śrī-śuka uvāca
vṛtre hate trayo lokā
vinā śakreṇa bhūrida
sapālā hy abhavan sadyo
vijvarā nirvṛtendriyāḥ
Śrī Śuka sprach: Als Vṛtra getötet war, wurden die drei Welten samt ihren Hütern, o Freigebiger, sogleich frei von Angst [Fieber], und ihre Sinne wurden befriedet - ausgenommen Śakra [Indra].
Die Götter, Weisen, die Bewohner Pitṛlokas und [übrigen] Wesen, die Daityas [und] die Gefolgsleute der Götter kehrten von selbst zu ihren eigenen Wohnstätten zurück; danach [auch] Brahmā, Śiva und die von Indra angeführten [Götter].
Wort für Wort
deva-ṛṣi-pitṛ-bhūtāni
Götter, Weise, Ahnen[bewohner] und [andere] Wesen (Nom. Pl. Neutr.)
Der König sprach: Ich wünsche den Grund für Indras Unruhe [Missmut] zu hören, o Weiser - [den Grund], wodurch die Götter glücklich waren, [während] Haris [Indras] Kummer, woher entstand er?
Wort für Wort
śrī-rājā uvāca
der König sprach
indrasya
Indras (Gen.)
anirvṛteḥ
der Unruhe/Unzufriedenheit (Gen.)
hetum
den Grund (Akk.)
śrotum
zu hören (Inf.)
icchāmi
ich wünsche (1. Sg. Präs.)
bhoḥ
oh (Interj.)
mune
o Weiser (Vok.)
yena
wodurch
āsan
waren (3. Pl. Impf.)
sukhinaḥ
glücklich (Nom. Pl.)
devāḥ
die Götter (Nom. Pl.)
hareḥ
Haris [hier: Indras, einer seiner Beinamen] (Gen.)
duḥkham
Kummer (Nom.)
kutaḥ
woher
abhavat
entstand (3. Sg. Impf.)
[Anm.: 'hareḥ' hier als Beiname Indras gedeutet (gemäß Kontext und wfw-Gloss 'of Indra'), nicht als Viṣṇu/Kṛṣṇa.]
Śrī Śuka sprach: Alle Götter, durch Vṛtras Kraftakte erschüttert, baten zusammen mit den Weisen um dessen Tötung; [doch] Indra, aus Furcht vor der Tötung des Großen [Brahmanenmordes], wollte nicht.
indra uvāca
strī-bhū-druma-jalair eno
viśvarūpa-vadhodbhavam
vibhaktam anugṛhṇadbhir
vṛtra-hatyāṁ kva mārjmy aham
Indra sprach: Die aus der Tötung Viśvarūpas entstandene Sünde wurde von Frauen, Erde, Bäumen und Wasser aufgeteilt, die mir damit Gunst erwiesen - wie [aber] werde ich mich von der Tötung Vṛtras reinigen?
Wort für Wort
indraḥ uvāca
Indra sprach
strī
durch Frauen (Kompositumsteil, Instr.)
bhū
die Erde (Kompositumsteil)
druma
die Bäume (Kompositumsteil)
jalaiḥ
und das Wasser (Instr. Pl.)
enaḥ
diese Sünde (Nom. Sg.)
viśvarūpa-vadha-udbhavam
aus der Tötung Viśvarūpas entstanden (Akk./Nom. Neutr.)
śrī-śuka uvāca
ṛṣayas tad upākarṇya
mahendram idam abruvan
yājayiṣyāma bhadraṁ te
hayamedhena mā sma bhaiḥ
Śrī Śuka sprach: Die Weisen, dies gehört habend, sprachen zu dem großen Indra dies: 'Wir werden [für dich] das Pferdeopfer durchführen lassen - Segen dir, fürchte dich nicht!'
Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
ṛṣayaḥ
die Weisen (Nom. Pl.)
tat
das (Akk.)
upākarṇya
gehört habend (Ger.)
mahā-indram
zu dem großen Indra (Akk.)
idam
dies (Akk.)
abruvan
sprachen (3. Pl. Impf.)
yājayiṣyāmaḥ
wir werden [dich] opfern lassen (1. Pl. Fut. Kaus.)
Wenn du durch das Pferdeopfer die [höchste] Person, die Überseele, den höchsten Herrscher, den Gott Nārāyaṇa, verehrt hast, wirst du sogar von der Sünde der Tötung der ganzen Welt befreit werden.
Ein Brahmanentöter, ein Vatertöter, ein Kuhtöter, ein Muttertöter, ein Lehrertöter, ein [überhaupt] Sündiger, ein Hundefresser oder selbst ein Caṇḍāla - sie alle mögen durch das Besingen [Seines Namens] gereinigt werden. Wenn du Ihn durch das große Pferdeopfer, das mit Glauben von uns durchgeführt wird, verehrst, wirst du, selbst wenn du [die ganze Welt] mitsamt Brahmanen und beweglichen wie unbeweglichen Wesen getötet hättest, nicht befleckt - wieviel weniger [dann] durch die Bezwingung eines Schurken!
Wort für Wort
brahma-hā
ein Brahmanentöter (Nom. Sg.)
pitṛ-hā
ein Vatertöter (Nom. Sg.)
go-ghnaḥ
ein Kuhtöter (Nom. Sg.)
mātṛ-hā
ein Muttertöter (Nom. Sg.)
ācārya-hā
ein Lehrertöter (Nom. Sg.)
aghavān
ein Sündiger (Nom. Sg.)
śvādaḥ
ein Hundefresser (Nom. Sg.)
pulkasakaḥ
ein Caṇḍāla/Ausgestoßener (Nom. Sg.)
vā api
oder auch
śuddhyeran
sie mögen gereinigt werden (3. Pl. Opt. Pass.)
yasya
dessen [des Herrn] (Gen.)
kīrtanāt
durch das Besingen/Rezitieren [des Namens] (Abl.)
tam
Ihn (Akk.)
aśvamedhena
durch das Pferdeopfer (Instr.)
mahā-makhena
durch das große Opfer (Instr.)
śraddhā-anvitaḥ
mit Glauben ausgestattet (Nom. Sg., bezogen auf Indra)
asmābhiḥ
von uns (Instr. Pl.)
anuṣṭhitena
durchgeführt (Instr. Sg.)
hatvā
getötet habend (Ger.)
api
sogar/selbst wenn
sabrahma-carācaram
mitsamt Brahmanen und beweglichen wie unbeweglichen Wesen (Akk.)
tvam
du (Nom.)
na lipyase
wirst nicht befleckt (2. Sg. Präs. Med.)
kim
wie [erst], wieviel weniger (Frage-/Ausrufpartikel)
Śrī Śuka sprach: So von den Brahmanen ermutigt, tötete Marutvān [Indra] den Feind; als jener getötet war, befiel die Sünde des Brahmanenmordes Vṛṣākapi [Indra].
tayendraḥ smāsahat tāpaṁ
nirvṛtir nāmum āviśat
hrīmantaṁ vācyatāṁ prāptaṁ
sukhayanty api no guṇāḥ
Durch diese [Sünde] litt Indra fürwahr Qual; Freude erfüllte ihn nicht. Selbst gute Eigenschaften erfreuen nicht [mehr], wenn ein von Scham Erfüllter Tadel erlangt hat.
Er sah sie [die Sünde], ihn verfolgend, in Gestalt einer Caṇḍāla-Frau, deren Glieder vor Alter zitterten, die von Schwindsucht befallen war, deren Kleider blutbefleckt waren, die ihr graues Haar zerzaust hatte, 'bleib stehen, bleib stehen!' rufend, und die mit dem Gestank verwesenden Fischfleisches den Weg verunreinigte.
In den Himmel gegangen [und durch] alle Richtungen [fliehend], o Herr der Untertanen, betrat der Tausendäugige [Indra] eilig die nordöstliche Richtung [und] den [See] Mānasa, o König.
sa āvasat puṣkara-nāla-tantūn
alabdha-bhogo yad ihāgni-dūtaḥ
varṣāṇi sāhasram alakṣito 'ntaḥ
sañcintayan brahma-vadhād vimokṣam
Er wohnte in den Fasern eines Lotosstängels, ohne dort Wohlergehen zu finden - weil hier [selbst] Agni, der Bote [der Götter, ihn nicht aufspürte] [?] - tausend Jahre lang unbemerkt, in seinem Innern beständig über die Befreiung von der Brahmanentötung nachsinnend.
Wort für Wort
saḥ
er (Nom.)
āvasat
wohnte (3. Sg. Impf.)
puṣkara-nāla-tantūn
in den Fasern des Lotosstängels (Akk. Pl.)
alabdha-bhogaḥ
ohne Genuss/Wohlergehen zu erlangen (Nom. Sg.)
yat
weil/wo
iha
hier
agni-dūtaḥ
Agni [der Feuergott] als Bote (Nom. Sg.)
varṣāṇi sāhasram
tausend Jahre (Akk. Pl.)
alakṣitaḥ
unbemerkt/unsichtbar (Nom. Sg.)
antaḥ
im Innern (Adv.)
sañcintayan
beständig nachsinnend (Nom. Sg. Part.)
brahma-vadhāt
von der Tötung eines Brahmanen (Abl.)
vimokṣam
[über die] Befreiung (Akk.)
[?] Die genaue syntaktische Funktion von 'yad ihāgni-dūtaḥ' bleibt unklar; die wfw-Gloss gibt nur 'yat=which, iha=here, agni-dūtaḥ=the fire-god messenger' ohne Verb. Sinngemäß vermutlich: selbst Agni, der als Bote/Kundschafter der Götter überall das Feuer entzündet und alles aufspürt, konnte Indra dort nicht entdecken - daher blieb er unbemerkt.
Währenddessen beherrschte Nahuṣa den Himmel, ausgestattet mit der Macht von Wissen, Askese, mystischer Kraft und Stärke; er, dessen Verstand vom Rausch des Reichtums und der Herrschaft geblendet war, wurde durch Indras Gattin in den Zustand der Tiere [zur Schlange] geführt.
Wort für Wort
tāvat
währenddessen/solange
triṇākam
den Himmel (Akk.)
nahuṣaḥ
Nahuṣa (Nom.)
śaśāsa
beherrschte (3. Sg. Perf.)
vidyā-tapaḥ-yoga-bala-anubhāvaḥ
ausgestattet mit der Macht von Wissen, Askese, Yoga und Stärke (Nom. Sg.)
saḥ
er (Nom.)
sampat-aiśvarya-mada-andha-buddhiḥ
dessen Verstand vom Rausch des Reichtums und der Herrschaft geblendet war (Nom. Sg.)
tato gato brahma-giropahūta
ṛtambhara-dhyāna-nivāritāghaḥ
pāpas tu digdevatayā hataujās
taṁ nābhyabhūd avitaṁ viṣṇu-patnyā
Danach [ging er], durch den Ruf der Brahmanen herbeigerufen, [und] durch Meditation auf den Wahrheittragenden [Herrn] seine Sünde abgewehrt habend; die Sünde aber, deren Kraft durch die Gottheit der Richtung [Rudra] gebrochen war, überwältigte ihn nicht, [da er] durch Viṣṇus Gattin beschützt [war].
Wort für Wort
tataḥ
danach
gataḥ
gegangen (Nom. Sg.)
brahma-girā
durch das Wort/den Ruf der Brahmanen (Instr.)
upahūtaḥ
herbeigerufen (Nom. Sg.)
ṛtambhara-dhyāna
durch Meditation auf den Wahrheittragenden [Herrn] (Instr.)
taṁ ca brahmarṣayo 'bhyetya
hayamedhena bhārata
yathāvad dīkṣayāṁ cakruḥ
puruṣārādhanena ha
Und die Brahmanen-Weisen traten zu ihm heran, o Bhārata, und weihten ihn ordnungsgemäß mit dem Pferdeopfer ein, das in der Verehrung der [Höchsten] Person besteht.
Wort für Wort
tam
ihn (Akk.)
ca
und
brahma-ṛṣayaḥ
die Brahmanen-Weisen (Nom. Pl.)
abhyetya
herangetreten (Ger.)
hayamedhena
mit dem Pferdeopfer (Instr.)
bhārata
o Bhārata [Nachkomme Bharatas, Parīkṣit] (Vok.)
yathāvat
ordnungsgemäß
dīkṣayām cakruḥ
sie weihten ein (3. Pl. Perf. periphr.)
puruṣa-ārādhanena
durch die Verehrung der [Höchsten] Person (Instr.)
athejyamāne puruṣe sarva-devamayātmani
aśvamedhe mahendreṇa vitate brahma-vādibhiḥ
sa vai tvāṣṭra-vadho bhūyān api pāpa-cayo nṛpa
nītas tenaiva śūnyāya nīhāra iva bhānunā
Dann, während vom großen Indra, [unterstützt] von den vedakundigen Brahmanen, das Pferdeopfer ausgebreitet wurde, in dem die [Höchste] Person verehrt wurde, deren Wesen alle Götter umfasst, wurde eben jene Sündenanhäufung - die Tötung von Tvaṣṭās Sohn [Vṛtra], mochte sie auch gewaltig gewesen sein - o König, eben dadurch zunichtegemacht, wie Nebel durch die Sonne.
Er [Indra], nachdem er durch das wie beschrieben von Marīci und [den übrigen Weisen] durchgeführte Pferdeopfer den Herrn des Opfers, die uralte [Höchste] Person, verehrt hatte, wurde, von aller Sünde befreit, erhaben [groß].