Śrī Śuka sprach: Jene Dämonen, die einander das Gefäß entrissen, die Freundschaft aufgegeben hatten und wie Diebe danach schnappten, sahen eine herankommende Frau.
aho rūpam aho dhāma / aho asyā navaṁ vayaḥ / iti te tām abhidrutya / papracchur jāta-hṛc-chayāḥ
Ach, welche Schönheit! Ach, welcher Glanz! Ach, welch jugendliches Alter besitzt sie! So sprechend eilten sie zu ihr hin und fragten sie, ihre Herzen von Begierde erfüllt.
kā tvaṁ kañja-palāśākṣi / kuto vā kiṁ cikīrṣasi / kasyāsi vada vāmoru / mathnatīva manāṁsi naḥ
Wer bist du, o Lotusäugige? Woher [kommst du], und was hast du vor? Wessen [Frau] bist du? Sag es, o Schönschenklige, die du unsere Sinne gleichsam aufwühlst.
na vayaṁ tvāmarair daityaiḥ / siddha-gandharva-cāraṇaiḥ / nāspṛṣṭa-pūrvāṁ jānīmo / lokeśaiś ca kuto nṛbhiḥ
Wir wissen nicht, [ob] du zuvor unberührt warst von Unsterblichen, Daityas, Siddhas, Gandharvas und Cāraṇas, noch von den Herren der Welten – geschweige denn von Menschen.
Gewiss bist du, o Schönbrauige, von der Vorsehung gesandt, um – aus Mitleid – die Freude aller Sinne und des Geistes der verkörperten Wesen zu bewirken, nicht wahr?
So [wie du bist], stifte du Frieden für uns, die wir wegen einer einzigen Sache miteinander streiten, o Stolze – für [uns] Verwandte, die zu Feinden geworden sind, o Schmalhüftige.
So von den Daityas angesprochen, lächelte Hari, der die Gestalt einer durch Māyā geschaffenen Frau trug, blickte sie mit reizvollen Seitenblicken an und sprach folgendes.
Wort für Wort
iti
so, damit
upāmantritaḥ
angesprochen, gebeten
daityaiḥ
von den Daityas
māyā-yoṣit-vapuḥ
der die Gestalt einer durch Māyā geschaffenen Frau [angenommen hatte]
śrī-bhagavān uvāca / kathaṁ kaśyapa-dāyādāḥ / puṁścalyāṁ mayi saṅgatāḥ / viśvāsaṁ paṇḍito jātu / kāminīṣu na yāti hi
Der Erhabene Herr sprach: Wie kommt es, dass ihr Nachkommen Kaśyapas euch mir, einer umherschweifenden Frau, anvertraut habt? Ein Kluger fasst wahrlich niemals Vertrauen zu Frauen.
Śrī Śuka sprach: Durch diese ihre scherzhaft klingenden Worte beruhigt, lachten die Dämonen über das, was in Wahrheit ernst gemeint war, und übergaben ihr das Nektargefäß.
tato gṛhītvāmṛta-bhājanaṁ harir / babhāṣa īṣat-smita-śobhayā girā / yady abhyupetaṁ kva ca sādhv asādhu vā / kṛtaṁ mayā vo vibhaje sudhām imām
Daraufhin ergriff Hari das Nektargefäß und sprach, den Glanz eines leichten Lächelns im Gesicht, mit seiner Stimme: Wenn ihr zustimmt, dass, was auch immer ich tue – ob recht oder unrecht – von euch akzeptiert wird, dann werde ich diesen Nektar unter euch verteilen.
Als die Anführer der Dämonen, die die Tragweite ihrer Worte nicht erkannten, diese von ihr gesprochenen Worte gehört hatten, stimmten sie mit 'So sei es' zu.
Daraufhin fasteten sie, badeten, opferten geklärte Butter ins Feuer, spendeten Kühen, Brahmanen und allen anderen Lebewesen und vollzogen, von den Brahmanen angeleitet, die Segenszeremonien. Nach eigenem Belieben legten sie neue, ungetragene Gewänder an, und alle, geschmückt, setzten sich, nach Osten gewandt, auf Sitze aus Kuśa-Gras.
Während die Götter und die Söhne Ditis, nach Osten gewandt, in der Halle saßen, die vom Duft des Räucherwerks erfüllt und mit Blumengirlanden und Lampen geschmückt war – da, o Herrscher der Menschen, trat sie in diese Halle ein: mit Schenkeln wie Elefantenrüssel, in schönes feines Gewand gekleidet, wegen ihrer Hüften trägen Gangs, mit vor Rausch unsteten Augen, ihre Schritte vom Klirren goldener Fußreifen begleitet, mit Brüsten wie Wasserkrüge, einen Krug in der Hand haltend.
Wort für Wort
prāk-mukheṣu
nach Osten gewandt
upaviṣṭeṣu
während sie saßen
sureṣu
die Götter
diti-jeṣu
die Söhne Ditis (die Dämonen)
ca
und
dhūpa-āmodita-śālāyām
in der Halle, die vom Duft des Räucherwerks erfüllt war
Als die Götter und Dämonen sie erblickten – gleichsam eine Gefährtin der Göttin Śrī, mit goldenen Ohrringen, schönen Ohren, Nase, Wangen und Gesicht, genannt die höchste Gottheit, ihr Brusttuch leicht herabgeglitten –, wurden sie durch ihren leicht lächelnden Blick bezaubert.
Wort für Wort
tām
sie
śrī-sakhīm
eine Gefährtin der Göttin Śrī
kanaka-kuṇḍala
mit goldenen Ohrringen
cāru
schön
karṇa-nāsā-kapola-vadanām
deren Ohren, Nase, Wangen und Gesicht [schön waren]
Da er die Gabe des Nektars an die Dämonen, die von Natur aus bösartig sind, für ebenso unklug erachtete wie die Gabe von Milch an Schlangen, teilte der Unfehlbare ihnen jenen Nektar nicht zu.
Den Krug in Händen haltend, täuschte er die Daityas mit einschmeichelnden Worten und ließ die entfernt sitzenden Götter den Nektar trinken, der Alter und Tod hinwegnimmt.
O König, die Dämonen, ihre eigene Abmachung einhaltend, die sie selbst getroffen hatten, und Zuneigung zu ihr gefasst habend, blieben aus Abscheu vor einem Streit mit einer Frau schweigend.
Da sie überaus starke Zuneigung zu ihr gefasst hatten und den Verlust dieser Zuneigung fürchteten, und durch große Ehrerbietung an sie gebunden waren, sagten sie nichts, was ihr missfallen hätte.
cakreṇa kṣura-dhāreṇa / jahāra pibataḥ śiraḥ / haris tasya kabandhas tu / sudhayāplāvito 'patat
Mit der Scheibe, deren Schneide scharf wie ein Rasiermesser war, schlug Hari ihm, während er trank, den Kopf ab; sein kopfloser Rumpf aber, vom Nektar nicht benetzt, fiel tot nieder.
śiras tv amaratāṁ nītam / ajo graham acīkḷpat / yas tu parvaṇi candrārkāv / abhidhāvati vaira-dhīḥ
Der Kopf aber, zur Unsterblichkeit gelangt, wurde von Brahmā zu einem Planeten bestimmt – eben jenem, der, von Feindseligkeit erfüllt, an den Neu- und Vollmond-Tagen Mond und Sonne angreift.
Als der Nektar von den Göttern fast ausgetrunken war, nahm der Erhabene Hari, der Wohltäter der Welten, vor den Augen der Anführer der Dämonen seine eigene Gestalt wieder an.
So waren die Scharen der Götter und Dämonen, obwohl Ort, Zeit, Ursache, Ziel, Tätigkeit und Absicht ihnen gleich waren, im Ergebnis dennoch verschieden: dabei erlangten die Scharen der Götter mühelos den Nektar als Ergebnis, weil sie beim Staub der Lotosfüße des Herrn Zuflucht genommen hatten – die Daityas aber nicht.
Wort für Wort
evam
so
sura-asura-gaṇāḥ
die Scharen der Götter und Dämonen
sama-deśa-kāla
obwohl Ort und Zeit gleich waren
hetu-artha-karma-matayaḥ
obwohl Ursache, Ziel, Tätigkeit und Absicht gleich waren
yad yujyate 'su-vasu-karma-mano-vacobhir / dehātmajādiṣu nṛbhis tad asat pṛthaktvāt / tair eva sad bhavati yat kriyate 'pṛthaktvāt / sarvasya tad bhavati mūla-niṣecanaṁ yat
Was von den Menschen durch Lebenskraft, Besitz, Tat, Denken und Wort für Körper, Angehörige und dergleichen unternommen wird, das ist, weil vom Herrn getrennt, vergänglich; durch dieselben Mittel aber wird das, was in Verbundenheit mit ihm getan wird, wirklich beständig und kommt allen zugute – so wie Wasser, das die Wurzel eines Baumes bewässert, dem ganzen Baum zugutekommt.