Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 193 Herr Paraśurāma vernichtet die herrschende Kriegerkaste der Welt

Quellen: Sanskrit-Text (Verse 1-37) aus der GRETIL-Ausgabe (bhp_09u.htm), da vedabase.io ab Vers 3 wiederholt mit HTTP 429 (Rate-Limit) blockierte. Die deutsche Übersetzung und die Wort-für-Wort-Glossen wurden eigenständig aus dem Sanskrit erarbeitet. Verse 18-19 und 21-22 wurden - der Gliederung von vedabase.io folgend, die für diese beiden Verspaare durchgehende Satzkonstruktionen erkennen lässt - jeweils als eine Einheit zusammengefasst.

śrī-śuka uvāca / pitropaśikṣito rāmas tatheti kuru-nandana / saṃvatsaraṃ tīrtha-yātrāṃ caritvāśramam āvrajat

Śrī Śuka sprach: O Freude der Kurus (Parīkṣit), von seinem Vater [zu dieser Buße] unterwiesen, sagte Rāma „So sei es“, und nachdem er ein Jahr lang eine Wallfahrt zu den heiligen Stätten unternommen hatte, kehrte er zur Einsiedelei zurück.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
pitrā upaśikṣitaḥ
vom Vater unterwiesen
rāmaḥ
Rāma
tathā iti
„so sei es“
kuru-nandana
o Freude der Kurus (Parīkṣit)
saṃvatsaram
ein Jahr lang
tīrtha-yātrām
die Pilgerreise zu den heiligen Stätten
caritvā
nachdem er unternommen hatte
āśramam
zur Einsiedelei
āvrajat
kehrte zurück

kadācid reṇukā yātā gaṅgāyāṃ padma-mālinam / gandharva-rājaṃ krīḍantam apsarobhir apaśyata

Einst, als Reṇukā zum Ganges gegangen war, sah sie den mit einer Lotusgirlande geschmückten König der Gandharvas, wie er mit den Apsaras spielte.

Wort für Wort
kadācit
einst
reṇukā
Reṇukā
yātā
gegangen
gaṅgāyām
zum Ganges
padma-mālinam
mit einer Lotusgirlande geschmückt
gandharva-rājam
den König der Gandharvas
krīḍantam
spielend
apsarobhiḥ
mit den Apsaras
apaśyata
sah

vilokayantī krīḍantam udakārthaṃ nadīṃ gatā / homa-velāṃ na sasmāra kiñcic citraratha-spṛhā

Sie war zum Fluss gegangen, um Wasser zu holen, doch als sie den Spielenden betrachtete, empfand sie ein wenig Verlangen nach Citraratha und vergaß darüber die Zeit des Feueropfers.

Wort für Wort
vilokayantī
betrachtend
krīḍantam
den Spielenden
udaka-artham
um Wasser [zu holen]
nadīm
zum Fluss
gatā
gegangen
homa-velām
die Zeit des Feueropfers
na sasmāra
erinnerte sich nicht
kiñcit
ein wenig
citraratha-spṛhā
Verlangen nach Citraratha

kālātyayaṃ taṃ vilokya muneḥ śāpa-viśaṅkitā / āgatya kalaśaṃ tasthau purodhāya kṛtāñjaliḥ

Als sie bemerkte, dass die Zeit verstrichen war, kehrte sie, den Fluch des Weisen fürchtend, zurück, stellte den Wasserkrug [vor sich] hin und stand mit gefalteten Händen [vor ihm].

Wort für Wort
kāla-atyayam
das Verstreichen der Zeit
tam vilokya
dies bemerkend
muneḥ śāpa-viśaṅkitā
den Fluch des Weisen fürchtend
āgatya
zurückgekehrt
kalaśam
den Wasserkrug
purodhāya
hinstellend
tasthau
stand
kṛta-añjaliḥ
mit gefalteten Händen

vyabhicāraṃ munir jñātvā patnyāḥ prakupito 'bravīt / ghnatainaṃ putrakāḥ pāpām ity uktās te na cakrire

Der Weise erkannte die [innere] Untreue seiner Frau und sprach zornig: „Tötet sie, o Söhne, die Sünderin!“ Doch obwohl sie so angesprochen wurden, taten sie es nicht.

Wort für Wort
vyabhicāram
die [geistige] Untreue
muniḥ jñātvā
der Weise, erkennend
patnyāḥ
seiner Frau
prakupitaḥ abravīt
zornig geworden sprach er
ghnata enām
tötet sie
putrakāḥ
o Söhne
pāpām
die Sünderin
iti uktāḥ te
so angesprochen, taten sie
na cakrire
[es] nicht

rāmaḥ sañcoditaḥ pitrā bhrātṝn mātrā sahāvadhīt / prabhāva-jño muneḥ samyak samādhes tapasaś ca saḥ

Rāma aber, vom Vater aufgefordert, tötete die Brüder zusammen mit der Mutter, denn er kannte wohl die Macht der [geistigen] Versenkung und Askese seines Vaters.

Wort für Wort
rāmaḥ
Rāma
sañcoditaḥ pitrā
vom Vater aufgefordert
bhrātṝn
die Brüder
mātrā saha
zusammen mit der Mutter
avadhīt
tötete
prabhāva-jñaḥ
die Macht kennend
muneḥ samyak samādheḥ
der [Versenkungs-]Kraft des Weisen völlig
tapasaḥ ca
und der Askese
saḥ
er

[Anm.: GRETIL liest an dieser Stelle fehlerhaft „bhrāt-n“ (Schreibfehler/Scan-Artefakt); rekonstruiert als „bhrātṝn“ (Akk. Pl. von bhrātṛ, „die Brüder“), was durch den Kontext (Verse 5-9) eindeutig gestützt wird: die älteren Brüder hatten sich geweigert, die Mutter zu töten, und wurden daher von Rāma zusammen mit ihr getötet.]

vareṇa cchandayām āsa prītaḥ satyavatī-sutaḥ / vavre hatānāṃ rāmo 'pi jīvitaṃ cāsmṛtiṃ vadhe

Der Sohn Satyavatīs [Jamadagni], erfreut [über Rāmas Gehorsam], ließ ihn eine Gunst erbitten; und Rāma erbat das Leben für die Getöteten sowie für sich selbst das Vergessen der Tötung.

Wort für Wort
vareṇa chandayām āsa
ließ [ihn] mit einer Gunst wählen
prītaḥ
erfreut
satyavatī-sutaḥ
der Sohn Satyavatīs
vavre
erbat
hatānām
der Getöteten
rāmaḥ api
auch Rāma
jīvitam
das Leben
ca asmṛtim
und das Vergessen
vadhe
an der Tötung

uttasthus te kuśalino nidrāpāya ivāñjasā / pitur vidvāṃs tapo-vīryaṃ rāmaś cakre suhṛd-vadham

Sogleich standen sie wohlbehalten auf, wie Menschen, die aus dem Schlaf erwachen. Rāma, der die Kraft der Askese seines Vaters kannte, hatte [daher ohne Zögern] die Tötung seiner Angehörigen vollzogen.

Wort für Wort
uttasthuḥ te
sie standen auf
kuśalinaḥ
wohlbehalten
nidrā-apāye iva
wie beim Erwachen aus dem Schlaf
añjasā
sogleich
pituḥ vidvān
des Vaters kundig
tapaḥ-vīryam
die Kraft der Askese
rāmaḥ cakre
Rāma vollzog
suhṛt-vadham
die Tötung der Angehörigen

ye 'rjunasya sutā rājan smarantaḥ sva-pitur vadham / rāma-vīrya-parābhūtā lebhire śarma na kvacit

O König, die Söhne Arjunas [Kārtavīryas], die sich an die Tötung ihres Vaters erinnerten und von Rāmas Heldenkraft [einst] besiegt worden waren, fanden nirgends Ruhe.

Wort für Wort
ye arjunasya sutāḥ
die Söhne Arjunas
rājan
o König
smarantaḥ sva-pituḥ vadham
sich an die Tötung ihres Vaters erinnernd
rāma-vīrya-parābhūtāḥ
von Rāmas Heldenkraft besiegt
lebhire śarma
fanden Ruhe
na kvacit
nirgends

ekadāśramato rāme sabhrātari vanaṃ gate / vairaṃ siṣādhayiṣavo labdha-cchidrā upāgaman

Als Rāma einst mit seinen Brüdern die Einsiedelei verlassen hatte und in den Wald gegangen war, kamen jene, die ihre Rache vollenden wollten und eine günstige Gelegenheit gefunden hatten, heran.

Wort für Wort
ekadā
einst
āśramataḥ
von der Einsiedelei
rāme sa-bhrātari vanam gate
als Rāma mit den Brüdern in den Wald gegangen war
vairam siṣādhayiṣavaḥ
die die Feindschaft vollenden wollten
labdha-chidrāḥ
eine Gelegenheit gefunden habend
upāgaman
kamen heran

dṛṣṭvāgny-āgāra āsīnam āveśita-dhiyaṃ munim / bhagavaty uttama-śloke jaghnus te pāpa-niścayāḥ

Als sie den Weisen [Jamadagni] im Opferhaus sitzend erblickten, seinen Geist ganz auf den Herrn gerichtet, der in erhabenen Versen gepriesen wird, töteten sie ihn - fest entschlossen zur Sünde.

Wort für Wort
dṛṣṭvā
erblickend
agni-āgāre āsīnam
im Feueropferhaus sitzend
āveśita-dhiyam munim
den Weisen mit gerichtetem Geist
bhagavati uttama-śloke
auf den Herrn, der in erhabenen Versen gepriesen wird
jaghnuḥ te
sie töteten
pāpa-niścayāḥ
zur Sünde entschlossen

yācyamānāḥ kṛpaṇayā rāma-mātrātidāruṇāḥ / prasahya śira utkṛtya ninyus te kṣatra-bandhavaḥ

Obwohl sie von der bejammernswerten Mutter Rāmas angefleht wurden, schnitten diese überaus grausamen Männer, bloße Namensträger des Kṣatriya-Standes, gewaltsam das Haupt [Jamadagnis] ab und trugen es fort.

Wort für Wort
yācyamānāḥ
angefleht
kṛpaṇayā rāma-mātrā
von der bejammernswerten Mutter Rāmas
atidāruṇāḥ
überaus grausam
prasahya
gewaltsam
śiraḥ utkṛtya
das Haupt abschneidend
ninyuḥ te
sie trugen fort
kṣatra-bandhavaḥ
die Namensträger des Kṣatriya-Standes

reṇukā duḥkha-śokārtā nighnanty ātmānam ātmanā / rāma rāmeti tāteti vicukrośoccakaiḥ satī

Von Leid und Kummer gequält, schlug sich die tugendhafte Reṇukā mit den eigenen Händen und schrie laut: „Rāma, Rāma! O [mein] Geliebter!“

Wort für Wort
reṇukā
Reṇukā
duḥkha-śoka-ārtā
von Leid und Kummer gequält
nighnantī ātmānam ātmanā
sich mit den eigenen Händen schlagend
rāma rāma iti
„Rāma, Rāma!“
tāta iti
„o Geliebter!“ [?]
vicukrośa uccakaiḥ satī
schrie laut, die Tugendhafte

[Anm.: Die genaue Anrede „tāta“ ist mehrdeutig - eigentlich eine Anrede für einen Sohn, hier aber wohl klagend an den erschlagenen Gatten Jamadagni gerichtet, als liebevolle Anrede zu verstehen. Markiert mit [?].]

tad upaśrutya dūra-sthā hā rāmety ārtavat svanam / tvarayāśramam āsādya dadṛśuḥ pitaraṃ hatam

Als sie, die sich in der Ferne befanden, diesen schmerzerfüllten Ruf „Ach, Rāma!“ hörten, eilten sie zur Einsiedelei und sahen den Vater getötet [daliegen].

Wort für Wort
tat upaśrutya
dies hörend
dūra-sthāḥ
die sich in der Ferne befanden
hā rāma iti ārtavat svanam
den schmerzerfüllten Ruf „Ach, Rāma!“
tvarayā āśramam āsādya
eilends zur Einsiedelei gelangend
dadṛśuḥ pitaram hatam
sahen den Vater getötet

te duḥkha-roṣāmarṣārti śoka-vega-vimohitāḥ / hā tāta sādho dharmiṣṭha tyaktvāsmān svarga-to bhavān

Sie, überwältigt vom Ansturm der Trauer, von Leid, Zorn, Unmut und Schmerz, [riefen]: „Ach, Vater, o Tugendhafter, o Rechtschaffenster! Du hast uns verlassen und bist zum Himmel gegangen!“

Wort für Wort
te
sie
duḥkha-roṣa-amarṣa-ārti
von Leid, Zorn, Unmut und Schmerz
śoka-vega-vimohitāḥ
vom Ansturm der Trauer überwältigt
hā tāta
ach, Vater!
sādho
o Tugendhafter
dharmiṣṭha
o Rechtschaffenster
tyaktvā asmān
uns verlassend
svarga-taḥ
zum Himmel
bhavān
du (bist gegangen)

vilapyaivaṃ pitur dehaṃ nidhāya bhrātṛṣu svayam / pragṛhya paraśuṃ rāmaḥ kṣatrāntāya mano dadhe

Nachdem er so geklagt und den Leichnam des Vaters den Brüdern anvertraut hatte, ergriff Rāma selbst die Axt und entschloss sich zur Vernichtung der Kṣatriyas.

Wort für Wort
vilapya evam
so klagend
pituḥ deham nidhāya
den Leichnam des Vaters niederlegend
bhrātṛṣu svayam
selbst bei den Brüdern
pragṛhya paraśum
die Axt ergreifend
rāmaḥ
Rāma
kṣatra-antāya
zur Vernichtung der Kṣatriyas
manaḥ dadhe
richtete den Sinn

gatvā māhiṣmatīṃ rāmo brahma-ghna-vihata-śriyam / teṣāṃ sa śīrṣabhī rājan madhye cakre mahā-girim

Rāma zog nach Māhiṣmatī, dessen Glanz durch den Brahmanenmord zerstört war, und häufte, o König, aus ihren Häuptern mitten [in der Stadt] einen großen Berg auf.

Wort für Wort
gatvā māhiṣmatīm
nach Māhiṣmatī gehend
rāmaḥ
Rāma
brahma-ghna-vihata-śriyam
dessen Glanz durch den Brahmanenmord zerstört war
teṣām śīrṣabhiḥ
aus ihren Häuptern
saḥ
er
rājan
o König
madhye cakre mahā-girim
machte in der Mitte einen großen Berg

tad-raktena nadīṃ ghorām abrahmaṇya-bhayāvahām / hetuṃ kṛtvā pitṛ-vadhaṃ kṣatre 'maṅgala-kāriṇi / triḥ-sapta-kṛtvaḥ pṛthivīṃ kṛtvā niḥkṣatriyāṃ prabhuḥ / samanta-pañcake cakre śoṇitodān hradān nava

Mit jenem Blut schuf er einen schrecklichen Fluss, der jenen, die den Brahmanen feindlich gesinnt sind, Furcht einflößte - indem er die Tötung des Vaters zum Anlass nahm gegen den Kṣatriya-Stand, der Unheil angerichtet hatte. Der Mächtige machte die Erde einundzwanzigmal frei von Kṣatriyas und schuf bei Samantapañcaka neun aus Blut bestehende Seen.

Wort für Wort
tad-raktena
mit jenem Blut
nadīm ghorām
einen schrecklichen Fluss
abrahmaṇya-bhaya-āvahām
Furcht einflößend für Brahmanenfeinde
hetum kṛtvā pitṛ-vadham
die Tötung des Vaters zum Anlass nehmend
kṣatre amaṅgala-kāriṇi
gegen den unheilstiftenden Kṣatriya-Stand
triḥ-sapta-kṛtvaḥ
einundzwanzigmal (dreimal sieben Mal)
pṛthivīm niḥkṣatriyām kṛtvā
die Erde frei von Kṣatriyas machend
prabhuḥ
der Mächtige
samanta-pañcake
bei Samantapañcaka
cakre śoṇita-udān hradān nava
schuf neun aus Blut bestehende Seen

pituḥ kāyena sandhāya śira ādāya barhiṣi / sarva-deva-mayaṃ devam ātmānam ayajan makhaiḥ

Nachdem er das Haupt mit dem Leib seines Vaters auf dem Opfergras wiedervereinigt hatte, verehrte er mit Opferriten die Gottheit, die aus allen Göttern besteht, das [höchste] Selbst.

Wort für Wort
pituḥ kāyena
mit dem Leib des Vaters
sandhāya śiraḥ ādāya
das Haupt nehmend und verbindend
barhiṣi
auf dem Opfergras
sarva-deva-mayam devam
den aus allen Göttern bestehenden Gott
ātmānam
das [höchste] Selbst
ayajan makhaiḥ
verehrte mit Opferriten

dadau prācīṃ diśaṃ hotre brahmaṇe dakṣiṇāṃ diśam / adhvaryave pratīcīṃ vai udgātre uttarāṃ diśam / anyebhyo 'vāntara-diśaḥ kaśyapāya ca madhyataḥ / āryāvartam upadraṣṭre sadasyebhyas tataḥ param

Er gab dem Hotṛ-Priester die östliche Region, dem Brahmā-Priester die südliche Region, dem Adhvaryu die westliche und dem Udgātṛ die nördliche Region. Den übrigen [Priestern] gab er die Zwischenrichtungen, dem Kaśyapa aber die Mitte, dem Upadraṣṭṛ das Land Āryāvarta, und den Sadasya-Priestern schließlich, was übrig blieb.

Wort für Wort
dadau prācīm diśam hotre
er gab dem Hotṛ die östliche Region
brahmaṇe dakṣiṇām diśam
dem Brahmā-Priester die südliche Region
adhvaryave pratīcīm
dem Adhvaryu die westliche
udgātre uttarām diśam
dem Udgātṛ die nördliche Region
anyebhyaḥ avāntara-diśaḥ
den anderen die Zwischenrichtungen
kaśyapāya ca madhyataḥ
und dem Kaśyapa die Mitte
āryāvartam upadraṣṭre
dem Upadraṣṭṛ [das Land] Āryāvarta
sadasyebhyaḥ tataḥ param
den Sadasya-Priestern das Übrige

tataś cāvabhṛtha-snāna vidhūtāśeṣa-kilbiṣaḥ / sarasvatyāṃ mahā-nadyāṃ reje vyabhra ivāṃśumān

Danach, als durch das rituelle Abschlussbad all seine Verfehlungen abgewaschen waren, erstrahlte er in der großen [Flusgöttin] Sarasvatī wie die Sonne am wolkenlosen Himmel.

Wort für Wort
tataḥ ca
danach
avabhṛtha-snāna
durch das Abschlussbad
vidhūta-aśeṣa-kilbiṣaḥ
von dem alle Verfehlungen abgewaschen waren
sarasvatyām mahā-nadyām
in der großen Sarasvatī
reje
erstrahlte
vyabhraḥ iva aṃśumān
wie die Sonne am wolkenlosen [Himmel]

[Anm.: GRETIL liest „vyabbhra“ (Doppel-b), korrigiert zu „vyabhra“ („wolkenlos“), da dies dem Kontext und der geläufigen Lesart entspricht.]

sva-dehaṃ jamadagnis tu labdhvā saṃjñāna-lakṣaṇam / ṛṣīṇāṃ maṇḍale so 'bhūt saptamo rāma-pūjitaḥ

Jamadagni aber erlangte seinen eigenen, nun wieder mit Bewusstsein versehenen Leib zurück und wurde, von Rāma verehrt, der Siebte im Kreis der [sieben großen] Weisen.

Wort für Wort
sva-deham
seinen eigenen Leib
jamadagniḥ tu labdhvā
Jamadagni aber erlangend
saṃjñāna-lakṣaṇam
gekennzeichnet durch [wiedergewonnenes] Bewusstsein
ṛṣīṇām maṇḍale
im Kreis der Weisen
saḥ abhūt saptamaḥ
er wurde der Siebte
rāma-pūjitaḥ
von Rāma verehrt

jāmadagnyo 'pi bhagavān rāmaḥ kamala-locanaḥ / āgāminy antare rājan vartayiṣyati vai bṛhat

Auch der lotusäugige, erhabene Rāma, der Sohn Jamadagnis, wird, o König, im kommenden [Manu-]Zeitalter fürwahr die erhabene [Lehre der Weisen] aufrechterhalten.

Wort für Wort
jāmadagnyaḥ api
auch der Sohn Jamadagnis
bhagavān rāmaḥ
der erhabene Rāma
kamala-locanaḥ
der Lotusäugige
āgāmini antare
im kommenden [Manu-]Zeitalter
rājan
o König
vartayiṣyati vai bṛhat
wird fürwahr das Erhabene aufrechterhalten [?]

[Anm.: Der genaue Bezug von „bṛhat“ („das Große/Erhabene“) - vermutlich das erhabene vedische Wissen bzw. seine Stellung als Weiser im nächsten Manvantara - bleibt unsicher, markiert mit [?].]

āste 'dyāpi mahendrādrau nyasta-daṇḍaḥ praśānta-dhīḥ / upagīyamāna-caritaḥ siddha-gandharva-cāraṇaiḥ

Bis heute verweilt er, die Waffe [des Zorns] niedergelegt, mit befriedetem Geist, auf dem Berg Mahendra, während Siddhas, Gandharvas und Cāraṇas seine Taten besingen.

Wort für Wort
āste adya api
er verweilt bis heute
mahendra-adrau
auf dem Berg Mahendra
nyasta-daṇḍaḥ
die Waffe/den Stab niedergelegt habend
praśānta-dhīḥ
mit befriedetem Geist
upagīyamāna-caritaḥ
dessen Taten besungen werden
siddha-gandharva-cāraṇaiḥ
von Siddhas, Gandharvas und Cāraṇas

evaṃ bhṛguṣu viśvātmā bhagavān harir īśvaraḥ / avatīrya paraṃ bhāraṃ bhuvo 'han bahuśo nṛpān

So erschlug der erhabene Hari, der Herr, die Seele des Universums, als Er im Geschlecht der Bhṛgus herabgestiegen war, um die große Last der Erde [zu erleichtern], vielfach die Könige.

Wort für Wort
evam
so
bhṛguṣu
im Geschlecht der Bhṛgus
viśva-ātmā bhagavān hariḥ īśvaraḥ
der erhabene Hari, der Herr, die Seele des Universums
avatīrya
herabsteigend
param bhāram bhuvaḥ
die große Last der Erde
ahan bahuśaḥ nṛpān
erschlug vielfach die Könige

gādher abhūn mahā-tejāḥ samiddha iva pāvakaḥ / tapasā kṣātram utsṛjya yo lebhe brahma-varcasam

Von Gādhi wurde [ein Sohn] geboren, von großer Macht, wie ein loderndes Feuer, der durch Askese das Kṣatriya-Wesen aufgab und brahmanischen Glanz erlangte.

Wort für Wort
gādheḥ abhūt
von Gādhi wurde geboren
mahā-tejāḥ
von großer Macht
samiddhaḥ iva pāvakaḥ
wie ein loderndes Feuer
tapasā kṣātram utsṛjya
durch Askese das Kṣatriya-Wesen aufgebend
yaḥ lebhe brahma-varcasam
der brahmanischen Glanz erlangte

viśvāmitrasya caivāsan putrā ekaśataṃ nṛpa / madhyamas tu madhucchandā madhucchandasa eva te

Viśvāmitra hatte, o König, hunderteins Söhne. Der mittlere unter ihnen war Madhucchandas, und [die jüngere Hälfte] gehörte eben zu Madhucchandas.

Wort für Wort
viśvāmitrasya ca eva āsan putrāḥ
und Viśvāmitra hatte Söhne
ekaśatam
hunderteins
nṛpa
o König
madhyamaḥ tu madhucchandāḥ
der mittlere aber [war] Madhucchandas
madhucchandasaḥ eva te
eben diese des Madhucchandas [?]

[Anm.: Die genaue Bedeutung von „madhucchandasa eva te“ - vermutlich, dass die jüngeren fünfzig Söhne als Madhucchandas' Gefolge/Gruppe galten - erschließt sich erst aus den folgenden Versen (bes. 34); mit [?] markiert.]

putraṃ kṛtvā śunaḥśephaṃ devarātaṃ ca bhārgavam / ājīgartaṃ sutān āha jyeṣṭha eṣa prakalpyatām

Nachdem er Śunaḥśepha, den Nachkommen Bhṛgus, den Sohn Ajīgartas, zu seinem Sohn gemacht und [ihn] Devarāta [genannt] hatte, sprach er zu [seinen] Söhnen: „Dieser sei als der Älteste eingesetzt.“

Wort für Wort
putram kṛtvā
zum Sohn machend
śunaḥśepham
Śunaḥśepha
devarātam ca
und [ihn] Devarāta [nennend]
bhārgavam ājīgartam
den Bhārgava, den Sohn Ajīgartas
sutān āha
sprach zu den Söhnen
jyeṣṭhaḥ eṣaḥ prakalpyatām
dieser sei als Ältester eingesetzt

yo vai hariścandra-makhe vikrītaḥ puruṣaḥ paśuḥ / stutvā devān prajeśādīn mumuce pāśa-bandhanāt

Er, der beim Opfer des Hariścandra als menschliches Opfertier verkauft worden war, wurde, nachdem er die Götter, angefangen mit Prajāpati, gepriesen hatte, von der Fesselung [am Opferpfahl] befreit.

Wort für Wort
yaḥ vai
er, welcher fürwahr
hariścandra-makhe
beim Opfer des Hariścandra
vikrītaḥ puruṣaḥ paśuḥ
als menschliches Opfertier verkauft
stutvā devān prajā-īśa-ādīn
die Götter, angefangen mit Prajāpati, preisend
mumuce pāśa-bandhanāt
wurde von der Fesselung befreit

yo rāto devayajane devair gādhiṣu tāpasaḥ / devarāta iti khyātaḥ śunaḥśephas tu bhārgavaḥ

Er, der Asket, der beim Götteropfer von den Göttern dem [Sohn] Gādhis [Viśvāmitra] übergeben wurde, ist als Devarāta bekannt - er, Śunaḥśepha, der Bhārgava.

Wort für Wort
yaḥ rātaḥ
welcher übergeben wurde
deva-yajane devaiḥ
beim Götteropfer von den Göttern
gādhiṣu
dem [Sohn] Gādhis
tāpasaḥ
der Asket
devarātaḥ iti khyātaḥ
als Devarāta bekannt
śunaḥśephaḥ tu bhārgavaḥ
Śunaḥśepha aber, der Bhārgava

ye madhucchandaso jyeṣṭhāḥ kuśalaṃ menire na tat / aśapat tān muniḥ kruddho mlecchā bhavata durjanāḥ

Die älteren [Brüder] des Madhucchandas hielten dies nicht für gut; da verfluchte sie der zornige Weise: „Werdet zu Mlecchas, ihr Übeltäter!“

Wort für Wort
ye madhucchandasaḥ jyeṣṭhāḥ
die älteren [Brüder] des Madhucchandas
kuśalam menire na tat
hielten dies nicht für gut
aśapat tān muniḥ kruddhaḥ
der zornige Weise verfluchte sie
mlecchāḥ bhavata durjanāḥ
werdet zu Mlecchas, ihr Übeltäter

sa hovāca madhucchandāḥ sārdhaṃ pañcāśatā tataḥ / yan no bhavān sañjānīte tasmiṃs tiṣṭhāmahe vayam

Da sprach Madhucchandas, zusammen mit fünfzig [seiner Brüder]: „Was immer du uns zuweist, dabei bleiben wir fest.“

Wort für Wort
saḥ ha uvāca madhucchandāḥ
da sprach Madhucchandas
sārdham pañcāśatā tataḥ
zusammen mit fünfzig [Brüdern] daraufhin
yat naḥ bhavān sañjānīte
was du uns zuweist
tasmin tiṣṭhāmahe vayam
dabei bleiben wir fest

jyeṣṭhaṃ mantra-dṛśaṃ cakrus tvām anvañco vayaṃ sma hi / viśvāmitraḥ sutān āha vīravanto bhaviṣyatha / ye mānaṃ me 'nugṛhṇanto vīravantam akarta mām

„Wir haben [ihn] zum Ältesten, zum Seher der Mantras gemacht; wir folgen dir fürwahr [darin nach].“ Viśvāmitra sprach zu [seinen] Söhnen: „Ihr werdet Männer mit heldenhaften Nachkommen sein - ihr, die ihr meine Wertschätzung anerkennend, mich [selbst] zu einem mit heldenhaften [Söhnen gesegneten Vater] gemacht habt.“

Wort für Wort
jyeṣṭham mantra-dṛśam cakruḥ
sie machten [ihn] zum ältesten Seher der Mantras
tvām anvañcaḥ vayam sma hi
wir folgen dir fürwahr nach [?]
viśvāmitraḥ sutān āha
Viśvāmitra sprach zu den Söhnen
vīravantaḥ bhaviṣyatha
ihr werdet heldenhafte [Nachkommen] haben
ye mānam me anugṛhṇantaḥ
die ihr meine Wertschätzung anerkennend
vīravantam akarta mām
habt mich zu einem mit heldenhaften [Söhnen gesegneten Vater] gemacht

[Anm.: Die syntaktische Aufteilung dieses Verses (Fortsetzung der Rede der fünfzig Söhne und anschließende Antwort Viśvāmitras) ist im Detail unsicher; mit [?] markiert.]

eṣa vaḥ kuśikā vīro devarātas tam anvita / anye cāṣṭaka-hārīta jayakratu-mad-ādayaḥ

„Dieser, o Kuśikas, ist euer Held: Devarāta - ihm sollt ihr zugehören. Und die anderen [meine Söhne sind] Aṣṭaka, Hārīta, Jayakratu, Madanta und so weiter.“

Wort für Wort
eṣaḥ vaḥ kuśikāḥ vīraḥ
dieser, o Kuśikas, ist euer Held
devarātaḥ tam anvita
Devarāta - ihm sollt ihr zugehören
anye ca
und die anderen
aṣṭaka-hārīta-jayakratu-mad-ādayaḥ
Aṣṭaka, Hārīta, Jayakratu, Madanta und so weiter

evaṃ kauśika-gotraṃ tu viśvāmitraiḥ pṛthag-vidham / pravarāntaram āpannaṃ tad dhi caivaṃ prakalpitam

So wurde das Kauśika-Gotra durch die [Nachkommen] Viśvāmitras vielfach verzweigt und erlangte unterschiedliche Pravaras (Ahnenlinien); dies wurde eben so festgelegt.

Wort für Wort
evam
so
kauśika-gotram tu
das Kauśika-Gotra aber
viśvāmitraiḥ pṛthak-vidham
durch [die Nachkommen] Viśvāmitras vielfach verzweigt
pravara-antaram āpannam
erlangte unterschiedliche Pravaras
tat hi ca evam prakalpitam
dies wurde eben so festgelegt

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