Sanskrit-Grundlage primär aus der lokalen GRETIL-Quelldatei (bhp_09u.htm), da vedabase.io wiederholt mit HTTP 429 (Rate-Limiting) antwortete, nachdem bereits einige Verse (1-5,7,8,10,11-12) erfolgreich von dort bezogen worden waren; diese wurden mit der GRETIL-Fassung abgeglichen. Deutsche Übersetzung und Wort-für-Wort-Glossen sind eigenständig aus dem Sanskrit erarbeitet.
śrī-rājā uvāca
manvantarāṇi sarvāṇi tvayoktāni śrutāni me
vīryāṇy ananta-vīryasya hares tatra kṛtāni ca
Der König sprach: Alle Manvantaras hast du beschrieben, und ich habe sie gehört, ebenso die heldenhaften Taten Haris, dessen Macht unbegrenzt ist, die er in jenen [Zeitaltern] vollbrachte.
yo 'sau satyavrato nāma rājarṣir draviḍeśvaraḥ
jñānaṃ yo 'tīta-kalpānte lebhe puruṣa-sevayā
sa vai vivasvataḥ putro manur āsīd iti śrutam
tvattas tasya sutāḥ proktā ikṣvāku-pramukhā nṛpāḥ
Jener königliche Weise namens Satyavrata, der Herrscher von Draviḍa, der am Ende des vergangenen Kalpa durch Dienst an der Höchsten Person Wissen erlangte – er, so habe ich gehört, wurde als Sohn Vivasvāns zum Manu. Von dir wurden seine Söhne genannt, die Könige mit Ikṣvāku an der Spitze.
teṣāṃ vaṃśaṃ pṛthag brahman vaṃśānucaritāni ca
kīrtayasva mahā-bhāga nityaṃ śuśrūṣatāṃ hi naḥ
Verkünde uns, o Brahmane, einzeln die Dynastie jener und die Geschehnisse ihrer Dynastie, o Hochbeglückter, uns, die wir stets in deinem Dienst stehen.
śrī-śuka uvāca
śrūyatāṃ mānavo vaṃśaḥ prācuryeṇa parantapa
na śakyate vistarato vaktuṃ varṣa-śatair api
Śrī Śuka sprach: Höre, o Bezwinger der Feinde, von der Dynastie Manus, so ausführlich wie möglich – denn selbst in Hunderten von Jahren wäre es nicht möglich, sie vollständig darzulegen.
tato manuḥ śrāddhadevaḥ saṃjñāyām āsa bhārata
śraddhāyāṃ janayām āsa daśa putrān sa ātmavān
ikṣvāku-nṛga-śaryāti-diṣṭa-dhṛṣṭa-karūṣakān
nariṣyantaṃ pṛṣadhraṃ ca nabhagaṃ ca kaviṃ vibhuḥ
Von diesem, o Nachkomme Bharatas, wurde Manu, genannt Śrāddhadeva, in Saṃjñā geboren; er, der Selbstbeherrschte und Mächtige, zeugte in [seiner Gattin] Śraddhā zehn Söhne: Ikṣvāku, Nṛga, Śaryāti, Diṣṭa, Dhṛṣṭa und Karūṣaka, sowie Nariṣyanta, Pṛṣadhra, Nabhaga und Kavi.
Wort für Wort
tataḥ
von diesem (danach)
manuḥ śrāddhadevaḥ
Manu, genannt Śrāddhadeva
saṃjñāyām āsa
wurde in Saṃjñā [geboren]
bhārata
o Nachkomme Bharatas
śraddhāyām
in Śraddhā
janayām āsa
zeugte
daśa putrān
zehn Söhne
sa ātmavān
er, der Selbstbeherrschte
ikṣvāku-nṛga-śaryāti-diṣṭa-dhṛṣṭa-karūṣakān
Ikṣvāku, Nṛga, Śaryāti, Diṣṭa, Dhṛṣṭa und Karūṣaka
tatra śraddhā manoḥ patnī hotāraṃ samayācata
duhitrartham upāgamya praṇipatya payo-vratā
Dabei trat Śraddhā, Manus Gattin, die das Milch-Gelübde hielt, an den Hotā-Priester heran, verneigte sich und bat ihn inständig um einer Tochter willen.
Vom Adhvaryu angewiesen, führte der Hotā-Priester, gesammelten Sinnes, die Opferhandlung aus; als die Opfergabe ergriffen war, sprach der zweifachgeborene Priester mit seiner Stimme den Ruf 'Vaṣaṭ' aus.
Durch die Abweichung des Hotā-Priesters [vom vorgesehenen Ritual] entstand eine Tochter namens Ilā. Als er sie erblickte, sprach Manu, nicht eben erfreuten Sinnes, zum Priester:
bhagavan kim idaṃ jātaṃ karma vo brahma-vādinām
viparyayam aho kaṣṭaṃ maivaṃ syād brahma-vikriyā
O Erhabener, was ist dies, das da entstanden ist – dieses Werk von euch, den Kennern des Brahman? Ach, wie schlimm ist diese Verkehrung! Möge es doch keine Fehlwirkung des heiligen Wortes sein!
Ihr seid Kenner des Brahman, geübt, eure Verfehlungen sind durch Askese verbrannt – woher käme da eine Unstimmigkeit im Willen, eine Unwahrheit, wie sie selbst bei den Weisen nicht vorkommt?
Als der erhabene [Vasiṣṭha], der Urgroßvater [des Manu], diese Worte von ihm vernommen hatte, erkannte er die Verfehlung des Hotā-Priesters und sprach zum Sohn der Sonne:
etat saṅkalpa-vaiṣamyaṃ hotus te vyabhicārataḥ
tathāpi sādhayiṣye te suprajāstvaṃ sva-tejasā
Diese Unstimmigkeit entstand durch die Abweichung deines Hotā-Priesters. Dennoch werde ich dir durch meine eigene Kraft gute Nachkommenschaft verschaffen.
Er, o großer König, zog einst, von einigen Ministern umgeben, ein Sindhu-Pferd besteigend, im Wald auf die Jagd. Er ergriff einen schönen Bogen und höchst wunderbare Pfeile, und der gepanzerte Held zog, dem Wild folgend, in nördliche Richtung.
Der König sprach: Wie kam dieser Ort zu einer solchen Eigenschaft, oder von wem wurde sie geschaffen, o Erhabener? Erkläre uns diese Frage, denn dies ist unsere höchste Neugier.
Auch die Weisen, als sie die innige Vereinigung der beiden sich Vergnügenden erblickten, kehrten um und zogen von dort zur Einsiedelei von Nara-Nārāyaṇa.
Als er sie dann, die vorzüglichste unter den Frauen, in der Nähe der Einsiedelei umherwandelnd und von Frauen umgeben erblickte, begehrte der erhabene Budha sie.
Er [Vasiṣṭha], als er diesen Zustand von ihm erblickte, von Mitleid heftig überwältigt, wandte sich, für Sudyumna Mannheit erwünschend, verehrend an Śaṅkara [Śiva].
tuṣṭas tasmai sa bhagavān ṛṣaye priyam āvahan
svāṃ ca vācam ṛtāṃ kurvann idam āha viśāmpate
māsaṃ pumān sa bhavitā māsaṃ strī tava gotrajaḥ
itthaṃ vyavasthayā kāmaṃ sudyumno 'vatu medinīm
Zufriedengestellt, dem Weisen eine Gunst erweisend und zugleich sein eigenes [früheres] Wort wahr machend, sprach der erhabene [Śiva] dies, o Herrscher der Untertanen: 'Einen Monat wird er, dein Nachkomme, ein Mann sein, einen Monat eine Frau. Auf diese Weise, nach dieser Regelung, möge Sudyumna nach Belieben die Erde regieren.'
Wort für Wort
tuṣṭaḥ
zufriedengestellt
tasmai
für ihn
sa bhagavān
der erhabene [Śiva]
ṛṣaye priyam āvahan
dem Weisen eine Gunst erweisend
svāṃ ca vācam ṛtāṃ kurvan
und sein eigenes Wort wahr machend
idam āha
sprach dies
viśāmpate
o Herrscher der Untertanen
māsaṃ pumān sa bhavitā
einen Monat wird er ein Mann sein
māsaṃ strī
einen Monat eine Frau
tava gotra-jaḥ
dein Nachkomme
ittham vyavasthayā
auf diese Weise, nach dieser Regelung
kāmam
nach Belieben
sudyumnaḥ avatu medinīm
möge Sudyumna die Erde regieren
[Anm.: 'tava gotra-jaḥ' – Śiva spricht Vasiṣṭha an; Sudyumna gilt hier als (spiritueller) Nachkomme von dessen Familie, da Vasiṣṭha der Familienpriester (kulācārya) der Dynastie ist.]
Durch die Gnade des Lehrers erlangte er nach Wunsch, gemäß jener Regelung, Mannheit und regierte die Erde; dennoch freuten sich die Untertanen nicht über ihn.