Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 22: śuddha-bhakti-yogaḥ Reine Hingabe: Die Wandlung des Herzens

Skandha 2, Adhyāya 3. Quelle: vedabase.io, vers-für-vers abgerufen (V.2-7 als eine zusammenhängende Aufzählung auf der Quellseite gruppiert, entsprechend als eine Einheit übersetzt). Śuka listet zunächst systematisch die traditionellen Wunsch-Gottheit-Zuordnungen des vedischen Opferkults auf (V.2-9), stellt dem aber die hingebungsvolle Verbindung (bhakti-yoga) zum höchsten Puruṣa als das eigentliche, alle Wünsche übersteigende Ziel gegenüber (V.10-12). Der Rahmenerzähler Śaunaka fragt Sūta nach der Fortsetzung (V.13-17), worauf eine Reihe berühmter, rhetorisch zugespitzter Verse folgt, die mit drastischen Bildern (lebende Leichname, versteinerte Herzen, taube Ohren wie Löcher) die Wertlosigkeit eines Lebens ohne Hingabe zu Hari brandmarken (V.18-24) - eine der bekanntesten bhakti-Passagen des gesamten Werks.

śrī-śuka uvāca evam etan nigaditaṁ pṛṣṭavān yad bhavān mama nṛṇāṁ yan mriyamāṇānāṁ manuṣyeṣu manīṣiṇām

Śrī Śuka sprach: So ist dies dargelegt, was du mich gefragt hast — was unter den weisen Menschen für die im Sterben liegenden Menschen zu tun ist.

Wort für Wort
śrī-śuka uvāca
Śrī Śuka sprach
evam etat nigaditam
so ist dies dargelegt
pṛṣṭavān yat bhavān mama
was du mich gefragt hast
nṛṇām yat mriyamāṇānām
was für sterbende Menschen
manuṣyeṣu manīṣiṇām
unter den weisen Menschen

brahma-varcasa-kāmas tu yajeta brahmaṇaḥ patim indram indriya-kāmas tu prajā-kāmaḥ prajāpatīn devīṁ māyāṁ tu śrī-kāmas tejas-kāmo vibhāvasum vasu-kāmo vasūn rudrān vīrya-kāmo 'tha vīryavān annādya-kāmas tv aditiṁ svarga-kāmo 'diteḥ sutān viśvān devān rājya-kāmaḥ sādhyān saṁsādhako viśām āyuṣ-kāmo 'śvinau devau puṣṭi-kāma ilāṁ yajet pratiṣṭhā-kāmaḥ puruṣo rodasī loka-mātarau rūpābhikāmo gandharvān strī-kāmo 'psara urvaśīm ādhipatya-kāmaḥ sarveṣāṁ yajeta parameṣṭhinam yajñaṁ yajed yaśas-kāmaḥ kośa-kāmaḥ pracetasam vidyā-kāmas tu giriśaṁ dāmpatyārtha umāṁ satīm

Wer geistige Erleuchtungskraft begehrt, verehre den Herrn des Brahman; wer sinnliche Genüsse begehrt, Indra; wer Nachkommenschaft, die Prajāpatis. Wer Wohlstand begehrt, die Göttin Māyā; wer Glanz, Agni; wer Reichtum, die Vasus; wer Tapferkeit begehrt — und auch der schon Tapfere —, die Rudras. Wer Speise begehrt, Aditi; wer den Himmel, die Söhne der Aditi; wer Königsherrschaft, die Viśvadevas; wer seine Untertanen zu bezwingen sucht, die Sādhyas. Wer langes Leben begehrt, die beiden Aśvins; wer Gedeihen, verehre Iḍā; wer festen Stand begehrt, der Mensch, Himmel und Erde, die Weltenmütter. Wer Schönheit der Gestalt begehrt, die Gandharvas; wer eine Frau begehrt, die Apsaras Urvaśī; wer Oberherrschaft über alle begehrt, verehre Brahmā, den Höchstthronenden. Wer Ruhm begehrt, verehre das Opfer selbst; wer Schatz, Varuṇa; wer Wissen, Śiva; wer eheliches Glück will, die treue Umā.

Wort für Wort
brahma-varcasa-kāmaḥ tu yajeta brahmaṇaḥ patim
wer Erleuchtungskraft begehrt, verehre den Brahman-Herrn
indram indriya-kāmaḥ tu prajā-kāmaḥ prajāpatīn
Indra bei Sinnesgenuss, die Prajāpatis bei Nachkommenwunsch
devīm māyām tu śrī-kāmaḥ tejaḥ-kāmaḥ vibhāvasum
die Göttin Māyā bei Wohlstand, Agni bei Glanz
vasu-kāmaḥ vasūn rudrān vīrya-kāmaḥ atha vīryavān
die Vasus bei Reichtum, die Rudras bei Tapferkeit
anna-adya-kāmaḥ tu aditim svarga-kāmaḥ aditeḥ sutān
Aditi bei Speisewunsch, ihre Söhne bei Himmelswunsch
viśvān devān rājya-kāmaḥ sādhyān saṁsādhakaḥ viśām
die Viśvadevas bei Königswunsch, die Sādhyas bei Untertanenbezwingung
āyuḥ-kāmaḥ aśvinau devau puṣṭi-kāmaḥ ilām yajet
die Aśvins bei Lebenswunsch, Iḍā bei Gedeihenswunsch
pratiṣṭhā-kāmaḥ puruṣaḥ rodasī loka-mātarau
Himmel und Erde bei Standeswunsch
rūpa-abhikāmaḥ gandharvān strī-kāmaḥ apsaraḥ urvaśīm
die Gandharvas bei Schönheitswunsch, Urvaśī bei Frauenwunsch
ādhipatya-kāmaḥ sarveṣām yajeta parameṣṭhinam
Brahmā bei Wunsch nach Oberherrschaft
yajñam yajet yaśaḥ-kāmaḥ kośa-kāmaḥ pracetasam
das Opfer bei Ruhmwunsch, Varuṇa bei Schatzwunsch
vidyā-kāmaḥ tu giriśam dāmpatya-arthaḥ umām satīm
Śiva bei Wissenswunsch, Umā bei ehelichem Glück

[Anm.: Sechs Verse, die zu einer einzigen fortlaufenden Aufzählung von Wunsch-Gottheit-Paaren gehören (klassische kāmya-karma-Liste: für jedes weltliche Begehren die passende Gottheit); als eine Einheit übersetzt.]

dharmārtha uttama-ślokaṁ tantuḥ tanvan pitṝn yajet rakṣā-kāmaḥ puṇya-janān ojas-kāmo marud-gaṇān

Wer um des Dharma willen opfert, verehre den Hochgepriesenen; wer die Ahnenlinie fortsetzen will, verehre die Ahnen; wer Schutz begehrt, die Puṇyajanas; wer Kraft begehrt, die Scharen der Maruts.

Wort für Wort
dharma-arthaḥ uttama-ślokam
wer um des Dharma willen den Hochgepriesenen
tantuḥ tanvan pitṝn yajet
wer die Linie fortsetzt, verehre die Ahnen
rakṣā-kāmaḥ puṇya-janān
wer Schutz begehrt, die Puṇyajanas
ojaḥ-kāmaḥ marud-gaṇān
wer Kraft begehrt, die Maruts

rājya-kāmo manūn devān nirṛtiṁ tv abhicaran yajet kāma-kāmo yajet somam akāmaḥ puruṣaṁ param

Wer Königreich begehrt, die Manus und Götter; wer aber Fluchmagie übt, verehre Nirṛti; wer bloße Lust begehrt, verehre Soma; wer frei von Begehren ist, den höchsten Puruṣa.

Wort für Wort
rājya-kāmaḥ manūn devān
wer Königreich begehrt, die Manus, Götter
nirṛtim tu abhicaran yajet
wer aber Fluchmagie übt, verehre Nirṛti
kāma-kāmaḥ yajet somam
wer Lust begehrt, verehre Soma
akāmaḥ puruṣam param
wer begierdelos, den höchsten Puruṣa

akāmaḥ sarva-kāmo vā mokṣa-kāma udāra-dhīḥ tīvreṇa bhakti-yogena yajeta puruṣaṁ param

Ob er ohne Begehren oder von allen Begierden erfüllt sei, oder Erlösung begehrend, von erhabenem Verstand — mit intensiver, hingebungsvoller Verbindung möge er den höchsten Puruṣa verehren.

Wort für Wort
akāmaḥ sarva-kāmaḥ vā
begierdelos oder von allen Begierden
mokṣa-kāmaḥ udāra-dhīḥ
erlösungsbegehrend, erhabenen Verstandes
tīvreṇa bhakti-yogena
mit intensiver Hingabe-Verbindung
yajeta puruṣam param
möge er den höchsten Puruṣa verehren

etāvān eva yajatām iha niḥśreyasodayaḥ bhagavaty acalo bhāvo yad bhāgavata-saṅgataḥ

So viel allein ist für die Opfernden hier das Aufkommen des höchsten Heils: unerschütterliche Gesinnung zum Erhabenen, die aus der Gemeinschaft mit Gottgeweihten entsteht.

Wort für Wort
etāvān eva yajatām iha
so viel allein für die Opfernden hier
niḥśreyasa-udayaḥ
das Aufkommen des höchsten Heils
bhagavati acalaḥ bhāvaḥ
unerschütterliche Gesinnung zum Erhabenen
yat bhāgavata-saṅgataḥ
die aus Gemeinschaft mit Gottgeweihten entsteht

jñānaṁ yad āpratinivṛtta-guṇormi-cakram ātma-prasāda uta yatra guṇeṣv asaṅgaḥ kaivalya-sammata-pathas tv atha bhakti-yogaḥ ko nirvṛto hari-kathāsu ratiṁ na kuryāt

Das Wissen, durch das das Rad der von den Erscheinungsweisen erzeugten Wellen zurückgewendet wird, die Klarheit des Selbst, worin Nichtanhaftung an die Guṇas besteht — der für die Erlösung anerkannte Pfad aber ist eben bhakti-yoga: wer, der dies erfahren hätte, würde nicht Freude an den Erzählungen Haris finden?

Wort für Wort
jñānam yat āpratinivṛtta-guṇa-ūrmi-cakram
das Wissen, das das Guṇa-Wellenrad zurückwendet
ātma-prasādaḥ uta yatra guṇeṣu asaṅgaḥ
die Selbst-Klarheit, worin Nichthaftung an Guṇas
kaivalya-sammata-pathaḥ tu atha bhakti-yogaḥ
der für Erlösung anerkannte Pfad aber ist bhakti-yoga
kaḥ nirvṛtaḥ hari-kathāsu ratim na kuryāt
wer würde nicht Freude an Hari-Erzählungen finden

śaunaka uvāca ity abhivyāhṛtaṁ rājā niśamya bharatarṣabhaḥ kim anyat pṛṣṭavān bhūyo vaiyāsakim ṛṣiṁ kavim

Śaunaka sprach: Nachdem er dies vernommen hatte, der Stier der Bharatas — was fragte der König weiter den weisen Seher, den Sohn des Vyāsa?

Wort für Wort
śaunaka uvāca
Śaunaka sprach
iti abhivyāhṛtam rājā niśamya bharata-ṛṣabhaḥ
dies vernommen habend, der Stier der Bharatas
kim anyat pṛṣṭavān bhūyaḥ
was fragte er weiter
vaiyāsakim ṛṣim kavim
den weisen Seher, Sohn des Vyāsa

etac chuśrūṣatāṁ vidvan sūta no 'rhasi bhāṣitum kathā hari-kathodarkāḥ satāṁ syuḥ sadasi dhruvam

O gelehrter Sūta, mögest du uns, die wir dies zu hören wünschen, dies erzählen; denn Erzählungen, die in Erzählungen von Hari gipfeln, finden gewiss ihren Platz in der Versammlung der Guten.

Wort für Wort
etat śuśrūṣatām vidvan sūta
dies für uns Hörwillige, o gelehrter Sūta
naḥ arhasi bhāṣitum
mögest du uns erzählen
kathāḥ hari-kathā-udarkāḥ
Erzählungen, die in Hari-Erzählungen gipfeln
satām syuḥ sadasi dhruvam
sind gewiss bei den Guten in der Versammlung

sa vai bhāgavato rājā pāṇḍaveyo mahā-rathaḥ bāla-krīḍanakaiḥ krīḍan kṛṣṇa-krīḍāṁ ya ādade

Jener wahrlich gottgeweihte König, der Nachkomme der Pāṇḍus, der große Wagenkämpfer, der schon als Kind, mit Spielzeug spielend, die Spiele Kṛṣṇas nachzuahmen aufnahm —

Wort für Wort
sa vai bhāgavataḥ rājā
jener wahrlich gottgeweihte König
pāṇḍaveyaḥ mahā-rathaḥ
der Pāṇḍu-Nachkomme, der große Wagenkämpfer
bāla-krīḍanakaiḥ krīḍan
als Kind mit Spielzeug spielend
kṛṣṇa-krīḍām yaḥ ādade
der die Kṛṣṇa-Spiele aufnahm

vaiyāsakiś ca bhagavān vāsudeva-parāyaṇaḥ urugāya-guṇodārāḥ satāṁ syur hi samāgame

— und der erhabene, ganz Vāsudeva hingegebene Sohn Vyāsas — mögen ihre erhabenen Erzählungen von den Eigenschaften des Vielbesungenen gewiss bei der Zusammenkunft der Guten erklingen.

Wort für Wort
vaiyāsakiḥ ca bhagavān
und der erhabene Sohn Vyāsas
vāsudeva-parāyaṇaḥ
ganz Vāsudeva hingegeben
urugāya-guṇa-udārāḥ
die erhabenen Eigenschafts-Erzählungen des Vielbesungenen
satām syuḥ hi samāgame
mögen bei der Zusammenkunft der Guten sein

āyur harati vai puṁsām udyann astaṁ ca yann asau tasyarte yat-kṣaṇo nīta uttama-śloka-vārtayā

Es nimmt fürwahr die aufgehende und untergehende Sonne die Lebenszeit der Menschen hinweg — außer jener Zeitspanne, die mit der Erzählung vom Hochgepriesenen verbracht wird.

Wort für Wort
āyuḥ harati vai puṁsām
nimmt fürwahr die Lebenszeit der Menschen hinweg
udyan astam ca yan asau
die auf- und untergehende [Sonne]
tasya ṛte yat-kṣaṇaḥ nītaḥ
außer der Zeitspanne, die verbracht wird
uttama-śloka-vārtayā
mit der Erzählung vom Hochgepriesenen

taravaḥ kiṁ na jīvanti bhastrāḥ kiṁ na śvasanty uta na khādanti na mehanti kiṁ grāme paśavo 'pare

Leben nicht auch die Bäume? Atmen nicht auch die Blasebälge? Essen und entleeren sich nicht auch die anderen Tiere im Dorf?

Wort für Wort
taravaḥ kim na jīvanti
leben nicht die Bäume
bhastrāḥ kim na śvasanti uta
atmen nicht die Blasebälge
na khādanti na mehanti
essen sie nicht, entleeren sie sich nicht
kim grāme paśavaḥ apare
gibt es nicht andere Tiere im Dorf

śva-viḍ-varāhoṣṭra-kharaiḥ saṁstutaḥ puruṣaḥ paśuḥ na yat-karṇa-pathopeto jātu nāma gadāgrajaḥ

Mit Hunden, kotfressenden Schweinen, Kamelen und Eseln ist der Mensch gleichgestellt, selbst nur ein Tier, dessen Ohrenpfad niemals vom Namen des älteren Bruders Gadas erreicht wurde.

Wort für Wort
śva-viḍ-varāha-uṣṭra-kharaiḥ
mit Hunden, Kot-Schweinen, Kamelen, Eseln
saṁstutaḥ puruṣaḥ paśuḥ
gleichgestellt der Mensch, ein Tier
na yat-karṇa-patha-upetaḥ
dessen Ohrenpfad nicht erreicht
jātu nāma gadāgrajaḥ
jemals der Name des Bruders Gadas

[Anm.: 'Gadāgrajaḥ' (der ältere Bruder Gadas) ist ein Beiname Kṛṣṇas.]

bile batorukrama-vikramān ye na śṛṇvataḥ karṇa-puṭe narasya jihvāsatī dārdurikeva sūta na copagāyaty urugāya-gāthāḥ

Ach, wie in einem Loch verborgen bleiben die Heldentaten des Weitschreitenden für das Ohrgehäuse des Menschen, der sie nicht hört; wie eine untreue Zunge, o Sūta, gleich der eines Frosches, ist die, die nicht die Lieder des Vielgepriesenen singt.

Wort für Wort
bile bata urukrama-vikramān ye
ach, wie in einem Loch die Heldentaten des Weitschreitenden
na śṛṇvataḥ karṇa-puṭe narasya
die nicht ins Ohrgehäuse des Menschen dringen
jihvā asatī dārdurikā iva sūta
die untreue Zunge, wie eine Frosch-Zunge, o Sūta
na ca upagāyati urugāya-gāthāḥ
die nicht die Lieder des Vielgepriesenen singt

bhāraḥ paraṁ paṭṭa-kirīṭa-juṣṭam apy uttamāṅgaṁ na namen mukundam śāvau karau no kurute saparyāṁ harer lasat-kāñcana-kaṅkaṇau vā

Eine bloße Last ist das Haupt, selbst wenn es mit prächtiger Krone geschmückt ist, wenn es sich nicht vor Mukunda verneigt; tote Hände sind es, die dem Hari keine Verehrung erweisen, selbst wenn sie mit glänzenden goldenen Armreifen geschmückt sind.

Wort für Wort
bhāraḥ param
eine bloße Last
paṭṭa-kirīṭa-juṣṭam api uttama-aṅgam
das Haupt, selbst mit prächtiger Krone
na namet mukundam
wenn es sich nicht vor Mukunda verneigt
śāvau karau no kurute saparyām hareḥ
tote Hände, die Hari keine Verehrung erweisen
lasat-kāñcana-kaṅkaṇau vā
selbst mit glänzenden Goldarmreifen

barhāyite te nayane narāṇāṁ liṅgāni viṣṇor na nirīkṣato ye pādau nṛṇāṁ tau druma-janma-bhājau kṣetrāṇi nānuvrajato harer yau

Wie bloße Pfauenaugen-Zeichnungen sind jene Augen der Menschen, die die Erscheinungsformen Viṣṇus nicht betrachten; wie aus Baumwurzeln entstanden sind jene Füße der Menschen, die nicht zu den heiligen Stätten Haris wandern.

Wort für Wort
barhāyite te nayane narāṇām
wie Pfauenaugen-Zeichnungen jene Augen der Menschen
liṅgāni viṣṇoḥ na nirīkṣataḥ ye
die Viṣṇus Erscheinungsformen nicht betrachten
pādau nṛṇām tau druma-janma-bhājau
jene Füße, wie aus Baumwurzeln entstanden
kṣetrāṇi na anuvrajataḥ hareḥ yau
die nicht zu Haris heiligen Stätten wandern

jīvañ chavo bhāgavatāṅghri-reṇuṁ na jātu martyo 'bhilabheta yas tu śrī-viṣṇu-padyā manujas tulasyāḥ śvasañ chavo yas tu na veda gandham

Ein lebender Leichnam ist der Sterbliche, der niemals den Staub von den Füßen der Gottgeweihten erlangt; ein atmender Leichnam ist der Mensch, der den Duft der Tulasī vom Fluss Viṣṇus nicht kennt.

Wort für Wort
jīvan śavaḥ
ein lebender Leichnam
bhāgavata-aṅghri-reṇum na jātu martyaḥ abhilabheta yaḥ tu
der niemals den Staub der Gottgeweihten-Füße erlangt
śrī-viṣṇu-padyāḥ manujaḥ tulasyāḥ
der Mensch der Tulasī vom Fluss Viṣṇus
śvasan śavaḥ yaḥ tu na veda gandham
ein atmender Leichnam, wer den Duft nicht kennt

tad aśma-sāraṁ hṛdayaṁ batedaṁ yad gṛhyamāṇair hari-nāma-dheyaiḥ na vikriyetātha yadā vikāro netre jalaṁ gātra-ruheṣu harṣaḥ

Jenes Herz ist, ach, aus Stein, das sich nicht wandelt, wenn die Namen Haris aufgenommen werden — wenn doch sonst die Wandlung einträte: Tränen in den Augen, Freudenschauer an den Körperhaaren.

Wort für Wort
tat aśma-sāram hṛdayam bata idam
jenes Herz ist, ach, aus Stein
yat gṛhyamāṇaiḥ hari-nāma-dheyaiḥ
das, wenn Haris Namen aufgenommen werden
na vikriyeta atha yadā vikāraḥ
sich nicht wandelt, wenn doch die Wandlung
netre jalam gātra-ruheṣu harṣaḥ
Tränen in den Augen, Freudenschauer an den Körperhaaren

athābhidhehy aṅga mano-'nukūlaṁ prabhāṣase bhāgavata-pradhānaḥ yad āha vaiyāsakir ātma-vidyā- viśārado nṛpatiṁ sādhu pṛṣṭaḥ

So verkünde nun, o Lieber, du Vorzüglichster der Gottgeweihten — du sprichst dem Geist Zusagendes —, was der in der Selbst-Wissenschaft erfahrene Sohn Vyāsas, vom König trefflich befragt, sagte.

Wort für Wort
atha abhidhehi aṅga
so verkünde nun, o Lieber
manaḥ-anukūlam prabhāṣase
du sprichst dem Geist Zusagendes
bhāgavata-pradhānaḥ
du Vorzüglichster der Gottgeweihten
yat āha vaiyāsakiḥ ātma-vidyā-viśāradaḥ
was der in Selbst-Wissenschaft erfahrene Sohn Vyāsas sagte
nṛpatim sādhu pṛṣṭaḥ
vom König trefflich befragt

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