Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 60: jīva-gati-nirūpaṇam Die Bestimmung der Wege des Lebewesens

śrī-bhagavān uvāca karmaṇā daiva-netreṇa jantur dehopapattaye striyāḥ praviṣṭa udaraṁ puṁso retaḥ-kaṇāśrayaḥ

Der erhabene Herr sprach: Getrieben von seinem karma, unter der Lenkung des Schicksals, tritt das Lebewesen, um einen Körper zu erlangen, in den Schoß der Frau ein, geborgen in einem Tröpfchen des männlichen Samens.

Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der erhabene Herr sprach
karmaṇā
durch (die Frucht der) Taten
daiva-netreṇa
unter der Führung des Schicksals
jantuḥ
das Lebewesen
deha-upapattaye
um einen Körper zu erlangen
striyāḥ
der Frau
praviṣṭaḥ udaram
in den Schoß eingetreten
puṁsaḥ retaḥ-kaṇa-āśrayaḥ
geborgen in einem Samentröpfchen des Mannes

kalalaṁ tv eka-rātreṇa pañca-rātreṇa budbudam daśāhena tu karkandhūḥ peśy aṇḍaṁ vā tataḥ param

In der ersten Nacht wird er zu kalala, in fünf Nächten zu einer Blase, in zehn Tagen einer Brustbeere gleich, danach zu einem Fleischklumpen oder Ei, und weiter fort.

Wort für Wort
kalalam tu
die Keimmischung (kalala) aber
eka-rātreṇa
in einer Nacht
pañca-rātreṇa budbudam
in fünf Nächten eine Blase
daśa-ahena tu
in zehn Tagen aber
karkandhūḥ
(wie) eine Brustbeere
peśī aṇḍam vā
ein Fleischklumpen oder Ei
tataḥ param
danach weiter

māsena tu śiro dvābhyāṁ bāhv-aṅghry-ādy-aṅga-vigrahaḥ nakha-lomāsthi-carmāṇi liṅga-cchidrodbhavas tribhiḥ

In einem Monat entsteht der Kopf, in zwei Monaten die Gestalt der Glieder wie Arme und Füße; Nägel, Körperhaar, Knochen und Haut sowie Geschlechtsorgan und Körperöffnungen entstehen in drei Monaten.

Wort für Wort
māsena tu śiraḥ
in einem Monat aber der Kopf
dvābhyām bāhu-aṅghri-ādi-aṅga-vigrahaḥ
in zwei Monaten die Gestalt der Glieder wie Arme, Füße usw.
nakha-loma-asthi-carmāṇi
Nägel, Körperhaar, Knochen und Haut
liṅga-chidra-udbhavaḥ tribhiḥ
Entstehen von Geschlechtsteil und Öffnungen in drei Monaten

caturbhir dhātavaḥ sapta pañcabhiḥ kṣut-tṛḍ-udbhavaḥ ṣaḍbhir jarāyuṇā vītaḥ kukṣau bhrāmyati dakṣiṇe

In vier Monaten die sieben Grundgewebe, in fünf Monaten das Aufkommen von Hunger und Durst; in sechs Monaten, von der Fruchthülle umhüllt, bewegt er sich im Bauch auf der rechten Seite.

Wort für Wort
caturbhiḥ dhātavaḥ sapta
in vier Monaten die sieben Grundgewebe
pañcabhiḥ kṣut-tṛṭ-udbhavaḥ
in fünf Monaten das Aufkommen von Hunger und Durst
ṣaḍbhiḥ jarāyuṇā vītaḥ
in sechs Monaten von der Fruchthülle umhüllt
kukṣau bhrāmyati dakṣiṇe
bewegt er sich im Bauch auf der rechten Seite

mātur jagdhānna-pānādyair edhad-dhātur asammate śete viṇ-mūtrayor garte sa jantur jantu-sambhave

Durch die von der Mutter gegessene Speise und Trank und Ähnliches an Substanz zunehmend, liegt jenes Lebewesen an einem abscheulichen Ort, in der Grube von Kot und Urin, der Brutstätte der Würmer.

Wort für Wort
mātuḥ jagdha-anna-pāna-ādyaiḥ
durch die von der Mutter gegessene Speise, Trank u.a.
edhat-dhātuḥ
an Substanz zunehmend
asammate
an unwürdigem Ort
śete
liegt
viṭ-mūtrayoḥ garte
in der Grube von Kot und Urin
saḥ jantuḥ jantu-sambhave
jenes Lebewesen an der Brutstätte der Würmer

kṛmibhiḥ kṣata-sarvāṅgaḥ saukumāryāt pratikṣaṇam mūrcchām āpnoty uru-kleśas tatratyaiḥ kṣudhitair muhuḥ

Von Würmern an allen Gliedern zerbissen, verfällt er wegen seiner Zartheit Augenblick für Augenblick in Ohnmacht, von großem Leid geplagt, immer wieder durch die dort hausenden hungrigen Würmer.

Wort für Wort
kṛmibhiḥ kṣata-sarva-aṅgaḥ
von Würmern an allen Gliedern verletzt
saukumāryāt prati-kṣaṇam
wegen seiner Zartheit Augenblick für Augenblick
mūrcchām āpnoti
verfällt er in Ohnmacht
uru-kleśaḥ
von großem Leid geplagt
tatratyaiḥ kṣudhitaiḥ muhuḥ
durch die dort befindlichen Hungrigen wieder und wieder

kaṭu-tīkṣṇoṣṇa-lavaṇa- rūkṣāmlādibhir ulbaṇaiḥ mātṛ-bhuktair upaspṛṣṭaḥ sarvāṅgotthita-vedanaḥ

Berührt von den von der Mutter im Übermaß gegessenen Speisen, die bitter, scharf, heiß, salzig, austrocknend, sauer und dergleichen sind, entsteht ihm Schmerz in allen Gliedern.

Wort für Wort
kaṭu-tīkṣṇa-uṣṇa-lavaṇa-rūkṣa-amla-ādibhiḥ
durch bittere, scharfe, heiße, salzige, austrocknende, saure u.a. Speisen
ulbaṇaiḥ mātṛ-bhuktaiḥ
die von der Mutter im Übermaß gegessen wurden
upaspṛṣṭaḥ
berührt
sarva-aṅga-utthita-vedanaḥ
mit an allen Gliedern entstandenem Schmerz

ulbena saṁvṛtas tasminn antraiś ca bahir āvṛtaḥ āste kṛtvā śiraḥ kukṣau bhugna-pṛṣṭha-śirodharaḥ

Von der Fruchthaut umhüllt und von außen von den Eingeweiden umgeben, verweilt er dort, das Haupt zum Bauch gewandt, Rücken und Nacken gekrümmt.

Wort für Wort
ulbena saṁvṛtaḥ tasmin
dort von der Fruchthaut umhüllt
antraiḥ ca bahiḥ āvṛtaḥ
und von außen von den Eingeweiden umgeben
āste kṛtvā śiraḥ kukṣau
verweilt, das Haupt zum Bauch gewandt
bhugna-pṛṣṭha-śirodharaḥ
mit gekrümmtem Rücken und Nacken

akalpaḥ svāṅga-ceṣṭāyāṁ śakunta iva pañjare tatra labdha-smṛtir daivāt karma janma-śatodbhavam smaran dīrgham anucchvāsaṁ śarma kiṁ nāma vindate

Unfähig, seine eigenen Glieder zu bewegen, wie ein Vogel im Käfig, dort das Erinnern durch Fügung wiedererlangend, sich an die in hundert früheren Geburten vollbrachten Taten erinnernd, lange seufzend – welchen Frieden könnte er da wohl finden?

Wort für Wort
akalpaḥ sva-aṅga-ceṣṭāyām
unfähig, die eigenen Glieder zu bewegen
śakuntaḥ iva pañjare
wie ein Vogel im Käfig
tatra labdha-smṛtiḥ daivāt
dort, durch Fügung die Erinnerung wiedererlangend
karma janma-śata-udbhavam smaran
sich der in hundert Geburten entstandenen Taten erinnernd
dīrgham anucchvāsam
lange seufzend
śarma kim nāma vindate
welchen Frieden könnte er wohl finden

ārabhya saptamān māsāl labdha-bodho 'pi vepitaḥ naikatrāste sūti-vātair viṣṭhā-bhūr iva sodaraḥ

Vom siebten Monat an, obwohl er Bewusstsein erlangt hat, wird er durchgeschüttelt; er bleibt nicht an einem Ort, durch die Geburtswinde, gleich einem im selben Mutterschoß geborenen Unratwurm.

Wort für Wort
ārabhya saptamāt māsāt
vom siebten Monat an
labdha-bodhaḥ api
obwohl er Bewusstsein erlangt hat
vepitaḥ
durchgeschüttelt
na ekatra āste
bleibt nicht an einem Ort
sūti-vātaiḥ
durch die Geburtswinde
viṣṭhā-bhūḥ iva sa-udaraḥ
wie ein im selben Mutterschoß geborener Unratwurm

nāthamāna ṛṣir bhītaḥ sapta-vadhriḥ kṛtāñjaliḥ stuvīta taṁ viklavayā vācā yenodare 'rpitaḥ

Flehend, erschrocken, von sieben Hüllen gebunden, mit gefalteten Händen, möge der Seher Ihn preisen mit stockender Stimme, durch den er in den Schoß gesetzt wurde.

Wort für Wort
nāthamānaḥ ṛṣiḥ bhītaḥ
der flehende, erschrockene Seher
sapta-vadhriḥ kṛta-añjaliḥ
von sieben Hüllen gebunden, mit gefalteten Händen
stuvīta tam
möge er Ihn preisen
viklavayā vācā
mit stockender Stimme
yena udare arpitaḥ
durch den er in den Schoß gesetzt wurde

jantur uvāca tasyopasannam avituṁ jagad icchayātta-nānā-tanor bhuvi calac-caraṇāravindam so 'haṁ vrajāmi śaraṇaṁ hy akuto-bhayaṁ me yenedṛśī gatir adarśy asato 'nurūpā

Das Lebewesen sprach: Zu Ihm, der genaht ist, um das Universum zu schützen, der nach eigenem Willen verschiedene Gestalten annimmt, dessen Lotosfüße auf Erden wandeln – zu Ihm gehe ich als Zuflucht, die wahrlich alle Furcht nimmt, durch den mir ein solcher Zustand offenbart wurde, wie er dem Unwürdigen entspricht.

Wort für Wort
jantuḥ uvāca
das Lebewesen sprach
tasya upasannam avitum jagat
zu Ihm, der genaht ist, um das Universum zu schützen
icchayā ātta-nānā-tanoḥ
der nach eigenem Willen verschiedene Gestalten annimmt
bhuvi calat-caraṇa-aravindam
dessen Lotosfüße auf Erden wandeln
saḥ aham vrajāmi śaraṇam
zu Ihm gehe ich als Zuflucht
hi akuto-bhayam me
die mir wahrlich alle Furcht nimmt
yena īdṛśī gatiḥ adarśi
durch den mir ein solcher Zustand offenbart wurde
asataḥ anurūpā
dem Unwürdigen entsprechend

yas tv atra baddha iva karmabhir āvṛtātmā bhūtendriyāśayamayīm avalambya māyām āste viśuddham avikāram akhaṇḍa-bodham ātapyamāna-hṛdaye 'vasitaṁ namāmi

Ihm, der hier wie durch Taten gebunden die Seele verhüllt, gestützt auf die aus den Elementen, Sinnen und dem Denken bestehende Māyā, verweilt – Ihm, dem völlig Reinen, dem Unveränderlichen, dem von ungeteilter Erkenntnis, der im brennenden Herzen weilt, huldige ich.

Wort für Wort
yaḥ tu atra baddhaḥ iva
der aber hier wie gebunden
karmabhiḥ āvṛta-ātmā
durch Taten die Seele verhüllend
bhūta-indriya-āśaya-mayīm māyām avalambya
gestützt auf die aus Elementen, Sinnen und Denken bestehende Māyā
āste
verweilt
viśuddham avikāram
dem völlig Reinen, dem Unveränderlichen
akhaṇḍa-bodham
von ungeteilter Erkenntnis
ātapyamāna-hṛdaye avasitam
der im brennenden Herzen weilt
namāmi
ich huldige

yaḥ pañca-bhūta-racite rahitaḥ śarīre cchanno 'yathendriya-guṇārtha- cid-ātmako 'ham tenāvikuṇṭha-mahimānam ṛṣiṁ tam enaṁ vande paraṁ prakṛti-pūruṣayoḥ pumāṁsam

Ihm, der, obwohl getrennt vom aus den fünf Elementen gebildeten Körper, durch diesen verhüllt ist, während ich mich fälschlich für aus Sinnen, Eigenschaften, Objekten und Bewusstsein bestehend halte – Ihm, dem allwissenden Seher, dessen Herrlichkeit unverhüllt bleibt, dem Purusha jenseits von Natur und Lebewesen, verneige ich mich.

Wort für Wort
yaḥ pañca-bhūta-racite śarīre
der, im aus den fünf Elementen gebildeten Körper
rahitaḥ channaḥ
getrennt, doch verhüllt
ayathā indriya-guṇa-artha-cit-ātmakaḥ aham
ich, der ich mich fälschlich für aus Sinnen, Eigenschaften, Objekten und Bewusstsein bestehend halte
tena avikuṇṭha-mahimānam
durch diesen, dessen Herrlichkeit unverhüllt bleibt
ṛṣim tam enam vande
diesem allwissenden Seher verneige ich mich
param prakṛti-pūruṣayoḥ pumāṁsam
dem Purusha jenseits von Natur und Lebewesen

yan-māyayoru-guṇa-karma- nibandhane 'smin sāṁsārike pathi caraṁs tad-abhiśrameṇa naṣṭa-smṛtiḥ punar ayaṁ pravṛṇīta lokaṁ yuktyā kayā mahad-anugraham antareṇa

Durch wessen Māyā, gebunden an die aus den mächtigen Erscheinungsweisen entstandenen Werke, wandelnd auf diesem Pfad des Weltenkreislaufs, mit durch solche Mühsal verlorener Erinnerung – mit welchem Mittel könnte dieses Lebewesen wohl wieder seine wahre Natur erkennen, ohne die Gnade des Erhabenen?

Wort für Wort
yat-māyayā
durch dessen Māyā
uru-guṇa-karma-nibandhane asmin sāṁsārike pathi caran
wandelnd auf diesem, an die mächtigen Erscheinungsweisen und Werke gebundenen Pfad des Weltenkreislaufs
tat-abhiśrameṇa naṣṭa-smṛtiḥ
mit durch jene Mühsal verlorener Erinnerung
punaḥ ayam pravṛṇīta lokam
wie könnte dieses wieder seine wahre Natur erkennen
yuktyā kayā
mit welchem Mittel
mahat-anugraham antareṇa
ohne die Gnade des Erhabenen

jñānaṁ yad etad adadhāt katamaḥ sa devas trai-kālikaṁ sthira-careṣv anuvartitāṁśaḥ taṁ jīva-karma-padavīm anuvartamānās tāpa-trayopaśamanāya vayaṁ bhajema

Wer sonst als jener Gott hat dieses Wissen über die drei Zeiten verliehen, Er, der als Sein Teil in Beweglichem und Unbeweglichem fortwährend gegenwärtig ist? Ihm wollen wir, die wir dem Pfad des Karma der Lebewesen folgen, dienen, um die dreifache Pein zu besänftigen.

Wort für Wort
jñānam yat etat adadhāt
wer dieses Wissen verliehen hat
katamaḥ saḥ devaḥ
wer sonst als jener Gott
trai-kālikam
über die drei Zeiten
sthira-careṣu anuvartita-aṁśaḥ
als Sein Teil in Beweglichem und Unbeweglichem fortwährend gegenwärtig
tam jīva-karma-padavīm anuvartamānāḥ
Ihm, die wir dem Pfad des Karma der Lebewesen folgen
tāpa-traya-upaśamanāya
um die dreifache Pein zu besänftigen
vayam bhajema
wollen wir dienen

dehy anya-deha-vivare jaṭharāgnināsṛg-viṇ-mūtra-kūpa-patito bhṛśa-tapta-dehaḥ icchann ito vivasituṁ gaṇayan sva-māsān nirvāsyate kṛpaṇa-dhīr bhagavan kadā nu

Der Verkörperte, in den Hohlraum eines anderen Körpers gefallen, in den Brunnen von Blut, Kot und Urin gestürzt, vom Magenfeuer heftig verbrannt am Leibe, begierig, von hier zu entkommen, die eigenen Monate zählend – wann, o Herr, wird er, von kläglichem Verstande, wohl befreit werden?

Wort für Wort
dehī anya-deha-vivare
der Verkörperte im Hohlraum eines anderen Körpers
jaṭhara-agninā
vom Magenfeuer
asṛk-viṭ-mūtra-kūpa-patitaḥ
in den Brunnen von Blut, Kot und Urin gestürzt
bhṛśa-tapta-dehaḥ
am Leibe heftig verbrannt
icchan itaḥ vivasitum
begierig, von hier zu entkommen
gaṇayan sva-māsān
die eigenen Monate zählend
nirvāsyate
wird befreit werden
kṛpaṇa-dhīḥ bhagavan kadā nu
von kläglichem Verstand, o Herr, wann wohl

yenedṛśīṁ gatim asau daśa-māsya īśa saṅgrāhitaḥ puru-dayena bhavādṛśena svenaiva tuṣyatu kṛtena sa dīna-nāthaḥ ko nāma tat-prati vināñjalim asya kuryāt

Durch wen, o Herr, dieser Zehnmonatige zu einem solchen Zustand gebracht wurde – möge Er, der überaus Gnädige, Deinesgleichen, allein durch Sein eigenes Tun zufrieden sein; Er, der Herr der Elenden – wer könnte Ihm dafür wohl etwas anderes als gefaltete Hände darbringen?

Wort für Wort
yena īdṛśīm gatim
durch wen zu solchem Zustand
asau daśa-māsyaḥ īśa saṅgrāhitaḥ
dieser Zehnmonatige, o Herr, gebracht wurde
puru-dayena bhavādṛśena
durch Ihn, den überaus Gnädigen, Deinesgleichen
svena eva kṛtena tuṣyatu
möge Er allein durch Sein eigenes Tun zufrieden sein
saḥ dīna-nāthaḥ
Er, der Herr der Elenden
kaḥ nāma tat-prati
wer könnte dafür wohl
vinā añjalim asya kuryāt
außer mit gefalteten Händen (etwas) darbringen

paśyaty ayaṁ dhiṣaṇayā nanu sapta-vadhriḥ śārīrake dama-śarīry aparaḥ sva-dehe yat-sṛṣṭayāsaṁ tam ahaṁ puruṣaṁ purāṇaṁ paśye bahir hṛdi ca caityam iva pratītam

Dieser, von sieben Hüllen Gebundene, sieht wahrlich mit Verstand die körperlichen Wahrnehmungen; ein anderer aber, mit einem Körper zur Selbstbeherrschung, [bin ich] in meinem eigenen Leib, durch dessen Schöpfung ich entstand. Diesen uralten Purusha sehe ich, außen und im Herzen, gleich dem Erkennungsgrund [caitya] erkannt.

Wort für Wort
paśyati ayam dhiṣaṇayā nanu
dieser sieht wahrlich mit Verstand
sapta-vadhriḥ śārīrake
der von sieben Hüllen Gebundene die körperlichen (Wahrnehmungen)
dama-śarīrī aparaḥ
ein anderer, mit einem Körper zur Selbstbeherrschung [?]
sva-dehe yat-sṛṣṭayā āsam
in meinem eigenen Körper, durch dessen Schöpfung ich wurde
tam aham puruṣam purāṇam paśye
diesen uralten Purusha sehe ich
bahiḥ hṛdi ca
außen und im Herzen
caityam iva pratītam
als dem Erkennungsgrund gleich erkannt

Philosophisch dichte Stelle; Übersetzung mit [?] als beste Deutung markiert.

so 'haṁ vasann api vibho bahu-duḥkha-vāsaṁ garbhān na nirjigamiṣe bahir andha-kūpe yatropayātam upasarpati deva-māyā mithyā matir yad-anu saṁsṛti-cakram etat

So wohne auch ich, o Allmächtiger, in dieser Wohnstatt vieler Leiden, dem Mutterschoß, und doch begehre ich nicht, nach draußen zu gehen – in den blinden Brunnen, wo, kaum ist man dort angelangt, die göttliche Māyā heranschleicht, die falsche Erkenntnis, welcher folgend dieses Rad des Weltenkreislaufs entsteht.

Wort für Wort
saḥ aham vasan api vibho
so wohne auch ich, o Allmächtiger
bahu-duḥkha-vāsam garbhāt
aus der Wohnstatt vieler Leiden, dem Mutterschoß
na nirjigamiṣe bahiḥ
begehre ich nicht, nach draußen zu gehen
andha-kūpe
in den blinden Brunnen
yatra upayātam
wo dem, der dort angelangt ist
upasarpati deva-māyā
die göttliche Māyā heranschleicht
mithyā matiḥ yat-anu
die falsche Erkenntnis, welcher folgend
saṁsṛti-cakram etat
dieses Rad des Weltenkreislaufs entsteht

tasmād ahaṁ vigata-viklava uddhariṣya ātmānam āśu tamasaḥ suhṛdātmanaiva bhūyo yathā vyasanam etad aneka-randhraṁ mā me bhaviṣyad upasādita-viṣṇu-pādaḥ

Darum will ich, frei von Verzagtheit, mich selbst rasch aus der Finsternis erretten, durch meinen eigenen wohlgesonnenen Verstand, so dass mir dieses vielfach löchrige Unheil nicht wieder widerfahre – indem ich die Füße Viṣṇus im Herzen berge.

Wort für Wort
tasmāt aham vigata-viklavaḥ
darum ich, frei von Verzagtheit
uddhariṣye ātmānam āśu tamasaḥ
will mich selbst rasch aus der Finsternis erretten
suhṛdā ātmanā eva
durch meinen eigenen wohlgesonnenen Verstand
bhūyaḥ yathā vyasanam etat aneka-randhram
so dass dieses vielfach löchrige Unheil wiederum
mā me bhaviṣyat
mir nicht widerfahre
upasādita-viṣṇu-pādaḥ
indem ich die Füße Viṣṇus im Herzen berge

kapila uvāca evaṁ kṛta-matir garbhe daśa-māsyaḥ stuvann ṛṣiḥ sadyaḥ kṣipaty avācīnaṁ prasūtyai sūti-mārutaḥ

Kapila sprach: Während der Seher, so entschlossen, im Schoß, zehn Monate alt, lobpreisend verweilt, treibt ihn sogleich der Geburtswind zur Entbindung nach unten gewandt.

Wort für Wort
kapilaḥ uvāca
Kapila sprach
evam kṛta-matiḥ
so entschlossen
garbhe daśa-māsyaḥ stuvan ṛṣiḥ
der im Schoß zehn Monate alte, lobpreisende Seher
sadyaḥ kṣipati avācīnam
sogleich treibt (ihn) nach unten gewandt
prasūtyai sūti-mārutaḥ
der Geburtswind zur Entbindung

tenāvasṛṣṭaḥ sahasā kṛtvāvāk śira āturaḥ viniṣkrāmati kṛcchreṇa nirucchvāso hata-smṛtiḥ

Von diesem plötzlich hinabgestoßen, das Haupt nach unten gewandt, leidend, tritt er unter großer Mühsal hervor, atemlos, seiner Erinnerung beraubt.

Wort für Wort
tena avasṛṣṭaḥ sahasā
von diesem plötzlich hinabgestoßen
kṛtvā avāk śiraḥ āturaḥ
das Haupt nach unten gewandt, leidend
viniṣkrāmati kṛcchreṇa
tritt unter großer Mühsal hervor
nirucchvāsaḥ hata-smṛtiḥ
atemlos, seiner Erinnerung beraubt

patito bhuvy asṛṅ-miśraḥ viṣṭhā-bhūr iva ceṣṭate rorūyati gate jñāne viparītāṁ gatiṁ gataḥ

Auf die Erde gefallen, mit Blut vermischt, zappelt er wie ein Unratwurm; er schreit laut, da sein Wissen entschwunden ist, in einen entgegengesetzten Zustand geraten.

Wort für Wort
patitaḥ bhuvi asṛk-miśraḥ
auf die Erde gefallen, mit Blut vermischt
viṣṭhā-bhūḥ iva ceṣṭate
zappelt wie ein Unratwurm
rorūyati gate jñāne
schreit laut, da sein Wissen entschwunden ist
viparītām gatim gataḥ
in einen entgegengesetzten Zustand geraten

para-cchandaṁ na viduṣā puṣyamāṇo janena saḥ anabhipretam āpannaḥ pratyākhyātum anīśvaraḥ

Von Menschen versorgt, die seinen fremden Willen nicht verstehen, gerät er in Unerwünschtes, ohne die Macht, es zurückzuweisen.

Wort für Wort
para-chandam na viduṣā janena
von Menschen, die den fremden Willen nicht verstehen
puṣyamāṇaḥ saḥ
von ihnen versorgt, er
anabhipretam āpannaḥ
gerät in Unerwünschtes
pratyākhyātum anīśvaraḥ
ohne Macht, es zurückzuweisen

śāyito 'śuci-paryaṅke jantuḥ svedaja-dūṣite neśaḥ kaṇḍūyane 'ṅgānām āsanotthāna-ceṣṭane

Auf ein unreines, von Schweiß beschmutztes Lager gelegt, ist das Lebewesen nicht Herr darüber, seine Glieder zu kratzen, sich zu setzen, aufzustehen oder sich zu bewegen.

Wort für Wort
śāyitaḥ aśuci-paryaṅke
gelegt auf ein unreines Lager
jantuḥ svedaja-dūṣite
das Lebewesen, durch Schweiß beschmutzt
na īśaḥ kaṇḍūyane aṅgānām
nicht Herr, die Glieder zu kratzen
āsana-utthāna-ceṣṭane
sich zu setzen, aufzustehen, sich zu bewegen

[Anm.: Auf der Quellseite war für diesen Vers keine gesonderte Wort-für-Wort-Glossierung (SYNONYMS) verfügbar; Übersetzung eigenständig aus dem IAST-Text erarbeitet.]

tudanty āma-tvacaṁ daṁśā maśakā matkuṇādayaḥ rudantaṁ vigata-jñānaṁ kṛmayaḥ kṛmikaṁ yathā

Bremsen, Mücken, Wanzen und dergleichen stechen die noch weiche Haut des weinenden, erkenntnislosen Kindes, so wie Würmer einen anderen Wurm stechen.

Wort für Wort
tudanti āma-tvacam
sie stechen die noch weiche Haut
daṁśāḥ maśakāḥ matkuṇa-ādayaḥ
Bremsen, Mücken, Wanzen und dergleichen
rudantam vigata-jñānam
den weinenden, erkenntnislosen
kṛmayaḥ kṛmikam yathā
wie Würmer einen (anderen) Wurm

ity evaṁ śaiśavaṁ bhuktvā duḥkaṁ paugaṇḍam eva ca alabdhābhīpsito 'jñānād iddha-manyuḥ śucārpitaḥ

Nachdem er so die Kindheit und das leidvolle Knabenalter durchlitten hat, entbrennt in ihm, da er aus Unwissenheit seine Wünsche nicht erlangt, Zorn, und er wird von Kummer ergriffen.

Wort für Wort
iti evam śaiśavam bhuktvā
nachdem er so die Kindheit durchlitten hat
duḥkham paugaṇḍam eva ca
und ebenso das leidvolle Knabenalter
alabdha-abhīpsitaḥ ajñānāt
da er aus Unwissenheit seine Wünsche nicht erlangt
iddha-manyuḥ
mit entbranntem Zorn
śucā arpitaḥ
von Kummer ergriffen

saha dehena mānena vardhamānena manyunā karoti vigrahaṁ kāmī kāmiṣv antāya cātmanaḥ

Zusammen mit dem Körper wachsend, durch Stolz und wachsenden Zorn, erregt der Begierige Streit mit anderen Begierigen, zu seinem eigenen Untergang.

Wort für Wort
saha dehena
mit dem Körper (wachsend)
mānena vardhamānena manyunā
durch Stolz und wachsenden Zorn
karoti vigraham
erregt Streit
kāmī kāmiṣu
der Begierige mit anderen Begierigen
antāya ca ātmanaḥ
zu seinem eigenen Untergang

bhūtaiḥ pañcabhir ārabdhe dehe dehy abudho 'sakṛt ahaṁ mamety asad-grāhaḥ karoti kumatir matim

An dem aus den fünf Elementen gebildeten Körper haftend, bildet der unwissende Verkörperte, von schlechtem Verstand, beständig, ergriffen vom Unwirklichen, den Gedanken 'Ich' und 'Mein'.

Wort für Wort
bhūtaiḥ pañcabhiḥ ārabdhe dehe
an dem aus den fünf Elementen gebildeten Körper
dehī abudhaḥ asakṛt
der unwissende Verkörperte beständig
aham mama iti asat-grāhaḥ
ergriffen vom Unwirklichen mit 'Ich' und 'Mein'
karoti kumatiḥ matim
bildet, von schlechtem Verstand, den Gedanken

tad-arthaṁ kurute karma yad-baddho yāti saṁsṛtim yo 'nuyāti dadat kleśam avidyā-karma-bandhanaḥ

Um seinetwillen verrichtet er Werke, durch die gebunden er in den Weltenkreislauf eingeht; dieser Körper folgt ihm nach, Leid gebend, gebunden durch Unwissenheit und Werke.

Wort für Wort
tat-artham kurute karma
um seinetwillen verrichtet er Werke
yat-baddhaḥ yāti saṁsṛtim
durch die gebunden er in den Weltenkreislauf eingeht
yaḥ anuyāti
der (Körper), der ihm nachfolgt
dadat kleśam
Leid gebend
avidyā-karma-bandhanaḥ
gebunden durch Unwissenheit und Werke

yady asadbhiḥ pathi punaḥ śiśnodara-kṛtodyamaiḥ āsthito ramate jantus tamo viśati pūrvavat

Wenn das Lebewesen sich wiederum auf dem Pfad der Unwürdigen, deren Streben nur Geschlecht und Bauch gilt, aufhält und sich dort vergnügt, dringt es wie zuvor in Finsternis ein.

Wort für Wort
yadi asadbhiḥ pathi punaḥ
wenn wiederum mit Unwürdigen auf dem Pfad
śiśna-udara-kṛta-udyamaiḥ
deren Streben nur Geschlecht und Bauch gilt
āsthitaḥ ramate jantuḥ
verweilend das Lebewesen sich vergnügt
tamaḥ viśati pūrva-vat
dringt es wie zuvor in Finsternis ein

satyaṁ śaucaṁ dayā maunaṁ buddhiḥ śrīr hrīr yaśaḥ kṣamā śamo damo bhagaś ceti yat-saṅgād yāti saṅkṣayam

Wahrhaftigkeit, Reinheit, Mitgefühl, Schweigsamkeit, Verstand, Wohlstand, Scham, Ruhm, Vergebung, Gemütsruhe, Sinnesbeherrschung und Glück – durch wessen Gesellschaft all dies zunichtewird.

Wort für Wort
satyam śaucam dayā maunam
Wahrhaftigkeit, Reinheit, Mitgefühl, Schweigsamkeit
buddhiḥ śrīḥ hrīḥ yaśaḥ kṣamā
Verstand, Wohlstand, Scham, Ruhm, Vergebung
śamaḥ damaḥ bhagaḥ ca iti
Gemütsruhe, Sinnesbeherrschung und Glück
yat-saṅgāt yāti saṅkṣayam
durch wessen Gesellschaft all dies zunichtewird

teṣv aśānteṣu mūḍheṣu khaṇḍitātmasv asādhuṣu saṅgaṁ na kuryāc chocyeṣu yoṣit-krīḍā-mṛgeṣu ca

Mit diesen Unruhigen, Törichten, an sich selbst Uneinigen, Unredlichen, Bemitleidenswerten und mit denen, die wie Haustiere zum Spielzeug der Frauen geworden sind, sollte man keine Gemeinschaft pflegen.

Wort für Wort
teṣu aśānteṣu mūḍheṣu
mit diesen Unruhigen, Törichten
khaṇḍita-ātmasu asādhuṣu
an sich selbst Uneinigen, Unredlichen
saṅgam na kuryāt
sollte man keine Gemeinschaft pflegen
śocyeṣu
mit den Bemitleidenswerten
yoṣit-krīḍā-mṛgeṣu ca
und mit denen, die Spielzeug der Frauen sind wie Haustiere

na tathāsya bhaven moho bandhaś cānya-prasaṅgataḥ yoṣit-saṅgād yathā puṁso yathā tat-saṅgi-saṅgataḥ

Nicht so sehr entstünde für einen Mann Verblendung und Bindung durch Verbindung mit anderen Dingen, wie durch Umgang mit einer Frau, und wie durch die Gesellschaft derer, die mit ihr Umgang pflegen.

Wort für Wort
na tathā asya bhavet mohaḥ
nicht so sehr entstünde für ihn Verblendung
bandhaḥ ca anya-prasaṅgataḥ
und Bindung durch Verbindung mit anderem
yoṣit-saṅgāt yathā puṁsaḥ
wie durch Umgang mit einer Frau für einen Mann
yathā tat-saṅgi-saṅgataḥ
wie durch die Gesellschaft derer, die mit ihr Umgang pflegen

prajāpatiḥ svāṁ duhitaraṁ dṛṣṭvā tad-rūpa-dharṣitaḥ rohid-bhūtāṁ so 'nvadhāvad ṛkṣa-rūpī hata-trapaḥ

Als Prajāpati seine eigene Tochter erblickte, von ihrer Schönheit überwältigt, jagte er ihr, die zur Hirschkuh geworden war, in Gestalt eines Hirsches nach, aller Scham beraubt.

Wort für Wort
prajā-patiḥ
Prajāpati (Brahmā)
svām duhitaram dṛṣṭvā
als er seine eigene Tochter erblickte
tat-rūpa-dharṣitaḥ
von ihrer Schönheit überwältigt
rohit-bhūtām
die zur Hirschkuh geworden war
saḥ anvadhāvat ṛkṣa-rūpī
er verfolgte in Gestalt eines Hirsches
hata-trapaḥ
aller Scham beraubt

ko nv akhaṇḍita-dhīḥ pumān ṛṣiṁ nārāyaṇam ṛte yoṣin-mayyeha māyayā

Wer denn, unter den Lebewesen, dessen Verstand ungeteilt bliebe, abgesehen von dem Seher Nārāyaṇa, angesichts dieser Māyā hier, die aus der Weiblichkeit besteht?

Wort für Wort
kaḥ nu akhaṇḍita-dhīḥ pumān
wer denn, dessen Verstand ungeteilt bliebe
ṛṣim nārāyaṇam ṛte
abgesehen vom Seher Nārāyaṇa
yoṣit-mayī iha māyayā
angesichts der aus der Weiblichkeit bestehenden Māyā hier

[Anm.: Der auf vedabase.io gezeigte IAST-Text dieses Verses erschien nur mit drei Versfüßen (ohne vierten Pada) und ohne separate Wort-für-Wort-Glossierung; Übersetzung ist eine beste Deutung [?] auf Basis des verfügbaren Textes.]

balaṁ me paśya māyāyāḥ strī-mayyā jayino diśām yā karoti padākrāntān bhrūvi-jṛmbheṇa kevalam

Sieh die Macht Meiner Māyā, die die Gestalt der Frau annimmt: sie macht selbst die Eroberer aller Himmelsrichtungen zu ihren Füßen ergebenen Dienern, durch das bloße Spiel ihrer Augenbrauen.

Wort für Wort
balam me paśya māyāyāḥ
sieh die Macht Meiner Māyā
strī-mayyāḥ
die die Gestalt der Frau annimmt
jayinaḥ diśām
die Eroberer aller Himmelsrichtungen
yā karoti pada-ākrāntān
die sie zu ihren Füßen ergeben macht
bhrūvi-jṛmbheṇa kevalam
durch das bloße Spiel ihrer Augenbrauen

saṅgaṁ na kuryāt pramadāsu jātu yogasya pāraṁ param ārurukṣuḥ mat-sevayā pratilabdhātma-lābho vadanti yā niraya-dvāram asya

Niemals sollte, wer nach dem höchsten Ziel des Yoga zu steigen begehrt, Gemeinschaft mit Frauen pflegen; selbst wer durch Dienst an Mir Selbsterkenntnis erlangt hat – man sagt, sie seien für ihn das Tor zur Hölle.

Wort für Wort
saṅgam na kuryāt pramadāsu jātu
niemals sollte man Gemeinschaft mit Frauen pflegen
yogasya pāram param ārurukṣuḥ
wer nach dem höchsten Ziel des Yoga zu steigen begehrt
mat-sevayā pratilabdha-ātma-lābhaḥ
selbst wer durch Dienst an Mir Selbsterkenntnis erlangt hat
vadanti yāḥ niraya-dvāram asya
man sagt, sie seien für ihn das Tor zur Hölle

yopayāti śanair māyā yoṣid deva-vinirmitā tām īkṣetātmano mṛtyuṁ tṛṇaiḥ kūpam ivāvṛtam

Die Māyā, die sich als vom Herrn geschaffene Frau langsam nähert – sie soll man als den eigenen Tod betrachten, wie einen mit Gras überdeckten Brunnen.

Wort für Wort
yā upayāti śanaiḥ
die sich langsam nähert
māyā yoṣit deva-vinirmitā
die vom Herrn geschaffene Māyā in Gestalt der Frau
tām īkṣeta ātmanaḥ mṛtyum
sie soll man als den eigenen Tod betrachten
tṛṇaiḥ kūpam iva āvṛtam
wie einen mit Gras überdeckten Brunnen

yāṁ manyate patiṁ mohān man-māyām ṛṣabhāyatīm strītvaṁ strī-saṅgataḥ prāpto vittāpatya-gṛha-pradam

Den sie aus Verblendung für ihren Gatten hält, ist in Wahrheit Meine Māyā, die in männlicher Gestalt herankommt; und er, der durch Verbindung mit einer Frau gleichsam der Weiblichkeit [ihrer Anziehung] verfallen ist, hat in ihr die Geberin von Reichtum, Nachkommenschaft und Haus erblickt.

Wort für Wort
yām manyate patim mohāt
den sie aus Verblendung für ihren Gatten hält
mat-māyām ṛṣabha-āyatīm
(in Wahrheit) Meine Māyā, in männlicher Gestalt herankommend
strītvam strī-saṅgataḥ prāptaḥ
und er, der durch Verbindung mit einer Frau gleichsam der Weiblichkeit verfallen ist [?]
vitta-apatya-gṛha-pradam
als Geberin von Reichtum, Nachkommen und Haus

Vers grammatisch und inhaltlich vielschichtig (Doppelbezug auf Mann und Frau); Übersetzung von 'strītvaṁ ... prāptaḥ' als beste Deutung [?] markiert.

tām ātmano vijānīyāt paty-apatya-gṛhātmakam daivopasāditaṁ mṛtyuṁ mṛgayor gāyanaṁ yathā

Man soll sie, die aus Gatte, Kindern und Haus besteht, als den durch göttliche Fügung herbeigeführten eigenen Tod erkennen, wie den Lockgesang des Jägers für das Wild.

Wort für Wort
tām ātmanaḥ vijānīyāt
sie soll man als den eigenen (Tod) erkennen
pati-apatya-gṛha-ātmakam
die aus Gatte, Kindern und Haus besteht
daiva-upasāditam mṛtyum
als den durch göttliche Fügung herbeigeführten Tod
mṛgayoḥ gāyanam yathā
wie den Lockgesang des Jägers für das Wild

dehena jīva-bhūtena lokāl lokam anuvrajan bhuñjāna eva karmāṇi karoty avirataṁ pumān

Mit dem Körper, den das Lebewesen jeweils annimmt, von Welt zu Welt wandernd, zugleich die Früchte der Werke genießend, verrichtet der Mensch unaufhörlich weitere Werke.

Wort für Wort
dehena jīva-bhūtena
mit dem Körper, den das Lebewesen jeweils annimmt
lokāt lokam anuvrajan
von Welt zu Welt wandernd
bhuñjānaḥ eva karmāṇi
zugleich die Früchte der Werke genießend
karoti aviratam pumān
verrichtet der Mensch unaufhörlich (neue Werke)

jīvo hy asyānugo deho bhūtendriya-mano-mayaḥ tan-nirodho 'sya maraṇam āvirbhāvas tu sambhavaḥ

Denn dem Lebewesen folgt der Körper, der aus den Elementen, den Sinnen und dem Denken besteht; dessen Aufhören ist sein Tod, sein Erscheinen aber die Geburt.

Wort für Wort
jīvaḥ hi asya anugaḥ dehaḥ
dem Lebewesen folgt nämlich der Körper
bhūta-indriya-manaḥ-mayaḥ
der aus Elementen, Sinnen und Denken besteht
tat-nirodhaḥ asya maraṇam
dessen Aufhören ist sein Tod
āvirbhāvaḥ tu sambhavaḥ
sein Erscheinen aber die Geburt

dravyopalabdhi-sthānasya dravyekṣāyogyatā yadā tat pañcatvam ahaṁ-mānād utpattir dravya-darśanam

Wenn die Stätte der Objektwahrnehmung [das Sinnesorgan] unfähig wird, das Objekt wahrzunehmen, so ist das der Tod; das aus dem Ich-Gedanken heraus neu erwachende Erblicken eines Objekts aber ist die Geburt.

Wort für Wort
dravya-upalabdhi-sthānasya
der Stätte der Objektwahrnehmung (des Sinnesorgans)
dravya-īkṣā-ayogyatā yadā
wenn die Unfähigkeit eintritt, das Objekt wahrzunehmen
tat pañcatvam
das ist der Tod
aham-mānāt utpattiḥ dravya-darśanam
das aus dem Ich-Gedanken heraus (neu) entstehende Erblicken eines Objekts (ist die Geburt)

[Anm.: Auf vedabase.io werden die Verse 45 und 46 gemeinsam auf einer Seite dargestellt; hier gemäß der zwei Sanskrit-Strophen getrennt als 45 und 46 wiedergegeben, damit die Versnummerierung lückenlos bleibt.]

yathākṣṇor dravyāvayava- darśanāyogyatā yadā tadaiva cakṣuṣo draṣṭur draṣṭṛtvāyogyatānayoḥ

So wie, wenn bei den Augen die Unfähigkeit eintritt, die Teile eines Objekts zu sehen, eben dann für das Sehvermögen und den Sehenden beiden zugleich die Unfähigkeit zum Sehen eintritt.

Wort für Wort
yathā akṣṇoḥ
so wie bei den Augen
dravya-avayava-darśana-ayogyatā yadā
wenn die Unfähigkeit eintritt, die Teile eines Objekts zu sehen
tadā eva
eben dann
cakṣuṣaḥ draṣṭuḥ
für das Sehvermögen und den Sehenden
draṣṭṛtva-ayogyatā anayoḥ
tritt für beide die Unfähigkeit zum Sehen ein

Philosophisch dichter Vergleichsvers (Analogie zum Vorvers); Übersetzung als beste Deutung [?] markiert.

tasmān na kāryaḥ santrāso na kārpaṇyaṁ na sambhramaḥ buddhvā jīva-gatiṁ dhīro mukta-saṅgaś cared iha

Deshalb soll man weder Entsetzen noch Kleinmut noch hastige Angst empfinden; nachdem er den wahren Zustand des Lebewesens erkannt hat, möge der Standhafte, frei von Anhaftung, hier auf Erden wandeln.

Wort für Wort
tasmāt na kāryaḥ santrāsaḥ
deshalb soll man kein Entsetzen empfinden
na kārpaṇyam na sambhramaḥ
weder Kleinmut noch hastige Angst
buddhvā jīva-gatim
nachdem er den wahren Zustand des Lebewesens erkannt hat
dhīraḥ mukta-saṅgaḥ caret iha
möge der Standhafte, frei von Anhaftung, hier wandeln

samyag-darśanayā buddhyā yoga-vairāgya-yuktayā māyā-viracite loke caren nyasya kalevaram

Mit rechter Einsicht begabtem Verstand, verbunden mit Yoga und Entsagung, möge er in dieser von Māyā gestalteten Welt wandeln, bis er den Körper ablegt.

Wort für Wort
samyak-darśanayā buddhyā
mit rechter Einsicht begabtem Verstand
yoga-vairāgya-yuktayā
verbunden mit Yoga und Entsagung
māyā-viracite loke caret
möge er in dieser von Māyā gestalteten Welt wandeln
nyasya kalevaram
bis er den Körper ablegt

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