Kapitel 25: puruṣa-sūkta-pratyakṣīkaraṇam
Der Puruṣa-Sūkta bestätigt
Skandha 2, Adhyāya 6. Quelle: vedabase.io, vers-für-vers abgerufen (V.13-16, V.40-41 und V.43-45 auf der Quellseite als zusammenhängende Einheiten gruppiert; V.6 ist im Original ein Halbvers). Brahmā setzt seine Belehrung Nāradas fort und ordnet, dem vedischen Puruṣa-Sūkta folgend, sämtliche Körperteile des kosmischen Puruṣa den Elementen, Sinnesbereichen, Welten, Wesenklassen und rituellen Kategorien zu (V.1-22). Es folgt Brahmās eigener Bericht über seine Entstehung aus dem Nabellotos und seine Zusammenstellung des ursprünglichen Opfers aus den Gliedern des Puruṣa, gefolgt von den Prajāpatis, Manus und weiteren Wesen, die ebenfalls opferten (V.23-33). Den Höhepunkt bildet Brahmās eindringliches Bekenntnis der eigenen Grenzen - trotz vollendeten Yoga und der Stellung als Herr der Prajāpatis vermochte er den Herrn nicht zu erfassen, aus dem er selbst entstand (V.34-39), gefolgt von einer Beschreibung des reinen, formlosen Wissens, das nur die befriedeten Weisen erkennen (V.40-42). Eine abschließende Aufzählung aller Wesensklassen und Eigenschaften, die letztlich vom Erhabenen sind (V.43-45), mündet in die Ankündigung, nun die līlā-Inkarnationen des Puruṣa der Reihe nach zu schildern (V.46).
Brahmā sprach: Der Mund ist das Feld der Rede und des Feuers, der sieben Grundelemente der vedischen Versmaße; die Zunge ist das Feld der Opfergaben für Götter und Ahnen, der unsterblichen Speisen und aller Geschmäcker.
Wort für Wort
brahmā uvāca
Brahmā sprach
vācāṁ vahner mukhaṁ kṣetraṁ
der Mund ist das Feld der Rede und des Feuer(gottes)
sarvāsūnāṁ ca vāyoś ca
tan-nāse paramāyaṇe
aśvinor oṣadhīnāṁ ca
ghrāṇo moda-pramodayoḥ
Seine beiden Nasenlöcher sind der höchste Zufluchtsort aller Lebensatmen und des Windgottes; der Geruchssinn ist der Sitz der Aśvin-Zwillinge, der Heilkräuter und von Freude und Wonne.
Wort für Wort
sarvāsūnāṁ ca vāyoś ca
aller Lebensatmen und des Windgottes
tan-nāse paramāyaṇe
seine beiden Nasenlöcher, der höchste Zufluchtsort
Das Auge ist das Feld der Formen und Lichter, Himmel und Sonne sind seine Augen; die Ohren sind das Feld der Himmelsrichtungen und heiligen Stätten, das Gehör das Feld von Äther und Klang.
Wort für Wort
rūpāṇāṁ tejasāṁ cakṣur
das Auge ist das Feld der Formen und Lichter
divaḥ sūryasya cākṣiṇī
Himmel und Sonne sind seine Augen
karṇau diśāṁ ca tīrthānāṁ
die Ohren sind das Feld der Himmelsrichtungen und heiligen Stätten
tad-gātraṁ vastu-sārāṇāṁ
saubhagasya ca bhājanam
tvag asya sparśa-vāyoś ca
sarva-medhasya caiva hi
Sein Körper ist das Gefäß der Essenz aller Dinge und des Wohlergehens; seine Haut ist das Feld des Tastsinns, der Luft und fürwahr auch aller Opferkraft.
Wort für Wort
tad-gātraṁ vastu-sārāṇāṁ
sein Körper (ist das Gefäß) der Essenz aller Dinge
saubhagasya ca bhājanam
und das Gefäß des Wohlergehens
tvag asya sparśa-vāyoś ca
seine Haut (ist das Feld) des Tastsinns und der Luft
romāṇy udbhijja-jātīnāṁ
yair vā yajñas tu sambhṛtaḥ
keśa-śmaśru-nakhāny asya
śilā-lohābhra-vidyutām
Seine Körperhaare sind das Feld der aus Samen wachsenden Pflanzenarten, durch die auch das Opfer bereitet wird; sein Haupthaar, Bart und Nägel sind das Feld der Steine, Metalle, Wolken und Blitze.
Wort für Wort
romāṇy udbhijja-jātīnāṁ
seine Körperhaare (sind das Feld) der aus Samen wachsenden Pflanzenarten
yair vā yajñas tu sambhṛtaḥ
durch die auch das Opfer bereitet wird
keśa-śmaśru-nakhāny asya
sein Haupthaar, Bart und Nägel
śilā-lohābhra-vidyutām
(sind das Feld) der Steine, Metalle, Wolken und Blitze
apāṁ vīryasya sargasya
parjanyasya prajāpateḥ
puṁsaḥ śiśna upasthas tu
prajāty-ānanda-nirvṛteḥ
Das Zeugungsglied der kosmischen Person ist das Feld der Gewässer, der Zeugungskraft, der Schöpfung, des Regengottes und des Herrn der Geschöpfe; der Schoß ist das Feld der Nachkommenschaft, der Freude und des Glücks.
Wort für Wort
apāṁ vīryasya sargasya
der Gewässer, der Zeugungskraft, der Schöpfung
parjanyasya prajāpateḥ
des Regengottes und des Herrn der Geschöpfe
puṁsaḥ śiśna upasthas tu
das Zeugungsglied der (kosmischen) Person, der Schoß aber
prajāty-ānanda-nirvṛteḥ
(ist das Feld) der Nachkommenschaft, der Freude und des Glücks
parābhūter adharmasya
tamasaś cāpi paścimaḥ
nāḍyo nada-nadīnāṁ ca
gotrāṇām asthi-saṁhatiḥ
Und sein hinterer Teil ist das Feld der Niederlage, des Unrechts und der Finsternis; seine Adern sind das Feld der Flüsse und Ströme, seine Knochenstruktur das Feld der Gebirge.
avyakta-rasa-sindhūnāṁ
bhūtānāṁ nidhanasya ca
udaraṁ viditaṁ puṁso
hṛdayaṁ manasaḥ padam
Der Bauch der kosmischen Person ist bekannt als das Feld des Unmanifesten, der Geschmacksmeere und der Vernichtung der Wesen; das Herz ist der Sitz des Geistes.
Wort für Wort
avyakta-rasa-sindhūnāṁ
des Unmanifesten und der Geschmacksmeere
bhūtānāṁ nidhanasya ca
und der Vernichtung der Wesen
udaraṁ viditaṁ puṁso
der Bauch der (kosmischen) Person ist bekannt (als deren Feld)
dharmasya mama tubhyaṁ ca
kumārāṇāṁ bhavasya ca
vijñānasya ca sattvasya
parasyātmā parāyaṇam
Sein Selbst ist die höchste Zuflucht der Rechtschaffenheit, meiner selbst und deiner, der vier Kumāras und Śivas, des reinen Wissens und der Erscheinungsweise Sattva.
Wort für Wort
dharmasya mama tubhyaṁ ca
der Rechtschaffenheit, meiner (Brahmās) und deiner (Nāradas)
kumārāṇāṁ bhavasya ca
der (vier) Kumāras und Śivas
vijñānasya ca sattvasya
des (reinen) Wissens und der Erscheinungsweise Sattva
Ich, du und ebenso Śiva, diese erstgeborenen Weisen, Götter, Dämonen, Menschen, Schlangenwesen, Vögel, Tiere und Kriechtiere; Gandharvas, Apsaras, Yakṣas, die Scharen der Rakṣas, Geister und Uragas, Vieh, Ahnen, Siddhas, Vidyādharas, Cāraṇas und Bäume; und andere vielfältige Lebewesen, die im Wasser, auf der Erde und im Luftraum wohnen, Planeten, Sternbilder, Kometen, Sterne, Blitze und Donner - all dies ist wahrlich nur der Puruṣa, was gewesen ist, was sein wird und was ist; von ihm ist dieses Universum umhüllt, und doch überragt er es um eine Spanne.
die im Wasser, auf der Erde und im Luftraum wohnen
graharkṣa-ketavas tārās
Planeten, Sternbilder, Kometen, Sterne
taḍitaḥ stanayitnavaḥ
Blitze und Donner
sarvaṁ puruṣa evedaṁ
all dies ist wahrlich nur der Puruṣa
bhūtaṁ bhavyaṁ bhavac ca yat
was gewesen ist, was sein wird und was ist
tenedam āvṛtaṁ viśvaṁ
von ihm ist dieses Universum umhüllt
vitastim adhitiṣṭhati
und doch überragt er (es) um eine (Hand-)Spanne
[Anm.: der Schlussvers (16) ist ein direktes Echo des vedischen Puruṣa-Sūkta (Ṛgveda 10.90), das lehrt, dass das manifeste Universum nur einen Teil des Puruṣa ausmacht, während er selbst darüber hinausragt/transzendiert ("vitastim adhitiṣṭhati" - wörtlich "er steht, [das All] um eine Handspanne überragend").]
Der Lebensatem, der seinen eigenen Sitz erwärmt, erwärmt auch das Äußere; ebenso erwärmt die kosmische Person, den Virāṭ durchglühend, von innen und außen.
Wort für Wort
sva-dhiṣṇyaṁ pratapan prāṇo
der Lebensatem, der seinen eigenen Sitz erwärmt
bahiś ca pratapaty asau
erwärmt auch das Äußere
evaṁ virājaṁ pratapaṁs
ebenso, den Virāṭ durchglühend
tapaty antar bahiḥ pumān
erwärmt die (kosmische) Person von innen und außen
so 'mṛtasyābhayasyeśo
martyam annaṁ yad atyagāt
mahimaiṣa tato brahman
puruṣasya duratyayaḥ
Er, der Herr der Unsterblichkeit und Furchtlosigkeit, der über alles Sterbliche und alle Nahrung hinausgeht - dies, o Brahmane, ist die unüberwindliche Herrlichkeit des Puruṣa.
Wort für Wort
so 'mṛtasyābhayasyeśo
er, der Herr der Unsterblichkeit und Furchtlosigkeit
martyam annaṁ yad atyagāt
der über das Sterbliche und die Nahrung hinausgeht
In den Füßen der kosmischen Person, so wissen die Weisen, befinden sich alle Wesen, der Standort der Existenz; Unsterblichkeit, Sicherheit und Furchtlosigkeit wurden in den Häuptern des Dreihäuptigen verankert.
Wort für Wort
pādeṣu sarva-bhūtāni
in den Füßen (befinden sich) alle Wesen
puṁsaḥ sthiti-pado viduḥ
der (kosmischen) Person, den Standort der Existenz, so wissen sie
amṛtaṁ kṣemam abhayaṁ
Unsterblichkeit, Sicherheit und Furchtlosigkeit
tri-mūrdhno 'dhāyi mūrdhasu
wurden in den Häuptern des Dreihäuptigen verankert
[?: "tri-mūrdhnaḥ" (des Dreihäuptigen) bezieht sich wohl auf eine dreifache Zuordnung der oberen Welten/Regionen zum Puruṣa, analog zur vierfüßigen Gliederung des Puruṣa-Sūkta - die genaue Zuordnung bleibt im Vers selbst unausgeführt.]
pādās trayo bahiś cāsann
aprajānāṁ ya āśramāḥ
antas tri-lokyās tv aparo
gṛha-medho 'bṛhad-vrataḥ
Drei Füße des Puruṣa befanden sich außerhalb, entsprechend den Lebensstadien derer, die kinderlos bleiben; der vierte aber ist innerhalb der drei Welten, der Haushälter, dessen Gelübde nicht so streng ist.
Wort für Wort
pādās trayo bahiś cāsann
drei Füße befanden sich außerhalb
aprajānāṁ ya āśramāḥ
(entsprechend) den Lebensstadien derer, die kinderlos (bleiben)
antas tri-lokyās tv aparo
der vierte aber (ist) innerhalb der drei Welten
gṛha-medho 'bṛhad-vrataḥ
der Haushälter, dessen Gelübde nicht so streng ist
[Anm.: puruṣa-sūkta-artige Zuordnung der vier Lebensstadien (āśramas) zu den "Füßen" des Puruṣa - drei (Brahmacārin, Vānaprastha, Sannyāsin) als kinderlose, "äußere" Stadien, das vierte (Haushälter) als "innerhalb der drei Welten" verortet.]
sṛtī vicakrame viśvaṅ
sāśanānaśane ubhe
yad avidyā ca vidyā ca
puruṣas tūbhayāśrayaḥ
Er durchschritt beide alles durchdringenden Wege - den mit und den ohne Genuss - welche Nichtwissen und Wissen sind; der Puruṣa aber ist die Zuflucht von beidem.
Aus ihm entstand das kosmische Ei, der Virāṭ, von der Natur der Elemente, Sinnesorgane und Erscheinungsweisen; jenes Substanzhafte überstrahlte er, das Universum, wie die Sonne mit ihren Strahlen.
Wort für Wort
yasmād aṇḍaṁ virāḍ jajñe
aus ihm entstand das (kosmische) Ei, der Virāṭ
bhūtendriya-guṇātmakaḥ
von der Natur der Elemente, Sinnesorgane und Erscheinungsweisen
tad dravyam atyagād viśvaṁ
jenes Substanzhafte, das Universum, überstrahlte er
teṣu yajñasya paśavaḥ
savanaspatayaḥ kuśāḥ
idaṁ ca deva-yajanaṁ
kālaś coru-guṇānvitaḥ
Unter diesen Gliedern fand ich die Opfertiere, die Bäume und das Kuśa-Gras, diesen Ort der Götterverehrung, und die mit reichen Eigenschaften versehene Zeit.
Die Opfergegenstände, Heilkräuter, Fette, Säfte, Metalle, Erde und Wasser, die Ṛg-, Yajur- und Sāma-Verse, sowie die vierfache Priesterschaft, o Bester.
nāma-dheyāni mantrāś ca
dakṣiṇāś ca vratāni ca
devatānukramaḥ kalpaḥ
saṅkalpas tantram eva ca
Die rituellen Namensgebungen, Mantras, Priestergaben und Gelübde, die Reihenfolge der Gottheiten, das Ritualhandbuch, die Willensentschlüsse und die Opfervorschriften.
Wort für Wort
nāma-dheyāni mantrāś ca
die Namensgebungen und Mantras
dakṣiṇāś ca vratāni ca
die Priestergaben und Gelübde
devatānukramaḥ kalpaḥ
die Reihenfolge der Gottheiten, das Ritualhandbuch
Die jenseitigen Bestimmungen, Lehrmeinungen, Sühneriten und die abschließende Hingabe - diese Opferbestandteile wurden von mir aus den Gliedern des Puruṣa zusammengetragen.
nārāyaṇe bhagavati
tad idaṁ viśvam āhitam
gṛhīta-māyoru-guṇaḥ
sargādāv aguṇaḥ svataḥ
In Nārāyaṇa, dem Erhabenen, ruht dieses ganze Universum; er, der die großen Eigenschaften der Māyā annimmt, ist am Anfang der Schöpfung von sich aus eigentlich eigenschaftslos.
Wort für Wort
nārāyaṇe bhagavati
in Nārāyaṇa, dem Erhabenen
tad idaṁ viśvam āhitam
ruht dieses ganze Universum
gṛhīta-māyoru-guṇaḥ
der die großen Eigenschaften der Māyā annimmt
sargādāv aguṇaḥ svataḥ
ist am Anfang der Schöpfung von sich aus eigenschaftslos
Von ihm beauftragt, erschaffe ich; Hara, ihm unterworfen, zerstört; er selbst beschützt in Gestalt des Puruṣa das Universum, er, der Träger der drei Kräfte.
So wurde dir dies erklärt, mein Sohn, so wie du danach gefragt hast; es gibt nichts anderes, das - seiend oder nichtseiend seiner Natur nach - außerhalb des Erhabenen zu denken wäre.
Wort für Wort
iti te 'bhihitaṁ tāta
so wurde dir dies erklärt, mein Sohn
yathedam anupṛcchasi
so wie du danach gefragt hast
nānyad bhagavataḥ kiñcid
nichts anderes außer dem Erhabenen
bhāvyaṁ sad-asad-ātmakam
wäre zu denken, seiend oder nichtseiend seiner Natur nach
na bhāratī me 'ṅga mṛṣopalakṣyate
na vai kvacin me manaso mṛṣā gatiḥ
na me hṛṣīkāṇi patanty asat-pathe
yan me hṛdautkaṇṭhyavatā dhṛto hariḥ
Meine Rede wird nicht als trügerisch befunden, mein Geist nimmt niemals einen falschen Weg; meine Sinne verfallen nicht dem Pfad des Unrechten, weil Hari von mir mit Sehnsucht im Herzen gehalten wird.
Wort für Wort
na bhāratī me 'ṅga mṛṣopalakṣyate
meine Rede wird nicht als trügerisch befunden
na vai kvacin me manaso mṛṣā gatiḥ
mein Geist nimmt niemals einen falschen Weg
na me hṛṣīkāṇi patanty asat-pathe
meine Sinne verfallen nicht dem Pfad des Unrechten
yan me hṛdautkaṇṭhyavatā dhṛto hariḥ
weil Hari von mir mit Sehnsucht im Herzen gehalten wird
Ich, der aus der heiligen Überlieferung und aus Buße Bestehende, der verehrte Herr der Prajāpatis, habe, obwohl ich mich in vollkommener Sammlung dem Yoga hingegeben habe, ihn nicht erreicht, aus dem doch mein eigenes Selbst entstand.
Wort für Wort
so 'haṁ samāmnāyamayas tapomayaḥ
ich, der aus der (heiligen) Überlieferung und aus Buße Bestehende
prajāpatīnām abhivanditaḥ patiḥ
der verehrte Herr der Prajāpatis
āsthāya yogaṁ nipuṇaṁ samāhitas
obwohl ich mich vollkommen gesammelt dem Yoga hingegeben habe
taṁ nādhyagacchaṁ yata ātma-sambhavaḥ
habe ich ihn nicht erreicht, aus dem (doch) mein Selbst entstand
[Anm.: bemerkenswertes Demutsbekenntnis Brahmās - trotz seiner Stellung als Herr der Prajāpatis und trotz vollendeter Yoga-Praxis vermochte er den Herrn, aus dem er selbst entstand, nicht vollständig zu erfassen.]
nato 'smy ahaṁ tac-caraṇaṁ samīyuṣāṁ
bhavac-chidaṁ svasty-ayanaṁ sumaṅgalam
yo hy ātma-māyā-vibhavaṁ sma paryagād
yathā nabhaḥ svāntam athāpare kutaḥ
Ich verneige mich vor jenem Fuß des Herrn, der denen, die zu ihm gelangen, die Existenz zerschneidet, der ihr Heil und höchstes Wohl ist - er, der die Ausbreitung seiner eigenen Māyā selbst nicht ganz erfasst hat, wie der Äther nicht sein eigenes Ende kennt - wie viel weniger dann andere?
Wort für Wort
nato 'smy ahaṁ tac-caraṇaṁ samīyuṣāṁ
ich verneige mich vor jenem Fuß, (dem Fuß) derer, die (zu ihm) gelangen
bhavac-chidaṁ svasty-ayanaṁ sumaṅgalam
der die Existenz zerschneidet, Heil und höchstes Wohl
yo hy ātma-māyā-vibhavaṁ sma paryagād
der die Ausbreitung seiner eigenen Māyā (selbst) erfasst hat
yathā nabhaḥ svāntam athāpare kutaḥ
wie der Äther sein eigenes Ende - wie viel weniger dann andere
nāhaṁ na yūyaṁ yad-ṛtāṁ gatiṁ vidur
na vāmadevaḥ kim utāpare surāḥ
tan-māyayā mohita-buddhayas tv idaṁ
vinirmitaṁ cātma-samaṁ vicakṣmahe
Weder ich noch ihr kennen seinen wahren Weg, noch Vāmadeva - wieviel weniger dann andere Götter; durch dessen Māyā im Verstand getäuscht, betrachten wir dieses Erschaffene als uns selbst gleichartig.
Wort für Wort
nāhaṁ na yūyaṁ yad-ṛtāṁ gatiṁ vidur
weder ich noch ihr kennen seinen wahren Weg
na vāmadevaḥ kim utāpare surāḥ
noch Vāmadeva (Śiva) - wieviel weniger andere Götter
tan-māyayā mohita-buddhayas tv idaṁ
durch dessen Māyā im Verstand getäuscht, dieses
vinirmitaṁ cātma-samaṁ vicakṣmahe
Erschaffene betrachten wir als uns selbst gleichartig
[?: die genaue Bedeutung von "ātma-samaṁ vicakṣmahe" - "wir betrachten (es) als uns selbst gleich" - bleibt knapp; sinngemäß gemeint ist wohl, dass selbst Brahmā und die Götter, durch Māyā getäuscht, das Geschaffene mit sich selbst auf einer Stufe wähnen, statt die Transzendenz des Herrn zu erkennen.]
sa eṣa ādyaḥ puruṣaḥ
kalpe kalpe sṛjaty ajaḥ
ātmātmany ātmanātmānaṁ
sa saṁyacchati pāti ca
Er, dieser ursprüngliche, ungeborene Puruṣa, erschafft in jedem Weltzeitalter aufs Neue; er selbst zieht durch sich selbst sein eigenes Selbst in sich selbst zurück und erhält es auch.
Wort für Wort
sa eṣa ādyaḥ puruṣaḥ
er, dieser ursprüngliche Puruṣa
kalpe kalpe sṛjaty ajaḥ
erschafft, ungeboren, in jedem Weltzeitalter
ātmātmany ātmanātmānaṁ
das Selbst, im Selbst, durch das Selbst, das Selbst
sa saṁyacchati pāti ca
zieht er zurück und erhält (es) auch
[Anm.: dichte reflexive Wortfolge "ātmā ātmani ātmanā ātmānam" (Selbst - im Selbst - durch das Selbst - das Selbst) beschreibt die vollständige Selbstgenügsamkeit des Puruṣa bei Schöpfung, Erhaltung und Rückzug.]
Er ist reines, absolutes Wissen, in sich selbst zurückgewandt, vollkommen fest gegründet; wahr, vollständig, ohne Anfang und Ende, eigenschaftslos, ewig, nicht-zweifach. O Weiser, die Weisen mit befriedeter Seele, Sinnen und Denken erkennen ihn, wenn er nicht durch trügerische Spekulationen verdeckt und verwirrt wird.
Wort für Wort
viśuddhaṁ kevalaṁ jñānaṁ
reines, absolutes Wissen
pratyak samyag avasthitam
in sich selbst zurückgewandt, vollkommen fest gegründet
Der Puruṣa ist die ursprüngliche Inkarnation des Höchsten; Zeit, Eigennatur, Sein und Nichtsein, Geist, Stoff, Umwandlung, Erscheinungsweisen, Sinnesorgane, der Virāṭ, der Svarāṭ, das Unbewegliche und das Bewegliche - all dies ist vom Erhabenen.
Wort für Wort
ādyo 'vatāraḥ puruṣaḥ parasya
der Puruṣa ist die ursprüngliche Inkarnation des Höchsten
ahaṁ bhavo yajña ime prajeśā
dakṣādayo ye bhavad-ādayaś ca
svarloka-pālāḥ khagaloka-pālā
nṛloka-pālās talaloka-pālāḥ
gandharva-vidyādhara-cāraṇeśā
ye yakṣa-rakṣoraga-nāga-nāthāḥ
ye vā ṛṣīṇām ṛṣabhāḥ pitṝṇāṁ
daityendra-siddheśvara-dānavendrāḥ
anye ca ye preta-piśāca-bhūta-
kūṣmāṇḍa-yādo-mṛga-pakṣy-adhīśāḥ
yat kiñca loke bhagavan mahasvad
ojaḥ-sahasvad balavat kṣamāvat
śrī-hrī-vibhūty-ātmavad adbhutārṇaṁ
tattvaṁ paraṁ rūpavad asva-rūpam
Ich, Śiva, Yajña, diese Herren der Geschöpfe wie Dakṣa und andere, sowie du und andere, die Hüter der Himmelswelt, der Vogelwelt, der Menschenwelt und der unteren Welten; die Herren der Gandharvas, Vidyādharas und Cāraṇas, die Herren der Yakṣas, Rakṣas, Uragas und Nāgas, die Besten unter den Weisen und Ahnen, die Herren der Daityas, Siddhas und Dānavas, und andere, die Herrscher der Pretas, Piśācas, Bhūtas, Kūṣmāṇḍas, Wassertiere, wilden Tiere und Vögel - was auch immer in der Welt, o Erhabener, von Herrlichkeit, Kraft, Stärke, Macht und Geduld erfüllt ist, was Schönheit, Bescheidenheit, Reichtum und Selbstbewusstsein besitzt, was von wunderbarer Fülle ist - all das ist die höchste Wahrheit, die zugleich Form besitzt und formlos ist.
Wort für Wort
ahaṁ bhavo yajña ime prajeśā
ich, Śiva, Yajña, diese Herren der Geschöpfe
dakṣādayo ye bhavad-ādayaś ca
wie Dakṣa und andere, sowie du und andere
svarloka-pālāḥ khagaloka-pālā
die Hüter der Himmelswelt, der Vogelwelt
nṛloka-pālās talaloka-pālāḥ
der Menschenwelt und der unteren Welten
gandharva-vidyādhara-cāraṇeśā
die Herren der Gandharvas, Vidyādharas, Cāraṇas
ye yakṣa-rakṣoraga-nāga-nāthāḥ
die Herren der Yakṣas, Rakṣas, Uragas, Nāgas
ye vā ṛṣīṇām ṛṣabhāḥ pitṝṇāṁ
die Besten unter den Weisen und Ahnen
daityendra-siddheśvara-dānavendrāḥ
die Herren der Daityas, Siddhas und Dānavas
anye ca ye preta-piśāca-bhūta-
und andere, die Herrscher der Pretas, Piśācas, Geister
kūṣmāṇḍa-yādo-mṛga-pakṣy-adhīśāḥ
der Kūṣmāṇḍas, Wassertiere, wilden Tiere und Vögel
yat kiñca loke bhagavan mahasvad
was auch immer in der Welt, o Erhabener, von Herrlichkeit erfüllt ist
ojaḥ-sahasvad balavat kṣamāvat
von Kraft, Stärke, Macht und Geduld
śrī-hrī-vibhūty-ātmavad adbhutārṇaṁ
von Schönheit, Bescheidenheit, Reichtum, Selbstbewusstsein, wunderbarer Fülle
tattvaṁ paraṁ rūpavad asva-rūpam
(all das ist) die höchste Wahrheit, form-habend und formlos
Jene Spiel-Inkarnationen des überreichen Puruṣa, die die Weisen der Hauptsache nach überliefern - diese, die den Schmutz der Ohren austrocknen lassen, will ich dir nun der Reihe nach erzählen, diese wohlgeformten Erscheinungen, auf dass sie getrunken werden.
Wort für Wort
prādhānyato yān ṛṣa āmananti
die die Weisen der Hauptsache nach überliefern
līlāvatārān puruṣasya bhūmnaḥ
die Spiel-Inkarnationen des überreichen Puruṣa
āpīyatāṁ karṇa-kaṣāya-śoṣān
die den Schmutz der Ohren austrocknen lassen, auf dass sie getrunken werden
anukramiṣye ta imān supeśān
will ich dir diese wohlgeformten der Reihe nach (erzählen)
[Anm.: Überleitungsvers - Brahmā kündigt an, im Folgenden (ab Kapitel 7) die līlā-Inkarnationen (Spiel-Herabkünfte) des Puruṣa der Reihe nach zu schildern.]