Kapitel 40: kāla-kalanā paramāṇu-taḥ
Berechnung der Zeit, vom Atom an
Skandha 3, Adhyāya 11. Quelle: vedabase.io. title_sa als eigene knappe IAST-Kurzbezeichnung des Inhalts gebildet, da vedabase.io keinen Sanskrit-IAST-Kapiteltitel angibt (nur Englisch 'Calculation of Time, from the Atom').
Maitreya sprach: Das Letzte der Besonderungen des Seienden, vielfach und doch stets unverbunden - dies ist als das Atom (Paramāṇu) zu erkennen, woraus für die Menschen die Täuschung der Einheit [des Stofflichen] entsteht.
Wort für Wort
maitreya uvāca
Maitreya sprach
caramaḥ sad-viśeṣāṇām
das Letzte der Besonderungen des Seienden
aneko 'saṁyutaḥ sadā
vielfach, [aber] stets unverbunden
paramāṇuḥ sa vijñeyaḥ
dies ist als das Atom zu erkennen
nṛṇām aikya-bhramo yataḥ
woraus für die Menschen die Täuschung der Einheit entsteht
sata eva padārthasya | svarūpāvasthitasya yat | kaivalyaṁ parama-mahān | aviśeṣo nirantaraḥ
Eben jenes Dinges, das aus dem Seienden besteht und in seiner eigenen Wesensform verharrt, ist die Alleinheit - die höchste, große, unbesonderte, ununterbrochene [Einheit, das Atom selbst].
Wort für Wort
sata eva padārthasya
eben jenes Dinges, das aus dem Seienden besteht
svarūpāvasthitasya yat
das in seiner eigenen Wesensform verharrt
kaivalyaṁ parama-mahān
die Alleinheit, die höchste, große
aviśeṣo nirantaraḥ
unbesondert, ununterbrochen
[?] Dicht komprimierte vaiśeṣika-philosophische Terminologie (kaivalya, aviśeṣa); unabhaengig aus der Grammatik erschlossen, ohne Kommentar-Ruecksprache.
So wird auch die Zeit erschlossen, in ihrer Feinheit wie in ihrer Grobheit, o Bester - durch das Erfahren der jeweiligen Gestalt [manifestiert sich] der Erhabene, der Mächtige, selbst unmanifest, doch das Manifeste erfahrend.
sa kālaḥ paramāṇur vai | yo bhuṅkte paramāṇutām | sato 'viśeṣa-bhug yas tu | sa kālaḥ paramo mahān
Jene Zeit, die den Zustand des Atomseins erfährt, ist wahrlich das Atom selbst; jene Zeit aber, die die ungeteilte Ganzheit des Seienden erfährt, ist die höchste, große Zeit.
Zwei Paramāṇus bilden ein Aṇu, drei solcher Aṇus werden als ein Trasareṇu überliefert - erkennbar an dem durch ein Gitterfenster fallenden Sonnenstrahl, worin es nur durch den Raum fliegend sich fortbewegt.
Wort für Wort
aṇur dvau paramāṇū syāt
zwei Paramāṇus bilden ein Aṇu
trasareṇus trayaḥ smṛtaḥ
drei [Aṇus] werden als Trasareṇu überliefert
jālārka-raśmy-avagataḥ
erkennbar am durch ein Gitterfenster fallenden Sonnenstrahl
trasareṇu-trikaṁ bhuṅkte yaḥ kālaḥ sa truṭiḥ smṛtaḥ | śata-bhāgas tu vedhaḥ syāt tais tribhis tu lavaḥ smṛtaḥ
Die Zeit, die den Weg von drei Trasareṇus durchläuft, wird als Truṭi überliefert; der hundertste Teil einer Truṭi aber sei ein Vedha, und durch drei solcher Vedhas wird ein Lava überliefert.
nimeṣas tri-lavo jñeya āmnātas te trayaḥ kṣaṇaḥ | kṣaṇān pañca viduḥ kāṣṭhāṁ laghu tā daśa pañca ca
Ein Nimeṣa ist als drei Lavas zu erkennen; drei solcher Nimeṣas werden als ein Kṣaṇa überliefert; fünf Kṣaṇas kennt man als eine Kāṣṭhā, und fünfzehn solcher Kāṣṭhās als ein Laghu.
Wort für Wort
nimeṣas tri-lavo jñeyaḥ
ein Nimeṣa ist als drei Lavas zu erkennen
āmnātas te trayaḥ kṣaṇaḥ
drei solcher [Nimeṣas] werden als ein Kṣaṇa überliefert
laghūni vai samāmnātā daśa pañca ca nāḍikā | te dve muhūrtaḥ praharaḥ ṣaḍ yāmaḥ sapta vā nṛṇām
Fünfzehn Laghus werden wahrlich als eine Nāḍikā überliefert, zwei solcher Nāḍikās als ein Muhūrta; ein Prahara [entspricht einer Wache], und sechs oder sieben Yāmas ergeben, je nach Jahreszeit, für die Menschen einen vollen Tag.
Wort für Wort
laghūni vai samāmnātā
fünfzehn Laghus werden wahrlich überliefert
daśa pañca ca nāḍikā
als eine Nāḍikā
te dve muhūrtaḥ
zwei davon [ergeben] ein Muhūrta
praharaḥ ṣaḍ yāmaḥ sapta vā nṛṇām
ein Prahara; sechs oder sieben Yāmas für die Menschen
[?] Verhaeltnis von prahara/yāma zur Tageslaenge im Quelltext knapp formuliert; unabhaengig aus grammatischer Struktur erschlossen.
Mit einem Maß von sechs Palas, mit einem durch vier vier Aṅgula lange Gold-Māṣa-Nadeln gemachten Loch - ein solches Gefäß, das sich mit einem Prastha Wasser füllt, [markiert die Zeitspanne einer Nāḍikā].
Wort für Wort
dvādaśārdha-palonmānam
mit einem Maß von sechs Palas
caturbhiś catur-aṅgulaiḥ
mit vier vier Aṅgula langen
svarṇa-māṣaiḥ kṛta-cchidram
mit Gold-Māṣas gemachtes Loch
yāvat prastha-jala-plutam
bis es mit einem Prastha Wasser sich füllt
[?] Technische Beschreibung einer antiken Wasseruhr (ghaṭī); Konstruktionsdetails unsicher übersetzt, unabhängig aus dem Sanskrit erschlossen.
tayoḥ samuccayo māsaḥ pitṝṇāṁ tad ahar-niśam | dvau tāv ṛtuḥ ṣaḍ ayanaṁ dakṣiṇaṁ cottaraṁ divi
Die Vereinigung dieser beiden Pakṣas ist ein Monat - dies ist für die Ahnen ein Tag und eine Nacht. Zwei solcher Monate bilden eine Jahreszeit, sechs Monate ein Ayana - das südliche und das nördliche am Himmel.
Und die beiden Ayanas nennt man wie Tag und Nacht der Götter; ein Jahr wird als Zeitraum von zwölf Monaten überliefert; hundert Jahre werden für die Menschen als die höchste Lebensspanne festgesetzt.
Im Rad der Planeten, Sternbilder und Sterne befindlich, durchläuft der nie blinzelnde Mächtige [die Zeit] die Welt - vom Atom angefangen bis zu ihrem Abschluss im Jahr.
Wort für Wort
graharkṣa-tārā-cakra-sthaḥ
im Rad der Planeten, Sternbilder und Sterne befindlich
Ihm, der die Schöpfungskraft vielfach entfaltend durch die eigene Kraft, zum Nutzen des Puruṣa ohne Irrtum am Himmel dahineilt - in Wesen unterteilt unter dem Namen 'Zeit', aus den Guṇas bestehend, sein Wirken durch Opfer entfaltend - bringt diesem Fünfjahreszyklus die Opfergabe dar.
Wort für Wort
yaḥ sṛjya-śaktim urudhocchvasayan sva-śaktyā
der die Schöpfungskraft vielfach entfaltend durch eigene Kraft
puṁso 'bhramāya divi dhāvati
zum Nutzen des Puruṣa ohne Irrtum am Himmel dahineilt
bhūta-bhedaḥ kālākhyayā guṇamayam
in Wesen unterteilt, unter dem Namen Zeit, aus den Guṇas bestehend
Vidura sprach: Dies wird als die höchste Lebensspanne der Ahnen, Götter und Menschen überliefert. Erkläre mir, o Wissender, den Zustand jener anderen Wesen, die außerhalb des Kalpa existieren mögen.
Die Zeitspanne zwischen der Dämmerung und dem Dämmerungsanteil, jeweils von hundertfacher Zählung an Jahren - eben diese nennen die Kenner ein Yuga, worin der Dharma [in entsprechendem Maße] verordnet wird.
Der vierfüßige Dharma begleitet die Menschen im Kṛta-Yuga vollständig; eben er schwindet in den anderen Yugas um je einen Fuß, während das Unrecht wächst.
tri-lokyā yuga-sāhasraṁ bahir ābrahmaṇo dinam | tāvaty eva niśā tāta yan nimīlati viśva-sṛk
Tausend Yugas der drei Welten bilden, bis hinauf zu Brahmā, einen einzigen Tag; ebenso lang ist die Nacht, o Kind, worin der Weltenschöpfer seine Augen schließt.
manvantareṣu manavas | tad-vaṁśyā ṛṣayaḥ surāḥ | bhavanti caiva yugapat | sureśāś cānu ye ca tān
In den Manvantaras entstehen zugleich die Manus, deren Nachkommen, die Weisen, die Götter, die Götterherrscher und diejenigen, die ihnen als Söhne folgen.
Dies ist die tägliche, zu Brahmā gehörige Schöpfung, die die drei Welten umfasst, worin die Entstehung der Tiere, Menschen, Ahnen und Götter gemäß ihren Taten erfolgt.
Wort für Wort
eṣa dainan-dinaḥ sargo
dies ist die tägliche Schöpfung
brāhmas trailokya-vartanaḥ
die zu Brahmā gehörige, die drei Welten umfassende
In den Manvantaras beschützt der Erhabene, das Sattva tragend, durch seine eigenen Gestalten - die Manus und andere - dieses Universum, indem er dabei seine höchste Macht offenbart.
tam evānv api dhīyante | lokā bhūr-ādayas trayaḥ | niśāyām anuvṛttāyāṁ | nirmukta-śaśi-bhāskaram
Eben ihm folgen dann auch die drei Welten - beginnend mit der Erde -, wenn die Nacht anbricht, eine Nacht, die frei von den Lichtern Mond und Sonne ist.
Während die drei Welten durch die Kraft des Saṅkarṣaṇa-Feuers verbrannt werden, ziehen sich, von der Hitze bedrängt, Bhṛgu und die anderen Weisen aus der Maharloka in die Janaloka zurück.
Wort für Wort
tri-lokyāṁ dahyamānāyām
während die drei Welten verbrannt werden
śaktyā saṅkarṣaṇāgninā
durch die Kraft des Saṅkarṣaṇa-Feuers
yānty ūṣmaṇā maharlokāj janam
gehen durch die Hitze aus der Maharloka zur Janaloka
Dann werden die drei Welten sogleich von den am Ende des Kalpa angeschwollenen Ozeanen überflutet - von gewaltigem Ungestüm, ihre durch heftige Winde aufgewühlten Wellen.
Durch solcherart, durch den Gang der Zeit gekennzeichnete Tage und Nächte erscheint auch die höchste Lebensspanne von diesem Brahmā - hundert seiner eigenen Jahre - wie vermindert verstreichend.
yad ardham āyuṣas tasya parārdham abhidhīyate | pūrvaḥ parārdho 'pakrānto hy aparo 'dya pravartate
Was die Hälfte seiner Lebensspanne ausmacht, wird als Parārdha bezeichnet; die erste Hälfte Brahmās ist bereits vergangen, die andere aber beginnt jetzt.
Am Anfang der ersten Hälfte entstand der so genannte, große 'Brāhma'-Kalpa, worin Brahmā entstand - jener, den man als das aus dem heiligen Wort bestehende Brahman kennt.
kālo 'yaṁ dvi-parārdhākhyo nimeṣa upacaryate | avyākṛtasyānantasya hy anāder jagad-ātmanaḥ
Diese als 'die beiden Parārdhas' bezeichnete Zeit wird dennoch nur als ein Augenblick betrachtet - aus Sicht des Unveränderlichen, Unendlichen, Anfanglosen, der Weltenseele.
Diese Zeit - der Herr, reichend vom Atom bis zu den beiden Parārdhas - vermag nicht über den unendlich Vollen, den Höchsten, zu herrschen, auch wenn sie der Herr derer ist, die ihren eigenen Körper als wahren Sitz wähnen.
Wort für Wort
kālo 'yaṁ paramāṇv-ādir
diese Zeit, vom Atom beginnend
dvi-parārdhānta īśvaraḥ
bis zu den beiden Parārdhas endend, der Herr
naiveśituṁ prabhur bhūmnaḥ
vermag nicht zu herrschen wegen [dessen] Fülle
īśvaro dhāma-māninām
der Herr derer, die [ihren Körper] als Sitz wähnen
[?] Philosophisch dichter Vers ueber die Ohnmacht der Zeit gegenueber dem Unendlichen; unabhaengig aus grammatischer Struktur erschlossen.
Versehen mit den ihm zugehörigen Umwandlungen, umhüllt von den materiellen Besonderungen, ist diese äußere Welteihülle fünfzig Koṭi [Yojanas] ausgedehnt.
Worin, umhüllt von je zehnfach zunehmenden Hüllenschichten, sie selbst wie ein Atom eingegangen erscheint, während andere Mengen von Welteneiern zu Millionen darin enthalten sind.