Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 169: Payo-vratānuṣṭhānam Der Vollzug des Payo-vrata (Milch-Gelübdes)

śrī-śuka uvāca | evaṁ putreṣu naṣṭeṣu deva-mātāditis tadā | hṛte tri-viṣṭape daityaiḥ paryatapyad anātha-vat

Śrī Śuka sprach: Als so ihre Söhne verloren waren und das Himmelreich von den Daityas geraubt war, da grämte sich Aditi, die Mutter der Götter, wie eine Schutzlose.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
evam
so, auf diese Weise
putreṣu naṣṭeṣu
als (ihre) Söhne verloren/vernichtet waren
deva-mātā
die Mutter der Götter
aditiḥ
Aditi
tadā
da, damals
hṛte
als geraubt worden war
tri-viṣṭape
das Himmelreich (die drei Himmelswelten)
daityaiḥ
durch die Daityas
paryatapyat
sie grämte sich, klagte
anātha-vat
wie eine Herren-/Schutzlose

ekadā kaśyapas tasyā āśramaṁ bhagavān agāt | nirutsavaṁ nirānandaṁ samādher virataś cirāt

Eines Tages ging der mächtige Kaśyapa, nachdem er nach langer Zeit von seiner Versenkung abgelassen hatte, zu ihrer freud- und festlosen Einsiedelei.

Wort für Wort
ekadā
eines Tages
kaśyapaḥ
Kaśyapa
tasyāḥ
ihrer (Aditis)
āśramam
zur Einsiedelei
bhagavān
der Mächtige
agāt
ging
nirutsavam
festlos
nirānandam
freudlos
samādheḥ
von der Versenkung
virataḥ
abgelassen habend
cirāt
nach langer Zeit

sa patnīṁ dīna-vadanāṁ kṛtāsana-parigrahaḥ | sabhājito yathā-nyāyam idam āha kurūdvaha

Er, nachdem er den Sitzplatz angenommen und gebührend geehrt worden war, sprach zu seiner Gattin mit betrübtem Antlitz der Sitte gemäß Folgendes, o Bester der Kurus.

Wort für Wort
saḥ
er
patnīm
die Gattin
dīna-vadanām
mit betrübtem Gesicht
kṛta-āsana-parigrahaḥ
nachdem er den Sitzplatz angenommen hatte
sabhājitaḥ
geehrt
yathā-nyāyam
der Sitte gemäß
idam āha
sprach dies
kuru-udvaha
o Bester der Kurus

apy abhadraṁ na viprāṇāṁ bhadre loke 'dhunāgatam | na dharmasya na lokasya mṛtyoś chandānuvartinaḥ

Ist wohl kein Unheil geschehen - weder den Brahmanen, o Gütige, noch ist in der Welt gegenwärtig etwas Böses aufgekommen - weder der Rechtsordnung noch den Sterblichen, die der Laune des Todes unterworfen sind?

Wort für Wort
api
etwa, hoffentlich nicht
abhadram
Unheil
na
nicht
viprāṇām
den Brahmanen
bhadre
o Gütige
loke
in der Welt
adhunā
gegenwärtig
āgatam
gekommen, widerfahren
na dharmasya
nicht der Rechtsordnung
na lokasya
nicht den Menschen
mṛtyoḥ chanda-anuvartinaḥ
die der Laune des Todes folgen (den Sterblichen)

elliptisches 'api...na' als besorgte Rückfrage ('hoffentlich nicht...')

api vākuśalaṁ kiñcid gṛheṣu gṛha-medhini | dharmasyārthasya kāmasya yatra yogo hy ayoginām

Oder ist im Haushalt irgendein Missstand entstanden, o Haushälterin, wo doch für Hausleute die Erfüllung von Pflicht, Erwerb und Genuss selbst für Nicht-Yogis möglich ist?

Wort für Wort
api vā
oder etwa
akuśalam kiñcit
irgendein Missstand
gṛheṣu
im Haushalt
gṛha-medhini
o Haushälterin
dharmasya arthasya kāmasya
von Pflicht, Erwerb und Genuss
yatra
wo
yogaḥ
die Erfüllung, Vereinigung
hi
fürwahr
ayoginām
auch für Nicht-Yogis (Hausleute)

api vātithayo 'bhyetya kuṭumbāsaktayā tvayā | gṛhād apūjitā yātāḥ pratyutthānena vā kvacit

Oder sind etwa Gäste, die herankamen, von dir, die du an die Familie gebunden bist, irgendeinmal ungeehrt vom Haus fortgegangen - sei es ganz ohne Ehrung oder nur mit einem Aufstehen?

Wort für Wort
api vā
oder etwa
atithayaḥ
Gäste
abhyetya
herangekommen
kuṭumba-āsaktayā tvayā
von dir, die an die Familie gebunden ist
gṛhāt
vom Haus
apūjitāḥ
ungeehrt
yātāḥ
fortgegangen
pratyutthānena vā
oder [nur] durch Aufstehen
kvacit
irgendeinmal

gṛheṣu yeṣv atithayo nārcitāḥ salilair api | yadi niryānti te nūnaṁ pherurāja-gṛhopamāḥ

Häuser, aus denen Gäste, die nicht einmal mit Wasser geehrt wurden, fortgehen - solche Häuser gleichen fürwahr den Höhlen der Schakale.

Wort für Wort
gṛheṣu yeṣu
in welchen Häusern
atithayaḥ
Gäste
na arcitāḥ
nicht geehrt
salilaiḥ api
selbst nicht mit Wasser
yadi niryānti
wenn fortgehen
te
jene (Häuser)
nūnam
fürwahr
pheru-rāja-gṛha-upamāḥ
den Höhlen der Schakale gleich

apy agnayas tu velāyāṁ na hutā haviṣā sati | tvayodvigna-dhiyā bhadre proṣite mayi karhicit

Sind etwa die heiligen Feuer, o Tugendhafte, zur rechten Zeit nicht mit Opferbutter gespeist worden, weil dein Sinn beunruhigt war, o Gute, als ich irgendeinmal abwesend war?

Wort für Wort
api
etwa
agnayaḥ tu
die heiligen Feuer aber
velāyām
zur rechten Zeit
na hutāḥ
nicht gespeist, geopfert
haviṣā
mit Opferbutter
sati
o Tugendhafte
tvayā udvigna-dhiyā
von dir mit beunruhigtem Sinn
bhadre
o Gute
proṣite mayi
als ich fern war
karhicit
irgendeinmal

yat-pūjayā kāma-dughān yāti lokān gṛhānvitaḥ | brāhmaṇo 'gniś ca vai viṣṇoḥ sarva-devātmano mukham

Der Brahmane und das Feuer sind fürwahr der Mund Viṣṇus, der die Seele aller Götter ist; durch deren Verehrung gelangt der Haushälter zu den wunscherfüllenden Welten.

Wort für Wort
yat-pūjayā
durch deren Verehrung
kāma-dughān lokān
zu den wunscherfüllenden Welten
yāti
er gelangt
gṛha-anvitaḥ
der Haushälter
brāhmaṇaḥ agniḥ ca
der Brahmane und das Feuer
vai
fürwahr
viṣṇoḥ mukham
der Mund Viṣṇus
sarva-deva-ātmanaḥ
der die Seele aller Götter ist

api sarve kuśalinas tava putrā manasvini | lakṣaye 'svastham ātmānaṁ bhavatyā lakṣaṇair aham

Sind wohl alle deine Söhne wohlbehalten, o Hochgesinnte? An den Anzeichen bemerke ich, dass dein Gemüt unruhig ist.

Wort für Wort
api sarve
sind etwa alle
kuśalinaḥ
wohlbehalten
tava putrāḥ
deine Söhne
manasvini
o Hochgesinnte
lakṣaye
ich sehe, bemerke
asvastham ātmānam
das unruhige Gemüt
bhavatyāḥ
von dir
lakṣaṇaiḥ
an den Anzeichen
aham
ich

śrī-aditir uvāca | bhadraṁ dvija-gavāṁ brahman dharmasyāsya janasya ca | tri-vargasya paraṁ kṣetraṁ gṛhamedhin gṛhā ime

Śrī Aditi sprach: Wohlergehen sei den Brahmanen und Kühen, o Brahmane! Dieses unser Heim ist das höchste Feld für die Rechtsordnung, für die Menschen und für die drei Lebensziele, o du, der du am Hausstand hängst.

Wort für Wort
śrī-aditiḥ uvāca
Śrī Aditi sprach
bhadram
Wohlergehen
dvija-gavām
der Brahmanen und Kühe
brahman
o Brahmane
dharmasya asya janasya ca
dieser Rechtsordnung und der Menschen
tri-vargasya
der drei Lebensziele
param kṣetram
das höchste Feld
gṛha-medhin
o Hausstands-Anhänger
gṛhāḥ ime
dieses Heim hier

agnayo 'tithayo bhṛtyā bhikṣavo ye ca lipsavaḥ | sarvaṁ bhagavato brahmann anudhyānān na riṣyati

Die Feuer, die Gäste, die Diener, die Bettler und wer auch immer sonst begehrt - all dies kommt, o Brahmane, durch dein beständiges Gedenken, du Erhabener, nicht zu Schaden.

Wort für Wort
agnayaḥ atithayaḥ bhṛtyāḥ bhikṣavaḥ
die Feuer, die Gäste, die Diener, die Bettler
ye ca lipsavaḥ
und wer auch immer begehrt
sarvam
alles
bhagavataḥ
deines, des Erhabenen
brahman
o Brahmane
anudhyānāt
durch das beständige Gedenken
na riṣyati
kommt nicht zu Schaden

ko nu me bhagavan kāmo na sampadyeta mānasaḥ | yasyā bhavān prajādhyakṣa evaṁ dharmān prabhāṣate

Welcher in meinem Geist gehegte Wunsch, o Herr, sollte mir nicht in Erfüllung gehen, deren Gemahl du bist, der Herr der Geschöpfe, der so die Pflichten verkündet?

Wort für Wort
kaḥ nu
welcher wohl
me
mein
bhagavan
o Herr
kāmaḥ
Wunsch
na sampadyeta
sollte nicht in Erfüllung gehen
mānasaḥ
im Geist gehegter
yasyāḥ
deren
bhavān
du
prajā-adhyakṣaḥ
Herr der Geschöpfe
evam dharmān prabhāṣate
so die Pflichten verkündet

tavaiva mārīca manaḥ-śarīrajāḥ prajā imāḥ sattva-rajas-tamo-juṣaḥ | samo bhavāṁs tāsv asurādiṣu prabho tathāpi bhaktaṁ bhajate maheśvaraḥ

Dein allein, o Sohn des Marīci, sind diese Geschöpfe, aus Geist und Körper entstanden, behaftet mit Güte, Leidenschaft und Trägheit. Du bist ihnen allen gleich, den Dämonen und anderen, o Herr - dennoch nimmt sich der große Herrscher des Hingegebenen besonders an.

Wort für Wort
tava eva
dein allein
mārīca
o Sohn des Marīci
manaḥ-śarīra-jāḥ
aus Geist und Körper entstanden
prajāḥ imāḥ
diese Geschöpfe
sattva-rajaḥ-tamaḥ-juṣaḥ
behaftet mit den drei guṇas
samaḥ bhavān
du bist gleich[gesinnt]
tāsu asura-ādiṣu
unter diesen, den Dämonen u.a.
prabho
o Herr
tathā api
dennoch
bhaktam bhajate
nimmt sich des Hingegebenen an
mahā-īśvaraḥ
der große Herrscher

tasmād īśa bhajantyā me śreyaś cintaya suvrata | hṛta-śriyo hṛta-sthānān sapatnaiḥ pāhi naḥ prabho

Deshalb, o Herrscher, bedenke das Heil für mich, die ich dir ergeben bin, o du Gelübdetreuer! Beschütze uns, die wir durch die Rivalen der Herrlichkeit und der Stätte beraubt sind, o Herr.

Wort für Wort
tasmāt
deshalb
īśa
o Herrscher
bhajantyāḥ me
meiner, die dir ergeben bin
śreyaḥ cintaya
bedenke das Heil
su-vrata
o Gelübdetreuer
hṛta-śriyaḥ hṛta-sthānān
der Herrlichkeit und der Stätte beraubt
sapatnaiḥ
durch die Rivalen
pāhi naḥ
beschütze uns
prabho
o Herr

parair vivāsitā sāhaṁ magnā vyasana-sāgare | aiśvaryaṁ śrīr yaśaḥ sthānaṁ hṛtāni prabalair mama

Von den Feinden vertrieben, bin ich, eben diese, versunken im Ozean des Unglücks. Meine Herrschermacht, mein Glanz, mein Ruhm und meine Wohnstätte sind von den Übermächtigen geraubt worden.

Wort für Wort
paraiḥ vivāsitā
von den Feinden vertrieben
sā aham
ich, eben diese
magnā
versunken
vyasana-sāgare
im Ozean des Unglücks
aiśvaryam śrīḥ yaśaḥ sthānam
Herrschermacht, Glanz, Ruhm, Wohnstätte
hṛtāni
geraubt
prabalaiḥ
durch die Übermächtigen
mama
mein

yathā tāni punaḥ sādho prapadyeran mamātmajāḥ | tathā vidhehi kalyāṇaṁ dhiyā kalyāṇa-kṛttama

Auf dass meine Söhne, o Frommer, jene verlorenen Dinge wieder erlangen mögen, bewirke du mit deiner Einsicht dieses Wohl, o du bester Wohltäter.

Wort für Wort
yathā
auf dass
tāni punaḥ
jene wieder
sādho
o Frommer
prapadyeran
erlangen mögen
mama ātmajāḥ
meine Söhne
tathā vidhehi
so bewirke
kalyāṇam
Wohlergehen
dhiyā
mit Einsicht
kalyāṇa-kṛt-tama
o bester Wohltäter

śrī-śuka uvāca | evam abhyarthito 'dityā kas tām āha smayann iva | aho māyā-balaṁ viṣṇoḥ sneha-baddham idaṁ jagat

Śrī Śuka sprach: So von Aditi gebeten, sprach Kaśyapa gleichsam lächelnd zu ihr: 'Ach, welch Macht der Illusionsenergie Viṣṇus - durch Zuneigung ist diese ganze Welt gebunden!'

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
evam abhyarthitaḥ
so gebeten
adityā
von Aditi
kaḥ
Kaśyapa
tām āha
sprach zu ihr
smayan iva
gleichsam lächelnd
aho
ach
māyā-balam viṣṇoḥ
die Macht der Illusionsenergie Viṣṇus
sneha-baddham
durch Zuneigung gebunden
idam jagat
diese Welt

kva deho bhautiko 'nātmā kva cātmā prakṛteḥ paraḥ | kasya ke pati-putrādyā moha eva hi kāraṇam

Wie fern steht der aus den Elementen bestehende Körper, der nicht das Selbst ist, und wie fern das Selbst, das der Materie überlegen ist! Wessen Eigen sind Gatte, Söhne und dergleichen? Die Verblendung allein ist die Ursache solcher Bindung.

Wort für Wort
kva
wie fern
dehaḥ bhautikaḥ anātmā
der aus den Elementen bestehende Körper, der nicht das Selbst ist
kva ca
und wie fern
ātmā prakṛteḥ paraḥ
das Selbst, das der Materie überlegen ist
kasya ke
wessen sind was
pati-putra-ādyāḥ
Gatte, Söhne und dergleichen
mohaḥ eva hi
die Verblendung allein fürwahr
kāraṇam
die Ursache

upatiṣṭhasva puruṣaṁ bhagavantaṁ janārdanam | sarva-bhūta-guhā-vāsaṁ vāsudevaṁ jagad-gurum

Verehre den erhabenen Urgeist Janārdana, der in der Höhle des Herzens aller Wesen wohnt - Vāsudeva, den Lehrer der Welt.

Wort für Wort
upatiṣṭhasva
verehre, nahe dich anbetend
puruṣam bhagavantam
den erhabenen Urgeist
janārdanam
Janārdana (den Bedränger der Bösen)
sarva-bhūta-guhā-vāsam
der in der Herzenshöhle aller Wesen wohnt
vāsudevam
Vāsudeva
jagat-gurum
den Lehrer der Welt

sa vidhāsyati te kāmān harir dīnānukampanaḥ | amoghā bhagavad-bhaktir netareti matir mama

Er, Hari, der mit den Bedürftigen Mitleid hat, wird deine Wünsche erfüllen. Unfehlbar ist die Hingabe an den Erhabenen, nichts anderes - so ist meine Meinung.

Wort für Wort
saḥ
er
vidhāsyati
wird erfüllen
te kāmān
deine Wünsche
hariḥ
Hari
dīna-anukampanaḥ
der mit den Bedürftigen Mitleid hat
amoghā bhagavat-bhaktiḥ
unfehlbar ist die Hingabe an den Erhabenen
na itarā
nichts anderes
iti matiḥ mama
so ist meine Meinung

śrī-aditir uvāca | kenāhaṁ vidhinā brahmann upasthāsye jagat-patim | yathā me satya-saṅkalpo vidadhyāt sa manoratham

Śrī Aditi sprach: Durch welchen Ritus, o Brahmane, soll ich mich dem Herrn der Welt nahen, auf dass er, dessen Wille stets wahr wird, meinen Herzenswunsch erfülle?

Wort für Wort
śrī-aditiḥ uvāca
Śrī Aditi sprach
kena vidhinā
durch welchen Ritus
aham
ich
brahman
o Brahmane
upasthāsye
werde ich verehren, mich nahen
jagat-patim
dem Herrn der Welt
yathā
auf dass
me
mein
satya-saṅkalpaḥ
der von wahrhaftigem Willen
vidadhyāt
erfülle
saḥ manoratham
er den Herzenswunsch

ādiśa tvaṁ dvija-śreṣṭha vidhiṁ tad-upadhāvanam | āśu tuṣyati me devaḥ sīdantyāḥ saha putrakaiḥ

Weise du mich an, o Bester der Zweimalgeborenen, in der Vorschrift zu dessen Verehrung, auf dass der Gott rasch zufrieden werde mit mir, die ich samt meinen Söhnen leide.

Wort für Wort
ādiśa tvam
weise du an
dvija-śreṣṭha
o Bester der Zweimalgeborenen
vidhim
die Vorschrift
tat-upadhāvanam
für dessen Verehrung
āśu tuṣyati
möge rasch zufrieden werden
me devaḥ
der Gott mit mir
sīdantyāḥ
die ich leide
saha putrakaiḥ
samt meinen Söhnen

śrī-kaśyapa uvāca | etan me bhagavān pṛṣṭaḥ prajā-kāmasya padmajaḥ | yad āha te pravakṣyāmi vrataṁ keśava-toṣaṇam

Śrī Kaśyapa sprach: Als ich, der Nachkommenschaft begehrte, den erhabenen Lotusgeborenen Brahmā befragte, sprach er dies. Ich werde es dir verkünden - das Gelübde, das Keśava erfreut.

Wort für Wort
śrī-kaśyapaḥ uvāca
Śrī Kaśyapa sprach
etat
dies
me
von mir
bhagavān pṛṣṭaḥ
der Erhabene befragt
prajā-kāmasya
der Nachkommenschaft wünschte
padma-jaḥ
der Lotusgeborene (Brahmā)
yat āha
was er sagte
te pravakṣyāmi
werde ich dir verkünden
vratam
das Gelübde
keśava-toṣaṇam
das Keśava Erfreuende

phālgunasyāmale pakṣe dvādaśāhaṁ payo-vratam | arcayed aravindākṣaṁ bhaktyā paramayānvitaḥ

In der reinen (hellen) Monatshälfte des Phālguna soll man zwölf Tage lang das Milch-Gelübde einhaltend den Lotusäugigen mit höchster Hingabe verehren.

Wort für Wort
phālgunasya amale pakṣe
in der reinen Monatshälfte des Phālguna
dvādaśa-aham
zwölf Tage lang
payaḥ-vratam
das Milch-Gelübde
arcayet
man verehre
aravinda-akṣam
den Lotusäugigen
bhaktyā paramayā anvitaḥ
von höchster Hingabe begleitet

sinīvālyāṁ mṛdālipya snāyāt kroḍa-vidīrṇayā | yadi labhyeta vai srotasy etaṁ mantram udīrayet

Am Neumondtag bade man, nachdem man sich mit Erde bestrichen hat - die, wenn erlangbar, vom Rüssel des Ebers aufgewühlt wurde - im fließenden Wasser, und spreche dieses Mantra:

Wort für Wort
sinīvālyām
am Neumondtag
mṛdā ālipya
mit Erde sich bestreichend
snāyāt
man bade
kroḍa-vidīrṇayā
mit vom Eberrüssel aufgewühlter (Erde)
yadi labhyeta vai
wenn fürwahr erlangbar
srotasi
im Strom
etam mantram udīrayet
spreche dieses Mantra

tvaṁ devy ādi-varāheṇa rasāyāḥ sthānam icchatā | uddhṛtāsi namas tubhyaṁ pāpmānaṁ me praṇāśaya

Du, o Göttin Erde, bist von dem Ur-Eber, der dir den rechten Ort wünschte, aus der Tiefe emporgehoben worden. Verehrung sei dir - vernichte meine Sündenlast!

Wort für Wort
tvam devi
du, o Göttin
ādi-varāheṇa
durch den Ur-Eber
rasāyāḥ
aus der Tiefe (Rasātala)
sthānam icchatā
der den (rechten) Ort wünschte
uddhṛtā asi
bist emporgehoben worden
namaḥ tubhyam
Verehrung dir
pāpmānam me
meine Sündenlast
praṇāśaya
vernichte

nirvartitātma-niyamo devam arcet samāhitaḥ | arcāyāṁ sthaṇḍile sūrye jale vahnau gurāv api

Nachdem man die eigenen täglichen Pflichten vollendet hat, verehre man gesammelten Sinnes den Gott - sei es im Bildnis, auf dem Erdaltar, in der Sonne, im Wasser, im Feuer oder auch im Lehrer.

Wort für Wort
nirvartita-ātma-niyamaḥ
nachdem die eigenen täglichen Pflichten vollendet sind
devam arcet
verehre man den Gott
samāhitaḥ
gesammelten Sinnes
arcāyām
im Bildnis
sthaṇḍile
auf dem Erdaltar
sūrye
in der Sonne
jale
im Wasser
vahnau
im Feuer
gurau api
auch im Lehrer

namas tubhyaṁ bhagavate puruṣāya mahīyase | sarva-bhūta-nivāsāya vāsudevāya sākṣiṇe

Verehrung dir, dem Erhabenen, dem Urgeist, dem Erhabensten, der in allen Wesen wohnt, Vāsudeva, dem Zeugen von allem.

Wort für Wort
namaḥ tubhyam
Verehrung dir
bhagavate
dem Erhabenen
puruṣāya
dem Urgeist
mahīyase
dem Erhabensten
sarva-bhūta-nivāsāya
der in allen Wesen wohnt
vāsudevāya
Vāsudeva
sākṣiṇe
dem Zeugen

namo 'vyaktāya sūkṣmāya pradhāna-puruṣāya ca | catur-viṁśad-guṇa-jñāya guṇa-saṅkhyāna-hetave

Verehrung dem Unmanifestierten, dem Feinen, dem Urstoff und Urgeist, dem Kenner der vierundzwanzig Kategorien, dem Urgrund der Sāṅkhya-Lehre.

Wort für Wort
namaḥ
Verehrung
avyaktāya
dem Unmanifestierten
sūkṣmāya
dem Feinen
pradhāna-puruṣāya ca
dem Urstoff und Urgeist
catuḥ-viṁśat-guṇa-jñāya
dem Kenner der vierundzwanzig Kategorien
guṇa-saṅkhyāna-hetave
dem Urgrund der Sāṅkhya-Lehre

namo dvi-śīrṣṇe tri-pade catuḥ-śṛṅgāya tantave | sapta-hastāya yajñāya trayī-vidyātmane namaḥ

Verehrung dem Zweihäuptigen, Dreifüßigen, Vierhörnigen, sich Ausbreitenden, Siebenhändigen, dem Opferwesen, dessen Wesen die dreifache vedische Wissenschaft ist - Verehrung!

Wort für Wort
namaḥ
Verehrung
dvi-śīrṣṇe
dem Zweihäuptigen
tri-pade
dem Dreifüßigen
catuḥ-śṛṅgāya
dem Vierhörnigen
tantave
dem sich Ausbreitenden
sapta-hastāya
dem Siebenhändigen
yajñāya
dem Opferwesen
trayī-vidyā-ātmane
dessen Wesen die dreifache vedische Wissenschaft ist
namaḥ
Verehrung

namaḥ śivāya rudrāya namaḥ śakti-dharāya ca | sarva-vidyādhipataye bhūtānāṁ pataye namaḥ

Verehrung dem Śiva, dem Rudra; Verehrung dem Träger der Macht; dem Herrn allen Wissens, dem Herrn der Wesen - Verehrung!

Wort für Wort
namaḥ śivāya
Verehrung dem Śiva
rudrāya
dem Rudra
namaḥ śakti-dharāya ca
und Verehrung dem Träger der Macht
sarva-vidyā-adhipataye
dem Herrn allen Wissens
bhūtānām pataye
dem Herrn der Wesen
namaḥ
Verehrung

namo hiraṇyagarbhāya prāṇāya jagad-ātmane | yogaiśvarya-śarīrāya namas te yoga-hetave

Verehrung dem Hiraṇyagarbha, dem Lebensatem, der Weltseele, dessen Leib aus der Herrschermacht des Yoga besteht. Verehrung dir, dem Urgrund des Yoga!

Wort für Wort
namaḥ
Verehrung
hiraṇyagarbhāya
dem Hiraṇyagarbha
prāṇāya
dem Lebensatem
jagat-ātmane
der Weltseele
yoga-aiśvarya-śarīrāya
dessen Leib aus der Herrschermacht des Yoga besteht
namaḥ te
Verehrung dir
yoga-hetave
dem Urgrund des Yoga

namas ta ādi-devāya sākṣi-bhūtāya te namaḥ | nārāyaṇāya ṛṣaye narāya haraye namaḥ

Verehrung dir, dem Urgott; dir, dem Zeugen von allem, Verehrung! Nārāyaṇa, dem Seher, dem Nara, Hari - Verehrung!

Wort für Wort
namaḥ te
Verehrung dir
ādi-devāya
dem Urgott
sākṣi-bhūtāya te
dir, dem Zeugen
namaḥ
Verehrung
nārāyaṇāya
Nārāyaṇa
ṛṣaye
dem Seher
narāya
dem Nara
haraye
Hari
namaḥ
Verehrung

namo marakata-śyāma-vapuṣe 'dhigata-śriye | keśavāya namas tubhyaṁ namas te pīta-vāsase

Verehrung dem, dessen Leib smaragdschwarz glänzt, der die Śrī erlangt hat; dem Keśava, Verehrung dir! Verehrung dir, dem Gelbgewandeten!

Wort für Wort
namaḥ
Verehrung
marakata-śyāma-vapuṣe
dem, dessen Leib smaragdschwarz ist
adhigata-śriye
der die Śrī erlangt hat
keśavāya
dem Keśava
namaḥ tubhyam
Verehrung dir
namaḥ te
Verehrung dir
pīta-vāsase
dem Gelbgewandeten

tvaṁ sarva-varadaḥ puṁsāṁ vareṇya varadarṣabha | atas te śreyase dhīrāḥ pāda-reṇum upāsate

Du bist der Gewährer aller Gaben an die Menschen, o Wählenswerter, o Bester der Gabenspender. Deshalb verehren die Weisen zu ihrem Heil den Staub deiner Füße.

Wort für Wort
tvam
du
sarva-vara-daḥ
der Gewährer aller Gaben
puṁsām
den Menschen
vareṇya
o Wählenswerter
vara-da-ṛṣabha
o Bester der Gabenspender
ataḥ
deshalb
te śreyase
zu deinem Heil
dhīrāḥ
die Weisen
pāda-reṇum upāsate
verehren den Staub der Füße

anvavartanta yaṁ devāḥ śrīś ca tat-pāda-padmayoḥ | spṛhayanta ivāmodaṁ bhagavān me prasīdatām

Dem die Götter und Śrī dienten, an dessen Lotusfüßen gleichsam nach ihrer Wonne begehrend - der Erhabene möge mit mir zufrieden sein.

Wort für Wort
anvavartanta
sie dienten, folgten
yam
dem
devāḥ śrīḥ ca
die Götter und Śrī
tat-pāda-padmayoḥ
an dessen Lotusfüßen
spṛhayantaḥ iva
gleichsam begehrend
āmodam
die Wonne
bhagavān
der Erhabene
me prasīdatām
möge mit mir zufrieden sein

etair mantrair hṛṣīkeśam āvāhana-puraskṛtam | arcayec chraddhayā yuktaḥ pādyopasparśanādibhiḥ

Mit diesen Mantras verehre man, mit Vertrauen ausgestattet, den zuvor herbeigerufenen Hṛṣīkeśa mit Fußwasser, Berührung mit Wasser und dergleichen.

Wort für Wort
etaiḥ mantraiḥ
mit diesen Mantras
hṛṣīkeśam
den Herrn der Sinne (Hṛṣīkeśa)
āvāhana-puraskṛtam
der zuvor herbeigerufen wurde
arcayet
man verehre
śraddhayā yuktaḥ
mit Vertrauen ausgestattet
pādya-upasparśana-ādibhiḥ
mit Fußwasser, Berührung und dergleichen

arcitvā gandha-mālyādyaiḥ payasā snapayed vibhum | vastropavītābharaṇa-pādyopasparśanais tataḥ | gandha-dhūpādibhiś cārced dvādaśākṣara-vidyayā

Nachdem man mit Duftstoff, Blumengirlanden und dergleichen verehrt hat, bade man den Erhabenen mit Milch, bekleide ihn mit Gewand, heiliger Schnur und Schmuck, reiche Fußwasser und Berührung; danach verehre man ihn mit Duftstoff, Räucherwerk und dergleichen sowie mit dem Zwölfsilben-Mantra.

Wort für Wort
arcitvā
nachdem verehrt
gandha-mālya-ādyaiḥ
mit Duftstoff, Blumengirlanden u.a.
payasā snapayet vibhum
bade man den Erhabenen mit Milch
vastra-upavīta-ābharaṇa-pādya-upasparśanaiḥ
mit Gewand, heiliger Schnur, Schmuck, Fußwasser, Berührung
tataḥ
danach
gandha-dhūpa-ādibhiḥ ca
und mit Duftstoff, Räucherwerk u.a.
arcet
man verehre
dvādaśa-akṣara-vidyayā
mit dem Zwölfsilben-Mantra

śṛtaṁ payasi naivedyaṁ śāly-annaṁ vibhave sati | sasarpiḥ saguḍaṁ dattvā juhuyān mūla-vidyayā

Man opfere als Speisegabe in Milch gekochten Reis - wenn Reichtum vorhanden ist, mit Butterschmalz und Melasse versehen - und opfere ihn darauf mit dem Grund-Mantra im Feuer.

Wort für Wort
śṛtam payasi
in Milch gekocht
naivedyam
die Speisegabe
śāli-annam
Reisspeise
vibhave sati
wenn Reichtum vorhanden ist
sa-sarpiḥ sa-guḍam
mit Butterschmalz und Melasse
dattvā
gegeben habend
juhuyāt
man opfere im Feuer
mūla-vidyayā
mit dem Grund-Mantra

niveditaṁ tad-bhaktāya dadyād bhuñjīta vā svayam | dattvācamanam arcitvā tāmbūlaṁ ca nivedayet

Das Dargebrachte gebe man einem Verehrer des Gottes oder verzehre es selbst. Nachdem man Mundspülwasser gereicht und verehrt hat, biete man auch Betel dar.

Wort für Wort
niveditam
das Dargebrachte
tat-bhaktāya dadyāt
gebe man einem Verehrer von jenem
bhuñjīta vā svayam
oder verzehre es selbst
dattvā ācamanam
nachdem Mundspülwasser gereicht
arcitvā
nachdem verehrt
tāmbūlam ca nivedayet
biete auch Betel dar

japed aṣṭottara-śataṁ stuvīta stutibhiḥ prabhum | kṛtvā pradakṣiṇaṁ bhūmau praṇamed daṇḍavan mudā

Man murmle das Mantra hundertundacht Mal, preise den Herrn mit Lobpreisungen, vollziehe die Umschreitung und verneige sich freudig wie ein hingelegter Stab auf der Erde.

Wort für Wort
japet
man murmle
aṣṭa-uttara-śatam
hundertundacht (Mal)
stuvīta stutibhiḥ prabhum
preise den Herrn mit Lobpreisungen
kṛtvā pradakṣiṇam
nachdem die Umschreitung vollzogen
bhūmau praṇamet
verneige sich auf der Erde
daṇḍa-vat
wie ein (hingelegter) Stab
mudā
mit Freude

kṛtvā śirasi tac-cheṣāṁ devam udvāsayet tataḥ | dvy-avarān bhojayed viprān pāyasena yathocitam

Nachdem man dessen Opferreste sich aufs Haupt gelegt hat, entlasse man den Gott. Danach speise man mindestens zwei Brahmanen mit Milchreis, wie es sich gebührt.

Wort für Wort
kṛtvā śirasi
nachdem auf das Haupt gelegt
tat-śeṣām
dessen Überreste
devam udvāsayet
entlasse man den Gott
tataḥ
danach
dvi-avarān
mindestens zwei
bhojayet viprān
speise man Brahmanen
pāyasena
mit Milchreis
yathā-ucitam
wie es sich gebührt

bhuñjīta tair anujñātaḥ seṣṭaḥ śeṣaṁ sabhājitaiḥ | brahmacāry atha tad-rātryāṁ śvo bhūte prathame 'hani || snātaḥ śucir yathoktena vidhinā susamāhitaḥ | payasā snāpayitvārced yāvad vrata-samāpanam

Von ihnen erlaubt, esse man samt den Freunden die Überreste, die den geehrten Brahmanen dargebracht wurden, und lebe sodann in jener Nacht keusch. Wenn am ersten Tag der Morgen angebrochen ist, bade man, rein und wohlgesammelten Sinnes, nach der zuvor genannten Vorschrift; nachdem man den Gott mit Milch gebadet hat, verehre man ihn so bis zur Vollendung des Gelübdes.

Wort für Wort
bhuñjīta
man esse
taiḥ anujñātaḥ
von ihnen erlaubt
sa-iṣṭaḥ
samt den Freunden
śeṣam sabhājitaiḥ
die Überreste der geehrten (Brahmanen)
brahmacārī
keusch lebend
atha tat-rātryām
sodann in jener Nacht
śvaḥ bhūte prathame ahani
wenn am ersten Tag der Morgen anbricht
snātaḥ śuciḥ
gebadet, rein
yathā-uktena vidhinā
nach der zuvor genannten Vorschrift
su-samāhitaḥ
wohlgesammelten Sinnes
payasā snāpayitvā
nachdem mit Milch gebadet
arcet
verehre man
yāvat vrata-samāpanam
bis zur Vollendung des Gelübdes

Zwei Verse (44 und 45) bilden bei vedabase.io eine gemeinsame Zähl-Einheit.

payo-bhakṣo vratam idaṁ cared viṣṇv-arcanādṛtaḥ | pūrvavaj juhuyād agniṁ brāhmaṇāṁś cāpi bhojayet

Man vollziehe dieses Gelübde, nur Milch genießend, der Verehrung Viṣṇus zugetan; man opfere dem Feuer wie zuvor und speise auch die Brahmanen.

Wort für Wort
payaḥ-bhakṣaḥ
nur Milch genießend
vratam idam caret
man vollziehe dieses Gelübde
viṣṇu-arcana-ādṛtaḥ
der Verehrung Viṣṇus zugetan
pūrva-vat juhuyāt agnim
wie zuvor opfere man dem Feuer
brāhmaṇān ca api bhojayet
und speise auch die Brahmanen

evaṁ tv ahar ahaḥ kuryād dvādaśāhaṁ payo-vratam | harer ārādhanaṁ homam arhaṇaṁ dvija-tarpaṇam

So vollziehe man Tag für Tag, zwölf Tage lang, das Milch-Gelübde: die Verehrung Haris, das Feueropfer, die Bildnis-Verehrung und die Speisung der Zweimalgeborenen.

Wort für Wort
evam tu
so aber
ahaḥ ahaḥ kuryāt
Tag für Tag vollziehe man
dvādaśa-aham
zwölf Tage lang
payaḥ-vratam
das Milch-Gelübde
hareḥ ārādhanam
die Verehrung Haris
homam
das Feueropfer
arhaṇam
die Bildnis-Verehrung
dvija-tarpaṇam
die Speisung der Zweimalgeborenen

pratipad-dinam ārabhya yāvac chukla-trayodaśīm | brahmacaryam adhaḥ-svapnaṁ snānaṁ tri-ṣavaṇaṁ caret

Vom Pratipat-Tag, dem ersten Mondtag, beginnend bis zur dreizehnten Tithi der hellen Monatshälfte übe man Keuschheit, schlafe auf dem Boden und bade dreimal täglich.

Wort für Wort
pratipat-dinam ārabhya
vom Pratipat-Tag beginnend
yāvat śukla-trayodaśīm
bis zur dreizehnten (Tithi) der hellen (Hälfte)
brahmacaryam
Keuschheit
adhaḥ-svapnam
das Schlafen auf dem Boden
snānam tri-savanam
dreimaliges Baden
caret
man übe

varjayed asad-ālāpaṁ bhogān uccāvacāṁs tathā | ahiṁsraḥ sarva-bhūtānāṁ vāsudeva-parāyaṇaḥ

Man meide unwürdiges Reden sowie Genüsse, seien sie hoch oder niedrig; man sei gewaltlos gegen alle Wesen und ganz auf Vāsudeva ausgerichtet.

Wort für Wort
varjayet
man meide
asat-ālāpam
unwürdiges Reden
bhogān ucca-avacān
Genüsse, hoch oder niedrig
tathā
ebenso
ahiṁsraḥ sarva-bhūtānām
gewaltlos gegen alle Wesen
vāsudeva-parāyaṇaḥ
ganz auf Vāsudeva ausgerichtet

trayodaśyām atho viṣṇoḥ snapanaṁ pañcakair vibhoḥ | kārayec chāstra-dṛṣṭena vidhinā vidhi-kovidaiḥ

Am dreizehnten Tag sodann lasse man das Bad des erhabenen Viṣṇu mit den fünf heiligen Substanzen nach der im Schriftwerk festgelegten Vorschrift durch die der Vorschrift Kundigen vollziehen.

Wort für Wort
trayodaśyām atho
am dreizehnten Tag sodann
viṣṇoḥ snapanam
das Bad Viṣṇus
pañcakaiḥ vibhoḥ
mit den fünf (Substanzen) des Erhabenen
kārayet
man lasse vollziehen
śāstra-dṛṣṭena vidhinā
nach der im Schriftwerk festgelegten Vorschrift
vidhi-kovidaiḥ
durch die der Vorschrift Kundigen

pūjāṁ ca mahatīṁ kuryād vitta-śāṭhya-vivarjitaḥ | caruṁ nirūpya payasi śipiviṣṭāya viṣṇave || sūktena tena puruṣaṁ yajeta susamāhitaḥ | naivedyaṁ cātiguṇavad dadyāt puruṣa-tuṣṭidam

Man vollziehe eine großartige Verehrung, frei von Geiz mit dem Vermögen; man bereite den Opferbrei in Milch für Viṣṇu, den Durchdringenden, zu und verehre mit jenem Puruṣa-Lobgesang wohlgesammelten Sinnes den Urgeist; man gebe eine überaus vortreffliche Speisegabe, die dem Urgeist Zufriedenheit bereitet.

Wort für Wort
pūjām ca mahatīm kuryāt
und man vollziehe eine großartige Verehrung
vitta-śāṭhya-vivarjitaḥ
frei von Geiz mit dem Vermögen
carum nirūpya payasi
den Opferbrei in Milch zubereitend
śipiviṣṭāya viṣṇave
für Viṣṇu, den Durchdringenden
sūktena tena
mit jenem (vedischen) Lobgesang
puruṣam yajeta
verehre man den Urgeist
su-samāhitaḥ
wohlgesammelten Sinnes
naivedyam ca
und die Speisegabe
ati-guṇavat dadyāt
gebe man überaus vortrefflich
puruṣa-tuṣṭi-dam
die dem Urgeist Zufriedenheit gibt

Zwei Verse (51 und 52) bilden bei vedabase.io eine gemeinsame Zähl-Einheit.

ācāryaṁ jñāna-sampannaṁ vastrābharaṇa-dhenubhiḥ | toṣayed ṛtvijaś caiva tad viddhy ārādhanaṁ hareḥ

Man erfreue den wissensreichen Lehrer, und ebenso die Priester, mit Gewändern, Schmuck und Kühen - wisse, dies ist die Verehrung Haris.

Wort für Wort
ācāryam jñāna-sampannam
den wissensreichen Lehrer
vastra-ābharaṇa-dhenubhiḥ
mit Gewändern, Schmuck und Kühen
toṣayet
man erfreue
ṛtvijaḥ ca eva
und ebenso die Priester
tat viddhi
dies wisse
ārādhanam hareḥ
als Verehrung Haris

bhojayet tān guṇavatā sad-annena śuci-smite | anyāṁś ca brāhmaṇāñ chaktyā ye ca tatra samāgatāḥ

Man speise sie mit gehaltvoller, reiner Speise, o du Reinlächelnde, und ebenso, soweit es das Vermögen erlaubt, andere Brahmanen, die dort versammelt waren.

Wort für Wort
bhojayet tān
man speise sie
guṇa-vatā sat-annena
mit gehaltvoller, reiner Speise
śuci-smite
o Reinlächelnde
anyān ca brāhmaṇān
und andere Brahmanen
śaktyā
nach Vermögen
ye ca tatra samāgatāḥ
und die dort versammelt waren

dakṣiṇāṁ gurave dadyād ṛtvigbhyaś ca yathārhataḥ | annādyenāśva-pākāṁś ca prīṇayet samupāgatān

Man gebe dem Lehrer und den Priestern die Priestergabe, wie es gebührt, und erfreue mit Speise auch die Versammelten, selbst die Hundekocher, die Niedrigsten.

Wort für Wort
dakṣiṇām gurave dadyāt
man gebe die Priestergabe dem Lehrer
ṛtvigbhyaḥ ca
und den Priestern
yathā-arhataḥ
wie es gebührt
anna-adyena
mit Speise
āśva-pākān ca
und selbst die Hundekocher (Ausgestoßenen)
prīṇayet samupāgatān
erfreue man die Versammelten

bhuktavatsu ca sarveṣu dīnāndha-kṛpaṇādiṣu | viṣṇos tat prīṇanaṁ vidvān bhuñjīta saha bandhubhiḥ

Nachdem alle - die Armen, Blinden, Elenden und dergleichen - gespeist haben, esse der Wissende, dies als Erfreuung Viṣṇus erkennend, zusammen mit den Verwandten.

Wort für Wort
bhuktavatsu ca sarveṣu
nachdem alle gespeist haben
dīna-andha-kṛpaṇa-ādiṣu
die Armen, Blinden, Elenden und dergleichen
viṣṇoḥ tat prīṇanam
dies als Erfreuung Viṣṇus
vidvān
der Wissende
bhuñjīta saha bandhubhiḥ
esse zusammen mit den Verwandten

nṛtya-vāditra-gītaiś ca stutibhiḥ svasti-vācakaiḥ | kārayet tat-kathābhiś ca pūjāṁ bhagavato 'nvaham

Durch Tanz, Instrumentalmusik und Gesang, durch Lobpreisungen, durch Segenssprecher und durch Erzählungen von ihm lasse man Tag für Tag die Verehrung des Erhabenen vollziehen.

Wort für Wort
nṛtya-vāditra-gītaiḥ ca
durch Tanz, Instrumentalmusik und Gesang
stutibhiḥ
durch Lobpreisungen
svasti-vācakaiḥ
durch Segenssprecher
kārayet
man lasse vollziehen
tat-kathābhiḥ ca
und durch Erzählungen von ihm
pūjām bhagavataḥ
die Verehrung des Erhabenen
anvaham
Tag für Tag

etat payo-vrataṁ nāma puruṣārādhanaṁ param | pitāmahenābhihitaṁ mayā te samudāhṛtam

Dies, das mit Namen 'Milch-Gelübde' bekannt ist, die höchste Verehrung des Urgeistes, wie sie vom Großvater Brahmā dargelegt wurde, habe ich dir vollständig verkündet.

Wort für Wort
etat
dies
payaḥ-vratam nāma
mit Namen Milch-Gelübde
puruṣa-ārādhanam param
die höchste Verehrung des Urgeistes
pitāmahena abhihitam
vom Großvater (Brahmā) dargelegt
mayā te samudāhṛtam
von mir dir vollständig verkündet

tvaṁ cānena mahā-bhāge samyak cīrṇena keśavam | ātmanā śuddha-bhāvena niyatātmā bhajāvyayam

Auch du, o Hochbeglückte, verehre mit diesem vollständig vollzogenen Gelübde, in reiner Gesinnung und selbstbezähmt, Keśava, den Unvergänglichen.

Wort für Wort
tvam ca
auch du
anena samyak cīrṇena
durch dieses vollständig vollzogene (Gelübde)
mahā-bhāge
o Hochbeglückte
keśavam
Keśava
ātmanā śuddha-bhāvena
mit reiner Gesinnung
niyata-ātmā
selbstbezähmt
bhaja avyayam
verehre den Unvergänglichen

ayaṁ vai sarva-yajñākhyaḥ sarva-vratam iti smṛtam | tapaḥ-sāram idaṁ bhadre dānaṁ ceśvara-tarpaṇam

Dieses Gelübde wird fürwahr 'Allopfer' und 'Allgelübde' genannt, o Gütige; es ist die Essenz der Askese, der Freigebigkeit und der Erfreuung des Herrn.

Wort für Wort
ayam vai
dieses fürwahr
sarva-yajña-ākhyaḥ
'Allopfer' genannt
sarva-vratam iti smṛtam
'Allgelübde' überliefert
tapaḥ-sāram idam
dies die Essenz der Askese
bhadre
o Gütige
dānam ca
und der Freigebigkeit
īśvara-tarpaṇam
die Erfreuung des Herrn

ta eva niyamāḥ sākṣāt ta eva ca yamottamāḥ | tapo dānaṁ vrataṁ yajño yena tuṣyaty adhokṣajaḥ

Eben dies sind unmittelbar die wahren Regeln, und eben dies die höchsten Zügelungen - Askese, Freigebigkeit, Gelübde und Opfer -, wodurch der Transzendente zufrieden wird.

Wort für Wort
te eva niyamāḥ sākṣāt
eben dies sind unmittelbar die Regeln
te eva ca yama-uttamāḥ
und eben dies die höchsten Zügelungen
tapaḥ dānam vratam yajñaḥ
Askese, Freigebigkeit, Gelübde, Opfer
yena tuṣyati
wodurch zufrieden wird
adhokṣajaḥ
der Transzendente (nicht sinnlich Wahrnehmbare)

tasmād etad vrataṁ bhadre prayatā śraddhayācara | bhagavān parituṣṭas te varān āśu vidhāsyati

Deshalb, o Gütige, vollziehe achtsam und mit Vertrauen dieses Gelübde; der Erhabene wird, vollends zufriedengestellt, dir rasch Gaben gewähren.

Wort für Wort
tasmāt
deshalb
etat vratam
dieses Gelübde
bhadre
o Gütige
prayatā śraddhayā ācara
vollziehe achtsam mit Vertrauen
bhagavān parituṣṭaḥ
der Erhabene, vollends zufriedengestellt
te varān āśu vidhāsyati
wird dir rasch Gaben gewähren

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks