śrī-śuka uvāca | atha ha tam utpattyaivābhivyajyamāna-bhagaval-lakṣaṇaṁ sāmyopaśama-vairāgyaiśvarya-mahā-vibhūtibhir anudinam edhamānānubhāvaṁ prakṛtayaḥ prajā brāhmaṇā devatāś cāvani-tala-samavanāyātitarāṁ jagṛdhuḥ
Śrī Śuka sprach: Da nun begehrten die Minister, die Untertanen, die Brahmanen und die Gottheiten überaus danach, ihn zum Schutz der Erdoberfläche (zu erheben) – ihn, dessen gottgleiche Merkmale sich bereits durch seine Geburt offenbart hatten und dessen von Tag zu Tag wachsende Erhabenheit sich durch Gleichmut, innere Ruhe, Entsagung, Herrschermacht und große Machtfülle auszeichnete.
Wort für Wort
śrī-śukaḥ
Śrī Śuka (Nom.)
uvāca
sprach (3.Sg.Perf.)
atha ha
da nun, hierauf fürwahr (Adv.)
tam
ihn (Akk.Sg., =Ṛṣabha)
utpattyā
durch (seine) Geburt (Instr.)
eva
allein, schon (Partikel)
abhivyajyamāna-bhagavat-lakṣaṇam
dessen Merkmale der Gottheit sich offenbarten (Akk., Bahuvrihi)
sāmya-upaśama-vairāgya-aiśvarya-mahā-vibhūtibhiḥ
durch Gleichmut, innere Ruhe, Entsagung, Herrschermacht und große Machtfülle (Instr.Pl.)
tasya ha vā itthaṁ varṣmaṇā varīyasā bṛhac-chlokena caujasā balena śriyā yaśasā vīrya-śauryābhyāṁ ca pitā ṛṣabha itīdaṁ nāma cakāra
Dessen Vater gab ihm fürwahr aufgrund solcher (Eigenschaften) – der erhabensten Körpergestalt, hohen Ruhmes, Kraft, Stärke, Schönheit, Ansehens sowie Tatkraft und Heldenmut – den Namen 'Ṛṣabha' [der Stier, der Vorzüglichste].
yasya hīndraḥ spardhamāno bhagavān varṣe na vavarṣa tad avadhārya bhagavān ṛṣabhadevo yogeśvaraḥ prahasyātma-yogamāyayā sva-varṣam ajanābhaṁ nāmābhyavarṣat
Denn als der erhabene Indra, von Eifersucht (erfüllt), auf dessen (Nābhis) Land nicht regnen ließ, erkannte der erhabene Ṛṣabhadeva, der Herr aller mystischen Kräfte, dies, und lächelnd beregnete er durch seine eigene yogische Zaubermacht sein Land namens Ajanābha.
Nābhi aber, der so, wie er es sich gewünscht hatte, einen vortrefflichen Sohn erlangt hatte, ganz überwältigt von der Last übergroßer Freude, mit vor Rührung stockender Stimme – dessen Verstand durch (dessen eigene) Zaubermacht getäuscht war – hätschelte mit Zuneigung den Erhabenen, die uranfängliche Person, der aus eigenem Willen die Gepflogenheiten der Menschenwelt angenommen hatte, indem er sprach: 'Mein Kind, mein Lieber!' – und gelangte so zu höchster Wonne.
Wort für Wort
nābhiḥ
Nābhi (Nom.)
tu
aber, nun
yathā-abhilaṣitam
dem Wunsch entsprechend (Akk., Adv.)
su-prajastvam
einen vortrefflichen Sohn (Akk.)
avarudhya
erlangt habend (Absol.)
ati-pramoda-bhara-vihvalaḥ
überwältigt von der Last übergroßer Freude (Nom., Bahuvrihi)
gadgada-akṣarayā
mit stockenden Silben (Instr.)
girā
mit Stimme (Instr.)
svairam
aus eigenem Willen (Adv.)
gṛhīta-naraloka-sadharmam
der die Gepflogenheiten der Menschenwelt angenommen hatte (Akk.)
bhagavantam
den Erhabenen (Akk.)
purāṇa-puruṣam
die uranfängliche Person (Akk.)
māyā-vilasita-matiḥ
dessen Verstand durch die Zaubermacht umspielt war (Nom.)
vatsa
mein Kind (Vok.)
tāta
mein Lieber (Vok.)
iti
so (sprechend)
sa-anurāgam
mit Zuneigung (Adv.)
upalālayan
liebkosend (Nom., Präs.Part.)
parām
höchste (Akk.)
nirvṛtim
Wonne, Glückseligkeit (Akk.)
upagataḥ
erlangt habend (Nom., Part.Perf.)
[Anm.: 'māyā-vilasita-matiḥ' bezieht sich auf Nābhi, dessen Erkenntnis durch die Illusionsmacht des Herrn umspielt/getrübt war, sodass er in seinem Sohn zunächst nur das gewöhnliche Kind sah.]
Der König Nābhi, der Herrscher des Reiches, bei den Bürgern und Amtsträgern für seine Zuneigung (zum Volk) wohlbekannt, salbte seinen Sohn zum Schutz der (heiligen) Ordnungsgrenzen, vertraute (das Reich) den Brahmanen an, und erlangte, während er zusammen mit Merudevī in Viśālā durch heitere und geschickte Askese sowie durch die Vertiefung in Versenkung den unter dem Namen Nara-Nārāyaṇa bekannten erhabenen Vāsudeva verehrte, im Laufe der Zeit dessen Herrlichkeit.
Wort für Wort
vidita-anurāgam
dessen Zuneigung wohlbekannt war (Akk.)
āpaura-prakṛti
bei Bürgern und Amtsträgern (Lok./Adv.)
jana-padaḥ
der Herrscher des Reiches (Nom.)
rājā
der König (Nom.)
nābhiḥ
Nābhi (Nom., Apposition)
ātmajam
seinen Sohn (Akk.)
samaya-setu-rakṣāyām
zum Schutz der Ordnungsgrenzen (Lok., Zweck)
abhiṣicya
nachdem er (ihn) gesalbt hatte (Absol.)
brāhmaṇeṣu
den Brahmanen (Lok.)
upanidhāya
anvertraut habend (Absol.)
saha merudevyā
zusammen mit Merudevī (Instr.)
viśālāyām
in Viśālā (Lok., Ortsname)
prasanna-nipuṇena tapasā
durch heitere und geschickt ausgeführte Askese (Instr.)
yasya ha pāṇḍaveya ślokāv udāharanti | ko nu tat karma rājarṣer nābher anv ācaret pumān | apatyatām agād yasya hariḥ śuddhena karmaṇā
Über ihn, o Nachkomme des Pāṇḍu, rezitiert man fürwahr zwei Verse: 'Welcher Mann könnte wohl jene Tat des königlichen Sehers Nābhi nachvollziehen, dessen Sohn Hari durch reines Handeln wurde?'
Wo gäbe es außer Nābhi einen anderen, den Brahmanen so zugetanen (König)? Die von ihm wohlgeehrten Brahmanen ließen durch ihre (brahmanische) Kraft auf dem Opferplatz den Herrn des Opfers (persönlich) erscheinen.
Wort für Wort
brahmaṇyaḥ
den Brahmanen zugetan (Nom.)
anyaḥ
ein anderer (Nom.)
kutaḥ
woher, wo denn (Adv.)
nābheḥ
außer Nābhi (Abl.)
viprāḥ
die Brahmanen (Nom.Pl.)
maṅgala-pūjitāḥ
wohlgeehrt, beglückt verehrt (Nom.Pl.)
yasya
dessen (Gen.)
barhiṣi
auf dem Opferplatz (Lok.)
yajña-īśam
den Herrn des Opfers (Akk.)
darśayām āsuḥ
sie ließen erscheinen (3.Pl.Perf.periphr. von √dṛś, Kaus.)
Hierauf, da der erhabene Ṛṣabhadeva sein eigenes Reich als Feld religiöser Pflichterfüllung betrachtete, nachdem er zuvor den Aufenthalt im Hause des Lehrers vorgelebt hatte und von den Lehrern, die ihn mit Segensgaben bedacht hatten, entlassen worden war, übte er – die Pflichten der Haushälter lehrend – ein Handeln von beiderlei Art aus, wie es in der heiligen Überlieferung gelehrt wird, und zeugte mit Jayantī, die ihm von Indra gegeben worden war, hundert Söhne, ihm selbst ebenbürtig.
Wort für Wort
atha ha
hierauf, da nun
bhagavān ṛṣabhadevaḥ
der erhabene Ṛṣabhadeva (Nom.)
sva-varṣam
sein eigenes Reich (Akk.)
karma-kṣetram
als Feld der Pflichterfüllung (Akk., Präd.)
anumanyamānaḥ
betrachtend, anerkennend (Nom., Präs.Part.)
pradarśita-gurukula-vāsaḥ
der den Aufenthalt im Hause des Lehrers vorgelebt hatte (Nom.)
labdha-varaiḥ
die Segensgaben erhalten hatten (Instr.Pl.)
gurubhiḥ
von den Lehrern (Instr.Pl.)
anujñātaḥ
entlassen, ermächtigt (Nom., PPP)
gṛhamedhinām dharmān
die Pflichten der Haushälter (Akk.Pl.)
anuśikṣamāṇaḥ
lehrend, vorlebend (Nom., Präs.Part.)
jayantyām
in/mit Jayantī (Lok.)
indra-dattāyām
die von Indra gegeben worden war (Lok.)
ubhaya-lakṣaṇam karma
Handeln von beiderlei Art (Akk.)
samāmnāya-āmnātam
wie in der heiligen Überlieferung gelehrt (Akk., PPP)
tam anu kuśāvarta ilāvarto brahmāvarto malayaḥ ketur bhadrasena indraspṛg vidarbhaḥ kīkaṭa iti nava navati pradhānāḥ
Nach ihm (folgten) Kuśāvarta, Ilāvarta, Brahmāvarta, Malaya, Ketu, Bhadrasena, Indraspṛk, Vidarbha und Kīkaṭa – diese neun waren die Vornehmsten unter den (übrigen) neunzig (Söhnen).
Kavi, Havi, Antarikṣa, Prabuddha, Pippalāyana, Āvirhotra, ferner Drumila, Camasa und Karabhājana – diese neun großen Bhāgavatas waren Kenner der Bhāgavata-Religion. Ihr vorzügliches Wirken, bereichert durch die Herrlichkeit des Erhabenen, werde ich im Rahmen des Gesprächs zwischen Vasudeva und Nārada, das (den Geist) zur Ruhe bringt, später noch beschreiben.
Wort für Wort
kaviḥ
Kavi (Nom.)
haviḥ
Havi (Nom.)
antarikṣaḥ
Antarikṣa (Nom.)
prabuddhaḥ
Prabuddha (Nom.)
pippalāyanaḥ
Pippalāyana (Nom.)
āvirhotraḥ
Āvirhotra (Nom.)
atha
ferner
drumilaḥ
Drumila (Nom.)
camasaḥ
Camasa (Nom.)
karabhājanaḥ
Karabhājana (Nom.)
iti
so (benannt)
bhāgavata-dharma-darśanāḥ
Kenner der Bhāgavata-Religion (Nom.Pl.)
nava
neun
mahā-bhāgavatāḥ
große Geweihte (Nom.Pl.)
teṣām
von diesen (Gen.Pl.)
sucaritam
das vorzügliche Wirken (Akk.)
bhagavat-mahimā-upabṛṁhitam
bereichert durch die Herrlichkeit des Erhabenen (Akk.)
Die jüngeren, einundachtzig Söhne der Jayantī, dem Befehl ihres Vaters gehorsam, wurden – von großer Wohlerzogenheit, sehr gelehrt in den Veden, geübt im Opferwesen und rein in ihrem Handeln – zu Brahmanen.
Der Erhabene, mit Namen Ṛṣabha, autonom aus sich selbst heraus, dessen Kette von Übeln auf ewig aufgehoben ist, dessen Erfahrung reine Wonne ist, der Gebieter – er nahm, geradezu wie das Gegenteil (dessen, was er in Wahrheit ist), (weltliche) Handlungen auf sich und lehrte, indem er sie selbst ausübte, denen, die dies nicht verstanden, die im Laufe der Zeit vernachlässigte Dharma; gleichmütig, friedvoll, freundlich und mitleidig, leitete er im Haushälterleben die Menschen an, auf dass sie Dharma, Wohlstand, Ruhm, Nachkommenschaft, Freude und Unsterblichkeit erlangten.
Wort für Wort
bhagavān
der Erhabene (Nom.)
ṛṣabha-saṁjñaḥ
mit Namen Ṛṣabha (Nom.)
ātma-tantraḥ
autonom, aus sich selbst abhängig (Nom.)
svayam
selbst
nitya-nivṛtta-anartha-paramparaḥ
dessen Kette von Übeln ewig aufgehoben ist (Nom., Bahuvrihi)
kevala-ānanda-anubhavaḥ
dessen Erfahrung reine Wonne ist (Nom., Bahuvrihi)
īśvaraḥ
der Gebieter (Nom.)
eva
geradezu
viparīta-vat
wie das Gegenteil (Adv.)
karmāṇi
Handlungen (Akk.Pl.)
ārabhamāṇaḥ
unternehmend (Nom., Präs.Part.)
kālena anugatam
im Laufe der Zeit vernachlässigt (Akk.)
dharmam
die Dharma (Akk.)
ācaraṇena
durch eigenes Ausüben (Instr.)
upaśikṣayan
lehrend (Nom., Präs.Part.)
a-tat-vidām
derer, die dies nicht kennen (Gen.Pl.)
samaḥ
gleichmütig (Nom.)
upaśāntaḥ
friedvoll (Nom.)
maitraḥ
freundlich (Nom.)
kāruṇikaḥ
mitleidig (Nom.)
dharma-artha-yaśaḥ-prajā-ānanda-amṛta-avarodhena
durch das Erlangen von Dharma, Wohlstand, Ruhm, Nachkommenschaft, Freude und Unsterblichkeit (Instr.)
Obwohl ihm die gesamte, geheime, brahmanische Dharma (ohnehin) wohlbekannt war, regierte er das Volk auf dem von den Brahmanen gewiesenen Weg, mit Mitteln wie Besänftigung und dergleichen.
dravya-deśa-kāla-vayaḥ-śraddhartvig-vividhoddeśopacitaiḥ sarvair api kratubhir yathopadeśaṁ śata-kṛtva iyāja
Mit allen Arten von Opferzeremonien, ausgestattet mit den (rechten) Opfergaben, dem (rechten) Ort, der (rechten) Zeit, dem (rechten) Lebensalter, Hingabe, Priestern und den verschiedenen frommen Absichten, verehrte er, der Überlieferung gemäß, (den Herrn) hundertmal.
Während dieses Land vom erhabenen Ṛṣabha beschützt wurde, begehrte kein Mensch für sich irgendetwas von einem anderen, als ob es (für ihn) nicht existierte; ohne die sich beständig entfaltende, übergroße Zuneigung (im Herzen zu tragen) sah niemand jemals in irgendeiner Weise auf etwas (anderes) als den Herrscher.
Wort für Wort
bhagavatā ṛṣabheṇa
vom erhabenen Ṛṣabha (Instr.)
parirakṣyamāṇe
während beschützt wurde (Lok.absol., Passiv-Part.)
etasmin varṣe
auf diesem Land (Lok.)
na kaścana puruṣaḥ
kein Mensch (Nom.)
vāñchati
begehrt (3.Sg.Präs.)
avidyamānam iva
als ob nicht vorhanden (Akk.)
ātmanaḥ
für sich selbst (Gen./Abl.)
anyasmāt
von einem anderen (Abl.)
kathañcana
auf irgendeine Weise
kimapi
irgendetwas (Akk.)
karhicit
jemals
avekṣate
sieht hin, achtet auf (3.Sg.Präs.Med. von ava-√īkṣ)
bhartari
auf den Herrscher (Lok.)
anusavanam
fortwährend, beständig (Adv.)
vijṛmbhita-sneha-atiśayam
übergroße, sich entfaltende Zuneigung (Akk.)
antareṇa
ohne (+Akk.)
[Anm.: Die Satzkonstruktion ist stark verdichtet; die Zuordnung von 'antareṇa' (ohne) zu 'avekṣate' folgt der naheliegendsten grammatischen Lesart, wonach das Fehlen übergroßer Zuneigung zum Herrscher als undenkbar dargestellt wird [?].]
Einst, als der erhabene Ṛṣabha, umherwandernd, nach Brahmāvarta gelangt war, unterwies er in einer Versammlung der vorzüglichsten brahmanischen Weisen, während die Untertanen zuhörten, seine Söhne – deren Geist aufmerksam gesammelt war und die durch die Last von Bescheidenheit und Zuneigung wohl gebändigt waren, obwohl (es dessen kaum bedurfte) – und sprach fürwahr also:
Wort für Wort
saḥ
er (Nom.)
kadācit
einst (Adv.)
aṭamānaḥ
umherwandernd (Nom., Präs.Part.)
bhagavān ṛṣabhaḥ
der erhabene Ṛṣabha (Nom.)
brahmāvarta-gataḥ
nach Brahmāvarta gelangt (Nom.)
brahmarṣi-pravara-sabhāyām
in einer Versammlung der vorzüglichsten brahmanischen Weisen (Lok.)
prajānām niśāmayantīnām
während die Untertanen zuhörten (Gen.Pl.Abs.)
ātmajān
seine Söhne (Akk.Pl.)
avahita-ātmanaḥ
deren Geist gesammelt war (Akk.Pl.)
praśraya-praṇaya-bhara-suyantritān
durch die Last von Bescheidenheit und Zuneigung wohl gebändigt (Akk.Pl.)