Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 162: bhagavataḥ mohinī-mūrti-avatāraḥ Der Herr inkarniert als Mohinī-Mūrti

śrī-śuka uvāca / te 'nyonyato 'surāḥ pātraṁ / harantas tyakta-sauhṛdāḥ / kṣipanto dasyu-dharmāṇa / āyāntīṁ dadṛśuḥ striyam

Śrī Śuka sprach: Jene Dämonen, die einander das Gefäß entrissen, die Freundschaft aufgegeben hatten und wie Diebe danach schnappten, sahen eine herankommende Frau.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
te
sie
anyonyataḥ
einander, gegenseitig
asurāḥ
die Dämonen
pātram
das Gefäß
harantaḥ
entreißend, raubend
tyakta-sauhṛdāḥ
die Freundschaft aufgegeben habend
kṣipantaḥ
werfend, schleudernd
dasyu-dharmāṇaḥ
nach Räuberart, wie Diebe
āyāntīm
herankommend
dadṛśuḥ
sie sahen
striyam
eine Frau

aho rūpam aho dhāma / aho asyā navaṁ vayaḥ / iti te tām abhidrutya / papracchur jāta-hṛc-chayāḥ

Ach, welche Schönheit! Ach, welcher Glanz! Ach, welch jugendliches Alter besitzt sie! So sprechend eilten sie zu ihr hin und fragten sie, ihre Herzen von Begierde erfüllt.

Wort für Wort
aho
ach, wie wunderbar
rūpam
die Schönheit/Gestalt
aho
ach
dhāma
der Glanz
aho
ach
asyāḥ
von ihr
navam
jugendliches
vayaḥ
Alter
iti
so (sprechend)
te
sie (die Dämonen)
tām
zu ihr
abhidrutya
hineilend
papracchuḥ
sie fragten
jāta-hṛc-chayāḥ
deren Herzen von Begierde erfüllt waren

kā tvaṁ kañja-palāśākṣi / kuto vā kiṁ cikīrṣasi / kasyāsi vada vāmoru / mathnatīva manāṁsi naḥ

Wer bist du, o Lotusäugige? Woher [kommst du], und was hast du vor? Wessen [Frau] bist du? Sag es, o Schönschenklige, die du unsere Sinne gleichsam aufwühlst.

Wort für Wort
kā
wer
tvam
du
kañja-palāśa-akṣi
o du mit Augen wie Lotusblütenblätter
kutaḥ
woher
vā
oder
kim
was
cikīrṣasi
willst du tun, beabsichtigst du
kasya
wessen
asi
bist du
vada
sag
vāma-ūru
o du mit schönen Schenkeln
mathnatī
aufwühlend
iva
gleichsam
manāṁsi
die Sinne, Gedanken
naḥ
unsere

na vayaṁ tvāmarair daityaiḥ / siddha-gandharva-cāraṇaiḥ / nāspṛṣṭa-pūrvāṁ jānīmo / lokeśaiś ca kuto nṛbhiḥ

Wir wissen nicht, [ob] du zuvor unberührt warst von Unsterblichen, Daityas, Siddhas, Gandharvas und Cāraṇas, noch von den Herren der Welten – geschweige denn von Menschen.

Wort für Wort
na
nicht
vayam
wir
tvā
dich
amaraiḥ
von den Unsterblichen (Göttern)
daityaiḥ
von den Daityas
siddha
von den Siddhas
gandharva
von den Gandharvas
cāraṇaiḥ
und von den Cāraṇas
na
nicht
aspṛṣṭa-pūrvām
zuvor unberührt
jānīmaḥ
wir kennen, wissen
loka-īśaiḥ
von den Herren der Welten
ca
und
kutaḥ
geschweige denn
nṛbhiḥ
von Menschen

nūnaṁ tvaṁ vidhinā subhrūḥ preṣitāsi śarīriṇām / sarvendriya-manaḥ-prītiṁ vidhātuṁ saghṛṇena kim

Gewiss bist du, o Schönbrauige, von der Vorsehung gesandt, um – aus Mitleid – die Freude aller Sinne und des Geistes der verkörperten Wesen zu bewirken, nicht wahr?

Wort für Wort
nūnam
gewiss
tvam
du
vidhinā
durch die Vorsehung, das Schicksal
su-bhrūḥ
o du mit schönen Augenbrauen
preṣitā
gesandt
asi
bist du
śarīriṇām
der verkörperten Wesen
sarva
aller
indriya
der Sinne
manaḥ
und des Geistes
prītim
die Freude, das Wohlgefallen
vidhātum
um zu bewirken
sa-ghṛṇena
aus Mitleid, Gnade
kim
nicht wahr? (Fragepartikel)

sā tvaṁ naḥ spardhamānānām / eka-vastuni mānini / jñātīnāṁ baddha-vairāṇāṁ / śaṁ vidhatsva sumadhyame

So [wie du bist], stifte du Frieden für uns, die wir wegen einer einzigen Sache miteinander streiten, o Stolze – für [uns] Verwandte, die zu Feinden geworden sind, o Schmalhüftige.

Wort für Wort
sā
so seiend
tvam
du
naḥ
von uns
spardhamānānām
die miteinander wetteifern, streiten
eka-vastuni
um eine einzige Sache
mānini
o Stolze, Würdevolle
jñātīnām
der Verwandten
baddha-vairāṇām
die Feindschaft geschlossen haben
śam
Wohlergehen, Frieden
vidhatsva
bewirke, stifte
su-madhyame
o Schmalhüftige

vayaṁ kaśyapa-dāyādā / bhrātaraḥ kṛta-pauruṣāḥ / vibhajasva yathā-nyāyaṁ / naiva bhedo yathā bhavet

Wir sind Erben Kaśyapas, Brüder, die [ihre] Tatkraft bewiesen haben. Verteile [den Nektar] gemäß dem Recht, so dass gewiss keine Uneinigkeit entstehe.

Wort für Wort
vayam
wir
kaśyapa-dāyādāḥ
Erben, Nachkommen des Kaśyapa
bhrātaraḥ
Brüder
kṛta-pauruṣāḥ
die ihre Tatkraft bewiesen haben, tüchtig
vibhajasva
verteile
yathā-nyāyam
gemäß dem Recht, der Gerechtigkeit
na
nicht
eva
gewiss
bhedaḥ
Ungleichheit, Uneinigkeit
yathā
so dass
bhavet
entstehen möge

ity upāmantrito daityair / māyā-yoṣid-vapur hariḥ / prahasya rucirāpāṅgair / nirīkṣann idam abravīt

So von den Daityas angesprochen, lächelte Hari, der die Gestalt einer durch Māyā geschaffenen Frau trug, blickte sie mit reizvollen Seitenblicken an und sprach folgendes.

Wort für Wort
iti
so, damit
upāmantritaḥ
angesprochen, gebeten
daityaiḥ
von den Daityas
māyā-yoṣit-vapuḥ
der die Gestalt einer durch Māyā geschaffenen Frau [angenommen hatte]
hariḥ
Hari (der Herr)
prahasya
lächelnd
rucira-apāṅgaiḥ
mit reizvollen Seitenblicken
nirīkṣan
blickend
idam
dies
abravīt
sprach

śrī-bhagavān uvāca / kathaṁ kaśyapa-dāyādāḥ / puṁścalyāṁ mayi saṅgatāḥ / viśvāsaṁ paṇḍito jātu / kāminīṣu na yāti hi

Der Erhabene Herr sprach: Wie kommt es, dass ihr Nachkommen Kaśyapas euch mir, einer umherschweifenden Frau, anvertraut habt? Ein Kluger fasst wahrlich niemals Vertrauen zu Frauen.

Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der Erhabene Herr sprach
katham
wie ist es, dass
kaśyapa-dāyādāḥ
ihr Nachkommen Kaśyapas
puṁścalyām
einer umherschweifenden Frau, Dirne
mayi
bei mir
saṅgatāḥ
ihr vertraut, verbunden seid
viśvāsam
Vertrauen
paṇḍitaḥ
ein Gelehrter, Kluger
jātu
jemals
kāminīṣu
zu Frauen
na
nicht
yāti
geht, gelangt
hi
wahrlich

sālāvṛkāṇāṁ strīṇāṁ ca / svairiṇīnāṁ sura-dviṣaḥ / sakhyāny āhur anityāni / nūtnaṁ nūtnaṁ vicinvatām

Die Freundschaft der Wölfe und die zügelloser Frauen, o Feinde der Götter, die immer wieder Neues suchen, nennt man unbeständig.

Wort für Wort
sālāvṛkāṇām
der Wölfe, Schakale
strīṇām
der Frauen
ca
und
svairiṇīnām
der eigenwilligen, zügellosen
sura-dviṣaḥ
o Feinde der Götter (Dämonen)
sakhyāni
Freundschaften
āhuḥ
man sagt
anityāni
unbeständig
nūtnaṁ nūtnam
stets Neues
vicinvatām
die suchen

śrī-śuka uvāca / iti te kṣvelitais tasyā / āśvasta-manaso 'surāḥ / jahasur bhāva-gambhīraṁ / daduś cāmṛta-bhājanam

Śrī Śuka sprach: Durch diese ihre scherzhaft klingenden Worte beruhigt, lachten die Dämonen über das, was in Wahrheit ernst gemeint war, und übergaben ihr das Nektargefäß.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
iti
so
te
sie
kṣvelitaiḥ
durch die scherzhaften Worte
tasyāḥ
von ihr
āśvasta-manasaḥ
deren Geist beruhigt, zuversichtlich wurde
asurāḥ
die Dämonen
jahasuḥ
sie lachten
bhāva-gambhīram
[obwohl es] ernst gemeint war
daduḥ
sie gaben
ca
und
amṛta-bhājanam
das Nektargefäß

tato gṛhītvāmṛta-bhājanaṁ harir / babhāṣa īṣat-smita-śobhayā girā / yady abhyupetaṁ kva ca sādhv asādhu vā / kṛtaṁ mayā vo vibhaje sudhām imām

Daraufhin ergriff Hari das Nektargefäß und sprach, den Glanz eines leichten Lächelns im Gesicht, mit seiner Stimme: Wenn ihr zustimmt, dass, was auch immer ich tue – ob recht oder unrecht – von euch akzeptiert wird, dann werde ich diesen Nektar unter euch verteilen.

Wort für Wort
tataḥ
daraufhin
gṛhītvā
nachdem sie ergriffen hatte
amṛta-bhājanam
das Nektargefäß
hariḥ
Hari
babhāṣa
sprach
īṣat-smita-śobhayā
mit dem Glanz eines leichten Lächelns
girā
mit ihrer Stimme
yadi
wenn
abhyupetam
von euch zugestanden, akzeptiert
kva ca
irgendwie, was auch immer
sādhu
recht, gut
asādhu
unrecht, schlecht
vā
oder
kṛtam
getan
mayā
von mir
vaḥ
euch
vibhaje
ich werde verteilen
sudhām
den Nektar
imām
diesen

ity abhivyāhṛtaṁ tasyā / ākarṇyāsura-puṅgavāḥ / apramāṇa-vidas tasyās / tat tathety anvamaṁsata

Als die Anführer der Dämonen, die die Tragweite ihrer Worte nicht erkannten, diese von ihr gesprochenen Worte gehört hatten, stimmten sie mit 'So sei es' zu.

Wort für Wort
iti
so
abhivyāhṛtam
die ausgesprochenen Worte
tasyāḥ
von ihr
ākarṇya
nachdem sie gehört hatten
asura-puṅgavāḥ
die Anführer der Dämonen
apramāṇa-vidaḥ
die das wahre Maß, die Tragweite nicht kannten
tasyāḥ
von ihr
tat
jenes
tathā
so sei es
iti
[mit den Worten] 'so'
anvamaṁsata
sie stimmten zu

athopoṣya kṛta-snānā / hutvā ca haviṣānalam / dattvā go-vipra-bhūtebhyaḥ / kṛta-svastyayanā dvijaiḥ // yathopojoṣaṁ vāsāṁsi / paridhāyāhatāni te / kuśeṣu prāviśan sarve / prāg-agreṣv abhibhūṣitāḥ

Daraufhin fasteten sie, badeten, opferten geklärte Butter ins Feuer, spendeten Kühen, Brahmanen und allen anderen Lebewesen und vollzogen, von den Brahmanen angeleitet, die Segenszeremonien. Nach eigenem Belieben legten sie neue, ungetragene Gewänder an, und alle, geschmückt, setzten sich, nach Osten gewandt, auf Sitze aus Kuśa-Gras.

Wort für Wort
atha
daraufhin
upoṣya
nachdem sie gefastet hatten
kṛta-snānāḥ
die gebadet hatten
hutvā
nachdem sie geopfert hatten
ca
und
haviṣā
mit geklärter Butter
analam
in das Feuer
dattvā
nachdem sie gespendet hatten
go-vipra-bhūtebhyaḥ
den Kühen, Brahmanen und allen Lebewesen
kṛta-svastyayanāḥ
die die Segenszeremonien vollzogen hatten
dvijaiḥ
durch die Brahmanen, nach deren Anweisung
yathā-upajoṣam
nach eigenem Belieben, Geschmack
vāsāṁsi
Gewänder
paridhāya
nachdem sie angelegt hatten
āhatāni
neue, ungetragene
te
sie
kuśeṣu
auf Sitzen aus Kuśa-Gras
prāviśan
sie setzten sich, traten ein
sarve
alle
prāk-agreṣu
mit der Spitze nach Osten gewandt
abhibhūṣitāḥ
geschmückt

prāṅ-mukheṣūpaviṣṭeṣu / sureṣu ditijeṣu ca / dhūpāmodita-śālāyāṁ / juṣṭāyāṁ mālya-dīpakaiḥ // tasyāṁ narendra karabhorur uśad-dukūla- / śroṇī-taṭālasa-gatir mada-vihvalākṣī / sā kūjatī kanaka-nūpura-śiñjitena / kumbha-stanī kalasa-pāṇir athāviveśa

Während die Götter und die Söhne Ditis, nach Osten gewandt, in der Halle saßen, die vom Duft des Räucherwerks erfüllt und mit Blumengirlanden und Lampen geschmückt war – da, o Herrscher der Menschen, trat sie in diese Halle ein: mit Schenkeln wie Elefantenrüssel, in schönes feines Gewand gekleidet, wegen ihrer Hüften trägen Gangs, mit vor Rausch unsteten Augen, ihre Schritte vom Klirren goldener Fußreifen begleitet, mit Brüsten wie Wasserkrüge, einen Krug in der Hand haltend.

Wort für Wort
prāk-mukheṣu
nach Osten gewandt
upaviṣṭeṣu
während sie saßen
sureṣu
die Götter
diti-jeṣu
die Söhne Ditis (die Dämonen)
ca
und
dhūpa-āmodita-śālāyām
in der Halle, die vom Duft des Räucherwerks erfüllt war
juṣṭāyām
geschmückt, versehen
mālya-dīpakaiḥ
mit Blumengirlanden und Lampen
tasyām
in dieser Halle
nara-indra
o Herrscher der Menschen
karabha-ūruḥ
deren Schenkel wie Elefantenrüssel geformt waren
uśat-dukūla
mit schönem feinem Gewand bekleidet
śroṇī-taṭa-alasa-gatiḥ
deren Gang wegen der Hüften träge war
mada-vihvala-akṣī
deren Augen vor Rausch unstet waren
sā
sie
kūjatī
leise klingend, tönend
kanaka-nūpura-śiñjitena
durch das Klirren goldener Fußreifen
kumbha-stanī
deren Brüste wie Wasserkrüge geformt waren
kalasa-pāṇiḥ
einen Krug in der Hand haltend
atha
daraufhin
āviveśa
sie trat ein

tāṁ śrī-sakhīṁ kanaka-kuṇḍala-cāru-karṇa- / nāsā-kapola-vadanāṁ para-devatākhyām / saṁvīkṣya sammumuhur utsmita-vīkṣaṇena / devāsurā vigalita-stana-paṭṭikāntām

Als die Götter und Dämonen sie erblickten – gleichsam eine Gefährtin der Göttin Śrī, mit goldenen Ohrringen, schönen Ohren, Nase, Wangen und Gesicht, genannt die höchste Gottheit, ihr Brusttuch leicht herabgeglitten –, wurden sie durch ihren leicht lächelnden Blick bezaubert.

Wort für Wort
tām
sie
śrī-sakhīm
eine Gefährtin der Göttin Śrī
kanaka-kuṇḍala
mit goldenen Ohrringen
cāru
schön
karṇa-nāsā-kapola-vadanām
deren Ohren, Nase, Wangen und Gesicht [schön waren]
para-devatā-ākhyām
genannt die höchste Gottheit
saṁvīkṣya
nachdem sie erblickt hatten
sammumuhuḥ
sie wurden bezaubert, betört
utsmita-vīkṣaṇena
durch ihren leicht lächelnden Blick
deva-asurāḥ
die Götter und Dämonen
vigalita-stana-paṭṭikā-antām
deren Brusttuchsaum leicht herabgeglitten war

asurāṇāṁ sudhā-dānaṁ / sarpāṇām iva durnayam / matvā jāti-nṛśaṁsānāṁ / na tāṁ vyabhajad acyutaḥ

Da er die Gabe des Nektars an die Dämonen, die von Natur aus bösartig sind, für ebenso unklug erachtete wie die Gabe von Milch an Schlangen, teilte der Unfehlbare ihnen jenen Nektar nicht zu.

Wort für Wort
asurāṇām
den Dämonen
sudhā-dānam
die Gabe des Nektars
sarpāṇām
den Schlangen
iva
wie
durnayam
eine falsche Politik, Torheit
matvā
für erachtend
jāti-nṛśaṁsānām
die von Natur aus grausam, bösartig sind
na
nicht
tām
jenen [Nektar]
vyabhajat
er teilte zu
acyutaḥ
der Unfehlbare

kalpayitvā pṛthak paṅktīr / ubhayeṣāṁ jagat-patiḥ / tāṁś copaveśayām āsa / sveṣu sveṣu ca paṅktiṣu

Nachdem der Herr des Universums für beide Gruppen getrennte Sitzreihen eingerichtet hatte, ließ er sie an ihren jeweils eigenen Plätzen Platz nehmen.

Wort für Wort
kalpayitvā
nachdem er eingerichtet hatte
pṛthak
getrennte
paṅktīḥ
Reihen
ubhayeṣām
für beide Gruppen
jagat-patiḥ
der Herr des Universums
tān
sie
ca
und
upaveśayām āsa
ließ sich setzen
sveṣu sveṣu
an ihren jeweils eigenen
ca
und
paṅktiṣu
Reihen, Plätzen

daityān gṛhīta-kalaso / vañcayann upasañcaraiḥ / dūra-sthān pāyayām āsa / jarā-mṛtyu-harāṁ sudhām

Den Krug in Händen haltend, täuschte er die Daityas mit einschmeichelnden Worten und ließ die entfernt sitzenden Götter den Nektar trinken, der Alter und Tod hinwegnimmt.

Wort für Wort
daityān
die Daityas
gṛhīta-kalasaḥ
den Krug haltend
vañcayan
täuschend, betrügend
upasañcaraiḥ
mit einschmeichelnden Worten, Zuwendungen
dūra-sthān
die entfernt sitzenden Götter
pāyayām āsa
er ließ trinken
jarā-mṛtyu-harām
die Alter und Tod hinwegnimmt
sudhām
den Nektar

te pālayantaḥ samayam / asurāḥ sva-kṛtaṁ nṛpa / tūṣṇīm āsan kṛta-snehāḥ / strī-vivāda-jugupsayā

O König, die Dämonen, ihre eigene Abmachung einhaltend, die sie selbst getroffen hatten, und Zuneigung zu ihr gefasst habend, blieben aus Abscheu vor einem Streit mit einer Frau schweigend.

Wort für Wort
te
sie
pālayantaḥ
ihr eigenes Versprechen einhaltend
samayam
die Abmachung
asurāḥ
die Dämonen
sva-kṛtam
von ihnen selbst gemacht
nṛpa
o König
tūṣṇīm
schweigend
āsan
sie blieben
kṛta-snehāḥ
die Zuneigung gefasst hatten
strī-vivāda-jugupsayā
aus Abscheu vor einem Streit mit einer Frau

tasyāṁ kṛtātipraṇayāḥ / praṇayāpāya-kātarāḥ / bahu-mānena cābaddhā / nocuḥ kiñcana vipriyam

Da sie überaus starke Zuneigung zu ihr gefasst hatten und den Verlust dieser Zuneigung fürchteten, und durch große Ehrerbietung an sie gebunden waren, sagten sie nichts, was ihr missfallen hätte.

Wort für Wort
tasyām
zu ihr
kṛta-ati-praṇayāḥ
die überaus starke Zuneigung gefasst hatten
praṇaya-apāya-kātarāḥ
die den Verlust der Zuneigung fürchteten
bahu-mānena
durch große Ehrerbietung
ca
und
ābaddhāḥ
gebunden
na
nicht
ūcuḥ
sie sagten
kiñcana
irgendetwas
vipriyam
Unangenehmes, Missfälliges

deva-liṅga-praticchannaḥ / svarbhānur deva-saṁsadi / praviṣṭaḥ somam apibac / candrārkābhyāṁ ca sūcitaḥ

In die Gestalt eines Gottes verhüllt, trat Svarbhānu in die Versammlung der Götter ein und trank den Soma, wurde jedoch durch Mond und Sonne verraten.

Wort für Wort
deva-liṅga-praticchannaḥ
in die Gestalt eines Gottes verhüllt, verkleidet
svarbhānuḥ
Svarbhānu (Rāhu)
deva-saṁsadi
in die Versammlung der Götter
praviṣṭaḥ
eingetreten
somam
den Soma(-Nektar)
apibat
er trank
candra-arkābhyām
durch Mond und Sonne
ca
und
sūcitaḥ
angezeigt, verraten, entdeckt

cakreṇa kṣura-dhāreṇa / jahāra pibataḥ śiraḥ / haris tasya kabandhas tu / sudhayāplāvito 'patat

Mit der Scheibe, deren Schneide scharf wie ein Rasiermesser war, schlug Hari ihm, während er trank, den Kopf ab; sein kopfloser Rumpf aber, vom Nektar nicht benetzt, fiel tot nieder.

Wort für Wort
cakreṇa
mit der Scheibe
kṣura-dhāreṇa
deren Schneide scharf wie ein Rasiermesser war
jahāra
er schlug ab
pibataḥ
während er trank
śiraḥ
den Kopf
hariḥ
Hari
tasya
sein
kabandhaḥ
der kopflose Rumpf
tu
aber
sudhayā
vom Nektar
aplāvitaḥ
unberührt, nicht benetzt
apatat
er fiel tot nieder

śiras tv amaratāṁ nītam / ajo graham acīkḷpat / yas tu parvaṇi candrārkāv / abhidhāvati vaira-dhīḥ

Der Kopf aber, zur Unsterblichkeit gelangt, wurde von Brahmā zu einem Planeten bestimmt – eben jenem, der, von Feindseligkeit erfüllt, an den Neu- und Vollmond-Tagen Mond und Sonne angreift.

Wort für Wort
śiraḥ
der Kopf
tu
aber
amaratām
zur Unsterblichkeit
nītam
gebracht, gelangt
ajaḥ
der Ungeborene (Brahmā)
graham
zu einem Planeten
acīkḷpat
er machte, bestimmte
yaḥ
der
tu
aber
parvaṇi
an den Voll- und Neumond-Tagen
candra-arkau
Mond und Sonne
abhidhāvati
er stürzt sich an, greift an
vaira-dhīḥ
von feindseligem Sinn

pīta-prāye 'mṛte devair / bhagavān loka-bhāvanaḥ / paśyatām asurendrāṇāṁ / svaṁ rūpaṁ jagṛhe hariḥ

Als der Nektar von den Göttern fast ausgetrunken war, nahm der Erhabene Hari, der Wohltäter der Welten, vor den Augen der Anführer der Dämonen seine eigene Gestalt wieder an.

Wort für Wort
pīta-prāye
als er fast ausgetrunken war
amṛte
der Nektar
devaiḥ
von den Göttern
bhagavān
der Erhabene
loka-bhāvanaḥ
der Erhalter, Wohltäter der Welten
paśyatām
vor den Augen
asura-indrāṇām
der Anführer der Dämonen
svam
seine eigene
rūpam
Gestalt
jagṛhe
er nahm an
hariḥ
Hari

evaṁ surāsura-gaṇāḥ sama-deśa-kāla- / hetv-artha-karma-matayo 'pi phale vikalpāḥ / tatrāmṛtaṁ sura-gaṇāḥ phalam añjasāpur / yat-pāda-paṅkaja-rajaḥ-śrayaṇān na daityāḥ

So waren die Scharen der Götter und Dämonen, obwohl Ort, Zeit, Ursache, Ziel, Tätigkeit und Absicht ihnen gleich waren, im Ergebnis dennoch verschieden: dabei erlangten die Scharen der Götter mühelos den Nektar als Ergebnis, weil sie beim Staub der Lotosfüße des Herrn Zuflucht genommen hatten – die Daityas aber nicht.

Wort für Wort
evam
so
sura-asura-gaṇāḥ
die Scharen der Götter und Dämonen
sama-deśa-kāla
obwohl Ort und Zeit gleich waren
hetu-artha-karma-matayaḥ
obwohl Ursache, Ziel, Tätigkeit und Absicht gleich waren
api
obgleich, dennoch
phale
im Ergebnis
vikalpāḥ
verschieden, uneinheitlich
tatra
dabei
amṛtam
den Nektar
sura-gaṇāḥ
die Scharen der Götter
phalam
das Ergebnis
añjasā
mühelos, unmittelbar
āpuḥ
sie erlangten
yat
weil
pāda-paṅkaja-rajaḥ
des Staubs der Lotosfüße
śrayaṇāt
wegen der Zuflucht bei
na
nicht
daityāḥ
die Daityas

yad yujyate 'su-vasu-karma-mano-vacobhir / dehātmajādiṣu nṛbhis tad asat pṛthaktvāt / tair eva sad bhavati yat kriyate 'pṛthaktvāt / sarvasya tad bhavati mūla-niṣecanaṁ yat

Was von den Menschen durch Lebenskraft, Besitz, Tat, Denken und Wort für Körper, Angehörige und dergleichen unternommen wird, das ist, weil vom Herrn getrennt, vergänglich; durch dieselben Mittel aber wird das, was in Verbundenheit mit ihm getan wird, wirklich beständig und kommt allen zugute – so wie Wasser, das die Wurzel eines Baumes bewässert, dem ganzen Baum zugutekommt.

Wort für Wort
yat
was
yujyate
vollbracht wird, unternommen wird
asu-vasu-karma-manaḥ-vacobhiḥ
durch Lebenskraft, Besitz, Tat, Denken und Wort
deha-ātma-ja-ādiṣu
für Körper, Angehörige und dergleichen
nṛbhiḥ
von den Menschen
tat
das
asat
unwirklich, vergänglich
pṛthaktvāt
wegen der Trennung [vom Herrn]
taiḥ
durch dieselben Mittel
eva
gewiss, gerade
sat
wirklich, beständig
bhavati
es wird
yat
was
kriyate
getan wird
apṛthaktvāt
wegen der Nicht-Trennung, Verbundenheit
sarvasya
für alle
tat
das
bhavati
es wird zum Nutzen
mūla-niṣecanam
die Bewässerung der Wurzel
yat
wie

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