Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 136 Mutter Pārvatī verflucht Citraketu

śrī-śuka uvāca / yataś cāntarhito 'nantas / tasyai kṛtvā diśe namaḥ / vidyādharaś citraketuś / cacāra gagane caraḥ

Śrī Śuka sprach: Nachdem der Vidyādhara Citraketu jener Richtung, in die der Unendliche entschwunden war, seine Verehrung erwiesen hatte, zog er, durch den Weltraum fahrend, weiter.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ
Śrī Śuka (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
yataḥ
wohin, in welche Richtung (Adv.)
ca
und
antarhitaḥ
verschwunden (Nom. Sg. m., Ptz. Perf. Pass.)
anantaḥ
der Unendliche [Ananta/Viṣṇu] (Nom. Sg.)
tasyai
jener (Dat. Sg. f., bezogen auf diśe)
kṛtvā
nachdem getan/erwiesen (Absolutiv)
diśe
der Richtung (Dat. Sg. f.)
namaḥ
Verehrung, Verbeugung (Nom./Akk. Sg. n.)
vidyādharaḥ
der Vidyādhara (Nom. Sg.)
citraketuḥ
Citraketu (Nom. Sg.)
cacāra
zog umher, fuhr (3. Sg. Perf.)
gagane
im Himmel, im Weltraum (Lok. Sg.)
caraḥ
fahrend, sich bewegend (Nom. Sg. m., Nomen agentis)

sa lakṣaṁ varṣa-lakṣāṇām avyāhata-balendriyaḥ stūyamāno mahā-yogī munibhiḥ siddha-cāraṇaiḥ kulācalendra-droṇīṣu nānā-saṅkalpa-siddhiṣu reme vidyādhara-strībhir gāpayan harim īśvaram

Er, dessen Kraft der Sinne ungehindert war, ein großer Yogī, von Weisen, Siddhas und Cāraṇas gepriesen, vergnügte sich hunderttausendmal hunderttausend Jahre lang mit den Frauen der Vidyādharas in den Tälern des Bergfürsten Kulācala, [wo] vielfältige, durch bloßen Willen [erlangte] Vollkommenheiten [herrschen], während er den Herrn Hari preisen ließ.

Wort für Wort
saḥ
er (Nom. Sg. m.)
lakṣam
hunderttausend (Akk. Sg., adverbial)
varṣa-lakṣāṇām
von Hunderttausenden von Jahren (Gen. Pl.)
avyāhata-bala-indriyaḥ
dessen Sinnesstärke ungehindert war (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
stūyamānaḥ
gepriesen werdend (Nom. Sg., Ptz. Präs. Pass.)
mahā-yogī
der große Yogī (Nom. Sg.)
munibhiḥ
von den Weisen (Instr. Pl.)
siddha-cāraṇaiḥ
von den Siddhas und Cāraṇas (Instr. Pl.)
kulācalendra-droṇīṣu
in den Tälern des Bergfürsten Kulācala [Sumeru] (Lok. Pl.)
nānā-saṅkalpa-siddhiṣu
[Tälern] mit vielfältigen, durch Willen [erlangten] Vollkommenheiten (Lok. Pl.)
reme
er vergnügte sich, verweilte (3. Sg. Perf. Med.)
vidyādhara-strībhiḥ
mit den Frauen der Vidyādharas (Instr. Pl.)
gāpayan
zum Singen/Preisen veranlassend (Nom. Sg., Ptz. Präs. Kaus.)
harim
Hari (Akk. Sg.)
īśvaram
den Herrscher (Akk. Sg.)

ekadā sa vimānena / viṣṇu-dattena bhāsvatā / giriśaṁ dadṛśe gacchan / parītaṁ siddha-cāraṇaiḥ // āliṅgyāṅkīkṛtāṁ devīṁ / bāhunā muni-saṁsadi / uvāca devyāḥ śṛṇvantyā / jahāsoccais tad-antike

Eines Tages sah er, während er mit seinem von Viṣṇu geschenkten, glänzenden Flugwagen fuhr, Giriśa [Śiva], umringt von Siddhas und Cāraṇas, wie dieser die Göttin, die er mit dem Arm umarmt und auf seinen Schoß gesetzt hatte, inmitten der Versammlung der Weisen [hielt]; und [Citraketu] sprach, während die Göttin zuhörte, und lachte laut in ihrer Nähe.

Wort für Wort
ekadā
eines Tages (Adv.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
vimānena
mit dem Flugwagen (Instr. Sg.)
viṣṇu-dattena
von Viṣṇu gegeben (Instr. Sg., Adj.)
bhāsvatā
strahlend, glänzend (Instr. Sg., Adj.)
giriśam
Giriśa [Śiva] (Akk. Sg.)
dadṛśe
er sah (3. Sg. Perf. Med.)
gacchan
fahrend, gehend (Nom. Sg., Ptz. Präs.)
parītam
umringt (Akk. Sg., Ptz. Perf. Pass.)
siddha-cāraṇaiḥ
von Siddhas und Cāraṇas (Instr. Pl.)
āliṅgya
umarmt habend (Absolutiv)
aṅkīkṛtām
auf den Schoß gesetzt (Akk. Sg. f., Ptz. Perf. Pass.)
devīm
die Göttin (Akk. Sg.)
bāhunā
mit dem Arm (Instr. Sg.)
muni-saṁsadi
in der Versammlung der Weisen (Lok. Sg.)
uvāca
er sprach (3. Sg. Perf.)
devyāḥ
während die Göttin (Gen./Abl. Sg., abs.)
śṛṇvantyāḥ
zuhörend (Gen. Sg. f., Ptz. Präs.)
jahāsa
er lachte (3. Sg. Perf.)
uccaiḥ
laut (Adv.)
tad-antike
in dessen Nähe (Lok. Sg.)

citraketur uvāca / eṣa loka-guruḥ sākṣād / dharmaṁ vaktā śarīriṇām / āste mukhyaḥ sabhāyāṁ vai / mithunī-bhūya bhāryayā

Citraketu sprach: Dieser [Śiva], der unmittelbare geistige Lehrer der Welt, der Verkünder des Dharma für die verkörperten Wesen, sitzt, mit seiner Gattin vereint, als Haupt in dieser Versammlung.

Wort für Wort
citraketuḥ
Citraketu (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
eṣaḥ
dieser (Nom. Sg.)
loka-guruḥ
der geistige Lehrer der Welt (Nom. Sg.)
sākṣāt
unmittelbar, direkt (Adv.)
dharmam
das Dharma (Akk. Sg.)
vaktā
der Verkünder (Nom. Sg.)
śarīriṇām
der verkörperten Wesen (Gen. Pl.)
āste
er sitzt (3. Sg. Präs.)
mukhyaḥ
als Haupt, der Vornehmste (Nom. Sg.)
sabhāyām
in der Versammlung (Lok. Sg.)
vai
wahrlich (Partikel)
mithunī-bhūya
vereint, gepaart (Absolutiv)
bhāryayā
mit der Gattin (Instr. Sg.)

jaṭā-dharas tīvra-tapā brahmavādi-sabhā-patiḥ | aṅkīkṛtya striyaṁ cāste gata-hrīḥ prākṛto yathā

Er, der verfilztes Haar trägt, von strengster Askese, der Vorsitzende der Versammlung der Kenner des Veda, sitzt, eine Frau auf den Schoß genommen habend, schamlos da, wie ein gewöhnliches [weltliches Wesen].

Wort für Wort
jaṭā-dharaḥ
der verfilztes Haar trägt (Nom. Sg.)
tīvra-tapāḥ
von strengster Askese (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
brahma-vādi-sabhā-patiḥ
der Vorsitzende der Versammlung der Vedakenner (Nom. Sg.)
aṅkīkṛtya
auf den Schoß genommen habend (Absolutiv)
striyam
eine Frau (Akk. Sg.)
ca
und
āste
er sitzt (3. Sg. Präs.)
gata-hrīḥ
ohne Scham (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
prākṛtaḥ
ein gewöhnliches, weltliches Wesen (Nom. Sg.)
yathā
wie, gleichwie (Adv.)

prāyaśaḥ prākṛtāś cāpi striyaṁ rahasi bibhrati ayaṁ mahā-vrata-dharo bibharti sadasi striyam

Selbst gewöhnliche Menschen halten eine Frau meist nur im Verborgenen; dieser [Śiva] aber, der Träger großer Gelübde, hält seine Frau in der Versammlung.

Wort für Wort
prāyaśaḥ
meist, in der Regel (Adv.)
prākṛtāḥ
gewöhnliche, weltliche [Menschen] (Nom. Pl.)
ca
und
api
sogar, auch
striyam
eine Frau (Akk. Sg.)
rahasi
im Verborgenen (Lok. Sg.)
bibhrati
sie halten, tragen (3. Pl. Präs.)
ayam
dieser (Nom. Sg.)
mahā-vrata-dharaḥ
der Träger großer Gelübde (Nom. Sg.)
bibharti
er hält, trägt (3. Sg. Präs.)
sadasi
in der Versammlung (Lok. Sg.)
striyam
seine Frau (Akk. Sg.)

śrī-śukaḥ uvāca / bhagavān api tac chrutvā / prahasyāgādha-dhīr nṛpa / tūṣṇīṁ babhūva sadasi / sabhyāś ca tad-anuvratāḥ

Śrī Śuka sprach: Als der Herr [Śiva], dessen Verstand unergründlich ist, dies gehört hatte, lächelte er und blieb still in der Versammlung, o König; und die Versammelten folgten ihm darin [schweigend].

Wort für Wort
śrī-śukaḥ
Śrī Śuka (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
bhagavān
der Herr [Śiva] (Nom. Sg.)
api
auch, aber
tat
dies (Akk. Sg. n.)
śrutvā
gehört habend (Absolutiv)
prahasya
lächelnd, gelacht habend (Absolutiv)
agādha-dhīḥ
dessen Verstand unergründlich ist (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
nṛpa
o König (Vok. Sg.)
tūṣṇīm
still, schweigend (Adv.)
babhūva
er wurde, blieb (3. Sg. Perf.)
sadasi
in der Versammlung (Lok. Sg.)
sabhyāḥ
die Versammelten (Nom. Pl.)
ca
und
tat-anuvratāḥ
ihm darin folgend (Nom. Pl.)

ity atad-vīrya-viduṣi bruvāṇe bahv-aśobhanam ruṣāha devī dhṛṣṭāya nirjitātmābhimānine

Als [Citraketu], der die [wahre] Macht jenes [Śiva] nicht kannte, so viel Unschickliches sprach, sagte die Göttin zornig zu dem Dreisten, der sich einbildete, seine Sinne bezwungen zu haben:

Wort für Wort
iti
so, dies (Partikel)
a-tat-vīrya-viduṣi
als der [Citraketu], der jenes [Śiva] Macht nicht kannte (Lok. Sg. abs.)
bruvāṇe
sprechend (Lok. Sg., Ptz. Präs. abs.)
bahu-aśobhanam
viel Unschickliches (Akk. Sg. n.)
ruṣā
mit Zorn (Instr. Sg.)
āha
sie sagte (3. Sg. Perf.)
devī
die Göttin (Nom. Sg.)
dhṛṣṭāya
zu dem Dreisten (Dat. Sg.)
nirjita-ātma-abhimānine
der sich einbildete, sein Selbst/seine Sinne bezwungen zu haben (Dat. Sg.)

śrī-pārvaty uvāca / ayaṁ kim adhunā loke / śāstā daṇḍa-dharaḥ prabhuḥ / asmad-vidhānāṁ duṣṭānāṁ / nirlajjānāṁ ca viprakṛt

Śrī Pārvatī sprach: Ist dieser [Mann] etwa jetzt in der Welt der Herrscher, der Träger der Zuchtrute, der Gebieter, der Bestrafer von Übeltätern und Schamlosen wie uns?

Wort für Wort
śrī-pārvatī
Śrī Pārvatī (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
ayam
dieser (Nom. Sg.)
kim
etwa, ob (Fragepartikel)
adhunā
jetzt (Adv.)
loke
in der Welt (Lok. Sg.)
śāstā
der Herrscher (Nom. Sg.)
daṇḍa-dharaḥ
der Träger der Zuchtrute (Nom. Sg.)
prabhuḥ
der Gebieter (Nom. Sg.)
asmat-vidhānām
von solchen wie uns (Gen. Pl.)
duṣṭānām
der Übeltäter (Gen. Pl.)
nirlajjānām
der Schamlosen (Gen. Pl.)
ca
und
viprakṛt
der Bestrafer, Zurechtweiser (Nom. Sg.)

na veda dharmaṁ kila padmayonir na brahma-putrā bhṛgu-nāradādyāḥ na vai kumāraḥ kapilo manuś ca ye no niṣedhanty ati-vartinaṁ haram

Wahrlich, nicht einmal der Lotosgeborene [Brahmā] kennt das Dharma, nicht die Brahmā-Söhne Bhṛgu, Nārada und die übrigen, nicht die Kumāras, Kapila und Manu - sie [alle], die Hara, der [alle Schranken] überschreitet, nicht deswegen tadeln [dürfen] [?].

Wort für Wort
na
nicht
veda
kennt (3. Sg. Perf. m. Präsensbed.)
dharmam
das Dharma (Akk. Sg.)
kila
wahrlich, wie es heißt (Partikel)
padma-yoniḥ
der Lotosgeborene [Brahmā] (Nom. Sg.)
na
nicht
brahma-putrāḥ
die Söhne Brahmās (Nom. Pl.)
bhṛgu
Bhṛgu (Nom. Sg.)
nārada
Nārada (Nom. Sg.)
ādyāḥ
und die übrigen (Nom. Pl.)
na
nicht
vai
wahrlich
kumāraḥ
der Kumāra [die Kumāras] (Nom. Sg.)
kapilaḥ
Kapila (Nom. Sg.)
manuḥ
Manu (Nom. Sg.)
ca
und
ye
die, welche (Nom. Pl.)
naḥ
uns, wegen uns (Akk./Dat. Pl., enklit.) [?]
niṣedhanti
sie verbieten, halten zurück (3. Pl. Präs.)
ati-vartinam
den [alle Schranken] Überschreitenden (Akk. Sg.)
haram
Hara [Śiva] (Akk. Sg.)

Der Sinn der Verszeile 'ye no niṣedhanty ati-vartinaṁ haram' ist im Sanskrit verdichtet: gemeint ist wohl, dass selbst diese großen Autoritäten Hara/Śiva, der jenseits gewöhnlicher Normen steht, nicht zurückhalten bzw. deswegen tadeln - Übersetzung mit [?] markiert.

eṣām anudhyeya-padābja-yugmaṁ / jagad-guruṁ maṅgala-maṅgalaṁ svayam / yaḥ kṣatra-bandhuḥ paribhūya sūrīn / praśāsti dhṛṣṭas tad ayaṁ hi daṇḍyaḥ

[Śiva ist derjenige,] dessen beide Lotosfüße von diesen [genannten großen Seelen] beständig meditiert werden [sollen], der geistige Lehrer der Welt, das Glück des Glücks selbst - [und doch] straft dieser unverschämte Kṣatriya-Nachkomme [ihn], indem er die Erhabenen missachtet; darum ist eben er zu bestrafen.

Wort für Wort
eṣām
von diesen (Gen. Pl.)
anudhyeya-padābja-yugmam
dessen Fußlotos-Paar zu meditieren ist (Akk. Sg., Bahuvrīhi)
jagat-gurum
den geistigen Lehrer der Welt (Akk. Sg.)
maṅgala-maṅgalam
das Glück des Glücks (Akk. Sg.)
svayam
selbst (Adv.)
yaḥ
der, welcher (Nom. Sg.)
kṣatra-bandhuḥ
der niedrige Kṣatriya-Nachkomme (Nom. Sg.)
paribhūya
missachtend, übergehend (Absolutiv)
sūrīn
die Weisen, Erhabenen (Akk. Pl.)
praśāsti
er straft, tadelt (3. Sg. Präs.)
dhṛṣṭaḥ
unverschämt, dreist (Nom. Sg.)
tat
deshalb (Adv.)
ayam
dieser (Nom. Sg.)
hi
wahrlich
daṇḍyaḥ
zu bestrafen (Nom. Sg., Gerundiv)

nāyam arhati vaikuṇṭha-pāda-mūlopasarpaṇam / sambhāvita-matiḥ stabdhaḥ sādhubhiḥ paryupāsitam

Dieser [Mann], der sich selbst für hoch angesehen hält und hochmütig ist, verdient es nicht, sich den Fußsohlen des Herrn von Vaikuṇṭha zu nähern, die von den Heiligen verehrt werden.

Wort für Wort
na
nicht
ayam
dieser (Nom. Sg.)
arhati
er verdient (3. Sg. Präs.)
vaikuṇṭha-pāda-mūla-upasarpaṇam
das Sich-Nähern der Fußsohlen des Herrn von Vaikuṇṭha (Akk. Sg.)
sambhāvita-matiḥ
dessen Sinn sich für angesehen hält (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
stabdhaḥ
hochmütig, starr (Nom. Sg.)
sādhubhiḥ
von den Heiligen (Instr. Pl.)
paryupāsitam
verehrt (Akk. Sg., Ptz. Perf. Pass.)

ataḥ pāpīyasīṁ yonim āsurīṁ yāhi durmate yatheha bhūyo mahatāṁ na kartā putra kilbiṣam

Darum, o Toren-Gesinnter, geh in einen höchst sündigen, dämonischen Mutterschoß, damit du, mein Sohn, hier nicht wieder ein Vergehen gegen die Großen begehst.

Wort für Wort
ataḥ
darum (Adv.)
pāpīyasīm
höchst sündig (Akk. Sg. f., Komparativ)
yonim
Mutterschoß, Geburt (Akk. Sg.)
āsurīm
dämonisch (Akk. Sg. f.)
yāhi
geh! (2. Sg. Imperativ)
durmate
o Toren-Gesinnter (Vok. Sg.)
yathā
so dass, damit (Adv.)
iha
hier, in dieser Welt (Adv.)
bhūyaḥ
wieder, erneut (Adv.)
mahatām
gegen die Großen (Gen. Pl.)
na
nicht
kartā
du wirst begehen (Nom. Sg., Fut.-Nomen agentis)
putra
mein Sohn (Vok. Sg.)
kilbiṣam
ein Vergehen (Akk. Sg.)

śrī-śuka uvāca evaṁ śaptaś citraketur vimānād avaruhya saḥ prasādayām āsa satīṁ mūrdhnā namreṇa bhārata

Śrī Śuka sprach: So verflucht, stieg Citraketu von seinem Flugwagen herab und suchte, mit gesenktem Haupt, die Keusche [Satī] zu besänftigen, o Bhārata.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ
Śrī Śuka (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
evam
so (Adv.)
śaptaḥ
verflucht (Nom. Sg., Ptz. Perf. Pass.)
citraketuḥ
Citraketu (Nom. Sg.)
vimānāt
vom Flugwagen (Abl. Sg.)
avaruhya
herabgestiegen (Absolutiv)
saḥ
er (Nom. Sg.)
prasādayām āsa
er suchte zu besänftigen (3. Sg. Perf. periphr., Kaus.)
satīm
die Keusche [Satī/Pārvatī] (Akk. Sg.)
mūrdhnā
mit dem Haupt (Instr. Sg.)
namreṇa
gesenkt (Instr. Sg., Adj.)
bhārata
o Bhārata [Parīkṣit] (Vok. Sg.)

citraketur uvāca pratigṛhṇāmi te śāpam ātmano 'ñjalinā ambike devair martyāya yat proktaṁ pūrva-diṣṭaṁ hi tasya tat

Citraketu sprach: Ich nehme deinen Fluch mit meinen eigenen gefalteten Händen an, o Mutter; denn was von den Göttern einem Sterblichen zugesprochen wird, das ist für ihn zuvor [durch Karma] bestimmt.

Wort für Wort
citraketuḥ
Citraketu (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
pratigṛhṇāmi
ich nehme an (1. Sg. Präs.)
te
deinen (Gen. Sg.)
śāpam
Fluch (Akk. Sg.)
ātmanaḥ
meinen eigenen (Gen. Sg.)
añjalinā
mit gefalteten Händen (Instr. Sg.)
ambike
o Mutter (Vok. Sg.)
devaiḥ
von den Göttern (Instr. Pl.)
martyāya
einem Sterblichen (Dat. Sg.)
yat
was (Nom./Akk. Sg. n.)
proktam
zugesprochen, verkündet (Nom. Sg. n., Ptz. Perf. Pass.)
pūrva-diṣṭam
zuvor bestimmt (Nom. Sg. n., Ptz. Perf. Pass.)
hi
denn, wahrlich
tasya
für ihn (Gen. Sg.)
tat
das (Nom. Sg. n.)

saṁsāra-cakra etasmiñ jantur ajñāna-mohitaḥ bhrāmyan sukhaṁ ca duḥkhaṁ ca bhuṅkte sarvatra sarvadā

In diesem Rad des Weltenkreislaufs erfährt das von Unwissenheit verwirrte Lebewesen, darin umherirrend, überall und zu jeder Zeit sowohl Glück als auch Leid.

Wort für Wort
saṁsāra-cakre
im Rad des Weltenkreislaufs (Lok. Sg.)
etasmin
in diesem (Lok. Sg.)
jantuḥ
das Lebewesen (Nom. Sg.)
ajñāna-mohitaḥ
von Unwissenheit verwirrt (Nom. Sg., Ptz. Perf. Pass.)
bhrāmyan
umherirrend (Nom. Sg., Ptz. Präs.)
sukham
Glück (Akk. Sg.)
ca
und
duḥkham
Leid (Akk. Sg.)
ca
und
bhuṅkte
es erfährt, genießt (3. Sg. Präs. Med.)
sarvatra
überall (Adv.)
sarvadā
immer (Adv.)

naivātmā na paraś cāpi kartā syāt sukha-duḥkhayoḥ kartāraṁ manyate 'trājña ātmānaṁ param eva ca

Weder das Selbst noch ein anderer kann der Urheber von Glück und Leid sein; nur der Unwissende hält hierbei sich selbst oder einen anderen für den Urheber.

Wort für Wort
na
nicht
eva
gerade, wirklich
ātmā
das Selbst (Nom. Sg.)
na
nicht
paraḥ
ein anderer (Nom. Sg.)
ca
und
api
auch
kartā
der Urheber (Nom. Sg.)
syāt
könnte sein (3. Sg. Optativ)
sukha-duḥkhayoḥ
von Glück und Leid (Gen. Dual)
kartāram
als Urheber (Akk. Sg.)
manyate
er hält für, meint (3. Sg. Präs. Med.)
atra
hierbei, in dieser Hinsicht (Adv.)
ajñaḥ
der Unwissende (Nom. Sg.)
ātmānam
sich selbst (Akk. Sg.)
param
einen anderen (Akk. Sg.)
eva
gerade
ca
und

guṇa-pravāha etasmin kaḥ śāpaḥ ko nv anugrahaḥ kaḥ svargo narakaḥ ko vā kiṁ sukhaṁ duḥkham eva vā

In diesem Strom der [materiellen] Erscheinungsweisen - was ist da ein Fluch, was wahrlich eine Gnade? Was ist Himmel, was Hölle? Was ist Glück, was Leid?

Wort für Wort
guṇa-pravāhe
im Strom der [materiellen] Erscheinungsweisen (Lok. Sg.)
etasmin
in diesem (Lok. Sg.)
kaḥ
was (Nom. Sg.)
śāpaḥ
Fluch (Nom. Sg.)
kaḥ
was
nu
wahrlich, denn (Partikel)
anugrahaḥ
Gnade (Nom. Sg.)
kaḥ
was
svargaḥ
Himmel (Nom. Sg.)
narakaḥ
Hölle (Nom. Sg.)
kaḥ
was
vā
oder
kim
was
sukham
Glück (Nom. Sg.)
duḥkham
Leid (Nom. Sg.)
eva
gerade
vā
oder

ekaḥ sṛjati bhūtāni bhagavān ātma-māyayā eṣāṁ bandhaṁ ca mokṣaṁ ca sukhaṁ duḥkhaṁ ca niṣkalaḥ

Der Eine, der Herr, erschafft durch seine eigene Māyā die Wesen und, [obwohl selbst] ungeteilt [und unberührt], auch deren Bindung und Befreiung, Glück und Leid.

Wort für Wort
ekaḥ
der Eine (Nom. Sg.)
sṛjati
er erschafft (3. Sg. Präs.)
bhūtāni
die Wesen (Akk. Pl.)
bhagavān
der Herr (Nom. Sg.)
ātma-māyayā
durch seine eigene Māyā (Instr. Sg.)
eṣām
von diesen (Gen. Pl.)
bandham
Bindung (Akk. Sg.)
ca
und
mokṣam
Befreiung (Akk. Sg.)
ca
und
sukham
Glück (Akk. Sg.)
duḥkham
Leid (Akk. Sg.)
ca
und
niṣkalaḥ
ungeteilt, unberührt von Materie (Nom. Sg.)

na tasya kaścid dayitaḥ pratīpo na jñāti-bandhur na paro na ca svaḥ samasya sarvatra nirañjanasya sukhe na rāgaḥ kuta eva roṣaḥ

Ihm, der allem gleich, überall [gegenwärtig] und unbefleckt ist, ist niemand lieb oder verhasst, kein Verwandter oder Freund, kein Fremder und kein Eigener; an Glück hat er keine Anhaftung - woher also sollte Zorn [in ihm sein]?

Wort für Wort
na
nicht
tasya
ihm (Gen. Sg.)
kaścit
irgendjemand (Nom. Sg.)
dayitaḥ
lieb, geliebt (Nom. Sg.)
pratīpaḥ
verhasst, feindlich (Nom. Sg.)
na
nicht
jñāti-bandhuḥ
Verwandter, Freund (Nom. Sg.)
na
nicht
paraḥ
ein Fremder (Nom. Sg.)
na
nicht
ca
und
svaḥ
ein Eigener (Nom. Sg.)
samasya
der allem gleich ist (Gen. Sg.)
sarvatra
überall (Adv.)
nirañjanasya
des Unbefleckten (Gen. Sg.)
sukhe
an Glück (Lok. Sg.)
na
nicht
rāgaḥ
Anhaftung (Nom. Sg.)
kutaḥ
woher (Adv.)
eva
denn, also
roṣaḥ
Zorn (Nom. Sg.)

tathāpi tac-chakti-visarga eṣāṁ sukhāya duḥkhāya hitāhitāya bandhāya mokṣāya ca mṛtyu-janmanoḥ śarīriṇāṁ saṁsṛtaye 'vakalpate

Dennoch wirkt die Entfaltung seiner Energie für diese [Lebewesen] zu Glück und Leid, zu Nutzen und Schaden, zu Bindung und Befreiung sowie zu Tod und Geburt, [also] zum immerwährenden Kreislauf der verkörperten Wesen.

Wort für Wort
tathāpi
dennoch
tat-śakti-visargaḥ
die Entfaltung seiner Energie (Nom. Sg.)
eṣām
für diese (Gen. Pl.)
sukhāya
zu Glück (Dat. Sg.)
duḥkhāya
zu Leid (Dat. Sg.)
hita-ahitāya
zu Nutzen und Schaden (Dat. Sg.)
bandhāya
zu Bindung (Dat. Sg.)
mokṣāya
zu Befreiung (Dat. Sg.)
ca
und
mṛtyu-janmanoḥ
von Tod und Geburt (Gen. Dual)
śarīriṇām
der verkörperten Wesen (Gen. Pl.)
saṁsṛtaye
zum [immerwährenden] Kreislauf (Dat. Sg.)
avakalpate
wirkt, dient (3. Sg. Präs. Med.)

atha prasādaye na tvāṁ śāpa-mokṣāya bhāmini yan manyase hy asādhūktaṁ mama tat kṣamyatāṁ sati

Nun aber suche ich dich zu besänftigen, o Zornige, nicht um vom Fluch befreit zu werden; was du als von mir unpassend Gesprochenes ansiehst, das möge, o Reine [Satī], verziehen werden.

Wort für Wort
atha
nun, aber (Adv.)
prasādaye
ich besänftige, suche gnädig zu stimmen (1. Sg. Präs. Kaus. Med.)
na
nicht
tvām
dich (Akk. Sg.)
śāpa-mokṣāya
um Befreiung vom Fluch (Dat. Sg.)
bhāmini
o Zornige (Vok. Sg.)
yat
was (Akk. Sg. n.)
manyase
du hältst für (2. Sg. Präs. Med.)
hi
wahrlich
asādhu-uktam
unpassend Gesprochenes (Akk. Sg. n.)
mama
von mir, mein (Gen. Sg.)
tat
das (Nom. Sg. n.)
kṣamyatām
möge verziehen werden (3. Sg. Imperativ Passiv)
sati
o Reine, Keusche [Satī] (Vok. Sg.)

śrī-śuka uvāca iti prasādya giriśau citraketur arindama jagāma sva-vimānena paśyatoḥ smayatos tayoḥ

Śrī Śuka sprach: So hatte Citraketu, o Bezwinger der Feinde, Giriśa [Śiva] und [seine Gattin] besänftigt und fuhr mit seinem eigenen Flugwagen davon, während die beiden zusahen und lächelten.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ
Śrī Śuka (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
iti
so
prasādya
besänftigt habend (Absolutiv)
giriśau
Giriśa [Śiva] und Pārvatī (Akk. Dual)
citraketuḥ
Citraketu (Nom. Sg.)
arindama
o Bezwinger der Feinde (Vok. Sg.)
jagāma
er fuhr fort (3. Sg. Perf.)
sva-vimānena
mit seinem eigenen Flugwagen (Instr. Sg.)
paśyatoḥ
während sie zusahen (Gen. Dual, Ptz. Präs. abs.)
smayatoḥ
während sie lächelten (Gen. Dual, Ptz. Präs. abs.)
tayoḥ
von den beiden (Gen. Dual)

tatas tu bhagavān rudro rudrāṇīm idam abravīt devarṣi-daitya-siddhānāṁ pārṣadānāṁ ca śṛṇvatām

Danach aber sprach der mächtige Rudra [Śiva] dies zu Rudrāṇī [Pārvatī], während die Götterweisen, die Daityas, die Siddhas und [seine] Gefährten zuhörten.

Wort für Wort
tataḥ
danach (Adv.)
tu
aber
bhagavān
der Mächtige, Erhabene (Nom. Sg.)
rudraḥ
Rudra [Śiva] (Nom. Sg.)
rudrāṇīm
zu Rudrāṇī [Pārvatī] (Akk. Sg.)
idam
dies (Akk. Sg. n.)
abravīt
er sprach (3. Sg. Imperf.)
devarṣi-daitya-siddhānām
der Götterweisen, Daityas und Siddhas (Gen. Pl.)
pārṣadānām
der Gefährten (Gen. Pl.)
ca
und
śṛṇvatām
während sie zuhörten (Gen. Pl., Ptz. Präs. abs.)

śrī-rudra uvāca / dṛṣṭavaty asi suśroṇi / harer adbhuta-karmaṇaḥ / māhātmyaṁ bhṛtya-bhṛtyānāṁ / niḥspṛhāṇāṁ mahātmanām

Śrī Rudra sprach: Du hast, o Schönhüftige, die Größe der Diener der Diener Haris gesehen, dessen Taten wunderbar sind - [Diener,] die frei von Verlangen und großherzig sind.

Wort für Wort
śrī-rudraḥ
Śrī Rudra (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
dṛṣṭavatī
gesehen habend (Nom. Sg. f., Ptz. Perf. Akt.)
asi
du bist (2. Sg. Präs.)
su-śroṇi
o Schönhüftige (Vok. Sg.)
hareḥ
Haris (Gen. Sg.)
adbhuta-karmaṇaḥ
dessen Taten wunderbar sind (Gen. Sg.)
māhātmyam
die Größe (Akk. Sg.)
bhṛtya-bhṛtyānām
der Diener der Diener (Gen. Pl.)
niḥspṛhāṇām
der Verlangenslosen (Gen. Pl.)
mahātmanām
der Großherzigen (Gen. Pl.)

nārāyaṇa-parāḥ sarve na kutaścana bibhyati svargāpavarga-narakeṣv api tulyārtha-darśinaḥ

Alle, die Nārāyaṇa als ihr Höchstes ansehen, fürchten sich vor nichts; selbst Himmel, Befreiung und Hölle betrachten sie als [ihrem] Wert nach gleich.

Wort für Wort
nārāyaṇa-parāḥ
die Nārāyaṇa als das Höchste ansehen (Nom. Pl.)
sarve
alle (Nom. Pl.)
na
nicht
kutaścana
vor irgendetwas (Adv.)
bibhyati
sie fürchten sich (3. Pl. Präs.)
svarga-apavarga-narakeṣu
in Himmel, Befreiung und Hölle (Lok. Pl.)
api
sogar, selbst
tulya-artha-darśinaḥ
die den Wert als gleich ansehen (Nom. Pl.)

dehināṁ deha-saṁyogād dvandvānīśvara-līlayā sukhaṁ duḥkhaṁ mṛtir janma śāpo 'nugraha eva ca

Durch die Verbindung der verkörperten Wesen mit dem Körper entstehen, durch das Spiel des Herrn, die Gegensatzpaare: Glück und Leid, Tod und Geburt, Fluch und Gnade.

Wort für Wort
dehinām
der verkörperten Wesen (Gen. Pl.)
deha-saṁyogāt
durch die Verbindung mit dem Körper (Abl. Sg.)
dvandvāni
die Gegensatzpaare (Nom. Pl.)
īśvara-līlayā
durch das Spiel des Herrn (Instr. Sg.)
sukham
Glück (Nom. Sg.)
duḥkham
Leid (Nom. Sg.)
mṛtiḥ
Tod (Nom. Sg.)
janma
Geburt (Nom. Sg.)
śāpaḥ
Fluch (Nom. Sg.)
anugrahaḥ
Gnade (Nom. Sg.)
eva
gerade
ca
und

aviveka-kṛtaḥ puṁso hy artha-bheda ivātmani guṇa-doṣa-vikalpaś ca bhid eva srajivat kṛtaḥ

Die Unterscheidung von Wert im Selbst des Menschen ist [nur] durch Unterscheidungslosigkeit [Unwissenheit] gemacht; ebenso ist die Vorstellung von Tugend und Fehler [nur] eine Trennung, gemacht wie [die Trennung der Blüten] in einem Blumenkranz [?].

Wort für Wort
aviveka-kṛtaḥ
durch Unterscheidungslosigkeit gemacht (Nom. Sg.)
puṁsaḥ
des Menschen (Gen. Sg.)
hi
wahrlich
artha-bhedaḥ
die Unterscheidung von Wert (Nom. Sg.)
iva
gleichsam, wie
ātmani
im Selbst (Lok. Sg.)
guṇa-doṣa-vikalpaḥ
die Vorstellung von Tugend und Fehler (Nom. Sg.)
ca
und
bhit
Trennung, Unterscheidung (Nom. Sg.)
eva
gerade, nur
sraji-vat
wie in einem Blumenkranz (Adv.)
kṛtaḥ
gemacht (Nom. Sg., Ptz. Perf. Pass.)

Die letzte Zeile ('bhid eva srajivat kṛtaḥ') ist bildhaft-verdichtet; gemeint ist wohl, dass die Unterscheidung von Tugend und Fehler ebenso künstlich/äußerlich ist wie das Auffädeln verschiedener Blüten zu einem Kranz - Übersetzung mit [?] markiert.

vāsudeve bhagavati bhaktim udvahatāṁ nṛṇām jñāna-vairāgya-vīryāṇāṁ na hi kaścid vyapāśrayaḥ

Für Menschen, die Hingabe zum Herrn Vāsudeva tragen und [dadurch] mit der Kraft von Wissen und Entsagung [ausgestattet sind], gibt es wahrlich keine andere Stütze [nötig].

Wort für Wort
vāsudeve
zu Vāsudeva (Lok. Sg.)
bhagavati
zum Herrn (Lok. Sg.)
bhaktim
Hingabe (Akk. Sg.)
udvahatām
die tragen (Gen. Pl., Ptz. Präs.)
nṛṇām
der Menschen (Gen. Pl.)
jñāna-vairāgya-vīryāṇām
deren Kraft in Wissen und Entsagung [besteht] (Gen. Pl.)
na
nicht
hi
wahrlich
kaścit
irgendeine (Nom. Sg.)
vyapāśrayaḥ
andere Stütze, Zuflucht (Nom. Sg.)

nāhaṁ viriñco na kumāra-nāradau / na brahma-putrā munayaḥ sureśāḥ / vidāma yasyehitam aṁśakāṁśakā / na tat-svarūpaṁ pṛthag-īśa-māninaḥ

Weder ich, noch Viriñca [Brahmā], noch die Kumāras und Nārada, noch die Brahmā-Söhne, die Weisen [und] die Götterfürsten kennen dessen Wirken, wir, die wir [nur] Teile von Teilen [seiner Kraft sind] - noch [kennen wir] sein wahres Wesen, wir, die wir uns fälschlich für gesonderte Herrscher halten.

Wort für Wort
na
nicht
aham
ich (Nom. Sg.)
viriñcaḥ
Viriñca [Brahmā] (Nom. Sg.)
na
nicht
kumāra-nāradau
die Kumāras und Nārada (Nom. Dual)
na
nicht
brahma-putrāḥ
die Söhne Brahmās (Nom. Pl.)
munayaḥ
die Weisen (Nom. Pl.)
sura-īśāḥ
die Götterfürsten (Nom. Pl.)
vidāma
wir kennen (1. Pl. Perf. m. Präsensbed.)
yasya
dessen (Gen. Sg.)
īhitam
Wirken, Tun (Akk. Sg.)
aṁśaka-aṁśakāḥ
Teile von Teilen [seiner Kraft] (Nom. Pl.)
na
nicht
tat-svarūpam
dessen wahres Wesen (Akk. Sg.)
pṛthak-īśa-māninaḥ
die sich für gesonderte Herrscher halten (Nom. Pl.)

na hy asyāsti priyaḥ kaścin nāpriyaḥ svaḥ paro 'pi vā ātmatvāt sarva-bhūtānāṁ sarva-bhūta-priyo hariḥ

Ihm ist wahrlich niemand lieb oder unlieb, weder der Eigene noch der Fremde; weil er die Seele aller Wesen ist, ist Hari allen Wesen lieb.

Wort für Wort
na
nicht
hi
wahrlich
asya
ihm (Gen. Sg.)
asti
es gibt (3. Sg. Präs.)
priyaḥ
lieb (Nom. Sg.)
kaścit
irgendjemand (Nom. Sg.)
na
nicht
apriyaḥ
unlieb (Nom. Sg.)
svaḥ
der Eigene (Nom. Sg.)
paraḥ
der Fremde (Nom. Sg.)
api
auch
vā
oder
ātmatvāt
weil er die Seele/das Selbst ist (Abl. Sg.)
sarva-bhūtānām
aller Wesen (Gen. Pl.)
sarva-bhūta-priyaḥ
allen Wesen lieb (Nom. Sg.)
hariḥ
Hari (Nom. Sg.)

tasya cāyaṁ mahā-bhāgaś citraketuḥ priyo 'nugaḥ sarvatra sama-dṛk śānto hy ahaṁ caivācyuta-priyaḥ // tasmān na vismayaḥ kāryaḥ puruṣeṣu mahātmasu mahāpuruṣa-bhakteṣu śānteṣu sama-darśiṣu

Und dieser hochbeglückte Citraketu ist ihm lieb und ein ergebener Diener, überall gleich sehend und friedvoll; und auch ich bin dem Unfehlbaren lieb. Darum sollte man über hochherzige Menschen, Diener des Höchsten Herrn, friedvoll und gleichmütig sehend, kein Erstaunen empfinden.

Wort für Wort
tasya
ihm (Gen. Sg.)
ca
und
ayam
dieser (Nom. Sg.)
mahā-bhāgaḥ
der hochbeglückte (Nom. Sg.)
citraketuḥ
Citraketu (Nom. Sg.)
priyaḥ
lieb (Nom. Sg.)
anugaḥ
ergebener Diener (Nom. Sg.)
sarvatra
überall (Adv.)
sama-dṛk
gleich sehend (Nom. Sg.)
śāntaḥ
friedvoll (Nom. Sg.)
hi
wahrlich
aham
ich (Nom. Sg.)
ca
und
eva
gerade
acyuta-priyaḥ
dem Unfehlbaren [Kṛṣṇa] lieb (Nom. Sg.)
tasmāt
darum (Adv.)
na
nicht
vismayaḥ
Erstaunen (Nom. Sg.)
kāryaḥ
zu machen (Nom. Sg., Gerundiv)
puruṣeṣu
über Menschen (Lok. Pl.)
mahā-ātmasu
hochherzige (Lok. Pl.)
mahāpuruṣa-bhakteṣu
Diener des Höchsten Herrn (Lok. Pl.)
śānteṣu
friedvolle (Lok. Pl.)
sama-darśiṣu
gleichmütig sehende (Lok. Pl.)

śrī-śuka uvāca iti śrutvā bhagavataḥ śivasyomābhibhāṣitam babhūva śānta-dhī rājan devī vigata-vismayā

Śrī Śuka sprach: Als sie dies gehört hatte, die Worte, die der mächtige Śiva zu Umā gesprochen hatte, wurde die Göttin friedvollen Sinnes, o König, und frei von Erstaunen.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ
Śrī Śuka (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
iti
so, dies
śrutvā
gehört habend (Absolutiv)
bhagavataḥ
des mächtigen (Gen. Sg.)
śivasya
Śivas (Gen. Sg.)
umā-abhibhāṣitam
die zu Umā gesprochenen Worte (Akk. Sg.)
babhūva
sie wurde (3. Sg. Perf.)
śānta-dhīḥ
friedvollen Sinnes (Nom. Sg.)
rājan
o König (Vok. Sg.)
devī
die Göttin (Nom. Sg.)
vigata-vismayā
frei von Erstaunen (Nom. Sg.)

iti bhāgavataḥ devyāḥ pratiśaptum alantamaḥ mūrdhnā sa jagṛhe śāpam etāvat sādhu-lakṣaṇam

So nahm er, der große Gottgeweihte [Citraketu], der wohl imstande gewesen wäre, die Göttin zurückzuverfluchen, deren Fluch mit gesenktem Haupt an - dies ist das Kennzeichen eines Heiligen.

Wort für Wort
iti
so
bhāgavataḥ
der große Gottgeweihte (Nom. Sg.)
devyāḥ
der Göttin (Gen. Sg.)
pratiśaptum
zurückzuverfluchen (Infinitiv)
alantamaḥ
völlig fähig, imstande (Nom. Sg., Superlativ)
mūrdhnā
mit dem Haupt (Instr. Sg.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
jagṛhe
er nahm an (3. Sg. Perf. Med.)
śāpam
den Fluch (Akk. Sg.)
etāvat
dies, so viel (Adv./Akk. Sg. n.)
sādhu-lakṣaṇam
das Kennzeichen eines Heiligen (Nom. Sg. n.)

[?] Die Konstruktion 'pratiśaptum alantamaḥ' ('völlig fähig, zurückzuverfluchen') wurde interpretativ ergänzt.

jajñe tvaṣṭur dakṣiṇāgnau dānavīṁ yonim āśritaḥ vṛtra ity abhivikhyāto jñāna-vijñāna-saṁyutaḥ

Er wurde, im dakṣiṇa-Feuer des Tvaṣṭṛ, in einem dämonischen Mutterschoß Zuflucht nehmend, geboren, als Vṛtra bekannt, ausgestattet mit Wissen und dessen praktischer Verwirklichung.

Wort für Wort
jajñe
er wurde geboren (3. Sg. Perf. Med.)
tvaṣṭuḥ
des Tvaṣṭṛ (Gen. Sg.)
dakṣiṇa-agnau
im dakṣiṇa-Feuer (Lok. Sg.)
dānavīm
dämonisch (Akk. Sg. f.)
yonim
Mutterschoß (Akk. Sg.)
āśritaḥ
Zuflucht nehmend (Nom. Sg., Ptz. Perf. Pass.)
vṛtraḥ
Vṛtra (Nom. Sg.)
iti
so, als
abhivikhyātaḥ
bekannt, berühmt (Nom. Sg.)
jñāna-vijñāna-saṁyutaḥ
ausgestattet mit Wissen und dessen Verwirklichung (Nom. Sg.)

etat te sarvam ākhyātaṁ yan māṁ tvaṁ paripṛcchasi vṛtrasyāsura-jāteś ca kāraṇaṁ bhagavan-mateḥ

Dies alles wurde dir erklärt, wonach du mich gefragt hast: der Grund für Vṛtras Geburt in der Art der Asuras und [zugleich für seine] gottgerichtete Gesinnung.

Wort für Wort
etat
dies (Nom. Sg. n.)
te
dir (Dat. Sg.)
sarvam
alles (Nom. Sg. n.)
ākhyātam
erklärt (Nom. Sg. n., Ptz. Perf. Pass.)
yat
wonach, was (Akk. Sg. n.)
mām
mich (Akk. Sg.)
tvam
du (Nom. Sg.)
paripṛcchasi
du fragst (2. Sg. Präs.)
vṛtrasya
Vṛtras (Gen. Sg.)
asura-jāteḥ
der Geburt in der Asura-Art (Gen. Sg.)
ca
und
kāraṇam
der Grund (Nom. Sg.)
bhagavat-mateḥ
der auf den Herrn gerichteten Gesinnung (Gen. Sg.)

itihāsam imaṁ puṇyaṁ citraketor mahātmanaḥ māhātmyaṁ viṣṇu-bhaktānāṁ śrutvā bandhād vimucyate

Wer diese heilige Geschichte von Citraketu, dem hochherzigen [Devoten], von der Größe der Viṣṇu-Geweihten hört, wird von der [weltlichen] Bindung befreit.

Wort für Wort
itihāsam
die Geschichte (Akk. Sg.)
imam
diese (Akk. Sg.)
puṇyam
heilig, verdienstvoll (Akk. Sg.)
citraketoḥ
von Citraketu (Gen. Sg.)
mahā-ātmanaḥ
des hochherzigen (Gen. Sg.)
māhātmyam
die Größe (Akk. Sg.)
viṣṇu-bhaktānām
der Viṣṇu-Geweihten (Gen. Pl.)
śrutvā
gehört habend (Absolutiv)
bandhāt
von der Bindung (Abl. Sg.)
vimucyate
wird befreit (3. Sg. Präs. Passiv)

ya etat prātar utthāya śraddhayā vāg-yataḥ paṭhet itihāsaṁ hariṁ smṛtvā sa yāti paramāṁ gatim

Wer, am Morgen erwacht, mit Glauben und beherrschter Rede diese Geschichte liest und sich Hari erinnert, der erreicht das höchste Ziel.

Wort für Wort
yaḥ
wer (Nom. Sg.)
etat
diese (Akk. Sg.)
prātaḥ
am Morgen (Adv.)
utthāya
aufgestanden (Absolutiv)
śraddhayā
mit Glauben (Instr. Sg.)
vāk-yataḥ
mit beherrschter Rede (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
paṭhet
möge lesen (3. Sg. Optativ)
itihāsam
die Geschichte (Akk. Sg.)
harim
Hari (Akk. Sg.)
smṛtvā
sich erinnernd (Absolutiv)
saḥ
der (Nom. Sg.)
yāti
er erreicht, geht (3. Sg. Präs.)
paramām
das höchste (Akk. Sg. f.)
gatim
Ziel (Akk. Sg.)

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks