Śrī Nārada sprach: Manche Zweimalgeborene, o König, sind in Werkhandlungen (karma) verankert, andere in Askese; manche im Selbststudium [der Veden], andere im Lehrvortrag, und manche in Wissen und dessen [Yoga-]Praxis.
Die den Ahnen dargebrachten Opfergaben (kavya) sollen dem gegeben werden, der im Wissen verankert ist und Unendlichkeit [Befreiung] begehrt; ebenso bei der Götteropfergabe. In dessen Abwesenheit sollen sie den anderen gegeben werden, entsprechend ihrer Würdigkeit.
Beim Götteropfer soll er zwei [Brahmanen], beim Ahnenwerk drei speisen, oder bei beiden Anlässen je einen. Selbst wenn er sehr wohlhabend ist, soll er beim Śrāddha keine aufwendige [Feier] veranstalten.
deśa-kālocita-śraddhā-
dravya-pātrārhaṇāni ca
samyag bhavanti naitāni
vistarāt sva-janārpaṇāt
[Die Sorgfalt bezüglich] Ort, Zeit, angemessenem Vertrauen, Opfermaterial, geeignetem Empfänger und Verehrungsgegenständen - diese werden nicht richtig [ausgeführt], wenn man die Feier durch aufwendiges Vorgehen und Einladen der eigenen Verwandtschaft in die Länge zieht.
Wort für Wort
deśa
Ort
kāla
Zeit
ucita
angemessen
śraddhā
Vertrauen/Hingabe
dravya
Opfermaterial
pātra
geeigneter Empfänger
arhaṇāni
Verehrungsgegenstände (Nom.Pl.n)
ca
und
samyak
richtig/vollständig (Adv.)
bhavanti
sie werden/sind (3.Pl.)
na etāni
diese nicht (Nom.Pl.n)
vistarāt
durch aufwendiges Vorgehen (Abl.Sg.m)
sva-jana-arpaṇāt
durch Einladen der eigenen Verwandtschaft (Abl.Sg.n)
Wenn Ort und Zeit [dafür geeignet] vorhanden sind, wird die den Weisen [zukommende], Hari geweihte Speise, mit Hingabe und vorschriftsgemäß dem würdigen Empfänger dargebracht, zu etwas Wunscherfüllendem und Unerschöpflichem.
devarṣi-pitṛ-bhūtebhya
ātmane sva-janāya ca
annaṁ saṁvibhajan paśyet
sarvaṁ tat puruṣātmakam
Indem er die Speise unter den Göttern, Weisen, Ahnen, [anderen] Lebewesen, sich selbst und den eigenen Angehörigen verteilt, soll er dies alles als vom Höchsten Puruṣa durchdrungen betrachten.
na dadyād āmiṣaṁ śrāddhe
na cādyād dharma-tattvavit
muny-annaiḥ syāt parā prītir
yathā na paśu-hiṁsayā
Wer die Wahrheit der Religion kennt, soll beim Śrāddha kein Fleisch geben, noch es selbst essen. Höchste Zufriedenheit [der Ahnen] entsteht durch die Speise der Weisen, nicht durch Verletzung von Tieren.
Für Menschen, die die wahre Religion begehren, gibt es keine höhere Religion als diese: das Aufgeben von Gewalt gegenüber [allen] Wesen - Gewalt, die aus Geist, Wort und Körper entsteht.
Wort für Wort
na
nicht
etādṛśaḥ
ein solcher (Nom.Sg.m)
paraḥ
höhere (Nom.Sg.m)
dharmaḥ
Religion (Nom.Sg.m)
nṛṇām
für die Menschen (Gen.Pl.)
sat-dharmam
die wahre Religion (Akk.Sg.m)
icchatām
die begehren (Gen.Pl., Ptz.)
nyāsaḥ
das Aufgeben (Nom.Sg.m)
daṇḍasya
der Gewaltanwendung (Gen.Sg.m)
bhūteṣu
gegenüber [allen] Wesen (Lok.Pl.)
manaḥ-vāk-kāya-jasya
der aus Geist, Wort und Körper entsteht (Gen.Sg.m)
Manche Wissende, die den [wahren] Zweck des Opfers am besten kennen, wunschlos, opfern die aus [rituellen] Handlungen bestehenden Opfer in das vom Wissen erleuchtete [Feuer] der Selbstbeherrschung.
Wort für Wort
eke
manche (Nom.Pl.m)
karma-mayān
aus [rituellen] Handlungen bestehende (Akk.Pl.m)
yajñān
Opfer (Akk.Pl.m)
jñāninaḥ
die Wissenden (Nom.Pl.m)
yajña-vit-tamāḥ
die den Zweck des Opfers am besten kennen (Nom.Pl.m, Superl.)
Wenn die Lebewesen einen sehen, der im Begriff ist, mit materiellen [Tier-]Opfern zu opfern, fürchten sie sich: 'Dieser Mitleidlose wird uns gewiss töten - er, der unwissend ist und sich am Leben anderer labt.'
Wort für Wort
dravya-yajñaiḥ
durch [Tier-]Opfer mit [materiellen] Substanzen (Instr.Pl.)
yakṣyamāṇam
den, der zu opfern im Begriff ist (Akk.Sg.m, Fut.Ptz.)
Deshalb soll, wer die Religion kennt, zufrieden mit der von selbst erlangten Speise der Weisen, Tag für Tag die regelmäßigen und gelegentlichen Pflichthandlungen verrichten.
Wort für Wort
tasmāt
deshalb
daiva-upapannena
durch das, was von selbst/durch Vorsehung erlangt wird (Instr.)
Vidharma, Paradharma, Ābhāsa, Upamā und Chala - diese fünf sind Zweige der Unreligion. Wer die [wahre] Religion kennt, soll sie als Unreligion aufgeben.
Vidharma ist, was die [eigene] Religion behindert. Paradharma ist die einem anderen [Stand] vorgeschriebene, fremde Religion. Upadharma aber ist Häresie oder Heuchelei; und Chala ist Wortverdrehung.
Wort für Wort
dharma-bādhaḥ
was die [eigene] Religion behindert (Nom.Sg.m)
vidharmaḥ
Vidharma (Nom.Sg.m)
syāt
sei (Opt.3.Sg.)
para-dharmaḥ
Paradharma (Nom.Sg.m)
anya-coditaḥ
von/für einen anderen [Stand] vorgeschrieben (Nom.Sg.m)
yas tv icchayā kṛtaḥ pumbhir
ābhāso hy āśramāt pṛthak
sva-bhāva-vihito dharmaḥ
kasya neṣṭaḥ praśāntaye
Ābhāsa aber ist das, was von Menschen nach eigenem Belieben gemacht wird, abweichend von [den Pflichten] des eigenen Lebensstands. Doch die durch die eigene Wesensart vorgeschriebene Religion - für wen wäre sie nicht geeignet, [vollständigen] Frieden zu erlangen?
Wort für Wort
yaḥ
welcher (Nom.Sg.m)
tu
aber
icchayā
aus [eigenem] Belieben (Instr.)
kṛtaḥ
gemacht (Nom.Sg.m, PPP)
pumbhiḥ
von Menschen (Instr.Pl.)
ābhāsaḥ
Ābhāsa (Nom.Sg.m)
hi
fürwahr
āśramāt
vom [eigenen] Lebensstand (Abl.Sg.m)
pṛthak
abweichend (Adv.)
sva-bhāva-vihitaḥ
durch die eigene Wesensart vorgeschrieben (Nom.Sg.m)
dharmārtham api neheta
yātrārthaṁ vādhano dhanam
anīhānīhamānasya
mahāher iva vṛttidā
Selbst um der Religion willen soll der Besitzlose nicht nach Reichtum streben, auch nicht bloß zum Zweck des Lebensunterhalts. Wunschlosigkeit gewährt dem, der nicht [danach] strebt, den Lebensunterhalt - wie bei der großen Schlange (Python).
Wort für Wort
dharma-artham
um der Religion willen (Akk.Sg., adv.)
api
selbst
na īheta
er soll nicht streben (Opt.3.Sg.)
yātrā-artham
zum Zweck des [bloßen] Lebensunterhalts (Akk.Sg., adv.)
Das Glück des Zufriedenen, Nicht-Strebenden, der sich am eigenen Selbst erfreut - woher käme dieses Glück für den, der, von Begierde und Gier getrieben, durch das Streben nach Reichtum in alle Richtungen umherläuft?
Wort für Wort
santuṣṭasya
des Zufriedenen (Gen.Sg.m)
nirīhasya
des Nicht-Strebenden (Gen.Sg.m)
sva-ātma-ārāmasya
dessen, der sich am eigenen Selbst erfreut (Gen.Sg.m)
Für den, dessen Geist immer zufrieden ist, sind alle Richtungen voller Segen - so wie [der Weg] für den, dessen Füße mit Schuhen [geschützt sind], sicher ist vor Kieselsteinen, Dornen und dergleichen.
santuṣṭaḥ kena vā rājan
na vartetāpi vāriṇā
aupasthya-jaihvya-kārpaṇyād
gṛha-pālāyate janaḥ
Womit, o König, könnte der Zufriedene nicht [zufrieden] leben - lebte er nicht sogar mit bloßem Wasser aus? Nur wegen der Erbärmlichkeit von Genital und Zunge verhält sich der Mensch wie ein Haushund.
kāmasyāntaṁ hi kṣut-tṛḍbhyāṁ
krodhasyaitat phalodayāt
jano yāti na lobhasya
jitvā bhuktvā diśo bhuvaḥ
Zum Ende des [körperbedingten] Verlangens gelangt der Mensch fürwahr durch Hunger und Durst, zum Ende des Zorns durch das Erleben von dessen [schlechter] Frucht - nicht aber zum Ende der Gier, selbst wenn er, sie besiegend, alle Richtungen der Erde genießt.
Wort für Wort
kāmasya
der Begierde (Gen.Sg.m)
antam
Ende (Akk.Sg.m)
hi
fürwahr
kṣut-tṛḍbhyām
durch Hunger und Durst (Instr.Dual)
krodhasya
des Zorns (Gen.Sg.m)
etat
dies (Akk.Sg.n)
phala-udayāt
durch das Erleben der [entsprechenden] Frucht (Abl.)
Begierde soll er durch Verzicht auf [begehrliches] Entschließen besiegen, Zorn durch Aufgabe der Begierde, Gier durch die Betrachtung [des Besitzes] als Unheil, Furcht durch das [reflektierende] Erwägen der wahren Wirklichkeit.
Wort für Wort
asaṅkalpāt
durch Verzicht auf [begehrliches] Entschließen (Abl.)
jayet
er soll besiegen (Opt.3.Sg.)
kāmam
Begierde (Akk.Sg.m)
krodham
Zorn (Akk.Sg.m)
kāma-vivarjanāt
durch Aufgabe der Begierde (Abl.)
artha-anartha-īkṣayā
durch die Betrachtung [des Besitzes] als Unheil (Instr.)
Kummer und Verblendung [besiegt er] durch philosophische Untersuchung, Falschheit durch Dienst an den Großen, die Hindernisse des Yoga durch Schweigen, Gewalt durch Nicht-Streben nach Begierde und dergleichen.
Von [anderen] Lebewesen verursachtes Leid soll er durch Mitgefühl überwinden, von der Vorsehung verursachtes durch Versenkung, vom eigenen [Körper/Geist] verursachtes durch die Kraft des Yoga, und Schlaf durch die Pflege der Reinheitsgüte.
Wort für Wort
kṛpayā
durch Mitgefühl (Instr.)
bhūta-jam
von [anderen] Lebewesen verursachtes (Akk.Sg.n)
duḥkham
Leid (Akk.Sg.n)
daivam
von der Vorsehung [verursachtes] (Akk.Sg.n)
jahyāt
er soll überwinden (Opt.3.Sg.)
samādhinā
durch Versenkung (Instr.)
ātma-jam
vom eigenen [Selbst/Körper verursachtes] (Akk.Sg.n)
rajas tamaś ca sattvena
sattvaṁ copaśamena ca
etat sarvaṁ gurau bhaktyā
puruṣo hy añjasā jayet
Leidenschaft und Trägheit [besiegt er] durch Reinheitsgüte, Reinheitsgüte wiederum durch [völlige] Beruhigung. All dies aber kann der Mensch durch Hingabe zum Guru fürwahr mühelos besiegen.
Wer im Guru, der unmittelbar der Herr selbst ist und die Leuchte des Wissens spendet, [nur] einen sterblichen, unwirklichen [Menschen] sieht - für ihn wird alles gehörte [Vedenwissen] wie das nutzlose Bad eines Elefanten [im Staub].
Wort für Wort
yasya
dessen (Gen.Sg.m)
sākṣāt
unmittelbar (Adv.)
bhagavati
im Herrn (Lok.)
jñāna-dīpa-prade
der die Leuchte des Wissens spendet (Lok.Sg.m)
gurau
im Guru (Lok.)
martya-asat-dhīḥ
der [ihn] als sterblich und unwirklich betrachtet (Nom.Sg.m)
eṣa vai bhagavān sākṣāt
pradhāna-puruṣeśvaraḥ
yogeśvarair vimṛgyāṅghrir
loko yaṁ manyate naram
Dieser [Guru] ist fürwahr der Herr selbst, unmittelbar der Gebieter über die Urmaterie und die [individuellen] Seelen, dessen Füße von den Meistern des Yoga gesucht werden - und doch halten ihn die gewöhnlichen Leute für einen bloßen Menschen.
Wort für Wort
eṣaḥ
dieser (Nom.Sg.m)
vai
fürwahr
bhagavān
der Herr (Nom.Sg.m)
sākṣāt
unmittelbar (Adv.)
pradhāna-puruṣa-īśvaraḥ
der Gebieter über Urmaterie und [individuelle] Seelen (Nom.Sg.m)
ṣaḍ-varga-saṁyamaikāntāḥ
sarvā niyama-codanāḥ
tad-antā yadi no yogān
āvaheyuḥ śramāvahāḥ
Alle Anweisungen der [religiösen] Regeln haben als einziges Ziel die Bezähmung der sechs [Sinne samt Geist]. Wenn diese, [nur] darin endend, nicht zur Verbindung [mit dem Höchsten] führen, dann bringen sie nur Mühe.
Wort für Wort
ṣaṭ-varga-saṁyama-ekāntāḥ
deren einziges Ziel die Bezähmung der sechs [Sinne/Geist] ist (Nom.Pl.f)
yathā vārtādayo hy arthā
yogasyārthaṁ na bibhrati
anarthāya bhaveyuḥ sma
pūrtam iṣṭaṁ tathāsataḥ
So wie Erwerbstätigkeit und dergleichen dem Yoga keinen Nutzen bringen, sondern zum Unheil würden [bei Bindung daran], ebenso werden Iṣṭa-Opfer und Pūrta-Wohltätigkeit für den, der [im Wesen] nicht [gefestigt] ist, [zum Unheil].
Wort für Wort
yathā
so wie
vārtā-ādayaḥ
Erwerbstätigkeit und dergleichen (Nom.Pl.m)
hi
fürwahr
arthāḥ
Gewinne (Nom.Pl.m)
yogasya
des Yoga (Gen.Sg.m)
artham
Nutzen (Akk.Sg.m)
na bibhrati
sie bringen nicht (3.Pl.)
anarthāya
zum Unheil (Dat.Sg.m)
bhaveyuḥ sma
sie würden werden (Opt.3.Pl.)
pūrtam
[wohltätige] öffentliche Werke (Nom.Sg.n)
iṣṭam
[vorgeschriebene] Opferriten (Nom.Sg.n)
tathā
ebenso
asataḥ
für den, der [im Wesen] nicht [gefestigt] ist (Gen.Sg.m)
Wer sich um die Bezwingung des Geistes bemüht, soll dazu ohne [weltliche] Bindung, besitzlos, allein, in einem abgeschiedenen Ort Zuflucht suchend, als Bettelmönch, sich mäßig von Bettelspeise ernährend, [leben].
Wort für Wort
yaḥ
wer (Nom.Sg.m)
citta-vijaye
für die Bezwingung des Geistes (Lok.Sg.m)
yattaḥ
bemüht (Nom.Sg.m)
syāt
er soll sein (Opt.3.Sg.)
niḥsaṅgaḥ
ohne [weltliche] Bindung (Nom.Sg.m)
aparigrahaḥ
besitzlos (Nom.Sg.m)
ekaḥ
allein (Nom.Sg.m)
vivikta-śaraṇaḥ
in einem abgeschiedenen Ort Zuflucht suchend (Nom.Sg.m)
deśe śucau same rājan
saṁsthāpyāsanam ātmanaḥ
sthiraṁ sukhaṁ samaṁ tasminn
āsītarjv-aṅga om iti
An einem reinen, ebenen Ort, o König, soll er sich einen festen, bequemen, ebenen Sitz herrichten und sich darauf, mit aufrechtem Körper, [die Silbe] Om [rezitierend], niedersetzen.
Durch Einatmen, Anhalten und Ausatmen soll er den Ein- und Ausatem beherrschen, bis der Geist, auf die eigene Nasenspitze blickend, die Begierden aufgibt. Von wo auch immer der von Begierde getriebene, umherirrende Geist abschweift, von dort soll ihn der Weise immer wieder zurückholen und ihn allmählich im Herzen festhalten.
Der Geist, der von Begierde und dergleichen unberührt ist, dessen sämtliche Tätigkeiten [völlig] beruhigt sind, und der vom Glück des Brahman berührt ist - ein solcher [Geist] würde gewiss niemals [wieder aus diesem Zustand] hervortreten.
Wort für Wort
kāma-ādibhiḥ
von Begierde und dergleichen (Instr.Pl.)
anāviddham
unberührt (Nom.Sg.n)
praśānta-akhila-vṛtti
dessen sämtliche Tätigkeiten beruhigt sind (Nom.Sg.n)
yaḥ pravrajya gṛhāt pūrvam
tri-vargāvapanāt punaḥ
yadi seveta tān bhikṣuḥ
sa vai vāntāśy apatrapaḥ
Wer, nachdem er zuvor vom Haus, dem Saatgrund der drei Lebensziele, fortgezogen ist, als Bettelmönch sich diesen [drei Zielen] wieder zuwendet - der ist fürwahr [wie einer, der] sein Erbrochenes [wieder] isst, und schamlos.
yaiḥ sva-dehaḥ smṛto 'nātmā
martyo viṭ-kṛmi-bhasmavat
ta enam ātmasāt kṛtvā
ślāghayanti hy asattamāḥ
Diejenigen, von denen der eigene Körper als nicht das wahre Selbst erklärt wurde, sterblich, wie Kot, [Futter für] Würmer oder Asche - wenn sie diesen [Körper wieder] mit dem Selbst gleichsetzen und rühmen, dann sind sie fürwahr die Nichtswürdigsten.
gṛhasthasya kriyā-tyāgo vrata-tyāgo vaṭor api
tapasvino grāma-sevā bhikṣor indriya-lolatā
āśramāpasadā hy ete khalv āśrama-viḍambanāḥ
deva-māyā-vimūḍhāṁs tān upekṣetānukampayā
Das Aufgeben der vorgeschriebenen Handlungen beim Haushälter, das Aufgeben der Gelübde beim Schüler, [bloßer] Dienst am Dorf beim Asketen, und Sinnessüchtigkeit beim Bettelmönch - diese sind fürwahr die Niedrigsten der [jeweiligen] Lebensstände, wahrhaft Karikaturen des Lebensstandes. Diese, die von der Māyā [des Herrn] verwirrt sind, soll man mit Mitgefühl [betrachten, doch ihr Verhalten] nicht [nachahmen].
Wort für Wort
gṛhasthasya
des Haushälters (Gen.Sg.m)
kriyā-tyāgaḥ
das Aufgeben der [vorgeschriebenen] Handlungen (Nom.Sg.m)
vrata-tyāgaḥ
das Aufgeben der Gelübde (Nom.Sg.m)
vaṭoḥ
des Schülers (Gen.Sg.m)
api
auch
tapasvinaḥ
des Asketen (Gen.Sg.m)
grāma-sevā
der Dienst am Dorf (Nom.Sg.f)
bhikṣoḥ
des Bettelmönchs (Gen.Sg.m)
indriya-lolatā
die Sinnessüchtigkeit (Nom.Sg.f)
āśrama-apasadāḥ
die Niedrigsten der Lebensstände (Nom.Pl.m)
hi
fürwahr
ete
diese (Nom.Pl.m)
khalu
gewiss
āśrama-viḍambanāḥ
Karikaturen des Lebensstandes (Nom.Pl.m)
deva-māyā-vimūḍhān
die von der Māyā [des Herrn] verwirrt sind (Akk.Pl.m)
tān
diese (Akk.Pl.m)
upekṣeta
man soll [ihr Tun] übersehen/nicht nachahmen (Opt.3.Sg.)
Wenn einer, dessen Bewusstsein durch Wissen gereinigt ist, das höchste Selbst erkennt - was noch begehrend oder aus welchem Grund pflegt er dann, [sinnlich] süchtig, weiterhin den Körper?
Wort für Wort
ātmānam
das Selbst (Akk.Sg.m)
cet
wenn
vijānīyāt
er erkennt (Opt.3.Sg.)
param
das Höchste (Akk.Sg.m)
jñāna-dhuta-āśayaḥ
dessen Bewusstsein durch Wissen gereinigt ist (Nom.Sg.m)
āhuḥ śarīraṁ ratham indriyāṇi
hayān abhīṣūn mana indriyeśam
vartmāni mātrā dhiṣaṇāṁ ca sūtaṁ
sattvaṁ bṛhad bandhuram īśa-sṛṣṭam
Man nennt den Körper den Wagen, die Sinne die Pferde, den Geist - den Lenker der Sinne - die Zügel, die Sinnesobjekte die Fahrbahnen, den Verstand den Wagenlenker, und das große, vom Herrn erschaffene [reine] Bewusstsein die Fessel [des Ganzen].
akṣaṁ daśa-prāṇam adharma-dharmau
cakre 'bhimānaṁ rathinaṁ ca jīvam
dhanur hi tasya praṇavaṁ paṭhanti
śaraṁ tu jīvaṁ param eva lakṣyam
Die zehn Lebensatemarten [sind] die Achse, Unrecht und Recht [sind] im Rad die falsche Ich-Identifikation, und die individuelle Seele [ist] der Wagenlenker. Dessen Bogen, so sagt man, ist die [heilige] Silbe Om, der Pfeil aber die individuelle Seele selbst, und das Höchste eben das Ziel.
rāgo dveṣaś ca lobhaś ca
śoka-mohau bhayaṁ madaḥ
māno 'vamāno 'sūyā ca
māyā hiṁsā ca matsaraḥ
rajaḥ pramādaḥ kṣun-nidrā
śatravas tv evam ādayaḥ
rajas-tamaḥ-prakṛtayaḥ
sattva-prakṛtayaḥ kvacit
Leidenschaft (Anhaftung), Hass, Gier, Kummer und Verblendung, Furcht, Rausch, Ehrsucht, Kränkung, Missgunst, Täuschung, Gewalt und Neid, ferner Leidenschaftlichkeit, Unachtsamkeit, Hunger und Schlaf - diese und dergleichen mehr sind die Feinde, deren Natur meist aus Leidenschaft und Trägheit besteht, manchmal auch aus Reinheitsgüte.
Wort für Wort
rāgaḥ
Leidenschaft/Anhaftung (Nom.Sg.m)
dveṣaḥ
Hass (Nom.Sg.m)
ca
und
lobhaḥ
Gier (Nom.Sg.m)
ca
und
śoka-mohau
Kummer und Verblendung (Nom.Dual)
bhayam
Furcht (Nom.Sg.n)
madaḥ
Rausch (Nom.Sg.m)
mānaḥ
Ehrsucht/Hochmut (Nom.Sg.m)
avamānaḥ
Kränkung (Nom.Sg.m)
asūyā
Missgunst (Nom.Sg.f)
ca
und
māyā
Täuschung (Nom.Sg.f)
hiṁsā
Gewalt (Nom.Sg.f)
ca
und
matsaraḥ
Neid (Nom.Sg.m)
rajaḥ
Leidenschaftlichkeit (Nom.Sg.n)
pramādaḥ
Unachtsamkeit (Nom.Sg.m)
kṣut-nidrā
Hunger und Schlaf (Nom.Dual)
śatravaḥ
Feinde (Nom.Pl.m)
tu
aber
evam ādayaḥ
diese und dergleichen (Nom.Pl.m)
rajaḥ-tamaḥ-prakṛtayaḥ
deren Natur aus Leidenschaft und Trägheit besteht (Nom.Pl.m)
Solange er den Wagen [namens] menschlicher Körper besitzt, der noch der eigenen Kontrolle dient, soll er, durch Kraft von Acyuta gestärkt, das durch Verehrung der Füße des Erhabensten geschärfte Schwert des Wissens führend, die Feinde vernichten; dann, in der eigenen [Seelen-]Wonne zufrieden und völlig befriedet, soll er diesen [Körper] aufgeben.
nocet pramattam asad-indriya-vāji-sūtā
nītvotpathaṁ viṣaya-dasyuṣu nikṣipanti
te dasyavaḥ sahaya-sūtam amuṁ tamo 'ndhe
saṁsāra-kūpa uru-mṛtyu-bhaye kṣipanti
Andernfalls führen die üblen Sinnespferde samt ihrem Lenker den Unachtsamen auf den Abweg und liefern ihn den Räubern [namens] Sinnesobjekten aus. Diese Räuber stürzen ihn, samt Pferden und Lenker, in das blinde Dunkel, in den Brunnen des [weltlichen] Daseinskreislaufs, wo große Todesfurcht herrscht.
Wort für Wort
na ucet
wenn nicht/andernfalls
pramattam
den Unachtsamen (Akk.Sg.m)
asat-indriya-vāji-sūtāḥ
die üblen Sinnespferde und ihr Lenker (Nom.Pl.m)
nītvā
geführt habend (Absolutiv)
utpatham
auf den Abweg (Akk.Sg.m)
viṣaya-dasyuṣu
unter die Räuber [namens] Sinnesobjekte (Lok.Pl.m)
pravṛttaṁ ca nivṛttaṁ ca
dvi-vidhaṁ karma vaidikam
āvartate pravṛttena
nivṛttenāśnute 'mṛtam
Zweifach ist das vedische Handeln: das [weltzugewandt] Hinstrebende und das [von der Welt] Abgewandte. Durch das Hinstrebende kehrt man [in den Daseinskreislauf] zurück, durch das Abgewandte erlangt man das Unsterbliche.
hiṁsraṁ dravyamayaṁ kāmyam agni-hotrādy-aśāntidam
darśaś ca pūrṇamāsaś ca cāturmāsyaṁ paśuḥ sutaḥ
etad iṣṭaṁ pravṛttākhyaṁ hutaṁ prahutam eva ca
pūrtaṁ surālayārāma-kūpājīvyādi-lakṣaṇam
Gewaltbehaftet, aus [materiellen] Substanzen bestehend, [nur] wunscherfüllend motiviert und Unruhe verursachend sind: Agnihotra und dergleichen, das Darśa- und Pūrṇamāsa-Opfer, das Cāturmāsya-Opfer, das Tieropfer und das Soma-Opfer - dies ist die Gruppe 'Iṣṭa', genannt 'das Hinstrebende', sowie das Huta- und das Prahuta-Opfer. Und ebenso gehört dazu die Gruppe 'Pūrta', gekennzeichnet durch den Bau von Tempeln, Gärten, Brunnen, Einrichtungen für den Lebensunterhalt und dergleichen.
Wort für Wort
hiṁsram
gewaltbehaftet (Nom.Sg.n)
dravya-mayam
aus [materiellen] Substanzen bestehend (Nom.Sg.n)
kāmyam
wunscherfüllend [motiviert] (Nom.Sg.n)
agni-hotra-ādi
Agnihotra und dergleichen (Nom.Sg.n)
aśānti-dam
Unruhe verursachend (Nom.Sg.n)
darśaḥ
das Darśa-Opfer (Nom.Sg.m)
ca
und
pūrṇamāsaḥ
das Pūrṇamāsa-Opfer (Nom.Sg.m)
ca
und
cāturmāsyam
das Cāturmāsya-Opfer (Nom.Sg.n)
paśuḥ
das Tieropfer (Nom.Sg.m)
sutaḥ
das Soma-Opfer (Nom.Sg.m)
etat
dies (Nom.Sg.n)
iṣṭam
[die Gruppe] Iṣṭa (Nom.Sg.n)
pravṛtta-ākhyam
genannt 'das Hinstrebende' (Nom.Sg.n)
hutam
das Huta-Opfer (Nom.Sg.n)
prahutam
das Prahuta-Opfer (Nom.Sg.n)
eva ca
und gewiss
pūrtam
[die Gruppe] Pūrta (Nom.Sg.n)
sura-ālaya-ārāma-kūpa-ājīvya-ādi-lakṣaṇam
gekennzeichnet durch Tempel, Gärten, Brunnen, Lebensunterhalts-Einrichtungen usw. (Nom.Sg.n)
Die feinstoffliche Umwandlung des [Opfer-]Stoffes [wird zu] Rauch, [dann zu] Nacht, [zur] abnehmenden Mondhälfte, zum südlichen Halbjahr, zum Mond, zum Neumond, zu Kräutern und Pflanzen, zu Speise und schließlich zu Samen - so, o Herrscher der Erde, verläuft der Pfad der Ahnen, die Wiedergeburt. Der Reihe nach, Stufe um Stufe entstehend, wird er hier [auf Erden immer wieder] geboren.
Wort für Wort
dravya-sūkṣma-vipākaḥ
die feinstoffliche Umwandlung des Opferstoffes (Nom.Sg.m)
Der durch die [Reinigungs-]Riten, die von der [Samen-]Empfängnis bis zur Verbrennungsstätte reichen, geweihte Zweimalgeborene - [manche von ihnen] opfern die in den Sinnen [vollzogenen rituellen] Handlungsopfer in die vom Wissen erleuchteten [Feuer].
Wort für Wort
niṣeka-ādi
beginnend mit der Empfängnis
śmaśāna-antaiḥ
bis zur Verbrennungsstätte reichend (Instr.Pl.m)
saṁskāraiḥ
durch die [Reinigungs-]Riten (Instr.Pl.m)
saṁskṛtaḥ
geweiht (Nom.Sg.m)
dvijaḥ
der Zweimalgeborene (Nom.Sg.m)
indriyeṣu
in den Sinnen (Lok.Pl.n)
kriyā-yajñān
die [rituellen] Handlungsopfer (Akk.Pl.m)
jñāna-dīpeṣu
in den vom Wissen erleuchteten [Feuern] (Lok.Pl.m)
Die Sinne löse er auf in den Geist, dessen eigentümliche Welle sie sind; den aus [den Guṇas] gewandelten Geist in die Sprache; die Sprache lege er in die Gesamtheit der [Alphabet-]Laute; diese in die Silbe Om, das heißt in den Grundklang; die Silbe Om in den [Nasal-]Punkt, das heißt in den reinen Ton; diesen aber in den Lebensatem, und jenen ins Höchste.
Feuer, Sonne, Tag, Vormittag, die helle Mondhälfte, Vollmond, das nördliche Halbjahr - [dies ist der Weg zum] Selbstherrscher. Ebenso entsprechen sich Viśva, sodann Taijasa und Prājña [mit den vorgenannten Stufen], und das Selbst ist der Vierte (Turya), aufgrund seines durchgängigen Zusammenhangs [mit allem].
Wort für Wort
agniḥ
Feuer (Nom.Sg.m)
sūryaḥ
Sonne (Nom.Sg.m)
divā
Tag (Adv.)
prāhṇaḥ
Vormittag (Nom.Sg.m)
śuklaḥ
die helle [Mondhälfte] (Nom.Sg.m)
rākā
Vollmond(-nacht) (Nom.Sg.f)
uttaram
das nördliche [Halbjahr] (Nom.Sg.n)
sva-rāṭ
der Selbstherrscher (Nom.Sg.m)
viśvaḥ
Viśva [wacher Bewusstseinszustand] (Nom.Sg.m)
atha
sodann
taijasaḥ
Taijasa [Traumzustand] (Nom.Sg.m)
prājñaḥ
Prājña [Tiefschlaf] (Nom.Sg.m)
turyaḥ
der Vierte (Nom.Sg.m)
ātmā
das Selbst (Nom.Sg.m)
samanvayāt
aufgrund [seines durchgängigen] Zusammenhangs (Abl.)
deva-yānam idaṁ prāhur
bhūtvā bhūtvānupūrvaśaḥ
ātma-yājy upaśāntātmā
hy ātma-stho na nivartate
Dies nennt man den 'Pfad der Götter' (Deva-yāna): der Reihe nach die [genannten] Stufen durchlaufend. Wer dem [eigenen wahren] Selbst opfert, dessen Geist völlig befriedet ist, und der im wahren Selbst verweilt, kehrt fürwahr [in den Daseinskreislauf] nicht zurück.
ya ete pitṛ-devānām
ayane veda-nirmite
śāstreṇa cakṣuṣā veda
jana-stho 'pi na muhyati
Wer diese beiden, von den Veden festgelegten Pfade der Ahnen und der Götter mit dem Auge der [heiligen] Schrift kennt, der wird, selbst inmitten des [gewöhnlichen] Menschenlebens, nicht verwirrt.
ādāv ante janānāṁ sad
bahir antaḥ parāvaram
jñānaṁ jñeyaṁ vaco vācyaṁ
tamo jyotis tv ayaṁ svayam
Am Anfang und am Ende der Lebewesen steht das wahre Seiende; außen wie innen ist es, das Höhere wie das Niedere; Wissen und das Wissenswerte, Wort und das durch Wort Ausdrückbare, Dunkelheit und Licht - er selbst ist all dies.
So wie der bloße Schein, obgleich [durch Erkenntnis] widerlegt, fürwahr [zunächst] als wirkliche Substanz aufgefasst wird, ebenso ist das auf den Sinnen Beruhende - wegen seiner [letztlich] fehlenden Nachweisbarkeit - nur eine gedanklich konstruierte Vorstellung von Wirklichkeit.
Wort für Wort
ābādhitaḥ
widerlegt (Nom.Sg.m)
api
obgleich
hi
fürwahr
ābhāsaḥ
der [bloße] Schein (Nom.Sg.m)
yathā
so wie
vastutayā
als [wirkliche] Substanz (Instr./Adv.)
smṛtaḥ
aufgefasst (Nom.Sg.m)
durghaṭatvāt
wegen [fehlender] Nachweisbarkeit (Abl.)
aindriyakam
das auf den Sinnen Beruhende (Nom.Sg.n)
tadvat
ebenso (Adv.)
artha-vikalpitam
gedanklich konstruierte Vorstellung von Wirklichkeit (Nom.Sg.n)
kṣity-ādīnām ihārthānāṁ
chāyā na katamāpi hi
na saṅghāto vikāro 'pi
na pṛthaṅ nānvito mṛṣā
Von den Elementen, angefangen mit der Erde, und den [aus ihnen bestehenden] Objekten hier [in dieser Welt] ist fürwahr keinerlei wirkliches Abbild [im Selbst vorhanden]; es gibt weder wirkliche Verbindung noch Umwandlung, weder Getrenntheit noch Innewohnung - all das ist trügerisch.
dhātavo 'vayavitvāc ca
tan-mātrāvayavair vinā
na syur hy asaty avayaviny
asann avayavo 'ntataḥ
Die [materiellen] Grundelemente können, da sie nur als Zusammengesetztes existieren, nicht ohne ihre feinstofflichen Bestandteile (Tanmātras) existieren; denn wenn das Ganze selbst nicht existiert, ist auch der Teil letztlich nicht-existent.
Wort für Wort
dhātavaḥ
die Grundelemente (Nom.Pl.m)
avayavitvāt
weil [nur als] Zusammengesetztes [existierend] (Abl.)
ca
und
tat-mātra-avayavaiḥ
ohne die feinstofflichen Teile (Tanmātras) (Instr.Pl.)
Eine durch scheinbare Ähnlichkeit bedingte Verwechslung besteht, solange bei der einen Wirklichkeit eine gedankliche Zweiteilung vorgenommen wird - so wie Wachzustand und Schlaf [im Traum vermischt erscheinen]; ebenso verhält es sich mit der Unterscheidung von Gebot und Verbot.
Wort für Wort
syāt
es besteht (Opt.3.Sg.)
sādṛśya-bhramaḥ
Verwechslung durch [scheinbare] Ähnlichkeit (Nom.Sg.m)
tāvat
solange
vikalpe sati
wenn [gedankliche] Zweiteilung [vorhanden ist] (Lok.Abs.)
vastunaḥ
der [einen] Wirklichkeit (Gen.Sg.n)
jāgrat-svāpau
Wachzustand und Schlaf (Nom.Dual)
yathā
wie
svapne
im Traum (Lok.)
tathā
ebenso
vidhi-niṣedhatā
[die Unterscheidung von] Gebot und Verbot (Nom.Sg.f)
Die Nichtzweiheit der Auffassung, die Nichtzweiheit des Handelns und die Nichtzweiheit der [Besitz-]Substanz - dies ebenso wie [die Nichtzweiheit] des Selbst durch die eigene unmittelbare Erfahrung hier im Leben verwirklichend, vertreibt der Weise die drei traumähnlichen [Bewusstseinszustände].
Wort für Wort
bhāva-advaitam
Nichtzweiheit der Auffassung (Akk.Sg.n)
kriyā-advaitam
Nichtzweiheit des Handelns (Akk.Sg.n)
dravya-advaitam
Nichtzweiheit der [Besitz-]Substanz (Akk.Sg.n)
tathā
ebenso
ātmanaḥ
des Selbst (Gen.Sg.m)
vartayan
verwirklichend (Ptz.Präs.)
sva-anubhūtyā
durch die eigene [unmittelbare] Erfahrung (Instr.)
kārya-kāraṇa-vastv-aikya-darśanaṁ paṭa-tantuvat
avastutvād vikalpasya bhāvādvaitaṁ tad ucyate
Das Erblicken der Einheit von Wirkung, Ursache und zugrundeliegender Substanz - wie bei Tuch und Faden - beruht darauf, dass die gedankliche Unterscheidung zwischen ihnen letztlich nicht wirklich ist. Dies wird 'Nichtzweiheit der Auffassung' (Bhāvādvaita) genannt.
Wort für Wort
kārya-kāraṇa-vastu-aikya-darśanam
das Erblicken der Einheit von Wirkung, Ursache und Substanz (Nom.Sg.n)
yad brahmaṇi pare sākṣāt
sarva-karma-samarpaṇam
mano-vāk-tanubhiḥ pārtha
kriyādvaitaṁ tad ucyate
Was die unmittelbare Hingabe allen Handelns - mit Geist, Wort und Körper - an das höchste, transzendente Brahman ist, o Sohn der Pṛthā, dies wird 'Nichtzweiheit des Handelns' (Kriyādvaita) genannt.
ātma-jāyā-sutādīnām
anyeṣāṁ sarva-dehinām
yat svārtha-kāmayor aikyaṁ
dravyādvaitaṁ tad ucyate
Die Einheit des eigenen Wohls mit dem Wohl des eigenen Selbst, der Gattin, der Kinder und so weiter - und ebenso mit dem aller anderen verkörperten Wesen - dies wird 'Nichtzweiheit der [Besitz-]Substanz' (Dravyādvaita) genannt.
Wort für Wort
ātma-jāyā-suta-ādīnām
des eigenen Selbst, der Gattin, der Kinder usw. (Gen.Pl.m)
anyeṣām
der anderen (Gen.Pl.m)
sarva-dehinām
aller verkörperten [Wesen] (Gen.Pl.m)
yat
welche (Nom.Sg.n)
sva-artha-kāmayoḥ
des eigenen Wohls und des [der anderen] (Gen.Dual)
yad yasya vāniṣiddhaṁ syād
yena yatra yato nṛpa
sa teneheta kāryāṇi
naro nānyair anāpadi
Was für wen nicht verboten ist, womit, wo und woraus [erlaubt] - damit, o König, soll der Mensch die vorgeschriebenen Handlungen ausführen, nicht mit anderen Mitteln, solange keine Notlage besteht.
etair anyaiś ca vedoktair
vartamānaḥ sva-karmabhiḥ
gṛhe 'py asya gatiṁ yāyād
rājaṁs tad-bhakti-bhāṅ naraḥ
Mit diesen und anderen, in den Veden vorgeschriebenen eigenen Pflichten sich betätigend, o König, kann ein Mensch, der [dem Herrn] hingegeben ist, selbst im Haushälterstand dessen höchstes Ziel erreichen.
So wie ihr fürwahr, o Herrscher der Könige, aus einer Menge schwer zu überwindender Gefahren entkommen seid - durch den Dienst an den Lotosfüßen des eigenen Herrn -, so hast auch du, die [gegnerischen] Elefanten aller Richtungen besiegend, die großen Opferriten vollzogen.
Wort für Wort
yathā
so wie
hi
fürwahr
yūyam
ihr (Nom.Pl.)
nṛpa-deva
o Herrscher der Könige (Vok.)
dustyajāt
aus schwer zu überwindenden (Abl.)
āpat-gaṇāt
aus der Menge von Gefahren (Abl.)
uttarata
entkommen seiend (Ptz.-Adj., Nom.Pl.)
ātmanaḥ
des eigenen (Gen.Sg.m)
prabhoḥ
Herrn (Gen.Sg.m)
yat-pāda-paṅkeruha-sevayā
durch den Dienst an dessen Lotosfüßen (Instr.)
bhavān
du (Nom.Sg.m)
ahāraṣīt
du hast vollzogen (Aor.2.Sg.)
nirjita-dik-gajaḥ
der die Elefanten [aller] Richtungen besiegt hat (Nom.Sg.m)
Mit anmutiger Schönheit, Lieblichkeit und Wohlgeruch lieblich anzusehen, war ich der Liebste der Frauen, ständig berauscht und der Sinnenlust in meiner eigenen Stadt verfallen.
Wort für Wort
rūpa
Gestalt/Schönheit
peśala
anmutig
mādhurya
Lieblichkeit
saugandhya
Wohlgeruch
priya-darśanaḥ
lieblich anzusehen (Nom.Sg.m)
strīṇām
der Frauen (Gen.Pl.f)
priyatamaḥ
der Liebste (Nom.Sg.m)
nityam
ständig (Adv.)
mattaḥ
berauscht (Nom.Sg.m)
sva-pura-lampaṭaḥ
der [Sinnenlust] in der eigenen Stadt verfallen (Nom.Sg.m)
ekadā deva-satre tu
gandharvāpsarasāṁ gaṇāḥ
upahūtā viśva-sṛgbhir
hari-gāthopagāyane
Einst wurden bei einer Opferversammlung der Götter die Scharen der Gandharvas und Apsaras von den Weltenschöpfern eingeladen, dort Lobgesänge auf Hari vorzutragen.
ahaṁ ca gāyaṁs tad-vidvān
strībhiḥ parivṛto gataḥ
jñātvā viśva-sṛjas tan me
helanaṁ śepur ojasā
yāhi tvaṁ śūdratām āśu
naṣṭa-śrīḥ kṛta-helanaḥ
Und ich, dieses Singen beherrschend, ging, von Frauen umgeben, dorthin und sang dabei nachlässig. Als die Weltenschöpfer meine Nachlässigkeit erkannten, verfluchten sie mich mit Nachdruck: 'Geh du, der du diese Missachtung begangen hast, sogleich, deiner Schönheit beraubt, in den Śūdra-Stand ein!'
Daraufhin wurde ich als Sohn einer Dienerin geboren. Doch selbst dabei erlangte ich, durch demütigen Dienst an Kennern des Brahman und durch die damit verbundene Gelegenheit, schließlich die Sohnschaft zu Brahmā.
Ihr seid fürwahr höchst glückhaft in der Menschenwelt, da die weltreinigenden Weisen zu euch kommen - zu euch, in deren Haus, wie es heißt, das verborgene höchste Brahman selbst, unmittelbar in Menschengestalt, wohnt.
sa vā ayaṁ brahma mahad-vimṛgya-
kaivalya-nirvāṇa-sukhānubhūtiḥ
priyaḥ suhṛd vaḥ khalu mātuleya
ātmārhaṇīyo vidhi-kṛd guruś ca
Er, dieses Brahman selbst, dessen innerstes Erleben die von den Großen [Weisen] gesuchte Wonne der Alleinheit und Erlöschung [im Höchsten] ist, ist fürwahr euer lieber Freund, euer Vetter (Sohn des mütterlichen Onkels), euer eigenes Selbst, der Verehrung Würdige, euer Wegweiser und Lehrer.
Wort für Wort
saḥ
er (Nom.Sg.m)
vai
fürwahr
ayam
dieser (Nom.Sg.m)
brahma
das Brahman (Nom.Sg.n)
mahat-vimṛgya-kaivalya-nirvāṇa-sukha-anubhūtiḥ
dessen Erleben die von den Großen gesuchte Wonne der Alleinheit und Erlöschung ist (Nom.Sg.m)
na yasya sākṣād bhava-padmajādibhī
rūpaṁ dhiyā vastutayopavarṇitam
maunena bhaktyopaśamena pūjitaḥ
prasīdatām eṣa sa sātvatāṁ patiḥ
Dessen Wesensgestalt selbst von Śiva, Brahmā und anderen unmittelbar mit dem Verstand nicht wesensgemäß beschrieben werden konnte - er, verehrt durch Schweigen, Hingabe und völlige Gelassenheit, er, der Herr der Gottgeweihten, möge [uns] gnädig sein.
Śrī Śuka sprach: Nachdem er dies, vom göttlichen Weisen [Nārada] Gesagte, gehört hatte, verehrte der Beste der Bharatas [Yudhiṣṭhira], höchst erfreut und von Liebe überwältigt, daraufhin Kṛṣṇa.
Nachdem er sich von Kṛṣṇa und Yudhiṣṭhira, dem Sohn der Pṛthā, verabschiedet hatte, zog der verehrte Weise [Nārada] fort. Yudhiṣṭhira aber blieb höchst erstaunt, nachdem er gehört hatte, dass Kṛṣṇa das höchste Brahman sei.
iti dākṣāyaṇīnāṁ te
pṛthag vaṁśāḥ prakīrtitāḥ
devāsura-manuṣyādyā
lokā yatra carācarāḥ
So wurden dir die Geschlechter der Töchter Dakṣas einzeln dargelegt, sowie die Welten, worin Götter, Dämonen, Menschen und so weiter - alle beweglichen und unbeweglichen Wesen - [wohnen].
Wort für Wort
iti
so
dākṣāyaṇīnām
der Töchter Dakṣas (Gen.Pl.f)
te
dir (Dat.Sg.)
pṛthak
einzeln (Adv.)
vaṁśāḥ
die Geschlechter (Nom.Pl.m)
prakīrtitāḥ
dargelegt (Nom.Pl.m, PPP)
deva-asura-manuṣya-ādyāḥ
Götter, Dämonen, Menschen und so weiter (Nom.Pl.m)