Der erhabene Herr sprach: Getrieben von seinem karma, unter der Lenkung des Schicksals, tritt das Lebewesen, um einen Körper zu erlangen, in den Schoß der Frau ein, geborgen in einem Tröpfchen des männlichen Samens.
kalalaṁ tv eka-rātreṇa
pañca-rātreṇa budbudam
daśāhena tu karkandhūḥ
peśy aṇḍaṁ vā tataḥ param
In der ersten Nacht wird er zu kalala, in fünf Nächten zu einer Blase, in zehn Tagen einer Brustbeere gleich, danach zu einem Fleischklumpen oder Ei, und weiter fort.
māsena tu śiro dvābhyāṁ
bāhv-aṅghry-ādy-aṅga-vigrahaḥ
nakha-lomāsthi-carmāṇi
liṅga-cchidrodbhavas tribhiḥ
In einem Monat entsteht der Kopf, in zwei Monaten die Gestalt der Glieder wie Arme und Füße; Nägel, Körperhaar, Knochen und Haut sowie Geschlechtsorgan und Körperöffnungen entstehen in drei Monaten.
Wort für Wort
māsena tu śiraḥ
in einem Monat aber der Kopf
dvābhyām bāhu-aṅghri-ādi-aṅga-vigrahaḥ
in zwei Monaten die Gestalt der Glieder wie Arme, Füße usw.
nakha-loma-asthi-carmāṇi
Nägel, Körperhaar, Knochen und Haut
liṅga-chidra-udbhavaḥ tribhiḥ
Entstehen von Geschlechtsteil und Öffnungen in drei Monaten
In vier Monaten die sieben Grundgewebe, in fünf Monaten das Aufkommen von Hunger und Durst; in sechs Monaten, von der Fruchthülle umhüllt, bewegt er sich im Bauch auf der rechten Seite.
Wort für Wort
caturbhiḥ dhātavaḥ sapta
in vier Monaten die sieben Grundgewebe
pañcabhiḥ kṣut-tṛṭ-udbhavaḥ
in fünf Monaten das Aufkommen von Hunger und Durst
mātur jagdhānna-pānādyair
edhad-dhātur asammate
śete viṇ-mūtrayor garte
sa jantur jantu-sambhave
Durch die von der Mutter gegessene Speise und Trank und Ähnliches an Substanz zunehmend, liegt jenes Lebewesen an einem abscheulichen Ort, in der Grube von Kot und Urin, der Brutstätte der Würmer.
Wort für Wort
mātuḥ jagdha-anna-pāna-ādyaiḥ
durch die von der Mutter gegessene Speise, Trank u.a.
Von Würmern an allen Gliedern zerbissen, verfällt er wegen seiner Zartheit Augenblick für Augenblick in Ohnmacht, von großem Leid geplagt, immer wieder durch die dort hausenden hungrigen Würmer.
Wort für Wort
kṛmibhiḥ kṣata-sarva-aṅgaḥ
von Würmern an allen Gliedern verletzt
saukumāryāt prati-kṣaṇam
wegen seiner Zartheit Augenblick für Augenblick
mūrcchām āpnoti
verfällt er in Ohnmacht
uru-kleśaḥ
von großem Leid geplagt
tatratyaiḥ kṣudhitaiḥ muhuḥ
durch die dort befindlichen Hungrigen wieder und wieder
Berührt von den von der Mutter im Übermaß gegessenen Speisen, die bitter, scharf, heiß, salzig, austrocknend, sauer und dergleichen sind, entsteht ihm Schmerz in allen Gliedern.
Wort für Wort
kaṭu-tīkṣṇa-uṣṇa-lavaṇa-rūkṣa-amla-ādibhiḥ
durch bittere, scharfe, heiße, salzige, austrocknende, saure u.a. Speisen
Unfähig, seine eigenen Glieder zu bewegen, wie ein Vogel im Käfig, dort das Erinnern durch Fügung wiedererlangend, sich an die in hundert früheren Geburten vollbrachten Taten erinnernd, lange seufzend – welchen Frieden könnte er da wohl finden?
Wort für Wort
akalpaḥ sva-aṅga-ceṣṭāyām
unfähig, die eigenen Glieder zu bewegen
śakuntaḥ iva pañjare
wie ein Vogel im Käfig
tatra labdha-smṛtiḥ daivāt
dort, durch Fügung die Erinnerung wiedererlangend
karma janma-śata-udbhavam smaran
sich der in hundert Geburten entstandenen Taten erinnernd
Vom siebten Monat an, obwohl er Bewusstsein erlangt hat, wird er durchgeschüttelt; er bleibt nicht an einem Ort, durch die Geburtswinde, gleich einem im selben Mutterschoß geborenen Unratwurm.
Flehend, erschrocken, von sieben Hüllen gebunden, mit gefalteten Händen, möge der Seher Ihn preisen mit stockender Stimme, durch den er in den Schoß gesetzt wurde.
jantur uvāca
tasyopasannam avituṁ jagad
icchayātta-nānā-tanor
bhuvi calac-caraṇāravindam
so 'haṁ vrajāmi śaraṇaṁ
hy akuto-bhayaṁ me
yenedṛśī gatir adarśy
asato 'nurūpā
Das Lebewesen sprach: Zu Ihm, der genaht ist, um das Universum zu schützen, der nach eigenem Willen verschiedene Gestalten annimmt, dessen Lotosfüße auf Erden wandeln – zu Ihm gehe ich als Zuflucht, die wahrlich alle Furcht nimmt, durch den mir ein solcher Zustand offenbart wurde, wie er dem Unwürdigen entspricht.
Wort für Wort
jantuḥ uvāca
das Lebewesen sprach
tasya upasannam avitum jagat
zu Ihm, der genaht ist, um das Universum zu schützen
icchayā ātta-nānā-tanoḥ
der nach eigenem Willen verschiedene Gestalten annimmt
Ihm, der hier wie durch Taten gebunden die Seele verhüllt, gestützt auf die aus den Elementen, Sinnen und dem Denken bestehende Māyā, verweilt – Ihm, dem völlig Reinen, dem Unveränderlichen, dem von ungeteilter Erkenntnis, der im brennenden Herzen weilt, huldige ich.
Wort für Wort
yaḥ tu atra baddhaḥ iva
der aber hier wie gebunden
karmabhiḥ āvṛta-ātmā
durch Taten die Seele verhüllend
bhūta-indriya-āśaya-mayīm māyām avalambya
gestützt auf die aus Elementen, Sinnen und Denken bestehende Māyā
Ihm, der, obwohl getrennt vom aus den fünf Elementen gebildeten Körper, durch diesen verhüllt ist, während ich mich fälschlich für aus Sinnen, Eigenschaften, Objekten und Bewusstsein bestehend halte – Ihm, dem allwissenden Seher, dessen Herrlichkeit unverhüllt bleibt, dem Purusha jenseits von Natur und Lebewesen, verneige ich mich.
Wort für Wort
yaḥ pañca-bhūta-racite śarīre
der, im aus den fünf Elementen gebildeten Körper
rahitaḥ channaḥ
getrennt, doch verhüllt
ayathā indriya-guṇa-artha-cit-ātmakaḥ aham
ich, der ich mich fälschlich für aus Sinnen, Eigenschaften, Objekten und Bewusstsein bestehend halte
tena avikuṇṭha-mahimānam
durch diesen, dessen Herrlichkeit unverhüllt bleibt
Durch wessen Māyā, gebunden an die aus den mächtigen Erscheinungsweisen entstandenen Werke, wandelnd auf diesem Pfad des Weltenkreislaufs, mit durch solche Mühsal verlorener Erinnerung – mit welchem Mittel könnte dieses Lebewesen wohl wieder seine wahre Natur erkennen, ohne die Gnade des Erhabenen?
Wort für Wort
yat-māyayā
durch dessen Māyā
uru-guṇa-karma-nibandhane asmin sāṁsārike pathi caran
wandelnd auf diesem, an die mächtigen Erscheinungsweisen und Werke gebundenen Pfad des Weltenkreislaufs
tat-abhiśrameṇa naṣṭa-smṛtiḥ
mit durch jene Mühsal verlorener Erinnerung
punaḥ ayam pravṛṇīta lokam
wie könnte dieses wieder seine wahre Natur erkennen
jñānaṁ yad etad adadhāt
katamaḥ sa devas
trai-kālikaṁ sthira-careṣv
anuvartitāṁśaḥ
taṁ jīva-karma-padavīm
anuvartamānās
tāpa-trayopaśamanāya
vayaṁ bhajema
Wer sonst als jener Gott hat dieses Wissen über die drei Zeiten verliehen, Er, der als Sein Teil in Beweglichem und Unbeweglichem fortwährend gegenwärtig ist? Ihm wollen wir, die wir dem Pfad des Karma der Lebewesen folgen, dienen, um die dreifache Pein zu besänftigen.
Wort für Wort
jñānam yat etat adadhāt
wer dieses Wissen verliehen hat
katamaḥ saḥ devaḥ
wer sonst als jener Gott
trai-kālikam
über die drei Zeiten
sthira-careṣu anuvartita-aṁśaḥ
als Sein Teil in Beweglichem und Unbeweglichem fortwährend gegenwärtig
tam jīva-karma-padavīm anuvartamānāḥ
Ihm, die wir dem Pfad des Karma der Lebewesen folgen
dehy anya-deha-vivare
jaṭharāgnināsṛg-viṇ-mūtra-kūpa-patito
bhṛśa-tapta-dehaḥ
icchann ito vivasituṁ
gaṇayan sva-māsān
nirvāsyate kṛpaṇa-dhīr
bhagavan kadā nu
Der Verkörperte, in den Hohlraum eines anderen Körpers gefallen, in den Brunnen von Blut, Kot und Urin gestürzt, vom Magenfeuer heftig verbrannt am Leibe, begierig, von hier zu entkommen, die eigenen Monate zählend – wann, o Herr, wird er, von kläglichem Verstande, wohl befreit werden?
yenedṛśīṁ gatim asau
daśa-māsya īśa
saṅgrāhitaḥ puru-dayena
bhavādṛśena
svenaiva tuṣyatu kṛtena
sa dīna-nāthaḥ
ko nāma tat-prati
vināñjalim asya kuryāt
Durch wen, o Herr, dieser Zehnmonatige zu einem solchen Zustand gebracht wurde – möge Er, der überaus Gnädige, Deinesgleichen, allein durch Sein eigenes Tun zufrieden sein; Er, der Herr der Elenden – wer könnte Ihm dafür wohl etwas anderes als gefaltete Hände darbringen?
Wort für Wort
yena īdṛśīm gatim
durch wen zu solchem Zustand
asau daśa-māsyaḥ īśa saṅgrāhitaḥ
dieser Zehnmonatige, o Herr, gebracht wurde
puru-dayena bhavādṛśena
durch Ihn, den überaus Gnädigen, Deinesgleichen
svena eva kṛtena tuṣyatu
möge Er allein durch Sein eigenes Tun zufrieden sein
Dieser, von sieben Hüllen Gebundene, sieht wahrlich mit Verstand die körperlichen Wahrnehmungen; ein anderer aber, mit einem Körper zur Selbstbeherrschung, [bin ich] in meinem eigenen Leib, durch dessen Schöpfung ich entstand. Diesen uralten Purusha sehe ich, außen und im Herzen, gleich dem Erkennungsgrund [caitya] erkannt.
Wort für Wort
paśyati ayam dhiṣaṇayā nanu
dieser sieht wahrlich mit Verstand
sapta-vadhriḥ śārīrake
der von sieben Hüllen Gebundene die körperlichen (Wahrnehmungen)
dama-śarīrī aparaḥ
ein anderer, mit einem Körper zur Selbstbeherrschung [?]
sva-dehe yat-sṛṣṭayā āsam
in meinem eigenen Körper, durch dessen Schöpfung ich wurde
tam aham puruṣam purāṇam paśye
diesen uralten Purusha sehe ich
bahiḥ hṛdi ca
außen und im Herzen
caityam iva pratītam
als dem Erkennungsgrund gleich erkannt
Philosophisch dichte Stelle; Übersetzung mit [?] als beste Deutung markiert.
so 'haṁ vasann api vibho
bahu-duḥkha-vāsaṁ
garbhān na nirjigamiṣe
bahir andha-kūpe
yatropayātam upasarpati
deva-māyā
mithyā matir yad-anu
saṁsṛti-cakram etat
So wohne auch ich, o Allmächtiger, in dieser Wohnstatt vieler Leiden, dem Mutterschoß, und doch begehre ich nicht, nach draußen zu gehen – in den blinden Brunnen, wo, kaum ist man dort angelangt, die göttliche Māyā heranschleicht, die falsche Erkenntnis, welcher folgend dieses Rad des Weltenkreislaufs entsteht.
Darum will ich, frei von Verzagtheit, mich selbst rasch aus der Finsternis erretten, durch meinen eigenen wohlgesonnenen Verstand, so dass mir dieses vielfach löchrige Unheil nicht wieder widerfahre – indem ich die Füße Viṣṇus im Herzen berge.
Wort für Wort
tasmāt aham vigata-viklavaḥ
darum ich, frei von Verzagtheit
uddhariṣye ātmānam āśu tamasaḥ
will mich selbst rasch aus der Finsternis erretten
Kapila sprach: Während der Seher, so entschlossen, im Schoß, zehn Monate alt, lobpreisend verweilt, treibt ihn sogleich der Geburtswind zur Entbindung nach unten gewandt.
Auf die Erde gefallen, mit Blut vermischt, zappelt er wie ein Unratwurm; er schreit laut, da sein Wissen entschwunden ist, in einen entgegengesetzten Zustand geraten.
Auf ein unreines, von Schweiß beschmutztes Lager gelegt, ist das Lebewesen nicht Herr darüber, seine Glieder zu kratzen, sich zu setzen, aufzustehen oder sich zu bewegen.
Wort für Wort
śāyitaḥ aśuci-paryaṅke
gelegt auf ein unreines Lager
jantuḥ svedaja-dūṣite
das Lebewesen, durch Schweiß beschmutzt
na īśaḥ kaṇḍūyane aṅgānām
nicht Herr, die Glieder zu kratzen
āsana-utthāna-ceṣṭane
sich zu setzen, aufzustehen, sich zu bewegen
[Anm.: Auf der Quellseite war für diesen Vers keine gesonderte Wort-für-Wort-Glossierung (SYNONYMS) verfügbar; Übersetzung eigenständig aus dem IAST-Text erarbeitet.]
ity evaṁ śaiśavaṁ bhuktvā
duḥkaṁ paugaṇḍam eva ca
alabdhābhīpsito 'jñānād
iddha-manyuḥ śucārpitaḥ
Nachdem er so die Kindheit und das leidvolle Knabenalter durchlitten hat, entbrennt in ihm, da er aus Unwissenheit seine Wünsche nicht erlangt, Zorn, und er wird von Kummer ergriffen.
Wort für Wort
iti evam śaiśavam bhuktvā
nachdem er so die Kindheit durchlitten hat
duḥkham paugaṇḍam eva ca
und ebenso das leidvolle Knabenalter
alabdha-abhīpsitaḥ ajñānāt
da er aus Unwissenheit seine Wünsche nicht erlangt
An dem aus den fünf Elementen gebildeten Körper haftend, bildet der unwissende Verkörperte, von schlechtem Verstand, beständig, ergriffen vom Unwirklichen, den Gedanken 'Ich' und 'Mein'.
Um seinetwillen verrichtet er Werke, durch die gebunden er in den Weltenkreislauf eingeht; dieser Körper folgt ihm nach, Leid gebend, gebunden durch Unwissenheit und Werke.
Wort für Wort
tat-artham kurute karma
um seinetwillen verrichtet er Werke
yat-baddhaḥ yāti saṁsṛtim
durch die gebunden er in den Weltenkreislauf eingeht
Wenn das Lebewesen sich wiederum auf dem Pfad der Unwürdigen, deren Streben nur Geschlecht und Bauch gilt, aufhält und sich dort vergnügt, dringt es wie zuvor in Finsternis ein.
Wahrhaftigkeit, Reinheit, Mitgefühl, Schweigsamkeit, Verstand, Wohlstand, Scham, Ruhm, Vergebung, Gemütsruhe, Sinnesbeherrschung und Glück – durch wessen Gesellschaft all dies zunichtewird.
teṣv aśānteṣu mūḍheṣu
khaṇḍitātmasv asādhuṣu
saṅgaṁ na kuryāc chocyeṣu
yoṣit-krīḍā-mṛgeṣu ca
Mit diesen Unruhigen, Törichten, an sich selbst Uneinigen, Unredlichen, Bemitleidenswerten und mit denen, die wie Haustiere zum Spielzeug der Frauen geworden sind, sollte man keine Gemeinschaft pflegen.
Wort für Wort
teṣu aśānteṣu mūḍheṣu
mit diesen Unruhigen, Törichten
khaṇḍita-ātmasu asādhuṣu
an sich selbst Uneinigen, Unredlichen
saṅgam na kuryāt
sollte man keine Gemeinschaft pflegen
śocyeṣu
mit den Bemitleidenswerten
yoṣit-krīḍā-mṛgeṣu ca
und mit denen, die Spielzeug der Frauen sind wie Haustiere
Nicht so sehr entstünde für einen Mann Verblendung und Bindung durch Verbindung mit anderen Dingen, wie durch Umgang mit einer Frau, und wie durch die Gesellschaft derer, die mit ihr Umgang pflegen.
Wort für Wort
na tathā asya bhavet mohaḥ
nicht so sehr entstünde für ihn Verblendung
bandhaḥ ca anya-prasaṅgataḥ
und Bindung durch Verbindung mit anderem
yoṣit-saṅgāt yathā puṁsaḥ
wie durch Umgang mit einer Frau für einen Mann
yathā tat-saṅgi-saṅgataḥ
wie durch die Gesellschaft derer, die mit ihr Umgang pflegen
prajāpatiḥ svāṁ duhitaraṁ
dṛṣṭvā tad-rūpa-dharṣitaḥ
rohid-bhūtāṁ so 'nvadhāvad
ṛkṣa-rūpī hata-trapaḥ
Als Prajāpati seine eigene Tochter erblickte, von ihrer Schönheit überwältigt, jagte er ihr, die zur Hirschkuh geworden war, in Gestalt eines Hirsches nach, aller Scham beraubt.
ko nv akhaṇḍita-dhīḥ pumān
ṛṣiṁ nārāyaṇam ṛte
yoṣin-mayyeha māyayā
Wer denn, unter den Lebewesen, dessen Verstand ungeteilt bliebe, abgesehen von dem Seher Nārāyaṇa, angesichts dieser Māyā hier, die aus der Weiblichkeit besteht?
Wort für Wort
kaḥ nu akhaṇḍita-dhīḥ pumān
wer denn, dessen Verstand ungeteilt bliebe
ṛṣim nārāyaṇam ṛte
abgesehen vom Seher Nārāyaṇa
yoṣit-mayī iha māyayā
angesichts der aus der Weiblichkeit bestehenden Māyā hier
[Anm.: Der auf vedabase.io gezeigte IAST-Text dieses Verses erschien nur mit drei Versfüßen (ohne vierten Pada) und ohne separate Wort-für-Wort-Glossierung; Übersetzung ist eine beste Deutung [?] auf Basis des verfügbaren Textes.]
Sieh die Macht Meiner Māyā, die die Gestalt der Frau annimmt: sie macht selbst die Eroberer aller Himmelsrichtungen zu ihren Füßen ergebenen Dienern, durch das bloße Spiel ihrer Augenbrauen.
saṅgaṁ na kuryāt pramadāsu jātu
yogasya pāraṁ param ārurukṣuḥ
mat-sevayā pratilabdhātma-lābho
vadanti yā niraya-dvāram asya
Niemals sollte, wer nach dem höchsten Ziel des Yoga zu steigen begehrt, Gemeinschaft mit Frauen pflegen; selbst wer durch Dienst an Mir Selbsterkenntnis erlangt hat – man sagt, sie seien für ihn das Tor zur Hölle.
Wort für Wort
saṅgam na kuryāt pramadāsu jātu
niemals sollte man Gemeinschaft mit Frauen pflegen
yogasya pāram param ārurukṣuḥ
wer nach dem höchsten Ziel des Yoga zu steigen begehrt
mat-sevayā pratilabdha-ātma-lābhaḥ
selbst wer durch Dienst an Mir Selbsterkenntnis erlangt hat
Die Māyā, die sich als vom Herrn geschaffene Frau langsam nähert – sie soll man als den eigenen Tod betrachten, wie einen mit Gras überdeckten Brunnen.
Wort für Wort
yā upayāti śanaiḥ
die sich langsam nähert
māyā yoṣit deva-vinirmitā
die vom Herrn geschaffene Māyā in Gestalt der Frau
Den sie aus Verblendung für ihren Gatten hält, ist in Wahrheit Meine Māyā, die in männlicher Gestalt herankommt; und er, der durch Verbindung mit einer Frau gleichsam der Weiblichkeit [ihrer Anziehung] verfallen ist, hat in ihr die Geberin von Reichtum, Nachkommenschaft und Haus erblickt.
Wort für Wort
yām manyate patim mohāt
den sie aus Verblendung für ihren Gatten hält
mat-māyām ṛṣabha-āyatīm
(in Wahrheit) Meine Māyā, in männlicher Gestalt herankommend
strītvam strī-saṅgataḥ prāptaḥ
und er, der durch Verbindung mit einer Frau gleichsam der Weiblichkeit verfallen ist [?]
vitta-apatya-gṛha-pradam
als Geberin von Reichtum, Nachkommen und Haus
Vers grammatisch und inhaltlich vielschichtig (Doppelbezug auf Mann und Frau); Übersetzung von 'strītvaṁ ... prāptaḥ' als beste Deutung [?] markiert.
tām ātmano vijānīyāt
paty-apatya-gṛhātmakam
daivopasāditaṁ mṛtyuṁ
mṛgayor gāyanaṁ yathā
Man soll sie, die aus Gatte, Kindern und Haus besteht, als den durch göttliche Fügung herbeigeführten eigenen Tod erkennen, wie den Lockgesang des Jägers für das Wild.
Wort für Wort
tām ātmanaḥ vijānīyāt
sie soll man als den eigenen (Tod) erkennen
pati-apatya-gṛha-ātmakam
die aus Gatte, Kindern und Haus besteht
daiva-upasāditam mṛtyum
als den durch göttliche Fügung herbeigeführten Tod
Mit dem Körper, den das Lebewesen jeweils annimmt, von Welt zu Welt wandernd, zugleich die Früchte der Werke genießend, verrichtet der Mensch unaufhörlich weitere Werke.
jīvo hy asyānugo deho
bhūtendriya-mano-mayaḥ
tan-nirodho 'sya maraṇam
āvirbhāvas tu sambhavaḥ
Denn dem Lebewesen folgt der Körper, der aus den Elementen, den Sinnen und dem Denken besteht; dessen Aufhören ist sein Tod, sein Erscheinen aber die Geburt.
dravyopalabdhi-sthānasya
dravyekṣāyogyatā yadā
tat pañcatvam ahaṁ-mānād
utpattir dravya-darśanam
Wenn die Stätte der Objektwahrnehmung [das Sinnesorgan] unfähig wird, das Objekt wahrzunehmen, so ist das der Tod; das aus dem Ich-Gedanken heraus neu erwachende Erblicken eines Objekts aber ist die Geburt.
Wort für Wort
dravya-upalabdhi-sthānasya
der Stätte der Objektwahrnehmung (des Sinnesorgans)
dravya-īkṣā-ayogyatā yadā
wenn die Unfähigkeit eintritt, das Objekt wahrzunehmen
tat pañcatvam
das ist der Tod
aham-mānāt utpattiḥ dravya-darśanam
das aus dem Ich-Gedanken heraus (neu) entstehende Erblicken eines Objekts (ist die Geburt)
[Anm.: Auf vedabase.io werden die Verse 45 und 46 gemeinsam auf einer Seite dargestellt; hier gemäß der zwei Sanskrit-Strophen getrennt als 45 und 46 wiedergegeben, damit die Versnummerierung lückenlos bleibt.]
So wie, wenn bei den Augen die Unfähigkeit eintritt, die Teile eines Objekts zu sehen, eben dann für das Sehvermögen und den Sehenden beiden zugleich die Unfähigkeit zum Sehen eintritt.
Wort für Wort
yathā akṣṇoḥ
so wie bei den Augen
dravya-avayava-darśana-ayogyatā yadā
wenn die Unfähigkeit eintritt, die Teile eines Objekts zu sehen
tadā eva
eben dann
cakṣuṣaḥ draṣṭuḥ
für das Sehvermögen und den Sehenden
draṣṭṛtva-ayogyatā anayoḥ
tritt für beide die Unfähigkeit zum Sehen ein
Philosophisch dichter Vergleichsvers (Analogie zum Vorvers); Übersetzung als beste Deutung [?] markiert.
tasmān na kāryaḥ santrāso
na kārpaṇyaṁ na sambhramaḥ
buddhvā jīva-gatiṁ dhīro
mukta-saṅgaś cared iha
Deshalb soll man weder Entsetzen noch Kleinmut noch hastige Angst empfinden; nachdem er den wahren Zustand des Lebewesens erkannt hat, möge der Standhafte, frei von Anhaftung, hier auf Erden wandeln.
Wort für Wort
tasmāt na kāryaḥ santrāsaḥ
deshalb soll man kein Entsetzen empfinden
na kārpaṇyam na sambhramaḥ
weder Kleinmut noch hastige Angst
buddhvā jīva-gatim
nachdem er den wahren Zustand des Lebewesens erkannt hat
dhīraḥ mukta-saṅgaḥ caret iha
möge der Standhafte, frei von Anhaftung, hier wandeln
Mit rechter Einsicht begabtem Verstand, verbunden mit Yoga und Entsagung, möge er in dieser von Māyā gestalteten Welt wandeln, bis er den Körper ablegt.
Wort für Wort
samyak-darśanayā buddhyā
mit rechter Einsicht begabtem Verstand
yoga-vairāgya-yuktayā
verbunden mit Yoga und Entsagung
māyā-viracite loke caret
möge er in dieser von Māyā gestalteten Welt wandeln