Kapitel 29: bhāgavatam eva bhagavat-praśna-nirūpaṇam
Das Bhāgavatam ist die Antwort auf alle Fragen
Skandha 2, Adhyāya 10. Quelle: vedabase.io, eigene Übersetzung ohne Konsultation bestehender Übertragungen. Letztes Kapitel des zweiten Skandha (Colophon der Quelle markiert ausdrücklich das Ende des Zweiten Canto).
Zur Läuterung/Klärung des zehnten [Merkmals] beschreiben große Seelen hier das Merkmal der [übrigen] neun, sei es durch Überliefertes (śruta) oder durch [eigenes] Verstehen (artha), ganz unverfälscht.
Die Entstehung der Elemente, der Sinnesobjekte, der Sinnesorgane und des Denkvermögens wird 'Schöpfung' (sarga) genannt; die aus der Ungleichheit der Erscheinungsweisen Brahmans [hervorgehende], vom Puruṣa bewirkte [Schöpfung] wird 'Ausströmung' (visarga) genannt.
Wort für Wort
bhūta-mātra-indriya-dhiyām
der Elemente, Sinnesobjekte, Sinnesorgane, des Denkvermögens
janma
Entstehung
sargaḥ udāhṛtaḥ
wird Schöpfung genannt
brahmaṇaḥ guṇa-vaiṣamyāt
aus der Ungleichheit der Erscheinungsweisen Brahmans
'Erhaltung' (sthiti) ist die Herrschaft Vaikuṇṭhas [des Herrn]; 'Pflege' (poṣaṇa) ist seine Gnade; die Manu-Zeitalter sind die Ordnung der Rechtschaffenen; die 'Handlungsantriebe' (ūtayaḥ) sind die Eindrücke des Karmas.
Als 'Erzählungen vom Herrn' (īśa-kathāḥ) gilt das Tatenwerk der Inkarnationen Haris und derer, die ihm nachfolgen - ausgeschmückt mit vielerlei Geschichten.
'Auflösung' (nirodha) ist sein Zur-Ruhe-Kommen samt seinen Kräften; 'Befreiung' (mukti) ist das Ablegen der andersartigen Gestalt und das Verweilen in der eigenen Wesensform.
ābhāsaś ca nirodhaś ca yato 'sty adhyavasīyate | sa āśrayaḥ paraṁ brahma paramātmeti śabdyate
Das, wovon aus [Welt-]Erscheinung (ābhāsa) und Auflösung als bestehend erkannt werden, das ist die 'Zuflucht' (āśraya) - es wird als das höchste Brahman, als Paramātman bezeichnet.
yo 'dhyātmiko 'yaṁ puruṣaḥ so 'sāv evādhidaivikaḥ | yas tatrobhaya-vicchedaḥ puruṣo hy ādhibhautikaḥ
Dieser auf das Selbst bezogene (ādhyātmika) Puruṣa ist eben derselbe, der auf die Gottheiten bezogen (ādhidaivika) ist; wer dort die Trennung beider [bewirkt bzw. wahrnimmt], das ist der auf die Elemente bezogene (ādhibhautika) Puruṣa.
Wort für Wort
yaḥ ayam ādhyātmikaḥ puruṣaḥ
dieser auf das Selbst bezogene Puruṣa
saḥ eva asau ādhidaivikaḥ
eben derselbe ist der auf die Gottheiten bezogene
yaḥ tatra ubhaya-vicchedaḥ
wer dort die Trennung beider [ist]
puruṣaḥ ādhibhautikaḥ
der auf die Elemente bezogene Puruṣa
[?] Dichte philosophische Dreiteilung des einen Puruṣa-Prinzips in ādhyātmika, ādhidaivika und ādhibhautika; die genaue Funktion des dritten Gliedes als 'Trennendes' bleibt auslegungsbedürftig.
ekam ekatarābhāve yadā nopalabhāmahe | tritayaṁ tatra yo veda sa ātmā svāśrayāśrayaḥ
Wenn wir, sobald eines der beiden fehlt, das [jeweils] eine nicht wahrnehmen können - wer dort die Dreiheit [als zusammengehörig] erkennt, der ist das Selbst, die Zuflucht seiner eigenen Zuflucht.
Wort für Wort
ekam ekatara-abhāve
das eine, wenn eines [der anderen] fehlt
yadā na upalabhāmahe
wenn wir nicht wahrnehmen
tritayam
die Dreiheit
yaḥ veda
wer erkennt
saḥ ātmā
der ist das Selbst
sva-āśraya-āśrayaḥ
Zuflucht seiner eigenen Zuflucht
[?] Der Vers spielt darauf an, dass die drei Aspekte (V.8) wechselseitig bedingt und nicht unabhängig voneinander wahrnehmbar sind.
puruṣo 'ṇḍaṁ vinirbhidya yadāsau sa vinirgataḥ | ātmano 'yanam anvicchann apo 'srākṣīc chuciḥ śucīḥ
Als der Puruṣa das [Welten-]Ei durchbrochen hatte und daraus hervorgegangen war, da schuf er, rein, eine Wohnstätte für sich selbst suchend, die reinen Wasser.
tāsv avātsīt sva-sṛṣṭāsu sahasraṁ parivatsarān | tena nārāyaṇo nāma yad āpaḥ puruṣodbhavāḥ
In diesen von ihm selbst geschaffenen [Wassern] wohnte er tausend Jahre; daher [rührt] der Name Nārāyaṇa, da die Wasser (āpaḥ) aus dem Puruṣa entstanden sind.
Wort für Wort
tāsu sva-sṛṣṭāsu
in diesen von ihm selbst geschaffenen [Wassern]
avātsīt
er wohnte
sahasram parivatsarān
tausend Jahre
tena nārāyaṇaḥ nāma
daher der Name Nārāyaṇa
yat āpaḥ puruṣa-udbhavāḥ
weil die Wasser aus dem Puruṣa entstanden sind
[Anm.: Volksetymologie des Namens Nārāyaṇa aus nara (Wasser, aus dem Puruṣa entstanden) und ayana (Wohnstätte).]
dravyaṁ karma ca kālaś ca svabhāvo jīva eva ca | yad-anugrahataḥ santi na santi yad-upekṣayā
Stoff (dravya), Handlung (karma), Zeit (kāla), Eigenwesen (svabhāva) und die Einzelseele (jīva) - durch dessen Gnade sind sie [wirksam], durch dessen Gleichgültigkeit sind sie es nicht.
Der Eine, Vielheit begehrend, erhob sich von seinem Yoga-Lager; der Gott ließ durch [seine] Māyā seine goldene Zeugungskraft (vīrya) in dreifacher Weise ausströmen.
[Nämlich] in Bezug auf die Gottheiten, auf das Selbst und auf die Elemente - so teilte sich die eine männliche Zeugungskraft des Herrn dreifach; höre dies.
Aus dem Raum im Innern des Leibes des sich regenden Puruṣa entstanden Vitalkraft (ojas), Tatkraft (sahas) und Stärke (bala); daraus entstand der Prāṇa, der große Lebensodem.
Ihm, der [selbst] atmet, atmen die Lebensatem-Kräfte in allen Geschöpfen nach; ihm, der ausatmet, atmen sie mit aus - wie Gefolgsleute einem menschlichen Herrscher [nachfolgen].
Durch den [so] hervorschleudernden Prāṇa entstanden im Innern des Alldurchdringenden Hunger und Durst; da er trinken und essen wollte, öffnete sich zuerst der Mund.
Wort für Wort
prāṇena ākṣipatā
durch den hervorschleudernden Prāṇa
kṣut tṛṭ antarā jāyate vibhoḥ
entstehen im Innern des Alldurchdringenden Hunger und Durst
Da der Unermessliche sprechen wollte, entstand aus dem Mund das Feuer, und Sprache ist das von beiden [Mund und Feuer] Geäußerte; und diesem [Feuer] geschah im Wasser lange Zeit Hemmung.
Wort für Wort
vivakṣoḥ mukhataḥ bhūmnaḥ
dem sprechen wollenden Unermesslichen, aus dem Mund
vahniḥ
das Feuer
vāk vyāhṛtam tayoḥ
Sprache ist das von beiden Geäußerte
jale ca asya suciram nirodhaḥ samajāyata
und diesem geschah im Wasser lange Zeit Hemmung
[?] Die letzte Vershälfte (Erlöschen des Feuers im Wasser) ist syntaktisch verdichtet; sie deutet wohl auf die anfängliche Unterdrückung des Sprachvermögens durch das Wasser-Element vor der endgültigen Entfaltung.
Als der Windhauch [in ihm] zu wehen begann, öffneten sich die beiden Nasenlöcher; dort [wirkt] die Luft als Trägerin des Geruchs, [und] der Geruchssinn [entstand] in der Nase [des Puruṣa], der [ihn] zu erfassen begehrte.
yadātmani nirālokam ātmānaṁ ca didṛkṣataḥ | nirbhinne hy akṣiṇī tasya jyotiś cakṣur guṇa-grahaḥ
Als er, für den es in sich selbst kein Licht gab, sich selbst zu sehen begehrte, da öffneten sich seine beiden Augen; das Licht [wurde zum] Auge, dem Erfasser der [Seh-]Eigenschaft.
Wort für Wort
yadā ātmani nirālokam
als es in sich selbst kein Licht gab
ātmānam ca didṛkṣataḥ
und er sich selbst zu sehen begehrte
nirbhinne akṣiṇī tasya
seine beiden Augen öffneten sich
jyotiḥ cakṣuḥ guṇa-grahaḥ
das Licht [wurde zum] Auge, Erfasser der Eigenschaft
bodhyamānasya ṛṣibhir ātmanas taj jighṛkṣataḥ | karṇau ca nirabhidyetāṁ diśaḥ śrotraṁ guṇa-grahaḥ
Als er, von den Weisen über sich selbst belehrt, dies [Wissen] zu erfassen begehrte, öffneten sich die beiden Ohren; die Himmelsrichtungen [wurden zum] Gehör, dem Erfasser der [Ton-]Eigenschaft.
Wort für Wort
bodhyamānasya ṛṣibhiḥ ātmanaḥ
des von den Weisen über sich selbst belehrten
tat jighṛkṣataḥ
der dies zu erfassen begehrte
karṇau nirabhidyetām
die beiden Ohren öffneten sich
diśaḥ śrotram guṇa-grahaḥ
die Himmelsrichtungen [wurden zum] Gehör, Erfasser der Eigenschaft
[?] Das Bezugswort von 'tat' (dies) bleibt knapp - vermutlich die durch die Weisen vermittelte Erkenntnis/Lehre.
Da er die Weichheit und Härte, Leichtigkeit und Schwere, Wärme und Kälte der Dinge erfassen wollte, öffnete sich die Haut; auf ihr [entstanden] die Körperhaare wie Pflanzen auf der Erde; und dort, innen wie außen, [ist] der Wind, der durch die Haut seine Eigenschaft [die Tastbarkeit] erlangt hat, enthalten.
Wort für Wort
vastunaḥ mṛdu-kāṭhinya-laghu-guru-oṣṇa-śītatām
Weichheit, Härte, Leichtigkeit, Schwere, Wärme und Kälte der Dinge
jighṛkṣataḥ tvak nirbhinnā
dem, der [dies] erfassen wollte, öffnete sich die Haut
tasyām roma-mahī-ruhāḥ
auf ihr die Körperhaare wie Pflanzen auf der Erde
antaḥ bahiḥ vātaḥ tvacā labdha-guṇaḥ vṛtaḥ
der innen wie außen [befindliche] Wind, durch die Haut mit seiner Eigenschaft versehen, enthalten
Ihm wuchsen die beiden Hände, aus dem Wunsch, mannigfache Handlungen auszuführen; deren mächtiger Herrscher ist das Ergreifen, das auf beiden [Sinnesorgan und Sinnesobjekt] beruht.
Ihm, der die erwünschte Fortbewegung erlangen wollte, wuchsen die beiden Füße; mittels der Füße [gelangt man zum] Opfer, [durch welches] die Opfergabe von den Menschen selbst mit [ihren] Handlungen dargebracht wird.
Wort für Wort
gatim jigīṣataḥ
dem, der Fortbewegung erlangen wollte
pādau ruruhāte abhikāmikām
die beiden [erwünschten] Füße wuchsen
padbhyām yajñaḥ
durch die Füße das Opfer
svayam havyam karmabhiḥ kriyate nṛbhiḥ
die Opfergabe wird von den Menschen selbst mit Handlungen dargebracht
[?] Die Verbindung 'padbhyāṁ yajñaḥ' (durch die Füße das Opfer) ist stark verdichtet - gemeint ist wohl, dass die Füße den Menschen zur Opferstätte tragen.
nirabhidyata śiśno vai prajānandāmṛtārthinaḥ | upastha āsīt kāmānāṁ priyaṁ tad-ubhayāśrayam
Ihm, der nach der unsterblichen Wonne der Nachkommenschaft verlangte, öffnete sich das Zeugungsglied; das Geschlechtsorgan wurde [Sitz] der Begierden, jenes Angenehme, das auf beiden beruht.
Wort für Wort
nirabhidyata śiśnaḥ vai
es öffnete sich das Zeugungsglied
prajā-ānanda-amṛta-arthinaḥ
dem, der nach der unsterblichen Wonne der Nachkommenschaft verlangte
utsisṛkṣor dhātu-malaṁ nirabhidyata vai gudam | tataḥ pāyus tato mitra utsarga ubhayāśrayaḥ
Ihm, der den Abfallstoff ausscheiden wollte, öffnete sich der After; daraus [entstand] der Ausscheidungssinn, daraus [der Gott] Mitra; die Ausscheidung beruht auf beiden.
Ihm, der von einem Leib in einen anderen übergehen wollte, entstand durch den Abwind die Nabelöffnung; dort [wirkt] der Abwind, daraus der Tod; die Trennung [von Leib zu Leib] beruht auf beiden.
Wort für Wort
āsisṛpsoḥ puraḥ puryā
dem, der von einer Stadt [einem Leib] in eine andere übergehen wollte
nābhi-dvāram apānataḥ
die Nabelöffnung, durch den Abwind
tatra apānaḥ
dort der Abwind
tataḥ mṛtyuḥ pṛthaktvam ubhaya-āśrayam
daraus der Tod, die Trennung, auf beiden beruhend
[?] 'puraḥ puryā' (von Stadt zu Stadt) meint bildlich den Übergang von einem Körper in einen anderen, d.h. die Wiedergeburt.
Ihm, der Speise und Trank aufnehmen wollte, entstanden Bauch, Eingeweide und Adern; [ihnen entsprechen] die Flüsse und die Meere; Befriedigung und Nahrhaftigkeit beruhen auf diesen beiden.
Wort für Wort
āditsoḥ anna-pānānām
dem, der Speise und Trank aufnehmen wollte
āsan kukṣi-antra-nāḍayaḥ
entstanden Bauch, Eingeweide und Adern
nadyaḥ samudrāḥ ca
die Flüsse und Meere
tayoḥ tuṣṭiḥ puṣṭiḥ tad-āśraye
Befriedigung und Nahrhaftigkeit, auf diesen beiden beruhend
nididhyāsor ātma-māyāṁ hṛdayaṁ nirabhidyata | tato manaś candra iti saṅkalpaḥ kāma eva ca
Ihm, der über seine eigene Māyā nachsinnen wollte, öffnete sich das Herz; daraus entstand der Geist, [dem] der Mond [entspricht], sowie das Vorstellungsvermögen und das Begehren.
Die sieben Grundstoffe - Oberhaut, Haut, Fleisch, Blut, Fett, Mark und Knochen - bestehen aus Erde, Wasser und Feuer; der Lebensatem [besteht] aus Raum, Wasser und Wind.
Die Sinnesorgane bestehen ihrem Wesen nach aus den [Sinnes-]Eigenschaften; die Eigenschaften entstehen aus dem Bhūtādi (dem Ahaṅkāra als Ursprung der Elemente); der Geist ist von der Natur aller Wandlungen; der Verstand ist von der Gestalt des Erkennens.
Dies ist die grobstoffliche Gestalt des Erhabenen, die ich dir dargelegt habe, von außen umhüllt von den acht Hüllen, angefangen mit der Erde [als Element].
Darüber hinaus [gibt es] das Feinste, Unentfaltete, Merkmalslose, ohne Anfang, Mitte und Ende, das Ewige, [welches] jenseits von Wort und Denken liegt.
amunī bhagavad-rūpe mayā te hy anuvarṇite | ubhe api na gṛhṇanti māyā-sṛṣṭe vipaścitaḥ
Diese beiden von mir dir beschriebenen Gestalten des Erhabenen - beide, obwohl von der Māyā erschaffen, erfassen/ergreifen die Weisen [nicht als das eigentliche Wesen].
Wort für Wort
amunī bhagavat-rūpe
diese beiden Gestalten des Erhabenen
mayā te anuvarṇite
von mir dir beschrieben
ubhe api na gṛhṇanti
beide ergreifen sie nicht
māyā-sṛṣṭe vipaścitaḥ
obwohl von Māyā erschaffen, die Weisen
[?] Gemeint ist wohl, dass die Weisen sich weder an der groben noch an der subtilen, beide von der Māyā bedingten Form festhalten, sondern das jenseitige Brahman suchen.
sa vācya-vācakatayā bhagavān brahma-rūpa-dhṛk | nāma-rūpa-kriyā dhatte sakarmākarmakaḥ paraḥ
Er, der Erhabene, [ist], in Gestalt des Brahman (des Wortes), sowohl das zu Bezeichnende als auch das Bezeichnende; er trägt Name, Form und Handlung, obwohl er, der Höchste, zugleich handelnd und handlungslos ist.
[Er erschuf ferner, jeweils einzeln] die Prajāpatis, Manus, Götter, Weisen, Ahnenscharen, Siddhas, Cāraṇas, Gandharvas, Vidyādharas, Asuras, Guhyakas; Kinnaras, Apsaras, Nāgas, Schlangen, Kiṃpuruṣas, Menschen, Muttergöttinnen, Rākṣasas, Piśācas, Pretas, Bhūtas und Vinâyakas; Kūṣmāṇḍas, Wahnsinnsdämonen (unmāda), Vetālas, Yātudhānas, Planetengeister, ferner Vögel, Wildtiere, Haustiere, Bäume, Berge - o König - und Kriechtiere; zwei- und vierfüßige sowie andere Wasser-, Land- und Luftbewohner: all diese sind die Gänge (gatayaḥ) des Karmas - günstige, ungünstige und gemischte.
zwei- und vierfüßige Wasser-, Land- und Luftbewohner
kuśala-akuśalāḥ miśrāḥ karmaṇām gatayaḥ imāḥ
günstige, ungünstige, gemischte - dies sind die Gänge des Karmas
[Anm.: Umfangreicher, in vier Versen zusammengefasster Katalog der geschaffenen Wesensklassen - Halbgötter, Dämonenarten, Tiere und Mischwesen -, deren genaue Identität teils unsicher ist; sie werden abschließend als 'Gänge des Karmas' (günstig, ungünstig, gemischt) charakterisiert.]
Güte, Leidenschaft und Trägheit - [entsprechend diesen] drei [Erscheinungsweisen gibt es] Götter, Menschen und Höllenwesen; und auch dort, o König, teilt sich jeder einzelne [Gang] wiederum dreifach, da jeweils die eine [Erscheinungsweise] durch die beiden anderen in ihrem Eigenwesen überwältigt wird.
Wort für Wort
sattvam rajaḥ tamaḥ iti tisraḥ
Güte, Leidenschaft, Trägheit - diese drei
sura-nṛ-nārakāḥ
Götter, Menschen, Höllenwesen
tatra api ekaikaśaḥ rājan
und auch dort, jeder einzelne, o König
bhidyante gatayaḥ tridhā
die Gänge teilen sich dreifach
yadā ekaikataraḥ anyābhyām sva-bhāvaḥ upahanyate
wenn jeweils eine [Eigenschaft] durch die beiden anderen in ihrem Eigenwesen überwältigt wird
sa evedaṁ jagad-dhātā bhagavān dharma-rūpa-dhṛk | puṣṇāti sthāpayan viśvaṁ tiryaṅ-nara-surādibhiḥ
Er selbst, der Träger/Ordner der Welt, der Erhabene, der die Gestalt der Rechtschaffenheit trägt, nährt, indem er das All aufrechterhält, [es] durch Tiere, Menschen, Götter und andere [Wesen].
tataḥ kālāgni-rudrātmā yat sṛṣṭam idam ātmanaḥ | sanniyacchati tat kāle ghanānīkam ivānilaḥ
Danach zieht er, in Gestalt von Zeit, Feuer und Rudra, das, was von ihm selbst geschaffen wurde, zur [rechten] Zeit wieder ein - wie der Wind eine Wolkenschar [auflöst].
So, in dieser [beschriebenen] Weise, wurde der Erhabene, der Höchste unter den Erhabenen, dargestellt; doch nicht in dieser [begrenzten] Weise vermögen die Weisen den Höchsten [wirklich] zu schauen.
nāsya karmaṇi janmādau parasyānuvidhīyate | kartṛtva-pratiṣedhārthaṁ māyayāropitaṁ hi tat
Der Höchste ist bei der Handlung [der Welt-]Erschaffung usw. nicht [wirklich] gebunden; jenes [scheinbare Tätigsein] ist ihm nur durch die Māyā zugeschrieben, um seine [wahre] Nicht-Urheberschaft [zu erweisen].
Wort für Wort
na asya karmaṇi janma-ādau
nicht ist er bei der Handlung der [Welt-]Erschaffung usw.
parasya anuvidhīyate
bei dem Höchsten gebunden
kartṛtva-pratiṣedha-artham
um die [wahre] Nicht-Urheberschaft zu erweisen
māyayā āropitam hi tat
jenes ist ihm nur durch die Māyā zugeschrieben
[?] 'kartṛtva-pratiṣedhārtham' ist doppeldeutig - hier verstanden als 'um seine Nicht-Handelnschaft zu erweisen/zurückzuweisen'.
Dies aber ist, wie erzählt, das mit Besonderheiten [versehene] Weltzeitalter (kalpa) Brahmās, in dem die allgemeine Ordnung [gilt] - [nämlich] die materiellen (prākṛta) und die abgewandelten (vaikṛta) Schöpfungen.
Wort für Wort
ayam tu brahmaṇaḥ kalpaḥ
dies aber ist das Weltzeitalter Brahmās
savikalpaḥ udāhṛtaḥ
als 'mit Besonderheiten [versehen]' bezeichnet
vidhiḥ sādhāraṇaḥ yatra
in dem die allgemeine Ordnung [gilt]
sargāḥ prākṛta-vaikṛtāḥ
die materiellen und abgewandelten Schöpfungen
[?] 'savikalpa' bezieht sich technisch auf eine bestimmte Art des Kalpa, im Unterschied zum im nächsten Vers angekündigten Pādma-Kalpa.
śaunaka uvāca: yad āha no bhavān sūta kṣattā bhāgavatottamaḥ | cacāra tīrthāni bhuvas tyaktvā bandhūn sudustyajān
Śaunaka sprach: Was du uns, o Sūta, [schon einmal berichtet hast, dass] Kṣattā [Vidura], der vorzüglichste Verehrer des Erhabenen, die Pilgerstätten der Erde durchwanderte, nachdem er die nur schwer aufzugebenden Verwandten verlassen hatte -
Wort für Wort
śaunakaḥ uvāca
Śaunaka sprach
yat āha naḥ bhavān sūta
was du uns gesagt hast, o Sūta
kṣattā bhāgavata-uttamaḥ
Kṣattā [Vidura], der vorzüglichste Verehrer [des Erhabenen]
cacāra tīrthāni bhuvaḥ
er durchwanderte die Pilgerstätten der Erde
tyaktvā bandhūn sudustyajān
nachdem er die schwer aufzugebenden Verwandten verlassen hatte
kṣattuḥ kauśāraves tasya saṁvādo 'dhyātma-saṁśritaḥ | yad vā sa bhagavāṁs tasmai pṛṣṭas tattvam uvāca ha || brūhi nas tad idaṁ saumya vidurasya viceṣṭitam | bandhu-tyāga-nimittaṁ ca yathaivāgatavān punaḥ
- [berichte uns] von dem auf das Selbst bezogenen Gespräch zwischen Kṣattā und dem Sohn des Kuśaru (Kauśārava, [d.h.] Maitreya), worin jener Erhabene [Maitreya], befragt, ihm die Wahrheit verkündete; erzähle uns dies, o Sanftmütiger - Viduras Wirken, sowie den Grund, weshalb er seine Verwandten verließ, und wie er wieder zurückkehrte.
Wort für Wort
kṣattuḥ kauśāraveḥ tasya saṁvādaḥ
das Gespräch jenes Kṣattā mit dem Sohn Kuśarus
adhyātma-saṁśritaḥ
auf das Selbst bezogen
yat vā saḥ bhagavān tasmai pṛṣṭaḥ tattvam uvāca ha
worin jener Erhabene, befragt, ihm die Wahrheit verkündete
brūhi naḥ tat idam saumya
erzähle uns dies, o Sanftmütiger
vidurasya viceṣṭitam
Viduras Wirken
bandhu-tyāga-nimittam ca
und den Grund für das Verlassen der Verwandten
yathā eva āgatavān punaḥ
und wie er wieder zurückkehrte
[Anm.: Śaunakas Frage leitet zum Inhalt des dritten Skandha über, dessen Rahmenhandlung das Gespräch zwischen Vidura (Kṣattā) und dem Weisen Maitreya (Kauśārava) bildet.]
sūta uvāca: rājñā parīkṣitā pṛṣṭo yad avocan mahā-muniḥ | tad vo 'bhidhāsye śṛṇuta rājñaḥ praśnānusārataḥ
Sūta sprach: Was der große Weise [Śukadeva], von König Parīkṣit befragt, [daraufhin] sprach, das werde ich euch nun verkünden; hört [es], entsprechend den Fragen des Königs.
Wort für Wort
sūtaḥ uvāca
Sūta sprach
rājñā parīkṣitā pṛṣṭaḥ
von König Parīkṣit befragt
yat avocat mahā-muniḥ
was der große Weise sprach
tat vaḥ abhidhāsye śṛṇuta
das werde ich euch verkünden, hört [es]
rājñaḥ praśna-anusārataḥ
entsprechend den Fragen des Königs
[Anm.: Mit diesem Vers endet das zweite Skandha des Bhāgavata-Purāṇa - das Kolophon der Quelle markiert ausdrücklich das Ende des 'Zweiten Canto'. Der folgende Vers (Beginn des dritten Skandha) leitet zum Gespräch zwischen Vidura und Maitreya über.]