Kapitel 65: śiva-satī-saṃvādaḥ [?]
Gespräche zwischen Herrn Śiva und Satī
Kapitelnummerierung 'num' folgt der Vorgabe der Aufgabenstellung (=65); innerhalb von Skandha 4 ist dies Kapitel 3. Verse 5–7 werden von vedabase.io als eine zusammenhängende Sinneinheit dargestellt und entsprechend als eine Einheit ('5-7') geführt.
Maitreya sprach: So verging, während der Schwiegersohn und der Schwiegervater beide beständig feindselig blieben und (ihre Rivalität) aufrechterhielten, eine sehr lange Zeit.
Wort für Wort
maitreyaḥ uvāca
Maitreya sprach
sadā
beständig, immer (Adv.)
vidviṣatoḥ
der beiden Feindseligen (Gen. Dual)
evam
so, auf diese Weise
kālaḥ
Zeit (Nom. sg.)
vai
wahrlich (Partikel)
dhriyamāṇayoḥ
während sie (die Feindschaft) aufrechterhalten wurde (Lok. Dual, Part. Präs. Passiv)
iṣṭvā sa vājapeyena
brahmiṣṭhān abhibhūya ca
bṛhaspati-savaṃ nāma
samārebhe kratūttamam
Nachdem er (Dakṣa) mit dem Vājapeya-Opfer geopfert und dabei die im Brahman Vorzüglichsten übergangen hatte, begann er das sogenannte Bṛhaspati-sava, das beste der Opfer.
Wort für Wort
iṣṭvā
nachdem geopfert (Absolutiv von √yaj)
saḥ
er (Nom.)
vājapeyena
mit dem Vājapeya(-Opfer) (Instr.)
brahmiṣṭhān
die im Brahman Vorzüglichsten (Akk. pl., Superlativ)
abhibhūya
übergehend, missachtend (Absolutiv von abhi-√bhū)
ca
und
bṛhaspati-savam
das Bṛhaspati-sava(-Opfer) (Akk.)
nāma
genannt, namens
samārebhe
er begann (Perf. Med. 3. sg. von sam-ā-√rabh)
kratu-uttamam
das beste der Opfer (Akk., zu bṛhaspati-savam)
[Anm.: "brahmiṣṭhān" ("die im Brahman Vorzüglichsten") bezieht sich laut Kontext auf Śiva und dessen Gefolge, die bei diesem Opfer übergangen wurden.]
tasmin brahmarṣayaḥ sarve
devarṣi-pitṛ-devatāḥ
āsan kṛta-svastyayanās
tat-patnyaś ca sa-bhartṛkāḥ
Dabei waren alle Brahmarṣis, Devarṣis, Ahnen und Götter, denen glückverheißende Zeremonien vollzogen worden waren, anwesend, und ebenso deren Gattinnen zusammen mit ihren Gatten.
Wort für Wort
tasmin
dabei, in jenem (Opfer) (Lok.)
brahma-ṛsayaḥ
die Brahmarṣis (Nom. pl.)
sarve
alle (Nom. pl.)
devarṣi
die Devarṣis
pitṛ
die Ahnen
devatāḥ
die Götter (Nom. pl., Kompositum)
āsan
sie waren (Impf. 3. pl. von √as)
kṛta-svasti-ayanāḥ
denen Segenszeremonien vollzogen worden waren (Nom. pl., Bahuvrihi)
Nachdem sie dies gehört hatte – das Geplauder der am Himmel Wandelnden über das große Opferfest ihres Vaters – und nachdem sie gesehen hatte, wie in der Nähe ihrer Wohnstatt die vorzüglichen Frauen der Unter-Götter, mit rollenden Augen und blitzenden Ohrringen, von allen Himmelsrichtungen her auf Luftwagen herbeizogen, zusammen mit ihren liebsten Gatten, geschmückt mit Halsketten und in schöner Kleidung, sprach die Göttin Satī, die Tochter Dakṣas, aus Sehnsucht zu ihrem Gatten, dem Herrn der Bhūtas, dem Gott.
Wort für Wort
tat
dies (Akk.)
upaśrutya
nachdem gehört (Absolutiv)
nabhasi
am Himmel (Lok.)
khe-carāṇām
der Himmelswandelnden (Gen. pl.)
prajalpatām
die (dahin)plauderten (Gen. pl. Part.)
satī
Satī (Nom.)
dākṣāyaṇī
die Tochter Dakṣas (Nom.)
devī
die Göttin (Nom.)
pitṛ-yajña-mahotsavam
das große Opferfest des Vaters (Akk.)
vrajantīḥ
die dahinziehenden (Akk. pl. fem. Part., zu striyaḥ)
sarvataḥ digbhyaḥ
von allen Himmelsrichtungen her
upadeva-vara-striyaḥ
die vorzüglichen Frauen der Unter-Götter (Akk. pl.)
vimāna-yānāḥ
auf Luftwagen fahrend (Akk. pl.)
sa-preṣṭhāḥ
zusammen mit den Liebsten/Gatten (Akk. pl.)
niṣka-kaṇṭhīḥ
mit Halsschmuck am Hals (Akk. pl.)
suvāsasaḥ
in schöner Kleidung (Akk. pl.)
dṛṣṭvā
nachdem gesehen (Absolutiv)
sva-nilaya-abhyāśe
in der Nähe der eigenen Wohnstatt (Lok.)
lola-akṣīḥ
mit rollenden, unsteten Augen (Akk. pl.)
mṛṣṭa-kuṇḍalāḥ
mit blankgeputzten Ohrringen (Akk. pl.)
patim
den Gatten (Akk.)
bhūta-patim
den Herrn der Bhūtas (Akk., Beiname Śivas)
devam
den Gott (Akk.)
autsukyāt
aus Sehnsucht, Eifer (Abl.)
abhyabhāṣata
sie sprach an (Impf. 3. sg. Med.)
Vedabase fasst die Texte 5–7 zu einer Sinneinheit (ein zusammenhängender Satz) zusammen; entsprechend hier als eine Einheit übersetzt.
satī uvāca
prajapateḥ te śvaśurasya sāmprataṃ
niryāpito yajña-mahotsavaḥ kila
vayaṃ ca tatrābhisarāma vāma te
yady arthitāmī vibudhā vrajanti hi
Satī sprach: Jetzt, wie es heißt, hat dein Schwiegervater, der Prajāpati, ein großes Opferfest veranstaltet. Auch wir sollten dorthin gehen, o Vāma – jene Götter dort gehen ja (dorthin), wenn sie eingeladen sind.
Wort für Wort
satī uvāca
Satī sprach
prajapateḥ
des Prajāpati (Gen.)
te
dein (Gen. sg., zu śvaśurasya)
śvaśurasya
des Schwiegervaters (Gen., Apposition)
sāmpratam
jetzt, gegenwärtig (Adv.)
niryāpitaḥ
veranstaltet, in Gang gesetzt (PPP Kaus., Nom.)
yajña-mahotsavaḥ
das große Opferfest (Nom.)
kila
wie es heißt, gewiss (Partikel)
vayam
wir (Nom.)
ca
auch, und
tatra
dorthin
abhisarāma
wir sollten gehen (Optativ 1. pl. von abhi-√sṛ)
vāma
o Vāma [Beiname Śivas] (Vok.)
te
jene [?] (Nom. pl.)
yadi
wenn
arthitāḥ
eingeladen, gebeten (Nom. pl. PPP)
amī
jene dort (Nom. pl.)
vibudhāḥ
die Götter (Nom. pl.)
vrajanti
sie gehen (Präs. 3. pl.)
hi
denn, ja
[Anm.: Die Satzkonstruktion der zweiten Vershälfte (vāma te ... amī vibudhāḥ) ist im Sanskrit syntaktisch nicht eindeutig; "te" (Nom. pl.) und "amī" scheinen sich beide auf dieselben Götter zu beziehen (Doppelung zur Betonung). Übersetzung nach wahrscheinlichster Lesart, unter Vorbehalt [?].]
tasmin bhaginyo mama bhartṛbhiḥ svakair
dhruvaṃ gamiṣyanti suhṛd-didṛkṣavaḥ
ahaṃ ca tasmin bhavatābhikāmaye
sahopanītaṃ paribarham arhitum
Meine Schwestern werden dort gewiss mit ihren eigenen Gatten hingehen, begierig, die lieben Verwandten zu sehen. Auch ich begehre, dorthin (zu gehen), zusammen mit dir, um die mitgebrachten Ehrengaben zu empfangen.
Wort für Wort
tasmin
dabei, dorthin (Lok., "bei jenem [Opfer]")
bhaginyaḥ
die Schwestern (Nom. pl.)
mama
meine (Gen.)
bhartṛbhiḥ
mit ihren Gatten (Instr. pl.)
svakaiḥ
den eigenen (Instr. pl.)
dhruvam
gewiss, sicherlich (Adv.)
gamiṣyanti
sie werden gehen (Fut. 3. pl.)
suhṛt-didṛkṣavaḥ
begierig, die lieben Verwandten zu sehen (Nom. pl., Bahuvrihi)
aham
ich (Nom.)
ca
und, auch
tasmin
dorthin (Lok.)
bhavatā
mit dir (Instr., höfl. Anrede an Śiva)
abhikāmaye
ich begehre, wünsche (Präs. 1. sg. Med.)
saha
zusammen mit
upanītam
dargebrachtes, mitgebrachtes (PPP, Akk.)
paribarham
Ehrengaben, Ausstattung, Schmuck (Akk.)
arhitum
zu empfangen, zu verdienen (Inf.)
[Anm.: Der beim automatisierten Abruf gelieferte Rohtext war unvollständig (die Wörter "bhaginyaḥ" und "mama" fehlten in der IAST-Zeile, waren aber in der Wort-Glosse enthalten); der Vers wurde anhand der Glossen rekonstruiert [?].]
tatra svasṛ̥r me nanu bhartṛ-sammitā
mātṛ-ṣvasṛ̥ḥ klinna-dhiyaṃ ca mātaram
drakṣye cirotkaṇṭha-manā maharṣibhir
unnīyamānaṃ ca mṛḍādhvara-dhvajam
Dort werde ich gewiss meine eigenen Schwestern zusammen mit ihren Gatten sehen, die Schwestern meiner Mutter, und meine liebevolle Mutter – ich, deren Sinn schon lange voller Sehnsucht ist –, und (ich werde sehen), wie die großen Weisen die Opferflagge aufrichten, o Mṛḍa.
Wort für Wort
tatra
dort
svasṛ̥ḥ
die (eigenen) Schwestern (Akk. pl.)
me
meine (Gen.)
nanu
gewiss, doch
bhartṛ-sammitāḥ
begleitet von ihren Gatten (Akk. pl.)
mātṛ-svasṛ̥ḥ
die Schwestern der Mutter (Akk. pl.)
klinna-dhiyam
die von zärtlichem Sinn (Akk. sg.)
ca
und
mātaram
die Mutter (Akk.)
drakṣye
ich werde sehen (Fut. 1. sg. Med.)
cira-utkaṇṭha-manāḥ
deren Sinn schon lange sehnsuchtsvoll ist (Nom. sg. fem.)
tvayy etad āścaryam ajatmā-māyayā
vinirmitaṃ bhāti guṇa-trayaātmakam
tathāpy ahaṃ yoṣid atattva-vic ca te
dīnā didṛkṣe bhava me bhava-kṣitim
In dir, o Ungeborener, erscheint dieses Wunderbare, geschaffen durch (deine) eigene Māyā, bestehend aus den drei Erscheinungsweisen. Dennoch bin ich, deine Frau, unkundig der Wahrheit und demütig, und ich wünsche, o Bhava, meinen Geburtsort (meine Elternfamilie) zu sehen.
Wort für Wort
tvayi
in dir (Lok.)
etat
dies (Nom.)
āścaryam
Wunderbares, Erstaunliches (Nom.)
aja
o Ungeborener (Vok., Beiname Śivas)
ātma-māyayā
durch die eigene Māyā (Instr.)
vinirmitam
geschaffen, hervorgebracht (PPP, Nom.)
bhāti
erscheint, scheint (Präs. 3. sg.)
guṇa-traya-ātmakam
bestehend aus den drei Erscheinungsweisen (Nom.)
tathā api
dennoch
aham
ich (Nom.)
yoṣit
eine Frau (Nom.)
atattva-vit
unkundig der Wahrheit (Nom.)
ca
und
te
deine (Gen., zu yoṣit: "deine Frau")
dīnā
demütig, elend (Nom. fem.)
didṛkṣe
ich wünsche zu sehen (Desiderativ Präs. 1. sg. Med.)
bhava
o Bhava [Beiname Śivas] (Vok.)
me
mein (Gen.)
bhava-kṣitim
den Geburtsort, die Heimstatt (Akk.)
[Anm.: "aja" (Vok., "Ungeborener") und "bhava" sind Beinamen Śivas. "te" in "yoṣid ... ca te" wird hier possessiv zu "yoṣit" gelesen ("deine Frau"), nicht als selbständiges Wort.]
Sieh, o Unvergänglicher, wie andere Frauen, geschmückt, scharenweise mit ihren geliebten Gefährten dahinziehen, o Blauhalsiger – (Frauen), durch deren dahinfahrende, schwanenweiße Flugwagen der Himmel geschmückt ist.
Wie, o Bester der Götter, sollte der Sinn einer Tochter nicht erregt werden, wenn sie vom festlichen Treiben im Haus des Vaters hört? Auch ungeladen geht man, aus Zuneigung, zum Haus des Gatten, des Lehrers oder des leiblichen Vaters.
Wort für Wort
katham
wie (Frage-Adv.)
sutāyāḥ
einer Tochter (Gen.)
pitṛ-geha-kautukam
das festliche Treiben im Haus des Vaters (Akk.)
niśamya
nachdem gehört (Absolutiv)
dehaḥ
der Leib, das Gemüt (Nom.)
sura-varya
o Bester der Götter (Vok.)
na
nicht
iṅgate
wird bewegt, gerät in Erregung (Präs. 3. sg.)
anāhutāḥ
nicht Eingeladene (Nom. pl.)
api
auch, sogar
abhiyanti
sie gehen hin (Präs. 3. pl.)
sauhṛdam
aus Freundschaft, Zuneigung (Akk. als Adv.)
bhartuḥ
des Gatten (Gen.)
guroḥ
des Lehrers (Gen.)
deha-kṛtaḥ
des leiblichen Vaters (Gen.)
ca
und
ketanam
zum Haus, zur Wohnstatt (Akk.)
[Anm.: "deha-kṛtaḥ" wörtlich "der den Körper gemacht hat" – Bezeichnung für den (leiblichen) Vater.]
tan me prasīdedam amartya vāñchitaṃ
kartuṃ bhavān kāruṇiko batārhati
tvayātmano 'rdhe 'ham adabhra-cakṣuṣā
nirūpitā mānugṛhāṇa yācitaḥ
Sei mir daher gnädig, o Unsterblicher! Mögest du, gütig, fürwahr geneigt sein, diesen (meinen) Wunsch zu erfüllen. Von dir wurde ich, mit umfassendem Blick, zur Hälfte deines eigenen Selbst bestimmt – erweise mir Gnade, da ich (dich) bitte.
Wort für Wort
tat
daher, deshalb
me
mir (Dat.)
prasīda
sei gnädig! (Imperativ 2. sg.)
idam
diesen (Akk., zu vāñchitam)
amartya
o Unsterblicher (Vok.)
vāñchitam
Gewünschtes, Wunsch (Akk.)
kartum
zu tun (Inf.)
bhavān
du, Euer Gnaden (Nom., höfl. Anrede)
kāruṇikaḥ
gütig, mitleidsvoll (Nom.)
bata
fürwahr, ach (Partikel)
arhati
ist geeignet, sollte (Präs. 3. sg.)
tvayā
von dir (Instr.)
ātmanaḥ
des eigenen Selbst (Gen.)
ardhe
zur Hälfte (Lok.)
aham
ich (Nom.)
adabhra-cakṣuṣā
mit umfassendem Blick (Instr.)
nirūpitā
bestimmt, erkannt, eingesetzt (Nom. fem. PPP)
mā
mir (Akk./Dat.)
anugṛhāṇa
erweise Gnade! (Imperativ 2. sg.)
yācitaḥ
gebeten, angefleht (Nom. sg. PPP)
[Anm.: Anspielung auf die Vorstellung Śivas als Ardhanārīśvara, dessen eine Körperhälfte weiblich ist. "yācitaḥ" (Nom. PPP) ist grammatisch auf "bhavān" bezogen, sinngemäß aber "da (ich, die Sprecherin) bitte" [?].]
Der Weise (Maitreya) sprach: So von seiner Geliebten angesprochen, erwiderte Giritra, lächelnd – er, der den Freunden lieb ist –, indem er sich der herzdurchbohrenden Pfeile böser Worte erinnerte, die jener (Dakṣa) in Gegenwart der Weltenschöpfer gesprochen hatte.
śrī-bhagavān uvāca
tvayoditaṃ śobhanam eva śobhane
anāhutā apy abhiyanti bandhuṣu
te yady anutpādita-doṣa-dṛṣṭayo
balīyasānātmya-madena manyunā
Der erhabene Herr sprach: Was du gesagt hast, ist gewiss richtig, o Schöne. Auch ungeladen geht man zu Verwandten, wenn diese nicht dazu neigen, Fehler zu finden, (und) nicht von übermächtigem, durch Ich-Identifikation mit dem Körper erzeugtem Dünkel und Zorn (beherrscht werden).
Wort für Wort
śrī-bhagavān uvāca
der erhabene Herr sprach
tvayā
von dir (Instr.)
uditam
Gesagtes (Nom.)
śobhanam
richtig, schön, gut (Nom.)
eva
gewiss
śobhane
o Schöne (Vok.)
anāhutāḥ
Ungeladene (Nom. pl.)
api
auch
abhiyanti
sie gehen hin (Präs. 3. pl.)
bandhuṣu
zu Verwandten (Lok. pl.)
te
jene (Nom. pl., die Verwandten)
yadi
wenn
anutpādita-doṣa-dṛṣṭayaḥ
deren Blick keine Fehler erzeugt (Nom. pl.)
balīyasā
durch übermächtigen (Instr.)
anātmya-madena
durch den Dünkel der Ich-Identifikation mit dem Körper (Instr.)
vidyā-tapo-vitta-vapur-vayaḥ-kulaiḥ
satāṃ guṇaiḥ ṣaḍbhir asattametaraiḥ
smṛtau hatāyāṃ bhṛta-māna-durdṛśaḥ
stabdhā na paśyanti hi dhāma bhūyasām
Durch Wissen, Askese, Reichtum, körperliche Schönheit, Jugend und Herkunft – diesen sechs Eigenschaften der Guten, die bei den nicht ganz Guten das Gegenteil bewirken – geht, wenn die Urteilskraft verloren ist, den von Dünkel Erfüllten der rechte Blick verloren: die Erstarrten/Stolzen erkennen die Herrlichkeit der wahrhaft Großen nicht.
Wort für Wort
vidyā
Wissen, Bildung
tapaḥ
Askese
vitta
Reichtum
vapuḥ
körperliche Schönheit
vayaḥ
Jugend, Lebensalter
kulaiḥ
durch Herkunft (Instr. pl., Dvandva-Kompositum)
satām
der Guten, Rechtschaffenen (Gen. pl.)
guṇaiḥ
durch die Eigenschaften (Instr. pl.)
ṣaḍbhiḥ
durch die sechs (Instr.)
asattama-itaraiḥ
die bei den nicht ganz Guten das Gegenteil bewirken (Instr. pl.)
naitadrśānāṃ sva-jana-vyapekṣayā
gṛhān pratīyād anavasthitātmanam
ye 'bhyāgatān vakra-dhiyābhicakṣate
āropita-bhrūbhir amarṣaṇākṣibhiḥ
Man sollte nicht, im Vertrauen darauf, zu den eigenen Leuten zu gehören, die Häuser solcher (Menschen) betreten, deren Geist unbeständig ist – die die Ankömmlinge mit verdrehtem Sinn betrachten, mit hochgezogenen Brauen und zornigen Augen.
Wort für Wort
na
nicht
etādrśānām
solcher (Gen. pl.)
sva-jana-vyapekṣayā
im Vertrauen auf die Zugehörigkeit zu den eigenen Leuten (Instr.)
So sehr wird man nicht einmal durch die Pfeile der Feinde gequält – man liegt (nur) mit verletztem Körper, das Herz schmerzend –, wie man durch die bösen Worte der eigenen Leute mit verdrehtem Sinn Tag und Nacht leidet, ins Innerste getroffen.
vyaktaṃ tvam utkṛṣṭa-gateḥ prajapateḥ
priyātmajānām asi subhru me matā
tathāpi mānaṃ na pituḥ prapatsyase
mad-āśrayāt kaḥ paritapyate yataḥ
Offenkundig bist du, so denke ich, o Schönbraue, eine der liebsten Töchter des Prajāpati von erhabenem Rang. Dennoch wirst du von (deinem) Vater keine Ehrerbietung erlangen, denn aus der Verbindung mit mir heraus ist es er (Dakṣa), der sich quält.
Mit brennendem Herzen, dessen Sinne gequält sind, unfähig, rasch zum höchsten Rang derer emporzusteigen, die den Höchsten Geist im Bewusstsein als Zeugen haben – durch (deren) Wohlstand (gequält) – hasst er (Dakṣa) diesen höchsten Zustand, so wie die Dämonen Hari hassen.
Wort für Wort
pāpacyamānena
mit brennendem, sich verzehrendem (Instr., Part.)
hṛdā
mit dem Herzen (Instr.)
ātura-indriyaḥ
dessen Sinne gequält sind (Nom.)
samŕddhibhiḥ
durch den Wohlstand, Erfolg (Instr. pl.)
pūruṣa-buddhi-sākṣiṇām
derer, die den Pūruṣa im Bewusstsein als Zeugen haben (Gen. pl.)
Das Entgegenkommen, die Ehrerbietung und der Gruß werden von den Weisen, o Schlankhüftige, richtigerweise wechselseitig vollzogen – mit dem Bewusstsein gerichtet auf den Höchsten Puruṣa, der in der Höhle (des Herzens) wohnt, nicht aber auf den, der sich mit dem Körper identifiziert.
sattvaṃ viśuddhaṃ vasudeva-śabditaṃ
yad īyate tatra pumān apāvṛtaḥ
sattve ca tasmin bhagavān vāsudevo
hy adhokṣajo me namasā vidhīyate
Das reine Sein, das als „Vasudeva“ bezeichnet wird, worin die (Höchste) Person unverhüllt erscheint – in eben diesem (reinen) Sein wird der Erhabene, Vāsudeva, der Transzendente, von mir mit Verehrung verehrt.
tat te nirīkṣyo na pitāpi deha-kṛd
dakṣo mama dviṭ tad-anuvratāś ca ye
yo viśvasṛg-yajña-gataṃ varoru mām
anāgasaṃ durvacasākarot tiraḥ
Deshalb sollte, obwohl er dein leiblicher Vater ist, Dakṣa – der mich hasst, und ebenso diejenigen, die ihm nacheifern – von dir nicht (mehr) angeschaut werden: er, der mich, als ich beim Opfer der Weltenschöpfer anwesend war, obwohl ich unschuldig war, o Schönhüftige, mit bösen Worten beschimpft hat.
Wort für Wort
tat
deshalb
te
von dir (Instr., Agens beim Gerundivum)
nirīkṣyaḥ
anzuschauen (Gerundivum, Nom.)
na
nicht
pitā
der Vater (Nom.)
api
obwohl, auch
deha-kṛt
der Erzeuger des Körpers (Nom., Bez. für „Vater“)
dakṣaḥ
Dakṣa (Nom.)
mama
mein (Gen.)
dviṭ
Hasser, Feind (Nom.)
tat-anuvratāḥ
seine Anhänger (Nom. pl.)
ca
und
ye
die (Nom. pl.)
yaḥ
der [Dakṣa] (Nom.)
viśva-sṛk-yajña-gatam
die, die zum Opfer der Weltenschöpfer gegangen war [mich] (Akk.)
vara-ūru
o Schönhüftige (Vok.)
mām
mich (Akk.)
anāgasam
die Schuldlose (Akk.)
durvacasā
mit bösen Worten (Instr.)
akarot tiraḥ
hat beiseitegesetzt, beschimpft (Impf. + Adv., idiomat. tiras-√kṛ)
[Anm.: Der beim automatisierten Abruf gelieferte Rohtext war fehlerhaft/verkürzt (Zeilenumbrüche fehlten); der Vers wurde anhand der vollständigen Wort-Glossen rekonstruiert. "akarot tiraḥ" ist idiomatisch (tiras-√kṛ) mit der Bedeutung "verschmähen, beschimpfen, beiseitesetzen" [?].]
yadi vrajiṣyasy atihāya mad-vaco
bhadraṃ bhavatyā na tato bhaviṣyati
sambhāvitasya sva-janāt parābhavo
yadā sa sadyo maraṇāya kalpate
Wenn du, meine Worte missachtend, (dorthin) gehen wirst, wird daraus für dich nichts Gutes entstehen. Denn wenn eine geachtete Person von den eigenen Leuten gedemütigt wird, gleicht diese Demütigung sogleich dem Tod.