Śrī Parīkṣit sprach: O Brahmane, wie konnte bei Vṛtra, dessen Wesen von Leidenschaft und Unwissenheit geprägt war und der doch sündig war, eine so feste Gesinnung gegenüber dem Herrn Nārāyaṇa, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, bestehen?
devānāṁ śuddha-sattvānām
ṛṣīṇāṁ cāmalātmanām
bhaktir mukunda-caraṇe
na prāyeṇopajāyate
Bei den Halbgöttern, deren Geist geläutert ist, und den großen Weisen, deren Dasein rein ist, entsteht Hingabe zu den Lotosfüßen Mukundas fast niemals von selbst.
rajobhiḥ sama-saṅkhyātāḥ
pārthivair iha jantavaḥ
teṣāṁ ye kecanehante
śreyo vai manujādayaḥ
Die Lebewesen hier in dieser Welt sind an Zahl den Staubteilchen der Erde gleich; von ihnen streben nur einige – die Menschen und so weiter – wahrlich nach dem höchsten Gut.
Von diesen streben, o Bester der Brahmanen, meist nur einige nach Befreiung; und unter vielen Tausenden solcher nach Befreiung Strebenden mag kaum einer tatsächlich befreit werden und Vollkommenheit erlangen.
muktānām api siddhānāṁ
nārāyaṇa-parāyaṇaḥ
su-durlabhaḥ praśāntātmā
koṭiṣv api mahā-mune
Selbst unter denen, die schon zu Lebzeiten befreit und vollkommen sind, ist einer, der Nārāyaṇa als das Höchste erkannt hat und dessen Geist völlig befriedet ist, o großer Weiser, selbst unter Millionen und Abermillionen nur überaus schwer zu finden.
vṛtras tu sa kathaṁ pāpaḥ
sarva-lokopatāpanaḥ
itthaṁ dṛḍha-matiḥ kṛṣṇa
āsīt saṅgrāma ulbaṇe
Wie aber konnte Vṛtra, der doch sündig war und die Ursache des Leidens aller Welten, in der lodernden Feuersbrunst der Schlacht eine derart feste Gesinnung auf Kṛṣṇa gerichtet haben?
Wort für Wort
vṛtraḥ
Vṛtrāsura
tu
aber
saḥ
er
katham
wie
pāpaḥ
obgleich sündig (der den Körper eines Dämons annahm)
Hierbei ist unser Zweifel groß, und groß unsere Neugier, dies zu hören, o Herr: er, der durch Tapferkeit und Kraft in der Schlacht den tausendäugigen Indra zufriedenstellte.
Wort für Wort
atra
in diesem Zusammenhang
naḥ
unser
saṁśayaḥ
Zweifel
bhūyān
groß
śrotum
zu hören
kautūhalam
Neugier
prabho
o mein Herr
yaḥ
der, welcher
pauruṣeṇa
durch Tapferkeit und Kraft
samare
in der Schlacht
sahasra-akṣam
den Herrn Indra, der tausend Augen hat
atoṣayat
erfreute
'sahasrākṣam' (der Tausendäugige) bezeichnet Indra; 'atoṣayat' (erfreute/stellte zufrieden) bezieht sich vermutlich auf Vṛtras kämpferische Tüchtigkeit, die selbst seinem Gegner Indra Genugtuung verschaffte – der genaue narrative Bezug ergibt sich erst aus dem Kontext des vorangehenden Kapitels.
Śrī Sūta sprach: Da hörte der mächtige Bādarāyaṇi die vollkommene Frage Parīkṣits, der so gläubig war, beglückwünschte ihn dafür und sprach folgende Worte.
Wort für Wort
śrī-sūtaḥ
Śrī Sūta Gosvāmī
uvāca
sprach
parīkṣitaḥ
Mahārāja Parīkṣits
atha
nun
sampraśnam
die vollkommene Frage
bhagavān
der überaus mächtige
bādarāyaṇiḥ
Śukadeva Gosvāmī, der Sohn Vyāsadevas
niśamya
hörend
śraddadhānasya
seines Schülers, der so gläubig im Erfassen der Wahrheit war
Śrī Śuka sprach: Höre, o König, mit großer Aufmerksamkeit diese Geschichte, so wie ich sie aus dem Munde Vyāsadevas, von Nārada und auch von Devala vernommen habe.
Es gab, o König, im Land Śūrasena einen als Kaiser der ganzen Erde bekannten König namens Citraketu, dem die Erde alle Notwendigkeiten lieferte wie eine Wunschkuh.
Obwohl er mit Schönheit, Großmut, Jugend, vornehmer Geburt, Bildung, Reichtum, Wohlstand und all diesen guten Eigenschaften ausgestattet war, entstand in Citraketu, dem Gatten so vieler unfruchtbarer Frauen, dennoch Sorge.
Wort für Wort
rūpa
mit Schönheit
audārya
Großmut
vayaḥ
Jugend
janma
vornehmer Geburt
vidyā
Bildung
aiśvarya
Reichtum
śriya-ādibhiḥ
Wohlstand und so weiter
sampannasya
ausgestattet
guṇaiḥ
mit guten Eigenschaften
sarvaiḥ
allen
cintā
Sorge
bandhyā-pateḥ
Citraketus, des Gatten so vieler unfruchtbarer Frauen
Nachdem er ihn gemäß den Regeln für den Empfang erhabener Gäste verehrt hatte – indem er vom Thron aufstand, ihm Verehrung darbrachte und so weiter – und ihm so Gastfreundschaft erwiesen hatte, setzte er sich, Geist und Sinne beherrschend, zu dem bequem sitzenden Weisen.
aṅgirā uvāca
api te 'nāmayaṁ svasti
prakṛtīnāṁ tathātmanaḥ
yathā prakṛtibhir guptaḥ
pumān rājā ca saptabhiḥ
Aṅgirā sprach: Geht es dir gut – Gesundheit und Wohlergehen – sowohl deinen königlichen Elementen als auch dir selbst, so wie ein Lebewesen, insbesondere ein König, durch die sieben Elemente der materiellen Natur beschützt wird?
Indem er sich selbst unmittelbar unter diese sieben königlichen Elemente stellt, möge er höchstes Glück erlangen; ebenso mögen durch den König, o Herrscher, die von ihm abhängigen Elemente, denen Reichtum und andere Dinge dargeboten werden, Glück erlangen.
Sind deine Gattinnen, Bürger, Sekretäre, Diener, Kaufleute sowie Minister, Palastbewohner, Provinzgouverneure, Grundherren und Söhne unter deiner völligen Kontrolle?
yasyātmānuvaśaś cet syāt
sarve tad-vaśagā ime
lokāḥ sapālā yacchanti
sarve balim atandritāḥ
Wenn jemandes Geist unter der eigenen Kontrolle steht, dann stehen alle diese Welten samt ihren Herrschern unter dessen Kontrolle und bieten alle unermüdlich ihre Abgabe dar.
Dein Geist scheint nicht erfreut zu sein – weder durch andere Ursachen noch durch dich selbst; ich sehe, dass du deine gewünschten Ziele nicht erreicht hast, denn dein Gesicht ist vor Sorge blass.
So befragt, o König, von dem sehr gelehrten Weisen, antwortete Citraketu, sich in Demut verneigend, dem großen Weisen, da er sich Nachkommenschaft wünschte.
Citraketu sprach: O Herr, was ist den Yogis, die durch Buße, Wissen und Versenkung von allen sündigen Reaktionen befreit sind, nicht bekannt, sei es äußerlich, sei es innerlich, in den verkörperten Seelen?
Wort für Wort
citraketuḥ
König Citraketu
uvāca
antwortete
bhagavan
o überaus mächtiger Weiser
kim
was
na
nicht
viditam
ist verstanden
tapaḥ
durch Buße
jñāna
Wissen
samādhibhiḥ
und durch Samādhi (Versenkung, transzendentale Meditation)
yoginām
von den großen Yogis bzw. Gottgeweihten
dhvasta-pāpānām
die von allen sündigen Reaktionen völlig befreit sind
bahiḥ
äußerlich
antaḥ
innerlich
śarīriṣu
in den bedingten Seelen, die materielle Körper haben
loka-pālair api prārthyāḥ
sāmrājyaiśvarya-sampadaḥ
na nandayanty aprajaṁ māṁ
kṣut-tṛṭ-kāmam ivāpare
Selbst die von großen Halbgöttern begehrten Besitztümer eines großen Reiches und seines materiellen Reichtums bereiten mir, der ich keinen Sohn habe, keine Freude – so wie andere Genussobjekte einem nicht helfen, der Hunger und Durst zu stillen wünscht.
tataḥ pāhi mahā-bhāga pūrvaiḥ saha gataṁ tamaḥ
yathā tarema duṣpāraṁ prajayā tad vidhehi naḥ
Darum rette uns, o großer Weiser, die wir zusammen mit unseren Vorvätern in die Dunkelheit geraten sind; bewirke für uns das, wodurch wir die so schwer zu überquerende Dunkelheit durch die Erlangung eines Sohnes überqueren mögen.
Śrī Śuka sprach: So gebeten, ließ der mächtige und sehr barmherzige Weise, der Sohn Brahmās, eine Opfergabe aus Süßreis für den Halbgott Tvaṣṭā kochen und verehrte damit Tvaṣṭā.
Daraufhin sprach er zum König: „O König, es wird dir ein einziger Sohn geboren werden, der dir sowohl Jubel als auch Klage bringen wird.“ So sprach er, und der Sohn Brahmās ging fort.
sāpi tat-prāśanād eva citraketor adhārayat
garbhaṁ kṛtadyutir devī kṛttikāgner ivātmajam
Sie, die Königin Kṛtadyuti, trug allein schon durch das Essen jener Speisereste das Kind Citraketus in sich, wie Kṛttikā den Sohn Agnis.
Wort für Wort
sā
sie
api
sogar
tat-prāśanāt
durch das Essen der Speisereste des großen Opfers
eva
wahrlich
citraketoḥ
von König Citraketu
adhārayat
trug
garbham
Schwangerschaft
kṛtadyutiḥ
Königin Kṛtadyuti
devī
die Göttin
kṛttikā
Kṛttikā
agneḥ
von Agni
iva
wie
ātma-jam
einen Sohn
Anspielung auf die Erzählung, dass die Sternengöttin Kṛttikā Agnis Samen aufnahm und so zur Mutter Kārttikeyas wurde; Vergleich zur wunderbaren Empfängnis Kṛtadyutis.
Darauf, nach Verlauf der gebührenden Zeit, wurde der Sohn geboren, wodurch er bei den Bewohnern von Śūrasena, die davon hörten, höchstes Entzücken hervorrief.
Der überaus erfreute König badete sich, war so gereinigt und mit Schmuck geschmückt, ließ durch gelehrte Brahmanen Segensworte sprechen und ließ die Geburtszeremonie seines Sohnes vollziehen.
Der großmütige König schenkte, wie eine Wolke Regen ausschüttet, alle begehrenswerten Dinge anderer verkörperter Wesen, um für seinen Sohn Wohlstand, Ansehen und langes Leben zu mehren.
Da der Sohn des frommen Königs mit großer Mühe erlangt worden war, wuchs die Zuneigung des Vaters Tag für Tag, so wie die Zuneigung eines armen Mannes zu einem mit großer Mühe erlangten Reichtum wächst.
mātus tv atitarāṁ putre
sneho moha-samudbhavaḥ
kṛtadyuteḥ sapatnīnāṁ
prajā-kāma-jvaro 'bhavat
Bei der Mutter aber war die Zuneigung zum Sohn übermäßig, aus Verblendung entstanden; bei den Mitfrauen Kṛtadyutis hingegen entstand ein Fieber des Verlangens nach eigener Nachkommenschaft.
Citraketus übermäßige Zuneigung zu der Gattin, die einen Sohn geboren hatte, entstand nicht in gleicher Weise zu den anderen Gattinnen, da er das Kind Tag für Tag hegte und pflegte.
tāḥ paryatapyann ātmānaṁ
garhayantyo 'bhyasūyayā
ānapatyena duḥkhena
rājñaś cānādareṇa ca
Sie, die kinderlosen Königinnen, grämten sich, verurteilten sich selbst aus Neid, wegen des Unglücks der Kinderlosigkeit und wegen der Geringschätzung durch den König.
Verflucht sei eine Frau ohne Sohn, voller sündiger Handlungen, die vom Gatten zu Hause nicht geachtet und von den Mitfrauen, die Söhne haben, wie eine Dienerin verunehrt wird!
dāsīnāṁ ko nu santāpaḥ
svāminaḥ paricaryayā
abhīkṣṇaṁ labdha-mānānāṁ
dāsyā dāsīva durbhagāḥ
Welche Klage haben denn Dienerinnen, die durch Dienst am Herrn beständig Ehre erlangen? Wir aber sind, so unglücklich wie wir sind, wie eine Dienerin der Dienerin selbst.
Wort für Wort
dāsīnām
der Dienerinnen
kaḥ
welche
nu
denn
santāpaḥ
Klage
svāminaḥ
dem Gatten/Herrn
paricaryayā
durch Dienst
abhīkṣṇam
beständig
labdha-mānānām
die Ehre erlangt haben
dāsyāḥ
der Dienerin
dāsī
wie eine Dienerin
iva
wie
durbhagāḥ
höchst unglücklich
'dāsyā dāsīva' – wörtlich 'wie die Dienerin einer Dienerin'; Ausdruck äußerster Erniedrigung der kinderlosen Königinnen im Vergleich zu einfachen Dienerinnen.
So wurde bei ihnen, die wegen des Reichtums der Mitfrau Kṛtadyuti an einem Sohn beständig vor Kummer brannten und deren Los beim König nicht geschätzt war, die Feindseligkeit sehr stark.
vidveṣa-naṣṭa-matayaḥ
striyo dāruṇa-cetasaḥ
garaṁ daduḥ kumārāya
durmarṣā nṛpatiṁ prati
Die Frauen, deren Verstand durch Feindseligkeit verloren war, die sehr hartherzig und dem König gegenüber unduldsam waren, verabreichten dem Knaben Gift.
Sie, die Amme, ging zu dem daliegenden Kind, und als sie sah, dass seine Augen nach oben gewandt waren und es von Lebenskraft, Sinnen und Geist verlassen war, fiel sie mit dem Ausruf „Ich bin verloren!“ zu Boden.
Wort für Wort
sā
sie (die Dienerin)
śayānam
daliegend
upavrajya
hingehend
dṛṣṭvā
sehend
ca
auch
uttāra-locanam
dessen Augen nach oben gewandt waren (wie bei einem Toten)
tasyās tadākarṇya bhṛśāturaṁ svaraṁ
ghnantyāḥ karābhyām ura uccakair api
praviśya rājñī tvarayātmajāntikaṁ
dadarśa bālaṁ sahasā mṛtaṁ sutam
Als sie da deren höchst betrübte, erregte Stimme hörte, wie sie sich mit den Händen laut an die Brust schlug, eilte die Königin herbei, trat ein zu ihrem Sohn und sah das Kind, ihren Sohn, plötzlich tot.
tato nṛpāntaḥpura-vartino janā
narāś ca nāryaś ca niśamya rodanam
āgatya tulya-vyasanāḥ suduḥkhitās
tāś ca vyalīkaṁ ruruduḥ kṛtāgasaḥ
Darauf, als die Bewohner des königlichen Palastes, Männer wie Frauen, das laute Weinen hörten, kamen sie herbei, gleichermaßen betrübt und sehr klagend; und auch jene, die das Vergehen begangen hatten, weinten heuchlerisch.
Wort für Wort
tataḥ
darauf
nṛpa
o König
antaḥpura-vartinaḥ
die Bewohner des Palastes
janāḥ
alle Leute
narāḥ
die Männer
ca
und
nāryaḥ
die Frauen
ca
auch
niśamya
hörend
rodanam
lautes Weinen
āgatya
kommend
tulya-vyasanāḥ
gleichermaßen betrübt seiend
su-duḥkhitāḥ
sehr stark klagend
tāḥ
sie
ca
und
vyalīkam
heuchlerisch
ruruduḥ
weinten
kṛta-āgasaḥ
die das Vergehen begangen hatten (durch die Gabe des Gifts)
'kṛtāgasaḥ' (die das Vergehen begangen hatten) bezieht sich auf die Mitfrauen, die das Gift verabreicht hatten und nun heuchlerisch mitweinten.
Als er hörte, dass sein Sohn tot war, dessen Todesursache unbekannt war, konnte er nicht mehr richtig sehen, fiel beständig hin und stolperte auf dem Weg; von der durch seine Zuneigung sich steigernden Klage heftig überwältigt, wurde er bewusstlos, umgeben von Ministern, anderen Amtsträgern und gelehrten Brahmanen. Er fiel zu Füßen des toten Kindes nieder, sein Haar und Gewand zerzaust; lang atmend, mit von Tränen erstickter Stimme, war er nicht imstande zu sprechen.
Wort für Wort
śrutvā
hörend
mṛtam
tot
putram
den Sohn
alakṣita-antakam
dessen Todesursache unbekannt war
vinaṣṭa-dṛṣṭiḥ
der nicht mehr richtig sehen konnte
prapatan
beständig hinfallend
skhalan
stolpernd
pathi
auf dem Weg
sneha-anubandha
wegen der Zuneigung
edhitayā
sich steigernd
śucā
durch Klage
bhṛśam
heftig
vimūrcchitaḥ
bewusstlos werdend
anuprakṛtiḥ
gefolgt von Ministern und anderen Amtsträgern
dvijaiḥ
von gelehrten Brahmanen
vṛtaḥ
umgeben
papāta
fiel
bālasya
des Knaben
saḥ
er (der König)
pāda-mūle
zu Füßen
mṛtasya
des toten Körpers
visrasta
zerzaust
śiroruha
Haar
ambaraḥ
und Gewand
dīrgham
lang
śvasan
atmend
bāṣpa-kalā-uparodhataḥ
wegen des Weinens mit tränenden Augen
niruddha-kaṇṭhaḥ
mit erstickter Stimme
na
nicht
śaśāka
war imstande
bhāṣitum
zu sprechen
Zwei im Original getrennte Verse (Text 50 und 51) werden auf vedabase.io unter einer gemeinsamen Überschrift 'Texts 50-51' geführt und hier entsprechend als eine Einheit übersetzt.
patiṁ nirīkṣyoru-śucārpitaṁ tadā
mṛtaṁ ca bālaṁ sutam eka-santatim
janasya rājñī prakṛteś ca hṛd-rujaṁ
satī dadhānā vilalāpa citradhā
Als sie da ihren von großem Kummer heimgesuchten Gatten sah und auch ihren toten Sohn, den einzigen Sohn der Familie, klagte die Königin, während sie den Herzensschmerz der übrigen Leute und der Minister noch steigerte, auf vielfältige Weise.
Ihre mit Kuṅkuma-Salbe geschmückten Brüste mit Tränentropfen benetzend, die mit Augensalbe vermischt waren, ihr Haar zerstreuend, während ihre Blumengirlande herabfiel, klagte sie auf mannigfaltige Weise um ihren Sohn mit sehr süßer Stimme, wie ein Kurarī-Vogel.
aho vidhātas tvam atīva bāliśo
yas tv ātma-sṛṣṭy-apratirūpam īhase
pare nu jīvaty aparasya yā mṛtir
viparyayaś cet tvam asi dhruvaḥ paraḥ
Ach, o Vorsehung, du bist überaus unerfahren, der du gerade das Gegenteil deiner eigenen Schöpfung beabsichtigst – dass, während der Ältere lebt, der Tod des Jüngeren eintritt; wenn dies die Umkehrung der Ordnung ist, dann bist du gewiss ein Feind.
na hi kramaś ced iha mṛtyu-janmanoḥ
śarīriṇām astu tad ātma-karmabhiḥ
yaḥ sneha-pāśo nija-sarga-vṛddhaye
svayaṁ kṛtas te tam imaṁ vivṛścasi
Wenn es in dieser Welt bei Tod und Geburt der verkörperten Wesen keine feste Ordnung gibt, so sei dies eben durch ihr eigenes Karma bestimmt; doch die Fessel der Zuneigung, die du selbst zur Mehrung deiner eigenen Schöpfung geschaffen hast – gerade diese zerschneidest du nun.
Wort für Wort
na
nicht
hi
wahrlich
kramaḥ
chronologische Ordnung
cet
wenn
iha
in dieser materiellen Welt
mṛtyu
des Todes
janmanoḥ
und der Geburt
śarīriṇām
der bedingten Seelen, die materielle Körper angenommen haben
tvaṁ tāta nārhasi ca māṁ kṛpaṇām anāthāṁ
tyaktuṁ vicakṣva pitaraṁ tava śoka-taptam
añjas tarema bhavatāpraja-dustaraṁ yad
dhvāntaṁ na yāhy akaruṇena yamena dūram
Du, mein liebes Kind, solltest mich, die Armselige, Beschützerlose, nicht verlassen; sieh deinen von so großer Klage versehrten Vater an. Leicht mögen wir durch dich die für einen Sohnlosen so schwer zu überquerende Finsternis überqueren – geh nicht mit dem unbarmherzigen Yamarāja noch weiter fort!
uttiṣṭha tāta ta ime śiśavo vayasyās
tvām āhvayanti nṛpa-nandana saṁvihartum
suptaś ciraṁ hy aśanayā ca bhavān parīto
bhuṅkṣva stanaṁ piba śuco hara naḥ svakānām
Steh auf, mein liebes Kind! Diese deine Spielgefährten, die Kinder, rufen dich, o Sohn des Königs, um mit dir zu spielen. Du hast lange geschlafen und bist gewiss vom Hunger überwältigt – iss, trink an der Brust, und vertreibe die Klage von uns, deinen Angehörigen.
nāhaṁ tanūja dadṛśe hata-maṅgalā te
mugdha-smitaṁ mudita-vīkṣaṇam ānanābjam
kiṁ vā gato 'sy apunar-anvayam anya-lokaṁ
nīto 'ghṛṇena na śṛṇomi kalā giras te
Ich, mein Kind, die Unglücklichste, sehe nicht mehr dein Lotosgesicht mit dem bezaubernden Lächeln und den fröhlich blickenden Augen. Bist du etwa auf einen anderen, von dem man nicht wiederkehrt, Planeten gegangen, fortgeführt von dem erbarmungslosen Yamarāja? Ich höre deine so wohlklingenden Laute nicht mehr.
Wort für Wort
na
nicht
aham
ich
tanū-ja
mein liebes Kind (aus meinem Körper geboren)
dadṛśe
sah
hata-maṅgalā
da ich die Unglücklichste bin
te
dein
mugdha-smitam
mit bezauberndem Lächeln
mudita-vīkṣaṇam
mit geschlossenen Augen
ānana-abjam
Lotosgesicht
kiṁ vā
ob
gataḥ
fortgegangen
asi
du bist
a-punaḥ-anvayam
von wo man nicht zurückkehrt
anya-lokam
auf einen anderen Planeten, den Planeten Yamarājas
Während die beiden, der König und seine Gattin, so klagten, weinten all ihre Gefolgsleute, Männer wie Frauen, laut, und das ganze Königreich wurde wie bewusstlos.