Kapitel 41: kumārādi-sṛṣṭiḥ
Die Schöpfung der Kumāras und anderer
Skandha 3, Adhyāya 12. Quelle: vedabase.io. title_sa als eigene knappe IAST-Kurzbezeichnung des Inhalts gebildet, da vedabase.io keinen Sanskrit-IAST-Kapiteltitel angibt (nur Englisch 'Creation of the Kumaras and Others').
maitreya uvāca | iti te varṇitaḥ kṣattaḥ | kālākhyaḥ paramātmanaḥ | mahimā veda-garbho 'tha | yathāsrākṣīn nibodha me
Maitreya sprach: So wurde dir, o Kṣattā, die als 'Zeit' benannte Herrlichkeit des höchsten Selbst beschrieben; erfahre nun von mir, wie der Veda-Keim [Brahmā] erschuf.
Wort für Wort
maitreya uvāca
Maitreya sprach
iti te varṇitaḥ kṣattaḥ
so wurde dir, o Kṣattā, beschrieben
kālākhyaḥ paramātmanaḥ mahimā
die als Zeit benannte Herrlichkeit des höchsten Selbst
sasarjāgre 'ndha-tāmisram atha tāmisram ādi-kṛt | mahāmohaṁ ca mohaṁ ca tamaś cājñāna-vṛttayaḥ
Der Urheber erschuf zuerst die blinde Finsternis, sodann die Finsternis, sowie die große Verblendung und die Verblendung und die Dunkelheit - die Erscheinungsformen des Unwissens.
Wort für Wort
sasarjāgre 'ndha-tāmisram
er erschuf zuerst die blinde Finsternis
atha tāmisram ādi-kṛt
sodann die Finsternis, der Urheber
mahāmohaṁ ca mohaṁ ca
und die große Verblendung und die Verblendung
tamaś cājñāna-vṛttayaḥ
und die Dunkelheit, die Erscheinungsformen des Unwissens
Diese üble Schöpfung erblickend, war er mit sich selbst nicht zufrieden; mit dem durch Meditation über den Erhabenen gereinigten Geist erschuf er darauf eine andere Schöpfung.
Wort für Wort
dṛṣṭvā pāpīyasīṁ sṛṣṭim
diese üble Schöpfung erblickend
nātmānaṁ bahv amanyata
schätzte er sich selbst nicht hoch
bhagavad-dhyāna-pūtena manasā
mit dem durch Meditation über den Erhabenen gereinigten Geist
Zu ihnen, seinen Söhnen, sprach der Selbstentstandene: 'Erschafft Nachkommen, meine Söhnchen!' Dies aber wollten sie nicht, da sie der Befreiung als höchstem Ziel ergeben und Vāsudeva ganz hingegeben waren.
Wort für Wort
tān babhāṣe svabhūḥ putrān
zu ihnen sprach der Selbstentstandene, [seinen] Söhnen
Obwohl durch seine Einsicht zurückgehalten, entstand jener Zorn des Prajāpati sogleich aus der Mitte seiner Augenbrauen - als ein Knabe von blau-roter Farbe.
Wort für Wort
dhiyā nigṛhyamāṇo 'pi
obwohl durch Einsicht zurückgehalten
bhruvor madhyāt prajāpateḥ
aus der Mitte der Augenbrauen des Herrn der Geschöpfe
iti tasya vacaḥ pādmo bhagavān paripālayan | abhyadhād bhadrayā vācā mā rodīs tat karomi te
Auf sein Wort hin sprach der aus dem Lotos geborene Erhabene, seine Bitte erfüllend, mit freundlicher Stimme: 'Weine nicht, ich werde dies für dich tun.'
Wort für Wort
iti tasya vacaḥ pādmo bhagavān
so, auf sein Wort, der aus dem Lotos geborene Erhabene
So von seinem geistigen Lehrer angewiesen, erschuf der erhabene Blau-Rote, durch sein von Sattva geprägtes Naturell, sich selbst gleichende Nachkommen.
Als er die von Rudra erschaffenen, unzähligen Scharen von Rudras wahrnahm, die von allen Seiten die Welt verschlangen, fürchtete sich der Herr der Geschöpfe.
'Genug mit solcherart erschaffenen Nachkommen, o Bester der Götter, die mit ihren furchterregenden Augen die Himmelsrichtungen und mich zugleich verbrennen.'
Dann, als er, der mit der Kraft des Erhabenen ausgestattet war, über die Schöpfung nachsann, entstanden zehn Söhne, die Ursachen für die Fortdauer der Welten.
Wort für Wort
athābhidhyāyataḥ sargam
dann, als er über die Schöpfung nachsann
daśa putrāḥ prajajñire
entstanden zehn Söhne
bhagavac-chakti-yuktasya
ihm, der mit der Kraft des Erhabenen ausgestattet war
Aus dem Schoß entstand Nārada, Dakṣa aus dem Daumen des Selbstentstandenen, aus dem Lebensodem entstand Vasiṣṭha, Bhṛgu aus der Haut, Kratu aus der Hand.
Dharma entstand aus der rechten Brustwarze, worin Nārāyaṇa selbst gegenwärtig ist; Adharma aus dem Rücken, woraus der den Welten Furcht einflößende Tod entstand.
Kāma entstand aus dem Herzen, Krodha aus den Augenbrauen, Lobha aus der Unterlippe, aus dem Mund die Rede, die Ozeane aus dem Glied, Nirṛti, der Sitz des Übels, aus dem After.
Aus dem Schatten entstand Kardama, der mächtige Gemahl der Devahūti; und aus dem Geist wie aus dem Körper des Weltenschöpfers entstand so die ganze Welt.
Der Selbstentstandene begehrte, o Kṣattā, seine schlanke Tochter, die Rede, die sein Herz raubte, obwohl sie unwillig war - von Begierde erfüllt, so haben wir gehört.
naitat pūrvaiḥ kṛtaṁ tvad ye na kariṣyanti cāpare | yaḥ tvaṁ duhitaraṁ gaccher anigṛhyāṅgajaṁ prabhuḥ
'Dies taten die Früheren vor dir nicht, und auch die Anderen nach dir werden es nicht tun - dass du, o Herr, zu deiner eigenen leiblichen Tochter gehen würdest, unbeherrscht wie jetzt.'
Wort für Wort
naitat pūrvaiḥ kṛtaṁ tvad
dies taten die Früheren vor dir nicht
ye na kariṣyanti cāpare
und auch die Anderen werden es nicht tun
yaḥ tvaṁ duhitaraṁ gaccher
dass du zu [deiner] Tochter gehen würdest
anigṛhyāṅgajaṁ prabhuḥ
unbeherrscht, [zur] eigenen leiblichen [Tochter], o Herr
tasmai namo bhagavate ya idaṁ svena rociṣā | ātma-sthaṁ vyañjayām āsa sa dharmaṁ pātum arhati
'Verehrung ihm, dem Erhabenen, der dies, im Selbst Befindliche, durch sein eigenes Leuchten offenbart hat - er allein ist würdig, den Dharma zu schützen.'
sa itthaṁ gṛṇataḥ putrān puro dṛṣṭvā prajāpatīn | prajāpati-patis tanvaṁ tatyāja vrīḍitas tadā | tāṁ diśo jagṛhur ghorāṁ nīhāraṁ yad vidus tamaḥ
Als er, der Herr der Prajāpatis, so seine Söhne sprechen hörte und die Herren der Geschöpfe vor sich erblickte, gab er, beschämt, damals seinen Körper auf; jenen schrecklichen Körper ergriffen die Himmelsrichtungen als den Nebel, den man als Dunkel kennt.
Wort für Wort
sa itthaṁ gṛṇataḥ putrān
er, als [seine] Söhne so sprachen
puro dṛṣṭvā prajāpatīn
vor sich die Herren der Geschöpfe erblickend
prajāpati-patis tanvaṁ tatyāja vrīḍitas tadā
der Herr der Prajāpatis gab beschämt damals den Körper auf
tāṁ diśo jagṛhur ghorāṁ
jenen schrecklichen [Körper] ergriffen die Richtungen
Einst, als der Schöpfer darüber nachsann, 'wie werde ich die Welten wieder vereint erschaffen wie zuvor', entstanden die Veden aus dem Vierfach-Gesichtigen.
cātur-hotraṁ karma-tantram upaveda-nayaiḥ saha | dharmasya pādāś catvāras tathaivāśrama-vṛttayaḥ
Zugleich entstanden der Cātur-hotra, das Ritual-Lehrsystem, samt den Lehren der Nebenwissenschaften (Upavedas), die vier Füße des Dharma, sowie die Lebensweisen der Āśramas.
vidura uvāca | sa vai viśva-sṛjām īśo | vedādīn mukhato 'sṛjat | yad yad yenāsṛjad devas | tan me brūhi tapo-dhana
Vidura sprach: Er fürwahr, der Herr der Weltenschöpfer, erschuf die Veden und anderes aus dem Mund - erzähle mir, o Asketenreicher, was der Gott wodurch erschuf.
Maitreya sprach: Die als Ṛg, Yajus, Sāma und Atharva benannten Veden ordnete er der Reihe nach, mit den Gesichtern beginnend beim östlichen, ebenso die Lehrschrift, das Opferritual, den Lobpreis-Hymnus und die Sühnehandlung.
vidyā dānaṁ tapaḥ satyaṁ dharmasyeti padāni ca | āśramāṁś ca yathā-saṅkhyam asṛjat saha vṛttibhiḥ
Wissen, Freigebigkeit, Askese und Wahrheit - so heißen die Füße des Dharma; und die Lebensstufen (Āśramas) erschuf er entsprechend ihrer Zahl, samt ihren jeweiligen Lebensweisen.
Die Vaikhānasas, Vālakhilyas, Audumbaras und Phenapas sind die Arten der Waldeinsiedler; im Entsagungsstand gibt es zuerst den Kuṭīcaka, dann den Bahvoda, den Haṁsa und den Niṣkriya.
ānvīkṣikī trayī vārtā daṇḍa-nītis tathaiva ca | evaṁ vyāhṛtayaś cāsan praṇavo hy asya dahrataḥ
Die Logik/Philosophie, die dreifache vedische Wissenschaft, die Wirtschaftskunst und ebenso die Staatskunst entstanden; so auch die heiligen Vyāhṛtis, und die Praṇava-Silbe [Om] aus seinem Herzen.
Ihm entstand das Uṣṇih-Versmaß aus den Körperhaaren, die Gāyatrī aus der Haut des Mächtigen, Triṣṭubh aus dem Fleisch, aus der Sehne Anuṣṭubh, Jagatī aus dem Knochen des Prajāpati.
Die Berührungslaute wurden ihm zur Lebenskraft, die Vokale werden als sein Körper bezeichnet, die Zischlaute nennt man seine Sinnesorgane, die Halbvokale die Kraft seines Selbst; die sieben musikalischen Töne entstanden einst durch das Spiel des Herrn der Geschöpfe.
Wort für Wort
sparśas tasyābhavaj jīvaḥ
die Berührungslaute wurden ihm zur Lebenskraft
svaro deha udāhṛta
die Vokale werden als [sein] Körper bezeichnet
ūṣmāṇam indriyāṇy āhur antaḥ-sthā balam ātmanaḥ
die Zischlaute nennt man die Sinne, die Halbvokale die Kraft des Selbst
svarāḥ sapta vihāreṇa bhavanti sma prajāpateḥ
die sieben Töne entstanden durch das Spiel des Herrn der Geschöpfe
Von ihm, dessen Wesen das Wort-Brahman ist, dessen Selbst manifest und unmanifest zugleich ist - jenseitig - erscheint das ausgebreitete Brahman, durch mannigfache Kräfte verstärkt.
ṛṣīṇāṁ bhūri-vīryāṇām api sargam avistṛtam | jñātvā tad dhṛdaye bhūyaś cintayām āsa kaurava
Erkennend, dass die Schöpfung der Weisen von großer Kraft dennoch nicht ausreichend ausgedehnt war, sann er darüber wiederum in seinem Herzen nach, o Kaurava.
aho adbhutam etan me vyāpṛtasyāpi nityadā | na hy edhante prajā nūnaṁ daivam atra vighātakam
'O, wunderbar ist dies für mich - obwohl ich beständig tätig bin, mehren sich die Geschöpfe fürwahr nicht; wohl ist das Schicksal hierbei der Verhinderer.'
So, während er darüber nachsann und zugleich das Schicksal betrachtete, wurde damals wessen Gestalt zweifach - jene, die man als seinen eigenen Körper bezeichnet?
Wort für Wort
evaṁ yukta-kṛtas tasya
so, während er sich [darüber] Gedanken machte
daivaṁ cāvekṣatas tadā
und das Schicksal betrachtete, damals
kasya rūpam abhūd dvedhā
wessen Gestalt wurde zweifach
yat kāyam abhicakṣate
die man als [seinen] Körper bezeichnet
[?] Syntaktischer Uebergang zur folgenden Erzaehlung von der Teilung des Koerpers (kāya) unsicher; unabhaengig aus grammatischer Struktur erschlossen.
yas tu tatra pumān so 'bhūn manuḥ svāyambhuvaḥ svarāṭ | strī yāsīc chatarūpākhyā mahiṣy asya mahātmanaḥ
Wer aber darin der Mann war, der wurde zu Manu Svāyambhuva, dem Selbstherrscher; die Frau, die als Śatarūpā benannt wurde, wurde die Gemahlin dieser großen Seele.