Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 165: mohinī-mūrtyā śiva-vimohanam Die Mohinī-mūrti-Inkarnation verwirrt Herrn Śiva

śrī-bādarāyaṇir uvāca / vṛṣa-dhvajo niśamyedaṁ yoṣid-rūpeṇa dānavān mohayitvā sura-gaṇān hariḥ somam apāyayat // vṛṣam āruhya giriśaḥ sarva-bhūta-gaṇair vṛtaḥ saha devyā yayau draṣṭuṁ yatrāste madhusūdanaḥ

Śrī Bādarāyaṇi [Śukadeva] sprach: Als der stierbannertragende Śiva dies vernommen hatte – daß Hari die Dānavas durch die Gestalt einer Frau getäuscht und die Scharen der Götter den Soma hatte trinken lassen –, bestieg der Bergbewohner [Śiva] seinen Stier und zog, umgeben von allen Scharen seiner Geisterwesen, zusammen mit der Göttin [Umā] dorthin, um zu sehen, wo der Töter des Madhu [Viṣṇu] weilte.

Wort für Wort
śrī-bādarāyaṇiḥ
Śrī Bādarāyaṇi (Śukadeva)
uvāca
sprach
vṛṣa-dhvajaḥ
der den Stier im Banner Tragende (Śiva)
niśamya
vernehmend
idam
dies
yoṣit-rūpeṇa
durch die Gestalt einer Frau
dānavān
die Dānavas
mohayitvā
täuschend
sura-gaṇān
die Scharen der Götter
hariḥ
Hari (Viṣṇu)
somam
den Soma
apāyayat
ließ trinken
vṛṣam
den Stier
āruhya
besteigend
giriśaḥ
der Bergbewohner (Śiva)
sarva-bhūta-gaṇaiḥ
von allen Scharen der Geisterwesen
vṛtaḥ
umgeben
saha devyā
zusammen mit der Göttin (Umā)
yayau
zog los
draṣṭum
um zu sehen
yatra
wo
āste
sich aufhält
madhusūdanaḥ
der Töter des Madhu (Viṣṇu)

sabhājito bhagavatā sādaraṁ somayā bhavaḥ sūpaviṣṭa uvācedaṁ pratipūjya smayan harim

Von dem Herrn ehrerbietig willkommen geheißen, ließ sich Bhava [Śiva] zusammen mit Umā bequem nieder; und nachdem er Hari verehrt hatte, sprach er lächelnd dieses [im Folgenden Gesagte].

Wort für Wort
sabhājitaḥ
willkommen geheißen
bhagavatā
vom Herrn
sa-ādaram
mit Ehrerbietung
sa-umayā
zusammen mit Umā
bhavaḥ
Bhava (Śiva)
su-upaviṣṭaḥ
wohl (bequem) sitzend
uvāca
sprach
idam
dies
pratipūjya
nachdem er verehrt hatte
smayan
lächelnd
harim
zu Hari

śrī-mahādeva uvāca / deva-deva jagad-vyāpin jagad-īśa jagan-maya / sarveṣām api bhāvānāṁ tvam ātmā hetur īśvaraḥ

Śrī Mahādeva sprach: O Gott der Götter, o alldurchdringender, o Herr der Welt, o der du aus der Welt bestehst – du bist das Selbst, die Ursache und der Gebieter aller Seinszustände.

Wort für Wort
śrī-mahādevaḥ
Śrī Mahādeva
uvāca
sprach
deva-deva
o Gott der Götter
jagat-vyāpin
o alldurchdringender
jagat-īśa
o Herr der Welt
jagat-maya
o der du aus der Welt bestehst
sarveṣām api
aller
bhāvānām
Seinszustände
tvam
du
ātmā
das Selbst
hetuḥ
die Ursache
īśvaraḥ
der Gebieter

ādy-antāv asya yan madhyam idam anyad ahaṁ bahiḥ / yato 'vyayasya naitāni tat satyaṁ brahma cid bhavān

Anfang und Ende dieser [Welt] und was ihre Mitte ist, dies, ein anderes, ich, [oder] außerhalb – all dies gibt es nicht wirklich beim Unvergänglichen; du, verehrter Herr, bist das Wahre, das Brahman, das reine Bewußtsein.

Wort für Wort
ādi-antau
Anfang und Ende
asya
von diesem
yat
was
madhyam
Mitte
idam
dies
anyat
ein anderes
aham
ich
bahiḥ
außerhalb
yataḥ
weil
avyayasya
des Unvergänglichen
na
nicht
etāni
diese
tat
das
satyam
das Wahre
brahma
Brahman
cit
reines Bewußtsein
bhavān
du (Eure Ehren)

tavaiva caraṇāmbhojaṁ śreyas-kāmā nirāśiṣaḥ / visṛjyobhayataḥ saṅgaṁ munayaḥ samupāsate

Allein deinen Lotosfuß verehren die Weisen, die, ohne [weltliche] Wünsche, nach dem höchsten Heil begehren und die Anhaftung auf beiden Seiten [an diese und die jenseitige Welt] aufgegeben haben.

Wort für Wort
tava
dein
eva
allein
caraṇa-ambhojam
Lotosfuß
śreyaḥ-kāmāḥ
die das höchste Gut begehren
nirāśiṣaḥ
ohne (weltliche) Wünsche
visṛjya
aufgebend
ubhayataḥ
auf beiden Seiten
saṅgam
Anhaftung
munayaḥ
die Weisen
samupāsate
verehren

tvaṁ brahma pūrṇam amṛtaṁ viguṇaṁ viśokam / ānanda-mātram avikāram ananyad anyat / viśvasya hetur udaya-sthiti-saṁyamānām / ātmeśvaraś ca tad-apekṣatayānapekṣaḥ

Du bist das Brahman – vollkommen, unsterblich, frei von den [materiellen] Erscheinungsweisen, frei von Kummer, reine Wonne, unveränderlich, ohne ein Anderes [neben dir] und doch alles andere [zugleich]; du bist die Ursache von Entstehen, Bestehen und Vergehen des Universums und der innere Lenker [aller Lenker], und obwohl alles von dir abhängt, bist du selbst von nichts abhängig.

Wort für Wort
tvam
du
brahma
das Brahman
pūrṇam
vollkommen
amṛtam
unsterblich
viguṇam
frei von den (materiellen) Erscheinungsweisen
viśokam
frei von Kummer
ānanda-mātram
reine Wonne
avikāram
unveränderlich
ananyat
ohne ein Anderes
anyat
und doch alles andere
viśvasya
des Universums
hetuḥ
die Ursache
udaya
des Entstehens
sthiti
des Bestehens
saṁyamānām
und der Auflösungen (der Lenker)
ātma-īśvaraḥ
der innere Lenker
ca
und
tad-apekṣatayā
da alle von dir abhängen
anapekṣaḥ
selbst unabhängig

ekas tvam eva sad asad dvayam advayaṁ ca / svarṇaṁ kṛtākṛtam iveha na vastu-bhedaḥ / ajñānatas tvayi janair vihito vikalpo / yasmād guṇa-vyatikaro nirupādhikasya

Du allein bist sowohl das Seiende als auch das Nicht-Seiende, beides und doch ohne Zweiheit – wie Gold, ob verarbeitet oder unverarbeitet, in der Substanz keinen Unterschied kennt. Nur aus Unwissenheit wird von den Menschen eine Zweiheit an dir angenommen; darum ist die Vermischung der Erscheinungsweisen [nur scheinbar] bei dir, der du frei von jeder [materiellen] Kennzeichnung bist.

Wort für Wort
ekaḥ
einzig
tvam
du
eva
wahrlich
sat
das Seiende (Wirkung)
asat
das Nicht-Seiende (Ursache)
dvayam
beides
advayam
ohne Zweiheit
ca
und
svarṇam
Gold
kṛta
verarbeitet
akṛtam
unverarbeitet
iva
wie
iha
hier
na
nicht
vastu-bhedaḥ
Unterschied der Substanz
ajñānataḥ
aus Unwissenheit
tvayi
an dir
janaiḥ
von den Menschen
vihitaḥ
angenommen
vikalpaḥ
Zweiheit/Unterscheidung
yasmāt
weshalb
guṇa-vyatikaraḥ
die Vermischung der Erscheinungsweisen
nirupādhikasya
dessen, der frei von (materieller) Kennzeichnung ist

tvāṁ brahma kecid avayanty uta dharmam eke / eke paraṁ sad-asatoḥ puruṣaṁ pareśam / anye 'vayanti nava-śakti-yutaṁ paraṁ tvāṁ / kecin mahā-puruṣam avyayam ātma-tantram

Dich erkennen manche als das Brahman, andere als den Dharma; wieder andere [erkennen dich] als die transzendente höchste Person jenseits von Wirkung und Ursache, den höchsten Gebieter; andere erkennen dich als den mit neun Kräften ausgestatteten Höchsten, und manche als die unvergängliche, selbständige Große Person.

Wort für Wort
tvām
dich
brahma
als Brahman
kecit
manche
avayanti
erkennen
uta
und
dharmam
als Dharma
eke
einige
eke
andere
param
transzendent
sad-asatoḥ
jenseits von Wirkung und Ursache
puruṣam
als die Person
pareśam
der höchste Gebieter
anye
andere
nava-śakti-yutam
mit neun Kräften ausgestattet
param
höchste
kecit
manche
mahā-puruṣam
als die Große Person
avyayam
unvergänglich
ātma-tantram
selbständig

nāhaṁ parāyur ṛṣayo na marīci-mukhyā / jānanti yad-viracitaṁ khalu sattva-sargāḥ / yan-māyayā muṣita-cetasa īśa daitya- / martyādayaḥ kim uta śaśvad-abhadra-vṛttāḥ

Weder ich noch der langlebige Brahmā, noch die Seher, angeführt von Marīci, kennen wahrlich dein Wirken [deine Schöpfung], obwohl wir aus der Erscheinungsweise der Reinheit entstanden sind; was ist dann erst zu sagen von den Daityas, den Sterblichen und anderen, deren Geist durch deine Māyā geraubt ist, o Herr, die stets von unheilvollem Wesen sind?

Wort für Wort
na
nicht
aham
ich
para-āyuḥ
der von langem Leben (Brahmā)
ṛṣayaḥ
die Seher
na
nicht
marīci-mukhyāḥ
angeführt von Marīci
jānanti
kennen
yat-viracitam
was (von dir) geschaffen wurde
khalu
wahrlich
sattva-sargāḥ
obwohl aus der Erscheinungsweise der Reinheit entstanden
yat-māyayā
durch wessen Māyā
muṣita-cetasaḥ
deren Geist geraubt ist
īśa
o Herr
daitya-
die Daityas
martya-ādayaḥ
die Sterblichen und andere
kim uta
was ist erst zu sagen von
śaśvad-abhadra-vṛttāḥ
die stets von unheilvollem Wesen sind

sa tvaṁ samīhitam adaḥ sthiti-janma-nāśaṁ / bhūtehitaṁ ca jagato bhava-bandha-mokṣau / vāyur yathā viśati khaṁ ca carācarākhyaṁ / sarvaṁ tad-ātmakatayāvagamo 'varuntse

Eben du durchdringst und erkennst all jenes Hervorgebrachte – Entstehen, Bestehen und Vergehen, das Tun der Lebewesen der Welt, Bindung und Befreiung des Daseins –, so wie der Wind den Raum durchdringt, [du durchdringst] alles, was beweglich und unbeweglich genannt wird, da es von deinem Wesen erfüllt ist.

Wort für Wort
sa tvam
eben du
samīhitam
das Hervorgebrachte
adaḥ
jenes
sthiti-janma-nāśam
Bestehen, Entstehen und Vergehen
bhūta-īhitam
das Tun der Lebewesen
ca
und
jagataḥ
der Welt
bhava-bandha-mokṣau
Bindung und Befreiung des Daseins
vāyuḥ
der Wind
yathā
wie
viśati
eindringt
kham
in den Raum
ca
und
cara-acara-ākhyam
das Bewegliche und Unbewegliche genannt
sarvam
alles
tad-ātmakatayā
da es von deinem Wesen durchdrungen ist
avagamaḥ
das Erkennen
avaruntse
du umfängst

avatārā mayā dṛṣṭā ramamāṇasya te guṇaiḥ / so 'haṁ tad draṣṭum icchāmi yat te yoṣid-vapur dhṛtam

Ich habe die Inkarnationen gesehen, in denen du, mit deinen Eigenschaften spielend, [Gestalt annimmst]; nun wünsche ich eben jene Gestalt zu sehen, die du als Frau angenommen hast.

Wort für Wort
avatārāḥ
Inkarnationen
mayā
von mir
dṛṣṭāḥ
gesehen
ramamāṇasya
der (du) Spiel treibst
te
deine
guṇaiḥ
durch (deine) Eigenschaften
so 'ham
eben ich
tat
das
draṣṭum
zu sehen
icchāmi
wünsche ich
yat
welche
te
deine
yoṣit-vapuḥ
Frauengestalt
dhṛtam
angenommene

yena sammohitā daityāḥ pāyitāś cāmṛtaṁ surāḥ / tad didṛkṣava āyātāḥ paraṁ kautūhalaṁ hi naḥ

Im Wunsch, jene Gestalt zu sehen, durch die die Daityas getäuscht und die Götter den Nektar trinken gemacht wurden, sind wir hergekommen; wahrlich, unsere Neugier ist überaus groß.

Wort für Wort
yena
durch die
sammohitāḥ
getäuscht wurden
daityāḥ
die Daityas
pāyitāḥ
zum Trinken gebracht wurden
ca
und
amṛtam
den Nektar
surāḥ
die Götter
tat
jene (Gestalt)
didṛkṣavaḥ
im Wunsch zu sehen
āyātāḥ
sind wir gekommen
param
überaus groß
kautūhalam
Neugier
hi
wahrlich
naḥ
unsere

śrī-śuka uvāca / evam abhyarthito viṣṇur bhagavān śūla-pāṇinā / prahasya bhāva-gambhīraṁ giriśaṁ pratyabhāṣata

Śrī Śuka sprach: So von dem Dreizackträger [Śiva] gebeten, lachte der erhabene Herr Viṣṇu und antwortete dem in seinem Sinn tiefernsten Giriśa [Śiva].

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
evam
so
abhyarthitaḥ
gebeten
viṣṇuḥ bhagavān
der erhabene Herr Viṣṇu
śūla-pāṇinā
vom Dreizackträger (Śiva)
prahasya
lachend
bhāva-gambhīram
dessen Sinn tiefernst ist
giriśam
zu Giriśa (Śiva)
pratyabhāṣata
antwortete

śrī-bhagavān uvāca / kautūhalāya daityānāṁ yoṣid-veṣo mayā dhṛtaḥ / paśyatā sura-kāryāṇi gate pīyūṣa-bhājane

Der Erhabene Herr sprach: Zur Täuschung der Daityas habe ich die Gestalt einer Frau angenommen, da ich, als das Nektargefäß fortgetragen worden war, [die Notwendigkeit sah,] die Angelegenheiten der Götter [zu besorgen].

Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der Erhabene Herr sprach
kautūhalāya
zur Täuschung
daityānām
der Daityas
yoṣit-veṣaḥ
die Gestalt einer Frau
mayā
von mir
dhṛtaḥ
angenommen
paśyatā
sehend (die Notwendigkeit)
sura-kāryāṇi
die Angelegenheiten der Götter
gate
als fortgegangen war
pīyūṣa-bhājane
das Gefäß mit Nektar

tat te 'haṁ darśayiṣyāmi didṛkṣoḥ sura-sattama / kāmināṁ bahu mantavyaṁ saṅkalpa-prabhavodayam

Ich werde dir, o Bester der Götter, der du danach verlangst, jene Gestalt zeigen, die von den Begehrenden vielfach als bewundernswert erachtet wird und das Entstehen von [lüsternem] Verlangen bewirkt.

Wort für Wort
tat
jene (Gestalt)
te
dir
aham
ich
darśayiṣyāmi
werde zeigen
didṛkṣoḥ
dem, der zu sehen wünscht
sura-sattama
o Bester der Götter
kāminām
der Begehrenden
bahu
vielfach
mantavyam
als bewundernswert erachtet
saṅkalpa
von Begierde
prabhava-udayam
das Entstehen bewirkend

śrī-śuka uvāca / iti bruvāṇo bhagavāṁs tatraivāntaradhīyata / sarvataś cārayaṁś cakṣur bhava āste sahomayā

Śrī Śuka sprach: So sprechend, verschwand der Erhabene eben dort; und Bhava [Śiva] blieb zusammen mit Umā, seine Augen überallhin schweifen lassend.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
iti
so
bruvāṇaḥ
sprechend
bhagavān
der Erhabene
tatra eva
eben dort
antaradhīyata
verschwand
sarvataḥ
überallhin
cārayan
schweifen lassend
cakṣuḥ
die Augen
bhavaḥ
Bhava (Śiva)
āste
blieb
saha-umayā
zusammen mit Umā

tato dadarśopavane vara-striyaṁ vicitra-puṣpāruṇa-pallava-drume / vikrīḍatīṁ kanduka-līlayā lasad-dukūla-paryasta-nitamba-mekhalām

Da erblickte er im Hain, unter Bäumen mit mannigfaltigen Blüten und rötlichen jungen Trieben, eine vortreffliche Frau, die mit dem Ball spielte, mit schimmerndem feinem Gewand, das um ihre Hüften geschlungen war, und einem Gürtel [geschmückt].

Wort für Wort
tataḥ
dann
dadarśa
er erblickte
upavane
im Hain
vara-striyam
eine vortreffliche Frau
vicitra-puṣpa
mit mannigfaltigen Blüten
aruṇa-pallava
und rötlichen jungen Trieben
drume
unter Bäumen
vikrīḍatīm
spielend
kanduka-līlayā
mit dem Ballspiel
lasat-dukūla
mit schimmerndem feinem Gewand
paryasta
umgelegtem
nitamba
an den Hüften
mekhalām
mit einem Gürtel

āvartanodvartana-kampita-stana-prakṛṣṭa-hāroru-bharaiḥ pade pade / prabhajyamānām iva madhyataś calat-pada-pravālaṁ nayatīṁ tatas tataḥ

Durch die schwere Last der bei jedem Drehen und Aufrichten erzitternden Brüste und der prächtigen Halsketten schien sie bei jedem Schritt in der Mitte [der Taille] zu zerbrechen, während sie ihre korallenroten Füße bewegte und sich bald hierhin, bald dorthin wandte.

Wort für Wort
āvartana
durch das Sich-Drehen
udvartana
und Sich-Aufrichten
kampita
erzitternd
stana
der Brüste
prakṛṣṭa-hāra
der prächtigen Halsketten
uru-bharaiḥ
durch die schwere Last
pade pade
bei jedem Schritt
prabhajyamānām iva
als ob sie zerbräche
madhyataḥ
in der Mitte (Taille)
calat-pada-pravālam
deren korallenrote Füße sich bewegten
nayatīm
sie lenkend
tataḥ tataḥ
dahin und dorthin

dikṣu bhramat-kanduka-cāpalair bhṛśaṁ prodvigna-tārāyata-lola-locanām / sva-karṇa-vibhrājita-kuṇḍalollasat-kapola-nīlālaka-maṇḍitānanām

In alle Richtungen unstet durch den umherrollenden Ball, waren ihre großen, weitgeöffneten Augen heftig unruhig und rastlos; ihr Antlitz war geschmückt von den an den Ohren glänzenden Ohrringen, erstrahlenden Wangen und dunklen Locken.

Wort für Wort
dikṣu
in alle Richtungen
bhramat-kanduka
des umherrollenden Balls
cāpalaiḥ
durch die Unstetigkeit
bhṛśam
heftig
prodvigna
unruhig
tāra-āyata
groß und weitgeöffnet
lola-locanām
mit rastlosen Augen
sva-karṇa
an den eigenen Ohren
vibhrājita-kuṇḍala
durch die glänzenden Ohrringe
ullasat-kapola
mit erstrahlenden Wangen
nīla-alaka
mit dunklen Locken
maṇḍita-ānanām
deren Antlitz geschmückt war

ślathad dukūlaṁ kabarīṁ ca vicyutāṁ sannahyatīṁ vāma-kareṇa valgunā / vinighnatīm anya-kareṇa kandukaṁ vimohayantīṁ jagad-ātma-māyayā

Mit ihrer lieblichen linken Hand versuchte sie das sich lockernde Gewand und die sich lösende Haarflechte zu ordnen, während sie mit der anderen Hand den Ball schlug – so verwirrte sie, durch ihre eigene Māyā, die ganze Welt.

Wort für Wort
ślathat
sich lockerndes
dukūlam
Gewand
kabarīm
Haarflechte
ca
und
vicyutām
sich lösende
sannahyatīm
die zu ordnen versuchte
vāma-kareṇa
mit der linken Hand
valgunā
der lieblichen
vinighnatīm
schlagend
anya-kareṇa
mit der anderen Hand
kandukam
den Ball
vimohayantīm
verwirrend
jagat
die Welt
ātma-māyayā
durch ihre eigene Māyā

tāṁ vīkṣya deva iti kanduka-līlayeṣad-vrīḍāsphuṭa-smita-visṛṣṭa-kaṭākṣa-muṣṭaḥ / strī-prekṣaṇa-pratisamīkṣaṇa-vihvalātmā nātmānam antika umāṁ sva-gaṇāṁś ca veda

Als der Gott [Śiva] sie so beim Ballspiel erblickte, wurde er durch die mit leichter Scheu gesandten, undeutlich lächelnden Seitenblicke seiner Fassung beraubt; durch das Anschauen der Frau und ihr Zurückschauen war sein Geist so verwirrt, daß er weder sich selbst noch Umā in seiner Nähe noch seine eigenen Begleiter mehr wahrnahm.

Wort für Wort
tām
sie
vīkṣya
erblickend
devaḥ
der Gott (Śiva)
iti
so
kanduka-līlayā
durch das Ballspiel
īṣat-vrīḍā
von leichter Scheu
asphuṭa-smita
mit undeutlichem Lächeln
visṛṣṭa-kaṭākṣa
durch entsandte Seitenblicke
muṣṭaḥ
beraubt (seiner Fassung)
strī-prekṣaṇa
durch das Anschauen der Frau
pratisamīkṣaṇa
und das Zurückgeschaut-Werden
vihvala-ātmā
dessen Geist verwirrt war
na
nicht
ātmānam
sich selbst
antike
in der Nähe
umām
Umā
sva-gaṇān
seine eigenen Begleiter
ca
und
veda
wahrnahm

tasyāḥ karāgrāt sa tu kanduko yadā gato vidūraṁ tam anuvrajat-striyāḥ / vāsaḥ sasūtraṁ laghu māruto 'harad bhavasya devasya kilānupaśyataḥ

Als jener Ball ihrer Hand entglitt und weit fortrollte, trug der Wind, während die Frau ihm nachlief, ihr leichtes Gewand samt der Gürtelschnur fort – und der Gott Bhava schaute dem, fürwahr, unentwegt zu.

Wort für Wort
tasyāḥ
ihrer
kara-agrāt
von der Hand
sa tu
jener aber
kandukaḥ
Ball
yadā
als
gataḥ
entglitten war
vidūram
weit fort
tam
ihm (dem Ball)
anuvrajat-striyāḥ
der Frau, die (ihm) nachlief
vāsaḥ
das Gewand
sa-sūtram
samt der Gürtelschnur
laghu
leichte
mārutaḥ
der Windstoß
aharat
trug fort
bhavasya devasya
während der Gott Bhava (Śiva)
kila
fürwahr
anupaśyataḥ
unentwegt zuschaute

evaṁ tāṁ rucirāpāṅgīṁ darśanīyāṁ manoramām / dṛṣṭvā tasyāṁ manaś cakre viṣajjantyāṁ bhavaḥ kila

Als er sie so erblickte, mit ihren reizvollen Augenwinkeln, schön anzusehen und den Geist erfreuend, richtete Bhava, fürwahr, seinen Sinn auf sie, während sie ihn [zunehmend] fesselte.

Wort für Wort
evam
so
tām
sie
rucira-apāṅgīm
mit reizvollen Augenwinkeln
darśanīyām
schön anzusehen
manoramām
den Geist erfreuend
dṛṣṭvā
erblickend
tasyām
an ihr
manaḥ cakre
richtete er seinen Sinn
viṣajjantyām
während sie (ihn) fesselte
bhavaḥ
Bhava
kila
fürwahr

tayāpahṛta-vijñānas tat-kṛta-smara-vihvalaḥ / bhavānyā api paśyantyā gata-hrīs tat-padaṁ yayau

Seiner Urteilskraft von ihr beraubt und von dem durch sie erregten Liebesverlangen überwältigt, ging er, aller Scham entledigt, zu ihrem Platz, obwohl Bhavānī [Umā] selbst zusah.

Wort für Wort
tayā
von ihr
apahṛta-vijñānaḥ
dessen Urteilskraft geraubt war
tat-kṛta
von ihr bewirkte
smara-vihvalaḥ
von Liebesverlangen überwältigt
bhavānyāḥ
während Bhavānī (Umā)
api
obwohl
paśyantyāḥ
zusah
gata-hrīḥ
aller Scham entledigt
tat-padam
zu ihrem Platz
yayau
ging

sā tam āyāntam ālokya vivastrā vrīḍitā bhṛśam / nilīyamānā vṛkṣeṣu hasantī nānvatiṣṭhata

Als sie ihn herankommen sah, wurde sie, entkleidet, sehr beschämt und verbarg sich lachend unter den Bäumen, ohne an einem Ort zu verharren.

Wort für Wort
sā
sie
tam
ihn
āyāntam
herankommend
ālokya
erblickend
vivastrā
entkleidet
vrīḍitā
beschämt
bhṛśam
sehr
nilīyamānā
sich verbergend
vṛkṣeṣu
unter den Bäumen
hasantī
lachend
na
nicht
anvatiṣṭhata
verharrte

tām anvagacchad bhagavān bhavaḥ pramuṣitendriyaḥ / kāmasya ca vaśaṁ nītaḥ kareṇum iva yūthapaḥ

Der erhabene Bhava, dessen Sinne geraubt waren und der unter die Macht des Verlangens geraten war, folgte ihr, wie ein Leitbulle [der Elefantenherde] einer Elefantenkuh folgt.

Wort für Wort
tām
ihr
anvagacchat
folgte
bhagavān bhavaḥ
der erhabene Bhava
pramuṣita-indriyaḥ
dessen Sinne geraubt waren
kāmasya
des Verlangens
ca
und
vaśam
unter die Macht
nītaḥ
geraten
kareṇum
der Elefantenkuh
iva
wie
yūthapaḥ
der Leitbulle

so 'nuvrajyātivegena gṛhītvānicchatīṁ striyam / keśa-bandha upānīya bāhubhyāṁ pariṣasvaje

Er lief ihr mit großer Geschwindigkeit nach, ergriff die unwillige Frau am Haarknoten, zog sie heran und umarmte sie mit seinen beiden Armen.

Wort für Wort
saḥ
er
anuvrajya
nachlaufend
ati-vegena
mit großer Geschwindigkeit
gṛhītvā
ergreifend
anicchatīm
die Unwillige
striyam
die Frau
keśa-bandhe
am Haarknoten
upānīya
heranziehend
bāhubhyām
mit (seinen) beiden Armen
pariṣasvaje
umarmte er

sopagūḍhā bhagavatā kariṇā kariṇī yathā / itas tataḥ prasarpantī viprakīrṇa-śiroruhā // ātmānaṁ mocayitvāṅga surarṣabha-bhujāntarāt / prādravat sā pṛthu-śroṇī māyā deva-vinirmitā

Von ihm umfangen wie eine Elefantenkuh vom Elefantenbullen, wand sie sich, mit zerzaustem Haar, hierhin und dorthin; und, o [König], nachdem sie sich aus der Umschlingung der Arme des Stieres unter den Göttern [Śiva] befreit hatte, lief sie, die breithüftige Māyā-[Gestalt], die vom Herrn erschaffen war, davon.

Wort für Wort
sā
sie
upagūḍhā
umfangen
bhagavatā
von dem erhabenen (Śiva)
kariṇā
vom Elefantenbullen
kariṇī
die Elefantenkuh
yathā
so wie
itaḥ tataḥ
hierhin und dorthin
prasarpantī
sich windend
viprakīrṇa-śiroruhā
mit zerzaustem Haar
ātmānam
sich selbst
mocayitvā
befreiend
aṅga
o (König)
sura-ṛṣabha
des Stieres unter den Göttern (Śiva)
bhuja-antarāt
aus der Umschlingung der Arme
prādravat
lief davon
sā
sie
pṛthu-śroṇī
mit breiten Hüften
māyā
die Māyā-Gestalt
deva-vinirmitā
vom Herrn erschaffene

tasyāsau padavīṁ rudro viṣṇor adbhuta-karmaṇaḥ / pratyapadyata kāmena vairiṇeva vinirjitaḥ

Jener Rudra folgte der Spur Viṣṇus, dessen Taten wunderbar sind, [selbst] besiegt vom Verlangen wie von einem Feind.

Wort für Wort
tasya
dessen
asau
jener
padavīm
der Spur
rudraḥ
Rudra
viṣṇoḥ
Viṣṇus
adbhuta-karmaṇaḥ
dessen Taten wunderbar sind
pratyapadyata
folgte
kāmena
vom Verlangen
vairiṇā iva
wie von einem Feind
vinirjitaḥ
besiegt

tasyānudhāvato retaś caskandāmogha-retasaḥ / śuṣmiṇo yūthapasyeva vāsitām anudhāvataḥ

Während er ihr nachlief, entfiel ihm, dessen Same nie vergeblich ist, der Same – wie einem brünstigen Leitbullen, der der [brünstigen] Elefantenkuh nachläuft.

Wort für Wort
tasya
dessen
anudhāvataḥ
der (ihr) nachlief
retaḥ
Same
caskanda
ergoss sich
amogha-retasaḥ
dessen Same nie vergeblich ist
śuṣmiṇaḥ
des brünstigen
yūthapasya
des Leitbullen
iva
wie
vāsitām
der (brünstigen) Elefantenkuh
anudhāvataḥ
der nachlief

yatra yatrāpatan mahyāṁ retas tasya mahātmanaḥ / tāni rūpyasya hemnaś ca kṣetrāṇy āsan mahī-pate

Wo immer der Same jenes Hochgesinnten [Śiva] auf die Erde fiel, dort wurden, o Herr der Erde, jene Stellen zu Lagerstätten von Silber und Gold.

Wort für Wort
yatra yatra
wo immer
apatat
fiel
mahyām
auf die Erde
retaḥ
der Same
tasya
von jenem
mahā-ātmanaḥ
der großen Seele (Śiva)
tāni
jene (Stellen)
rūpyasya
des Silbers
hemnaḥ
des Goldes
ca
und
kṣetrāṇi
Lagerstätten
āsan
wurden
mahī-pate
o Herr der Erde

sarit-saraḥsu śaileṣu vaneṣūpavaneṣu ca / yatra kva cāsann ṛṣayas tatra sannihito haraḥ

An Flüssen und Seen, an Bergen, in Wäldern und Hainen – wo immer auch die Seher weilten, dort war Hara [Śiva] nahe.

Wort für Wort
sarit-saraḥsu
an Flüssen und Seen
śaileṣu
an Bergen
vaneṣu
in Wäldern
upavaneṣu
in Hainen
ca
und
yatra kva ca
wo immer auch
āsan
waren
ṛṣayaḥ
die Seher
tatra
dort
sannihitaḥ
nahe
haraḥ
Hara (Śiva)

skanne retasi so 'paśyad ātmānaṁ deva-māyayā / jaḍīkṛtaṁ nṛpa-śreṣṭha sannyavartata kaśmalāt

Als der Same vergossen war, sah er sich selbst, durch die Māyā des Herrn betäubt und zum Toren gemacht, o bester der Könige, und er wandte sich von seiner Verblendung ab.

Wort für Wort
skanne
als vergossen war
retasi
der Same
saḥ
er
apaśyat
sah
ātmānam
sich selbst
deva-māyayā
durch die Māyā des Herrn
jaḍīkṛtam
zum Toren gemacht
nṛpa-śreṣṭha
o bester der Könige
sannyavartata
wandte sich ab
kaśmalāt
von der Verblendung

athāvagata-māhātmya ātmano jagad-ātmanaḥ / aparijñeya-vīryasya na mene tad u hādbhutam

Da er nun die Größe seines eigenen [Selbst] und der Weltseele [Viṣṇu], dessen Macht unermeßlich ist, erkannt hatte, erachtete er dies fürwahr nicht als erstaunlich.

Wort für Wort
atha
da
avagata-māhātmyaḥ
der die Größe erkannt hatte
ātmanaḥ
seines eigenen (Selbst)
jagat-ātmanaḥ
der Weltseele (Viṣṇu)
aparijñeya-vīryasya
dessen Macht unermeßlich ist
na
nicht
mene
erachtete er
tat
dies
u ha
fürwahr
adbhutam
als erstaunlich

tam aviklavam avrīḍam ālakṣya madhusūdanaḥ / uvāca parama-prīto bibhrat svāṁ pauruṣīṁ tanum

Als Madhusūdana [Viṣṇu] ihn unerschüttert und ohne Scham wahrnahm, sprach er, höchst erfreut, während er seine eigene männliche Gestalt wieder annahm.

Wort für Wort
tam
ihn
aviklavam
unerschüttert
avrīḍam
ohne Scham
ālakṣya
wahrnehmend
madhu-sūdanaḥ
der Töter des Madhu (Viṣṇu)
uvāca
sprach
parama-prītaḥ
höchst erfreut
bibhrat
annehmend
svām
seine eigene
pauruṣīm
männliche
tanum
Gestalt

śrī-bhagavān uvāca / diṣṭyā tvaṁ vibudha-śreṣṭha svāṁ niṣṭhām ātmanā sthitaḥ / yan me strī-rūpayā svairaṁ mohito 'py aṅga māyayā

Der Erhabene Herr sprach: Glücklicherweise, o bester der Götter, befindest du dich wieder aus eigener Kraft in deinem [wahren] Zustand, obwohl du, o Śiva, durch meine Māyā in Gestalt einer Frau nach Belieben verwirrt worden bist.

Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der Erhabene Herr sprach
diṣṭyā
glücklicherweise
tvam
du
vibudha-śreṣṭha
o bester der Götter
svām
in deinem eigenen
niṣṭhām
Zustand
ātmanā
aus eigener Kraft
sthitaḥ
befindest du dich
yat
obgleich
me
meiner
strī-rūpayā
durch die Frauengestalt
svairam
nach Belieben
mohitaḥ
verwirrt
api
obwohl
aṅga
o Śiva
māyayā
durch die Māyā

ko nu me 'titaren māyāṁ viṣaktas tvad-ṛte pumān / tāṁs tān visṛjatīṁ bhāvān dustarām akṛtātmabhiḥ

Wer außer dir, an [die Sinnesobjekte] gebundene Person, könnte meine Māyā überwinden, die mannigfaltige Zustände hervorbringt und für jene, deren Selbst nicht beherrscht ist, schwer zu überwinden ist?

Wort für Wort
kaḥ
wer
nu
denn
me
meine
atitaret
könnte überwinden
māyām
Māyā
viṣaktaḥ
gebunden
tvat-ṛte
außer dir
pumān
eine Person
tān tān
diese und jene
visṛjatīm
hervorbringende
bhāvān
Zustände
dustarām
schwer zu überwinden
akṛta-ātmabhiḥ
von denen, deren Selbst nicht beherrscht ist

seyaṁ guṇa-mayī māyā na tvām abhibhaviṣyati / mayā sametā kālena kāla-rūpeṇa bhāgaśaḥ

Eben diese aus den [drei] Erscheinungsweisen bestehende Māyā, von mir und der Zeit – in Gestalt der Zeit – in ihren Anteilen begleitet, wird dich nicht [mehr] überwältigen.

Wort für Wort
sā iyam
eben diese
guṇa-mayī
aus den (drei) Erscheinungsweisen bestehende
māyā
Māyā
na
nicht
tvām
dich
abhibhaviṣyati
wird überwältigen
mayā
von mir
sametā
begleitet
kālena
mit der Zeit
kāla-rūpeṇa
in Gestalt der Zeit
bhāgaśaḥ
in (ihren) Anteilen

śrī-śuka uvāca / evaṁ bhagavatā rājan śrīvatsāṅkena sat-kṛtaḥ / āmantrya taṁ parikramya sagaṇaḥ svālayaṁ yayau

Śrī Śuka sprach: So von dem Erhabenen, der das Śrīvatsa-Zeichen trägt, geehrt, verabschiedete er sich, umschritt ihn und zog, o König, zusammen mit seinen Scharen zu seiner eigenen Wohnstatt.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
evam
so
bhagavatā
vom Erhabenen
rājan
o König
śrīvatsa-aṅkena
der das Śrīvatsa-Zeichen trägt
sat-kṛtaḥ
geehrt
āmantrya
sich verabschiedend
tam
ihn
parikramya
umschreitend
sa-gaṇaḥ
zusammen mit seinen Scharen
sva-ālayam
zu seiner eigenen Wohnstatt
yayau
zog er

ātmāṁśa-bhūtāṁ tāṁ māyāṁ bhavānīṁ bhagavān bhavaḥ / sammatām ṛṣi-mukhyānāṁ prītyācaṣṭātha bhārata

Hierauf, o Nachkomme Bharatas, erzählte der erhabene Bhava seiner Bhavānī [Umā] mit Zuneigung von jener Māyā-[Gestalt], die ein Teil des [Höchsten] Selbst war und von den vornehmsten Sehern hochgeschätzt wird.

Wort für Wort
ātma-aṁśa-bhūtām
die ein Teil des (Höchsten) Selbst gewordene
tām
jene
māyām
Māyā-Gestalt
bhavānīm
der Bhavānī (Umā)
bhagavān bhavaḥ
der erhabene Bhava
sammatām
hochgeschätzte
ṛṣi-mukhyānām
von den vornehmsten Sehern
prītyā
mit Zuneigung
ācaṣṭa
erzählte
atha
hierauf
bhārata
o Nachkomme Bharatas

ayi vyapaśyas tvam ajasya māyāṁ parasya puṁsaḥ para-devatāyāḥ / ahaṁ kalānām ṛṣabho 'pi muhye yayāvaśo 'nye kim utāsvatantrāḥ

Oh, du hast die Māyā des ungeborenen höchsten Mannes, der höchsten Gottheit, gesehen! Selbst ich, obgleich der Vornehmste unter den [göttlichen] Teilerscheinungen, werde durch sie machtlos verwirrt – was ist da erst zu sagen von anderen, die nicht unabhängig sind?

Wort für Wort
ayi
oh
vyapaśyaḥ
du hast gesehen
tvam
du
ajasya
des Ungeborenen
māyām
die Māyā
parasya puṁsaḥ
der höchsten Person
para-devatāyāḥ
der höchsten Gottheit
aham
ich
kalānām
der (göttlichen) Teilerscheinungen
ṛṣabhaḥ
der Vornehmste
api
obgleich
muhye
werde verwirrt
yayā
durch die (Māyā)
avaśaḥ
machtlos
anye
andere
kim uta
was ist erst zu sagen von
asvatantrāḥ
die nicht unabhängig sind

yaṁ mām apṛcchas tvam upetya yogāt samā-sahasrānta upārataṁ vai / sa eṣa sākṣāt puruṣaḥ purāṇo na yatra kālo viśate na vedaḥ

[Nach dem], nach dem du mich fragtest, als du zu mir herangetreten warst, nachdem ich am Ende von tausend Jahren mit dem Yoga geendet hatte – eben dieser ist die uralte, unmittelbare Ur-Person, wohin weder die Zeit noch der Veda [die Erkenntnis] eindringt.

Wort für Wort
yam
nach welchem
mām
mich
apṛcchaḥ
du fragtest
tvam
du
upetya
herangetreten
yogāt
vom Yoga
samā-sahasra-ante
am Ende von tausend Jahren
upāratam
geendet
vai
fürwahr
sa eṣaḥ
eben dieser
sākṣāt
unmittelbar
puruṣaḥ
die Ur-Person
purāṇaḥ
die uralte
na
nicht
yatra
wohin
kālaḥ
die Zeit
viśate
eindringt
na
noch
vedaḥ
der Veda (die Erkenntnis)

Śiva setzt hier seine Rede an Umā fort (vgl. V.42f.) und bezieht sich auf einen früheren, hier nicht ausgeführten Vorfall, bei dem Umā ihn nach seiner tausendjährigen Yoga-Versenkung nach der Höchsten Person fragte; im Kontext des Kapitels erscheint dies als eingeschobene Rückbezugnahme [Anm.].

śrī-śuka uvāca / iti te 'bhihitas tāta vikramaḥ śārṅga-dhanvanaḥ / sindhor nirmathane yena dhṛtaḥ pṛṣṭhe mahācalaḥ

Śrī Śuka sprach: So ist dir, mein Lieber, die Heldenkraft dessen dargelegt worden, der den Śārṅga-Bogen trägt [Viṣṇu], durch die beim Quirlen des Ozeans der große Berg auf [seinem] Rücken getragen wurde.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
iti
so
te
dir
abhihitaḥ
dargelegt
tāta
mein Lieber
vikramaḥ
die Heldenkraft
śārṅga-dhanvanaḥ
dessen, der den Śārṅga-Bogen trägt (Viṣṇu)
sindhoḥ
des Ozeans
nirmathane
beim Quirlen
yena
durch die
dhṛtaḥ
getragen wurde
pṛṣṭhe
auf dem Rücken
mahā-acalaḥ
der große Berg

etan muhuḥ kīrtayato 'nuśṛṇvato na riṣyate jātu samudyamaḥ kvacit / yad uttamaśloka-guṇānuvarṇanaṁ samasta-saṁsāra-pariśramāpaham

Für den, der dies beständig besingt, und für den, der danach zuhört, scheitert das Bemühen niemals in irgendeiner Weise; denn die Schilderung der Eigenschaften des mit erhabenen Versen gepriesenen Herrn vertreibt alle Mühsal des weltlichen Daseins.

Wort für Wort
etat
dies
muhuḥ
beständig
kīrtayataḥ
für den, der besingt
anuśṛṇvataḥ
und für den, der zuhört
na
nicht
riṣyate
scheitert
jātu
jemals
samudyamaḥ
das Bemühen
kvacit
irgendwie
yat
denn
uttamaśloka
des mit erhabenen Versen gepriesenen Herrn
guṇa-anuvarṇanam
die Schilderung der Eigenschaften
samasta
alle
saṁsāra
des weltlichen Daseins
pariśrama
Mühsal
apaham
vertreibend

asad-aviṣayam aṅghriṁ bhāva-gamyaṁ prapannān amṛtam amara-varyān āśayat sindhu-mathyam / kapaṭa-yuvati-veṣo mohayan yaḥ surārīṁs tam aham upasṛtānāṁ kāma-pūraṁ nato 'smi

Ich verneige mich vor jenem [Herrn], der den Ergebenen seinen den Atheisten unzugänglichen, [nur] durch liebende Hingabe erreichbaren Lotosfuß [schenkt], der allein den vornehmsten Unsterblichen den aus dem Ozean gequirlten Nektar trinken ließ, indem er in der trügerischen Gestalt einer jungen Frau die Feinde der Götter täuschte – er, der [alle] Wünsche der zu ihm Zuflucht Suchenden erfüllt.

Wort für Wort
asat-aviṣayam
den Atheisten unzugänglichen
aṅghrim
Fuß (Lotosfuß)
bhāva-gamyam
durch (liebende) Hingabe erreichbar
prapannān
den Ergebenen
amṛtam
den Nektar
amara-varyān
allein den vornehmsten Unsterblichen
āśayat
ließ trinken
sindhu-mathyam
den aus dem Ozean gequirlten
kapaṭa-yuvati-veṣaḥ
in der trügerischen Gestalt einer jungen Frau
mohayan
täuschend
yaḥ
der
sura-arīn
die Feinde der Götter
tam
ihm
aham
ich
upasṛtānām
der Zuflucht Suchenden
kāma-pūram
der (alle) Wünsche erfüllt
nataḥ asmi
verneige ich mich

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