Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 14: kṛṣṇa-tirobhāva-sūcanam Die Vorzeichen von Kṛṣṇas bevorstehendem Abschied

Nachdem Arjuna, nach Dvārakā entsandt, sieben Monate ausbleibt, beobachtet Yudhiṣṭhira zahlreiche schreckliche Vorzeichen - kosmische, tierische und menschliche - und vermutet, die von Nārada angekündigte Zeit von Kṛṣṇas Abschied von der Erde könnte gekommen sein (V.1-21). Als Arjuna schließlich zurückkehrt, findet Yudhiṣṭhira ihn verändert, glanzlos und den Tränen nahe vor sich niedergefallen (V.22-24) und stellt ihm eine lange Reihe besorgter Fragen - zunächst nach dem Wohlergehen sämtlicher Yadu-Verwandter und Kṛṣṇas selbst (V.25-38), dann, angesichts von Arjunas sichtlichem Kummer, eine Reihe möglicher persönlicher Verfehlungen oder Kränkungen, die diesen Zustand erklären könnten (V.39-44) - eine für die Purāṇen typische Aufzählung, die die eigentliche, noch ausstehende schreckliche Nachricht (den Untergang der Yadu-Sippe und Kṛṣṇas Abschied) bewusst hinauszögert.

sūta uvāca | samprasthite dvārakāyāṁ jiṣṇau bandhu-didṛkṣayā | jñātuṁ ca puṇya-ślokasya kṛṣṇasya ca viceṣṭitam

Sūta sprach: Als Jiṣṇu [Arjuna] nach Dvārakā aufgebrochen war, aus dem Wunsch, die Verwandten zu sehen und um die Taten des tugendhaft-berühmten Kṛṣṇa zu erfahren,

Wort für Wort
sūta uvāca
Sūta sprach
samprasthite dvārakāyāṁ jiṣṇau
als Jiṣṇu [Arjuna] nach Dvārakā aufgebrochen war
bandhu-didṛkṣayā
aus dem Wunsch, die Verwandten zu sehen
jñātuṁ ca puṇya-ślokasya kṛṣṇasya ca viceṣṭitam
und um die Taten des tugendhaft-berühmten Kṛṣṇa zu erfahren

vyatītāḥ katicin māsās tadā nāyāt tato 'rjunaḥ | dadarśa ghora-rūpāṇi nimittāni kurūdvahaḥ

- da einige Monate vergangen waren und Arjuna von dort nicht zurückkam, sah der Erste der Kurus [Yudhiṣṭhira] schreckliche Vorzeichen.

Wort für Wort
vyatītāḥ katicin māsās
einige Monate waren vergangen
tadā nāyāt tato 'rjunaḥ
da Arjuna von dort nicht kam
dadarśa ghora-rūpāṇi nimittāni
sah er schreckliche Vorzeichen
kurūdvahaḥ
der Erste der Kurus [Yudhiṣṭhira]

kālasya ca gatiṁ raudrāṁ viparyastartu-dharmiṇaḥ | pāpīyasīṁ nṛṇāṁ vārtāṁ krodha-lobhānṛtātmanām

[Er sah] den schrecklichen Lauf der Zeit, deren Jahreszeiten-Ordnung verkehrt war, und das äußerst sündige Verhalten der Menschen, deren Wesen von Zorn, Gier und Falschheit geprägt war.

Wort für Wort
kālasya ca gatiṁ raudrāṁ
und den schrecklichen Lauf der Zeit
viparyastartu-dharmiṇaḥ
deren Jahreszeiten-Ordnung verkehrt war
pāpīyasīṁ nṛṇāṁ vārtāṁ
das äußerst sündige Verhalten der Menschen
krodha-lobhānṛtātmanām
deren Wesen von Zorn, Gier, Falschheit [geprägt war]

jihma-prāyaṁ vyavahṛtaṁ śāṭhya-miśraṁ ca sauhṛdam | pitṛ-mātṛ-suhṛd-bhrātṛ-dam-patīnāṁ ca kalkanam

[Er sah] größtenteils unehrliches Geschäftsverhalten, mit Betrug vermischte Freundschaft, und Zwietracht zwischen Vätern, Müttern, Freunden, Brüdern und Eheleuten.

Wort für Wort
jihma-prāyaṁ vyavahṛtaṁ
größtenteils unehrliches Verhalten
śāṭhya-miśraṁ ca sauhṛdam
und mit Betrug vermischte Freundschaft
pitṛ-mātṛ-suhṛd-bhrātṛ-dam-patīnāṁ
zwischen Vätern, Müttern, Freunden, Brüdern, Eheleuten
ca kalkanam
und Zwietracht

nimittāny atyariṣṭāni kāle tv anugate nṛṇām | lobhādy-adharma-prakṛtiṁ dṛṣṭvovācānujaṁ nṛpaḥ

Als er die höchst unheilvollen Vorzeichen, da die Zeit schon so weit fortgeschritten war, sowie das von Gier und anderem geprägte unrechte Wesen der Menschen gesehen hatte, sprach der König zu seinem jüngeren Bruder:

Wort für Wort
nimittāny atyariṣṭāni
die höchst unheilvollen Vorzeichen
kāle tv anugate nṛṇām
da die Zeit der Menschen fortgeschritten war
lobhādy-adharma-prakṛtiṁ dṛṣṭvā
das von Gier geprägte unrechte Wesen gesehen habend
uvācānujaṁ nṛpaḥ
sprach der König zum jüngeren Bruder

yudhiṣṭhira uvāca | sampreṣito dvārakāyāṁ jiṣṇur bandhu-didṛkṣayā | jñātuṁ ca puṇya-ślokasya kṛṣṇasya ca viceṣṭitam

Yudhiṣṭhira sprach: Jiṣṇu [Arjuna] wurde nach Dvārakā entsandt, aus dem Wunsch, die Verwandten zu sehen und um die Taten des tugendhaft-berühmten Kṛṣṇa zu erfahren.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach
sampreṣito dvārakāyāṁ jiṣṇur
Jiṣṇu wurde nach Dvārakā entsandt
bandhu-didṛkṣayā
aus dem Wunsch, die Verwandten zu sehen
jñātuṁ ca puṇya-ślokasya kṛṣṇasya ca viceṣṭitam
und um die Taten des tugendhaft-berühmten Kṛṣṇa zu erfahren

gatāḥ saptādhunā māsā bhīmasena tavānujaḥ | nāyāti kasya vā hetor nāhaṁ vededam añjasā

Sieben Monate sind nun vergangen, o Bhīmasena, und unser jüngerer Bruder [Arjuna] kommt nicht - aus welchem Grund, das weiß ich nicht genau.

Wort für Wort
gatāḥ saptādhunā māsā
sieben Monate sind nun vergangen
bhīmasena tavānujaḥ
o Bhīmasena, dein jüngerer Bruder
nāyāti kasya vā hetor
kommt nicht, aus welchem Grund
nāhaṁ vededam añjasā
ich weiß dies nicht genau

api devarṣiṇādiṣṭaḥ sa kālo 'yam upasthitaḥ | yadātmano 'ṅgam ākrīḍaṁ bhagavān utsisṛkṣati

Ist wohl eben diese vom Götterweisen Nārada angekündigte Zeit herangekommen, da der Erhabene im Begriff ist, sein eigenes Spielfeld, [seinen irdischen Leib], aufzugeben?

Wort für Wort
api devarṣiṇādiṣṭaḥ
ist wohl der vom Götterweisen angekündigte
sa kālo 'yam upasthitaḥ
eben diese Zeit herangekommen
yadātmano 'ṅgam ākrīḍaṁ
da [er] sein eigenes Spielfeld
bhagavān utsisṛkṣati
der Erhabene im Begriff ist aufzugeben

yasmān naḥ sampado rājyaṁ dārāḥ prāṇāḥ kulaṁ prajāḥ | āsan sapatna-vijayo lokāś ca yad-anugrahāt

Durch dessen Gnade uns Reichtum, Königreich, Gattin, Leben, Geschlecht, Nachkommen, der Sieg über die Feinde und selbst himmlische Welten zuteilwurden -

Wort für Wort
yasmān naḥ sampado rājyaṁ
durch dessen [Gnade uns] Reichtum, Königreich
dārāḥ prāṇāḥ kulaṁ prajāḥ
Gattin, Leben, Geschlecht, Nachkommen
āsan sapatna-vijayo
wurden [uns zuteil], der Sieg über die Feinde
lokāś ca yad-anugrahāt
und die Welten, aus dessen Gnade

paśyotpātān nara-vyāghra divyān bhaumān sadaihikān | dāruṇān śaṁsato 'dūrād bhayaṁ no buddhi-mohanam

Sieh, o Tiger unter den Menschen, die schrecklichen Vorzeichen - himmlische, irdische und körperliche -, die ein nahes Unheil verkünden und eine Furcht, die unseren Verstand verwirrt.

Wort für Wort
paśyotpātān nara-vyāghra
sieh die Vorzeichen, o Tiger unter den Menschen
divyān bhaumān sadaihikān dāruṇān
himmlische, irdische, körperliche, schreckliche
śaṁsato 'dūrād
die ein nahes [Unheil] verkünden
bhayaṁ no buddhi-mohanam
eine Furcht, die unseren Verstand verwirrt

ūrv-akṣi-bāhavo mahyaṁ sphuranty aṅga punaḥ punaḥ | vepathuś cāpi hṛdaye ārād dāsyanti vipriyam

Mir zucken, mein Lieber, immer wieder Schenkel, Augen und Arme, und auch ein Zittern im Herzen wird mir bald Unheil verkünden.

Wort für Wort
ūrv-akṣi-bāhavo mahyaṁ
mir Schenkel, Augen, Arme
sphuranty aṅga punaḥ punaḥ
zucken, mein Lieber, immer wieder
vepathuś cāpi hṛdaye
und auch ein Zittern im Herzen
ārād dāsyanti vipriyam
wird bald Unheil bringen

śivaiṣodyantam ādityam abhirauty analānanā | mām aṅga sārameyo 'yam abhirebhaty abhīruvat

Eine Schakalin heult, mit feuerspeiendem Maul, die aufgehende Sonne an; mich, mein Lieber, umbellt dieser Hund, als wäre er ohne Furcht.

Wort für Wort
śivaiṣodyantam ādityam abhirauty
eine Schakalin heult die aufgehende Sonne an
analānanā
mit feuerspeiendem Maul
mām aṅga sārameyo 'yam
mich, mein Lieber, dieser Hund
abhirebhaty abhīruvat
umbellt, als wäre er furchtlos

śastāḥ kurvanti māṁ savyaṁ dakṣiṇaṁ paśavo 'pare | vāhāṁś ca puruṣa-vyāghra lakṣaye rudato mama

Die sonst günstigen Tiere umkreisen mich zur Linken, während andere ungünstige Tiere mich zur Rechten umkreisen, o Tiger unter den Männern; und ich bemerke meine eigenen Reittiere weinend.

Wort für Wort
śastāḥ kurvanti māṁ savyaṁ
die [sonst] günstigen [Tiere] umkreisen mich zur Linken
dakṣiṇaṁ paśavo 'pare
andere Tiere zur Rechten
vāhāṁś ca puruṣa-vyāghra
und die Reittiere, o Tiger unter den Männern
lakṣaye rudato mama
bemerke ich weinend, die meinen

mṛtyu-dūtaḥ kapoto 'yam ulūkaḥ kampayan manaḥ | pratyulūkaś ca kuhvānair viśvaṁ vai śūnyam icchataḥ

Diese Taube ist ein Todesbote, ebenso eine Eule, das Herz erzittern lassend, und eine Gegen-Eule mit ihren Schreien - sie scheinen die ganze Welt leer von Leben zu wünschen.

Wort für Wort
mṛtyu-dūtaḥ kapoto 'yam
diese Taube ist ein Todesbote
ulūkaḥ kampayan manaḥ
eine Eule, das Herz erzittern lassend
pratyulūkaś ca kuhvānair
und eine Gegen-Eule mit [ihren] Schreien
viśvaṁ vai śūnyam icchataḥ
die die Welt leer wünschen

dhūmrā diśaḥ paridhayaḥ kampate bhūḥ sahādribhiḥ | nirghātaś ca mahāṁs tāta sākaṁ ca stanayitnubhiḥ

Rauchfarben sind die Himmelsränder, die Erde erzittert samt den Bergen, und ein gewaltiges Donnerkrachen ertönt, mein Lieber, zusammen mit Donnergrollen.

Wort für Wort
dhūmrā diśaḥ paridhayaḥ
rauchfarben sind die Himmelsränder
kampate bhūḥ sahādribhiḥ
die Erde erzittert samt den Bergen
nirghātaś ca mahāṁs tāta
und ein gewaltiges Donnerkrachen, mein Lieber
sākaṁ ca stanayitnubhiḥ
zusammen mit Donnergrollen

vāyur vāti khara-sparśo rajasā visṛjaṁs tamaḥ | asṛg varṣanti jaladā bībhatsam iva sarvataḥ

Der Wind weht mit rauer Berührung, Finsternis durch aufgewirbelten Staub verbreitend; die Wolken regnen Blut, überall wie etwas Abscheuliches.

Wort für Wort
vāyur vāti khara-sparśo
der Wind weht mit rauer Berührung
rajasā visṛjaṁs tamaḥ
Finsternis durch Staub verbreitend
asṛg varṣanti jaladā
Blut regnen die Wolken
bībhatsam iva sarvataḥ
überall wie etwas Abscheuliches

sūryaṁ hata-prabhaṁ paśya graha-mardaṁ mitho divi | sasaṅkulair bhūta-gaṇair jvalite iva rodasī

Sieh die Sonne mit vernichtetem Glanz, das gegenseitige Zusammenprallen der Planeten am Himmel, als ob, mit sich drängenden Geisterscharen, Himmel und Erde in Flammen stünden.

Wort für Wort
sūryaṁ hata-prabhaṁ paśya
sieh die Sonne mit vernichtetem Glanz
graha-mardaṁ mitho divi
das gegenseitige Zusammenprallen der Planeten am Himmel
sasaṅkulair bhūta-gaṇair
mit sich drängenden Geisterscharen
jvalite iva rodasī
als ob Himmel und Erde in Flammen stünden

nadyo nadāś ca kṣubhitāḥ sarāṁsi ca manāṁsi ca | na jvalaty agnir ājyena kālo 'yaṁ kiṁ vidhāsyati

Flüsse und Ströme sind aufgewühlt, ebenso Seen und Gemüter; das Feuer entzündet sich nicht einmal durch Opferbutter - was wird diese gegenwärtige Zeit wohl noch anrichten?

Wort für Wort
nadyo nadāś ca kṣubhitāḥ
Flüsse und Ströme sind aufgewühlt
sarāṁsi ca manāṁsi ca
ebenso Seen und Gemüter
na jvalaty agnir ājyena
das Feuer entzündet sich nicht durch Opferbutter
kālo 'yaṁ kiṁ vidhāsyati
was wird diese Zeit noch anrichten

na pibanti stanaṁ vatsā na duhyanti ca mātaraḥ | rudanty aśru-mukhā gāvo na hṛṣyanty ṛṣabhā vraje

Die Kälber trinken nicht an der Brust, und die Mütter lassen sich nicht melken; die Kühe weinen mit tränennassem Antlitz, und die Stiere freuen sich nicht in der Herde.

Wort für Wort
na pibanti stanaṁ vatsā
die Kälber trinken nicht an der Brust
na duhyanti ca mātaraḥ
und die Mütter lassen sich nicht melken
rudanty aśru-mukhā gāvo
die Kühe weinen mit tränennassem Antlitz
na hṛṣyanty ṛṣabhā vraje
die Stiere freuen sich nicht in der Herde

daivatāni rudantīva svidyanti hy uccalanti ca | ime jana-padā grāmāḥ purodyānākarāśramāḥ | bhraṣṭa-śriyo nirānandāḥ kim aghaṁ darśayanti naḥ

Die Gottesbilder weinen gleichsam, schwitzen fürwahr und beben; diese Länder, Dörfer, Städte, Gärten, Bergwerke und Einsiedeleien, ihrer Pracht beraubt und freudlos - welches Unheil zeigen sie uns wohl an?

Wort für Wort
daivatāni rudantīva
die Gottesbilder weinen gleichsam
svidyanti hy uccalanti ca
schwitzen fürwahr und beben
ime jana-padā grāmāḥ purodyānākarāśramāḥ
diese Länder, Dörfer, Städte, Gärten, Bergwerke, Einsiedeleien
bhraṣṭa-śriyo nirānandāḥ kim aghaṁ darśayanti naḥ
ihrer Pracht beraubt, freudlos, welches Unheil zeigen sie uns an

manya etair mahotpātair nūnaṁ bhagavataḥ padaiḥ | ananya-puruṣa-śrībhir hīnā bhūr hata-saubhagā

Ich vermute, gewiss ist die Erde, durch diese großen Vorzeichen angekündigt, nun der Fußspuren des Erhabenen - die eine Anmut tragen, wie sie kein anderes Wesen besitzt - beraubt, und damit ihrer Zierde beraubt.

Wort für Wort
manya etair mahotpātair nūnaṁ
ich vermute, gewiss durch diese großen Vorzeichen
bhagavataḥ padaiḥ
der Fußspuren des Erhabenen
ananya-puruṣa-śrībhir hīnā
die eine [einzigartige] Anmut tragen, beraubt
bhūr hata-saubhagā
die Erde, ihres Glücks beraubt

iti cintayatas tasya dṛṣṭāriṣṭena cetasā | rājñaḥ pratyāgamad brahman yadu-puryāḥ kapi-dhvajaḥ

Während der König so, mit einem von den gesehenen Unglückszeichen beunruhigten Herzen, nachdachte, kehrte, o Brahmane, der mit dem Affen-Banner [Arjuna] aus der Stadt der Yadus zurück.

Wort für Wort
iti cintayatas tasya
während er so nachdachte
dṛṣṭāriṣṭena cetasā
mit einem von den Unglückszeichen beunruhigten Herzen
rājñaḥ pratyāgamad brahman
des Königs; es kehrte zurück, o Brahmane
yadu-puryāḥ kapi-dhvajaḥ
aus der Stadt der Yadus, der mit dem Affen-Banner [Arjuna]

taṁ pādayor nipatitam ayathā-pūrvam āturam | adho-vadanam ab-bindūn sṛjantaṁ nayanābjayoḥ

Ihn, zu Yudhiṣṭhiras Füßen niedergefallen, anders als zuvor, bekümmert, mit gesenktem Antlitz, Tränen aus seinen Lotosaugen vergießend -

Wort für Wort
taṁ pādayor nipatitam
ihn, zu [den] Füßen niedergefallen
ayathā-pūrvam āturam
anders als zuvor, bekümmert
adho-vadanam
mit gesenktem Antlitz
ab-bindūn sṛjantaṁ nayanābjayoḥ
Tränen vergießend aus den Lotosaugen

vilokyodvigna-hṛdayo vicchāyam anujaṁ nṛpaḥ | pṛcchati sma suhṛn-madhye saṁsmaran nāraderitam

Als der König ihn, seinen glanzlos gewordenen jüngeren Bruder, erblickte, fragte er ihn, mit beunruhigtem Herzen, inmitten der Freunde, sich an das von Nārada Gesagte erinnernd:

Wort für Wort
vilokyodvigna-hṛdayo
erblickend, mit beunruhigtem Herzen
vicchāyam anujaṁ nṛpaḥ
den glanzlosen jüngeren Bruder, der König
pṛcchati sma suhṛn-madhye
fragte inmitten der Freunde
saṁsmaran nāraderitam
sich an das von Nārada Gesagte erinnernd

yudhiṣṭhira uvāca | kaccid ānarta-puryāṁ naḥ sva-janāḥ sukham āsate | madhu-bhoja-daśārhārha-sātvatāndhaka-vṛṣṇayaḥ

Yudhiṣṭhira sprach: 'Weilen wohl unsere Angehörigen in der Stadt von Ānarta [Dvārakā] wohlbehalten - die Madhus, Bhojas, Daśārhas, Arhas, Sātvatas, Andhakas und Vṛṣṇis?

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach
kaccid ānarta-puryāṁ naḥ sva-janāḥ sukham āsate
weilen wohl unsere Angehörigen in Ānarta wohlbehalten
madhu-bhoja-daśārhārha-
die Madhus, Bhojas, Daśārhas, Arhas
sātvatāndhaka-vṛṣṇayaḥ
Sātvatas, Andhakas, Vṛṣṇis

śūro mātāmahaḥ kaccit svasty āste vātha māriṣaḥ | mātulaḥ sānujaḥ kaccit kuśaly ānakadundubhiḥ

Ist wohl Śūra, unser Großvater mütterlicherseits, wohlbehalten, oder lebt der Ehrwürdige noch? Ist der Onkel samt seinem jüngeren Bruder, Ānakadundubhi, wohl gesund?

Wort für Wort
śūro mātāmahaḥ kaccit svasty āste
ist Śūra, der Großvater mütterlicherseits, wohl heil
vātha māriṣaḥ
oder [lebt] der Ehrwürdige
mātulaḥ sānujaḥ kaccit kuśaly
ist der Onkel samt jüngerem Bruder wohl gesund
ānakadundubhiḥ
Ānakadundubhi [Vasudeva]

sapta sva-sāras tat-patnyo mātulānyaḥ sahātmajāḥ | āsate sasnuṣāḥ kṣemaṁ devakī-pramukhāḥ svayam

Die sieben Gattinnen Vasudevas, wie leibliche Schwestern zueinander, die Tanten, samt ihren Kindern - weilen sie, angeführt von Devakī, samt ihren Schwiegertöchtern, wohlbehalten?

Wort für Wort
sapta sva-sāras tat-patnyo
die sieben, wie leibliche Schwestern, seine [Vasudevas] Gattinnen
mātulānyaḥ sahātmajāḥ
die Tanten, samt ihren Kindern
āsate sasnuṣāḥ kṣemaṁ
weilen sie samt Schwiegertöchtern wohlbehalten
devakī-pramukhāḥ svayam
angeführt von Devakī, sie selbst

kaccid rājāhuko jīvaty asat-putro 'sya cānujaḥ | hṛdīkaḥ sasuto 'krūro jayanta-gada-sāraṇāḥ

Lebt wohl König Āhuka [Ugrasena], einst geplagt von seinem schlechten Sohn, und sein jüngerer Bruder? Leben Hṛdīka samt Sohn, Akrūra, Jayanta, Gada und Sāraṇa?

Wort für Wort
kaccid rājāhuko jīvaty
lebt wohl König Āhuka
asat-putro 'sya cānujaḥ
[einst geplagt] von seinem schlechten Sohn, und sein jüngerer Bruder
hṛdīkaḥ sasuto 'krūro
Hṛdīka samt Sohn, Akrūra
jayanta-gada-sāraṇāḥ
Jayanta, Gada, Sāraṇa

āsate kuśalaṁ kaccid ye ca śatrujid-ādayaḥ | kaccid āste sukhaṁ rāmo bhagavān sātvatāṁ prabhuḥ

Sind wohl auch die, angeführt von Śatrujit, gesund? Ist der erhabene Rāma, der Herr der Sātvatas, wohl glücklich?

Wort für Wort
āsate kuśalaṁ kaccid
sind sie wohl gesund
ye ca śatrujid-ādayaḥ
die, angeführt von Śatrujit
kaccid āste sukhaṁ rāmo
ist Rāma wohl glücklich
bhagavān sātvatāṁ prabhuḥ
der erhabene Herr der Sātvatas

pradyumnaḥ sarva-vṛṣṇīnāṁ sukham āste mahā-rathaḥ | gambhīra-rayo 'niruddho vardhate bhagavān uta

Weilt Pradyumna, der große Krieger aller Vṛṣṇis, wohl glücklich? Wächst der erhabene, von tiefgründiger Kraft erfüllte Aniruddha wohl heran?

Wort für Wort
pradyumnaḥ sarva-vṛṣṇīnāṁ
Pradyumna, aller Vṛṣṇis
sukham āste mahā-rathaḥ
weilt der große Krieger glücklich
gambhīra-rayo 'niruddho
der von tiefgründiger Kraft [erfüllte] Aniruddha
vardhate bhagavān uta
wächst der Erhabene heran

suṣeṇaś cārudeṣṇaś ca sāmbo jāmbavatī-sutaḥ | anye ca kārṣṇi-pravarāḥ saputrā ṛṣabhādayaḥ

Sind wohl gesund Suṣeṇa und Cārudeṣṇa, Sāmba, der Sohn der Jāmbavatī, und die anderen vornehmsten Kṛṣṇa-Söhne samt ihren Söhnen, angeführt von Ṛṣabha?

Wort für Wort
suṣeṇaś cārudeṣṇaś ca
Suṣeṇa und Cārudeṣṇa
sāmbo jāmbavatī-sutaḥ
Sāmba, der Sohn der Jāmbavatī
anye ca kārṣṇi-pravarāḥ
und die anderen vornehmsten Kṛṣṇa-Söhne
saputrā ṛṣabhādayaḥ
samt [ihren] Söhnen, angeführt von Ṛṣabha

tathaivānucarāḥ śaureḥ śrutadevoddhavādayaḥ | sunanda-nanda-śīrṣaṇyā ye cānye sātvatarṣabhāḥ

Ebenso erfrage ich nach den Gefolgsleuten Kṛṣṇas, angeführt von Śrutadeva und Uddhava, den Ministern angeführt von Sunanda und Nanda, und den anderen Besten der Sātvatas.

Wort für Wort
tathaivānucarāḥ śaureḥ
ebenso die Gefolgsleute Kṛṣṇas
śrutadevoddhavādayaḥ
angeführt von Śrutadeva und Uddhava
sunanda-nanda-śīrṣaṇyā
angeführt von Sunanda und Nanda
ye cānye sātvatarṣabhāḥ
und die anderen Besten der Sātvatas

api svasty āsate sarve rāma-kṛṣṇa-bhujāśrayāḥ | api smaranti kuśalam asmākaṁ baddha-sauhṛdāḥ

Sind wohl alle, die im Schutz der Arme Rāmas und Kṛṣṇas weilen, wohlbehalten? Denken die, die in fester Freundschaft mit uns verbunden sind, wohl an unser Wohlergehen?

Wort für Wort
api svasty āsate sarve
sind wohl alle heil
rāma-kṛṣṇa-bhujāśrayāḥ
die im Schutz der Arme Rāmas und Kṛṣṇas [weilen]
api smaranti kuśalam asmākaṁ
denken sie an unser Wohlergehen
baddha-sauhṛdāḥ
die in fester Freundschaft [verbunden sind]

bhagavān api govindo brahmaṇyo bhakta-vatsalaḥ | kaccit pure sudharmāyāṁ sukham āste suhṛd-vṛtaḥ

Weilt auch der erhabene Govinda, der den Brahmanen Zugetane, den Hingebungsvollen liebevoll Zugewandte, wohl glücklich in der Halle Sudharmā, umgeben von Freunden?

Wort für Wort
bhagavān api govindo
auch der erhabene Govinda
brahmaṇyo bhakta-vatsalaḥ
der den Brahmanen Zugetane, den Hingebungsvollen liebevoll Zugewandte
kaccit pure sudharmāyāṁ sukham āste
weilt er wohl glücklich in Sudharmā
suhṛd-vṛtaḥ
umgeben von Freunden

maṅgalāya ca lokānāṁ kṣemāya ca bhavāya ca | āste yadu-kulāmbhodhāv ādyo 'nanta-sakhaḥ pumān

Zum Segen der Welten, zum Heil und Wohlergehen weilt der ursprüngliche Mann, der Freund des Ananta, im Ozean der Yadu-Sippe.

Wort für Wort
maṅgalāya ca lokānāṁ
zum Segen der Welten
kṣemāya ca bhavāya ca
zum Heil und zum Wohlergehen
āste yadu-kulāmbhodhāv
weilt er im Ozean der Yadu-Sippe
ādyo 'nanta-sakhaḥ pumān
der ursprüngliche Mann, der Freund des Ananta

yad bāhu-daṇḍa-guptāyāṁ sva-puryāṁ yadavo 'rcitāḥ | krīḍanti paramānandaṁ mahā-pauruṣikā iva

In ihrer eigenen, durch dessen Armkraft beschützten Stadt genießen die verehrten Yadus höchste Wonne, wie Wesen von großer göttlicher Macht.

Wort für Wort
yad bāhu-daṇḍa-guptāyāṁ
durch dessen Armkraft beschützt
sva-puryāṁ yadavo 'rcitāḥ
in [ihrer] eigenen Stadt, die verehrten Yadus
krīḍanti paramānandaṁ
genießen höchste Wonne
mahā-pauruṣikā iva
wie [Wesen] von großer göttlicher Macht

yat-pāda-śuśrūṣaṇa-mukhya-karmaṇā satyādayo dvy-aṣṭa-sahasra-yoṣitaḥ | nirjitya saṅkhye tri-daśāṁs tad-āśiṣo haranti vajrāyudha-vallabhocitāḥ

Durch die vornehmste Aufgabe des Dienstes an dessen Füßen tragen die sechzehntausend Frauen, angeführt von Satyabhāmā, welche einst im Kampf die Götter besiegten, nun deren Vorrechte davon, würdig sogar der Geliebten des Blitzwaffenträgers Indra.

Wort für Wort
yat-pāda-śuśrūṣaṇa-mukhya-karmaṇā
durch die vornehmste Aufgabe des Dienstes an dessen Füßen
satyādayo dvy-aṣṭa-sahasra-yoṣitaḥ
angeführt von Satyabhāmā, die sechzehntausend Frauen
nirjitya saṅkhye tri-daśāṁs
die Götter im Kampf besiegt habend
tad-āśiṣo haranti vajrāyudha-vallabhocitāḥ
tragen sie deren Vorrechte, würdig der Geliebten Indras

yad bāhu-daṇḍābhyudayānujīvino yadu-pravīrā hy akutobhayā muhuḥ | adhikramanty aṅghribhir āhṛtāṁ balāt sabhāṁ sudharmāṁ sura-sattamocitām

Die Yadu-Helden, die vom Schutz seiner Armkraft leben, betreten fürwahr furchtlos, wiederholt, mit ihren eigenen Füßen die mit Gewalt den Göttern geraubte Versammlungshalle Sudharmā, die eigentlich den besten Göttern gebührt.

Wort für Wort
yad bāhu-daṇḍābhyudayānujīvino
die vom Schutz seiner Armkraft leben
yadu-pravīrā hy akutobhayā muhuḥ
die Yadu-Helden, fürwahr furchtlos, wiederholt
adhikramanty aṅghribhir āhṛtāṁ balāt
betreten mit den Füßen die mit Gewalt geraubte
sabhāṁ sudharmāṁ sura-sattamocitām
Versammlungshalle Sudharmā, die den besten Göttern gebührt

kaccit te 'nāmayaṁ tāta bhraṣṭa-tejā vibhāsi me | alabdha-māno 'vajñātaḥ kiṁ vā tāta ciroṣitaḥ

Bist du wohl frei von Krankheit, mein Lieber? Du erscheinst mir deines Glanzes beraubt - bist du etwa nicht die gebührende Ehre erwiesen, missachtet worden, oder, mein Lieber, warst du zu lange fort?

Wort für Wort
kaccit te 'nāmayaṁ tāta
bist du wohl frei von Krankheit, mein Lieber
bhraṣṭa-tejā vibhāsi me
du erscheinst mir deines Glanzes beraubt
alabdha-māno 'vajñātaḥ
bist du nicht geehrt, missachtet worden
kiṁ vā tāta ciroṣitaḥ
oder, mein Lieber, zu lange fort

kaccin nābhihato 'bhāvaiḥ śabdādibhir amaṅgalaiḥ | na dattam uktam arthibhya āśayā yat pratiśrutam

Bist du wohl nicht von unheilvollen Vorzeichen wie bösen Tönen und dergleichen getroffen worden? Hast du den Bittstellern nicht gegeben, was du in gutem Glauben zugesagt hattest?

Wort für Wort
kaccin nābhihato 'bhāvaiḥ
bist du wohl nicht getroffen worden durch [böse Vorzeichen]
śabdādibhir amaṅgalaiḥ
durch unheilvolle Töne und dergleichen
na dattam uktam arthibhya
hast du den Bittstellern nicht gegeben, [was] gesagt
āśayā yat pratiśrutam
das, was du zugesagt hattest

kaccit tvaṁ brāhmaṇaṁ bālaṁ gāṁ vṛddhaṁ rogiṇaṁ striyam | śaraṇopasṛtaṁ sattvaṁ nātyākṣīḥ śaraṇa-pradaḥ

Hast du wohl keinen Brahmanen, kein Kind, keine Kuh, keinen Alten, keinen Kranken, keine Frau - kein Wesen, das um Schutz nachgesucht hatte, im Stich gelassen, du, der du sonst stets Schutz gewährst?

Wort für Wort
kaccit tvaṁ brāhmaṇaṁ bālaṁ gāṁ
hast du wohl einen Brahmanen, ein Kind, eine Kuh
vṛddhaṁ rogiṇaṁ striyam
einen Alten, einen Kranken, eine Frau
śaraṇopasṛtaṁ sattvaṁ nātyākṣīḥ
ein Wesen, das um Schutz nachgesucht hatte, nicht im Stich gelassen
śaraṇa-pradaḥ
du, der [du sonst] Schutz gewährst

kaccit tvaṁ nāgamo 'gamyāṁ gamyāṁ vāsat-kṛtāṁ striyam | parājito vātha bhavān nottamair nāsamaiḥ pathi

Bist du wohl nicht zu einer unzugänglichen Frau gegangen, oder hast du eine dir zugängliche Frau schlecht behandelt? Oder bist du unterwegs von Höherstehenden oder Ebenbürtigen besiegt worden?

Wort für Wort
kaccit tvaṁ nāgamo 'gamyāṁ
bist du wohl nicht zu einer unzugänglichen [Frau] gegangen
gamyāṁ vāsat-kṛtāṁ striyam
oder hast du eine zugängliche Frau schlecht behandelt
parājito vātha bhavān
oder bist du besiegt worden
nottamair nāsamaiḥ pathi
von Höherstehenden noch Ebenbürtigen, unterwegs

api svit parya-bhuṅkthās tvaṁ sambhojyān vṛddha-bālakān | jugupsitaṁ karma kiñcit kṛtavān na yad akṣamam

Oder hast du etwa die zu bewirtenden Alten und Kinder übergangen und selbst gegessen? Hast du irgendeine verabscheuungswürdige, unverzeihliche Tat begangen?

Wort für Wort
api svit parya-bhuṅkthās tvaṁ
oder hast du etwa übergangen
sambhojyān vṛddha-bālakān
die zu bewirtenden Alten und Kinder
jugupsitaṁ karma kiñcit kṛtavān
eine verabscheuungswürdige Tat begangen
na yad akṣamam
die unverzeihlich [wäre]

kaccit preṣṭhatamenātha hṛdayenātma-bandhunā | śūnyo 'smi rahito nityaṁ manyase te 'nyathā na ruk

Oder denkst du etwa, ich sei, durch den Verlust des Liebsten, deines eigenen Herzens, des dir verwandten Freundes, stets leer und verlassen - und ist es bei dir anders, kein Schmerz?

Wort für Wort
kaccit preṣṭhatamenātha
oder [meinst du], durch den Liebsten
hṛdayenātma-bandhunā
durch [dein eigenes] Herz, den verwandten Freund
śūnyo 'smi rahito nityaṁ manyase
ich sei stets leer, verlassen, denkst du
te 'nyathā na ruk
ist es bei dir anders, kein Schmerz

[?: Die genaue Bezugslogik dieses letzten, knappen Verses (wer hier als 'stets leer und verlassen' gilt, Yudhiṣṭhira oder Arjuna) bleibt mehrdeutig; sinngemäß als Yudhiṣṭhiras Vermutung wiedergegeben, das eigentliche Übel könnte den Verlust ihres gemeinsamen liebsten Freundes betreffen.]

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