Śrī Śuka sprach: Nachdem der Vidyādhara Citraketu jener Richtung, in die der Unendliche entschwunden war, seine Verehrung erwiesen hatte, zog er, durch den Weltraum fahrend, weiter.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ
Śrī Śuka (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
yataḥ
wohin, in welche Richtung (Adv.)
ca
und
antarhitaḥ
verschwunden (Nom. Sg. m., Ptz. Perf. Pass.)
anantaḥ
der Unendliche [Ananta/Viṣṇu] (Nom. Sg.)
tasyai
jener (Dat. Sg. f., bezogen auf diśe)
kṛtvā
nachdem getan/erwiesen (Absolutiv)
diśe
der Richtung (Dat. Sg. f.)
namaḥ
Verehrung, Verbeugung (Nom./Akk. Sg. n.)
vidyādharaḥ
der Vidyādhara (Nom. Sg.)
citraketuḥ
Citraketu (Nom. Sg.)
cacāra
zog umher, fuhr (3. Sg. Perf.)
gagane
im Himmel, im Weltraum (Lok. Sg.)
caraḥ
fahrend, sich bewegend (Nom. Sg. m., Nomen agentis)
Er, dessen Kraft der Sinne ungehindert war, ein großer Yogī, von Weisen, Siddhas und Cāraṇas gepriesen, vergnügte sich hunderttausendmal hunderttausend Jahre lang mit den Frauen der Vidyādharas in den Tälern des Bergfürsten Kulācala, [wo] vielfältige, durch bloßen Willen [erlangte] Vollkommenheiten [herrschen], während er den Herrn Hari preisen ließ.
Wort für Wort
saḥ
er (Nom. Sg. m.)
lakṣam
hunderttausend (Akk. Sg., adverbial)
varṣa-lakṣāṇām
von Hunderttausenden von Jahren (Gen. Pl.)
avyāhata-bala-indriyaḥ
dessen Sinnesstärke ungehindert war (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
stūyamānaḥ
gepriesen werdend (Nom. Sg., Ptz. Präs. Pass.)
mahā-yogī
der große Yogī (Nom. Sg.)
munibhiḥ
von den Weisen (Instr. Pl.)
siddha-cāraṇaiḥ
von den Siddhas und Cāraṇas (Instr. Pl.)
kulācalendra-droṇīṣu
in den Tälern des Bergfürsten Kulācala [Sumeru] (Lok. Pl.)
nānā-saṅkalpa-siddhiṣu
[Tälern] mit vielfältigen, durch Willen [erlangten] Vollkommenheiten (Lok. Pl.)
reme
er vergnügte sich, verweilte (3. Sg. Perf. Med.)
vidyādhara-strībhiḥ
mit den Frauen der Vidyādharas (Instr. Pl.)
gāpayan
zum Singen/Preisen veranlassend (Nom. Sg., Ptz. Präs. Kaus.)
Eines Tages sah er, während er mit seinem von Viṣṇu geschenkten, glänzenden Flugwagen fuhr, Giriśa [Śiva], umringt von Siddhas und Cāraṇas, wie dieser die Göttin, die er mit dem Arm umarmt und auf seinen Schoß gesetzt hatte, inmitten der Versammlung der Weisen [hielt]; und [Citraketu] sprach, während die Göttin zuhörte, und lachte laut in ihrer Nähe.
Wort für Wort
ekadā
eines Tages (Adv.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
vimānena
mit dem Flugwagen (Instr. Sg.)
viṣṇu-dattena
von Viṣṇu gegeben (Instr. Sg., Adj.)
bhāsvatā
strahlend, glänzend (Instr. Sg., Adj.)
giriśam
Giriśa [Śiva] (Akk. Sg.)
dadṛśe
er sah (3. Sg. Perf. Med.)
gacchan
fahrend, gehend (Nom. Sg., Ptz. Präs.)
parītam
umringt (Akk. Sg., Ptz. Perf. Pass.)
siddha-cāraṇaiḥ
von Siddhas und Cāraṇas (Instr. Pl.)
āliṅgya
umarmt habend (Absolutiv)
aṅkīkṛtām
auf den Schoß gesetzt (Akk. Sg. f., Ptz. Perf. Pass.)
Citraketu sprach: Dieser [Śiva], der unmittelbare geistige Lehrer der Welt, der Verkünder des Dharma für die verkörperten Wesen, sitzt, mit seiner Gattin vereint, als Haupt in dieser Versammlung.
Er, der verfilztes Haar trägt, von strengster Askese, der Vorsitzende der Versammlung der Kenner des Veda, sitzt, eine Frau auf den Schoß genommen habend, schamlos da, wie ein gewöhnliches [weltliches Wesen].
Wort für Wort
jaṭā-dharaḥ
der verfilztes Haar trägt (Nom. Sg.)
tīvra-tapāḥ
von strengster Askese (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
brahma-vādi-sabhā-patiḥ
der Vorsitzende der Versammlung der Vedakenner (Nom. Sg.)
Selbst gewöhnliche Menschen halten eine Frau meist nur im Verborgenen; dieser [Śiva] aber, der Träger großer Gelübde, hält seine Frau in der Versammlung.
śrī-śukaḥ uvāca / bhagavān api tac chrutvā / prahasyāgādha-dhīr nṛpa / tūṣṇīṁ babhūva sadasi / sabhyāś ca tad-anuvratāḥ
Śrī Śuka sprach: Als der Herr [Śiva], dessen Verstand unergründlich ist, dies gehört hatte, lächelte er und blieb still in der Versammlung, o König; und die Versammelten folgten ihm darin [schweigend].
Wort für Wort
śrī-śukaḥ
Śrī Śuka (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
bhagavān
der Herr [Śiva] (Nom. Sg.)
api
auch, aber
tat
dies (Akk. Sg. n.)
śrutvā
gehört habend (Absolutiv)
prahasya
lächelnd, gelacht habend (Absolutiv)
agādha-dhīḥ
dessen Verstand unergründlich ist (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
Als [Citraketu], der die [wahre] Macht jenes [Śiva] nicht kannte, so viel Unschickliches sprach, sagte die Göttin zornig zu dem Dreisten, der sich einbildete, seine Sinne bezwungen zu haben:
Wort für Wort
iti
so, dies (Partikel)
a-tat-vīrya-viduṣi
als der [Citraketu], der jenes [Śiva] Macht nicht kannte (Lok. Sg. abs.)
bruvāṇe
sprechend (Lok. Sg., Ptz. Präs. abs.)
bahu-aśobhanam
viel Unschickliches (Akk. Sg. n.)
ruṣā
mit Zorn (Instr. Sg.)
āha
sie sagte (3. Sg. Perf.)
devī
die Göttin (Nom. Sg.)
dhṛṣṭāya
zu dem Dreisten (Dat. Sg.)
nirjita-ātma-abhimānine
der sich einbildete, sein Selbst/seine Sinne bezwungen zu haben (Dat. Sg.)
śrī-pārvaty uvāca / ayaṁ kim adhunā loke / śāstā daṇḍa-dharaḥ prabhuḥ / asmad-vidhānāṁ duṣṭānāṁ / nirlajjānāṁ ca viprakṛt
Śrī Pārvatī sprach: Ist dieser [Mann] etwa jetzt in der Welt der Herrscher, der Träger der Zuchtrute, der Gebieter, der Bestrafer von Übeltätern und Schamlosen wie uns?
na veda dharmaṁ kila padmayonir na brahma-putrā bhṛgu-nāradādyāḥ na vai kumāraḥ kapilo manuś ca ye no niṣedhanty ati-vartinaṁ haram
Wahrlich, nicht einmal der Lotosgeborene [Brahmā] kennt das Dharma, nicht die Brahmā-Söhne Bhṛgu, Nārada und die übrigen, nicht die Kumāras, Kapila und Manu - sie [alle], die Hara, der [alle Schranken] überschreitet, nicht deswegen tadeln [dürfen] [?].
Wort für Wort
na
nicht
veda
kennt (3. Sg. Perf. m. Präsensbed.)
dharmam
das Dharma (Akk. Sg.)
kila
wahrlich, wie es heißt (Partikel)
padma-yoniḥ
der Lotosgeborene [Brahmā] (Nom. Sg.)
na
nicht
brahma-putrāḥ
die Söhne Brahmās (Nom. Pl.)
bhṛgu
Bhṛgu (Nom. Sg.)
nārada
Nārada (Nom. Sg.)
ādyāḥ
und die übrigen (Nom. Pl.)
na
nicht
vai
wahrlich
kumāraḥ
der Kumāra [die Kumāras] (Nom. Sg.)
kapilaḥ
Kapila (Nom. Sg.)
manuḥ
Manu (Nom. Sg.)
ca
und
ye
die, welche (Nom. Pl.)
naḥ
uns, wegen uns (Akk./Dat. Pl., enklit.) [?]
niṣedhanti
sie verbieten, halten zurück (3. Pl. Präs.)
ati-vartinam
den [alle Schranken] Überschreitenden (Akk. Sg.)
haram
Hara [Śiva] (Akk. Sg.)
Der Sinn der Verszeile 'ye no niṣedhanty ati-vartinaṁ haram' ist im Sanskrit verdichtet: gemeint ist wohl, dass selbst diese großen Autoritäten Hara/Śiva, der jenseits gewöhnlicher Normen steht, nicht zurückhalten bzw. deswegen tadeln - Übersetzung mit [?] markiert.
eṣām anudhyeya-padābja-yugmaṁ / jagad-guruṁ maṅgala-maṅgalaṁ svayam / yaḥ kṣatra-bandhuḥ paribhūya sūrīn / praśāsti dhṛṣṭas tad ayaṁ hi daṇḍyaḥ
[Śiva ist derjenige,] dessen beide Lotosfüße von diesen [genannten großen Seelen] beständig meditiert werden [sollen], der geistige Lehrer der Welt, das Glück des Glücks selbst - [und doch] straft dieser unverschämte Kṣatriya-Nachkomme [ihn], indem er die Erhabenen missachtet; darum ist eben er zu bestrafen.
Wort für Wort
eṣām
von diesen (Gen. Pl.)
anudhyeya-padābja-yugmam
dessen Fußlotos-Paar zu meditieren ist (Akk. Sg., Bahuvrīhi)
Dieser [Mann], der sich selbst für hoch angesehen hält und hochmütig ist, verdient es nicht, sich den Fußsohlen des Herrn von Vaikuṇṭha zu nähern, die von den Heiligen verehrt werden.
Wort für Wort
na
nicht
ayam
dieser (Nom. Sg.)
arhati
er verdient (3. Sg. Präs.)
vaikuṇṭha-pāda-mūla-upasarpaṇam
das Sich-Nähern der Fußsohlen des Herrn von Vaikuṇṭha (Akk. Sg.)
sambhāvita-matiḥ
dessen Sinn sich für angesehen hält (Nom. Sg., Bahuvrīhi)
ataḥ pāpīyasīṁ yonim āsurīṁ yāhi durmate yatheha bhūyo mahatāṁ na kartā putra kilbiṣam
Darum, o Toren-Gesinnter, geh in einen höchst sündigen, dämonischen Mutterschoß, damit du, mein Sohn, hier nicht wieder ein Vergehen gegen die Großen begehst.
Śrī Śuka sprach: So verflucht, stieg Citraketu von seinem Flugwagen herab und suchte, mit gesenktem Haupt, die Keusche [Satī] zu besänftigen, o Bhārata.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ
Śrī Śuka (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
evam
so (Adv.)
śaptaḥ
verflucht (Nom. Sg., Ptz. Perf. Pass.)
citraketuḥ
Citraketu (Nom. Sg.)
vimānāt
vom Flugwagen (Abl. Sg.)
avaruhya
herabgestiegen (Absolutiv)
saḥ
er (Nom. Sg.)
prasādayām āsa
er suchte zu besänftigen (3. Sg. Perf. periphr., Kaus.)
citraketur uvāca pratigṛhṇāmi te śāpam ātmano 'ñjalinā ambike devair martyāya yat proktaṁ pūrva-diṣṭaṁ hi tasya tat
Citraketu sprach: Ich nehme deinen Fluch mit meinen eigenen gefalteten Händen an, o Mutter; denn was von den Göttern einem Sterblichen zugesprochen wird, das ist für ihn zuvor [durch Karma] bestimmt.
saṁsāra-cakra etasmiñ jantur ajñāna-mohitaḥ bhrāmyan sukhaṁ ca duḥkhaṁ ca bhuṅkte sarvatra sarvadā
In diesem Rad des Weltenkreislaufs erfährt das von Unwissenheit verwirrte Lebewesen, darin umherirrend, überall und zu jeder Zeit sowohl Glück als auch Leid.
Wort für Wort
saṁsāra-cakre
im Rad des Weltenkreislaufs (Lok. Sg.)
etasmin
in diesem (Lok. Sg.)
jantuḥ
das Lebewesen (Nom. Sg.)
ajñāna-mohitaḥ
von Unwissenheit verwirrt (Nom. Sg., Ptz. Perf. Pass.)
naivātmā na paraś cāpi kartā syāt sukha-duḥkhayoḥ kartāraṁ manyate 'trājña ātmānaṁ param eva ca
Weder das Selbst noch ein anderer kann der Urheber von Glück und Leid sein; nur der Unwissende hält hierbei sich selbst oder einen anderen für den Urheber.
guṇa-pravāha etasmin kaḥ śāpaḥ ko nv anugrahaḥ kaḥ svargo narakaḥ ko vā kiṁ sukhaṁ duḥkham eva vā
In diesem Strom der [materiellen] Erscheinungsweisen - was ist da ein Fluch, was wahrlich eine Gnade? Was ist Himmel, was Hölle? Was ist Glück, was Leid?
Wort für Wort
guṇa-pravāhe
im Strom der [materiellen] Erscheinungsweisen (Lok. Sg.)
ekaḥ sṛjati bhūtāni bhagavān ātma-māyayā eṣāṁ bandhaṁ ca mokṣaṁ ca sukhaṁ duḥkhaṁ ca niṣkalaḥ
Der Eine, der Herr, erschafft durch seine eigene Māyā die Wesen und, [obwohl selbst] ungeteilt [und unberührt], auch deren Bindung und Befreiung, Glück und Leid.
na tasya kaścid dayitaḥ pratīpo na jñāti-bandhur na paro na ca svaḥ samasya sarvatra nirañjanasya sukhe na rāgaḥ kuta eva roṣaḥ
Ihm, der allem gleich, überall [gegenwärtig] und unbefleckt ist, ist niemand lieb oder verhasst, kein Verwandter oder Freund, kein Fremder und kein Eigener; an Glück hat er keine Anhaftung - woher also sollte Zorn [in ihm sein]?
Dennoch wirkt die Entfaltung seiner Energie für diese [Lebewesen] zu Glück und Leid, zu Nutzen und Schaden, zu Bindung und Befreiung sowie zu Tod und Geburt, [also] zum immerwährenden Kreislauf der verkörperten Wesen.
atha prasādaye na tvāṁ śāpa-mokṣāya bhāmini yan manyase hy asādhūktaṁ mama tat kṣamyatāṁ sati
Nun aber suche ich dich zu besänftigen, o Zornige, nicht um vom Fluch befreit zu werden; was du als von mir unpassend Gesprochenes ansiehst, das möge, o Reine [Satī], verziehen werden.
Wort für Wort
atha
nun, aber (Adv.)
prasādaye
ich besänftige, suche gnädig zu stimmen (1. Sg. Präs. Kaus. Med.)
Śrī Śuka sprach: So hatte Citraketu, o Bezwinger der Feinde, Giriśa [Śiva] und [seine Gattin] besänftigt und fuhr mit seinem eigenen Flugwagen davon, während die beiden zusahen und lächelten.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ
Śrī Śuka (Nom. Sg.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
iti
so
prasādya
besänftigt habend (Absolutiv)
giriśau
Giriśa [Śiva] und Pārvatī (Akk. Dual)
citraketuḥ
Citraketu (Nom. Sg.)
arindama
o Bezwinger der Feinde (Vok. Sg.)
jagāma
er fuhr fort (3. Sg. Perf.)
sva-vimānena
mit seinem eigenen Flugwagen (Instr. Sg.)
paśyatoḥ
während sie zusahen (Gen. Dual, Ptz. Präs. abs.)
smayatoḥ
während sie lächelten (Gen. Dual, Ptz. Präs. abs.)
tatas tu bhagavān rudro rudrāṇīm idam abravīt devarṣi-daitya-siddhānāṁ pārṣadānāṁ ca śṛṇvatām
Danach aber sprach der mächtige Rudra [Śiva] dies zu Rudrāṇī [Pārvatī], während die Götterweisen, die Daityas, die Siddhas und [seine] Gefährten zuhörten.
Śrī Rudra sprach: Du hast, o Schönhüftige, die Größe der Diener der Diener Haris gesehen, dessen Taten wunderbar sind - [Diener,] die frei von Verlangen und großherzig sind.
dehināṁ deha-saṁyogād dvandvānīśvara-līlayā sukhaṁ duḥkhaṁ mṛtir janma śāpo 'nugraha eva ca
Durch die Verbindung der verkörperten Wesen mit dem Körper entstehen, durch das Spiel des Herrn, die Gegensatzpaare: Glück und Leid, Tod und Geburt, Fluch und Gnade.
aviveka-kṛtaḥ puṁso hy artha-bheda ivātmani guṇa-doṣa-vikalpaś ca bhid eva srajivat kṛtaḥ
Die Unterscheidung von Wert im Selbst des Menschen ist [nur] durch Unterscheidungslosigkeit [Unwissenheit] gemacht; ebenso ist die Vorstellung von Tugend und Fehler [nur] eine Trennung, gemacht wie [die Trennung der Blüten] in einem Blumenkranz [?].
Wort für Wort
aviveka-kṛtaḥ
durch Unterscheidungslosigkeit gemacht (Nom. Sg.)
puṁsaḥ
des Menschen (Gen. Sg.)
hi
wahrlich
artha-bhedaḥ
die Unterscheidung von Wert (Nom. Sg.)
iva
gleichsam, wie
ātmani
im Selbst (Lok. Sg.)
guṇa-doṣa-vikalpaḥ
die Vorstellung von Tugend und Fehler (Nom. Sg.)
ca
und
bhit
Trennung, Unterscheidung (Nom. Sg.)
eva
gerade, nur
sraji-vat
wie in einem Blumenkranz (Adv.)
kṛtaḥ
gemacht (Nom. Sg., Ptz. Perf. Pass.)
Die letzte Zeile ('bhid eva srajivat kṛtaḥ') ist bildhaft-verdichtet; gemeint ist wohl, dass die Unterscheidung von Tugend und Fehler ebenso künstlich/äußerlich ist wie das Auffädeln verschiedener Blüten zu einem Kranz - Übersetzung mit [?] markiert.
vāsudeve bhagavati bhaktim udvahatāṁ nṛṇām jñāna-vairāgya-vīryāṇāṁ na hi kaścid vyapāśrayaḥ
Für Menschen, die Hingabe zum Herrn Vāsudeva tragen und [dadurch] mit der Kraft von Wissen und Entsagung [ausgestattet sind], gibt es wahrlich keine andere Stütze [nötig].
Wort für Wort
vāsudeve
zu Vāsudeva (Lok. Sg.)
bhagavati
zum Herrn (Lok. Sg.)
bhaktim
Hingabe (Akk. Sg.)
udvahatām
die tragen (Gen. Pl., Ptz. Präs.)
nṛṇām
der Menschen (Gen. Pl.)
jñāna-vairāgya-vīryāṇām
deren Kraft in Wissen und Entsagung [besteht] (Gen. Pl.)
nāhaṁ viriñco na kumāra-nāradau / na brahma-putrā munayaḥ sureśāḥ / vidāma yasyehitam aṁśakāṁśakā / na tat-svarūpaṁ pṛthag-īśa-māninaḥ
Weder ich, noch Viriñca [Brahmā], noch die Kumāras und Nārada, noch die Brahmā-Söhne, die Weisen [und] die Götterfürsten kennen dessen Wirken, wir, die wir [nur] Teile von Teilen [seiner Kraft sind] - noch [kennen wir] sein wahres Wesen, wir, die wir uns fälschlich für gesonderte Herrscher halten.
Wort für Wort
na
nicht
aham
ich (Nom. Sg.)
viriñcaḥ
Viriñca [Brahmā] (Nom. Sg.)
na
nicht
kumāra-nāradau
die Kumāras und Nārada (Nom. Dual)
na
nicht
brahma-putrāḥ
die Söhne Brahmās (Nom. Pl.)
munayaḥ
die Weisen (Nom. Pl.)
sura-īśāḥ
die Götterfürsten (Nom. Pl.)
vidāma
wir kennen (1. Pl. Perf. m. Präsensbed.)
yasya
dessen (Gen. Sg.)
īhitam
Wirken, Tun (Akk. Sg.)
aṁśaka-aṁśakāḥ
Teile von Teilen [seiner Kraft] (Nom. Pl.)
na
nicht
tat-svarūpam
dessen wahres Wesen (Akk. Sg.)
pṛthak-īśa-māninaḥ
die sich für gesonderte Herrscher halten (Nom. Pl.)
Und dieser hochbeglückte Citraketu ist ihm lieb und ein ergebener Diener, überall gleich sehend und friedvoll; und auch ich bin dem Unfehlbaren lieb. Darum sollte man über hochherzige Menschen, Diener des Höchsten Herrn, friedvoll und gleichmütig sehend, kein Erstaunen empfinden.
Śrī Śuka sprach: Als sie dies gehört hatte, die Worte, die der mächtige Śiva zu Umā gesprochen hatte, wurde die Göttin friedvollen Sinnes, o König, und frei von Erstaunen.
So nahm er, der große Gottgeweihte [Citraketu], der wohl imstande gewesen wäre, die Göttin zurückzuverfluchen, deren Fluch mit gesenktem Haupt an - dies ist das Kennzeichen eines Heiligen.
Wort für Wort
iti
so
bhāgavataḥ
der große Gottgeweihte (Nom. Sg.)
devyāḥ
der Göttin (Gen. Sg.)
pratiśaptum
zurückzuverfluchen (Infinitiv)
alantamaḥ
völlig fähig, imstande (Nom. Sg., Superlativ)
mūrdhnā
mit dem Haupt (Instr. Sg.)
saḥ
er (Nom. Sg.)
jagṛhe
er nahm an (3. Sg. Perf. Med.)
śāpam
den Fluch (Akk. Sg.)
etāvat
dies, so viel (Adv./Akk. Sg. n.)
sādhu-lakṣaṇam
das Kennzeichen eines Heiligen (Nom. Sg. n.)
[?] Die Konstruktion 'pratiśaptum alantamaḥ' ('völlig fähig, zurückzuverfluchen') wurde interpretativ ergänzt.
Er wurde, im dakṣiṇa-Feuer des Tvaṣṭṛ, in einem dämonischen Mutterschoß Zuflucht nehmend, geboren, als Vṛtra bekannt, ausgestattet mit Wissen und dessen praktischer Verwirklichung.
Wort für Wort
jajñe
er wurde geboren (3. Sg. Perf. Med.)
tvaṣṭuḥ
des Tvaṣṭṛ (Gen. Sg.)
dakṣiṇa-agnau
im dakṣiṇa-Feuer (Lok. Sg.)
dānavīm
dämonisch (Akk. Sg. f.)
yonim
Mutterschoß (Akk. Sg.)
āśritaḥ
Zuflucht nehmend (Nom. Sg., Ptz. Perf. Pass.)
vṛtraḥ
Vṛtra (Nom. Sg.)
iti
so, als
abhivikhyātaḥ
bekannt, berühmt (Nom. Sg.)
jñāna-vijñāna-saṁyutaḥ
ausgestattet mit Wissen und dessen Verwirklichung (Nom. Sg.)
etat te sarvam ākhyātaṁ yan māṁ tvaṁ paripṛcchasi vṛtrasyāsura-jāteś ca kāraṇaṁ bhagavan-mateḥ
Dies alles wurde dir erklärt, wonach du mich gefragt hast: der Grund für Vṛtras Geburt in der Art der Asuras und [zugleich für seine] gottgerichtete Gesinnung.
Wort für Wort
etat
dies (Nom. Sg. n.)
te
dir (Dat. Sg.)
sarvam
alles (Nom. Sg. n.)
ākhyātam
erklärt (Nom. Sg. n., Ptz. Perf. Pass.)
yat
wonach, was (Akk. Sg. n.)
mām
mich (Akk. Sg.)
tvam
du (Nom. Sg.)
paripṛcchasi
du fragst (2. Sg. Präs.)
vṛtrasya
Vṛtras (Gen. Sg.)
asura-jāteḥ
der Geburt in der Asura-Art (Gen. Sg.)
ca
und
kāraṇam
der Grund (Nom. Sg.)
bhagavat-mateḥ
der auf den Herrn gerichteten Gesinnung (Gen. Sg.)
Wer diese heilige Geschichte von Citraketu, dem hochherzigen [Devoten], von der Größe der Viṣṇu-Geweihten hört, wird von der [weltlichen] Bindung befreit.