Maitreya sprach: Danach ließ sich der König mit hundert Pferdeopfern einweihen, in Brahmāvarta, dem Gebiet des (Svāyambhuva) Manu, wo die östliche Sarasvatī fließt.
tad abhipretya bhagavān
karmātiśayam ātmanaḥ
śata-kratur na mamṛṣe
pṛthor yajña-mahotsavam
Nachdem der mächtige Śatakratu (Indra) dies bemerkt hatte, ertrug er nicht das große Opferfest des Pṛthu, welches die Fülle seiner eigenen Taten übertraf.
Wort für Wort
tat
dies (Akk.Sg.n.)
abhipretya
nachdem er bemerkt/erwogen hatte (Absolutiv)
bhagavān
der Mächtige (Nom.Sg.)
karma-atiśayam
die Übertreffung der Taten (Akk.Sg., attributiv)
ātmanaḥ
seiner selbst (Gen.Sg.)
śata-kratuḥ
Śatakratu, 'der mit hundert Opfern' [Indra] (Nom.Sg.)
Wo der Herr des Opfers, die Höchste Persönlichkeit Gottes Hari, der Herrscher, die Überseele von allem, der Lehrer aller Welten, der Gebieter, unmittelbar erfahren wurde.
kapilo nārado datto
yogeśāḥ sanakādayaḥ
tam anvīyur bhāgavatā
ye ca tat-sevanotsukāḥ
Kapila, Nārada, Datta (Dattātreya), die Herren des Yoga angeführt von Sanaka - ihm folgten sie nach, die Gottgeweihten, und jene, die eifrig um seinen Dienst bemüht waren.
Die Flüsse führten alle Säfte mit sich - Milch, Quark, Speise und andere Milchprodukte; die Bäume, mit gewaltigen Stämmen, brachten Honig triefende (Früchte) hervor.
Die Meere (brachten) Haufen von Juwelen, die Berge Speise vierfacher Art als Gabe dar; alle Welten samt ihren Herrschern brachten (diese) Gaben herbei.
iti cādhokṣajeśasya
pṛthos tu paramodayam
asūyan bhagavān indraḥ
pratighātam acīkarat
So konnte der mächtige Indra den höchsten Aufstieg des Pṛthu, der Adhokṣaja (den Transzendenten) als seinen Herrn angenommen hatte, nicht ertragen und schuf (dagegen) Hindernisse.
Als der Sohn Venas (Pṛthu) mit dem letzten Pferdeopfer den Herrn der Opfersprüche (Viṣṇu) verehrte, raubte (Indra), aus Eifersucht, unsichtbar geworden, das Opfertier.
tam atrir bhagavān aikṣat
tvaramāṇaṁ vihāyasā
āmuktam iva pākhaṇḍaṁ
yo 'dharme dharma-vibhramaḥ
Ihn (Indra) erblickte der mächtige Atri, wie er eilends am Himmel dahinzog, gleich einem befreiten (Asketen), als Häretiker, der in der Unfrömmigkeit den Anschein von Frömmigkeit erweckt.
Als er ihn in solcher Gestalt erblickte, hielt er ihn für die verkörperte Frömmigkeit - mit verfilztem Haar, mit Asche bedeckt - und schoss auf ihn keinen Pfeil ab.
Wort für Wort
tam
ihn (Akk.Sg.)
tādṛśa-ākṛtim
von solcher Gestalt (Akk.Sg.)
vīkṣya
nachdem er erblickt hatte (Absolutiv)
mene
er hielt für (3.Sg.Perf.Med., von man)
dharmam
Frömmigkeit (Akk.Sg.)
śarīriṇam
verkörpert (Akk.Sg.)
jaṭilam
mit verfilztem Haar (Akk.Sg.)
bhasmanā
mit Asche (Instr.Sg.)
ācchannam
bedeckt (Akk.Sg.PPP)
tasmai
auf ihn (Dat.Sg.)
bāṇam
Pfeil (Akk.Sg.)
na
nicht (Neg.)
muñcati
er schoss ab (3.Sg.Präs., von muc; historisches Präsens)
Den vom Töten Abgehaltenen trieb Atri wiederum an, (Indra) zu töten: 'Töte den Zerstörer des Opfers, mein Sohn, den großen Indra, den Niedrigsten der Götter!'
So aufgefordert, verfolgte der Sohn des Sohnes Venas den eilends am Himmel Dahinziehenden, zornerfüllt, wie der König der Geier den Rāvaṇa (verfolgte).
so 'śvaṁ rūpaṁ ca tad dhitvā
tasmā antarhitaḥ svarāṭ
vīraḥ sva-paśum ādāya
pitur yajñam upeyivān
Er (Indra), der Selbstherrscher, gab das Pferd und jene Gestalt auf und verschwand vor ihm; der Held aber nahm sein eigenes Tier und kehrte zum Opfer seines Vaters zurück.
Als die höchsten Weisen diese wunderbare Tat von ihm gesehen hatten, gaben sie ihm den Namen 'Vijitāśva' (der das Pferd bezwungen hat), o Herr (Vidura).
Nachdem er dichte Finsternis erzeugt hatte, raubte Hari (Indra), der Mächtige, verborgen, das mit goldener Leine (gebundene) Pferd wieder vom Opferpfahl mit seinem Ringstück fort.
atriṇā coditas tasmai
sandadhe viśikhaṁ ruṣā
so 'śvaṁ rūpaṁ ca tad dhitvā
tasthāv antarhitaḥ svarāṭ
Von Atri angetrieben, legte er (den Pfeil) im Zorn gegen ihn an; er (Indra), der Selbstherrscher, aber gab das Pferd und jene Gestalt auf und blieb, unsichtbar geworden, (dort) stehen.
vīraś cāśvam upādāya
pitṛ-yajñam athāvrajat
tad avadyaṁ hare rūpaṁ
jagṛhur jñāna-durbalāḥ
Der Held aber nahm das Pferd und ging darauf zum Opfer seines Vaters; jene schändliche Gestalt Haris (Indras) aber nahmen jene an, die schwach an Wissen sind.
Welche Gestalten Indra annahm aus dem Verlangen, das Pferd zu rauben, jene sind Kennzeichen der Sünde; 'khaṇḍa' wird hier als deren Sinnbild bezeichnet.
Wort für Wort
yāni
welche (Akk.Pl.n., Relativ)
rūpāṇi
Gestalten (Akk.Pl.)
jagṛhe
er nahm an (3.Sg.Perf.Med., von grah)
indraḥ
Indra (Nom.Sg.)
haya-jihīrṣayā
mit dem Verlangen, das Pferd zu rauben (Instr.Sg.)
So, während Indra, mit dem Verlangen, das Opfer des Sohnes Venas zu vereiteln, das Pferd raubte, (haftet) an den von ihm angenommenen und wieder abgelegten Häresien der Sinn der Menschen; an Afterreligionen wie Nackten, Rotgewandeten und ähnlichen haftet er meist irrtümlich als 'Religion', und ebenso an den Geschickten und Redegewandten.
Wort für Wort
evam
so (Adv.)
indre harati
während Indra raubt (Lok.Abs.)
aśvam
das Pferd (Akk.Sg.)
vainya-yajña-jighāṁsayā
mit dem Verlangen, das Opfer des Sohnes Venas zu vereiteln (Instr.Sg.)
tat-gṛhīta-visṛṣṭeṣu
in den von ihm angenommenen und abgelegten (Lok.Pl.)
tam ṛtvijaḥ śakra-vadhābhisandhitaṁ
vicakṣya duṣprekṣyam asahya-raṁhasam
nivārayām āsur aho mahā-mate
na yujyate 'trānya-vadhaḥ pracoditāt
Als die Priester ihn sahen, entschlossen zum Töten Śakras (Indras), schrecklich anzusehen, von unerträglicher Wucht, hielten sie ihn zurück: 'Ach, Hochgesinnter, hier ziemt sich nicht das Töten eines anderen, der (nur) durch die Schrift (zur Herbeirufung) veranlasst wurde.'
Wort für Wort
tam
ihn (Akk.Sg.)
ṛtvijaḥ
die Priester (Nom.Pl.)
śakra-vadha-abhisandhitam
entschlossen zum Töten Śakras (Akk.Sg.)
vicakṣya
nachdem sie gesehen hatten (Absolutiv)
duṣprekṣyam
schrecklich anzusehen (Akk.Sg.)
asahya-raṁhasam
von unerträglicher Wucht (Akk.Sg.)
nivārayām āsuḥ
sie hielten zurück (3.Pl.Perf.periphr., von ni-vṛ)
aho
ach! (Interj.)
mahā-mate
o Hochgesinnter (Vok.Sg.)
na yujyate
es ziemt sich nicht (3.Sg.Präs.Pass.)
atra
hier (Adv.)
anya-vadhaḥ
das Töten eines anderen (Nom.Sg.)
pracoditāt
von dem (nur) durch die Schrift Veranlassten (Abl.Sg.)
Wir wollen hier den Marutvant (Indra), den Zerstörer deines Zieles, herbeirufen, der durch deinen Ruhm seines Glanzes beraubt ist; mit noch nie erschöpften Anrufungsformeln wollen wir sogleich mit Gewalt deinen Feind, o König, (ins Opferfeuer) opfern.
Nachdem sie so den Herrn des Opfers (Pṛthu) angesprochen hatten, o Vidura, kam, während seine Priester im Zorn, mit dem Opferlöffel in der Hand, zu opfern begannen, der Selbstentstandene (Brahmā) herbei und hielt sie zurück.
Wort für Wort
iti
so (Adv.)
āmantrya
nachdem sie angesprochen hatten (Absolutiv)
kratu-patim
den Herrn des Opfers [Pṛthu] (Akk.Sg.)
vidura
o Vidura (Vok.Sg.)
asya
dessen [Pṛthus] (Gen.Sg.)
ṛtvijaḥ
die Priester (Nom.Pl., später sinngemäß auch Akk.Pl.)
ruṣā
im Zorn (Instr.Sg.)
sruk-hastān
mit dem Opferlöffel in der Hand (Akk.Pl.)
juhvataḥ
opfernd (Akk.Pl.Ptz.Präs.)
abhyetya
nachdem er herangekommen war (Absolutiv)
svayambhūḥ
der Selbstentstandene [Brahmā] (Nom.Sg.)
pratyaṣedhata
er hielt zurück (3.Sg.Impf.Med., von prati-sidh)
[Anm.: 'ṛtvijaḥ' erscheint syntaktisch doppelt besetzt - zunächst als Nominativ Plural (Subjekt von āmantrya), dann implizit als Akkusativ Plural (Objekt von pratyaṣedhata, zusammen mit den Partizipien sruk-hastān juhvataḥ) - eine im Kāvya-Stil nicht seltene Ellipse.]
na vadhyo bhavatām indro
yad yajño bhagavat-tanuḥ
yaṁ jighāṁsatha yajñena
yasyeṣṭās tanavaḥ surāḥ
Nicht ist Indra von euch zu töten, weil er als Yajña (Opfer) ein Leib des Erhabenen ist; den ihr durch das Opfer zu töten sucht, dessen Leiber die verehrten Götter sind.
pṛthu-kīrteḥ pṛthor bhūyāt
tarhy ekona-śata-kratuḥ
alaṁ te kratubhiḥ sviṣṭair
yad bhavān mokṣa-dharma-vit
Für Pṛthu, den von weitreichendem Ruhm, möge es dann bei neunundneunzig Opfern bleiben; genug sei dir mit wohlvollzogenen Opfern, da du (ja doch) den Pfad zur Erlösung kennst.
Wort für Wort
pṛthu-kīrteḥ
für den von weitreichendem Ruhm [Pṛthu] (Gen.Sg.)
pṛthoḥ
für Pṛthu (Gen.Sg.)
bhūyāt
es möge sein (3.Sg.Opt., von bhū)
tarhi
dann (Adv.)
eka-ūna-śata-kratuḥ
der Vollbringer von hundert-minus-eins Opfern (Nom.Sg.)
naivātmane mahendrāya
roṣam āhartum arhasi
ubhāv api hi bhadraṁ te
uttamaśloka-vigrahau
Wirklich solltest du nicht Zorn gegen den großen Indra hegen, der nicht verschieden ist von dir selbst; denn ihr beide, Glück sei dir, seid Verkörperungen des Höchstgepriesenen.
māsmin mahārāja kṛthāḥ sma cintāṁ
niśāmayāsmad-vaca ādṛtātmā
yad dhyāyato daiva-hataṁ nu kartuṁ
mano 'tiruṣṭaṁ viśate tamo 'ndham
Hege deswegen, o Großkönig, keine Sorge; vernimm ehrfürchtig unser Wort; denn bei dem, der darüber nachsinnt, das vom Schicksal Vereitelte (dennoch) zu vollbringen, gerät der allzu erzürnte Geist in tiefe Finsternis.
Dieses Opfer möge enden, dieses gegenüber den Göttern schwer zu überwindenden Trotzes, worin durch die von Indra geschaffenen Häresien eine Verwirrung der Religion (entstanden ist).
Sieh, wie durch diese von Indra hervorgebrachten, herzbestrickenden Häresien das Volk fortgerissen wird; erkenne diesen (Indra), der der Schänder deines Opfers und der Pferderäuber ist.
Eure Majestät ist hierher herabgestiegen, um die der Zeit gemäße Religion der Menschen zu retten, die durch das Fehlverhalten Venas heute (fast) verschwunden war; aus dessen (Venas) Körper bist du, o Sohn Venas, ein Teil Viṣṇus.
sa tvaṁ vimṛśyāsya bhavaṁ prajāpate
saṅkalpanaṁ viśva-sṛjāṁ pipīpṛhi
aindrīṁ ca māyām upadharma-mātaraṁ
pracaṇḍa-pākhaṇḍa-pathaṁ prabho jahi
Erwäge du also, o Herr der Geschöpfe, das Entstehen dieser (Welt) und erfülle den Willensentschluss der Weltschöpfer; und bezwinge, o Gebieter, die von Indra (stammende) Zaubermacht, die Mutter der Afterreligion, den grimmigen Pfad der Häresie.
maitreya uvāca
itthaṁ sa loka-guruṇā
samādiṣṭo viśāmpatiḥ
tathā ca kṛtvā vātsalyaṁ
maghonāpi ca sandadhe
Maitreya sprach: So von dem Lehrer der Welt (Brahmā) unterwiesen, erwies der Herrscher der Menschen (Pṛthu), (dementsprechend handelnd), auch Zuneigung und schloss mit dem Freigebigen (Indra) Frieden.
kṛtāvabhṛtha-snānāya
pṛthave bhūri-karmaṇe
varān dadus te varadā
ye tad-barhiṣi tarpitāḥ
Dem Pṛthu, der das Abschlussbad (nach dem Opfer) vollzogen hatte, der Vielfaches gewirkt hatte, gaben jene Segenspender Gaben, die bei seinem Opfer zufriedengestellt worden waren.
Wort für Wort
kṛta-avabhṛtha-snānāya
dem, der das Abschlussbad vollzogen hatte (Dat.Sg.)
Die Brahmanen, deren Segenswünsche (stets) wahr werden, waren zufrieden - mit Vertrauen hatten sie die Opfergabe erhalten; geehrt, sprachen sie, o Kṣattā (Vidura), Segenssprüche über den Urkönig aus.
Wort für Wort
viprāḥ
die Brahmanen (Nom.Pl.)
satya-āśiṣaḥ
deren Segenswünsche wahr sind (Nom.Pl., Bahuvrihi)
tuṣṭāḥ
zufrieden (Nom.Pl.PPP)
śraddhayā
mit Vertrauen (Instr.Sg.)
labdha-dakṣiṇāḥ
die die Opfergabe erhalten hatten (Nom.Pl., Bahuvrihi)
āśiṣaḥ
Segenssprüche (Akk.Pl.)
yuyujuḥ
sie sprachen aus (3.Pl.Perf., von yuj)
kṣattaḥ
o Kṣattā [Vidura] (Vok.Sg.)
ādi-rājāya
über den Urkönig (Dat.Sg.)
sat-kṛtāḥ
geehrt (Nom.Pl.PPP)
[Anm.: Die Vedabase-Seite zu diesem Vers zeigte beim Abruf keine gesonderte Synonyms-Sektion; die wfw-Analyse beruht auf eigener morphologischer Erschließung aus dem IAST-Text.]