Śrī Nārada sprach: So vermochten alle Götter und andere Wesen, angeführt von Brahmā und Rudra, sich nicht zu nähern – dem Herrn, der in Seiner von Zorn erregten Verfassung überaus schwer zu nahen war.
Śrī, die Glücksgöttin selbst, von den Göttern entsandt, wagte sich, nachdem sie Ihn, den Gewaltigen, Wunderbaren, erblickt hatte, furchtsam nicht zu nähern – da dergleichen zuvor nie gesehen noch gehört worden war.
„So sei es“, sprach der große, erhabene Geweihte, obgleich nur ein kleiner Knabe, o König, langsam; er näherte sich, warf sich mit dem Körper auf die Erde nieder und verneigte sich mit gefalteten Händen.
Als der Herr den Knaben erblickte, der zu Seinen Lotosfüßen gefallen war, wurde Er von Mitleid übermannt; Er hob ihn auf und legte Seine Lotoshand auf dessen Haupt – jene Hand, die denen, deren Sinn von der todbringenden Schlange der Zeit erschreckt ist, Furchtlosigkeit verleiht.
sa tat-kara-sparśa-dhutākhilāśubhaḥ
sapady abhivyakta-parātma-darśanaḥ
tat-pāda-padmaṁ hṛdi nirvṛto dadhau
hṛṣyat-tanuḥ klinna-hṛd-aśru-locanaḥ
Er, von dessen Berührung jener Hand alles Unheil abgewaschen war, in dem sogleich die Schau des höchsten Selbst offenbar wurde, hielt dessen Lotosfüße im Herzen fest, voller Wonne, den Körper sich sträubend, das Herz erweicht, mit tränenerfüllten Augen.
Wort für Wort
saḥ
er (Nom.)
tat-kara-sparśa
durch die Berührung von dessen Hand
dhuta-akhila-aśubhaḥ
von dem alles Unheil abgewaschen war (Nom.)
sapadi
sogleich
abhivyakta-para-ātma-darśanaḥ
in dem die Schau des höchsten Selbst offenbar wurde (Nom.)
Śrī Prahlāda sprach: Brahmā und die anderen, die Scharen der Götter, die Weisen sowie die Vollendeten, die ganz auf das reine Sein gerichtet sind, vermochten bis jetzt nicht, Ihn mit Strömen von Worten – so vorzüglich diese auch seien – zu verehren. Wie sollte da mein Hari von mir, der ich aus einem furchtbaren Geschlecht stamme, erfreut werden können?
Wort für Wort
śrī-prahrādaḥ
Śrī Prahlāda (Nom.)
uvāca
sprach
brahma-ādayaḥ
Brahmā u. a. (Nom.Pl.)
sura-gaṇāḥ
die Scharen der Götter (Nom.Pl.)
munayaḥ
die Weisen (Nom.Pl.)
atha
sowie
siddhāḥ
die Vollendeten (Nom.Pl.)
sattva-ekatāna-gatayaḥ
die ganz auf das reine Sein gerichtet sind (Nom.Pl.)
Ich halte dafür: Reichtum, vornehme Herkunft, Schönheit, Askese, Gelehrsamkeit, Sinneskraft, Glanz, Einfluss, körperliche Stärke, Tatkraft, Verstand und mystische Macht taugen wahrlich nicht zur Verehrung des Höchsten – durch Hingabe allein wurde der Erhabene einst zufriedengestellt, als Er dem Herrn der Elefantenherde half.
viprād dvi-ṣaḍ-guṇa-yutād
aravinda-nābha-pādāravinda-vimukhāt
śvapacaṁ variṣṭham manye
tad-arpita-mano-vacanehitārtha-prāṇaṁ
punāti sa kulaṁ na tu bhūrimānaḥ
Besser als ein Brahmane, ausgestattet mit den zwölf brahmanischen Tugenden, der aber den Lotosfüßen dessen, aus dessen Nabel der Lotos wächst, abgewandt ist, halte ich einen Hundekocher, dessen Sinn, Wort, Streben, Habe und Lebensatem Ihm dargebracht sind: Ein solcher reinigt sein Geschlecht, nicht aber, wer sich viel einbildet.
Wort für Wort
viprāt
als ein Brahmane (Abl.)
dvi-ṣaṭ-guṇa-yutāt
der mit den zwölf Tugenden ausgestattet ist (Abl.)
aravinda-nābha
dessen, aus dessen Nabel der Lotos wächst
pāda-aravinda
den Lotosfüßen
vimukhāt
abgewandt (Abl.)
śva-pacam
einen Hundekocher (Akk., d. h. niedrigst Geborenen)
Keineswegs begehrt dieser Herr, der in Sich selbst vollkommen erfüllt ist, Ehrerbietung um Seinetwillen; aus Mitleid nimmt Er sie von einem Unwissenden an, der nicht weiß, dass sie Ihm zusteht – was immer ein Mensch dem Erhabenen an Ehrerbietung darbringt, das gereicht wiederum ihm selbst zum Nutzen, so wie dem Spiegelbild des Gesichts die Zierde des Gesichts zuteilwird.
Darum will ich, aller Verzagtheit entledigt, mit ganzer Seele, so gut es meinem Verstand entspricht, den Ruhm des Herrn verkünden – jenen Ruhm, durch dessen Besingen ein Mensch gereinigt werden kann, mag er auch niedrig geboren und aus Unwissenheit in die Entfaltung der Erscheinungsweisen eingetreten sein.
sarve hy amī vidhi-karās tava sattva-dhāmno
brahmādayo vayam iveśa na codvijantaḥ
kṣemāya bhūtaya utātma-sukhāya cāsya
vikrīḍitaṁ bhagavato rucirāvatāraiḥ
Wahrlich, alle diese, Brahmā und die anderen, sind Vollstrecker Deines Befehls, o Herr, der Du im reinen Sein weilst, so wie auch wir – ohne Furcht; zum Heil, zum Wohlergehen und auch zur eigenen Freude entfaltet sich dieses Spiel des Erhabenen durch Seine bezaubernden Inkarnationen.
tad yaccha manyum asuraś ca hatas tvayādya
modeta sādhur api vṛścika-sarpa-hatyā
lokāś ca nirvṛtim itāḥ pratiyanti sarve
rūpaṁ nṛsiṁha vibhayāya janāḥ smaranti
Darum lege nun Deinen Zorn ab; der Dämon ist heute von Dir getötet worden – selbst ein Heiliger freut sich über das Töten von Skorpion und Schlange. Alle Welten sind zur Ruhe gekommen und harren nun; diese Gestalt, o Nṛsiṁha, werden die Menschen sich in Erinnerung rufen, um ihre Furcht zu vertreiben.
nāhaṁ bibhemy ajita te 'tibhayānakāsya-
jihvārka-netra-bhrukuṭī-rabhasogra-daṁṣṭrāt
āntra-srajaḥ-kṣataja-keśara-śaṅku-karṇān
nirhrāda-bhīta-digibhād ari-bhin-nakhāgrāt
Ich fürchte mich nicht, o Unbesiegter, vor Deinem überaus furchterregenden Antlitz mit Zunge, sonnengleichen Augen, zornig gerunzelten Brauen, heftigen, wilden Zähnen; nicht vor dem Kranz aus Gedärm, blutigen Mähnenhaaren, spitzen Ohren; nicht vor dem Gebrüll, vor dem selbst die großen Elefanten erschrecken; nicht vor den Spitzen Deiner Krallen, die den Feind zerreißen.
trasto 'smy ahaṁ kṛpaṇa-vatsala duḥsahogra-
saṁsāra-cakra-kadanād grasatāṁ praṇītaḥ
baddhaḥ sva-karmabhir uśattama te 'ṅghri-mūlaṁ
prīto 'pavarga-śaraṇaṁ hvayase kadā nu
Erschrocken bin ich, o Du, der Du den Elenden so zugetan bist, erschrocken von dieser unerträglichen, furchtbaren Zermalmung durch das Rad des Daseinskreislaufs, hineingeworfen unter Wesen, die einander verschlingen, gebunden durch meine eigenen Taten – o höchst Erhabener, wann wirst Du mich, erfreut über mich, an die Wurzel Deiner Füße rufen, die Zuflucht der Erlösung sind?
Wort für Wort
trastaḥ
erschrocken (Nom.)
asmi
bin
aham
ich (Nom.)
kṛpaṇa-vatsala
o Du, der Du den Elenden zugetan bist (Vok.)
duḥsaha-ugra
unerträglich, furchtbar
saṁsāra-cakra-kadanāt
von der Zermalmung durch das Rad des Daseinskreislaufs (Abl.)
yasmāt priyāpriya-viyoga-saṁyoga-janma-
śokāgninā sakala-yoniṣu dahyamānaḥ
duḥkhauṣadhaṁ tad api duḥkham atad-dhiyāhaṁ
bhūman bhramāmi vada me tava dāsya-yogam
Weil ich, in jeglicher Art von Körper brennend im Feuer des Kummers, das aus der Trennung von und Vereinigung mit Liebem und Unliebem entsteht, jenes wahre Wissen entbehrend umherirre – ist selbst das Heilmittel gegen den Schmerz noch Schmerz. O Gewaltiger, sag mir doch den Weg Deines Dienstes.
Wort für Wort
yasmāt
weil
priya-apriya
von Liebem und Unliebem
viyoga-saṁyoga-janma
aus Trennung und Vereinigung entstehend
śoka-agninā
im Feuer des Kummers (Instr.)
sakala-yoniṣu
in jeglicher Art von Körper (Lok.)
dahyamānaḥ
brennend (Nom.)
duḥkha-auṣadham
das Heilmittel gegen den Schmerz (Nom.)
tat api
auch das
duḥkham
Schmerz (Nom.)
a-tat-dhiyā
den Leib fälschlich für das Selbst haltend (Instr.)
so 'haṁ priyasya suhṛdaḥ paradevatāyā
līlā-kathās tava nṛsiṁha viriñca-gītāḥ
añjas titarmy anugṛṇan guṇa-vipramukto
durgāṇi te pada-yugālaya-haṁsa-saṅgaḥ
So werde ich, indem ich die Erzählungen von den Spielen Deiner, des liebsten Freundes, der höchsten Gottheit, o Nṛsiṁha, die von Brahmā gesungen wurden, unablässig wiederhole, leicht alle Deine Nöte überwinden – frei von den Erscheinungsweisen, in der Gemeinschaft der Schwäne, die an der Wohnstatt Deiner beiden Füße weilen.
Wort für Wort
saḥ aham
so ich
priyasya
des Liebsten (Gen.)
suhṛdaḥ
des Freundes (Gen.)
para-devatāyāḥ
der höchsten Gottheit (Gen.)
līlā-kathāḥ
die Erzählungen von den Spielen (Akk.Pl.)
tava
Deine (Gen.)
nṛsiṁha
o Nṛsiṁha (Vok.)
viriñca-gītāḥ
von Brahmā gesungen (Akk.Pl.)
añjaḥ
leicht
titarmi
werde ich überqueren
anugṛṇan
stets wiederholend (Part.)
guṇa-vipramuktaḥ
frei von den Erscheinungsweisen (Nom.)
durgāṇi
die Nöte (Akk.Pl.)
te
Deine (Gen.)
pada-yuga-ālaya-haṁsa-saṅgaḥ
in Gemeinschaft der Schwäne, die an der Wohnstatt Deiner beiden Füße weilen (Nom.)
Für ein Kind, o Nṛsiṁha, sind hier Vater und Mutter kein wahrer Schutz; für einen Leidenden ist keine Arznei wahre Hilfe; für einen im Meer Versinkenden ist ein Boot keine wahre Rettung; und ebenso, o Allmächtiger, ist für einen Brennenden das Gegenmittel, das man hier leicht ersehnt, kein wahrer Schutz – für die verkörperten Wesen, die von Dir übersehen werden.
yasmin yato yarhi yena ca yasya yasmād
yasmai yathā yad uta yas tv aparaḥ paro vā
bhāvaḥ karoti vikaroti pṛthak svabhāvaḥ
sañcoditas tad akhilaṁ bhavataḥ svarūpam
In welchem Zustand auch immer, wodurch auch immer, wann auch immer, durch wen auch immer, in Bezug auf wen auch immer, woher auch immer, wem auch immer zugewandt, wie auch immer, was immer es auch sei – wer auch immer, ob ein anderer oder der Höchste selbst: jener Zustand, der handelt und sich verändert, je eigener Natur entsprechend hervorgerufen – all das, insgesamt, ist Deine eigene Wesensform.
māyā manaḥ sṛjati karmamayaṁ balīyaḥ
kālena codita-guṇānumatena puṁsaḥ
chandomayaṁ yad ajayārpita-ṣoḍaśāraṁ
saṁsāra-cakram aja ko 'titaret tvad-anyaḥ
Die Māyā erschafft den Geist, überaus mächtig, ganz auf Werke ausgerichtet, angetrieben von der Zeit, mit der durch sie erregten Zustimmung der Erscheinungsweisen des Puruṣa – das Rad des Daseinskreislaufs, das hauptsächlich von den vedischen Hymnen bestimmt ist, das durch Unwissenheit mit sechzehn Speichen versehen wurde, o Ungeborener: wer außer Dir könnte es überwinden?
Wort für Wort
māyā
die Māyā (Nom.)
manaḥ
den Geist (Akk.)
sṛjati
erschafft (3.Sg.)
karma-mayam
ganz auf Werke ausgerichtet (Akk.)
balīyaḥ
überaus mächtig (Akk.)
kālena
durch die Zeit (Instr.)
codita-guṇa-anumatena
mit der durch sie erregten Zustimmung der Erscheinungsweisen (Instr.)
puṁsaḥ
des Puruṣa (Gen.)
chandaḥ-mayam
hauptsächlich von den vedischen Hymnen bestimmt (Akk.)
sa tvaṁ hi nitya-vijitātma-guṇaḥ sva-dhāmnā
kālo vaśī-kṛta-visṛjya-visarga-śaktiḥ
cakre visṛṣṭm ajayeśvara ṣoḍaśāre
niṣpīḍyamānam upakarṣa vibho prapannam
Du bist es, der ewig durch Deine eigene Wesensmacht die Erscheinungsweisen bezwungen hat; Du bist die Zeit, der die Kraft von Geschaffenem und Schöpfung unterworfen ist – ziehe mich, den durch Māyā in dieses Rad mit sechzehn Speichen Geworfenen, der darunter zermalmt wird, zu Dir, o Herrscher, o Allmächtiger, mich, den Ergebenen.
Wort für Wort
saḥ tvam
eben Du
hi
wahrlich
nitya-vijita-ātma-guṇaḥ
der ewig die Erscheinungsweisen bezwungen hat (Nom.)
sva-dhāmnā
durch Deine eigene Wesensmacht (Instr.)
kālaḥ
die Zeit (Nom.)
vaśī-kṛta-visṛjya-visarga-śaktiḥ
dem die Kraft von Geschaffenem und Schöpfung unterworfen ist (Nom.)
dṛṣṭā mayā divi vibho 'khila-dhiṣṇya-pānām
āyuḥ śriyo vibhava icchati yāñ jano 'yam
ye 'smat pituḥ kupita-hāsa-vijṛmbhita-bhrū-
visphūrjitena lulitāḥ sa tu te nirastaḥ
Ich habe gesehen, o Herrscher, wie im Himmel die Lebensdauer, der Glanz und die Macht aller Herrscher der Welten, die sich diese Menschen wünschen, durch das bloße Zucken der zornig lachenden Braue unseres Vaters zunichtegemacht wurden – und er selbst wurde nun von Dir vernichtet.
Darum begehre ich, wissend um ihre Vergänglichkeit, jene Segnungen nicht: Lebensdauer, Glanz, Macht, alles zur Sinnenfreude bestimmt, die den verkörperten Wesen, von Brahmā angefangen bis hinab zur Ameise, gewährt werden – Gaben, die von Dir, dem überaus Mächtigen, als Zeit selbst wieder zunichtegemacht werden. Nimm mich vielmehr an die Seite Deines eigenen Dieners.
kutrāśiṣaḥ śrutisukhā mṛgatṛṣṇirūpāḥ
kvedaṁ kalevaramaśeṣarujāṃ virohaḥ
nirvidyate na tu jano yadapīti vidvān
kāmānalaṃ madhulavaiḥ śamayan durāpaiḥ
Wo sind die Segnungen, dem Ohr zwar angenehm, doch von der Gestalt einer Fata Morgana? Wo ist dieser Körper, der Nährboden endloser Krankheiten? Dennoch wendet sich der Mensch nicht ab, obgleich er, dies wissend, immer wieder versucht, das Feuer der Begierde mit schwer erlangbaren Tropfen von Honig zu löschen.
Wort für Wort
kutra
wo (Nom./Adv.)
āśiṣaḥ
die Segnungen (Nom.Pl.)
śruti-sukhāḥ
dem Ohr angenehm (Nom.Pl.)
mṛga-tṛṣṇi-rūpāḥ
von der Gestalt einer Fata Morgana (Nom.Pl.)
kva
wo
idam
dieser (Nom.)
kalevaram
Körper (Nom.)
aśeṣa-rujām
aller Krankheiten (Gen.Pl.)
virohaḥ
der Nährboden/Wachstumsort (Nom.)
nirvidyate
wendet sich ab (3.Sg.Pass.)
na
nicht
tu
aber
janaḥ
der Mensch (Nom.)
yad api
obgleich
iti
so
vidvān
wissend (Nom.)
kāma-analam
das Feuer der Begierde (Akk.)
madhu-lavaiḥ
mit Tropfen von Honig (Instr.)
śamayan
zu löschen versuchend (Part.)
durāpaiḥ
schwer erlangbaren (Instr.)
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kvāhaṁ rajaḥ-prabhava īśa tamo 'dhike 'smin
jātaḥ suretara-kule kva tavānukampā
na brahmaṇo na tu bhavasya na vai ramāyā
yan me 'rpitaḥ śirasi padma-karaḥ prasādaḥ
Wo stehe ich, entstanden aus der Erscheinungsweise der Leidenschaft, geboren in diesem, von der Erscheinungsweise der Dunkelheit überwogenen Geschlecht der Widergötter – und wo ist Deine Barmherzigkeit! Weder Brahmās noch Śivas noch Ramās Gnade war es: Deine Gnade ist es, dass Deine Lotoshand auf mein Haupt gelegt wurde.
naiṣā parāvara-matir bhavato nanu syāj
jantor yathātma-suhṛdo jagatas tathāpi
saṁsevayā surataror iva te prasādaḥ
sevānurūpam udayo na parāvaratvam
Nicht ist dies wahrlich eine Unterscheidung von höher und niedriger in Dir – wie sollte sie es sein, o Du, der Du der wahre Freund jedes Lebewesens und der ganzen Welt bist? Dennoch erscheint Deine Gnade wie die des Wunschbaums, dem Dienst entsprechend, den man Dir darbringt – dem Dienst entsprechend ist ihr Aufgehen, nicht eine wirkliche Unterscheidung von höher und niedriger.
evaṁ janaṁ nipatitaṁ prabhavāhi-kūpe
kāmābhikāmam anu yaḥ prapatan prasaṅgāt
kṛtvātmasāt surarṣiṇā bhagavan gṛhītaḥ
so 'haṁ kathaṁ nu visṛje tava bhṛtya-sevām
So bin ich, der ich, in den Brunnen der Schlangen des weltlichen Daseins gefallen, begehrend nach Sinnesobjekten strebte, immer tiefer fallend, aus schlechter Gesellschaft heraus – dennoch durch den göttlichen Weisen Dir gleichgemacht und angenommen worden, o Erhabener: Wie könnte ich da je den Dienst an Deinen Dienern aufgeben?
mat-prāṇa-rakṣaṇam ananta pitur vadhaś ca
manye sva-bhṛtya-ṛṣi-vākyam ṛtaṁ vidhātum
khaḍgaṁ pragṛhya yad avocad asad-vidhitsus
tvām īśvaro mad-aparo 'vatu kaṁ harāmi
Die Rettung meines Lebens, o Unendlicher, und die Tötung meines Vaters – beides betrachte ich als geschehen, um die Worte Deines eigenen Dieners, des Weisen Nārada, wahr zu machen: als er, Böses ersinnend, das Schwert ergriff und sprach: „Welch anderer Herrscher außer mir soll Dich retten? Dein Haupt trenne ich jetzt ab!“
ekas tvam eva jagad etam amuṣya yat tvam
ādy-antayoḥ pṛthag avasyasi madhyataś ca
sṛṣṭvā guṇa-vyatikaraṁ nija-māyayedaṁ
nāneva tair avasitas tad anupraviṣṭaḥ
Du allein bist dieses Universum, da Du, davon getrennt, am Anfang, am Ende und auch in der Mitte davon bestehst; nachdem Du durch Deine eigene Māyā die Vermischung der Erscheinungsweisen geschaffen hast, erscheinst Du als vielgestaltig, von ihnen wahrgenommen – obwohl Du selbst in sie eingegangen bist.
tvaṁ vā idaṁ sadasad īśa bhavāṁs tato 'nyo
māyā yad ātma-para-buddhir iyaṁ hy apārthā
yad yasya janma nidhanaṁ sthitir īkṣaṇaṁ ca
tad vaitad eva vasukālavad aṣṭi-tarvoḥ
Du bist es, oder vielmehr: dieses Universum, Ursache und Wirkung, bist Du, o Herr; nichts anderes als Du gibt es – nur Māyā ist es, aus der diese Vorstellung vom Eigenen und Fremden entsteht, die ja bedeutungslos ist; wessen Entstehung, Vergehen, Bestehen und Erscheinen auch betrachtet wird, das ist ebendasselbe – wie Samen und Baum zu Erde und Zeit stehen [?].
Wort für Wort
tvam
Du (Nom.)
vā
oder vielmehr
idam
dieses (Nom.)
sat-asat
Ursache und Wirkung (Nom.)
īśa
o Herr (Vok.)
bhavān
Du (Nom.)
tataḥ
von diesem
anyaḥ
getrennt (Nom.)
māyā
die Māyā (Nom.)
yat
aus der
ātma-para-buddhiḥ
die Vorstellung vom Eigenen und Fremden (Nom.)
iyam
diese (Nom.)
hi
ja
apārthā
bedeutungslos (Nom.)
yat yasya
wessen auch immer
janma
Entstehung (Nom.)
nidhanam
Vergehen (Nom.)
sthitiḥ
Bestehen (Nom.)
īkṣaṇam
Erscheinen (Nom.)
ca
und
tat vā etat eva
das ist eben dasselbe
vasukāla-vat
wie Erde und Zeit [?]
aṣṭi-tarvoḥ
zu Samen und Baum (Gen.Dual)
Das Kompositum „vasukālavad aṣṭi-tarvoḥ“ ist lexikalisch schwer eindeutig aufzulösen; Übersetzung als Vergleich (Same/Baum verhält sich zu Erde/Zeit wie Wirkung zu Ursache) mit [?] markiert.
nyasyedam ātmani jagad vilayāmbu-madhye
śeṣetmanā nija-sukhānubhavo nirīhaḥ
yogena mīlita-dṛg-ātma-nipīta-nidras
turye sthito na tu tamo na guṇāṁś ca yuṅkṣe
Nachdem Du dieses Universum in Dich selbst gelegt hast, inmitten des Wassers der Auflösung, ruhst Du durch Dich selbst, in der Erfahrung Deiner eigenen Wonne, ohne jedes Tun; durch Deine Yoga-Kraft bleiben die Augen wie geschlossen, doch der Schlaf wird durch Dein eigenes Selbst aufgesogen; im vierten Zustand verweilend, [bist Du] weder im Dunkel des Schlafs, noch verbindest Du Dich mit den Erscheinungsweisen.
Wort für Wort
nyasya
gelegt habend (Ger.)
idam
dieses (Akk.)
ātmani
in Dich selbst (Lok.)
jagat
das Universum (Akk.)
vilaya-ambu-madhye
inmitten des Wassers der Auflösung (Lok.)
śeṣe
Du ruhst
ātmanā
durch Dich selbst (Instr.)
nija-sukha-anubhavaḥ
in der Erfahrung Deiner eigenen Wonne (Nom.)
nirīhaḥ
ohne jedes Tun (Nom.)
yogena
durch Yoga-Kraft (Instr.)
mīlita-dṛk
mit wie geschlossenen Augen (Nom.)
ātma-nipīta-nidraḥ
dessen Schlaf durch das eigene Selbst aufgesogen ist (Nom.)
Eben dieser Dein kosmische Leib, dieses Universum – durchdrungen von den Eigenschaften der durch Deine eigene Zeitkraft angeregten Natur –, in Dir selbst verborgen: Aus dem Wasser, vom Lager des Ananta, aus der Trance erwachend, entstand aus Deinem Nabel, wie ein großer Banyanbaum aus seinem eigenen Samenkorn, die große Lotosblume der Welten.
Der aus jenem Lotos Entstandene, der Weise, sah, da er nichts anderes als ihn wahrnahm, Dich nicht als den Samen, der in ihm selbst ausgebreitet und doch verborgen war, sondern hielt Dich für etwas Äußeres – hundert Götterjahre lang ins Wasser tauchend, fand er Dich nicht: Wie könnte man, wenn der Keim erst hervorgesprossen ist, den ursprünglichen Samen noch wahrnehmen, o Herr?
sa tv ātma-yonir ativismita āśrito 'bjaṁ
kālena tīvra-tapasā pariśuddha-bhāvaḥ
tvām ātmanīśa bhuvi gandham ivātisūkṣmaṁ
bhūtendriyāśayamaye vitataṁ dadarśa
Er aber, selbstentsprungen, überaus erstaunt, auf dem Lotos weilend, durch strenge Askese mit der Zeit vollkommen geläutert an Wesen, erblickte Dich, o Herr, in sich selbst ausgebreitet wie einen überaus feinen Duft in der Erde – Dich, der Du in dem aus Elementen, Sinnen und ihrem Sitz gebildeten Leib webst.
Wort für Wort
saḥ tu
er aber (Nom.)
ātma-yoniḥ
selbstentsprungen (Nom.)
ati-vismitaḥ
überaus erstaunt (Nom.)
āśritaḥ
weilend auf (Nom.)
abjam
dem Lotos (Akk.)
kālena
mit der Zeit (Instr.)
tīvra-tapasā
durch strenge Askese (Instr.)
pariśuddha-bhāvaḥ
vollkommen geläutert an Wesen (Nom.)
tvām
Dich (Akk.)
ātmani
in sich selbst (Lok.)
īśa
o Herr (Vok.)
bhuvi
in der Erde (Lok.)
gandham iva
wie einen Duft (Akk.)
ati-sūkṣmam
überaus fein (Akk.)
bhūta-indriya-āśaya-maye
aus Elementen, Sinnen und ihrem Sitz gebildeten (Lok.)
So, mit tausend Gesichtern, Füßen, Häuptern, Händen, Schenkeln, Nasen und weiteren Gliedern, Ohren, Augen, geschmückt mit Zierden und Waffen, ein Werk der göttlichen Māyā, dessen Zusammensetzung an gewissen Merkmalen erkennbar war – als er den Höchsten Puruṣa so erblickte, erlangte Brahmā Wonne.
Wort für Wort
evam
so
sahasra
tausend
vadana
Gesichter
aṅghri
Füße
śiraḥ
Häupter
kara
Hände
uru
Schenkel
nāsa-ādya
Nasen u. a.
karṇa
Ohren
nayana
Augen
ābharaṇa
Zierden
āyudha
Waffen
āḍhyam
reich versehen mit (Akk.)
māyā-mayam
ein Werk der Māyā (Akk.)
sat-upalakṣita-sanniveśam
dessen Zusammensetzung an Merkmalen erkennbar war (Akk.)
tasmai bhavān haya-śiras tanuvaṁ hi bibhrad
veda-druhāv atibalau madhu-kaiṭabhākhyau
hatvānayac chruti-gaṇāṁś ca rajas tamaś ca
sattvaṁ tava priyatamāṁ tanum āmananti
Ihm hast Du, das Haupt eines Pferdes tragend, die beiden überaus starken, den Veda hassenden Dämonen namens Madhu und Kaiṭabha getötet und so die Scharen der Veden zurückgebracht – diese Gestalt der reinen Güte nennen sie Deine liebste Gestalt, jenseits von Leidenschaft und Dunkelheit.
itthaṁ nṛ-tiryag-ṛṣi-deva-jhaṣāvatārair
lokān vibhāvayasi haṁsi jagat pratīpān
dharmaṁ mahā-puruṣa pāsi yugānuvṛttaṁ
channaḥ kalau yad abhavas tri-yugo 'tha sa tvam
So schützt Du auf diese Weise, durch Inkarnationen als Mensch, Tier, Weiser, Gott und Wassertier, die Welten; Du vernichtest, wer der Welt zuwiderhandelt; Du bewahrst, o großer Puruṣa, das Dharma, je den Zeitaltern entsprechend – auch dann, wenn Du im Kali-Zeitalter verborgen bist, denn Du bist eben jener, der in drei Zeitaltern erscheint.
Wort für Wort
ittham
so
nṛ-tiryak-ṛṣi-deva-jhaṣa-avatāraiḥ
durch Inkarnationen als Mensch, Tier, Weiser, Gott, Wassertier (Instr.)
Nicht einmal dieser mein Geist, o Herr von Vaikuṇṭha, findet an Deinen Erzählungen Gefallen – ein Geist, befleckt von Sünde, unaufrichtig, heftig, von Begierde gequält, von Freude, Kummer, Furcht und ständigem Verlangen bedrängt; wie soll ich, der ich so elend bin, in diesem Zustand über Dein Wesen nachsinnen?
Wort für Wort
na etat
nicht dieser
manaḥ
Geist (Nom.)
tava
an Deinen (Gen.)
kathāsu
Erzählungen (Lok.Pl.)
vikuṇṭha-nātha
o Herr von Vaikuṇṭha (Vok.)
samprīyate
findet Gefallen (3.Sg.Pass.)
durita-duṣṭam
befleckt von Sünde (Nom.)
asādhu
unaufrichtig (Nom.)
tīvram
heftig (Nom.)
kāma-āturam
von Begierde gequält (Nom.)
harṣa-śoka-bhaya-eṣaṇā-artam
von Freude, Kummer, Furcht und Verlangen bedrängt (Nom.)
jihvaikato 'cyuta vikarṣati māvitṛptā
śiśno 'nyatas tvag-udaraṁ śravaṇaṁ kutaścit
ghrāṇo 'nyataś capala-dṛk kva ca karma-śaktir
bahvyaḥ sapatnya iva geha-patiṁ lunanti
Die Zunge zieht mich, o Unfehlbarer, auf die eine Seite, unbefriedigt; die Geschlechtsorgane auf eine andere; Haut, Bauch, Gehör bald hierhin, bald dorthin; der Geruchssinn wieder woandershin, das unstete Auge irgendwohin – so zerreißen mich die vielen tätigen Sinne wie viele Nebenfrauen einen Hausherrn.
So den Menschen sehend, der, gefallen durch die eigenen Taten in den Fluss Vaitaraṇī des weltlichen Daseins, von immer neuer Furcht vor Geburt, Tod und Verzehren erschreckt, Feindschaft und Freundschaft zwischen eigenem und fremdem Leib erwägt – ach, o Du, der Du ans andere Ufer bringst, errette den Toren heute!
ko nv atra te 'khila-guro bhagavan prayāsa
uttāraṇe 'sya bhava-sambhava-lopa-hetoḥ
mūḍheṣu vai mahad-anugraha ārta-bandho
kiṁ tena te priya-janān anusevatāṁ naḥ
Welch eine Mühsal ist dies überhaupt für Dich, o Meister von allem, o Erhabener, diese Welt aus dem Grund ihrer Entstehung, Erhaltung und Auflösung zu erretten? Für die Törichten ist es wahrlich große Gnade, o Freund der Leidenden – was aber bedeutet dies für uns, die wir Deinen wahren Geliebten dienen?
Wort für Wort
kaḥ nu
welch eine denn
atra
hierin
te
für Dich (Gen.)
akhila-guro
o Meister von allem (Vok.)
bhagavan
o Erhabener (Vok.)
prayāsaḥ
Mühsal (Nom.)
uttāraṇe
bei der Errettung (Lok.)
asya
dieser Welt (Gen.)
bhava-sambhava-lopa-hetoḥ
aus dem Grund von Entstehung, Erhaltung, Auflösung (Abl.)
naivodvije para duratyaya-vaitaraṇyās
tvad-vīrya-gāyana-mahāmṛta-magna-cittaḥ
śoce tato vimukha-cetasa indriyārtha-
māyā-sukhāya bharam udvahato vimūḍhān
Ich bin nicht einmal erschrocken, o Höchster, vor dem schwer zu überquerenden Vaitaraṇī-Fluss; mein Geist ist ja in den großen Nektarozean des Besingens Deiner Heldentaten versunken – vielmehr beklage ich jene, die, mit abgewandtem Sinn, die falsche Last des weltlichen Lebens tragen, um der trügerischen Freude der Sinnenobjekte willen, so verblendet sie auch sind.
Wort für Wort
na eva
keineswegs
udvije
bin ich erschrocken
para
o Höchster (Vok.)
duratyaya-vaitaraṇyāḥ
vor dem schwer zu überquerenden Vaitaraṇī (Abl.)
tvat-vīrya-gāyana
im Besingen Deiner Heldentaten
mahā-amṛta-magna-cittaḥ
dessen Geist im großen Nektarozean versunken ist (Nom.)
śoce
ich beklage
tataḥ
vielmehr
vimukha-cetasaḥ
mit abgewandtem Sinn (Akk.Pl.)
indriya-artha-māyā-sukhāya
um der trügerischen Freude der Sinnenobjekte willen (Dat.)
prāyeṇa deva munayaḥ sva-vimukti-kāmā
maunaṁ caranti vijane na parārtha-niṣṭhāḥ
naitān vihāya kṛpaṇān vimumukṣa eko
nānyaṁ tvad asya śaraṇaṁ bhramato 'nupaśye
Meist, o Herr, wandern die Weisen, die nach eigener Befreiung streben, schweigend an einsamen Orten, nicht dem Wohl anderer zugewandt; ich aber will diese Elenden nicht im Stich lassen, um allein meine eigene Befreiung zu suchen – ich sehe, während ich umherirre, keine andere Zuflucht für sie als Dich.
yan maithunādi-gṛhamedhi-sukhaṁ hi tucchaṁ
kaṇḍūyanena karayor iva duḥkha-duḥkham
tṛpyanti neha kṛpaṇā bahu-duḥkha-bhājaḥ
kaṇḍūtivan manasijaṁ viṣaheta dhīraḥ
Jenes vermeintliche Glück des Hausvaters, das im Geschlechtsverkehr und Ähnlichem besteht, ist wahrlich gering, wie ein Leiden, das nur weiteres Leiden lindert, gleich dem Kratzen der beiden Hände bei Juckreiz; nicht werden die Elenden, die vielfachem Leid unterworfen sind, dadurch wirklich befriedigt – wer aber, wie beim Juckreiz, das geistige Verlangen erträgt, der wird ein Standhafter.
mauna-vrata-śruta-tapo-'dhyayana-sva-dharma-
vyākhyā-raho-japa-samādhaya āpavargyāḥ
prāyaḥ paraṁ puruṣa te tv ajitendriyāṇāṁ
vārtā bhavanty uta na vātra tu dāmbhikānām
Schweigegelübde, heiliges Wissen, Askese, Studium, die Pflichten des eigenen Standes, deren Erklärung, Einsamkeit, Wiederholung der Mantras, Versenkung – diese, die zur Erlösung führen, sind, o Puruṣa, für jene, die ihre Sinne nicht bezwungen haben, meist nur ein Mittel des Broterwerbs – nicht aber, wenn sie hier von den Heuchlerischen geübt werden, taugen sie überhaupt etwas.
Wort für Wort
mauna
Schweigegelübde
vrata
Gelübde
śruta
heiliges Wissen
tapaḥ
Askese
adhyayana
Studium
sva-dharma
Pflicht des eigenen Standes
vyākhyā
Erklärung
rahaḥ
Einsamkeit
japa
Mantra-Wiederholung
samādhayaḥ
Versenkung (Nom.Pl.)
āpavargyāḥ
die zur Erlösung führen (Nom.Pl.)
prāyaḥ
meist
param
nur (Akk.)
puruṣa
o Puruṣa (Vok.)
te
diese (Nom.Pl.)
tu
aber
ajita-indriyāṇām
derer, die ihre Sinne nicht bezwungen haben (Gen.Pl.)
Diese beiden Formen, Sein und Nichtsein, sind von Dir, im Veda geschaffen, wie Same und Keim – nichts anderes gibt es von Dir, dem Formlosen; nur die im Yoga Geeinten sehen Dich unmittelbar vor Augen in beiderlei Gestalt, so wie man das Feuer im Holz, nicht aber anderswoher, wahrnimmt.
tvaṁ vāyur agnir avanir viyad ambu mātrāḥ
prāṇendriyāṇi hṛdayaṁ cid anugrahaś ca
sarvaṁ tvam eva saguṇo viguṇaś ca bhūman
nānyat tvad asty api mano-vacasā niruktam
Du bist Wind, Feuer, Erde, Himmel, Wasser, die feinstofflichen Sinnesobjekte; die Lebensatems, die Sinne, das Herz, das Bewusstsein und dessen Gnade – alles bist Du allein, o Gewaltiger, mit und ohne Eigenschaften; nichts anderes als Du gibt es, selbst wenn es mit Geist oder Wort ausgedrückt wird.
naite guṇā na guṇino mahad-ādayo ye
sarve manaḥ prabhṛtayaḥ sahadeva-martyāḥ
ādy-antavanta urugāya vidanti hi tvām
evaṁ vimṛśya sudhiyo viramanti śabdāt
Weder diese Erscheinungsweisen noch ihre Herren, angefangen mit dem Mahat, noch all das, was mit dem Geist beginnt, samt Göttern und Sterblichen – die alle einen Anfang und ein Ende haben – erkennen Dich, o vielgepriesener Herr; so denken die Weisen und lassen ab von bloßen Worten.
tat te 'rhattama namaḥ stuti-karma-pūjāḥ
karma smṛtiś caraṇayoḥ śravaṇaṁ kathāyām
saṁsevayā tvayi vineti ṣaḍ-aṅgayā kiṁ
bhaktiṁ janaḥ paramahaṁsa-gatau labheta
Darum, o Höchster der Verehrungswürdigen: Ohne Verneigung, Lobpreisung, Verehrungshandlung, dienendes Tun, das Gedenken an Deine Füße, das Hören Deiner Geschichten – ohne diesen sechsgliedrigen Dienst an Dir, wie könnte ein Mensch die Hingabe erlangen, die zum Reich der Paramahaṁsas führt?
Śrī Nārada sprach: So weit besungen, mit diesen Eigenschaften, wurde der Eigenschaftslose durch die Hingabe des Geweihten gepriesen; erfreut, den Zorn gebändigt, sprach Er zu Prahlāda, der sich niedergeworfen hatte, wie folgt:
śrī-bhagavān uvāca
prahrāda bhadra bhadraṁ te
prīto 'haṁ te 'surottama
varaṁ vṛṇīṣvābhimataṁ
kāma-pūro 'smy ahaṁ nṛṇām
Der Erhabene sprach: Prahlāda, du Sanftmütiger, alles Gute sei dir! Ich bin mit dir zufrieden, o Bester unter den Dämonen! Erbitte dir eine Gunst nach Wunsch – Ich bin es, der die Wünsche aller Menschen erfüllt.
mām aprīṇata āyuṣman
darśanaṁ durlabhaṁ hi me
dṛṣṭvā māṁ na punar jantur
ātmānaṁ taptum arhati
Wer Mich nicht erfreut, o du, dem langes Leben beschieden sei – Mein Anblick ist nämlich schwer zu erlangen; hat aber jemand Mich einmal erblickt, so ziemt es sich für das Lebewesen nicht mehr, sich selbst noch länger zu quälen.
Denn danach erfreuen Mich die Besonnenen, die Tugendhaften, in jeder Hinsicht, die nach dem wahren Heil streben, o du hoch Beglückter – Mich, den Herrn aller Segnungen.
Wort für Wort
prīṇanti
erfreuen (3.Pl.)
hi atha
denn danach
mām
Mich (Akk.)
dhīrāḥ
die Besonnenen (Nom.Pl.)
sarva-bhāvena
in jeder Hinsicht (Instr.)
sādhavaḥ
die Tugendhaften (Nom.Pl.)
śreyaḥ-kāmāḥ
die nach dem Heil streben (Nom.Pl.)
mahā-bhāga
o hoch Beglückter (Vok.)
sarvāsām
aller (Gen.Pl.)
āśiṣām
Segnungen (Gen.Pl.)
patim
den Herrn (Akk.)
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Śrī Nārada sprach: So, obwohl er auf diese Weise mit Gaben, die der Welt begehrenswert erscheinen, verlockt wurde, wünschte sich der Beste der Dämonen jene Gaben nicht – aus seiner ausschließlichen Hingabe an den Erhabenen.