Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 41: kumārādi-sṛṣṭiḥ Die Schöpfung der Kumāras und anderer

Skandha 3, Adhyāya 12. Quelle: vedabase.io. title_sa als eigene knappe IAST-Kurzbezeichnung des Inhalts gebildet, da vedabase.io keinen Sanskrit-IAST-Kapiteltitel angibt (nur Englisch 'Creation of the Kumaras and Others').

maitreya uvāca | iti te varṇitaḥ kṣattaḥ | kālākhyaḥ paramātmanaḥ | mahimā veda-garbho 'tha | yathāsrākṣīn nibodha me

Maitreya sprach: So wurde dir, o Kṣattā, die als 'Zeit' benannte Herrlichkeit des höchsten Selbst beschrieben; erfahre nun von mir, wie der Veda-Keim [Brahmā] erschuf.

Wort für Wort
maitreya uvāca
Maitreya sprach
iti te varṇitaḥ kṣattaḥ
so wurde dir, o Kṣattā, beschrieben
kālākhyaḥ paramātmanaḥ mahimā
die als Zeit benannte Herrlichkeit des höchsten Selbst
veda-garbho 'tha
nun der Veda-Keim [Brahmā]
yathāsrākṣīn nibodha me
wie er erschuf, erfahre von mir

sasarjāgre 'ndha-tāmisram atha tāmisram ādi-kṛt | mahāmohaṁ ca mohaṁ ca tamaś cājñāna-vṛttayaḥ

Der Urheber erschuf zuerst die blinde Finsternis, sodann die Finsternis, sowie die große Verblendung und die Verblendung und die Dunkelheit - die Erscheinungsformen des Unwissens.

Wort für Wort
sasarjāgre 'ndha-tāmisram
er erschuf zuerst die blinde Finsternis
atha tāmisram ādi-kṛt
sodann die Finsternis, der Urheber
mahāmohaṁ ca mohaṁ ca
und die große Verblendung und die Verblendung
tamaś cājñāna-vṛttayaḥ
und die Dunkelheit, die Erscheinungsformen des Unwissens

dṛṣṭvā pāpīyasīṁ sṛṣṭiṁ nātmānaṁ bahv amanyata | bhagavad-dhyāna-pūtena manasānyāṁ tato 'sṛjat

Diese üble Schöpfung erblickend, war er mit sich selbst nicht zufrieden; mit dem durch Meditation über den Erhabenen gereinigten Geist erschuf er darauf eine andere Schöpfung.

Wort für Wort
dṛṣṭvā pāpīyasīṁ sṛṣṭim
diese üble Schöpfung erblickend
nātmānaṁ bahv amanyata
schätzte er sich selbst nicht hoch
bhagavad-dhyāna-pūtena manasā
mit dem durch Meditation über den Erhabenen gereinigten Geist
anyāṁ tato 'sṛjat
erschuf er darauf eine andere [Schöpfung]

sanakaṁ ca sanandaṁ ca sanātanam athātmabhūḥ | sanat-kumāraṁ ca munīn niṣkriyān ūrdhva-retasaḥ

Sodann erschuf der Selbstentstandene Sanaka, Sananda, Sanātana und Sanat-kumāra, die Weisen - untätig, von aufwärts gerichtetem Samen.

Wort für Wort
sanakaṁ ca sanandaṁ ca
Sanaka und Sananda
sanātanam athātmabhūḥ
und Sanātana, sodann der Selbstentstandene
sanat-kumāraṁ ca munīn
und Sanat-kumāra, die Weisen
niṣkriyān ūrdhva-retasaḥ
untätig, deren Same aufwärts gerichtet ist

tān babhāṣe svabhūḥ putrān prajāḥ sṛjata putrakāḥ | tan naicchan mokṣa-dharmāṇo vāsudeva-parāyaṇāḥ

Zu ihnen, seinen Söhnen, sprach der Selbstentstandene: 'Erschafft Nachkommen, meine Söhnchen!' Dies aber wollten sie nicht, da sie der Befreiung als höchstem Ziel ergeben und Vāsudeva ganz hingegeben waren.

Wort für Wort
tān babhāṣe svabhūḥ putrān
zu ihnen sprach der Selbstentstandene, [seinen] Söhnen
prajāḥ sṛjata putrakāḥ
erschafft Nachkommen, meine Söhnchen
tan naicchan mokṣa-dharmāṇaḥ
dies wollten sie nicht, der Befreiung ergeben
vāsudeva-parāyaṇāḥ
Vāsudeva ganz hingegeben

so 'vadhyātaḥ sutair evaṁ pratyākhyātānuśāsanaiḥ | krodhaṁ durviṣahaṁ jātaṁ niyantum upacakrame

So von den Söhnen missachtet, die seine Anweisung zurückwiesen, begann er, den in ihm entstandenen, unerträglichen Zorn zu bezähmen.

Wort für Wort
so 'vadhyātaḥ sutair evam
so von den Söhnen missachtet
pratyākhyātānuśāsanaiḥ
die [seine] Anweisung zurückwiesen
krodhaṁ durviṣahaṁ jātam
den entstandenen, unerträglichen Zorn
niyantum upacakrame
begann er zu bezähmen

dhiyā nigṛhyamāṇo 'pi | bhruvor madhyāt prajāpateḥ | sadyo 'jāyata tan-manyuḥ | kumāro nīla-lohitaḥ

Obwohl durch seine Einsicht zurückgehalten, entstand jener Zorn des Prajāpati sogleich aus der Mitte seiner Augenbrauen - als ein Knabe von blau-roter Farbe.

Wort für Wort
dhiyā nigṛhyamāṇo 'pi
obwohl durch Einsicht zurückgehalten
bhruvor madhyāt prajāpateḥ
aus der Mitte der Augenbrauen des Herrn der Geschöpfe
sadyo 'jāyata tan-manyuḥ
sogleich entstand jener Zorn
kumāro nīla-lohitaḥ
als ein Knabe, blau-rot

sa vai ruroda devānāṁ pūrvajo bhagavān bhavaḥ | nāmāni kuru me dhātaḥ sthānāni ca jagad-guro

Er, der erhabene Bhava, der Erstgeborene unter den Göttern, weinte fürwahr und sprach: 'Gib mir Namen, o Schöpfer, und Wohnstätten, o Weltenlehrer.'

Wort für Wort
sa vai ruroda devānāṁ
er weinte fürwahr, unter den Göttern
pūrvajo bhagavān bhavaḥ
der Erstgeborene, der erhabene Bhava
nāmāni kuru me dhātaḥ
gib mir Namen, o Schöpfer
sthānāni ca jagad-guro
und Wohnstätten, o Weltenlehrer

iti tasya vacaḥ pādmo bhagavān paripālayan | abhyadhād bhadrayā vācā mā rodīs tat karomi te

Auf sein Wort hin sprach der aus dem Lotos geborene Erhabene, seine Bitte erfüllend, mit freundlicher Stimme: 'Weine nicht, ich werde dies für dich tun.'

Wort für Wort
iti tasya vacaḥ pādmo bhagavān
so, auf sein Wort, der aus dem Lotos geborene Erhabene
paripālayan
seine Bitte erfüllend
abhyadhād bhadrayā vācā
sprach mit freundlicher Stimme
mā rodīs tat karomi te
weine nicht, ich tue das für dich

yad arodīḥ sura-śreṣṭha sodvega iva bālakaḥ | tatas tvām abhidhāsyanti nāmnā rudra iti prajāḥ

'Weil du geweint hast, o Bester der Götter, wie ein aufgeregtes Kind, deshalb werden dich die Geschöpfe mit dem Namen Rudra benennen.'

Wort für Wort
yad arodīḥ sura-śreṣṭha
weil du geweint hast, o Bester der Götter
sodvega iva bālakaḥ
wie ein aufgeregtes Kind
tatas tvām abhidhāsyanti
deshalb werden dich benennen
nāmnā rudra iti prajāḥ
mit dem Namen Rudra die Geschöpfe

hṛd indriyāṇy asur vyoma vāyur agnir jalaṁ mahī | sūryaś candras tapaś caiva sthānāny agre kṛtāni te

Herz, Sinne, Lebensodem, Raum, Wind, Feuer, Wasser, Erde, Sonne, Mond und Askese - dies sind die Wohnstätten, die zuerst für dich bereitet wurden.

Wort für Wort
hṛd indriyāṇy asur vyoma
Herz, Sinne, Lebensodem, Raum
vāyur agnir jalaṁ mahī
Wind, Feuer, Wasser, Erde
sūryaś candras tapaś caiva
Sonne, Mond und Askese
sthānāny agre kṛtāni te
die Wohnstätten, zuerst für dich gemacht

manyur manur mahinaso mahāñ chiva ṛtadhvajaḥ | ugraretā bhavaḥ kālo vāmadevo dhṛtavrataḥ

Manyu, Manu, Mahinasa, Mahān, Śiva, Ṛtadhvaja, Ugraretas, Bhava, Kāla, Vāmadeva, Dhṛtavrata - dies sind deine elf Namen.

Wort für Wort
manyur manur mahinaso
Manyu, Manu, Mahinasa
mahāñ chiva ṛtadhvajaḥ
Mahān, Śiva, Ṛtadhvaja
ugraretā bhavaḥ kālo
Ugraretas, Bhava, Kāla
vāmadevo dhṛtavrataḥ
Vāmadeva, Dhṛtavrata

dhīr dhṛti-rasalomā ca niyut sarpir ilāmbikā | irāvatī svadhā dīkṣā rudrāṇyo rudra te striyaḥ

Dhī, Dhṛti, Rasalā, Niyut, Sarpis, Ilā, Ambikā, Irāvatī, Svadhā und Dīkṣā - die Rudrāṇīs, o Rudra, sind deine Frauen.

Wort für Wort
dhīr dhṛti-rasalomā ca
Dhī, Dhṛti, Rasalā
niyut sarpir ilāmbikā
Niyut, Sarpis, Ilā, Ambikā
irāvatī svadhā dīkṣā
Irāvatī, Svadhā, Dīkṣā
rudrāṇyo rudra te striyaḥ
die Rudrāṇīs, o Rudra, sind deine Frauen

gṛhāṇaitāni nāmāni sthānāni ca sa-yoṣaṇaḥ | ebhiḥ sṛja prajā bahvīḥ prajānām asi yat patiḥ

'Nimm diese Namen und Wohnstätten an, zusammen mit den Frauen; erschaffe mit diesen zahlreiche Nachkommen, denn du bist der Herr der Geschöpfe.'

Wort für Wort
gṛhāṇaitāni nāmāni
nimm diese Namen an
sthānāni ca sa-yoṣaṇaḥ
und die Wohnstätten, samt den Frauen
ebhiḥ sṛja prajā bahvīḥ
erschaffe mit diesen zahlreiche Nachkommen
prajānām asi yat patiḥ
denn du bist der Herr der Geschöpfe

ity ādiṣṭaḥ sva-guruṇā bhagavān nīla-lohitaḥ | sattvākṛti-svabhāvena sasarjātma-samāḥ prajāḥ

So von seinem geistigen Lehrer angewiesen, erschuf der erhabene Blau-Rote, durch sein von Sattva geprägtes Naturell, sich selbst gleichende Nachkommen.

Wort für Wort
ity ādiṣṭaḥ sva-guruṇā
so von seinem [geistigen] Lehrer angewiesen
bhagavān nīla-lohitaḥ
der erhabene Blau-Rote [Rudra]
sattvākṛti-svabhāvena
durch das von Sattva geprägte Naturell
sasarjātma-samāḥ prajāḥ
erschuf er sich selbst gleichende Nachkommen

rudrāṇāṁ rudra-sṛṣṭānāṁ samantād grasatāṁ jagat | niśāmyāsaṅkhyaśo yūthān prajāpatir aśaṅkata

Als er die von Rudra erschaffenen, unzähligen Scharen von Rudras wahrnahm, die von allen Seiten die Welt verschlangen, fürchtete sich der Herr der Geschöpfe.

Wort für Wort
rudrāṇāṁ rudra-sṛṣṭānām
der von Rudra erschaffenen Rudras
samantād grasatāṁ jagat
die von allen Seiten die Welt verschlangen
niśāmyāsaṅkhyaśo yūthān
als er die unzähligen Scharen wahrnahm
prajāpatir aśaṅkata
fürchtete sich der Herr der Geschöpfe

alaṁ prajābhiḥ sṛṣṭābhir īdṛśībhiḥ surottama | mayā saha dahantībhir diśaś cakṣurbhir ulbaṇaiḥ

'Genug mit solcherart erschaffenen Nachkommen, o Bester der Götter, die mit ihren furchterregenden Augen die Himmelsrichtungen und mich zugleich verbrennen.'

Wort für Wort
alaṁ prajābhiḥ sṛṣṭābhiḥ
genug mit den erschaffenen Nachkommen
īdṛśībhiḥ surottama
solcherart, o Bester der Götter
mayā saha dahantībhir diśaḥ
die mit mir zusammen die Richtungen verbrennen
cakṣurbhir ulbaṇaiḥ
mit furchterregenden Augen

tapa ātiṣṭha bhadraṁ te sarva-bhūta-sukhāvaham | tapasaiva yathā pūrvaṁ sraṣṭā viśvam idaṁ bhavān

'Übe stattdessen Askese - Segen sei mit dir -, die allen Wesen Glück bringt; durch Askese allein wirst du, wie zuvor, dieses Universum erschaffen.'

Wort für Wort
tapa ātiṣṭha bhadraṁ te
übe Askese, Segen sei mit dir
sarva-bhūta-sukhāvaham
die allen Wesen Glück bringt
tapasaiva yathā pūrvam
durch Askese allein, wie zuvor
sraṣṭā viśvam idaṁ bhavān
wirst du dieses Universum erschaffen

tapasaiva paraṁ jyotir bhagavantam adhokṣajam | sarva-bhūta-guhāvāsam añjasā vindate pumān

'Durch Askese allein erlangt der Mensch mühelos das höchste Licht, den Erhabenen, den Transzendenten, der in der Herzenshöhle aller Wesen wohnt.'

Wort für Wort
tapasaiva paraṁ jyotiḥ
durch Askese allein das höchste Licht
bhagavantam adhokṣajam
den Erhabenen, den Transzendenten
sarva-bhūta-guhāvāsam
der in der Höhle aller Wesen wohnt
añjasā vindate pumān
erlangt mühelos der Mensch

maitreya uvāca | evam ātmabhuvādiṣṭaḥ | parikramya girāṁ patim | bāḍham ity amum āmantrya | viveśa tapase vanam

Maitreya sprach: So vom Selbstentstandenen angewiesen, umschritt er den Herrn der Rede, sprach zu ihm 'So sei es' und ging zur Askese in den Wald.

Wort für Wort
maitreya uvāca
Maitreya sprach
evam ātmabhuvādiṣṭaḥ
so vom Selbstentstandenen angewiesen
parikramya girāṁ patim
den Herrn der Rede umschreitend
bāḍham ity amum āmantrya
'so sei es' zu ihm sprechend
viveśa tapase vanam
ging er zur Askese in den Wald

athābhidhyāyataḥ sargaṁ | daśa putrāḥ prajajñire | bhagavac-chakti-yuktasya | loka-santāna-hetavaḥ

Dann, als er, der mit der Kraft des Erhabenen ausgestattet war, über die Schöpfung nachsann, entstanden zehn Söhne, die Ursachen für die Fortdauer der Welten.

Wort für Wort
athābhidhyāyataḥ sargam
dann, als er über die Schöpfung nachsann
daśa putrāḥ prajajñire
entstanden zehn Söhne
bhagavac-chakti-yuktasya
ihm, der mit der Kraft des Erhabenen ausgestattet war
loka-santāna-hetavaḥ
die Ursachen der Fortpflanzung der Welten

marīcir atry-aṅgirasau pulastyaḥ pulahaḥ kratuḥ | bhṛgur vasiṣṭho dakṣaś ca daśamas tatra nāradaḥ

Marīci, Atri, Aṅgiras, Pulastya, Pulaha, Kratu, Bhṛgu, Vasiṣṭha und Dakṣa - der zehnte unter ihnen war Nārada.

Wort für Wort
marīcir atry-aṅgirasau
Marīci, Atri und Aṅgiras
pulastyaḥ pulahaḥ kratuḥ
Pulastya, Pulaha, Kratu
bhṛgur vasiṣṭho dakṣaś ca
Bhṛgu, Vasiṣṭha und Dakṣa
daśamas tatra nāradaḥ
der zehnte darunter war Nārada

utsaṅgān nārado jajñe dakṣo 'ṅguṣṭhāt svayambhuvaḥ | prāṇād vasiṣṭhaḥ sañjāto bhṛgus tvaci karāt kratuḥ

Aus dem Schoß entstand Nārada, Dakṣa aus dem Daumen des Selbstentstandenen, aus dem Lebensodem entstand Vasiṣṭha, Bhṛgu aus der Haut, Kratu aus der Hand.

Wort für Wort
utsaṅgān nārado jajñe
aus dem Schoß entstand Nārada
dakṣo 'ṅguṣṭhāt svayambhuvaḥ
Dakṣa aus dem Daumen des Selbstentstandenen
prāṇād vasiṣṭhaḥ sañjātaḥ
aus dem Lebensodem entstand Vasiṣṭha
bhṛgus tvaci karāt kratuḥ
Bhṛgu aus der Haut, Kratu aus der Hand

pulaho nābhito jajñe pulastyaḥ karṇayor ṛṣiḥ | aṅgirā mukhato 'kṣṇo 'trir marīcir manaso 'bhavat

Pulaha entstand aus dem Nabel, der Weise Pulastya aus den Ohren, Aṅgiras aus dem Mund, Atri aus dem Auge, Marīci entstand aus dem Geist.

Wort für Wort
pulaho nābhito jajñe
Pulaha entstand aus dem Nabel
pulastyaḥ karṇayor ṛṣiḥ
der Weise Pulastya aus den Ohren
aṅgirā mukhato 'kṣṇo 'triḥ
Aṅgiras aus dem Mund, Atri aus dem Auge
marīcir manaso 'bhavat
Marīci entstand aus dem Geist

dharmaḥ stanād dakṣiṇato yatra nārāyaṇaḥ svayam | adharmaḥ pṛṣṭhato yasmān mṛtyur loka-bhayaṅkaraḥ

Dharma entstand aus der rechten Brustwarze, worin Nārāyaṇa selbst gegenwärtig ist; Adharma aus dem Rücken, woraus der den Welten Furcht einflößende Tod entstand.

Wort für Wort
dharmaḥ stanād dakṣiṇataḥ
Dharma aus der rechten Brustwarze
yatra nārāyaṇaḥ svayam
worin Nārāyaṇa selbst [gegenwärtig ist]
adharmaḥ pṛṣṭhato yasmāt
Adharma aus dem Rücken, woraus
mṛtyur loka-bhayaṅkaraḥ
der den Welten Furcht einflößende Tod

hṛdi kāmo bhruvaḥ krodho lobhaś cādhara-dacchadāt | āsyād vāk sindhavo meḍhrān nirṛtiḥ pāyor aghāśrayaḥ

Kāma entstand aus dem Herzen, Krodha aus den Augenbrauen, Lobha aus der Unterlippe, aus dem Mund die Rede, die Ozeane aus dem Glied, Nirṛti, der Sitz des Übels, aus dem After.

Wort für Wort
hṛdi kāmo bhruvaḥ krodhaḥ
Kāma aus dem Herzen, Krodha aus den Augenbrauen
lobhaś cādhara-dacchadāt
und Lobha aus der Unterlippe
āsyād vāk sindhavo meḍhrāt
aus dem Mund die Rede, die Ozeane aus dem Glied
nirṛtiḥ pāyor aghāśrayaḥ
Nirṛti, der Sitz des Übels, aus dem After

chāyāyāḥ kardamo jajñe devahūtyāḥ patiḥ prabhuḥ | manaso dehataś cedaṁ jajñe viśva-kṛto jagat

Aus dem Schatten entstand Kardama, der mächtige Gemahl der Devahūti; und aus dem Geist wie aus dem Körper des Weltenschöpfers entstand so die ganze Welt.

Wort für Wort
chāyāyāḥ kardamo jajñe
aus dem Schatten entstand Kardama
devahūtyāḥ patiḥ prabhuḥ
der mächtige Gemahl der Devahūti
manaso dehataś cedam
und aus dem Geist wie aus dem Körper
jajñe viśva-kṛto jagat
entstand die Welt des Weltenschöpfers

vācaṁ duhitaraṁ tanvīṁ svayambhūr haratīṁ manaḥ | akāmāṁ cakame kṣattaḥ sa-kāma iti naḥ śrutam

Der Selbstentstandene begehrte, o Kṣattā, seine schlanke Tochter, die Rede, die sein Herz raubte, obwohl sie unwillig war - von Begierde erfüllt, so haben wir gehört.

Wort für Wort
vācaṁ duhitaraṁ tanvīm
die Rede, seine schlanke Tochter
svayambhūr haratīṁ manaḥ
der Selbstentstandene, die sein Herz raubte
akāmāṁ cakame kṣattaḥ
unwillige, begehrte er, o Kṣattā
sa-kāma iti naḥ śrutam
von Begierde erfüllt, so haben wir gehört

vilokya pitaraṁ sutāḥ | marīci-mukhyā munayo | viśrambhāt pratyabodhayan

Die Söhne, angeführt von Marīci, die Weisen, erblickten ihren Vater in diesem Zustand und mahnten ihn aus Vertrauen heraus.

Wort für Wort
vilokya pitaraṁ sutāḥ
die Söhne, ihren Vater erblickend
marīci-mukhyā munayaḥ
die Weisen, angeführt von Marīci
viśrambhāt pratyabodhayan
aus Vertrauen heraus mahnten sie ihn

[Anm.] Vers 29 im Quelltext mit nur drei Halbzeilen (statt der ueblichen vier) gefuehrt.

naitat pūrvaiḥ kṛtaṁ tvad ye na kariṣyanti cāpare | yaḥ tvaṁ duhitaraṁ gaccher anigṛhyāṅgajaṁ prabhuḥ

'Dies taten die Früheren vor dir nicht, und auch die Anderen nach dir werden es nicht tun - dass du, o Herr, zu deiner eigenen leiblichen Tochter gehen würdest, unbeherrscht wie jetzt.'

Wort für Wort
naitat pūrvaiḥ kṛtaṁ tvad
dies taten die Früheren vor dir nicht
ye na kariṣyanti cāpare
und auch die Anderen werden es nicht tun
yaḥ tvaṁ duhitaraṁ gaccher
dass du zu [deiner] Tochter gehen würdest
anigṛhyāṅgajaṁ prabhuḥ
unbeherrscht, [zur] eigenen leiblichen [Tochter], o Herr

tejīyasām api hy etan na suślokyaṁ jagad-guro | yad-vṛttam anutiṣṭhan vai lokaḥ kṣemāya kalpate

'Auch für die Mächtigen ist dies fürwahr nicht rühmlich, o Weltenlehrer - nur dessen Verhalten befolgend gelangt die Welt fürwahr zum Heil.'

Wort für Wort
tejīyasām api hy etan
auch für die Mächtigen ist dies fürwahr
na suślokyaṁ jagad-guro
nicht rühmlich, o Weltenlehrer
yad-vṛttam anutiṣṭhan vai
dessen Verhalten befolgend fürwahr
lokaḥ kṣemāya kalpate
die Welt zum Heil gelangt

tasmai namo bhagavate ya idaṁ svena rociṣā | ātma-sthaṁ vyañjayām āsa sa dharmaṁ pātum arhati

'Verehrung ihm, dem Erhabenen, der dies, im Selbst Befindliche, durch sein eigenes Leuchten offenbart hat - er allein ist würdig, den Dharma zu schützen.'

Wort für Wort
tasmai namo bhagavate
Verehrung ihm, dem Erhabenen
ya idaṁ svena rociṣā
der dies durch sein eigenes Leuchten
ātma-sthaṁ vyañjayām āsa
im Selbst Befindliche offenbart hat
sa dharmaṁ pātum arhati
er ist würdig, den Dharma zu schützen

sa itthaṁ gṛṇataḥ putrān puro dṛṣṭvā prajāpatīn | prajāpati-patis tanvaṁ tatyāja vrīḍitas tadā | tāṁ diśo jagṛhur ghorāṁ nīhāraṁ yad vidus tamaḥ

Als er, der Herr der Prajāpatis, so seine Söhne sprechen hörte und die Herren der Geschöpfe vor sich erblickte, gab er, beschämt, damals seinen Körper auf; jenen schrecklichen Körper ergriffen die Himmelsrichtungen als den Nebel, den man als Dunkel kennt.

Wort für Wort
sa itthaṁ gṛṇataḥ putrān
er, als [seine] Söhne so sprachen
puro dṛṣṭvā prajāpatīn
vor sich die Herren der Geschöpfe erblickend
prajāpati-patis tanvaṁ tatyāja vrīḍitas tadā
der Herr der Prajāpatis gab beschämt damals den Körper auf
tāṁ diśo jagṛhur ghorāṁ
jenen schrecklichen [Körper] ergriffen die Richtungen
nīhāraṁ yad vidus tamaḥ
als den Nebel, den man als Dunkel kennt

kadācid dhyāyataḥ sraṣṭur vedā āsaṁś catur-mukhāt | kathaṁ srakṣyāmy ahaṁ lokān samavetān yathā purā

Einst, als der Schöpfer darüber nachsann, 'wie werde ich die Welten wieder vereint erschaffen wie zuvor', entstanden die Veden aus dem Vierfach-Gesichtigen.

Wort für Wort
kadācid dhyāyataḥ sraṣṭur
einst, als der Schöpfer sann
vedā āsaṁś catur-mukhāt
entstanden die Veden aus dem Vierfach-Gesichtigen
kathaṁ srakṣyāmy ahaṁ lokān
wie werde ich die Welten erschaffen
samavetān yathā purā
vereint, wie zuvor

cātur-hotraṁ karma-tantram upaveda-nayaiḥ saha | dharmasya pādāś catvāras tathaivāśrama-vṛttayaḥ

Zugleich entstanden der Cātur-hotra, das Ritual-Lehrsystem, samt den Lehren der Nebenwissenschaften (Upavedas), die vier Füße des Dharma, sowie die Lebensweisen der Āśramas.

Wort für Wort
cātur-hotraṁ karma-tantram
der Cātur-hotra, das Ritual-Lehrsystem
upaveda-nayaiḥ saha
zusammen mit den Lehren der Upavedas
dharmasya pādāś catvāraḥ
die vier Füße des Dharma
tathaivāśrama-vṛttayaḥ
und ebenso die Lebensweisen der Āśramas

vidura uvāca | sa vai viśva-sṛjām īśo | vedādīn mukhato 'sṛjat | yad yad yenāsṛjad devas | tan me brūhi tapo-dhana

Vidura sprach: Er fürwahr, der Herr der Weltenschöpfer, erschuf die Veden und anderes aus dem Mund - erzähle mir, o Asketenreicher, was der Gott wodurch erschuf.

Wort für Wort
vidura uvāca
Vidura sprach
sa vai viśva-sṛjām īśo
er fürwahr, der Herr der Weltenschöpfer
vedādīn mukhato 'sṛjat
erschuf die Veden u.a. aus dem Mund
yad yad yenāsṛjad devas
was auch immer wodurch der Gott erschuf
tan me brūhi tapo-dhana
dies erzähle mir, o Asketenreicher

maitreya uvāca | ṛg-yajuḥ-sāmātharvākhyān | vedān pūrvādibhir mukhaiḥ | śāstram ijyāṁ stuti-stomaṁ | prāyaścittaṁ vyadhāt kramāt

Maitreya sprach: Die als Ṛg, Yajus, Sāma und Atharva benannten Veden ordnete er der Reihe nach, mit den Gesichtern beginnend beim östlichen, ebenso die Lehrschrift, das Opferritual, den Lobpreis-Hymnus und die Sühnehandlung.

Wort für Wort
maitreya uvāca
Maitreya sprach
ṛg-yajuḥ-sāmātharvākhyān vedān
die als Ṛg, Yajus, Sāma, Atharva benannten Veden
pūrvādibhir mukhaiḥ
mit den Gesichtern, beginnend beim östlichen
śāstram ijyāṁ stuti-stomam
die Lehrschrift, das Opfer, den Lobpreis-Hymnus
prāyaścittaṁ vyadhāt kramāt
die Sühnehandlung ordnete er der Reihe nach

āyur-vedaṁ dhanur-vedaṁ gāndharvaṁ vedam ātmanaḥ | sthāpatyaṁ cāsṛjad vedaṁ kramāt pūrvādibhir mukhaiḥ

Den Āyurveda, den Dhanurveda, den Gāndharva-Veda und den Sthāpatya-Veda erschuf er der Reihe nach, mit den Gesichtern beginnend beim östlichen.

Wort für Wort
āyur-vedaṁ dhanur-vedam
den Āyurveda, den Dhanurveda
gāndharvaṁ vedam ātmanaḥ
den Gāndharva-Veda, für sich selbst
sthāpatyaṁ cāsṛjad vedam
und den Sthāpatya-Veda erschuf er
kramāt pūrvādibhir mukhaiḥ
der Reihe nach, mit den Gesichtern beginnend beim östlichen

itihāsa-purāṇāni | pañcamaṁ vedam īśvaraḥ | sarvebhya eva vaktrebhyaḥ | sasṛje sarva-darśanaḥ

Die Itihāsas und Purāṇas erschuf der Herr, der Alles-Schauende, als fünften Veda, aus allen seinen Gesichtern zugleich.

Wort für Wort
itihāsa-purāṇāni
die Itihāsas und Purāṇas
pañcamaṁ vedam īśvaraḥ
als fünften Veda, der Herr
sarvebhya eva vaktrebhyaḥ
aus allen Gesichtern zugleich
sasṛje sarva-darśanaḥ
erschuf, der Alles-Schauende

ṣoḍaśy-ukthau pūrva-vaktrāt purīṣy-agniṣṭutāv atha | āptoryāmātirātrau ca vājapeyaṁ sagosavam

Ṣoḍaśī und Uktha entstanden aus dem östlichen Gesicht, sodann Purīṣī und Agniṣṭoma, Āptoryāma und Atirātra, Vājapeya samt Gosava.

Wort für Wort
ṣoḍaśy-ukthau pūrva-vaktrāt
Ṣoḍaśī und Uktha aus dem östlichen Gesicht
purīṣy-agniṣṭutāv atha
Purīṣī und Agniṣṭoma sodann
āptoryāmātirātrau ca
Āptoryāma und Atirātra
vājapeyaṁ sagosavam
Vājapeya samt Gosava

vidyā dānaṁ tapaḥ satyaṁ dharmasyeti padāni ca | āśramāṁś ca yathā-saṅkhyam asṛjat saha vṛttibhiḥ

Wissen, Freigebigkeit, Askese und Wahrheit - so heißen die Füße des Dharma; und die Lebensstufen (Āśramas) erschuf er entsprechend ihrer Zahl, samt ihren jeweiligen Lebensweisen.

Wort für Wort
vidyā dānaṁ tapaḥ satyam
Wissen, Freigebigkeit, Askese, Wahrheit
dharmasyeti padāni ca
so [heißen] die Füße des Dharma
āśramāṁś ca yathā-saṅkhyam
und die Āśramas entsprechend ihrer Zahl
asṛjat saha vṛttibhiḥ
erschuf er samt [ihren] Lebensweisen

sāvitraṁ prājāpatyaṁ ca brāhmaṁ cātha bṛhat tathā | vārtā sañcaya-śālīna-śiloñcha iti vai gṛhe

Sāvitra, Prājāpatya, Brāhma und ebenso Bṛhat; im Hausstand aber die Lebensweisen des Erwerbs, des Ansammelns, des Śālīna und des Śiloñcha.

Wort für Wort
sāvitraṁ prājāpatyaṁ ca
Sāvitra und Prājāpatya
brāhmaṁ cātha bṛhat tathā
und Brāhma, sodann ebenso Bṛhat
vārtā sañcaya-śālīna-
Erwerb, Ansammeln, Śālīna
śiloñcha iti vai gṛhe
und Śiloñcha, im Hausstand

vaikhānasā vālakhilyau-dumbarāḥ phenapā vane | nyāse kuṭīcakaḥ pūrvaṁ bahvodo haṁsa-niṣkriyau

Die Vaikhānasas, Vālakhilyas, Audumbaras und Phenapas sind die Arten der Waldeinsiedler; im Entsagungsstand gibt es zuerst den Kuṭīcaka, dann den Bahvoda, den Haṁsa und den Niṣkriya.

Wort für Wort
vaikhānasā vālakhilyau-
die Vaikhānasas, die Vālakhilyas
dumbarāḥ phenapā vane
die Audumbaras, die Phenapas, im Wald
nyāse kuṭīcakaḥ pūrvam
im Entsagungsstand zuerst der Kuṭīcaka
bahvodo haṁsa-niṣkriyau
der Bahvoda, der Haṁsa, der Niṣkriya

ānvīkṣikī trayī vārtā daṇḍa-nītis tathaiva ca | evaṁ vyāhṛtayaś cāsan praṇavo hy asya dahrataḥ

Die Logik/Philosophie, die dreifache vedische Wissenschaft, die Wirtschaftskunst und ebenso die Staatskunst entstanden; so auch die heiligen Vyāhṛtis, und die Praṇava-Silbe [Om] aus seinem Herzen.

Wort für Wort
ānvīkṣikī trayī vārtā
die Logik, die Dreifach[wissenschaft], der Erwerb
daṇḍa-nītis tathaiva ca
die Staatskunst, ebenso auch
evaṁ vyāhṛtayaś cāsan
so entstanden auch die Vyāhṛtis
praṇavo hy asya dahrataḥ
und die Praṇava aus seinem Herzen

tasyoṣṇig āsīl lomabhyo gāyatrī ca tvaco vibhoḥ | triṣṭum māṁsāt snuto 'nuṣṭub jagaty asthnaḥ prajāpateḥ

Ihm entstand das Uṣṇih-Versmaß aus den Körperhaaren, die Gāyatrī aus der Haut des Mächtigen, Triṣṭubh aus dem Fleisch, aus der Sehne Anuṣṭubh, Jagatī aus dem Knochen des Prajāpati.

Wort für Wort
tasyoṣṇig āsīl lomabhyo
ihm entstand Uṣṇih aus den Körperhaaren
gāyatrī ca tvaco vibhoḥ
und Gāyatrī aus der Haut des Mächtigen
triṣṭum māṁsāt snuto 'nuṣṭub
Triṣṭubh aus dem Fleisch, aus der Sehne Anuṣṭubh
jagaty asthnaḥ prajāpateḥ
Jagatī aus dem Knochen des Prajāpati

majjāyāḥ paṅktir utpannā bṛhatī prāṇato 'bhavat

Aus dem Mark entstand die Paṅkti, Bṛhatī entstand aus dem Lebensodem.

Wort für Wort
majjāyāḥ paṅktir utpannā
aus dem Mark entstand die Paṅkti
bṛhatī prāṇato 'bhavat
Bṛhatī entstand aus dem Lebensodem

[Anm.] Kurzer Halbvers (nur eine Zeile) im Quelltext als eigenstaendiger Vers 46 gefuehrt; Fortsetzung der Versmass-Aufzaehlung aus Vers 45.

sparśas tasyābhavaj jīvaḥ svaro deha udāhṛta | ūṣmāṇam indriyāṇy āhur antaḥ-sthā balam ātmanaḥ | svarāḥ sapta vihāreṇa bhavanti sma prajāpateḥ

Die Berührungslaute wurden ihm zur Lebenskraft, die Vokale werden als sein Körper bezeichnet, die Zischlaute nennt man seine Sinnesorgane, die Halbvokale die Kraft seines Selbst; die sieben musikalischen Töne entstanden einst durch das Spiel des Herrn der Geschöpfe.

Wort für Wort
sparśas tasyābhavaj jīvaḥ
die Berührungslaute wurden ihm zur Lebenskraft
svaro deha udāhṛta
die Vokale werden als [sein] Körper bezeichnet
ūṣmāṇam indriyāṇy āhur antaḥ-sthā balam ātmanaḥ
die Zischlaute nennt man die Sinne, die Halbvokale die Kraft des Selbst
svarāḥ sapta vihāreṇa bhavanti sma prajāpateḥ
die sieben Töne entstanden durch das Spiel des Herrn der Geschöpfe

śabda-brahmātmanas tasya vyaktāvyaktātmanaḥ paraḥ | brahmāvabhāti vitato nānā-śakty-upabṛṁhitaḥ

Von ihm, dessen Wesen das Wort-Brahman ist, dessen Selbst manifest und unmanifest zugleich ist - jenseitig - erscheint das ausgebreitete Brahman, durch mannigfache Kräfte verstärkt.

Wort für Wort
śabda-brahmātmanas tasya
von ihm, dessen Wesen das Wort-Brahman ist
vyaktāvyaktātmanaḥ paraḥ
dessen Selbst manifest und unmanifest, jenseitig
brahmāvabhāti vitato
das Brahman erscheint, ausgebreitet
nānā-śakty-upabṛṁhitaḥ
durch mannigfache Kräfte verstärkt

tato 'parām upādāya sa sargāya mano dadhe

Hierauf, die niedere Form der Schöpfung übernehmend, richtete er seinen Geist auf weitere Schöpfung.

Wort für Wort
tato 'parām upādāya
hierauf, die niedere [Schöpfung] übernehmend
sa sargāya mano dadhe
richtete er seinen Geist auf die Schöpfung

[Anm.] Kurzer Halbvers (nur eine Zeile) im Quelltext als eigenstaendiger Vers 49 gefuehrt.

ṛṣīṇāṁ bhūri-vīryāṇām api sargam avistṛtam | jñātvā tad dhṛdaye bhūyaś cintayām āsa kaurava

Erkennend, dass die Schöpfung der Weisen von großer Kraft dennoch nicht ausreichend ausgedehnt war, sann er darüber wiederum in seinem Herzen nach, o Kaurava.

Wort für Wort
ṛṣīṇāṁ bhūri-vīryāṇām
der Weisen von großer Kraft
api sargam avistṛtam
obwohl [ihre] Schöpfung nicht ausgedehnt war
jñātvā tad dhṛdaye bhūyaś
dies im Herzen erkennend, wiederum
cintayām āsa kaurava
sann er nach, o Kaurava

aho adbhutam etan me vyāpṛtasyāpi nityadā | na hy edhante prajā nūnaṁ daivam atra vighātakam

'O, wunderbar ist dies für mich - obwohl ich beständig tätig bin, mehren sich die Geschöpfe fürwahr nicht; wohl ist das Schicksal hierbei der Verhinderer.'

Wort für Wort
aho adbhutam etan me
o, wunderbar ist dies für mich
vyāpṛtasyāpi nityadā
obwohl ich beständig tätig bin
na hy edhante prajā nūnam
fürwahr, die Geschöpfe mehren sich nicht
daivam atra vighātakam
das Schicksal ist hierbei der Verhinderer

evaṁ yukta-kṛtas tasya | daivaṁ cāvekṣatas tadā | kasya rūpam abhūd dvedhā | yat kāyam abhicakṣate

So, während er darüber nachsann und zugleich das Schicksal betrachtete, wurde damals wessen Gestalt zweifach - jene, die man als seinen eigenen Körper bezeichnet?

Wort für Wort
evaṁ yukta-kṛtas tasya
so, während er sich [darüber] Gedanken machte
daivaṁ cāvekṣatas tadā
und das Schicksal betrachtete, damals
kasya rūpam abhūd dvedhā
wessen Gestalt wurde zweifach
yat kāyam abhicakṣate
die man als [seinen] Körper bezeichnet

[?] Syntaktischer Uebergang zur folgenden Erzaehlung von der Teilung des Koerpers (kāya) unsicher; unabhaengig aus grammatischer Struktur erschlossen.

tābhyāṁ rūpa-vibhāgābhyāṁ mithunaṁ samapadyata

Durch diese beiden geteilten Gestalten entstand ein Menschenpaar.

Wort für Wort
tābhyāṁ rūpa-vibhāgābhyām
durch diese beiden Gestalt-Teilungen
mithunaṁ samapadyata
entstand ein Paar

[Anm.] Kurzer Halbvers (nur eine Zeile) im Quelltext als eigenstaendiger Vers 53 gefuehrt; Fortsetzung von Vers 52.

yas tu tatra pumān so 'bhūn manuḥ svāyambhuvaḥ svarāṭ | strī yāsīc chatarūpākhyā mahiṣy asya mahātmanaḥ

Wer aber darin der Mann war, der wurde zu Manu Svāyambhuva, dem Selbstherrscher; die Frau, die als Śatarūpā benannt wurde, wurde die Gemahlin dieser großen Seele.

Wort für Wort
yas tu tatra pumān so 'bhūn
wer aber darin der Mann war, der wurde
manuḥ svāyambhuvaḥ svarāṭ
Manu Svāyambhuva, der Selbstherrscher
strī yāsīc chatarūpākhyā
die Frau, die als Śatarūpā benannt war
mahiṣy asya mahātmanaḥ
die Gemahlin dieses Großen Selbst

tadā mithuna-dharmeṇa prajā hy edhām babhūvire

Dann, durch das Gesetz der Paarung, mehrten sich fürwahr die Nachkommen.

Wort für Wort
tadā mithuna-dharmeṇa
dann, durch das Gesetz der Paarung
prajā hy edhām babhūvire
die Nachkommen mehrten sich fürwahr

[Anm.] Kurzer Halbvers (nur eine Zeile) im Quelltext als eigenstaendiger Vers 55 gefuehrt.

sa cāpi śatarūpāyāṁ pañcāpatyāny ajījanat | priyavratottānapādau tisraḥ kanyāś ca bhārata | ākūtir devahūtiś ca prasūtir iti sattama

Und er zeugte auch mit Śatarūpā fünf Nachkommen: Priyavrata und Uttānapāda, sowie drei Töchter, o Bhārata - Ākūti, Devahūti und Prasūti, o Bester.

Wort für Wort
sa cāpi śatarūpāyām
und er auch, mit Śatarūpā
pañcāpatyāny ajījanat
zeugte fünf Nachkommen
priyavratottānapādau
Priyavrata und Uttānapāda
tisraḥ kanyāś ca bhārata
und drei Töchter, o Bhārata
ākūtir devahūtiś ca prasūtir iti sattama
Ākūti, Devahūti und Prasūti, o Bester

kardamāya tu madhyamāṁ dakṣāyādāt prasūtiṁ ca | yata āpūritaṁ jagat

Die mittlere Tochter aber gab er dem Kardama, und Prasūti dem Dakṣa - wodurch die Welt mit Nachkommen erfüllt wurde.

Wort für Wort
kardamāya tu madhyamām
die mittlere [Tochter] aber dem Kardama
dakṣāyādāt prasūtiṁ ca
und dem Dakṣa gab er Prasūti
yata āpūritaṁ jagat
wodurch die Welt erfüllt wurde

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