Śrī Śuka sprach: Pṛśni aber, die Gattin Savitṛs, [gebar als Söhne] Sāvitrī, Vyāhṛti, Trayī, Agnihotra, Paśu, Soma, Cāturmāsya und die großen Opfer.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ
Śrī Śukadeva Gosvāmī (Nom.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
pṛśniḥ
Pṛśni (Nom. Sg. f.)
tu
aber
patnī
die Gattin (Nom. Sg. f.)
savituḥ
des Savitṛ (Gen. Sg.)
sāvitrīm
Sāvitrī (Akk. Sg. f.)
vyāhṛtim
Vyāhṛti (Akk. Sg. f.)
trayīm
Trayī (Akk. Sg. f.)
agnihotram
Agnihotra (Akk. Sg. n.)
paśum
Paśu (Akk. Sg. m.)
somam
Soma (Akk. Sg. m.)
cāturmāsyam
Cāturmāsya (Akk. Sg. n.)
mahā-makhān
die großen Opfer (Akk. Pl. m.)
Fortsetzung der Aufzählung der Kinder von Kaśyapas Frauen aus dem vorigen Kapitel; das Verb „gebar“ (suṣuve) ist aus dem Kontext zu ergänzen [?]. Die Namen bezeichnen zugleich vedische Opferriten, die hier als personifizierte Söhne erscheinen.
Kuhū, [die Gattin] des Dhātā, [gebar] der Reihe nach Sinīvālī, Rākā und ebenso Anumati, [sowie die Opferformen] Sāya[-darśa], Darśa, Prātaḥ[-darśa] und Pūrṇamāsa. In Kriyā zeugte der unmittelbar nächste [Sohn, Vidhātā] die Feuergötter, genannt Purīṣyas. Carṣaṇī war die Gattin Varuṇas; in ihr wurde abermals Bhṛgu geboren.
Wort für Wort
dhātuḥ
des Dhātā (Gen. Sg.)
kuhūḥ
Kuhū (Nom. Sg. f.)
sinīvālī
Sinīvālī (Akk./Nom. Sg. f.)
rākā
Rākā (Nom./Akk. Sg. f.)
ca
und
anumatiḥ
Anumati (Nom./Akk. Sg. f.)
tathā
ebenso
sāyam
Sāya (Akk. Sg. m., Opfername)
darśam
Darśa (Akk. Sg. m., Opfername)
atha
auch, ferner
prātaḥ
Prātaḥ (Akk. Sg. m., Opfername)
pūrṇamāsam
Pūrṇamāsa (Akk. Sg. m., Opfername)
anukramāt
der Reihe nach (Adv.)
agnīn
die Feuergötter (Akk. Pl. m.)
purīṣyān
genannt Purīṣyas (Akk. Pl. m.)
ādhatta
zeugte (3. Sg. Impf. Med.)
kriyāyām
in Kriyā (Lok. Sg. f.)
samanantaraḥ
der unmittelbar nächste [Sohn, Vidhātā] (Nom. Sg. m.)
carṣaṇī
Carṣaṇī (Nom. Sg. f.)
varuṇasya
des Varuṇa (Gen. Sg.)
āsīt
war (3. Sg. Impf.)
yasyām
in welcher (Lok. Sg. f., Rel.)
jātaḥ
geboren (Nom. Sg. m. Part. Perf. Pass.)
bhṛguḥ
Bhṛgu (Nom. Sg. m.)
punaḥ
abermals, wieder
Vers 3 ohne eigenes Verb; „gebar“ [?] aus dem Kontext (Kuhū, Sinīvālī, Rākā, Anumati sind Personifikationen von Mondphasen; Sāya-darśa/Prātar-darśa/Pūrṇamāsa sind Namen von Opferriten). „samanantaraḥ“ bezeichnet Dhātās nächsten Bruder Vidhātā.
In Gegenwart Urvaśīs ergossen beide [Mitra und Varuṇa] eilends ihren Samen in einen Krug; und mit Revatī zeugte Mitra [die Söhne] Utsarga, Ariṣṭa und Pippala.
Wort für Wort
retaḥ
Samen (Akk. Sg. n.)
siṣicatuḥ
beide ergossen (3. Dual Perf.)
kumbhe
in einen Krug (Lok. Sg. m.)
urvaśyāḥ
Urvaśīs (Gen. Sg. f.)
sannidhau
in Gegenwart (Lok. Sg. m.)
drutam
eilends, rasch (Adv.)
revatyām
mit/in Revatī (Lok. Sg. f.)
mitraḥ
Mitra (Nom. Sg. m.)
utsargam
Utsarga (Akk. Sg. m.)
ariṣṭam
Ariṣṭa (Akk. Sg. m.)
pippalam
Pippala (Akk. Sg. m.)
vyadhāt
zeugte (3. Sg. Aor.)
Bezieht sich auf die Vorgeschichte der Geburt Vasiṣṭhas und Agastyas aus einem Krug (Kumbha), gezeugt von Mitra und Varuṇa beim Anblick Urvaśīs.
Von dem Gott Urukrama, der durch seine Māyā die Gestalt eines Zwerges annahm, [wurde] mit seiner Gattin Kīrti Bṛhacchloka [gezeugt]; von diesem gab es [Söhne], angefangen mit Saubhaga.
Wort für Wort
urukramasya
des Urukrama (Gen. Sg. m., Beiname Viṣṇus)
devasya
des Gottes (Gen. Sg. m.)
māyā-vāmana-rūpiṇaḥ
der durch Māyā die Gestalt eines Zwerges hat (Gen. Sg. m.)
tat-karma-guṇa-vīryāṇi
kāśyapasya mahātmanaḥ
paścād vakṣyāmahe 'dityāṁ
yathaivāvatatāra ha
Seine Taten, Eigenschaften und Kräfte, [jenes Gottes,] des Sohnes des großmütigen Kaśyapa, werden wir später beschreiben – wie er fürwahr in Aditi herabstieg.
Wort für Wort
tat-karma-guṇa-vīryāṇi
seine Taten, Eigenschaften und Kräfte (Akk. Pl. n.)
atha kaśyapa-dāyādān
daiteyān kīrtayāmi te
yatra bhāgavataḥ śrīmān
prahrādo balir eva ca
Nun will ich dir die Söhne Kaśyapas verkünden, die von Diti [geboren wurden], die Daityas – unter denen der glorreiche Gottgeweihte Prahlāda und auch Bali [sind].
hiraṇyakaśipor bhāryā
kayādhur nāma dānavī
jambhasya tanayā sā tu
suṣuve caturaḥ sutān
saṁhrādaṁ prāg anuhrādaṁ
hrādaṁ prahrādam eva ca
tat-svasā siṁhikā nāma
rāhuṁ vipracito 'grahīt
Die Gattin Hiraṇyakaśipus war Kayādhu mit Namen, eine Dānavī, die Tochter Jambhas; sie aber gebar vier Söhne: zuerst Saṁhrāda, [dann] Anuhrāda, Hrāda und auch Prahrāda. Seine Schwester, mit Namen Siṁhikā, empfing von Vipracitti [den Sohn] Rāhu.
Dessen Haupt Hari mit seinem Diskus abschlug, während er [heimlich] Nektar trank [gemeint ist Rāhu]. Die Gattin Saṁhrādas, Kṛti, gebar daraufhin [den Sohn] Pañcajana.
Bāṇa erlangte, nachdem er den Berg-Herrn [Śiva] verehrt hatte, den Rang eines Hauptes von dessen Scharen; an dessen Seite weilt der Erhabene [Śiva] fürwahr noch heute als Wächter der Stadt.
Wort für Wort
bāṇaḥ
Bāṇa (Nom. Sg. m.)
ārādhya
nachdem er verehrt hatte (Abs.)
giriśam
den Berg-Herrn [Śiva] (Akk. Sg. m.)
lebhe
erlangte (3. Sg. Perf. Med.)
tat-gaṇa-mukhyatām
den Rang eines Hauptes seiner Scharen (Akk. Sg. f.)
marutaś ca diteḥ putrāś
catvāriṁśan navādhikāḥ
ta āsann aprajāḥ sarve
nītā indreṇa sātmatām
Und die Maruts, die Söhne Ditis, waren neunundvierzig [an Zahl]; sie alle waren ohne Nachkommen und wurden von Indra zur Wesensgleichheit [mit den Göttern] geführt.
Wort für Wort
marutaḥ
die Maruts (Nom. Pl. m.)
ca
und
diteḥ
der Diti (Gen. Sg. f.)
putrāḥ
Söhne (Nom. Pl. m.)
catvāriṁśat
vierzig
nava-adhikāḥ
um neun vermehrt, plus neun
te
sie (Nom. Pl. m.)
āsan
waren (3. Pl. Impf.)
aprajāḥ
ohne Nachkommen (Nom. Pl. m.)
sarve
alle (Nom. Pl. m.)
nītāḥ
geführt (Nom. Pl. m. Part. Perf. Pass.)
indreṇa
von Indra (Instr. Sg. m.)
sa-ātmatām
zur Wesensgleichheit, in den Rang von Göttern (Akk. Sg. f.)
śrī-rājovāca
kathaṁ ta āsuraṁ bhāvam
apohyautpattikaṁ guro
indreṇa prāpitāḥ sātmyaṁ
kiṁ tat sādhu kṛtaṁ hi taiḥ
Der König sprach: Wie, o Lehrer, haben sie ihre von Geburt an [gegebene] dämonische Natur abgelegt und wurden von Indra zur Wesensgleichheit [mit den Göttern] geführt? Was ist das für eine gute Tat, die von ihnen vollbracht wurde?
tad viṣṇurātasya sa bādarāyaṇir
vaco niśamyādṛtam alpam arthavat
sabhājayan san nibhṛtena cetasā
jagāda satrāyaṇa sarva-darśanaḥ
Śrī Sūta sprach: Nachdem er, der Sohn Bādarāyaṇas, jene ehrerbietigen, knappen und bedeutungsvollen Worte des [Königs,] des Schützlings Viṣṇus, vernommen hatte, würdigte er sie mit ruhigem Sinn und sprach, o Śaunaka, er, der alles Sehende.
Wort für Wort
tat
jene
viṣṇurātasya
des Schützlings Viṣṇus [Parīkṣit] (Gen. Sg. m.)
saḥ
er (Nom. Sg. m.)
bādarāyaṇiḥ
der Sohn Bādarāyaṇas [Śukadeva] (Nom. Sg. m.)
vacaḥ
Worte (Akk. Sg. n.)
niśamya
nachdem er vernommen hatte (Abs.)
ādṛtam
ehrerbietig (Akk. Sg. n.)
alpam
knapp, gering (Akk. Sg. n.)
artha-vat
bedeutungsvoll (Akk. Sg. n.)
sabhājayan san
würdigend (Nom. Sg. m. Part. Präs.)
nibhṛtena cetasā
mit ruhigem Sinn (Instr. Sg. n.)
jagāda
sprach (3. Sg. Perf.)
satrāyaṇa
o Śaunaka (Vok.)
sarva-darśanaḥ
der alles Sehende (Nom. Sg. m.)
Sprecherwechsel: Ab hier berichtet wieder Sūta Gosvāmī dem Śaunaka über das Gespräch zwischen Śukadeva und Parīkṣit.
Śrī Śuka sprach: Diti, deren Söhne getötet worden waren durch Viṣṇu, der Indra zur Ferse folgte [ihm beistand], brannte, entflammt von Zorn und Kummer, und sann [Folgendes]:
Wort für Wort
śrī-śukaḥ
Śrī Śukadeva Gosvāmī (Nom.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
hata-putrā
deren Söhne getötet waren (Nom. Sg. f.)
ditiḥ
Diti (Nom. Sg. f.)
śakra-pārṣṇi-grāheṇa
durch den, der Indra zur Ferse folgt/ihn stützt (Instr. Sg. m.)
viṣṇunā
durch Viṣṇu (Instr. Sg. m.)
manyunā
durch Zorn (Instr. Sg. m.)
śoka-dīptena
entflammt von Kummer (Instr. Sg. m.)
jvalantī
brennend (Nom. Sg. f. Part. Präs.)
paryacintayat
sann nach, dachte (3. Sg. Impf.)
„śakra-pārṣṇi-grāha“ wörtlich „der die Ferse Indras ergreift/hält“, d. h. Viṣṇu als Beistand/Unterstützer Indras.
kṛmi-viḍ-bhasma-saṁjñāsīd
yasyeśābhihitasya ca
bhūta-dhruk tat-kṛte svārthaṁ
kiṁ veda nirayo yataḥ
Dessen [Körper], obgleich als 'Herr' bezeichnet, [einst] den Namen 'Wurm', 'Kot' oder 'Asche' tragen wird – was weiß denn er, der anderen Wesen Schaden zufügt, um seines eigenen Vorteils willen, von seinem [wahren] Nutzen, wodurch [ihm nur] die Hölle [erwächst]?
āśāsānasya tasyedaṁ
dhruvam unnaddha-cetasaḥ
mada-śoṣaka indrasya
bhūyād yena suto hi me
Möge mir doch ein Sohn geboren werden, durch den der Hochmut Indras, der, seines Sinnes überheblich, sich dies [seine Herrschaft] als ewig wähnt, ausgetrocknet [zunichtegemacht] werde.
iti bhāvena sā bhartur
ācacārāsakṛt priyam
śuśrūṣayānurāgeṇa
praśrayeṇa damena ca
bhaktyā paramayā rājan
manojñair valgu-bhāṣitaiḥ
mano jagrāha bhāva-jñā
sasmitāpāṅga-vīkṣaṇaiḥ
Mit dieser Absicht erwies sie ihrem Gatten unablässig Gefälligkeiten – durch Dienst, durch Zuneigung, durch Ehrerbietung und durch Selbstbeherrschung. Mit höchster Hingabe, o König, gewann sie, die seine Gemütsart kannte, sein Herz durch bezaubernde, liebliche Worte und durch lächelnde Seitenblicke.
Wort für Wort
iti
so, mit dieser Absicht
bhāvena
mit der Absicht (Instr. Sg. m.)
sā
sie (Nom. Sg. f.)
bhartuḥ
dem Gatten (Gen./Dat. Sg. m.)
ācacāra
sie erwies, tat (3. Sg. Perf.)
asakṛt
unablässig, wiederholt (Adv.)
priyam
Gefälligkeiten, Liebes (Akk. Sg. n.)
śuśrūṣayā
durch Dienst (Instr. Sg. f.)
anurāgeṇa
durch Zuneigung (Instr. Sg. m.)
praśrayeṇa
durch Ehrerbietung, Bescheidenheit (Instr. Sg. m.)
evaṁ striyā jaḍībhūto
vidvān api manojñayā
bāḍham ity āha vivaśo
na tac citraṁ hi yoṣiti
So wurde er, obgleich gelehrt, durch die bezaubernde Frau betört und sprach, ihr willenlos ergeben, 'ja, gewiss'; das ist fürwahr nichts Verwunderliches in Bezug auf eine Frau.
Als der Herr der Geschöpfe zu Beginn sah, dass die Wesen einsam [ohne Gefährtin] waren, schuf er die Frau als die Hälfte seines eigenen Leibes, durch welche der Verstand der Männer geraubt wird.
Śrī Kaśyapa sprach: Erbitte einen Segen, du Schönhüftige; ich bin dir zugetan, du Untadelige. Wenn der Gatte einer Frau wohlgesonnen ist, welcher Wunsch wäre da unerreichbar?
patir eva hi nārīṇāṁ
daivataṁ paramaṁ smṛtam
mānasaḥ sarva-bhūtānāṁ
vāsudevaḥ śriyaḥ patiḥ
sa eva devatā-liṅgair
nāma-rūpa-vikalpitaiḥ
ijyate bhagavān pumbhiḥ
strībhiś ca pati-rūpa-dhṛk
Der Gatte allein gilt fürwahr als die höchste Gottheit der Frauen – [ebenso wie] Vāsudeva, der Gatte der Glücksgöttin, der im Herzen aller Wesen [weilt]. Eben er, der Erhabene, wird durch die Gestalten der Gottheiten, die durch Namen und Formen unterschieden sind, von Männern verehrt, und von Frauen in der Gestalt des Gatten.
Wort für Wort
patiḥ
der Gatte (Nom. Sg. m.)
eva
allein, gerade
hi
fürwahr
nārīṇām
der Frauen (Gen. Pl. f.)
daivatam
Gottheit (Nom. Sg. n.)
paramam
höchste (Nom. Sg. n.)
smṛtam
gilt, wird betrachtet (Nom. Sg. n. Part.)
mānasaḥ
im Herzen weilend (Nom. Sg. m.)
sarva-bhūtānām
aller Wesen (Gen. Pl. n.)
vāsudevaḥ
Vāsudeva (Nom. Sg. m.)
śriyaḥ
der Glücksgöttin (Gen. Sg. f.)
patiḥ
der Gatte (Nom. Sg. m.)
saḥ
er (Nom. Sg. m.)
eva
eben
devatā-liṅgaiḥ
durch die Gestalten der Gottheiten (Instr. Pl. n.)
nāma-rūpa-vikalpitaiḥ
durch Namen und Formen unterschieden (Instr. Pl. n.)
Deshalb, o Schlankhüftige, verehren dem Gatten treu ergebene Frauen, die nach dem Höchsten Guten streben, mit ungeteiltem Sinn den Gatten als den Herrn, der die Überseele ist.
so 'haṁ tvayārcito bhadre
īdṛg-bhāvena bhaktitaḥ
taṁ te sampādaye kāmam
asatīnāṁ sudurlabham
Ich, so von dir verehrt, o Gütige, mit solcher Gesinnung und Hingabe, will dir jenen Wunsch erfüllen, der untreuen [unkeuschen] Frauen kaum erreichbar ist.
ditir uvāca
varado yadi me brahman
putram indra-haṇaṁ vṛṇe
amṛtyuṁ mṛta-putrāhaṁ
yena me ghātitau sutau
Diti sprach: Wenn du mir, o Brahmane, ein Segenspender bist, so erbitte ich einen Sohn, einen Töter Indras, unsterblich – ich, deren Söhne getötet wurden, durch den [Indra], durch welchen meine beiden Söhne getötet worden sind.
Ach, meines Sinnes ergriffen von der Täuschung, die in Gestalt einer Frau [erscheint], der ich, dem Vergnügen der Sinne ergeben, elend [verfallen bin], werde ich gewiss in die Hölle fallen.
Wort für Wort
aho
ach
artha-indriya-ārāmaḥ
dem Vergnügen der Sinne [und materiellen Gewinnen] ergeben (Nom. Sg. m.)
yoṣit-mayyā
durch die in Gestalt einer Frau erscheinende (Instr. Sg. f.)
ko 'tikramo 'nuvartantyāḥ
svabhāvam iha yoṣitaḥ
dhiṅ māṁ batābudhaṁ svārthe
yad ahaṁ tv ajitendriyaḥ
Welches Vergehen [begeht schon] eine Frau, die hier nur ihrer eigenen Natur folgt? Schande über mich, den Unwissenden in Bezug auf mein eigenes Wohl, da ich meine Sinne nicht bezwungen habe!
śarat-padmotsavaṁ vaktraṁ
vacaś ca śravaṇāmṛtam
hṛdayaṁ kṣura-dhārābhaṁ
strīṇāṁ ko veda ceṣṭitam
Ihr Antlitz [gleicht] einer im Herbst aufblühenden Lotosblüte, ihre Worte sind wie Nektar für das Ohr, ihr Herz aber gleicht einer Rasierklinge – wer kennt schon das Treiben der Frauen?
Wort für Wort
śarat-padma-utsavam
einer im Herbst aufblühenden Lotosblüte gleichend (Nom. Sg. n.)
na hi kaścit priyaḥ strīṇāṁ
añjasā svāśiṣātmanām
patiṁ putraṁ bhrātaraṁ vā
ghnanty arthe ghātayanti ca
Fürwahr, keinem ist eine Frau wirklich zugetan, [denn] sich selbst am liebsten, ihrem eigenen Vorteil ergeben, töten sie [selbst] den Gatten, den Sohn oder den Bruder, oder lassen ihn töten, um ihres [eigenen] Interesses willen.
Wort für Wort
na
nicht
hi
fürwahr
kaścit
irgendjemand
priyaḥ
lieb, zugetan (Nom. Sg. m.)
strīṇām
den Frauen (Gen. Pl. f.)
añjasā
wirklich, wahrhaftig (Adv.)
sva-āśiṣā-ātmanām
sich selbst am liebsten, ihrem eigenen Nutzen ergeben (Gen. Pl. f.)
pratiśrutaṁ dadāmīti
vacas tan na mṛṣā bhavet
vadhaṁ nārhati cendro 'pi
tatredam upakalpate
„Ich gebe [dir einen Sohn]“, so wurde versprochen – dieses Wort soll nicht falsch werden. Doch auch Indra verdient nicht den Tod; hierfür gibt es jedoch folgendes Mittel.
Śrī Kaśyapa sprach: Dein Sohn, o Gütige, wird ein „indra-hā“ sein – ein Töter Indras, [oder aber, je nach Lesart,] fürwahr ein Freund der Götter –, wenn du dieses Gelübde ein Jahr lang recht einhalten wirst.
Wort für Wort
śrī-kaśyapaḥ
Śrī Kaśyapa (Nom.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
putraḥ
der Sohn (Nom. Sg. m.)
te
dein (Gen. Sg.)
bhavitā
wird sein (3. Sg. Fut.)
bhadre
o Gütige (Vok. Sg. f.)
indra-hā
Töter Indras (Nom. Sg. m.) [doppeldeutig, s. Anm.]
adeva-bāndhavaḥ
Feind der Götter (Nom. Sg. m.) [alt.: deva-bāndhavaḥ, Freund der Götter]
saṁvatsaram
ein Jahr lang (Akk. Sg. m., Adv.)
vratam
das Gelübde (Akk. Sg. n.)
idam
dieses (Akk. Sg. n.)
yadi
wenn
añjaḥ
recht, richtig (Adv.)
dhārayiṣyasi
du wirst einhalten (2. Sg. Fut.)
Die Wendung „indra-hādeva-bāndhavaḥ“ ist im Sanskrit absichtlich doppeldeutig: gelesen als „indra-hā, adeva-bāndhavaḥ“ bedeutet sie „ein Töter Indras, ein Feind der Götter“, gelesen als „indra ha, deva-bāndhavaḥ“ bedeutet sie „fürwahr ein Freund der Götter“. Diese Zweideutigkeit bildet den zentralen Handlungspunkt des Kapitels.
ditir uvāca
dhārayiṣye vrataṁ brahman
brūhi kāryāṇi yāni me
yāni ceha niṣiddhāni
na vrataṁ ghnanti yāny uta
Diti sprach: Ich werde das Gelübde einhalten, o Brahmane; sage mir, welche Handlungen mir [geboten] sind, welche hier verboten sind, und welche das Gelübde nicht brechen.
śrī-kaśyapa uvāca
na hiṁsyād bhūta-jātāni
na śapen nānṛtaṁ vadet
na chindyān nakha-romāṇi
na spṛśed yad amaṅgalam
Śrī Kaśyapa sprach: Sie soll keinem Lebewesen Gewalt antun, nicht fluchen, keine Unwahrheit sprechen, weder Nägel noch Haare schneiden, und nichts Unheilvolles berühren.
nāpsu snāyān na kupyeta
na sambhāṣeta durjanaiḥ
na vasītādhauta-vāsaḥ
srajaṁ ca vidhṛtāṁ kvacit
Sie soll nicht [ohne Zeremonie] im Wasser baden, nicht zürnen, nicht mit bösen Menschen sprechen, keine ungewaschenen Kleider tragen und niemals einen [schon einmal] getragenen Blumenkranz [erneut anlegen].
Wort für Wort
na apsu snāyāt
sie soll nicht im [offenen] Wasser baden (3. Sg. Opt.)
nocchiṣṭaṁ caṇḍikānnaṁ ca
sāmiṣaṁ vṛṣalāhṛtam
bhuñjītodakyayā dṛṣṭaṁ
piben nāñjalinā tv apaḥ
Sie soll weder Speisereste [essen], noch der Caṇḍikā [dargebrachte] Speise, noch fleischhaltige, noch von einem Śūdra gebrachte, noch [solche], die von einer menstruierenden Frau erblickt wurde; auch soll sie Wasser nicht mit hohlen Händen trinken.
Wort für Wort
na ucchiṣṭam
keine Speisereste (Akk. Sg. n.)
caṇḍikā-annam
die der Caṇḍikā [dargebrachte] Speise (Akk. Sg. n.)
ca
und, noch
sa-āmiṣam
fleischhaltig (Akk. Sg. n.)
vṛṣala-āhṛtam
von einem Śūdra gebracht (Akk. Sg. n.)
bhuñjīta
sie soll essen (3. Sg. Opt. Med., hier verneint)
udakyayā dṛṣṭam
von einer menstruierenden Frau erblickt (Akk. Sg. n.)
na pibet
sie soll nicht trinken (3. Sg. Opt.)
añjalinā
mit hohlen [zusammengelegten] Händen (Instr. Sg. m.)
Sie soll nicht nach dem Essen, ohne Wasser berührt zu haben, während der Dämmerung mit offenem Haar, ungeschmückt, mit unbeherrschter Rede oder unbedeckt nach draußen gehen.
Wort für Wort
na
nicht
ucchiṣṭā
nach dem Essen, mit Speiseresten [im Mund] (Nom. Sg. f.)
nādhauta-pādāprayatā
nārdra-pādā udak-śirāḥ
śayīta nāparāṅ nānyair
na nagnā na ca sandhyayoḥ
Sie soll sich nicht mit ungewaschenen, unreinen Füßen, nicht mit nassen Füßen [schlafen legen], [wohl aber] mit dem Kopf nach Norden – nicht mit dem Kopf nach Westen, nicht bei anderen [Frauen], nicht nackt und nicht während der beiden Dämmerungen.
In gewaschenem Gewand, stets rein, mit allen glückverheißenden [Zeichen] versehen, soll sie vor dem Frühstück Kühe und Brahmanen, die Glücksgöttin und den Unvergänglichen verehren.
Wort für Wort
dhauta-vāsā
in gewaschenem Gewand (Nom. Sg. f.)
śuciḥ
rein (Nom. Sg. f.)
nityam
stets
sarva-maṅgala-saṁyutā
mit allen glückverheißenden Zeichen versehen (Nom. Sg. f.)
striyo vīravatīś cārcet
srag-gandha-bali-maṇḍanaiḥ
patiṁ cārcyopatiṣṭheta
dhyāyet koṣṭha-gataṁ ca tam
Frauen, die Gatten und Söhne haben, soll sie mit Blumenkränzen, Duftstoffen, Opfergaben und Schmuck verehren; und, den Gatten verehrend, soll sie ihm aufwarten und über ihn meditieren, als im [eigenen] Schoß weilend.
Wort für Wort
striyaḥ
Frauen (Akk. Pl. f.)
vīra-vatīḥ
die Gatten und Söhne haben (Akk. Pl. f.)
ca
und
arcet
sie soll verehren (3. Sg. Opt.)
srak-gandha-bali-maṇḍanaiḥ
mit Blumenkränzen, Duftstoffen, Opfergaben und Schmuck (Instr. Pl. n.)
Nachdem Indra, o du, der du [allen] Ehre erweist, die Absicht seiner Muhme (Mutterschwester) erkannt hatte, bediente er, klug, die in ihrer Einsiedelei weilende Diti mit Dienstleistungen.
Wort für Wort
mātṛ-svasuḥ
der Mutterschwester (Gen. Sg. f.)
abhiprāyam
die Absicht (Akk. Sg. m.)
indraḥ
Indra (Nom. Sg. m.)
ājñāya
nachdem er erkannt hatte (Abs.)
māna-da
o du, der Ehre erweist (Vok. Sg. m.)
śuśrūṣaṇena
mit Dienstleistungen (Instr. Sg. n.)
āśrama-sthām
die in der Einsiedelei weilende (Akk. Sg. f.)
ditim
Diti (Akk. Sg. f.)
paryacarat
bediente (3. Sg. Impf.)
kaviḥ
klug, der Kluge (Nom. Sg. m.)
„mātṛ-svasṛ“ = Mutterschwester, d. h. Diti als Schwester Aditis, Indras Mutter.
So diente Hari (Indra), o König, ihr, die das Gelübde hielt, [in Wahrheit] nach einer Lücke im Gelübde trachtend – hinterlistig, wie ein Jäger in der Gestalt eines Rehs.
nādhyagacchad vrata-cchidraṁ
tat-paro 'tha mahī-pate
cintāṁ tīvrāṁ gataḥ śakraḥ
kena me syāc chivaṁ tv iha
Doch fand er keine Lücke im Gelübde, obgleich ganz darauf bedacht, o Herrscher der Erde; da geriet Śakra in tiefe Sorge: 'Wodurch nur könnte mir hier Heil widerfahren?'
ekadā sā tu sandhyāyām
ucchiṣṭā vrata-karśitā
aspṛṣṭa-vāry-adhautāṅghriḥ
suṣvāpa vidhi-mohitā
Einst aber, während der Dämmerung, schlief sie, vom Gelübde geschwächt, nach dem Essen, ohne Wasser berührt und die Füße gewaschen zu haben, ein – vom Schicksal (der Vorsehung) betört.
Mit seinem Donnerkeil zerteilte er die golden schimmernde Leibesfrucht in sieben Teile; und als jeder Einzelne [dieser sieben] weinte, [zerteilte er] sie abermals siebenfach, [indem er zu jedem] sprach: 'Weine nicht!'
tam ūcuḥ pāṭyamānās te
sarve prāñjalayo nṛpa
kiṁ na indra jighāṁsasi
bhrātaro marutas tava
Zu ihm, o König, sprachen sie alle, während sie zerteilt wurden, mit gefalteten Händen: 'Warum, o Indra, willst du uns töten? Wir sind doch deine Brüder, die Maruts!'
Wort für Wort
tam
zu ihm (Akk. Sg. m.)
ūcuḥ
sie sprachen (3. Pl. Perf.)
pāṭyamānāḥ
während sie zerteilt wurden (Nom. Pl. m. Part. Präs. Pass.)
'Fürchtet euch nicht, ihr seid mir Brüder', sprach der Sohn Kuśikas (Indra) zu ihnen, den ihm ausschließlich ergebenen Gefährten, den Scharen der Maruts.
Wort für Wort
mā bhaiṣṭa
fürchtet euch nicht (2. Pl. Inj.)
bhrātaraḥ
Brüder (Nom. Pl. m.)
mahyam
mir (Dat. Sg.)
yūyam
ihr (Nom. Pl.)
iti
so
āha
sprach (3. Sg. Perf.)
kauśikaḥ
Indra (Nom. Sg. m.)
ananya-bhāvān
ausschließlich ergeben (Akk. Pl. m.)
pārṣadān
Gefährten (Akk. Pl. m.)
ātmanaḥ
sein eigen (Gen. Sg. m.)
marutām gaṇān
die Scharen der Maruts (Akk. Pl. m.)
„kauśikaḥ“ = Indra, hier als Nachkomme/Verbündeter des Geschlechts Kuśikas bezeichnet.
na mamāra diter garbhaḥ
śrīnivāsānukampayā
bahudhā kuliśa-kṣuṇṇo
drauṇy-astreṇa yathā bhavān
Die Leibesfrucht Ditis starb nicht, durch das Mitgefühl des Wohnsitzes der Glücksgöttin [Viṣṇus], obwohl vielfach vom Donnerkeil zerteilt – so wie auch du, [o König], [nicht starbest] durch die Waffe des Sohnes Droṇas.
Wort für Wort
na
nicht
mamāra
starb (3. Sg. Perf.)
diteḥ
der Diti (Gen. Sg. f.)
garbhaḥ
die Leibesfrucht (Nom. Sg. m.)
śrīnivāsa-anukampayā
durch das Mitgefühl des Wohnsitzes der Glücksgöttin [Viṣṇus] (Instr. Sg. f.)
bahudhā
vielfach
kuliśa-kṣuṇṇaḥ
vom Donnerkeil zerteilt (Nom. Sg. m.)
drauṇi-astreṇa
durch die Waffe des Sohnes Droṇas (Instr. Sg. n.)
yathā
so wie
bhavān
du (Nom. Sg. m., höfl.)
Śukadeva vergleicht hier Ditis von Indras Blitz zerteilte, doch am Leben gebliebene Leibesfrucht mit König Parīkṣit selbst, der im Mutterleib durch die Waffe Aśvatthāmās (des Sohnes Droṇas) unversehrt blieb.