Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 167 Das System der universalen Verwaltung

śrī-rājovāca manvantareṣu bhagavan yathā manv-ādayas tv ime yasmin karmaṇi ye yena niyuktās tad vadasva me

Śrī Rājā sprach: O Erhabener, wie diese – die Manus und die übrigen – in den Zeitaltern der Manus [Manvantaras] eingesetzt sind: in welcher Aufgabe, wer von wem eingesetzt wurde – das sage mir.

Wort für Wort
śrī-rājā uvāca
der glorreiche König (Nom.) sprach (Perf.)
manvantareṣu
in den Manvantara-Zeiten (Lok. Pl.)
bhagavan
o Erhabener (Vok. Sg.)
yathā
wie
manu-ādayaḥ
die Manus und die übrigen (Nom. Pl.)
tu
aber, nun
ime
diese (Nom. Pl.)
yasmin karmaṇi
in welcher Aufgabe (Lok. Sg.)
ye
welche [Personen] (Nom. Pl.)
yena
von wem (Instr. Sg.)
niyuktāḥ
eingesetzt, beauftragt (Nom. Pl., Part. Perf. Pass.)
tat
das
vadasva
sprich, verkünde (Imp. Ātm. 2. Sg.)
me
mir (Dat./Gen. Sg.)

śrī-ṛṣir uvāca manavo manu-putrāś ca munayaś ca mahī-pate indrāḥ sura-gaṇāś caiva sarve puruṣa-śāsanāḥ

Śrī Ṛṣi sprach: Die Manus und die Söhne der Manus, die Weisen, o Herrscher der Erde, die Indras und die Scharen der Götter – sie alle stehen unter der Herrschaft des [Höchsten] Puruṣa.

Wort für Wort
śrī-ṛṣiḥ uvāca
der glorreiche Weise [Śukadeva] (Nom.) sprach (Perf.)
manavaḥ
die Manus (Nom. Pl.)
manu-putrāḥ
die Söhne der Manus (Nom. Pl.)
ca
und
munayaḥ
die Weisen, Munis (Nom. Pl.)
ca
und
mahī-pate
o Herr der Erde [König] (Vok. Sg.)
indrāḥ
die Indras (Nom. Pl.)
sura-gaṇāḥ
die Scharen der Götter (Nom. Pl.)
ca eva
und gewiss, und fürwahr
sarve
alle (Nom. Pl.)
puruṣa-śāsanāḥ
der Herrschaft des [Höchsten] Puruṣa unterstehend (Nom. Pl., Bahuvrīhi)

yajñādayo yāḥ kathitāḥ pauruṣyas tanavo nṛpa manv-ādayo jagad-yātrāṁ nayanty ābhiḥ pracoditāḥ

Yajña und die anderen [Gestalten], die als Erscheinungsformen des Puruṣa genannt wurden, o König – von ihnen angetrieben, leiten die Manus und die übrigen den Lauf der Welt.

Wort für Wort
yajña-ādayaḥ
Yajña und die anderen (Nom. Pl.)
yāḥ
welche (Nom. Pl. fem.)
kathitāḥ
genannt, dargelegt (Nom. Pl., Part.)
pauruṣyaḥ
zum Puruṣa gehörig, von ihm stammend (Nom. Pl., Adj.)
tanavaḥ
Körper, Erscheinungsformen (Nom. Pl. fem.)
nṛpa
o König (Vok. Sg.)
manu-ādayaḥ
die Manus und die übrigen (Nom. Pl.)
jagat-yātrām
den Weltenlauf, die Angelegenheiten der Welt (Akk. Sg.)
nayanti
sie leiten, führen (Präs. 3. Pl.)
ābhiḥ
durch diese [Erscheinungsformen] (Instr. Pl. fem.)
pracoditāḥ
angetrieben, veranlasst (Nom. Pl., Part.)

Kongruenz von pauruṣyaḥ mit dem fem. Pl. tanavaḥ ist morphologisch nicht ganz eindeutig; Sinn nach Kontext (Erscheinungsformen des Puruṣa) erschlossen [?].

catur-yugānte kālena grastāñ chruti-gaṇān yathā tapasā ṛṣayo 'paśyan yato dharmaḥ sanātanaḥ

Am Ende eines jeden Catur-yuga erschauten die Weisen durch Askese, wie im Laufe der Zeit die Gesamtheit der vedischen Unterweisungen – aus der die ewige Dharma [hervorgeht] – verloren ging.

Wort für Wort
catur-yuga-ante
am Ende eines jeden Vierer-Zeitalters [Catur-yuga] (Lok. Sg.)
kālena
durch die Zeit, im Laufe der Zeit (Instr. Sg.)
grastān
verschlungen, verloren (Akk. Pl., Part.)
śruti-gaṇān
die Gesamtheit der vedischen Unterweisungen (Akk. Pl.)
yathā
wie, so wie
tapasā
durch Askese (Instr. Sg.)
ṛṣayaḥ
die Weisen (Nom. Pl.)
apaśyan
sie erschauten, sahen (Impf. 3. Pl.)
yataḥ
woraus, von welcher [Quelle]
dharmaḥ
die [rechte] Ordnung, Pflicht (Nom. Sg.)
sanātanaḥ
die ewige (Nom. Sg., Adj.)

tato dharmaṁ catuṣpādaṁ manavo hariṇoditāḥ yuktāḥ sañcārayanty addhā sve sve kāle mahīṁ nṛpa

Daraufhin, o König, lassen die von Hari angewiesenen und [damit] betrauten Manus die vierfüßige Dharma unmittelbar, ein jeder zu seiner eigenen Zeit, auf Erden [wieder] Fuß fassen.

Wort für Wort
tataḥ
daraufhin, danach
dharmam
die Dharma (Akk. Sg.)
catuḥ-pādam
die vierfüßige, aus vier Teilen bestehende (Akk. Sg., Adj.)
manavaḥ
die Manus (Nom. Pl.)
hariṇā
von Hari (Instr. Sg.)
uditāḥ
angewiesen, ermahnt (Nom. Pl., Part.)
yuktāḥ
beauftragt, betraut (Nom. Pl., Part.)
sañcārayanti
sie lassen [wieder] Fuß fassen, etablieren (Kaus. Präs. 3. Pl.)
addhā
unmittelbar, direkt
sve sve
in ihrer jeweils eigenen (Lok. Sg.)
kāle
Zeit (Lok. Sg.)
mahīm
auf der Erde (Akk. Sg.)
nṛpa
o König (Vok. Sg.)

pālayanti prajā-pālā yāvad antaṁ vibhāgaśaḥ yajña-bhāga-bhujo devā ye ca tatrānvitāś ca taiḥ

Die Hüter der Untertanen [Könige, Nachkommen der Manus] verwalten [die Welt] abschnittsweise bis ans Ende [ihrer Zeit]; die Götter, welche den Opferanteil genießen, und jene, die sonst noch damit verbunden sind, [wirken] zusammen mit ihnen.

Wort für Wort
pālayanti
sie beschützen, verwalten (Präs. 3. Pl.)
prajā-pālāḥ
die Hüter der Untertanen (Nom. Pl.)
yāvat antam
bis ans Ende [ihrer Regierungszeit]
vibhāgaśaḥ
abschnittsweise, nach Anteilen
yajña-bhāga-bhujaḥ
die Genießer des Opferanteils (Nom. Pl.)
devāḥ
die Götter (Nom. Pl.)
ye ca
und welche [andere] (Nom. Pl.)
tatra anvitāḥ
dort [in jenem Amt] eingebunden (Nom. Pl.)
ca taiḥ
und mit ihnen, durch sie (Instr. Pl.)

indro bhagavatā dattāṁ trailokya-śriyam ūrjitām bhuñjānaḥ pāti lokāṁs trīn kāmaṁ loke pravarṣati

Indra, der die vom Erhabenen verliehene, gewaltige Herrlichkeit der drei Welten genießt, beschützt die drei Welten und lässt es nach Bedarf in der Welt regnen.

Wort für Wort
indraḥ
Indra (Nom. Sg.)
bhagavatā
vom Erhabenen [Herrn] (Instr. Sg.)
dattām
gegebene (Akk. Sg. fem., Part.)
trailokya-śriyam
die Herrlichkeit der drei Welten (Akk. Sg.)
ūrjitām
mächtige, gewaltige (Akk. Sg., Adj.)
bhuñjānaḥ
genießend (Nom. Sg., Part.)
pāti
er beschützt, erhält (Präs. 3. Sg.)
lokān trīn
die drei Welten (Akk. Pl.)
kāmam
nach Belieben, nach Bedarf
loke
in der Welt (Lok. Sg.)
pravarṣati
er lässt regnen (Präs. 3. Sg.)

jñānaṁ cānuyugaṁ brūte hariḥ siddha-svarūpa-dhṛk ṛṣi-rūpa-dharaḥ karma yogaṁ yogeśa-rūpa-dhṛk

Und Hari verkündet, dem jeweiligen Zeitalter entsprechend, das Wissen, indem er die Gestalt eines Vollendeten [Siddha] annimmt; das Handeln [Karma], indem er die Gestalt eines Weisen [Ṛṣi] trägt; und den Yoga, indem er die Gestalt eines Meisters des Yoga [Yogeśa] annimmt.

Wort für Wort
jñānam
das Wissen (Akk. Sg.)
ca
und
anuyugam
entsprechend dem Zeitalter (Adv.)
brūte
er verkündet (Präs. 3. Sg. Ātm.)
hariḥ
Hari (Nom. Sg.)
siddha-svarūpa-dhṛk
die Gestalt eines Vollendeten [Siddha] tragend (Nom. Sg.)
ṛṣi-rūpa-dharaḥ
die Gestalt eines Weisen [Ṛṣi] tragend (Nom. Sg.)
karma
das Handeln, Karma (Akk. Sg.)
yogam
den Yoga (Akk. Sg.)
yoga-īśa-rūpa-dhṛk
die Gestalt eines Meisters des Yoga tragend (Nom. Sg.)

sargaṁ prajeśa-rūpeṇa dasyūn hanyāt svarāḍ-vapuḥ kāla-rūpeṇa sarveṣām abhāvāya pṛthag guṇaḥ

In Gestalt des Herrn der Geschöpfe [Prajāpati bewirkt er] die Schöpfung [der Nachkommenschaft]; in Gestalt des [selbstherrschenden] Königs möge er die Übeltäter vernichten; in Gestalt der Zeit [bewirkt er] die Vernichtung von allem – je nach gesonderter Erscheinungsweise [Guṇa].

Wort für Wort
sargam
die Schöpfung [der Nachkommenschaft] (Akk. Sg.)
prajā-īśa-rūpeṇa
in Gestalt des Herrn der Geschöpfe [Prajāpati] (Instr. Sg.)
dasyūn
die Räuber, Übeltäter (Akk. Pl.)
hanyāt
er möge töten, vernichten (Optativ 3. Sg.)
sva-rāṭ-vapuḥ
in Gestalt des [selbstherrschenden] Königs (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
kāla-rūpeṇa
in Gestalt der Zeit (Instr. Sg.)
sarveṣām
von allem (Gen. Pl.)
abhāvāya
zur Vernichtung, zum Nichtsein (Dat. Sg.)
pṛthak
je einzeln, gesondert
guṇaḥ
mit [seiner jeweiligen] Erscheinungsweise, Eigenschaft (Nom. Sg.)

stūyamāno janair ebhir māyayā nāma-rūpayā vimohitātmabhir nānā- darśanair na ca dṛśyate

Obwohl er von diesen Menschen, deren Sinn durch die aus Namen und Form [bestehende] Māyā verwirrt ist, gepriesen wird, wird er durch die mannigfaltigen [philosophischen] Sichtweisen dennoch nicht erkannt.

Wort für Wort
stūyamānaḥ
gepriesen werdend (Nom. Sg., Part. Pass.)
janaiḥ
von den Menschen (Instr. Pl.)
ebhiḥ
von diesen (Instr. Pl.)
māyayā
durch die Māyā (Instr. Sg.)
nāma-rūpayā
die aus Namen und Form [bestehende] (Instr. Sg., Adj.)
vimohita-ātmabhiḥ
deren Sinn verwirrt ist (Instr. Pl., Bahuvrīhi)
nānā-darśanaiḥ
durch mannigfaltige [philosophische] Sichtweisen (Instr. Pl.)
na ca
und nicht
dṛśyate
er wird gesehen, erkannt (Präs. Pass. 3. Sg.)

etat kalpa-vikalpasya pramāṇaṁ parikīrtitam yatra manvantarāṇy āhuś caturdaśa purāvidaḥ

Dies wurde als das Maß [die Grundlage] der Einteilung eines Kalpa verkündet, worin die Kenner des Altertums vierzehn Manvantara-Zeiten nannten.

Wort für Wort
etat
dies (Nom. Sg.)
kalpa-vikalpasya
der Abwandlung, Einteilung eines Kalpa (Gen. Sg.)
pramāṇam
das Maß, die Grundlage (Nom. Sg.)
parikīrtitam
wurde vollständig verkündet (Nom. Sg., Part.)
yatra
worin
manvantarāṇi
die Manvantara-Zeiten (Akk. Pl.)
āhuḥ
sie nannten (Perf. 3. Pl.)
caturdaśa
vierzehn
purā-vidaḥ
die Kenner des Altertums (Nom. Pl.)

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