Quellen der Menschheit

Bhāgavata-Purāṇa

Kapitel 186 Die Dynastie des Aṃśumān

Übersetzt nach dem Sanskrit-Grundtext der GRETIL-Ausgabe (bhp_09u.htm, Verse BhP_09.09.001–047), da vedabase.io während der Bearbeitung durchgehend mit HTTP 429 (Rate Limit) blockiert war. Wort-für-Wort-Gliederung und deutsche Übersetzung wurden eigenständig aus dem Sanskrit erarbeitet.

śrīśuka uvāca aṃśumāṃś ca tapas tepe gaṅgā-nayana-kāmyayā kālaṃ mahāntaṃ nāśaknot tataḥ kālena saṃsthitaḥ

Śrī Śuka sprach: Auch Aṃśumān übte Askese, im Verlangen, die Gaṅgā herabzuführen; lange Zeit hindurch vermochte er es nicht, dann kam er durch die Zeit [den Tod] zu seinem Ende.

Wort für Wort
śrī-śukaḥ uvāca
Śrī Śuka sprach
aṃśumān ca
und Aṃśumān
tapaḥ tepe
übte Askese
gaṅgā-nayana-kāmyayā
aus Verlangen, die Gaṅgā herabzuführen
kālaṃ mahāntam
lange Zeit
na aśaknot
er vermochte nicht
tataḥ
dann
kālena
durch die Zeit (den Tod)
saṃsthitaḥ
kam er zu seinem Ende, verstarb

dilīpas tat-sutas tadvad aśaktaḥ kālam eyivān bhagīrathas tasya sutas tepe sa sumahat tapaḥ

Dilīpa, dessen Sohn, war ebenso unfähig [es zu vollbringen] und ging [gleichfalls] zur Zeit [des Todes] ein; Bhagīratha, dessen [Dilīpas] Sohn, übte gewaltige Askese.

Wort für Wort
dilīpaḥ
Dilīpa
tat-sutaḥ
dessen Sohn
tadvat
ebenso
aśaktaḥ
unfähig
kālam eyivān
ging zur Zeit [des Todes] ein
bhagīrathaḥ
Bhagīratha
tasya sutaḥ
dessen Sohn
tepe
übte
sa
er
sumahat tapaḥ
überaus große Askese

darśayām āsa taṃ devī prasannā varadāsmi te ity uktaḥ svam abhiprāyaṃ śaśaṃsāvanato nṛpaḥ

Die Göttin [Gaṅgā] erschien ihm, gnädig gestimmt: „Ich bin [bereit], dir einen Segen zu gewähren.“ So angesprochen, trug der König, sich verneigend, sein eigenes Anliegen vor.

Wort für Wort
darśayām āsa
sie erschien, ließ sich sehen
tam
ihm
devī
die Göttin
prasannā
gnädig, wohlgesonnen
varadā asmi te
ich bin dir Wunscherfüllerin
iti uktaḥ
so angesprochen
svam abhiprāyam
sein eigenes Anliegen
śaśaṃsa
trug er vor
avanataḥ
sich verneigend
nṛpaḥ
der König

ko 'pi dhārayitā vegaṃ patantyā me mahī-tale anyathā bhū-talaṃ bhittvā nṛpa yāsye rasātalam

[Gaṅgā sprach:] „Wer wird die Wucht meines Falles auf die Erdoberfläche auffangen können? Sonst, o König, werde ich die Erdoberfläche durchbrechen und in die Unterwelt hinabsinken.“

Wort für Wort
kaḥ api
wer irgend
dhārayitā
wird auffangen können
vegam
die Wucht
patantyāḥ me
von mir, die ich herabfalle
mahī-tale
auf der Erdoberfläche
anyathā
andernfalls
bhū-talaṃ bhittvā
die Erdoberfläche durchbrechend
nṛpa
o König
yāsye
werde ich gehen
rasātalam
in die Unterwelt (Rasātala)

Kein eigener Sprecherwechsel-Vermerk im Quelltext; inhaltlich handelt es sich um die fortgesetzte Rede der Gaṅgā (1. Person „me/aham“ passt nicht zum König).

kiṃ cāhaṃ na bhuvaṃ yāsye narā mayy āmṛjanty agham mṛjāmi tad aghaṃ kvāhaṃ rājaṃs tatra vicintyatām

„Und auch werde ich nicht zur Erde herabsteigen, denn die Menschen waschen ihre Sünde an mir ab; wohin soll ich dann jene Sünde [selbst] abwaschen, o König? Das möge bedacht werden.“

Wort für Wort
kiṃ ca
und ferner
aham na bhuvaṃ yāsye
ich werde nicht zur Erde herabgehen
narāḥ
die Menschen
mayi āmṛjanti agham
reinigen an mir ihre Sünde ab
mṛjāmi
wasche ich ab
tat agham
jene Sünde
kva aham
wohin ich
rājan
o König
tatra vicintyatām
darüber möge nachgedacht werden

śrībhagīratha uvāca sādhavo nyāsinaḥ śāntā brahmiṣṭhā loka-pāvanāḥ haranty aghaṃ te 'ṅga-saṅgāt teṣv āste hy agha-bhid dhariḥ

Śrī Bhagīratha sprach: „Die Frommen, die Entsagten, die Friedvollen, die in Brahman Gegründeten, die Reiniger der Welt – sie nehmen deine Sünde fort durch die Berührung [deines] Wesens; denn in ihnen weilt Hari, der Sündenzerstörer.“

Wort für Wort
sādhavaḥ
die Frommen
nyāsinaḥ
die Entsagten (Sannyāsīs)
śāntāḥ
die Friedvollen
brahmiṣṭhāḥ
die in Brahman Gegründeten
loka-pāvanāḥ
die Reiniger der Welt
haranti aghaṃ te
sie nehmen deine Sünde fort
aṅga-saṅgāt
durch Berührung des Wesens/Leibes
teṣu āste
in ihnen weilt
hi
denn, wahrlich
agha-bhit hariḥ
Hari, der Sündenzerstörer

dhārayiṣyati te vegaṃ rudras tv ātmā śarīriṇām yasminn otam idaṃ protaṃ viśvaṃ śāṭīva tantuṣu

„Rudra aber, die Seele aller verkörperten Wesen, wird deine Wucht auffangen – er, in dem dieses Universum längs- und quergewoben ist, wie ein Gewand in seinen Fäden.“

Wort für Wort
dhārayiṣyati
wird auffangen, tragen
te vegam
deine Wucht
rudraḥ tu
Rudra aber
ātmā śarīriṇām
die Seele der verkörperten Wesen
yasmin
in dem
otam idam protaṃ viśvam
dieses längs- und quergewobene Universum
śāṭī iva tantuṣu
wie ein Gewand in seinen Fäden

ity uktvā sa nṛpo devaṃ tapasātoṣayac chivam kālenālpīyasā rājaṃs tasyeśaś cāśv atuṣyata

So sprechend, erfreute jener König den Gott Śiva durch Askese; in kürzester Zeit, o König, wurde dessen Herr [Śiva] rasch zufriedengestellt.

Wort für Wort
iti uktvā
so sprechend
sa nṛpaḥ
jener König
devaṃ śivam
den Gott Śiva
tapasā atoṣayat
erfreute er durch Askese
kālena alpīyasā
in sehr kurzer Zeit
rājan
o König
tasya īśaḥ
dessen Herr [Śiva]
ca āśu atuṣyata
und wurde rasch zufrieden

tatheti rājñābhihitaṃ sarvaloka-hitaḥ śivaḥ dadhārāvahito gaṅgāṃ pāda-pūta-jalāṃ hareḥ

„So sei es“ – [damit] willigte Śiva, der allen Welten Wohltuende, in das vom König Geäußerte ein und trug achtsam die Gaṅgā, deren Wasser durch die Füße Haris geheiligt ist.

Wort für Wort
tathā iti
„so sei es“
rājñā abhihitam
das vom König Gesagte
sarva-loka-hitaḥ śivaḥ
Śiva, der allen Welten Wohltuende
dadhāra
trug
avahitaḥ
achtsam, sorgfältig
gaṅgām
die Gaṅgā
pāda-pūta-jalāṃ hareḥ
deren Wasser durch die Füße Haris geheiligt ist

bhagīrathaḥ sa rājarṣir ninye bhuvana-pāvanīm yatra sva-pitṝṇāṃ dehā bhasmī-bhūtāḥ sma śerate

Jener königliche Weise Bhagīratha führte sie, die Reinigerin des Universums, dorthin, wo die zu Asche gewordenen Leiber seiner eigenen Vorväter lagen.

Wort für Wort
bhagīrathaḥ
Bhagīratha
sa rāja-ṛṣiḥ
jener königliche Weise
ninye
führte
bhuvana-pāvanīm
die Reinigerin des Universums [Gaṅgā]
yatra
wohin, wo
sva-pitṝṇām
seiner eigenen Vorväter
dehāḥ
die Leiber
bhasmī-bhūtāḥ
zu Asche geworden
sma śerate
lagen dort

[Anm.: GRETIL liest an dieser Stelle fehlerhaft „svapit-ṇāṃ“ (offenbar durch Verlust des vokalischen ṝ im Digitalisat); rekonstruiert als „sva-pitṝṇāṃ“ („seiner eigenen Vorväter“), was Metrik und Sinn erfordern.]

rathena vāyu-vegena prayāntam anudhāvatī deśān punantī nirdagdhān āsiñcat sagarātmajān

Ihm, der mit windschnellem Wagen voranfuhr, folgend, die Länder reinigend, besprengte sie [die Gaṅgā] die verbrannten Söhne Sagaras.

Wort für Wort
rathena
mit dem Wagen
vāyu-vegena
windschnell
prayāntam
den Voranfahrenden
anudhāvatī
nachfließend, folgend
deśān punantī
die Länder reinigend
nirdagdhān
die verbrannten
āsiñcat
besprengte sie
sagara-ātmajān
die Söhne Sagaras

yaj-jala-sparśa-mātreṇa brahma-daṇḍa-hatā api sagarātmajā divaṃ jagmuḥ kevalaṃ deha-bhasmabhiḥ

Durch die bloße Berührung mit deren [der Gaṅgā] Wasser gelangten die Söhne Sagaras, obwohl vom Brahma-Fluch getötet, in den Himmel – [obgleich von ihnen] nur die Asche ihrer Leiber [übrig war].

Wort für Wort
yat-jala-sparśa-mātreṇa
durch die bloße Berührung mit deren Wasser
brahma-daṇḍa-hatāḥ api
obwohl durch den Brahma-Fluch getötet
sagara-ātmajāḥ
die Söhne Sagaras
divaṃ jagmuḥ
gelangten in den Himmel
kevalam
nur, lediglich
deha-bhasmabhiḥ
mit der Asche ihrer Leiber

bhasmī-bhūtāṅga-saṅgena svar-yātāḥ sagarātmajāḥ kiṃ punaḥ śraddhayā devīṃ sevante ye dhṛta-vratāḥ

Durch die Berührung mit ihren zu Asche gewordenen Leibern gelangten die Söhne Sagaras zum Himmel – wie viel mehr [erlangen ihn] jene, die mit Glauben und festem Gelübde der Göttin [Gaṅgā] dienen?

Wort für Wort
bhasmī-bhūta-aṅga-saṅgena
durch Berührung mit dem zu Asche gewordenen Leib
svaḥ-yātāḥ
zum Himmel gegangen
sagara-ātmajāḥ
die Söhne Sagaras
kiṃ punaḥ
wie viel mehr
śraddhayā
mit Glauben
devīṃ sevante
der Göttin dienen
ye dhṛta-vratāḥ
jene, die feste Gelübde halten

na hy etat paramāścaryaṃ svardhunyā yad ihoditam ananta-caraṇāmbhoja-prasūtāyā bhava-cchidaḥ

Dies, was hier von der Himmelsflussgöttin [Gaṅgā] berichtet wurde – ihr, die aus dem Lotosfuß Anantas [Viṣṇus] entsprungen ist und das [Rad des] weltlichen Daseins durchtrennt –, ist wahrlich kein sonderliches Wunder.

Wort für Wort
na hi
denn wahrlich nicht
etat parama-āścaryam
dies [ist] ein besonderes Wunder
svardhunyā
von der Himmelsflussgöttin [Gaṅgā]
yat iha uditam
was hier gesagt wurde
ananta-caraṇa-ambhoja-prasūtāyāḥ
die aus dem Lotosfuß Anantas entsprungen ist
bhava-cchidaḥ
die das weltliche Dasein durchtrennt

sanniveśya mano yasmiñ chraddhayā munayo 'malāḥ traiguṇyaṃ dustyajaṃ hitvā sadyo yātās tad-ātmatām

Indem die reinen Weisen den Geist voll Vertrauen auf sie richteten, gaben sie die schwer aufzugebende Wirkung der drei Erscheinungsweisen [der Natur] auf und gelangten sogleich zur Wesenseinheit mit ihr.

Wort für Wort
sanniveśya manaḥ
den Geist richtend, versenkend
yasmin
auf welche
śraddhayā
mit Glauben, Vertrauen
munayaḥ amalāḥ
die reinen Weisen
traiguṇyam
die Dreiheit der Erscheinungsweisen
dustyajam
schwer aufzugebend
hitvā
aufgebend
sadyaḥ
sogleich
yātāḥ
gelangten
tad-ātmatām
zur Wesenseinheit mit ihr

śruto bhagīrathāj jajñe tasya nābho 'paro 'bhavat sindhudvīpas tatas tasmād ayutāyus tato 'bhavat

Von Bhagīratha wurde Śruta geboren; von diesem [entstand] ein weiterer Nābha; von diesem [entstand] Sindhudvīpa; von diesem entstand sodann Ayutāyus.

Wort für Wort
śrutaḥ
Śruta
bhagīrathāt jajñe
wurde von Bhagīratha geboren
tasya
von diesem
nābhaḥ aparaḥ abhavat
entstand ein weiterer Nābha
sindhudvīpaḥ
Sindhudvīpa
tataḥ tasmāt
von diesem daraufhin
ayutāyuḥ
Ayutāyus
tataḥ abhavat
entstand daraufhin

ṛtūparṇo nalasakho yo 'śvavidyām ayān nalāt dattvākṣa-hṛdayaṃ cāsmai sarva-kāmas tu tat-sutaḥ

Von ihm [Ayutāyus stammte] Ṛtuparṇa, der Freund Nalas, der von Nala die Wissenschaft der Pferde erlangte und ihm dafür das Geheimnis des Würfelspiels gab; Sarvakāma aber war dessen [Ṛtuparṇas] Sohn.

Wort für Wort
ṛtūparṇaḥ
Ṛtuparṇa
nala-sakhaḥ
der Freund Nalas
yaḥ aśva-vidyām
der die Pferdewissenschaft
ayāt nalāt
von Nala erlangte
dattvā
gebend
akṣa-hṛdayam
das Geheimnis des Würfelspiels
ca asmai
und ihm
sarva-kāmaḥ tu
Sarvakāma aber
tat-sutaḥ
[war] dessen Sohn

[Anm.: GRETIL liest „tat-sutam“ (Akkusativ), was grammatisch nicht zum Kontext passt; nach Metrik und Sinn als Nominativ „tat-sutaḥ“ rekonstruiert.]

tataḥ sudāsas tat-putro damayantī-patir nṛpaḥ āhur mitrasahaṃ yaṃ vai kalmāṣāṅghrim uta kvacit vasiṣṭha-śāpād rakṣo 'bhūd anapatyaḥ sva-karmaṇā

Von ihm [Sarvakāma] stammte Sudāsa, sein Sohn, der König [und] Gemahl der Madayantī, den man auch Mitrasaha nennt und bisweilen auch „Fleckfuß“ [Kalmāṣapāda]; durch den Fluch Vasiṣṭhas wurde er infolge seiner eigenen Tat zu einem Rākṣasa und blieb kinderlos.

Wort für Wort
tataḥ
von ihm, daraufhin
sudāsaḥ
Sudāsa
tat-putraḥ
dessen Sohn
damayantī-patiḥ
Gemahl der Madayantī
nṛpaḥ
der König
āhuḥ
man nennt
mitrasaham
Mitrasaha
yaṃ vai
den wahrlich
kalmāṣa-aṅghrim
„Fleckfuß“
uta kvacit
und mitunter
vasiṣṭha-śāpāt
durch den Fluch Vasiṣṭhas
rakṣaḥ abhūt
wurde er ein Rākṣasa
anapatyaḥ
kinderlos
sva-karmaṇā
durch seine eigene Tat

[Anm.: GRETIL liest hier „damayantī-patir“; in den folgenden Versen (24, 27, 36, 38) heißt die Gattin durchweg „Madayantī“ – vermutlich Schreibvariante/Verwechslung mit Damayantī, der Gattin Nalas, im Digitalisat. Als „Madayantī“ übersetzt.]

śrīrājovāca kiṃ nimitto guroḥ śāpaḥ saudāsasya mahātmanaḥ etad veditum icchāmaḥ kathyatāṃ na raho yadi

Śrī [Parīkṣit], der König, sprach: „Was war der Grund für den Fluch des Lehrers gegen den hochgesinnten Sohn Sudāsas? Dies möchten wir erfahren – man erzähle es, sofern es kein Geheimnis ist.“

Wort für Wort
kiṃ-nimittaḥ
aus welchem Grund
guroḥ śāpaḥ
der Fluch des Lehrers
saudāsasya
gegen den Sohn Sudāsas
mahātmanaḥ
den hochgesinnten
etat veditum icchāmaḥ
dies möchten wir wissen
kathyatām
es werde erzählt
na rahaḥ yadi
wenn es kein Geheimnis ist

śrīśuka uvāca saudāso mṛgayāṃ kiñcic caran rakṣo jaghāna ha mumoca bhrātaraṃ so 'tha gataḥ praticikīrṣayā

Śrī Śuka sprach: Saudāsa, einst auf der Jagd umherziehend, erschlug einen Rākṣasa; dessen Bruder entkam und ging darauf, zur Vergeltung entschlossen, fort.

Wort für Wort
saudāsaḥ
Saudāsa
mṛgayāṃ kiñcit caran
einst auf der Jagd umherziehend
rakṣaḥ jaghāna ha
erschlug einen Rākṣasa
mumoca
entkam, ließ los
bhrātaram
der Bruder
saḥ atha gataḥ
er ging darauf
praticikīrṣayā
mit der Absicht der Vergeltung

sañcintayann aghaṃ rājñaḥ sūda-rūpa-dharo gṛhe gurave bhoktu-kāmāya paktvā ninye narāmiṣam

Auf das Unheil des Königs sinnend, nahm er [der Rākṣasa] die Gestalt eines Kochs an und brachte, [Speise] zubereitend, dem speisen wollenden Lehrer [Vasiṣṭha] im Hause Menschenfleisch.

Wort für Wort
sañcintayan
sinnend, planend
agham rājñaḥ
das Unheil des Königs
sūda-rūpa-dharaḥ
die Gestalt eines Kochs annehmend
gṛhe
im Haus
gurave bhoktu-kāmāya
dem speisen wollenden Lehrer
paktvā
zubereitend
ninye
brachte er
nara-āmiṣam
Menschenfleisch

parivekṣyamāṇaṃ bhagavān vilokyābhakṣyam añjasā rājānam aśapat kruddho rakṣo hy evaṃ bhaviṣyasi

Als der erhabene [Vasiṣṭha] das ihm Vorgesetzte erblickte und es sogleich als unerlaubte Speise erkannte, verfluchte er zornig den König: „Fürwahr, so wirst du ein Rākṣasa werden!“

Wort für Wort
parivekṣyamāṇam
das ihm Vorgesetzte
bhagavān
der erhabene [Vasiṣṭha]
vilokya
erblickend
abhakṣyam añjasā
als unerlaubte Speise sogleich
rājānam aśapat
verfluchte er den König
kruddhaḥ
zornig
rakṣaḥ hi evaṃ bhaviṣyasi
„wahrlich, so wirst du ein Rākṣasa werden“

rakṣaḥ-kṛtaṃ tad viditvā cakre dvādaśa-vārṣikam so 'py apo 'ñjalim ādāya guruṃ śaptuṃ samudyataḥ

Als er erkannte, dass dies das Werk des Rākṣasa war, legte [Vasiṣṭha für sich selbst] eine Zwölfjahresfrist [der Buße] fest; jener [der König] aber war seinerseits, Wasser in der hohlen Hand ergreifend, bereit, den Lehrer zu verfluchen.

Wort für Wort
rakṣaḥ-kṛtam
vom Rākṣasa bewirkt
tat viditvā
dies erkennend
cakre
legte er fest
dvādaśa-vārṣikam
eine Zwölfjahresfrist
saḥ api
er aber auch
apaḥ añjalim ādāya
Wasser in hohler Hand nehmend
gurum śaptum
den Lehrer zu verfluchen
samudyataḥ
bereit, im Begriff

[Anm.: Die genaue Bezugsperson der „Zwölfjahresfrist“ ist im Sanskrit knapp gehalten; nach dem Kontext (Vers 37: „nach zwölf Jahren vom Fluch befreit“) bezieht sie sich auf die von Vasiṣṭha über den König verhängte Dauer des Rākṣasa-Fluchs.]

vārito madayantyāpo ruśatīḥ pādayor jahau diśaḥ khamavanīṃ sarvaṃ paśyan jīvamayaṃ nṛpaḥ

Von Madayantī daran gehindert, ließ er das leuchtende Wasser zu seinen Füßen fallen; der König sah [von da an] alle Himmelsrichtungen, den Himmel und die ganze Erde von Leben durchdrungen.

Wort für Wort
vāritaḥ
gehindert
madayantyā
von Madayantī
apaḥ ruśatīḥ
das leuchtende, glänzende Wasser
pādayoḥ jahau
ließ er zu seinen Füßen fallen
diśaḥ khamavanīṃ sarvam
die Himmelsrichtungen, den Himmel, die ganze Erde
paśyan
sehend
jīva-mayam
von Leben erfüllt
nṛpaḥ
der König

rākṣasaṃ bhāvam āpannaḥ pāde kalmāṣatāṃ gataḥ vyavāya-kāle dadṛśe vanauko-dampatī dvijau

Er, in ein Rākṣasa-Wesen versetzt, an dessen Fuß Flecken erschienen waren, erblickte einst zur Zeit der [ehelichen] Vereinigung ein im Wald lebendes Brahmanenpaar.

Wort für Wort
rākṣasaṃ bhāvam āpannaḥ
in ein Rākṣasa-Wesen versetzt
pāde kalmāṣatāṃ gataḥ
an dessen Fuß Fleckigkeit entstand
vyavāya-kāle
zur Zeit der Vereinigung
dadṛśe
erblickte er
vana-oka-dampatī
ein im Wald wohnendes Ehepaar
dvijau
zwei Zweifachgeborene (Brahmanen)

kṣudhārto jagṛhe vipraṃ tat-patny āhākṛtārthavat na bhavān rākṣasaḥ sākṣād ikṣvākūṇāṃ mahārathaḥ

Von Hunger gequält, ergriff er den Brahmanen; dessen Gattin sprach, als sei [ihr Gatte] noch unerfüllten Zieles: „Du bist nicht wirklich ein Rākṣasa, [sondern] der große Streitwagenkämpfer der Ikṣvākus.“

Wort für Wort
kṣudhā-ārtaḥ
von Hunger gequält
jagṛhe vipram
ergriff er den Brahmanen
tat-patnī āha
dessen Gattin sprach
akṛtārthavat
wie einen, dessen Ziel unerfüllt ist
na bhavān rākṣasaḥ sākṣāt
du bist nicht wirklich ein Rākṣasa
ikṣvākūṇāṃ mahārathaḥ
der große Wagenkämpfer der Ikṣvākus

madayantyāḥ patir vīra nādharmaṃ kartum arhasi dehi me 'patya-kāmāyā akṛtārthaṃ patiṃ dvijam

„O Held, Gemahl der Madayantī, es geziemt dir nicht, Unrecht zu tun! Gib mir, die ich nach Nachkommenschaft verlange, meinen [sein Ziel] noch nicht erreichten Gatten, den Brahmanen, zurück.“

Wort für Wort
madayantyāḥ patiḥ
Gemahl der Madayantī
vīra
o Held
na adharmaṃ kartum arhasi
es geziemt dir nicht, Unrecht zu tun
dehi me
gib mir
apatya-kāmāyāḥ
die ich Nachkommenschaft begehre
akṛtārthaṃ patiṃ dvijam
meinen noch nicht ans Ziel gelangten Gatten, den Brahmanen

deho 'yaṃ mānuṣo rājan puruṣasyākhilārtha-daḥ tasmād asya vadho vīra sarvārtha-vadha ucyate

„Dieser Menschenleib, o König, gewährt dem Menschen alle Ziele [des Lebens]; darum, o Held, wird das Töten dieses [Menschen] als das Töten aller [seiner] Lebensziele bezeichnet.“

Wort für Wort
dehaḥ ayaṃ mānuṣaḥ
dieser menschliche Leib
rājan
o König
puruṣasya akhila-artha-daḥ
der dem Menschen alle Lebensziele gewährt
tasmāt
deshalb
asya vadhaḥ
dessen Tötung
vīra
o Held
sarva-artha-vadhaḥ ucyate
wird als Tötung aller Lebensziele bezeichnet

eṣa hi brāhmaṇo vidvāṃs tapaḥ-śīla-guṇānvitaḥ ārirādhayiṣur brahma mahā-puruṣa-saṃjñitam sarva-bhūtātma-bhāvena bhūteṣv antarhitaṃ guṇaiḥ

„Denn dieser Brahmane ist gelehrt, mit den Eigenschaften der Askese und des guten Charakters ausgestattet, [und] im Begriff, das Brahman zu verehren, das als der Höchste Purusa bezeichnet wird – der, obgleich er seinem Wesen nach die Seele aller Geschöpfe ist, in den Geschöpfen durch [die materiellen] Eigenschaften verborgen bleibt.“

Wort für Wort
eṣaḥ hi brāhmaṇaḥ
dieser Brahmane wahrlich
vidvān
gelehrt, weise
tapaḥ-śīla-guṇa-anvitaḥ
mit den Tugenden der Askese und des guten Charakters versehen
ārirādhayiṣuḥ
im Begriff zu verehren
brahma
das Brahman
mahā-puruṣa-saṃjñitam
das als der Höchste Purusa bezeichnet wird
sarva-bhūta-ātma-bhāvena
durch sein Wesen als Seele aller Geschöpfe
bhūteṣu antarhitam
in den Geschöpfen verborgen
guṇaiḥ
durch die [materiellen] Eigenschaften

so 'yaṃ brahmarṣi-varyas te rājarṣi-pravarād vibho katham arhati dharmajña vadhaṃ pitur ivātmajaḥ

„Dieser vortreffliche Brahmanenweise – wie könnte er, o Gebieter, o Kenner der Pflicht, von dir, dem vortrefflichsten der königlichen Weisen, den Tod verdienen, gleichwie ein Sohn [ihn nicht verdient] durch die Hand des Vaters?“

Wort für Wort
saḥ ayaṃ brahma-ṛṣi-varyaḥ
dieser vortreffliche Brahmanenweise
te
von dir
rāja-ṛṣi-pravarāt
dem vortrefflichsten der königlichen Weisen
vibho
o Gebieter
katham arhati
wie sollte er verdienen
dharma-jña
o Kenner der Pflicht
vadham
den Tod
pituḥ iva ātmajaḥ
wie ein Sohn durch den Vater

tasya sādhor apāpasya bhrūṇasya brahma-vādinaḥ kathaṃ vadhaṃ yathā babhror manyate san-mato bhavān

„Wie kannst du, der du unter den Guten geachtet bist, das Töten dieses Frommen, Sündlosen, [wie ein] Unschuldiger [zu Behandelnden], eines Verkünders des Brahman erwägen, so als wäre es das Töten einer Kuh?“

Wort für Wort
tasya sādhoḥ apāpasya
jenes Frommen, Sündlosen
bhrūṇasya
des Unschuldigen (eines Ungeborenen gleich)
brahma-vādinaḥ
eines Verkünders des Brahman
kathaṃ vadham
wie die Tötung
yathā babhroḥ
wie die einer Kuh
manyate
erwägt, denkt
sat-mataḥ bhavān
du, sonst von den Guten Geachteter

yady ayaṃ kriyate bhakṣyas tarhi māṃ khāda pūrvataḥ na jīviṣye vinā yena kṣaṇaṃ ca mṛtakaṃ yathā

„Wenn dieser [Mann] zur Speise gemacht wird, dann verzehre zuerst mich! Ohne ihn werde ich nicht [weiter]leben können, nicht einmal einen Augenblick, einer Toten gleich.“

Wort für Wort
yadi ayaṃ kriyate bhakṣyaḥ
wenn dieser zur Speise gemacht wird
tarhi māṃ khāda pūrvataḥ
dann verzehre zuerst mich
na jīviṣye
ich werde nicht leben
vinā yena
ohne ihn
kṣaṇaṃ ca
auch nur einen Augenblick
mṛtakaṃ yathā
wie eine Tote

evaṃ karuṇa-bhāṣiṇyā vilapantyā anāthavat vyāghraḥ paśum ivākhādat saudāsaḥ śāpa-mohitaḥ

Obwohl sie so mitleiderregend sprach und wie eine Schutzlose wehklagte, verschlang Saudāsa, vom Fluch verblendet, [den Brahmanen] wie ein Tiger ein [wehrloses] Tier.

Wort für Wort
evaṃ karuṇa-bhāṣiṇyā
so mitleiderregend sprechend
vilapantyā
wehklagend
anāthavat
wie eine Schutzlose
vyāghraḥ paśum iva
wie ein Tiger ein Tier
akhādat
verschlang
saudāsaḥ
Saudāsa
śāpa-mohitaḥ
vom Fluch verblendet

brāhmaṇī vīkṣya didhiṣuṃ puruṣādena bhakṣitam śocanty ātmānam urvīśam aśapat kupitā satī

Als die Brahmanin ihren geliebten [Gatten] von dem Menschenfresser verzehrt sah, beklagte sie, [ihr eigenes Los] betrauernd, zornig geworden, wahrhaftig den Herrscher der Erde mit einem Fluch.

Wort für Wort
brāhmaṇī
die Brahmanin
vīkṣya
erblickend
didhiṣum
den geliebten [Gatten]
puruṣa-adena
vom Menschenfresser
bhakṣitam
verzehrt
śocantī ātmānam
ihr eigenes Los betrauernd
urvīśam aśapat
verfluchte sie den Erdenherrscher
kupitā satī
zornig geworden, wahrhaftig

yasmān me bhakṣitaḥ pāpa kāmārtāyāḥ patis tvayā tavāpi mṛtyur ādhānād akṛta-prajña darśitaḥ

„Weil du, Sünder, mir, die ich nach [ehelicher] Vereinigung verlangte, den Gatten verzehrt hast, so ist auch dir, Unwissender, der Tod durch [eheliche] Vereinigung bestimmt.“

Wort für Wort
yasmāt
weil
me bhakṣitaḥ
mir verzehrt wurde
pāpa
o Sünder
kāma-ārtāyāḥ
die von Verlangen Gequälte
patiḥ tvayā
der Gatte, von dir
tava api
auch dir
mṛtyuḥ
der Tod
ādhānāt
durch Empfängnis/Vereinigung
akṛta-prajña
o Unwissender, Törichter
darśitaḥ
ist bestimmt worden

evaṃ mitrasahaṃ śaptvā pati-loka-parāyaṇā tad-asthīni samiddhe 'gnau prāsya bhartur gatiṃ gatā

Nachdem sie so Mitrasaha verflucht hatte, warf sie, [ganz] der Welt ihres Gatten ergeben, dessen Gebeine in das lodernde Feuer und ging [selbst] dem Weg ihres Gatten [in den Tod] nach.

Wort für Wort
evaṃ mitrasahaṃ śaptvā
nachdem sie so Mitrasaha verflucht hatte
pati-loka-parāyaṇā
der Welt ihres Gatten ergeben
tat-asthīni
dessen Gebeine
samiddhe agnau prāsya
in das lodernde Feuer werfend
bhartuḥ gatiṃ gatā
ging sie dem Weg ihres Gatten nach

viśāpo dvādaśābdānte maithunāya samudyataḥ vijñāpya brāhmaṇī-śāpaṃ mahiṣyā sa nivāritaḥ

Nach zwölf Jahren vom Fluch befreit, machte er sich zur [ehelichen] Vereinigung bereit; doch von seiner Hauptgemahlin, die ihm den Fluch der Brahmanin mitteilte, wurde er davon abgehalten.

Wort für Wort
viśāpaḥ
vom Fluch befreit
dvādaśa-abda-ante
am Ende von zwölf Jahren
maithunāya samudyataḥ
zur Vereinigung bereit
vijñāpya
mitteilend
brāhmaṇī-śāpam
den Fluch der Brahmanin
mahiṣyā
von der Hauptkönigin
saḥ nivāritaḥ
er wurde abgehalten

ata ūrdhvaṃ sa tatyāja strī-sukhaṃ karmaṇāprajāḥ vasiṣṭhas tad-anujñāto madayantyāṃ prajām adhāt

Von da an entsagte er, durch [sein früheres] Tun kinderlos, dem [ehelichen] Glück mit einer Frau; Vasiṣṭha, von ihm dazu ermächtigt, zeugte mit Madayantī Nachkommenschaft.

Wort für Wort
ataḥ ūrdhvam
von da an
sa tatyāja
er entsagte
strī-sukham
dem Glück mit einer Frau
karmaṇā aprajāḥ
durch seine Tat kinderlos geworden
vasiṣṭhaḥ
Vasiṣṭha
tat-anujñātaḥ
von ihm dazu ermächtigt
madayantyām
mit Madayantī
prajām adhāt
erzeugte Nachkommenschaft

sā vai sapta samā garbham abibhran na vyajāyata jaghne 'śmanodaraṃ tasyāḥ so 'śmakas tena kathyate

Sie trug wahrlich sieben Jahre lang die Leibesfrucht, ohne zu gebären; [schließlich] zerschlug sie ihren Leib mit einem Stein – deshalb wird er „Aśmaka“ [„der vom Stein“] genannt.

Wort für Wort
sā vai
sie wahrlich
sapta samāḥ
sieben Jahre
garbham abibhrat
trug die Leibesfrucht
na vyajāyata
gebar nicht
jaghne
zerschlug
aśmanā udaraṃ tasyāḥ
mit einem Stein ihren Leib
saḥ aśmakaḥ
er, Aśmaka
tena kathyate
wird deshalb so genannt

aśmakād bāliko jajñe yaḥ strībhiḥ parirakṣitaḥ nārī-kavaca ity ukto niḥkṣatre mūlako 'bhavat

Von Aśmaka wurde ein Knabe geboren, der von Frauen beschützt wurde; er wurde „Nārīkavaca“ [„von Frauen beschirmt“] genannt und wurde, als [die Erde] frei von Kṣatriyas war, [zum König] Mūlaka.

Wort für Wort
aśmakāt
von Aśmaka
bālikaḥ jajñe
wurde ein Knabe geboren
yaḥ strībhiḥ parirakṣitaḥ
der von Frauen beschützt wurde
nārī-kavacaḥ iti uktaḥ
„Nārīkavaca“ genannt
niḥkṣatre
als die Welt frei von Kṣatriyas war
mūlakaḥ abhavat
wurde er zu Mūlaka

tato daśarathas tasmāt putra aiḍaviḍis tataḥ rājā viśvasaho yasya khaṭvāṅgaś cakravarty abhūt

Von ihm [stammte] Daśaratha; von diesem [entstand] als Sohn Aiḍaviḍi; von ihm [entstand] der König Viśvasaha, dessen [Sohn] Khaṭvāṅga zum Weltherrscher wurde.

Wort für Wort
tataḥ daśarathaḥ
von ihm entstand Daśaratha
tasmāt putraḥ aiḍaviḍiḥ
von diesem entstand als Sohn Aiḍaviḍi
tataḥ
von diesem
rājā viśvasahaḥ
der König Viśvasaha
yasya
dessen
khaṭvāṅgaḥ
Khaṭvāṅga
cakravartī abhūt
wurde Weltherrscher

[Anm.: Dieser Daśaratha ist nicht der spätere Vater Rāmas (dieser erscheint erst in Vers 41 des folgenden Kapitels 9.10 innerhalb der Raghu-Linie); Namensgleichheit ohne Identität.]

yo devair arthito daityān avadhīd yudhi durjayaḥ muhūrtam āyur jñātvaitya sva-puraṃ sandadhe manaḥ

Er, von den Göttern gebeten, tötete im Kampf, unbezwingbar, die Daityas; als er erkannte, dass ihm nur noch ein Muhūrta Lebenszeit blieb, kehrte er in seine [himmlische] Stadt zurück und richtete seinen Geist [auf das Höchste].

Wort für Wort
yaḥ devaiḥ arthitaḥ
er, von den Göttern gebeten
daityān avadhīt
tötete die Daityas
yudhi durjayaḥ
im Kampf unbezwingbar
muhūrtam āyuḥ jñātvā
erkennend, dass nur ein Muhūrta Lebenszeit blieb
etya
zurückkehrend
sva-puram
zu seiner [himmlischen] Stadt
sandadhe manaḥ
richtete er den Geist [auf das Höchste]

na me brahma-kulāt prāṇāḥ kula-daivān na cātmajāḥ na śriyo na mahī rājyaṃ na dārāś cātivallabhāḥ

„Weder ist mir das Leben, noch sind mir die Söhne – die man als Hausgottheit erachtet – lieber als das Geschlecht der Brahmanen; weder Reichtum, noch die Erde, das Königreich, noch die über alles geliebten Gattinnen [sind mir lieber als dieses].“

Wort für Wort
na me prāṇāḥ
nicht ist mir das Leben lieber
brahma-kulāt
als das Geschlecht der Brahmanen
kula-daivāt
als die Hausgottheit
na ca ātmajāḥ
noch die Söhne
na śriyaḥ
nicht der Reichtum
na mahī
nicht die Erde
rājyam
das Königreich
na dārāḥ
nicht die Gattinnen
ca ativallabhāḥ
und die über alles geliebten

na bālye 'pi matir mahyam adharme ramate kvacit nāpaśyam uttamaślokād anyat kiñcana vastv aham

„Nicht einmal in der Kindheit fand mein Sinn je Gefallen am Unrecht; ich sah nie irgendetwas als [wahrhaft] wirklich an außer dem, der in erhabenen Versen gepriesen wird [Uttamaśloka, Viṣṇu].“

Wort für Wort
na bālye api
nicht einmal in der Kindheit
matiḥ mahyam
mein Sinn
adharme ramate kvacit
fand jemals Gefallen am Unrecht
na apaśyam
ich sah nicht
uttamaślokāt anyat
außer dem in erhabenen Versen Gepriesenen
kiñcana vastu aham
irgendetwas [als wirklich seiend], ich

devaiḥ kāma-varo datto mahyaṃ tribhuvaneśvaraiḥ na vṛṇe tam ahaṃ kāmaṃ bhūta-bhāvana-bhāvanaḥ

„Von den Göttern, den Herrschern der drei Welten, wurde mir ein Wunschgeschenk gewährt; [doch] ich, der ich auf den sinne, der das Werden aller Wesen bewirkt, begehre jenen Wunsch nicht.“

Wort für Wort
devaiḥ
von den Göttern
kāma-varaḥ dattaḥ
ein Wunschgeschenk wurde gegeben
mahyam
mir
tribhuvana-īśvaraiḥ
von den Herrschern der drei Welten
na vṛṇe
ich wähle, begehre nicht
tam ahaṃ kāmam
jenen Wunsch, ich
bhūta-bhāvana-bhāvanaḥ
der auf den sinnt, der das Werden der Geschöpfe bewirkt

ye vikṣiptendriya-dhiyo devās te sva-hṛdi sthitam na vindanti priyaṃ śaśvad ātmānaṃ kim utāpare

„Die Götter [selbst], deren Sinne und Verstand zerstreut sind, finden nicht den geliebten, ewigen Selbst, der in ihrem eigenen Herzen weilt – um wie viel weniger andere [Wesen]?“

Wort für Wort
ye vikṣipta-indriya-dhiyaḥ
die, deren Sinne und Verstand zerstreut sind
devāḥ
die Götter
te
sie
sva-hṛdi sthitam
im eigenen Herzen weilend
na vindanti
finden nicht
priyam
den geliebten
śaśvat ātmānam
den ewigen Selbst
kim uta apare
wie viel mehr andere

atheśa-māyā-raciteṣu saṅgaṃ guṇeṣu gandharva-puropameṣu rūḍhaṃ prakṛtyātmani viśvakartur bhāvena hitvā tam ahaṃ prapadye

„Darum, die von Natur aus [in mir] tiefverwurzelte Anhaftung an die Erscheinungsweisen [der Natur], die von der Illusionsmacht des Herrn geschaffen und einer Gandharva-Stadt [einem Trugbild] gleich sind, aufgebend, ergebe ich mich ihm, dem Schöpfer des Universums, in liebender Hingabe.“

Wort für Wort
atha
darum, nun
īśa-māyā-raciteṣu guṇeṣu
in den von der Māyā des Herrn geschaffenen Erscheinungsweisen
saṅgam
die Anhaftung
gandharva-pura-upameṣu
die einer Gandharva-Stadt gleichen
rūḍham prakṛtyā ātmani
die von Natur aus im eigenen Selbst verwurzelt ist
viśva-kartuḥ
dem Schöpfer des Universums
bhāvena
in liebender Hingabe
hitvā
aufgebend
tam ahaṃ prapadye
ergebe ich mich ihm

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