Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 40: kāla-kalanā paramāṇu-taḥ Berechnung der Zeit, vom Atom an

Skandha 3, Adhyāya 11. Quelle: vedabase.io. title_sa als eigene knappe IAST-Kurzbezeichnung des Inhalts gebildet, da vedabase.io keinen Sanskrit-IAST-Kapiteltitel angibt (nur Englisch 'Calculation of Time, from the Atom').

maitreya uvāca | caramaḥ sad-viśeṣāṇām | aneko 'saṁyutaḥ sadā | paramāṇuḥ sa vijñeyo | nṛṇām aikya-bhramo yataḥ

Maitreya sprach: Das Letzte der Besonderungen des Seienden, vielfach und doch stets unverbunden - dies ist als das Atom (Paramāṇu) zu erkennen, woraus für die Menschen die Täuschung der Einheit [des Stofflichen] entsteht.

Wort für Wort
maitreya uvāca
Maitreya sprach
caramaḥ sad-viśeṣāṇām
das Letzte der Besonderungen des Seienden
aneko 'saṁyutaḥ sadā
vielfach, [aber] stets unverbunden
paramāṇuḥ sa vijñeyaḥ
dies ist als das Atom zu erkennen
nṛṇām aikya-bhramo yataḥ
woraus für die Menschen die Täuschung der Einheit entsteht

sata eva padārthasya | svarūpāvasthitasya yat | kaivalyaṁ parama-mahān | aviśeṣo nirantaraḥ

Eben jenes Dinges, das aus dem Seienden besteht und in seiner eigenen Wesensform verharrt, ist die Alleinheit - die höchste, große, unbesonderte, ununterbrochene [Einheit, das Atom selbst].

Wort für Wort
sata eva padārthasya
eben jenes Dinges, das aus dem Seienden besteht
svarūpāvasthitasya yat
das in seiner eigenen Wesensform verharrt
kaivalyaṁ parama-mahān
die Alleinheit, die höchste, große
aviśeṣo nirantaraḥ
unbesondert, ununterbrochen

[?] Dicht komprimierte vaiśeṣika-philosophische Terminologie (kaivalya, aviśeṣa); unabhaengig aus der Grammatik erschlossen, ohne Kommentar-Ruecksprache.

evaṁ kālo 'py anumitaḥ saukṣmye sthaulye ca sattama | saṁsthāna-bhuktyā bhagavān avyakto vyakta-bhug vibhuḥ

So wird auch die Zeit erschlossen, in ihrer Feinheit wie in ihrer Grobheit, o Bester - durch das Erfahren der jeweiligen Gestalt [manifestiert sich] der Erhabene, der Mächtige, selbst unmanifest, doch das Manifeste erfahrend.

Wort für Wort
evaṁ kālo 'py anumitaḥ
so wird auch die Zeit erschlossen
saukṣmye sthaulye ca sattama
in Feinheit und Grobheit, o Bester
saṁsthāna-bhuktyā bhagavān
durch das Erfahren der Gestalt, der Erhabene
avyakto vyakta-bhug vibhuḥ
unmanifest, das Manifeste erfahrend, der Mächtige

sa kālaḥ paramāṇur vai | yo bhuṅkte paramāṇutām | sato 'viśeṣa-bhug yas tu | sa kālaḥ paramo mahān

Jene Zeit, die den Zustand des Atomseins erfährt, ist wahrlich das Atom selbst; jene Zeit aber, die die ungeteilte Ganzheit des Seienden erfährt, ist die höchste, große Zeit.

Wort für Wort
sa kālaḥ paramāṇur vai
jene Zeit ist wahrlich das Atom
yo bhuṅkte paramāṇutām
die den Zustand des Atomseins erfährt
sato 'viśeṣa-bhug yas tu
die aber die Unbesonderung des Seienden erfährt
sa kālaḥ paramo mahān
jene Zeit ist die höchste, große

aṇur dvau paramāṇū syāt trasareṇus trayaḥ smṛtaḥ | jālārka-raśmy-avagataḥ kham evānupatann agāt

Zwei Paramāṇus bilden ein Aṇu, drei solcher Aṇus werden als ein Trasareṇu überliefert - erkennbar an dem durch ein Gitterfenster fallenden Sonnenstrahl, worin es nur durch den Raum fliegend sich fortbewegt.

Wort für Wort
aṇur dvau paramāṇū syāt
zwei Paramāṇus bilden ein Aṇu
trasareṇus trayaḥ smṛtaḥ
drei [Aṇus] werden als Trasareṇu überliefert
jālārka-raśmy-avagataḥ
erkennbar am durch ein Gitterfenster fallenden Sonnenstrahl
kham evānupatann agāt
es bewegt sich nur durch den Raum fliegend fort

trasareṇu-trikaṁ bhuṅkte yaḥ kālaḥ sa truṭiḥ smṛtaḥ | śata-bhāgas tu vedhaḥ syāt tais tribhis tu lavaḥ smṛtaḥ

Die Zeit, die den Weg von drei Trasareṇus durchläuft, wird als Truṭi überliefert; der hundertste Teil einer Truṭi aber sei ein Vedha, und durch drei solcher Vedhas wird ein Lava überliefert.

Wort für Wort
trasareṇu-trikaṁ bhuṅkte yaḥ kālaḥ
die Zeit, die drei Trasareṇus durchläuft
sa truṭiḥ smṛtaḥ
jene wird als Truṭi überliefert
śata-bhāgas tu vedhaḥ syāt
der hundertste Teil aber sei ein Vedha
tais tribhis tu lavaḥ smṛtaḥ
durch drei davon wird ein Lava überliefert

nimeṣas tri-lavo jñeya āmnātas te trayaḥ kṣaṇaḥ | kṣaṇān pañca viduḥ kāṣṭhāṁ laghu tā daśa pañca ca

Ein Nimeṣa ist als drei Lavas zu erkennen; drei solcher Nimeṣas werden als ein Kṣaṇa überliefert; fünf Kṣaṇas kennt man als eine Kāṣṭhā, und fünfzehn solcher Kāṣṭhās als ein Laghu.

Wort für Wort
nimeṣas tri-lavo jñeyaḥ
ein Nimeṣa ist als drei Lavas zu erkennen
āmnātas te trayaḥ kṣaṇaḥ
drei solcher [Nimeṣas] werden als ein Kṣaṇa überliefert
kṣaṇān pañca viduḥ kāṣṭhām
fünf Kṣaṇas kennt man als eine Kāṣṭhā
laghu tā daśa pañca ca
fünfzehn solcher [Kāṣṭhās als] ein Laghu

laghūni vai samāmnātā daśa pañca ca nāḍikā | te dve muhūrtaḥ praharaḥ ṣaḍ yāmaḥ sapta vā nṛṇām

Fünfzehn Laghus werden wahrlich als eine Nāḍikā überliefert, zwei solcher Nāḍikās als ein Muhūrta; ein Prahara [entspricht einer Wache], und sechs oder sieben Yāmas ergeben, je nach Jahreszeit, für die Menschen einen vollen Tag.

Wort für Wort
laghūni vai samāmnātā
fünfzehn Laghus werden wahrlich überliefert
daśa pañca ca nāḍikā
als eine Nāḍikā
te dve muhūrtaḥ
zwei davon [ergeben] ein Muhūrta
praharaḥ ṣaḍ yāmaḥ sapta vā nṛṇām
ein Prahara; sechs oder sieben Yāmas für die Menschen

[?] Verhaeltnis von prahara/yāma zur Tageslaenge im Quelltext knapp formuliert; unabhaengig aus grammatischer Struktur erschlossen.

dvādaśārdha-palonmānaṁ caturbhiś catur-aṅgulaiḥ | svarṇa-māṣaiḥ kṛta-cchidraṁ yāvat prastha-jala-plutam

Mit einem Maß von sechs Palas, mit einem durch vier vier Aṅgula lange Gold-Māṣa-Nadeln gemachten Loch - ein solches Gefäß, das sich mit einem Prastha Wasser füllt, [markiert die Zeitspanne einer Nāḍikā].

Wort für Wort
dvādaśārdha-palonmānam
mit einem Maß von sechs Palas
caturbhiś catur-aṅgulaiḥ
mit vier vier Aṅgula langen
svarṇa-māṣaiḥ kṛta-cchidram
mit Gold-Māṣas gemachtes Loch
yāvat prastha-jala-plutam
bis es mit einem Prastha Wasser sich füllt

[?] Technische Beschreibung einer antiken Wasseruhr (ghaṭī); Konstruktionsdetails unsicher übersetzt, unabhängig aus dem Sanskrit erschlossen.

yāmāś catvāraś catvāro martyānām ahanī ubhe | pakṣaḥ pañca-daśāhāni śuklaḥ kṛṣṇaś ca mānada

Je vier Yāmas bilden für die Sterblichen beide - Tag und Nacht; ein Pakṣa besteht aus fünfzehn Tagen, dem hellen und dem dunklen, o Ehrenspender.

Wort für Wort
yāmāś catvāraś catvāraḥ
je vier Yāmas
martyānām ahanī ubhe
für die Sterblichen beide, Tag und Nacht
pakṣaḥ pañca-daśāhāni
ein Pakṣa aus fünfzehn Tagen
śuklaḥ kṛṣṇaś ca mānada
der helle und der dunkle, o Ehrenspender

tayoḥ samuccayo māsaḥ pitṝṇāṁ tad ahar-niśam | dvau tāv ṛtuḥ ṣaḍ ayanaṁ dakṣiṇaṁ cottaraṁ divi

Die Vereinigung dieser beiden Pakṣas ist ein Monat - dies ist für die Ahnen ein Tag und eine Nacht. Zwei solcher Monate bilden eine Jahreszeit, sechs Monate ein Ayana - das südliche und das nördliche am Himmel.

Wort für Wort
tayoḥ samuccayo māsaḥ
die Vereinigung dieser beiden ist ein Monat
pitṝṇāṁ tad ahar-niśam
dies ist für die Ahnen ein Tag und eine Nacht
dvau tāv ṛtuḥ ṣaḍ ayanam
zwei davon eine Jahreszeit, sechs ein Ayana
dakṣiṇaṁ cottaraṁ divi
das südliche und das nördliche am Himmel

ayane cāhanī prāhur vatsaro dvādaśa smṛtaḥ | saṁvatsara-śataṁ nṝṇāṁ paramāyur nirūpitam

Und die beiden Ayanas nennt man wie Tag und Nacht der Götter; ein Jahr wird als Zeitraum von zwölf Monaten überliefert; hundert Jahre werden für die Menschen als die höchste Lebensspanne festgesetzt.

Wort für Wort
ayane cāhanī prāhuḥ
und die beiden Ayanas nennt man Tag und Nacht
vatsaro dvādaśa smṛtaḥ
ein Jahr wird als zwölf [Monate] überliefert
saṁvatsara-śataṁ nṝṇām
hundert Jahre für die Menschen
paramāyur nirūpitam
wird als höchste Lebensspanne festgesetzt

graharkṣa-tārā-cakra-sthaḥ paramāṇv-ādinā jagat | saṁvatsarāvasānena paryety animiṣo vibhuḥ

Im Rad der Planeten, Sternbilder und Sterne befindlich, durchläuft der nie blinzelnde Mächtige [die Zeit] die Welt - vom Atom angefangen bis zu ihrem Abschluss im Jahr.

Wort für Wort
graharkṣa-tārā-cakra-sthaḥ
im Rad der Planeten, Sternbilder und Sterne befindlich
paramāṇv-ādinā jagat
die Welt, vom Atom an
saṁvatsarāvasānena
mit dem Jahr als Abschluss
paryety animiṣo vibhuḥ
durchläuft der nie blinzelnde Mächtige

saṁvatsaraḥ parivatsara iḍā-vatsara eva ca | anuvatsaro vatsaraś ca viduraivaṁ prabhāṣyate

Saṁvatsara, Parivatsara, Iḍāvatsara, Anuvatsara und Vatsara - so, o Vidura, werden die fünf Jahresarten benannt.

Wort für Wort
saṁvatsaraḥ parivatsaraḥ
Saṁvatsara, Parivatsara
iḍā-vatsara eva ca
und ebenso Iḍāvatsara
anuvatsaro vatsaraś ca
Anuvatsara und Vatsara
vidura evaṁ prabhāṣyate
o Vidura, so werden [sie] benannt

yaḥ sṛjya-śaktim urudhocchvasayan sva-śaktyā | puṁso 'bhramāya divi dhāvati bhūta-bhedaḥ | kālākhyayā guṇamayaṁ kratubhir vitanvaṁs | tasmai baliṁ harata vatsara-pañcakāya

Ihm, der die Schöpfungskraft vielfach entfaltend durch die eigene Kraft, zum Nutzen des Puruṣa ohne Irrtum am Himmel dahineilt - in Wesen unterteilt unter dem Namen 'Zeit', aus den Guṇas bestehend, sein Wirken durch Opfer entfaltend - bringt diesem Fünfjahreszyklus die Opfergabe dar.

Wort für Wort
yaḥ sṛjya-śaktim urudhocchvasayan sva-śaktyā
der die Schöpfungskraft vielfach entfaltend durch eigene Kraft
puṁso 'bhramāya divi dhāvati
zum Nutzen des Puruṣa ohne Irrtum am Himmel dahineilt
bhūta-bhedaḥ kālākhyayā guṇamayam
in Wesen unterteilt, unter dem Namen Zeit, aus den Guṇas bestehend
kratubhir vitanvaṁs tasmai baliṁ harata vatsara-pañcakāya
sein Wirken durch Opfer entfaltend, bringt diesem Fünfjahreszyklus die Opfergabe dar

[?] Extrem kompakt formulierter Vers (Subjekt/Objekt der Verehrung); unabhaengig aus grammatischer Analyse erschlossen, ohne Kommentar-Ruecksprache.

vidura uvāca | pitṛ-deva-manuṣyāṇām | āyuḥ param idaṁ smṛtam | pareṣāṁ gatim ācakṣva | ye syuḥ kalpād bahir vidaḥ

Vidura sprach: Dies wird als die höchste Lebensspanne der Ahnen, Götter und Menschen überliefert. Erkläre mir, o Wissender, den Zustand jener anderen Wesen, die außerhalb des Kalpa existieren mögen.

Wort für Wort
vidura uvāca
Vidura sprach
pitṛ-deva-manuṣyāṇām
der Ahnen, Götter und Menschen
āyuḥ param idaṁ smṛtam
dies wird als höchste Lebensspanne überliefert
pareṣāṁ gatim ācakṣva
erkläre den Zustand der anderen
ye syuḥ kalpād bahir vidaḥ
die, o Wissender, außerhalb des Kalpa sein mögen

bhagavān veda kālasya gatiṁ bhagavato nanu | viśvaṁ vicakṣate dhīrā yoga-rāddhena cakṣuṣā

Der Erhabene allein kennt fürwahr den Gang des erhabenen Zeitgottes; die Weisen erblicken das Universum nur mit dem durch Yoga vervollkommneten Auge.

Wort für Wort
bhagavān veda kālasya gatim
der Erhabene kennt den Gang der Zeit
bhagavato nanu
des Erhabenen fürwahr
viśvaṁ vicakṣate dhīrāḥ
das Universum erblicken die Weisen
yoga-rāddhena cakṣuṣā
mit dem durch Yoga vervollkommneten Auge

kṛtaṁ tretā dvāparaṁ ca kaliś ceti catur-yugam | divyair dvādaśabhir varṣaiḥ sāvadhānaṁ nirūpitam

Kṛta, Tretā, Dvāpara und Kali - so heißen die vier Yugas; mit zwölftausend göttlichen Jahren wird ihre Gesamtdauer genau festgesetzt.

Wort für Wort
kṛtaṁ tretā dvāparaṁ ca
Kṛta, Tretā und Dvāpara
kaliś ceti catur-yugam
und Kali, so die vier Yugas
divyair dvādaśabhir varṣaiḥ
mit zwölftausend göttlichen Jahren
sāvadhānaṁ nirūpitam
wird genau festgesetzt

catvāri trīṇi dve caikaṁ kṛtādiṣu yathā-kramam | saṅkhyātāni sahasrāṇi dvi-guṇāni śatāni ca

Vier, drei, zwei und eins - der Reihe nach werden diese Zahlen in Kṛta-Yuga usw. als Vielfache von tausend gezählt, und deren Doppeltes als Hunderte.

Wort für Wort
catvāri trīṇi dve caikam
vier, drei, zwei und eins
kṛtādiṣu yathā-kramam
in Kṛta usw., der Reihe nach
saṅkhyātāni sahasrāṇi
gezählt als Tausende
dvi-guṇāni śatāni ca
und die doppelten als Hunderte

sandhyā-sandhyāṁśayor antar yaḥ kālaḥ śata-saṅkhyayoḥ | tam evāhur yugaṁ taj-jñā yatra dharmo vidhīyate

Die Zeitspanne zwischen der Dämmerung und dem Dämmerungsanteil, jeweils von hundertfacher Zählung an Jahren - eben diese nennen die Kenner ein Yuga, worin der Dharma [in entsprechendem Maße] verordnet wird.

Wort für Wort
sandhyā-sandhyāṁśayor antar
zwischen der Dämmerung und dem Dämmerungsanteil
yaḥ kālaḥ śata-saṅkhyayoḥ
jene Zeit von hundertfacher Zählung
tam evāhur yugaṁ taj-jñāḥ
eben diese nennen die Kenner ein Yuga
yatra dharmo vidhīyate
worin der Dharma verordnet wird

dharmaś catuṣ-pān manujān kṛte samanuvartate | sa evānyeṣv adharmeṇa vyeti pādena vardhatā

Der vierfüßige Dharma begleitet die Menschen im Kṛta-Yuga vollständig; eben er schwindet in den anderen Yugas um je einen Fuß, während das Unrecht wächst.

Wort für Wort
dharmaś catuṣ-pān manujān
der vierfüßige Dharma die Menschen
kṛte samanuvartate
im Kṛta-Yuga begleitet er vollständig
sa evānyeṣv adharmeṇa
eben er in den anderen durch Unrecht
vyeti pādena vardhatā
schwindet um je einen Fuß, während [jenes] wächst

tri-lokyā yuga-sāhasraṁ bahir ābrahmaṇo dinam | tāvaty eva niśā tāta yan nimīlati viśva-sṛk

Tausend Yugas der drei Welten bilden, bis hinauf zu Brahmā, einen einzigen Tag; ebenso lang ist die Nacht, o Kind, worin der Weltenschöpfer seine Augen schließt.

Wort für Wort
tri-lokyā yuga-sāhasram
der drei Welten, tausend Yugas
bahir ābrahmaṇo dinam
außerhalb, bis zu Brahmā, ein Tag
tāvaty eva niśā tāta
ebenso lang die Nacht, o Kind
yan nimīlati viśva-sṛk
worin der Weltenschöpfer [seine Augen] schließt

niśāvasāna ārabdho loka-kalpo 'nuvartate | yāvad dinaṁ bhagavato manūn bhuñjaṁś catur-daśa

Am Ende der Nacht begonnen, setzt sich die Weltentstehung fort, solange der Tag des Erhabenen währt, indem er die vierzehn Manus durchläuft.

Wort für Wort
niśāvasāna ārabdhaḥ
am Ende der Nacht begonnen
loka-kalpo 'nuvartate
setzt sich die Weltentstehung fort
yāvad dinaṁ bhagavato
solange der Tag des Erhabenen währt
manūn bhuñjaṁś catur-daśa
die vierzehn Manus durchlaufend

svaṁ svaṁ kālaṁ manur bhuṅkte sādhikāṁ hy eka-saptatim

Jeder Manu durchlebt seine eigene Zeitspanne, die etwas mehr als einundsiebzig Yugas beträgt.

Wort für Wort
svaṁ svaṁ kālaṁ manur bhuṅkte
jeder Manu durchlebt seine eigene Zeitspanne
sādhikāṁ hy eka-saptatim
die etwas mehr als einundsiebzig [Yugas beträgt]

[Anm.] Kurzer Halbvers (nur eine Zeile) im Quelltext als eigenstaendiger Vers 24 gefuehrt.

manvantareṣu manavas | tad-vaṁśyā ṛṣayaḥ surāḥ | bhavanti caiva yugapat | sureśāś cānu ye ca tān

In den Manvantaras entstehen zugleich die Manus, deren Nachkommen, die Weisen, die Götter, die Götterherrscher und diejenigen, die ihnen als Söhne folgen.

Wort für Wort
manvantareṣu manavaḥ
in den Manvantaras die Manus
tad-vaṁśyā ṛṣayaḥ surāḥ
deren Nachkommen, die Weisen, die Götter
bhavanti caiva yugapat
entstehen zugleich
sureśāś cānu ye ca tān
und die Götterherrscher und die ihnen Folgenden

eṣa dainan-dinaḥ sargo brāhmas trailokya-vartanaḥ | tiryaṅ-nṛ-pitṛ-devānāṁ sambhavo yatra karmabhiḥ

Dies ist die tägliche, zu Brahmā gehörige Schöpfung, die die drei Welten umfasst, worin die Entstehung der Tiere, Menschen, Ahnen und Götter gemäß ihren Taten erfolgt.

Wort für Wort
eṣa dainan-dinaḥ sargo
dies ist die tägliche Schöpfung
brāhmas trailokya-vartanaḥ
die zu Brahmā gehörige, die drei Welten umfassende
tiryaṅ-nṛ-pitṛ-devānām
der Tiere, Menschen, Ahnen und Götter
sambhavo yatra karmabhiḥ
deren Entstehung darin gemäß den Taten

manvantareṣu bhagavān bibhrat sattvaṁ sva-mūrtibhiḥ | manv-ādibhir idaṁ viśvam avaty udita-pauruṣaḥ

In den Manvantaras beschützt der Erhabene, das Sattva tragend, durch seine eigenen Gestalten - die Manus und andere - dieses Universum, indem er dabei seine höchste Macht offenbart.

Wort für Wort
manvantareṣu bhagavān
in den Manvantaras der Erhabene
bibhrat sattvaṁ sva-mūrtibhiḥ
das Sattva tragend durch seine eigenen Gestalten
manv-ādibhir idaṁ viśvam
durch die Manus u.a. dieses Universum
avaty udita-pauruṣaḥ
beschützt er, seine Macht offenbarend

tamo-mātrām upādāya pratisaṁruddha-vikramaḥ | kālenānugatāśeṣa āste tūṣṇīṁ dinātyaye

Das bloße Tamas annehmend, seine Macht zurückgehalten, verweilt er - gänzlich vom Verlauf der Zeit begleitet - schweigend am Ende des Tages Brahmās.

Wort für Wort
tamo-mātrām upādāya
das bloße Tamas annehmend
pratisaṁruddha-vikramaḥ
dessen Macht zurückgehalten ist
kālenānugatāśeṣaḥ
vom Zeitverlauf gänzlich begleitet
āste tūṣṇīṁ dinātyaye
verweilt er schweigend am Ende des Tages

tam evānv api dhīyante | lokā bhūr-ādayas trayaḥ | niśāyām anuvṛttāyāṁ | nirmukta-śaśi-bhāskaram

Eben ihm folgen dann auch die drei Welten - beginnend mit der Erde -, wenn die Nacht anbricht, eine Nacht, die frei von den Lichtern Mond und Sonne ist.

Wort für Wort
tam evānv api dhīyante
eben ihm folgen dann auch
lokā bhūr-ādayas trayaḥ
die drei Welten, beginnend mit der Erde
niśāyām anuvṛttāyām
wenn die Nacht anbricht
nirmukta-śaśi-bhāskaram
frei von Mond und Sonne

tri-lokyāṁ dahyamānāyāṁ | śaktyā saṅkarṣaṇāgninā | yānty ūṣmaṇā maharlokāj | janaṁ bhṛgv-ādayo 'rditāḥ

Während die drei Welten durch die Kraft des Saṅkarṣaṇa-Feuers verbrannt werden, ziehen sich, von der Hitze bedrängt, Bhṛgu und die anderen Weisen aus der Maharloka in die Janaloka zurück.

Wort für Wort
tri-lokyāṁ dahyamānāyām
während die drei Welten verbrannt werden
śaktyā saṅkarṣaṇāgninā
durch die Kraft des Saṅkarṣaṇa-Feuers
yānty ūṣmaṇā maharlokāj janam
gehen durch die Hitze aus der Maharloka zur Janaloka
bhṛgv-ādayo 'rditāḥ
Bhṛgu und andere, bedrängt

tāvat tri-bhuvanaṁ sadyaḥ kalpāntaidhita-sindhavaḥ | plāvayanty utkaṭāṭopa-caṇḍa-vāteritormayaḥ

Dann werden die drei Welten sogleich von den am Ende des Kalpa angeschwollenen Ozeanen überflutet - von gewaltigem Ungestüm, ihre durch heftige Winde aufgewühlten Wellen.

Wort für Wort
tāvat tri-bhuvanaṁ sadyaḥ
dann die drei Welten sogleich
kalpāntaidhita-sindhavaḥ
die am Ende des Kalpa angeschwollenen Ozeane
plāvayanty utkaṭāṭopa-
überfluten mit gewaltigem Ungestüm
caṇḍa-vāteritormayaḥ
durch heftige Winde aufgewühlte Wellen

antaḥ sa tasmin salila āste 'nantāsano hariḥ | yoga-nidrā-nimīlākṣaḥ stūyamāno janālayaiḥ

Darin, in jenem Wasser, verweilt Hari, dessen Sitz Ananta ist, dessen Augen im Yoga-Schlaf geschlossen sind, gepriesen von den Bewohnern der Janaloka.

Wort für Wort
antaḥ sa tasmin salila āste
darin, in jenem Wasser, verweilt er
'nantāsano hariḥ
Hari, dessen Sitz Ananta ist
yoga-nidrā-nimīlākṣaḥ
dessen Augen im Yoga-Schlaf geschlossen sind
stūyamāno janālayaiḥ
gepriesen von den Bewohnern der Janaloka

evaṁ-vidhair aho-rātraiḥ kāla-gatyopalakṣitaiḥ | apakṣitam ivāsyāpi paramāyur vayaḥ-śatam

Durch solcherart, durch den Gang der Zeit gekennzeichnete Tage und Nächte erscheint auch die höchste Lebensspanne von diesem Brahmā - hundert seiner eigenen Jahre - wie vermindert verstreichend.

Wort für Wort
evaṁ-vidhair aho-rātraiḥ
durch solcherart Tage und Nächte
kāla-gatyopalakṣitaiḥ
gekennzeichnet durch den Gang der Zeit
apakṣitam ivāsyāpi
wie vermindert erscheint auch von diesem
paramāyur vayaḥ-śatam
die höchste Lebensspanne, hundert Jahre

yad ardham āyuṣas tasya parārdham abhidhīyate | pūrvaḥ parārdho 'pakrānto hy aparo 'dya pravartate

Was die Hälfte seiner Lebensspanne ausmacht, wird als Parārdha bezeichnet; die erste Hälfte Brahmās ist bereits vergangen, die andere aber beginnt jetzt.

Wort für Wort
yad ardham āyuṣas tasya
was die Hälfte seiner Lebensspanne ist
parārdham abhidhīyate
wird als Parārdha bezeichnet
pūrvaḥ parārdho 'pakrāntaḥ
die erste Hälfte ist vergangen
hy aparo 'dya pravartate
die andere aber beginnt jetzt

pūrvasyādau parārdhasya brāhmo nāma mahān abhūt | kalpo yatrābhavad brahmā śabda-brahmeti yaṁ viduḥ

Am Anfang der ersten Hälfte entstand der so genannte, große 'Brāhma'-Kalpa, worin Brahmā entstand - jener, den man als das aus dem heiligen Wort bestehende Brahman kennt.

Wort für Wort
pūrvasyādau parārdhasya
am Anfang der ersten Hälfte
brāhmo nāma mahān abhūt
entstand der große, so genannte Brāhma[-Kalpa]
kalpo yatrābhavad brahmā
ein Kalpa, worin Brahmā entstand
śabda-brahmeti yaṁ viduḥ
den man als das Wort-Brahman kennt

tasyaiva cānte kalpo 'bhūd yaṁ pādmam abhicakṣate | yad dharer nābhi-sarasa āsīl loka-saroruham

Und an dessen Ende entstand ein Kalpa, den man als 'Pādma' bezeichnet, denn aus Haris Nabel-See entstand der Welten-Lotos.

Wort für Wort
tasyaiva cānte kalpo 'bhūt
und an dessen Ende entstand ein Kalpa
yaṁ pādmam abhicakṣate
den man als Pādma bezeichnet
yad dharer nābhi-sarasa
denn aus Haris Nabel-See
āsīl loka-saroruham
entstand der Welten-Lotos

ayaṁ tu kathitaḥ kalpo dvitīyasyāpi bhārata | vārāha iti vikhyāto yatrāsīc chūkaro hariḥ

Dieser gegenwärtige Kalpa aber wird auch als der Kalpa der zweiten Hälfte, o Bhārata, bezeichnet - als 'Vārāha' berühmt, worin Hari als Eber erschien.

Wort für Wort
ayaṁ tu kathitaḥ kalpo
dieser aber wird als Kalpa bezeichnet
dvitīyasyāpi bhārata
auch der zweiten [Hälfte], o Bhārata
vārāha iti vikhyātaḥ
als Vārāha berühmt
yatrāsīc chūkaro hariḥ
worin Hari als Eber erschien

kālo 'yaṁ dvi-parārdhākhyo nimeṣa upacaryate | avyākṛtasyānantasya hy anāder jagad-ātmanaḥ

Diese als 'die beiden Parārdhas' bezeichnete Zeit wird dennoch nur als ein Augenblick betrachtet - aus Sicht des Unveränderlichen, Unendlichen, Anfanglosen, der Weltenseele.

Wort für Wort
kālo 'yaṁ dvi-parārdhākhyaḥ
diese als die beiden Parārdhas bezeichnete Zeit
nimeṣa upacaryate
wird als ein Augenblick betrachtet
avyākṛtasyānantasya
des Unveränderlichen, Unendlichen
hy anāder jagad-ātmanaḥ
des Anfanglosen, der Weltenseele

kālo 'yaṁ paramāṇv-ādir dvi-parārdhānta īśvaraḥ | naiveśituṁ prabhur bhūmna īśvaro dhāma-māninām

Diese Zeit - der Herr, reichend vom Atom bis zu den beiden Parārdhas - vermag nicht über den unendlich Vollen, den Höchsten, zu herrschen, auch wenn sie der Herr derer ist, die ihren eigenen Körper als wahren Sitz wähnen.

Wort für Wort
kālo 'yaṁ paramāṇv-ādir
diese Zeit, vom Atom beginnend
dvi-parārdhānta īśvaraḥ
bis zu den beiden Parārdhas endend, der Herr
naiveśituṁ prabhur bhūmnaḥ
vermag nicht zu herrschen wegen [dessen] Fülle
īśvaro dhāma-māninām
der Herr derer, die [ihren Körper] als Sitz wähnen

[?] Philosophisch dichter Vers ueber die Ohnmacht der Zeit gegenueber dem Unendlichen; unabhaengig aus grammatischer Struktur erschlossen.

vikāraiḥ sahito yuktair viśeṣādibhir āvṛtaḥ | āṇḍakośo bahir ayaṁ pañcāśat-koṭi-vistṛtaḥ

Versehen mit den ihm zugehörigen Umwandlungen, umhüllt von den materiellen Besonderungen, ist diese äußere Welteihülle fünfzig Koṭi [Yojanas] ausgedehnt.

Wort für Wort
vikāraiḥ sahito yuktaiḥ
versehen mit den zugehörigen Umwandlungen
viśeṣādibhir āvṛtaḥ
umhüllt von den materiellen Besonderungen
āṇḍakośo bahir ayam
diese äußere Welteihülle
pañcāśat-koṭi-vistṛtaḥ
fünfzig Koṭi ausgedehnt

daśottarādhikair yatra praviṣṭaḥ paramāṇuvat | lakṣyate 'ntar-gatāś cānye koṭiśo hy aṇḍa-rāśayaḥ

Worin, umhüllt von je zehnfach zunehmenden Hüllenschichten, sie selbst wie ein Atom eingegangen erscheint, während andere Mengen von Welteneiern zu Millionen darin enthalten sind.

Wort für Wort
daśottarādhikair yatra
worin, mit je zehnfach zunehmenden [Hüllen]
praviṣṭaḥ paramāṇuvat lakṣyate
erscheint eingegangen wie ein Atom
'ntar-gatāś cānye
und andere, darin enthalten
koṭiśo hy aṇḍa-rāśayaḥ
zu Millionen, Mengen von Welteneiern

tad āhur akṣaraṁ brahma sarva-kāraṇa-kāraṇam | viṣṇor dhāma paraṁ sākṣāt puruṣasya mahātmanaḥ

Dies nennt man das unvergängliche Brahman, die Ursache aller Ursachen - unmittelbar der höchste Sitz Viṣṇus, des großen Puruṣa, der großen Seele.

Wort für Wort
tad āhur akṣaraṁ brahma
dies nennt man das unvergängliche Brahman
sarva-kāraṇa-kāraṇam
die Ursache aller Ursachen
viṣṇor dhāma paraṁ sākṣāt
unmittelbar der höchste Sitz Viṣṇus
puruṣasya mahātmanaḥ
des großen Puruṣa, der großen Seele

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