Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 64: dakṣa-śiva-śāpaḥ [?] Dakṣa verflucht Śiva

vidura uvāca bhave śīlavatāṁ śreṣṭhe dakṣo duhitṛ-vatsalaḥ vidveṣam akarot kasmād anādṛtyātmajāṁ satīm

Vidura sprach: Weshalb übte Dakṣa, der seine Tochter Liebende, gegen Bhava [Śiva], den Besten der Tugendhaften, Feindschaft aus, indem er seine eigene Tochter Satī missachtete?

Wort für Wort
viduraḥ uvāca
Vidura (Nom.) sprach
bhave
gegen Bhava/Śiva (Lok., Zielperson des Hasses)
śīlavatām śreṣṭhe
gegen den Besten (Lok.) der Tugendhaften (Gen.Pl.)
dakṣaḥ
Dakṣa (Nom.)
duhitṛ-vatsalaḥ
der seine Tochter Liebende (Nom., Kompositum)
vidveṣam akarot
übte (3.Sg.Impf.) Feindschaft (Akk.) aus
kasmāt
weshalb (Abl.)
anādṛtya
missachtend (Absolutiv)
ātmajām satīm
die eigene Tochter (Akk.), Satī (Akk., Apposition)

kas taṁ carācara-guruṁ nirvairaṁ śānta-vigraham ātmārāmaṁ kathaṁ dveṣṭi jagato daivataṁ mahat

Wer hasst wie ihn, den Lehrer des Beweglichen und Unbeweglichen, den Feindlosen, den von friedvoller Gestalt, den in sich selbst Ruhenden, die große Gottheit der Welt?

Wort für Wort
kaḥ
wer (Nom.)
tam
ihn (Akk.)
cara-acara-gurum
den Lehrer (Akk.) des Beweglichen und Unbeweglichen
nirvairam
den Feindlosen (Akk.)
śānta-vigraham
den von friedvoller Gestalt (Akk.)
ātma-ārāmam
den in sich selbst Erfreuten (Akk.)
katham dveṣṭi
wie hasst (3.Sg.Präs.)
jagataḥ daivatam mahat
die große (Akk.) Gottheit (Akk.) der Welt (Gen.)

etad ākhyāhi me brahman jāmātuḥ śvaśurasya ca vidveṣas tu yataḥ prāṇāṁs tatyaje dustyajān satī

Erzähle mir dies, o Brahmane: wodurch entstand die Feindschaft zwischen dem Schwiegersohn und dem Schwiegervater, weswegen Satī ihr Leben aufgab, das doch so schwer aufzugeben ist?

Wort für Wort
etat ākhyāhi me
dies (Akk.) erzähle (Imp.) mir (Dat.)
brahman
o Brahmane (Vok.)
jāmātuḥ śvaśurasya ca
des Schwiegersohns (Gen.) und des Schwiegervaters (Gen.)
vidveṣaḥ tu
die Feindschaft (Nom.) aber
yataḥ
wodurch, weswegen (Abl./Adv.)
prāṇān tatyaje
das Leben (Akk.Pl.) gab auf (3.Sg., Ātm.)
dustyajān
das schwer aufzugebende (Akk.Pl., Adj. zu prāṇān)
satī
Satī (Nom.)

maitreya uvāca purā viśva-sṛjāṁ satre sametāḥ paramarṣayaḥ tathāmara-gaṇāḥ sarve sānugā munayo 'gnayaḥ

Maitreya sprach: Einst versammelten sich bei einem Opfer der Weltschöpfer die höchsten Weisen, und ebenso alle Scharen der Unsterblichen, die Weisen mitsamt ihren Gefolgsleuten und die Feuergötter.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya (Nom.) sprach
purā
einst, vordem
viśva-sṛjām satre
bei einem Opfer (Lok.) der Weltschöpfer (Gen.Pl.)
sametāḥ paramarṣayaḥ
versammelt (Nom.Pl.) die höchsten Weisen (Nom.Pl.)
tathā amara-gaṇāḥ sarve
und ebenso alle (Nom.Pl.) Scharen der Unsterblichen (Nom.Pl.)
sa-anugāḥ munayaḥ
die Weisen (Nom.Pl.) mitsamt ihren Gefolgsleuten
agnayaḥ
die Feuergötter (Nom.Pl.)

tatra praviṣṭam ṛṣayo dṛṣṭvārkam iva rociṣā bhrājamānaṁ vitimiraṁ kurvantaṁ tan mahat sadaḥ

Als die Weisen dort den Eingetretenen [Dakṣa] sahen, der wie die Sonne durch seinen Glanz strahlte und jene große Versammlung leuchtend und frei von Dunkel machte...

Wort für Wort
tatra praviṣṭam
den dort Eingetretenen (Akk., d.h. Dakṣa)
ṛṣayaḥ dṛṣṭvā
die Weisen (Nom.), nachdem sie gesehen hatten (Absolutiv)
arkam iva rociṣā
wie die Sonne (Akk.) durch Glanz (Instr.)
bhrājamānam
strahlend (Akk., Ptz.Präs.)
vitimiram kurvantam
frei von Dunkel machend (Akk., Ptz.Präs.)
tat mahat sadaḥ
jene (Akk.) große (Akk.) Versammlung (Akk.)

Das Objekt 'praviṣṭam' (der Eingetretene) bezieht sich, wie aus V. 7 hervorgeht, auf Dakṣa; der Satz ist syntaktisch auf V. 6-7 hin offen.

udatiṣṭhan sadasyās te sva-dhiṣṇyebhyaḥ sahāgnayaḥ ṛte viriñcāṁ śarvaṁ ca tad-bhāsākṣipta-cetasaḥ

Jene Versammlungsmitglieder erhoben sich zusammen mit den Feuergöttern von ihren eigenen Sitzen, ihre Gedanken von jenem Glanz ergriffen - ausgenommen Brahmā und Śarva [Śiva].

Wort für Wort
udatiṣṭhan
sie erhoben sich (3.Pl.Impf.)
sadasyāḥ te
jene (Nom.Pl.) Versammlungsmitglieder (Nom.Pl.)
sva-dhiṣṇyebhyaḥ
von ihren eigenen Sitzen (Abl.Pl.)
saha-agnayaḥ
zusammen mit den Feuergöttern (Nom.Pl.)
ṛte viriñcām śarvam ca
ausgenommen (+Akk.) Brahmā (Akk.) und Śarva/Śiva (Akk.)
tad-bhāsa-ākṣipta-cetasaḥ
deren Gedanken (Nom.Pl.) von dessen Glanz ergriffen waren

sadasas-patibhir dakṣo bhagavān sādhu sat-kṛtaḥ ajaṁ loka-guruṁ natvā niṣasāda tad-ājñayā

Dakṣa, der Erhabene, wurde von den Herren der Versammlung gebührend geehrt; nachdem er sich vor dem Ungeborenen, dem Lehrer der Welt, verneigt hatte, setzte er sich auf dessen Geheiß.

Wort für Wort
sadasaḥ-patibhiḥ
von den Herren (Instr.Pl.) der Versammlung
dakṣaḥ bhagavān
Dakṣa (Nom.), der Erhabene (Nom.)
sādhu sat-kṛtaḥ
gebührend (Adv.) geehrt (Nom., PPP)
ajam loka-gurum natvā
vor dem Ungeborenen (Akk.), dem Lehrer der Welt (Akk.), sich verneigend (Absolutiv)
niṣasāda
er setzte sich (3.Sg.Perf.)
tad-ājñayā
auf dessen Geheiß (Instr.)

prāṅ-niṣaṇṇaṁ mṛḍaṁ dṛṣṭvā nāmṛṣyat tad-anādṛtaḥ uvāca vāmaṁ cakṣurbhyām abhivīkṣya dahann iva

Als er Mṛḍa [Śiva] sah, der schon zuvor sitzend dort verweilte, ertrug er es nicht, von ihm missachtet zu sein; mit beiden Augen ihn anblickend, gleichsam verbrennend, sprach er auf feindselige Weise.

Wort für Wort
prāk-niṣaṇṇam mṛḍam dṛṣṭvā
nachdem er den schon zuvor sitzenden (Akk.) Mṛḍa/Śiva (Akk.) gesehen hatte (Absolutiv)
na amṛṣyat
er ertrug nicht (3.Sg.Impf.)
tad-anādṛtaḥ
von ihm missachtet (Nom., PPP)
uvāca vāmam
er sprach (3.Sg.Perf.) auf feindselige/verkehrte Weise (Akk., Adv.)
cakṣurbhyām abhivīkṣya
mit beiden Augen (Instr.Du.) anblickend (Absolutiv)
dahan iva
gleichsam verbrennend (Ptz.Präs.)

śrūyatāṁ brahmarṣayo me sahadevāḥ sahāgnayaḥ sādhūnāṁ bruvato vṛttaṁ nājñānān na ca matsarāt

Hört mich an, ihr Brahmanenweisen, zusammen mit den Göttern und den Feuergöttern - mich, der ich über das Benehmen der Rechtschaffenen spreche, weder aus Unwissenheit noch aus Neid.

Wort für Wort
śrūyatām me
man höre (Imp.Pass.) mich (Gen./Akk.)
brahma-ṛṣayaḥ
o Brahmanenweise (Vok.Pl.)
saha-devāḥ saha-agnayaḥ
zusammen mit den Göttern, zusammen mit den Feuergöttern (Vok.Pl.)
sādhūnām vṛttam
das Benehmen (Akk.) der Rechtschaffenen (Gen.Pl.)
bruvataḥ
sprechend (Gen., Ptz.Präs., auf 'me' bezogen)
na ajñānāt
nicht aus Unwissenheit (Abl.)
na ca matsarāt
und nicht aus Neid (Abl.)

ayaṁ tu loka-pālānāṁ yaśo-ghno nirapatrapaḥ sadbhir ācaritaḥ panthā yena stabdhena dūṣitaḥ

Dieser hier aber ist ein Vernichter des Ruhmes der Weltenhüter, schamlos, durch dessen Starrsinn der von den Rechtschaffenen begangene Pfad besudelt wurde.

Wort für Wort
ayam tu
dieser hier (Nom.) aber
loka-pālānām yaśaḥ-ghnaḥ
der Ruhm-Vernichter (Nom.) der Weltenhüter (Gen.Pl.)
nirapatrapaḥ
schamlos (Nom.)
sadbhiḥ ācaritaḥ panthāḥ
der von den Rechtschaffenen (Instr.Pl.) begangene Pfad (Nom.)
yena stabdhena dūṣitaḥ
durch den Starrsinnigen (Instr.) besudelt (Nom., PPP)

eṣa me śiṣyatāṁ prāpto yan me duhitur agrahīt pāṇiṁ viprāgni-mukhataḥ sāvitryā iva sādhuvat

Dieser hier ist in meine Schülerschaft gelangt, da er die Hand meiner Tochter vor Brahmanen und Feuer ergriff, wie man die der Sāvitrī [ergreift], scheinbar in rechtschaffener Weise.

Wort für Wort
eṣaḥ
dieser (Nom., Śiva)
me śiṣyatām prāptaḥ
meine (Gen.) Schülerschaft (Akk.) erlangt habend (Nom., PPP)
yat
weil, da
me duhituḥ pāṇim agrahīt
die Hand (Akk.) meiner (Gen.) Tochter (Gen.) ergriff (3.Sg.Aor.)
vipra-agni-mukhataḥ
vor dem Angesicht der Brahmanen und des Feuers (Adv.)
sāvitryāḥ iva
wie die der Sāvitrī (Gen.)
sādhuvat
wie ein Rechtschaffener, scheinbar rechtschaffen (Adv.)

gṛhītvā mṛga-śāvākṣyāḥ pāṇiṁ markaṭa-locanaḥ pratyutthānābhivādārhe vācāpy akṛta nocitam

Er, dessen Augen wie die eines Affen sind, ergriff die Hand von ihr, deren Augen wie die eines Rehkitzes sind, doch mir, dem das Aufstehen und die Ehrbezeugung gebühren, erwies er nicht einmal mit Worten die geziemende Achtung.

Wort für Wort
gṛhītvā
ergriffen habend (Absolutiv)
mṛga-śāva-akṣyāḥ pāṇim
die Hand (Akk.) von ihr, deren Augen wie ein Rehkitz sind (Gen.)
markaṭa-locanaḥ
der, dessen Augen wie die eines Affen sind (Nom.)
pratyutthāna-abhivāda-arhe
mir, dem Aufstehen und Ehrbezeugung gebühren (Dat./Lok.)
vācā api
nicht einmal mit Worten (Instr.)
akṛta na ucitam
er tat nicht (3.Sg.Impf.) das Geziemende (Akk.)

lupta-kriyāyāśucaye mānine bhinna-setave anicchann apy adāṁ bālāṁ śūdrāyevośatīṁ giram

Ihm, dessen Riten verfallen sind, dem Unreinen, dem Stolzen, der alle Schranken der Sitte gebrochen hat, gab ich, obwohl ich nicht wollte, das Mädchen, wie man einem Śūdra die begehrenswerte [heilige] Rede [der Veden] gibt.

Wort für Wort
lupta-kriyāya
dem, dessen Riten verfallen sind (Dat.)
aśucaye
dem Unreinen (Dat.)
mānine
dem Stolzen (Dat.)
bhinna-setave
dem, der die Schranken der Sitte gebrochen hat (Dat.)
anicchan api
obwohl nicht wollend (Nom., Ptz.Präs.)
adām bālām
ich gab (1.Sg.Impf.) das Mädchen (Akk.)
śūdrāya iva
wie einem Śūdra (Dat.)
uśatīm giram
die begehrenswerte Rede (Akk., d.h. den Veda)

pretāvāseṣu ghoreṣu pretair bhūta-gaṇair vṛtaḥ aṭaty unmattavan nagno vyupta-keśo hasan rudan citā-bhasma-kṛta-snānaḥ preta-sraṅ-nrasthi-bhūṣaṇaḥ śivāpadeśo hy aśivo matto matta-jana-priyaḥ patiḥ pramatha-nāthānāṁ tamo-mātrātmakātmanām

In den schrecklichen Wohnstätten der Verstorbenen, umgeben von Gespenstern und Geisterscharen, wandert er umher wie ein Wahnsinniger, nackt, mit zerzaustem Haar, lachend, weinend; er badet in der Asche des Scheiterhaufens, geschmückt mit einer Girlande aus Totenschädeln und mit Menschenknochen; nur dem Namen nach 'Śiva' [der Glückverheißende], in Wahrheit aber unheilvoll, verrückt, den Verrückten lieb - der Herr der Pramathas, jener, deren Wesen ganz aus der Erscheinungsweise der Unwissenheit besteht.

Wort für Wort
preta-āvāseṣu ghoreṣu
in den schrecklichen (Lok.Pl.) Wohnstätten der Verstorbenen (Lok.Pl.)
pretaiḥ bhūta-gaṇaiḥ vṛtaḥ
umgeben (Nom.) von Gespenstern und Geisterscharen (Instr.Pl.)
aṭati unmatta-vat nagnaḥ
er wandert umher (3.Sg.Präs.), wie ein Wahnsinniger, nackt (Nom.)
vyupta-keśaḥ hasan rudan
mit zerzaustem Haar (Nom.), lachend, weinend (Ptz.Präs.)
citā-bhasma-kṛta-snānaḥ
der, dessen Bad aus der Asche des Scheiterhaufens gemacht ist (Nom.)
preta-srak-nṛ-asthi-bhūṣaṇaḥ
geschmückt mit einer Totenschädel-Girlande und Menschenknochen (Nom.)
śiva-apadeśaḥ hi aśivaḥ
nur dem Namen nach Śiva/glückverheißend, in Wahrheit aber unheilvoll (Nom.)
mattaḥ matta-jana-priyaḥ
verrückt (Nom.), den verrückten Leuten lieb (Nom.)
patiḥ pramatha-nāthānām
der Herr (Nom.) der Gebieter der Pramathas (Gen.Pl.)
tamaḥ-mātra-ātmaka-ātmanām
derer, deren Wesen einzig aus der Erscheinungsweise der Unwissenheit besteht (Gen.Pl.)

tasmā unmāda-nāthāya naṣṭa-śaucāya durhṛde dattā bata mayā sādhvī codite parameṣṭhinā

Ihm, dem Herrn der Wahnsinnigen, dem der Reinheit Verlustigen, dem von übler Gesinnung, wurde, ach, von mir die Tugendhafte gegeben, da ich vom höchsten Lehrer [Brahmā] dazu veranlasst wurde.

Wort für Wort
tasmai unmāda-nāthāya
ihm, dem Herrn der Wahnsinnigen (Dat.)
naṣṭa-śaucāya
dem, dessen Reinheit verloren ist (Dat.)
durhṛde
dem von übler Gesinnung (Dat.)
dattā bata mayā sādhvī
gegeben wurde (Nom., PPP), ach, von mir (Instr.) die Tugendhafte (Nom.)
codite parameṣṭhinā
da veranlasst (Instr.Abs.) durch den höchsten Lehrer (Instr.)

maitreya uvāca vinindyaivaṁ sa giriśam apratīpam avasthitam dakṣo 'thāpa upaspṛśya kruddhaḥ śaptuṁ pracakrame

Maitreya sprach: Nachdem er so Giriśa [Śiva] geschmäht hatte, der doch ohne Feindseligkeit dastand, berührte Dakṣa daraufhin Wasser und begann, zornig, ihn zu verfluchen.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya (Nom.) sprach
vinindya evam
so geschmäht habend (Absolutiv)
saḥ giriśam
er (Nom.) den Giriśa/Śiva (Akk.)
apratīpam avasthitam
der ohne Feindseligkeit (Akk.) dastand (Akk., Ptz.Perf.)
dakṣaḥ atha apaḥ upaspṛśya
Dakṣa (Nom.), darauf Wasser (Akk.) berührend (Absolutiv)
kruddhaḥ śaptum pracakrame
zornig (Nom.) begann (3.Sg.Perf.) zu verfluchen (Inf.)

ayaṁ tu deva-yajana indropendrādibhir bhavaḥ saha bhāgaṁ na labhatāṁ devair deva-gaṇādhamaḥ

Dieser Bhava [Śiva] aber, der Niedrigste der Götterscharen, soll beim Opfer der Götter zusammen mit Indra, Upendra und den anderen keinen Anteil zusammen mit den Göttern erhalten.

Wort für Wort
ayam tu bhavaḥ
dieser (Nom.) Bhava/Śiva (Nom.) aber
deva-yajane
beim Opfer der Götter (Lok.)
indra-upendra-ādibhiḥ
zusammen mit Indra, Upendra und den anderen (Instr.Pl.)
saha bhāgam na labhatām
soll keinen Anteil (Akk.) zusammen (mit) erlangen (3.Sg.Imp.)
devaiḥ
mit den Göttern (Instr.Pl.)
deva-gaṇa-adhamaḥ
der Niedrigste (Nom.) der Götterscharen (Gen.Pl.)

niṣidhyamānaḥ sa sadasya-mukhyair dakṣo giritrāya visṛjya śāpam tasmād viniṣkramya vivṛddha-manyur jagāma kauravya nijaṁ niketanam

Obwohl er von den Häuptern der Versammlung daran gehindert wurde, schleuderte Dakṣa gegen Giritra [Śiva] seinen Fluch; von dort hinausgehend, mit gesteigertem Zorn, ging er, o Kaurava, zu seiner eigenen Wohnstatt.

Wort für Wort
niṣidhyamānaḥ
gehindert werdend (Nom., Ptz.Präs.Pass.)
saḥ sadasya-mukhyaiḥ
er (Nom.) von den Häuptern der Versammlung (Instr.Pl.)
dakṣaḥ giritrāya
Dakṣa (Nom.) gegen Giritra/Śiva (Dat.)
visṛjya śāpam
einen Fluch (Akk.) schleudernd (Absolutiv)
tasmāt viniṣkramya
von dort (Abl.) hinausgehend (Absolutiv)
vivṛddha-manyuḥ
mit gesteigertem Zorn (Nom.)
jagāma kauravya
er ging (3.Sg.Perf.), o Kaurava (Vok., d.h. Vidura)
nijam niketanam
zu seiner eigenen (Akk.) Wohnstatt (Akk.)

vijñāya śāpaṁ giriśānugāgraṇīr nandīśvaro roṣa-kaṣāya-dūṣitaḥ dakṣāya śāpaṁ visasarja dāruṇaṁ ye cānvamodaṁs tad-avācyatāṁ dvijāḥ

Als Nandīśvara, der Erste unter den Gefolgsleuten Giriśas, den Fluch vernahm, von Zorn rot gefärbt, schleuderte er einen furchtbaren Fluch gegen Dakṣa und auch gegen jene Brahmanen, die jener Unaussprechlichkeit [dem Verfluchen Śivas] zugestimmt hatten.

Wort für Wort
vijñāya śāpam
den Fluch (Akk.) erkannt/vernommen habend (Absolutiv)
giriśa-anuga-agraṇīḥ nandīśvaraḥ
Nandīśvara (Nom.), der Erste unter Giriśas Gefolgsleuten (Nom.)
roṣa-kaṣāya-dūṣitaḥ
von der Röte des Zorns befleckt (Nom.)
dakṣāya śāpam visasarja dāruṇam
gegen Dakṣa (Dat.) schleuderte (3.Sg.Aor.) einen furchtbaren (Akk.) Fluch (Akk.)
ye ca anvamodan
und diejenigen (Nom.Pl.), die zustimmten (3.Pl.Impf.)
tad-avācyatām
jener Unaussprechlichkeit (Akk., d.h. dem Verfluchen Śivas)
dvijāḥ
die Brahmanen (Nom.Pl.)

ya etan martyam uddiśya bhagavaty apratidruhi druhyaty ajñaḥ pṛthag-dṛṣṭis tattvato vimukho bhavet

Wer, im Hinblick auf diesen sterblichen [Leib], dem Erhabenen [Śiva], der nicht feindselig ist, dennoch Feindschaft erweist - ein solcher Unwissender, von zwiefältiger [dualistischer] Sicht, möge in Wahrheit von der Wahrheit abgewandt sein.

Wort für Wort
yaḥ
wer (Nom.)
etat martyam uddiśya
im Hinblick auf diesen sterblichen Leib (Akk.), (Absolutiv/Gerundium)
bhagavati apratidruhi
dem Erhabenen (Lok.), der nicht feindselig ist (Lok.)
druhyati
Feindschaft erweist (3.Sg.Präs.)
ajñaḥ pṛthak-dṛṣṭiḥ
der Unwissende (Nom.), von zwiefältiger Sicht (Nom.)
tattvataḥ vimukhaḥ bhavet
möge in Wahrheit (Adv.) abgewandt (Nom.) sein (3.Sg.Opt.)

gṛheṣu kūṭa-dharmeṣu sakto grāmya-sukhecchayā karma-tantraṁ vitanute veda-vāda-vipanna-dhīḥ

An das Hausleben mit seiner trügerischen Frömmigkeit gebunden, aus Verlangen nach weltlichem Glück, breite er das Gewebe der [fruchtbringenden] Werke aus, seine Einsicht durch die Wortauslegungen der Veden verdorben.

Wort für Wort
gṛheṣu kūṭa-dharmeṣu
an das Hausleben (Lok.), an trügerische Frömmigkeit (Lok.)
saktaḥ
gebunden (Nom.)
grāmya-sukha-icchayā
aus Verlangen (Instr.) nach weltlichem Glück
karma-tantram vitanute
das Gewebe der Werke (Akk.) breitet er aus (3.Sg.Präs.Med.)
veda-vāda-vipanna-dhīḥ
der, dessen Einsicht durch Wortauslegungen der Veden verdorben ist (Nom.)

buddhyā parābhidhyāyinyā vismṛtātma-gatiḥ paśuḥ strī-kāmaḥ so 'stv atitarāṁ dakṣo basta-mukho 'cirāt

Durch eine Einsicht, die auf Fremdes [den Körper] bedacht ist, den Weg zum Selbst vergessend, ein Vieh, dem Verlangen nach Frauen ergeben - so möge Dakṣa in Kürze in besonderem Maße ziegenbock-gesichtig werden.

Wort für Wort
buddhyā parābhidhyāyinyā
durch die auf Fremdes bedachte (Instr.) Einsicht (Instr.)
vismṛta-ātma-gatiḥ
der, dessen Weg zum Selbst vergessen ist (Nom.)
paśuḥ
ein Vieh (Nom.)
strī-kāmaḥ
dem Verlangen nach Frauen ergeben (Nom.)
saḥ astu atitarām
er (Nom.) möge werden (3.Sg.Imp.) in besonderem Maße (Adv.)
dakṣaḥ basta-mukhaḥ acirāt
Dakṣa (Nom.) ziegenbock-gesichtig (Nom.) in Kürze (Abl./Adv.)

vidyā-buddhir avidyāyāṁ karmamayyām asau jaḍaḥ saṁsarantv iha ye cāmum anu śarvāvamāninam

Er, dessen Wissen und Einsicht in der aus Werken bestehenden Unwissenheit befangen sind, stumpfsinnig - er und alle, die diesem, dem Śiva-Beleidiger, nachfolgen, mögen hier weiter im Kreislauf [der Wiedergeburten] wandern.

Wort für Wort
vidyā-buddhiḥ
der, dessen Wissen und Einsicht (Nom.)
avidyāyām karma-mayyām
in der aus Werken bestehenden (Lok.) Unwissenheit (Lok.)
asau jaḍaḥ
dieser (Nom.) Stumpfsinnige (Nom.)
saṁsarantu iha
sie mögen wandern (3.Pl.Imp.) hier (Adv.)
ye ca amum anu
und diejenigen (Nom.Pl.), die diesem (Akk.) nachfolgen
śarva-avamāninam
dem Śiva-Beleidiger (Akk.)

giraḥ śrutāyāḥ puṣpiṇyā madhu-gandhena bhūriṇā mathnā conmathitātmānaḥ sammuhyantu hara-dviṣaḥ

Durch die blumenreichen Worte der Veden, durch deren überreichen, aufwühlenden honigartigen Duft, ihr Innerstes aufgewühlt, mögen die Śiva-Hasser gänzlich verwirrt bleiben.

Wort für Wort
giraḥ śrutāyāḥ
die Worte (Instr./Gen., hier attributiv) der Veden (Gen.)
puṣpiṇyāḥ
der blumenreichen (Gen.)
madhu-gandhena bhūriṇā
durch den überreichen (Instr.) honigartigen Duft (Instr.)
mathnā ca
und durch das Aufwühlende (Instr.)
unmathita-ātmānaḥ
die, deren Innerstes aufgewühlt ist (Nom.Pl.)
sammuhyantu
sie mögen verwirrt bleiben (3.Pl.Imp.)
hara-dviṣaḥ
die Śiva-Hasser (Nom.Pl.)

sarva-bhakṣā dvijā vṛttyai dhṛta-vidyā-tapo-vratāḥ vitta-dehendriyārāmā yācakā vicarantv iha

Als alles-essende Brahmanen, die um des Lebensunterhalts willen Gelehrsamkeit, Askese und Gelübde auf sich genommen haben, an Reichtum, Körper und Sinnen ergötzt, mögen sie hier als Bettler umherwandern.

Wort für Wort
sarva-bhakṣāḥ dvijāḥ
alles-essende (Nom.Pl.) Brahmanen (Nom.Pl.)
vṛttyai
um des Lebensunterhalts willen (Dat.)
dhṛta-vidyā-tapaḥ-vratāḥ
die Gelehrsamkeit, Askese und Gelübde auf sich genommen haben (Nom.Pl.)
vitta-deha-indriya-ārāmāḥ
an Reichtum, Körper und Sinnen ergötzt (Nom.Pl.)
yācakāḥ vicarantu iha
als Bettler (Nom.Pl.) mögen sie umherwandern (3.Pl.Imp.) hier

tasyaivaṁ vadataḥ śāpaṁ śrutvā dvija-kulāya vai bhṛguḥ pratyasṛjac chāpaṁ brahma-daṇḍaṁ duratyayam

Als er den so gegen die Brahmanenschaft ausgesprochenen Fluch vernommen hatte, schleuderte Bhṛgu seinerseits einen Fluch zurück, eine unüberwindliche Brahmanenstrafe.

Wort für Wort
tasya evam vadataḥ
von ihm (Gen.), der so sprach (Gen., Ptz.Präs.)
śāpam śrutvā
den Fluch (Akk.) gehört habend (Absolutiv)
dvija-kulāya vai
gegen die Brahmanenschaft (Dat.) fürwahr
bhṛguḥ pratyasṛjat śāpam
Bhṛgu (Nom.) schleuderte zurück (3.Sg.Impf.) einen Fluch (Akk.)
brahma-daṇḍam duratyayam
eine unüberwindliche (Akk.) Brahmanenstrafe (Akk.)

bhava-vrata-dharā ye ca ye ca tān samanuvratāḥ pāṣaṇḍinas te bhavantu sac-chāstra-paripanthinaḥ

Die, welche das Gelübde des Bhava [Śiva] tragen, und die, welche diesen nachfolgen - sie mögen zu Häretikern werden, Widersachern der rechten Schriften.

Wort für Wort
bhava-vrata-dharāḥ ye
die (Nom.Pl.), welche das Gelübde des Bhava tragen (Nom.Pl.)
ca ye ca tān samanuvratāḥ
und die (Nom.Pl.), welche diesen (Akk.Pl.) nachfolgen (Nom.Pl.)
pāṣaṇḍinaḥ te bhavantu
zu Häretikern (Nom.Pl.) mögen sie (Nom.Pl.) werden (3.Pl.Imp.)
sat-śāstra-paripanthinaḥ
Widersacher (Nom.Pl.) der rechten Schriften

naṣṭa-śaucā mūḍha-dhiyo jaṭā-bhasmāsthi-dhāriṇaḥ viśantu śiva-dīkṣāyāṁ yatra daivaṁ surāsavam

Rein-los, stumpfsinnig, Haarflechten, Asche und Knochen tragend, mögen sie in die Śiva-Einweihung eintreten, wo Wein und Rauschtrank als göttlich gelten.

Wort für Wort
naṣṭa-śaucāḥ
die, deren Reinheit verloren ist (Nom.Pl.)
mūḍha-dhiyaḥ
stumpfsinnig (Nom.Pl.)
jaṭā-bhasma-asthi-dhāriṇaḥ
Haarflechten, Asche und Knochen tragend (Nom.Pl.)
viśantu śiva-dīkṣāyām
mögen eintreten (3.Pl.Imp.) in die Śiva-Einweihung (Lok.)
yatra daivam sura-āsavam
wo Wein und Rauschtrank (Nom.) als göttlich (Nom.) gelten

brahma ca brāhmaṇāṁś caiva yad yūyaṁ parinindatha setuṁ vidhāraṇaṁ puṁsām ataḥ pāṣaṇḍam āśritāḥ

Weil ihr das Brahman [die Veden] und die Brahmanen verunglimpft, den Damm, der die Menschen aufrechthält, deshalb habt ihr Zuflucht bei der Häresie genommen.

Wort für Wort
brahma ca brāhmaṇān ca eva
das Brahman/die Veden (Akk.) und auch die Brahmanen (Akk.)
yat yūyam parinindatha
weil ihr (Nom.) verunglimpft (2.Pl.Präs.)
setum vidhāraṇam puṁsām
den Damm (Akk.), die Stütze (Akk.) der Menschen (Gen.Pl.)
ataḥ pāṣaṇḍam āśritāḥ
deshalb bei der Häresie (Akk.) Zuflucht genommen habend (Nom.Pl., PPP)

eṣa eva hi lokānāṁ śivaḥ panthāḥ sanātanaḥ yaṁ pūrve cānusantasthur yat-pramāṇaṁ janārdanaḥ

Dies allein ist der heilsame, ewige Pfad für die Welten, dem auch die Früheren gefolgt sind, dessen Maßgabe Janārdana [Viṣṇu] ist.

Wort für Wort
eṣaḥ eva hi
dieser (Nom.) allein fürwahr
lokānām śivaḥ panthāḥ sanātanaḥ
der heilsame (Nom.) ewige (Nom.) Pfad (Nom.) für die Welten (Gen.Pl.)
yam pūrve ca anusantasthuḥ
dem (Akk.) auch die Früheren (Nom.Pl.) gefolgt sind (3.Pl.Perf.)
yat-pramāṇam janārdanaḥ
dessen Maßgabe (Nom.) Janārdana/Viṣṇu (Nom.) ist

tad brahma paramaṁ śuddhaṁ satāṁ vartma sanātanam vigarhya yāta pāṣaṇḍaṁ daivaṁ vo yatra bhūta-rāṭ

Jenes höchste, reine Brahman, den ewigen Pfad der Rechtschaffenen verunglimpfend, möget ihr zur Häresie gehen, wo euch der Herr der Geisterscharen [Śiva] als Gottheit gilt.

Wort für Wort
tat brahma paramam śuddham
jenes (Akk.) höchste (Akk.) reine (Akk.) Brahman (Akk.)
satām vartma sanātanam
den ewigen (Akk.) Pfad (Akk.) der Rechtschaffenen (Gen.Pl.)
vigarhya
verunglimpfend (Absolutiv)
yāta pāṣaṇḍam
geht (2.Pl.Imp.) zur Häresie (Akk.)
daivam vaḥ yatra bhūta-rāṭ
wo euch (Gen.Pl.) der Herr der Geisterscharen (Nom.) als Gottheit (Nom.) [gilt]

maitreya uvāca tasyaivaṁ vadataḥ śāpaṁ bhṛgoḥ sa bhagavān bhavaḥ niścakrāma tataḥ kiñcid vimanā iva sānugaḥ

Maitreya sprach: Als Bhṛgu so den Fluch aussprach, verließ jener erhabene Bhava [Śiva] daraufhin, gleichsam ein wenig bekümmert, zusammen mit seinem Gefolge [den Ort].

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya (Nom.) sprach
tasya evam vadataḥ
von ihm (Gen.), der so sprach (Gen., Ptz.Präs.)
śāpam bhṛgoḥ
den Fluch (Akk.) des Bhṛgu (Gen.)
saḥ bhagavān bhavaḥ
jener (Nom.) erhabene (Nom.) Bhava/Śiva (Nom.)
niścakrāma tataḥ kiñcit
verließ (3.Sg.Perf.) daraufhin ein wenig
vimanāḥ iva sānugaḥ
gleichsam bekümmert (Nom.), zusammen mit seinem Gefolge (Nom.)

te 'pi viśva-sṛjaḥ satraṁ sahasra-parivatsarān saṁvidhāya maheṣvāsa yatrejya ṛṣabho hariḥ

Auch sie, die Weltschöpfer, vollzogen, o großer Bogenschütze [Vidura], das Opfer über tausend Jahre hinweg, bei dem Hari, der Erste, zu verehren war.

Wort für Wort
te api viśva-sṛjaḥ
auch sie (Nom.Pl.), die Weltschöpfer (Nom.Pl.)
satram sahasra-parivatsarān
das Opfer (Akk.) über tausend Jahre (Akk.Pl., Zeitdauer)
saṁvidhāya
vollzogen habend (Absolutiv)
maheṣvāsa
o großer Bogenschütze (Vok., d.h. Vidura)
yatra ijyaḥ ṛṣabhaḥ hariḥ
wobei zu verehren war (Nom.) der Erste (Nom.), Hari (Nom.)

āplutyāvabhṛthaṁ yatra gaṅgā yamunayānvitā virajenātmanā sarve svaṁ svaṁ dhāma yayus tataḥ

Nachdem sie dort, wo die Gaṅgā mit der Yamunā vereint ist, das Abschlussbad genommen hatten, gingen sie alle mit reinem [leidenschaftslosem] Geist danach zu ihrer jeweils eigenen Wohnstatt.

Wort für Wort
āplutya avabhṛtham
das Abschlussbad (Akk.) genommen habend (Absolutiv)
yatra gaṅgā yamunayā anvitā
wo die Gaṅgā (Nom.) mit der Yamunā (Instr.) vereint ist (Nom.)
virajena ātmanā
mit reinem, leidenschaftslosem Geist (Instr.)
sarve
alle (Nom.Pl.)
svam svam dhāma yayuḥ tataḥ
gingen (3.Pl.Perf.) danach zu ihrer jeweils eigenen (Akk.) Wohnstatt (Akk.)

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