Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 88: purañjanasya mṛgayā-vana-gamanaṁ tat-patnyāś ca kopaḥ [?] König Purañjana zieht zur Jagd in den Wald, und seine Königin wird zornig

nārada uvāca sa ekadā maheṣvāso rathaṁ pañcāśvam āśu-gam dvīṣaṁ dvi-cakram ekākṣaṁ tri-veṇuṁ pañca-bandhuram eka-raśmy eka-damanam eka-nīḍaṁ dvi-kūbaram pañca-praharaṇaṁ sapta-varūthaṁ pañca-vikramam haimopaskaram āruhya svarṇa-varmākṣayeṣudhiḥ ekādaśa-camū-nāthaḥ pañca-prastham agād vanam

Nārada sprach: Einst bestieg er, der große Bogenschütze, einen Wagen mit fünf schnellen Pferden, mit zwei Deichseln, zwei Rädern, einer Achse, drei Bannerstangen und fünf Halterungen, mit einem Zügel, einem Lenker, einem Sitz [und] zwei Jochstützen versehen, mit fünf Waffen, sieben Schutzhüllen und fünf Kraftweisen [ausgestattet] – [einen Wagen] mit goldenem Zierrat. In goldene Rüstung gekleidet und mit unerschöpflichem Köcher versehen, der Herr von elf Heeresabteilungen, zog er zum Wald der fünf Wege.

Wort für Wort
nāradaḥ
Nārada (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (Perf. 3. Sg.)
saḥ
er (Nom. Sg. m.)
ekadā
einst (Adv.)
mahā-iṣvāsaḥ
der große Bogenschütze (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
ratham
Wagen (Akk. Sg. m.)
pañca-aśvam
mit fünf Pferden (Akk. Adj., Bahuvrīhi)
āśu-gam
schnell fahrend (Akk. Adj., Bahuvrīhi)
dvi-īṣam
mit zwei Deichseln (Akk. Adj.)
dvi-cakram
mit zwei Rädern (Akk. Adj.)
eka-akṣam
mit einer Achse (Akk. Adj.)
tri-veṇum
mit drei Bannerstangen (Akk. Adj.) [?]
pañca-bandhuram
mit fünf Halterungen/Stützen (Akk. Adj.) [?]
eka-raśmi
mit einem Zügel (Akk. Adj.)
eka-damanam
mit einem Lenker (Akk. Adj.)
eka-nīḍam
mit einem Sitz (Akk. Adj.)
dvi-kūbaram
mit zwei Jochstützen (Akk. Adj.)
pañca-praharaṇam
mit fünf Waffen (Akk. Adj.)
sapta-varūtham
mit sieben Schutzhüllen (Akk. Adj.)
pañca-vikramam
mit fünf Kraftweisen (Akk. Adj.) [?]
haima-upaskaram
mit goldenem Zierrat (Akk. Adj.)
āruhya
nachdem er bestiegen hatte (Absolutiv)
svarṇa-varmā
mit goldener Rüstung (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
akṣaya-iṣudhiḥ
mit unerschöpflichem Köcher (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
ekādaśa-camū-nāthaḥ
der Herr von elf Heeresabteilungen (Nom. Sg.)
pañca-prastham
zum Fünf-Wege- [Ort] (Akk. Adj. zu vanam) [?]
agāt
er ging (Aorist 3. Sg.)
vanam
zum Wald (Akk. Sg. n.)

Bekannte allegorische Beschreibung des Wagens (= Körper) mit seinen Teilen; mehrere technische Wagen-Termini (veṇu, bandhura, kūbara, vikrama, prastha) sind mehrdeutig und wurden nach der wahrscheinlichsten technischen Bedeutung übersetzt [?]. 'Wald der fünf Wege' (pañca-prastham vanam) wörtlich, Sinn unsicher [?].

cacāra mṛgayāṁ tatra dṛpta ātteṣu-kārmukaḥ vihāya jāyām atad-arhāṁ mṛga-vyasana-lālasaḥ

Dort betrieb er, stolz, Pfeil und Bogen ergriffen habend, die Jagd, indem er seine Gattin verließ, die dies nicht verdiente, begierig nach dem Laster der Jagd.

Wort für Wort
cacāra
er betrieb (Perf. 3. Sg.)
mṛgayām
die Jagd (Akk. Sg. f.)
tatra
dort (Adv.)
dṛptaḥ
stolz (Nom. Sg. m. Adj.)
ātta-iṣu-kārmukaḥ
der Pfeil und Bogen ergriffen hat (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
vihāya
nachdem er verlassen hatte (Absolutiv)
jāyām
die Gattin (Akk. Sg. f.)
a-tad-arhām
die dessen nicht würdig war (Akk. Sg. f. Adj.)
mṛga-vyasana-lālasaḥ
begierig nach dem Laster der Jagd (Nom. Sg., Bahuvrīhi)

āsurīṁ vṛttim āśritya ghorātmā niranugrahaḥ nyahanan niśitair bāṇair vaneṣu vana-gocarān

Indem er sich einer dämonischen Lebensweise zuwandte, von schrecklichem Gemüt und mitleidlos, erschlug er mit scharfen Pfeilen in den Wäldern die Waldbewohner.

Wort für Wort
āsurīm
dämonische (Akk. Sg. f. Adj.)
vṛttim
Lebensweise (Akk. Sg. f.)
āśritya
nachdem er sich zugewandt hatte (Absolutiv)
ghora-ātmā
von schrecklichem Gemüt (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
niranugrahaḥ
mitleidlos (Nom. Sg. m. Adj.)
nyahanat
er erschlug (Imperf. 3. Sg.)
niśitaiḥ
mit scharfen (Instr. Pl. m. Adj.)
bāṇaiḥ
mit Pfeilen (Instr. Pl. m.)
vaneṣu
in den Wäldern (Lok. Pl.)
vana-gocarān
die Waldbewohner [Tiere] (Akk. Pl. m., Bahuvrīhi)

tīrtheṣu pratidṛṣṭeṣu rājā medhyān paśūn vane yāvad-artham alaṁ lubdho hanyād iti niyamyate

An den [in der Schrift] gezeigten heiligen Stätten soll der König im Wald opferwürdige Tiere, nur so viel wie nötig, nicht mehr, als Jäger töten – so ist es vorgeschrieben.

Wort für Wort
tīrtheṣu
an den heiligen Stätten (Lok. Pl. n.)
pratidṛṣṭeṣu
an den [schriftgemäß] gezeigten (Lok. Pl. n. Part.)
rājā
der König (Nom. Sg. m.)
medhyān
opferwürdige (Akk. Pl. m. Adj.)
paśūn
Tiere (Akk. Pl. m.)
vane
im Wald (Lok. Sg.)
yāvat-artham
so viel wie nötig (Adv.)
alam
nicht mehr, genug (Adv.)
lubdhaḥ
als Jäger (Nom. Sg. m., wörtl. 'begierig')
hanyāt
er möge töten (Optativ 3. Sg.)
iti
so (Zitatpartikel)
niyamyate
es wird geregelt (Passiv Präs. 3. Sg.)

ya evaṁ karma niyataṁ vidvān kurvīta mānavaḥ karmaṇā tena rājendra jñānena na sa lipyate

Welcher Mensch, dies wissend, so eine vorgeschriebene Handlung ausführt, o Fürst der Könige, der wird durch diese Handlung – begleitet von Erkenntnis – nicht befleckt.

Wort für Wort
yaḥ
welcher (Nom. Sg. m. Rel.-Pron.)
evam
so (Adv.)
karma
Handlung (Akk. Sg. n.)
niyatam
vorgeschriebene (Akk. Sg. n. Adj.)
vidvān
wissend (Nom. Sg. m. Part.)
kurvīta
er möge ausführen (Optativ 3. Sg.)
mānavaḥ
der Mensch (Nom. Sg. m.)
karmaṇā
durch die Handlung (Instr. Sg. n.)
tena
durch diese (Instr. Sg. n.)
rāja-indra
o Fürst der Könige (Vok. Sg. m.)
jñānena
durch Erkenntnis (Instr. Sg. n.)
na
nicht
saḥ
er (Nom. Sg. m.)
lipyate
wird befleckt (Passiv Präs. 3. Sg.)

anyathā karma kurvāṇo mānārūḍho nibadhyate guṇa-pravāha-patito naṣṭa-prajño vrajaty adhaḥ

Wer hingegen, von Einbildung erfüllt, die Handlung auf andere Weise ausführt, wird gefesselt; in die Strömung der [materiellen] Erscheinungsweisen gefallen und um seine Urteilskraft gebracht, geht er abwärts.

Wort für Wort
anyathā
anders (Adv.)
karma
Handlung (Akk. Sg. n.)
kurvāṇaḥ
ausführend (Nom. Sg. m. Part. Präs. Med.)
māna-ārūḍhaḥ
von Einbildung/Stolz erfüllt (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
nibadhyate
wird gefesselt (Passiv Präs. 3. Sg.)
guṇa-pravāha-patitaḥ
in die Strömung der Erscheinungsweisen gefallen (Nom. Sg.)
naṣṭa-prajñaḥ
dessen Urteilskraft verloren ist (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
vrajati
er geht (Präs. 3. Sg.)
adhaḥ
abwärts (Adv.)

tatra nirbhinna-gātrāṇāṁ citra-vājaiḥ śilīmukhaiḥ viplavo 'bhūd duḥkhitānāṁ duḥsahaḥ karuṇātmanām

Dort war die durch bunt gefiederte Pfeile bewirkte Verwüstung der leidenden, mitleiderweckenden Geschöpfe, deren Glieder durchbohrt wurden, unerträglich.

Wort für Wort
tatra
dort (Adv.)
nirbhinna-gātrāṇām
deren Glieder durchbohrt waren (Gen. Pl., Bahuvrīhi)
citra-vājaiḥ
mit bunten Federn (Instr. Pl. Adj.)
śilīmukhaiḥ
mit Pfeilen (Instr. Pl. m.)
viplavaḥ
Verwüstung (Nom. Sg. m.)
abhūt
geschah (Aorist 3. Sg.)
duḥkhitānām
der Leidenden (Gen. Pl. Adj.)
duḥsahaḥ
unerträglich (Nom. Sg. m. Adj.)
karuṇa-ātmanām
deren Wesen mitleiderregend/sanft ist (Gen. Pl., Bahuvrīhi) [?]

Unsicher, ob 'karuṇātmanām' die getöteten Tiere ('von sanftem/mitleiderregendem Wesen') oder mitfühlende Betrachter bezeichnet; hier auf die Tiere bezogen [?].

śaśān varāhān mahiṣān gavayān ruru-śalyakān medhyān anyāṁś ca vividhān vinighnan śramam adhyagāt

Hasen, Wildschweine, Büffel, Waldrinder, Ruru-Hirsche und Stachelschweine sowie andere verschiedenartige opferwürdige [Tiere] erschlagend, gelangte er zur Erschöpfung.

Wort für Wort
śaśān
Hasen (Akk. Pl. m.)
varāhān
Wildschweine (Akk. Pl. m.)
mahiṣān
Büffel (Akk. Pl. m.)
gavayān
Waldrinder (Akk. Pl. m.)
ruru-śalyakān
Ruru-Hirsche und Stachelschweine (Akk. Pl. m., Dvandva)
medhyān
opferwürdige (Akk. Pl. m. Adj.)
anyān
andere (Akk. Pl. m.)
ca
und
vividhān
verschiedenartige (Akk. Pl. m. Adj.)
vinighnan
erschlagend (Nom. Sg. m. Part. Präs.)
śramam
Erschöpfung (Akk. Sg. m.)
adhyagāt
er gelangte zu (Aorist 3. Sg.)

tataḥ kṣut-tṛṭ-pariśrānto nivṛtto gṛham eyivān kṛta-snānocitāhāraḥ saṁviveśa gata-klamaḥ

Danach, von Hunger und Durst erschöpft, kehrte er heim, nahm ein Bad und die angemessene Speise ein und legte sich nieder, nun von seiner Ermüdung befreit.

Wort für Wort
tataḥ
danach (Adv.)
kṣut-tṛṭ-pariśrāntaḥ
erschöpft von Hunger und Durst (Nom. Sg.)
nivṛttaḥ
zurückgekehrt (Nom. Sg. m. Part. Perf. Pass.)
gṛham eyivān
nach Hause gegangen (Nom. Sg. m. Perf.-Part.)
kṛta-snāna-ucita-āhāraḥ
der gebadet und die angemessene Speise genommen hat (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
saṁviveśa
er legte sich nieder (Perf. 3. Sg.)
gata-klamaḥ
dessen Ermüdung gewichen war (Nom. Sg., Bahuvrīhi)

ātmānam arhayāṁ cakre dhūpālepa-srag-ādibhiḥ sādhv-alaṅkṛta-sarvāṅgo mahiṣyām ādadhe manaḥ

Er schmückte sich selbst gebührend mit Räucherwerk, Salböl, Blumengirlanden und dergleichen; und, an allen Gliedern trefflich geschmückt, richtete er seinen Sinn auf die Königin.

Wort für Wort
ātmānam
sich selbst (Akk. Sg. m.)
arhayām cakre
er ehrte/schmückte gebührend (periphr. Perf.)
dhūpa-ālepa-srak-ādibhiḥ
mit Räucherwerk, Salbe, Girlanden u. dgl. (Instr. Pl., Dvandva)
sādhu-alaṅkṛta-sarva-aṅgaḥ
dessen sämtliche Glieder trefflich geschmückt waren (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
mahiṣyām
auf die Königin (Lok. Sg. f.)
ādadhe
er richtete (Perf. 3. Sg. Med.)
manaḥ
den Sinn (Akk. Sg. n.)

tṛpto hṛṣṭaḥ sudṛptaś ca kandarpākṛṣṭa-mānasaḥ na vyacaṣṭa varārohāṁ gṛhiṇīṁ gṛha-medhinīm

Gesättigt, erfreut und übermütig, den Sinn von Begierde angezogen, nahm er die schönhüftige Hausherrin, die im Haushalt verwurzelte Gattin, nicht wahr.

Wort für Wort
tṛptaḥ
gesättigt (Nom. Sg. m. Adj.)
hṛṣṭaḥ
erfreut (Nom. Sg. m. Adj.)
su-dṛptaḥ
sehr übermütig (Nom. Sg. m. Adj.)
ca
und
kandarpa-ākṛṣṭa-mānasaḥ
dessen Sinn von Kandarpa (Begierde) angezogen war (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
na
nicht
vyacaṣṭa
er nahm wahr (Imperf. 3. Sg. Med.)
vara-ārohām
die Schönhüftige (Akk. Sg. f. Adj.)
gṛhiṇīm
die Hausherrin (Akk. Sg. f.)
gṛha-medhinīm
die im Haushalt verwurzelte (Akk. Sg. f. Adj.)

Wort-Synonyme dieses Verses waren auf vedabase.io technisch nicht abrufbar; IAST-Text jedoch mehrfach konsistent bestätigt, Übersetzung eigenständig aus dem Sanskrit erstellt.

antaḥpura-striyo 'pṛcchad vimanā iva vediṣat api vaḥ kuśalaṁ rāmāḥ seśvarīṇāṁ yathā purā

Er fragte die Frauen des inneren Gemachs, gleichsam niedergeschlagen: O Vediṣat, geht es euch, ihr schönen Frauen, zusammen mit eurer Herrin, wohl, so wie einst?

Wort für Wort
antaḥpura-striyaḥ
die Frauen des inneren Gemachs (Akk. Pl. f.)
apṛcchat
er fragte (Imperf. 3. Sg.)
vimanāḥ
niedergeschlagen (Nom. Sg. m. Adj.)
iva
gleichsam (Adv.)
vediṣat
o Vediṣat [Anrede an Prācīnabarhi] (Vok.) [?]
api
ob wohl (Fragepartikel)
vaḥ
euer (Gen. Pl.)
kuśalam
Wohlergehen (Nom. Sg. n.)
rāmāḥ
o schöne Frauen (Vok. Pl. f.)
sa-īśvarīṇām
samt eurer Herrin (Gen. Pl. f.)
yathā
wie (Adv.)
purā
einst (Adv.)

'vediṣat' als Beiname/Anrede Nāradas an König Prācīnabarhi (den Zuhörer der Erzählung), da dieser sonst 'Barhiṣat' ('auf der Opferstreu Sitzender') genannt wird; Deutung unsicher [?].

na tathaitarhi rocante gṛheṣu gṛha-sampadaḥ yadi na syād gṛhe mātā patnī vā pati-devatā vyaṅge ratha iva prājñaḥ ko nāmāsīta dīnavat

Nicht ebenso wie früher erfreuen jetzt die häuslichen Reichtümer im Haus, wenn im Haus keine Mutter wäre oder keine Gattin, die den Gatten als Gottheit verehrt. Wie in einem radlosen Wagen – welcher Kluge würde fürwahr wie ein Elender darin verweilen?

Wort für Wort
na
nicht
tathā
ebenso (Adv.)
etarhi
jetzt (Adv.)
rocante
sie erfreuen (Präs. 3. Pl. Med.)
gṛheṣu
im Haus (Lok. Pl.)
gṛha-sampadaḥ
die häuslichen Reichtümer (Nom. Pl. f.)
yadi
wenn
na syāt
es nicht wäre (Optativ 3. Sg.)
gṛhe
im Haus (Lok. Sg.)
mātā
Mutter (Nom. Sg. f.)
patnī
Gattin (Nom. Sg. f.)
vā
oder
pati-devatā
die den Gatten als Gottheit verehrt (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
vyaṅge rathe
im radlosen Wagen (Lok. Sg.)
iva
wie
prājñaḥ
der Kluge (Nom. Sg. m.)
kaḥ nāma
wer wohl (Nom. Sg. m. + Partikel)
āsīta
er würde verweilen (Optativ 3. Sg. Med.)
dīna-vat
wie ein Elender (Adv.)

kva vartate sā lalanā majjantaṁ vyasanārṇave ya mām uddharate prajñāṁ dīpayantī pade pade

Wo weilt jene Frau, die mich, den im Ozean des Unglücks Versinkenden, emporhebt, indem sie auf Schritt und Tritt meine Einsicht entzündet?

Wort für Wort
kva
wo (Adv.)
vartate
sie weilt (Präs. 3. Sg. Med.)
sā
jene (Nom. Sg. f.)
lalanā
Frau (Nom. Sg. f.)
majjantam
den Versinkenden (Akk. Sg. m. Part. Präs.)
vyasana-arṇave
im Ozean des Unglücks (Lok. Sg. m.)
yā
die (Nom. Sg. f. Rel.-Pron.)
mām
mich (Akk. Sg.)
uddharate
sie hebt empor (Präs. 3. Sg. Med.)
prajñām
die Einsicht (Akk. Sg. f.)
dīpayantī
entzündend (Nom. Sg. f. Part. Präs.)
pade pade
auf Schritt und Tritt (distributiv)

rāmā ūcuḥ nara-nātha na jānīmas tvat-priyā yad vyavasyati bhūtale niravastāre śayānāṁ paśya śatru-han

Die Frauen sprachen: O Herr der Menschen, wir wissen nicht, warum deine Geliebte sich so verhält. Sieh selbst, o Feindevernichter, sie, auf dem bloßen Erdboden ohne Lager liegend.

Wort für Wort
rāmāḥ
die Frauen (Nom. Pl. f.)
ūcuḥ
sie sprachen (Perf. 3. Pl.)
nara-nātha
o Herr der Menschen (Vok. Sg. m.)
na jānīmaḥ
wir wissen nicht (Präs. 1. Pl.)
tvat-priyā
deine Geliebte (Nom. Sg. f.)
yat vyavasyati
warum sie sich so entschließt/verhält (Präs. 3. Sg.)
bhū-tale
auf dem Erdboden (Lok. Sg. n.)
niravastāre
auf dem unbedeckten [Boden] (Lok. Sg. Adj.)
śayānām
die Liegende (Akk. Sg. f. Part. Präs.)
paśya
sieh! (Imperativ 2. Sg.)
śatru-han
o Feindevernichter (Vok. Sg. m.)

nārada uvāca purañjanaḥ sva-mahiṣīṁ nirīkṣyāvadhutāṁ bhuvi tat-saṅgonmathita-jñāno vaiklavyaṁ paramaṁ yayau

Nārada sprach: Als Purañjana seine eigene Gemahlin, wie eine Ausgestoßene auf dem Boden liegend, erblickt hatte, geriet er, dessen Erkenntnis durch die Berührung mit ihr aufgewühlt war, in höchste Bestürzung.

Wort für Wort
nāradaḥ uvāca
Nārada sprach
purañjanaḥ
Purañjana (Nom. Sg. m.)
sva-mahiṣīm
seine eigene Gemahlin (Akk. Sg. f.)
nirīkṣya
nachdem er erblickt hatte (Absolutiv)
avadhutām
wie eine Ausgestoßene/Bettlerin (Akk. Sg. f. Adj.)
bhuvi
auf dem Boden (Lok. Sg. f.)
tat-saṅga-unmathita-jñānaḥ
dessen Erkenntnis durch die Berührung mit ihr aufgewühlt war (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
vaiklavyam
Bestürzung (Akk. Sg. n.)
paramam
höchste (Akk. Sg. n. Adj.)
yayau
er geriet (Perf. 3. Sg.)

sāntvayan ślakṣṇayā vācā hṛdayena vidūyatā preyasyāḥ sneha-saṁrambha-liṅgam ātmani nābhyagāt

Indem er sie mit sanfter Rede besänftigte, sein Herz sich quälend, erfasste er in seinem Inneren nicht das Zeichen der aus Zuneigung entstandenen Erregung seiner Geliebten.

Wort für Wort
sāntvayan
besänftigend (Nom. Sg. m. Part. Präs.)
ślakṣṇayā
mit sanfter (Instr. Sg. f. Adj.)
vācā
mit Rede (Instr. Sg. f.)
hṛdayena
mit dem Herzen (Instr. Sg. n.)
vidūyatā
das sich quälte (Instr. Sg. n. Part. Präs.)
preyasyāḥ
seiner Geliebten (Gen. Sg. f.)
sneha-saṁrambha-liṅgam
das Zeichen der aus Zuneigung [entstandenen] Erregung (Akk. Sg. n.)
ātmani
in seinem Inneren (Lok. Sg. m.)
na
nicht
abhyagāt
er erfasste (Aorist 3. Sg.)

anuninye 'tha śanakair vīro 'nunaya-kovidaḥ pasparśa pāda-yugalam āha cotsaṅga-lālitām

Darauf begann der Held, kundig in der Kunst der Besänftigung, sie allmählich zu besänftigen; er berührte ihr Fußpaar und sprach, während er sie auf seinem Schoß liebkoste.

Wort für Wort
anuninye
er begann zu besänftigen (Impf./Aor. Med. 3. Sg.)
atha
darauf (Adv.)
śanakaiḥ
allmählich (Instr. Pl. als Adv.)
vīraḥ
der Held (Nom. Sg. m.)
anunaya-kovidaḥ
kundig in der Besänftigung (Nom. Sg. m. Adj.)
pasparśa
er berührte (Perf. 3. Sg.)
pāda-yugalam
das Fußpaar (Akk. Sg. n.)
āha
er sprach (Perf. 3. Sg.)
ca
und
utsaṅga-lālitām
die auf dem Schoß Liebkoste (Akk. Sg. f. Part.)

purañjana uvāca nūnaṁ tv akṛta-puṇyās te bhṛtyā yeṣv īśvarāḥ śubhe kṛtāgaḥsv ātmasāt kṛtvā śikṣā-daṇḍaṁ na yuñjate

Purañjana sprach: Gewiss sind, o Glückverheißende, jene Diener ohne Verdienst, deren Herren, obwohl sie diese als die eigenen angenommen haben, ihnen, wenn sie ein Vergehen begangen haben, keine erzieherische Strafe auferlegen.

Wort für Wort
purañjanaḥ uvāca
Purañjana sprach
nūnam
gewiss (Adv.)
tu
aber/nun
akṛta-puṇyāḥ
ohne erworbenes Verdienst (Nom. Pl. m., Bahuvrīhi)
te
jene (Nom. Pl. m.)
bhṛtyāḥ
Diener (Nom. Pl. m.)
yeṣu
bei denen (Lok. Pl. m. Rel.-Pron.)
īśvarāḥ
die Herren (Nom. Pl. m.)
śubhe
o Glückverheißende (Vok. Sg. f.)
kṛta-āgaḥsu
bei denen, die ein Vergehen begangen haben (Lok. Pl. m., Bahuvrīhi)
ātmasāt kṛtvā
als die eigenen angenommen habend (Absolutivkonstr.)
śikṣā-daṇḍam
die erzieherische Strafe (Akk. Sg. m.)
na yuñjate
sie legen nicht auf (Präs. 3. Pl. Med.)

paramo 'nugraho daṇḍo bhṛtyeṣu prabhuṇārpitaḥ bālo na veda tat tanvi bandhu-kṛtyam amarṣaṇaḥ

Die vom Herrn den Dienern auferlegte Strafe ist höchste Gnade; der Törichte, der Ungeduldige, o Schlanke, kennt diese Pflicht des Nächsten nicht.

Wort für Wort
paramaḥ
höchste (Nom. Sg. m. Adj.)
anugrahaḥ
Gnade (Nom. Sg. m.)
daṇḍaḥ
die Strafe (Nom. Sg. m.)
bhṛtyeṣu
gegenüber den Dienern (Lok. Pl. m.)
prabhuṇā
vom Herrn (Instr. Sg. m.)
arpitaḥ
auferlegt (Nom. Sg. m. Part. Perf. Pass.)
bālaḥ
der Törichte (Nom. Sg. m.)
na veda
er kennt nicht (Perf. m. Präsensbed., 3. Sg.)
tat
das (Akk. Sg. n.)
tanvi
o Schlanke (Vok. Sg. f.)
bandhu-kṛtyam
die Pflicht des Nächsten (Akk. Sg. n.)
amarṣaṇaḥ
der Ungeduldige (Nom. Sg. m. Adj.)

sā tvaṁ mukhaṁ sudati subhrv anurāga-bhāra- vrīḍā-vilamba-vilasad-dhasitāvalokam nīlālakālibhir upaskṛtam unnasaṁ naḥ svānāṁ pradarśaya manasvini valgu-vākyam

Zeige, o Schönzahnige, Schönbrauige, uns, den Deinigen, o Besonnene, dein Gesicht – das, beschwert von Zuneigung, durch Scheu verzögert, in strahlendem Lächeln und Blicken erglänzt, mit bienengleichen dunklen Locken geschmückt und von erhabener Nase – mit lieblichen Worten.

Wort für Wort
sā tvam
du, die (Nom. Sg. f.)
mukham
Gesicht (Akk. Sg. n.)
su-dati
o Schönzahnige (Vok. Sg. f. Adj.)
su-bhrū
o Schönbrauige (Vok. Sg. f. Adj.)
anurāga-bhāra-vrīḍā-vilamba-vilasat-hasita-avalokam
das von Zuneigung beschwerte, durch Scham verzögerte, strahlend lächelnde und blickende [Gesicht] (Akk. Adj.)
nīla-alaka-alibhiḥ
mit bienengleichen dunklen Locken (Instr. Pl.)
upaskṛtam
geschmückt (Akk. Sg. n. Part. Perf. Pass.)
unnasam
mit erhabener Nase (Akk. Sg. n. Adj.)
naḥ
uns (Dat./Akk.)
svānām
der Deinigen (Gen. Pl.)
pradarśaya
zeige! (Imperativ 2. Sg. Kausativ)
manasvini
o Besonnene (Vok. Sg. f.)
valgu-vākyam
mit lieblichen Worten (Akk. Sg. n. Adv./Adj.)

Langes Kompositum, syntaktische Zuordnung von 'valgu-vākyam' unsicher (evtl. Adverb zu pradarśaya, 'mit lieblichen Worten [begleitet]') [?].

tasmin dadhe damam ahaṁ tava vīra-patni yo 'nyatra bhūsura-kulāt kṛta-kilbiṣas tam paśye na vītabhayam unmuditaṁ tri-lokyām anyatra vai mura-ripor itaratra dāsāt

Gegen jenen werde ich Strafe verhängen, o Gattin des Helden – gegen jeden, der, außer von der Sippe der Brahmanen, ein Vergehen begangen hat. In den drei Welten sehe ich niemanden furchtlos und sorglos, außer, fürwahr, [einem, der zum Feind Muras gehört], außer dem Diener [Kṛṣṇas].

Wort für Wort
tasmin
gegen jenen (Lok. Sg. m.)
dadhe
ich werde verhängen (Präs./Fut. 1. Sg. Med.)
damam
Strafe (Akk. Sg. m.)
aham
ich (Nom. Sg.)
tava
dein (Gen. Sg.)
vīra-patni
o Gattin des Helden (Vok. Sg. f.)
yaḥ
welcher (Nom. Sg. m. Rel.-Pron.)
anyatra
außer (Adv.)
bhū-sura-kulāt
von der Sippe der Erdengötter [Brahmanen] (Abl. Sg.)
kṛta-kilbiṣaḥ
der ein Vergehen begangen hat (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
tam
jenen (Akk. Sg. m.)
paśye
ich sehe (Präs. 1. Sg. Med.)
na
nicht
vīta-bhayam
furchtlos (Akk. Sg. m. Adj., Bahuvrīhi)
unmuditam
sorglos/erfreut (Akk. Sg. m. Adj.)
tri-lokyām
in den drei Welten (Lok. Sg. f.)
anyatra
außer (Adv.)
vai
fürwahr (Partikel)
mura-ripoḥ
des Feindes Muras [Kṛṣṇa] (Gen. Sg. m.)
itaratra
andernorts (Adv.)
dāsāt
als der Diener (Abl. Sg. m.)

Verschachtelte doppelte Verneinung (anyatra … anyatra … itaratra dāsāt) schwer eindeutig aufzulösen; Übersetzung nach wahrscheinlichster Lesart, Rest bleibt unsicher [?].

vaktraṁ na te vitilakaṁ malinaṁ viharṣaṁ saṁrambha-bhīmam avimṛṣṭam apeta-rāgam paśye stanāv api śucopahatau sujātau bimbādharaṁ vigata-kuṅkuma-paṅka-rāgam

Nie zuvor sah ich dein Gesicht ohne Stirnzeichen, unrein, freudlos, von Zorn furchterregend, ungepflegt, der Farbe beraubt; nie zuvor sah ich auch deine wohlgeformten Brüste von Tränen getroffen, noch deine Lippe wie die Bimba-Frucht, der safranroten Farbe entwichen.

Wort für Wort
vaktram
Gesicht (Akk. Sg. n.)
na
nicht/nie
te
dein (Gen. Sg.)
vitilakam
ohne Stirnzeichen (Akk. Sg. n. Adj.)
malinam
unrein (Akk. Sg. n. Adj.)
viharṣam
freudlos (Akk. Sg. n. Adj.)
saṁrambha-bhīmam
von Zorn furchterregend (Akk. Sg. n. Adj.)
avimṛṣṭam
ungepflegt (Akk. Sg. n. Adj.)
apeta-rāgam
der Farbe beraubt (Akk. Sg. n. Adj., Bahuvrīhi)
paśye
ich sah (Präs. 1. Sg. Med.)
stanau
die beiden Brüste (Akk. Dual m.)
api
auch
śuca-upahatau
von Tränen/Kummer getroffen (Akk. Dual, Bahuvrīhi)
su-jātau
die wohlgeformten (Akk. Dual Adj.)
bimba-adharam
die Lippe wie die Bimba-Frucht (Akk. Sg. m., Bahuvrīhi)
vigata-kuṅkuma-paṅka-rāgam
der die safranrote Farbe entwichen ist (Akk. Sg. m. Adj., Bahuvrīhi)

tan me prasīda suhṛdaḥ kṛta-kilbiṣasya svairaṁ gatasya mṛgayāṁ vyasanāturasya kā devaraṁ vaśagataṁ kusumāstra-vega- visrasta-pauṁsnam uśatī na bhajeta kṛtye

Darum sei mir gnädig, deinem guten Freund, der ein Vergehen begangen hat, der aus eigenem Willen zur Jagd ging, geplagt vom Laster der Jagd. Welche schöne Frau würde ihren ergebenen Gatten, dessen Manneskraft durch die Wucht des Blütenpfeils erschlafft ist, nicht lieben, in Erfüllung ihrer Pflicht?

Wort für Wort
tat
darum (Adv.)
me
mir (Dat. Sg.)
prasīda
sei gnädig (Imperativ 2. Sg.)
su-hṛdaḥ
deines guten Freundes (Gen. Sg. m.)
kṛta-kilbiṣasya
der ein Vergehen begangen hat (Gen. Sg., Bahuvrīhi)
svairam
aus eigenem Willen (Adv.)
gatasya
der gegangen ist (Gen. Sg. m. Part. Perf. Pass.)
mṛgayām
zur Jagd (Akk. Sg. f.)
vyasana-āturasya
der vom Laster geplagt ist (Gen. Sg., Bahuvrīhi)
kā
welche [Frau] (Nom. Sg. f.)
devaram
den Gatten (Akk. Sg. m.)
vaśa-gatam
der [ihr] ergeben ist (Akk. Sg. m. Adj.)
kusuma-astra-vega-visrasta-pauṁsnam
dessen Manneskraft durch die Wucht des Blütenpfeils erschlafft ist (Akk. Sg. m., Bahuvrīhi)
uśatī
die Schöne (Nom. Sg. f. Adj.)
na bhajeta
sie würde nicht lieben (Optativ 3. Sg.)
kṛtye
in [ihrer] Pflicht (Lok. Sg. n.) [?]

Kasus/Funktion von 'kṛtye' am Versende unsicher (Lokativ 'in [ihrer] Pflicht' oder Vokativ-Anrede); hier als Lokativ gedeutet [?].

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