Kapitel 63: manoḥ kanyā-vaṁśānuvarṇanam [?]
Die Geschlechterfolge der Töchter Manus
Quelle: vedabase.io/en/library/sb/4/1/ (IAST-Text und englische Wort-Glossen als Vokabelhilfe). Deutsche Übersetzung, Wort-für-Wort-Analyse und Grammatik eigenständig erarbeitet. Titel im Kolophon nur auf Englisch angegeben ('Genealogical Table of the Daughters of Manu'); Sanskrit-Titel daher rekonstruiert und mit [?] markiert. Hinweis zur Aufgabenstellung: Die Validierungsvorgabe 'num=63' im Auftrag betrifft offenbar eine andere Kapitel-Vorlage; das vorliegende Kapitel ist Skandha 4, Kapitel 1 (66 Verse in 61 Einheiten, da Vedabase mehrere Verse zu gemeinsamen Seiten zusammenfasst: 26-27, 46-47, 49-52, 54-55).
ākūtiṁ rucaye prādād api bhrātṛmatīṁ nṛpaḥ
putrikā-dharmam āśritya śatarūpānumoditaḥ
Obwohl Ākūti einen Bruder hatte, übergab der König (Manu) sie dem Ruci, indem er sich auf den Putrikā-Brauch (die Tochter-Sohn-Regelung) stützte, [dazu] von Śatarūpā gebilligt.
Wer von beiden der Mann war, war unmittelbar Viṣṇu, die Wesensform des Opfers (Yajña) tragend; wer die Frau war, sie war Dakṣiṇā, eine untrennbare Teilerscheinung der [Glücksgöttin] Bhūti.
Wort für Wort
yaḥ
welcher (Nom.Sg.masc.)
tayoḥ
von den beiden (Gen.Du.)
puruṣaḥ
der Mann (Nom.Sg.)
sākṣāt
unmittelbar (Adv.)
viṣṇuḥ
Viṣṇu (Nom.Sg.)
yajña-svarūpa-dhṛk
die Wesensform des Opfers tragend (Nom.Sg., Kompositum)
Er, der Erhabene, der Herr der Opfersprüche, heiratete sie, die [ihn] begehrte; und da er in der zufriedenen [Dakṣiṇā] Zufriedenheit fand, zeugte er zwölf Söhne.
tuṣitā nāma te devā āsan svāyambhuvāntare
marīci-miśrā ṛṣayo yajñaḥ sura-gaṇeśvaraḥ
Jene Götter mit Namen Tuṣitas gab es im Zeitalter des Svāyambhuva[-Manu], ebenso die Seher mit Marīci an der Spitze; und Yajña [war] der Herr der Götterschar.
Priyavrata und Uttānapāda, die beiden kraftvollen Söhne Manus – jene Periode wurde mitsamt der Reihe ihrer Söhne, Enkel und Urenkel [bereits] geschildert.
Wort für Wort
priyavrata-uttānapādau
Priyavrata und Uttānapāda (Nom.Du.)
manu-putrau
die beiden Söhne Manus (Nom.Du.)
mahā-ojasau
von großer Kraft (Nom.Du., Adj.)
tat-putra-pautra-naptṝṇām
von deren Söhnen, Enkeln und Urenkeln (Gen.Pl.)
anuvṛttam
der Reihe nach dargestellt (Nom.Sg.n., Ptz.Perf.Pass.)
tat-antaram
jene Periode (Nom.Sg.n.)
Bezug auf die zuvor (Canto 3) erzählte Geschichte von Priyavratas und Uttānapādas Nachkommen; Maitreya kehrt nun zum Faden zurück.
devahūtim adāt tāta kardamāyātmajāṁ manuḥ
tat-sambandhi śruta-prāyaṁ bhavatā gadato mama
Manu gab dem Kardama [seine] Tochter Devahūti [zur Frau], lieber Sohn. Was damit zusammenhängt, ist dir, während ich [davon] sprach, von mir beinahe schon [ganz] vernommen worden.
Der erhabene Manu übergab dem Dakṣa, dem Sohn Brahmās, [seine Tochter] Prasūti – [Dakṣa,] durch den die gewaltige, in den drei Welten ausgebreitete Schöpfung bewirkt wurde.
yāḥ kardama-sutāḥ proktā nava brahmarṣi-patnayaḥ
tāsāṁ prasūti-prasavaṁ procyamānaṁ nibodha me
Die neun Töchter Kardamas, die [zuvor bereits] als Gattinnen der brahmanischen Seher genannt wurden – vernimm von mir die jetzt dargelegte Nachkommenschaft, die aus ihnen hervorging.
Pūrṇimā gebar Viraja und Viśvaga, o Bezwinger der Feinde, sowie [die Tochter] Devakulyā, die aus dem Wasser, das Haris Füße reinigte, entstand – der Himmelsstrom [Gaṅgā].
Anasūyā, die Gattin des Atri, gebar drei hochberühmte Söhne – Datta, Durvāsas und Soma – die Teilerscheinungen des Überselbst (Viṣṇu), [Śiva] des Herrn, und Brahmās waren.
Wort für Wort
atreḥ
des Atri (Gen.Sg.)
patnī
die Gattin (Nom.Sg.)
anasūyā
Anasūyā (Nom.Sg.)
trīn
drei (Akk.Pl.masc.)
jajñe
sie gebar (3.Sg.Perf.Med.)
su-yaśasaḥ
hochberühmte (Akk.Pl., Adj.)
sutān
Söhne (Akk.Pl.)
dattam
Datta (Akk.Sg.)
durvāsasam
Durvāsas (Akk.Sg.)
somam
Soma (Akk.Sg.)
ātma-īśa-brahma-sambhavān
aus Überselbst, Herrn (Śiva) und Brahmā entstanden (Akk.Pl., Kompositum)
Vidura sprach: Die besten der Götter, die Ursachen von Erhaltung, Entstehung und Ende [der Welt], erschienen im Haus des Atri, in der Absicht, etwas [Bestimmtes] zu tun. Erzähle mir dies, o Lehrer.
Wort für Wort
viduraḥ uvāca
Vidura sprach
atreḥ gṛhe
im Haus des Atri (Lok.Sg.)
sura-śreṣṭhāḥ
die besten der Götter (Nom.Pl.)
sthiti-utpatti-anta-hetavaḥ
Ursachen von Erhaltung, Entstehung, Ende (Nom.Pl., Kompositum)
maitreya uvāca
brahmaṇā coditaḥ sṛṣṭāv atrir brahma-vidāṁ varaḥ
saha patnyā yayāv ṛkṣaṁ kulādriṁ tapasi sthitaḥ
Maitreya sprach: Von Brahmā zur Schöpfung angetrieben, ging Atri, der Beste der Kenner des Brahman, zusammen mit [seiner] Gattin zum Berg Ṛkṣa, dem Stammberg, und verweilte dort in Askese.
prāṇāyāmena saṁyamya mano varṣa-śataṁ muniḥ
atiṣṭhad eka-pādena nirdvandvo 'nila-bhojanaḥ
… [dort] verharrte der Weise, nachdem er durch Atemkontrolle den Geist gezügelt hatte, hundert Jahre lang auf einem Fuß stehend, frei von den Gegensatzpaaren, sich [nur] von Luft nährend.
Als die drei mächtigen [Schöpfer-Götter] erblickten, wie die drei Welten von dem Feuer erhitzt wurden, das, durch die Atemübung als Brennstoff genährt, aus dem Scheitel des Weisen hervorgetreten war …
Wort für Wort
tapyamānam
erhitzt werdend (Akk.Sg.n., Ptz.Präs.Pass.)
tri-bhuvanam
die drei Welten (Akk.Sg.)
prāṇāyāma-edhasā
durch das mit der Atemübung als Brennstoff (Instr.Sg., Kompositum)
…, begaben sich [die drei Götter], deren Ruhm sich [immer weiter] ausbreitete, begleitet von Apsaras, Weisen, Gandharvas, Siddhas, Vidyādharas und Schlangenwesen, zu jenem Einsiedlerort.
Wort für Wort
apsaraḥ-muni-gandharva-siddha-vidyādhara-uragaiḥ
von Apsaras, Weisen, Gandharvas, Siddhas, Vidyādharas und Schlangenwesen (Instr.Pl.)
Der Weise, dessen Geist durch die Verbindung mit deren Erscheinen erhellt wurde, erhob sich – noch immer auf einem Fuß [stehend] – und erblickte die erhabensten unter den Göttern.
Wort für Wort
tat-prādurbhāva-saṁyoga-vidyotita-manāḥ
dessen Geist durch die Verbindung mit deren Erscheinen erhellt wurde (Nom.Sg., Kompositum)
Sich niederwerfend wie ein Stab auf den Boden, huldigte er mit gefalteten Händen [voller Opfergaben] den [dreien], die auf Stier, Gans und Garuḍa [ritten] und durch ihre jeweils eigenen Merkmale gekennzeichnet waren.
Wort für Wort
praṇamya
sich verneigend (Absolutiv)
daṇḍa-vat
stabgleich [zu Boden fallend] (Adv.)
bhūmau
auf dem Boden (Lok.Sg.)
upatasthe
er huldigte (3.Sg.Perf.Med.)
arhaṇa-añjaliḥ
mit gefalteten Händen [und] Verehrungsgaben (Nom.Sg.)
cetas tat-pravaṇaṁ yuñjann astāvīt saṁhatāñjaliḥ
ślakṣṇayā sūktayā vācā sarva-loka-garīyasaḥ (26)
atrir uvāca
viśvodbhava-sthiti-layeṣu vibhajyamānair māyā-guṇair anuyugaṁ vigṛhīta-dehāḥ
te brahma-viṣṇu-giriśāḥ praṇato 'smy ahaṁ vas
tebhyaḥ ka eva bhavatāṁ ma ihopahūtaḥ (27)
Seinen Geist ihnen zuwendend, pries er, mit zusammengelegten Händen, mit sanfter, wohlgesetzter Stimme, jene für die ganze Welt Erhabensten. Atri sprach: Ihr, die ihr entsprechend den sich bei Entstehung, Erhaltung und Auflösung des Universums aufteilenden Erscheinungsweisen der Māyā je nach Zeitalter [verschiedene] Körper angenommen habt, Brahmā, Viṣṇu und Śiva – ich verneige mich vor euch! Doch wer von euch ist es eigentlich, der hier von mir herbeigerufen wurde?
Wort für Wort
cetaḥ
das Herz/den Geist (Akk.Sg.)
tat-pravaṇam
jenen zugewandt (Akk.Sg.n., Adj.)
yuñjan
ausrichtend (Nom.Sg., Ptz.Präs.)
astāvīt
er pries (3.Sg.Aor. von stu)
saṁhata-añjaliḥ
mit zusammengelegten Händen (Nom.Sg.)
ślakṣṇayā sūktayā vācā
mit sanfter, wohlgesetzter Stimme (Instr.Sg.)
sarva-loka-garīyasaḥ
für die ganze Welt Erhabensten (Akk.Pl.)
atriḥ uvāca
Atri sprach
viśva-udbhava-sthiti-layeṣu
bei Entstehung, Erhaltung, Auflösung des Universums (Lok.Pl.)
eko mayeha bhagavān vividha-pradhānaiś cittī-kṛtaḥ prajananāya
kathaṁ nu yūyam atrāgatās tanu-bhṛtāṁ manaso 'pi dūrād
brūta prasīdata mahān iha vismayo me
Ich hatte hier im Geist einzig auf den Einen, den Erhabenen, mit mannigfaltigen [Vorzügen versehen], zum Zweck der Zeugung [eines Sohnes] fixiert – wie also seid ihr hierhergekommen, die ihr doch selbst dem Denken der verkörperten Wesen fern seid? Sprecht, seid mir gnädig – groß ist hierbei meine Verwunderung.
Wort für Wort
ekaḥ
ein Einziger (Nom.Sg.)
mayā
von mir (Instr.Sg.)
iha
hier
bhagavān
der Erhabene (Nom.Sg.)
vividha-pradhānaiḥ
mit mannigfaltigen vorzüglichen [Eigenschaften] (Instr.Pl.) [?]
maitreya uvāca
iti tasya vacaḥ śrutvā trayas te vibudharṣabhāḥ
pratyāhuḥ ślakṣṇayā vācā prahasya tam ṛṣiṁ prabho
Maitreya sprach: Nachdem sie so seine Worte vernommen hatten, erwiderten jene drei erhabensten der Götter, o Herr, jenem Weisen lächelnd mit sanfter Stimme:
devā ūcuḥ
yathā kṛtas te saṅkalpo bhāvyaṁ tenaiva nānyathā
sat-saṅkalpasya te brahman yad vai dhyāyati te vayam
Die Götter sprachen: Wie dein Entschluss gefasst wurde, so muss es eben dadurch geschehen, nicht anders. O Brahmane, dessen Entschluss [stets] wahr wird – was du da fürwahr ersehnst, das eben sind wir.
Wort für Wort
devāḥ ūcuḥ
die Götter sprachen
yathā
so wie
kṛtaḥ
gefasst (Nom.Sg., Ptz.Perf.Pass.)
te
dein (Gen.Sg.)
saṅkalpaḥ
Entschluss (Nom.Sg.)
bhāvyam
es muss geschehen (Nom.Sg.n., Gerundiv)
tena eva
eben dadurch (Instr.Sg.)
na anyathā
nicht anders
sat-saṅkalpasya te
dessen Entschluss wahr wird (Gen.Sg., bezogen auf Atri)
brahman
o Brahmane (Vok.Sg.)
yat vai
was fürwahr (Akk.Sg.)
dhyāyati
du ersehnst/meditierst (3.Sg.Präs., resp. für 2.Sg.)
athāsmad-aṁśa-bhūtās te ātmajā loka-viśrutāḥ
bhavitāro 'ṅga bhadraṁ te visrapsyanti ca te yaśaḥ
So werden nun, lieber [Atri], deine in der Welt berühmten Söhne, die aus unseren Teilerscheinungen entstehen werden, [dir] Wohlergehen [bringen] und deinen Ruhm verbreiten.
Wort für Wort
atha
nun
asmat-aṁśa-bhūtāḥ
aus unseren Teilerscheinungen entstandene (Nom.Pl.)
So kehrten die Herren der Götter, nachdem sie den ersehnten Segen gegeben hatten, gebührend geehrt von dem Ehepaar, das [ihnen] zusah, von dort zurück.
Soma entstand durch die Teilerscheinung Brahmās; Datta, der Kenner des Yoga, war aber [eine Teilerscheinung] Viṣṇus; Durvāsas war eine Teilerscheinung Śaṅkaras (Śivas). Vernimm nun die Nachkommen des Aṅgiras.
Zwei weitere Söhne von ihm [Aṅgiras] gab es, berühmt in der Svārociṣa-Periode: Utathya, der Machtvolle, und, unmittelbar der geistig Höchststehende, Bṛhaspati.
pulastyo 'janayat patnyām agastyaṁ ca havirbhuvi
so 'nya-janmani dahrāgnir viśravāś ca mahā-tapāḥ
Pulastya zeugte in [seiner] Gattin Havirbhū Agastya; dieser war in einer anderen Geburt [als] 'das verborgene Feuer' [bekannt]; und [Pulastyas anderer Sohn war] Viśravā, groß an Askese.
tasya yakṣa-patir devaḥ kuberas tv iḍaviḍā-sutaḥ
rāvaṇaḥ kumbhakarṇaś ca tathānyasyāṁ vibhīṣaṇaḥ
Dessen [Viśravās] Sohn war der Gott Kubera, Herr der Yakṣas, [geboren] von Iḍaviḍā; Rāvaṇa und Kumbhakarṇa, sowie ebenso von der anderen [Gattin] Vibhīṣaṇa.
cittis tv atharvaṇaḥ patnī lebhe putraṁ dhṛta-vratam
dadhyañcam aśvaśirasaṁ bhṛgor vaṁśaṁ nibodha me
Citti, die Gattin des Atharvan, erhielt einen Sohn, der seine Gelübde treu hielt: Dadhyañc, [genannt] 'Pferdehaupt'. Vernimm nun von mir die Linie Bhṛgus.
Eben diese Weisen, o Kṣattā, bevölkerten die Welten mit [ihren] Nachkommen. Dies war die dir dargelegte Nachkommenschaft der [Töchter-]Enkel Kardamas. [Dieser Bericht ist] für den, der [ihn] hört und ihm vertraut, sogleich höchst sündentilgend. Dakṣa, der Sohn des Ungeborenen [Brahmā], heiratete fürwahr Prasūti, die Tochter Manus.
Wort für Wort
te ete munayaḥ
eben diese Weisen (Nom.Pl.)
kṣattaḥ
o Kṣattā (Vok.Sg., Anrede an Vidura)
lokān
die Welten (Akk.Pl.)
sargaiḥ
mit [ihren] Nachkommen (Instr.Pl.)
abhāvayan
sie bevölkerten (3.Pl.Impf.Kaus.)
eṣaḥ
dies (Nom.Sg.)
kardama-dauhitra-santānaḥ
die Nachkommenschaft der Tochter-Enkel Kardamas (Nom.Sg.)
[Eine gab er] den [versammelten] Ahnen, eine dem Bhava, der die [Fessel des Daseins] durchtrennt. [Die übrigen dreizehn, die Gattinnen des Dharma, waren:] Śraddhā, Maitrī, Dayā, Śānti, Tuṣṭi, Puṣṭi, Kriyā und Unnati, Buddhi, Medhā, Titikṣā, Hrī und Mūrti – dies waren die Gattinnen des Dharma. Śraddhā gebar Śubha; Maitrī [gebar] Prasāda; Dayā [gebar] Abhaya; Śānti [gebar] Sukha; Tuṣṭi [gebar] Muda; Puṣṭi gebar Smaya; Kriyā [gebar] Yoga; Unnati [gebar] Darpa; Buddhi gebar Artha; Medhā [gebar] Smṛti; Titikṣā aber [gebar] Kṣema; Hrī [gebar den] Sohn Praśraya; Mūrti, der Ursprung aller [vortrefflichen] Eigenschaften, [gebar] die beiden Seher Nara und Nārāyaṇa.
Wort für Wort
pitṛbhyaḥ ekām
den Ahnen eine (Dat.Pl. + Akk.Sg.)
yuktebhyaḥ
den versammelten (Dat.Pl., Ptz.Perf.Pass.)
bhavāya ekām
dem Bhava eine (Dat.Sg. + Akk.Sg.)
bhava-cchide
dem [die Fessel des] Daseins Durchtrennenden (Dat.Sg., Beiname Śivas)
Bei der Geburt der beiden [Nara und Nārāyaṇa] frohlockte jenes Universum voller Wonne; die Gemüter, die Himmelsrichtungen, die Winde, die Flüsse und die Berge wurden heiter.
Am Himmel erklangen Musikinstrumente, Blütenregen fielen herab, die erfreuten Weisen priesen [die Neugeborenen], Gandharvas und Kinnaras sangen. Göttliche Frauen tanzten, höchstes Glück herrschte; alle Götter mit Brahmā an der Spitze huldigten [den beiden] mit Lobpreisungen.
Die Götter sprachen: Verehrung dem höchsten Puruṣa, der, gleichsam der [wechselnden] Formenvielfalt am Himmel, dieses [Universum] durch seine eigene Māyā in sich selbst geschaffen hat und der sich heute, zum Erweis dessen [seiner Allmacht], im Hause des Dharma in Gestalt eines Weisen offenbart hat!
Wort für Wort
devāḥ ūcuḥ
die Götter sprachen
yaḥ
der welcher (Nom.Sg.)
māyayā
durch [seine] Māyā (Instr.Sg.)
viracitam
geschaffene (Akk.Sg.n., Ptz.Perf.Pass.)
nijayā ātmani
in sich selbst durch [seine] eigene (Instr.Sg.+Lok.Sg.)
Möge eben er, dessen wahres Wesen [nur] durch Schlussfolgerung erfasst werden kann, der uns, die Götterscharen, durch [die Erscheinungsweise der] Güte erschaffen hat, um die Störungen der [Welt-]Ordnung zu beruhigen, uns mit jenem überaus mitleidsvollen Blick erblicken, der die makellose Lotusblüte, den Sitz der Glücksgöttin [Śrī], übertrifft.
Wort für Wort
saḥ ayam
eben dieser (Nom.Sg.)
sthiti-vyatikara-upaśamāya
zur Beruhigung der Störungen der Weltordnung (Dat.Sg.)
sṛṣṭān
erschaffene (Akk.Pl., Ptz.Perf.Pass.)
sattvena
durch [die Erscheinungsweise der] Güte (Instr.Sg.)
naḥ sura-gaṇān
uns, die Götterscharen (Akk.Pl.)
anumeya-tattvaḥ
dessen Wesen erschlossen werden muss (Nom.Sg., Adj.)
So gingen, lieber [Vidura], die beiden Erhabenen, von den Götterscharen gepriesen und verehrt, welche [ihrerseits] einen [gnädigen] Blick erlangt hatten, zum [Berg] Gandhamādana.
tāv imau vai bhagavato harer aṁśāv ihāgatau
bhāra-vyayāya ca bhuvaḥ kṛṣṇau yadu-kurūdvahau
Diese beiden hier sind fürwahr zwei Teilerscheinungen des Erhabenen Hari, [die] hier erschienen sind, um die Last der Erde zu vermindern – die beiden 'Kṛṣṇas' [Kṛṣṇa und Arjuna], die Besten der Yadu- und Kuru-[Dynastien].
Wort für Wort
tau imau
jene beiden hier (Nom.Du.)
vai
fürwahr
bhagavataḥ hareḥ
des Erhabenen Hari (Gen.Sg.)
aṁśau
zwei Teilerscheinungen (Nom.Du.)
iha āgatau
hier erschienen (Nom.Du., Ptz.Perf.Pass.)
bhāra-vyayāya
zur Verminderung der Last (Dat.Sg.)
ca bhuvaḥ
und der Erde (Gen.Sg.)
kṛṣṇau
die beiden Kṛṣṇas (Nom.Du.)
yadu-kuru-udvahau
die Besten der Yadu- und Kuru-[Dynastien] (Nom.Du.)
vaitānike karmaṇi yan-nāmabhir brahma-vādibhiḥ
āgneyya iṣṭayo yajñe nirūpyante 'gnayas tu te
Mit deren Namen werden beim rituellen Opferdienst von den [die Veden] verkündenden [Priestern] die Agni geweihten Opfer im [Opfer-]Ritus festgelegt – jene [neunundvierzig] eben sind die [genannten] Feuer[-götter].
Wort für Wort
vaitānike karmaṇi
beim rituellen Opferdienst (Lok.Sg.)
yat-nāmabhiḥ
mit deren Namen (Instr.Pl.)
brahma-vādibhiḥ
von den [die Veden] verkündenden [Priestern] (Instr.Pl.)
Die Agniṣvāttas, Barhiṣadas, Saumyas und Ājyapas sind die Vorväter (Pitṛs), [manche] mit, [manche] ohne Feuer[-Opfer verbunden]; ihre gemeinsame Gattin ist Svadhā, die Tochter Dakṣas.
tebhyo dadhāra kanye dve vayunāṁ dhāriṇīṁ svadhā
ubhe te brahma-vādinyau jñāna-vijñāna-pārage
Von ihnen [den Pitṛs] brachte Svadhā zwei Töchter hervor, Vayunā und Dhāriṇī; beide waren Verkünderinnen des Brahman, in [theoretischem] Wissen und [praktischem] Erkennen zur Meisterschaft gelangt.
Wort für Wort
tebhyaḥ
von ihnen (Abl.Pl.)
dadhāra
sie brachte hervor (3.Sg.Perf.)
kanye dve
zwei Töchter (Akk.Du.)
vayunām
Vayunā (Akk.Sg.)
dhāriṇīm
Dhāriṇī (Akk.Sg.)
svadhā
Svadhā (Nom.Sg.)
ubhe te
beide jene (Nom.Du.)
brahma-vādinyau
die Verkünderinnen des Brahman (Nom.Du.)
jñāna-vijñāna-pāra-ge
in Wissen und Erkennen zur Meisterschaft gelangt (Nom.Du., Adj.)
pitary apratirūpe sve bhavāyānāgase ruṣā
aprauḍhaivātmanātmānam ajahād yoga-saṁyutā
Aus Zorn über ihren eigenen Vater, der sich gegenüber Bhava (Śiva), ihrem für ihn unschuldigen Gatten, ungebührlich verhalten hatte, verließ sie, noch nicht [einmal] erwachsen, mit yogischer Kraft ausgestattet, durch sich selbst [ihren] Körper.
Wort für Wort
pitari apratirūpe
gegenüber [ihrem] Vater, der sich ungebührlich verhielt (Lok.Sg.)
sve
[ihrem] eigenen (Lok.Sg.)
bhavāya anāgase
für Bhava, der schuldlos war (Dat.Sg.)
ruṣā
aus Zorn (Instr.Sg.)
aprauḍhā eva
noch nicht erwachsen (Nom.Sg., Adj.)
ātmanā
durch sich selbst (Instr.Sg.)
ātmānam
den [eigenen] Körper (Akk.Sg.)
ajahāt
sie gab auf/verließ (3.Sg.Impf.)
yoga-saṁyutā
mit yogischer Kraft ausgestattet (Nom.Sg., Adj.)
Colophon: Ende des 1. Kapitels des 4. Canto, 'Genealogische Tafel der Töchter Manus'.