Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 24: brahmaṇaḥ pṛṣṭha-pañca-viṁśatiḥ Die Ursache aller Ursachen

Skandha 2, Adhyāya 5. Quelle: vedabase.io, vers-für-vers abgerufen (V.26-29 und V.40-41 auf der Quellseite als zusammenhängende Einheiten gruppiert). Nārada bittet Brahmā um Belehrung über die Wahrheit des Selbst (V.1-8). Brahmā antwortet mit dem berühmten Bekenntnis, dass nicht er selbst, sondern der durch eigene Buße geschaute Vāsudeva/Nārāyaṇa die letzte Wahrheit hinter allem ist - Stoff, Handlung, Zeit, Eigennatur und Einzelseele eingeschlossen (V.9-20). Es folgt die klassische sāṅkhya-gestützte Kosmogonie: aus Zeit, Handlung und Eigennatur entsteht Mahat, daraus Ahaṅkāra in seiner dreifachen Gestalt (vaikārika/taijasa/tāmasa), daraus Geist und Götter, die zehn Sinnesorgane, sowie die fünf Tanmātras und groben Elemente (Äther, Luft, Feuer, Wasser, Erde) in kumulativer Eigenschaftsvererbung (V.21-29). Aus der Vereinigung dieser noch ungeordneten Prinzipien, angetrieben durch die Kraft des Herrn, entsteht das kosmische Ei, aus dem nach tausend Jahren der virāṭ-puruṣa mit tausend Gliedern hervorbricht (V.30-35). Den Abschluss bildet die berühmte Zuordnung der vier Varṇas und aller vierzehn Welten (sieben oben, sieben unten) zu den Körperteilen dieser kosmischen Gestalt, mit einer abschließend genannten alternativen, einfacheren Dreiweltenordnung (V.36-42).

nārada uvāca deva-deva namas te 'stu bhūta-bhāvana pūrvaja tad vijānīhi yaj jñānam ātma-tattva-nidarśanam

Nārada sprach: Oh Gott der Götter, Verehrung sei dir, Erschaffer der Wesen, Uranfänglicher! Lehre mich jenes Wissen, das die Wahrheit des Selbst offenbart.

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach
deva-deva
oh Gott der Götter
namas te 'stu
Verehrung sei dir
bhūta-bhāvana
oh Erschaffer der Wesen
pūrvaja
oh Uranfänglicher
tad vijānīhi
lehre mich das erkennen
yaj jñānam
welches Wissen
ātma-tattva-nidarśanam
das die Wahrheit des Selbst aufzeigt

yad rūpaṁ yad adhiṣṭhānaṁ yataḥ sṛṣṭam idaṁ prabho yat saṁsthaṁ yat paraṁ yac ca tat tattvaṁ vada tattvataḥ

Welche Form es hat, welcher sein Träger ist, woraus dieses Universum erschaffen wurde, o Herr, worin es ruht, was jenseits davon ist und was es sonst ist - jene Wahrheit verkünde mir wahrheitsgemäß.

Wort für Wort
yat rūpaṁ
welche Form
yad adhiṣṭhānaṁ
welcher Träger/welche Grundlage
yataḥ sṛṣṭam idaṁ prabho
woraus dies erschaffen wurde, o Herr
yat saṁsthaṁ
worin es ruht
yat paraṁ yac ca
was das Höchste ist und was sonst
tat tattvaṁ vada tattvataḥ
jene Wahrheit verkünde der Wahrheit gemäß

sarvaṁ hy etad bhavān veda bhūta-bhavya-bhavat-prabhuḥ karāmalaka-vad viśvaṁ vijñānāvasitaṁ tava

All dies kennst du wahrlich, o Herr über Vergangenes, Zukünftiges und Gegenwärtiges; wie eine Myrobalanenfrucht auf der Handfläche ist dir das Universum durch Wissen deutlich erfasst.

Wort für Wort
sarvaṁ hy etad bhavān veda
all dies kennst du wahrlich
bhūta-bhavya-bhavat-prabhuḥ
oh Herr über Vergangenes, Zukünftiges und Gegenwärtiges
karāmalaka-vad
wie eine Myrobalane auf der Handfläche
viśvaṁ
das Universum
vijñānāvasitaṁ tava
ist durch dein Wissen deutlich erfasst

yad-vijñāno yad-ādhāro yat-paras tvaṁ yad-ātmakaḥ ekaḥ sṛjasi bhūtāni bhūtair evātma-māyayā

Du, dessen Erkenntnis, dessen Grundlage, dessen Höchstes und dessen Wesen dies alles ist - du allein erschaffst die Geschöpfe durch andere Geschöpfe, mittels deiner eigenen Māyā.

Wort für Wort
yad-vijñāno
dessen Erkenntnis (dies alles ist)
yad-ādhāro
dessen Grundlage (dies ist)
yat-paras tvaṁ
für den du das Höchste bist
yad-ātmakaḥ
dessen Wesen (dies ist)
ekaḥ sṛjasi bhūtāni
du allein erschaffst die Geschöpfe
bhūtair evātma-māyayā
durch (andere) Geschöpfe, mittels deiner eigenen Māyā

ātman bhāvayase tāni na parābhāvayan svayam ātma-śaktim avaṣṭabhya ūrṇanābhir ivāklamaḥ

In dir selbst lässt du sie entstehen, ohne dabei selbst zunichte zu werden, gestützt auf deine eigene Kraft, wie die Spinne, mühelos.

Wort für Wort
ātman bhāvayase tāni
in dir selbst lässt du jene entstehen
na parābhāvayan svayam
ohne selbst dabei zunichte zu werden
ātma-śaktim avaṣṭabhya
gestützt auf die eigene Kraft
ūrṇanābhir ivāklamaḥ
wie die Spinne, mühelos

nāhaṁ veda paraṁ hy asmin nāparaṁ na samaṁ vibho nāma-rūpa-guṇair bhāvyaṁ sad-asat kiñcid anyataḥ

Ich kenne wahrlich nichts Höheres in dieser Hinsicht, nichts Niedrigeres noch Gleiches, o Allmächtiger - nichts anderes, sei es seiend oder nichtseiend, das durch Namen, Form und Eigenschaften zu erfassen wäre.

Wort für Wort
nāhaṁ veda
ich kenne nicht
paraṁ hy asmin
wahrlich etwas Höheres in dieser Sache
nāparaṁ na samaṁ vibho
weder Niedrigeres noch Gleiches, o Herr
nāma-rūpa-guṇair bhāvyaṁ
das durch Name, Form und Eigenschaften zu begreifen wäre
sad-asat kiñcid anyataḥ
irgendetwas anderes, seiend oder nichtseiend

sa bhavān acarad ghoraṁ yat tapaḥ susamāhitaḥ tena khedayase nas tvaṁ parā-śaṅkāṁ ca yacchasi

Da du selbst jene gewaltige, wohlkonzentrierte Buße vollzogen hast, quälst du uns damit und erweckst zugleich große Sorge in uns.

Wort für Wort
sa bhavān acarad ghoraṁ
du selbst hast jene schreckliche (Buße) ausgeführt
yat tapaḥ susamāhitaḥ
welche Buße, wohlgesammelt
tena khedayase nas tvaṁ
dadurch quälst du uns
parā-śaṅkāṁ ca yacchasi
und flößt große Sorge ein

[Anm.: Nārada spielt hier auf Brahmās eigene Buße/Meditation an, durch die dieser laut Tradition die Vision des Herrn erlangte.]

etan me pṛcchataḥ sarvaṁ sarva-jña sakaleśvara vijānīhi yathaivedam ahaṁ budhye 'nuśāsitaḥ

All dies, worum ich dich frage, o Allwissender, Herr über das Ganze - lehre es mich erkennen, auf dass ich, von dir unterwiesen, es richtig verstehe.

Wort für Wort
etan me pṛcchataḥ sarvaṁ
all dies, was ich frage
sarva-jña sakaleśvara
o Allwissender, Herr über das Ganze
vijānīhi
lehre (mich) erkennen
yathaivedam ahaṁ budhye
auf dass ich eben dies verstehe
'nuśāsitaḥ
(von dir) unterwiesen

brahmovāca samyak kāruṇikasyedaṁ vatsa te vicikitsitam yad ahaṁ coditaḥ saumya bhagavad-vīrya-darśane

Brahmā sprach: Zu Recht ist dies dein Zweifel, mitfühlendes Kind, wodurch ich, o Sanftmütiger, zur Schau der Macht des Erhabenen angeregt werde.

Wort für Wort
brahmā uvāca
Brahmā sprach
samyak kāruṇikasyedaṁ vatsa te vicikitsitam
zu Recht ist dies dein Zweifel, mitfühlendes Kind
yad ahaṁ coditaḥ saumya
wodurch ich, o Sanftmütiger, angeregt werde
bhagavad-vīrya-darśane
zur Schau der Macht des Erhabenen

nānṛtaṁ tava tac cāpi yathā māṁ prabravīṣi bhoḥ avijñāya paraṁ matta etāvat tvaṁ yato hi me

Auch das ist nicht falsch, wie du mich ansprichst, o Verehrter - dass du, ohne ein Höheres als mich zu kennen, nur so weit reichst, wie du von mir abstammst.

Wort für Wort
nānṛtaṁ tava tac cāpi
auch das ist nicht falsch, was du (sagst)
yathā māṁ prabravīṣi bhoḥ
wie du mich ansprichst, o Verehrter
avijñāya paraṁ
ohne ein Höheres zu kennen
matta etāvat tvaṁ
reichst du nur so weit wie von mir aus
yato hi me
denn (du stammst) ja von mir

[?: die genaue Bezugsstruktur von "etāvat tvaṁ" ist knapp; sinngemäß bestätigt Brahmā, dass Nāradas Anrede an ihn als Höchsten aus dessen Sicht (noch ohne Kenntnis Vāsudevas) berechtigt war.]

yena sva-rociṣā viśvaṁ rocitaṁ rocayāmy aham yathārko 'gnir yathā somo yatharkṣa-graha-tārakāḥ

Durch wessen Eigenglanz das Universum erleuchtet ist und wodurch auch ich leuchte, so wie die Sonne, das Feuer, der Mond, wie die Sternbilder, Planeten und Sterne.

Wort für Wort
yena sva-rociṣā
durch wessen eigenen Glanz
viśvaṁ rocitaṁ
das Universum erleuchtet ist
rocayāmy aham
wodurch auch ich leuchte
yathārko 'gnir yathā somo
wie die Sonne, das Feuer, der Mond
yatharkṣa-graha-tārakāḥ
wie die Sternbilder, Planeten und Sterne

tasmai namo bhagavate vāsudevāya dhīmahi yan-māyayā durjayayā māṁ vadanti jagad-gurum

Ihm, dem Erhabenen Vāsudeva, sei Verehrung; auf ihn wollen wir meditieren, durch dessen unüberwindliche Māyā man mich den Lehrer der Welt nennt.

Wort für Wort
tasmai namo bhagavate vāsudevāya
ihm, dem Erhabenen Vāsudeva, sei Verehrung
dhīmahi
lasst uns (auf ihn) meditieren
yan-māyayā durjayayā
durch dessen unüberwindliche Māyā
māṁ vadanti jagad-gurum
nennt man mich den Lehrer der Welt

[Anm.: zentraler Vers - Brahmā erklärt, dass allein Vāsudevas Māyā bewirkt, dass er selbst (Brahmā) fälschlich als "jagad-guru" (Schöpfer/Lehrer der Welt) gilt, während die wahre Quelle Vāsudeva ist.]

vilajjamānayā yasya sthātum īkṣā-pathe 'muyā vimohitā vikatthante mamāham iti durdhiyaḥ

Durch jene Māyā, die sich schämt, in seinem Blickfeld zu stehen - durch sie verwirrt, prahlen die Übelgesinnten mit 'mein' und 'ich'.

Wort für Wort
vilajjamānayā
die sich schämende (Māyā)
yasya sthātum īkṣā-pathe 'muyā
im Blickfeld dessen zu stehen, durch jene (Māyā)
vimohitā
verwirrt/getäuscht
vikatthante
prahlen sie
mamāham iti durdhiyaḥ
mit 'mein' und 'ich', so die Übelgesinnten

dravyaṁ karma ca kālaś ca svabhāvo jīva eva ca vāsudevāt paro brahman na cānyo 'rtho 'sti tattvataḥ

Stoff, Handlung, Zeit, Eigennatur und die Einzelseele - nichts davon ist getrennt von Vāsudeva zu verstehen; nichts anderes existiert der Wahrheit nach, o Brahmane.

Wort für Wort
dravyaṁ karma ca kālaś ca
Stoff, Handlung und Zeit
svabhāvo jīva eva ca
Eigennatur und ebenso die Einzelseele
vāsudevāt paro
getrennt von Vāsudeva
brahman
o Brahmane (Nārada)
na cānyo 'rtho 'sti tattvataḥ
und es gibt der Wahrheit nach kein anderes Ding

nārāyaṇa-parā vedā devā nārāyaṇāṅgajāḥ nārāyaṇa-parā lokā nārāyaṇa-parā makhāḥ

Nārāyaṇa ist das Höchste der Veden; die Götter sind aus Nārāyaṇas Gliedern geboren; Nārāyaṇa ist das Höchste der Welten; Nārāyaṇa ist das Höchste der Opfer.

Wort für Wort
nārāyaṇa-parā vedā
Nārāyaṇa ist das Höchste der Veden
devā nārāyaṇāṅgajāḥ
die Götter sind aus Nārāyaṇas Gliedern geboren
nārāyaṇa-parā lokā
Nārāyaṇa ist das Höchste der Welten
nārāyaṇa-parā makhāḥ
Nārāyaṇa ist das Höchste der Opfer

nārāyaṇa-paro yogo nārāyaṇa-paraṁ tapaḥ nārāyaṇa-paraṁ jñānaṁ nārāyaṇa-parā gatiḥ

Nārāyaṇa ist das Höchste des Yoga; Nārāyaṇa ist das Höchste der Askese; Nārāyaṇa ist das Höchste des Wissens; Nārāyaṇa ist das höchste Ziel.

Wort für Wort
nārāyaṇa-paro yogo
Nārāyaṇa ist das Höchste des Yoga
nārāyaṇa-paraṁ tapaḥ
Nārāyaṇa ist das Höchste der Askese
nārāyaṇa-paraṁ jñānaṁ
Nārāyaṇa ist das Höchste des Wissens
nārāyaṇa-parā gatiḥ
Nārāyaṇa ist das höchste Ziel

tasyāpi draṣṭur īśasya kūṭa-sthasyākhilātmanaḥ sṛjyaṁ sṛjāmi sṛṣṭo 'ham īkṣayaivābhicoditaḥ

Von ihm, dem Betrachter, dem Herrn, dem Unveränderlichen, der Seele von allem, selbst erschaffen, erschaffe ich das zu Erschaffende, allein durch seinen Blick dazu angetrieben.

Wort für Wort
tasyāpi draṣṭur īśasya
von ihm, dem Betrachter, dem Herrn
kūṭa-sthasyākhilātmanaḥ
dem Unveränderlichen, der Seele von allem
sṛjyaṁ sṛjāmi
erschaffe ich das zu Erschaffende
sṛṣṭo 'ham
selbst erschaffen, ich
īkṣayaivābhicoditaḥ
allein durch (seinen) Blick angetrieben

sattvaṁ rajas tama iti nirguṇasya guṇās trayaḥ sthiti-sarga-nirodheṣu gṛhītā māyayā vibhoḥ

Sattva, Rajas und Tamas - diese drei Erscheinungsweisen des Eigenschaftslosen werden für Erhaltung, Schöpfung und Auflösung durch die Māyā des Allmächtigen angenommen.

Wort für Wort
sattvaṁ rajas tama iti
Sattva, Rajas, Tamas genannt
nirguṇasya guṇās trayaḥ
die drei Erscheinungsweisen des Eigenschaftslosen
sthiti-sarga-nirodheṣu
für Erhaltung, Schöpfung und Auflösung
gṛhītā māyayā vibhoḥ
angenommen durch die Māyā des Allmächtigen

kārya-kāraṇa-kartṛtve dravya-jñāna-kriyāśrayāḥ badhnanti nityadā muktaṁ māyinaṁ puruṣaṁ guṇāḥ

In der Rolle als Wirkung, Ursache und Handelndem, gestützt auf Stoff, Wissen und Handlung, binden die Erscheinungsweisen beständig die an sich freie, aber der Māyā unterworfene Person.

Wort für Wort
kārya-kāraṇa-kartṛtve
in (der Rolle als) Wirkung, Ursache und Handelndem
dravya-jñāna-kriyāśrayāḥ
gestützt auf Stoff, Wissen und Handlung
badhnanti nityadā
binden beständig
muktaṁ
die (an sich) freie
māyinaṁ puruṣaṁ guṇāḥ
die von Māyā erfasste Person, die Erscheinungsweisen

sa eṣa bhagavāḻ liṅgais tribhir etair adhokṣajaḥ svalakṣita-gatir brahman sarveṣāṁ mama ceśvaraḥ

Er, dieser Erhabene, der Transzendente, wirkt durch diese drei Kennzeichen; sein wahrer Weg ist nur ihm selbst bekannt, o Brahmane - er ist der Herr aller und auch von mir.

Wort für Wort
sa eṣa bhagavāḻ
er, dieser Erhabene
liṅgais tribhir etair
durch diese drei Kennzeichen
adhokṣajaḥ
der Transzendente
svalakṣita-gatir brahman
dessen wahrer Weg nur ihm selbst bekannt ist, o Brahmane
sarveṣāṁ mama ceśvaraḥ
der Herr aller und auch von mir

kālaṁ karma svabhāvaṁ ca māyeśo māyayā svayā ātman yadṛcchayā prāptaṁ vibubhūṣur upādade

Zeit, Handlung und Eigennatur, die durch seine eigene Māyā gleichsam von selbst in ihm erschienen, nahm der Herr der Māyā an, da er vielgestaltig werden wollte.

Wort für Wort
kālaṁ karma svabhāvaṁ ca
Zeit, Handlung und Eigennatur
māyeśo māyayā svayā
der Herr der Māyā, durch seine eigene Māyā
ātman yadṛcchayā prāptaṁ
wie von selbst in sich erschienen
vibubhūṣur upādade
nahm er an, da er vielgestaltig werden wollte

kālād guṇa-vyatikaraḥ pariṇāmaḥ svabhāvataḥ karmaṇo janma mahataḥ puruṣādhiṣṭhitād abhūt

Aus der Zeit entsteht die Durchmischung der Erscheinungsweisen, aus der Eigennatur die Wandlung; aus der vom Puruṣa belebten Wirkkraft entstand die Geburt des Mahat.

Wort für Wort
kālād guṇa-vyatikaraḥ
aus der Zeit (entsteht) die Durchmischung der Erscheinungsweisen
pariṇāmaḥ svabhāvataḥ
die Wandlung (entsteht) aus der Eigennatur
karmaṇo mahataḥ janma
aus der Handlung die Geburt des Mahat
puruṣādhiṣṭhitād abhūt
entstand, von Puruṣa belebt

mahatas tu vikurvāṇād rajaḥ-sattvopabṛṁhitāt tamaḥ-pradhānas tv abhavad dravya-jñāna-kriyātmakaḥ

Aus der Umwandlung des Mahat aber, verstärkt durch Rajas und Sattva, entstand das Prinzip, in dem Tamas vorherrscht, zugleich von der Wesensart des Stoffes, des Wissens und der Handlung.

Wort für Wort
mahatas tu vikurvāṇād
aus der Umwandlung des Mahat aber
rajaḥ-sattvopabṛṁhitāt
verstärkt durch Rajas und Sattva
tamaḥ-pradhānas tv abhavad
entstand das Prinzip, in dem Tamas vorherrscht
dravya-jñāna-kriyātmakaḥ
von der Wesensart des Stoffes, des Wissens und der Handlung

so 'haṅkāra iti prokto vikurvan samabhūt tridhā vaikārikas taijasaś ca tāmasaś ceti yad-bhidā dravya-śaktiḥ kriyā-śaktir jñāna-śaktir iti prabho

Dieses Prinzip, Ahaṅkāra genannt, wurde bei seiner Umwandlung dreifach: vaikārika, taijasa und tāmasa - seine Unterteilung entspricht der Stoffkraft, der Handlungskraft und der Wissenskraft, o Herr.

Wort für Wort
so 'haṅkāra iti prokto
dieses Prinzip, Ahaṅkāra genannt
vikurvan samabhūt tridhā
wurde bei seiner Umwandlung dreifach
vaikārikas taijasaś ca tāmasaś ceti
nämlich vaikārika, taijasa und tāmasa
yad-bhidā
dessen Unterteilung
dravya-śaktiḥ kriyā-śaktir jñāna-śaktir iti prabho
(ist) Stoffkraft, Handlungskraft, Wissenskraft, o Herr

tāmasād api bhūtāder vikurvāṇād abhūn nabhaḥ tasya mātrā guṇaḥ śabdo liṅgaṁ yad draṣṭṛ-dṛśyayoḥ

Aus dem tāmasischen Ahaṅkāra, dem Ursprung der groben Elemente, entstand bei seiner Umwandlung der Äther; dessen feinstoffliches Merkmal ist der Klang, das Kennzeichen, das zwischen Wahrnehmendem und Wahrgenommenem vermittelt.

Wort für Wort
tāmasād api bhūtāder
aus dem tāmasischen (Ahaṅkāra), dem Ursprung der Elemente
vikurvāṇād abhūn nabhaḥ
entstand bei (dessen) Umwandlung der Äther
tasya mātrā guṇaḥ śabdo
dessen feinstoffliche Eigenschaft ist der Klang
liṅgaṁ yad draṣṭṛ-dṛśyayoḥ
das Kennzeichen, das zwischen Wahrnehmendem und Wahrgenommenem (vermittelt)

[?: die genaue Funktion von "liṅgaṁ" - als "Kennzeichen/Vermittler" zwischen draṣṭṛ (Wahrnehmendem) und dṛśya (Wahrgenommenem) - wird hier wörtlich, nicht sāṅkhya-technisch exakt wiedergegeben.]

nabhaso 'tha vikurvāṇād abhūt sparśa-guṇo 'nilaḥ parānvayāc chabdavāṁś ca prāṇa ojaḥ saho balam vāyor api vikurvāṇāt kāla-karma-svabhāvataḥ udapadyata tejo vai rūpavat sparśa-śabdavat tejasas tu vikurvāṇād āsīd ambho rasātmakam rūpavat sparśavac cāmbho ghoṣavac ca parānvayāt viśeṣas tu vikurvāṇād ambhaso gandhavān abhūt parānvayād rasa-sparśa- śabda-rūpa-guṇānvitaḥ

Aus der Umwandlung des Äthers entstand sodann die Luft mit der Eigenschaft der Berührung, durch Übertragung von der vorhergehenden Stufe auch mit Klang versehen; aus ihr Lebensatem, Vitalkraft, Ausdauer und Stärke. Aus der Umwandlung der Luft wiederum, durch Zeit, Handlung und Eigennatur, entstand fürwahr das Feuer, mit Form sowie durch Übertragung mit Tastsinn und Klang. Aus der Umwandlung des Feuers aber entstand das Wasser, von der Natur des Geschmacks, und durch Übertragung auch mit Form, Tastsinn und Klang versehen. Aus der besonderen Umwandlung des Wassers aber entstand die Erde, die den Geruch besitzt, durch Übertragung mit den Eigenschaften Geschmack, Tastsinn, Klang und Form ausgestattet.

Wort für Wort
nabhaso 'tha vikurvāṇād
aus der Umwandlung des Äthers sodann
abhūt sparśa-guṇo 'nilaḥ
entstand die Luft mit der Eigenschaft der Berührung
parānvayāc chabdavāṁś ca
und durch Übertragung auch mit Klang versehen
prāṇa ojaḥ saho balam
Lebensatem, Vitalkraft, Ausdauer, Stärke
vāyor api vikurvāṇāt
auch aus der Umwandlung der Luft
kāla-karma-svabhāvataḥ
durch Zeit, Handlung und Eigennatur
udapadyata tejo vai
entstand fürwahr das Feuer
rūpavat sparśa-śabdavat
mit Form, mit Tastsinn und Klang
tejasas tu vikurvāṇād
aus der Umwandlung des Feuers aber
āsīd ambho rasātmakam
entstand das Wasser, von der Natur des Geschmacks
rūpavat sparśavac cāmbho ghoṣavac ca parānvayāt
und das Wasser (ist) durch Übertragung auch mit Form, Tastsinn und Klang versehen
viśeṣas tu vikurvāṇād ambhaso
aus der besonderen Umwandlung des Wassers aber
gandhavān abhūt
entstand das, was Geruch besitzt (die Erde)
parānvayād rasa-sparśa-śabda-rūpa-guṇānvitaḥ
durch Übertragung mit Geschmack, Tastsinn, Klang und Form ausgestattet

[Anm.: klassische sāṅkhya-Sequenz der Tanmātra-Evolution - Äther (Klang) -> Luft (Berührung+Klang) -> Feuer (Form+Berührung+Klang) -> Wasser (Geschmack+Form+Berührung+Klang) -> Erde (Geruch+alle vorherigen), jede Stufe erbt kumulativ die Eigenschaften der vorhergehenden.]

vaikārikān mano jajñe devā vaikārikā daśa dig-vātārka-praceto 'śvi-vahnīndropendra-mitra-kāḥ

Aus dem vaikārika-Ahaṅkāra entstand der Geist, ebenso die zehn vaikārika-Götter: die Himmelsrichtungen, der Windgott, die Sonne, Praceta, die Aśvins, Agni, Indra, Upendra und Mitra.

Wort für Wort
vaikārikān mano jajñe
aus dem vaikārika (-Ahaṅkāra) entstand der Geist
devā vaikārikā daśa
die zehn vaikārika-Götter
dig-vātārka-praceto 'śvi-vahnīndropendra-mitra-kāḥ
(die Götter der) Himmelsrichtungen, des Windes, der Sonne, Praceta (Varuṇa), die Aśvins, Agni, Indra, Upendra (Viṣṇu) und Mitra

taijasāt tu vikurvāṇād indriyāṇi daśābhavan jñāna-śaktiḥ kriyā-śaktir buddhiḥ prāṇaś ca taijasau śrotraṁ tvag-ghrāṇa-dṛg-jihvā vāg-dor-meḍhrāṅghri-pāyavaḥ

Aus der Umwandlung des taijasa-Ahaṅkāra aber entstanden die zehn Sinnesorgane; Erkenntniskraft, Handlungskraft, Intellekt und Lebensatem sind beide taijasisch: Gehör, Haut, Geruchssinn, Sehsinn, Zunge, sowie Sprache, Hand, Zeugungsglied, Fuß und Ausscheidungsorgan.

Wort für Wort
taijasāt tu vikurvāṇād
aus der Umwandlung des taijasa (-Ahaṅkāra) aber
indriyāṇi daśābhavan
entstanden die zehn Sinnesorgane
jñāna-śaktiḥ kriyā-śaktir
Erkenntniskraft, Handlungskraft
buddhiḥ prāṇaś ca taijasau
Intellekt und Lebensatem, beide taijasisch
śrotraṁ tvag-ghrāṇa-dṛg-jihvā
Gehör, Haut, Geruchssinn, Sehvermögen, Zunge
vāg-dor-meḍhrāṅghri-pāyavaḥ
Sprache, Hand, Zeugungsglied, Fuß, Ausscheidungsorgan

yadaite 'saṅgatā bhāvā bhūtendriya-mano-guṇāḥ yadāyatana-nirmāṇe na śekur brahma-vittama

Als diese Prinzipien - die Elemente, Sinnesorgane und der Geist mit ihren Eigenschaften - noch ungeordnet waren, vermochten sie nicht, eine Wohnstätte zu bilden, o Bester der Kenner des Brahman.

Wort für Wort
yadaite 'saṅgatā bhāvā
als diese ungeordneten Wesenheiten
bhūtendriya-mano-guṇāḥ
die Elemente, Sinnesorgane und der Geist mit (ihren) Eigenschaften
yadāyatana-nirmāṇe na śekur
als sie nicht vermochten, eine Wohnstätte zu bilden
brahma-vittama
o Bester der Kenner des Brahman

tadā saṁhatya cānyonyaṁ bhagavac-chakti-coditāḥ sad-asattvam upādāya cobhayaṁ sasṛjur hy adaḥ

Da vereinigten sie sich miteinander, angetrieben durch die Kraft des Erhabenen, und indem sie sowohl das Seiende als auch das Nichtseiende annahmen, erschufen sie fürwahr jenes Ei.

Wort für Wort
tadā saṁhatya cānyonyaṁ
da vereinigten sie sich miteinander
bhagavac-chakti-coditāḥ
angetrieben durch die Kraft des Erhabenen
sad-asattvam upādāya ca
und indem sie Sein und Nichtsein annahmen
ubhayaṁ sasṛjur hy adaḥ
erschufen sie fürwahr beides, jenes (Ei)

varṣa-pūga-sahasrānte tad aṇḍam udake śayam kāla-karma-svabhāva-stho jīvo 'jīvam ajīvayat

Am Ende Tausender von Jahresfolgen belebte die im Wasser ruhende Einzelseele, die in Zeit, Handlung und Eigennatur verankert war, jenes leblose Ei.

Wort für Wort
varṣa-pūga-sahasrānte
am Ende von Tausenden von Jahresreihen
tad aṇḍam udake śayam
jenes im Wasser ruhende Ei
kāla-karma-svabhāva-stho jīvo
die in Zeit, Handlung und Eigennatur verankerte Einzelseele
'jīvam ajīvayat
belebte das Leblose

sa eva puruṣas tasmād aṇḍaṁ nirbhidya nirgataḥ sahasrorv-aṅghri-bāhv-akṣaḥ sahasrānana-śīrṣavān

Ebenderselbe Puruṣa trat, jenes Ei durchbrechend, daraus hervor, mit tausend Schenkeln, Füßen, Armen und Augen, mit tausend Gesichtern und Häuptern.

Wort für Wort
sa eva puruṣas tasmād
ebenderselbe Puruṣa, daraus
aṇḍaṁ nirbhidya nirgataḥ
das Ei durchbrechend, trat hervor
sahasrorv-aṅghri-bāhv-akṣaḥ
mit tausend Schenkeln, Füßen, Armen, Augen
sahasrānana-śīrṣavān
mit tausend Gesichtern und Häuptern

yasyehāvayavair lokān kalpayanti manīṣiṇaḥ kaṭy-ādibhir adhaḥ sapta saptordhvaṁ jaghanādibhiḥ

Aus dessen Gliedern ordnen die Weisen die Welten: sieben untere, ausgehend von der Hüfte abwärts, und sieben obere, ausgehend vom Becken aufwärts.

Wort für Wort
yasyehāvayavair
durch dessen Glieder hier
lokān kalpayanti manīṣiṇaḥ
ordnen die Weisen die Welten
kaṭy-ādibhir adhaḥ sapta
sieben (Welten) unterhalb, beginnend bei der Hüfte
saptordhvaṁ jaghanādibhiḥ
sieben (Welten) oberhalb, beginnend beim Becken

puruṣasya mukhaṁ brahma kṣatram etasya bāhavaḥ ūrvor vaiśyo bhagavataḥ padbhyāṁ śūdro vyajāyata

Das Antlitz des Puruṣa wurde zum Brahmanen; die Kṣatriyas entstanden aus dessen Armen; aus den Schenkeln des Erhabenen der Vaiśya, aus seinen Füßen wurde der Śūdra geboren.

Wort für Wort
puruṣasya mukhaṁ brahma
das Antlitz des Puruṣa (wurde zum) Brahmanen
kṣatram etasya bāhavaḥ
die Kṣatriyas (entstanden) aus dessen Armen
ūrvor vaiśyo bhagavataḥ
aus den Schenkeln des Erhabenen der Vaiśya
padbhyāṁ śūdro vyajāyata
aus (seinen) Füßen wurde der Śūdra geboren

bhūrlokaḥ kalpitaḥ padbhyāṁ bhuvarloko 'sya nābhitaḥ hṛdā svarloka urasā maharloko mahātmanaḥ

Bhūrloka wurde aus seinen Füßen gebildet, Bhuvarloka aus seinem Nabel; durch das Herz entstand Svarloka, durch die Brust des Großmütigen Maharloka.

Wort für Wort
bhūrlokaḥ kalpitaḥ padbhyāṁ
Bhūrloka wurde aus (seinen) Füßen gebildet
bhuvarloko 'sya nābhitaḥ
Bhuvarloka aus seinem Nabel
hṛdā svarloka
durch das Herz Svarloka
urasā maharloko mahātmanaḥ
durch die Brust des Großmütigen Maharloka

grīvāyāṁ janaloko 'sya tapolokaḥ stana-dvayāt mūrdhabhiḥ satyalokas tu brahmalokaḥ sanātanaḥ

An seinem Hals entstand Janaloka, aus den beiden Brustwarzen Tapoloka; durch das Haupt entstand Satyaloka, der ewige Brahmaloka.

Wort für Wort
grīvāyāṁ janaloko 'sya
an seinem Hals (entstand) Janaloka
tapolokaḥ stana-dvayāt
Tapoloka aus den beiden Brustwarzen
mūrdhabhiḥ satyalokas tu
durch das Haupt aber Satyaloka
brahmalokaḥ sanātanaḥ
der ewige Brahmaloka

tat-kaṭyāṁ cātalaṁ kḷptam ūrubhyāṁ vitalaṁ vibhoḥ jānubhyāṁ sutalaṁ śuddhaṁ jaṅghābhyāṁ tu talātalam mahātalaṁ tu gulphābhyāṁ prapadābhyāṁ rasātalam pātālaṁ pāda-talata iti lokamayaḥ pumān

An dessen Hüfte wurde Atala gebildet, an den Schenkeln des Allmächtigen Vitala; an den Knien das reine Sutala, an den Waden aber Talātala. Mahātala entstand an den Knöcheln, an den Fußballen Rasātala, und Pātāla an der Fußsohle - so besteht die Person aus den Welten.

Wort für Wort
tat-kaṭyāṁ cātalaṁ kḷptam
an dessen Hüfte wurde Atala gebildet
ūrubhyāṁ vitalaṁ vibhoḥ
an den Schenkeln des Allmächtigen Vitala
jānubhyāṁ sutalaṁ śuddhaṁ
an den Knien das reine Sutala
jaṅghābhyāṁ tu talātalam
an den Waden aber Talātala
mahātalaṁ tu gulphābhyāṁ
Mahātala aber an den Knöcheln
prapadābhyāṁ rasātalam
an den Fußballen Rasātala
pātālaṁ pāda-talata
Pātāla von der Fußsohle aus
iti lokamayaḥ pumān
so besteht die (kosmische) Person aus den Welten

bhūrlokaḥ kalpitaḥ padbhyāṁ bhuvarloko 'sya nābhitaḥ svarlokaḥ kalpito mūrdhnā iti vā loka-kalpanā

Bhūrloka wurde aus seinen Füßen gebildet, Bhuvarloka aus seinem Nabel, Svarloka aus dem Haupt gebildet - so ist auch diese Anordnung der Welten möglich.

Wort für Wort
bhūrlokaḥ kalpitaḥ padbhyāṁ
Bhūrloka wurde aus (seinen) Füßen gebildet
bhuvarloko 'sya nābhitaḥ
Bhuvarloka aus seinem Nabel
svarlokaḥ kalpito mūrdhnā
Svarloka aus dem Haupt gebildet
iti vā loka-kalpanā
so ist auch (diese) Anordnung der Welten (möglich)

[Anm.: alternative, einfachere dreigliedrige Kosmologie (nur Bhūr-Bhuvaḥ-Svar, aus Füßen-Nabel-Haupt) neben dem ausführlichen vierzehnteiligen Schema der V.36-41; die Formulierung "iti vā" markiert dies ausdrücklich als gleichwertige Alternative.]

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