Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 76: veno-pākhyānam [?] Die Geschichte von König Vena

maitreya uvāca bhṛgv-ādayas te munayo lokānāṁ kṣema-darśinaḥ goptary asati vai nṝṇāṁ paśyantaḥ paśu-sāmyatām

Maitreya sprach: Bhṛgu und die anderen Weisen, die stets auf das Wohl der Welten bedacht waren, erkannten, dass in Abwesenheit eines Beschützers (Königs) die Menschen fürwahr auf die Stufe der Tiere herabsinken.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya (Nom.) sprach (3.Sg.Perf.)
bhṛgu-ādayaḥ
mit Bhṛgu beginnend, Bhṛgu u.a. (Nom.Pl., Kompositum)
te munayaḥ
diese Weisen (Nom.Pl.)
lokānām
der Welten/Menschen (Gen.Pl.)
kṣema-darśinaḥ
die das Wohl im Blick habend (Nom.Pl.)
goptari asati
während [ihr] Beschützer nicht vorhanden ist (Loc.abs.)
vai
fürwahr (Partikel)
nṝṇām
der Menschen (Gen.Pl.)
paśyantaḥ
sehend, erkennend (Nom.Pl.Part.Präs.)
paśu-sāmyatām
die Gleichheit mit dem Tier(zustand) (Akk.Sg.)

vīra-mātaram āhūya sunīthāṁ brahma-vādinaḥ prakṛty-asammataṁ venam abhyaṣiñcan patiṁ bhuvaḥ

Die vedakundigen [Weisen] riefen Sunīthā, die Mutter des Helden [Vena], herbei und weihten Vena, der von den Ministern nicht gebilligt wurde, zum Herrn der Erde.

Wort für Wort
vīra-mātaram
die Mutter des Helden [Vena] (Akk.Sg.)
āhūya
gerufen habend (Absolutiv)
sunīthām
Sunīthā (Akk.Sg., Name)
brahma-vādinaḥ
die Vedakundigen (Nom.Pl.)
prakṛti-asammatam
von den Ministern nicht gebilligt (Akk.Sg.)
venam
Vena (Akk.Sg.)
abhyaṣiñcan
sie weihten/salbten (3.Pl.Impf.)
patim bhuvaḥ
zum Herrn der Erde (Akk.Sg. + Gen.Sg.)

śrutvā nṛpāsana-gataṁ venam atyugra-śāsanam nililyur dasyavaḥ sadyaḥ sarpa-trastā ivākhavaḥ

Als sie hörten, dass Vena, der über sehr strenge Strafgewalt verfügte, den Königsthron bestiegen hatte, verbargen sich die Diebe sogleich, wie Mäuse, die von Schlangen erschreckt sind.

Wort für Wort
śrutvā
gehört habend (Absolutiv)
nṛpa-āsana-gatam
auf den Königsthron gelangt (Akk.Sg.)
venam
Vena (Akk.Sg.)
ati-ugra-śāsanam
von sehr strenger Strafgewalt (Akk.Sg.)
nililyuḥ
sie verbargen sich (3.Pl.Perf.)
dasyavaḥ
die Diebe (Nom.Pl.)
sadyaḥ
sogleich (Adv.)
sarpa-trastāḥ
von Schlangen erschreckt (Nom.Pl.)
iva ākhavaḥ
wie Mäuse/Ratten (Nom.Pl.)

sa ārūḍha-nṛpa-sthāna unnaddho 'ṣṭa-vibhūtibhiḥ avamene mahā-bhāgān stabdhaḥ sambhāvitaḥ svataḥ

Er, auf den Königsthron gestiegen, aufgeblasen durch die acht [königlichen] Vollkommenheiten, verachtete - starrsinnig und sich selbst für bedeutend haltend - die hochgesegneten [Weisen].

Wort für Wort
saḥ
er (Nom.Sg.)
ārūḍha-nṛpa-sthānaḥ
auf den Königsthron gestiegen (Nom.Sg.)
unnaddhaḥ
aufgeblasen, überheblich (Nom.Sg.)
aṣṭa-vibhūtibhiḥ
durch die acht Vollkommenheiten (Instr.Pl.)
avamene
er verachtete (3.Sg.Perf.Med.)
mahā-bhāgān
die Hochgesegneten (Akk.Pl.)
stabdhaḥ
starrsinnig, hochmütig (Nom.Sg.)
sambhāvitaḥ svataḥ
sich selbst für bedeutend haltend (Nom.Sg. + Adv.)

evaṁ madāndha utsikto niraṅkuśa iva dvipaḥ paryaṭan ratham āsthāya kampayann iva rodasī

So, blind vor Rausch [der Macht] und übermütig, durchstreifte er, auf seinen Wagen gestiegen, wie ein zügelloser Elefant [das Land], wobei er gleichsam Himmel und Erde erzittern ließ.

Wort für Wort
evam
so, derart (Adv.)
mada-andhaḥ
blind vor Rausch/Stolz (Nom.Sg.)
utsiktaḥ
übermütig, aufgebläht (Nom.Sg.)
niraṅkuśaḥ iva dvipaḥ
wie ein zügelloser Elefant (Nom.Sg.)
paryaṭan
umherziehend (Nom.Sg.Part.Präs.)
ratham āsthāya
den Wagen bestiegen habend (Absolutiv)
kampayan iva rodasī
gleichsam Himmel und Erde erzittern lassend (Nom.Sg.Part. + Akk.Dual)

na yaṣṭavyaṁ na dātavyaṁ na hotavyaṁ dvijāḥ kvacit iti nyavārayad dharmaṁ bherī-ghoṣeṇa sarvaśaḥ

"Nicht soll geopfert werden, nicht gespendet werden, nicht [mit Ghee] geopfert werden, ihr Zweifachgeborenen, jemals!" - so unterband er überall mit dem Schall der Kriegstrommel die Ausübung des Dharma.

Wort für Wort
na yaṣṭavyam
nicht soll geopfert werden (Gerundiv, unpers.)
na dātavyam
nicht soll gespendet werden (Gerundiv, unpers.)
na hotavyam
nicht soll [mit Ghee] geopfert werden (Gerundiv, unpers.)
dvijāḥ
o Zweifachgeborene (Vok.Pl.)
kvacit
irgendwann, jemals (Adv.)
iti
so [Zitatende] (Partikel)
nyavārayat
er unterband (3.Sg.Impf.)
dharmam
die Pflichterfüllung, den Dharma (Akk.Sg.)
bherī-ghoṣeṇa
mit dem Schall der Kriegstrommel (Instr.Sg.)
sarvaśaḥ
überall (Adv.)

venasyāvekṣya munayo durvṛttasya viceṣṭitam vimṛśya loka-vyasanaṁ kṛpayocuḥ sma satriṇaḥ

Als die Weisen, die Opferpriester, das Treiben des übel handelnden Vena beobachtet und über das Unheil für die Welt nachgedacht hatten, sprachen sie aus Mitleid.

Wort für Wort
venasya
des Vena (Gen.Sg.)
avekṣya
betrachtet habend (Absolutiv)
munayaḥ
die Weisen (Nom.Pl.)
durvṛttasya
des übel Handelnden (Gen.Sg.)
viceṣṭitam
das Treiben, Gebaren (Akk.Sg.)
vimṛśya
erwogen habend (Absolutiv)
loka-vyasanam
das Unheil für die Welt (Akk.Sg.)
kṛpayā
aus Mitleid (Instr.Sg.)
ūcuḥ sma
sie sprachen (3.Pl.Perf. + Partikel)
satriṇaḥ
die Opferpriester (Nom.Pl.)

aho ubhayataḥ prāptaṁ lokasya vyasanaṁ mahat dāruṇy ubhayato dīpte iva taskara-pālayoḥ

Ach, von beiden Seiten ist dem Volk ein großes Unheil widerfahren - wie bei einem Holzscheit, das an beiden Enden brennt - [nämlich] durch die Diebe und [nun auch] durch den Beschützer.

Wort für Wort
aho
ach (Interjektion)
ubhayataḥ
von beiden Seiten (Adv.)
prāptam
erlangt, widerfahren (Nom.Sg., prädik.)
lokasya
dem Volk (Gen.Sg.)
vyasanam mahat
großes Unheil (Nom.Sg.)
dāruṇi
an einem Holzscheit (Loc.Sg.)
ubhayataḥ dīpte
das an beiden Enden brennt (Loc.Sg.)
iva
wie (Partikel)
taskara-pālayoḥ
durch die Diebe und den Beschützer (Gen./Abl.Dual)

arājaka-bhayād eṣa kṛto rājātad-arhaṇaḥ tato 'py āsīd bhayaṁ tv adya kathaṁ syāt svasti dehinām

Aus Furcht vor der Königslosigkeit wurde dieser [Vena], obwohl dessen nicht würdig, zum König gemacht; auch von ihm nun ist Gefahr entstanden - wie also kann es jetzt Wohlergehen für die verkörperten Wesen geben?

Wort für Wort
arājaka-bhayāt
aus Furcht vor der Herrscherlosigkeit (Abl.Sg.)
eṣaḥ
dieser [Vena] (Nom.Sg.)
kṛtaḥ rājā
wurde zum König gemacht (Nom.Sg.)
a-tat-arhaṇaḥ
dessen nicht würdig (Nom.Sg.)
tataḥ api
auch von ihm (Abl. + Partikel)
āsīt bhayam
es entstand Gefahr (3.Sg.Impf. + Nom.Sg.)
tu adya
aber jetzt (Partikel + Adv.)
katham
wie (Frageadv.)
syāt svasti
könnte es Wohlergehen geben (Opt.3.Sg. + Nom.Sg.)
dehinām
der verkörperten Wesen (Gen.Pl.)

aher iva payaḥ-poṣaḥ posakasyāpy anartha-bhṛt venaḥ prakṛtyaiva khalaḥ sunīthā-garbha-sambhavaḥ

Wie das Aufziehen einer Schlange mit Milch selbst für den Aufzieher zum Übel wird, so ist Vena - von Natur aus boshaft, aus dem Schoß der Sunīthā entstanden - [ein Übel für die, die ihn hervorbrachten].

Wort für Wort
aheḥ
einer Schlange (Gen.Sg.)
iva
wie (Partikel)
payaḥ-poṣaḥ
das Aufziehen mit Milch (Nom.Sg.)
poṣakasya
für den Aufziehenden (Gen.Sg.)
api
sogar (Partikel)
anartha-bhṛt
Unheil bringend (Nom.Sg.)
venaḥ
Vena (Nom.Sg.)
prakṛtyā eva
von Natur aus gewiss (Instr.Sg. + Partikel)
khalaḥ
boshaft, niederträchtig (Nom.Sg.)
sunīthā-garbha-sambhavaḥ
aus dem Schoß der Sunīthā entstanden (Nom.Sg.)

nirūpitaḥ prajā-pālaḥ sa jighāṁsati vai prajāḥ tathāpi sāntvayemāmuṁ nāsmāṁs tat-pātakaṁ spṛśet

Er wurde als Beschützer der Untertanen eingesetzt, [doch nun] trachtet er fürwahr danach, die Untertanen zu vernichten; dennoch wollen wir ihn besänftigen, damit uns nicht seine Sündenfolge berühre.

Wort für Wort
nirūpitaḥ
eingesetzt, bestimmt (Nom.Sg.)
prajā-pālaḥ
als Beschützer der Untertanen (Nom.Sg.)
saḥ
er (Nom.Sg.)
jighāṁsati
er trachtet zu töten (3.Sg.Desid.Präs.)
vai
fürwahr (Partikel)
prajāḥ
die Untertanen (Akk.Pl.)
tathā api
dennoch (Adv.)
sāntvayema
wir wollen besänftigen (1.Pl.Opt.)
amum
diesen (Akk.Sg.)
na asmān
nicht uns (Akk.Pl.)
tat-pātakam
dessen Sündenfolge (Nom.Sg.)
spṛśet
möge berühren (3.Sg.Opt.)

tad-vidvadbhir asad-vṛtto veno 'smābhiḥ kṛto nṛpaḥ sāntvito yadi no vācaṁ na grahīṣyaty adharma-kṛt loka-dhikkāra-sandagdhaṁ dahiṣyāmaḥ sva-tejasā

Obwohl wir um sein übles Verhalten wussten, wurde Vena von uns zum König gemacht; wenn er, besänftigt, unser Wort nicht annimmt - der Unrecht-Tuende -, [dann] werden wir ihn, bereits durch die Verachtung der Welt verbrannt, [zusätzlich] mit unserer eigenen [geistigen] Macht verbrennen.

Wort für Wort
tat-vidvadbhiḥ
obwohl dies wissend (Instr.Pl.Part.)
asat-vṛttaḥ
von übler Sitte (Nom.Sg.)
venaḥ
Vena (Nom.Sg.)
asmābhiḥ
von uns (Instr.Pl.)
kṛtaḥ nṛpaḥ
wurde zum König gemacht (Nom.Sg.)
sāntvitaḥ
besänftigt (Nom.Sg.)
yadi
wenn (Konj.)
naḥ vācam
unser Wort (Akk.Sg.)
na grahīṣyati
er wird nicht annehmen (3.Sg.Fut.)
adharma-kṛt
der Unrecht Tuende (Nom.Sg.)
loka-dhikkāra-sandagdham
durch die Verachtung der Welt verbrannt (Akk.Sg.)
dahiṣyāmaḥ
wir werden verbrennen (1.Pl.Fut.)
sva-tejasā
mit unserer eigenen [geistigen] Macht (Instr.Sg.)

evam adhyavasāyainaṁ munayo gūḍha-manyavaḥ upavrajyābruvan venaṁ sāntvayitvā ca sāmabhiḥ

So entschlossen, näherten sich die Weisen, ihren Zorn verbergend, Vena, besänftigten ihn mit versöhnlichen Worten und sprachen [dann zu ihm].

Wort für Wort
evam
so (Adv.)
adhyavasāya
entschlossen habend (Absolutiv)
enam
diesen (Akk.Sg.)
munayaḥ
die Weisen (Nom.Pl.)
gūḍha-manyavaḥ
deren Zorn verborgen war (Nom.Pl.)
upavrajya
sich genähert habend (Absolutiv)
abruvan
sie sprachen (3.Pl.Impf.)
venam
zu Vena (Akk.Sg.)
sāntvayitvā
besänftigt habend (Absolutiv)
ca
und (Konj.)
sāmabhiḥ
mit versöhnlichen Worten (Instr.Pl.)

munaya ūcuḥ nṛpa-varya nibodhaitad yat te vijñāpayāma bhoḥ āyuḥ-śrī-bala-kīrtīnāṁ tava tāta vivardhanam

Die Weisen sprachen: O bester der Könige, vernimm dies, was wir dir mitteilen wollen, o [Lieber]: die Mehrung deiner Lebensdauer, deines Glücks, deiner Kraft und deines Ruhmes.

Wort für Wort
munayaḥ ūcuḥ
die Weisen sprachen (Nom.Pl. + 3.Pl.Perf.)
nṛpa-varya
o bester der Könige (Vok.Sg.)
nibodha
vernimm (2.Sg.Imp.)
etat
dies (Akk.Sg.)
yat
was (Rel.Pron.Akk.Sg.)
te
dir (Dat.Sg.)
vijñāpayāma
wir wollen mitteilen (1.Pl.Präs.)
bhoḥ
o (Vok.-Partikel)
āyuḥ-śrī-bala-kīrtīnām
von Lebensdauer, Glück, Kraft und Ruhm (Gen.Pl.)
tava
deiner (Gen.Sg.)
tāta
o Lieber (Vok.Sg.)
vivardhanam
die Mehrung (Akk.Sg.)

dharma ācaritaḥ puṁsāṁ vāṅ-manaḥ-kāya-buddhibhiḥ lokān viśokān vitaraty athānantyam asaṅginām

Dharma, von den Menschen mit Wort, Geist, Körper und Verstand ausgeübt, gewährt kummerlose Welten und sodann, für die Unangehafteten, Unendlichkeit [Befreiung].

Wort für Wort
dharmaḥ
der Dharma, die Pflichterfüllung (Nom.Sg.)
ācaritaḥ
ausgeübt (Nom.Sg.)
puṁsām
von den Menschen (Gen.Pl.)
vāk-manaḥ-kāya-buddhibhiḥ
mit Wort, Geist, Körper und Verstand (Instr.Pl.)
lokān viśokān
kummerlose Welten (Akk.Pl.)
vitarati
er gewährt (3.Sg.Präs.)
atha
und dann (Adv.)
ānantyam
Unendlichkeit, Befreiung (Akk.Sg.)
asaṅginām
der Unangehafteten (Gen.Pl.)

sa te mā vinaśed vīra prajānāṁ kṣema-lakṣaṇaḥ yasmin vinaṣṭe nṛpatir aiśvaryād avarohati

Möge dieser [Dharma], das Kennzeichen des Wohlergehens der Untertanen, dir, o Held, nicht verlorengehen; wenn er verlorengeht, fällt der König aus seiner Herrschermacht herab.

Wort für Wort
saḥ
dieser [Dharma] (Nom.Sg.)
te
dir (Dat.Sg.)
mā vinaśet
möge nicht verlorengehen (Prohibitiv, 3.Sg.Aor.Inj.)
vīra
o Held (Vok.Sg.)
prajānām kṣema-lakṣaṇaḥ
das Kennzeichen des Wohls der Untertanen (Nom.Sg. + Gen.Pl.)
yasmin vinaṣṭe
wenn dieser verlorengegangen ist (Loc.abs.)
nṛpatiḥ
der König (Nom.Sg.)
aiśvaryāt
aus der Herrschermacht (Abl.Sg.)
avarohati
fällt herab (3.Sg.Präs.)

rājann asādhv-amātyebhyaś corādibhyaḥ prajā nṛpaḥ rakṣan yathā baliṁ gṛhṇann iha pretya ca modate

O König, der König, der die Untertanen vor unredlichen Ministern und vor Dieben und dergleichen beschützt und dementsprechend die Abgabe entgegennimmt, erfreut sich sowohl hier [in dieser Welt] als auch nach dem Tod.

Wort für Wort
rājan
o König (Vok.Sg.)
asādhu-amātyebhyaḥ
vor unredlichen Ministern (Abl.Pl.)
cora-ādibhyaḥ
vor Dieben und dergleichen (Abl.Pl.)
prajāḥ
die Untertanen (Akk.Pl.)
nṛpaḥ
der König (Nom.Sg.)
rakṣan
beschützend (Nom.Sg.Part.Präs.)
yathā
dementsprechend (Adv.)
balim
die Abgabe (Akk.Sg.)
gṛhṇan
entgegennehmend (Nom.Sg.Part.Präs.)
iha
hier (Adv.)
pretya
nach dem Sterben (Absolutiv)
ca
und, auch (Konj.)
modate
er erfreut sich (3.Sg.Präs.Med.)

yasya rāṣṭre pure caiva bhagavān yajña-pūruṣaḥ ijyate svena dharmeṇa janair varṇāśramānvitaiḥ

In dessen Reich und Stadt der Herr, die Person des Opfers, von den Menschen, die dem System der Varṇas und Āśramas angehören, durch ihre je eigene Pflicht verehrt wird -

Wort für Wort
yasya
dessen (Gen.Sg.)
rāṣṭre
im Reich (Loc.Sg.)
pure
in der Stadt (Loc.Sg.)
ca eva
und gewiss (Konj. + Partikel)
bhagavān
der Herr (Nom.Sg.)
yajña-pūruṣaḥ
die Person des Opfers (Nom.Sg.)
ijyate
wird verehrt (3.Sg.Präs.Pass.)
svena dharmeṇa
durch die je eigene Pflicht (Instr.Sg.)
janaiḥ
von den Menschen (Instr.Pl.)
varṇa-āśrama-anvitaiḥ
die dem System der Varṇas und Āśramas angehören (Instr.Pl.)

Satzgefüge über V. 19 fortgesetzt.

tasya rājño mahā-bhāga bhagavān bhūta-bhāvanaḥ parituṣyati viśvātmā tiṣṭhato nija-śāsane

- mit diesem König, o Hochgesegneter, ist der Herr, der Ursprung aller Wesen, die Seele des Alls, zufrieden, solange er [der König] in seiner eigenen [gerechten] Herrschaft verharrt.

Wort für Wort
tasya rājñaḥ
mit diesem König (Gen.Sg., als Bezug)
mahā-bhāga
o Hochgesegneter (Vok.Sg.)
bhagavān
der Herr (Nom.Sg.)
bhūta-bhāvanaḥ
der Ursprung aller Wesen (Nom.Sg.)
parituṣyati
wird zufrieden, ist zufrieden (3.Sg.Präs.)
viśvātmā
die Seele des Alls (Nom.Sg.)
tiṣṭhataḥ
solange er verharrt (Gen.Sg.Part.Präs., bezogen auf rājñaḥ)
nija-śāsane
in seiner eigenen Herrschaft (Loc.Sg.)

tasmiṁs tuṣṭe kim aprāpyaṁ jagatām īśvareśvare lokāḥ sapālā hy etasmai haranti balim ādṛtāḥ

Wenn dieser, der Herr der Herren der Welten, zufrieden ist, was wäre dann unerreichbar? Fürwahr, die Welten samt ihren Hütern bringen ihm ehrerbietig ihre Abgaben dar.

Wort für Wort
tasmin tuṣṭe
wenn dieser zufrieden ist (Loc.abs.)
kim aprāpyam
was [wäre] unerreichbar (Nom.Sg.)
jagatām īśvara-īśvare
dem Herrn der Herren der Welten (Loc.Sg. + Gen.Pl.)
lokāḥ
die Welten (Nom.Pl.)
sa-pālāḥ
samt ihren Hütern (Nom.Pl.)
hi
fürwahr (Partikel)
etasmai
ihm (Dat.Sg.)
haranti
sie bringen dar (3.Pl.Präs.)
balim
die Abgabe (Akk.Sg.)
ādṛtāḥ
ehrerbietig (Nom.Pl.)

taṁ sarva-lokāmara-yajña- saṅgrahaṁ trayīmayaṁ dravyamayaṁ tapomayam yajñair vicitrair yajato bhavāya te rājan sva-deśān anuroddhum arhasi

Ihn, der die Gesamtheit der Opfer aller Welten und Unsterblichen [Götter] in sich vereint, der aus den drei Veden, aus Opfermaterie, aus Askese besteht, solltest du, o König, durch vielfältige Opfer verehrend, deine Landsleute zu [dessen] Wohl anhalten.

Wort für Wort
tam
ihn (Akk.Sg.)
sarva-loka-amara-yajña-saṅgraham
der die Opfer aller Welten und Unsterblichen umfasst (Akk.Sg.)
trayī-mayam
aus den drei Veden bestehend (Akk.Sg.)
dravya-mayam
aus Opfermaterie bestehend (Akk.Sg.)
tapaḥ-mayam
aus Askese bestehend (Akk.Sg.)
yajñaiḥ vicitraiḥ
durch vielfältige Opfer (Instr.Pl.)
yajataḥ
während [du] verehrst (Gen.Sg.Part.Präs., bezogen auf 'te')
bhavāya
zum Wohl, zur Erhebung (Dat.Sg.)
te
dir/deiner (Gen.Sg.)
rājan
o König (Vok.Sg.)
sva-deśān
deine Landsleute (Akk.Pl.)
anuroddhum
anzuhalten (Infinitiv)
arhasi
du solltest (2.Sg.Präs.)

yajñena yuṣmad-viṣaye dvijātibhir vitāyamānena surāḥ kalā hareḥ sviṣṭāḥ sutuṣṭāḥ pradiśanti vāñchitaṁ tad-dhelanaṁ nārhasi vīra ceṣṭitum

Durch das Opfer, das in deinem Reich von den Zweifachgeborenen ausgebreitet wird, werden die Götter, die Teilaspekte Haris, wohlverehrt und hocherfreut, das Gewünschte gewähren; du solltest, o Held, nicht deren Missachtung begehen.

Wort für Wort
yajñena
durch das Opfer (Instr.Sg.)
yuṣmat-viṣaye
in deinem Reich (Loc.Sg.)
dvijātibhiḥ
von den Zweifachgeborenen (Instr.Pl.)
vitāyamānena
das ausgebreitet wird (Instr.Sg.Part.Präs.Pass.)
surāḥ
die Götter (Nom.Pl.)
kalāḥ hareḥ
Teilaspekte Haris (Nom.Pl. + Gen.Sg.)
su-iṣṭāḥ
wohlverehrt (Nom.Pl.)
su-tuṣṭāḥ
hocherfreut (Nom.Pl.)
pradiśanti
sie gewähren (3.Pl.Präs.)
vāñchitam
das Gewünschte (Akk.Sg.)
tat-helanam
deren Missachtung (Akk.Sg.)
na arhasi
du solltest nicht (2.Sg.Präs.)
vīra
o Held (Vok.Sg.)
ceṣṭitum
zu tun, zu begehen (Infinitiv)

vena uvāca bāliśā bata yūyaṁ vā adharme dharma-māninaḥ ye vṛttidaṁ patiṁ hitvā jāraṁ patim upāsate

Vena sprach: Töricht seid ihr fürwahr, die ihr das Unrecht für Recht haltet - die ihr den Ehemann, der Unterhalt gewährt, verlasst und stattdessen den Ehebrecher als Gatten verehrt.

Wort für Wort
venaḥ uvāca
Vena sprach (Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
bāliśāḥ
töricht, kindisch (Nom.Pl.)
bata
fürwahr, ach (Interjektion)
yūyam
ihr (Nom.Pl.)
vā
wohl, gewiss (Partikel)
adharme
im Unrecht (Loc.Sg.)
dharma-māninaḥ
die [es] für Recht Haltenden (Nom.Pl.)
ye
die welche (Rel.Pron.Nom.Pl.)
vṛtti-dam patim
den unterhaltsspendenden Ehemann (Akk.Sg.)
hitvā
verlassen habend (Absolutiv)
jāram patim
den Ehebrecher als Gatten (Akk.Sg.)
upāsate
sie verehren (3.Pl.Präs.Med.)

avajānanty amī mūḍhā nṛpa-rūpiṇam īśvaram nānuvindanti te bhadram iha loke paratra ca

Diese Toren missachten den Herrn in Gestalt des Königs; sie erlangen kein Glück, weder in dieser Welt noch in der jenseitigen.

Wort für Wort
avajānanti
sie missachten (3.Pl.Präs.)
amī mūḍhāḥ
diese Toren (Nom.Pl.)
nṛpa-rūpiṇam
in Gestalt des Königs (Akk.Sg.)
īśvaram
den Herrn (Akk.Sg.)
na anuvindanti
sie erlangen nicht (3.Pl.Präs.)
te
sie (Nom.Pl.)
bhadram
Glück, Segen (Akk.Sg.)
iha loke
in dieser Welt (Loc.Sg.)
paratra
in der jenseitigen [Welt] (Adv.)
ca
und, noch (Konj.)

ko yajña-puruṣo nāma yatra vo bhaktir īdṛśī bhartṛ-sneha-vidūrāṇāṁ yathā jāre kuyoṣitām

Wer ist [denn] dieser sogenannte 'Herr des Opfers', dem gegenüber eure Hingabe derart ist wie [jene] unkeuscher Frauen, denen die Zuneigung zum Ehemann fern ist, zu ihrem Liebhaber?

Wort für Wort
kaḥ
wer (Nom.Sg.)
yajña-puruṣaḥ
die Person des Opfers (Nom.Sg.)
nāma
sogenannt, namens (Adv.)
yatra
wobei, dem gegenüber (Adv.)
vaḥ
eure (Gen.Pl.)
bhaktiḥ īdṛśī
solche Hingabe (Nom.Sg.)
bhartṛ-sneha-vidūrāṇām
denen die Zuneigung zum Ehemann fern ist (Gen.Pl.)
yathā
wie (Adv.)
jāre
zum Liebhaber (Loc.Sg.)
ku-yoṣitām
unkeuscher Frauen (Gen.Pl.)

viṣṇur viriñco giriśa indro vāyur yamo raviḥ parjanyo dhanadaḥ somaḥ kṣitir agnir apāmpatiḥ ete cānye ca vibudhāḥ prabhavo vara-śāpayoḥ dehe bhavanti nṛpateḥ sarva-devamayo nṛpaḥ

Viṣṇu, Viriñca [Brahmā], Giriśa [Śiva], Indra, Vāyu, Yama, Ravi [Sūrya], Parjanya, Dhanada [Kubera], Soma, Kṣiti [die Erdgottheit], Agni, Apāṁpati [Varuṇa] - diese und andere Götter, die über Segen und Fluch verfügen, wohnen im Leib des Königs; der König besteht aus allen Göttern.

Wort für Wort
viṣṇuḥ
Viṣṇu (Nom.Sg.)
viriñcaḥ
Brahmā (Nom.Sg.)
giriśaḥ
Śiva (Nom.Sg.)
indraḥ
Indra (Nom.Sg.)
vāyuḥ
der Windgott (Nom.Sg.)
yamaḥ
der Totengott (Nom.Sg.)
raviḥ
der Sonnengott (Nom.Sg.)
parjanyaḥ
der Regengott (Nom.Sg.)
dhanadaḥ
Kubera, der Schatzmeister (Nom.Sg.)
somaḥ
der Mondgott (Nom.Sg.)
kṣitiḥ
die Erdgottheit (Nom.Sg.)
agniḥ
der Feuergott (Nom.Sg.)
apām-patiḥ
der Herr der Gewässer, Varuṇa (Nom.Sg.)
ete ca anye ca
diese und andere (Nom.Pl.)
vibudhāḥ
Götter (Nom.Pl.)
prabhavaḥ vara-śāpayoḥ
fähig zu Segen und Fluch (Nom.Pl. + Gen.Dual)
dehe
im Leib (Loc.Sg.)
bhavanti
sie sind, wohnen (3.Pl.Präs.)
nṛpateḥ
des Königs (Gen.Sg.)
sarva-deva-mayaḥ
aus allen Göttern bestehend (Nom.Sg.)
nṛpaḥ
der König (Nom.Sg.)

tasmān māṁ karmabhir viprā yajadhvaṁ gata-matsarāḥ baliṁ ca mahyaṁ harata matto 'nyaḥ ko 'gra-bhuk pumān

Deshalb, o Brahmanen, verehrt mich, frei von Neid, durch [rituelle] Handlungen, und bringt mir die Opfergabe dar - wer außer mir wäre die Person, die den ersten Anteil genießt?

Wort für Wort
tasmāt
deshalb (Adv.)
mām
mich (Akk.Sg.)
karmabhiḥ
durch [rituelle] Handlungen (Instr.Pl.)
viprāḥ
o Brahmanen (Vok.Pl.)
yajadhvam
verehrt! (2.Pl.Imp.Med.)
gata-matsarāḥ
frei von Neid (Nom.Pl.)
balim
die Opfergabe (Akk.Sg.)
ca
und (Konj.)
mahyam
mir (Dat.Sg.)
harata
bringt dar! (2.Pl.Imp.)
mattaḥ
als ich (Abl.Sg.)
anyaḥ
ein anderer (Nom.Sg.)
kaḥ
wer (Nom.Sg.)
agra-bhuk pumān
die Person, die den ersten Anteil genießt (Nom.Sg.)

maitreya uvāca itthaṁ viparyaya-matiḥ pāpīyān utpathaṁ gataḥ anunīyamānas tad-yācñāṁ na cakre bhraṣṭa-maṅgalaḥ

Maitreya sprach: So, mit verkehrtem Verstand, höchst sündig, auf den Abweg geraten, nahm er, obwohl [von den Weisen] besänftigt, deren Bitte nicht an - er, dem alles Glück entschwunden war.

Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach (Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
ittham
so, derart (Adv.)
viparyaya-matiḥ
mit verkehrtem Verstand (Nom.Sg.)
pāpīyān
höchst sündig (Nom.Sg.)
utpatham gataḥ
auf den Abweg geraten (Nom.Sg.)
anunīyamānaḥ
besänftigt werdend (Nom.Sg.Part.Präs.Pass.)
tat-yācñām
deren Bitte (Akk.Sg.)
na cakre
er nahm nicht an (3.Sg.Perf.Med.)
bhraṣṭa-maṅgalaḥ
dem alles Glück entschwunden war (Nom.Sg.)

iti te 'sat-kṛtās tena dvijāḥ paṇḍita-māninā bhagnāyāṁ bhavya-yācñāyāṁ tasmai vidura cukrudhuḥ

So von ihm, der sich für gelehrt hielt, missachtet, wurden die Brahmanen, o Vidura, zornig auf ihn, da ihre wohlmeinende Bitte zunichtegemacht worden war.

Wort für Wort
iti
so (Adv.)
te dvijāḥ
diese Brahmanen (Nom.Pl.)
asat-kṛtāḥ
missachtet, schlecht behandelt (Nom.Pl.)
tena
von ihm (Instr.Sg.)
paṇḍita-māninā
der sich für gelehrt hielt (Instr.Sg.)
bhagnāyām
als zunichtegemacht war (Loc.Sg., Loc.abs.)
bhavya-yācñāyām
die wohlmeinende Bitte (Loc.Sg.)
tasmai
auf ihn (Dat.Sg.)
vidura
o Vidura (Vok.Sg.)
cukrudhuḥ
sie wurden zornig (3.Pl.Perf.)

hanyatāṁ hanyatām eṣa pāpaḥ prakṛti-dāruṇaḥ jīvañ jagad asāv āśu kurute bhasmasād dhruvam

"Er sei getötet, er sei getötet, dieser Sünder, von Natur aus grausam - solange er lebt, wird er die Welt gewiss bald zu Asche machen!"

Wort für Wort
hanyatām
er sei getötet (3.Sg.Imp.Pass.)
hanyatām
er sei getötet (Wiederholung, Nachdruck)
eṣaḥ pāpaḥ
dieser Sünder (Nom.Sg.)
prakṛti-dāruṇaḥ
von Natur aus grausam (Nom.Sg.)
jīvan
lebend, solange lebend (Nom.Sg.Part.Präs.)
jagat
die Welt (Akk.Sg.)
asau
er (Nom.Sg.)
āśu
bald, schnell (Adv.)
kurute
er macht (3.Sg.Präs.Med.)
bhasmasāt
zu Asche (Adv.)
dhruvam
gewiss, sicherlich (Adv.)

nāyam arhaty asad-vṛtto naradeva-varāsanam yo 'dhiyajña-patiṁ viṣṇuṁ vinindaty anapatrapaḥ

Dieser, von übler Sitte, verdient nicht den erhabenen Thron des Menschengottes [des Königs] - er, der schamlos den Herrn der Opfer, Viṣṇu, schmäht.

Wort für Wort
na ayam arhati
dieser verdient nicht (Nom.Sg. + 3.Sg.Präs.)
asat-vṛttaḥ
von übler Sitte (Nom.Sg.)
naradeva-vara-āsanam
den erhabenen Thron des Menschengottes (Akk.Sg.)
yaḥ
der welcher (Rel.Pron.Nom.Sg.)
adhiyajña-patim
den Herrn der Opfer (Akk.Sg.)
viṣṇum
Viṣṇu (Akk.Sg.)
vinindati
er schmäht (3.Sg.Präs.)
anapatrapaḥ
schamlos (Nom.Sg.)

ko vainaṁ paricakṣīta venam ekam ṛte 'śubham prāpta īdṛśam aiśvaryaṁ yad-anugraha-bhāk

Wer könnte Ihn [den Herrn] tadeln, außer eben diesem unheilvollen Vena allein - er, der durch dessen Gnade solch eine Herrschermacht erlangt hat?

Wort für Wort
kaḥ vā
wer denn (Nom.Sg. + Partikel)
enam
diesen [den Herrn] (Akk.Sg.)
paricakṣīta
könnte tadeln (3.Sg.Opt.)
venam ekam
außer Vena allein (Akk.Sg.)
ṛte
außer, ausgenommen (Präp. mit Akk.)
aśubham
den Unheilvollen (Akk.Sg.)
prāptaḥ
erlangt habend (Nom.Sg.)
īdṛśam aiśvaryam
solche Herrschermacht (Akk.Sg.)
yat-anugraha-bhāk
der dessen Gnade empfangend (Nom.Sg.)

itthaṁ vyavasitā hantum ṛṣayo rūḍha-manyavaḥ nijaghnur huṅkṛtair venaṁ hatam acyuta-nindayā

So zum Töten entschlossen, erschlugen die Weisen, deren Zorn entfacht war, Vena mit Hūṅ-Lauten [Verwünschungen] - getötet war er [da] bereits durch die Lästerung des Unvergänglichen.

Wort für Wort
ittham
so (Adv.)
vyavasitāḥ
entschlossen (Nom.Pl.)
hantum
zu töten (Infinitiv)
ṛṣayaḥ
die Weisen (Nom.Pl.)
rūḍha-manyavaḥ
deren Zorn entfacht war (Nom.Pl.)
nijaghnuḥ
sie erschlugen (3.Pl.Perf.)
huṅ-kṛtaiḥ
mit Hūṅ-Lauten (Instr.Pl.)
venam
Vena (Akk.Sg.)
hatam
getötet (Akk.Sg.)
acyuta-nindayā
durch die Lästerung des Unvergänglichen (Instr.Sg.)

ṛṣibhiḥ svāśrama-padaṁ gate putra-kalevaram sunīthā pālayām āsa vidyā-yogena śocatī

Nachdem die Weisen zu ihrer eigenen Einsiedelei zurückgekehrt waren, bewahrte Sunīthā, klagend, den Leichnam ihres Sohnes mittels mantrischer Kunst.

Wort für Wort
ṛṣibhiḥ
von den Weisen (Instr.Pl., Loc.abs.)
sva-āśrama-padam
zur eigenen Einsiedelei (Akk.Sg.)
gate
nachdem gegangen war (Loc.abs.)
putra-kalevaram
den Leichnam des Sohnes (Akk.Sg.)
sunīthā
Sunīthā (Nom.Sg.)
pālayām āsa
sie bewahrte (3.Sg.Perf.Periphr.)
vidyā-yogena
mittels mantrischer Kunst (Instr.Sg.)
śocatī
klagend (Nom.Sg.Part.Präs.f.)

ekadā munayas te tu sarasvat-salilāplutāḥ hutvāgnīn sat-kathāś cakrur upaviṣṭāḥ sarit-taṭe

Eines Tages, nachdem jene Weisen im Wasser der Sarasvatī gebadet und die [heiligen] Feuer [mit Opfergaben] gespeist hatten, führten sie, am Flussufer sitzend, heilige Gespräche.

Wort für Wort
ekadā
eines Tages (Adv.)
munayaḥ te
jene Weisen (Nom.Pl.)
tu
aber, nun (Partikel)
sarasvat-salila-āplutāḥ
im Wasser der Sarasvatī gebadet (Nom.Pl.)
hutvā
geopfert habend (Absolutiv)
agnīn
die Feuer (Akk.Pl.)
sat-kathāḥ
heilige Gespräche (Akk.Pl.)
cakruḥ
sie führten (3.Pl.Perf.)
upaviṣṭāḥ
sitzend (Nom.Pl.)
sarit-taṭe
am Flussufer (Loc.Sg.)

vīkṣyotthitāṁs tadotpātān āhur loka-bhayaṅkarān apy abhadram anāthāyā dasyubhyo na bhaved bhuvaḥ

Als sie die damals aufgetretenen, der Welt Furcht einflößenden Vorzeichen sahen, sagten sie: "Möge der herrenlosen Erde durch die Diebe kein Unheil widerfahren!"

Wort für Wort
vīkṣya
gesehen habend (Absolutiv)
utthitān
aufgetretene (Akk.Pl.)
tadā
damals (Adv.)
utpātān
Vorzeichen, Unheilszeichen (Akk.Pl.)
āhuḥ
sie sagten (3.Pl.Perf.)
loka-bhayaṅkarān
der Welt Furcht einflößend (Akk.Pl.)
api
wohl (Partikel)
abhadram
Unheil (Nom.Sg.)
anāthāyāḥ
der herrenlosen (Gen.Sg.)
dasyubhyaḥ
durch die Diebe (Abl.Pl.)
na bhavet
möge nicht geschehen (3.Sg.Opt.)
bhuvaḥ
der Erde (Gen.Sg.)

evaṁ mṛśanta ṛṣayo dhāvatāṁ sarvato-diśam pāṁsuḥ samutthito bhūriś corāṇām abhilumpatām

Während die Weisen so überlegten, erhob sich reichlich Staub von den in alle Richtungen laufenden, plündernden Dieben.

Wort für Wort
evam
so (Adv.)
mṛśantaḥ
überlegend (Nom.Pl.Part.Präs.)
ṛṣayaḥ
die Weisen (Nom.Pl.)
dhāvatām
der Laufenden (Gen.Pl.Part.)
sarvataḥ-diśam
in alle Richtungen (Adv.)
pāṁsuḥ
Staub (Nom.Sg.)
samutthitaḥ
erhob sich (Nom.Sg.)
bhūriḥ
reichlich, viel (Nom.Sg.)
corāṇām
der Diebe (Gen.Pl.)
abhilumpatām
der Plündernden (Gen.Pl.Part.)

tad upadravam ājñāya lokasya vasu lumpatām bhartary uparate tasminn anyonyaṁ ca jighāṁ-satām cora-prāyaṁ jana-padaṁ hīna-sattvam arājakam lokān nāvārayañ chaktā api tad-doṣa-darśinaḥ

Als sie diese Unruhe erkannten - man plünderte den Reichtum der Menschen, da jener Beschützer [Vena] tot war, und man trachtete danach, einander zu töten -, [da war] das Land voller Diebe, ohne [rechte] Ordnung, ohne König; obwohl fähig [dazu], hielten sie die Leute [Räuber] nicht zurück, da sie darin die Folge ihrer eigenen Verfehlung erblickten.

Wort für Wort
tat upadravam
diese Unruhe (Akk.Sg.)
ājñāya
erkannt habend (Absolutiv)
lokasya vasu
den Reichtum der Menschen (Akk.Sg.)
lumpatām
der Plündernden (Gen.Pl.Part., depreziativ)
bhartari uparate
als der Beschützer tot war (Loc.abs.)
tasmin
jener [Vena] (Loc.Sg.)
anyonyam
einander (Akk.)
ca
und (Konj.)
jighāṁsatām
der [einander] zu töten Trachtenden (Gen.Pl.Part.Desid.)
cora-prāyam
voller Diebe (Akk.Sg.)
jana-padam
das Land (Akk.Sg.)
hīna-sattvam
ohne [rechte] Ordnung/Wesenskraft (Akk.Sg.)
arājakam
königslos (Akk.Sg.)
lokān
die Leute [Räuber] (Akk.Pl.)
na avārayan
sie hielten nicht zurück (3.Pl.Impf.)
śaktāḥ
fähig (Nom.Pl.)
api
obwohl (Partikel)
tat-doṣa-darśinaḥ
die darin die [eigene] Verfehlung erblickenden (Nom.Pl.)

brāhmaṇaḥ sama-dṛk śānto dīnānāṁ samupekṣakaḥ sravate brahma tasyāpi bhinna-bhāṇḍāt payo yathā

[Selbst] einem Brahmanen, der gleichmütig und friedvoll ist, [aber] die Bedürftigen gänzlich vernachlässigt, entschwindet die geistige Kraft - so wie Wasser aus einem zerbrochenen Gefäß [entweicht].

Wort für Wort
brāhmaṇaḥ
ein Brahmane (Nom.Sg.)
sama-dṛk
gleichmütig (Nom.Sg.)
śāntaḥ
friedvoll (Nom.Sg.)
dīnānām
der Bedürftigen (Gen.Pl.)
samupekṣakaḥ
gänzlich vernachlässigend (Nom.Sg.)
sravate
entschwindet, fließt fort (3.Sg.Präs.Med.)
brahma
die geistige Kraft (Nom.Sg.)
tasya api
auch von ihm (Gen.Sg. + Partikel)
bhinna-bhāṇḍāt
aus einem zerbrochenen Gefäß (Abl.Sg.)
payaḥ
Wasser (Nom.Sg.)
yathā
wie (Adv.)

nāṅgasya vaṁśo rājarṣer eṣa saṁsthātum arhati amogha-vīryā hi nṛpā vaṁśe 'smin keśavāśrayāḥ

Diese Dynastie des königlichen Weisen Aṅga verdient es nicht, zu enden; denn die Könige in dieser Dynastie, die unter dem Schutz Keśavas stehen, haben unfehlbare Kraft.

Wort für Wort
na
nicht (Neg.)
aṅgasya vaṁśaḥ
die Dynastie Aṅgas (Nom.Sg.)
rāja-ṛṣeḥ
des königlichen Weisen (Gen.Sg.)
eṣaḥ
diese (Nom.Sg.)
saṁsthātum
zu enden (Infinitiv)
arhati
verdient (3.Sg.Präs.)
amogha-vīryāḥ
von unfehlbarer Kraft/Same (Nom.Pl.)
hi
denn (Partikel)
nṛpāḥ
die Könige (Nom.Pl.)
vaṁśe asmin
in dieser Dynastie (Loc.Sg.)
keśava-āśrayāḥ
unter dem Schutz Keśavas stehend (Nom.Pl.)

viniścityaivam ṛṣayo vipannasya mahīpateḥ mamanthur ūruṁ tarasā tatrāsīd bāhuko naraḥ

So entschlossen, quirlten die Weisen mit Kraft den Schenkel des verstorbenen Königs; daraus entstand ein Mensch namens Bāhuka.

Wort für Wort
viniścitya
entschlossen habend (Absolutiv)
evam
so (Adv.)
ṛṣayaḥ
die Weisen (Nom.Pl.)
vipannasya
des verstorbenen (Gen.Sg.)
mahī-pateḥ
des Königs (Gen.Sg.)
mamanthuḥ
sie quirlten (3.Pl.Perf.)
ūrum
den Schenkel (Akk.Sg.)
tarasā
mit Kraft (Instr.Sg.)
tatra
daraus, dort (Adv.)
āsīt
entstand, war (3.Sg.Impf.)
bāhukaḥ naraḥ
ein Mensch namens Bāhuka (Nom.Sg.)

kāka-kṛṣṇo 'tihrasvāṅgo hrasva-bāhur mahā-hanuḥ hrasva-pān nimna-nāsāgro raktākṣas tāmra-mūrdhajaḥ

[Er war] rabenschwarz, mit sehr kurzen Gliedern, kurzen Armen, großen Kiefern, kurzen Beinen, eingesunkener Nasenspitze, rötlichen Augen und kupferfarbenem Haar.

Wort für Wort
kāka-kṛṣṇaḥ
rabenschwarz (Nom.Sg.)
ati-hrasva-aṅgaḥ
mit sehr kurzen Gliedern (Nom.Sg.)
hrasva-bāhuḥ
mit kurzen Armen (Nom.Sg.)
mahā-hanuḥ
mit großen Kiefern (Nom.Sg.)
hrasva-pāt
mit kurzen Beinen (Nom.Sg.)
nimna-nāsa-agraḥ
mit eingesunkener Nasenspitze (Nom.Sg.)
rakta-akṣaḥ
mit rötlichen Augen (Nom.Sg.)
tāmra-mūrdha-jaḥ
mit kupferfarbenem Haar (Nom.Sg.)

taṁ tu te 'vanataṁ dīnaṁ kiṁ karomīti vādinam niṣīdety abruvaṁs tāta sa niṣādas tato 'bhavat

Zu ihm, der sich demütig verneigte und fragte: "Was soll ich tun?", sagten sie: "Setz dich hin!" - o Lieber, so wurde er der [Stammvater der] Niṣādas.

Wort für Wort
tam tu
zu ihm aber (Akk.Sg. + Partikel)
te
sie (Nom.Pl.)
avanatam
sich verneigend (Akk.Sg.)
dīnam
demütig, elend (Akk.Sg.)
kim karomi
was soll ich tun (Frage, 1.Sg.Präs.)
iti vādinam
so sprechend/fragend (Akk.Sg.Part.)
niṣīda
setz dich hin! (2.Sg.Imp.)
iti abruvan
so sprachen sie (3.Pl.Impf.)
tāta
o Lieber (Vok.Sg.)
saḥ
er (Nom.Sg.)
niṣādaḥ
Niṣāda (Nom.Sg., Name)
tataḥ
daraufhin (Adv.)
abhavat
wurde (3.Sg.Impf.)

tasya vaṁśyās tu naiṣādā giri-kānana-gocarāḥ yenāharaj jāyamāno vena-kalmaṣam ulbaṇam

Seine Nachkommen, die Naiṣādas, die Berge und Wälder bewohnen, sind jene, durch deren Geburt er die schreckliche Sünde Venas [von sich] hinwegnahm.

Wort für Wort
tasya
seine (Gen.Sg.)
vaṁśyāḥ
Nachkommen (Nom.Pl.)
tu
aber, nun (Partikel)
naiṣādāḥ
die Naiṣādas (Nom.Pl., Name)
giri-kānana-gocarāḥ
Berge und Wälder bewohnend (Nom.Pl.)
yena
durch dessen [Geburt] (Instr.Sg.)
aharat
er nahm hinweg (3.Sg.Impf.)
jāyamānaḥ
geboren werdend (Nom.Sg.Part.Präs.)
vena-kalmaṣam
die Sünde Venas (Akk.Sg.)
ulbaṇam
schrecklich, gewaltig (Akk.Sg.)

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