr er schlug aus (3.Sg.Impf.Kaus.) die Zähne (Akk.Pl.)
kāliṅgasya yathā balaḥ
des Kaliṅga (Gen.) wie Balarāma (Nom.) [tat]
śapyamāne garimaṇi
während der Ehrwürdige [Śiva] verflucht wurde (Lok.abs.)
yaḥ ahasat
der [Pūṣan], welcher gelacht hatte (3.Sg.Impf.)
darśayan dataḥ
dabei seine Zähne (Akk.Pl.) zeigend (Ppr.)

[?] 'garimaṇi' = Lok. von 'garimā/garima' ('der Ehrwürdige/Erhabene', hier wohl auf Śiva bezogen, der von Dakṣa verflucht wurde).

ākramyorasi dakṣasya śita-dhāreṇa hetinā chindann api tad uddhartuṁ nāśaknot tryambakas tadā

Nachdem er sich auf Dakṣas Brust gestürzt hatte, vermochte der Dreiäugige [Vīrabhadra], obwohl er mit einer scharfschneidigen Waffe schnitt, dessen Haupt da nicht abzutrennen.

Wort für Wort
ākramya urasi dakṣasya
nachdem er sich gestürzt hatte (Absolutiv) auf die Brust (Lok.) Dakṣas (Gen.)
śita-dhāreṇa hetinā
mit einer scharfschneidigen Waffe (Instr.)
chindan api tat uddhartum
obwohl schneidend (Ppr.) [es] abzutrennen (Inf., Akk.)
na aśaknot tri-ambakaḥ tadā
er vermochte nicht (3.Sg.Impf.), der Dreiäugige (Nom.), damals

śastrair astrānvitair evam anirbhinna-tvacaṁ haraḥ vismayaṁ param āpanno dadhyau paśupatiś ciram

Da dessen [Dakṣas] Haut, obwohl [er] so mit mantra-geweihten Waffen [darauf einschlug], nicht durchtrennt wurde, verfiel Hara [Vīrabhadra], der Herr der Geschöpfe, in höchstes Erstaunen und sann lange nach.

Wort für Wort
śastraiḥ astra-anvitaiḥ evam
mit Waffen (Instr.Pl.), versehen mit [Kampf-]Zaubersprüchen (Instr.Pl.), so
anirbhinna-tvacam haraḥ
dessen Haut nicht durchtrennt wurde (Akk.), Hara (Nom.)
vismayam param āpannaḥ
in höchstes (Akk.) Erstaunen (Akk.) geraten (Nom.)
dadhyau paśupatiḥ ciram
er sann nach (3.Sg.Perf.), der Herr der Geschöpfe (Nom.), lange Zeit

dṛṣṭvā saṁjñapanaṁ yogaṁ paśūnāṁ sa patir makhe yajamāna-paśoḥ kasya kāyāt tenāharac chiraḥ

Als jener Herr [Vīrabhadra] das rituelle Verfahren zur Tötung der Opfertiere bedacht hatte, trennte er damit vom Körper des Ka['Dakṣa'], des Opfertieres in Gestalt des Opferherrn, beim Opfer das Haupt ab.

Wort für Wort
dṛṣṭvā saṁjñapanam yogam
nachdem er erwogen hatte (Absolutiv) das Tötungsverfahren (Akk.)
paśūnām saḥ patiḥ makhe
der Opfertiere (Gen.), jener Herr (Nom.), beim Opfer (Lok.)
yajamāna-paśoḥ kasya kāyāt
vom Körper (Abl.) des Ka[=Dakṣa] (Gen.), des Opfertieres in Gestalt des Opferherrn (Gen.)
tena aharat śiraḥ
damit (Instr.) trennte er ab (3.Sg.Impf.) das Haupt (Akk.)

[?] 'kasya' spielt wohl auf Dakṣas Beinamen 'Ka' an (vgl. Prajāpati/Brahmā als 'Ka').

sādhu-vādas tadā teṣāṁ karma tat tasya paśyatām bhūta-preta-piśācānāṁ anyeṣāṁ tad-viparyayaḥ

Da erklang, während die Bhūtas, Pretas und Piśācas jene Tat sahen, von ihnen ein Beifallsruf, während bei den anderen das Gegenteil davon [Wehklagen] erscholl.

Wort für Wort
sādhu-vādaḥ tadā teṣām
ein Beifallsruf (Nom.) da von jenen (Gen.Pl.)
karma tat tasya paśyatām
während sie jene Tat (Akk.) seine [Vīrabhadras] sahen (Gen.Pl.abs.)
bhūta-preta-piśācānām
der Bhūtas, Pretas und Piśācas (Gen.Pl.)
anyeṣām tad-viparyayaḥ
bei den anderen (Gen.Pl.) das Gegenteil davon (Nom.)

juhāvaitac chiras tasmin dakṣiṇāgnāv amarṣitaḥ tad-deva-yajanaṁ dagdhvā prātiṣṭhad guhyakālayam

Der zornerfüllte [Vīrabhadra] opferte jenes Haupt in das südliche [Opfer-]Feuer, verbrannte jenen Opferplatz der Götter und zog sich dann zur Wohnstätte der Guhyakas [Kailāsa] zurück.

Wort für Wort
juhāva etat śiraḥ
er opferte dar (3.Sg.Perf.) dieses Haupt (Akk.)
tasmin dakṣiṇa-agnau amarṣitaḥ
in jenes südliche Feuer (Lok.), der Zornerfüllte (Nom.)
tad-deva-yajanam dagdhvā
jenen Opferplatz der Götter (Akk.) verbrennend (Absolutiv)
prātiṣṭhat guhyaka-ālayam
er zog sich zurück (3.Sg.Impf.) zur Wohnstätte der Guhyakas (Akk.)

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