Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 147 Prahlāda besänftigt Śrī Nṛsiṁhadeva mit Gebeten

śrī-nārada uvāca evaṁ surādayaḥ sarve brahma-rudra-puraḥsarāḥ nopaitum aśakan manyu- saṁrambhaṁ sudurāsadam

Śrī Nārada sprach: So vermochten alle Götter und andere Wesen, angeführt von Brahmā und Rudra, sich nicht zu nähern – dem Herrn, der in Seiner von Zorn erregten Verfassung überaus schwer zu nahen war.

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ
Śrī Nārada (Nom.)
uvāca
sprach
evam
so
sura-ādayaḥ
die Götter u. a. (Nom.Pl.)
sarve
alle (Nom.Pl.)
brahma-rudra-puraḥsarāḥ
mit Brahmā und Rudra an der Spitze (Nom.Pl.)
na
nicht
upaitum
heranzutreten (Inf.)
aśakan
vermochten (3.Pl.Impf.)
manyu-saṁrambham
in dessen von Zorn erregter Verfassung (Akk.)
su-durāsadam
überaus schwer zu nahen (Akk.)

sākṣāt śrīḥ preṣitā devair dṛṣṭvā taṁ mahad adbhutam adṛṣṭāśruta-pūrvatvāt sā nopeyāya śaṅkitā

Śrī, die Glücksgöttin selbst, von den Göttern entsandt, wagte sich, nachdem sie Ihn, den Gewaltigen, Wunderbaren, erblickt hatte, furchtsam nicht zu nähern – da dergleichen zuvor nie gesehen noch gehört worden war.

Wort für Wort
sākṣāt
unmittelbar/persönlich
śrīḥ
die Glücksgöttin (Nom.)
preṣitā
entsandt (Nom.Sg.f.)
devaiḥ
von den Göttern (Instr.)
dṛṣṭvā
nachdem sie gesehen hatte (Ger.)
tam
Ihn (Akk.)
mahat
den Gewaltigen (Akk.)
adbhutam
Wunderbaren (Akk.)
adṛṣṭa
nie gesehen
aśruta
nie gehört
pūrvatvāt
weil zuvor (Abl.)
sā
sie (Nom.)
na
nicht
upeyāya
trat heran (3.Sg.Perf.)
śaṅkitā
furchtsam/besorgt (Nom.Sg.f.)

prahrādaṁ preṣayām āsa brahmāvasthitam antike tāta praśamayopehi sva-pitre kupitaṁ prabhum

Brahmā, der ganz in der Nähe weilte, schickte Prahlāda voraus: „Mein Sohn, tritt heran und besänftige den Herrn, der wegen deines Vaters erzürnt ist.“

Wort für Wort
prahrādam
Prahlāda (Akk.)
preṣayām āsa
schickte/beauftragte (3.Sg.Perf.)
brahmā
Brahmā (Nom.)
avasthitam
der sich befand
antike
ganz nahe (Lok.)
tāta
mein lieber Sohn (Vok.)
praśamaya
besänftige! (Imp.)
upehi
tritt heran! (Imp.)
sva-pitre
wegen deines Vaters (Dat.)
kupitam
erzürnten (Akk.)
prabhum
den Herrn (Akk.)

tathā iti śanakai rājan mahā-bhāgavato 'rbhakaḥ upetya bhuvi kāyena nanāma vidhṛtāñjaliḥ

„So sei es“, sprach der große, erhabene Geweihte, obgleich nur ein kleiner Knabe, o König, langsam; er näherte sich, warf sich mit dem Körper auf die Erde nieder und verneigte sich mit gefalteten Händen.

Wort für Wort
tathā iti
„so sei es“
śanakaiḥ
langsam
rājan
o König (Vok.)
mahā-bhāgavataḥ
der große, erhabene Geweihte (Nom.)
arbhakaḥ
obgleich ein kleiner Knabe (Nom.)
upetya
sich nähernd (Ger.)
bhuvi
auf dem Boden (Lok.)
kāyena
mit dem Körper (Instr.)
nanāma
verneigte sich (3.Sg.Perf.)
vidhṛta-añjaliḥ
mit gefalteten Händen (Nom.)

sva-pāda-mūle patitaṁ tam arbhakaṁ vilokya devaḥ kṛpayā pariplutaḥ utthāpya tac-chīrṣṇy adadhāt karāmbujaṁ kālāhi-vitrasta-dhiyāṁ kṛtābhayam

Als der Herr den Knaben erblickte, der zu Seinen Lotosfüßen gefallen war, wurde Er von Mitleid übermannt; Er hob ihn auf und legte Seine Lotoshand auf dessen Haupt – jene Hand, die denen, deren Sinn von der todbringenden Schlange der Zeit erschreckt ist, Furchtlosigkeit verleiht.

Wort für Wort
sva-pāda-mūle
zu Seinen Lotosfüßen (Lok.)
patitam
gefallen (Akk.)
tam arbhakam
diesen Knaben (Akk.)
vilokya
erblickend (Ger.)
devaḥ
der Herr, Gott (Nom.)
kṛpayā
von Mitleid (Instr.)
pariplutaḥ
überflutet/übermannt (Nom.)
utthāpya
aufhebend (Ger.)
tac-chīrṣṇi
auf dessen Haupt (Lok.)
adadhāt
legte (3.Sg.Impf.)
kara-ambujam
Seine Lotoshand (Akk.)
kāla-ahi
der todbringenden Schlange der Zeit
vitrasta-dhiyām
denen, deren Sinn erschreckt ist (Gen.Pl.)
kṛta-abhayam
die Furchtlosigkeit bewirkt (Akk.)

sa tat-kara-sparśa-dhutākhilāśubhaḥ sapady abhivyakta-parātma-darśanaḥ tat-pāda-padmaṁ hṛdi nirvṛto dadhau hṛṣyat-tanuḥ klinna-hṛd-aśru-locanaḥ

Er, von dessen Berührung jener Hand alles Unheil abgewaschen war, in dem sogleich die Schau des höchsten Selbst offenbar wurde, hielt dessen Lotosfüße im Herzen fest, voller Wonne, den Körper sich sträubend, das Herz erweicht, mit tränenerfüllten Augen.

Wort für Wort
saḥ
er (Nom.)
tat-kara-sparśa
durch die Berührung von dessen Hand
dhuta-akhila-aśubhaḥ
von dem alles Unheil abgewaschen war (Nom.)
sapadi
sogleich
abhivyakta-para-ātma-darśanaḥ
in dem die Schau des höchsten Selbst offenbar wurde (Nom.)
tat-pāda-padmam
dessen Lotosfüße (Akk.)
hṛdi
im Herzen (Lok.)
nirvṛtaḥ
voller Wonne (Nom.)
dadhau
hielt fest/trug (3.Sg.Perf.)
hṛṣyat-tanuḥ
dessen Körper sich sträubte (Nom.)
klinna-hṛt
dessen Herz erweicht war
aśru-locanaḥ
mit tränenerfüllten Augen (Nom.)

astauṣīd dharim ekāgra-manasā susamāhitaḥ prema-gadgadayā vācā tan-nyasta-hṛdayekṣaṇaḥ

Mit auf Ihn fest gerichtetem Sinn, ganz gesammelt, begann er mit vor Liebe stockender Stimme Hari zu preisen, Herz und Blick ganz auf Ihn gerichtet.

Wort für Wort
astauṣīt
er begann zu preisen (3.Sg.Aor.)
harim
Hari (Akk.)
ekāgra-manasā
mit fest gerichtetem Sinn (Instr.)
su-samāhitaḥ
ganz gesammelt (Nom.)
prema-gadgadayā
vor Liebe stockender (Instr.)
vācā
mit Stimme (Instr.)
tat-nyasta-hṛdaya-īkṣaṇaḥ
dessen Herz und Blick auf Ihn gerichtet waren (Nom.)

śrī-prahrāda uvāca brahmādayaḥ sura-gaṇā munayo 'tha siddhāḥ sattvaikatāna-gatayo vacasāṁ pravāhaiḥ nārādhituṁ puru-guṇair adhunāpi pipruḥ kiṁ toṣṭum arhati sa me harir ugra-jāteḥ

Śrī Prahlāda sprach: Brahmā und die anderen, die Scharen der Götter, die Weisen sowie die Vollendeten, die ganz auf das reine Sein gerichtet sind, vermochten bis jetzt nicht, Ihn mit Strömen von Worten – so vorzüglich diese auch seien – zu verehren. Wie sollte da mein Hari von mir, der ich aus einem furchtbaren Geschlecht stamme, erfreut werden können?

Wort für Wort
śrī-prahrādaḥ
Śrī Prahlāda (Nom.)
uvāca
sprach
brahma-ādayaḥ
Brahmā u. a. (Nom.Pl.)
sura-gaṇāḥ
die Scharen der Götter (Nom.Pl.)
munayaḥ
die Weisen (Nom.Pl.)
atha
sowie
siddhāḥ
die Vollendeten (Nom.Pl.)
sattva-ekatāna-gatayaḥ
die ganz auf das reine Sein gerichtet sind (Nom.Pl.)
vacasām
der Worte (Gen.Pl.)
pravāhaiḥ
mit Strömen (Instr.)
na
nicht
ārādhitum
zu verehren (Inf.)
puru-guṇaiḥ
so vorzüglich sie auch seien (Instr.)
adhunā
bis jetzt
api
auch/selbst
pipruḥ
vermochten (3.Pl.Perf.)
kim
wie/ob
toṣṭum
erfreut zu werden (Inf.)
arhati
vermag (3.Sg.)
saḥ
er (Nom.)
me
von mir (Gen.)
hariḥ
Hari (Nom.)
ugra-jāteḥ
der aus furchtbarem Geschlecht stammt (Gen.)

manye dhanābhijana-rūpa-tapaḥ-śrutaujas-tejaḥ-prabhāva-bala-pauruṣa-buddhi-yogāḥ nārādhanāya hi bhavanti parasya puṁso bhaktyā tutoṣa bhagavān gaja-yūtha-pāya

Ich halte dafür: Reichtum, vornehme Herkunft, Schönheit, Askese, Gelehrsamkeit, Sinneskraft, Glanz, Einfluss, körperliche Stärke, Tatkraft, Verstand und mystische Macht taugen wahrlich nicht zur Verehrung des Höchsten – durch Hingabe allein wurde der Erhabene einst zufriedengestellt, als Er dem Herrn der Elefantenherde half.

Wort für Wort
manye
ich halte dafür
dhana
Reichtum
abhijana
vornehme Herkunft
rūpa
Schönheit
tapaḥ
Askese
śruta
Gelehrsamkeit (aus dem Veda)
ojaḥ
Sinneskraft
tejaḥ
Glanz
prabhāva
Einfluss
bala
körperliche Stärke
pauruṣa
Tatkraft
buddhi
Verstand
yogāḥ
mystische Macht (Nom.Pl.)
na
nicht
ārādhanāya
zur Verehrung (Dat.)
hi
wahrlich
bhavanti
sind (3.Pl.)
parasya
des Höchsten (Gen.)
puṁsaḥ
Purușa (Gen.)
bhaktyā
durch Hingabe (Instr.)
tutoṣa
wurde zufriedengestellt (3.Sg.Perf.)
bhagavān
der Erhabene (Nom.)
gaja-yūtha-pāya
dem Herrn der Elefantenherde (Dat.)

viprād dvi-ṣaḍ-guṇa-yutād aravinda-nābha-pādāravinda-vimukhāt śvapacaṁ variṣṭham manye tad-arpita-mano-vacanehitārtha-prāṇaṁ punāti sa kulaṁ na tu bhūrimānaḥ

Besser als ein Brahmane, ausgestattet mit den zwölf brahmanischen Tugenden, der aber den Lotosfüßen dessen, aus dessen Nabel der Lotos wächst, abgewandt ist, halte ich einen Hundekocher, dessen Sinn, Wort, Streben, Habe und Lebensatem Ihm dargebracht sind: Ein solcher reinigt sein Geschlecht, nicht aber, wer sich viel einbildet.

Wort für Wort
viprāt
als ein Brahmane (Abl.)
dvi-ṣaṭ-guṇa-yutāt
der mit den zwölf Tugenden ausgestattet ist (Abl.)
aravinda-nābha
dessen, aus dessen Nabel der Lotos wächst
pāda-aravinda
den Lotosfüßen
vimukhāt
abgewandt (Abl.)
śva-pacam
einen Hundekocher (Akk., d. h. niedrigst Geborenen)
variṣṭham
besser/vorzüglicher (Akk.)
manye
ich halte für
tat-arpita
Ihm dargebracht
manaḥ
Sinn
vacana
Wort
īhita
Streben
artha
Habe
prāṇam
und Lebensatem (Akk.)
punāti
reinigt (3.Sg.)
saḥ
er (Nom.)
kulam
sein Geschlecht (Akk.)
na tu
nicht aber
bhūrimānaḥ
wer sich viel einbildet (Nom.)

naivātmanaḥ prabhur ayaṁ nija-lābha-pūrṇo mānaṁ janād aviduṣaḥ karuṇo vṛṇīte yad yaj jano bhagavate vidadhīta mānaṁ tac cātmane prati-mukhasya yathā mukha-śrīḥ

Keineswegs begehrt dieser Herr, der in Sich selbst vollkommen erfüllt ist, Ehrerbietung um Seinetwillen; aus Mitleid nimmt Er sie von einem Unwissenden an, der nicht weiß, dass sie Ihm zusteht – was immer ein Mensch dem Erhabenen an Ehrerbietung darbringt, das gereicht wiederum ihm selbst zum Nutzen, so wie dem Spiegelbild des Gesichts die Zierde des Gesichts zuteilwird.

Wort für Wort
na eva
keineswegs
ātmanaḥ
für Sich selbst (Gen.)
prabhuḥ
der Herr (Nom.)
ayam
dieser (Nom.)
nija-lābha-pūrṇaḥ
in Sich selbst vollkommen erfüllt (Nom.)
mānam
Ehrerbietung (Akk.)
janāt
von einem Menschen (Abl.)
aviduṣaḥ
der nicht weiß (Abl.)
karuṇaḥ
aus Mitleid (Nom.)
vṛṇīte
nimmt an (3.Sg.)
yat yat
was immer
janaḥ
ein Mensch (Nom.)
bhagavate
dem Erhabenen (Dat.)
vidadhīta
darbringen möge (Opt.)
mānam
Ehrerbietung (Akk.)
tat ca
das aber
ātmane
ihm selbst (Dat.)
prati-mukhasya
des Spiegelbilds des Gesichts (Gen.)
yathā
so wie
mukha-śrīḥ
die Zierde des Gesichts (Nom.)

tasmād ahaṁ vigata-viklava īśvarasya sarvātmanā mahi gṛṇāmi yathā manīṣam nīco 'jayā guṇa-visargam anupraviṣṭaḥ pūyeta yena hi pumān anuvarṇitena

Darum will ich, aller Verzagtheit entledigt, mit ganzer Seele, so gut es meinem Verstand entspricht, den Ruhm des Herrn verkünden – jenen Ruhm, durch dessen Besingen ein Mensch gereinigt werden kann, mag er auch niedrig geboren und aus Unwissenheit in die Entfaltung der Erscheinungsweisen eingetreten sein.

Wort für Wort
tasmāt
darum
aham
ich (Nom.)
vigata-viklavaḥ
aller Verzagtheit entledigt (Nom.)
īśvarasya
des Herrn (Gen.)
sarva-ātmanā
mit ganzer Seele (Instr.)
mahi
den Ruhm (Akk.)
gṛṇāmi
verkünde ich
yathā manīṣam
so gut es dem Verstand entspricht
nīcaḥ
niedrig geboren (Nom.)
ajayā
aus Unwissenheit (Instr.)
guṇa-visargam
in die Entfaltung der Erscheinungsweisen
anupraviṣṭaḥ
eingetreten (Nom.)
pūyeta
könnte gereinigt werden (Opt.)
yena
wodurch
hi
wahrlich
pumān
ein Mensch (Nom.)
anuvarṇitena
durch das Besingen (Instr.)

sarve hy amī vidhi-karās tava sattva-dhāmno brahmādayo vayam iveśa na codvijantaḥ kṣemāya bhūtaya utātma-sukhāya cāsya vikrīḍitaṁ bhagavato rucirāvatāraiḥ

Wahrlich, alle diese, Brahmā und die anderen, sind Vollstrecker Deines Befehls, o Herr, der Du im reinen Sein weilst, so wie auch wir – ohne Furcht; zum Heil, zum Wohlergehen und auch zur eigenen Freude entfaltet sich dieses Spiel des Erhabenen durch Seine bezaubernden Inkarnationen.

Wort für Wort
sarve
alle (Nom.Pl.)
hi
wahrlich
amī
diese (Nom.Pl.)
vidhi-karāḥ
Vollstrecker des Befehls (Nom.Pl.)
tava
Dein (Gen.)
sattva-dhāmnaḥ
der Du im reinen Sein weilst (Gen.)
brahma-ādayaḥ
Brahmā u. a. (Nom.Pl.)
vayam
wir (Nom.)
iva
wie
īśa
o Herr (Vok.)
na
nicht
ca
und
udvijantaḥ
in Furcht (Nom.Pl.)
kṣemāya
zum Heil (Dat.)
bhūtaye
zum Wohlergehen (Dat.)
uta
und auch
ātma-sukhāya
zur eigenen Freude (Dat.)
ca
und
asya
dieses (Gen.)
vikrīḍitam
Spiel (Nom.)
bhagavataḥ
des Erhabenen (Gen.)
rucira-avatāraiḥ
durch bezaubernde Inkarnationen (Instr.)

tad yaccha manyum asuraś ca hatas tvayādya modeta sādhur api vṛścika-sarpa-hatyā lokāś ca nirvṛtim itāḥ pratiyanti sarve rūpaṁ nṛsiṁha vibhayāya janāḥ smaranti

Darum lege nun Deinen Zorn ab; der Dämon ist heute von Dir getötet worden – selbst ein Heiliger freut sich über das Töten von Skorpion und Schlange. Alle Welten sind zur Ruhe gekommen und harren nun; diese Gestalt, o Nṛsiṁha, werden die Menschen sich in Erinnerung rufen, um ihre Furcht zu vertreiben.

Wort für Wort
tat
darum
yaccha
lege ab! (Imp.)
manyum
Zorn (Akk.)
asuraḥ
der Dämon (Nom.)
ca
und
hataḥ
getötet (Nom.)
tvayā
von Dir (Instr.)
adya
heute
modeta
freut sich (Opt.)
sādhuḥ
ein Heiliger (Nom.)
api
sogar
vṛścika
Skorpion
sarpa
Schlange
hatyā
durch das Töten (Instr.)
lokāḥ
die Welten (Nom.Pl.)
ca
und
nirvṛtim
Ruhe (Akk.)
itāḥ
erlangt (Nom.Pl.)
pratiyanti
harren (3.Pl.)
sarve
alle (Nom.Pl.)
rūpam
die Gestalt (Akk.)
nṛsiṁha
o Nṛsiṁha (Vok.)
vibhayāya
zur Vertreibung der Furcht (Dat.)
janāḥ
die Menschen (Nom.Pl.)
smaranti
werden sich erinnern (3.Pl.)

nāhaṁ bibhemy ajita te 'tibhayānakāsya- jihvārka-netra-bhrukuṭī-rabhasogra-daṁṣṭrāt āntra-srajaḥ-kṣataja-keśara-śaṅku-karṇān nirhrāda-bhīta-digibhād ari-bhin-nakhāgrāt

Ich fürchte mich nicht, o Unbesiegter, vor Deinem überaus furchterregenden Antlitz mit Zunge, sonnengleichen Augen, zornig gerunzelten Brauen, heftigen, wilden Zähnen; nicht vor dem Kranz aus Gedärm, blutigen Mähnenhaaren, spitzen Ohren; nicht vor dem Gebrüll, vor dem selbst die großen Elefanten erschrecken; nicht vor den Spitzen Deiner Krallen, die den Feind zerreißen.

Wort für Wort
na
nicht
aham
ich (Nom.)
bibhemi
fürchte mich
ajita
o Unbesiegter (Vok.)
te
Dein (Gen.)
ati-bhayānaka-āsya
vor dem überaus furchterregenden Antlitz
jihvā
Zunge
arka-netra
sonnengleiche Augen
bhrukuṭī
gerunzelte Brauen
rabhasa-ugra-daṁṣṭrāt
vor den heftigen, wilden Zähnen (Abl.)
āntra-srajaḥ
vor dem Kranz aus Gedärm
kṣataja
blutig
keśara
Mähnenhaar
śaṅku-karṇāt
vor den spitzen Ohren (Abl.)
nirhrāda
vor dem Gebrüll
bhīta-digibhāt
vor dem die Elefanten erschrecken (Abl.)
ari-bhit
den Feind zerreißend
nakha-agrāt
vor den Krallenspitzen (Abl.)

trasto 'smy ahaṁ kṛpaṇa-vatsala duḥsahogra- saṁsāra-cakra-kadanād grasatāṁ praṇītaḥ baddhaḥ sva-karmabhir uśattama te 'ṅghri-mūlaṁ prīto 'pavarga-śaraṇaṁ hvayase kadā nu

Erschrocken bin ich, o Du, der Du den Elenden so zugetan bist, erschrocken von dieser unerträglichen, furchtbaren Zermalmung durch das Rad des Daseinskreislaufs, hineingeworfen unter Wesen, die einander verschlingen, gebunden durch meine eigenen Taten – o höchst Erhabener, wann wirst Du mich, erfreut über mich, an die Wurzel Deiner Füße rufen, die Zuflucht der Erlösung sind?

Wort für Wort
trastaḥ
erschrocken (Nom.)
asmi
bin
aham
ich (Nom.)
kṛpaṇa-vatsala
o Du, der Du den Elenden zugetan bist (Vok.)
duḥsaha-ugra
unerträglich, furchtbar
saṁsāra-cakra-kadanāt
von der Zermalmung durch das Rad des Daseinskreislaufs (Abl.)
grasatām
unter denen, die verschlingen (Gen.Pl.)
praṇītaḥ
hineingeworfen (Nom.)
baddhaḥ
gebunden (Nom.)
sva-karmabhiḥ
durch meine eigenen Taten (Instr.)
uśattama
o höchst Erhabener (Vok.)
te
Deine (Gen.)
aṅghri-mūlam
die Wurzel der Füße (Akk.)
prītaḥ
erfreut (Nom.)
apavarga-śaraṇam
die Zuflucht der Erlösung (Akk.)
hvayase
wirst Du rufen
kadā
wann
nu
denn

yasmāt priyāpriya-viyoga-saṁyoga-janma- śokāgninā sakala-yoniṣu dahyamānaḥ duḥkhauṣadhaṁ tad api duḥkham atad-dhiyāhaṁ bhūman bhramāmi vada me tava dāsya-yogam

Weil ich, in jeglicher Art von Körper brennend im Feuer des Kummers, das aus der Trennung von und Vereinigung mit Liebem und Unliebem entsteht, jenes wahre Wissen entbehrend umherirre – ist selbst das Heilmittel gegen den Schmerz noch Schmerz. O Gewaltiger, sag mir doch den Weg Deines Dienstes.

Wort für Wort
yasmāt
weil
priya-apriya
von Liebem und Unliebem
viyoga-saṁyoga-janma
aus Trennung und Vereinigung entstehend
śoka-agninā
im Feuer des Kummers (Instr.)
sakala-yoniṣu
in jeglicher Art von Körper (Lok.)
dahyamānaḥ
brennend (Nom.)
duḥkha-auṣadham
das Heilmittel gegen den Schmerz (Nom.)
tat api
auch das
duḥkham
Schmerz (Nom.)
a-tat-dhiyā
den Leib fälschlich für das Selbst haltend (Instr.)
aham
ich (Nom.)
bhūman
o Gewaltiger (Vok.)
bhramāmi
irre ich umher
vada
sag! (Imp.)
me
mir (Dat.)
tava
Deines (Gen.)
dāsya-yogam
den Weg des Dienstes (Akk.)

so 'haṁ priyasya suhṛdaḥ paradevatāyā līlā-kathās tava nṛsiṁha viriñca-gītāḥ añjas titarmy anugṛṇan guṇa-vipramukto durgāṇi te pada-yugālaya-haṁsa-saṅgaḥ

So werde ich, indem ich die Erzählungen von den Spielen Deiner, des liebsten Freundes, der höchsten Gottheit, o Nṛsiṁha, die von Brahmā gesungen wurden, unablässig wiederhole, leicht alle Deine Nöte überwinden – frei von den Erscheinungsweisen, in der Gemeinschaft der Schwäne, die an der Wohnstatt Deiner beiden Füße weilen.

Wort für Wort
saḥ aham
so ich
priyasya
des Liebsten (Gen.)
suhṛdaḥ
des Freundes (Gen.)
para-devatāyāḥ
der höchsten Gottheit (Gen.)
līlā-kathāḥ
die Erzählungen von den Spielen (Akk.Pl.)
tava
Deine (Gen.)
nṛsiṁha
o Nṛsiṁha (Vok.)
viriñca-gītāḥ
von Brahmā gesungen (Akk.Pl.)
añjaḥ
leicht
titarmi
werde ich überqueren
anugṛṇan
stets wiederholend (Part.)
guṇa-vipramuktaḥ
frei von den Erscheinungsweisen (Nom.)
durgāṇi
die Nöte (Akk.Pl.)
te
Deine (Gen.)
pada-yuga-ālaya-haṁsa-saṅgaḥ
in Gemeinschaft der Schwäne, die an der Wohnstatt Deiner beiden Füße weilen (Nom.)

bālasya neha śaraṇaṁ pitarau nṛsiṁha nārtasya cāgadam udanvati majjato nauḥ taptasya tat-pratividhir ya ihāñjaseṣṭas tāvad vibho tanu-bhṛtāṁ tvad-upekṣitānām

Für ein Kind, o Nṛsiṁha, sind hier Vater und Mutter kein wahrer Schutz; für einen Leidenden ist keine Arznei wahre Hilfe; für einen im Meer Versinkenden ist ein Boot keine wahre Rettung; und ebenso, o Allmächtiger, ist für einen Brennenden das Gegenmittel, das man hier leicht ersehnt, kein wahrer Schutz – für die verkörperten Wesen, die von Dir übersehen werden.

Wort für Wort
bālasya
für ein Kind (Gen.)
na
nicht
iha
hier
śaraṇam
Schutz (Nom.)
pitarau
Vater und Mutter (Nom.Dual)
nṛsiṁha
o Nṛsiṁha (Vok.)
na
nicht
ārtasya
für einen Leidenden (Gen.)
ca
und
agadam
Arznei (Nom.)
udanvati
im Meer (Lok.)
majjataḥ
für einen Versinkenden (Gen.)
nauḥ
ein Boot (Nom.)
taptasya
für einen Brennenden (Gen.)
tat-pratividhiḥ
das Gegenmittel dagegen (Nom.)
yaḥ
das (Nom.)
iha
hier
añjasā
leicht
iṣṭaḥ
ersehnt (Nom.)
tāvat
ebenso
vibho
o Allmächtiger (Vok.)
tanu-bhṛtām
für die verkörperten Wesen (Gen.Pl.)
tvat-upekṣitānām
die von Dir übersehen werden (Gen.Pl.)

yasmin yato yarhi yena ca yasya yasmād yasmai yathā yad uta yas tv aparaḥ paro vā bhāvaḥ karoti vikaroti pṛthak svabhāvaḥ sañcoditas tad akhilaṁ bhavataḥ svarūpam

In welchem Zustand auch immer, wodurch auch immer, wann auch immer, durch wen auch immer, in Bezug auf wen auch immer, woher auch immer, wem auch immer zugewandt, wie auch immer, was immer es auch sei – wer auch immer, ob ein anderer oder der Höchste selbst: jener Zustand, der handelt und sich verändert, je eigener Natur entsprechend hervorgerufen – all das, insgesamt, ist Deine eigene Wesensform.

Wort für Wort
yasmin
in welchem auch immer
yataḥ
wodurch auch immer
yarhi
wann auch immer
yena
durch wen auch immer
ca
und
yasya
wessen auch immer
yasmāt
woher auch immer
yasmai
wem auch immer
yathā
wie auch immer
yat uta
was immer es auch sei
yaḥ tu
wer auch immer aber
aparaḥ
ein anderer
paraḥ
der Höchste
vā
oder
bhāvaḥ
Zustand des Seins (Nom.)
karoti
handelt (3.Sg.)
vikaroti
verändert sich (3.Sg.)
pṛthak
je gesondert
svabhāvaḥ
eigener Natur (Nom.)
sañcoditaḥ
hervorgerufen (Nom.)
tat
das
akhilam
alles
bhavataḥ
Deine (Gen.)
svarūpam
eigene Wesensform (Nom.)

māyā manaḥ sṛjati karmamayaṁ balīyaḥ kālena codita-guṇānumatena puṁsaḥ chandomayaṁ yad ajayārpita-ṣoḍaśāraṁ saṁsāra-cakram aja ko 'titaret tvad-anyaḥ

Die Māyā erschafft den Geist, überaus mächtig, ganz auf Werke ausgerichtet, angetrieben von der Zeit, mit der durch sie erregten Zustimmung der Erscheinungsweisen des Puruṣa – das Rad des Daseinskreislaufs, das hauptsächlich von den vedischen Hymnen bestimmt ist, das durch Unwissenheit mit sechzehn Speichen versehen wurde, o Ungeborener: wer außer Dir könnte es überwinden?

Wort für Wort
māyā
die Māyā (Nom.)
manaḥ
den Geist (Akk.)
sṛjati
erschafft (3.Sg.)
karma-mayam
ganz auf Werke ausgerichtet (Akk.)
balīyaḥ
überaus mächtig (Akk.)
kālena
durch die Zeit (Instr.)
codita-guṇa-anumatena
mit der durch sie erregten Zustimmung der Erscheinungsweisen (Instr.)
puṁsaḥ
des Puruṣa (Gen.)
chandaḥ-mayam
hauptsächlich von den vedischen Hymnen bestimmt (Akk.)
yat
das
ajayā
durch Unwissenheit (Instr.)
arpita-ṣoḍaśa-aram
mit sechzehn Speichen versehen (Akk.)
saṁsāra-cakram
das Rad des Daseinskreislaufs (Akk.)
aja
o Ungeborener (Vok.)
kaḥ
wer (Nom.)
atitaret
könnte überwinden (Opt.)
tvat-anyaḥ
außer Dir (Nom.)

sa tvaṁ hi nitya-vijitātma-guṇaḥ sva-dhāmnā kālo vaśī-kṛta-visṛjya-visarga-śaktiḥ cakre visṛṣṭm ajayeśvara ṣoḍaśāre niṣpīḍyamānam upakarṣa vibho prapannam

Du bist es, der ewig durch Deine eigene Wesensmacht die Erscheinungsweisen bezwungen hat; Du bist die Zeit, der die Kraft von Geschaffenem und Schöpfung unterworfen ist – ziehe mich, den durch Māyā in dieses Rad mit sechzehn Speichen Geworfenen, der darunter zermalmt wird, zu Dir, o Herrscher, o Allmächtiger, mich, den Ergebenen.

Wort für Wort
saḥ tvam
eben Du
hi
wahrlich
nitya-vijita-ātma-guṇaḥ
der ewig die Erscheinungsweisen bezwungen hat (Nom.)
sva-dhāmnā
durch Deine eigene Wesensmacht (Instr.)
kālaḥ
die Zeit (Nom.)
vaśī-kṛta-visṛjya-visarga-śaktiḥ
dem die Kraft von Geschaffenem und Schöpfung unterworfen ist (Nom.)
cakre
in das Rad (Lok.)
visṛṣṭam
geworfen (Akk.)
ajayā
durch Māyā (Instr.)
īśvara
o Herrscher (Vok.)
ṣoḍaśa-are
mit sechzehn Speichen (Lok.)
niṣpīḍyamānam
zermalmt werdend (Akk.)
upakarṣa
ziehe heran! (Imp.)
vibho
o Allmächtiger (Vok.)
prapannam
den Ergebenen (Akk.)

dṛṣṭā mayā divi vibho 'khila-dhiṣṇya-pānām āyuḥ śriyo vibhava icchati yāñ jano 'yam ye 'smat pituḥ kupita-hāsa-vijṛmbhita-bhrū- visphūrjitena lulitāḥ sa tu te nirastaḥ

Ich habe gesehen, o Herrscher, wie im Himmel die Lebensdauer, der Glanz und die Macht aller Herrscher der Welten, die sich diese Menschen wünschen, durch das bloße Zucken der zornig lachenden Braue unseres Vaters zunichtegemacht wurden – und er selbst wurde nun von Dir vernichtet.

Wort für Wort
dṛṣṭāḥ
gesehen (Nom.Pl.)
mayā
von mir (Instr.)
divi
im Himmel (Lok.)
vibho
o Herrscher (Vok.)
akhila-dhiṣṇya-pānām
aller Herrscher der Welten (Gen.Pl.)
āyuḥ
Lebensdauer (Nom.)
śriyaḥ
Glanz (Nom.Pl.)
vibhavaḥ
Macht (Nom.)
icchati
wünschen (3.Pl.)
yān
die (Akk.Pl.)
janaḥ ayam
diese Menschen (Nom.)
ye
die (Nom.Pl.)
asmat pituḥ
unseres Vaters (Gen.)
kupita-hāsa
des zornigen Lachens
vijṛmbhita-bhrū
der sich hebenden Braue
visphūrjitena
durch das bloße Zucken (Instr.)
lulitāḥ
zunichtegemacht (Nom.Pl.)
saḥ
er (Nom.)
tu
aber
te
von Dir (Instr./Gen.)
nirastaḥ
vernichtet (Nom.)

tasmād amūs tanu-bhṛtām aham āśiṣo 'jña āyuḥ śriyaṁ vibhavam aindriyam āviriñcyāt necchāmi te vilulitān uruvikrameṇa kālātmanopanaya māṁ nija-bhṛtya-pārśvam

Darum begehre ich, wissend um ihre Vergänglichkeit, jene Segnungen nicht: Lebensdauer, Glanz, Macht, alles zur Sinnenfreude bestimmt, die den verkörperten Wesen, von Brahmā angefangen bis hinab zur Ameise, gewährt werden – Gaben, die von Dir, dem überaus Mächtigen, als Zeit selbst wieder zunichtegemacht werden. Nimm mich vielmehr an die Seite Deines eigenen Dieners.

Wort für Wort
tasmāt
darum
amūḥ
jene (Akk.Pl.)
tanu-bhṛtām
der verkörperten Wesen (Gen.Pl.)
aham
ich (Nom.)
āśiṣaḥ
die Segnungen (Akk.Pl.)
ajñaḥ
wissend (Nom., wörtl. „nicht unwissend“)
āyuḥ
Lebensdauer (Akk.)
śriyam
Glanz (Akk.)
vibhavam
Macht (Akk.)
aindriyam
zur Sinnenfreude bestimmt (Akk.)
āviriñcyāt
von Brahmā angefangen (Abl.)
na
nicht
icchāmi
begehre ich
te
von Dir (Instr.)
vilulitān
wieder zunichtegemacht (Akk.Pl.)
uru-vikrameṇa
dem überaus Mächtigen (Instr.)
kāla-ātmanā
als Zeit selbst (Instr.)
upanaya
nimm an! (Imp.)
mām
mich (Akk.)
nija-bhṛtya-pārśvam
an die Seite Deines eigenen Dieners (Akk.)

kutrāśiṣaḥ śrutisukhā mṛgatṛṣṇirūpāḥ kvedaṁ kalevaramaśeṣarujāṃ virohaḥ nirvidyate na tu jano yadapīti vidvān kāmānalaṃ madhulavaiḥ śamayan durāpaiḥ

Wo sind die Segnungen, dem Ohr zwar angenehm, doch von der Gestalt einer Fata Morgana? Wo ist dieser Körper, der Nährboden endloser Krankheiten? Dennoch wendet sich der Mensch nicht ab, obgleich er, dies wissend, immer wieder versucht, das Feuer der Begierde mit schwer erlangbaren Tropfen von Honig zu löschen.

Wort für Wort
kutra
wo (Nom./Adv.)
āśiṣaḥ
die Segnungen (Nom.Pl.)
śruti-sukhāḥ
dem Ohr angenehm (Nom.Pl.)
mṛga-tṛṣṇi-rūpāḥ
von der Gestalt einer Fata Morgana (Nom.Pl.)
kva
wo
idam
dieser (Nom.)
kalevaram
Körper (Nom.)
aśeṣa-rujām
aller Krankheiten (Gen.Pl.)
virohaḥ
der Nährboden/Wachstumsort (Nom.)
nirvidyate
wendet sich ab (3.Sg.Pass.)
na
nicht
tu
aber
janaḥ
der Mensch (Nom.)
yad api
obgleich
iti
so
vidvān
wissend (Nom.)
kāma-analam
das Feuer der Begierde (Akk.)
madhu-lavaiḥ
mit Tropfen von Honig (Instr.)
śamayan
zu löschen versuchend (Part.)
durāpaiḥ
schwer erlangbaren (Instr.)

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kvāhaṁ rajaḥ-prabhava īśa tamo 'dhike 'smin jātaḥ suretara-kule kva tavānukampā na brahmaṇo na tu bhavasya na vai ramāyā yan me 'rpitaḥ śirasi padma-karaḥ prasādaḥ

Wo stehe ich, entstanden aus der Erscheinungsweise der Leidenschaft, geboren in diesem, von der Erscheinungsweise der Dunkelheit überwogenen Geschlecht der Widergötter – und wo ist Deine Barmherzigkeit! Weder Brahmās noch Śivas noch Ramās Gnade war es: Deine Gnade ist es, dass Deine Lotoshand auf mein Haupt gelegt wurde.

Wort für Wort
kva
wo
aham
ich (Nom.)
rajaḥ-prabhavaḥ
entstanden aus der Leidenschaft (Nom.)
īśa
o Herr (Vok.)
tamaḥ-adhike
in dem von Dunkelheit überwogenen (Lok.)
asmin
in diesem (Lok.)
jātaḥ
geboren (Nom.)
sura-itara-kule
im Geschlecht der Widergötter (Lok.)
kva
wo
tava
Deine (Gen.)
anukampā
Barmherzigkeit (Nom.)
na
nicht
brahmaṇaḥ
Brahmās (Gen.)
na tu
auch nicht
bhavasya
Śivas (Gen.)
na vai
auch nicht
ramāyāḥ
Ramās (Gen.)
yat
dass
me
auf mein (Gen.)
arpitaḥ
gelegt (Nom.)
śirasi
auf das Haupt (Lok.)
padma-karaḥ
die Lotoshand (Nom.)
prasādaḥ
die Gnade (Nom.)

naiṣā parāvara-matir bhavato nanu syāj jantor yathātma-suhṛdo jagatas tathāpi saṁsevayā surataror iva te prasādaḥ sevānurūpam udayo na parāvaratvam

Nicht ist dies wahrlich eine Unterscheidung von höher und niedriger in Dir – wie sollte sie es sein, o Du, der Du der wahre Freund jedes Lebewesens und der ganzen Welt bist? Dennoch erscheint Deine Gnade wie die des Wunschbaums, dem Dienst entsprechend, den man Dir darbringt – dem Dienst entsprechend ist ihr Aufgehen, nicht eine wirkliche Unterscheidung von höher und niedriger.

Wort für Wort
na eṣā
nicht ist diese
para-avara-matiḥ
Unterscheidung von höher und niedriger (Nom.)
bhavataḥ
in Dir (Gen.)
nanu
wahrlich
syāt
wäre (Opt.)
jantoḥ
des Lebewesens (Gen.)
yathā
wie
ātma-suhṛdaḥ
des wahren Freundes (Gen.)
jagataḥ
der Welt (Gen.)
tathāpi
dennoch
saṁsevayā
dem Dienst entsprechend (Instr.)
surataroḥ iva
wie die des Wunschbaums (Gen.)
te
Deine (Gen.)
prasādaḥ
Gnade (Nom.)
sevā-anurūpam
dem Dienst entsprechend (Nom.)
udayaḥ
Aufgehen (Nom.)
na
nicht
para-avaratvam
Unterscheidung von höher und niedriger (Nom.)

evaṁ janaṁ nipatitaṁ prabhavāhi-kūpe kāmābhikāmam anu yaḥ prapatan prasaṅgāt kṛtvātmasāt surarṣiṇā bhagavan gṛhītaḥ so 'haṁ kathaṁ nu visṛje tava bhṛtya-sevām

So bin ich, der ich, in den Brunnen der Schlangen des weltlichen Daseins gefallen, begehrend nach Sinnesobjekten strebte, immer tiefer fallend, aus schlechter Gesellschaft heraus – dennoch durch den göttlichen Weisen Dir gleichgemacht und angenommen worden, o Erhabener: Wie könnte ich da je den Dienst an Deinen Dienern aufgeben?

Wort für Wort
evam
so
janam
den Menschen (Akk.)
nipatitam
gefallen (Akk.)
prabhava-ahi-kūpe
in den Brunnen der Schlangen des Daseins (Lok.)
kāma-abhikāmam anu
nach Sinnesobjekten begehrend strebend
yaḥ
der (Nom.)
prapatan
immer tiefer fallend (Part.)
prasaṅgāt
aus schlechter Gesellschaft (Abl.)
kṛtvā
gemacht habend
ātmasāt
sich gleich
sura-ṛṣiṇā
durch den göttlichen Weisen (Instr.)
bhagavan
o Erhabener (Vok.)
gṛhītaḥ
angenommen (Nom.)
saḥ aham
so ich (Nom.)
katham nu
wie denn
visṛje
sollte ich aufgeben
tava
Deiner (Gen.)
bhṛtya-sevām
den Dienst an Deinen Dienern (Akk.)

mat-prāṇa-rakṣaṇam ananta pitur vadhaś ca manye sva-bhṛtya-ṛṣi-vākyam ṛtaṁ vidhātum khaḍgaṁ pragṛhya yad avocad asad-vidhitsus tvām īśvaro mad-aparo 'vatu kaṁ harāmi

Die Rettung meines Lebens, o Unendlicher, und die Tötung meines Vaters – beides betrachte ich als geschehen, um die Worte Deines eigenen Dieners, des Weisen Nārada, wahr zu machen: als er, Böses ersinnend, das Schwert ergriff und sprach: „Welch anderer Herrscher außer mir soll Dich retten? Dein Haupt trenne ich jetzt ab!“

Wort für Wort
mat-prāṇa-rakṣaṇam
die Rettung meines Lebens (Akk.)
ananta
o Unendlicher (Vok.)
pituḥ
meines Vaters (Gen.)
vadhaḥ
die Tötung (Nom.)
ca
und
manye
ich betrachte
sva-bhṛtya-ṛṣi-vākyam
die Worte des eigenen Dieners, des Weisen (Akk.)
ṛtam
wahr (Akk.)
vidhātum
zu machen (Inf.)
khaḍgam
das Schwert (Akk.)
pragṛhya
ergreifend (Ger.)
yat
als
avocat
sprach (3.Sg.Aor.)
asat-vidhitsuḥ
Böses ersinnend (Nom.)
tvām
Dich (Akk.)
īśvaraḥ
welcher Herrscher (Nom.)
mat-aparaḥ
außer mir (Nom.)
avatu
soll retten (Imp.)
kam
Haupt (Akk.)
harāmi
trenne ich ab

ekas tvam eva jagad etam amuṣya yat tvam ādy-antayoḥ pṛthag avasyasi madhyataś ca sṛṣṭvā guṇa-vyatikaraṁ nija-māyayedaṁ nāneva tair avasitas tad anupraviṣṭaḥ

Du allein bist dieses Universum, da Du, davon getrennt, am Anfang, am Ende und auch in der Mitte davon bestehst; nachdem Du durch Deine eigene Māyā die Vermischung der Erscheinungsweisen geschaffen hast, erscheinst Du als vielgestaltig, von ihnen wahrgenommen – obwohl Du selbst in sie eingegangen bist.

Wort für Wort
ekaḥ
einzig/allein (Nom.)
tvam
Du (Nom.)
eva
gewiss
jagat
das Universum (Nom.)
etam
dieses (Akk.)
amuṣya
von diesem (Gen.)
yat
da
tvam
Du (Nom.)
ādi-antayoḥ
am Anfang und Ende (Lok.Dual)
pṛthak
getrennt
avasyasi
bestehst Du
madhyataḥ
in der Mitte
ca
und
sṛṣṭvā
geschaffen habend (Ger.)
guṇa-vyatikaram
die Vermischung der Erscheinungsweisen (Akk.)
nija-māyayā
durch Deine eigene Māyā (Instr.)
idam
dieses (Akk.)
nānā iva
wie vielgestaltig
taiḥ
von ihnen (Instr.)
avasitaḥ
wahrgenommen (Nom.)
tat
in das (Akk.)
anupraviṣṭaḥ
eingegangen (Nom.)

tvaṁ vā idaṁ sadasad īśa bhavāṁs tato 'nyo māyā yad ātma-para-buddhir iyaṁ hy apārthā yad yasya janma nidhanaṁ sthitir īkṣaṇaṁ ca tad vaitad eva vasukālavad aṣṭi-tarvoḥ

Du bist es, oder vielmehr: dieses Universum, Ursache und Wirkung, bist Du, o Herr; nichts anderes als Du gibt es – nur Māyā ist es, aus der diese Vorstellung vom Eigenen und Fremden entsteht, die ja bedeutungslos ist; wessen Entstehung, Vergehen, Bestehen und Erscheinen auch betrachtet wird, das ist ebendasselbe – wie Samen und Baum zu Erde und Zeit stehen [?].

Wort für Wort
tvam
Du (Nom.)
vā
oder vielmehr
idam
dieses (Nom.)
sat-asat
Ursache und Wirkung (Nom.)
īśa
o Herr (Vok.)
bhavān
Du (Nom.)
tataḥ
von diesem
anyaḥ
getrennt (Nom.)
māyā
die Māyā (Nom.)
yat
aus der
ātma-para-buddhiḥ
die Vorstellung vom Eigenen und Fremden (Nom.)
iyam
diese (Nom.)
hi
ja
apārthā
bedeutungslos (Nom.)
yat yasya
wessen auch immer
janma
Entstehung (Nom.)
nidhanam
Vergehen (Nom.)
sthitiḥ
Bestehen (Nom.)
īkṣaṇam
Erscheinen (Nom.)
ca
und
tat vā etat eva
das ist eben dasselbe
vasukāla-vat
wie Erde und Zeit [?]
aṣṭi-tarvoḥ
zu Samen und Baum (Gen.Dual)

Das Kompositum „vasukālavad aṣṭi-tarvoḥ“ ist lexikalisch schwer eindeutig aufzulösen; Übersetzung als Vergleich (Same/Baum verhält sich zu Erde/Zeit wie Wirkung zu Ursache) mit [?] markiert.

nyasyedam ātmani jagad vilayāmbu-madhye śeṣetmanā nija-sukhānubhavo nirīhaḥ yogena mīlita-dṛg-ātma-nipīta-nidras turye sthito na tu tamo na guṇāṁś ca yuṅkṣe

Nachdem Du dieses Universum in Dich selbst gelegt hast, inmitten des Wassers der Auflösung, ruhst Du durch Dich selbst, in der Erfahrung Deiner eigenen Wonne, ohne jedes Tun; durch Deine Yoga-Kraft bleiben die Augen wie geschlossen, doch der Schlaf wird durch Dein eigenes Selbst aufgesogen; im vierten Zustand verweilend, [bist Du] weder im Dunkel des Schlafs, noch verbindest Du Dich mit den Erscheinungsweisen.

Wort für Wort
nyasya
gelegt habend (Ger.)
idam
dieses (Akk.)
ātmani
in Dich selbst (Lok.)
jagat
das Universum (Akk.)
vilaya-ambu-madhye
inmitten des Wassers der Auflösung (Lok.)
śeṣe
Du ruhst
ātmanā
durch Dich selbst (Instr.)
nija-sukha-anubhavaḥ
in der Erfahrung Deiner eigenen Wonne (Nom.)
nirīhaḥ
ohne jedes Tun (Nom.)
yogena
durch Yoga-Kraft (Instr.)
mīlita-dṛk
mit wie geschlossenen Augen (Nom.)
ātma-nipīta-nidraḥ
dessen Schlaf durch das eigene Selbst aufgesogen ist (Nom.)
turye
im vierten Zustand (Lok.)
sthitaḥ
verweilend (Nom.)
na tu
doch nicht
tamaḥ
im Dunkel (Akk./Nom.)
na
nicht
guṇān
mit den Erscheinungsweisen (Akk.Pl.)
ca
und
yuṅkṣe
verbindest Du Dich

tasyaiva te vapur idaṁ nija-kāla-śaktyā sañcodita-prakṛti-dharmaṇa ātma-gūḍham ambhasy ananta-śayanād viramat-samādher nābher abhūt sva-kaṇikā-vaṭavan-mahābjam

Eben dieser Dein kosmische Leib, dieses Universum – durchdrungen von den Eigenschaften der durch Deine eigene Zeitkraft angeregten Natur –, in Dir selbst verborgen: Aus dem Wasser, vom Lager des Ananta, aus der Trance erwachend, entstand aus Deinem Nabel, wie ein großer Banyanbaum aus seinem eigenen Samenkorn, die große Lotosblume der Welten.

Wort für Wort
tasya eva
eben von diesem
te
Dein (Gen.)
vapuḥ
der Leib (Nom.)
idam
dieses (Nom.)
nija-kāla-śaktyā
durch die eigene Zeitkraft (Instr.)
sañcodita-prakṛti-dharmaṇaḥ
dessen Naturmerkmale angeregt sind (Gen.)
ātma-gūḍham
in sich selbst verborgen (Nom.)
ambhasi
im Wasser (Lok.)
ananta-śayanāt
vom Lager des Ananta (Abl.)
viramat-samādheḥ
der aus der Trance erwachte (Gen.)
nābheḥ
aus dem Nabel (Abl.)
abhūt
entstand (3.Sg.Aor.)
sva-kaṇikā
aus dem eigenen Samenkorn
vaṭa-vat
wie ein Banyanbaum
mahā-abjam
die große Lotosblume (Nom.)

tat-sambhavaḥ kavir ato 'nyad apaśyamānas tvāṁ bījam ātmani tataṁ sa bahir vicintya nāvindad abda-śatam apsu nimajjamāno jāte 'ṅkure katham uhopalabheta bījam

Der aus jenem Lotos Entstandene, der Weise, sah, da er nichts anderes als ihn wahrnahm, Dich nicht als den Samen, der in ihm selbst ausgebreitet und doch verborgen war, sondern hielt Dich für etwas Äußeres – hundert Götterjahre lang ins Wasser tauchend, fand er Dich nicht: Wie könnte man, wenn der Keim erst hervorgesprossen ist, den ursprünglichen Samen noch wahrnehmen, o Herr?

Wort für Wort
tat-sambhavaḥ
der aus jenem entstandene (Nom.)
kaviḥ
der Weise (Nom.)
ataḥ
als jenen (Lotos)
anyat
etwas anderes (Akk.)
apaśyamānaḥ
nicht wahrnehmend (Nom.)
tvām
Dich (Akk.)
bījam
den Samen (Akk.)
ātmani
in sich selbst (Lok.)
tatam
ausgebreitet (Akk.)
saḥ
er (Nom.)
bahiḥ
als äußeres
vicintya
hielt für (Ger.)
na avindat
fand nicht
abda-śatam
hundert Jahre lang (Akk.)
apsu
im Wasser (Lok.)
nimajjamānaḥ
tauchend (Nom.)
jāte aṅkure
wenn der Keim entstanden ist (Lok.)
katham
wie
uha
o Herr
upalabheta
könnte man wahrnehmen (Opt.)
bījam
den Samen (Akk.)

sa tv ātma-yonir ativismita āśrito 'bjaṁ kālena tīvra-tapasā pariśuddha-bhāvaḥ tvām ātmanīśa bhuvi gandham ivātisūkṣmaṁ bhūtendriyāśayamaye vitataṁ dadarśa

Er aber, selbstentsprungen, überaus erstaunt, auf dem Lotos weilend, durch strenge Askese mit der Zeit vollkommen geläutert an Wesen, erblickte Dich, o Herr, in sich selbst ausgebreitet wie einen überaus feinen Duft in der Erde – Dich, der Du in dem aus Elementen, Sinnen und ihrem Sitz gebildeten Leib webst.

Wort für Wort
saḥ tu
er aber (Nom.)
ātma-yoniḥ
selbstentsprungen (Nom.)
ati-vismitaḥ
überaus erstaunt (Nom.)
āśritaḥ
weilend auf (Nom.)
abjam
dem Lotos (Akk.)
kālena
mit der Zeit (Instr.)
tīvra-tapasā
durch strenge Askese (Instr.)
pariśuddha-bhāvaḥ
vollkommen geläutert an Wesen (Nom.)
tvām
Dich (Akk.)
ātmani
in sich selbst (Lok.)
īśa
o Herr (Vok.)
bhuvi
in der Erde (Lok.)
gandham iva
wie einen Duft (Akk.)
ati-sūkṣmam
überaus fein (Akk.)
bhūta-indriya-āśaya-maye
aus Elementen, Sinnen und ihrem Sitz gebildeten (Lok.)
vitatam
ausgebreitet (Akk.)
dadarśa
erblickte (3.Sg.Perf.)

evaṁ sahasra-vadanāṅghri-śiraḥ-karoru- nāsādya-karṇa-nayanābharaṇāyudhāḍhyam māyāmayaṁ sad-upalakṣita-sanniveśaṁ dṛṣṭvā mahā-puruṣam āpa mudaṁ viriñcaḥ

So, mit tausend Gesichtern, Füßen, Häuptern, Händen, Schenkeln, Nasen und weiteren Gliedern, Ohren, Augen, geschmückt mit Zierden und Waffen, ein Werk der göttlichen Māyā, dessen Zusammensetzung an gewissen Merkmalen erkennbar war – als er den Höchsten Puruṣa so erblickte, erlangte Brahmā Wonne.

Wort für Wort
evam
so
sahasra
tausend
vadana
Gesichter
aṅghri
Füße
śiraḥ
Häupter
kara
Hände
uru
Schenkel
nāsa-ādya
Nasen u. a.
karṇa
Ohren
nayana
Augen
ābharaṇa
Zierden
āyudha
Waffen
āḍhyam
reich versehen mit (Akk.)
māyā-mayam
ein Werk der Māyā (Akk.)
sat-upalakṣita-sanniveśam
dessen Zusammensetzung an Merkmalen erkennbar war (Akk.)
dṛṣṭvā
erblickend (Ger.)
mahā-puruṣam
den Höchsten Puruṣa (Akk.)
āpa
erlangte (3.Sg.Aor.)
mudam
Wonne (Akk.)
viriñcaḥ
Brahmā (Nom.)

tasmai bhavān haya-śiras tanuvaṁ hi bibhrad veda-druhāv atibalau madhu-kaiṭabhākhyau hatvānayac chruti-gaṇāṁś ca rajas tamaś ca sattvaṁ tava priyatamāṁ tanum āmananti

Ihm hast Du, das Haupt eines Pferdes tragend, die beiden überaus starken, den Veda hassenden Dämonen namens Madhu und Kaiṭabha getötet und so die Scharen der Veden zurückgebracht – diese Gestalt der reinen Güte nennen sie Deine liebste Gestalt, jenseits von Leidenschaft und Dunkelheit.

Wort für Wort
tasmai
ihm (Dat.)
bhavān
Du (Nom.)
haya-śiraḥ
das Haupt eines Pferdes
tanuvam
die Gestalt (Akk.)
hi
wahrlich
bibhrat
tragend (Part.)
veda-druhau
die beiden den Veda hassenden (Akk.Dual)
ati-balau
überaus starken (Akk.Dual)
madhu-kaiṭabha-ākhyau
genannt Madhu und Kaiṭabha (Akk.Dual)
hatvā
getötet habend (Ger.)
anayat
brachte zurück (3.Sg.Impf.)
śruti-gaṇān
die Scharen der Veden (Akk.Pl.)
ca
und
rajaḥ tamaḥ ca
Leidenschaft und Dunkelheit
sattvam
reine Güte (Akk.)
tava
Deine (Gen.)
priya-tamām
liebste (Akk.)
tanum
Gestalt (Akk.)
āmananti
nennen sie (3.Pl.)

itthaṁ nṛ-tiryag-ṛṣi-deva-jhaṣāvatārair lokān vibhāvayasi haṁsi jagat pratīpān dharmaṁ mahā-puruṣa pāsi yugānuvṛttaṁ channaḥ kalau yad abhavas tri-yugo 'tha sa tvam

So schützt Du auf diese Weise, durch Inkarnationen als Mensch, Tier, Weiser, Gott und Wassertier, die Welten; Du vernichtest, wer der Welt zuwiderhandelt; Du bewahrst, o großer Puruṣa, das Dharma, je den Zeitaltern entsprechend – auch dann, wenn Du im Kali-Zeitalter verborgen bist, denn Du bist eben jener, der in drei Zeitaltern erscheint.

Wort für Wort
ittham
so
nṛ-tiryak-ṛṣi-deva-jhaṣa-avatāraiḥ
durch Inkarnationen als Mensch, Tier, Weiser, Gott, Wassertier (Instr.)
lokān
die Welten (Akk.)
vibhāvayasi
Du schützt/erhältst
haṁsi
Du vernichtest
jagat-pratīpān
die der Welt Zuwiderhandelnden (Akk.)
dharmam
das Dharma (Akk.)
mahā-puruṣa
o großer Puruṣa (Vok.)
pāsi
Du bewahrst
yuga-anuvṛttam
den Zeitaltern entsprechend (Akk.)
channaḥ
verborgen (Nom.)
kalau
im Kali-Zeitalter (Lok.)
yat
weil
abhavaḥ
Du bist/warst (2.Sg.Impf.)
tri-yugaḥ
der in drei Zeitaltern Erscheinende (Nom.)
atha
daher
saḥ tvam
eben Du

naitan manas tava kathāsu vikuṇṭha-nātha samprīyate durita-duṣṭam asādhu tīvram kāmāturaṁ harṣa-śoka-bhayaiṣaṇārtaṁ tasmin kathaṁ tava gatiṁ vimṛśāmi dīnaḥ

Nicht einmal dieser mein Geist, o Herr von Vaikuṇṭha, findet an Deinen Erzählungen Gefallen – ein Geist, befleckt von Sünde, unaufrichtig, heftig, von Begierde gequält, von Freude, Kummer, Furcht und ständigem Verlangen bedrängt; wie soll ich, der ich so elend bin, in diesem Zustand über Dein Wesen nachsinnen?

Wort für Wort
na etat
nicht dieser
manaḥ
Geist (Nom.)
tava
an Deinen (Gen.)
kathāsu
Erzählungen (Lok.Pl.)
vikuṇṭha-nātha
o Herr von Vaikuṇṭha (Vok.)
samprīyate
findet Gefallen (3.Sg.Pass.)
durita-duṣṭam
befleckt von Sünde (Nom.)
asādhu
unaufrichtig (Nom.)
tīvram
heftig (Nom.)
kāma-āturam
von Begierde gequält (Nom.)
harṣa-śoka-bhaya-eṣaṇā-artam
von Freude, Kummer, Furcht und Verlangen bedrängt (Nom.)
tasmin
in diesem (Lok.)
katham
wie
tava
über Dein (Gen.)
gatim
Wesen (Akk.)
vimṛśāmi
sinne ich nach
dīnaḥ
elend (Nom.)

jihvaikato 'cyuta vikarṣati māvitṛptā śiśno 'nyatas tvag-udaraṁ śravaṇaṁ kutaścit ghrāṇo 'nyataś capala-dṛk kva ca karma-śaktir bahvyaḥ sapatnya iva geha-patiṁ lunanti

Die Zunge zieht mich, o Unfehlbarer, auf die eine Seite, unbefriedigt; die Geschlechtsorgane auf eine andere; Haut, Bauch, Gehör bald hierhin, bald dorthin; der Geruchssinn wieder woandershin, das unstete Auge irgendwohin – so zerreißen mich die vielen tätigen Sinne wie viele Nebenfrauen einen Hausherrn.

Wort für Wort
jihvā
die Zunge (Nom.)
ekataḥ
auf die eine Seite
acyuta
o Unfehlbarer (Vok.)
vikarṣati
zieht (3.Sg.)
mā
mich (Akk.)
avitṛptā
unbefriedigt (Nom.)
śiśnaḥ
die Geschlechtsorgane (Nom.)
anyataḥ
auf eine andere Seite
tvak-udaram
Haut, Bauch (Nom.)
śravaṇam
Gehör (Nom.)
kutaścit
irgendwohin
ghrāṇaḥ
der Geruchssinn (Nom.)
anyataḥ
anderswohin
capala-dṛk
das unstete Auge (Nom.)
kva ca
und irgendwohin
karma-śaktiḥ
die tätigen Sinne (Nom.)
bahvyaḥ
viele (Nom.Pl.)
sapatnyaḥ iva
wie Nebenfrauen (Nom.Pl.)
geha-patim
den Hausherrn (Akk.)
lunanti
zerreißen (3.Pl.)

evaṁ sva-karma-patitaṁ bhava-vaitaraṇyām anyonya-janma-maraṇāśana-bhīta-bhītam paśyañ janaṁ sva-para-vigraha-vaira-maitraṁ hanteti pāracara pīpṛhi mūḍham adya

So den Menschen sehend, der, gefallen durch die eigenen Taten in den Fluss Vaitaraṇī des weltlichen Daseins, von immer neuer Furcht vor Geburt, Tod und Verzehren erschreckt, Feindschaft und Freundschaft zwischen eigenem und fremdem Leib erwägt – ach, o Du, der Du ans andere Ufer bringst, errette den Toren heute!

Wort für Wort
evam
so
sva-karma-patitam
gefallen durch die eigenen Taten (Akk.)
bhava-vaitaraṇyām
in den Vaitaraṇī-Fluss des Daseins (Lok.)
anyonya-janma-maraṇa-āśana
gegenseitige Geburt, Tod, Verzehren
bhīta-bhītam
immer wieder erschreckt (Akk.)
paśyan
sehend (Part.)
janam
den Menschen (Akk.)
sva-para-vigraha
eigener und fremder Leib
vaira-maitram
Feindschaft und Freundschaft erwägend (Akk.)
hanta iti
ach!
pāracara
o Du, der Du ans andere Ufer bringst (Vok.)
pīpṛhi
errette! (Imp.)
mūḍham
den Toren (Akk.)
adya
heute

ko nv atra te 'khila-guro bhagavan prayāsa uttāraṇe 'sya bhava-sambhava-lopa-hetoḥ mūḍheṣu vai mahad-anugraha ārta-bandho kiṁ tena te priya-janān anusevatāṁ naḥ

Welch eine Mühsal ist dies überhaupt für Dich, o Meister von allem, o Erhabener, diese Welt aus dem Grund ihrer Entstehung, Erhaltung und Auflösung zu erretten? Für die Törichten ist es wahrlich große Gnade, o Freund der Leidenden – was aber bedeutet dies für uns, die wir Deinen wahren Geliebten dienen?

Wort für Wort
kaḥ nu
welch eine denn
atra
hierin
te
für Dich (Gen.)
akhila-guro
o Meister von allem (Vok.)
bhagavan
o Erhabener (Vok.)
prayāsaḥ
Mühsal (Nom.)
uttāraṇe
bei der Errettung (Lok.)
asya
dieser Welt (Gen.)
bhava-sambhava-lopa-hetoḥ
aus dem Grund von Entstehung, Erhaltung, Auflösung (Abl.)
mūḍheṣu
für die Törichten (Lok.)
vai
wahrlich
mahat-anugrahaḥ
große Gnade (Nom.)
ārta-bandho
o Freund der Leidenden (Vok.)
kim
was
tena
damit (Instr.)
te
Deinen (Gen.)
priya-janān
wahren Geliebten (Akk.Pl.)
anusevatām
die dienen (Gen.Pl.)
naḥ
uns (Gen.)

naivodvije para duratyaya-vaitaraṇyās tvad-vīrya-gāyana-mahāmṛta-magna-cittaḥ śoce tato vimukha-cetasa indriyārtha- māyā-sukhāya bharam udvahato vimūḍhān

Ich bin nicht einmal erschrocken, o Höchster, vor dem schwer zu überquerenden Vaitaraṇī-Fluss; mein Geist ist ja in den großen Nektarozean des Besingens Deiner Heldentaten versunken – vielmehr beklage ich jene, die, mit abgewandtem Sinn, die falsche Last des weltlichen Lebens tragen, um der trügerischen Freude der Sinnenobjekte willen, so verblendet sie auch sind.

Wort für Wort
na eva
keineswegs
udvije
bin ich erschrocken
para
o Höchster (Vok.)
duratyaya-vaitaraṇyāḥ
vor dem schwer zu überquerenden Vaitaraṇī (Abl.)
tvat-vīrya-gāyana
im Besingen Deiner Heldentaten
mahā-amṛta-magna-cittaḥ
dessen Geist im großen Nektarozean versunken ist (Nom.)
śoce
ich beklage
tataḥ
vielmehr
vimukha-cetasaḥ
mit abgewandtem Sinn (Akk.Pl.)
indriya-artha-māyā-sukhāya
um der trügerischen Freude der Sinnenobjekte willen (Dat.)
bharam
die Last (Akk.)
udvahataḥ
die tragen (Akk.Pl.)
vimūḍhān
die Verblendeten (Akk.Pl.)

prāyeṇa deva munayaḥ sva-vimukti-kāmā maunaṁ caranti vijane na parārtha-niṣṭhāḥ naitān vihāya kṛpaṇān vimumukṣa eko nānyaṁ tvad asya śaraṇaṁ bhramato 'nupaśye

Meist, o Herr, wandern die Weisen, die nach eigener Befreiung streben, schweigend an einsamen Orten, nicht dem Wohl anderer zugewandt; ich aber will diese Elenden nicht im Stich lassen, um allein meine eigene Befreiung zu suchen – ich sehe, während ich umherirre, keine andere Zuflucht für sie als Dich.

Wort für Wort
prāyeṇa
meist
deva
o Herr (Vok.)
munayaḥ
die Weisen (Nom.Pl.)
sva-vimukti-kāmāḥ
nach eigener Befreiung strebend (Nom.Pl.)
maunam
schweigend
caranti
wandern (3.Pl.)
vijane
an einsamen Orten (Lok.)
na
nicht
para-artha-niṣṭhāḥ
dem Wohl anderer zugewandt (Nom.Pl.)
na etān
nicht diese
vihāya
im Stich lassend (Ger.)
kṛpaṇān
die Elenden (Akk.Pl.)
vimumukṣe
ich wünsche zu befreien/befreit zu werden
ekaḥ
allein (Nom.)
na anyam
nicht andere
tvat
als Dich
asya
für diese (Gen.)
śaraṇam
Zuflucht (Akk.)
bhramataḥ
während ich umherirre (Gen.)
anupaśye
sehe ich

yan maithunādi-gṛhamedhi-sukhaṁ hi tucchaṁ kaṇḍūyanena karayor iva duḥkha-duḥkham tṛpyanti neha kṛpaṇā bahu-duḥkha-bhājaḥ kaṇḍūtivan manasijaṁ viṣaheta dhīraḥ

Jenes vermeintliche Glück des Hausvaters, das im Geschlechtsverkehr und Ähnlichem besteht, ist wahrlich gering, wie ein Leiden, das nur weiteres Leiden lindert, gleich dem Kratzen der beiden Hände bei Juckreiz; nicht werden die Elenden, die vielfachem Leid unterworfen sind, dadurch wirklich befriedigt – wer aber, wie beim Juckreiz, das geistige Verlangen erträgt, der wird ein Standhafter.

Wort für Wort
yat
das
maithuna-ādi
Geschlechtsverkehr u. Ä.
gṛhamedhi-sukham
das Glück des Hausvaters (Nom.)
hi
wahrlich
tuccham
gering (Nom.)
kaṇḍūyanena
durch das Kratzen (Instr.)
karayoḥ iva
wie der beiden Hände (Gen.Dual)
duḥkha-duḥkham
ein Leiden, das Leiden lindert (Nom.)
tṛpyanti
werden befriedigt (3.Pl.)
na
nicht
iha
hierdurch
kṛpaṇāḥ
die Elenden (Nom.Pl.)
bahu-duḥkha-bhājaḥ
die vielfachem Leid unterworfen sind (Nom.Pl.)
kaṇḍūti-vat
wie beim Juckreiz
manasi-jam
das geistige Verlangen (Akk.)
viṣaheta
erträgt (Opt.)
dhīraḥ
der Standhafte (Nom.)

mauna-vrata-śruta-tapo-'dhyayana-sva-dharma- vyākhyā-raho-japa-samādhaya āpavargyāḥ prāyaḥ paraṁ puruṣa te tv ajitendriyāṇāṁ vārtā bhavanty uta na vātra tu dāmbhikānām

Schweigegelübde, heiliges Wissen, Askese, Studium, die Pflichten des eigenen Standes, deren Erklärung, Einsamkeit, Wiederholung der Mantras, Versenkung – diese, die zur Erlösung führen, sind, o Puruṣa, für jene, die ihre Sinne nicht bezwungen haben, meist nur ein Mittel des Broterwerbs – nicht aber, wenn sie hier von den Heuchlerischen geübt werden, taugen sie überhaupt etwas.

Wort für Wort
mauna
Schweigegelübde
vrata
Gelübde
śruta
heiliges Wissen
tapaḥ
Askese
adhyayana
Studium
sva-dharma
Pflicht des eigenen Standes
vyākhyā
Erklärung
rahaḥ
Einsamkeit
japa
Mantra-Wiederholung
samādhayaḥ
Versenkung (Nom.Pl.)
āpavargyāḥ
die zur Erlösung führen (Nom.Pl.)
prāyaḥ
meist
param
nur (Akk.)
puruṣa
o Puruṣa (Vok.)
te
diese (Nom.Pl.)
tu
aber
ajita-indriyāṇām
derer, die ihre Sinne nicht bezwungen haben (Gen.Pl.)
vārtāḥ
Mittel des Broterwerbs (Nom.Pl.)
bhavanti
sind (3.Pl.)
uta
so heißt es
na vā
oder auch nicht
atra
hierbei
tu
aber
dāmbhikānām
der Heuchlerischen (Gen.Pl.)

rūpe ime sad-asatī tava veda-sṛṣṭe bījāṅkurāv iva na cānyad arūpakasya yuktāḥ samakṣam ubhayatra vicakṣante tvāṁ yogena vahnim iva dāruṣu nānyataḥ syāt

Diese beiden Formen, Sein und Nichtsein, sind von Dir, im Veda geschaffen, wie Same und Keim – nichts anderes gibt es von Dir, dem Formlosen; nur die im Yoga Geeinten sehen Dich unmittelbar vor Augen in beiderlei Gestalt, so wie man das Feuer im Holz, nicht aber anderswoher, wahrnimmt.

Wort für Wort
rūpe
die beiden Formen (Nom.Dual)
ime
diese (Nom.Dual)
sat-asatī
Sein und Nichtsein (Nom.Dual)
tava
von Dir (Gen.)
veda-sṛṣṭe
im Veda geschaffen (Nom.Dual)
bīja-aṅkurau iva
wie Same und Keim (Nom.Dual)
na
nicht
ca anyat
und etwas anderes
arūpakasya
des Formlosen (Gen.)
yuktāḥ
die Geeinten (Nom.Pl.)
samakṣam
unmittelbar vor Augen
ubhayatra
in beiderlei Gestalt
vicakṣante
sehen (3.Pl.)
tvām
Dich (Akk.)
yogena
durch Yoga (Instr.)
vahnim iva
wie das Feuer (Akk.)
dāruṣu
im Holz (Lok.)
na anyataḥ
nicht anderswoher
syāt
wäre möglich (Opt.)

tvaṁ vāyur agnir avanir viyad ambu mātrāḥ prāṇendriyāṇi hṛdayaṁ cid anugrahaś ca sarvaṁ tvam eva saguṇo viguṇaś ca bhūman nānyat tvad asty api mano-vacasā niruktam

Du bist Wind, Feuer, Erde, Himmel, Wasser, die feinstofflichen Sinnesobjekte; die Lebensatems, die Sinne, das Herz, das Bewusstsein und dessen Gnade – alles bist Du allein, o Gewaltiger, mit und ohne Eigenschaften; nichts anderes als Du gibt es, selbst wenn es mit Geist oder Wort ausgedrückt wird.

Wort für Wort
tvam
Du (Nom.)
vāyuḥ
Wind (Nom.)
agniḥ
Feuer (Nom.)
avaniḥ
Erde (Nom.)
viyat
Himmel (Nom.)
ambu
Wasser (Nom.)
mātrāḥ
die feinstofflichen Sinnesobjekte (Nom.Pl.)
prāṇa-indriyāṇi
die Lebensatems, die Sinne (Nom.Pl.)
hṛdayam
das Herz (Nom.)
cit
das Bewusstsein (Nom.)
anugrahaḥ
dessen Gnade (Nom.)
ca
und
sarvam
alles (Nom.)
tvam eva
Du allein (Nom.)
saguṇaḥ
mit Eigenschaften (Nom.)
viguṇaḥ
ohne Eigenschaften (Nom.)
ca
und
bhūman
o Gewaltiger (Vok.)
na anyat
nichts anderes (Nom.)
tvat
als Du (Abl.)
asti
gibt es
api
selbst
manaḥ-vacasā
mit Geist oder Wort (Instr.)
niruktam
ausgedrückt (Nom.)

naite guṇā na guṇino mahad-ādayo ye sarve manaḥ prabhṛtayaḥ sahadeva-martyāḥ ādy-antavanta urugāya vidanti hi tvām evaṁ vimṛśya sudhiyo viramanti śabdāt

Weder diese Erscheinungsweisen noch ihre Herren, angefangen mit dem Mahat, noch all das, was mit dem Geist beginnt, samt Göttern und Sterblichen – die alle einen Anfang und ein Ende haben – erkennen Dich, o vielgepriesener Herr; so denken die Weisen und lassen ab von bloßen Worten.

Wort für Wort
na ete
nicht diese
guṇāḥ
Erscheinungsweisen (Nom.Pl.)
na guṇinaḥ
noch ihre Herren
mahat-ādayaḥ
angefangen mit dem Mahat (Nom.Pl.)
ye sarve
die alle
manaḥ prabhṛtayaḥ
vom Geist an (Nom.Pl.)
saha-deva-martyāḥ
samt Göttern und Sterblichen (Nom.Pl.)
ādi-anta-vantaḥ
die einen Anfang und ein Ende haben (Nom.Pl.)
urugāya
o vielgepriesener Herr (Vok.)
vidanti
erkennen (3.Pl.)
hi
wahrlich
tvām
Dich (Akk.)
evam
so
vimṛśya
erwogen habend (Ger.)
su-dhiyaḥ
die Weisen (Nom.Pl.)
viramanti
lassen ab (3.Pl.)
śabdāt
von bloßen Worten (Abl.)

tat te 'rhattama namaḥ stuti-karma-pūjāḥ karma smṛtiś caraṇayoḥ śravaṇaṁ kathāyām saṁsevayā tvayi vineti ṣaḍ-aṅgayā kiṁ bhaktiṁ janaḥ paramahaṁsa-gatau labheta

Darum, o Höchster der Verehrungswürdigen: Ohne Verneigung, Lobpreisung, Verehrungshandlung, dienendes Tun, das Gedenken an Deine Füße, das Hören Deiner Geschichten – ohne diesen sechsgliedrigen Dienst an Dir, wie könnte ein Mensch die Hingabe erlangen, die zum Reich der Paramahaṁsas führt?

Wort für Wort
tat
darum
te
Dir (Dat.)
arhat-tama
o Höchster der Verehrungswürdigen (Vok.)
namaḥ
Verneigung (Nom.)
stuti-karma-pūjāḥ
Lobpreisung, Handlung, Verehrung (Nom.Pl.)
karma
dienendes Tun (Nom.)
smṛtiḥ
Gedenken (Nom.)
caraṇayoḥ
an Deine Füße (Gen.Dual)
śravaṇam
Hören (Nom.)
kathāyām
in Deinen Geschichten (Lok.)
saṁsevayā
durch Dienst
tvayi
an Dir (Lok.)
vinā
ohne
iti
so
ṣaṭ-aṅgayā
sechsgliedrig (Instr.)
kim
wie
bhaktim
Hingabe (Akk.)
janaḥ
ein Mensch (Nom.)
paramahaṁsa-gatau
die zum Reich der Paramahaṁsas führt (Lok.)
labheta
könnte erlangen (Opt.)

śrī-nārada uvāca etāvad varṇita-guṇo bhaktyā bhaktena nirguṇaḥ prahrādaṁ praṇataṁ prīto yata-manyur abhāṣata

Śrī Nārada sprach: So weit besungen, mit diesen Eigenschaften, wurde der Eigenschaftslose durch die Hingabe des Geweihten gepriesen; erfreut, den Zorn gebändigt, sprach Er zu Prahlāda, der sich niedergeworfen hatte, wie folgt:

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ
Śrī Nārada (Nom.)
uvāca
sprach
etāvat
so weit
varṇita-guṇaḥ
mit besungenen Eigenschaften (Nom.)
bhaktyā
durch Hingabe (Instr.)
bhaktena
durch den Geweihten (Instr.)
nirguṇaḥ
der Eigenschaftslose (Nom.)
prahrādam
zu Prahlāda (Akk.)
praṇatam
der sich niedergeworfen hatte (Akk.)
prītaḥ
erfreut (Nom.)
yata-manyuḥ
den Zorn gebändigt (Nom.)
abhāṣata
sprach (3.Sg.Impf.)

śrī-bhagavān uvāca prahrāda bhadra bhadraṁ te prīto 'haṁ te 'surottama varaṁ vṛṇīṣvābhimataṁ kāma-pūro 'smy ahaṁ nṛṇām

Der Erhabene sprach: Prahlāda, du Sanftmütiger, alles Gute sei dir! Ich bin mit dir zufrieden, o Bester unter den Dämonen! Erbitte dir eine Gunst nach Wunsch – Ich bin es, der die Wünsche aller Menschen erfüllt.

Wort für Wort
śrī-bhagavān
der Erhabene (Nom.)
uvāca
sprach
prahrāda
Prahlāda (Vok.)
bhadra
du Sanftmütiger (Vok.)
bhadram
Gutes (Nom.)
te
dir (Dat.)
prītaḥ
zufrieden (Nom.)
aham
Ich (Nom.)
te
mit dir (Gen.)
asura-uttama
o Bester der Dämonen (Vok.)
varam
eine Gunst (Akk.)
vṛṇīṣva
erbitte dir! (Imp.)
abhimatam
nach Wunsch (Akk.)
kāma-pūraḥ
der die Wünsche erfüllt (Nom.)
asmi
bin
aham
Ich (Nom.)
nṛṇām
aller Menschen (Gen.Pl.)

mām aprīṇata āyuṣman darśanaṁ durlabhaṁ hi me dṛṣṭvā māṁ na punar jantur ātmānaṁ taptum arhati

Wer Mich nicht erfreut, o du, dem langes Leben beschieden sei – Mein Anblick ist nämlich schwer zu erlangen; hat aber jemand Mich einmal erblickt, so ziemt es sich für das Lebewesen nicht mehr, sich selbst noch länger zu quälen.

Wort für Wort
mām
Mich (Akk.)
aprīṇataḥ
wer nicht erfreut (Gen.)
āyuṣman
o du, dem langes Leben beschieden sei (Vok.)
darśanam
der Anblick (Nom.)
durlabham
schwer zu erlangen (Nom.)
hi
nämlich
me
Mein (Gen.)
dṛṣṭvā
erblickt habend (Ger.)
mām
Mich (Akk.)
na
nicht
punaḥ
wieder/noch länger
jantuḥ
das Lebewesen (Nom.)
ātmānam
sich selbst (Akk.)
taptum
zu quälen (Inf.)
arhati
ziemt es sich

prīṇanti hy atha māṁ dhīrāḥ sarva-bhāvena sādhavaḥ śreyas-kāmā mahā-bhāga sarvāsām āśiṣāṁ patim

Denn danach erfreuen Mich die Besonnenen, die Tugendhaften, in jeder Hinsicht, die nach dem wahren Heil streben, o du hoch Beglückter – Mich, den Herrn aller Segnungen.

Wort für Wort
prīṇanti
erfreuen (3.Pl.)
hi atha
denn danach
mām
Mich (Akk.)
dhīrāḥ
die Besonnenen (Nom.Pl.)
sarva-bhāvena
in jeder Hinsicht (Instr.)
sādhavaḥ
die Tugendhaften (Nom.Pl.)
śreyaḥ-kāmāḥ
die nach dem Heil streben (Nom.Pl.)
mahā-bhāga
o hoch Beglückter (Vok.)
sarvāsām
aller (Gen.Pl.)
āśiṣām
Segnungen (Gen.Pl.)
patim
den Herrn (Akk.)

Vollständiger Vierzeiler auf vedabase.io beim ersten IAST-Abruf unvollständig (nur die letzten drei Pādas) dargestellt; die erste Zeile wurde anhand der dort separat vollständig gelieferten Wort-für-Wort-Gloss-Tabelle rekonstruiert und mit der lokalen GRETIL-Ausgabe (BhP_07.09.054) übereinstimmend bestätigt.

śrī-nārada uvāca evaṁ pralobhyamāno 'pi varair loka-pralobhanaiḥ ekāntitvād bhagavati naicchat tān asurottamaḥ

Śrī Nārada sprach: So, obwohl er auf diese Weise mit Gaben, die der Welt begehrenswert erscheinen, verlockt wurde, wünschte sich der Beste der Dämonen jene Gaben nicht – aus seiner ausschließlichen Hingabe an den Erhabenen.

Wort für Wort
śrī-nāradaḥ
Śrī Nārada (Nom.)
uvāca
sprach
evam
so
pralobhyamānaḥ
verlockt werdend (Nom.)
api
obwohl
varaiḥ
mit Gaben (Instr.)
loka-pralobhanaiḥ
die der Welt verlockend erscheinen (Instr.)
ekāntitvāt
aus ausschließlicher Hingabe (Abl.)
bhagavati
an den Erhabenen (Lok.)
na aicchat
wünschte nicht
tān
jene (Akk.Pl.)
asura-uttamaḥ
der Beste der Dämonen (Nom.)

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