Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 7: aśvatthāmnaḥ brahmāstranivāraṇam Vyāsas Komposition des Bhāgavata und die Bändigung von Aśvatthāmans Brahma-Waffe

Der Rahmenerzähler kehrt zur eigentlichen Handlung zurück: Vyāsa, nach Nāradas Ermahnung in Versenkung die vollkommene Person und ihre Māyā erschauend, verfasst die Bhāgavata-Saṃhitā und lehrt sie Śuka (V.1-12, darin die berühmten Verse über die grundlose Hingabe selbst der "in sich selbst ruhenden" Weisen, V.10). Es folgt die Erzählung von Aśvatthāmans nächtlichem Gemetzel an Draupadīs schlafenden Söhnen, seiner Flucht vor Arjuna, dem gegenseitigen Einsatz und - auf Kṛṣṇas Geheiß - der Zurücknahme zweier Brahma-Waffen, seiner Gefangennahme und Draupadīs mitleidsvollem Eintreten für sein Leben, sowie der abschließenden, von Kṛṣṇa vermittelten Kompromisslösung: Aśvatthāman wird nicht getötet, aber seines Stirnjuwels beraubt, geschoren und aus dem Lager verbannt.

nirgate nārade sūta bhagavān bādarāyaṇaḥ / śrutavāṃs tad-abhipretaṃ tataḥ kim akarod vibhuḥ //

{Śaunaka sprach:} Als Nārada fortgegangen war, o Sūta, was tat der erhabene Bādarāyaṇa [Vyāsa] daraufhin, nachdem er dessen Absicht vernommen hatte, o Mächtiger?

Wort für Wort
nirgate nārade sūta
als Nārada fortgegangen war, o Sūta
bhagavān bādarāyaṇaḥ
der erhabene Bādarāyaṇa [Vyāsa]
śrutavāṃs tad-abhipretaṃ
dessen Absicht vernommen habend
tataḥ kim akarod vibhuḥ
was tat er darauf, o Mächtiger

brahmanadyāṃ sarasvatyām āśramaḥ paścime taṭe / śamyāprāsa iti prokta ṛṣīṇāṃ satravardhanaḥ //

{Sūta sprach:} Am westlichen Ufer des Brahman-Flusses Sarasvatī [liegt] eine Einsiedelei, Śamyāprāsa genannt, die die Opfersitzungen der Weisen mehrt.

Wort für Wort
brahmanadyāṃ sarasvatyām
am [Ufer des] Brahman-Flusses Sarasvatī
āśramaḥ paścime taṭe
eine Einsiedelei am westlichen Ufer
śamyāprāsa iti proktaḥ
Śamyāprāsa genannt
ṛṣīṇāṃ satravardhanaḥ
die die Opfersitzungen der Weisen mehrt

tasmin sva āśrame vyāso badarīṣaṇḍamaṇḍite / āsīno 'pa upaspṛśya praṇidadhyau manaḥ svayam //

In jener seiner eigenen, mit einem Hain von Badarī-Bäumen geschmückten Einsiedelei setzte sich Vyāsa nieder, berührte [rituell] das Wasser und versenkte sein Denken von selbst in Sammlung.

Wort für Wort
tasmin sva āśrame vyāso
in jener seiner eigenen Einsiedelei Vyāsa
badarīṣaṇḍamaṇḍite
mit einem Hain von Badarī-Bäumen geschmückt
āsīno 'pa upaspṛśya
sich niedersetzend, das Wasser berührend
praṇidadhyau manaḥ svayam
versenkte er sein Denken von selbst in Sammlung

bhaktiyogena manasi samyak praṇihite 'male / apaśyat puruṣaṃ pūrṇaṃ māyāṃ ca tad-apāśrayam //

Als sein Denken durch Bhaktiyoga vollkommen gesammelt und makellos geworden war, erblickte er die vollkommene Person (Puruṣa) und die Māyā, die auf jener beruht.

Wort für Wort
bhaktiyogena manasi
durch Bhaktiyoga im Denken
samyak praṇihite 'male
vollkommen gesammelt und makellos
apaśyat puruṣaṃ pūrṇaṃ
erblickte er die vollkommene Person
māyāṃ ca tad-apāśrayam
und die Māyā, die auf jener beruht

yayā sammohito jīva ātmānaṃ triguṇātmakam / paro 'pi manute 'narthaṃ tat-kṛtaṃ cābhipadyate //

Durch die [Māyā] getäuscht, hält das individuelle Selbst (Jīva), obwohl jenseits [der Guṇas], sich selbst für aus den drei Guṇas bestehend und gerät dadurch in das von ihr bewirkte Übel.

Wort für Wort
yayā sammohito jīva
durch die [Māyā] getäuschte Jīva
ātmānaṃ triguṇātmakam
hält sich selbst für aus den drei Guṇas bestehend
paro 'pi manute 'narthaṃ
obwohl jenseits [der Guṇas], [hält er dies für] ein Übel
tat-kṛtaṃ cābhipadyate
und gerät in das dadurch Bewirkte

anarthopaśamaṃ sākṣād bhaktiyogam adhokṣaje / lokasyājānato vidvāṃś cakre sātvatasaṃhitām //

Da er, der Wissende, sah, dass die Welt den unmittelbar zur Beruhigung des Übels führenden Bhaktiyoga zu Adhokṣaja nicht kannte, verfasste er die Sātvata-Saṃhitā [das Bhāgavata].

Wort für Wort
anarthopaśamaṃ sākṣād
unmittelbar zur Beruhigung des Übels
bhaktiyogam adhokṣaje
den Bhaktiyoga zu Adhokṣaja
lokasyājānato vidvāṃś
da der Wissende sah, dass die Welt [ihn] nicht kannte
cakre sātvatasaṃhitām
verfasste er die Sātvata-Saṃhitā

[Anm.: Schlüsselvers, der den Zweck der Komposition des Bhāgavata-Purāṇa unmittelbar benennt.]

yasyāṃ vai śrūyamāṇāyāṃ kṛṣṇe paramapūruṣe / bhaktir utpadyate puṃsaḥ śokamohabhayāpahā //

In der, wenn sie gehört wird, auf Kṛṣṇa, die höchste Person [gerichtet], im Menschen Hingabe entsteht, die Kummer, Verblendung und Furcht vertreibt.

Wort für Wort
yasyāṃ vai śrūyamāṇāyāṃ
in der, wenn sie gehört wird
kṛṣṇe paramapūruṣe
auf Kṛṣṇa, die höchste Person [gerichtet]
bhaktir utpadyate puṃsaḥ
entsteht im Menschen Hingabe
śokamohabhayāpahā
die Kummer, Verblendung, Furcht vertreibt

sa saṃhitāṃ bhāgavatīṃ kṛtvānukramya cātmajam / śukam adhyāpayām āsa nivṛttiniratam muniḥ //

Er, nachdem er die Bhāgavata-Saṃhitā verfasst und durchgesehen hatte, lehrte der Weise sie seinem eigenen, der Weltentsagung ergebenen Sohn Śuka.

Wort für Wort
sa saṃhitāṃ bhāgavatīṃ
er die Bhāgavata-Saṃhitā
kṛtvānukramya cātmajam
verfasst und durchgesehen habend, seinem Sohn
śukam adhyāpayām āsa
lehrte er Śuka
nivṛttiniratam muniḥ
den der Weltentsagung ergebenen, der Weise

sa vai nivṛttinirataḥ sarvatropekṣako muniḥ / kasya vā bṛhatīm etām ātmārāmaḥ samabhyasat //

{Śaunaka sprach:} Er [Śuka], fürwahr der Weltentsagung ergeben, überall gleichgültig, ein in sich selbst Ruhender (Ātmārāma) - für wessen [Nutzen] studierte er dieses gewaltige [Werk]?

Wort für Wort
sa vai nivṛttinirataḥ
er, fürwahr der Weltentsagung ergeben
sarvatropekṣako muniḥ
überall gleichgültig, der Weise
kasya vā bṛhatīm etām
für wessen [Nutzen] dieses gewaltige [Werk]
ātmārāmaḥ samabhyasat
studierte der in sich selbst Ruhende

ātmārāmāś ca munayo nirgranthā apy urukrame / kurvanty ahaitukīṃ bhaktim ittham-bhūta-guṇo hariḥ //

{Sūta sprach:} Auch die in sich selbst ruhenden Weisen, obgleich von [allen] Fesseln befreit, erweisen dem Weitschreitenden [Viṣṇu] grundlose Hingabe - so [beschaffen] sind die Eigenschaften Haris.

Wort für Wort
ātmārāmāś ca munayo
auch die in sich selbst ruhenden Weisen
nirgranthā apy urukrame
obgleich von Fesseln befreit, dem Weitschreitenden
kurvanty ahaitukīṃ bhaktim
erweisen sie grundlose Hingabe
ittham-bhūta-guṇo hariḥ
so beschaffen sind die Eigenschaften Haris

[Anm.: einer der berühmtesten Verse des Bhāgavata-Purāṇa zur Erklärung, warum selbst bereits befreite Weise wie Śuka sich der Bhakti zuwenden.]

harer guṇākṣiptamatir bhagavān bādarāyaṇiḥ / adhyagān mahad-ākhyānaṃ nityaṃ viṣṇujanapriyaḥ //

Der erhabene Sohn des Bādarāyaṇa [Śuka], sein Denken von Haris Eigenschaften gefesselt, den Anhängern Viṣṇus lieb, studierte stets diese große Erzählung.

Wort für Wort
harer guṇākṣiptamatir
sein Denken von Haris Eigenschaften gefesselt
bhagavān bādarāyaṇiḥ
der erhabene Sohn des Bādarāyaṇa
adhyagān mahad-ākhyānaṃ nityaṃ
studierte stets diese große Erzählung
viṣṇujanapriyaḥ
den Anhängern Viṣṇus lieb

parīkṣito 'tha rājarṣer janma-karma-vilāpanam / saṃsthāṃ ca pāṇḍuputrāṇāṃ vakṣye kṛṣṇakathodayam //

Nun werde ich die Geburt, die Taten und das Hinscheiden des königlichen Weisen Parīkṣit erzählen, sowie das Ende der Söhne des Pāṇḍu - den Anlass des Aufkommens der Kṛṣṇa-Erzählung.

Wort für Wort
parīkṣito 'tha rājarṣer
des königlichen Weisen Parīkṣit
janma-karma-vilāpanam
Geburt, Taten, Hinscheiden
saṃsthāṃ ca pāṇḍuputrāṇāṃ
und das Ende der Söhne des Pāṇḍu
vakṣye kṛṣṇakathodayam
werde ich erzählen - den Anlass der Kṛṣṇa-Erzählung

[Anm.: Übergangsvers, der den Inhalt der folgenden Kapitel (bis Skandha 1 Ende) ankündigt.]

yadā mṛdhe kauravasṛñjayānāṃ vīreṣv atho vīragatiṃ gateṣu / vṛkodarāviddhagadābhimarśa bhagnorudaṇḍe dhṛtarāṣṭraputre //

Als in der Schlacht der Kauravas und Sṛñjayas die Helden zum Heldentod gegangen waren, und als der Sohn des Dhṛtarāṣṭra [Duryodhana], durch den Schlag von Vṛkodaras [Bhīmas] Keule an [seinem] Schenkelstab (Bein) gebrochen war...

Wort für Wort
yadā mṛdhe kauravasṛñjayānāṃ vīreṣv atho vīragatiṃ gateṣu
als in der Schlacht der Kauravas und Sṛñjayas die Helden zum Heldentod gegangen waren
vṛkodarāviddhagadābhimarśa bhagnorudaṇḍe dhṛtarāṣṭraputre
als der Sohn des Dhṛtarāṣṭra durch Vṛkodaras Keulenschlag am Bein gebrochen war

[Anm.: Satz setzt sich über mehrere Verse fort (Beginn der Aśvatthāman-Episode).]

bhartuḥ priyaṃ drauṇir iti sma paśyan kṛṣṇāsutānāṃ svapatāṃ śirāṃsi / upāharad vipriyam eva tasya jugupsitaṃ karma vigarhayanti //

...da, den [Anblick der] Häupter der schlafenden Söhne der Kṛṣṇā [Draupadī] als [vermeintlichen] Gefallen für seinen Herrn erachtend, brachte der Sohn des Droṇa [Aśvatthāman] ihm eben eine unliebsame [Gabe] dar - eine abscheuliche Tat, die [alle] verurteilen.

Wort für Wort
bhartuḥ priyaṃ drauṇir iti sma paśyan
meinend, seinem Herrn einen Gefallen zu tun, der Sohn des Droṇa
kṛṣṇāsutānāṃ svapatāṃ śirāṃsi
die Häupter der schlafenden Söhne der Kṛṣṇā
upāharad vipriyam eva tasya
brachte er ihm eben eine unliebsame [Gabe] dar
jugupsitaṃ karma vigarhayanti
eine abscheuliche Tat, die [alle] verurteilen

mātā śiśūnāṃ nidhanaṃ sutānāṃ niśamya ghoraṃ paritapyamānā / tadārudad vāṣpakalākulākṣī tāṃ sāntvayann āha kirīṭamālī //

Die Mutter [Draupadī], vom schrecklichen Tod ihrer Söhne, der Kinder, vernehmend, in Schmerz versunken, weinte da, ihre Augen von Tränen umflort; sie tröstend, sprach der Diademträger [Arjuna].

Wort für Wort
mātā śiśūnāṃ nidhanaṃ sutānāṃ niśamya ghoraṃ
die Mutter, vom schrecklichen Tod ihrer Söhne, der Kinder, vernehmend
paritapyamānā
in Schmerz versunken
tadārudad vāṣpakalākulākṣī
da weinte sie, ihre Augen von Tränen umflort
tāṃ sāntvayann āha kirīṭamālī
sie tröstend, sprach der Diademträger

tadā śucas te pramṛjāmi bhadre yad brahmabandhoḥ śira ātatāyinaḥ / gāṇḍīvamuktair viśikhair upāhare tvākramya yat snāsyasi dagdhaputrā //

'Dann werde ich, meine Liebe, deinen Kummer trocknen, wenn ich mit den vom Gāṇḍīva abgeschossenen Pfeilen das Haupt dieses todeswürdigen Verräter-Brahmanen herbeibringe, [und] du, [darauf] tretend, dich [dann erst] baden wirst, du, deren Söhne verbrannt wurden.'

Wort für Wort
tadā śucas te pramṛjāmi bhadre
dann werde ich deinen Kummer trocknen, meine Liebe
yad brahmabandhoḥ śira ātatāyinaḥ
wenn ich das Haupt dieses todeswürdigen Verräter-Brahmanen
gāṇḍīvamuktair viśikhair upāhare
mit den vom Gāṇḍīva abgeschossenen Pfeilen herbeibringe
tvākramya yat snāsyasi dagdhaputrā
du, darauf tretend, [dann] baden wirst, du deren Söhne verbrannt wurden

iti priyāṃ valgu-vicitra-jalpaiḥ sa sāntvayitvācyutamitrasūtaḥ / anvādravad daṃśita ugradhanvā kapidhvajo guruputraṃ rathena //

So die Geliebte mit lieblichen, kunstvollen Worten getröstet habend, jagte er, gerüstet, mit schrecklichem Bogen, er mit dem Affen-Banner, dessen Wagenlenker der Vertraute des Unfehlbaren [Kṛṣṇa] ist, dem Sohn des Lehrers [Aśvatthāman] mit dem Wagen nach.

Wort für Wort
iti priyāṃ valgu-vicitra-jalpaiḥ
so die Geliebte mit lieblichen, kunstvollen Worten
sa sāntvayitvācyutamitrasūtaḥ
er getröstet habend, dessen Wagenlenker der Vertraute des Unfehlbaren ist
anvādravad daṃśita ugradhanvā
jagte er nach, gerüstet, mit schrecklichem Bogen
kapidhvajo guruputraṃ rathena
der mit dem Affen-Banner, dem Sohn des Lehrers, mit dem Wagen

tam āpatantaṃ sa vilakṣya dūrāt kumārahodvignamanā rathena / parādravat prāṇaparīpsurur vyāṃ yāvadgamaṃ rudrabhayād yathā kaḥ //

Diesen [Arjuna] von ferne herannahen sehend, floh er, der Kindermörder [Aśvatthāman], erschrockenen Sinnes, mit seinem Wagen, sein Leben zu retten begierig, über die Erde, so weit er konnte, wie irgendjemand aus Furcht vor Rudra.

Wort für Wort
tam āpatantaṃ sa vilakṣya dūrāt
diesen herannahen sehend von ferne
kumārahodvignamanā rathena
der Kindermörder, erschrockenen Sinnes, mit dem Wagen
parādravat prāṇaparīpsurur
floh er, sein Leben zu retten begierig
vyāṃ yāvadgamaṃ rudrabhayād yathā kaḥ
über die Erde, so weit er konnte, wie irgendjemand aus Furcht vor Rudra

yadāśaraṇam ātmānam aikṣata śrāntavājinam / astraṃ brahmaśiro mene ātmatrāṇaṃ dvijātmajaḥ //

Als er sich selbst schutzlos sah, [sein] Pferd erschöpft, dachte der Sohn eines Brahmanen [Aśvatthāman] an die Brahma-Kopf-Waffe als seinen Selbstschutz.

Wort für Wort
yadāśaraṇam ātmānam aikṣata
als er sich selbst schutzlos sah
śrāntavājinam
das Pferd erschöpft
astraṃ brahmaśiro mene
dachte er an die Brahma-Kopf-Waffe
ātmatrāṇaṃ dvijātmajaḥ
als Selbstschutz, der Sohn eines Brahmanen

athopaspṛśya salilaṃ sandadhe tat samāhitaḥ / ajānann api saṃhāraṃ prāṇakṛcchra upasthite //

Da berührte er [rituell] das Wasser und legte, konzentriert, jene [Waffe] an, obwohl er, [selbst] die Zurücknahme nicht kennend, da seine Lebensgefahr bevorstand.

Wort für Wort
athopaspṛśya salilaṃ
da das Wasser berührend
sandadhe tat samāhitaḥ
legte er jene [Waffe] an, konzentriert
ajānann api saṃhāraṃ
obwohl die Zurücknahme nicht kennend
prāṇakṛcchra upasthite
da seine Lebensgefahr bevorstand

tataḥ prāduṣkṛtaṃ tejaḥ pracaṇḍaṃ sarvato diśam / prāṇāpadam abhiprekṣya viṣṇuṃ jiṣṇur uvāca ha //

Darauf erschien ein gewaltiger, furchtbarer Glanz nach allen Richtungen; die Lebensgefahr erkennend, sprach der Siegreiche [Arjuna] zu Viṣṇu [Kṛṣṇa].

Wort für Wort
tataḥ prāduṣkṛtaṃ tejaḥ pracaṇḍaṃ
darauf erschien ein gewaltiger, furchtbarer Glanz
sarvato diśam
nach allen Richtungen
prāṇāpadam abhiprekṣya
die Lebensgefahr erkennend
viṣṇuṃ jiṣṇur uvāca ha
sprach der Siegreiche zu Viṣṇu

kṛṣṇa kṛṣṇa mahābāho bhaktānām abhayaṅkara / tvam eko dahyamānānām apavargo 'si saṃsṛteḥ //

{Arjuna sprach:} 'Kṛṣṇa, Kṛṣṇa, du Starkarmiger, der du deinen Anhängern Furchtlosigkeit gewährst! Du allein bist die Erlösung derer, die im [Feuer des Daseins-]Kreislaufs verbrennen.'

Wort für Wort
kṛṣṇa kṛṣṇa mahābāho
Kṛṣṇa, Kṛṣṇa, du Starkarmiger
bhaktānām abhayaṅkara
der du deinen Anhängern Furchtlosigkeit gewährst
tvam eko dahyamānānām
du allein derer, die verbrennen
apavargo 'si saṃsṛteḥ
bist die Erlösung vom Daseinskreislauf

tvam ādyaḥ puruṣaḥ sākṣād īśvaraḥ prakṛteḥ paraḥ / māyāṃ vyudasya cicchaktyā kaivalye sthita ātmani //

'Du bist die ursprüngliche Person, unmittelbar der Herr, jenseits der Urnatur (Prakṛti); die Māyā durch [deine] Bewusstseinskraft von dir weisend, verharrst du in reiner Einheit in dir selbst.'

Wort für Wort
tvam ādyaḥ puruṣaḥ sākṣād īśvaraḥ
du bist die ursprüngliche Person, unmittelbar der Herr
prakṛteḥ paraḥ
jenseits der Urnatur
māyāṃ vyudasya cicchaktyā
die Māyā durch Bewusstseinskraft von dir weisend
kaivalye sthita ātmani
verharrst du in reiner Einheit in dir selbst

sa eva jīvalokasya māyāmohitacetasaḥ / vidhatse svena vīryeṇa śreyo dharmādilakṣaṇam //

'Eben du bestimmst, für die von Māyā verblendeten Sinne der Lebewesen-Welt, durch deine eigene Kraft das Heilsame, gekennzeichnet durch Dharma und die anderen [Lebensziele].'

Wort für Wort
sa eva jīvalokasya
eben du für die Lebewesen-Welt
māyāmohitacetasaḥ
deren Sinn von Māyā verblendet ist
vidhatse svena vīryeṇa
bestimmst du durch deine eigene Kraft
śreyo dharmādilakṣaṇam
das Heilsame, gekennzeichnet durch Dharma u.a.

tathāyaṃ cāvatāras te bhuvo bhārajihīrṣayā / svānāṃ cānanyabhāvānām anudhyānāya cāsakṛt //

'So [geschieht] auch diese deine Herabkunft, um der Erde ihre Last fortzunehmen, und um deiner [Anhänger], die keine andere Zuflucht haben, wiederholtes Gedenken [an dich zu ermöglichen].'

Wort für Wort
tathāyaṃ cāvatāras te
so auch diese deine Herabkunft
bhuvo bhārajihīrṣayā
um der Erde Last fortzunehmen
svānāṃ cānanyabhāvānām
und deiner [Anhänger] ohne andere Zuflucht
anudhyānāya cāsakṛt
um wiederholtes Gedenken [an dich zu ermöglichen]

kim idaṃ svit kuto veti devadeva na vedmy aham / sarvato mukham āyāti tejaḥ paramadāruṇam //

'Was dies wohl ist, oder woher es kommt, weiß ich nicht, o Gott der Götter - von allen Seiten her kommt ein höchst furchtbarer Glanz heran.'

Wort für Wort
kim idaṃ svit kuto veti
was dies wohl ist, oder woher
devadeva na vedmy aham
weiß ich nicht, o Gott der Götter
sarvato mukham āyāti
von allen Seiten her kommt heran
tejaḥ paramadāruṇam
ein höchst furchtbarer Glanz

vetthedaṃ droṇaputrasya brāhmam astraṃ pradarśitam / naivāsau veda saṃhāraṃ prāṇabādha upasthite //

{Śrī-Bhagavān sprach:} 'Weißt du, dies ist die Brahma-Waffe des Sohnes des Droṇa, die [nun] gezeigt wurde; er selbst kennt jedoch nicht deren Zurücknahme, da [seine eigene] Lebensgefahr bevorstand.'

Wort für Wort
vetthedaṃ droṇaputrasya
weißt du, dies [ist] des Sohnes des Droṇa
brāhmam astraṃ pradarśitam
die gezeigte Brahma-Waffe
naivāsau veda saṃhāraṃ
er selbst kennt nicht deren Zurücknahme
prāṇabādha upasthite
da seine Lebensgefahr bevorstand

na hy asyānyatamaṃ kiñcid astraṃ pratyavakarśanam / jahy astrateja unnaddham astrajño hy astratejasā //

'Denn es gibt keine andere Waffe, die diese abwehren könnte; lösche [du], der du die Waffen kennst, die aufgebäumte Waffenglut durch [die Kraft einer anderen] Waffenglut.'

Wort für Wort
na hy asyānyatamaṃ kiñcid
denn es gibt keine andere
astraṃ pratyavakarśanam
Waffe, die diese abwehren könnte
jahy astrateja unnaddham
lösche die aufgebäumte Waffenglut
astrajño hy astratejasā
der du die Waffen kennst, durch [andere] Waffenglut

śrutvā bhagavatā proktaṃ phālgunaḥ paravīrahā / spṛṣṭvāpas taṃ parikramya brāhmaṃ brāhmāstraṃ sandadhe //

{Sūta sprach:} Nachdem er dies vom Erhabenen vernommen hatte, berührte der Sohn der Phālgunī [Arjuna], der Vernichter feindlicher Helden, das Wasser, umschritt [die Waffe] und legte die Brahma-Waffe [dagegen] an.

Wort für Wort
śrutvā bhagavatā proktaṃ
nachdem er dies vom Erhabenen vernommen hatte
phālgunaḥ paravīrahā
der Sohn der Phālgunī, Vernichter feindlicher Helden
spṛṣṭvāpas taṃ parikramya
das Wasser berührend, [die Waffe] umschreitend
brāhmaṃ brāhmāstraṃ sandadhe
legte er die Brahma-Waffe an

saṃhatyānyonyam ubhayostejasī śarasaṃvṛte / āvṛtya rodasī khaṃ ca vavṛdhāte 'rkavahnivat //

Nachdem sich die beiden, von Pfeilen umgebenen Glutmassen vereinigt hatten, wuchsen sie, Himmel, Erde und Luftraum umhüllend, an, gleich Sonne und Feuer.

Wort für Wort
saṃhatyānyonyam
nachdem sie sich miteinander vereinigt hatten
ubhayostejasī śarasaṃvṛte
die beiden von Pfeilen umgebenen Glutmassen
āvṛtya rodasī khaṃ ca
Himmel, Erde und Luftraum umhüllend
vavṛdhāte 'rkavahnivat
wuchsen sie an, gleich Sonne und Feuer

dṛṣṭvāstratejas tu tayos trīl lokān pradahan mahat / dahyamānāḥ prajāḥ sarvāḥ sāṃvartakam amaṃsata //

Als sie den gewaltigen, die drei Welten verbrennenden Glanz der beiden Waffen sahen, hielten alle Geschöpfe, [selbst] verbrennend, dies für das Feuer der Weltauflösung (Sāṃvartaka).

Wort für Wort
dṛṣṭvāstratejas tu tayos
als sie den Glanz der beiden Waffen sahen
trīl lokān pradahan mahat
den gewaltigen, die drei Welten verbrennenden
dahyamānāḥ prajāḥ sarvāḥ
alle Geschöpfe, [selbst] verbrennend
sāṃvartakam amaṃsata
hielten dies für das Sāṃvartaka-Feuer

prajopadravam ālakṣya lokavyatikaraṃ ca tam / mataṃ ca vāsudevasya sañjahārārjuno dvayam //

Das Unheil der Geschöpfe und jene Verwirrung der Welt erkennend, und [zugleich] den Willen Vāsudevas [erfassend], zog Arjuna beide [Waffen] zurück.

Wort für Wort
prajopadravam ālakṣya
das Unheil der Geschöpfe erkennend
lokavyatikaraṃ ca tam
und jene Verwirrung der Welt
mataṃ ca vāsudevasya
und den Willen Vāsudevas [erfassend]
sañjahārārjuno dvayam
zog Arjuna beide [Waffen] zurück

tata āsādya tarasā dāruṇaṃ gautamīsutam / babandhāmarṣatāmrākṣaḥ paśuṃ raśanayā yathā //

Darauf ergriff er rasch den grausamen Sohn der Gautamī [Aśvatthāman] und band ihn, seine Augen kupferrot vor Zorn, mit einem Strick, wie man ein Tier bindet.

Wort für Wort
tata āsādya tarasā
darauf rasch ergreifend
dāruṇaṃ gautamīsutam
den grausamen Sohn der Gautamī
babandhāmarṣatāmrākṣaḥ
band er ihn, seine Augen kupferrot vor Zorn
paśuṃ raśanayā yathā
wie man ein Tier mit einem Strick [bindet]

śibirāya ninīṣantaṃ rajjvā baddhvā ripuṃ balāt / prāhārjunaṃ prakupito bhagavān ambujekṣaṇaḥ //

Während er ihn, den Feind, mit Gewalt am Strick gebunden, ins Lager führen wollte, sprach der erhabene, lotusäugige [Kṛṣṇa], erzürnt, zu Arjuna.

Wort für Wort
śibirāya ninīṣantaṃ
während er ins Lager führen wollte
rajjvā baddhvā ripuṃ balāt
ihn, den Feind, mit Gewalt am Strick gebunden
prāhārjunaṃ prakupito
sprach er zu Arjuna, erzürnt
bhagavān ambujekṣaṇaḥ
der erhabene, lotusäugige [Kṛṣṇa]

mainaṃ pārthārhasi trātuṃ brahmabandhum imaṃ jahi / yo 'sāv anāgasaḥ suptān avadhīn niśi bālakān //

{Śrī-Bhagavān sprach (Fortsetzung):} 'Diesen sollst du nicht schonen, Sohn des Pṛthā; töte diesen Verräter-Brahmanen, der schuldlose, schlafende Kinder in der Nacht getötet hat.'

Wort für Wort
mainaṃ pārthārhasi trātuṃ
diesen sollst du nicht schonen, Sohn des Pṛthā
brahmabandhum imaṃ jahi
töte diesen Verräter-Brahmanen
yo 'sāv anāgasaḥ suptān
der schuldlose, schlafende
avadhīn niśi bālakān
Kinder in der Nacht getötet hat

mattaṃ pramattam unmattaṃ suptaṃ bālaṃ striyaṃ jaḍam / prapannaṃ virathaṃ bhītaṃ na ripuṃ hanti dharmavit //

'Einen Berauschten, Unachtsamen, Wahnsinnigen, Schlafenden, ein Kind, eine Frau, einen Einfältigen, einen sich Ergebenden, einen Wagenlosen, einen Erschrockenen tötet der Dharmakundige nicht als Feind.'

Wort für Wort
mattaṃ pramattam unmattaṃ
einen Berauschten, Unachtsamen, Wahnsinnigen
suptaṃ bālaṃ striyaṃ jaḍam
einen Schlafenden, ein Kind, eine Frau, einen Einfältigen
prapannaṃ virathaṃ bhītaṃ
einen sich Ergebenden, Wagenlosen, Erschrockenen
na ripuṃ hanti dharmavit
tötet der Dharmakundige nicht als Feind

svaprāṇān yaḥ paraprāṇaiḥ prapuṣṇāty aghṛṇaḥ khalaḥ / tadvadhas tasya hi śreyo yad-doṣād yāty adhaḥ pumān //

'Wer, ohne Erbarmen und niederträchtig, sein eigenes Leben durch [die Vernichtung] fremden Lebens ernährt, dessen Tötung ist fürwahr sein Heil, da der Mensch durch dieses Vergehen [immer weiter] hinabsinkt.'

Wort für Wort
svaprāṇān yaḥ paraprāṇaiḥ
wer sein eigenes Leben durch fremdes Leben
prapuṣṇāty aghṛṇaḥ khalaḥ
ernährt, ohne Erbarmen, niederträchtig
tadvadhas tasya hi śreyo
dessen Tötung ist fürwahr sein Heil
yad-doṣād yāty adhaḥ pumān
da durch dieses Vergehen der Mensch hinabsinkt

pratiśrutaṃ ca bhavatā pāñcālyai śṛṇvato mama / āhariṣye śiras tasya yas te mānini putrahā //

'Auch hast du selbst der Pāñcālī [Draupadī] versprochen, während ich zuhörte: Ich werde den Kopf dessen herbeibringen, der dir, du Stolze, die Söhne getötet hat.'

Wort für Wort
pratiśrutaṃ ca bhavatā
auch hast du versprochen
pāñcālyai śṛṇvato mama
der Pāñcālī, während ich zuhörte
āhariṣye śiras tasya
ich werde den Kopf dessen herbeibringen
yas te mānini putrahā
der dir, du Stolze, die Söhne getötet hat

tad asau vadhyatāṃ pāpa ātatāyy ātmabandhuhā / bhartuś ca vipriyaṃ vīra kṛtavān kulapāṃsanaḥ //

'Darum soll jener Sündige getötet werden, der Angreifer, der Töter der eigenen Verwandten, der, o Held, seinem Herrn Unliebes getan hat, die Schande [seines] Geschlechts.'

Wort für Wort
tad asau vadhyatāṃ pāpa
darum soll jener Sündige getötet werden
ātatāyy ātmabandhuhā
der Angreifer, der Töter der eigenen Verwandten
bhartuś ca vipriyaṃ vīra
der seinem Herrn Unliebes, o Held
kṛtavān kulapāṃsanaḥ
getan hat, die Schande des Geschlechts

evaṃ parīkṣatā dharmaṃ pārthaḥ kṛṣṇena coditaḥ / naicchad dhantuṃ gurusutaṃ yadyapy ātmahanaṃ mahān //

{Sūta sprach:} So, von Kṛṣṇa, der [zugleich] den Dharma prüfte, angetrieben, wollte der Sohn des Pṛthā [Arjuna] dennoch nicht den Sohn des Lehrers töten, obwohl dieser Große selbst ein [Kinder-]Mörder war.

Wort für Wort
evaṃ parīkṣatā dharmaṃ
so, den Dharma prüfend
pārthaḥ kṛṣṇena coditaḥ
der Sohn des Pṛthā, von Kṛṣṇa angetrieben
naicchad dhantuṃ gurusutaṃ
wollte er nicht den Sohn des Lehrers töten
yadyapy ātmahanaṃ mahān
obwohl [dieser] Große selbst ein Mörder war

athopetya svaśibiraṃ govindapriyasārathiḥ / nyavedayat taṃ priyāyai śocantyā ātmajān hatān //

Darauf, zu seinem eigenen Lager zurückgekehrt, meldete der Wagenlenker, der Vertraute Govindas [Arjuna], dies seiner Geliebten [Draupadī], die um ihre getöteten Söhne trauerte.

Wort für Wort
athopetya svaśibiraṃ
darauf zu seinem eigenen Lager zurückgekehrt
govindapriyasārathiḥ
der Wagenlenker, der Vertraute Govindas
nyavedayat taṃ priyāyai
meldete er dies seiner Geliebten
śocantyā ātmajān hatān
die um ihre getöteten Söhne trauerte

tathāhṛtaṃ paśuvat pāśabaddham avāṅmukhaṃ karmajugupsitena / nirīkṣya kṛṣṇāpakṛtaṃ guroḥ sutaṃ vāmasvabhāvā kṛpayā nanāma ca //

Als sie jenen wie ein Tier Herbeigeführten sah, mit dem Strick gebunden, das Gesicht abgewandt vor seiner verabscheuungswürdigen Tat, den Sohn des Lehrers, von Kṛṣṇa gedemütigt, verneigte sich Kṛṣṇā [Draupadī] - von Natur aus liebevoll - dennoch aus Mitleid vor ihm.

Wort für Wort
tathāhṛtaṃ paśuvat pāśabaddham
so wie ein Tier herbeigeführt, mit dem Strick gebunden
avāṅmukhaṃ karmajugupsitena
das Gesicht abgewandt vor seiner verabscheuungswürdigen Tat
nirīkṣya kṛṣṇāpakṛtaṃ guroḥ sutaṃ
sah sie den Sohn des Lehrers, von Kṛṣṇa gedemütigt
vāmasvabhāvā kṛpayā nanāma ca
verneigte sie, von Natur liebevoll, sich dennoch aus Mitleid

uvāca cāsahantyasya bandhanānayanaṃ satī / mucyatāṃ mucyatām eṣa brāhmaṇo nitarāṃ guruḥ //

Und die Tugendhafte [Draupadī], das Anführen [Aśvatthāmans] in Fesseln nicht ertragend, sprach: 'Man löse ihn, man löse ihn - dieser Brahmane ist doch unser höchster Lehrer.'

Wort für Wort
uvāca cāsahantyasya
sie sprach, sein [Anführen] nicht ertragend
bandhanānayanaṃ satī
das Herbeiführen in Fesseln, die Tugendhafte
mucyatāṃ mucyatām eṣa
man löse ihn, man löse ihn
brāhmaṇo nitarāṃ guruḥ
dieser Brahmane ist doch [unser] Lehrer

sarahasyo dhanurvedaḥ savisargopasaṃyamaḥ / astragrāmaś ca bhavatā śikṣito yad-anugrahāt //

'Das geheimnisreiche Bogenkriegs-Wissen, samt dessen Anwendung und Zurücknahme, sowie die ganze Waffenkunst wurde von euch durch seine [Droṇas] Gnade erlernt.'

Wort für Wort
sarahasyo dhanurvedaḥ
das geheimnisreiche Bogenkriegs-Wissen
savisargopasaṃyamaḥ
samt Anwendung und Zurücknahme
astragrāmaś ca bhavatā
und die ganze Waffenkunst von euch
śikṣito yad-anugrahāt
wurde durch seine Gnade erlernt

sa eṣa bhagavān droṇaḥ prajārūpeṇa vartate / tasyātmano 'rdhaṃ patny āste nānvagād vīrasūḥ kṛpī //

'Eben dieser erhabene Droṇa lebt fort in Gestalt seines Nachkommens; sein halbes Selbst, die Gattin, lebt [noch]; sie, die Mutter eines Helden, Kṛpī, ist ihm [im Tod] nicht gefolgt.'

Wort für Wort
sa eṣa bhagavān droṇaḥ
eben dieser erhabene Droṇa
prajārūpeṇa vartate
lebt fort in Gestalt seines Nachkommens
tasyātmano 'rdhaṃ patny āste
sein halbes Selbst, die Gattin, lebt
nānvagād vīrasūḥ kṛpī
ist ihm nicht gefolgt, die Heldenmutter Kṛpī

tad-dharmajña mahābhāga bhavadbhir gauravaṃ kulam / vṛjinaṃ nārhati prāptuṃ pūjyaṃ vandyam abhīkṣṇaśaḥ //

'Darum, o Kenner des Dharma, du Hochbeglückter, geziemt es sich für euch nicht, dass diese ehrwürdige, hochangesehene, stets zu verehrende Familie Elend erleide.'

Wort für Wort
tad-dharmajña mahābhāga
darum, Kenner des Dharma, Hochbeglückter
bhavadbhir gauravaṃ kulam
durch euch die ehrwürdige Familie
vṛjinaṃ nārhati prāptuṃ
sollte nicht Elend erlangen
pūjyaṃ vandyam abhīkṣṇaśaḥ
die stets zu verehrende, hochangesehene

mā rodīd asya jananī gautamī patidevatā / yathāhaṃ mṛtavatsārtā rodimy aśrumukhī muhuḥ //

'Möge seine Mutter, die Gautamī [Kṛpī], deren Gottheit ihr Gatte ist, nicht weinen, so wie ich, von Kindesverlust gequält, immer wieder mit tränenüberströmtem Gesicht weine.'

Wort für Wort
mā rodīd asya jananī gautamī
möge seine Mutter, die Gautamī, nicht weinen
patidevatā
deren Gottheit ihr Gatte ist
yathāhaṃ mṛtavatsārtā
so wie ich, von Kindesverlust gequält
rodimy aśrumukhī muhuḥ
immer wieder mit tränenüberströmtem Gesicht weine

yaiḥ kopitaṃ brahmakulaṃ rājanyair ajitātmabhiḥ / tat kulaṃ pradahaty āśu sānubandhaṃ śucārpitam //

'Ein Brahmanengeschlecht, das von unbeherrschten Königen erzürnt wurde - [ein solches] Geschlecht verbrennt jene rasch, samt ihrem Gefolge, [selbst] von Kummer getroffen.'

Wort für Wort
yaiḥ kopitaṃ brahmakulaṃ
das Brahmanengeschlecht, das erzürnt wurde
rājanyair ajitātmabhiḥ
von unbeherrschten Königen
tat kulaṃ pradahaty āśu
jenes Geschlecht verbrennt jene rasch
sānubandhaṃ śucārpitam
samt ihrem Gefolge, [selbst] von Kummer getroffen

dharmyaṃ nyāyyaṃ sakaruṇaṃ nirvyalīkaṃ samaṃ mahat / rājā dharmasuto rājñyāḥ pratyanandad vaco dvijāḥ //

{Sūta sprach:} O Brahmanen, der König, der Sohn des Dharma [Yudhiṣṭhira], hieß diese der Königin [Draupadī] gemäße, gerechte, mitleidvolle, aufrichtige, gleichmütige und erhabene Rede gut.

Wort für Wort
dharmyaṃ nyāyyaṃ sakaruṇaṃ
die dharmagemäße, gerechte, mitleidvolle
nirvyalīkaṃ samaṃ mahat
aufrichtige, gleichmütige, erhabene [Rede]
rājā dharmasuto rājñyāḥ
der König, der Sohn des Dharma, der Königin
pratyanandad vaco dvijāḥ
hieß die Rede gut, o Brahmanen

nakulaḥ sahadevaś ca yuyudhāno dhanañjayaḥ / bhagavān devakīputro ye cānye yāś ca yoṣitaḥ //

Nakula und Sahadeva, Yuyudhāna, Dhanañjaya [Arjuna], der erhabene Sohn der Devakī [Kṛṣṇa], und die anderen, die dort waren, sowie die Frauen [stimmten dem zu].

Wort für Wort
nakulaḥ sahadevaś ca
Nakula und Sahadeva
yuyudhāno dhanañjayaḥ
Yuyudhāna, Dhanañjaya [Arjuna]
bhagavān devakīputro
der erhabene Sohn der Devakī
ye cānye yāś ca yoṣitaḥ
und die anderen, sowie die Frauen

tatrāha amarṣito bhīmas tasya śreyān vadhaḥ smṛtaḥ / na bhartur nātmanaś cārthe yo 'han suptān śiśūn vṛthā //

Doch Bhīma sprach dort, unwillig: dessen Tötung sei das Bessere für ihn, [der] weder um des Herrn noch um seiner selbst willen grundlos schlafende Kinder getötet habe.

Wort für Wort
tatrāha amarṣito bhīmas
doch Bhīma sprach dort, unwillig
tasya śreyān vadhaḥ smṛtaḥ
dessen Tötung gilt als das Bessere für ihn
na bhartur nātmanaś cārthe
weder um des Herrn noch um seiner selbst willen
yo 'han suptān śiśūn vṛthā
der grundlos schlafende Kinder getötet hat

niśamya bhīmagaditaṃ draupadyāś ca caturbhujaḥ / ālokya vadanaṃ sakhyur idam āha hasann iva //

Nachdem er Bhīmas Rede und [den Gesichtsausdruck] der Draupadī vernommen hatte, blickte der Vierarmige [Kṛṣṇa] das Gesicht seines Freundes [Arjuna] an und sprach, wie lächelnd, Folgendes.

Wort für Wort
niśamya bhīmagaditaṃ
nachdem er Bhīmas Rede vernommen hatte
draupadyāś ca caturbhujaḥ
und [den Ausdruck] der Draupadī, der Vierarmige
ālokya vadanaṃ sakhyur
das Gesicht seines Freundes anblickend
idam āha hasann iva
sprach er Folgendes, wie lächelnd

brahmabandhur na hantavya ātatāyī vadhārhaṇaḥ / mayaivobhayam āmnātaṃ paripāhy anuśāsanam //

{Śrī-Bhagavān sprach:} 'Ein Verräter-Brahmane soll nicht getötet werden, [doch] ein todeswürdiger Angreifer ist zu töten; von mir selbst wurde beides überliefert - befolge [diese] Unterweisung.'

Wort für Wort
brahmabandhur na hantavya
ein Verräter-Brahmane soll nicht getötet werden
ātatāyī vadhārhaṇaḥ
ein todeswürdiger Angreifer [ist zu töten]
mayaivobhayam āmnātaṃ
von mir selbst wurde beides überliefert
paripāhy anuśāsanam
befolge [diese] Unterweisung

kuru pratiśrutaṃ satyaṃ yat tat sāntvayatā priyām / priyaṃ ca bhīmasenasya pāñcālyā mahyam eva ca //

'Erfülle das wahrhaftige Versprechen, das du der Geliebten zum Trost gegeben hast, und zugleich den Wunsch Bhīmasenas, der Pāñcālī, und auch meinen eigenen.'

Wort für Wort
kuru pratiśrutaṃ satyaṃ
erfülle das wahrhaftige Versprechen
yat tat sāntvayatā priyām
das du der Geliebten zum Trost gegeben hast
priyaṃ ca bhīmasenasya
und den Wunsch Bhīmasenas
pāñcālyā mahyam eva ca
der Pāñcālī, und auch meinen eigenen

arjunaḥ sahasājñāya harer hārdam athāsinā / maṇiṃ jahāra mūrdhanyaṃ dvijasya sahamūrdhajam //

Arjuna, sogleich Haris Herzensmeinung erkennend, entriss mit dem Schwert dem Brahmanen den Kopfjuwel samt dem Haarschopf.

Wort für Wort
arjunaḥ sahasājñāya
Arjuna, sogleich erkennend
harer hārdam athāsinā
Haris Herzensmeinung, darauf mit dem Schwert
maṇiṃ jahāra mūrdhanyaṃ
entriss er den Kopfjuwel
dvijasya sahamūrdhajam
dem Brahmanen, samt dem Haarschopf

vimucya raśanābaddhaṃ bālahatyāhataprabham / tejasā maṇinā hīnaṃ śibirān nirayāpayat //

Ihn, den vom Strick Gebundenen, dessen Glanz durch den Kindermord getrübt war, [nun] des Juwelenglanzes beraubt, entließ er, [von den Fesseln] befreit, aus dem Lager.

Wort für Wort
vimucya raśanābaddhaṃ
ihn, den vom Strick Gebundenen, befreiend
bālahatyāhataprabham
dessen Glanz durch den Kindermord getrübt war
tejasā maṇinā hīnaṃ
des Juwelenglanzes beraubt
śibirān nirayāpayat
entließ er aus dem Lager

vapanaṃ draviṇādānaṃ sthānān niryāpaṇaṃ tathā / eṣa hi brahmabandhūnāṃ vadho nānyo 'sti daihikaḥ //

Kahlschur, Wegnahme des Besitzes, und ebenso Vertreibung vom [Wohn-]Ort - dies eben ist die 'Tötung' von Verräter-Brahmanen; eine andere, den Körper [betreffende], gibt es nicht.

Wort für Wort
vapanaṃ draviṇādānaṃ
Kahlschur, Wegnahme des Besitzes
sthānān niryāpaṇaṃ tathā
und ebenso Vertreibung vom Ort
eṣa hi brahmabandhūnāṃ vadho
dies eben ist die Tötung von Verräter-Brahmanen
nānyo 'sti daihikaḥ
eine andere, den Körper [betreffende], gibt es nicht

putraśokāturāḥ sarve pāṇḍavāḥ saha kṛṣṇayā / svānāṃ mṛtānāṃ yat kṛtyaṃ cakrur nirharaṇādikam //

Alle Pāṇḍavas, samt der Kṛṣṇā [Draupadī], vom Kummer um ihre Söhne gequält, vollzogen die für ihre Toten gebührenden Riten, die Bestattung u.a.

Wort für Wort
putraśokāturāḥ sarve
alle, vom Kummer um die Söhne gequält
pāṇḍavāḥ saha kṛṣṇayā
die Pāṇḍavas samt der Kṛṣṇā
svānāṃ mṛtānāṃ yat kṛtyaṃ
die für ihre Toten gebührenden [Riten]
cakrur nirharaṇādikam
vollzogen sie, die Bestattung u.a.

[Anm.: Kapitelschluss; die Erzählung setzt sich in Adhyāya 8 mit Kuntīs Gebeten fort.]

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