Śrī Śuka sprach: Als so ihre Söhne verloren waren und das Himmelreich von den Daityas geraubt war, da grämte sich Aditi, die Mutter der Götter, wie eine Schutzlose.
sa patnīṁ dīna-vadanāṁ kṛtāsana-parigrahaḥ | sabhājito yathā-nyāyam idam āha kurūdvaha
Er, nachdem er den Sitzplatz angenommen und gebührend geehrt worden war, sprach zu seiner Gattin mit betrübtem Antlitz der Sitte gemäß Folgendes, o Bester der Kurus.
apy abhadraṁ na viprāṇāṁ bhadre loke 'dhunāgatam | na dharmasya na lokasya mṛtyoś chandānuvartinaḥ
Ist wohl kein Unheil geschehen - weder den Brahmanen, o Gütige, noch ist in der Welt gegenwärtig etwas Böses aufgekommen - weder der Rechtsordnung noch den Sterblichen, die der Laune des Todes unterworfen sind?
Wort für Wort
api
etwa, hoffentlich nicht
abhadram
Unheil
na
nicht
viprāṇām
den Brahmanen
bhadre
o Gütige
loke
in der Welt
adhunā
gegenwärtig
āgatam
gekommen, widerfahren
na dharmasya
nicht der Rechtsordnung
na lokasya
nicht den Menschen
mṛtyoḥ chanda-anuvartinaḥ
die der Laune des Todes folgen (den Sterblichen)
elliptisches 'api...na' als besorgte Rückfrage ('hoffentlich nicht...')
api vākuśalaṁ kiñcid gṛheṣu gṛha-medhini | dharmasyārthasya kāmasya yatra yogo hy ayoginām
Oder ist im Haushalt irgendein Missstand entstanden, o Haushälterin, wo doch für Hausleute die Erfüllung von Pflicht, Erwerb und Genuss selbst für Nicht-Yogis möglich ist?
Oder sind etwa Gäste, die herankamen, von dir, die du an die Familie gebunden bist, irgendeinmal ungeehrt vom Haus fortgegangen - sei es ganz ohne Ehrung oder nur mit einem Aufstehen?
apy agnayas tu velāyāṁ na hutā haviṣā sati | tvayodvigna-dhiyā bhadre proṣite mayi karhicit
Sind etwa die heiligen Feuer, o Tugendhafte, zur rechten Zeit nicht mit Opferbutter gespeist worden, weil dein Sinn beunruhigt war, o Gute, als ich irgendeinmal abwesend war?
yat-pūjayā kāma-dughān yāti lokān gṛhānvitaḥ | brāhmaṇo 'gniś ca vai viṣṇoḥ sarva-devātmano mukham
Der Brahmane und das Feuer sind fürwahr der Mund Viṣṇus, der die Seele aller Götter ist; durch deren Verehrung gelangt der Haushälter zu den wunscherfüllenden Welten.
śrī-aditir uvāca | bhadraṁ dvija-gavāṁ brahman dharmasyāsya janasya ca | tri-vargasya paraṁ kṣetraṁ gṛhamedhin gṛhā ime
Śrī Aditi sprach: Wohlergehen sei den Brahmanen und Kühen, o Brahmane! Dieses unser Heim ist das höchste Feld für die Rechtsordnung, für die Menschen und für die drei Lebensziele, o du, der du am Hausstand hängst.
agnayo 'tithayo bhṛtyā bhikṣavo ye ca lipsavaḥ | sarvaṁ bhagavato brahmann anudhyānān na riṣyati
Die Feuer, die Gäste, die Diener, die Bettler und wer auch immer sonst begehrt - all dies kommt, o Brahmane, durch dein beständiges Gedenken, du Erhabener, nicht zu Schaden.
ko nu me bhagavan kāmo na sampadyeta mānasaḥ | yasyā bhavān prajādhyakṣa evaṁ dharmān prabhāṣate
Welcher in meinem Geist gehegte Wunsch, o Herr, sollte mir nicht in Erfüllung gehen, deren Gemahl du bist, der Herr der Geschöpfe, der so die Pflichten verkündet?
Dein allein, o Sohn des Marīci, sind diese Geschöpfe, aus Geist und Körper entstanden, behaftet mit Güte, Leidenschaft und Trägheit. Du bist ihnen allen gleich, den Dämonen und anderen, o Herr - dennoch nimmt sich der große Herrscher des Hingegebenen besonders an.
Deshalb, o Herrscher, bedenke das Heil für mich, die ich dir ergeben bin, o du Gelübdetreuer! Beschütze uns, die wir durch die Rivalen der Herrlichkeit und der Stätte beraubt sind, o Herr.
Von den Feinden vertrieben, bin ich, eben diese, versunken im Ozean des Unglücks. Meine Herrschermacht, mein Glanz, mein Ruhm und meine Wohnstätte sind von den Übermächtigen geraubt worden.
śrī-śuka uvāca | evam abhyarthito 'dityā kas tām āha smayann iva | aho māyā-balaṁ viṣṇoḥ sneha-baddham idaṁ jagat
Śrī Śuka sprach: So von Aditi gebeten, sprach Kaśyapa gleichsam lächelnd zu ihr: 'Ach, welch Macht der Illusionsenergie Viṣṇus - durch Zuneigung ist diese ganze Welt gebunden!'
kva deho bhautiko 'nātmā kva cātmā prakṛteḥ paraḥ | kasya ke pati-putrādyā moha eva hi kāraṇam
Wie fern steht der aus den Elementen bestehende Körper, der nicht das Selbst ist, und wie fern das Selbst, das der Materie überlegen ist! Wessen Eigen sind Gatte, Söhne und dergleichen? Die Verblendung allein ist die Ursache solcher Bindung.
Wort für Wort
kva
wie fern
dehaḥ bhautikaḥ anātmā
der aus den Elementen bestehende Körper, der nicht das Selbst ist
sa vidhāsyati te kāmān harir dīnānukampanaḥ | amoghā bhagavad-bhaktir netareti matir mama
Er, Hari, der mit den Bedürftigen Mitleid hat, wird deine Wünsche erfüllen. Unfehlbar ist die Hingabe an den Erhabenen, nichts anderes - so ist meine Meinung.
śrī-aditir uvāca | kenāhaṁ vidhinā brahmann upasthāsye jagat-patim | yathā me satya-saṅkalpo vidadhyāt sa manoratham
Śrī Aditi sprach: Durch welchen Ritus, o Brahmane, soll ich mich dem Herrn der Welt nahen, auf dass er, dessen Wille stets wahr wird, meinen Herzenswunsch erfülle?
ādiśa tvaṁ dvija-śreṣṭha vidhiṁ tad-upadhāvanam | āśu tuṣyati me devaḥ sīdantyāḥ saha putrakaiḥ
Weise du mich an, o Bester der Zweimalgeborenen, in der Vorschrift zu dessen Verehrung, auf dass der Gott rasch zufrieden werde mit mir, die ich samt meinen Söhnen leide.
śrī-kaśyapa uvāca | etan me bhagavān pṛṣṭaḥ prajā-kāmasya padmajaḥ | yad āha te pravakṣyāmi vrataṁ keśava-toṣaṇam
Śrī Kaśyapa sprach: Als ich, der Nachkommenschaft begehrte, den erhabenen Lotusgeborenen Brahmā befragte, sprach er dies. Ich werde es dir verkünden - das Gelübde, das Keśava erfreut.
Am Neumondtag bade man, nachdem man sich mit Erde bestrichen hat - die, wenn erlangbar, vom Rüssel des Ebers aufgewühlt wurde - im fließenden Wasser, und spreche dieses Mantra:
Du, o Göttin Erde, bist von dem Ur-Eber, der dir den rechten Ort wünschte, aus der Tiefe emporgehoben worden. Verehrung sei dir - vernichte meine Sündenlast!
nirvartitātma-niyamo devam arcet samāhitaḥ | arcāyāṁ sthaṇḍile sūrye jale vahnau gurāv api
Nachdem man die eigenen täglichen Pflichten vollendet hat, verehre man gesammelten Sinnes den Gott - sei es im Bildnis, auf dem Erdaltar, in der Sonne, im Wasser, im Feuer oder auch im Lehrer.
Wort für Wort
nirvartita-ātma-niyamaḥ
nachdem die eigenen täglichen Pflichten vollendet sind
namo dvi-śīrṣṇe tri-pade catuḥ-śṛṅgāya tantave | sapta-hastāya yajñāya trayī-vidyātmane namaḥ
Verehrung dem Zweihäuptigen, Dreifüßigen, Vierhörnigen, sich Ausbreitenden, Siebenhändigen, dem Opferwesen, dessen Wesen die dreifache vedische Wissenschaft ist - Verehrung!
Wort für Wort
namaḥ
Verehrung
dvi-śīrṣṇe
dem Zweihäuptigen
tri-pade
dem Dreifüßigen
catuḥ-śṛṅgāya
dem Vierhörnigen
tantave
dem sich Ausbreitenden
sapta-hastāya
dem Siebenhändigen
yajñāya
dem Opferwesen
trayī-vidyā-ātmane
dessen Wesen die dreifache vedische Wissenschaft ist
tvaṁ sarva-varadaḥ puṁsāṁ vareṇya varadarṣabha | atas te śreyase dhīrāḥ pāda-reṇum upāsate
Du bist der Gewährer aller Gaben an die Menschen, o Wählenswerter, o Bester der Gabenspender. Deshalb verehren die Weisen zu ihrem Heil den Staub deiner Füße.
Nachdem man mit Duftstoff, Blumengirlanden und dergleichen verehrt hat, bade man den Erhabenen mit Milch, bekleide ihn mit Gewand, heiliger Schnur und Schmuck, reiche Fußwasser und Berührung; danach verehre man ihn mit Duftstoff, Räucherwerk und dergleichen sowie mit dem Zwölfsilben-Mantra.
Wort für Wort
arcitvā
nachdem verehrt
gandha-mālya-ādyaiḥ
mit Duftstoff, Blumengirlanden u.a.
payasā snapayet vibhum
bade man den Erhabenen mit Milch
vastra-upavīta-ābharaṇa-pādya-upasparśanaiḥ
mit Gewand, heiliger Schnur, Schmuck, Fußwasser, Berührung
Man opfere als Speisegabe in Milch gekochten Reis - wenn Reichtum vorhanden ist, mit Butterschmalz und Melasse versehen - und opfere ihn darauf mit dem Grund-Mantra im Feuer.
Das Dargebrachte gebe man einem Verehrer des Gottes oder verzehre es selbst. Nachdem man Mundspülwasser gereicht und verehrt hat, biete man auch Betel dar.
Man murmle das Mantra hundertundacht Mal, preise den Herrn mit Lobpreisungen, vollziehe die Umschreitung und verneige sich freudig wie ein hingelegter Stab auf der Erde.
Nachdem man dessen Opferreste sich aufs Haupt gelegt hat, entlasse man den Gott. Danach speise man mindestens zwei Brahmanen mit Milchreis, wie es sich gebührt.
Von ihnen erlaubt, esse man samt den Freunden die Überreste, die den geehrten Brahmanen dargebracht wurden, und lebe sodann in jener Nacht keusch. Wenn am ersten Tag der Morgen angebrochen ist, bade man, rein und wohlgesammelten Sinnes, nach der zuvor genannten Vorschrift; nachdem man den Gott mit Milch gebadet hat, verehre man ihn so bis zur Vollendung des Gelübdes.
Wort für Wort
bhuñjīta
man esse
taiḥ anujñātaḥ
von ihnen erlaubt
sa-iṣṭaḥ
samt den Freunden
śeṣam sabhājitaiḥ
die Überreste der geehrten (Brahmanen)
brahmacārī
keusch lebend
atha tat-rātryām
sodann in jener Nacht
śvaḥ bhūte prathame ahani
wenn am ersten Tag der Morgen anbricht
snātaḥ śuciḥ
gebadet, rein
yathā-uktena vidhinā
nach der zuvor genannten Vorschrift
su-samāhitaḥ
wohlgesammelten Sinnes
payasā snāpayitvā
nachdem mit Milch gebadet
arcet
verehre man
yāvat vrata-samāpanam
bis zur Vollendung des Gelübdes
Zwei Verse (44 und 45) bilden bei vedabase.io eine gemeinsame Zähl-Einheit.
So vollziehe man Tag für Tag, zwölf Tage lang, das Milch-Gelübde: die Verehrung Haris, das Feueropfer, die Bildnis-Verehrung und die Speisung der Zweimalgeborenen.
Vom Pratipat-Tag, dem ersten Mondtag, beginnend bis zur dreizehnten Tithi der hellen Monatshälfte übe man Keuschheit, schlafe auf dem Boden und bade dreimal täglich.
Am dreizehnten Tag sodann lasse man das Bad des erhabenen Viṣṇu mit den fünf heiligen Substanzen nach der im Schriftwerk festgelegten Vorschrift durch die der Vorschrift Kundigen vollziehen.
Man vollziehe eine großartige Verehrung, frei von Geiz mit dem Vermögen; man bereite den Opferbrei in Milch für Viṣṇu, den Durchdringenden, zu und verehre mit jenem Puruṣa-Lobgesang wohlgesammelten Sinnes den Urgeist; man gebe eine überaus vortreffliche Speisegabe, die dem Urgeist Zufriedenheit bereitet.
Wort für Wort
pūjām ca mahatīm kuryāt
und man vollziehe eine großartige Verehrung
vitta-śāṭhya-vivarjitaḥ
frei von Geiz mit dem Vermögen
carum nirūpya payasi
den Opferbrei in Milch zubereitend
śipiviṣṭāya viṣṇave
für Viṣṇu, den Durchdringenden
sūktena tena
mit jenem (vedischen) Lobgesang
puruṣam yajeta
verehre man den Urgeist
su-samāhitaḥ
wohlgesammelten Sinnes
naivedyam ca
und die Speisegabe
ati-guṇavat dadyāt
gebe man überaus vortrefflich
puruṣa-tuṣṭi-dam
die dem Urgeist Zufriedenheit gibt
Zwei Verse (51 und 52) bilden bei vedabase.io eine gemeinsame Zähl-Einheit.
bhojayet tān guṇavatā sad-annena śuci-smite | anyāṁś ca brāhmaṇāñ chaktyā ye ca tatra samāgatāḥ
Man speise sie mit gehaltvoller, reiner Speise, o du Reinlächelnde, und ebenso, soweit es das Vermögen erlaubt, andere Brahmanen, die dort versammelt waren.
dakṣiṇāṁ gurave dadyād ṛtvigbhyaś ca yathārhataḥ | annādyenāśva-pākāṁś ca prīṇayet samupāgatān
Man gebe dem Lehrer und den Priestern die Priestergabe, wie es gebührt, und erfreue mit Speise auch die Versammelten, selbst die Hundekocher, die Niedrigsten.
bhuktavatsu ca sarveṣu dīnāndha-kṛpaṇādiṣu | viṣṇos tat prīṇanaṁ vidvān bhuñjīta saha bandhubhiḥ
Nachdem alle - die Armen, Blinden, Elenden und dergleichen - gespeist haben, esse der Wissende, dies als Erfreuung Viṣṇus erkennend, zusammen mit den Verwandten.
nṛtya-vāditra-gītaiś ca stutibhiḥ svasti-vācakaiḥ | kārayet tat-kathābhiś ca pūjāṁ bhagavato 'nvaham
Durch Tanz, Instrumentalmusik und Gesang, durch Lobpreisungen, durch Segenssprecher und durch Erzählungen von ihm lasse man Tag für Tag die Verehrung des Erhabenen vollziehen.
etat payo-vrataṁ nāma puruṣārādhanaṁ param | pitāmahenābhihitaṁ mayā te samudāhṛtam
Dies, das mit Namen 'Milch-Gelübde' bekannt ist, die höchste Verehrung des Urgeistes, wie sie vom Großvater Brahmā dargelegt wurde, habe ich dir vollständig verkündet.
Dieses Gelübde wird fürwahr 'Allopfer' und 'Allgelübde' genannt, o Gütige; es ist die Essenz der Askese, der Freigebigkeit und der Erfreuung des Herrn.
ta eva niyamāḥ sākṣāt ta eva ca yamottamāḥ | tapo dānaṁ vrataṁ yajño yena tuṣyaty adhokṣajaḥ
Eben dies sind unmittelbar die wahren Regeln, und eben dies die höchsten Zügelungen - Askese, Freigebigkeit, Gelübde und Opfer -, wodurch der Transzendente zufrieden wird.