Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 178 König Sudyumna wird zu einer Frau

Sanskrit-Grundlage primär aus der lokalen GRETIL-Quelldatei (bhp_09u.htm), da vedabase.io wiederholt mit HTTP 429 (Rate-Limiting) antwortete, nachdem bereits einige Verse (1-5,7,8,10,11-12) erfolgreich von dort bezogen worden waren; diese wurden mit der GRETIL-Fassung abgeglichen. Deutsche Übersetzung und Wort-für-Wort-Glossen sind eigenständig aus dem Sanskrit erarbeitet.

śrī-rājā uvāca manvantarāṇi sarvāṇi tvayoktāni śrutāni me vīryāṇy ananta-vīryasya hares tatra kṛtāni ca

Der König sprach: Alle Manvantaras hast du beschrieben, und ich habe sie gehört, ebenso die heldenhaften Taten Haris, dessen Macht unbegrenzt ist, die er in jenen [Zeitaltern] vollbrachte.

Wort für Wort
śrī-rājā uvāca
der König sprach
manvantarāṇi sarvāṇi
alle Manvantara-Zeitalter
tvayā uktāni
von dir dargelegt
śrutāni me
von mir gehört
vīryāṇi
die heldenhaften Taten
ananta-vīryasya
dessen Macht unbegrenzt ist
hareḥ
Haris
tatra
darin
kṛtāni ca
vollbracht, und

yo 'sau satyavrato nāma rājarṣir draviḍeśvaraḥ jñānaṃ yo 'tīta-kalpānte lebhe puruṣa-sevayā sa vai vivasvataḥ putro manur āsīd iti śrutam tvattas tasya sutāḥ proktā ikṣvāku-pramukhā nṛpāḥ

Jener königliche Weise namens Satyavrata, der Herrscher von Draviḍa, der am Ende des vergangenen Kalpa durch Dienst an der Höchsten Person Wissen erlangte – er, so habe ich gehört, wurde als Sohn Vivasvāns zum Manu. Von dir wurden seine Söhne genannt, die Könige mit Ikṣvāku an der Spitze.

Wort für Wort
yaḥ asau
der, jener
satyavrataḥ nāma
namens Satyavrata
rājarṣiḥ
der königliche Weise
draviḍeśvaraḥ
Herrscher von Draviḍa
jñānam
Wissen
yaḥ
der
atīta-kalpānte
am Ende des vergangenen Kalpa
lebhe
erlangte
puruṣa-sevayā
durch Dienst an der Höchsten Person
sa vai
er fürwahr
vivasvataḥ putraḥ
der Sohn Vivasvāns
manuḥ āsīt
wurde Manu
iti śrutam
so wurde [von mir] gehört
tvattaḥ
von dir
tasya sutāḥ
seine Söhne
proktāḥ
wurden genannt
ikṣvāku-pramukhāḥ
angeführt von Ikṣvāku
nṛpāḥ
Könige

teṣāṃ vaṃśaṃ pṛthag brahman vaṃśānucaritāni ca kīrtayasva mahā-bhāga nityaṃ śuśrūṣatāṃ hi naḥ

Verkünde uns, o Brahmane, einzeln die Dynastie jener und die Geschehnisse ihrer Dynastie, o Hochbeglückter, uns, die wir stets in deinem Dienst stehen.

Wort für Wort
teṣām vaṃśam
deren Dynastie
pṛthak
gesondert, einzeln
brahman
o Brahmane
vaṃśa-anucaritāni ca
und die Geschehnisse der Dynastie
kīrtayasva
verkünde
mahā-bhāga
o Hochbeglückter
nityam
stets
śuśrūṣatām
die dienen
hi naḥ
fürwahr uns

ye bhūtā ye bhaviṣyāś ca bhavanty adyatanāś ca ye teṣāṃ naḥ puṇya-kīrtīnāṃ sarveṣāṃ vada vikramān

Sprich zu uns von den heldenhaften Taten all jener von frommem Ruhm, die gewesen sind, die sein werden und die gegenwärtig sind.

Wort für Wort
ye bhūtāḥ
die gewesen sind
ye bhaviṣyāḥ ca
und die sein werden
bhavanti adyatanāḥ ca ye
und die gegenwärtig sind
teṣām naḥ
von diesen, uns
puṇya-kīrtīnām
von frommem Ruhm
sarveṣām
von allen
vada
sprich
vikramān
die heldenhaften Taten

śrī-sūta uvāca evaṃ parīkṣitā rājñā sadasi brahma-vādinām pṛṣṭaḥ provāca bhagavāñ chukaḥ parama-dharma-vit

Śrī Sūta sprach: So gefragt von König Parīkṣit in der Versammlung der Brahman-Kenner, sprach der erhabene Śuka, der höchste Kenner des Dharma.

Wort für Wort
śrī-sūtaḥ uvāca
Śrī Sūta sprach
evam
so
parīkṣitā rājñā
von König Parīkṣit
sadasi
in der Versammlung
brahma-vādinām
der Brahman-Kenner
pṛṣṭaḥ
gefragt
provāca
sprach
bhagavān śukaḥ
der erhabene Śuka
parama-dharma-vit
der höchste Kenner des Dharma

śrī-śuka uvāca śrūyatāṃ mānavo vaṃśaḥ prācuryeṇa parantapa na śakyate vistarato vaktuṃ varṣa-śatair api

Śrī Śuka sprach: Höre, o Bezwinger der Feinde, von der Dynastie Manus, so ausführlich wie möglich – denn selbst in Hunderten von Jahren wäre es nicht möglich, sie vollständig darzulegen.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
śrūyatām
höre
mānavaḥ vaṃśaḥ
die Dynastie Manus
prācuryeṇa
ausführlich, in Fülle
parantapa
o Bezwinger der Feinde
na śakyate
es ist nicht möglich
vistarataḥ
im Einzelnen
vaktum
darzulegen
varṣa-śataiḥ api
selbst in hunderten von Jahren

parāvareṣāṃ bhūtānām ātmā yaḥ puruṣaḥ paraḥ sa evāsīd idaṃ viśvaṃ kalpānte 'nyan na kiñcana

Die höchste Person, die die Seele der höheren und niederen Lebewesen ist – Er allein war dieses Universum am Ende des Kalpa, sonst nichts.

Wort für Wort
parāvareṣām bhūtānām
der höheren und niederen Lebewesen
ātmā
die Seele
yaḥ puruṣaḥ paraḥ
welcher die höchste Person [ist]
sa eva āsīt
er allein war
idam viśvam
dieses Universum
kalpānte
am Ende des Kalpa
anyat na kiñcana
nichts anderes

tasya nābheḥ samabhavat padma-koṣo hiraṇmayaḥ tasmin jajñe mahārāja svayambhūś caturānanaḥ

Aus dessen Nabel entstand ein goldener Lotuskelch, und in diesem, o großer König, wurde der selbstentstandene, viergesichtige [Brahmā] geboren.

Wort für Wort
tasya nābheḥ
aus dessen Nabel
samabhavat
entstand
padma-koṣaḥ
der Lotuskelch
hiraṇmayaḥ
golden
tasmin
in diesem
jajñe
wurde geboren
mahārāja
o großer König
svayambhūḥ
der Selbstentstandene
caturānanaḥ
der Viergesichtige

marīcir manasas tasya jajñe tasyāpi kaśyapaḥ dākṣāyaṇyāṃ tato 'dityāṃ vivasvān abhavat sutaḥ

Aus dessen Geist wurde Marīci geboren, von diesem wiederum Kaśyapa; und von diesem wurde in Aditi, der Tochter Dakṣas, Vivasvān als Sohn [geboren].

Wort für Wort
marīciḥ
Marīci
manasaḥ tasya
aus dessen Geist
jajñe
wurde geboren
tasya api
von diesem auch
kaśyapaḥ
Kaśyapa
dākṣāyaṇyām
in der Tochter Dakṣas
tataḥ
daraufhin
adityām
in Aditi
vivasvān
Vivasvān
abhavat sutaḥ
wurde [als] Sohn

tato manuḥ śrāddhadevaḥ saṃjñāyām āsa bhārata śraddhāyāṃ janayām āsa daśa putrān sa ātmavān ikṣvāku-nṛga-śaryāti-diṣṭa-dhṛṣṭa-karūṣakān nariṣyantaṃ pṛṣadhraṃ ca nabhagaṃ ca kaviṃ vibhuḥ

Von diesem, o Nachkomme Bharatas, wurde Manu, genannt Śrāddhadeva, in Saṃjñā geboren; er, der Selbstbeherrschte und Mächtige, zeugte in [seiner Gattin] Śraddhā zehn Söhne: Ikṣvāku, Nṛga, Śaryāti, Diṣṭa, Dhṛṣṭa und Karūṣaka, sowie Nariṣyanta, Pṛṣadhra, Nabhaga und Kavi.

Wort für Wort
tataḥ
von diesem (danach)
manuḥ śrāddhadevaḥ
Manu, genannt Śrāddhadeva
saṃjñāyām āsa
wurde in Saṃjñā [geboren]
bhārata
o Nachkomme Bharatas
śraddhāyām
in Śraddhā
janayām āsa
zeugte
daśa putrān
zehn Söhne
sa ātmavān
er, der Selbstbeherrschte
ikṣvāku-nṛga-śaryāti-diṣṭa-dhṛṣṭa-karūṣakān
Ikṣvāku, Nṛga, Śaryāti, Diṣṭa, Dhṛṣṭa und Karūṣaka
nariṣyantaṃ pṛṣadhraṃ ca
Nariṣyanta und Pṛṣadhra
nabhagaṃ ca kaviṃ
Nabhaga und Kavi
vibhuḥ
der Mächtige

aprajasya manoḥ pūrvaṃ vasiṣṭho bhagavān kila mitrā-varuṇayor iṣṭiṃ prajārtham akarod vibhuḥ

Für den einst noch kinderlosen Manu vollzog der erhabene, mächtige Vasiṣṭha fürwahr ein Opfer für Mitra und Varuṇa, um der Nachkommenschaft willen.

Wort für Wort
aprajasya manoḥ
des kinderlosen Manu
pūrvam
einst, zuvor
vasiṣṭhaḥ bhagavān
der erhabene Vasiṣṭha
kila
fürwahr
mitrā-varuṇayoḥ
für Mitra und Varuṇa
iṣṭim
ein Opfer
prajārtham
um der Nachkommenschaft willen
akarot
vollzog
vibhuḥ
der Mächtige

tatra śraddhā manoḥ patnī hotāraṃ samayācata duhitrartham upāgamya praṇipatya payo-vratā

Dabei trat Śraddhā, Manus Gattin, die das Milch-Gelübde hielt, an den Hotā-Priester heran, verneigte sich und bat ihn inständig um einer Tochter willen.

Wort für Wort
tatra
dabei
śraddhā
Śraddhā
manoḥ patnī
Manus Gattin
hotāram
den Hotā-Priester
samayācata
bat inständig
duhitrartham
um einer Tochter willen
upāgamya
herantretend
praṇipatya
sich verneigend
payo-vratā
die das Milchgelübde hielt

preṣito 'dhvaryuṇā hotā vyacarat tat samāhitaḥ gṛhīte haviṣi vācā vaṣaṭkāraṃ gṛṇan dvijaḥ

Vom Adhvaryu angewiesen, führte der Hotā-Priester, gesammelten Sinnes, die Opferhandlung aus; als die Opfergabe ergriffen war, sprach der zweifachgeborene Priester mit seiner Stimme den Ruf 'Vaṣaṭ' aus.

Wort für Wort
preṣitaḥ
angewiesen
adhvaryuṇā
vom Adhvaryu-Priester
hotā
der Hotā-Priester
vyacarat
führte aus
tat
das (die Handlung)
samāhitaḥ
gesammelten Sinnes
gṛhīte haviṣi
als die Opfergabe ergriffen war
vācā
mit der Stimme
vaṣaṭkāram
den Vaṣaṭ-Ruf
gṛṇan
aussprechend
dvijaḥ
der Zweifachgeborene

hotus tad-vyabhicāreṇa kanyelā nāma sābhavat tāṃ vilokya manuḥ prāha nātituṣṭamanā gurum

Durch die Abweichung des Hotā-Priesters [vom vorgesehenen Ritual] entstand eine Tochter namens Ilā. Als er sie erblickte, sprach Manu, nicht eben erfreuten Sinnes, zum Priester:

Wort für Wort
hotuḥ
des Hotā-Priesters
tad-vyabhicāreṇa
durch dessen Abweichung [vom Ritual]
kanyā ilā nāma
eine Tochter namens Ilā
sā abhavat
sie entstand
tām vilokya
sie erblickend
manuḥ
Manu
prāha
sprach
na atituṣṭamanāḥ
nicht sehr erfreuten Sinnes
gurum
zum Lehrer/Priester

bhagavan kim idaṃ jātaṃ karma vo brahma-vādinām viparyayam aho kaṣṭaṃ maivaṃ syād brahma-vikriyā

O Erhabener, was ist dies, das da entstanden ist – dieses Werk von euch, den Kennern des Brahman? Ach, wie schlimm ist diese Verkehrung! Möge es doch keine Fehlwirkung des heiligen Wortes sein!

Wort für Wort
bhagavan
o Erhabener
kim idam jātam
was ist dies, das entstanden ist
karma vaḥ
euer [rituelles] Werk
brahma-vādinām
von euch, den Kennern des Brahman
viparyayam
eine Verkehrung
aho kaṣṭam
ach, wie schmerzlich
mā evam syāt
möge es nicht so sein
brahma-vikriyā
eine Fehlwirkung des heiligen Wortes

yūyaṃ brahma-vido yuktās tapasā dagdha-kilbiṣāḥ kutaḥ saṅkalpa-vaiṣamyam anṛtaṃ vibudheṣv iva

Ihr seid Kenner des Brahman, geübt, eure Verfehlungen sind durch Askese verbrannt – woher käme da eine Unstimmigkeit im Willen, eine Unwahrheit, wie sie selbst bei den Weisen nicht vorkommt?

Wort für Wort
yūyam
ihr
brahma-vidaḥ
Kenner des Brahman
yuktāḥ
geübt/gesammelt
tapasā
durch Askese
dagdha-kilbiṣāḥ
deren Verfehlungen verbrannt sind
kutaḥ
woher
saṅkalpa-vaiṣamyam
eine Unstimmigkeit des Willens
anṛtam
Unwahrheit
vibudheṣu iva
wie bei den Weisen

niśamya tad-vacas tasya bhagavān prapitāmahaḥ hotur vyatikramaṃ jñātvā babhāṣe ravi-nandanam

Als der erhabene [Vasiṣṭha], der Urgroßvater [des Manu], diese Worte von ihm vernommen hatte, erkannte er die Verfehlung des Hotā-Priesters und sprach zum Sohn der Sonne:

Wort für Wort
niśamya
vernehmend
tad-vacaḥ tasya
diese Worte von ihm
bhagavān prapitāmahaḥ
der erhabene Urgroßvater
hotuḥ vyatikramam
die Verfehlung des Hotā-Priesters
jñātvā
erkennend
babhāṣe
sprach
ravi-nandanam
zum Sohn der Sonne

etat saṅkalpa-vaiṣamyaṃ hotus te vyabhicārataḥ tathāpi sādhayiṣye te suprajāstvaṃ sva-tejasā

Diese Unstimmigkeit entstand durch die Abweichung deines Hotā-Priesters. Dennoch werde ich dir durch meine eigene Kraft gute Nachkommenschaft verschaffen.

Wort für Wort
etat saṅkalpa-vaiṣamyam
diese Unstimmigkeit der Absicht
hotuḥ te
deines Hotā-Priesters
vyabhicārataḥ
durch die Abweichung
tathāpi
dennoch
sādhayiṣye
ich werde bewirken
te
für dich
suprajāstvam
gute Nachkommenschaft
sva-tejasā
durch meine eigene Kraft

evaṃ vyavasito rājan bhagavān sa mahā-yaśāḥ astauṣīd ādi-puruṣam ilāyāḥ puṃstva-kāmyayā

So entschlossen, o König, pries der erhabene, hochberühmte [Vasiṣṭha] die Urperson, in dem Wunsch, für Ilā Mannheit zu erlangen.

Wort für Wort
evam vyavasitaḥ
so entschlossen
rājan
o König
bhagavān sa mahā-yaśāḥ
der erhabene, hochberühmte [Vasiṣṭha]
astauṣīt
pries
ādi-puruṣam
die Urperson
ilāyāḥ puṃstva-kāmyayā
im Wunsch nach Mannheit für Ilā

tasmai kāma-varaṃ tuṣṭo bhagavān harir īśvaraḥ dadāv ilābhavat tena sudyumnaḥ puruṣarṣabhaḥ

Zufrieden gewährte ihm der erhabene Herr Hari einen Segen nach Wunsch, und dadurch wurde Ilā zu Sudyumna, dem Stier unter den Männern.

Wort für Wort
tasmai
ihm
kāma-varam
einen Segen nach Wunsch
tuṣṭaḥ
zufrieden
bhagavān hariḥ īśvaraḥ
der erhabene Herr Hari
dadau
gewährte
ilā abhavat
Ilā wurde
tena
dadurch
sudyumnaḥ puruṣarṣabhaḥ
Sudyumna, der Stier unter den Männern

sa ekadā mahārāja vicaran mṛgayāṃ vane vṛtaḥ katipayāmātyair aśvam āruhya saindhavam pragṛhya ruciraṃ cāpaṃ śarāṃś ca paramādbhutān daṃśito 'numṛgaṃ vīro jagāma diśam uttarām

Er, o großer König, zog einst, von einigen Ministern umgeben, ein Sindhu-Pferd besteigend, im Wald auf die Jagd. Er ergriff einen schönen Bogen und höchst wunderbare Pfeile, und der gepanzerte Held zog, dem Wild folgend, in nördliche Richtung.

Wort für Wort
sa ekadā
er, einst
mahārāja
o großer König
vicaran mṛgayām
auf der Jagd umherziehend
vane
im Wald
vṛtaḥ katipaya-amātyaiḥ
umgeben von einigen Ministern
aśvam āruhya saindhavam
ein Sindhu-Pferd besteigend
pragṛhya
ergreifend
ruciram cāpam
einen schönen Bogen
śarān ca paramādbhutān
und höchst wunderbare Pfeile
daṃśitaḥ
gepanzert
anumṛgam
dem Wild folgend
vīraḥ
der Held
jagāma diśam uttarām
zog in Richtung Norden

sukumāravanaṃ meror adhastāt praviveśa ha yatrāste bhagavān charvo ramamāṇaḥ sahomayā

Er betrat den Sukumāra-Wald unterhalb des Meru, wo der erhabene Śarva [Śiva] zusammen mit Umā, sich vergnügend, weilt.

Wort für Wort
sukumāra-vanam
den Sukumāra-Wald
meroḥ adhastāt
unterhalb des Meru
praviveśa ha
betrat fürwahr
yatra āste
wo weilt
bhagavān śarvaḥ
der erhabene Śarva (Śiva)
ramamāṇaḥ
sich vergnügend
saha umayā
zusammen mit Umā

tasmin praviṣṭa evāsau sudyumnaḥ paravīrahā apaśyat striyam ātmānam aśvaṃ ca vaḍavāṃ nṛpa

Kaum in diesen Wald eingetreten, o König, erblickte jener Sudyumna, der Bezwinger feindlicher Helden, sich selbst als Frau und sein Pferd als Stute.

Wort für Wort
tasmin praviṣṭaḥ eva
kaum in diesen eingetreten
asau sudyumnaḥ
jener Sudyumna
paravīrahā
der Bezwinger feindlicher Helden
apaśyat
erblickte
striyam ātmānam
sich selbst als Frau
aśvam ca vaḍavām
und das Pferd als Stute
nṛpa
o König

tathā tad-anugāḥ sarve ātma-liṅga-viparyayam dṛṣṭvā vimanaso 'bhūvan vīkṣamāṇāḥ parasparam

Ebenso wurden alle seine Gefolgsleute, als sie die Verkehrung ihres eigenen Geschlechts erblickten, bestürzt, indem sie einander anblickten.

Wort für Wort
tathā
ebenso
tad-anugāḥ sarve
alle seine Gefolgsleute
ātma-liṅga-viparyayam
die Verkehrung des eigenen Geschlechts
dṛṣṭvā
erblickend
vimanasaḥ abhūvan
wurden betrübten Sinnes
vīkṣamāṇāḥ parasparam
einander anblickend

śrī-rājā uvāca katham evaṃ guṇo deśaḥ kena vā bhagavan kṛtaḥ praśnam enaṃ samācakṣva paraṃ kautūhalaṃ hi naḥ

Der König sprach: Wie kam dieser Ort zu einer solchen Eigenschaft, oder von wem wurde sie geschaffen, o Erhabener? Erkläre uns diese Frage, denn dies ist unsere höchste Neugier.

Wort für Wort
śrī-rājā uvāca
der König sprach
katham evaṃ guṇaḥ
wie [erhielt] eine solche Eigenschaft
deśaḥ
der Ort
kena vā
oder von wem
bhagavan
o Erhabener
kṛtaḥ
geschaffen
praśnam enam
diese Frage
samācakṣva
erkläre
param kautūhalam hi naḥ
denn dies ist unsere höchste Neugier

śrī-śuka uvāca ekadā giriśaṃ draṣṭum ṛṣayas tatra suvratāḥ diśo vitimirābhāsāḥ kurvantaḥ samupāgaman

Śrī Śuka sprach: Einst kamen fromme Weise, die Himmelsrichtungen erhellend, dorthin, um Giriśa [Śiva] zu erblicken.

Wort für Wort
śrī-śuka uvāca
Śrī Śuka sprach
ekadā
einst
giriśam draṣṭum
um Giriśa zu sehen
ṛṣayaḥ
die Weisen
tatra
dorthin
suvratāḥ
von frommen Gelübden
diśaḥ
die Himmelsrichtungen
vitimira-ābhāsāḥ kurvantaḥ
erhellend (von Dunkelheit befreiend)
samupāgaman
kamen an

tān vilokyāmbikā devī vivāsā vrīḍitā bhṛśam bhartur aṅkāt samutthāya nīvīm āśv atha paryadhāt

Als die Göttin Ambikā, unbekleidet, sie erblickte, erhob sie sich, überaus beschämt, eilig vom Schoß ihres Gatten und legte ihr Gewand an.

Wort für Wort
tān vilokya
sie erblickend
ambikā devī
die Göttin Ambikā
vivāsā
unbekleidet
vrīḍitā bhṛśam
überaus beschämt
bhartuḥ aṅkāt
vom Schoß des Gatten
samutthāya
sich erhebend
nīvīm
das Gewand
āśu atha
eilig, dann
paryadhāt
legte an

ṛṣayo 'pi tayor vīkṣya prasaṅgaṃ ramamāṇayoḥ nivṛttāḥ prayayus tasmān nara-nārāyaṇāśramam

Auch die Weisen, als sie die innige Vereinigung der beiden sich Vergnügenden erblickten, kehrten um und zogen von dort zur Einsiedelei von Nara-Nārāyaṇa.

Wort für Wort
ṛṣayaḥ api
auch die Weisen
tayoḥ
der beiden
vīkṣya
erblickend
prasaṅgam
die Vereinigung
ramamāṇayoḥ
der sich Vergnügenden
nivṛttāḥ
umkehrend
prayayuḥ tasmāt
zogen von dort fort
nara-nārāyaṇa-āśramam
zur Einsiedelei von Nara-Nārāyaṇa

tad idaṃ bhagavān āha priyāyāḥ priya-kāmyayā sthānaṃ yaḥ praviśed etat sa vai yoṣid bhaved iti

Dies eben sprach der erhabene [Śiva], um seiner Geliebten eine Freude zu bereiten: 'Wer immer diesen Ort betritt, der werde fürwahr zur Frau.'

Wort für Wort
tat idam
dies eben
bhagavān āha
der erhabene [Śiva] sprach
priyāyāḥ
der Geliebten
priya-kāmyayā
aus dem Wunsch, [ihr] eine Freude zu bereiten
sthānam
der Ort
yaḥ praviśet etat
wer immer diesen beträte
sa vai yoṣit bhavet
der werde fürwahr zur Frau
iti
so [sprach er]

tata ūrdhvaṃ vanaṃ tad vai puruṣā varjayanti hi sā cānucarasaṃyuktā vicacāra vanād vanam

Seit jener Zeit meiden die Männer fürwahr diesen Wald. Sie aber [Ilā] zog, von ihrem Gefolge begleitet, von Wald zu Wald umher.

Wort für Wort
tataḥ ūrdhvam
seit jener Zeit
vanam tat vai
jenen Wald fürwahr
puruṣāḥ varjayanti hi
meiden die Männer wahrlich
sā ca
und sie
anucara-saṃyuktā
begleitet vom Gefolge
vicacāra
zog umher
vanāt vanam
von Wald zu Wald

atha tām āśramābhyāśe carantīṃ pramadottamām strībhiḥ parivṛtāṃ vīkṣya cakame bhagavān budhaḥ

Als er sie dann, die vorzüglichste unter den Frauen, in der Nähe der Einsiedelei umherwandelnd und von Frauen umgeben erblickte, begehrte der erhabene Budha sie.

Wort für Wort
atha
dann
tām
sie
āśrama-abhyāśe
in der Nähe der Einsiedelei
carantīm
umherwandelnd
pramadottamām
die vorzüglichste unter den Frauen
strībhiḥ parivṛtām
von Frauen umgeben
vīkṣya
erblickend
cakame
begehrte
bhagavān budhaḥ
der erhabene Budha

sāpi taṃ cakame subhrūḥ somarājasutaṃ patim sa tasyāṃ janayām āsa purūravasam ātmajam

Auch sie, die Schönbrauige, begehrte ihn, den Sohn des Mondkönigs, als Gatten. Er zeugte in ihr den Sohn Purūravas.

Wort für Wort
sā api
auch sie
tam cakame
begehrte ihn
subhrūḥ
die Schönbrauige
soma-rāja-sutam
den Sohn des Mondkönigs
patim
als Gatten
sa
er
tasyām
in ihr
janayām āsa
zeugte
purūravasam ātmajam
Purūravas als Sohn

evaṃ strītvam anuprāptaḥ sudyumno mānavo nṛpaḥ sasmāra sa kulācāryaṃ vasiṣṭham iti śuśruma

So gelangte König Sudyumna, der Sohn Manus, zur Weiblichkeit; und er erinnerte sich an Vasiṣṭha, den Lehrer seiner Familie – so haben wir gehört.

Wort für Wort
evam
so
strītvam anuprāptaḥ
zur Weiblichkeit gelangt
sudyumnaḥ mānavaḥ nṛpaḥ
König Sudyumna, der Sohn Manus
sasmāra
erinnerte sich
sa
er
kulācāryam vasiṣṭham
an Vasiṣṭha, den Familienlehrer
iti śuśruma
so haben wir gehört

sa tasya tāṃ daśāṃ dṛṣṭvā kṛpayā bhṛśapīḍitaḥ sudyumnasyāśayan puṃstvam upādhāvata śaṅkaram

Er [Vasiṣṭha], als er diesen Zustand von ihm erblickte, von Mitleid heftig überwältigt, wandte sich, für Sudyumna Mannheit erwünschend, verehrend an Śaṅkara [Śiva].

Wort für Wort
sa
er
tasya tām daśām
diesen Zustand von ihm
dṛṣṭvā
erblickend
kṛpayā
von Mitleid
bhṛśa-pīḍitaḥ
heftig überwältigt
sudyumnasya
für Sudyumna
āśayan puṃstvam
Mannheit erwünschend
upādhāvata
wandte sich verehrend hin
śaṅkaram
zu Śaṅkara

tuṣṭas tasmai sa bhagavān ṛṣaye priyam āvahan svāṃ ca vācam ṛtāṃ kurvann idam āha viśāmpate māsaṃ pumān sa bhavitā māsaṃ strī tava gotrajaḥ itthaṃ vyavasthayā kāmaṃ sudyumno 'vatu medinīm

Zufriedengestellt, dem Weisen eine Gunst erweisend und zugleich sein eigenes [früheres] Wort wahr machend, sprach der erhabene [Śiva] dies, o Herrscher der Untertanen: 'Einen Monat wird er, dein Nachkomme, ein Mann sein, einen Monat eine Frau. Auf diese Weise, nach dieser Regelung, möge Sudyumna nach Belieben die Erde regieren.'

Wort für Wort
tuṣṭaḥ
zufriedengestellt
tasmai
für ihn
sa bhagavān
der erhabene [Śiva]
ṛṣaye priyam āvahan
dem Weisen eine Gunst erweisend
svāṃ ca vācam ṛtāṃ kurvan
und sein eigenes Wort wahr machend
idam āha
sprach dies
viśāmpate
o Herrscher der Untertanen
māsaṃ pumān sa bhavitā
einen Monat wird er ein Mann sein
māsaṃ strī
einen Monat eine Frau
tava gotra-jaḥ
dein Nachkomme
ittham vyavasthayā
auf diese Weise, nach dieser Regelung
kāmam
nach Belieben
sudyumnaḥ avatu medinīm
möge Sudyumna die Erde regieren

[Anm.: 'tava gotra-jaḥ' – Śiva spricht Vasiṣṭha an; Sudyumna gilt hier als (spiritueller) Nachkomme von dessen Familie, da Vasiṣṭha der Familienpriester (kulācārya) der Dynastie ist.]

ācāryānugrahāt kāmaṃ labdhvā puṃstvaṃ vyavasthayā pālayām āsa jagatīṃ nābhyanandan sma taṃ prajāḥ

Durch die Gnade des Lehrers erlangte er nach Wunsch, gemäß jener Regelung, Mannheit und regierte die Erde; dennoch freuten sich die Untertanen nicht über ihn.

Wort für Wort
ācārya-anugrahāt
durch die Gnade des Lehrers
kāmam
nach Wunsch
labdhvā puṃstvam
Mannheit erlangend
vyavasthayā
gemäß der Regelung
pālayām āsa jagatīm
regierte die Erde
na abhyanandan sma
freuten sich nicht
tam prajāḥ
die Untertanen über ihn

tasyotkalo gayo rājan vimalaśca trayaḥ sutāḥ dakṣiṇāpatharājāno babhūvurdharmavatsalāḥ

Von ihm stammten, o König, drei Söhne: Utkala, Gaya und Vimala, die Könige des südlichen Landes wurden, dem Dharma zugetan.

Wort für Wort
tasya
von ihm
utkalaḥ gayaḥ rājan vimalaḥ ca
Utkala, Gaya, o König, und Vimala
trayaḥ sutāḥ
drei Söhne
dakṣiṇāpatha-rājānaḥ
Könige des südlichen Landes
babhūvuḥ
wurden
dharma-vatsalāḥ
dem Dharma zugetan

tataḥ pariṇate kāle pratiṣṭhānapatiḥ prabhuḥ purūravasa utsṛjya gāṃ putrāya gato vanam

Danach, als die Zeit gereift war, überließ der Herrscher, der Herr von Pratiṣṭhāna, die Erde seinem Sohn Purūravas und zog in den Wald.

Wort für Wort
tataḥ
danach
pariṇate kāle
als die Zeit gereift war
pratiṣṭhāna-patiḥ
der Herr von Pratiṣṭhāna
prabhuḥ
der Herrscher
purūravase
dem Purūravas
utsṛjya gām
die Erde überlassend
putrāya
dem Sohn
gataḥ vanam
zog in den Wald

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