brāhmaṇa uvāca
akovidaḥ kovida-vāda-vādān vadasy atho nāti-vidāṁ variṣṭhaḥ
na sūrayo hi vyavahāram enaṁ tattvāvamarśena sahāmananti
Der Brahmane sprach: Unkundig sprichst du Worte, die [denen] der Kundigen [gleichen], und dennoch bist du nicht der Vorzüglichste unter den höchst Wissenden. Denn die Weisen erörtern dieses [bloß äußerliche] Verhalten wahrlich nicht zusammen mit der Erwägung der Wahrheit.
Wort für Wort
brāhmaṇaḥ
der Brahmane (Nom. Sg. m.)
uvāca
sprach (3. Sg. Perf.)
akovidaḥ
unkundig, unerfahren (Nom. Sg. m., prädikativ zu 'du')
kovida-vāda-vādān
Worte [wie] die Reden der Kundigen (Akk. Pl. m., Kompositum)
vadasi
du sprichst (2. Sg. Präs.)
atho
dennoch, ferner (Adv.)
na
nicht
ati-vidām
der höchst Wissenden (Gen. Pl. m.)
variṣṭhaḥ
der Vorzüglichste (Nom. Sg. m., Superlativ)
na
nicht
sūrayaḥ
die Weisen (Nom. Pl. m.)
hi
denn, wahrlich (Partikel)
vyavahāram
weltliches Verhalten, Handeln (Akk. Sg. m.)
enam
dieses (Akk. Sg. m., Demonstrativpron.)
tattva-avamarśena
mit der Erwägung/Prüfung der Wahrheit (Instr. Sg. m., Kompositum)
saha
zusammen mit (Postposition + Instr.)
āmananti
sie erörtern, behandeln (3. Pl. Präs.)
Jaḍa Bharata antwortet auf König Rahūgaṇas vorausgehenden Tadel/Lob. 'akovidaḥ' und 'kovida-vāda-vādān' bilden ein Wortspiel: Worte, die wie die der Gelehrten klingen, stammen hier von einem, der (scheinbar) 'unkundig' ist.
tathaiva rājann uru-gārhamedha-vitāna-vidyoru-vijṛmbhiteṣu
na veda-vādeṣu hi tattva-vādaḥ prāyeṇa śuddho nu cakāsti sādhuḥ
Ebenso, o König, tritt die reine, gute Lehre von der Wahrheit unter denen, die sich weithin in der Wissenschaft der Ausbreitung großer häuslicher Opferriten entfaltet haben – d.h. unter den [bloßen] Redeweisen der Veden – meist wahrlich nicht rein hervor.
Wort für Wort
tathā eva
ebenso, genauso (Adv.)
rājan
o König (Vok. Sg. m.)
uru-gārhamedha-vitāna-vidyā
die weitreichende Wissenschaft der Ausbreitung häuslicher Opferriten (Kompositum)
uru-vijṛmbhiteṣu
unter den weithin Entfalteten/Bewanderten (Lok. Pl. m.)
na
nicht
veda-vādeṣu
unter den [bloßen] Redeweisen der Veden (Lok. Pl. m.)
hi
wahrlich, denn
tattva-vādaḥ
die Lehre von der Wahrheit (Nom. Sg. m.)
prāyeṇa
meist, in der Regel (Adv.)
śuddhaḥ
rein (Nom. Sg. m.)
nu
wohl, etwa (Partikel)
cakāsti
erscheint, leuchtet hervor (3. Sg. Präs.)
sādhuḥ
gut, rechtschaffen (Nom. Sg. m.)
Kompositum 'uru-gārhamedha-vitāna-vidyā' + 'uru-vijṛmbhiteṣu' (durch Sandhi zu 'vidyoru-vijṛmbhiteṣu' verschmolzen) bezeichnet die im ritualistischen Karma-kāṇḍa der Veden Bewanderten.
na tasya tattva-grahaṇāya sākṣād varīyasīr api vācaḥ samāsan
svapne niruktyā gṛhamedhi-saukhyaṁ na yasya heyānumitaṁ svayaṁ syāt
Für den nämlich, für den im Traum das häusliche Glück nicht durch bloße Erklärung von selbst als verwerflich erschlossen würde, genügen selbst die vorzüglichsten Worte [der Veden] nicht unmittelbar, um die Wahrheit zu erfassen.
Wort für Wort
na
nicht
tasya
für ihn, von ihm (Gen. Sg. m.)
tattva-grahaṇāya
zum Erfassen der Wahrheit (Dat. Sg. n., final)
sākṣāt
unmittelbar, direkt (Adv.)
varīyasīḥ
die vorzüglichsten (Nom./Akk. Pl. f., Komparativ)
api
selbst, sogar
vācaḥ
Worte, Reden (Nom. Pl. f.)
samāsan
waren [ausreichend] (3. Pl. Imperf. von 'as')
svapne
im Traum (Lok. Sg. m.)
niruktyā
durch [bloße] Erklärung (Instr. Sg. f.)
gṛhamedhi-saukhyam
das häusliche Glück (Akk. Sg. n., Kompositum)
na
nicht
yasya
dessen, für den (Gen. Sg. m., Relativpron.)
heya-anumitam
als verwerflich erschlossen (Nom. Sg. n., Kompositum)
svayam
von selbst, automatisch (Adv.)
syāt
würde sein/werden (3. Sg. Opt.)
Gleichnis: Wie ein Träumender das häusliche Glück im Traum nicht durch bloße verbale Erklärung, sondern nur durch Erwachen als illusorisch erkennt, so genügt bloßes Vedenwort ohne direkte Erfahrung/Erwachen nicht zur Wahrheitserkenntnis. 'yasya ... tasya' als Relativ-Korrelativ-Konstruktion über beide Verszeilen hinweg.
Solange der Geist des Menschen durch Leidenschaft, durch Güte oder durch Dunkelheit beherrscht ist, dehnt er durch die Erkenntnissinne und die Willensregungen ungezügelt das Heilsame und ebenso das Andere aus.
sa vāsanātmā viṣayoparakto guṇa-pravāho vikṛtaḥ ṣoḍaśātmā
bibhrat pṛthaṅ-nāmabhi rūpa-bhedam antar-bahiṣṭvaṁ ca purais tanoti
Er, dessen Wesen die [angesammelten] Wünsche sind, befleckt von den Sinnesobjekten, ein Strömen der Erscheinungsweisen der Natur, umgewandelt, der Wesenskern der sechzehn [groben Elemente], entfaltet, indem er mit unterschiedlichen Namen einen Formunterschied trägt, durch [verschiedene] Körper das Innen- und Außensein.
Wort für Wort
saḥ
er [der Geist] (Nom. Sg. m.)
vāsanā-ātmā
dessen Wesen die [angesammelten] Eindrücke/Wünsche sind (Nom. Sg. m., Kompositum)
viṣaya-uparaktaḥ
an die Sinnesobjekte befleckt/gebunden (Nom. Sg. m., Kompositum)
guṇa-pravāhaḥ
ein Strömen der Erscheinungsweisen der Natur (Nom. Sg. m., Kompositum)
vikṛtaḥ
umgewandelt, verändert (Nom. Sg. m., PPP)
ṣoḍaśa-ātmā
der Wesenskern der sechzehn [Elemente] (Nom. Sg. m., Kompositum)
bibhrat
tragend (Nom. Sg. m., Präs.Part.)
pṛthak-nāmabhiḥ
mit unterschiedlichen Namen (Instr. Pl. n.)
rūpa-bhedam
Formunterschied (Akk. Sg. m.)
antar-bahiṣṭvam
das Innen- und Außensein (Akk. Sg. n.)
ca
und
puraiḥ
durch [verschiedene] Körper (Instr. Pl. n.)
tanoti
entfaltet, dehnt aus (3. Sg. Präs.)
'saḥ' bezieht sich auf 'manas' aus Vers 4. 'ṣoḍaśātmā' (dessen Wesen die Sechzehn [Elemente] sind) bezieht sich auf die traditionelle Aufzählung von fünf Grobelementen, zehn Sinnen und dem Geist.
Leid, Glück und ihr Gemisch, heftig, im Laufe der Zeit entstandene Frucht, bringt er hervor, indem er, dessen inneres Wesen von der Trugkraft geschaffen ist, das eigene verkörperte Wesen umarmt – er, der Betrüger [in Gestalt] des Rades des Daseinskreislaufs.
Wort für Wort
duḥkham
Leid (Akk. Sg. n.)
sukham
Glück, Freude (Akk. Sg. n.)
vyatiriktam
gemischt, davon abweichend (Akk. Sg. n., PPP)
ca
und
tīvram
heftig, intensiv (Akk. Sg. n.)
kāla-upapannam
im Laufe der Zeit entstanden (Akk. Sg. n., Kompositum)
phalam
Frucht, Ergebnis (Akk. Sg. n.)
āvyanakti
bringt hervor, offenbart (3. Sg. Präs.)
āliṅgya
umarmend (Absolutiv)
māyā-racita-antar-ātmā
dessen inneres Wesen von der Trugkraft geschaffen ist (Nom. Sg. m., Kompositum)
sva-dehinam
das eigene verkörperte Lebewesen (Akk. Sg. m., Kompositum)
saṁsṛti-cakra-kūṭaḥ
der Betrüger [in Gestalt] des Rades des Daseinskreislaufs (Nom. Sg. m., Kompositum)
'vyatiriktam' hier im Sinne von 'gemischt/über das Einfache hinausgehend' (Leid-Glück-Mischzustand); Subjekt ist weiterhin der Geist (manas) aus den Vorversen.
So lange ist dieses [äußere] Verhalten, grob und fein, stets sichtbar als Bezeugung des Feldkenners [der individuellen Seele]. Deshalb nennen sie diesen [Geist] das Kennzeichen des Behaftet- oder Unbehaftet-Seins mit den Erscheinungsweisen, des höheren und niederen [Daseinszustands].
Wort für Wort
tāvān
so lange, in diesem Maße (Nom. Sg. m.)
ayam
dieses (Nom. Sg. m.)
vyavahāraḥ
das [äußere] Verhalten (Nom. Sg. m.)
sadā
immer (Adv.)
āviḥ
offenbar, sichtbar (Adj./Adv.)
kṣetrajña-sākṣyaḥ
die Bezeugung des Feldkenners (Nom. Sg. m., Kompositum)
bhavati
ist, wird (3. Sg. Präs.)
sthūla-sūkṣmaḥ
grob und fein (Nom. Sg. m., Kompositum)
tasmāt
deshalb, daher
manaḥ
den Geist (Akk. Sg. n.)
liṅgam
als Kennzeichen, Merkmal (Akk. Sg. n.)
adaḥ
dies, jenes (Akk. Sg. n., Demonstrativpron.)
vadanti
sie nennen, sagen (3. Pl. Präs.)
guṇa-aguṇatvasya
des Behaftet- oder Unbehaftet-Seins mit den Erscheinungsweisen (Gen. Sg. n., Kompositum)
parāvarasya
des höheren und niederen [Zustands] (Gen. Sg. n., Kompositum)
Das an die Erscheinungsweisen gebundene [manas] gereicht zum Verderben des Lebewesens, das davon freie [manas] zum Heil – so [ist] der Geist [beschaffen]. Wie eine Lampe, den Ghee-Docht verzehrend, rauchige Flammen annimmt, zu anderer Zeit aber wahrlich ihre eigene [reine] Gestalt einnimmt, so nimmt der Geist, durch die Erscheinungsweisen und ihre Werke gebunden, [wechselnde] Betätigungen an, zu anderer Zeit aber sein wahres Wesen.
Wort für Wort
guṇa-anuraktam
an die Erscheinungsweisen gebunden (Nom. Sg. n.)
vyasanāya
zum Verderben (Dat. Sg. n.)
jantoḥ
des Lebewesens (Gen. Sg. m.)
kṣemāya
zum Heil (Dat. Sg. n.)
nairguṇyam
das Freisein von den Erscheinungsweisen (Nom. Sg. n.)
atho
so, ferner (Adv.)
manaḥ
der Geist (Nom. Sg. n.)
syāt
möge/würde sein (3. Sg. Opt.)
yathā
wie
pradīpaḥ
eine Lampe (Nom. Sg. m.)
ghṛta-vartim
den Ghee-Docht (Akk. Sg. f.)
aśnan
verzehrend (Nom. Sg. m., Präs.Part.)
śikhāḥ
Flammen (Akk. Pl. f.)
sadhūmāḥ
rauchige (Akk. Pl. f.)
bhajati
nimmt an, besitzt (3. Sg. Präs.)
hi
wahrlich
anyadā
zu anderer Zeit (Adv.)
svam padam
die eigene [reine] Stellung (Akk. Sg. n.)
tathā
ebenso
guṇa-karma-anubaddham
durch die Erscheinungsweisen und ihre Werke gebunden (Akk. Sg. n., Kompositum)
vṛttīḥ
Betätigungen, Zustände (Akk. Pl. f.)
manaḥ
der Geist (Nom. Sg. n.)
śrayate
nimmt Zuflucht zu, nimmt an (3. Sg. Präs. Med.)
anyatra
zu anderer Zeit, anderswo (Adv.)
tattvam
das wahre Wesen (Akk. Sg. n.)
Diese Einheit umfasst laut vedabase.io sechs Verszeilen (ein durchgehender Vers in erweitertem Versmaß).
ekādaśāsan manaso hi vṛttaya ākūtayaḥ pañca dhiyo 'bhimānaḥ
mātrāṇi karmāṇi puraṁ ca tāsāṁ vadanti haikādaśa vīra bhūmīḥ
Elf, wahrlich, sind die Tätigkeiten des Geistes: die fünf Willensregungen [Handlungssinne], die [fünf] Erkenntnisvermögen und das Ich-Bewusstsein. Ihre [entsprechenden] Bereiche, o Held, nennt man ebenfalls elf: die [fünf] Sinnesobjekte, die [fünf] Wirkungen und den Körper.
Wort für Wort
ekādaśa
elf (Nom. Pl. f.)
āsan
waren, gab es (3. Pl. Imperf.)
manasaḥ
des Geistes (Gen. Sg. n.)
hi
wahrlich, denn
vṛttayaḥ
Tätigkeiten, Zustände (Nom. Pl. f.)
ākūtayaḥ
die Willensregungen [Handlungssinne] (Nom. Pl. f.)
pañca
fünf
dhiyaḥ
die Erkenntnissinne (Nom. Pl. f.)
abhimānaḥ
das Ich-Bewusstsein (Ahaṅkāra) (Nom. Sg. m.)
mātrāṇi
die Sinnesobjekte (Nom./Akk. Pl. n.)
karmāṇi
die Wirkungen, Handlungen (Nom./Akk. Pl. n.)
puram
der Körper (Nom./Akk. Sg. n.)
ca
und
tāsām
von diesen (Gen. Pl. f.)
vadanti
sie nennen (3. Pl. Präs.)
ha
wahrlich (Partikel)
ekādaśa
elf (Akk. Pl. f.)
vīra
o Held (Vok. Sg. m.)
bhūmīḥ
Bereiche, Grundlagen (Akk. Pl. f.)
Aufzählung: 5 Handlungssinne (ākūti) + 5 Erkenntnissinne (dhī) + Ahaṅkāra (abhimāna) = 11 Tätigkeiten des Geistes; diesen entsprechen 11 'Bereiche' (bhūmi): 5 Sinnesobjekte + 5 Wirkungen/Handlungsfelder + der Körper.
Geruch, Form, Berührung, Geschmack und Klang; Ausscheiden, [Geschlechts-]Lust, Bewegung, Sprechen und Greifen; als Elftes das Sich-zu-eigen-Machen mit [dem Gedanken] 'dies ist mein'; und den Körper mit [dem Gedanken] 'ich' nennen manche als Zwölftes.
Wort für Wort
gandha-ākṛti-sparśa-rasa-śravāṁsi
Geruch, Form, Berührung, Geschmack, Klang (Nom./Akk. Pl. n., Dvandva)
Die zehn Sinnesobjekte/-wirkungen sowie 'mama' (Besitzdenken) als elftes und 'aham' (Ich-Gedanke, bezogen auf den Körper) als zwölftes Element werden hier zur Aufzählung aus Vers 9 hinzugefügt.
dravya-svabhāvāśaya-karma-kālair ekādaśāmī manaso vikārāḥ
sahasraśaḥ śataśaḥ koṭiśaś ca kṣetrajñato na mitho na svataḥ syuḥ
Diese elf Umwandlungen des Geistes, [verursacht] durch Objekt, Wesensart, [angesammelte] Veranlagung, Handlung und Zeit, [entstehen] zu Tausenden, Hunderten und Millionen – doch sie entstehen nicht voneinander und nicht von selbst, sondern ausgehend vom Feldkenner.
Wort für Wort
dravya-svabhāva-āśaya-karma-kālaiḥ
durch Objekt, Wesensart, Veranlagung, Handlung und Zeit (Instr. Pl. m., Kompositum)
ekādaśa
elf (Nom. Pl. m.)
amī
diese (Nom. Pl. m., Demonstrativpron.)
manasaḥ
des Geistes (Gen. Sg. n.)
vikārāḥ
Umwandlungen, Modifikationen (Nom. Pl. m.)
sahasraśaḥ
zu Tausenden (Adv.)
śataśaḥ
zu Hunderten (Adv.)
koṭiśaḥ
zu Millionen (Adv.)
ca
und
kṣetrajñataḥ
ausgehend vom Feldkenner (Abl. Sg. m.)
na
nicht
mithaḥ
voneinander, gegenseitig (Adv.)
na
nicht
svataḥ
von selbst, aus sich selbst (Adv.)
syuḥ
mögen sein, entstehen (3. Pl. Opt.)
'kṣetrajñataḥ' (Ablativ 'vom Feldkenner ausgehend') ist mehrdeutig: gemeint sein kann die individuelle Seele als bewusstes Prinzip oder – wie manche Ausleger es verstehen – der Höchste Feldkenner (Paramātmā); der Sanskrit-Text selbst legt keine der beiden Lesarten zwingend fest [?].
kṣetrajña etā manaso vibhūtīr jīvasya māyā-racitasya nityāḥ
āvirhitāḥ kvāpi tirohitāś ca śuddho vicaṣṭe hy aviśuddha-kartuḥ
Der reine Feldkenner erkennt wahrlich diese – von jeher bestehenden, bald offenbaren, bald verborgenen – Entfaltungen des Geistes des von der Trugkraft geschaffenen [bedingten] Lebewesens, des unreinen Handelnden.
Wort für Wort
kṣetrajñaḥ
der Feldkenner (Nom. Sg. m.)
etāḥ
diese (Akk. Pl. f.)
manasaḥ
des Geistes (Gen. Sg. n.)
vibhūtīḥ
Entfaltungen, Erscheinungen (Akk. Pl. f.)
jīvasya
des Lebewesens (Gen. Sg. m.)
māyā-racitasya
des von der Trugkraft Geschaffenen (Gen. Sg. m., Kompositum)
Der Feldkenner [ist] das Selbst, die uralte Urperson, unmittelbar selbst Licht, der Ungeborene, der höchste Herrscher, Nārāyaṇa, der Herr [der Vollkommenheiten], Vāsudeva, der sich durch seine eigene Trugkraft im [individuellen] Selbst niederlässt.
Wie der Wind, in seiner eigenen Wesensform in die unbeweglichen und beweglichen [Wesen] eingetreten, [sie] beherrscht, so beherrscht ebenso der höchste Herr Vāsudeva, als Feldkenner [und] Selbst, durchdringend dieses [Universum].
Wort für Wort
kṣetrajñaḥ
der Feldkenner (Nom. Sg. m.)
ātmā
das Selbst (Nom. Sg. m.)
puruṣaḥ
die Urperson (Nom. Sg. m.)
purāṇaḥ
der Uralte (Nom. Sg. m.)
sākṣāt
unmittelbar, direkt (Adv.)
svayam
selbst, von selbst (Adv.)
jyotiḥ
Licht (Nom. Sg. n.)
ajaḥ
der Ungeborene (Nom. Sg. m.)
para-īśaḥ
der höchste Herrscher (Nom. Sg. m.)
nārāyaṇaḥ
Nārāyaṇa (Nom. Sg. m.)
bhagavān
der Herr [der sechs Vollkommenheiten] (Nom. Sg. m.)
vāsudevaḥ
Vāsudeva (Nom. Sg. m.)
sva-māyayā
durch seine eigene Trugkraft (Instr. Sg. f.)
ātmani
im [individuellen] Selbst (Lok. Sg. m.)
avadhīyamānaḥ
sich niederlassend, sich einfügend (Nom. Sg. m., Passivpart.)
yathā
wie
anilaḥ
der Wind (Nom. Sg. m.)
sthāvara-jaṅgamānām
der unbeweglichen und beweglichen [Wesen] (Gen. Pl. m., Kompositum)
ātma-svarūpeṇa
durch seine eigene Wesensform (Instr. Sg. n., Kompositum)
niviṣṭaḥ
eingetreten (Nom. Sg. m., PPP)
īśet
würde beherrschen (3. Sg. Opt.)
evam
so, ebenso (Adv.)
paraḥ
der Höchste (Nom. Sg. m.)
bhagavān vāsudevaḥ
der Herr Vāsudeva (Nom. Sg. m.)
kṣetrajñaḥ
als Feldkenner (Nom. Sg. m.)
ātmā
das Selbst (Nom. Sg. m.)
idam
dieses [Universum] (Akk. Sg. n.)
anupraviṣṭaḥ
eingedrungen, durchdringend (Nom. Sg. m., PPP)
vedabase.io fasst diese beiden Verse auf einer Seite zusammen (13-14).
Solange, o Herrscher der Menschen, der Körperträger diese Trugkraft nicht durch das Erwachen der [wahren] Erkenntnis abgeschüttelt hat und, von aller Anhaftung befreit, nicht die sechs Feinde besiegt hat, erkennt er nicht die Wahrheit über das Selbst – solange irrt er hier [in dieser Welt] umher.
Wort für Wort
na
nicht
yāvat
solange
etām
diese (Akk. Sg. f.)
tanu-bhṛt
der Körperträger (Nom. Sg. m.)
nara-indra
o Herrscher der Menschen (Vok. Sg. m.)
vidhūya
abgeschüttelt habend (Absolutiv)
māyām
die Trugkraft (Akk. Sg. f.)
vayunā-udayena
durch das Erwachen der [wahren] Erkenntnis (Instr. Sg. m., Kompositum)
vimukta-saṅgaḥ
von aller Anhaftung befreit (Nom. Sg. m., Kompositum)
jita-ṣaṭ-sapatnaḥ
der die sechs Feinde besiegt hat (Nom. Sg. m., Kompositum)
na yāvad etan mana ātma-liṅgaṁ saṁsāra-tāpāvapanaṁ janasya
yac choka-mohāmaya-rāga-lobha-vairānubandhaṁ mamatāṁ vidhatte
Solange dieser Geist – das [falsche] Kennzeichen des Selbst, das Aussaatfeld der Leiden des Daseinskreislaufs für den Menschen –, welcher die Verkettung von Kummer, Verblendung, Krankheit, Leidenschaft, Gier und Feindschaft [mit sich bringt], das Besitzdenken bewirkt [, solange bleibt er im Daseinskreislauf gefangen].
Wort für Wort
na
nicht
yāvat
solange
etat
dieser (Nom. Sg. n.)
manaḥ
Geist (Nom. Sg. n.)
ātma-liṅgam
das [falsche] Kennzeichen des Selbst (Nom. Sg. n., Kompositum)
saṁsāra-tāpa-āvapanam
das Aussaatfeld der Leiden des Daseinskreislaufs (Nom. Sg. n., Kompositum)
janasya
des Menschen (Gen. Sg. m.)
yat
welcher (Nom. Sg. n., Relativpron.)
śoka-moha-āmaya-rāga-lobha-vaira-anubandham
die Verkettung von Kummer, Verblendung, Krankheit, Leidenschaft, Gier und Feindschaft (Akk. Sg. n., Kompositum)
mamatām
das Besitzdenken (Akk. Sg. f.)
vidhatte
bewirkt, verleiht (3. Sg. Präs. Med.)
Der Vers besteht grammatisch nur aus dem 'yāvat'-Nebensatz; ein ausdrücklicher Hauptsatz ('tāvat...') fehlt im Sanskrit-Text und ist aus dem Zusammenhang (Fortsetzung des Gedankens von Vers 15/17) zu ergänzen.
Besiege wachsam, mit der Waffe der Verehrung der Füße des geistigen Lehrers und Haris, diesen Feind – jenen [Geist] von gewaltiger Kraft, durch Vernachlässigung nur noch mehr angewachsen –, den trügerischen Räuber des [wahren] Selbst, eigenhändig!
Wort für Wort
bhrātṛvyam
den Feind (Akk. Sg. m.)
enam
diesen (Akk. Sg. m.)
tat
jenen [Geist] (Akk. Sg. n./Adv.)
adabhra-vīryam
von gewaltiger Kraft (Akk. Sg. m., Kompositum)
upekṣayā
durch Vernachlässigung (Instr. Sg. f.)
adhyedhitam
verstärkt, angewachsen (Akk. Sg. m., PPP)
apramattaḥ
wachsam, unbeirrt (Nom. Sg. m.)
guroḥ
des geistigen Lehrers (Gen. Sg. m.)
hareḥ
Haris (Gen. Sg. m.)
caraṇa-upāsanā-astraḥ
mit der Waffe der Verehrung der Füße (Nom. Sg. m., Kompositum)
jahi
besiege, schlage (2. Sg. Imp.)
vyalīkam
den trügerischen (Akk. Sg. m.)
svayam
selbst, eigenhändig (Adv.)
ātma-moṣam
den Räuber des Selbst (Akk. Sg. m., Kompositum)
'bhrātṛvyam' wörtlich 'Vetter/Rivale', hier übertragen als 'Feind' (der ungezügelte Geist).